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Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

Culinaria China* – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

Tolle Kochworkshops!

Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren.

Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

Input!

Gewürze

Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

The Hutong - Küche

The Hutong-Küche

Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

Push! Turnover! Quick!

Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

The Hutong

So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

Ich bin gefragt worden, wie es rund um die Schule und bei uns so aussieht. Also habe ich mir heute, als ich zum Einkaufen gefahren bin, die Kamera um den Hals gehängt und zwischendrin geknipst. Das Wetter ist schön, nur die Luft ist nicht so toll (AQI 172).

Das ist die Tianze Lu (Straße). Schulweg und Strecke in Richtung Lucky Street, Solana, Chaoyang Park …

Und hier der Lady Street Flower Market. Als wir vor eineinhalb Jahren umgezogen sind hieß es, er würde in ein paar Wochen wieder öffnen. Tja, Satz mit x. Immerhin, jetzt tut sich etwas. Vor ein paar Tagen wurde an den Rohrleitungen rundherum gearbeitet, und jetzt steht ein Gerüst. Ich bin gespannt.

Danach geht es an der US-Botschaft vorbei – und der isländisch/estländischen (die teilen sich ein Gebäude), der indischen und der israelischen.

An der Ecke Tianze Lu/Liangmaqiao Lu schau ich in Richtung Schule, wo auch die Schulbusse parken.

Ich fahre aber erstmal in die andere Richtung zur Lucky Street.

Das ist eine Ladenzeile mit einigen Läden und vielen Restaurants.

Hier ist auch einer der verschiedenen deutschen Bäcker in Peking: South German Bakery, mit dem kleinen Café Konstanz. Im Obergeschoss befindet sich ein deutsches Restaurant, die Bodenseestube.

Ich kaufe ein ganzes Toastbrot und ein “Schwäbisches Holzofenbrot” und fahre weiter in Richtung Schindler. Dabei komme ich am Solana (Einkaufszentrum) vorbei, das ich heute aber links liegen lasse. Dort gibt es auch einen BHG-Markt (gehobener chinesisch-internationaler Supermarkt), in dem es laut meiner Nachbarin das beste Fleisch für Rouladen in ganz Peking gebe.

Ich biege in Richtung Schindler ab und denke mal wieder, dass Peking zu einem Großteil aus Restaurants besteht. ;)

Et voilá: Schindler aka German Food Center. Fleisch kann man auch anderswo gut kaufen, aber Wurst und Würstchen, Leberkäse und Aufschnitt sind hier wirklich gut. Verschiedene deutsche/europäische Importwaren gibt es ebenfalls. Schindler ist eine Pekinger Institution mit Restaurants und Läden. Hier und hier kann man mehr über Schindler’s Erfolgsgeschichte in Peking lesen.

Ich kaufe Fleischsalat, Kassler-Aufschnitt und Wiener Würstchen und tuckere weiter in die Maizidian Jie. Bei Jenny Lou (internationaler Supermarkt) brauche ich heute nichts, und auch aus der Jiaozibude (Hobbithöhle, Kellerchinese oder korrekt: Bao Yuan Jiaozi Wu) brauche ich heute nichts.

Nun bin ich zurück an der Liangmaqiao-Kreuzung. Hier sieht man die Französische Botschaft.

Was sich hier in rot hinter den Bäumen versteckt, ist das Schulgebäude.

Und dies ist der Eingangsbereich der Schule. Pförtner und Corona-Zelte, hier werden die Kinder morgens durchgeschleust: Hände desinfizieren, Temperatur messen, mit Schüler-Karte (mit der auch in der Mensa bezahlt werden kann) registrieren.

An der Schule vorbei geht es aufs Grand Summit zu. Dahinter ist die Metrostation Liangmaqiao. Auch das Baker & Spice ist eine Institution, für die Deutschen besonders wegen der Schulnähe. Hier gibt es anständigen Kaffee und Wein, Brot, Gebäck, Salate, Pho und Currys … 

Das “obentos” im Untergeschoss hat Corona nicht überlebt und ist weg.

Wenige Meter weiter ist der hintere Teil des Grand Summits mit diversen Restaurants, u.a. dem bei vielen Teens ziemlich beliebten Fatburger – aktuell dürfen die Oberstufenschüler das Schulgelände nicht verlassen, muss ein ziemlicher Umsatzeinbruch für Fatburger sein… Im Untergeschoss ist der City Shop, der zwar teuer ist, aber manchmal Importe aus Deutschland hat, die man sonst nirgends bekommt.

So, das war also eine Tour rund um die Schule. Obst und Gemüse hatte ich online bestellt (ich probiere gerade verschiedene Gemüseboxen aus), also bin ich mit dem Einkauf für heute fertig. Ich setze die “Einkaufs-/Nachbarschaftstour” demnächst fort, wenn ich zum Sanyuanli Markt, Jingkelong und Jenny Lou in Sanlitun fahre.

Wo werden wir wohnen? Die Wohnungssuche war für mich und ist sicher auch für viele andere Familien, die vor der Situation “wir gehen nach Peking” stehen, eine der wichtigsten Fragen. Das eine ist sicher die Entscheidung, ob man in der Stadt oder weiter draußen wohnen möchte, das andere ist das konkrete Haus/Wohnung. Kann halt passieren, dass zum passenden Zeitpunkt im Wunsch-Compound kein passendes Haus frei ist. Hatte ich erwähnt, dass es nichts nutzt, wenn das Traumhaus in einem doofen Compound steht? Oder umgekehrt der Compound toll ist, das Haus aber 1000 Macken hat?

Oh, und was sicher auch eine erste typisch chinesische Erfahrung werden kann: wenn man von einem Makler die ersten Wohnungen/Häuser gezeigt bekommt: nicht erschrecken, es ist üblich, dass sie einem zunächst die Ladenhüter zeigen, bevor es dann wirklich infrage kommendes gezeigt wird. Dabei wird unendlich viel Zeit verplempert… Aber am Ende stehen die Makler toll da, weil sie ja bei so schrecklichen Wohnungen dann doch plötzlich die tolle, richtige (die man gerne gleich als erstes gesehen hätte, verflixt!) aus dem Hut zaubern konnten.

Was ich selber noch wirklich wichtig finde bei der Entscheidung für oder gegen ein Haus/eine Wohnung:

  • Klimaanlage. Die sollte nicht zu alt sein, muss gut gewartet sein (müsste jährlich gereinigt werden, das machen die wenigstens Landlords von sich aus). Und je individueller regelbar, desto besser. Manche Häuser haben nur einen Schalter fürs ganze Haus, wir haben immerhin einen pro Etage, trotzdem ist es oft in einem Raum zu kalt, während es am anderen Ende zu warm ist… Nicht vergessen: so heiß wie es hier im Sommer ist, so eiskalt wird es im Winter…
  • Heizung. Bei uns und in sehr vielen Häusern hier wird über die Klimaanlage geheizt, Mitte Oktober wird durch die Handwerker ein Schalter umgelegt, und statt kühler wird dann warme Luft durch’s Haus gepustet. Im Winter kann man dann mit 2-4mal so hohen Nebenkosten rechnen wie im Sommer. Fußbodenheizung wäre toll, es ist nämlich wirklich bitter, bitterkalt im Winter!
  • Ich würde kein Haus mit “high ceiling living room” nehmen und möglichst wenig ineinander übergehende Räume. Klar, das sieht schon toll aus, aber: schwer zu heizen bzw. zu kühlen – und auch schwer, die Luft sauber zu halten.
  • gut abgedichtete Fenster und Türen sind wichtig, wegen der Kälte im Winter gern Doppelverglasung (selten zu finden).
  • unter Luftverschmutzungs-Gesichtspunkten: kleinere Räume sind besser (da lässt sich die Luft schneller, effektiver sauberfiltern). Die Jungs haben deshalb die beiden kleinsten Schlafzimmer hier, aber zusätzlich ein großes Kinder-Wohnzimmer.
  • Kamin – viele Häuser haben hier offene Kamine. In Europa liebe ich das auch, hier hätte ich zum einen Bedenken, weil die Luft eh schon so schlecht ist, aber noch wichtiger: durch den Schornstein kommt ungefiltert die schlechte Luft von draußen rein. Unser Kamin ist nur zur Deco, der Landlord hat den Schornstein abgedichtet. Wir haben im Haus zum Glück auch wirklich immer saubere Luft (ok, mithilfe von 9 lärmenden Maschinen).
  • Herd: auf den ersten Blick fand ich unseren 5 Platten Gasherd toll. Allerdings ist der Ofen auch gasbetrieben, allmählich nach einem Jahr komm ich halbwegs damit klar, aber dicke Freunde werden wir nicht werden. Mir ist das jetzt nicht so wichtig, aber für jeden, der gerne backt, kann das ein Kriterium sein!
  • extrem hilfreich: englisch sprechendes Management
  • wie kindgerecht ist der Compound: Kinder-/Babypool? Kinderspielzimmer? Kinderspielplätze, auch für verschiedene Altersgruppen geeignet? Verkehr/Verkehrsregelung? Bolzplatz? Möglichkeiten zum Radfahren, Skaten…?
  • sind die Angebote des Compounds inklusive oder muss man für jede Kleinigkeit extra zahlen? Einzeln oder als Pauschale?
  • Nahversorgung: wenn man nur ein Auto (oder keins) zur Verfügung hat, sollte das Wichtigste fußläufig erreichbar sein.
  • wenn Hochhaus: wie viele Fahrstühle gibt es (in den 18. Stock zu Fuß rauf und runter ist sicher nicht so spassig), vielleicht kann man einen vorhandenen Mieter fragen, ob es damit Probleme gab?
  • Hellhörigkeit? Können Kinder normal spielen oder ist schleichen und flüstern die Devise?

Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee, wenn man die Gelegenheit hat, die Vormieter zu löchern. Oder die Nachbarn. Oder jemanden, der schon in dem Compound wohnt, der kann vielleicht nichts zum infragekommenden Haus sagen, aber zum Compound an sich.

Fragen, Ergänzungen, Tipps, andere Meinung? Mehr Informationen vielleicht zu Hochhaus-Appartments, da ich ja nur eines für kurze zwei Wochen kennengelernt habe! Gerne per Mail oder als Kommentar!

