Letzte Woche war Tanya Crossman hier im Compound und hat einen Vortrag über TCKs – Third Culture Kids, Drittkulturkinder – gehalten. Tanya ist die Autorin von „Misunderstood – The Impact of growing up overseas in the 21st century“. Sie ist selbst als TCK aufgewachsen, theoretisiert also nicht nur, sondern weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht und schreibt.

Ich dachte, ich hätte schon viel zu dem Thema gelesen, aber es war ein gutes Gefühl, das alles so sachlich und systematisch vorgetragen zu bekommen. Es gibt mir neue Sicherheit, weil mir bewusster geworden ist, dass wir instinktiv im Großen und Ganzen vieles richtig machen und gemacht haben. Nur an einem Punkt werde ich künftig versuchen, etwas anders damit umzugehen …

Was sind eigentlich TCKs?

Den Begriff Third Culture Kids gibt es seit den 1960ern, entwickelt von Dr. John Useem und Dr. Ruth Hill Useem:

Ein Third Culture Kid ist eine Person, die einen bedeutenden Teil ihrer Entwicklungsjahre außerhalb der Kultur ihrer Eltern verbracht hat. Ein TCK baut Beziehungen zu allen Kulturen auf, nimmt aber keine davon völlig für sich in Besitz. Zwar werden Elemente aus jeder Kultur in die Lebenserfahrung des TCKs eingegliedert, aber sein Zugehörigkeitsgefühl bezieht sich auf andere Menschen mit ähnlichem Hintergrund.

Bei Drittkulturkindern geht es also nicht darum, die Länder zu zählen, in denen sie bereits gelebt haben. 

Wo ist denn das Problem?

Man sollte ja meinen, den Kindern ginge es prima: wir leben in einem netten Haus in einer netten Wohngegend, lernen ein Land besser kennen, wo andere höchstens mal auf einer zweiwöchigen Rundreise einen oberflächlichen Eindruck bekommen können, wenn überhaupt. Wir selbst haben tolle Reisemöglichkeiten, die wir von Deutschland aus sicher nicht in die engere Wahl gezogen hätten. Wir erleben viel und machen spannende Erfahrungen, lernen Menschen aus aller Welt kennen. Und dank dem tollen Internet und den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten ist es ja auch gar nicht mehr so tragisch, wenn man so weit weg ist. Letzteres ist leider nicht so easy, wie man meint (allein die Zeitverschiebung) und auch ansonsten: Das ist nur die eine Seite der Medaille.

Nur mal überlegen: Was hat man zuhause in Deutschland gemacht, wenn man traurig, glücklich, wütend, frustriert war oder einfach nur einen blöden Tag hatte? Und nun sitzt man fast 8000 km von zuhause in einer fremden Stadt in einem fremden Land und muss sich erstmal zurechtfinden – und für seine Gefühlslagen Möglichkeiten damit umzugehen finden und entwickeln.

Das braucht zusätzlich zu all dem, was eh schon zum Ankommen und Einleben gehört, viel Zeit und Kraft. Und bei dem ständigen Kommen und Gehen hier, ist das ein dauernder Prozess, der nicht nach dem ersten Jahr überstanden ist.
Sicher wird nach dem ersten Jahr vieles einfacher, weil man Dinge nun schon zum zweiten Mal tun kann. Aber dazu gehören halt auch wieder Abschiede. Es ist also nicht nur der konkrete Wechsel, ein einmaliges Ereignis, sondern ständige Veränderungen als dauerhafter Prozess.

Tanyas Tipps:

Nr. 1: Es ist schwer.

Man schafft weniger, als man „daheim“ geschafft hätte, der Kopf ist nicht so frei wie gewohnt. Das gilt für die ganze Familie, jeder kämpft und jeder ist nicht gerade in Bestform. Das kann bei jedem Familienmitglied anders sein. Es kann helfen, sich das gelegentlich bewusst zu machen, dass eben (noch) nicht alles normal ist.

Nr. 2: Sei geduldig!

– mit dir selbst
– mit jedem Familienmitglied
– mit Neuankömmlingen

Die Familie als ganzes und jedes Familienmitglied muss für sich seinen Weg finden. Das kann bei vielen ähnlich und doch sehr unterschiedlich ablaufen. Wenn einer ein Hoch hat, können die anderen gerade in einem Tief stecken.

Nr. 3: Durchhalten!

Es nutzt ja nix, Augen zu und durch. Durchbeißen und Dinge tun, von denen man glaubt, dass einem eigentlich gerade die Kraft dazu fehlt. Das ist eine Investition in die Zukunft.

Nr. 4: Sei traurig.

Jeder Wechsel ist mit Verlust verbunden und Verlust ist traurig. Das heißt nicht, dass der Wechsel an sich schlecht ist, aber die Traurigkeit ist teil davon. Kummer ist ermüdend, aber wenn man das nicht zulässt, könnte es zu langfristigen Problemen führen. Für Mütter ist das ganz schwierig, wenn die Kurzen weinen, weil sie ihre Freunde vermissen. Und da sagt Tanya: „Do not fix but listen!“ – nicht reparieren, sondern zuhören.

Wir können es nicht heilen. Die Freunde sind Tausende Kilometer und x Zeitstunden entfernt, das ist eine Tatsache. Es helfe nicht, wenn man so reagiert: „Du findest bald neue Freunde.“ Besser sei: „Es ist okay, jetzt traurig zu sein.“ Denn es ist traurig – das geht uns Erwachsenen ja auch nicht anders.
Und das ist der Punkt, wo ich künftig wohl anders mit umgehen sollte. Wenn die Kinder traurig sind, natürlich will ich sie dann ablenken, trösten, den Blick auf das Positive lenken. Künftig werde ich dem Kummer mehr Raum geben. Mit dem „grieving well“ (gut trauern), dem Umgang mit Verlust und Veränderung werde ich mich doch noch etwas mehr befassen müssen. 

Nr. 5: Alte Freunde behalten!

Beziehungen verändern sich mit der Entfernung, sogar wenn wir in Verbindung bleiben. Unsere bestehenden Freundschaften können ein Gerüst für uns sein, während wir neue – zusätzliche – Freundschaften aufbauen. So bilden wir mit der Zeit ein vielfältiges Netzwerk für uns.

Auch unseren Kindern können wir dabei helfen. Sie brauchen Freunde vor Ort und gleichzeitig ihre bisherigen Freunde. Wir können sie nach ihren Freunden fragen, ihre Freundschaften bejahen und Besuche ermöglichen.

Nr 6: Hilfe finden!

Diesen Punkt habe ich als relativ amerikanisch empfunden (auch wenn Tanya gebürtige Australierin ist).  Trotzdem, wenn man alleine und/oder im Rahmen seiner bestehenden Beziehungen nicht weiterkommt, dann ist es richtig, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Tanya führt allerdings aus, dass es besser ist, nicht erst zu warten, bis der Notfall eingetreten ist, sondern sich bereits vorher Unterstützung für den Fall der Fälle zu suchen. Diese hat auch den Vorteil, dass sie objektiv ist, geschult darin zu helfen – und es ist jemand, zu dem ich sprechen darf.

Wir haben hier vielleicht auch insofern Glück gehabt, dass wir hier gleich zu Beginn neue Freunde kennengelernt haben, wo einfach alles gepasst hat und dass wir sowohl im Compound als auch innerhalb der deutschen Community ein gutes Netzwerk mit viel gegenseitiger Unterstützung haben.

Der Input kam gerade recht

Der Input hat gut getan und kam auch gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn jetzt geht es gerade wieder mit den allsommerlichen Abschiedspartys los. Es war hilfreich zu erfahren, dass wir uns jetzt einfach bequem zurücklehnen können, weil wir ja schon drei Jahre in China sind und „nun ist es auch mal gut“. Nein, es bleibt ein andauernder Prozess, übrigens nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Erwachsene.

Zum Weiterlesen:

Ich bin gefragt worden, wie es rund um die Schule und bei uns so aussieht. Also habe ich mir heute, als ich zum Einkaufen gefahren bin, die Kamera um den Hals gehängt und zwischendrin geknipst. Das Wetter ist schön, nur die Luft ist nicht so toll (AQI 172).

Das ist die Tianze Lu (Straße). Schulweg und Strecke in Richtung Lucky Street, Solana, Chaoyang Park …

Und hier der Lady Street Flower Market. Als wir vor eineinhalb Jahren umgezogen sind hieß es, er würde in ein paar Wochen wieder öffnen. Tja, Satz mit x. Immerhin, jetzt tut sich etwas. Vor ein paar Tagen wurde an den Rohrleitungen rundherum gearbeitet, und jetzt steht ein Gerüst. Ich bin gespannt.

Danach geht es an der US-Botschaft vorbei – und der isländisch/estländischen (die teilen sich ein Gebäude), der indischen und der israelischen.

An der Ecke Tianze Lu/Liangmaqiao Lu schau ich in Richtung Schule, wo auch die Schulbusse parken.

Ich fahre aber erstmal in die andere Richtung zur Lucky Street.

Das ist eine Ladenzeile mit einigen Läden und vielen Restaurants.

Hier ist auch einer der verschiedenen deutschen Bäcker in Peking: South German Bakery, mit dem kleinen Café Konstanz. Im Obergeschoss befindet sich ein deutsches Restaurant, die Bodenseestube.

Ich kaufe ein ganzes Toastbrot und ein „Schwäbisches Holzofenbrot“ und fahre weiter in Richtung Schindler. Dabei komme ich am Solana (Einkaufszentrum) vorbei, das ich heute aber links liegen lasse. Dort gibt es auch einen BHG-Markt (gehobener chinesisch-internationaler Supermarkt), in dem es laut meiner Nachbarin das beste Fleisch für Rouladen in ganz Peking gebe.

Ich biege in Richtung Schindler ab und denke mal wieder, dass Peking zu einem Großteil aus Restaurants besteht. ;)

Et voilá: Schindler aka German Food Center. Fleisch kann man auch anderswo gut kaufen, aber Wurst und Würstchen, Leberkäse und Aufschnitt sind hier wirklich gut. Verschiedene deutsche/europäische Importwaren gibt es ebenfalls. Schindler ist eine Pekinger Institution mit Restaurants und Läden. Hier und hier kann man mehr über Schindler’s Erfolgsgeschichte in Peking lesen.

Ich kaufe Fleischsalat, Kassler-Aufschnitt und Wiener Würstchen und tuckere weiter in die Maizidian Jie. Bei Jenny Lou (internationaler Supermarkt) brauche ich heute nichts, und auch aus der Jiaozibude (Hobbithöhle, Kellerchinese oder korrekt: Bao Yuan Jiaozi Wu) brauche ich heute nichts.

Nun bin ich zurück an der Liangmaqiao-Kreuzung. Hier sieht man die Französische Botschaft.

Was sich hier in rot hinter den Bäumen versteckt, ist das Schulgebäude.

Und dies ist der Eingangsbereich der Schule. Pförtner und Corona-Zelte, hier werden die Kinder morgens durchgeschleust: Hände desinfizieren, Temperatur messen, mit Schüler-Karte (mit der auch in der Mensa bezahlt werden kann) registrieren.

An der Schule vorbei geht es aufs Grand Summit zu. Dahinter ist die Metrostation Liangmaqiao. Auch das Baker & Spice ist eine Institution, für die Deutschen besonders wegen der Schulnähe. Hier gibt es anständigen Kaffee und Wein, Brot, Gebäck, Salate, Pho und Currys … 

Das „obentos“ im Untergeschoss hat Corona nicht überlebt und ist weg.

Wenige Meter weiter ist der hintere Teil des Grand Summits mit diversen Restaurants, u.a. dem bei vielen Teens ziemlich beliebten Fatburger – aktuell dürfen die Oberstufenschüler das Schulgelände nicht verlassen, muss ein ziemlicher Umsatzeinbruch für Fatburger sein… Im Untergeschoss ist der City Shop, der zwar teuer ist, aber manchmal Importe aus Deutschland hat, die man sonst nirgends bekommt.

So, das war also eine Tour rund um die Schule. Obst und Gemüse hatte ich online bestellt (ich probiere gerade verschiedene Gemüseboxen aus), also bin ich mit dem Einkauf für heute fertig. Ich setze die „Einkaufs-/Nachbarschaftstour“ demnächst fort, wenn ich zum Sanyuanli Markt, Jingkelong und Jenny Lou in Sanlitun fahre.

Gestern am späten Nachmittag „musste“ ich zum Alten Observatorium fahren. Das habe ich als Ausflugsziel für die Fotogruppe vorgesehen, will mich aber vergewissern, dass es geöffnet ist, es keine Einschränkungen durch Bauarbeiten gibt usw. Beim Verabschieden von meiner Freundin sage ich noch, dass ich gar keine Lust habe, jetzt noch durch die Gegend zu tuckern. Aber ich bin keine fünf Minuten unterwegs, da ändert sich das. Die Sonne steht schon tief, aber es ist noch angenehm warm. Es ist wirklich schön und mir wird bewusst, wie cool das eigentlich ist, dass ich das machen kann.

Ich überquere den 3. Ring: Dichter Verkehr, der immerhin rollt.

3. Ring

Kurz vor dem Observatorium, das direkt am 2. Ring liegt und an der Metrostation Jianguomen, habe ich diesen Blick auf den Bahnhof.

Beijing zhan – Bahnhof Peking

Ich parke meinen Scooter an der Metrostation. Zwischen dieser und dem Observatorium ist ein kleiner Grünstreifen, auf dem allmählich die Rosen verblühen.

