Die Olympischen Spiele rücken näher. Für die Eis-Wettkämpfe und die Eröffnungs- und Schlussfeier werden die vorhandenen Gebäude der Sommerspiele von 2008 im Olympic Sports Park renoviert und umgebaut. Im Vogelnest finden keine Wettkämpfe (aber die Eröffnungs- und Schlusszeremonie) statt, der Watercube ist nun ein Eiswürfel, in dem die Curling-Wettbewerbe stattfinden werden. Im National Indoor Stadium wird Eishockey gespielt werden.

Ab jetzt: Zutritt nur noch für Akkreditierte

Vorgestern machte dann die Nachricht die Runde, dass der zentrale Bereich des Olympic Sports Park in Vorbereitung auf die Winterspiele abgesperrt werden wird – bis zum 20. März 2022. Hier der gesperrte Bereich:

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Gestern war also für ein paar Monate die letzte Gelegenheit, hier aus der Nähe zu fotografieren. Da ich die Ecke sehr mag, war es keine Frage, dass ich das noch mal ausnutzen musste. In der Fotogruppe getrommelt, zwei haben sich angeschlossen, lose vor dem Vogelnest verabredet (mit WeChat und Echtzeit-Standort kann man hier immer zusammenfinden).

Ein paar Pflichten mussten trotzdem erst erledigt werden, ich bin erst so spät losgekommen, dass leider keine Tageslichtaufnahmen mehr drin waren. Bei dem schönen Licht wäre ich gerne schon vor Ort gewesen.

Ganz in Gedanken bin ich mal wieder an der Metrostation Olympic Sports Center vorbeigetuckert – wenn ich aus dieser Richtung komme, wäre das die beste Gelegenheit den Scooter abzustellen: nur noch durch den Metrotunnel und zack, steht man südlich vom Vogelnest. Tja, so musste ich Richtung Osteingang fahren.

Mit der Health App den QR-Code scannen, durch den Sicherheitscheck und dann dieser Anblick.

Jetzt schon Absperrungen

Das Tickethäuschen fürs Vogelnest ist schon geschlossen, schade, das wäre es noch mal gewesen. Ringsherum ist mit Gittern abgesperrt, und ich musste erst ein ganzes Stück nach Norden laufen, bevor ich dann auf die Hauptachse und in Richtung Vogelnest zurückgehen konnte. Da bin ich dann auch auf die beiden anderen gestoßen (Danke, WeChat ;) ). Die Dämmerung schritt rasch voran, nur die Lichter gingen nicht an.

Oh.

Viel los war nicht, Touristengruppen derzeit ja eh nicht, nur einige wenige Spaziergänger, Skater und Arbeiter. Und wir drei Langnasen mit Kamera. Ob die Beleuchtung womöglich eingespart wird?

Dann tat sich endlich was. Erst ging oben das Licht an.

Und dann auch unten. Glück gehabt.

Wir wurden übrigens die ganze Zeit beschallt. Die üblichen Durchsagen, die mit „thank you for your cooperation“ enden, und immer wieder die gleichen drei Songs.

Merkt man, wie sehr ich die Ecke mag? Trotz (und sicher auch ein bisschen wegen) der Gigantomanie (es ist alles so unglaublich RIESIG) strahlt das Gelände etwas Fröhlich-Faszinierendes aus (und ja, selbst in diesen Tagen).

Es wird dunkler und immer kälter.

Der Countdown läuft.

Und weil es so schön ist, nochmal:

Das reicht dann auch, wir packen zusammen, die beiden anderen gehen zur Metro, ich zurück zum Osteingang.

Ich packe meine Spiegelreflex (wen’s interessiert: Canon EOS 80D) weg, schieße jetzt mit der kleinen Sony (RX100) aus der Hand.

Noch ein Blick auf die Fackel – nun ist es ja nicht mehr so lang, bis das olympische Feuer hier wieder brennt – und dann tuckere ich gemütlich nach Hause.

Mal schauen, ob ich mich wirklich erst ab Ende März wieder hier herumtreiben kann – oder vielleicht wird der Traum von der Eröffnungsfeier ja doch noch wahr…

Eigentlich war gestern ein ziemlich hässlicher, grauer Tag, typisch November eben. Mir steckte noch der WeChat-Ärger in den Knochen (WeChatPay hat über Nacht bei mir und vielen anderen nicht mehr funktioniert und ohne ist man hier aufgeschmissen – einen Tag weiter ging dann wieder alles); dazu Sorgen um Familie und Freunde in Hamburg und mal wieder verschärfte Schuldgefühle, nicht dort sein zu können. Ein Tag um sich zuhause einzubuddeln…

Aber ich war mit der Fotogruppe im Art District 798 verabredet, also half es nicht, ich musste los. Und das war dann auch gut so, denn der kleine Ausflug hat richtig viel Spaß gemacht.

Die alten Industriegebäude und die düstere Stimmung passten tatsächlich richtig gut zusammen, dort haben wir uns länger aufgehalten. Paradox, dass düstere Stimmung gute Laune machen kann…

Es wird immer und überall gebaut…

Auch das ist ganz typisch Beijing: Straßenkehrerin und Bao’an.

Zu entdecken gibt es hier auch an solch grauen Tagen viel.

Auch wenn sich viel ändert – diese Statuen sind immer noch da.

Relativ neu sind aber die Iglus.

Auch eine Form von Streetart.

Mehr als Galerien und Restaurants…

Peking „wie früher“ – mitten im Art District.

Nicht nur an sonnigen Tagen mit blauem Himmel als Fotolocation gefragt.

Die Industriegebäude hatten gestern wirklich einen ganz besonderen Reiz.

Dann ist da noch die Sache mit der Sicherheit… Man muss auch nicht von der Leiter runtersteigen, um sie ein Stück weiter zu bewegen.

Nicht nur wir waren auf Motivsuche.

Nicht so voll wie an schönen Tagen, aber trotzdem noch was los.

Die Gans vom Organic Café ist noch nicht im Topf gelandet. Sie hat auch ihre eigene Hundehütte…

Pinocchio mit drei Augen?

Bäume kann man auch bemalen.

Die Figuren sind „alt“, der Hintergrund ist neu bemalt.

Am Ende habe ich mich wie beim letzten Mal gefragt, warum ich nicht viel häufiger dort unterwegs bin, es gibt jedes Mal etwas anderes oder neues zu sehen.

Novembergedanken – ich hasse den November. Jedes Jahr mehr. Dieser Monat steht für mich für Tod und Verfall, Trübsinn, Kälte, es wird dunkel.  Die Farben verschwinden, alles ist grau. Wenn sich das hier dann auch noch mit Smog und Nebel mischt, kostet es wirklich Kraft, dass sich das viele Grau nicht auf die Seele legt. Aber auch, wenn es mich mehr Überwindung als an einem schönen Sommertag kostet, rauszugehen und etwas zu unternehmen, ich mache es – zum Glück gibt es hier genug zu tun. Und manchmal wird es dann doch bunt, und das tut gut.

Corona-Kacke

Hier in Peking war große Aufregung, nachdem Reisende (!) die Seuche mit nach Peking gebracht haben. Die Gerüchteküche brodelte, es gäbe auch zwei Fälle in Chaoyang (der Stadtbezirk, in dem wir wohnen, Schule und Arbeit sind etc.). Die ließen sich auch auf das Changping-Cluster zurückführen (wenn es nur eine Hand voll Fälle gibt plus App, dann klappt es auch mit der Nachverfolgung, soll ja beim Eindämmen helfen…). Jedenfalls wurde die Maßnahmen wieder etwas hochgefahren (Kapazitätseinschränkungen, in Parks z.B. nur 75% der üblichen Besucher; Temperaturkontrollen wurden wieder genauer durchgeführt, …). Die Nervosität war spürbar – und die Erleichterung, dass wir jetzt zwei Tage ohne weitere Infektion hatten, ist groß.

Tests in der Schule

Auch alle Schüler:innen, Lehrer:innen und sonstige Mitarbeiter:innen der Schule mussten sich testen lassen. Zum Glück alle negativ, puh! Die Schule war klasse, hat innerhalb weniger Tage organisiert, dass in der Schule getestet werden konnte, was uns weitere Wege und Hickhack mit der Sprachbarriere erspart hat. Heute war der zweite Tag ohne weitere Infektion, der Counter darf jetzt gerne wieder schön hoch zählen!

Frust beim Blick nach Deutschland

Für die deutsche (Seuchen-)Politik fehlt mir gerade jedes Verständnis, trotz Impfung so hohe Zahlen wie nie, und gleichzeitig Lockerungen, das ist so unfassbar ignorant. Ohne es auszusprechen ist es jetzt wohl okay, Leute erkranken und sterben zu lassen, damit die Mehrheit „normal“ leben kann? Finde ich verachtenswert. – Und ja, ich weiß, dass ich da vielleicht auch ein bisschen unter chinesischem Stockholmsyndrom (nur im Bezug auf Covid-19!)! leide, aber es gäbe durchaus kluge Wege zwischen beiden Extremen. Bei so vielen Toten wie in Deutschland zu sagen, man hätte es gut gemacht (nur weil andere Länder noch schlechter da stehen), davon krieg ich Pickel…. Naja, lassen wir das, nicht aufregen…

Ich will und muss im kommenden Sommer nach Deutschland – nicht nur, weil es dann drei Jahre gewesen sein werden, dass wir nicht dort waren, weil wir Familie und Freunde vermissen, weil wir Deutsche sind, die vorübergehend in China leben (auch wenn für längere Zeit) und den Anschluss nicht verlieren wollen – und weil eine Hochzeit ansteht!

Abgesehen vom übergeordneten Interesse (es ist ein Armutszeugnis für ein entwickeltes, reiches Land, so viele Menschen an einer eingrenzbaren (!) Seuche sterben zu lassen) habe ich also auch ein ganz egoistisches Interesse daran, dass Deutschland (und die Welt) zu Potte kommt.

Abschied von der Ayi

Nach über sechs Jahren mussten wir uns von unserer Ayi verabschieden, die zurück in ihre Heimat gegangen ist. Ihre Gesundheit ist angeschlagen, bliebe sie in Peking, müsste sie alle Behandlungskosten selbst zahlen. Sie weiß nicht, wie lange es dauert, aber irgendwann will sie zurück nach Peking.

Sie fehlt mir sehr, gar nicht mal so sehr wegen der lästigen Hausarbeit, viel mehr weil sie von Anfang an bei uns war, weil sie mir mit so vielem helfen konnte (nicht nur übersetzen) und mir so vieles erklärt hat. Sie war eine der wenigen Konstanten hier, mehr Freundin/Familienmitglied als Angestellte – und nun ist sie weg. Seufz. Wir haben weiterhin Kontakt über WeChat, aber das ist halt nicht das Gleiche.

Herbst in Peking

Viele Ausflüge und Aktivitäten der letzten Zeit standen unter dem Motto „Herbst“.

Duftberge

Okay, das war noch im Oktober, aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein… ;) Mit der Fotogruppe ging es in die Duftberge. Da waren wir allerdings zu früh dran, das Laub war noch überwiegend grün. Trotzdem war es ein wunderschöner Tag, noch recht warm, strahlender Sonnenschein und gute Luft, d.h. gute Sicht auf die Stadt.

Mit dem Sessellift über die noch grünen Bäume nach oben! Nicht weitersagen, ich hatte echt Schiss….

Blick in Richtung Sommerpalast: Kunming-See mit der 17-Bogen-Brücke

CBD – Central Business District

Ditan-Park

Eigentlich wollten wir Anfang der Woche zum Sommerpalast, aber der Tag war so verregnet, dass wir die Pläne geändert haben und uns zum Ditan-Park aufgemacht haben. Den Regen haben wir in einem Café in der Nähe ausgesessen. Wir hatten Glück, es wurde tatsächlich trockener. Also Ginkgo im Park. Das leuchtende Gelb macht schon gute Laune. Und ebenso macht es gute Laune, wenn man die Pekinger im Park beobachtet. Nicht nur die Musiker, Sportler, Tänzerinnen, sondern auch die vielen, die sich selbst in Szene setzen und so lange fotografieren, bis das perfekte Bild im Kasten ist.

