Gestern war ein trüber, grauer Tag, und da man sich ja manchmal selbst einfach am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen muss, habe ich kurzerhand doch noch zu “meiner” Kochschule “The Hutong” Kontakt aufgenommen und das Zutatenpaket für deren “Quarantine cook-off” bestellt.

In dieser Woche ging es los: Vier Wochen lang veröffentlicht “The Hutong” ein Rezept und ruft zum Nachkochen auf. Wer mag, kann Fotos bei WeChat Moments oder Instagram veröffentlichen und damit auch an einem kleinen Wettbewerb teilnehmen. Klar, gewinnen ist schick, aber mir geht es gerade um Abwechslung im Alltag und im Speiseplan. Erst hab ich mich geziert, weil diese Woche “pickled Kohlrabi” in Wahrheit nicht so wahnsinnig lecker klingt. Aber wie gesagt, gestern war ein echt mieser Tag, dafür nehme ich dann auch das in Kauf.

Keine Sorge, das wird hier kein Foodblog (ich würde mich sonst auf die Dauer wohl auch eher bei “Worst of Chefkoch” wiederfinden), aber im Moment nehme ich gerne jede denkbare Abwechslung mit, die auch innerhalb der eigenen vier Wände machbar ist. Für mich steht bei dem Event die Abwechslung im Vordergrund, sowohl im Tagesablauf als auch im Speiseplan (wenn es nach den nimmersatten Teenagern geht, würde es hier abwechselnd nur Pasta Bolognese, Hühnerfrikassee, Kung Pao Chicken, Kartoffelsuppe mit Würstchen und Schnitzel geben – bloß nicht zu viel giftiges Gemüse…).

Heute Morgen bin ich dann für Wohnungsknast-Verhältnisse früh aufgestanden, weil ja mit der Lieferung zu rechnen war. Erster Blick aus dem Fenster (leider nicht für die Nachwelt festgehalten): guter Tag, Berge sehr detailliert in Sicht = gute Luft. Zwar immer noch grau, nachts hatte es geregnet, aber im Vergleich zu gestern schon ein recht charmantes hellgrau… ;) 

Auf dem Weg zur Kaffeemaschine der Blick auf meine Tulpen, die ich am vergangenen Wochenende gekauft hab – achja, ein paar Blümchen müssen sein.

Indoor-Frühlingsboten

Etwas später kam die SMS, dass die Lieferung gestartet ist – könnte ich besser chinesisch lesen, hätte ich das live tracken können. So kann ich nur schätzen (bin aber selbst oft genug mit dem Scooter von hier nach dort unterwegs gewesen), und bin rechtzeitig in Jack und Büx, so dass ich sofort losstürmen kann, als der Anruf kommt:
“Bin da, aber das Tor ist zu.”
“Bitte geh zum Haupttor, das Südtor – ich komme runter”
“Okay!”
Dasss ich mit meinem Pidgin-Chinesisch sogar mal am Telefon so halbwegs klar komme, hätte mir vor kurzer Zeit auch keiner prophezeien können…

Ich düse runter, nehme am Tor die Tüte mit den Zutaten in Empfang, mache noch einen Abstecher zum Briefkasten (wie immer: nix) und zum täglichen Smalltalk mit dem Shopbesitzer und fahre wieder nach oben, zurück in den Knast.

Ich packe aus: Gehacktes vom Schwein, Paprika und der ominöse “pickled Kohlrabi”. Kann man natürlich auch alles selbst einkaufen, aber ich hänge am “The Hutong” und unterstütze die jetzt von Herzen gerne (mal abgesehen davon, dass ich nach dem Kohlrabi echt lang gesucht hätte).

Am späten Nachmittag stürme ich dann mein Kochloch – Küche kann man den winzigen Raum kaum nennen, reicht uns normalerweise, denn wir sind hier ja in Peking: man isst auswärts und braucht die Küche außer zum Kaffee kochen nur ausnahmsweise. Dass uns diese blöde Seuche samt aller Konsequenzen hier erwischt und wir wie Millionen von Chinesen plötzlich fast ausschließlich selbst kochen, hätte ja auch keiner für möglich gehalten.

Yunnan Hei San Duo

Diese Woche gibt es Yunnan Hei San Duo (Yunnan Schwarz Drei Kleingeschnippeltes): Ein Klassiker aus Yunnan, schwarz nach dem pickled Kohlrabi, drei Zutaten: Pork, Paprika, pickled Kohlrabi, alle kleingeschnippelt.

Zutaten:

  • 250 g Gehacktes vom Schwein
  • 1 große grüne Spitzpaprika
  • 1 große rote Spitzpaprika
  • 100 g kleingehackter Yunnan pickled Kohlrabi  (kann durch kleingehackte Tomate ersetzt werden, wird milder im Geschmack und hong statt hei – rot statt schwarz).
  • 500 g Eisbergsalat oder Kopfsalat
  • 1 Esslöffel helle Soyasoße
  • 1 Esslöffel Chinesischer Kochwein (kann z.B. durch Sherry ersetzt werden)
  • 2 Esslöffel Pflanzenöl

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Paprika und pickled Kohlrabi kleinschneiden. Hack im Öl anbraten, Gemüse hinzufügen, mit Soyasauce und Kochwein würzen, fertig.

Yunnan Hei San Duo

Mit Salatblättern/im Salatblatt servieren. Wer das Gericht nicht im Salatblatt futtern will, kocht sich etwas Reis dazu.

Das Ergebnis fand ich lecker, nur war mir das Gericht durch die pickled Kohlrabi etwas zu salzig, obwohl ich schon die salzreduzierte Soyasoße verwende. Beim nächsten Mal würde ich nur die Hälfte Kohlrabi verwenden – oder ich probiere direkt die Hong San Duo Variante mit Tomate, dann würde es vermutlich auch den Jungs besser schmecken. Es kommen tatsächlich keine weiteren würzenden Zutaten hinzu – kein Chili, Knofi, Ingwer, kein Salz, Pfeffer – nix. Einfacher geht es kaum. Damit ist das Gericht auch für totale Kochanfänger geeignet, keine besonderen Skills erforderlich, obendrein geht es wirklich fix. Ich werde es auf jeden Fall ins “Kochrepertoire” mit aufnehmen. 

Yunnan Hei San Duo im Salatblatt serviert

Ich bin jetzt sehr gespannt, was die Rezepte der kommenden drei Wochen sein werden und ob sich die Schwierigkeit/der Aufwand steigert. Zeit zum Kochen haben wir derzeit ja alle mehr als genug.