Warten auf den Schulbus am Compound-Eingang

Warten auf den Schulbus am Compound-Eingang

Jetzt, da wir schon über ein Jahr hier leben, kann ich zurückgucken und  sagen, dass Männe/wir eine echt gute Wahl getroffen haben. Eigentlich war das ja ein Sprung ins kalte Wasser : “Wohin ziehen wir?”. Uneigentlich haben wir aber echt das große Los gezogen. Inzwischen kenne ich hier ja doch ziemlich viele Leute und hab viele besucht. “Wie ist Euer Haus/Euer Apartment” und “wie ist Euer Compound” – das sind immer Themen! Und da wir “nur” einen Zweijahresvertrag haben (auf 1-2 Jahre begrenzte Verträge sind hier die Regel), kann das durchaus wieder Thema für uns werden, auch wenn wir hoffen, dass wir hier verlängern können.

Geschmäcker sind verschieden!

Vorausschicken muss ich auf jeden Fall, dass die Geschmäcker verschieden sind, und war mir gefällt, können andere schrecklich finden. Auch die Prioritäten unterscheiden sich: uns macht die lange Fahrzeit in die innere Stadt (meistens) nichts aus, wir haben aber auch in Hamburg am Stadtrand gewohnt. Andere mögen die lange Fahrzeit als verdaddelte Lebenszeit ansehen. ;).

Was mir an unserem Compound gut gefällt:

– relativ grüne, großzügige Anlage. Gerade weil Peking eben Peking ist, gefällt es mir gut, dass wir hier Platz haben.

– gutes, englischsprechendes Management, die Rezeption ist 24/7 mit Englisch sprechenden Angestellten besetzt (da hier ständig irgendwas zu regeln ist, ist das extrem hilfreich und nicht zu unterschätzen)

Wo wohnen in Peking?

Wo wohnen in Peking?

– sehr nette, durchlässige Community. Klar gibt es auch Cliquen, sei es, weil man Kinder im gleichen Alter hat (Kinderlose sind hier in der absoluten Unterzahl, wer keine Kinder hat, wohnt in der Regel nicht so weit draußen); weil die Kinder zur gleichen Schule gehen und man sich beim Warten auf den jeweiligen Schulbus näherkommt, sei es, weil man die gleiche Nationalität hat oder wie sich das halt sonst ergibt. Aber eben auch durchlässig und ohne Ausgrenzung. Hier überschlagen sich immer alle, Neuankömmlinge mit allem und jeden bekannt zu machen und zu integrieren, das ist wirklich einzigartig.

Für uns wichtig: Pool(s)!

– kleine, aber schöne, gepflegte Pools (Das hört sich jetzt sicher verwöhnter an, als es ist – denn es gibt hier keine (öffentlichen) Schwimmbäder wie in Deutschland. Ich glaube, in ganz Peking gibt es ein oder zwei große Spassbäder, die entsprechend überfüllt sind. An Bahnen ziehen ist da nicht zu denken. Ich habe Fotos gesehen, wo die Leute dicht an dicht mit Schwimmring um den Bauch im hüfthohen Wasser stehen oder eine Hunderte von Metern lange Schlange an einer Rutsche… Und da der Sommer hier ziemlich heiß wird und von Mai bis Oktober geht, wäre das ziemlich blöd ohne Schwimmgelegenheit.)

– viele Compound-Aktivitäten: Basare, Barbecues, Ausflüge, wöchentliches “Coffee Gathering”, es gibt viele Kurse im Gym. Das macht es auch Schüchternen leicht, hier mal unter Leute zu kommen und jemanden kennen zu lernen. Absolutes Highlight das Halloween-Event…

– wenn es mal Probleme in den Häusern gibt, werden die zeitnah gelöst (dauert zwar manchmal auch, und braucht fast immer mehrere Anläufe, aber man kümmert sich und es klappt).

Und noch mehr Pluspunkte

– die Kinder können sich im Compound frei bewegen, Radfahren, spielen, Freunde abholen/treffen ohne dass ich immer dabei sein muss. Gibt nur ganz wenig Anwohnerverkehr, fiese Bodenschwellen alle paar Meter, dass tatsächlich nur Schritttempo gefahren wird, an den meisten Kreuzungen stehen Wachmänner…

– Verschiedene Spielmöglichkeiten für Kinder: Es gibt zwei Spielplätze direkt am Clubhouse, davon ist einer für kleinere Kinder, der andere für etwas ältere gedacht, es gibt einen größeren mit Bolzplatz nur ein paar Meter weiter am Ende unserer Straße (Sackgasse); von der zweispurigen “Prachtzufahrtsstraße” ist eine Spur mit Gittern abgesperrt und von der anderen Spur durch einen Grünstreifen getrennt; da gibt es Basketballkörbe und man kann außer Ballzuspielen prima Radfahren, Skaten, Skateboarden etc. lernen und üben (ohne Bodenschwellen *g*). Im Clubhouse gibt es ein Spielzimmer für Kleinkinder.

Wichtig: Nahversorgung

– sehr gute Nahversorgung, es gibt nicht nur den kleinen Supermarkt, eine Apotheke und zwei Restaurants und ein Café im Clubhouse, ein Spa, ein Kosmetik-/Nagelstudio, einen Frisör, sondern fußläufig auch noch das Europlaza (nette, aber nicht überkandidelte Mall mit ‘nem “gehobeneren” Supermarkt, Banken, viele Restaurants, Kleinkinderindoorspielplatz) und den Pinnacle Plaza (pseudoamerikanisches Einkaufszentrum – kleine flache Bauten, mit viele verschiedenen Shops und Restaurants, könnte angeblich so auch in einer amerikanischen Kleinstadt stehen, inklusive Starbucks, Subway, Dominos (bäh, wir haben doch Annie’s), Dunkin Donut, ein netter Spielwarenladen, eine “französische” Bäckerei (wirkt nicht wirklich französisch, hat aber eine tolle Baguette-Auswahl). Auch die Yuyang Lu in die andere Richtung runter gibt es fußläufig einen deutschen Bäcker, Restaurants, Massagesalon, Wäscherei…

Jedenfalls fahren zum Pinnacle Plaza auch viele Leute aus den noch abgelegeneren Compounds wie Dragon Bay, Yosemite, Rose and Gingko, aber auch von Beijing Riviera aus (was ja von hier aus gesehen “viel zentraler” ist und auch viele Möglichkeiten vor Ort hat).

Zur Metro laufen wir hier etwa 25 Minuten, mit dem Fahrrad entsprechend kürzer. Zur Schule muss man allerdings zweimal umsteigen und ist selbst in den dicksten Stauzeiten deutlich länger unterwegs als mit dem Auto. Es ist trotzdem beruhigend, dass man aus der Stadt zurückkommen kann, wenn man wirklich mal kein Taxi bekommt. Das ist mir aber noch nicht passiert, dass ich mal länger warten musste schon, aber gar nicht gar nicht. ;)

Schattenseite: Fahrzeiten

Ein nicht zu leugnender Nachteil ist aber wirklich der weite Weg in die Stadt, manchmal ist es wirklich doof, wenn man für eine ein-zweistündige Verabredung insgesamt 3 Stunden Fahrtzeit hat. Ich versuche deshalb, gut zu planen und vieles miteinander zu verbinden (z.B. erst Chinesischkurs, dann Verabredung, Ausflug,… in der Stadt).

Trotzdem, ich krieg jedesmal, wenn ich in die Stadt hineinfahre und die ersten Hochhäuser aufragen sehe, noch Herzklopfen: wie aufregend, ich bin wirklich hier in Peking! Aber wenn ich zurückfahre und (bis auf die Kreuzungen) der Verkehr nachlässt und es dann über den Fluss geht, bei guten Luftwerten mit Blick auf Berge von der Flußbrücke aus, und die grüne Allee am Fluss entlang, das ist dann eben auch schön.

Versuch einer Zusammenfassung für die Compound-Wahl

Ja, also was die Compound-Wahl angeht, sollte man wohl überlegen:

– Haus oder Apartment? Stadt oder draußen?
– welche Fahrtzeiten sind wir bereit in Kauf zu nehmen? Arbeitsplatz, Schule, viele Veranstaltungen sind halt eher in der City als weiter draußen – da muss man Kompromisse finden.
– wie mobil sind wir, ist eine Metrostation in der Nähe wichtig?
– mir ist das englischsprachige Management wichtig. Hier ist ständig irgendwas: Klimaanlage, Wasser, kleine und größere Reparaturen … Und wenn man dann mit seinen begrenzten Chinesischkenntnissen nicht weiterkommt, wäre für mich Frust und Ärger vorprogrammiert.
– was kann ich zu Fuß/mit dem Fahrrad erreichen – Einkaufen, Restaurants… Was möchte ich in fußläufiger Umgebung haben?
– welche “Facilities” möchten wir haben – wenn man eh nicht schwimmen geht, braucht man auch nicht unbedingt nen Pool; wenn die Kinder nicht mehr so klein sind, braucht man kein Indoorspielzimmer etc.
– was die Anlage des Compounds angeht – das sind Geschmacksfragen. Ich mag unsere pseudoamerikanische Vorstadtanlage, anderen gefällt die pseudoeuropäische Anlage nebenan besser; die Frage, ob man zu Fuß fix noch was einkaufen kann, wird objektiv wichtiger und nachvollziehbarer sein.

Weitere Nachfragen beantworte ich gerne auch künftig per Mail oder Kommentar!

Rund um den Shichahai gibt es abends viel zu sehen und entdecken. Dabei geht es am Qianhai etwas ruhiger zu als am Houhai, wo im Barviertel das Leben tobt.

Kurz zur Lage und Geschichte

Shichahai – das sind die “Drei hinteren Seen”. Der Vordere See (Qianhai) und der Hintere See (Houhai) sind durch die über 500 Jahre alte Yinding-Brücke voneinander getrennt (und die Ufer dadurch verbunden). Nordwestlich schließt sich der dritte See an: der Xihai (Westsee).

Man könnte das “shi” – anders geschrieben und ausgesprochen – auch auf die zehn Tempel beziehen, die rund um die Seen liegen.

Abendstimmung am Qianhai

Hier entstand schon während der Jin-Dynastie im 12. Jahrhundert ein florierendes Viertel. Während der Yuan-Dynastie (1271 – 1368) war hier einer der Endpunkte des Kaiserkanals (auch: Großer Kanal), der Peking mit Hangzhou verbunden hat. Damit wurde Shichahai einer der wichtigsten Handelsbezirke Pekings, über den Kaiserkanal wurde Peking fast 600 Jahre mit Reis (und vielem anderen) versorgt. Als die Wasserstraße an Bedeutung verlor (sich verändernde Flussläufe, Trockenheit in Nordostchina, die Konkurrenz durch die Eisenbahn) blieb die Lage dennoch attraktiv, nicht nur wegen der Nähe zum Palast, den Prinzenresidenzen und Tempeln. Gewässer sind rar in Peking, das macht die Seen hier so besonders.