Der Ticketschalter hat schon zu, aber eine Schulklasse ist noch drinnen. Als sie herauskommen, frage ich, ob etwas abgesperrt ist oder ob man alles ansehen kann, auch oben die Plattform mit den Instrumenten. Ja, man kann! Sehr gut, ich muss nicht umplanen. Ich hatte nämlich irgendwo gelesen, dass jemand bei jedem Besuch auf Absperrungen gestoßen ist.

Ticketschalter Altes Observatorium

Altes Observatorium

Leider heute kein Zutritt mehr.

Ich bin zufrieden. Für den November wollte ich ein eher zentrales und „neues“ Ziel (hier war die Fotogruppe in den vergangenen fünf Jahren noch nicht), und was auch an einem kalten Novembertag mit mieser Luft machbar ist. 

Ich schwinge mich auf den Scooter und fahre nach Hause. Unterwegs muss ich doch noch mal stoppen, um Verkehr und Türme einzufangen.

Rush hour

Für aus der Hand geschossen, finde ich das Bild schon ziemlich cool. Das muss ich aber noch mal mit Stativ und Filter probieren!

Dafür, dass ich anfänglich gar keine Lust hatte, war das jedenfalls ein netter kleiner Ausflug.

Mit der Fotogruppe habe ich heute einen Ausflug nach Badachu gemacht. Eigentlich hatte ich mit bunten Herbstfarben gerechnet, aber die meisten Bäume waren noch grün. Letztes Jahr war ich zu spät dran, da waren die Laubbäume schon kahl.

Aber auch ohne buntes Laub ließ sich der Herbst in Badachu gut einfangen.

Die Zeit der Sommerkleider ist vorbei. Aber richtiges Posing für Gruppenbilder geht immer!

Auch ohne buntes Laub ist klar: der Herbst ist da.

Für weitere Farbtupfer sorgt die Seilbahn. Wir laufen aber bergauf.

Pause!

Immer wieder kreuzen Katzen unseren Weg.

Na bitte, hier ist doch ein bisschen Herbstlaub. Und die Goldfische sind noch nicht eingefroren.

Ein paar bunte Blätter gibt es immerhin schon.

Diese beiden Herren waren ansteckend fröhlich. Haben mich ein bisschen an Xiangsheng (Komiker-Duo ist nur unzureichend übersetzt) erinnert.

Endlich sind wir ganz oben am Baozhu Tempel, hinterm dem eine kleine Höhle (das ist etwas hochtrabend, es ist kaum mehr als eine große Felsnische) liegt, in der ein Buddha angebetet werden kann. Hier passt eine Wächterin besonders streng auf, dass die Buddhas nicht fotografiert werden. Wenn man in den schmalen Gang zwischen Tempel und Felswand einbiegt, fällt einem als erstes eine Plastikschüssel ins Auge, die oberhalb der Höhle liegt. Als wir näherkommen, sehen wir den Router da drinnen… Willkommen in China – und irgendwie muss ich immer noch kichern, weil das so typisch pragmatisch ist.

Es wird Zeit, den Rückweg anzutreten. Wir sind uns einig: wir nehmen die Sommerrodelbahn. Ich hab meine Tour abwärts tatsächlich gefilmt, ich muss mal einen der Junioren überreden, mir das webtauglich zu bearbeiten… ;) War jedenfalls wieder ein Riesenspass.

Zum Schluss flattert mir noch dieser Distelfalter vor die Kamera.

War ein richtig schöner Ausflug, sonnig und trocken, noch relativ warm und zumindest anfangs noch relativ (!) gute Luft. Später war es dann über der Stadt zu diesig, das einzige, was ein bisschen zu erkennen war, war der Fernsehturm, alles andere ist im Dunst verschwommen.

Am späten Nachmittag zieht es mich raus, ein Spaziergang im Ditan-Park kommt mir in den Sinn. Den Ditan-Park mag ich wegen seiner Lage (gleich schräg gegenüber vom Lama-Tempel, ich fahre auch einfach gerne die Yonghegong-Street entlang) und dem dort besonders vielfältigen und aktiven Parkleben. Gibt zwar ein paar Parks, die näher dran sind, wie der Chaoyang-Park, der Side-Park, der Tuanjiehu-Park, denen aber allen das historische Flair abgeht.

Und so düse ich los. Die Straßen sind voll, am 2. Ring staut es sich extrem, aber mit dem Scooter komme ich flott voran. Es ist bald 18 Uhr, und ich frage mich kurz, ob die Parks derzeit früher schließen, aber nein, es ist ganz normal bis 21 Uhr geöffnet.  2 RMB Eintritt berappt, nur flüchtige Temperaturkontrolle, die Health App wird nicht benötigt. Gleich ein paar Schritte hinter dem Tor fällt mir auf, wie ruhig es ist. 

Sicherheit geht vor, auch im Park.

Viel los ist nicht mehr, einige Großeltern mit ihren Enkelkindern, ein paar Jogger und vereinzelte Kampfsportler. Heute mal nicht nur Tai Chi, Qi Gong, was auch immer – sondern auch dieser Herr mit Säbeln. 

Da halte ich lieber respektvollen Abstand. 

Der Platz mit den Sportgeräten ist wieder geöffnet, hier sind noch ein paar Leute. Mir ist heute mehr nach Ruhe, und die finde ich auch. 

Immer, wenn ich im Ditan-Park bin, MUSS ich durch dieses Felsentor gehen.

Bei meinem ersten Besuch im Ditan-Park habe ich hier zum ersten Mal den Park-Chor gesehen und gehört, was mich nachhaltig beeindruckt hat. Auch in vielen anderen Parks trifft man sich zum Singen, aber hier waren es besonders viele Sänger. Ich muss doch echt mal wieder vormittags gucken, ob es den Chor noch gibt.

So langsam wird es dunkel, also bewege ich mich allmählich zum Ausgang.

Die kurze Auszeit hat gut getan, nun bin ich auch wieder bereit für den Trubel und den Lärm der Stadt.

Gestern am 1. Oktober hat China gleich zwei Feiertage begangen, die ausnahmsweise auf den selben Tag gefallen sind: den Nationalfeiertag und das Mondfest (auch Mittherbstfest) – Doppelfeiertag! Das Mondfest, am 15. Tag des 8. Monats nach dem Mondkalender, ist nach dem chinesischen Neujahrsfest das zweitwichtigste chinesische Fest. Zum Nationalfeiertag gibt es Ferien in ganz China: die Golden Week, normalerweise ohne Corona die größte Völkerwanderung der Welt, Hauptreisezeit in China.

Die Stadt bereitet sich vor, überall (auch auf Verkehrsinseln, Seitenstreifen – da, wo in Deutschland günstig-praktisches „Straßenbegleitgrün“ wuchert oder vertrocknet) gibt es neue, farbenfrohe Herbstbepflanzungen und/oder Blumen(topf)-Arrangements. Überall werden rote Lampions aufgehängt und die Nationalflagge gehisst. Und auch Restaurants scheinen sich vorzubereiten.

Feiertag und IKEA? Dumme Idee.

Ich will ein paar Kleinigkeiten vom Möbelschweden besorgen, schwinge mich auf den Scooter, freue mich noch über die freie Bahn – jetzt nicht (mehr) Corona-bedingt, sondern wie jedes Jahr während der Golden Week. Aber kurz vor dem Ziel: abgesperrte Fahrspuren. Mehr und mehr Menschen. Oh nein, es ist wie bei IKEA-Schnelsen an einem Adventssonnabend… Okay, heute keine Kerzen, nur „schnell“ in den Lebensmittelmarkt und wieder raus. Tja, das hätte ich nach all der Zeit in Peking echt vorher wissen können… Kaum lasse ich IKEA hinter mir, sind die Straßen auch wieder leer und unweigerlich wandern meine Gedanken ein Dreivierteljahr zurück zum Neujahrsfest. Eigentlich müsste ich doch eine „Kontrollrunde“ am Tiananmen vorbei drehen. Also verstaue ich zuhause nur schnell die Einkäufe und tuckere wieder los.

„Kontrollrunde“

Ich nehme den gleichen Weg wie „damals“ am Neujahrstag. Da die Straßen leerer sind als sonst, fallen einem Fahrzeuge, die man auf Deutschlands Straßen nicht sieht, wieder viel stärker auf.

Das hier war nicht ganz so knapp wie es scheint, aber ich nehme es trotzdem als Erinnerung, konzentriert und defensiv weiter zu tuckern. Nicht vom Gegenverkehr täuschen lassen – das ist nur ein Witz von Ampelrückstau, die Straßen waren wirklich leer.

Tatsächlich sind die Straßen alles andere als leer, denn es sind unzählige Menschen unterwegs, aber es gibt kaum Autoverkehr. Nur vor beliebten Restaurants wie dem großen Huda in der Ghost Street wird mal eben in dritter Reihe gehalten, um die Familie rauszulassen. Auch auf dem Gehweg: kein Vergleich zum Neujahrsfest, hier tobt das Leben, Dutzende warten darauf, dass ein Tisch frei wird. Würziger Duft liegt in der Luft, und Peking ist normal laut.

Und so sieht es die ganze Ghost Street (die legendäre Futtermeile an der Dongzhimen Inner Street) entlang aus. Hier war es schon den ganzen Sommer über abends lebendig und gut gefüllt, aber heute toppt es das bei weitem.

Bist Du eigentlich neu in Peking oder was?

Eigentlich hätte ich ja schon in der Nähe des Jingshan-Parks aufmerken müssen. Die Straßen sind zwar wie am Neujahrstag leer, aber es gibt viele Polizeiposten. Und da ist dann auch die erste gesperrte Straße – keine motorisierten Fahrzeuge in Richtung Tiananmen erlaubt.

Keine Ahnung, was ich mir gedacht – bzw. nicht gedacht – habe. Ich fahre durch Nebenstraßen weiter in Richtung Tiananmen, nehme immer mehr Fußgänger wahr, die zunehmend auch den Bikestreifen benutzen. Hätte ich das Hirn eingeschaltet, hätte ich jetzt den Scooter abgestellt und wäre mitgelaufen. So stecke ich später zwischen Autos, anderen Scootern, Fahrrädern und Fußgängern an der Kreuzung an der Chang’an fest. Ich werde mit unzähligen anderen über die Prachtstraße geschleust, darf aber nicht in eine der Seitenstraßen fahren (wo ich eigentlich den Scooter abstellen wollte, um dann auch zu Fuß weiterzugehen). 

Abgesehen davon, dass alle Maske tragen, kann man sich hier nicht vorstellen, dass wir mitten in einer Pandemie sind. Abstände? Social distancing? Hier jedenfalls nicht. Aber trotz der Massen (die mich ja immer auch ein wenig stressen) eine greifbar fröhliche Stimmung. Das erinnert an den 70. Jahrestag im letzten Jahr, aber unterscheidet sich massiv vom Neujahrsfest.

Dann grinst mich auch meine Akkuanzeige noch blöd an: du dusselige Kuh hättest mich zwischendrin mal aufladen sollen, wenn du nicht schieben willst! Ich beschließe, an einem der nächsten Tage mit der Metro zum Tiananmen zu fahren und will nun auf dem kürzesten Weg über die Chang’an in Richtung Osten – nach Hause – weiter. Ist nicht. Nur für Fußgänger. Also fahre ich den Weg zurück, den ich gekommen bin. 

Unterwegs denke ich: was ein Unterschied! Und damit meine ich nicht das Wetter, das jetzt noch (beinah, zumindest nach Hamburger Maßstäben ;) ) spätsommerlich ist. Obwohl die Pandemie nicht überstanden ist, so ein Trubel. Zwar gab es in  Peking jetzt seit 55 Tagen keine lokale Neuinfektion. Und trotzdem steht das irgendwie im Widerspruch zu den Parolen, die man sonst überall lesen kann, weiterhin wachsam zu sein und sich an Vorsichtsmaßnahmen zu halten.

Es ist schon mehr als nur ein bisschen spannend, wie sich die Zahlen wohl nach der Golden Week entwickeln werden. Wenn das gut geht, was ich sehr hoffe, dann können wir uns hier wohl wirklich zurücklehnen, weitgehend normal (abgesehen von Masken, Temperaturkontrollen und Health App) vor uns hinleben, uns eigentlich keine Sorgen um die eigene Gesundheit machen müssen und auf das Ende der Pandemie bzw. einen Impfstoff warten. Aber sollte es neue lokale Infektionen geben, wirft das ein düsteres Licht auf den bevorstehenden Winter, und mir graut es davor, wieder so (relativ) isoliert zu sein wie im Frühling.

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Rund um den Shichahai gibt es abends viel zu sehen und entdecken. Dabei geht es am Qianhai etwas ruhiger zu als am Houhai, wo im Barviertel das Leben tobt. 

Kurz zur Lage und Geschichte

Shichahai – das sind die „Drei hinteren Seen“. Der Vordere See (Qianhai) und der Hintere See (Houhai) sind durch die über 500 Jahre alte Yinding-Brücke voneinander getrennt (und die Ufer dadurch verbunden). Nordwestlich schließt sich der dritte See an: der Xihai (Westsee).

Man könnte das „shi“ – anders geschrieben und ausgesprochen – auch auf die zehn Tempel beziehen, die rund um die Seen liegen.

Abendstimmung am Qianhai

Hier entstand schon während der Jin-Dynastie im 12. Jahrhundert ein florierendes Viertel. Während der Yuan-Dynastie (1271 – 1368) war hier einer der Endpunkte des Kaiserkanals (auch: Großer Kanal), der Peking mit Hangzhou verbunden hat. Damit wurde Shichahai einer der wichtigsten Handelsbezirke Pekings, über den Kaiserkanal wurde Peking fast 600 Jahre mit Reis (und vielem anderen) versorgt. Als die Wasserstraße an Bedeutung verlor (sich verändernde Flussläufe, Trockenheit in Nordostchina, die Konkurrenz durch die Eisenbahn) blieb die Lage dennoch attraktiv, nicht nur wegen der Nähe zum Palast, den Prinzenresidenzen und Tempeln. Gewässer sind rar in Peking, das macht die Seen hier so besonders. 