Wangjing-Soho

Mit der Fotogruppe waren wir gestern Abend unterwegs, um das Wangjing-Soho einzufangen. Eigentlich war es ein Abend zum Zuhause einigeln: kalt, irgendwie feucht und Smog. Trotzdem hat niemand abgesagt und es wurde ein richtig schöner Abend.

Wie das Galaxy Soho, das Leeza Soho (und der neue Flughafen Daxing) von Zaha Hadid entworfen, ist das Wangjing Soho ein Hingucker in der Stadt. Früher habe ich gerne „Architektur“ fotografiert. Und bitte bloß keine störenden Menschen dabei… Hält still, kommentiert nicht, ich kann mir Zeit lassen… Und gestern Abend habe ich gemerkt, dass ich es inzwischen deutlich spannender finde, wenn ich Menschen mit auf dem Bild habe. Trotzdem, auch dies „kleine“ Soho ist ein echter Hingucker.

Wangjing Soho

Langzeitbelichtung – die Passanten sind kaum mehr als Geister zu erahnen.

Blick nach oben!

Mein eigentliches Bild des Abends entstand aber erst auf dem Rückweg. Ein Mann sitzt an einer Straßenkreuzung und verbrennt Papierbündel, zum Teil scheinen es überdimensionierte 100-RMB-Scheine zu sein. Es scheint etwas mit dem Daoismus und Höllengeld/Goldpapier/Geistergeld/joss paper zu tun zu haben. Üblich ist das eigentlich vor allem zum Geisterfest (August-Vollmond), aber gestern saßen an einigen Ecken Männer, die diese kleinen Feuer anhatten. Mal sehen, ob ich noch mehr darüber herausfinden kann.

Abschalten bei Konfuzius

Heute war auch wieder so ein eklig-grauer Tag. Bunt wurde es trotzdem: beim Stricktreff im überaus netten Café Zarah. Auf dem Rückweg habe ich mich erst durch die Hutongs hinterm Glockenturm treiben lassen, bin ein Stück am Ring entlang getuckert, wo dann dieser Lauchhändler stand.

Gegenüber vom Lama-Tempel (derzeit geschlossen) habe ich den Scooter abgestellt und bin zu Fuß weiter, fand mich vor dem Konfuzius-Tempel wieder, den ich spontan besuchen wollte. Ticket musste per App gebucht werden, ich war kurz vor dem Aufgeben, aber mit Hilfe zahlreicher (!!!) Chinesen hat es dann doch geklappt. Der Trick hierbei war, dass das Ticket nur gebucht, aber am Schalter bezahlt wird. „Schön“, dass alles und jedes hier seine eigene App hat, auch wenn ich die nötigsten Dinge (Pass, Passnummer, Telefonnummer, Name etc.) lesen kann, irgendworan scheitere ich dann doch immer… Als ich dann aber endlich mein Ticket hatte und die Sicherheitskontrolle hinter mir gelassen habe – plopp, Stress ist abgefallen. Der Konfuzius-Tempel mit seiner langen Geschichte, den vielen schönen alten Bäumen, der hat diese Wirkung auf mich. Ganz in Ruhe habe ich mich treiben lassen.

Mit mir selbst im Reinen habe ich mich dann auf den Heimweg gemacht. Vielleicht wird dieser November doch nicht so blöd wie befürchtet!

 

Am nordöstlichen Rand des inneren Pekings, 15 Kilometer vom Tianan’men entfernt, liegt der 798 Art District (auch 798 Art Zone oder Kunstbezirk Dashanzi, 798艺术区, 798 yìshù qū).

Geschichte und Architektur

In den 1950er Jahren hat China hier mit der Unterstützung der Sowjetunion und der DDR Fabriken fürs Militär gebaut. Die Bauhaus-inspirierten Gebäude mit den Sägezahn-Dächern waren etwas ganz Neues in China (typisch sowjetische Brachialbauten gab es schon). Das Material für die Fabriken wurde zum Teil mit der TransSib nach China gebracht, die DDR entsandte 100 Fachleute.

Die Gebäude wurden so konzipiert und ausgerichtet, dass sie die größtmögliche Lichtausbeute hatten – deshalb die Sägezahn-Dächer. Die Fenster sind nach Norden ausgerichtet, um Schatten zu vermeiden.

In den 1990er Jahren kam die Produktion der staatlichen Firmen im „Joint District 718“ (später in Unterdistrikte und eben auch 798 unterteilt) zum erliegen. Ende der Neunziger zogen die ersten Künstler: Maler, Bildhauer, Designer in die lichtdurchfluteten Hallen und wandelten die Fabriken in Werkstätten um. Galerien wurden eröffnet, zum Beispiel 798 Space und UCCA, mehr und mehr Bars, Cafés und Restaurants eröffneten im Viertel. Je angesagter 798 wurde, desto höher wurden die Mieten, einige Künstler zogen weiter, z.B. nach Caochangdi. Heute kann man das Viertel als Bobo beschreiben (bourgois-bohémian). Es heißt inzwischen auch: hier ist mehr Show als Kunst. Und doch gibt es hier eine einzigartige, bunte und lebendige Atmosphäre.

798 ist nach der Verbotenen Stadt und der Mauer das am dritthäufigsten besuchte touristische Ziel in Peking.

Am Vormittag durch den 798 Art District

Ich war schon eine ganze Zeit lang nicht mehr dort und bin gestern bei tollem Wetter und guter Luft spontan mit einer Freundin durch den Art District geschlendert.

Buggies im Gänsemarsch – da wäre ein einfarbiger Hintergrund praktischer gewesen, aber hier gibt es das, was es sonst in Peking so gut wie gar nicht gibt: Graffiti.

Nicht nur Tags, sondern ganze Wandgemälde gibt es hier.

Und dann gibt es auch „Gekritzel“.

Sogar die Toiletten sehen cool von außen aus (und innen sind sie sauber).

Grün gibt es auch.

Hier am Pace (Faurschou Foundation) kann man die Bauweise mit den Sägezahn-Giebeln und den nach Norden ausgerichteten Fenstern gut erkennen.

Und auch hier im hippen Art District werden ganz traditionell die Vogelkäfige tagsüber nach draußen gehängt.

Dies ist ein Blumenladen mit angeschlossenem Café – das leider erst nachmittags öffnet.

Ja, Cafés gibt es viele. Hier eines mit Hund.

Kein Pilot, sondern Parkplatz-Anweiser.

Auch hier wird Fuß-Federball gespielt.

Oder mit den Großeltern spazieren gegangen.

Grün gibt es auch einiges.

Und ein Café mit Gans.

Es ist gerade noch warm genug für die Dachterrasse eines Cafés – Aus- und Ansichten inbegriffen.

Wie gesagt: auch Graffiti.

Schön war es wieder. Am Ende habe ich mich gefragt, warum ich nicht viel öfter hier unterwegs bin, ich hab’s gar nicht so weit.

Fotos

Hier sind noch ein paar mehr, ältere Bilder zu sehen: Ein Frühlingsspaziergang durch den Art District 798.

 

 

 

Seit März war ein Teil des Yuyuantan-Parks im Westen der Stadt für das „Beijing International Light Festival“ abgesperrt. Am vorletzten Veranstaltungstag am vergangenen Wochenende habe ich es zusammen mit Freundinnen doch noch dahin geschafft. Es ist halt ein bisschen mühsam, dass man derzeit nicht weiß, ob man eine Veranstaltung/Sehenswürdigkeit spontan besuchen kann oder doch vorab ein Ticket kaufen muss. Für den Ticketkauf haben viele Events/Locations dann auch noch jeweils ihre eigene App – natürlich nur auf chinesisch, was das ganze noch schwieriger gestaltet. Aber ohne Tourismus aus dem Ausland lohnt sich eine mehrsprachige Version wohl eher nicht. Nach diesem Abend denke ich aber, dass ich mich davon künftig weniger abschrecken lassen sollte.

Wir hatten Glück, und der Regen, von dem es dieses Jahr viel zu viel und viel zu lang welchen gab, hat kurz vor dem Einlass um 18 Uhr endlich aufgehört.

Zunächst traten aber erst mal die Bao’ans an, das war aber vergleichsweise lässig. Kurz in Reihe aufgestellt…

… und nach dreißig Sekunden wuselten auch schon wieder alle durcheinander, und die Türen wurden fürs Publikum geöffnet. Durch einen bunt beleuchteten, verspiegelten Tunnel ging es aufs Gelände. Im ersten Abschnitt gab es Gelegenheit für Schattenspiele.

Aber auch ohne Schatten, nur mit der wechselnden Beleuchtung, sah es ganz nett aus.

Zur Atmosphäre trug auch die Musik bei, eine Art fahrstuhltauglicher Jean-Michel Jarre mit chinesischen Anklängen. Das ist jetzt gar nicht spöttisch oder abwertend gemeint, sondern der Versuch einer Beschreibung – es passte wirklich gut zusammen.

Ich habe vor einer beleuchteten Wand ein bisschen mit Langzeitbelichtungen experimentiert.

Blümchen und Fernsehturm (rot im Hintergrund), mit und ohne künstlichem Nebel.

Die Farben des Lichtes wechseln.

Der Turm in der Mitte war schon recht cool.

Wieder ein Stückchen weiter standen diese Quallen. An manchen hingen Lichterketten herunter, bei anderen „regnete“ es.

Um sich so oder ähnlich ablichten zu lassen, stellt man sich in lange Schlangen…

Um 18 Uhr zum Einlass war es noch relativ ruhig mit nur wenigen Besuchern, aber im Laufe des Abends wurdes es voll. Richtig voll.

Diese Kugeln haben es mir auch sehr angetan.

Am Ende verging die Zeit wie im Flug, und wir gehörten zu den letzten, die gingen. Zack, ging das Licht immer unmittelbar hinter uns aus. Wenn es auch nächstes Jahr wieder ein Lichterfestival gibt, warte ich nicht erst bis zum Schluss.

Am Dienstag war nicht nur das chinesische Mondfest, sondern auch traumschönes Wetter. Da nicht nur dieser Sommer ungewöhnlich verregnet war, sondern sich das überwiegend miese Wetter auch noch im September fortsetzt, musste das unbedingt ausgenutzt werden. Ich habe nicht lange überlegt, und mich für den Botanischen Garten entschieden. Mit dem Scooter käme ich hin, aber nicht mehr zurück, also entscheide ich mich für die schnellste Lösung: Metro. Von „unserer“ Station Liangmaqiao nehme ich die Linie 10 „outer loop“. Die Bahn ist ziemlich leer. Ach ja, Feiertag.

 

Die Vorort-Bahn

Leere Bahn? Tja, das ändert sich, als ich in Bagou in die Xijiao Linie (Xijiao – 西郊 – Westliche Vororte) umsteige. Die Linie gibt es erst seit knapp vier Jahren und fährt von Bagou aus am Sommerpalast und Botanischen Garten vorbei zu den Duftbergen. Also kein Wunder, dass es nun brechend voll wird. Es sind Familien und Paare, die unterwegs sind, anders als bei meinen bisherigen Ausflügen zum Botanischen Garten keine Gruppen. Klar, ist ja ein Familienfest.

Am Sommerpalast steigen nur einige wenige aus, mit mir zusammen ein paar mehr am Botanischen Garten. Immer noch gut gefüllt fährt die Stadtbahn weiter zu den Duftbergen. Die Stadtbahnhaltestelle ist in der Mitte der Straße genau gegenüber vom Haupteingang des Botanischen Gartens – mit Schranken und Zebrastreifen und Uniformierten wird für sicheren, geordneten Überweg gesorgt (ich habe eine vage Vorstellung, wie das ohne aussehen könnte…).