Heute ist Shichahai ein beliebtes Touristenziel, aber auch für die Naherholung der Pekinger sind die Seen samt Umgebung wichtig. Hier wird musiziert und getanzt, eine größere Gruppe trifft sich immer abends auf dem Platz in der Nähe des Lotosmarktes am Südüfer des Qianhai. Man sieht Angler, manchmal Schwimmer. Normalerweise kann man sich Boote mieten, jetzt im Corona-Jahr blieben die Boote des Qianhai im Winterquartier. Am Südwestufer des Qianhai wurde gerade erst die Restaurant”meile” renoviert, das sieht (wegen Corona?) noch relativ unfertig aus. Am See gibt es aber auch einige Pekinger Traditionsrestaurants. Mehr los – fast normaler Trubel, aktuell nur ohne ausländische Touristen – ist am Houhai.

Fotogruppen-Ausflug

Gestern Abend war ich mit der Fotogruppe dort verabredet. Ich bin etwas früher von zuhause losgekommen, und habe noch ein bisschen Dämmerung mitbekommen.

Boot auf dem Qianhai

Wenn ich allein mit Stativ irgendwo in Peking herumstehe, werde ich immer angesprochen.

Diesmal bekam ich den Tipp, die nächste Dämmerung vom Lotosmarkt aus einzufangen, dann wäre der See einzigartig blau. Das muss ich tatsächlich bald mal ausprobieren!

Aber so gefällt es mir dort auch echt gut.

Erst friedliche Abendstimmung…

Schließlich habe ich fix zusammengepackt und bin zum Treffpunkt der Gruppe hinübergegangen. Inzwischen war es dunkel. Wir sind zuerst noch mal zurück zum Qianhai. An “meinem” Platz hatte sich inzwischen ein Musikant eingefunden.

Musikant am Qianhai

Ein wirklich schöner Spätsommerabend. Nur die Mücken waren etwas nervig. Nachdem etliche Bilder im Kasten waren, sind wir weiter in Richtung Houhai gegangen.

Die Yinding-Brücke

Yinding-Brücke

Die Yinding- (Silberbarren) Brücke hat ihren Namen nach den alten Silberbarren, die lokales, individuell gefertigtes Zahlungsmittel im kaiserlichen China seit der Qin-Dynastie waren.

Die Brücke wurde 1984 restauriert und 2011 noch einmal verbreitert und ist sowohl schönes Motiv als auch Aussichtspunkt.

… dann quirliges Nachtleben

Es geht los mit Restaurants und Souvenir-Läden (von denen es in den Seitenstraßen noch viel mehr gibt, und durch die man auch unbedingt durchspazieren sollte).

In den klitzekleinen Bars, die sich dicht an dicht am Seeufer drängen, gibt es leicht überteuertes Bier, überall stehen Livebands auf der Bühne.

Wir bummeln schließlich durch eine der Seitengassen, an der historischen kaiserlichen Post vorbei – ein kleines Museum und Laden, den man auch besichtigen könnte. Aber wir wollen noch weiter ins Café Zarah zur Vernissage von “Time Capsule” von Mica.

Ein letztes Bild schieße ich noch.

Im Zarah gibt uns Mica eine Einführung zu seinen Bildern und beantwortet geduldig alle Fragen. Bei leckeren Caipis lassen wir einen wundervollen Sommerabend ausklingen.

Man könnte meinen, dass die Weihnachtszeit in China nur eine untergeordnete Rolle spielt. Vielleicht tut sie das grundsätzlich auch, aber man sieht es doch auf den großen Straßen und Malls, dass “weihnachtlich” geschmückt wird. Und in der internationalen Community gibt es so viele Angebote, da wird es schon fast zuviel. Theateraufführungen, Konzerte, Basare und  Märkte, Aktionen für den guten Zweck. Von Organisationen, Schulen und privat. Dazu kommt, dass die Weihnachtszeit in Peking für viele schon zehn Tage bis zwei Wochen vor Weihnachten endet: Schulferien! Die allermeisten Ausländer fliehen dann aus dem Pekinger Winter, der nicht nur bitterkalt ist, sondern in dem die Luft im Jahresdurchschnitt auch am Schlechtesten ist. Die einen zieht es in die Heimat und zur Familie, die anderen nutzen die Ferien für Reiseziele in Asien und Ozeanien.

Alle Jahre wieder

Letztes Jahr habe ich schon über unsere Weihnachtszeit geschrieben, dieses Jahr – unser viertes Weihnachten, seit wir in China leben – heißt es erst recht:  Alle Jahre wieder. Im ersten Jahr, gerade mal vier Monate hier, war noch alles neu und aufregend. Wir kannten uns noch nicht so aus wie heute und kannten auch noch nicht so viele Leute, die man hätte fragen können, was man wo bekommt. Jetzt erleben wir die Weihnachtszeit hier zum vierten Mal und es fühlt sich nicht mehr fremd, sondern vertraut an.

Vorfreude

In unserem ersten Peking-Jahr sind wir hier geblieben, wollten die Kinder nicht so bald nach der Ankunft schon wieder herausreißen. Statt dessen sind unsere großen Kinder zu Besuch gekommen. Auch letztes  Jahr, unser drittes Peking-Jahr, hatten wir Besuch und waren hier. In unserem zweiten Pekingjahr sind wir nach Australien geflogen und hatten eine wundervolle, erholsame Zeit auf der Farm Bulwarra. Und weil das so schön war, fahren wir da dieses Jahr wieder hin.

In New South Wales ist dann Hochsommer, und so fühlten sich unsere Weihnachtsferien – auch wenn wir Weihnachten und Silvester mit unserer Gastgeberin zusammen gefeiert haben – mehr nach Sommerferien an. Uns hat das gefallen, Sehnsucht nach den typischen Hamburger Weihnachten mit 12 Grad und Nieselregen ist da so gar nicht aufgekommen. Die großen Kinder haben wir vermisst, aber die haben inzwischen eigene Weihnachtspläne – hatten wir vor einer gefühlten Ewigkeit in deren Alter ja auch schon. Jedenfalls freuen wir uns sehr auf Weihnachten in der Sonne.

Neue Traditionen (er-)finden

Köttbull

Köttbull

So erleben wir die Weihnachtszeit recht komprimiert und suchen uns aus dem großen Angebot das raus, was uns gefällt. Inzwischen sind zu alten Traditionen auch neue hinzugekommen. Neben den traditionellen Weihnachtssternen, die mir dieses Jahr eine liebe Freundin vom Blumenmarkt mitgebracht hat, steht auch Kollege “Köttbull” wieder in der Leseecke.

Seit 2015 gibt es hier im Compound in der deutschen Gruppe auch die Möglichkeit, sich am “Plätzchentausch” zu beteiligen. Statt selber 10 Sorten zu backen, backt man nur eine, aber davon so viel, dass man mit allen anderen tauschen kann. So viele verschiedene leckere Weihnachtsplätzchen würde ich alleine sonst nie backen, und die größere Menge ist tatsächlich deutlich weniger Aufwand als viele verschiedene Sorten in kleineren Mengen zu backen. Größere Mengen Eierlikör “muss” ich allerdings herstellen. Dafür bring ich den Ansatzalkohol immer aus Deutschland mit.

In unserem internationalen Umfeld mischen sich die Traditionen und Bräuche aus aller Welt, und es ist eine Bereicherung, das alles Kennenlernen zu können.

Weihnachtsbäckerei mit Hindernissen

Für mich hat es sich bewährt, Lebkuchengewürz, Backpulver, Hirschhornsalz usw. aus Deutschland mitzubringen/mitbringen zu lassen. Aber fast alles bekommt man auch hier, wenn auch nicht immer in der gewünschten Qualität oder zu horrenden Preisen. Kein Puderzucker ohne Zusätze! Nach Sahne ohne Aroma oder Verdickungsmittel muss man suchen und findet das leider auch nicht immer. Ungesalzene Mandeln gibt es nicht im Supermarkt, zum Glück auf dem Gemüsemarkt. Die müssen dann für Zimtsterne und Co. eben selbst gemahlen werden. Kokosraspeln gibt es – allerdings nicht die getrockneten, die ich aus der deutschen Weihnachtsbäckerei kenne, sondern feuchte. Da musste ich halt ein bisschen experimentieren.

Und dass man hier mit einem neuen Herd backen muss, macht es für fast alle auch nicht einfacher. Wenn man wie ich dann auch noch mit einem Gasbackofen ausgestattet ist, wo die Temperatureinstellungen eher auf Zufallszahlen beruhen und die obere Flamme alle drei Wochen mal auf voller Leistung brennt und sonst gar nicht – das macht es nicht einfacher, auch nicht im vierten Jahr.

Hübsche Papierförmchen, Ausstechformen, Backformen, Spritzbeutel und anderes Handwerkszeug und Zubehör bekommt man gut auf dem Hotelmarkt, soweit nicht im Supermarkt vorhanden. (Es laufen Gerüchte rum, dass der Hotelmarkt abgerissen/umgebaut/verkleinert wird – überraschend ist das nicht, ändert sich hier ja eh alles.)

Eigentlich kriegt man alles – sogar Weihnachtsbäume

Dieses Jahr geben wir kein Vermögen für einen echten Weihnachtsbaum aus, weil wir ja verreisen. Immerhin bekommt man welche, hier ist es nicht nur unter Amerikanern verbreitet, schon in der Vorweihnachtszeit den Baum aufzustellen. Kein Wunder, wenn die meisten Peking über Weihnachten verlassen, sei es nun in die Heimat oder in  den Urlaub. Ich habe aber beim Möbelschweden ein kleines künstliches Bäumchen gefunden, was nun auf dem Kaminsims weihnachtliche Stimmung verbreiten darf.

Beim Möbelschweden habe ich übrigens gedacht, wie witzig, die Chinesen werfen alle Feste durcheinander, jetzt gibt es Weihnachtshasen. Das hat sich aber nicht als chinesische Eigenart, sondern – ups – doch als neuer schwedisch-internationaler Dekotrend entpuppt. Naja, wer das mag. :)

Wer sich von den Phantasiepreisen für echte Bäume abschrecken lässt, hat die Auswahl zwischen unzähligen künstlichen Bäumen: geschmückt und ungeschmückt, in allen Farben und Stilen. Wenn einem das Angebot im Supermarkt nicht gefällt: bei Taobao gibt es mit Sicherheit etwas Passendes!