Ich finde, das ist eine großartige Idee von The Hutong – übrigens unterstützt von den englischsprachigen Stadtmagazinen The Beijinger und Beijing Kids. Ich freu’ mich auf die nächsten Gerichte in den kommenden drei Wochen. Ach, und wer mag, kann mir natürlich auch ein Like bei Instagram dalassen. ;)

Grüsse nach Deutschland und viel Geduld für Eure zweite Woche ohne Schule und Co. Bei uns sind es jetzt zwei Monate und weiterhin ist kein Ende in Sicht. Ich habe inzwischen einen ausgewachsenen Corona-Koller: Budenkoller, Frust, Lethargie, Zorn, Trauer über ein verlorenes Vierteljahr (das wird es wohl mindestens), Mangel an realen sozialen Kontakten. Zum Glück immer nur phasenweise, es nutzt ja nix, wir müssen da durch – und es geht uns angesichts der Umstände gut.

Ja, aber kann man in China nicht schon von Normalisierung reden? Es gibt doch keine lokalen Neuansteckungen mehr, “nur” noch importierte? Es ist doch mehr auf den Straßen los?

Vielleicht ist das Normalisierung, aber hier ist noch lange nichts normal…

Ja, es ist mehr auf den Straßen los, denn immer mehr Menschen müssen/dürfen wieder arbeiten gehen. Außerdem ist Frühling, über 20 Grad, eigentlich fängt jetzt die schönste Jahreszeit hier an. Es ist ja auch nicht grundsätzlich verboten rauszugehen. Gestern hatte ich nach der Fahrt zum Supermarkt aber keinen Nerv mehr. Die eigene Maske nervt und ausschließlich in andere Maskengesichter zu gucken, das ist nicht normal, das fühlt sich apokalyptisch an. In den eigenen vier Wänden habe ich dann doch wenigstens die Illusion von Normalität.

Frühling, endlich.

Allerdings bin ich heute am Compoundtor gefragt worden, wo ich hin möchte, als ich ein zweites Mal losgefahren bin, nachdem ich vormittags schon beim Bäcker und beim Metzger war.
“Sachen kaufen.” -“Was für Sachen?” -“Reis.”- “Okay.” 

“Sachen kaufen” habe ich mit einem Umweg verbunden, erst ein bisschen in der Stadt nach dem Rechten sehen. Da ich zwischendrin das Scooter-Akku nicht wieder vollgeladen hatte, hat es nur für eine kürzere Runde gereicht: Sanlitun, Dongzhimen, Galaxy Soho, Observatorium, CBD – steht alles noch. Straßen immer noch relativ leer.

CBD steht noch

Tuanjiehu-Park

Irgendwann sagte der Blick aufs Akku: umdrehen/Rückweg. Der Tuanjiehu-Park liegt auf dem Weg, also habe ich da einen Zwischenstopp eingelegt, um mir die Füße zu vertreten. Da war relativ viel los, also Normalisierung? Nee, nicht mit all diesen Masken. 

Wasserkalligraphie

Der Tuanjiehu-Park ist klein, aber seht nett mit viel Wasser angelegt.

Tuanjiehu-Park

Einen Großteil der Parkfläche nehmen ein Aquapark und Kinderbespassungsanlagen “Carnies” (Karussels, Hüpfdinger etc.) ein – natürlich geschlossen im Moment. Nicht normal. Ob die Entenboote noch Winterpause haben oder auch mit unter Quarantäne fallen, weiß ich nicht.

Park mit Aussicht

Nach zwei Runden hat es dann auch gereicht, und ich bin weiter zum Jingkelong gefahren. Wir brauchten wirklich Reis. Hier steht wie erwartet ein Wächter am Eingang, aber als ich ihm mein Handgelenk für die Temperaturkontrolle entgegenhalte, winkt er ab und deutet auf einen Kasten, aus dem mich mein eigenes Maskengesicht anlacht und, nachdem ich kurz davor stehen geblieben bin, 36° anzeigt – ich darf hinein. Der Laden ist gut besucht, aber nicht übervoll, die Regale sind gut gefüllt, es gibt alles. Die Reisauswahl im Jingkelong überfordert mich wie immer, also einfach irgendeinen 5-Kilo-Sack geschnappt, fertig. Am Ausgang ist ein Blumenstand, ein paar Tulpen müssen mit. Mittlerweile könnte ich wohl auch eine komplette Kleinfamilie mit dem Scooter transportieren, da kann ich auch mit Blumen in der Hand fahren…

Wer den Scooter liebt, der…

Ja, der Scooter. Als ich am Chaoyangpark entlangfahre, zeigt er mit noch 20 Prozent Akkuladung an, das reicht locker, denke ich, und switche nicht in den eco-Modus. Aber hinter der Französischen Botschaft sind es plötzlich nur noch 4 Prozent, hektisches rotes Blinken und aus. Tja, Premiere, wer seinen Scooter liebt, der schiebt. Zum Glück hab ich kein größeres, schwereres Modell, aber viel länger als diese Viertelstunde hätte ich auch nicht schieben mögen. Schreckmoment am Compoundtor nach dem ersten Fiebermessen, andere Hand hingehalten, uff, alles gut.

Keine Normalität, kein Ende in Sicht

Wie gesagt, allein dadurch, dass man überall außerhalb der eigenen vier Wände mit den Masken konfrontiert ist, wird man ständig daran erinnert, dass derzeit nichts normal ist. Dass es weiterhin kein Datum für die Wiederöffnung der Schulen gibt und dass wir nach der letzten Mail aus der Schule weiterhin damit rechnen, dass es frühestens ab dem 20. April wieder losgehen kann – keine Normalität.

Teilweise werden Regelungen sogar verschärft, in Restaurants soll nur noch eine Person pro Tisch sitzen, in einem Restaurant, wo normalerweise 300 Leute Platz finden, sind aktuell maximal 15 Personen gleichzeitig erlaubt. Das in Verbindung damit, dass keine Besucher in die Compounds gelassen werden, hat unser soziales Leben außerhalb der Familie fast komplett in den virtuellen Raum verlagert.

Meine Nachwuchsnerds kommen mit der Situation immer noch überraschend gut klar, so wie sie auch mit der Online-Schule gut zurechtkommen, teils sogar deutlich besser als mit normaler Schule. Ich steh ja auch normalerweise für Fragen zur Verfügung, aktuell muss ich deutlich mehr erklären. Nun bin ich also doch das, was ich nie sein wollte: Aushilfslehrerin. ;)

Ich habe hier den Eindruck, dass Kinder mit bisher streng reglementierten Medienzeiten und wenig Zugang zu Handy/PC sich derzeit deutlich schwerer tun. Oder etwas zugespitzt: Medienabstinent ist das neue Bildungsfern. Und wir sind hier in einer relativ privilegierten Situation mit der gut ausgestatteten Auslandsschule – an staatlichen deutschen Schulen dürfte da vieles nicht machbar sein. 