Eintauchen in den Botanischen Garten

Vorm Tickethäuschen und im gesamten Eingangsbereich steppt der Bär. Ich löse nur das normale Parkticket für 5 RMB, bei dem Traumwetter zieht es mich weder ins Gewächshaus noch in den Wofo-Tempel (und selbst wenn spontan doch, könnte ich dort jeweils direkt am Eingang nachlösen). Schon nach wenigen Schritten verteilt sich das Gewusel. Ich schlage dieses Mal eine andere Richtung ein als bei meinen bisherigen Besuchen und gehe zunächst in Richtung Rosengarten. Hier ist nicht viel los, die meisten Rosen sind bereits verblüht. Ich genieße es trotzdem, sauge die Sonne auf. Mir graut jetzt schon vor dem langen, kalten Winter, da will ich jetzt noch soviel Wärme und Sonne tanken, wie es nur geht. Und grün sehen, bevor alles grau-braun und kahl wird!

Ich gehe am Gewächshaus vorbei weiter in Richtung „Cherry Valley“.

Nicht nur die Botanik, auch die Schatten faszinieren mich.

Man könnte es sich bequem machen und zum Wofo-Tempel mit dem Elektrobus hochfahren. Oder eine Runde mit der Bimmelbahn drehen. Aber auch wenn man das nicht tut, kann man dem Getute, Gebimmel und Gedudel nicht entkommen. Dabei fällt mir ein, wie überwältigend ich den allgegenwärtigen Lärm vor einigen Jahren noch empfunden habe – und jetzt habe ich mich daran gewöhnt und höre darüber hinweg. (Nein, ich werde nicht schwerhörig!)

Bambusgarten und Bach

Den Wofo-Tempel lasse ich links (bzw. rechts) liegen und drehe erst einmal eine Runde durch den Bambusgarten. Irgendwann höre ich auf zu zählen, wie viele verschieden Sorten Bambus hier wachsen – es sind viele.

Schließlich setze ich meinen Weg oberhalb des Bambusgartens fort, finde einen schmalen Weg etwas oberhalb der „Hauptstraße“, den ich noch nicht gegangen bin.

Schließlich komme ich an den Bach, der von oben den Hügel hinab ins Tal plätschert. Nach dem vielen Regen ist der voller als ich ihn bisher gesehen habe.

Noch ein Stück weiter oben sind einige Wege abgesperrt, dort scheint gebaut zu werden. Schließlich komme ich an diesen Überweg und kann zuschauen, wie jeder zweite sich nasse Füße holt und ein Teenager auch eine nasse Hose.

Ich habe zwar Trekkingsandalen an, mit denen ich da sicher und problemlos durchwaten könnte, aber ich gehe lieber den gleichen Holzbohlenweg zurück, der ist einfach hübscher als der gepflasterte Weg auf der anderen Seite.

Es gibt in China übrigens ziemlich große Spinnen…

Ich lasse mich weiter kreuz und quer durch den Botanischen Garten treiben, genieße die Aussicht.

Schmetterlinge

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
(Carlo Karges)

Inzwischen bin ich wieder weiter unten angekommen. In der Nähe des Gewächshause verläuft ein Weg, wo immer Pflanzen der Saison blühen. Und richtig gedacht, hier bekomme ich einige Schmetterlinge vor die Linse.

Am See

Ich finde die Kombination von blauen Himmel mit Schäfchenwolken, Wasser und Grün unwiderstehlich! Ich bin einem chinesischen Paar gefolgt, bin mir nicht bewusst, eine Absperrung überwunden zu haben, aber es hätte wohl eine da sein sollen. Immerhin, ich komme tatsächlich mal direkt ans Südufer. Umkehren will ich nicht, also muss ich doch ein bisschen klettern.

Schließlich lande ich doch wieder auf dem breiten Weg. Inzwischen hat es sich spürbar geleert und auch ich mache mich so langsam auf in Richtung Ausgang.

Was dieser Mann hier wohl macht?

Zum Abschluss werfe ich noch einen Blick auf die Blumenskulptur. Die sind hier in China wirklich angesagt, nicht nur hier im Botanischen Garten. Zu besonderen Anlässen sieht man sie aber wirklich überall.

Nun mache ich mich auf den langen Heimweg. Die Uhr behauptet, ich wäre fast 15 km gelaufen (und ich habe wieder nicht alles angesehen). Als ich zuhause ankomme, ist es stockfinster. Macht nichts, denn ich spüre noch immer die warme Sonne auf der Haut und habe viele bunte, sonnige Bilder im Kopf (und der Speicherkarte).

Fotos. Viele Fotos.

 

Heute Nachmittag hatte ich Zeit und bin spontan in Richtung Shichahai getuckert. Aber schon auf dem Weg gibt es viel zu gucken.

Zum Rauchen nach draußen…

Der Hund muss mit!

Am Shichahai

Heute ist nicht so viel los wie vor kurzem, die Rikschafahrer haben nichts zu tun.

Der Bootsverleih ist wieder geöffnet. Ich überlege kurz, denke aber, dass ich dafür gerne ein anderes Objektiv an der Kamera hätte, heute hab ich das 24 mm drauf. Wie so oft denke ich, dass das ein Luxus ist, den ich als Touri hier nicht hätte: ich kann halt unkompliziert jederzeit wiederkommen.

Bootsanleger am Westufer des Shichahai

Als sie sieht, dass ich sie fotografiere, wirft sie sich in Pose, Schirm kommt weg.

Tempel des Feuergottes

Wo ich schon in der Ecke bin, schau ich auch noch kurz in den Feuergott-Tempel hinein.

Die bunten Wimpel, die neulich noch hingen, sind weg. Schade, das war noch bunter. Dafür ist die Musik heute lauter.

Yandai Byway

Die Yandai Gasse ist zwar keine 250 Meter lang, aber wirklich hübsch. Klar, sie ist touristisch so aufgehübscht worden wie die Nanluoguxiang, mir gefällt’s trotzdem. „China Famous Historical Cultural Street“ seit 2010, da müssen wohl chinesische Standards gewahrt werden.

Türklopfer mal anders

Vor der historischen Post wird fotografiert.

Hier findet sich die typisch chinesische Mischung von Handwerks- und Souvenirläden, Imbissbuden und Restaurants mit (nicht nur) lokalen Spezialitäten. Mich versetzt das kurz in eine Stimmung wie auf Reisen, fühle mich an solche Tourigassen in Dali, Xi’an, Luoyang erinnert (so unterschiedlich diese Orte auch sind). Ich sollte wohl doch wieder häufiger auf Sightseeing-Tour gehen.

Egal wie alt du bist, du bist hier nie zu alt für Haarschmuck aller Art!

Dieses plastische Stadtmodell ist das erste, dass ich hier bewusst wahrnehme (Oder es ist das einzige? Keine Ahnung!).

Fuhrpark

Meerjungfrau oder Hofdame?

Sieht man auch vielerorts in China: Kuscheltiere als Deko am Haus.

Ich werfe noch einen Blick zurück in die Gasse, bevor ich zu meinem Scooter zurücklaufe.

Mondfest in Sicht

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Jingkelong, wo viel los ist. Der Bao’an, der mir immer helfen will und mich immer ermahnt, langsam zu fahren, kommt extra angerannt, um ein Fahrrad zur Seite zu schieben, damit ich meinen Scooter abstellen kann. Das ist mir echt peinlich, ich will keine Sonderbehandlung.

Im Supermarkt gibt es zahlreiche Sonderstände: nächste Woche ist das Mondfest. Natürlich Mondkuchen, stückweise einzeln verpackt oder in bunten, aufwendigen Geschenkverpackungen. Diese Geschenkpackungen gibt es aber auch für ganz alltägliche Dinge wie Eier, Öl, Würzsaucen, Süßigkeiten, Nüsse … .

Vorhin klingelt es an der Tür – der Vermieter, der mir zwei große Geschenktüten entgegenhält. Mondkuchen und eine Massagepistole. Cool. :)

Noch ist es ganz unwirklich. Weit weg – im doppelten Wortsinn…Und doch rückt es langsam aber sicher näher: Thomas ist gestern abgeflogen und seit heute in Peking. Wird ein bischen dauern, bis er wieder in Hamburg ist.

Vom Konfuzius-Institut gab es Mail: Erforderliche Bücher (sind nun bestellt), Login für die zugehörige eLearning-Plattform, weitere organisatorische Hinweise. Nun bin ich echt gespannt und freu mich drauf – Montag geht’s los.

Um von Peking nicht nur als Mega-Smog-City zu denken, hab ich mir ein paar Reiseführer und das Geo-Heft zu Shanghai-Peking-Hongkong gegönnt. Sehr hübsch zur Einstimmung: Culinaria China*. Das ist ein bisschen Kochbuch, etwas Bildband, etwas Landeskunde. Das war eine Empfehlung von Jonas, der nach einem Jahr Yunnan dieses Buch unbedingt haben wollte. Jedenfalls: da hab ich mich selbst gut ausgetrickst, das wird toll, China und Peking entdecken zu dürfen.

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Zahlen

Seit einem Monat gibt es keine lokale Corona-Neuinfektion mehr in Peking, vor drei Wochen ist das neue Schuljahr gestartet, zunächst online, am 1. September dann auch „richtig“.  In drei Wochen sind schon wieder Ferien: Golden Week.

Der Tod des Botschafters

Es gibt hier wohl niemanden, den der plötzliche Tod von Jan Hecker nicht erschüttert hat. Mein Mitgefühl gilt vor allem seiner Familie. Den Ehemann und Vater zu verlieren, ist immer furchtbar, aber nach so kurzer Zeit in einem fremden Land, wird es wohl noch härter.

Bundestagswahl? Leider ohne meine Stimme.

Wählen aus dem Ausland ist nicht so einfach. Früher hatte ich mal geglaubt, Auslandsdeutsche könnten in Botschaften und Konsulaten wählen. Wie naiv… Wir haben uns schon sehr früh darum gekümmert und unseren Antrag auf Eintragung ins Wählerverzeichnis rechtzeitig auf den Weg gebracht: ich habe unseren Brief im Juli einem Freund mitgegeben, der nach Deutschland geflogen ist. Eingetragen ins Wählerverzeichnis wurden wir (wir haben hinterher telefoniert), aber bis heute sind unsere Briefwahlunterlagen nicht angekommen. Am Montagnachmittag wäre aber der letzte Termin gewesen, um die Wahlbriefe an der Botschaft abzugeben, damit sie rechtzeitig ankommen (immerhin diesen Service der Botschaft gibt es in Ländern mit langen Postlaufzeiten nach Deutschland).

Der DLF hat hier über die Problematik berichtet.

Alle Jahre wieder: Ärger mit der Klimaanlage

Letzte Woche ist unsere Klimaanlage gereinigt worden. Und ich freu mich noch, dass es in diesem Jahr keine Probleme damit gegeben hat. Hätte ich nur nichts gesagt… Am Donnerstag komme spätabends nach einem Fotogruppen-Treffen nach Hause, und höre schon an der Tür ein Tropfen. Während ich mich noch beeile, die elektrischen Geräte (e-Heizungen, Luftbefeuchter (!), Ventilatoren, Ladegeräte, Staubsauger und was man halt sonst noch so in Abstellkammern stehen hat) zu retten, wird aus dem Tröpfeln ein Wasserfall. Die provisorische Reparatur hält (noch), aber es werden Rohre ersetzt werden müssen, ganz erledigt ist das Problem noch nicht. Und in wenigen Wochen steht auch noch die Umstellung von Kühlen auf Heizen an, vielleicht geht das dann ja ohne Extras. ;)

Fotos

Hier noch ein paar Eindrücke aus der letzten Zeit.

You can find a English version here.