Lichterketten gibt es hier auch in allen Formen, Längen, Farben. Meine Sammlung wächst! :)

Eines Tages wird mein Haus in der Weihnachtszeit von der ISS aus zu sehen sein! Auch wenn ich mich dümmer anstelle beim Schmücken als Chevy Chase . ;)

Die direkt beim Umzug aus Deutschland mitgebrachten Adventskalender für die Jungs hängen wieder am Treppengeländer, diesmal auch mit mitgebrachten Weihnachtssüßigkeiten aus Deutschland gefüllt. Das ist schön, dass es diese vertrauten Dinge gibt. Am zweiten Adventswochenende verzichten wir auf die Compound-Weihnachtsparty, obwohl das sicher auch mal ein interessantes Erlebnis wäre. Stattdessen freuen wir uns auf eine private Weihnachtsparty, am Tag darauf gibt es ein kleines Gänsebraten-Essen bei uns. Vergangenes Wochenende fand der Weihnachtsbasar auf dem Botschaftsgelände statt, traditionell war die Luft auch wieder schlecht (wenn auch besser als in den Vorjahren).

Schule: Nikolaus, Wichteln, Weihnachtskonzert

Auch die Schule ist weihnachtlich dekoriert. Wie in Deutschland auch wird gemeinsam gebacken (Grundschule), es wird in den Klassen gewichtelt und es gibt Weihnachtsfeiern, bei den einen nachmittags mit Eltern, bei den anderen als Weihnachtsfrühstück während der Schulzeit, im Grunde die gleiche Bandbreite wie in Deutschland auch. Im Foyer ist ein Schrank mit vielen Fächern zum Adventskalender umfunktioniert, jede Klasse bereitet eine Überraschung für eine andere Klasse vor. Ein Höhepunkt zum Jahresabschluß ist sicher das Weihnachtskonzert, an dem nicht nur Schülerinnen und Schüler beteiligt sind. Auch die Schule hat eine eigene besondere Tradition zu Nikolaus: alle Kinder werden mit einer gefüllten Nikolausmütze beschenkt, anschließend wird auf dem Schulhof ein Foto mit allen gemacht.

Die 7. Klassen fahren zu Nikolaus bzw. kurz vorher zur Wanderarbeiterschule nach Daxing.

Ich zitiere von der Webseite der Schule:

Für den 6. Dezember steht jährlich eine Weihnachtsfeier auf unserem Plan. Ausgestattet mit einem Weihnachtsbaum, Tannengrün, Kerzen, Plätzchen, Geschenken … fahren gutgelaunte Siebtklässler, Interessierte und engagierte Lehrer nach Daxing. Dort werden wir immer wieder freudig erwartet und herzlich empfangen. Nicht nur ein rot gekleideter Mann mit einem weißen Bart, sondern gleich fünf überraschen die Kinder der Grundschule mit kleinen Geschenken und erzählen ihnen die Geschichte vom „Heiligen Nicolaus“. Ein anschließendes Weihnachtsprogramm, gestaltet von beiden Schulen, hilft den Kindern fremde Bräuche und Traditionen kennenzulernen.

Ich wurde geblitzdingst

Steine. Steine sind okay!

Steine. Steine sind okay!

You've been tinseled!

You’ve been tinseled!

Nein, nicht geblitzdingst, sondern gelammetat: “You’ve been tinseled!” Hach schön. Ich muss nur noch ergründen, aus welcher Ecke der Welt diese Idee stammt.

Eine Freundin hat sich gemerkt, dass ich Steine für optimale Haustiere halte: schmutzen und haaren nicht so, fressen einem nicht die Haare vom Kopf, hinten kommt nix Ekliges raus; wenn man keine Zeit hat, nehmen sie es einem nicht übel – aber streicheln und mögen kann man sie auch.

Jedenfalls gab es bei dieser schönen Advents-Überraschung nicht nur einen Weihnachtsstern, sondern auch diesen hübschen Stein! Auch wieder ein neuer Brauch, der mir noch besser als das “ge-boo-ed” werden zu Halloween gefällt und den ich wohl ins eigene Repertoire übernehmen werde.

Ja, ich mag Weihnachten und die Weihnachtszeit, und diese Mischung aus eigenen und vertrauten Traditionen mit neuen Eindrücken macht die Zeit noch lebendiger und bunter.

Vor ein paar Monaten wollte ich mit einer Freundin Prince Gong’s Mansion besuchen. Bedauerlicherweise waren wir an einem Montag unterwegs. Montag? Ja genau, montags sind hier alle Museen geschlossen. Hatten wir leider vergessen und sind stattdessen um den nur wenige hundert Meter weiter gelegenen Beihai-See herumspaziert. (Beihai-See ist genau genommen doppelt gemoppelt, weil Beihai Nord-See heißt.)

Gestern war der Tag viel zu schön, um nichts zu unternehmen: Traumwetter, schön warm, aber noch nicht zu heiß, atembare Luft und deutlich weniger flying cotton fluff. Also extremer Pollenflug, als ob es in dicken Flocken schneit, an Kantsteinen, in Winkeln, Häuserecken sammelt sich das dann auch als dicke “Schneedecke”. Vom Management kam auch schon die alljährliche Mail: “never ever under no circumstances burn the flying cotton fluff”! Ich frag mich immer noch, wie man auf die Idee kommen könnte, denn wer das macht, wäre definitiv ein heißer Kandidat für den Darwin-Award.

Déjà vu

Allerdings tobt derzeit in unserer Nachbarschaft ein Verkehrschaos ohne gleichen: zur Zeit findet die AutoShow statt, die weltweit größte Automesse. Egal, ich wollte den schönen Tag unbedingt nutzen! Ich vergewissere mich auf der Webseite, dass heute auch geöffnet ist und drucke mir die Hinweise für die dreistündigen Runde aus. Als ich nach langer Fahrt und kurzem Spaziergang endlich vor den schnieken, gut gesicherten Hallen stehe: geschlossen! Ich habe ein déjà vu, aber heute ist doch definitiv nicht Montag? Vielleicht nur dieser Eingang? Ich biege um die Ecke, nein, auch alles zu. Irritiert stehe ich davor und versuche, die Schilder zu entziffern – irgendwas von März-Mai, arbeiten. Zwischendrin wimmele ich bestimmt fünf Rikschafahrer ab, dann spreche ich einen der Wächter an. Ja, im Mai ist es wieder auf. Schade, aber so wird das nichts mit Prinz Gong und mir. Schade auch, dass auf der Website kein Hinweis auf die Schließung zu finden war.

Alster? Elbe? Beihai!

Allerlei Enten auf dem Beihai

Ich muss aber nicht lange überlegen, was ich nun anstelle. Inzwischen ist es spät am Vormittag, die Sonne brennt, an einem Kiosk schieße ich mir eine Flasche Wasser und bewege mich Richtung Beihai-Park. Dort löse ich nur das Park-Eintritts-Ticket (10 RMB in der Sommersaison, von November bis März 5 RMB), jetzt will ich nichts mehr besichtigen. Schnurstracks gehe ich auf den Bootsanleger zu, der dem Eingang am nächsten ist, aber dort gibt es nur noch Duckboats. Nein danke, ein bisschen Würde muss ich mir doch bewahren!

Ich spaziere entgegen dem Uhrzeigersinn um den See herum. Tretboot? Nein. Lotusboot? Nee. Der Park ist gut besucht, Schüler- und Touristengruppen: bitte alle mal dorthinüber schauen! Der Anleger hinter dem Souvernirshop hat endlich noch freie kleine Elektroboote (100 RMB/Stunde) und ratzfatz fahre ich auf den See hinaus. Ruhe. Frieden. *Huuuuup*Trööt*Meepmeep*

Oh, die “Inselfähre” meckert ein Duckboat an: aus dem Weg! Ich mache einen Bogen darum und lasse mich dann erstmal ein Stück treiben. Hier ist es jetzt wirklich still bis auf das leise Plätschern des Wassers. Herrlich, wie hab ich das vermisst! Ich mag Peking wirklich gern, aber mir fehlt Wasser!

Ich tuckere wieder weiter, werfe einen Blick auf das NCPA, dessen Kuppel die Sonne reflektiert und aus dieser Perspektive auch eine schnöde Sporthalle sein könnte. Ist es aber nicht! Dann geht es nicht weiter, unter den Brücken darf man nicht durchfahren, also umkehren. Jetzt habe ich einen schönen Blick auf den Zhongguo Zun – demnächst fertig, das neue höchste Gebäude Pekings. Dichter dran ist natürlich die Weiße Pagode. Typisch Peking, typisch China – altes und neues auf einen Blick.

Richtig stimmungsvoll wird es, als ich an einem Boot vorbeikomme, auf dem die Damen chinesische Lieder singen – zu schön!

Touri?

Meine Stunde ist fast um, also tuckere ich zurück zum Anleger, hole meine Kaution ab und mache mich auf die Suche nach einem Taxi. Da sich in der Straße am Ausgang alles staut, gehe ich zu Fuß am Jingshan-Park vorbei. Kurz reizt es mich, auf den Kohlehügel zu klettern, aber der Blick auf die Uhr sagt: Rückfahrt! Ein Taxi hält ungefragt und trotz Halteverbot (das gilt rund um die Verbotene Stadt), ist sogar bereit mich nach Shunyi zu fahren – für den Schnäppchenpreis von 300 RMB! Seh’ ich aus wie ein Touri, der drauf reinfällt? Vermutlich ja. :) Ich sage ihm, dass ich seit drei Jahren in Peking bin, er lächelt entschuldigend und fährt weg.

Ein paar Meter weiter werde ich fast von einem in falscher Richtung fahrendem Tuktuk umgefahren: “Lady, where are you going?” Shunyi, bisschen zu weit für ein Tuktuk. Er meint, er hätte einen starken Motor… Nichts wie weg, denke ich mir. Eine Ecke weiter biege ich in eine Straße ohne Halteverbote ein, rufe ein Didi, das sofort kommt und bin trotz Autoshow-Chaos relativ zügig wieder zuhause – und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Sollte man sich wirklich öfter gönnen, so eine Auszeit auf dem Wasser!