Blick nach Deutschland

Hier so lange schon mit den Einschränkungen zu leben, das zerrt so schon an den Nerven. Aber zuzugucken, wie die Krankheitswelle nahezu ungebremst auf Deutschland zu- und darüberwegrollt, das belastet zusätzlich, weil das so nicht hätte passieren müssen. (Kluger Artikel dazu übrigens in der New York Times: “China Bought the West Time. The West Squandered It.” Ist zwar schon eine Woche alt, aber weiterhin aktuell.)

Wir haben uns ja schon lange gewundert, warum nichts passiert, z.B. bei der Einreise am deutschen Flughafen. Ja, auch mit Temperaturkontrollen erwischt man sicher nicht alle Infizierten, aber Passagiere einfach so durchzuwinken kann es definitiv auch nicht sein. Wer Maßnahmen eingefordert hat und entsprechendes geschrieben oder gesagt hat, musste sich der Panikmache und der Hysterie bezichtigen lassen.

Wie kann es sein, dass in der globalisierten Welt erst mit zögerlichem Handeln begonnen wird, wenn die Einschläge in unmittelbarer Nachbarschaft sind? Hallo, Luftverkehr, schon mal davon gehört? Aber China ist das Land, wo nur ein Sack Reis umfällt, sowieso böse und sowas von hinter dem Mond? Was in China in den ersten Wochen passiert ist, daran gibt es nichts zu beschönigen – aber der Rest der Welt hätte wissen müssen, was da kommt und hat trotzdem nicht genug getan.

Wochenlanges Runterspielen – alles ja nur Hysterie, Panikmache – ist es dann wirklich verwunderlich, wenn viele Menschen das jetzt noch nicht ernst nehmen? Hätten die sehr harten Maßnahmen für alle jetzt wirklich sein müssen, wenn man frühzeitig Einreisende unter Quarantäne gestellt hätte,  so wie China das jetzt macht, um den Re-Import des Virus bzw. die weitere Ausbreitung zu verhindern? 

Nun ist es vermutlich eh zu spät. Immerhin, endlich Frühling.

Forsythie. Hilft nicht gegen Covid-19 (auch nicht gegen den Virus im Film “Contagion”). Macht aber gute Laune.

Da wir daran festhalten, dass immer ein Elternteil bei den Jungs bleibt, hatte ich erst gestern wieder Gelegenheit, länger durch die Stadt zu streifen. Luft ganz okay, Wetter traumhaft: 15 Grad und sonnig, es wird Frühling. Zuerst habe ich mein Glück am Shichahai versuchen wollen, aber: kein Zutritt.

Hier geht es eigentlich zum See…

Ich fahre weiter zum Jingshan-Park. Es ist tatsächlich deutlich mehr los als letzte Woche noch.

Kohlehügel in Sicht

Im Rückspiegel den Trommelturm.

Trommelturm

Wie gesagt, es ist deutlich mehr los, aber es ist immer noch weit entfernt von normalen Zeiten.

Tatsächlich Leute…

Der Jingshan-Park ist geöffnet. Der Zähler läuft (im Bild: weiße Schrift rechts oberhalb Ticketfensters), zu viele Leute gleichzeitig werden nicht in den Park gelassen. Aber es ist eh nicht viel los. Aufkleber auf dem Boden erinnern daran, Abstand zu halten.

Abstand halten

Mit behandschuhten Fingern nimmt eine Wächterin mein Ticket entgegen und hält es vor den Scanner, dann trete ich durchs Tor und habe gleich danach diesen Anblick – und ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut mir das gerade tut.

Im Jingshan-Park

Ich lasse mich kreuz und quer durch den Park treiben.

Großstadt-Spatzen

Pavillon

Natürlich geht es auch nach ganz oben. Nur die oberste Ebene des Wanchun-Pavillons ist weiterhin gesperrt. Wächter mit Megaphonen drehen ihre Runden. Trotzdem knuddelt es sich hier ein bisschen, so dass ich nur fix knipse und weitergehe.

Hallo, Schönheit!

Die Verbotene Stadt ist weiterhin geschlossen.

Nord-Tor der Verbotenen Stadt

Wanchun-Pavillon

Blick nach Norden

Entdeckt ihr das Megaphon? Hier leiert unaufhörlich eine Durchsage.

Peking 2020 – Handy und Maske

Noch mal Richtung Norden gucken: Trommelturm und dahinter die Olympia-Türme

Blick nach Osten: der Central Business District (CBD)

Frühling!

Auch von etwas weiter unten ist der Blick nach Norden schön.

Ich such mir eine abgelegene Ecke und nehme kurz die Maske ab, unter der es unangenehm warm ist und die mir so am Mund klebt, dass ich das Gefühl hab, keine Luft mehr zu kriegen. Mistdinger, aber muss hier leider sein.

Die Katz’ wohnt im Park, jedenfalls treffe ich sie jedes Mal.

Das hier will ich mir nächste Woche wieder angucken:

Frühlingsboten…

Bambi?

Blick zurück nach oben

Letzter Blick

Das hat echt gut getan. Nach meinem Spaziergang fahre ich weiter an der Verbotenen Stadt vorbei und stehe dann kurz vor dem Tian’anmen, habe aber nicht die Nerven, einfach an der Wächterin vorbei zu fahren. Ich dreh wieder um und fahre zur Wangfujing, um in der apm-Mall Schulmaterialien für die Jungs zu besorgen. Der Foreign-Language-Bookstore ist geschlossen, wenn ich das Schild richtig entziffert habe, aber nur diesen einen Tag. Auch hier ist mehr los als neulich, aber weiterhin weit entfernt von normalen Zeiten.

Wangfujing: Immer noch ziemlich wenig los

Für den Rückweg wähle ich eine andere Route und tuckere schließlich am 3. Ring entlang durch den CBD nach Hause.

CBD – rechts ein Bein der Langen Unterhose (CCTV-Headquarter)

Und sonst? Stand der Dinge

In Peking kommen aktuell wieder neue Kranke hinzu, die meisten sind nun “importierte” Fälle. Da aber mehr Menschen wieder gesund werden, sinkt die Zahl der aktuell noch Kranken: von 428 Gesamtfällen sind es “nur” noch 112 Kranke. 8 Menschen sind gestorben. Trotzdem bleiben die strikten Regelungen bestehen.

Nach Peking würde ich derzeit nicht reisen: Quarantäne droht,  und das nicht unbedingt in den eigenen vier Wänden (sofern vorhanden) oder im Hotelzimmer, sondern mit Pech in einer Einrichtung in Flughafennähe. Das “genießt” gerade ein ehemaliger Nachbar aus unserem alten Compound, der in einem der Flieger aus Moskau sass, in dem zwei kranke Mitreisende saßen.