Wie man an der Vielzahl der Fotos hier im Blog sicher sehen kann: ich fotografiere gerne und gehe nie ohne Kamera aus dem Haus. Ich habe Spaß daran, die Welt um mich herum festzuhalten. Ein bisschen mehr „Wow“ für meine Fotos, das wäre aber auch nicht schlecht. Und vor allem: ich würde gerne mehr Menschen in meinen Bildern zeigen – hier in China geht das auch ohne Einverständniserklärungen etc.  Aber wenn es darum geht, dichter ran an die Menschen zu gehen, trau ich mich viel zu oft nicht.

Schon länger wollte ich einen Streetfoto-Workshop bei  Francois Nadeau machen, einem in Peking lebenden kanadischen Fotografen. Als es jetzt nach langer Pandemie-bedingter Abwesenheit und Pause wieder mit seinen Workshops losging, war ich direkt dabei.

Etwas Theorie zu Beginn

Die Gruppe ist erfreulich klein: wir sind zu viert plus Francois. Zunächst gehen wir in ein Café, wo er uns eine theoretische Einführung ins Thema gibt: Geschichte, bemerkenswerte Streetfotografen und ihre verschiedenen Stile, unterschiedliche Herangehensweisen, ein bisschen Technik und Theorie, Komposition, Licht und Schatten… Aber vor allem spricht er auch den Punkt an, der mir so wichtig ist: es gibt keinen Grund für die Angst beim Fotografieren von Fremden. Man tut ja niemanden etwas Böses – und in Wahrheit gibt es auch nichts Schlimmes, was dabei passieren kann. Gerade China/Peking ist ideal für Streetfotografie, sowohl was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht als auch die Bereitschaft, sich fotografieren zu lassen.

Francois macht uns Mut, beschreibt aber auch ein paar Möglichkeiten, wenn man die direkte Konfrontation vermeiden will – sei es aus Schüchternheit, sei es aus der Erwägung heraus, dass es die Situation verändert, wenn sich jemand als Fotosujet wahrnimmt. Einen wichtigen Grundsatz gibt er uns noch mit auf den Weg: Respekt. Und: lächeln! Super, das kann ich.

Und dann geht es auch direkt raus auf die Straße.

Rund um die Qianmen

Wir halten Ausschau nach Menschen und ihrem Alltag.

Gibt es Analogien oder Gegensätze?

Accessoires, besondere Kleidung?

Geometrien, Linien, Symmetrien – oder das Durchbrechen der Ordnung?

In den Hutongs

Während wir uns in Richtung Dashilar bewegen, reden wir über Licht und Schatten – und dass gerade das harte Mittagslicht in der Streetfotografie genutzt werden kann.

Tiere gehen natürlich auch immer!

Das Schild finde ich zu genial.

Hier ein Bild, das nicht so gut funktioniert, in schwarz-weiß erst recht nicht. Eigentlich hätte ich gerne den Mix von traditionellem Lampion einerseits und Peppa Pig und Co. andererseits herausgestellt. Aber das ist auch ein Lerneffekt: manchmal geht es halt nicht so, wie man sich das denkt. Hier ist der Hintergrund zu unruhig, es sind zu viele verschiedenen Elemente. (Ich hätte mich vielleicht an Details versuchen können.)

Das nächste Bild mag ich, obwohl oder weil es schräg ist – so langsam klappt es besser mit dem aus der Hüfte schießen.

War da was mit dem Lächeln? Das kommt ganz von selbst, so sehr genieße ich den Tag. Ich hab „Solar Power“ von Lorde als Ohrwurm, die Sonne brennt, der Himmel ist quietschblau, und ich merke, dass ich mich zwar nicht über Nacht zu jemanden entwickeln werde, der Fremden überfallartig die Kamera direkt ins Gesicht hält (will ich auch gar nicht), aber dass ich meine Scheu wohl überwinden kann. Ich muss nur Dranbleiben.

Zurück auf der Qianmen

Sie hat mich angeguckt – und es ist gar nichts passiert. Jetzt sind wir zurück an der Qianmen, allerdings am anderen Ende.

Noch ein paar Eindrücke.

Südlich der Chang’an

Eine der anderen Teilnehmerinnen möchte gerne in Richtung Tian’anmen, alle sind einverstanden, also gehen wir hinüber. Unglücklicherweise haben nicht alle ihren Pass dabei, bei der ersten Kontrolle reicht zwar das Handyfoto vom Pass, bei der zweiten aber nicht mehr. Da die Sonne noch immer ganz schön knallt, hat uns das rückblickend vermutlich vorm Sonnenstich bewahrt. Stattdessen gehen wir am Polizeimuseum vorbei und lassen uns ein wenig durch die schattigen, baumbestandenen Straßen im Viertel südlich der Chang’an treiben.

Immer wieder bleiben wir stehen und Francois macht uns z.B. auf besondere Lichtverhältnisse aufmerksam. Auch für jeden einzelnen von uns nimmt er sich immer wieder Zeit und geht auf unsere unterschiedlichen Wissensstände und Anliegen ein. Gut gefällt mir, dass er auch Einsteigerfragen beantwortet – aber sehr knapp, so dass das nicht von der Zeit fürs eigentliche Thema abgeht. Stattdessen weist er auf seinem Einsteigerworkshop hin. So passt das für uns alle gut. Grundsätzlich geht es an diesem Tag überhaupt mehr um das richtige Hingucken, auf Momente warten, Licht, Komposition, weniger um Kameratechnik.

Die kleine Prinzessin schläft.

Girl(s) on a bicycle (und Ralph McTell im Ohr).

Man könnte sich hier an jede belebte Kreuzung stellen und Spruch-T-Shirts knipsen. ;)

Nach sieben Stunden geht der Workshop zu Ende.

Es war ja nun eh ein wunderschöner Sommertag, da hätte das herumstreifen auch einfach so schon viel Spaß gemacht. Aber mit all dem Input, der Ermutigung, den vielen Tipps und Hinweisen, der netten Gesellschaft war es besonders schön. Mich hat dieser Tag einen großen Schritt weitergebracht, ich habe an Selbstvertrauen gewonnen. Jetzt muss ich halt dranbleiben.

Interesse geweckt? Hier geht es zu Francois‘ Webseite: Just go out and take some pictures.

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

6 Jahre in Peking

Wir hatten Jahrestag: am 16. August hat nun schon unser 7. Peking-Jahr begonnen. Hätte mir das früher jemand gesagt, dass wir so lange hier bleiben, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt. Und nun sind wir alle vier immer noch gerne hier, und so wie es aussieht, bleibt das auch noch ein paar Jahre so.

Ich finde Peking und China immer noch so spannend und aufregend wie am ersten Tag. Langweilig wird es hier nie. Nicht nur, weil sich hier immer und überall alles ständig ändert, sondern auch weil es immer noch so vieles zu entdecken gibt. Was natürlich inzwischen viel besser als am Anfang ist: das sich auskennen, Ängste und Unsicherheiten abgelegt zu haben.

Was immer noch und immer wieder mal nervt: die Sprachbarriere. Andererseits habe ich mich mit meinem dürren Chinesisch abgefunden, komme im Alltag gut zurecht damit. Um besser sprechen und vor allem mehr lesen zu können, müsste ich viel Zeit investieren. Dieser Aufwand steht in keinem gescheitem Verhältnis zum Ergebnis, und es bliebe keine Zeit mehr für andere Interessen und Aktivitäten. Auch so im Alltag lerne ich ja doch immer wieder ein bisschen dazu. Und sei es, dass ich anlassbezogen Wörter und Floskeln auswendig lerne. Mal sehen, wie schnell ich wieder vergesse, was „entspiegelte Brillengläser/Antireflexbeschichtung“ heißt. ;) Wenn es wirklich mal klemmt, helfen eh Übersetzungs-Apps gut weiter.

Sommerferien gehen zu Ende

Die langen Sommerferien (immerhin fast zwei Monate) gehen mit Riesenschritten auf ihr Ende zu. Nächsten Montag geht die Schule wieder los. Zunächst zwar „nur“ online, aber das läuft hier gut, und die Jungs kommen damit auch gut klar. Die beiden freuen sich eher über den sanften Übergang in den Schulalltag. Ab 1.9. geht’s dann ganz normal mit Präsenzunterricht los.

Die kleinen Jungs, mit denen ich hier angekommen bin, sind inzwischen große Teens, die mich überragen, keine Grundschüler mehr, sondern Oberstufenschüler.

Covid in Peking

Erfreulicherweise ist es bei dem jüngsten Ausbruch bei einer Handvoll Fälle geblieben. Heute wurden 8 Tage ohne lokale Neuinfektion vermeldet. Die spürbare Anspannung auf den Straßen ist wieder weg, das wird u.a. durch die wieder lässigere Handhabung der Masken sichtbar, dazu sind wieder mehr Leute unterwegs. Der Lamatempel ist allerdings noch geschlossen, und die meisten Museen und viele Parks haben noch reduzierte Kapazitäten. Für die Verbotene Stadt werden derzeit maximal 48.000 Tickets/Tag verkauft (60 Prozent von normal vor Corona, da lag die tägliche Kapazitätsgrenze bei 80.000 Tickets).

Wir hoffen nur, dass es bald mit dem Reisen wieder einfacher wird, unsere drei Großen, den Rest der Familie und Freunde so lange nicht sehen zu können, das macht schon etwas zu schaffen. Egal, ob wir nach Europa fliegen oder wir hier Besuch bekommen: das fehlt. Aber vor Sommer 2022 wird das wohl nichts mehr, böse Zungen unken schon von 2023 *Ohrenzuhalt*.

Besuch fehlt auch noch in einer anderen Hinsicht: Wenn ich mit Besuch unterwegs bin, habe ich viel mehr den Blick für das Andere, Besondere, Ungewöhnliche. Nach so langer Zeit ist Peking unser Zuhause, und solche in Deutschland eher ungewöhnlichen Fahrzeuge sind für uns normal. Jetzt muss ich bewusst hinsehen, um den Blick für den hier oft doch so anderen Alltag zu schärfen. Dabei hilft natürlich, dass ich nie ohne Kamera aus dem Haus geh.

Zwei Kinder stehen einem mit Wäschesäcken voll beladenem Tuktuk.

Mumins in Peking

In der Citic Buchhandlung gegenüber vom Capital Mansion sind gerade Mumin-Wochen. Außer Mumin-Büchern (chinesische Übersetzungen) kann man auch Drucke und allerlei Merch erwerben.

Das fand ich jetzt mal richtig knuffig.

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Wir sommern so vor uns hin. Der Monsunregen macht gerade ein bisschen Pause. Allerdings ist uns die Lust auf Ausflüge vergangen.

Covid ist zurück in Peking

Reisende haben die Seuche zurück nach Peking gebracht. Die Zahl der aktuell Infizierten liegt unter 10, aber die Folgen sind erheblich. Nach einem halben Jahr ohne lokale Neuinfektion in Peking ist das ziemlich niederschmetternd.

Nun ist es mit dem lässigen Maske-unterm-Kinn erstmal vorbei. Damit das mit dem Abstandhalten klappt, haben unter anderem Parks und Metro wieder ihre Kapazitäten reduziert. Auf die Metro verzichte ich dann auch erstmal lieber ganz. Dazu treibt mich weniger die Angst vor der Krankheit, vielmehr die Unlust auf Quarantäne/Isolation womöglich in einer staatlichen Einrichtung und wer weiß, was im Fall der Fälle noch auf einen zukommen könnte.

Wer jetzt zurück nach Peking reisen will, muss auch innerchinesisch einige Hürden bewältigen, von außerhalb Chinas gibt es ja eh das komfortable Quarantänepaket…  Zahlreiche Flüge und Zugverbindungen sind vorerst gestrichen, das Zurückkommen könnte sich verzögern.

Déjà vu: Schule startet erstmal online

Die chinesischen Schulen starten erst am 1. September. Manche der internationalen Schulen haben ihren Schulstart bereits verschoben. An unserer Schule ist der 23. August der erste Schultag – nun allerdings zunächst für eine Woche nur online, Präsenzunterricht darf erst am 1. September losgehen.