Fotos

 

Letzte Woche war Tanya Crossman hier im Compound und hat einen Vortrag über TCKs – Third Culture Kids, Drittkulturkinder – gehalten. Tanya ist die Autorin von „Misunderstood – The Impact of growing up overseas in the 21st century“. Sie ist selbst als TCK aufgewachsen, theoretisiert also nicht nur, sondern weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht und schreibt.

Ich dachte, ich hätte schon viel zu dem Thema gelesen, aber es war ein gutes Gefühl, das alles so sachlich und systematisch vorgetragen zu bekommen. Es gibt mir neue Sicherheit, weil mir bewusster geworden ist, dass wir instinktiv im Großen und Ganzen vieles richtig machen und gemacht haben. Nur an einem Punkt werde ich künftig versuchen, etwas anders damit umzugehen …

Was sind eigentlich TCKs?

Den Begriff Third Culture Kids gibt es seit den 1960ern, entwickelt von Dr. John Useem und Dr. Ruth Hill Useem:

Ein Third Culture Kid ist eine Person, die einen bedeutenden Teil ihrer Entwicklungsjahre außerhalb der Kultur ihrer Eltern verbracht hat. Ein TCK baut Beziehungen zu allen Kulturen auf, nimmt aber keine davon völlig für sich in Besitz. Zwar werden Elemente aus jeder Kultur in die Lebenserfahrung des TCKs eingegliedert, aber sein Zugehörigkeitsgefühl bezieht sich auf andere Menschen mit ähnlichem Hintergrund.

Bei Drittkulturkindern geht es also nicht darum, die Länder zu zählen, in denen sie bereits gelebt haben. 

Wo ist denn das Problem?

Man sollte ja meinen, den Kindern ginge es prima: wir leben in einem netten Haus in einer netten Wohngegend, lernen ein Land besser kennen, wo andere höchstens mal auf einer zweiwöchigen Rundreise einen oberflächlichen Eindruck bekommen können, wenn überhaupt. Wir selbst haben tolle Reisemöglichkeiten, die wir von Deutschland aus sicher nicht in die engere Wahl gezogen hätten. Wir erleben viel und machen spannende Erfahrungen, lernen Menschen aus aller Welt kennen. Und dank dem tollen Internet und den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten ist es ja auch gar nicht mehr so tragisch, wenn man so weit weg ist. Letzteres ist leider nicht so easy, wie man meint (allein die Zeitverschiebung) und auch ansonsten: Das ist nur die eine Seite der Medaille.

Nur mal überlegen: Was hat man zuhause in Deutschland gemacht, wenn man traurig, glücklich, wütend, frustriert war oder einfach nur einen blöden Tag hatte? Und nun sitzt man fast 8000 km von zuhause in einer fremden Stadt in einem fremden Land und muss sich erstmal zurechtfinden – und für seine Gefühlslagen Möglichkeiten damit umzugehen finden und entwickeln.

Das braucht zusätzlich zu all dem, was eh schon zum Ankommen und Einleben gehört, viel Zeit und Kraft. Und bei dem ständigen Kommen und Gehen hier, ist das ein dauernder Prozess, der nicht nach dem ersten Jahr überstanden ist.
Sicher wird nach dem ersten Jahr vieles einfacher, weil man Dinge nun schon zum zweiten Mal tun kann. Aber dazu gehören halt auch wieder Abschiede. Es ist also nicht nur der konkrete Wechsel, ein einmaliges Ereignis, sondern ständige Veränderungen als dauerhafter Prozess.

Tanyas Tipps:

Nr. 1: Es ist schwer.

Man schafft weniger, als man „daheim“ geschafft hätte, der Kopf ist nicht so frei wie gewohnt. Das gilt für die ganze Familie, jeder kämpft und jeder ist nicht gerade in Bestform. Das kann bei jedem Familienmitglied anders sein. Es kann helfen, sich das gelegentlich bewusst zu machen, dass eben (noch) nicht alles normal ist.

Nr. 2: Sei geduldig!

– mit dir selbst
– mit jedem Familienmitglied
– mit Neuankömmlingen

Die Familie als ganzes und jedes Familienmitglied muss für sich seinen Weg finden. Das kann bei vielen ähnlich und doch sehr unterschiedlich ablaufen. Wenn einer ein Hoch hat, können die anderen gerade in einem Tief stecken.

Nr. 3: Durchhalten!

Es nutzt ja nix, Augen zu und durch. Durchbeißen und Dinge tun, von denen man glaubt, dass einem eigentlich gerade die Kraft dazu fehlt. Das ist eine Investition in die Zukunft.

Nr. 4: Sei traurig.

Jeder Wechsel ist mit Verlust verbunden und Verlust ist traurig. Das heißt nicht, dass der Wechsel an sich schlecht ist, aber die Traurigkeit ist teil davon. Kummer ist ermüdend, aber wenn man das nicht zulässt, könnte es zu langfristigen Problemen führen. Für Mütter ist das ganz schwierig, wenn die Kurzen weinen, weil sie ihre Freunde vermissen. Und da sagt Tanya: „Do not fix but listen!“ – nicht reparieren, sondern zuhören.

Wir können es nicht heilen. Die Freunde sind Tausende Kilometer und x Zeitstunden entfernt, das ist eine Tatsache. Es helfe nicht, wenn man so reagiert: „Du findest bald neue Freunde.“ Besser sei: „Es ist okay, jetzt traurig zu sein.“ Denn es ist traurig – das geht uns Erwachsenen ja auch nicht anders.
Und das ist der Punkt, wo ich künftig wohl anders mit umgehen sollte. Wenn die Kinder traurig sind, natürlich will ich sie dann ablenken, trösten, den Blick auf das Positive lenken. Künftig werde ich dem Kummer mehr Raum geben. Mit dem “grieving well” (gut trauern), dem Umgang mit Verlust und Veränderung werde ich mich doch noch etwas mehr befassen müssen. 

Nr. 5: Alte Freunde behalten!

Beziehungen verändern sich mit der Entfernung, sogar wenn wir in Verbindung bleiben. Unsere bestehenden Freundschaften können ein Gerüst für uns sein, während wir neue – zusätzliche – Freundschaften aufbauen. So bilden wir mit der Zeit ein vielfältiges Netzwerk für uns.

Auch unseren Kindern können wir dabei helfen. Sie brauchen Freunde vor Ort und gleichzeitig ihre bisherigen Freunde. Wir können sie nach ihren Freunden fragen, ihre Freundschaften bejahen und Besuche ermöglichen.

Nr 6: Hilfe finden!

Diesen Punkt habe ich als relativ amerikanisch empfunden (auch wenn Tanya gebürtige Australierin ist).  Trotzdem, wenn man alleine und/oder im Rahmen seiner bestehenden Beziehungen nicht weiterkommt, dann ist es richtig, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Tanya führt allerdings aus, dass es besser ist, nicht erst zu warten, bis der Notfall eingetreten ist, sondern sich bereits vorher Unterstützung für den Fall der Fälle zu suchen. Diese hat auch den Vorteil, dass sie objektiv ist, geschult darin zu helfen – und es ist jemand, zu dem ich sprechen darf.

Wir haben hier vielleicht auch insofern Glück gehabt, dass wir hier gleich zu Beginn neue Freunde kennengelernt haben, wo einfach alles gepasst hat und dass wir sowohl im Compound als auch innerhalb der deutschen Community ein gutes Netzwerk mit viel gegenseitiger Unterstützung haben.

Der Input kam gerade recht

Der Input hat gut getan und kam auch gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn jetzt geht es gerade wieder mit den allsommerlichen Abschiedspartys los. Es war hilfreich zu erfahren, dass wir uns jetzt einfach bequem zurücklehnen können, weil wir ja schon drei Jahre in China sind und “nun ist es auch mal gut”. Nein, es bleibt ein andauernder Prozess, übrigens nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Erwachsene.

Zum Weiterlesen:

Jetzt sind wir schon fast eine Woche zurück in Peking – und ich hab mich vorher noch nie so schwer getan, hier wieder anzukommen. So vieles, das nervt: ich hasse es, die großen, schweren Trinkwassserkübel (besonders noch vor dem ersten Kaffee!) austauschen zu müssen. Es ist Mist, wenn draußen 33° sind und man wegen der miesen Luft nicht all zu lange draußen sein mag. Es ist unschön, im Supermarkt den komischen weiß-weichen Salami-Rand zu begutachten und zu überlegen, wie oft die wohl schon aufgetaut und wieder eingefroren wurde. Ich hatte ganz verdrängt, wie anstrengend es sein kann, den Alltag nicht in der Muttersprache und als Analphabetin (die paar Zeichen, die ich entziffern kann…) bewältigen zu müssen.

Mit unserem Jämtland-Urlaub hatten wir aber auch den vermutlich größtmöglichen Kontrast zu Peking!

Suchbild: Wo ist unsere Stuga? ;)

Dieses knuffige Blockhaus versteckt sich etwa 7 km nördlich vom Dorf Ljungdalen oben am Hang. Was fehlt, ist ein Schild “Ende! Aus! Hier geht es nicht weiter!” Höchstens zu Fuß, übers Fjäll, in ca. 3 Tagen kommt man z.B. in Storlien oder Valadalen wieder raus.

Das letzte Haus am Feldweg, doch nicht nur der Weg, auch die Stromleitung endet hier. Telefon? Fehlanzeige. Handyempfang? Oh, an die Anzeige “Kein Netz!” kann man sich durchaus gewöhnen! Bis zum nächsten Haus ist es ein Stück, aber das war unbewohnt. Also keine Nachbarn! Keine Menschen! Nur wir drei! Der Herr Gemahl war im Job unabkömmlich, und so waren wir nur zu dritt auf Reisen, aber auch das war – ohne dem Gatten zu nahe treten zu wollen – herrlich entspannt. 

Fjäll

Direkt am Haus windet sich ein schmaler Pfad den Berg hinauf. Man stapft ein bisschen durchs Unterholz und ist nach wenigen Metern oberhalb der Baumgrenze.

Kalfjäll (ja, das schreibt man im Schwedischen so! ;)

Es geht nur enstpannt-sanft bergauf, umso erstaunlicher, dass sich der Blick ins Tal und über die Landschaft tatsächlich alle paar Schritte ändert. Von oben konnte man das Dorf bzw. Teile davon sehen…

Ljungdalen

… und ein Stück weiter oben, reichte der Blick bis zum Flatruet. Wir sind ja mit der Fähre von Kiel nach Göteborg gefahren (ich liebe es!), sind ein Stück über Norwegen/Oslo immer weiter Richtung Norden getuckert, erst bei Stöten über die Grenze zurück nach Schweden. Die letzte Etappe – fix noch ein Großeinkauf beim ICA in Funäsdalen – führt dann übers Flatruet nach Ljungdalen.