Die Schule teilt mit, dass es am 16. März noch nicht wieder mit “richtiger” Schule losgehen wird. Wenn es bis Mitte März keine Mitteilung der Pekinger Behörden gibt, dass der Schulbetrieb wieder gestartet werden darf, wird es nicht vor den Osterferien wieder losgehen. Oder andersherum: Möglicherweise beginnt Schule erst am 20. April wieder. Weitere Informationen werden in der vor uns liegenden Woche folgen – ich bin gespannt.

Wird es tatsächlich erst der 20. April, dann haben wir jetzt gerade erst Halbzeit des Ausnahmezustands… Und dann gucke ich nach Deutschland und lese, dass selbst Schulen mit Corona-kranken Lehrkräften (Stade, Düsseldorf) nicht geschlossen werden. War also doch nicht falsch, in Peking zu bleiben. Unter den gegebenen Umständen geht es uns ja gut, auch wenn die Aussicht auf weitere sechs Wochen Ausnahmezustand gerade verflixt niederschmetternd sind.

 

Viel von meinem Alltag zu berichten habe ich derzeit nicht. Wohnungsknast halt. Highlight heute: Postkarte aus San Francisco ist nach 5 (fünf) Monaten angekommen. Yay!
Und immerhin, ich komme dem Ziel näher, den Film „2012“ zweitausendundzwölfmal zu sehen …

Nach einer kurzen Phase mit einer einzigen Neuinfektion und dem Rückgang von aktuell noch Erkrankten in Peking, gab es vorgestern gleich 10 neue Infektionen auf einmal. Da war die Hoffnung, es könnte sich hier doch bald normalisieren dahin. Dass erste Parks jetzt den Zugang begrenzen (Chaoyang-Park nur noch maximal 20.000 Besucher/Tag; für den Sommerpalast gibt es nur noch online Tickets), zeigt dass wir noch weit entfernt von Normalität sind.

Heute Vormittag war ich kurz einkaufen. Geringfügig mehr Verkehr als noch letzte Woche, aber weiterhin ziemlich tote Hose. Die wenigen Leute, die man sieht, tragen selbstverständlich alle Maske – und schon stellt sich das surreale Gefühl wieder ein, Statistin in einem Katastrophenfilm zu sein.

Maske oder keine?

Hier müssen wir Masken tragen, von daher ist die Diskussion über deren Sinnhaftigkeit für uns nicht ganz so relevant, wenn auch trotzdem interessant. Wer das hier ohne probieren möchte: Viel Spaß dabei, sich hinterher als Märtyrer zu inszenieren. Abgesehen davon gibt es in Asien grundsätzlich auch jenseits von Covid-19 eine andere “Maskenkultur” als in Deutschland, und damit meine ich jetzt nicht die Anti-Smog-Masken.

Die Regale in den Läden waren voll, nur Masken und Desinfektionsmittel gibt es nicht. Da hier Maskenpflicht herrscht, wird das mit den Masken so langsam ein Problem. Es gibt keine Vorschrift, welche Masken zu tragen sind, ich kann auch meine ganz normale Anti-Smog-Maske nehmen. Die ist ganz sicher nicht virendicht, aber sollte ich mal niesen oder angeniest werden, dürfte das zumindest einen Volltreffer verhindern. Wichtiger ist vielleicht, dass man sich mit Maske nicht so viel im Gesicht rumfummelt. Inzwischen habe ich mir auch angewöhnt, die Maske nicht mehr zwischendurch runterzuziehen, sondern nur noch mit frisch gewaschenen oder desinfizierten Händen (hurra, ich habe noch etwas Sterillium-Virugard) beim Gehen und Wiederkommen anzupacken. Das Desinfektionsmittel hat der Mittlere im Januar mitgebracht und da schon berichtet, dass es nach seinem Einkauf ausverkauft war. Und heute lese ich dann, dass der gerade erst eingesetzte Krisenstab sich jetzt erst um Schutzausrüstung kümmern will…

 

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In welchem Paralleluniversum hat man in Deutschland die letzten Wochen verbracht? Bisschen spät, oder?

Zwischen Beschwichtigungen und Panikmache

Beschwichtigungen oder Panikmache und zuwenige leise Stimmen dazwischen. Sehr nett aufbereitet vom Postillon.

Bleiben Sie ruhig. LEGEN SIE VORRÄTE AN! Corona ist nicht schlimmer als eine Grippewelle. BEREITS 53 DEUTSCHE INFIZIERT!!

Nachdem Covid-19 nun auch in Deutschland angekommen ist, ist es nun auch wieder Thema in den Medien und sozialen Medien. Die einen zu sehr in Panik, die anderen zu wenig. Ich glaube, dass für jeden Einzelnen (egal ob hier in Peking oder in Hamburg) die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken eher gering ist. Oder ist das nur eine Hoffnung, weil es ja eh immer nur die anderen trifft? Was anderes ist es mit dem Staat, der die Aufgabe hat, seine Bürger zu schützen – und dann Verdachtsfälle nach Hause zu schicken, Menschen, die glauben, sie könnten infiziert sein, von Pontius zu Pilatus zu scheuchen, Großveranstaltungen nicht abzusagen… Reicht das aus? 

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Whataboutism at its best

Vergleiche können sinnvoll sein, um ein Ereignis einzuordnen. Wenig Sinn macht es aber, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, damit man zeigen kann, es sei alles nicht so schlimm.

Die Menschheit hat unzählige ungelöste Probleme, Kriege und Hunger, Krankenhaushygiene, Verkehr, Klima, Menschenrechte, fragwürdige kulinarische Praktiken… Was jetzt alles aufgeführt wird, um zu beweisen, dass das Coronavirus nicht so schlimm ist, kennt keine Grenzen. Viele, die Whataboutism sonst zu Recht kritisieren, stehen jetzt mit in der ersten Reihe und verkünden ihre „ja, abers“. Was soll das? Wem nützt das? Der notwendigen Eindämmung einer für viele Menschen tödlichen Krankheit jedenfalls nicht.

Ich hab Puls

Grenzen kennt das Virus übrigens auch nicht. Unglücklich, dass es so wirkt, als habe Deutschland es vorgezogen hat, eine Laissez-faire-Politik zu fahren, obwohl man mit Blick auf China hätte vorgewarnt sein können. „Thoughts and prayers“? Really? Wird schon nicht so schlimm, weil: wir sind ja Deutschland? Dass der Krisenstab jetzt erst eingerichtet wurde (und jetzt erst auf die Idee kommt, sich um die Herstellung und Beschaffung von Schutzausrüstungen zu kümmern, siehe oben), dazu fällt mir nichts mehr ein. Doch: Das ist grob fahrlässig und gefährdet Menschenleben. Es wird – wahrscheinlich – nicht mich treffen, mögen sich viele sagen. Ich auch. Aber: Habt Ihr alle keine älteren Angehörigen oder vorerkrankten Freunde?