Die Regelung aus dem letzten Jahr, dass vor dem Betreten der Schule drei Wochen Anwesenheit in Peking sein müssen sowie ein aktueller negativer Test vorhanden sein muss, wurde jetzt auch auf die Schülerinnen und Schüler ausgedehnt. Letztes Jahr betraf dies nur das Personal.

Das heißt, dass man für einen pünktlichen (Präsenz-)Schulbeginn schon am 2. August zurück in Peking hätte sein müssen. Wenn man jetzt noch nicht zurück ist, könnte die Rückkehr schwierig werden (siehe oben). Von daher wird es vermutlich eine Zeitlang parallel Online-Unterricht geben.

Mit Drohnen und Bananen: Elefanten (fast) zuhause

Nach 17 Monaten ist die wandernde Elefantenherde fast wieder zuhause in ihrem gewohnten Habitat im Süden Yunnans. Irgendwann in den letzten Wochen sind die Elefanten umgekehrt. Vielleicht, weil der Sommer zu Ende geht? Vielleicht aber auch, weil sie mit einer Mischung aus moderner Technik und simplen Essen – Drohnen und Bananen – in die richtige Richtung gelenkt worden sind? Am gestrigen Sonntagabend hat die Herde einen Fluss überquert, der bislang zu viel Wasser geführt hatte. Nun trennen sie „nur noch“ wenige hundert Meilen von ihrem Ursprungsort.

Nanxincang „Kultur- und Freizeitstraße“

Bisher bin ich immer dran vorbeigefahren, gestern habe ich mir die Zeit genommen, um mal einen Blick darauf zu werfen, was sich hinter diesem Anblick und den Schildern „Nanxincang Pedestrian Street“ verbirgt. Ein paar Altbauten ducken sich zwischen den modernen Hochhäusern, was mag das sein?

Blick auf die Nanxincang, kleine, alte Häuser ducken sich zwischen den Hochhäusern.

Blick auf die Nancingcang von der Fußgängerbrücke aus

Es handelt sich um die ehemaligen Kornspeicher aus der Ming-Dynastie, jetzt sind da schnieke Restaurants. Eigentlich, denn tatsächlich wird aktuell renoviert und der direkte Zugang ist versperrt. Hier mal Essen gehen: gerne, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Aber extra als Ausflugsziel? Nein.

Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin am Shichahai spazieren gehen und den Tempel des Feuergottes noch einmal besuchen. Sie war da noch nicht, hätte aber die chinesischen Schilder  übersetzen, die Mitarbeiter und Mönche fragen und so mehr erklären können. Weil es morgens aber gewittert hat, haben wir umdisponiert und wollten stattdessen ins Nationalmuseum gehen. Dazu haben uns am Tian’anmen verabredet.

Blick vom Metro Ausgang Tiananmen Ost zum Tor des Himmlischen Friedens

Treffpunkt Metro Tian’anmen Ost

Wie sich herausstellt, hätten wir mindestens einen Tag vorher reservieren müssen. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man schon am Tian’anmen ist, gibt es mehr als genug zu tun und zu gucken. Zum Glück macht der Regen Pause.

Rund um den Tian’anmen

Rund um den Tian’anmen stehen fünf bedeutende Gebäude:

  • im Norden das Tor des Himmlischen Friedens (der Eingang zur Verbotenen Stadt),
  • im Osten das Nationalmuseum,
  • im Süden das Mao-Mausoleum und dahinter Zhengyangmen (das größte und prächtigste Stadttor) und
  • im Westen die Große Halle des Volkes

Auf dem Platz steht dann auch noch das Denkmal für die Helden des Volkes – und nicht zuletzt ist auch das Gewusel und Gewimmel hier unglaublich interessant.

Das Tor des Himmlischen Friedens

Es geht direkt los mit dem Tor des Himmlischen Friedens. Jedes Mal, wenn ich hier bin, überkommt mich ein ganz unwirkliches Gefühl – ich bin wirklich in Peking?!

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, davor Auto-Stau

Tor des Himmlischen Friedens

Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle. Hier werden die chinesischen ID-Cards automatisch gescannt, ausländische Pässe müssen von Hand gecheckt werden. Aber anstatt wie meistens meinen Pass nur vorzuzeigen und durchgewunken zu werden, werde ich gefragt, warum ich in Peking bin und wie lange schon. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Sicherheitsbeamte wissen wollte, ob ich Diplomatin sei. Seltsam, sonst wird eher nach Journalisten gefragt. Ob das was mit dem Fall des an Covid-19 erkrankten Diplomaten zu tun hat, der nicht weit von hier im Legendale abgestiegen war (das Hotel ist nun unter „closed management“)? Naja, ist ja auch egal, wir sind auf dem Platz.

Tian'anmen mit Mao-Mausoleum

Mao-Mausoleum, dahinter Zhengyangmen und Bogenschützenturm

Wir schlendern erst einmal über den Platz, der mich nicht nur wegen seiner Größe („größter befestigter Platz der Welt“) beeindruckt.

Tian'anmen, Blick zum Tor des Himmlischen Friedens

Auf dem Tian’anmen

Die Deko anlässlich der 100-Jahr-KP-Feierlichkeiten steht noch.

Tian'anmen, Blick auf die Große Halle des Volkes und das Denkmal für die Helden des Volkes

Große Halle des Volkes und Denkmal für die Helden des Volkes

Das Nationalmuseum

Der Eingang des Nationalmuseums war früher hier von der Platz-Seite aus. Jetzt ist er nach vorne zur Chang’an Avenue (zurück-?)verlegt worden. Das ist dichter an der U-Bahn und noch vor dem Sicherheitscheck am Tian’anmen, also etwas praktischer.

Pekings Nationalmuseum vom Tian'anmen aus gesehen

Nationalmuseum

Das Denkmal für die Helden des Volkes

Meine Freundin erzählt, dass sie als kleines Kind einem Missverständnis aufgesessen ist und geglaubt habe, dass unten in dem Denkmal die Soldaten wohnen würden. Damals hätte sie vergeblich nach Fenstern und Türen gesucht. Heute kommt man nicht mehr so dicht dran, aber das Missverständnis hat sich inzwischen ja auch aufgeklärt.

Denkmal für die Helden des Volkes auf dem Tian'anmen in Peking

Denkmal für die Helden des Volkes

Volksfeststimmung

Auf dem Platz ist richtig viel Trubel. Familien, Paare, kleine und große Reisegruppen sind hier unterwegs. Manche warten hier auf ihre Begleitung, denn in das Mao-Mausoleum darf man keine Taschen, Schirme, Kameras, Gepäck mitnehmen – nur Handy und ID-Card/Pass sind erlaubt.

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten, während ein kleines Reinigungsfahrzeug herumfährt. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Die große Halle des Volkes

Auf die große Halle des Volkes werfen wir nur einen kurzen Blick.

Tian'anmen: Blick auf das Denkmal für die Helden des Volkes und die Große Halle des Volkes - mit vielen Menschen auf dem Platz

Denkmal und große Halle des Volkes

Mao-Mausoleum

Meine Freundin fragt mich, ob ich Mao schon mal gesehen habe. Nein, habe ich nicht. Sie zückt ihr Handy, scannt den QR-Code, der an der Absperrung zum Mausoleum hängt, hält mir das Handy hin, damit ich meinen Namen und meine Passnummer eingebe – und zack, haben wir einen Besucherslot von 10-11 Uhr gebucht. Das kam jetzt überraschend.

Aufwendige Sicherheitsmaßnahmen

Wir überqueren die Straße, gehen am Nationalmuseum vorbei zu einem weiteren großen Gebäude, wo man seine Habseligkeiten abgeben kann – wie gesagt, ins Mausoleum darf man nichts mit hineinnehmen. Die Schlange hier ist sehr lang, oben auf der Treppe steht ein Mann und brüllt seine Anweisungen in ein Megaphon: Keine Taschen! Keine Schirme! Alles hier abgeben! Es werden immer große Gruppen von Leuten hineingelassen, und es scheint ewig zu dauern. Das kriegen wir bis 11 Uhr nicht mehr hin. Wir beschließen, es so zu machen, wie viele der anderen Leute auch: wir gehen abwechselnd ins Mausoleum.

Meine Freundin sagt, ich soll zuerst gehen, sie wäre ja schon mal da gewesen, nimmt mir meine Tasche ab und drückt mir ihr Handy in die Hand (weil sie damit unseren Slot gebucht hat). Und schon passiere ich eine erste Einlasskontrolle, bei dem wohl nur geguckt wird, dass man wirklich nichts weiter dabei hat. Durch viele Absperrgitter schlängelt sich der Weg zum Mausoleum, es geht aber zügig voran.

Dann kommt eine Sicherheitskontrolle, wo QR-Code und Pass gecheckt werden, nach dem Scanner werde ich noch mal von Hand abgetastet und darf weitergehen.

Nelken für Mao

Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle steht eine kleine Verkaufsbude, wo man in Plastikfolie verpackte weiße Nelken für 3 Kuai/Stück kaufen kann. Das tun viele der chinesischen Besucher. Ich bin überhaupt die einzige Langnase weit und breit. Der Weg schlängelt sich weiter, an weiteren Nelkenbuden vorbei. Vor den Stufen zum Gebäude stockt es schließlich, hier wird der Einlass der Menschen genau getimed.

Und dann geht es so schnell, dass ich jetzt schon beschließe, dass ich den Besuch hier wiederholen muss.

Wächter machen das wohl überall auf der Welt verständliche „Psst!“-Zeichen und legen den Finger auf den Mund. Fotografieren ist strengstens verboten!

Nach der Eingangstreppe landet man in einem großen Vorraum, in der eine großen Mao-Statue steht. Die weißen Nelken werden Soldaten in die Hand gedrückt, die sie ordentlich auf und um ein Podest vor der Statue stapeln. Aber bitte nicht stehen bleiben, gleich weitergehen.

Da liegt er

Die Schlange teilt sich hier und wird nun links bzw. rechts an der Statue vorbei in den nächsten Raum geschleust: Maos Grabkammer, wo er in seinem Kristallsarg liegt. Eigentlich wollte Mao selbst kremiert werden, aber nun liegt er seit 45 Jahren hier, sieht aus wie eine Wachsfigur (wenn es denn wirklich seine Leiche ist, Gerüchte stellen das infrage). Das wächserne Gesicht leuchtet orange, ich sehe allerdings keine Lampe, die ihn anstrahlt, was das ganze noch surrealer macht.

Alle werden langsamer, während sie schauen. Bei nicht wenigen fließen Tränen. Ich werde wohl zu langsam, ein Wächter winkt und ich beschleunige meinen Schritt. In einem kleineren Raum fließen beide Besucherströme wieder zusammen und dann geht es auch direkt hinaus und man steht auf dem Platz vor dem Zhengyangmen. Hier könnte man sich noch mit Souvernirs eindecken, ich passe.

Rückseite/Ausgang des Mao-MausoleumsRückseite/Ausgang des Mao-Mausoleums in Peking

Ich eile zurück zum Eingangsbereich, fliegender Wechsel. Wir machen nur noch schnell aus, dass wir uns am Ausgang wieder treffen.

Später erzählt meine Freundin mir, dass viele Chinesen aus der Provinz ihr Leben lang sparen, um nach Peking reisen und Mao sehen zu können. Ich hatte den Besuch hier bisher nicht auf der Liste, u.a. auch weil mich die langen Schlangen abgeschreckt haben. Doch obwohl es eine solche Menschenmenge ist, die hier Tag für Tag (außer montags, grins) durchgeschleust wird, geht es erstaunlich schnell. An keinem Punkt (außer an dem „Taschengebäude“) steht man sich die Beine in den Bauch, es geht immer voran. Tatsächlich war es völlig unabhängig davon, wie man zu Mao steht, eine interessante Erfahrung: das Prozedere, die Leute und deren Reaktion.