Flatruet

Am höchsten Punkt des Flatruets befindet sich ein Parkplatz, von dem man kurz die Aussicht genießen kann, wo man auch mal mit dem Wohnmobil stehen kann oder wo man zu kurzen oder mehrtägigen Wanderungen aufbrechen kann. Wir sind nur “spazierengegangen”, das finden meine Kurzen nicht so schrecklich wie dieses “wandern”… ;)

Auf der Anreise musste ich kurz hinter dem Parkplatz in die Eisen treten: Rentieralarm. Wo man sonst kaum einem Auto begegnet, mussten wir dank sturer Rentiere kurze Zeit im Konvoi im stop und go langsam weiter Richtung Ljungdalen tuckern. Das war ein ziemlich genialer Auftakt. Sorry, keine Bilder, ich hatte die Hände am Steuer!

Blick vom Flatruet Richtung Helags - noch immer Schnee...

Blick vom Flatruet Richtung Helags

Wie man sieht, war unser Ferienwetter durchwachsen. 9°C? Egal, in Peking schwitzen wir noch bis Oktober! Durchgängig verregnete Tage waren auch nur 1-2 dabei. Aber auch das war in Ordnung, denn die Stuga war unglaublich gemütlich. Am Kamin sitzen und zugucken, wie sich die Wolken übers Dunsjöfjället ins Tal wälzen: beeindruckend!

Urlaubsbedürfnisse haben sich wegen Peking geändert

Früher – vor Peking – war ich immer diejenige, die im Urlaub für Sightseeing und Ausflüge zuständig war – bzw. wenn ich nicht genervt, gequengelt und gedrängelt hab, konnte meine Familie es auch immer gut direkt am Urlaubsort aushalten (okay, Eigenlob stinkt eigentlich, aber ich hab schon ein glückliches Händchen in Sachen Ferienhäuser). Seit wir in Peking sind, ist es anders, und das ist mir tatsächlich jetzt in Schweden erst richtig bewusst geworden. Unser Alltag hier ist – verglichen mit unserem alten deutschen Alltag – hektisch, aufregend, spannend. Ich selbst muss weder zur Schule noch zur Arbeit gehen und will mir, wenn die Pekingzeit irgendwann mal zu Ende geht, nicht sagen müssen: ach hätt’ ich doch noch dies-das-jenes gemacht-besucht-angesehen… D.h. mein Alltag ist so ganz anders als mein alter Hamburger Alltag, dass sich auch meine Urlaubsbedürfnisse und -wünsche verschoben haben. Sightseeing? Gehört doch zu meinem Expatalltag!

Ich habe es genossen, auf der Terrasse zu sitzen, zu lesen, den Blick schweifen zu lassen. Vor dem Urlaub hab ich noch gedacht, wir könnten ja endlich mal in Röros die Minen ansehen. Wasserfälle finden? Vielleicht ein Wiedersehen mit Trondheim und den Bekannten dort? Nach Östersund zum Festival? Und am Ende waren unsere weitesten Ausflüge die nach Funäsdalen zum Einkaufen, immerhin auch 45 Minuten Fahrzeit – wobei es in Ljungdalen im kleinen ICA Nära eigentlich auch alle gab, was wir brauchten. Wir haben dann halt immer auf dem Flatruet gestoppt. Wen wir aber besucht haben bzw. wer auch uns besucht hat: Freunde, die ich seit meinem 18. Lebensjahr kenne, und die ein Häuschen in Ljungdalen haben.

Ansonsten haben wir die Einsamkeit unglaublich genossen. In den ersten Nächten habe ich mich gefürchtet: Einbrecher? Hier? Doch dann hab ich die Übeltäter erwischt: Rentiere. Meine Güte, machen die einen Lärm, wenn die nachts – zum Glück nie ganz dunkel, ich liebe die Mitternachtssonne! – über die Holzveranda schlappen… Selbst die verregneten Tage, wo man keine 50 Meter weit sehen konnte (Nebel oder doch Wolken?), waren perfekt!

Ich wollte nicht abreisen und ich würde sofort wieder hinfahren, wenn es möglich wäre…

Elche haben wir diesen Sommer tatsächlich nicht einen einzigen gesehen! Aber bei den vielen Rentieren haben wir keinen Grund zur Klage. Viele Vögel gab es und Blumen (und Mücken), Regenbogen, beeindruckende Sonnenuntergänge, die fast nahtlos in Sonnenaufgänge übergingen… Trinkwasser in der Natur! Reine, frische Luft, teils süß nach Klee duftend… Und diese Ruhe! Oh, es war nicht immer still – der Wind, der ums Haus pfiff, die Bienen im Klee, Vögel, das Rauschen des Bachs… Jedenfalls, keine Beschallung über 87 Lautsprecher, laute Menschen, Verkehrslärm.

Wer jetzt – auch ohne Expatdassein in Peking – mehr über Ljungdalen wissen will, dem kann ich diese überaus informative Webseite empfehlen: ljungdalen-info.de/ Und wer mehr schöne Ljungdalen-Fotos haben mag: es gibt auch einen Kalender: ljungdalen-info.de/Bestellung.html.  

Und wer direkt noch ein paar Bilder gucken mag: bitteschön!

 

 

 

 

 

 

 

Eine Wunderheilung! :)

Unser Wasserspender hat mir am Wochenende Kummer gemacht: er ging nur kurz an und und direkt wieder aus, d.h. er kühlte nicht und er kochte nicht. Stecker gezogen, Plan: am Montag die Ayi bitten, den Service anzurufen. Solange hatten wir also nur lauwarmes Trinkwasser…
Am Montag erkläre ich das Problem wortreich der Ayi, die steckt den Stecker rein, die grüne Lampe leuchtet – und ging nicht wieder aus. Wasser kochen klappt auch wieder. Hmm, sehr seltsam, aber Hauptsache es funktioniert.

Kalendarisches: Herbstanfang und die Nacht der Siebenen

Klingt bei 33 Grad komisch, ist aber so: gestern war Herbstanfang 立秋, Lìqiū. Das bezieht sich eindeutig eher auf den Erntebeginn als auf das Wetter! In zwei Wochen haben wir dann das Ende der Hitze – hoffentlich. :) Wer mehr über den chinesischen Mondkalender und die 24 Zyklen wissen möchte: hier zum Beispiel: Chinesischer Mondkalender.
Heute ist Chinesischer Valentinstag: 七夕, Qīxī, die Nacht der Siebenen, um den sich zahlreiche Legenden (oder eine Legende mit zahlreichen Varianten) und Bräuche ranken, nachzulesen unter dem Link oder auch bei Wikipedia. Letztes Jahr fiel Qīxī auf Justus’ Geburtstag, wir waren Essen und die hübsche Mama (das bin ich) hat vom Restaurant zum Valentinstag eine Flasche Wein geschenkt bekommen. Wein trinken kann ich auch besser als Früchte schnitzen oder nähen…

 

Jonna vom Expatmama-Blog hat mir mit sehr lieben Worten den „Liebster Award 2016“ weitergereicht. Vielen Dank dafür! Der „Liebster Award“ ist eine Auszeichnung von Bloggern für Blogger: man bekommt sie, beantwortet 11 Fragen und reicht dann den Award mit eigenen Fragen weiter. Den Award gibt es schon einige Jahre, als Idee steckt dahinter, (neue) Blogs zu entdecken, in dem man Blogs, die einem selber gut gefallen, quasi mit dieser Auszeichnung weiterempfiehlt. Von manchen wird der Award als eine Art Kettenbrief kritisiert, für andere ist es hilfreich und schön, auf diese Art und Weise über neue, interessante Blogs zu stolpern. Hängt ja auch davon ab, welche Fragen man gestellt bekommt, welche man selber stellt und an wen man den Award weiterreicht.

Hier kommen also Jonnas Fragen und meine Antworten:

1. Warum hast du beschlossen, einen Blog zu schreiben?

Ich habe mit dem „Ombidombi“-Blog begonnen, als wir die Entscheidung getroffen haben, dass wir nach Peking gehen. Mir erschien das als die einfachste Möglichkeit, Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte auf dem Laufenden zu halten; dass halt jeder gucken kann, wenn’s zeitlich passt und ohne sich genötigt zu fühlen, immer gleich mit einer langen Mail zurückzuschreiben (wie es vielleicht wäre, wenn ich das per Mail/Newsletter erledigt hätte).

Im Laufe der Zeit merke ich aber immer mehr, dass mir das Erzählen Spaß macht, mich selber auch zur Reflektion anregt. Und nach den ersten positiven Rückmeldungen hat sich nach und nach auch der Gedanke eingenistet, dass so wie ich andere Blogs von in Peking Lebenden inhaliert habe, mein Blog vielleicht anderen Leuten, die vor so einer schwerwiegenden Entscheidung stehen, auch helfen könnte: wie kann man sich das Leben in Peking besser vorstellen?

Reiseführer sind super, um sich selber positiv auf den künftigen Lebensmittelpunkt einzustimmen, aber es fehlt an „Alltag“ und subjektiven, individuellen Erfahrungen, gerade auch zum Leben mit Kindern. Also erzähle ich nun ein wenig davon. :)

2. Was macht dir beim Bloggen am meisten Freude?

Wie gesagt, inzwischen habe ich Spaß am Erzählen, das Nachdenken über mich und uns und unser Leben hier und das Schreiben darüber gefällt mir. Und ich schreibe nur, wenn ich finde, dass ich etwas zu erzählen habe, mache mir also auch keinen Druck, dass ich diese Woche unbedingt noch zwei Beiträge schreiben muss… Und ich freu mich über Rückmeldungen, zum Glück bisher nur positiv.