Gerade lief die Pressekonferenz im UKE (Für die Nichthamburger: Universitätsklinikum Eppendorf, wo ein Arzt des Kinder-UKE infiziert ist). Ein Aspekt: ein Reporter verwies auf die Schweiz, in der Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten wurden, aber in Hamburg werden wegen des einen bestätigten Coronafalls keine Großveranstaltungen (konkret z.B. der LiLaBe) abgesagt. Zum Vergleich: In Peking (über 21 Millionen Einwohner, derzeit 146 Erkrankte) dürfen nicht mehr als 3 Leute an einem Restauranttisch sitzen, nur die Hälfte aller Tische darf überhaupt besetzt werden.

Das klingt jetzt vermutlich ungewohnt grantig für mich. Kann sein, dass ich nach wochenlangem Wohnungsknast mit wenig Freigang inzwischen etwas dünnhäutig bin. Und natürlich glaube ich – will ich glauben -, dass diese massiven Einschränkungen ihren Sinn haben und Schlimmeres verhindern. Man möge mir also nachsehen, dass ich aus meiner Peking-Perspektive finde, dass in Deutschland noch nicht der richtige Umgang  mit Covid-19 gefunden wurde. 

Heute waren eigentlich perfekte Bedingungen für einen Wochenendausflug: saubere Luft, strahlender Sonnenschein, mit 10 Grad schon fast ein Hauch von Frühling in der Luft. Zumindest die Vögel scheinen das zu glauben, die hört man derzeit nämlich im Gegensatz zu normalen Zeiten, weil die Stadt so still geworden ist. Peking im Schatten des Virus ist nicht nur leer, sondern auch leise.

Ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt, mich in Richtung Duftberge, Badachu oder zum Botanischen Garten aufzumachen. Aber im Hinterkopf brodelt es leider doch. Auch in Peking soll es Compounds geben, die sich extrem abschotten und streng Buch darüber führen, wann und wie lange ihre Bewohner unterwegs sind, alle zwei Tage maximal zwei Stunden für den Einkauf von Lebensmitteln, mehr ist unerwünscht. Auch wenn das bei uns nicht so ist, so lässt mich das halt doch nicht kalt und auch bei meinen kurzen Streifzügen drängt es mich eher früher als später wieder zurück. 

Trotzdem, an so einem wundervollen Tag ist drinnen bleiben keine Option für mich. Scooter gesattelt, und einfach drauf los, mal sehen, wo es mich hintreibt, grobe Richtung Beihai Park.

Erstmal den 3. Ring Richtung Süden. Normalerweise ist hier auch am Wochenende dicker Verkehr!

3. Ring – nichts los

Am Dongzhimen Kreisverkehr werfe ich einen Blick auf die Werbung: Fight the virus!

Fight the virus!

Hier an der Ampel kram ich in meiner Tasche. Super, meine Sonnenbrille liegt zuhause auf dem Schreibtisch.

Das ist schon vergleichsweise viel Verkehr heute…

Wenn sonst nichts los ist, fallen die Straßenkehrer viel stärker auf als sonst.

Straßenkehrer. Mit Maske natürlich.

Eigentlich könnten die Ampeln auch abgeschaltet werden…

Das kann doch unmöglich Peking sein?

Zwischen Beixinqiao und Dongsi ist etwas mehr los. Zumindest, was Fußgänger und Zweiräder angeht.

Auf den Straßen allerdings eher nicht so.

Die Hutongs sind größtenteils gesperrt, als ich an einem die Barrikade fotografieren will, werde ich weitergescheucht. Ein paar Meter weiter ist dann ein Mann im weißen Schutzanzug mit Tank und Desinfektionsspritze zugange. Okay, dann mach ich wirklich lieber, dass ich weiterkomme.

Ich rolle auf die Chang’an zu, aber in Richtung Tian’anmen darf ich nicht abbiegen, also überquere ich sie bloß und werfe einen Blick hinein:

Chang’an in Richtung Tian’anmen

Ladies and Gentlemen, das ist normalerweise eine der meistbefahrenen Straßen Pekings, die wichtigste Ost-West-Verbindung im Zentrum. Etwa 1000 Meter von meinem Standort befinden sich links der Tian’anmen und rechts die Verbotene Stadt. Und was sehen wir? NIX.  Das ist doch alles total surreal!

Ich versuche, hintenrum in Richtung Tian’anmen zu fahren, aber es ist alles abgesperrt, also fahre ich zurück zur Chang’an und dort dann Richtung Osten.

CBD mit dem Zhonguo Zun von der Chang’an aus.

Die fast leeren Busse fahren übrigens zum Pekinger Hauptbahnhof. Nur: da war auch nichts los. Ich fahre dann den 2. Ring entlang Richtung Norden. Und wieder ein Blick auf den Zhonguo Zun und die “kleinen” Gebäude ringsherum…

 

Weiter am Galaxy Soho vorbei. Ich weiß, ich wiederhole mich: nichts los hier.

Und noch ein letztes Bild für heute. Auch hier: nichts los. Auf dem 2. Ring!

Ich tuckere durch Sanlitun zurück, wo ein paar mehr Fußgänger unterwegs sind. Mache einen Zwischenstopp im Jenny Lou (internationaler Supermarkt) und fahre zurück nach Hause. Heute muss ich Fieber messen lassen, Daumen hoch, puh. :)

Und sonst?

Quarantäne-Bestimmungen für Rückkehrer/Reisende

Es gab wieder eine “Landsleute-Mail”, in der die aktuellen Quarantäne-Bestimmungen erläutert werden:

Liebe Landsleute,
in unserem letzten Schreiben hatten wir Sie darüber unterrichtet, dass in China in den vergangenen Tagen die Quarantänebestimmungen deutlich verschärft wurden, allerdings örtlich unterschiedlich. Vielerorts wird nunmehr eine 14-tägige Quarantänezeit für alle Personen vorgesehen, die von außerhalb kommen. Die Stadt Peking hat jetzt allerdings noch einmal schriftlich klargestellt, dass diese Regel keine Anwendung auf Personen findet, die sich in den vergangenen 14 Tagen nicht in der Volksrepublik China aufgehalten haben und über den Beijing Capital International Airport oder den Flughafen Daxing nach China einreisen. Diese Personen sind von der Anforderung der 14tägigen Haus-Quarantäne ausgenommen. Allerdings müssen sie bei ihrer Einreise ein Formular über ihren Gesundheitszustand ausfüllen bzw. vorlegen, eine Fiebermessung akzeptieren und eine Maske tragen.