Heute ist Shichahai ein beliebtes Touristenziel, aber auch für die Naherholung der Pekinger sind die Seen samt Umgebung wichtig. Hier wird musiziert und getanzt, eine größere Gruppe trifft sich immer abends auf dem Platz in der Nähe des Lotosmarktes am Südüfer des Qianhai. Man sieht Angler, manchmal Schwimmer. Normalerweise kann man sich Boote mieten, jetzt im Corona-Jahr blieben die Boote des Qianhai im Winterquartier. Am Südwestufer des Qianhai wurde gerade erst die Restaurant“meile“ renoviert, das sieht (wegen Corona?) noch relativ unfertig aus. Am See gibt es aber auch einige Pekinger Traditionsrestaurants. Mehr los – fast normaler Trubel, aktuell nur ohne ausländische Touristen – ist am Houhai. 

Fotogruppen-Ausflug

Gestern Abend war ich mit der Fotogruppe dort verabredet. Ich bin etwas früher von zuhause losgekommen, und habe noch ein bisschen Dämmerung mitbekommen.

Boot auf dem Qianhai

Wenn ich allein mit Stativ irgendwo in Peking herumstehe, werde ich immer angesprochen. 

Diesmal bekam ich den Tipp, die nächste Dämmerung vom Lotosmarkt aus einzufangen, dann wäre der See einzigartig blau. Das muss ich tatsächlich bald mal ausprobieren!

Aber so gefällt es mir dort auch echt gut.

Erst friedliche Abendstimmung…

Schließlich habe ich fix zusammengepackt und bin zum Treffpunkt der Gruppe hinübergegangen. Inzwischen war es dunkel. Wir sind zuerst noch mal zurück zum Qianhai. An „meinem“ Platz hatte sich inzwischen ein Musikant eingefunden.

Musikant am Qianhai

Ein wirklich schöner Spätsommerabend. Nur die Mücken waren etwas nervig. Nachdem etliche Bilder im Kasten waren, sind wir weiter in Richtung Houhai gegangen. 

Die Yinding-Brücke

Yinding-Brücke

Die Yinding- (Silberbarren) Brücke hat ihren Namen nach den alten Silberbarren, die lokales, individuell gefertigtes Zahlungsmittel im kaiserlichen China seit der Qin-Dynastie waren. 

Die Brücke wurde 1984 restauriert und 2011 noch einmal verbreitert und ist sowohl schönes Motiv als auch Aussichtspunkt.

… dann quirliges Nachtleben

Es geht los mit Restaurants und Souvenir-Läden (von denen es in den Seitenstraßen noch viel mehr gibt, und durch die man auch unbedingt durchspazieren sollte).

In den klitzekleinen Bars, die sich dicht an dicht am Seeufer drängen, gibt es leicht überteuertes Bier, überall stehen Livebands auf der Bühne.

Wir bummeln schließlich durch eine der Seitengassen, an der historischen kaiserlichen Post vorbei – ein kleines Museum und Laden, den man auch besichtigen könnte. Aber wir wollen noch weiter ins Café Zarah zur Vernissage von „Time Capsule“ von Mica

Ein letztes Bild schieße ich noch.

Im Zarah gibt uns Mica eine Einführung zu seinen Bildern und beantwortet geduldig alle Fragen. Bei leckeren Caipis lassen wir einen wundervollen Sommerabend ausklingen.

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. Dieses Mal: Schönwetterflash, Ferien in Sicht, Corona…

Schönwetterflash

Im September ist es in Peking ja immer besonders schön. Es ist noch sommerlich-warm, aber die brütende Hitze mit an die 40 Grad ist überstanden, die Regenzeit ist vorbei. Da macht es noch viel mehr Spaß, draußen unterwegs zu sein. Und dann kam in den letzten Tagen auch noch supergute Luft dazu. Ich war die Woche nur so viel verabredet, so dass ich es nicht in Richtung Berge oder an einen der Seen geschafft habe. War trotzdem schön und hat gut getan. 

Mittwoch ging es zu den Weihnachtsengeln – da fahre ich immer hier (Kreuzung von Airport Expressway und 4. Ring) entlang und finde diesen über mehrere Etagen gestapelten Verkehr höchst faszinierend.

Hier treffen der 4. Ring und der Airport Expressway aufeinander.

Am Donnerstag konnte ich die Sonne, die einem jetzt nicht mehr das Hirn wegbrennt, beim Brunch auf der Dachterrasse des MaiFresh mitten in den Hutongs zwischen Glockenturm und Konfuziustempel genießen. Tolle Location, leckeres Essen (auch „instagrammable“), nette Gesellschaft und gute Gespräche – sehr, sehr schön, da lohnt sich auch das Warten (der Service ist nicht so schnell, aber sehr reizend).

Abends leider auch weder irgendwo herumgetuckert, noch nett draußen gesessen, sondern in der Schule am Elternabend teilgenommen. Der war zum Glück kurz und schmerzlos.

Am Freitag bin ich mit der Strickgruppe zum Wollmarkt gefahren. Diesmal hatte ich nicht so hochfliegende Erwartungen und keine deutschen Geschäfte mit handgefärbten Strängen in allen denkbaren Qualitäten vor Augen – und tatsächlich lohnt sich ein Besuch dort doch. Ich selbst habe zwar nur ein paar Knöpfe erworben, aber alle anderen haben gut zugeschlagen – unser kleiner Beitrag zur Standortsicherung. ;) 

Auf der Rückfahrt haben wir dann noch diesen Mann gesehen:

Stylisher Cruiser auf der G110 in Peking

Der war so lässig! Kommt auf dem Foto leider nicht raus – schicke Federn am Hut. Der wusste jedenfalls, wie man so einen schönen Sonnentag genießen kann.

Gestern habe ich geschwächelt, heute hatten wir Besuch – schön war’s. 

Ferien, Mondfest und Golden Week in Sicht

Die kommende Woche ist auch noch mal so vollgepackt. Ich bin wieder jeden Tag verabredet, die Jungs schreiben Klausuren, aber am Freitag ist der letzte Schultag und dann sind Ferien: Golden Week. Dabei sind die Sommerferien doch gerade erst rum! Jedenfalls ist dann auch wieder Zeit für spontanes Rumstromern. Ich weiß, der „Freizeitstress“ ist selbstgemacht, aber nach der langen Zeit ohne soziale Kontakte außerhalb der Familie gab es auch ein gewisses Nachholbedürfnis, und das war jetzt eher zufällig, dass es sich so geballt hat.

Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr in Peking sein wird. Sonst sind zur Golden Week die Straßen leer, dafür ballt es sich bei den Sehenswürdigkeiten. Das schau ich mir auf jeden Fall an.

Herbstlich ist es ja schon – in der Vegetation: es ist Erntezeit, vieles ist verblüht, die ersten Blätter fallen… Nur die Temperaturen sind noch sommerlich. Aber 28 Grad gelten hier nicht mehr als sommerlich genug, morgen wird die Klimaanlage abgeschaltet.

Der Vermieter hat uns gestern Mondkuchen geschenkt. Dieses Jahr ist das Mondfest relativ spät und fällt mit dem Nationalfeiertag am 1.10. auf den selben Tag.

Corona

Gestern ist es passiert: es wurde eine Corona-Infektion in Peking gemeldet, und das nach 43 Tagen ohne. Zwar „nur“ importiert, d.h. das Risiko für uns Pekinger dürfte nicht größer geworden sein, da direkt am Flughafen abgefangen und isoliert, Mitpassagiere in Quarantäne… Trotzdem mahnt es einen, nicht leichtsinnig zu werden, das Virus ist nicht weg. 

Ansonsten bin ich weiterhin froh, hier zu sein. Unser Leben ist derzeit halbwegs normal, zwar mit Maske und App – aber das kann man dafür dann schon in Kauf nehmen. Beatmung wäre schlimmer. Wieder niemanden treffen zu können, wäre schlimmer. Wieder Schulschließung wäre schlimmer – wobei die Jungs ja sehr gut mit dem Online-Unterricht zurechtgekommen sind, und zumindest teilweise konzentrierter und effektiver lernen konnten. Aber ich habe kein Ambitionen, wieder als Mathelehrerin einzuspringen. ;) Und ihre Kumpel und die Pausen haben die Kerle ja auch vermisst.

Da keiner weiß, wie sich die Corona-Lage während des Winters entwickeln wird, aber durchaus befürchtet wird, dass es dann (auch hier in Peking/China) wieder mehr Krankheitsfälle geben könnte, will ich noch möglichst viel unternehmen, solange es geht.

Nächste Woche steht noch einmal einiges an Gruppenaktivitäten an, unter anderem ein Ausflug mit der Fotogruppe, in der Golden Week dann mehr solo und spontan.

Ein traumhafter Sommertag, die Jungs sind mit Online-Unterricht und Hausaufgaben beschäftigt, nichts wie raus. Da sich das Leben und die Corona-Regeln hier ziemlich normalisiert haben, will ich Fotowalks für die Fotogruppe planen. Einen Ort, den die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren noch nicht besucht hat und zu dem es mich selbst schon lange hinzieht: Die Residenz von Prinz Gong. Die soll so besonders schön sein, ein bisschen an die Verbotene Stadt erinnern und gleichzeitig mit schönem Garten, Teichen und Flüssen aufwarten. 

Bisher habe ich nur kein Glück gehabt! Entweder es war Montag (und montags sind fast alle Sehenswürdigkeiten geschlossen) oder es wurde gebaut. Prinz Gong und ich – das wird nix.

Es wurde auch länger gebaut als vorgesehen, und ich hab es dann aus den Augen verloren, dann kam Corona, aber heute! Heute versuch ich es. Es ist auch nicht Montag!

Tja.

Alles dicht. Zu. Geschlossen.

Ich spreche ein paar Männer an, die vor dem verschlossenen Tor stehen. Nein, diesen Monat nicht mehr. Nächsten Monat. So ist das halt, zum Glück bin ich ja für länger hier und kann es dann im September wieder versuchen (wenn ich das nicht wieder vergesse…). Der Tag ist auch viel zu schön, um sich darüber zu ärgern, ich fahre dann halt ein Stück um die Residenz herum. 

Rechts hinter der Mauer befindet sich Prinz Gongs Residenz. Aber die Straße ist auch schon ziemlich idyllisch, oder?

Es ist Waschtag. Ach so, deshalb darf man nicht zum Prinzen.

Wäsche vor dem Nebeneingang von Prince Gong’s Mansion.

Ich fahr noch mal am Haupteingang vorbei, aber kein Schild, nichts. Auch die Männer von vorhin sind verschwunden. 

Prince Gong’s Mansion. Geschlossen, wie immer, wenn ich da hinein möchte.

Ich beschließe, dass der Fotogruppenausflug zum Dongyue-Tempel gehen soll. Auch das eine Location, wo die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren nicht war. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, will ich vorbeifahren und schauen, dass da nicht auch plötzlich Waschtag ist oder Bauarbeiten…

Am Shichahai

Vorher komme ich am Shichahai vorbei. Da muss ich auch unbedingt stoppen. Zuerst sehe ich zwei Arbeitern dabei zu, wie sie Müll rausfischen, der sich im Durchflussgitter Richtung Beihai verfangen hat. Als sie fertig sind, brausen sie los. Hach ja, aufs Wasser wäre jetzt eine feine Sache, aber der Bootsverleih hat geschlossen.

Shichahai

Ich bin an der Ecke vom See, wo sich der Lotosmarkt befindet. Der heißt so, weil…

Lotos. Blütezeit geht zu Ende.

Ist es ein Alien? Ist es verblühter Lotos?

Alt und neu – da kommt noch eine Blüte nach!

Auch verblüht immer noch schick.

Und dann kommt eine dieser Aussichten, wo man total vergisst, dass das hier mitten in der Großstadt ist.

Ist das nicht einfach unheimlich schön hier?

Die Sonne knallt ganz schön vom Himmel, mein Wasser ist alle, hier steht kein Verkaufswagen, die Shops sind geschlossen – ich mach mich auf den Weg zum Dongyue-Tempel.

Der Dongyue-Tempel

Okay, ich bin schon über fünf Jahre in Peking, aber die Stadt ist so riesig und mein Orientierungsvermögen so schlecht – und trotzdem finde ich den Weg ohne einmal aufs Handy zu gucken. Auch ein gutes Gefühl.

Das Ticketbüro ist nach draußen umgezogen. Ja, der Tempel ist geöffnet, keine Bauarbeiten oder Schließzeiten geplant. (Da wo mein Chinesisch nicht ausreicht, hilft die Übersetzungsapp!). Super, dem Fotogruppenausflug hierher steht also nichts im Weg. Wo ich schon mal da bin, will ich aber trotzdem rein.

Einen ersten Code mit WeChat-Pay scannen, um den Eintritt zu bezahlen. Einen zweiten Code mit der Beijing Health App scannen: damit bin ich zum einen registriert (und zwar nicht als Pippi Langstrumpf aus Bullerbü, wie manche weniger nette Menschen das in Deutschland wohl machen) und zum anderen wird mein grüner Code (nicht in Risikogebieten gewesen und wer weiß, was das Ding noch weiß) gesichtet: ich darf hinein.

Oh. Hier findet heute ein Event statt. Ich vermute, es hat mit dem chinesischen Valentinstag, Qixi zu tun. Das wurde hier aber nicht von darbenden Blumenhändlern erfunden, sondern geht auf eine alte Legende (Vom Kuhhirten und der Weberin) zurück.