Zhengyangmen

Zhengyangmen (auch Qianmen) ist das Haupttor und das größte und prächtigste aller Pekinger Stadttore. Hier gibt es auch ein Stadttor-Museum, dass wir uns heute aber nicht mehr ansehen. Stattdessen gehen wir in einem Hutong abseits der Qianmen Street zum Mittagessen.

Pläne machen ist gut, Pläne umschmeißen wie man sieht aber auch. Ich bin direkt dankbar für das Gewitter am Morgen, das den Anstoß für die Planänderung gegeben hat.

In diesem Sommer regnet es noch mehr als üblicherweise im Juli, gefühlt immer, wobei es zum Glück doch Regenpausen gibt. Gestern habe ich ein paar trockene Stunden genutzt und bin spontan drauflosgetuckert.

Diesen fahrenden Händler (mit dem Kopf hinter den Grillenkäfigen) sehe ich relativ oft in verschiedenen Ecken. Er hat immer Grillen und Vögel dabei – und immer einen Pulk von Leuten um sich herum.

Tempel des Feuergottes

Kurz danach bin ich am Shichahai gelandet, wo ich mir spontan den Tempel des Feuergottes angesehen habe. Der Eintritt ist frei, keine Voranmeldung nötig – geht also tatsächlich spontan. Nur den Healthcode scannen und man darf eintreten.

Die meisten Touristengruppen gehen achtlos vorbei und steuern direkt den See und/oder die Rikschas dort an. Ich selbst habe das Gebäude auch erst vor Kurzem als Tempel wahrgenommen, es war aber abends und schon geschlossen.

Der Geschichte des taoistischen Tempel des Feuergotts (Huode Zhenjun-Tempel) reicht zurück bin in die Tang-Dynastie (7. Jahrhundert). Er muss eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich haben, aber leider habe ich weder vor Ort noch im Internet oder meinen Reiseführern weitergehende Informationen gefunden.

Der Tempel ist überschaubar, lebendig, bunt, aktiv und gefällt mir auf Anhieb richtig gut.

In den Hallen sind die Altare vor den Buddhas bunt und üppig geschmückt (keine Bilder, Fotografieverbot). Besucher verbeugen sich, lassen sich auf Knien auf den Kissen davor nieder, berühren dreimal mit der Stirn den Boden. Diese Verbeugungen werden von Gongschlägen begleitet.

Dies Tor führt zu Straße, ist geschlossen und dient daher prima als Bike-Parkplatz. :)

Rikschas

Danach bin ich noch ein bisschen am See spazieren gegangen.

Ich selber bin erst einmal mit einer Rikscha gefahren, als ich an einem organisierten Ausflug teilgenommen hab, wo das mit dazugehörte. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis dazu, ich fühle mich nicht wohl, wenn andere für meine Fortbewegung körperlich arbeiten müssen, da steige ich lieber selbst aufs Fahrrad oder meinen Scooter (der hat auch seinen Fun-Faktor).

Die Bogenbrücke ist zu steil, bis auf ein schlafendes Kind müssen alle aussteigen und zu Fuß über die Brücke. Manche Fahrgäste packen mit an.

Kreuz und quer durch die Hutongs

Inzwischen wurde es wieder düsterer, Zeit zum umkehren, um nicht nassgeregnet zu werden. Auch die Hochzeitsfotografen an „der Ecke“ der Verbotenen Stadt waren am zusammenpacken.

Hutongs können – nicht nur wegen des herannahenden Regens – ziemlich grau und trist wirken…

… aber auch bunt und idyllisch.

Eigentlich ist hier an der Kreuzung gerade eine große Verkehrskontrolle. Uneigentlich:

Tja, so hübsch kann „Straßenbegleitgrün“ aussehen.

Dieser Weihnachtsbaum steht hier „schon immer“, ganzjährig, seit ich in Peking angekommen bin.

Ich sprinte noch schnell durch den Jingkelong, als ich wieder rauskomme, nieselt es schon. Einer der Bao’ans (Sicherheitskräfte in schwarzen Uniformen mit roter Armbinde) lässt es sich nie nehmen, mir zu helfen. Anfangs war mir das peinlich und auch etwas lästig, weil ich meinen Scooter alleine schneller bepacken kann. Aber er lässt nicht locker, freut sich offenkundig immer, wenn er mich sieht, und nun gehört das halt zu meinem Jingkelong-Einkauf mit dazu. Nicht zuletzt hat es auch was von hier Zuhause zu sein.

Ich komme gerade noch trocken zuhause an – dann schüttet es wie aus Eimern. Glück mit dem Timing gehabt!

Fotos

Kann man, darf man China mögen, geschweige denn lieben? Auch als überzeugte Demokratin, als Nicht-Kommunistin? Dass ich das kann, hat sich im Laufe der Zeit rausgestellt, sonst wäre ich nicht mehr hier. Aber wie sehen das andere?

Oliver Zwahlen bereist China seit über 20 Jahren, von 2007-2013 hat er in Peking gelebt und gearbeitet. Über China, über seine Erfahrungen und seine Reisen bloggt er auf Der Sinograph. Und nun hat er ein kenntnisreiches Buch darüber geschrieben, warum man China trotzdem lieben kann:

111 GRÜNDE, CHINA ZU LIEBEN*

Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt

Ein Buch, das eine Lücke füllt

Bevor wir nach Peking übergesiedelt sind, war ich sehr skeptisch, auch wenn die Entscheidung für mich sehr klar war. Bei uns ging es ja auch darum, dass die Jungs ihren Vater wieder mehr als nur ein paar Wochen im Jahr sehen. Aber China und Peking? Ich wusste nicht viel darüber, und wenn China in den Nachrichten vorkam, war das selten positiv. Was den Alltag anging, hatte ich vor allem Bilder von Smog und Stau vor Augen. Damit konnte natürlich weder Vorfreude noch eine wirklich positive Einstellung aufkommen. Ich habe mich dann selbst ausgetrickst, in dem ich Reiseführer und Reisemagazine inhaliert habe. Natürlich ist ein Umzug für mehrere Jahre etwas anderes als eine Reise, aber mit dem Gedanken “das Leben ist eine Reise” war es für mich naheliegend und hilfreich. Mit all den schönen Bildern von interessanten Orten und spektakulären Landschaften wuchs dann auch meine Neugier und es kam Vorfreude auf.

Trotzdem war mein Bild natürlich nicht rund, denn zwischen Hochglanzidylle und Superstau musste natürlich mehr liegen. Was fast völlig fehlte: das persönliche Erleben, Geschichten aus dem Alltag. Was erwartet einen wirklich, wenn man länger in China ist? Über die Bücher von z.B. Christian Y. Schmidt bin ich erst viel später gestolpert. Inzwischen gibt es zwar ein paar mehr Chinablogs, aber gemessen an der Vielzahl anderer Blogs ist das weiterhin verschwindend wenig.

Oliver Zwahlens 111 Gründe tragen dazu bei, diese Lücke zu füllen. Und er gibt gleich zu Beginn des Buches auch eine Antwort auf die oben gestellte Frage, ob man China lieben kann:

„Ein unkritisches Jubelbuch dürfen Sie auf den nächsten rund 240 Seiten nicht erwarten. Doch trotz all der berechtigten Kritik sollte man nicht die Augen davor verschließen, dass das Land auch jede Menge liebenswerte Seiten hat. […]
Der Untertitel dieses Buchs verspricht eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt. Und ja: China ist ein schönes Land, vielleicht sogar das schönste. Für mich persönlich ist China mit all seinen Ecken und Kanten aber in erster Linie das faszinierendste Land der Erde. Es ist eine Weltgegend, die man lieben kann, wenn man sich über die vielen Kleinigkeiten freut, die es verdienen, etwas genauer angesehen zu werden. Von diesen Dingen möchte ich Ihnen in den kommenden 110 Kapiteln erzählen. Ich möchte Ihnen ein China vorstellen, das sich zu lieben lohnt. Trotzdem.“

Was steckt drin?

Die 111 Gründe  verteilen sich auf die Abschnitte

  • Geografisches,
  • Sprachliches,
  • Kulinarisches,
  • Liebenswerte Marotten,
  • Kultur,
  • Reisen,
  • Urbanes,
  • Ländliches,
  • Minderheiten,
  • Kurioses

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, aber durch diese Struktur könnte man auch gut je nach Interesse hin- und herspringen und auch nur gelegentlich mal einen Grund lesen (und dann den nächsten, es packt einen nämlich). Die einzelnen Abschnitte sind ganz unterschiedlich, mal berichtet Oliver von persönlichen Erlebnissen, mal fasst er ein paar Fakten oder einen historischen Aspekt zusammen – beides gleich gut lesbar und unterhaltsam, und vor allem immer kenntnisreich.

Stolpersteinchen

Ganz selten denke ich beim Lesen, dass etwas nicht so ganz passt, zum Beispiel als ich bei Grund 43 „Weil sich neben der Verbotenen Stadt die Kuppler treffen“, der unter „Liebenswerte Marotten“ einsortiert ist, von den shengnü (übriggebliebenen Frauen, späte Mädchen…) und dem Kupplermarkt neben der Verbotenen Stadt lese. Es wird zwar kritisch beleuchtet, hätte aber sicher besser unter Kurioses gepasst. Ich nehme mir jedenfalls vor, demnächst mal nachzugucken, ob es den Kupplermarkt überhaupt noch gibt. Aber auch einer der nächsten Gründe – Weil Frauen etwas zu sagen haben – passt für mich nicht unter Marotten. Hobbylinguistik oder doch ein unterschiedlicher Blick von Frauen und Männern auf die Geschlechterverhältnisse? Oder auch nur durch das Schema der 111-Gründe-Buchreihe bedingt? Nichtsdestotrotz interessant zu lesen und für mich Anstoß, mich selbst wieder mehr mit dem Thema Frauen in China zu beschäftigen.

Was es nicht mehr gibt – zumindest in Peking – sind die privaten Feuerwerke zum chinesischen Neujahrsfest, die anders als unter Grund 68 „Weil zum Frühlingsfest die größte Völkerwanderung der Welt einsetzt“ noch erwähnt nicht mehr zwei Wochen lang für Schmutz und Lärm sorgen. Richtig ist und bleibt aber, dass rund um das Frühlingsfest definitiv die schlechteste Reisezeit für China ist. Und auch das „Friends-Café“ Central Perk (Grund 109 unter Kurioses) gibt es leider nicht mehr, es hat letztes Jahr nach der seuchenbedingten Schließung nicht wieder geöffnet und nun ist da irgendein Shop drin.

So ist das aber, wenn man über China schreibt: was heute noch stimmt, ist morgen vielleicht schon Geschichte.

Lieblingsgrund?

Schwierig! Gerade dass Vielfältige hier macht China ja so spannend. Es gibt ganz viele Punkte in dem Buch, bei denen ich heftig mit dem Kopf nicke und denke: ja, genau das. Zum Beispiel, dass Hostels hier keine Sparmaßnahme für Reisende auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft sind, sondern erste Wahl sein können, wegen ihrer Lage, Architektur und weil sie wirklich spannende Kontakte ermöglichen, die man sonst nicht hätte. Oder doch Liu Cixin, über den ich einen ersten Zugang zu chinesischer Literatur gefunden habe? Oder Karaoke? Die kulinarischen Gründe (vielleicht probiere ich jetzt doch einmal Stinktofu?)?

Sehr gern gelesen habe ich auch den Abschnitt über das Reisen mit chinesischen Reisegruppen – da wäre ich gerne dabei gewesen, das klingt abenteuerlich, skurril, pragmatisch – und eben liebenswert in einem.

In Wahrheit ist das Liebenswerte an China die Summe aller Gründe und noch viel mehr – dieses Spannende und Vielfältige macht China für mich aus. Dass es hier nie langweilig wird, das wird auch im Buch deutlich, auch ohne dass es explizit ausgeschrieben wird.