[…]

 

Zahlen…

Ich versuche, mich von den Statistiken nicht mehr zu verrückt machen zu lassen, was mal mehr, mal weniger gut klappt.

In Peking scheint die Zahl der Erkrankten zurückzugehen. Viel Hoffnung, dass sich das Leben hier zügig normalisiert, habe ich dennoch nicht. Der Tiefschlag von gestern – die Mitteilung der Schule, dass nicht vor dem 16. März mit einer Wiederöffnung gerechnet wird – wirkt nach.

Die Virus-Nachrichten aus dem Rest der Welt, vor allem Südkorea, sind nicht wirklich ermutigend.

Das soziale Leben fehlt

Ich kann es gut mit mir selbst aushalten. Ich bin gerne alleine. Aber auch, wenn ich nicht rund um die Uhr Gesellschaft und Bespassung brauche, so habe ich inzwischen doch die Nase voll davon, mich nicht verabreden zu können, unterwegs mit Fremden ins Gespräch zu kommen, ich vermisse meine Freundinnen und die Aktivitäten mit Fotogruppe, Strickgruppe und Schreibstammtisch, ich vermisse Kochkurse und organisierte Ausflüge, spontane Treffen im Café, 30 Sekunden Gespräche an den Ampeln… Das einem das (der Mangel an sozialen Kontakten) ausgerechnet in Peking passiert, ist wirklich kaum in den Kopf zu kriegen.

Wir bräuchten dann bitte mal noch eine große Portion Geduld und Durchhaltevermögen: Es sieht nach weiteren vier Wochen Ausnahmezustand aus.

Schulöffnung voraussichtlich frühestens am 16. März

Die Schulleitung hat eben mitgeteilt, dass man nicht damit rechnet, dass die Schule vor dem 16.3. wiedereröffnet werden darf.

Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass es keine Wiedereröffnung vor
dem 16.03. geben wird. Sollte die Schule wider Erwarten früher öffnen dürfen, werden wir für die in Peking anwesenden Schüler ein Präsenzangebot entwickeln und die abwesenden Schüler parallel online beschulen.

Falls doch, werde es parallel Präsenzunterricht für die Schüler geben, die bereits in Peking sind und weiteren Online-Unterricht für diejenigen, die noch anreisen müssen. Wer nach 14 Tagen außerhalb Chinas wieder über einen der Pekinger Flughäfen einreist, muss nicht in (Selbst-)Quarantäne. (Das steht auch in der gestrigen “Landsleute-Mail” der Botschaft.) Eigentlich – denn die Compounds/Nachbarschaften handhaben es unterschiedlich, wie mit Rückkehrern umgegangen wird und verlangen teils Wohnungs-Quarantäne. Und nicht vergessen: wir sind hier in China – da kann sich schon spontan mal alles wieder ändern. Also genau hingucken, was aktuell verlangt und gefordert wird!

Die Projektwoche im Mai wird entfallen und stattdessen Unterricht stattfinden. Durch den Online-Unterricht sei gewährleistet, dass das Schuljahr komplett anerkannt wird. Die Abiklausuren sollen Ende April nachgeschrieben werden.

Ich muss sagen, dass unsere Schule unter diesen Umständen einen guten Job macht. Zum Einen fühle ich mich gut informiert (auch und gerade, weil zum Teil entsprechend vorsichtig formuliert wird und Eventualitäten benannt werden), es gibt regelmäßig Informationen per Mail und auf der Schulwebseite. Zum Anderen läuft der Onlineunterricht. Es ist zum Glück kein Homeschooling (bäh, das klingt auch schon so nach Sekte…), ich muss also keine Lehrerinnenrolle übernehmen. Manche Lehrer machen das echt gut, setzen diverse Medien- und Onlineangebote ein und schöpfen aus dem Vollen. Andere schwächeln und beschränken sich auf “Lest Seite 45 im Buch und bearbeitet Aufgabe 1-4”. Also eigentlich nicht anders als im normalen Präsenzunterricht auch, da gibt es ja ebenfalls solche und solche. 

Spielchen mit der Statistik

Heute morgen habe ich als erstes gedacht, die Statistiken wären ermutigend, denn die Zahl der Neuansteckungen war kleiner als die der wieder gesunden Patienten. Aber nun lese ich, dass die Zählweise erneut geändert wurde und wieder nur im Labor nachgewiesene Erkrankungen mit erfasst werden, nicht mehr die, deren klinische Symptome auf Covid-19 hinwiesen. Welche Zählweise nun sinnvoller ist, das mögen Virologen und Epidemiologen entscheiden, die Vergleichbarkeit und die Möglichkeit auch als Laie Trends aus der Statistik herauslesen zu können, ist erstmal dahin.

Die Hoffnung, ab Anfang März könnte sich unser Leben hier wieder normalisieren, ist erstmal dahin. 

Bei Laune bleiben

Immer in der Bude hocken tut mir nicht gut, wenigstens für eine kurze Runde will ich nun doch wieder jeden Tag raus.  Nun ist die Luft heute wieder eher mies und das in Verbindung mit Dunst/Nebel, so dass ich bis zum späten Nachmittag mit mir gehadert habe, ob raus oder nicht raus… Da ich immer übellauniger wurde (die Verlängerung des Wohnungsknastes ist echt ein Tiefschlag), bin ich dann doch raus.

Liangma-Brücke. Das soll Berufsverkehr sein?

So richtig Spaß gemacht hat es leider nicht, denn Brille und Maske haben heute nicht gut harmoniert. Ständig beschlagene Brillengläser, selbst bei sowenig Verkehr auf den Straßen, das ist nicht ratsam. Nur schnell ein Glas Nutella für die Jungs erbeutet und wieder zurück getuckert. Eigentlich war ich genauso genervt wie vorher, als ich zuhause rein bin. Uneigentlich haben die Junioren sich über die Schokopampe so gefreut, dass auch meine Laune dann zum Glück doch wieder gestiegen ist. Pflegeleichte Kinder, die sich auch  mit solchen Kleinigkeiten bei Laune halten lassen. Die Beiden tragen den Wohnungsknast tatsächlich mit ganz viel Fassung, darüber bin ich unheimlich froh.  

Als gebürtige Nordlichter sind wir ausgemachte Faschingsmuffel, aber um etwas Abwechslung in den Wohnungsknast zu bringen, habe ich den Jungs angeboten, ein kleines, privates Fest zu feiern. Wir könnten uns ja auch maskieren… ;) Aber nein, da sind sie konsequent: Kein Karneval und Co. bei uns.