Vorne am Eingang ist es relativ voll, also gehe ich erst einmal weiter.

Hauptachse

In Wahrheit zieht es mich auch zu den Nischen an den Außenseiten, wo 76 Departements aus dem daoistischen Jenseits dargestellt werden. Damit ich beim Fotogruppenausflug noch was zu tun und hinterher was zu erzählen habe, werde ich mir bis dahin mehr über diese Departements anlesen.

Dies scheint mir ein freundlicher Dämon…

Departement of Mord und Totschlag?

Hmm. Dies ist nicht das Department für unzüchtigen Lebenswandel. Aber welches dann?

Zwischen den vielen Gruselgestalten auch mal was Liebes!

Junger Mann, was haben Sie genommen?

Einerseits typischer Tempel: Ähnlicher Grundriss, rote Hallen mit Säulen und blau-grünen Verzierungen. Aber mehr Schrift – und halt die Department-Nischen (von denen viele übrigens Opferboxen vorne am Zäunchen haben).

Außer den Departments gibt es diese Stelen. Dazu muss ich mir auch noch mehr anlesen, ich glaube, diese hier haben mit den Tierkreiszeichen zu tun – und sie sollen aus der Geschichte der Umgebung erzählen.

Schildkröte! <3 Langlebig, weise… – Und zwei Dachreiter am Boden.

Innenhof. Mit Feuerlöschstation. Und so groß sehen die Dachreiter oben auf dem Dach jetzt gar nicht mehr aus, oder? Sind aber genauso groß wie die beiden goldenen am Boden.

Peking. Tradition und Moderne, Altes und Neues.

Kleine Säulen, große Säulen.

Fast vergessen: Dieser Tempel beherbergt zwar ein Museum (das Folkloremuseum, heute habe ich nur einen Blick auf ein paar sehr alte TCM-Fläschchen geworfen), aber es ein „aktiver“ Tempel. Die Mönche passen auch gut auf, dass man bestimmte Buddhas nicht fotografiert.

Auch im Tempel geht ohne Handy nix.

Noch ein Department. Schlachten? Tier-Opfer? Ich muss mich da echt noch mehr einlesen.

Nun bin ich einmal rundherum durchgegangen. Die Sonne knallt immer noch, ich hab immer noch nichts zu trinken, aber vorne am Tor muss ich mir doch noch diese drei hübschen Tänzerinnen ansehen.

Tänzerinnen beim Event im Tempel.

Ja, das war mein Pekinger Sommertag. Anders als geplant, aber trotzdem schön und voller bleibender Eindrücke. Also schon irgendwie typisch. 

Jetzt ist es passiert. Zum ersten Mal in über fünf Jahren habe ich vor lauter Heimweh feuchte Augen gekriegt. Naja, um ehrlich zu sein: ich hab Rotz und Wasser geheult. Das kam echt überraschend.

Ich vermisse Menschen. Ich vermisse Gerüche: Garten im und nach dem Regen, Wald, (Elb-)Strand… Ich sehne mich manchmal danach, dass ich alles verstehe, zwischen den Zeilen lesen kann, dass alles einfach und normal und gewohnt und selbstverständlich ist – und selbst wenn mal was Neues/Anderes kommt, man schnell damit klar kommen kann, weil man mit Sprache und Kultur vertraut ist. Aber Heimweh? Nee, ich doch nicht.

Und dann kehrte vorgestern die Peking nach über 80 Jahren nach Hamburg zurück.

Als echte Hamburgerin finde ich Boote und Schiffe (vom Kanu bis zum MegaContainerfrachter) großartig. Ich weiß gar nicht, ob das heute noch in der Grundschule dazugehört, eines der ersten Lieder, die ich damals gelernt habe, war das vom „Hamborger Veermaster“. 

Begrüssung der Peking – © Birgit Höpfner

Also völlig selbstverständlich, dass ich den Livestream vom NDR angemacht hab und immerhin am Bildschirm mit dabei war, als es von Twielenfleeth nach ein paar Stunden tidebedingter Wartezeit auf den letzten Abschnitt ging. Sogar das Wetter hat mitgespielt, blauer Himmel mit ein paar dekorativen Wolken. Meine Schwester war auf dem Wasser mit dabei und hat mich auch live mit Bildern zugeballert. Da wäre ich echt gern dabeigewesen.

Die Peking – © Birgit Höpfner

Soweit alles gut, schöne Bilder, tolle Stimmung, die auch über das Internet nach Peking herübergeschwappt ist. Und dann fuhr die Peking an Willkommhöft vorbei. Oh, die vertraute Lautsprecherdurchsage: Musik, kleiner Text, Hymne. Bei „Willkommen in Hamburg“ gingen meine Schleusen auf. Zu viele schöne Erinnerungen damit verbunden, dazu die tollen Bilder – da gab es kein Halten mehr. Das ist mein Hamburg, da komme ich her, da habe ich meine Wurzeln.

Logenplätze! – © Birgit Höpfner

Irgendwann habe ich mich dann auch wieder eingekriegt. War aber auch zu schön, das Gewimmel auf dem Wasser, fast wie Hafengeburtstag, aber spezieller. Das Wendemanöver habe ich noch gesehen, aber dann fielen mir die Augen zu.

Hach…. Traumschön! – © Birgit Höpfner

Peking ist aber auch schön

Die Nacht war kurz, denn ich war mit unserem Vermieter verabredet – er wollte mir den „Importmarkt“ zeigen.

Ich weiß gar nicht, ob ich das schon mal erzählt habe? Wir haben so ein Glück mit unserem Vermieter, nicht nur dass er wirklich ganz reizend ist – wann immer es irgendein Problem gibt, kümmert er sich sofort. Keine Diskussionen, ob das wirklich sein muss, wer das zahlt, wer Schuld ist, ob man nicht irgendwas selbst provisorisch machen könnte. Nein, wird alles immer gleich und gut erledigt. Keine Klebeband-Provisorien mehr.

Er hat schon öfter angeboten, mit mir zum Einkaufen da hin, zum Essen dort hin und zum Sightseeing woanders hin zu fahren. Da kann man/ich auch nicht immer nein sagen. Also ging es gestern morgen los. So schön wie es am Vortag in Hamburg gewesen sein muss, so schön war es gestern hier. Nur wärmer, bätschi! ;) Berge in Sicht, d.h. nicht nur Wetter toll, sondern Luft auch.

Hotelmarkt = Importmarkt = Großmarkt

Nach einer halben Stunde (Stau…) standen wir vor dem Komplex, den ich als „Hotelmarkt“ kenne. Huch? Allerdings sind wir in das große Hauptgebäude vorne rein und hinten wieder raus marschiert. Und das war dann wieder ein Eintauchen in eine andere Welt. Leider habe ich keine Bilder gemacht, nicht mal mit dem Handy, das wäre mir unhöflich vorgekommen… 

Die Sonne brennt vom Himmel. Staubige Straßen, vollgestopft mit Fahrzeugen aller Art. Eingeschossige schlichte Bauten, eine „Garage“/Laden am anderen. Unzählige Schilder und Plakate. Ganz viel Leben davor, die meisten Ladenbesitzer sitzen draußen. Es ist bunt, und es ist laut, und es fühlt sich gar nicht mehr wie 2020 an, sondern Jahre früher…

Die meisten Läden sind spezialisiert: hier gibt es nur Öl, dort nur Reis, hier Getränke, da Gewürze… Wir gehen immer weiter, kreuz und quer, der Vermieter wird immer nervöser. Wir gehen in einen Laden, der belgisches Bier und schwedischen Cider verkauft. Er spricht den Ladenbesitzer an, der den Kopf schüttelt. Nein, die Läden, die er suchte, sind nicht mehr hier. Die „Kronenepidemie“ (schöne Übersetzung, oder?), keine (ausländischen) Touristen mehr in Peking, einige Händler sind zurück in den Heimatort, dazu der ganz normale schnelle Wandel in Peking – warum auch immer: die Importshops sind nicht mehr da. Einige wenige seien in das große Gebäude umgezogen.

Dahin gehen wir nun zurück, fahren nach oben, sehen uns um, aber werden nicht fündig. Ich merke, dass es ihm etwas peinlich ist und sage (und meine es auch), dass ich das gerade wirklich interessant finde. Ich war jetzt schon einige Male beim „Hotelmarkt“, aber das Gewusel dahinter habe ich mir nie angesehen. Er möchte noch Tee kaufen, ist aber wählerisch und findet „seine“ Sorte nicht.

Ich frage, ob wir in einen der Kaffee-Läden gehen können. Und das tun wir dann, lassen uns Vollautomaten vorführen und probieren uns durch unzählige Kaffeevarianten. Die Preise machen uns schwindelig, eventuell muss ich vom ersten Nach-Corona-Heimaturlaub ein Maschinchen aus Deutschland mitbringen. Er kauft eine Großpackung Instant-Kaffee, ich eine Flasche Caramelsirup – und dann reicht es auch.

Als wir wieder im Auto sitzen, sagt er: Ich lade Dich jetzt zum Mittagessen ein. Zwanzig Minuten später gehen wir ins JinDingXuan neben dem Tuanjiehu Park. Mir war bis zu dem Moment nicht klar, dass das eine kleine „Kette“ ist, acht Filialen in Peking, ich kannte bisher nur die schräg gegenüber vom Lamatempel am Ditan-Park. Anders als dort gibt es hier allerdings weder englische noch bebilderte Speisekarte. Aber wozu auch, das hier ist keine Touristen-Gegend. Trotzdem ist das Restaurant proppevoll. Abends sollen die Leute sogar Schlange stehen.

Clean Plate? Heute nicht.

Er bestellt einmal querbeet durch die Speisekarte, als die Kellnerin anmerkt, dass das sehr viel für zwei Leute seit, sagt er, dass er alle Reste mitnehmen wird. Ah – „Clean Plate!“. Eine (staatlich iniitierte) Aktion gegen Lebensmittelverschwendung. Teller leer essen. Nicht mehr zeigen, dass man ein guter Gastgeber ist, in dem man viel mehr Gerichte bestellt als tatsächlich gegessen werden kann. Stattdessen verantwortungsbewusst mit Lebensmitteln umgehen. Definitiv ein gutes Projekt, aber das ist ja fast wie ein vegetarischer Tag pro Woche in der Kantine… ;) Eine krasse Änderung in der chinesischen Ess-Kultur.

Wurm? Gedärm? Minihühnerfuß?

Die meisten der bestellten Gerichte sind gut oder sehr gut. Die Kette führt Spezialitäten aus vielen Teilen Chinas, Schwerpunkt liegt aber auf Südchina/Guandong. Die DimSum sind sehr lecker, besonders die ShaoMei. Typisch Mann (?) – wenig Gemüse auf dem Tisch. ;) Ein Hühnchengericht, dass an Kung Pao Chicken erinnert, aber samt Knochen und Haut serviert wird, ordentliches Mapo Doufu. Schweinebauch. Ich mag so fettes Fleisch eigentlich nicht, aber das ist in einer superleckeren Sauce ganz weich gekocht – kann man gut essen. Und dann kommt noch etwas.

Ich weiß echt nicht, was es ist. Würmer, Schnecken, Innereien oder Minihühnerfüße? Der Vermieter grinst mich an, ich zwinge mich, zurückzulächeln, will mir elegant mit den den Stäbchen so einen Wurm zur Gemüte führen – und scheitere an meiner Feinmotorik. 

Bitte verlassen Sie Ihre Komfortzone jetzt.

Zweiter Versuch. Es ist mit einer Art weicher Panade ummantelt, da knabbere ich erst einmal vorsichtig dran. Puh, zum Glück ist der Geschmack echt gut. Ich fühle seinen Blick auf mir. Oh nein. Todesmutig beiße ich hinein, denke an was Schönes, während ich kaue und schlucke. Und schlucke. Und schlucke. Oh Mann, es schmeckt nicht schlecht, aber mein Ekel ist so groß, ich kann es nicht aufessen.

Der Vermieter grinst mich an. Boah, er hat genau gewusst, was er tut – aber ich hab wohl bestanden. Ich halte mich an die DimSum und das Gemüse, er spachtelt den Schweinebauch und das Gewürm weg, Hühnchen und Tofu lässt er für seinen Sohn einpacken.

Zu trinken gab es weder warmes Wasser noch heißen Tee, sondern den besten Eistee, den ich je hatte.

JinDingXuan – Getränke und Mondkuchen

Da das Mondfest näher rückt, gibt es auch Mondkuchen. Einen teilen wir uns, und dann geht’s nach Hause.

Peking ist cool

Ich hab den Tag trotz aller Herausforderungen (Gewürm!) total genossen. Einziger Wermutstropfen: Ich bin hinterher (mental) total erledigt – wegen der Sprache. Der Vermieter spricht kein Englisch, mein Chinesisch reicht für den Alltag, aber bei längeren Gesprächen wird es echt haarig. Ich verstehe zwar inzwischen relativ viel gesprochenes Chinesisch (wobei ich natürlich oft total daneben liegen kann). Selber sprechen ist und bleibt katastrophal, ich treffe die Töne nicht, vernachlässige Grundregeln des chinesischen Satzbaus… Und abhängig vom Thema fehlt mir natürlich auch immer wieder mal auch das Vokabular. Es ist echt peinlich, dass es nicht besser ist.

Aber trotz dieser Schwierigkeiten kommen wir klar – es lebe die moderne Technik. Seine chinesische App ist meinen Übersetzungsapps nebenbei bemerkt haushoch überlegen… 

Nach dem tränenfeuchten Abend vorher war das genau das richtige Programm für mich. Vom genialen Wetter angefangen, etwas anderes entdecken bzw. mit anderen Augen sehen, raus aus der üblichen Bubble, mit einem Pekinger unterwegs sein – mir hat das gut getan. Trotz des akuten, inzwischen überstandenen Heimwehanfalls – ich bin nach wie vor, trotz und wegen allem immer noch gerne hier. Bin noch lange nicht fertig mit Peking und China, gibt noch so viel zu entdecken. Und ich bin echt froh darüber, dass ich das alles erleben kann. 