3. Haben Dir andere Blogs bei deinem Abenteuer Ausland schon geholfen? Wenn ja, welche?

Ja, ja ja! :) Tipps und Hinweise für Formalitäten lassen sich ja doch einigermaßen finden, aber ich habe nach persönlichen Erfahrungen gelechzt! Ich habe mir die Finger auf der Suche nach Blogs von Familien, die in Peking oder China leben und China-Erfahrungen insgesamt wund gegoogelt und zum Glück auch welche gefunden, zum Beispiel:

  • 5intheworld.de von Jochen, der mit seinen Fotos mehr erzählt, als ich je in Worte fassen könnte
  • Familie Schulze-Permentier, die inzwischen wieder in Deutschland sind und die ich hier nicht mehr persönlich kennengelernt habe, aber deren Eindrücke mir geholfen haben, mir das Leben hier besser vorzustellen
  • Bambooblog – kein Expatblog, sondern ein Reiseblog, und was für eines! Ulrike bereist China seit den späten 80ern, da steckt so viel Erfahrung und Begeisterung für das Land drin, das hat bei mir auch viele Vorbehalte gegenüber China dämpfen können

4. Was war deine bisher wichtigste „lesson learned“ beim Bloggen?

Ich lerne da immer noch: was gebe ich preis, was bleibt privat? Was kann ich so öffentlich erzählen? Was von dem, was mich bewegt, ist auch für Außenstehende interessant und lesenswert?

5. Was war deine bisher wichtigste „lesson learned“ im Ausland?

Dass ich vielleicht „deutscher“ bin, als ich jemals von mir gedacht hätte: ich mag Regeln, Sicherheit und Pläne, Pünktlichkeit, bin ganz furchtbar schlecht beim Smalltalken…

6. Was war dein größtes Fettnäpfchen, in das du in deiner neuen Heimat getreten bist?

Das war gar nicht unter Chinesen, da war ich u.a. dank Intensivkurs im Hamburger Konfuzius-Institut ganz gut vorbereitet, sondern das war beim ersten Treffen mit der Fotogruppe, als ich so aufgeregt war, dass ich bei der Vorstellungsrunde nicht mal mehr bis 5 zählen konnte und mit meinen Kindern durcheinander gekommen bin, ich Rabenmutter…

7. Was würdest du jeder Expatmama empfehlen?

Offen zu sein für neue Erfahrungen und dabei nicht immer gleich werten, sondern Unterschiede auch einfach mal so stehen lassen. Sich an dem Positiven und Schönen festhalten und sich mit dem Negativen (Smog, Verkehr z.B.) arrangieren, wenn man’s eh nicht ändern kann. Und: den Kindern etwas zutrauen! Mein Eindruck hier ist, dass viele Kinder sich leichter tun als ihre Eltern.

8. Was vermisst du aus deiner Heimat am meisten?

Saubere Luft. Frische Luft. Gesunde Luft. Die schlimmen Smog-Tage sind einfach nur deprimierend, selbst wenn man nicht direkt nach Atem ringt und mit Erkältungssymptomen kämpft. Überhaupt eine gewisse Sicherheit, was Umwelt und Gesundheit, Trinkwasser, Lebensmittel angeht. Aber wie gesagt, am meisten vermisse ich frische Luft.

9. Was wird dir aus deiner neuen Heimat einmal fehlen? (Abgesehen von neu gewonnen Freunden)

Kurz und knapp: Der chinesische Pragmatismus und das chinesische Essen.

10. Gibt es etwas, das du an deinem Blog gerne verändern würdest? Was hat dich bislang davon abgehalten?

Ich müsste mal die Kategorien überarbeiten, damit diese aussagekräftiger werden und es damit übersichtlicher, besser gegliedert wird. Abgehalten werde ich von der Zeit (die Tage hier gehen irgendwie viel schneller vorbei), aber vor allem von einer guten Idee für eine neue Gliederung.

11. Hast du einen Wunsch an die Expatmamas?

Ja: weitermachen, dranbleiben, ausbauen! Ich wünschte, die Seite hätte es schon früher gegeben! Und ein Expatmama-Forum für direkten Austausch untereinander, das wäre genial!

Ich gebe den Liebster Award nun weiter an an zwei auslandserfahrene Bloggerinnen. Bei der einen ist es spannend zu sehen, welche Erfahrungen sie in der gleichen Stadt macht, bei der anderen bin ich gespannt darauf, wie sehr sich Auslandsleben Ost von Auslandsleben West unterscheiden wird:

  • Claudia von Move2GreaterCincinattiArea, die nach einigen Jahren Belgien nun im Sommer in die USA übersiedeln wird, und
  • Kerstin von Peking-Ni Hao, die mit ihrer Familie seit 2014 in Peking lebt und zuvor in Japan und Korea war.

Hier kommen Eure Fragen:

  1. Warum hast Du mit dem Bloggen angefangen?
  2. Wo siehst Du Dein Blog in etwa einem Jahr?
  3. Was macht Dir Spaß beim Bloggen?
  4. Was macht Dir Schwierigkeiten beim Bloggen?
  5. Wie deutsch bist Du?
  6. Wen oder was aus Deutschland vermisst Du besonders?
  7. Und was aus Deutschland fehlt Dir überhaupt nicht?
  8. Was würdest Du jetzt (ca. 2 Monate vor dem Abflug in die USA) schon gerne wissen, was beschäftigt Dich da am meisten im Hinblick auf den neuen Lebensmittelpunkt? Bzw. Was hättest Du gerne schon vor dem Abflug nach Peking gewusst und was hat Dich am meisten beschäftigt?
  9. Was macht Dir den Ortswechsel leicht, was macht ihn schwer? Bzw. was hat ihn Dir leicht, was hat ihn Dir schwer gemacht?
  10. Hast Du Blog- und Linktipps für Deutsche in Deiner (künftigen) Nachbarschaft oder Deutsche in China/USA generell?
  11. Hast Du Buchtipps zum Thema „im Ausland leben“? Falls nicht, hast Du einen anderen Buchtipp?

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Und hier nochmal die Regeln für den Liebster Award 2016:

Der Liebster Award unterstützt besonders neue Blogs, um in der Bloggerwelt bekannter zu werden. Aber auch für alte Hasen ist der Liebster Award natürlich eine gute Möglichkeit, noch bekannter zu werden. Der Liebster Award ist eine Vernetzung zwischen Bloggern und funktioniert ganz einfach: Ein Blogger wird von einem anderen Blogger nominiert, beantwortet die gestellten Fragen auf seinem Blog, stellt selbst wieder Fragen und nominiert erneut Blogs für den Liebster Award.

  • Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite. Wer über die Fragen hinaus Fakten über sich präsentieren möchte, kann dies in seinem eigenen Blog tun: Fakten über mich (bis zu 11 möglich); wer mit den Fragen gar nichts anfangen kann, darf sie ausnahmsweise auch mal gegen Fakten austauschen; sollte das dann aber auch entsprechend begründen.
  • Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf Eurer Seite. Falls möglich, hinterlasst auf ihrem Blog einen entsprechenden Kommentar, in dem ihr auch für andere sichtbar den Award annehmt.
  • Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite, so dass der Liebster Award nach außen hin sichtbar ist und bleibt.
  • Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf euren Blog.
  • Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.
  • Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiterempfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten. Wer möchte, kann sich dabei an die 200er – 3000er Follower / Leser Regel halten, also solche Blogs empfehlen, die unterhalb dieser Zahlen liegen.
  • Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt. Empfohlen wird, dafür die Kommentarfunktion auf den jeweiligen Blogs zu nutzen, falls diese passend ist. Empfohlen wird auch, die jeweils Nominierten vorab zu fragen, ob sie überhaupt mitmachen wollen, damit sie sich nicht überfallen fühlen. Viel Spaß!

 

image159 Vor kurzem bin ich über die Webseite der Expatmamas gestolpert. Hier finden sich viele Informationen und Erfahrungsberichte zum Thema “mit Kindern im Ausland” leben. Für die Reihe “Neu in…” habe ich ein paar Fragen beantworten dürfen, nachzulesen hier!

Was mir im Nachhinein und ergänzend dazu noch eingefallen ist: Ein wichtiger Gesichtspunkt vorher: wann sagen wir es den Kindern? Das mag vom jeweiligen Alter abhängen und davon, wie abenteuerlustig die Kinder sind. Bei dem einjährigen Vorlauf bei uns wollte ich es ihnen nicht direkt sagen – warum so lange Kummer und Aufregung haben? Allerdings habe ich in der Zeit das Vermissen des Papas beinah überbetont… Aber je mehr Zeit verging, umso mehr es Thema im Alltag wurde, umso wichtiger fand ich es, es ihnen zu sagen, nicht dass sie das nebenbei und unabsichtlich irgendwie aufschnappen. Das war bei uns dann ein gutes halbes Jahr vor dem Umzug, ganz kurz vor der ersten Pekingreise zum Kennenlernen.

Ganz wichtig fand ich für uns, dass wir vor allem den Kindern gegenüber immer hundertprozentig zu der Entscheidung gestanden haben, aber dass wir dabei Ängste und Sorgen nicht weggewischt haben. Ja, es ist traurig, dass man von so vielen Menschen Abschied nehmen muss, da kann man die Kinder nicht anlügen. Ich hab mich dann mit den Minis zusammen aufs Sofa gekuschelt, und dabei sind auch mal Tränen geflossen. Aber anschließend habe ich mit ihnen zusammen überlegt: Warum gehen wir nach Peking? Worauf freuen wir uns? Ich glaube, im großen und ganzen würde ich das genau so wieder machen.

Bei der Beantwortung der expatmama-Fragen hab ich mich relativ kurz gehalten und auf die Frage nach Tipps geschrieben “Lernen, über den eigenen Schatten zu springen, neues auszuprobieren – wann, wenn nicht in einer neuen Stadt in einem neuen Land?” Um das zu konkretisieren: nicht berufstätig (keine Arbeitserlaubnis), Kinder ganztags in der Schule – da bleibt viel Zeit, die sinnvoll gefüllt werden möchte. Mir selbst ist Langeweile fremd, aber wenn ich schon in Peking bin, dann will ich hier auch Dinge tun, die ich in Hamburg oder woanders auf der Welt so nicht tun kann. (Trotzdem genieße ich es, soviel Zeit fürs Lesen zu haben!)

Ich nutze deshalb viele Angebote der Patengruppe oder des Compounds (Ausflüge, gemeinsames Tatort-gucken, Stricktreff…), dabei bin ich vor Peking lieber ohne Gruppe auf eigene Faust losgezogen. Aber hier wollen neue soziale Kontakte gefunden und gepflegt werden, von daher gibt es für mich nun doch viele Gruppenaktivitäten. Für jemanden, der bisher eher in Gruppen losgezogen ist und selten allein: einfach mal ausprobieren! Allein in der Stadt unterwegs zu sein ist ein ganz anderes Gefühl als in Gruppe oder mit Familie, es ist schön, dem eigenen Tempo zu folgen und sich genau dahin treiben zu lassen, wo man gerade von angezogen wird. Und was soll passieren – Visitenkarte und ein paar Taxitaler in der Tasche, nach Hause kommt man immer!