Olivers 111. Grund heißt: Weil es mindestens 111 weitere Gründe gibt. Einer davon könnte sein: Das einzig Beständige in China ist der Wandel. Die rasante Entwicklung Chinas wird zwar direkt zu Beginn des Buches angesprochen, aber so schließt sich dann der Kreis.

Leseempfehlung(en)!

Die 111 Gründe sind eine gute Ergänzung zu klassischen Reiseführern, egal ob man sich auf eine China-Reise oder einen längeren Aufenthalt vorbereitet. Auch wenn es wegen der Pandemie vermutlich noch eine Weile dauern wird, bis China die Grenzen für Touristen wieder öffnet – das Buch eignet sich prima für die Wartezeit. Es lässt sich aber auch gut lesen, wenn man sich erinnern möchte – viele der Anekdoten können Erinnerungen wachrufen.

Obwohl ich jetzt ja nun auch schon 6 Jahre in China bin und es ein bisschen kenne, habe ich neue Ideen für Reisen und Ausflüge mitgenommen und wieder den Blick für das Andere hier geschärft. Auch wenn man vielleicht nicht mit allen Punkten übereinstimmt – wir schreiben ja alle über unsere subjektiven Erfahrungen, die sich natürlich voneinander unterscheiden, bewerten manches unterschiedlich – das Buch kann zu einem runderen Chinabild beitragen.

Ein schönes Porträt von Oliver gibt es auf dem Fluegge-Blog von Susanne Helmer: 111 Gründe, China zu lieben“: Autor Oliver Zwahlen im Porträt

Auch Timo Peters hat auf seinem Blog „Bruder Leichtfuss“ über das Buch geschrieben: Die unsichtbare Mauer oder: „Warum man China trotzdem lieben kann“

Mehr von Oliver Zwahlen zu lesen gibt es auf dem bereits erwähnten China-Blog „Der Sinograph“ und auf seinem Blog Weltreiseforum.

111 Gründe, China zu lieben
Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt

von Oliver Zwahlen

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Taschenbuch: 14,99€

Letztes Wochenende war ich mit meiner chinesischen Freundin im National Art Museum, wo anlässlich des 100. Geburtstags der KP zahlreiche Bilder ausgestellt sind. Ich weiß nicht, ob ich von selbst auf die Idee gekommen wäre (Propaganda?), aber in chinesischer Begleitung versprach das dann doch ganz interessant zu werden.

Als ich mich morgens auf den Scooter schwinge, ist der Himmel strahlend blau, die Luft total klar und sauber. Als ich so durch die Straßen fahre, denke ich zum allerersten Mal, dass Peking sogar gut riecht – da fahre ich gerade durch eine Allee, in der gerade die Blumenbeete gewässert werden. Das macht richtig gute Laune.

Am Museum bin ich schon oft vorbeigefahren, aber nun ist es das erste Mal, dass ich es besuche. Während ich auf meine Freundin warte, kann ich zusehen, wie viele Besucher als erstes Selfies von sich mit dem Museum im Rücken machen. Das große rote Banner fällt natürlich sofort ins Auge.

Journeys to greatness and pictures of time 1921-2021. An Exhibition celebrating the 100th anniversary of the founding of the communist party of China

Da Gebäudes des National Art Museum in Beijing - mit wehender roter Fahne und dem Ausstellungsbanner am Zaun

National Art Museum in Beijing

Am Ticketschalter müssen Reisepass bzw. chinesische ID-Card vorgezeigt werden, reserviert für den Besuch hatten wir ja zusammen eine Woche zuvor im Purple Bamboo Park. Nun folgt das übliche Sicherheitsprozedere, und dann sind wir drin. Im Museum ist Essen und Trinken streng verboten, und so sieht man einige Leute, die jetzt noch mal trinken, bevor sie hineingehen.

Die Ausstellung ist über drei Etagen verteilt und wir sehen uns jedes einzelne Bild genau an. Eine „kleine“ Auswahl folgt weiter unten in der Fotogalerie.

Ich bin zunächst erstmal total beeindruckt, wie viele Besucher an diesem wundervollen Sommertag hier im Museum sind.

100 Jahre KP - Ausstellung im National Art Museum, vier große Gemälde an rot gestrichener, geschwungener Wand, davor zahlreiche Besucher.

In den großen Ausstellungsräumen verteilen sich die Besucher zum Glück ganz gut

Father von Luo Zhongli

Dieses Bild habe ich sicher schon ein paar Mal gesehen, kein Wunder, es zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen chinesischen Werken. Allerdings kannte ich bisher die Geschichte dazu nicht. Es ist nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch wegen der damit verbundenen Symbolik berühmt.

Das Bild "Father" von Luo Zhongli im National Art Museum in Peking

Father von Lou Zhongli

Luo Zhongli hatte dies 1980 entstandene Bild ursprünglich „My Father“ genannt, aber da dies als zu persönlich galt, wurde es umbenannt und das „my“ gestrichen. Auch der Stift hinter dem Ohr wurde erst nachträglich eingefügt, um zu zeigen, dass der Bauer lesen und schreiben kann. Erst mit diesen Änderungen konnte Luo das Bild für die 2. China Youth Art Exhibition einreichen – und gewann den 1. Preis. Davon ab ist an diesem realistischen Bild (dunkle, raue Haut, trockene Lippen, beschädigte Schüssel) nichts idealisiertes, nicht das für die damalige Zeit typische Bild des rotwangigen, fröhlichen Bauern. Auch, dass das Bild so groß ist, symbolisiert einen Helden – so große Portraits waren bis dahin nur Berühmtheiten vorbehalten.

Welche Sehenswürdigkeit auch immer besucht wird, man sieht immer Leute, nicht nur Kinder/Schüler, die zeichnen und malen, sondern auch viele Erwachsene. So auch hier.

Der Mann erzählt uns, dass er am Vortag schon fast zehn Stunden an seinem Bild gezeichnet hat und heute auch schon über eine Stunde. Ich bin beeindruckt.

Lange Straße (路漫漫 – lù mànmàn) von Li Tianxiang

Oder: Die Geschichte vom kleinen Karottenkopf

Vor diesem Bild haben wir lange verweilt und meine Freundin hat mir die Geschichte des Jungen auf dem Bild erzählt.

Das Bild zeigt das Gemälde "lù mànmàn" (Lange Straße)

Li Tianxiang: lù mànmàn – Lange Straße

Der 1940 geborene Junge Song Zhenzhong kam mit nur acht Monaten mit seinen kommunistischen Eltern Xu Linxia und Song Qiyun ins Gefängnis und wurde dort mit 9 Jahren am 6. September 1949 von den Kuomintang ermordet. Nie hat der Junge die Außenwelt gesehen – diesen Aspekt findet meine Freundin besonders schlimm, aber auch bei meinen Versuchen, mehr über diese Geschichte herauszufinden, wird dies immer wieder betont. Durch die schlechte Ernährung blieb er winzig mit großem Kopf und wurde daher Xiaoluotou – Kleiner Karottenkopf – genannt. Er soll im Gefängnis fleissig gelernt haben (und natürlich den Lehrer sehr respektiert haben), Botengänge zwischen den Gefangenen gemacht haben – und gilt als jüngster revolutionärer Märtyrer. In seinem Geburtsort Pizhou in Jiangsu wurde eine Gedächtnishalle errichtet.

Weiter durch die chinesische Geschichte

Wir gehen weiter durch die Ausstellung. Viele Bilder zeigen Kämpfe, Bürgerkrieg und Krieg gegen die Japaner, Bilder vom Langen Marsch… Vor diesem Bild machen viele Gruppen längeren Halt, es zeigt einen Fackelzug in Yan’an 1945 nach der Kapitulation Japans – und ist ein Beispiel für „Variantenmalerei“.

Besuchergruppe vor Gemälde im NAMOC

Besuchergruppe vor Cai Liangs „Yan’an Torch“, 1972

Die erste Variante dieses Bildes (nicht im Museum gezeigt) entstand 1959 – ohne Mao-Porträt.

Es geht weiter mit dem Aufbau Chinas, der industriellen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Bild: Eine ältere chinesische Frau hält einen Wahlzettel in der Hand.

Yang Zhiguang: „Das erste Mal im Leben“ (die erste Wahlkarte)

Dong Xiwen: Thousand Years of Land Turn Over

Xu Wenhua "Morgen" - eine Frau wartet vor der Bibliothek

Xu Wenhua „Morgen“ – eine Frau wartet vor der Bibliothek

Shi Weiping, „Polar Scientific Expedition: The Snow Dragon Sailing into the Arctic Ocean“

Zum Schluss kommen wir in der jüngsten Vergangenheit an.

Bilder im NAMOC, die Covid-19-Themen zeigen: Maske, Krankenwagen, medizinisches Personal in Schutzkleidung

Auch Covid-19 fehlt nicht in der Ausstellung

Lohnt sich der Besuch?

Auch wenn die Ausstellung aus einer bestimmten Perspektive gestaltet wurde, gibt es doch viel zu entdecken und zu lernen – und etliche Bilder stehen für sich und sind definitiv sehenswert. Die Lücken lassen sich ja andernorts füllen. Um China wieder ein klitzekleines bisschen mehr zu verstehen, ist ein Besuch dieser Ausstellung (wenn man denn die Möglichkeit hat) die Zeit alle mal wert. Wir haben uns wirklich jedes einzelne Bild angesehen und waren 4 Stunden im Museum. Da nur die Einleitungstexte zu den unterschiedlichen Abschnitten auf Englisch übersetzt sind, empfiehlt sich chinesische Begleitung. Die Ausstellung endet am 25. Juli 2021.

Fotos

Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

Culinaria China* – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

Tolle Kochworkshops!

Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren.

Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

Input!

Gewürze

Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

The Hutong - Küche

The Hutong-Küche

Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

Push! Turnover! Quick!

Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

The Hutong

So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

Ich bin gefragt worden, wie es rund um die Schule und bei uns so aussieht. Also habe ich mir heute, als ich zum Einkaufen gefahren bin, die Kamera um den Hals gehängt und zwischendrin geknipst. Das Wetter ist schön, nur die Luft ist nicht so toll (AQI 172).

Das ist die Tianze Lu (Straße). Schulweg und Strecke in Richtung Lucky Street, Solana, Chaoyang Park …

Und hier der Lady Street Flower Market. Als wir vor eineinhalb Jahren umgezogen sind hieß es, er würde in ein paar Wochen wieder öffnen. Tja, Satz mit x. Immerhin, jetzt tut sich etwas. Vor ein paar Tagen wurde an den Rohrleitungen rundherum gearbeitet, und jetzt steht ein Gerüst. Ich bin gespannt.

Danach geht es an der US-Botschaft vorbei – und der isländisch/estländischen (die teilen sich ein Gebäude), der indischen und der israelischen.

An der Ecke Tianze Lu/Liangmaqiao Lu schau ich in Richtung Schule, wo auch die Schulbusse parken.

Ich fahre aber erstmal in die andere Richtung zur Lucky Street.

Das ist eine Ladenzeile mit einigen Läden und vielen Restaurants.

Hier ist auch einer der verschiedenen deutschen Bäcker in Peking: South German Bakery, mit dem kleinen Café Konstanz. Im Obergeschoss befindet sich ein deutsches Restaurant, die Bodenseestube.

Ich kaufe ein ganzes Toastbrot und ein „Schwäbisches Holzofenbrot“ und fahre weiter in Richtung Schindler. Dabei komme ich am Solana (Einkaufszentrum) vorbei, das ich heute aber links liegen lasse. Dort gibt es auch einen BHG-Markt (gehobener chinesisch-internationaler Supermarkt), in dem es laut meiner Nachbarin das beste Fleisch für Rouladen in ganz Peking gebe.