 

Die Regenzeit scheint hinter uns zu liegen (hoffentlich), die Temperaturen sind etwas angenehmer, die Luft dazu ganz okay – nichts wie raus, Zeit für einen Spaziergang am Shichahai.

Zuerst stoppe ich aber  noch an Trommel- und Glockenturm.

Glockenturm

Auf dem Platz zwischen den beiden Türmen tobt das Leben. Chinesische Popsongs untermalen das Ganze, getanzt wurde (noch?) nicht.

Trommelturm

Ein junger Mann bringt Kindern Inlineskaten bei. Sicherheitshalber haben manche Kinder nicht nur die auch in Deutschland übliche Schutzausrüstung, sondern obendrein ein Kissen unter den Po geschnallt.

Ich bin ja immer wieder entzückt und begeistert von der Vielzahl der verschiedenen Fahrzeuge, die hier in Peking fahren. Mit diesen Tuktuks/Elektro-Dreirädern (die es in 1000 verschiedenen Varianten gibt) kann fast jeder bis ins hohe Alter mobil bleiben.

Tuktuk – Warum gibt es die eigentlich nicht in Deutschland?

Von den Türmen aus gehe ich weiter zum Shichahai. Sieht das nicht ruhig und friedlich aus?

Shichahai

Das täuscht allerdings. Es ist hier ganz und gar nicht so ruhig, wie das Bild vom Steg vermuten lässt, denn rings um den See steppt der Bär.

Viel los am Shichahai

Obwohl es noch relativ früh ist, sind die Bars offen, überall spielen Live-Bands.

Live-Musik am Shichahai

Auf beiden Seiten des Sees ist richtig Trubel, aber auch  in den Hutongs links und rechts.

Blick vom See Richtung Glockenturm

Die Maskenpflicht ist outdoor aufgehoben! Peking meldet heute zwei Wochen ohne Corona-Neuinfektionen. Trotzdem trägt deutlich mehr als die Hälfte der Menschen, die mir heute begegnet sind, weiterhin eine. Ich auch.

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Liangma Fluss. Die Bauarbeiten zwischen Maizidian und Xindong Road sind praktisch abgeschlossen. Der Fluss war ein? zwei? Jahre trockengelegt worden, um ein Upgrade verpasst zu kriegen. Holzbohlenwege säumen das Ufer, schnieke Beleuchtung wurde installiert – und auch hier ist richtig was los.

Am Liangma Fluss

Ja, das lässt sich alles gerade gut aushalten. So sehr ich mich immer über den Frühling und das Ende des Winters freue, so schön ist Peking von Mitte August bis Mitte/Ende Oktober. Danach wird’s kalt… Im Hochsommer bremsen mich halt oft übermässige Hitze oder der Regen aus. Von daher kommt jetzt die Zeit zum Genießen, wenn es weiterhin keine Corona-Neuinfektionen gibt, ist das Leben hier dann wirklich beinah normal. :)

Am 15. August 2015 haben wir uns von Hamburg verabschiedet und uns auf den Weg nach Peking gemacht. Am Tag drauf sind wir in Peking angekommen. Heute beginnt demnach unser 6. Peking-Jahr.

Rückblick:

Die erste Hälfte vom 5. Peking-Jahr war wie die vorhergehenden Jahre auch abwechslungsreich mit vielen Highlights, für mich unter anderem meine Reise nach Luoyang, die vielen Ausflüge, ob allein, zu zweit oder in Gruppen. Vor Weihnachten war der Große zu Besuch, zu Chinesisch Neujahr der Mittlere mit Freundin.

Tja, und ab Chinesisch Neujahr war dann nichts mehr normal. Nicht mal unsere schräge, anstrengende, aber niemals öde Peking-Normalität. Anfänglich wusste man und wussten wir noch viel zuwenig über dies Virus, so dass es allein durch das Unbekannte beängstigend war. Die Maßnahmen hier kamen fix und konsequent: Social distancing, Maskenpflicht, Zugangsbeschränkungen zu den Wohngebieten, Temperaturchecks, Schließung von allen Locations, wo zuviele Menschen zu dicht aufeinander kommen…

Fühle ich mich als Ausländerin in China sowieso schon sehr auf die Familie zurückgeworfen (weil man hier halt nicht das über Jahrzehnte gewachsene Familien- und Freundes-Netzwerk hat), hat sich das durch Corona potenziert.

Als es hier dann keine Neuinfektionen mehr gab und die Schule immerhin vorübergehend ihre Pforten wieder öffnen durfte, Compounds auch wieder von Nicht-Bewohnern betreten werden durften, wurde das Leben für mich wieder gefühlt einfacher. Zwar weiterhin mit Maske und „Beijing Health App“ etablierte sich doch eine neue Normalität, in der man sich z.B. wieder verabreden kann, aber auf Bussi-Begrüssung etc. verzichtet. Okay, für mich Nordlicht ist letzteres sogar ganz angenehm. ;)

Was noch fehlt: das Reisen. Dass während einer Pandemie „stay where you are“ das Schlauste ist, hab ich als Katastrophenfilm-Junkie verinnerlicht. Trotzdem fehlt es mir, Besuch zu bekommen – und der Heimaturlaub erst Recht. Ich war jetzt über ein Jahr nicht in Deutschland, ebenso lange habe ich viele enge Freunde und Teile der Familie nicht gesehen. Reisen, um den Horizont zu erweitern und Abstand zu bekommen, fehlt mir zwar auch, aber darauf lässt es sich leichter verzichten.

Zum Schuljahresende hieß es auch wieder Abschied nehmen – anders als gewohnt nur im kleinsten Kreis, keine Klassen-, Schul- oder Sommerfeste, wo das auch immer seinen Platz hatte. Aber dadurch, dass manche nach den verlängerten Neujahrsferien in Deutschland oder anderswo fest sassen, gab es oft auch gar keinen richtigen Abschied.

Ausblick

Jetzt neigen sich die Schulferien dem Ende zu. Am 24. August geht es erstmal wieder mit Online-Schule los, jahrgangsweise gestaffelt ab dem 31. August dann auch wieder Offline. Diesmal klappt es mit der Umsetzung der diversen Regeln hoffentlich besser, war ja auch jetzt mehr als genug Zeit, das vorzubereiten. Nähere Infos folgen sicher im Lauf der Woche per Mail.

Aktuell hat Peking seit 9 Tagen keine Neuinfektionen, noch 3 Infizierte sind im Krankenhaus. Es wird vermutlich immer wieder mal Ausbrüche geben, so wie kurz vor den Ferien den am Xinfadi-Markt. Aber jetzt wissen wir, dass mit (teilweisen) Schulschließungen, Isolation von Wohngebieten, Quarantäne von allen, die auch nur in der Nähe waren, das relativ zügig wieder eingedämmt werden kann. Damit lässt es sich leben.

Es zeichnet sich ab, dass China die Grenzen für Ausländer so langsam wieder öffnet, wenn auch erstmal für die, die hier arbeiten und leben. Sicher irgendwann auch wieder für Besucher und Touristen, aber das sicher nicht ohne Kombi aus Tests und Quarantäne, so richtig attraktiv wird eine China-Reise also erstmal nicht. Viele haben Peking – ob planmäßig oder vorzeitig – verlassen, viele kommen nicht zurück, das hat große Lücken hinterlassen. Schön, wenn es dann wenigstens ein paar Neuankömmlinge gibt.

Wenn denn tatsächlich der Unterricht auch wieder in der Schule stattfindet, wird sich unser Leben deutlich normalisieren. Was uns nicht fehlt: frühes Aufstehen, von uns aus könnte Schule auch von 10-18 Uhr statt von 8-16 Uhr sein… 

Mit Maske, Abstand, Temperaturchecks und Health App läuft der Alltag ab Schulstart dann vermutlich-hoffentlich annähernd normal. Nur auf ein paar Highlights im Jahresablauf werden wir verzichten müssen: keine Welcome-Party, keine Projektwoche in der Schule, keine (größeren) Gruppenausflüge, keine Klassenreisen (und keine China-Reise für mich), keine Weihnachtspartys, kein Weihnachtsbasar. All die vielen Gruppenaktivitäten und Veranstaltungen waren für mich ein attraktiver Bestandteil des Peking-Lebens. Muss jetzt halt erstmal ohne gehen. Das Schwerste ist tatsächlich, keinen Besuch aus Deutschland bekommen oder selbst dorthin fliegen zu können.

Und so gerne ich „mein Hamburg“ wiedersehen würde (und noch lieber manche Menschen dort), bin ich doch froh, dass ich mich nicht direkt mit Maskenmuffeln auseinandersetzen muss oder überlegen muss, wie ich die Jungs zuhause behalten kann, weil ich den Schulbesuch in Hamburg derzeit nicht für sicher halte (trotz infizierter Schülerin in einer Schule wird nicht mal der Jahrgang unter Quarantäne gestellt – undenkbar aus hiesiger Perspektive). Da fühle ich mich derzeit tatsächlich sicherer hier.

Trotz Corona will ich das Beste aus der Situation und meinem 6. Peking-Jahr machen. Gibt immer noch mehr als genug zu entdecken und zu erleben – selbst unter Corona-Bedingungen. Der Weg liegt vor mir, ich muss ihn nur gehen.

Rückblicke der letzten Jahre: 201920182017

Heute war es zwar wieder viel zu heiß, auch abends noch. Aber die Luft war gut, das Licht war toll – also habe ich mir die Kamera umgehängt und bin einfach mit dem Scooter drauflos getuckert. War mal wieder höchste Zeit für eine abendliche Kontrollrunde. ;)

Und doch wieder Drama-Himmel

Erstmal in Richtung CBD losgefahren. Auch wenn derzeit nichts normal ist, der Verkehr ist es inzwischen wieder, zumindest abends.

Feierabendverkehr

Die Lange Unterhose und der Zhongguo Zun fesseln mich immer wieder. Sind halt schon sehr coole Gebäude.

CBD-Ostseite: Zhongguo Zun und Lange Unterhose (CCTV-Hauptquartier)

Dann biege ich aber Richtung Westen ab und komme an der „kleinen“ Kreuzung Dongdaqiao/Chaoyang North Road vorbei. Auf dem großen Monitor läuft einiges querbeet: marschierendes Militär, Restaurantwerbung, Corona-Verhaltenshinweise…

Dongdaqiao

Ein kurzes Stück weiter befindet sich der Dongyue Tempel, der natürlich schon geschlossen ist, außerdem ist eh Montag (= fast alles dicht). Trotzdem ein schöner Anblick. Und ich sollte mal wieder während der Öffnungszeiten hingehen.

Dongyue Tempel

Dann lasse ich mich einfach weitertreiben, Richtung Dongsi.

Zwischendrin immer wieder mal Musik und tanzende Ayis an kleinen Plätzen. Nur die Masken erinnern daran, dass nicht alles normal ist.

Dancing Ayis

Die Dongsi North Street ist links und rechts „eingekerkert“, hier wird irgendwas gebaut. Das ist mir bisher gar nicht so aufgefallen, aber es zieht sich komplett bis zur Kreuzung Beixinqiao so durch.

Dongsi North Street

Von Beixinqiao geht es weiter in Richtung Lama-Tempel. Oh mein Gott! Auf der Yonghegong-Straße tobt das Leben. Hier wird getanzt, gespielt, der würzige Geruch von Chuan’r (gegrillte Fleischspieße) liegt in der Luft. Hach, mein Peking… (Keine Bilder, ich musste das einfach so direkt genießen. Ich muss da die Tage mal gezielt zum Fotografieren hinspazieren.)

So langsam werde ich von Mücken aufgefressen und will nach Hause fahren, verhedder mich aber wie immer an der Nord-Ost-Ecke vom 2. Ring unter den diversen Brücken… Von dort führen echt viele Wege nach Sanyuanqiao – der direkte Weg ist Autos vorbehalten.

Aber als ich die Lotusleuchten auf dem Grand Metropark Hotel sehen, weiß ich auch ohne Navi-App wieder wo ich bin. Als Bonus gab es den Vollmond dazu. :)

Vollmond über Sanyuanqiao

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine „Schnipsel“. Dieses Mal: Müll und Minibrand, Wollmarkt, Wetter.

Müll und Minibrand

An dem Tag, an dem unsere Klimaanlage geschrottet worden ist, hat ein besonders schlauer Raucher seine Kippe in eine Mülltonne geworfen und damit einen kleinen Brand im Nachbarturm ausgelöst. Zum Glück war dieser Dank dort schon fertig erneuerter Feuerlöschanlage schnell gelöscht. Wir haben auch erst Tage später davon etwas mitbekommen – durch die nun eingeführten Änderungen: Mülltonnen raus aus den Treppenhäusern! Seh ich ein, Sicherheit geht vor.

Zeitgleich wurde nun die inzwischen auch in Peking angekommene Mülltrennung direkt in den Haushalten eingeführt: kitchen/food, residual , recycable, hazardous. Die Standortfrage der Tonnen ist noch nicht richtig gelöst, alle paar Tage sucht man nun mit dem Müll in der Hand nach den Tonnen. Es ist halt eine Umstellung, fix vor die Apartmenttür stellen oder 20 Minuten Müllspaziergang. Das Richtige zu tun ist halt nicht immer das Bequemste.

Braucht jemand ’nen Schlauch?

Aber auch in unserem Turm ist die Anlage nun komplett erneuert, und das ist durchaus beruhigend.