Anderes Beispiel: ein neues Hobby anfangen. Bei mir ist es derzeit das Fotografieren. Eine dolle Fotokünstlerin werde ich sicher nie, ist auch gar nicht mein Anspruch, aber ich mag viele meiner Bilder jetzt schon lieber als das verwackelte Ritschratschklick von früher. Und es gibt so viele weitere Möglichkeiten: Sport, Nähen lernen, ehrenamtliches Engagement, Musikunterricht/Instrument lernen.

Ok, das ist sicher alles ganz subjektiv, und was für mich gut ist und womit ich mich wohlfühle, muss für andere noch lange nicht das richtige sein. Aber vielleicht hilft es ja doch der einen oder anderen: einfach mal trauen und machen!

 

Gestern haben wir ausgepackt, ausgepackt und, äh, ausgepackt.

Heute war ich beim “medical check”, das war ein Erlebnis für sich. Erstmal an irgendeinem anderen Ende der Stadt, fast schon in den Bergen, das war immerhin ein netter Anblick. Und dann war es wie Zirkeltraining, Station für Station, unpersönliche Massenabfertigung: Röntgen (ohne Bleischürze…), Blutdruck messen, Ultraschall (Nieren etc.), Blutabnahme, Sehtest, EKG, alles in allem gerade mal 20 Minuten! :D

Vorhin hab ich dann unsere Pässe an der Rezeption abgegeben, kann die in 3 Stunden wieder abholen, dann ist die polizeiliche Anmeldung erledigt. Wenn das Gesundheitszeugnis dann am Montag da ist, folgt der letzte Akt: das Beantragen der Daueraufenthaltserlaubnis.

Gestern hab ich gleich mal bei Tootoos Organic Farm bestellt: Obst, Gemüse, Joghurt, Milch. Wurde direkt heute früh geliefert, macht nen guten, frischen Eindruck (da weder Labor noch entsprechende Fähigkeiten vorhanden, kann ich zur objektiven Qualität nicht sagen, auch das Siegel “organic certified” sagt mir – noch – nichts). Aber irgendwo muss man ja mal anfangen.

Heute muss ich mich noch um einen Wasserlieferanten und den eventuellen Einbau eines Wasserfilters in der Küche kümmern, “residential cards” für die Jungs und mich abholen, ein bischen Drängeln, was den TV-Anschluss angeht und und und. Also noch einiges rund um’s Ankommen halt.

Bilder folgen noch, erstmal heisst es für uns Jetlag und Dauermüdigkeit in den Griff kriegen, sind ja nur noch ein paar Tage bis zum Schulstart.

Nachdem wir einige Tage den immer gleichen Blick auf Peking hatten, z.B. auch auf den CCTV-Tower, entlässt die blöde Grippe uns allmählich aus ihren Klauen und wir kriegen doch endlich mehr zu sehen.

Erst sind wir heute kreuz und quer durch kleinere und größere Straßen geschlendert, haben uns eine ziemlich gigantische, ziemlich luxuriöse Shoppingmall von innen angesehen und die Jungs anschließend bei Annie’s  mit Pizza bzw. Spaghetti Bolo abgefüttert. Den Rest des Tages haben wir schönes Wetter und relativ gute Luft im Ritanpark genossen.

 

Gestern war es also soweit, aufgeregt wie nur was sind die Minis und ich nachmittags in Hamburg abgeflogen, umsteigen in Amsterdam ging auch flott und der ganze Flug war soweit angenehm und entspannt, irgendwann sind wir auch eingeschlafen  – und nachts wurde ich dann wach und sah das:

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Gut 11 km über der Mongolei

Das war es dann für mich mit Schlafen –  rausgucken war wichtiger. Schon ein irres Gefühl, dieser erste Blick auf Asien. Leider wurde die Sicht dann doch bald schlechter, aber wir waren ja schon fast da und sind dann pünktlich im Pekinger Schneetreiben gelandet. Einreiseformalitäten waren zügig erledigt, Gepäck auch fix da und dann ging es raus: Hallo Peking, hier sind wir.

Und da war sie also, die Pekinger Luft. Riecht für mich wie Berlin früher *röchel*. Nee, keine Sorge, kein Röcheln, aber man merkt und riecht und schmeckt es schon.

Mit dem Taxi ging es dann “nach Hause”. Große Augen bei den Kurzen: keine Kindersitze, nicht mal Anschnallen war möglich, und das bei Verkehr, der echt abenteuerlich ist (und das, obwohl Peking wegen der Neujahrsfeierlichkeiten weniger voll als sonst sein soll).

Blick aus einem Schlafzimmerfenster

Blick aus einem Schlafzimmerfenster

Die Wohnung ist echt nett, zentral gelegen, erstmal ankommen und bischen ausruhen. Nachmittags sind wir dann zu einem ersten Spaziergang aufgebrochen. Wetter war viel besser als morgens, kein Schnee mehr, trocken – und die miese Luftqualität haben wir gar nicht mehr so wahrgenommen. Dafür alle paar Schritte neue Gerüche – von Katzenpisse bis richtig lecker alles dabei. Soviel zu sehen und zu entdecken, man weiss gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Wir sind dann durch Sanlitun durchgebummelt – und bei Schindlers Anlegestelle gelandet, wo wir die Kurzen dann erstmal ohne kulinarischen Kulturschock abfüttern konnten. ;) Uriger Laden und ein bunter internationaler Gästemix, überwiegend aber doch Chinesen.

Es stürmen unglaublich viele Eindrücke auf einen ein, und so weiss ich gar nicht, was erzählen und wo anfangen. Der Verkehr zum Beispiel: an den Kreuzungen wird gehupt, was geht, Abbieger fahren trotz Fußgängern einfach weiter und dazu noch die Vielfalt der Fahrzeuge: von der uralten Schrottmühle bis zur neuen Luxuskarosse, Fahrräder, eBikes, Rikschas, Lastenkarren, Lastenfahrräder, Busse – das Straßenbild ist wirklich bunt. Ebensolche Vielfalt bei den Gebäuden. Moderne Neubauten neben ollen Abrissbuden, flache und hohe Häuser bunt durcheinander, kleine Gassen, wo die Zeit stillsteht, und dann turbulente, moderne Einkaufsstraßen. Botschaftsgebäude, gut gesichert, sowohl durch Zäune als auch schwer bewaffnete Polizisten. Überhaupt viel Polizei unterwegs. Aber auch die grinsen unsere beiden Minikasper an. Genauso wie wir gucken, werden auch wir angeguckt und fotografiert – die Minis seien “so cute”. Stimmt. :)

 

 

Noch ist es ganz unwirklich. Weit weg – im doppelten Wortsinn…Und doch rückt es langsam aber sicher näher: Thomas ist gestern abgeflogen und seit heute in Peking. Wird ein bischen dauern, bis er wieder in Hamburg ist.

Vom Konfuzius-Institut gab es Mail: Erforderliche Bücher (sind nun bestellt), Login für die zugehörige eLearning-Plattform, weitere organisatorische Hinweise. Nun bin ich echt gespannt und freu mich drauf – Montag geht’s los.

Um von Peking nicht nur als Mega-Smog-City zu denken, hab ich mir ein paar Reiseführer und das Geo-Heft zu Shanghai-Peking-Hongkong gegönnt. Sehr hübsch zur Einstimmung: Culinaria China. Das ist ein bischen Kochbuch, etwas Bildband, etwas Landeskunde. Das war eine Empfehlung von Jonas, der nach einem Jahr Yunnan dieses Buch unbedingt haben wollte. Jedenfalls: da hab ich mich selbst gut ausgetrickst, das wird toll, China und Peking entdecken zu dürfen.

Wir haben Besuch und sind am Sonntag zusammen in den Art District 798 gefahren. Da gefällt es mir immer wieder gut. Nicht nur wegen der vielen wechselnden Ausstellungen entdecke ich jedesmal etwas Neues. Am Sonntag kam noch das wunderbare Frühlingswetter und halbwegs brauchbare Luft dazu, und wir haben uns stundenlang da durchtreiben lassen.

Auch Yoko Onos “Golden Ladders” haben wir uns angesehen, gleich hinter dem Goethe-Institut in der Faurschou Foundation Gallery. Zusammenfassung: 3 Räume: Wassergläser, Bäumchen, Leitern, Treppe. Mit tiefsinniger Bedeutung. ;) Ich fürchte, ich bin und bleibe Banause. Aber hey, wie cool: ich habe eine Yoko-Ono-Ausstellung gesehen! :D Wer auch noch möchte: läuft noch bis zum 3. Juli 2016.

Als nächstes möchte ich nun noch herausfinden, wie lange die “Of Sharks And Humanity”-Ausstellung noch läuft…

 

Mit unseren Besuchern sind wir im Anschluss an den Spaziergang durch den Art District 798 nach Sanlitun gefahren, Büro samt Dach herzeigen. Oben auf dem Dach war es lauter als unten im Gewusel…

Und so wenig schnieke sieht das sonst ja sehr schicke Taikoo Li (Sanlitun Village) von oben aus.

Und auch das Intercontinental versteckt sich hinter ganz normalen Pekinger Wohnhäusern.

Was für ein Unterschied zu dem Anblick, der sich hier nachts bietet!

 

 

Heute ein paar Impressionen vom derzeitigen Wohnumfeld. Ich bin nach wie vor total fasziniert vom unmittelbaren Nebeneinander von alt und neu, modern und traditionell, arm und reich… Wobei ich ganz sicher Armut nicht schönreden werde! Trotzdem, die krassen Gegensätze machen sicher einen Teil der Faszination dieser Stadt aus.

Wie man sieht: strahlend blauer Himmel, gute Weitsicht, d.h. auch relativ “gute” Luftwerte.

 

Gestern war ich mit der Patengruppen-Fotogruppe im Red Brick Art Museum. Die Ausstellung, die eigentlich Anlass für den Besuch dort war, war nur leider schon beendet – 10 Tage vor dem offiziellen, überall plakatierten und veröffentlichtem Termin. That’s China. ;)

Da das Internet hier gerade mal wieder nicht so will wie ich das gern hätte, nur einige wenige Bildchen.