Nun gut, dann bereite ich für die Nacht von Sonntag auf Montag halt eine Mini-Wahlparty vor zur Bürgerschaftswahl in Hamburg. Wenn die #noAFD aus der Bürgerschaft fliegt, gäbe es wirklich was zu feiern. Nein, feiern ist nicht das richtige Wort, schon gar nicht heute nach den Hanauer Morden. Aber es wäre gut, wenn aus Hamburg das Signal kommt, dass Nazis in unseren Parlamenten nichts verloren haben.

 

 

Wir gehen jetzt in die vierte Woche des virusbedingten Ausnahmezustands, und es ist kein Ende absehbar. Die Schule wird frühestens am 2.3. wieder starten, allerdings haben die chinesischen Behörden gerade verkündet, dass es aktuell zu früh sei, einen Termin für die Wiedereröffnung der Schulen zu nennen – die Eindämmung der Epidemie habe Vorrang. Sehe ich ein. Auch dass der Volkskongress jetzt vertagt wurde (wäre am 5. März losgegangen), dämpft die Hoffnung, dass sich das Leben bald normalisieren könnte. Also weiter abwarten.

Inzwischen haben wir uns in unserem mehr oder weniger freiwilligen “Wohnungsknast” ganz gut eingerichtet. Die Jungs lasse ich weiterhin nicht vor die Tür, außerdem lasse ich sie derzeit nicht alleine, ein Elternteil bleibt immer mit ihnen zuhause. Normalerweise unnötig, sind ja keine Babys mehr. Aber jetzt plagen mich so Horrorvisionen, dass die Zwei mit ganz viel Pech allein auf sich gestellt sein könnten, weil wir nicht mehr in den Compound zurück gelassen werden oder ich irgendwo niesen muss und in eine Klinik zur Beobachtung gesteckt werden könnte. Klingt übervorsichtig und absurd? Tja, vor vier Wochen klang es auch noch absurd, beim Betreten eines Supermarktes erstmal Fieber messen zu lassen. 

Nach dem fiesen Smog vor ein paar Tagen hatten wir jetzt knapp drei Tage unglaublich gute Luft mit klarer Sicht. Das hat die Laune auch etwas gehoben.

Super-Luft, die Berge rücken näher

Kein Tor zur Welt

Um das ganze noch nerviger zu machen, ist das Internet aktuell sehr fragil, das Tor zur freien Welt ist zu – und das ausgerechnet jetzt, wo man gerne jedem WeChat-Gerücht auf den Grund gehen würde und bei manchem noch zugänglichen Zeitungsbericht gerne weiter nachforschen würde. Keine Tagesschau, keine New York Times, kein Wikipedia, Netflix, Youtube, Facebook, Google, Twitter, Pinterest – nix, nada, niente. Unser Anbieter schwächelt zum ersten Mal seit wir in China sind, andere laufen diesmal besser. Zum Glück funktioniert die TV Box, und auf einem taiwaneschen “Hollywood”-Sender laufen die beklopptesten Katastrophenfilmchen, die man sich nur wünschen kann. Ich würde ja gerne jetzt selbst was drehen, die Kulisse ist vor der Tür, aber noch habe ich die Junioren nicht davon überzeugen können. Statt Blair Witch vielleicht Beijing Beast… ?

Und sonst? Peking und Covid-19

  • Compounds/Nachbarschaften halten es sehr unterschiedlich mit ihren Zugangskontrollen. Wir haben zusätzliche personalisierte Pappkarten Ausweise bekommen, ohne die wir theoretisch nicht raus oder rein dürfen. Der Mann wurde gestern streng kontrolliert, ich wurde heute einfach durchgewunken.
  • Wer jetzt nach Peking zurückkehrt, muss 2 Wochen in “Selbst-Quarantäne”, vor der Rückkehr sind Compound und Arbeitgeber zu informieren. Die Umsetzung wird von Compound zu Compound sehr unterschiedlich gehandhabt, es heißt, in manchen Apartmenthäusern dürften Peking-Rückkehrer ihre Wohnungen nicht verlassen (Versorgung wird dort durch den Compound unterstützt, Lieferungen bis an die Wohnungstür gebracht).
  • Parks sind weiterhin geöffnet, nur Bereiche, in denen es sich sonst ballt, sind gesperrt, so auch die Wege direkt an den Seen. Der Zoo ist geschlossen (aber den kann ich eh nicht empfehlen).
  • Sherpa’s (Lieferdienst, dessen App auch auf Englisch verfügbar ist) hat seinen Betrieb wieder aufgenommen, auch wenn viele Restaurants weiterhin geschlossen sind.
  • Für die Schule und deutsche und chinesische Behörden haben wir dieses Woche zum zweiten Mal eine Onlineumfrage ausgefüllt. Ja, wir sind in Peking, die Kinder haben kein Fieber und sind auch sonst gesund.

Kontrollrunde

Heute war ich mal dran mit rausgehen. Erstmal Einkaufen. Hieß es, die Versorgung in Peking sei beeinträchtigt? Sieht nicht so aus:

Genug Brot

Und weil einer der Jungs in Geschichte gerade die Französische Revolution durch nimmt: Kuchen gibt es auch:

Und wenn das Volk kein Brot hat…

Auch nachmittags zieht es mich noch mal raus. Ich schwinge mich auf den Scooter, fahre erst an der Schule, dann an der Deutschen Botschaft vorbei. Die Straßen sind zwar voller als letzte Woche, aber es wirkt immer noch wie eine deutsche Kleinstadt am Karfreitag… Trotzdem, mir wird bewusst, dass ich mich schon daran gewöhnt habe, dass a) wenig los ist und b) alle Leute Masken tragen. Ich fahre weiter am Dongzhimen-Kreisverkehr vorbei, wo ich nicht einmal anhalten muss, weil – ja, nichts los halt.

Ich biege in die Yonghegong Straße ein. Der Lama-Tempel ist weiterhin geschlossen, sonst tobt hier um diese Zeit der Bär, es stauen sich Touribusse und der übliche Verkehr. Heute sah es so aus:

Yonghegong Straße

Auch hier überall Sperren, von Hutong zu Hutong unterschiedlich ausgeprägt, hier relativ lässig. Anderswo gibt es Gitterzäune oder ähnliches.

Hinter dem Lama-Tempel biege ich in die Andingmen ein, fahre an der Ausländerbehörde vorbei, um dann den 2. Ring zu überqueren – zum ersten Mal nutze ich mit dem Scooter eine der Fußgänger/Bike-Brücken.

2. Ring

Auf Nebenstraßen fahre ich zurück in unser Wohnviertel, mache noch einen Stopp beim chinesischen Supermarkt. Hier muss ich mein Handgelenk entblößen zum Fiebermessen. Ich betrete den Laden und fall’ vom Glauben ab: proppevoll, Gedrängel ohne Ende. Auch hier volle Regale. Und wenn man von den Masken absieht: wirkt total normal. 