Wollmarkt

Vor ein paar Tagen war ich das erste Mal auf dem Wollmarkt. Für die, die das noch von früher kennen: das Schild „Wool City“ gibt es nicht mehr. Dafür ist an der Ecke jetzt ein McDoof.

Wollmarkt – Eingang

Leider bin ich ein bisschen enttäuscht. Das liegt nicht daran, dass mehr als die Hälfte der Geschäfte dort geschlossen sind, sondern auch die Qualität (fast alles mit Kunstfaseranteil) und die Auswahl sind recht begrenzt, die Preise sind allerdings günstig bis okay. Außerdem hier erhältlich: Stoffe, Kleidung und ganz wenig Accessoires (Knöpfe, Borten, Reißverschlüsse etc.). Wenn man auf das in die Hand nehmen verzichten kann, bieten jindong oder taobao sicher mehr Auswahl.

Das einzige, was sich richtig ins Gedächtnis eingebrannt hat: diese beeindruckende Auswahl verschiedener Mopps.

Moppsauswahl

Pandemiebesonderheiten: Temperatur- und Health App-Check am Eingang, maximal 3 Personen pro Geschäft. Viele Geschäfte geschlossen.

Wollmarkt

Adresse:

Anningzhuang Donglu (west of Qinghe Xiaoying Qiao), Haidian District, Beijing
地址: 北京市清河毛纺城, 海淀区清河镇安宁庄东路(近清河小营桥) –  Wolle im 3. und 4. Stock – Täglich geöffnet, 09:30-17:00

Wetter…

Gefühlt regnet es in diesem Sommer bisher häufiger und heftiger als in den Vorjahren. Statistiken dazu kenne ich (noch?) keine. Jedenfalls war es gestern wieder so weit. Den ganzen Tag schon grau und dunstig, nachmittags wird es dann plötzlich noch dunkler und es fängt an zu schütten, und das richtig heftig. Ordentlich Wind dabei, so dass der Regen von allen Seiten kam. Normalerweise bleibt man dann besser drinnen, denn heftiger Regen in Peking kann durchaus gefährlich werden. 2012 sind 77 Menschen im Stadtgebiet ertrunken, nachzulesen hier im Beijinger. Jenseits des Zentrums in den Bergen besteht die Gefahr von Erdrutschen.

Gestern war zuhause bleiben aber keine Alternative, denn ich war ein letztes Mal mit einer Freundin zum Kaffeetrinken verabredet, die Peking heute verlassen wird. Unten in der Lobby war aber klar, dass rausgehen jetzt nicht so gut ist. Trotz Sandsäcken und fleißigen Ayis im Einsatz wurde die Pfütze immer größer.

Ayis und Sandsäcke kommen nicht gegen die Fluten an

Meistens sind die Regenschauer hier ja schnell vorüber, so haben wir unsere Verabredung nur eine halbe Stunde geschoben. In der Tat ließ der Regen nach und ich bin los gelaufen. Wasserfeste Trekkingsandalen haben doch ihre Existenzberechtigung in der Millionenmetropole, denn das Wasser stand weiterhin in den Straßen. Ich war gerade drei Minuten unterwegs, da gingen die Schleusen wieder auf und wegen des blöden Windes bin ich trotz Schirm ordentlich nass geworden. Bei 31 Grad wird einem dann aber nicht kalt. ;)

Neu angelegter Tümpel an der US-Botschaft… ;)

Ich musste dann noch an der US-Botschaft vorbei schwimmen, dann war ich im Café, wo die Klimaanlage zum Glück nicht auf Maximum gestellt war und ich schnell wieder trocken war. 

Da gestern niemand zu Schaden gekommen ist, kann ich es ja zugeben: war einer der coolsten Nachmittage seit langem.

Die chinesische Wirtschaft soll mit verschiedenen Maßnahmen wieder angekurbelt werden. Gleichzeitig ist Sicherheit ganz wichtig. Also gibt es nun sowohl eine gesetzliche Verpflichtung für moderne Feuermelde-Anlagen samt Notausgangs-Beschilderung wie gleichzeitig staatliche finanzielle Unterstützung bei der Installation oder Modernisierung derselben. So wurde es mir hier im Compound zumindest erzählt.

Tagelang waren Arbeiter im gesamten Komplex in den Treppenhäusern und Fluren unterwegs, haben große Löcher in die (abgehängten) Decken gesägt und kleine Löcher in die Wände gebohrt, Leitungen verlegt und so weiter. Letzten Freitag wurde dann auf unserer Etage gewerkelt und gebohrt.

Dann machte es nachmittags „plopp“ und unsere Klimaanlage ging aus. Sicherung rausgesprungen.

Sicherung ging nicht wieder rein.

Klimaanlage ging nicht wieder an.

Tja, es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein neues Sicherheitsfeature installiert werden soll, dabei aber Leitungen angebohrt werden. Der Kurzschluss hat „nur“ unseren Klimaanlagen-Kondensator gekillt, aber immerhin keinen Brand ausgelöst (Die Leitung ist inzwischen repariert worden, uff. Sonst müssten wir womöglich direkt die neue Warnanlage oder die neue Notausgangsbeschilderung testen…)

Neue, beleuchtete Notausgangs-Schilder gibt es auch.

Es dauert – und es wird heiß in der Bude

Unser Vermieter hat sofort einen Worker vorbeigeschickt, der eine Stunde vor sich hin werkelte und dann sagte: Ersatzteil muss bestellt werden. Vermieter brachte abends noch lauter Ventilatoren vorbei, die immerhin etwas Erleichterung gebracht haben. Trotzdem: Die Temperatur stieg und stieg. Nächtlicher Durchzug bei 26 Grad draußen brachte etwas Erleichterung – und ein Rudel Mücken, ich bin wieder von Kopf bis Fuß zerstochen. Immerhin übertragen die Mistviecher hier weder Denguefieber noch Malaria.

Auch am Wochenende wurde weiter gearbeitet, ein weiteres Ersatzteil fehlte, das kam gestern, und es wurde wieder stundenlang gewerkelt. Endlich, nach vier langen Tagen mit 30-35 Grad im Apartment und drei schlaflosen Hitze-Nächten können wir seit gestern Abend die Segnungen einer funktionierenden Klimaanlage dann auch wieder richtig schätzen. Als ich heute Morgen ausgeschlafen und fit wieder auf den Beinen war, hab ich erst richtig gemerkt, wie sehr mich die Hitze ausgeknockt hatte.

Anstrengende Begleiterscheinungen

Das Timing war sensationell – Freitag war laut chinesischem Kalender der Beginn der „Großen Hitze“, 大暑, Dàshu. Und tatsächlich ist es derzeit entsprechend heiß, selbst mit funktionierender Klimaanlage kann das schlauchen. Und ohne… 

Der Vermieter war fast die ganze Zeit da, um die Arbeiten zu beaufsichtigen – und sich mit mir zu unterhalten. Er ist wirklich nett, wir werden demnächst auch zusammen frühstücken gehen (und den bereits angedachten Familienausflug zum ältesten Pekinger Tempel irgendwo in den Bergen machen). Aber stundenlang auf Chinesisch zu kommunizieren (zum Teil mit Hilfe von Übersetzungsapps) ist normalerweise schon unheimlich anstrengend. Aber sich in der schwierigsten Fremdsprache, die man je lernen musste, zu unterhalten, wenn einem die Hitze das Hirn kocht, da platzt einem irgendwann der Schädel.

Ich bin ja einerseits immer total fassungslos-begeistert, wie viel ich selber inzwischen verstehe – und andererseits total gefrustet, weil mein aktiver Wortschatz dahinter deutlich zurückbleibt oder wenn nach Blick auf die App klar wird, dass ich etwas eigentlich hätte verstehen müssen bzw. selber sagen können. Und über Grammatik und Aussprache reden wir besser gar nicht erst.

Nächste Woche blüht mir das noch mal, dann werden die in Folge der Reparaturarbeiten beschädigten abgehängten Decken in Küche und Abstellkammer repariert. Solange sollen wir erstmal beobachten, ob die Anlage jetzt fehlerfrei und ohne zu tropfen läuft (das hatten wir ja vor kurzem erst, das wurde aber am selben Tag noch repariert). 

Lang lebe das Handwerk!

Auch in der Umgebung wird gearbeitet

Das Hotel gegenüber hat wohl auch was an der Klimaanlage erneuert. Das sah dann so aus:

Ohne Netz und doppelten Boden – ungesichert…

Da sind die Fensterputzer (die demnächst kommen müssten) tatsächlich besser gesichert. Und das ist beim Zugucken schon immer Nervenkitzel genug.

Wie auch immer: langweilig wird es hier nie.

Ich wäre inzwischen aber mehr als bereit für positive Abwechslung. Da sind „2 Wochen ohne lokale Neuinfektionen in Peking“ schon mal ein guter Anfang. Und auch gut, dass unser Nordtor am Compound morgen wieder geöffnet wird oder dass  jetzt einige bisher noch geschlossene Bars und Restaurants und auch Kinos wieder aufmachen dürfen und sogar – unter bestimmten Bedingungen – Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen wieder stattfinden dürfen. Das sind wohltuende Erleichterungen, aber nicht mit Normalisierung verwechseln. Maskenpflicht, Abstandsgebote, Health App(s), Temperaturchecks, Kontaktdaten angeben etc. gehören hier weiterhin zum Corona-Alltag.

 

 

 

Ich habe sicher schon erwähnt, dass ich unser Stadtleben sehr mag? Auch wenn wir keinen tollen Blick über den Chaoyang-Park oder zum CBD mit den ikonischen Gebäuden wie der Langen Unterhose oder dem Zhongguo Zun haben, die Lage ist für uns trotzdem super. Und was die Aussicht angeht: das mögen zwar keine Postkartenansichten sein, aber es gibt immer was zu gucken!

Nur ein paar Minuten bis zur Schule (wird ja irgendwann wieder relevant sein…), ein langer Spaziergang zur Arbeit, mit dem Scooter (fast) alles in Reichweite – was will man mehr. Jetzt muss sich nur noch das blöde Virus in Luft auflösen, dann ist es wieder perfekt.

Jedenfalls, auch wenn ich aus dem Apartment nicht die tollen Postkartenansichten hab, so ist trotzdem immer was los und was zu sehen.

Zum Beispiel morgens beim ersten Kaffee auf dem Balkon – plötzlich rasen lauter Polizeiautos herbei und umstellen das Bürohochhaus gegenüber.

Oder der Blick auf die Baustelle. Das ist inzwischen die vierte Fundament-Etage.

Heute Abend gab es was mit Seltenheitswert: Wolken am Himmel. So richtig schön dramatisch. Wir kennen hier ja sonst entweder nur smoggy-grau oder quietsch-blau.

Richtung Westen

Norden! Man beachte die Berge! Das heisst: die Luft ist (endlich mal wieder) gut!

Nordosten.

Nordwesten etwas später. Drama Baby, Drama! ;)

Und zum Schluss noch mal in Richtung Norden. „Your favorite color is orange; Not a bright orange, but a soft orange, like the sunset.“ (Suzanne Collins, Tribute von Panem). Ja, kann ich nachvollziehen.

Das Schuljahr und damit unser fünftes Peking-Jahr gehen zu Ende. Corona-Ferien stehen vor der Tür.

Eigentlich hatte ich mir für dies Jahr soviel vorgenommen: jeden Tag ein (ordentliches) Foto auf Pekingfotos zeigen, ein- bis zweimal in der Woche bloggen (und ein paar Vorhaben mehr). Und dann kam Corona… Zwischenzeitlich lähmt es mich einfach nur, da funktioniere ich so vor mich hin. Für die Jungs da zu sein, das geht immer, da gibt es aber auch so viel zurück, so dass das meine leichteste Übung ist.

Aber darüberhinaus ist es tatsächlich gerade oft schwierig. Für Kreativität fehlt jegliche Energie und innere Gelassenheit. Ich habe keine Schreibblockade, ich schreibe weiterhin täglich. Aber ich mag es nicht veröffentlichen – entweder es ist zu zornig, zu jammernd, zu intolerant. Hoffnung, Zuversicht, Humor – kommt viel zu kurz. Der Optimismus, der mich schon durch viele Krisen (wenn bisher auch noch durch keine Pandemie) getragen hat, hat Sprünge bekommen. 

Fünf Jahre Peking

Mit dem Ende des Schuljahres geht auch unser fünftes Jahr in Peking zu Ende. Die erste Hälfte war wieder voller toller Erlebnisse und Erfahrungen, Reisen und Ausflügen und Besuch aus Deutschland.

Die zweite Hälfte davon war durch Covid-19 geprägt.

2020 haben die Jungs keine fünf Wochen die Schule von innen gesehen: drei Wochen im Januar, acht Tage im Juni. Der Online-Unterricht war lehrerabhängig sehr unterschiedlich, wir hoffen sehr, dass das nach den Ferien besser ist.  Noch ist offen, wann die Schulen in Peking wieder öffnen dürfen. Obendrein ist damit zu rechnen, dass bei erneuten Ausbrüchen (und seien sie noch so klein) Schulen wieder geschlossen werden. Online-Unterricht wird also weiterhin ein Thema sein.

Corona-Ferien. Der Heimaturlaub fällt aus.

Jetzt fangen aber erstmal zwei Monate Ferien an. Ohne die gemischten Gefühle und das Schulhofgewimmel am letzten Schultag: letzte Goodbyes und Abschiede, aber auch Vorfreude auf viel freie Zeit und Reisen. Fällt alles aus. Jetzt ist da nur ein bisschen Erleichterung, dieses seltsame Schuljahr zu Ende gebracht zu haben. Und ja, bei den Jungs ist doch auch Freude auf zwei Monate ohne Schulaufgaben.