Ich biege in Richtung Schindler ab und denke mal wieder, dass Peking zu einem Großteil aus Restaurants besteht. ;)

Et voilá: Schindler aka German Food Center. Fleisch kann man auch anderswo gut kaufen, aber Wurst und Würstchen, Leberkäse und Aufschnitt sind hier wirklich gut. Verschiedene deutsche/europäische Importwaren gibt es ebenfalls. Schindler ist eine Pekinger Institution mit Restaurants und Läden. Hier und hier kann man mehr über Schindler’s Erfolgsgeschichte in Peking lesen.

Ich kaufe Fleischsalat, Kassler-Aufschnitt und Wiener Würstchen und tuckere weiter in die Maizidian Jie. Bei Jenny Lou (internationaler Supermarkt) brauche ich heute nichts, und auch aus der Jiaozibude (Hobbithöhle, Kellerchinese oder korrekt: Bao Yuan Jiaozi Wu) brauche ich heute nichts.

Nun bin ich zurück an der Liangmaqiao-Kreuzung. Hier sieht man die Französische Botschaft.

Was sich hier in rot hinter den Bäumen versteckt, ist das Schulgebäude.

Und dies ist der Eingangsbereich der Schule. Pförtner und Corona-Zelte, hier werden die Kinder morgens durchgeschleust: Hände desinfizieren, Temperatur messen, mit Schüler-Karte (mit der auch in der Mensa bezahlt werden kann) registrieren.

An der Schule vorbei geht es aufs Grand Summit zu. Dahinter ist die Metrostation Liangmaqiao. Auch das Baker & Spice ist eine Institution, für die Deutschen besonders wegen der Schulnähe. Hier gibt es anständigen Kaffee und Wein, Brot, Gebäck, Salate, Pho und Currys … 

Das „obentos“ im Untergeschoss hat Corona nicht überlebt und ist weg.

Wenige Meter weiter ist der hintere Teil des Grand Summits mit diversen Restaurants, u.a. dem bei vielen Teens ziemlich beliebten Fatburger – aktuell dürfen die Oberstufenschüler das Schulgelände nicht verlassen, muss ein ziemlicher Umsatzeinbruch für Fatburger sein… Im Untergeschoss ist der City Shop, der zwar teuer ist, aber manchmal Importe aus Deutschland hat, die man sonst nirgends bekommt.

So, das war also eine Tour rund um die Schule. Obst und Gemüse hatte ich online bestellt (ich probiere gerade verschiedene Gemüseboxen aus), also bin ich mit dem Einkauf für heute fertig. Ich setze die „Einkaufs-/Nachbarschaftstour“ demnächst fort, wenn ich zum Sanyuanli Markt, Jingkelong und Jenny Lou in Sanlitun fahre.

Wieder war ich mit meiner neuen chinesischen Freundin unterwegs. Diesmal ging es zum Zizhuyuan, dem Purple Bamboo Park. Dieser Park zählt nicht nur zu den sieben größten Parks in Peking, sondern auch zu den schönsten. Hier gibt es Seen und Hügel und über 50 verschiedene Bambus-Arten. Da der Park nicht wirklich zentral liegt, sondern noch ein Stück hinter dem Zoo in Haidian, bin ich bislang nicht dort gewesen. Ein Fehler, denn dieser Park ist tatsächlich besonders schön!

Aktives Parkleben

Auch wenn der Park zum Spazierengehen und Verweilen einlädt, sieht man hier viele der verschiedenen Aktivitäten in chinesischen Parks.

Tanzen

Turnen-Tanzen mit Bändern

Musik solo

Musik Duo

Noch mehr Tanzen

Wasser

Die Geschichte des Geländes reicht weit zurück. In der Antike waren hier tiefliegende Feuchtgebiete. Während der Ming-Dynastie wurde am Nordufer des Sees der Zizhuyuan-Tempel errichtet. Der Park selbst wurde erst 1949 errichtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute gibt es drei miteinander verbundene Seen mit zwei Inseln, viele kleine Wasserläufe, einen Fluss. Die Seen sind voller Lotus, die Wasserläufe von Bambus gesäumt. Man kann sich kleine Elektroboote leihen oder über den See schippern lassen oder am und mit dem Wasser spielen.

Wir setzen uns in einen Pavillon – davon gibt es im Park verteilt viele verschiedene. Wir lauschen einem Chor, unterhalten uns, verabreden uns für nächste Woche für eine Ausstellung im Kunstmuseum und buchen über eine WeChat-App die Tickets dafür. Alleine hätte ich mich da kaum durchklicken können, so war das relativ simpel. Dann schlendern wir in Richtung Ausgang zurück, wo sich unsere Wege erstmal trennen.

Ich bin jedenfalls total begeistert vom Zizhuyuan, denn man ist hier zwar mitten in der Großstadt, aber gleichzeitig ganz im Grünen.

Impressionen vom Rückweg

Wie gesagt, der Purple Bamboo Park und der Zoo liegen nahe beieinander in Haidian, beides von uns aus halt doch eine Ecke entfernt (mit dem Scooter etwa eine Stunde, mit der Metro wäre es etwas länger, mit Auto/Didi bei freier Fahrt (kicher) etwa eine halbe Stunde), also eher nichts für kurze Alltagsausflüge, sondern mehr Zeit erforderlich. Auf dem Hinweg habe ich diese Brücke mit dem Scooter überqueren müssen, sonst gibt kilometerlang keine Chance, die Straßenseite zu wechseln. Den Tunnel unter der Kreuzung (vor dem Hochhaus im Hintergrund) nutze ich erst auf dem Rückweg, so weit mag ich nicht auf der falschen Seite fahren.

Auf dem Rückweg geht es also kurz hinter dieser Brücke unter die Erde. Ich schaffe es immerhin im dritten Anlauf, die richtige Rampe nach oben zu finden.

Dies ist die Straße über dem Monkey Mountain im Zoo.

Hatte ich erwähnt, dass es zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei überall neue Blumenarrangements gibt? Dies ist eines davon am 2. Ring Nord, irgendwo zwischen Deshengmen und Yonghegong. Hier lief auch Musik.

Im Lama-Tempel wird gebaut, die hinterste Halle ist komplett eingerüstet.

Purple Bamboo Park – viele Fotos

Infos

Adresse: No 35 Zhongguancun Nandajie, Haidian District

Hinkommen: Metrostation National Library (Linien 4 und 9), Exit D – 2 Minuten zum Osteingang

Website des Parks: zizhuyuangongyuan.com/

Eintritt: frei

Öffnungszeiten: täglich 6-21 Uhr, November bis März 6-20 Uhr

Wo werden wir wohnen? Die Wohnungssuche war für mich und ist sicher auch für viele andere Familien, die vor der Situation „wir gehen nach Peking“ stehen, eine der wichtigsten Fragen. Das eine ist sicher die Entscheidung, ob man in der Stadt oder weiter draußen wohnen möchte, das andere ist das konkrete Haus/Wohnung. Kann halt passieren, dass zum passenden Zeitpunkt im Wunsch-Compound kein passendes Haus frei ist. Hatte ich erwähnt, dass es nichts nutzt, wenn das Traumhaus in einem doofen Compound steht? Oder umgekehrt der Compound toll ist, das Haus aber 1000 Macken hat?

Oh, und was sicher auch eine erste typisch chinesische Erfahrung werden kann: wenn man von einem Makler die ersten Wohnungen/Häuser gezeigt bekommt: nicht erschrecken, es ist üblich, dass sie einem zunächst die Ladenhüter zeigen, bevor es dann wirklich infrage kommendes gezeigt wird. Dabei wird unendlich viel Zeit verplempert… Aber am Ende stehen die Makler toll da, weil sie ja bei so schrecklichen Wohnungen dann doch plötzlich die tolle, richtige (die man gerne gleich als erstes gesehen hätte, verflixt!) aus dem Hut zaubern konnten.

Was ich selber noch wirklich wichtig finde bei der Entscheidung für oder gegen ein Haus/eine Wohnung:

  • Klimaanlage. Die sollte nicht zu alt sein, muss gut gewartet sein (müsste jährlich gereinigt werden, das machen die wenigstens Landlords von sich aus). Und je individueller regelbar, desto besser. Manche Häuser haben nur einen Schalter fürs ganze Haus, wir haben immerhin einen pro Etage, trotzdem ist es oft in einem Raum zu kalt, während es am anderen Ende zu warm ist… Nicht vergessen: so heiß wie es hier im Sommer ist, so eiskalt wird es im Winter…
  • Heizung. Bei uns und in sehr vielen Häusern hier wird über die Klimaanlage geheizt, Mitte Oktober wird durch die Handwerker ein Schalter umgelegt, und statt kühler wird dann warme Luft durch’s Haus gepustet. Im Winter kann man dann mit 2-4mal so hohen Nebenkosten rechnen wie im Sommer. Fußbodenheizung wäre toll, es ist nämlich wirklich bitter, bitterkalt im Winter!
  • Ich würde kein Haus mit „high ceiling living room“ nehmen und möglichst wenig ineinander übergehende Räume. Klar, das sieht schon toll aus, aber: schwer zu heizen bzw. zu kühlen – und auch schwer, die Luft sauber zu halten.
  • gut abgedichtete Fenster und Türen sind wichtig, wegen der Kälte im Winter gern Doppelverglasung (selten zu finden).
  • unter Luftverschmutzungs-Gesichtspunkten: kleinere Räume sind besser (da lässt sich die Luft schneller, effektiver sauberfiltern). Die Jungs haben deshalb die beiden kleinsten Schlafzimmer hier, aber zusätzlich ein großes Kinder-Wohnzimmer.
  • Kamin – viele Häuser haben hier offene Kamine. In Europa liebe ich das auch, hier hätte ich zum einen Bedenken, weil die Luft eh schon so schlecht ist, aber noch wichtiger: durch den Schornstein kommt ungefiltert die schlechte Luft von draußen rein. Unser Kamin ist nur zur Deco, der Landlord hat den Schornstein abgedichtet. Wir haben im Haus zum Glück auch wirklich immer saubere Luft (ok, mithilfe von 9 lärmenden Maschinen).
  • Herd: auf den ersten Blick fand ich unseren 5 Platten Gasherd toll. Allerdings ist der Ofen auch gasbetrieben, allmählich nach einem Jahr komm ich halbwegs damit klar, aber dicke Freunde werden wir nicht werden. Mir ist das jetzt nicht so wichtig, aber für jeden, der gerne backt, kann das ein Kriterium sein!
  • extrem hilfreich: englisch sprechendes Management
  • wie kindgerecht ist der Compound: Kinder-/Babypool? Kinderspielzimmer? Kinderspielplätze, auch für verschiedene Altersgruppen geeignet? Verkehr/Verkehrsregelung? Bolzplatz? Möglichkeiten zum Radfahren, Skaten…?
  • sind die Angebote des Compounds inklusive oder muss man für jede Kleinigkeit extra zahlen? Einzeln oder als Pauschale?
  • Nahversorgung: wenn man nur ein Auto (oder keins) zur Verfügung hat, sollte das Wichtigste fußläufig erreichbar sein.
  • wenn Hochhaus: wie viele Fahrstühle gibt es (in den 18. Stock zu Fuß rauf und runter ist sicher nicht so spassig), vielleicht kann man einen vorhandenen Mieter fragen, ob es damit Probleme gab?
  • Hellhörigkeit? Können Kinder normal spielen oder ist schleichen und flüstern die Devise?

Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee, wenn man die Gelegenheit hat, die Vormieter zu löchern. Oder die Nachbarn. Oder jemanden, der schon in dem Compound wohnt, der kann vielleicht nichts zum infragekommenden Haus sagen, aber zum Compound an sich.

Fragen, Ergänzungen, Tipps, andere Meinung? Mehr Informationen vielleicht zu Hochhaus-Appartments, da ich ja nur eines für kurze zwei Wochen kennengelernt habe! Gerne per Mail oder als Kommentar!