Urlaubsreif wie schon lange nicht mehr, fällt Reisen derzeit für uns aus – wir kämen nicht mehr nach Peking zurück. 

Pekinger Hitzesommer mit an die 40 Grad, Pools müssen weiterhin geschlossen bleiben, Provinzwechsel nicht angeraten (ich möchte nicht, weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort bin, in einem Quarantänehotel landen, mit genügend Lesestoff könnte ich das allein schon wuppen, aber mit den Jungs dabei? Alptraumvorstellung.). Viele Sehenswürdigkeiten geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich. Trotzdem, irgendwas wird uns schon einfallen.

Die Nachwuchsnerds halten endloses Zocken und vorm Computer hocken zwar für ein tolles Ferienprogramm, aber ich werde sie aus ihren Höhlen locken und der Sonne aussetzen, am Ende verwandeln sie sich sonst doch noch in Vampire…

Goodbye-Season in Corona-Zeiten

Ich fühle mit denen, die Peking jetzt verlassen, wobei da auch jeder seine eigene Geschichte und Wahrnehmung hat: die einen sind erleichtert, dass sie endlich wegkommen, andere sind wehmütig, weil wegen Corona alles so anders ist als das, an was man sich hier gewöhnt und darauf gefreut hatte. Mal abgesehen von der ganz normalen Wehmut, wenn man einen Lebensabschnitt beendet. Wieder andere wollen/müssen weg, und haben noch keinen Flug.

Keine Sommer-/Abschiedsfeste, keine Gruppenausflüge, keine China-Rundreisen zum Abschluss. Und es ist tatsächlich ein Riesenproblem, überhaupt einen Flug nach Deutschland zu bekommen, mal gar nicht zu reden von „bezahlbar“. Von Peking direkt geht das derzeit eh nicht, nur von Shanghai aus. Mit Glück kommt man über Kopenhagen, Zürich oder Wien z.B. nach Europa. Die Flugpreise sind weiterhin jenseits von gut und böse: Google Flights hat mir gerade den Schnäppchenpreis von über 7000 Euro für einen Flug nach Hamburg gemeldet. Pro Person. Eco.

Für uns, die wir zurückbleiben, fehlen die Sommer- und Abschiedsfeste auch. Hier war immer die Gelegenheit, sich von Menschen zu verabschieden, mit denen man vielleicht nicht enger befreundet war, aber mit denen man doch ein Stück gemeinsamen Weges hinter sich hat. Das fehlt. Sehr.

Und konnte man sich in den letzten Jahren immerhin darauf freuen, dass es nach den Sommerferien wieder viele Veranstaltungen und Gruppenausflüge geben würde, also auch viele Gelegenheiten Neuankömmlinge kennenzulernen, fehlt diese Perspektive.

Nicht nur, weil noch völlig offen ist, was im Rahmen von Anti-Corona-Maßnahmen möglich sein wird. Sondern auch, weil es kaum Neuankömmlinge geben wird: bis Oktober gilt noch das Einreiseverbot für Ausländer (das kann durch die Charterflüge für „Essentials“ plus Angehörige auch nicht wirklich aufgefangen werden). Es kommen überhaupt weniger Expats nach China, die Schule vermeldet nur eine Handvoll Neuanmeldungen. Die deutsche (und internationale) Community schrumpft.

Gewitterstimmung

Tatsächlich passen Stimmung und Wetter gerade gut zusammen. Aufgeheizt, drückend,  angespannt.

Hier ist es heiß, schon geraume Zeit über 30 Grad, oft näher an den 40 als an den 30. Und schwül dabei, also auch gelegentliche Gewitter. Gestern war es noch zu hell, heute hat es erst nachmittags, aber dann auch abends noch mal gewittert, und ich habe immerhin ein halbwegs brauchbares Bild schießen können.

Gewitter über Peking

Den ganzen Tag lastet die schwüle Hitze auf einem, bremst einen aus. Aber nach dem Gewitter, abgekühlte frische Luft, die selbst mitten in Peking gut riecht, da ist der Kopf dann wieder freier.

Was fehlt ist das Corona-Gewitter. Impfung, kuratives Medikament, Mutation hin zum harmlosen Erkältungsvirus, was auch immer. Das liegt leider noch nicht in der Luft. Aber es ist so, wie es ist. Immerhin sind wir und unsere Familie und Freunde gesund. Hoffentlich bleibt das so, angesichts der Entwicklungen in Deutschland machen wir uns da schon große Sorgen. Nur weil wir keinen Bock mehr haben, wird das Virus nicht verschwinden. Hilft alles nichts, wir müssen uns arrangieren und sehen, wie wir das Beste aus der Situation machen. Wird schon. Irgendwo wird sich doch noch ein Zipfel Optimismus finden lassen.

Welche Schule?

Wenn man mit schulpflichtigen Kindern ins Ausland geht, ist die Frage „welche Schule“ eine der wichtigsten. Wir haben uns vor vier Jahren Gedanken dazu machen müssen. Nachdem ich gelesen hatte, dass es eine deutsche Schule in Peking gibt, habe ich mich damals gar nicht weiter um die anderen internationalen Schulen hier gekümmert. Der Schritt von Hamburg nach Peking ist groß genug, da muss man es Kindern mit zum damaligen Zeitpunkt nur mäßigen Englisch nicht unnötig schwer machen, dachte ich damals und denke ich heute noch. Ich hab es so nicht erwartet, aber in dem internationalen Umfeld hier verbessert sich das Englisch sowieso ganz von selbst.

Das Ankommen in der Schule ist meinen Söhnen leicht gefallen. Etwas, woran ich vor China gar nicht gedacht habe: hier sind alle neu oder waren es noch vor ganz kurzer Zeit. Die Kinder helfen sich gegenseitig und kümmern sich umeinander. Zumindest in den Klassen meiner Jungs war und ist das so.

Schulwechsel und Anerkennung von Abschlüssen

Auch ein anderer Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen: Da es sich hier um eine anerkannte deutsche Auslandsschule handelt, ist es für die Kinder einfacher, zurück in Deutschland wieder in der Schule anzukommen – und auch der Zugang zu deutschen Unis sollte problemlos klappen. Mit einem internationalen Schulabschluss kann es Probleme geben, wenn die Fächerkombi nicht stimmt oder bestimmte Stundenumfänge nicht erreicht werden. Man muss da jedenfalls sehr darauf achten.

Ganz so schwierig ist es bei einer deutschen Schule nicht. Wenn man allerdings weiß, wohin man in zwei, drei Jahren (zurück-)geht und vielleicht sogar weiß, welche Schule es dann werden soll, dann sollte man ein Auge auf Fächerkombinationen haben. Latein wird an der DSP derzeit nicht als weitere Fremdsprache angeboten, auch nicht als AG – betroffene Familien haben das jetzt privat organisieren müssen, damit ihre Kinder im kommenden Schuljahr in Deutschland an ihr Wunschgymnasium gehen können.

Alternativen?!

Wenn man so wie wir „draußen“ in Shunyi wohnt, werden viele der internationalen Schulen – BSB, ISB, WAB, Dulwich und wie sie alle heißen – interessant, weil sie dichter dran sind. Für die ganz Kleinen gibt es da zum Teil einen deutschen Zweig. Die Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis, die ich bisher aufgeschnappt haben, verleiten mich zu der Einschätzung: Für jüngere Kinder bis zum Ende der Grundschule super, weiterführende Schule eher durchwachsen, hängt extrem an der konkreten Lehrkraft. 

Es ist aber auch immer alles eine Frage des persönlichen Geschmacks und des eigenen Lebensstils. Was ich über den Compound-Chat z.B. mitbekomme über Parents Association und allerlei Events – es ist mir von allem zu viel und in mir wächst das dringenden Bedürfnis „Bad Moms“ fünfmal nacheinander zu sehen. ;)

Aber das bin ich, andere Eltern sind gut zufrieden. Und das ist doch auch schön, dass es eine gewisse Auswahlmöglichkeit von Schulen gibt, selbst Tausende Kilometer von Deutschland entfernt.

Die DSP – Deutsche Botschaftsschule Peking

Deutsche Botschaftsschule Peking

DSP – Deutsche Botschaftsschule Peking

Weg vom Hörensagen, hin zu dem, was ich kenne: Meine Jungs gehen gerne zur DSP. Das finde ich mit 12 und 14 Jahren wirklich positiv. Wäre die Schule schrecklich, wäre das mit Sicherheit anders. Als wir uns vor fast vier Jahren die Schule das erste Mal angesehen habe, waren wir direkt vom Gebäude, der Ausstattung und der Sauberkeit beeindruckt. Okay, es ist halt auch eine Privatschule und da wir hier in China sind, ist es eben möglich, dass Putzkräfte den ganzen Schultag über für Sauberkeit sorgen.

Die Schulbüchereien (!) – eine für die Kleinen, eine für Sekundarstufe und Erwachsene – bieten viel und gut sortierten Lesestoff. Soweit ich das beurteilen kann, sind auch die Fachräume gut ausgestattet für naturwissenschaftliche Experimente, Kunst und Musik. Die Klassenräume sind mit Smartboards ausgestattet, mit denen auch die Kinder ganz selbstverständlich und souverän z.B. im Rahmen von Projektpräsentationen umgehen. 

Die Mensa bietet täglich drei verschiedene Essen („treudeutsch“/westlich, chinesisch, vegetarisch), Salatbuffet ab Klasse 7, fertig zusammengestellte Salate für die Jüngeren, Tagessuppe und Nachtisch. Ein Hauptgericht kostet derzeit 20 oder 25 RMB, d.h. ca. 2,50/3,20 Euro. Das Essen wird frisch in der Schule gekocht. Außer der Mensa gibt es auch ein Bistro, in dem Brezeln, Wraps, belegte Brötchen und auch Muffins, Joghurt und Obst verkauft werden.

Es gibt einen Schulshop, in dem man benötigte Schulmaterialien wie Stifte, Hefte und Mappen kaufen kann, aber auch jahreszeitliche Kleinigkeiten (Osterdeko, Adventskalender…), Bastelmaterialien, Schlampermäppchen, Becher, Shirts u.a. mit dem Schullogo – und Bücher (nicht nur für Kinder).

Foyer - Deutsche Botschaftsschule Peking

Deutsche Botschaftsschule Peking – Foyer

Das Schulleben/Extras ist bunt und bietet außer den AGs viel Abwechslung und Veranstaltungen. Eine Wanderarbeiterschule wird unterstützt, es gibt Adventskalender- und Nikolausaktionen, Vorlese- und Mathewettbewerb, Beteiligung an aus Deutschland bekannten Aktionen (Vorlesetag, Känguru-Wettbewerb).

Nicht zuletzt sieht sich die Schule auch als Anlaufpunkt für die Deutsche Community in Peking. Lesungen und Konzerte und Feste locken nicht nur Schüler und ihre Eltern. Viele Veranstaltungen der Patengruppe starten hier oder finden hier statt.

Die Schule bietet alle deutschen Schulabschlüsse bis zum Abitur an, auch ein Kindergarten und eine Vorschule gehören dazu.

Lange Schultage

Weil wir halt „draußen“ wohnen, ist der normale Schultag lang für die Jungs: Um 6:55 Uhr fährt der Schulbus am Compoundtor ab, gegen 16:30 Uhr trudeln die Jungs wieder ein. Haben sie AGs in der 9.+10. Stunde, wird es frühestens 18:15 Uhr, mit Pech – rush hour halt – später. Da kommt bei mir doch immer wieder die Überlegung auf, doch in Schulnähe umzuziehen. Noch lehnen die Kinder das aber vehement ab. Wir haben es mit unserer Nachbarschaft aber auch gut getroffen – so gut, dass sie lieber den langen Weg in Kauf nehmen als in die Stadt zu ziehen.

Update im Juni 2020: Wir sind jetzt „Städter“

Vor einem Jahr sind wir umgezogen und wohnen so nah an der Schule, dass die Jungs zu Fuß gehen können.

Das war für uns die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.

Es ist nicht nur der Zeitgewinn, das Länger-schlafen-können und das Nicht-mehr-im-Stau-stecken, sondern die Jungs – inzwischen Teenager – sind hier unabhängiger, können sich leichter mit Freunden treffen und sind nicht mehr aufs Mama-Taxi angewiesen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Das schulische Lernen, die Inhalte und Methoden, am Ende die Abschlüsse – alles wie in Deutschland. Manche Lehrer werden lieber gemocht als andere, manche Fächer mag man dafür gar nicht, mit den Kumpeln Spaß zu haben und die Pausen sind am Wichtigsten – kennen wir alles aus Deutschland.

Freiwillige AGs kennen wir auch aus Deutschland, hier sind sie aber wichtiger, weil es nicht 50 verschiedene Vereine und Verbände, Musikschulen, Freizeitzentren gibt.

War es in Hamburg die Ausnahme, dass mal ein neues Kind in die Klasse kam, gilt hier, dass alle neu sind oder es vor kurzem noch waren. Das hilft beim Ankommen (siehe oben).

Smog

Gute Luft in Peking!

So gute Luft ist hier selten. Sehr selten.

In Deutschland wird inzwischen zwar auch über Feinstaubbelastung gesprochen, aber wir leben jetzt in Mega-Smog-City.  Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Schule. Die verfügt über eine gute Luftfilteranlage, die auch an richtig schlimmen Smog-Tagen für atembare Luft sorgt. Das Problem sind Pausen, Sportunterricht und AGs – alles, was nicht drinnen stattfindet. Bisher gab es die Regelung, dass ab einem AQI von 250 keiner mehr raus darf. In den Pausen wird die Sporthalle geöffnet, damit die Kinder sich dort austoben können. So riesig ist die Sporthalle leider nicht und dadurch an Smog-Tagen ziemlich überfüllt. AQI 250 ist der höchste Grenzwert im Vergleich der internationalen Schulen, bei allen anderen liegt es drunter.

Die Luft in Peking ist zwar immer noch oft übel – aber es wird doch von Jahr zu Jahr besser. Aktuell wird der Vorschlag in den Gremien diskutiert, diesen „Grenzwert“ auf 200 abzusenken – den Wert, den die meisten anderen  internationalen Schulen auch haben – und der verglichen mit deutschen/europäischen Grenzwerten immer noch absurd hoch ist.

Update

Inzwischen wurde der Grenzwert auf 200 abgesenkt!

Fazit

Wenn Schulen sich präsentieren, zeigen sie gerne nur die Sonnenseite. Wenn man an einem Punkt nicht ganz überzeugt ist: nachhaken. Noch besser ist es natürlich, wenn man Bekannte hat, die man fragen kann. Bei den großen Arbeitgebern sollte das möglich sein. Dabei nicht vergessen: Meinungen und Geschmäcker sind verschieden, so findet sich hier im Blog natürlich mein Geschmack und meine Meinung.

Und welche Schule soll man denn nun wählen, wenn alles mit den Fremdsprachen machbar ist, die Fahrzeit in Ordnung geht und Übergänge problemlos laufen sollten? Wenn man alle Sachargumente gegeneinander abgewogen hat und auch dann noch zu keiner Entscheidung kommt? Wenn der Kostenfaktor nicht ausschlaggebend ist? Dann könnte man doch auch ein bisschen auf sein Gefühl hören.

Wir haben bei unserem Peking-Kennenlern-Trip die Schule besichtigt. Mir haben die Räumlichkeiten und die Atmosphäre auf Anhieb gefallen und noch wichtiger: auch die Kinder haben sich wohl gefühlt. Das gute Gefühl hat uns bislang nicht getrogen, die Kinder sind gut aufgehoben an der Schule und werden gefördert und gefordert. Natürlich gibt es auch mal doofe Schultage, ungerechte Lehrer und organisatorische Schwierigkeiten. Aber wo gibt es das nicht? Solange es die Ausnahme bleibt: alles ok. Wir würden uns jedenfalls auch aus heutiger Sicht wieder für die DSP entscheiden.

Weitere Informationen über die Deutsche Botschaftsschule auf der Schulwebseite!

Webseite von Schülerinnen für Schüler: dieschuelerpekings.com

Hier gibt es eine durchsuchbare Übersicht über alle (?) internationalen Schulen in Peking.

Und auch bei Beijing Kids findet sich ein „School Choice Guide„. Leider fehlt hier die Deutsche Schule, liegt wohl daran, dass es keinen englischsprachigen Zweig gibt (auch wenn einzelne Fächer auf Englisch unterrichtet werden, bei meinen Jungs Erdkunde ab Klasse 7).

Hinweis

Beitrag aktualisiert im Juni 2020!

 

Im Januar waren die Jungs drei Wochen in der Schule. Dann kam Corona, und seit dem nicht mehr. Mit viel Vorfreude, aber auch gemischten Gefühlen haben wir die Wiedereröffnung der Schule erwartet. Ist es wirklich sicher? Lohnt sich der Aufwand für die knapp vier Wochen bis zu den Ferien? Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Kumpeln hatte die Oberhand. So trafen sich meine Jungs am Dienstagmorgen mit einem Schulfreund und sind zum ersten Mal seit Januar zur DSP – Deutschen Botschaftsschule gegangen.

Homeoffice im Schulgebäude?

Kein Splitten der Klassen nötig, keine Gruppenbildung, kein Schichtbetrieb. Da wäre doch fast normaler Unterricht möglich? Leider nicht, inhaltlich hatte sich schon vor dem Start etwas Ernüchterung eingestellt, als per Mail das Prozedere erläutert wurde. „Unterricht“ findet zwar während der normalen Unterrichtszeiten statt – aber nicht nach Stundenplan, sondern mit Wochenplänen. Nur Sport, Kunst und Musik werden tatsächlich unterrichtet, ansonsten werden die Klassen vom Klassenlehrer und 3 weiteren Lehrern im Wechsel beaufsichtigt. Im Prinzip findet der Online-Unterricht nun in den Schulräumen statt – nur unter schlechteren Bedingungen:

  • Technisch (die Jungs haben Desktoprechner, für die kurze Zeit schaffen wir sicher keine zusätzlichen Laptops an, wenn es dann bald wieder heißt: „in Schönschrift ins Heft“)
  • Hitze – die Klimaanlage darf erst ab 32 Grad im Raum angestellt werden
  • Unterstützung – es stehen zwar viele Fachlehrer zur Verfügung, die aufsichtsführenden Lehrer haben Listen, wer wo zu finden ist. Die Hemmschwelle, das zu nutzen, scheint bei den Kindern aber recht groß – zuhause reicht ein „Mamaaaaa?“
  • Was weiterhin fehlt: Erklärungen und Einordnungen der Lehrer über die Buchtexte hinaus, jetzt nicht mal mehr per WebEx.

Tatsächlich haben es nach 15 Wochen Online-Schule einige Lehrer noch immer nicht geschafft, mehr anzubieten als „Lest Seite 56 und bearbeitet die Aufgaben 1-5“. Achja, eLearning? Guckt bei Anton (oder einer anderen Lernplattform nach) – könnte man auch mit „googelt das halt“ übersetzen. Sagen wir mal so, sich Lernstoff eigenständig zu erarbeiten, haben meine Jungs jetzt wirklich gut drauf. 

Warum ist das so?

Etwa ein Drittel der Schüler ist nicht in Peking und muss natürlich auch unterrichtet werden. Das lief unter dem Stichwort „Doppelbeschulung“. Das sieht nun aber nicht nach doppelt, sondern nach sehr einfach aus, und ich könnte mir andere, deutlich bessere Lösungen vorstellen. Aber für die paar Tage bis zu den Ferien kann man das notfalls halt so machen.

Ein paar Tage bis zu den Ferien? Möglicherweise wird ein Teil der Schüler erst im November wieder zurückkehren können (Einreiseverbot für Ausländer, es werden wohl nicht alle auf die Handelskammer-Charterflüge kommen können). Tja, und deshalb soll das nach den Ferien so fortgesetzt werden. Entschuldigung, das geht gar nicht.

Luft nach oben ist ja immer, und mir ist klar, dass das verglichen mit Schulen in Deutschland jammern auf hohem Niveau ist. Allerdings zahlt man in Deutschland auch keine Schulgebühren. Aber selbst ohne diesen Aspekt: es gibt so viele Möglichkeiten, und es ist ein Jammer, das diese nicht genutzt werden.

Trotzdem sind die Jungs schon sehr froh, endlich wieder zur Schule gehen zu können. Wie für viele andere Kinder ist auch für sie der soziale Aspekt das Wichtigste an Schule. An die besonderen Umstände – Temperaturchecks, Maskenpflicht, markierte Laufwege etc. – kann man sich gewöhnen. Und in drei Wochen sind schon wieder Ferien – die sich zu Corona-Zeiten voraussichtlich viel länger anfühlen werden als normalerweise. Von daher ist es echt gut, dass die Schule wieder gestartet ist. Auf Normalität müssen wir aber weiter warten.

 

Ab und zu erreichen mich Fragen aus Deutschland, wie weit es sich denn inzwischen in Peking/China normalisiert hätte. Das stößt bei mir leider auf wenig Verständnis, denn mein Leben normalisiert sich leider bisher gar nicht. Für Leute, die arbeiten gehen müssen/dürfen, ist das vielleicht etwas anders. Bevor nicht beide Jungs wieder zur Schule gehen, ist für uns aber mit Normalisierung nicht zu rechnen, und bis das Leben wieder richtig normal ist, dürfte wohl noch mehr Zeit vergehen.

Ein Datum für die Wiedereröffnung der Schulen gibt es weiterhin nicht, was heute auch noch mal in einem Elternbrief der Schule mitgeteilt wurde. Ob es nach den Osterferien losgeht? Ich fürchte nicht, befürchte eher, dass die Jungs in diesem Schuljahr die Schule nicht mehr von innen sehen werden. Würde mich extrem freuen, wenn das anders kommt.

Maskenpflicht, überall Temperatur- und Zugangskontrollen; immer mehr Parks, die den Zugang begrenzen,  damit das Abstandhalten möglich bleibt. Für Parks, für die Eintritt zu zahlen ist, wird empfohlen, vorab Tickets online zu kaufen. 

Normalisierung ist auch nicht, dass man sich an das Unnormale gewöhnt hat.

Dass draußen vorm Fenster der Frühling angekommen ist, macht das Drinnenhocken nicht leichter. Vor einem unserer Fenster befindet sich aber auch eine Baustelle, paradoxe Welt, dass man sich freut, dass da wieder gearbeitet wird. Okay, das lass ich als winzig kleinen Schritt in Richtung Normalität gelten. (Gleicht den Rückschritt, dass Chinas Grenzen für Ausländer vorerst komplett dicht sind, aber nicht aus.)

Wenn man nachts wach wird, und es vorm Fenster flackert, dann brennt nicht die Bude ab, sondern auf der Baustelle wird auch mitten in der Nacht noch geschweißt…. 

Quarantine Cook-off, zweite Woche

Der Quarantine Cook-off von The Hutong ging in die zweite Woche. Ich hab wieder mitgemacht, weil es Abwechslung in den Alltag bringt. Food-Fotografie und eine Mahlzeit zu inszenieren und abzulichten anstatt sie zusammen zu genießen – das ist nicht mein Ding und das werde ich auch jetzt nicht anfangen. Aber fix knipsen, das geht. Sieht vielleicht nicht so toll aus, war aber sehr lecker.

MaLaXiangGuo

Das zweite Gericht während des vierwöchigen Quarantine Cook-off von The Hutong: MaLaXiangGuo - Würzig-scharf-duftend-Topf mit einer Vielzahl von frischen Zutaten, Gewürzen und einer Würzpaste “Sichuan Pixian Chilibohnenpaste”.
Gericht: Hauptgericht
Land & Region: Chinesisch
Keyword: Fleisch
Portionen: 4 Portionen

Zutaten

  • 200 g Schweinebauch
  • 100 g Lotuswurzel
  • 100 g Spargelsalat Stammsalat, chinesischer Salat, "lettuce stem"
  • 1 Block Räuchertofu kleiner Block
  • 200 g Broccoli
  • 100 g Bambussprossen
  • 100 g Sellerie
  • 200 g gemischte Pilze Champignons, Enoki, Austernpilze, Seitling... was man halt bekommt
  • 50 g Lauch
  • 10 Knoblauchzehen
  • 15 g Ingwer
  • 1-2 Korianderstiele
  • 3 EL Sichuan Pixian Chilibohnenpaste kann durch Tomatenmark ersetzt werden
  • 1 EL Austernsauce
  • 2 EL helle Sojasauce
  • 1-2 EL Kochwein kann mit Sherry ersetzt werden - oder weglassen
  • 2 TL Zucker
  • 1 TL Salz
  • 100 ml Pflanzenöl
  • 1-2 TL Sesamöl
  • 1 EL Sichuanpfeffer
  • 80 g getrocknete Chilischoten
  • 1 TL Fenchelsamen
  • 3 Stück Sternanis
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 Stück Zimtrinde

Anleitungen

  • Schweinebauch in dünne Scheiben schneiden.
  • Gemüse, Pilze, Tofu und Würzgemüse (Lauch, Knoblauch, Ingwer) kleinschneiden.
  • Koriander grob hacken.
  • Lotus, Spargelsalat und Broccoli kurz blanchieren, abschrecken.
  • Öl im Wok erhitzen, Gewürze hinzufügen, wenn diese duften, die Chilibohnenpaste und den Schweinbauch dazugeben. Ständig rühren!
  • Wenn der Schweinebauch braun zu werden beginnt und das Fett austritt, Knoblauch, Ingwer und Lauch zufügen.
  • Sobald es knofelig duftet, Pilze dazugeben. Etwa zwei Minuten weiterbraten und -rühren.
  • Nun das restliche Gemüse und den Tofu zugeben und weitere 2-3 Minuten braten und rühren.
  • Mit Kochwein, Sojasauce, Austernsauce, etwas Salz und Zucker abschmecken.

Zum Anrichten mit wenig Sesamöl besprenkeln und mit Koriander garnieren. Mit Reis servieren.

    Das Gericht gibt es in unzähligen Varianten, erlaubt ist was gefällt, geht auch mit Hühnchen oder ganz ohne Fleisch. Hier gab es die Woche noch eine vegane Version mit Lotus, Paprika und Pilzen.

    Das war jedenfalls schon etwas anspruchsvoller und aufwendiger als letzte Woche. Jetzt bin ich gespannt, was nächste Woche auf dem Speiseplan stehen wird – das ist auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung im Pekinger Wohnungsknast.

    Osterferien

    Hurra, Ferien. Hurra? Neun Wochen Online-Schule liegen hinter uns bzw. hinter den Jungs, und eine Pause haben sie sich redlich verdient. Aber unseren Corona-Knastalltag wird es nicht wesentlich ändern. Was für ein Unterschied zu den letzten Ferien, den Chinesischen Neujahrsferien, die hier noch begeistert begrüsst wurden. Die Jungs haben dieses Jahr die Schule tatsächlich nur drei Wochen von innen gesehen, im Januar zwischen Weihnachts- und Neujahrsferien. Schaun wir mal, wann es soweit ist, dass sie wieder hinmüssen/-dürfen. Wie gesagt, ich fürchte, dass wir da noch viel Geduld brauchen werden.