Auf dem Rückweg fahre ich dann einmal um unseren Compound herum, weil es hieß, Zugang derzeit nur durch den Südeingang. Dort öffnet mir ein Wächter das Tor und winkt mich so durch. 

Wir haben uns also mit den erschwerten Bedingungen hier arrangiert, es geht uns gut und rein rational fühlen wir uns auch weiterhin sicher und gut aufgehoben hier. Trotzdem, ich wäre jetzt bereit für den normalen Peking-Alltag.

Dicke Luft: Der AQI war heute wieder nur knapp unter 300. Trotzdem musste einer von uns raus, der Kühlschrank war leergefuttert. Ich sage nur: Teenager-Söhne. Da sich bei mir erste Anzeichen von Budenkoller zeigten, habe ich mich freiwillig gemeldet. Normalerweise gehe ich bei solchen Werten nicht raus, da ich immer direkt mit Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen reagiere, wenn die Werte in Richtung 200 und drüber gehen. Abgesehen vom Smog war es schön draußen, relativ warm (9 Grad), oberhalb der Smogglocke war die Sonne zu erahnen. Zum ersten Mal in diesem Jahr ohne Mütze und Handschuhe draußen, klar, das Frühlingsfest liegt ja auch schon hinter uns, auch wenn es dieses Jahr aus bekannten Gründen so ganz anders war.

Inzwischen sind zwar etwas mehr Leute und Fahrzeuge unterwegs als noch letzte Woche, aber nee, das ist nicht das normale Peking, das ist ‘ne tote Geisterstadt mit den leeren Straßen. Wo ist das Gewusel? Wie kann es sein, dass ich allein mit dem Scooter an der Ampel warte? 

Blick in den Rückspiegel

Auch beim Blick in den Rückspiegel: nichts los

Ich beginne meine übliche Runde: “Bodensee-Bäcker” in der Lucky Street, in der vielleicht drei Parkplätze belegt sind, also: gähnende Leere. Schwungvoll schwinge ich mich neben einen einsamen SUV, doch ein Wächter pfeift, sagt: “nee, hier nicht”. Muss ja alles seine Ordnung haben, auch in solchen Zeiten. Ich lächele ihn an, was er vermutlich nicht bemerkt, da von meiner Mimik dank Helm, Brille und Maske nicht viel zu erkennen sein dürfte. Ich stelle den Scooter ordnungsgemäß ab, erledige meine Einkäufe, rufe dem Wächter beim Wegfahren noch ein fröhliches “Zaijian” zu, er winkt mir zu und ich tuckere weiter zu Schindler (“German Food Centre”, vor allem Metzger).

Auch hier bin ich die einzige Kundin, allerdings kommen hier nicht nur zwei Mitarbeiter wie beim Bäcker, sondern mindestens zehn auf mich. Geheimtipp: jetzt im Winter gibt es “fresh onion mettwurst”. Wird vor meinen Augen frisch zubereitet und ist das Einzige, was hier dem vom Gatten heißgeliebten und sehnsüchtig vermissten Mett sehr nahe kommt.

Die Scooterbox ist voll, ich fahre kurz zuhause vorbei, friere erstmal das ganze Fleisch ein. Jetzt statte ich erst dem Compound-Shop einen Besuch ab, ordere Trinkwasser, stelle fest, dass seine Gemüseauswahl nicht mehr groß ist, aber frische Milch hat er noch. Die Weinvorräte hingegen sind geschrumpft, aber ich finde noch einen Merlot, der mir zusagt. Viel mehr Compoundbewohner als sonst kaufen jetzt bei ihm ein – und er macht echt einen tollen Job. Wir können praktisch alles vorbestellen, und er versucht, auch unsere exotischen deutschen Wünsche zu erfüllen: den Kirschsaft für den Junior gibt es wieder. Vielleicht macht er gerade das Geschäft seines Lebens, aber er wirkt gestresst und angespannt – und ich vermisse unser normales Geplänkel. Vor dem Neujahrsfest hatte er mich eingeladen, mit ihm seinem Heimatort zu besuchen – das ist jetzt erstmal auf unbestimmte Zeit vertagt.

Auf geht es zur nächsten Runde: Jenny Wang (internationaler Supermarkt). Hoppla, warum sind ausgerechnet die Gewürzregale leer gefegt? Obst und Gemüse gibt es aber frisch und reichlich. Vielleicht ist das dumm von mir, aber tatsächlich mag ich gerade nicht auf den sonst sehr von mir geliebten Sanyuanli-Markt gehen – da hängt halt echt viel unverpacktes Fleisch rum (wenn auch nichts besonders exotisches). Mir scheint, hier bin ich auch unfreiwilliges Opfer der Medienberichterstattung.

Ich treffe den Jenny Wang-Manager (den ich noch aus der Filiale in Shunyi kenne), unser kurzer Plausch wird aber auch nach wenigen Minuten unterbrochen. Stressige Zeiten. Ich arbeite meine Einkaufsliste ab, zahle (per WeChat-Pay, natürlich), belade den Scooter und tuckere über die weiterhin verödeten Straßen nach Hause. Der Wächter öffnet mir das Tor und winkt mich so durch. Kein Fiebermessen, keine Befragung heute. Ich stelle den Scooter ab, mache noch ein beknacktes Selfie und begebe mich zurück in den Wohnungsknast.

Lin mit Helm und Maske

Stylingtipps: Matching Colors: Helm und Maske in Weiß, Augenringe, Brillengestell und Jacke in schwarz… ;)

Zahlenspiele?

In verschiedenen Medien war zu lesen, dass China eine Änderung der statistischen Erfassung vorgenommen hat, zum Beispiel bei der Zeit Online (gegebenenfallls runterscrollen/auf “weitere Beiträge” klicken; Meldung vom 11. Februar, 18:09 Uhr)

Die nationale Gesundheitskommission in Peking hat eine neue Definition erlassen, wer als vom Coronavirus infiziert gilt: China erfasst demnach seit Freitag nur noch Personen in der Statistik, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen. Menschen, bei denen das Virus zwar nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome aufweisen, tauchen in der Statistik nicht mehr auf.

Die neue Definition widerspricht den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die als Infizierten jemanden betrachtet, bei dem eine 2019-nCoV-Infektion durch ein Labor bestätigt wurde – egal ob mit oder ohne Symptome. Laut der WHO nehmen die Infektionen in etwa 80 Prozent der Fälle einen milden Verlauf. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer derer, die infiziert, aber nicht registriert sind, sehr hoch ist. 

Seit Ende vergangener Woche wächst der Anstieg der neu nachgewiesenen Ansteckungen mit der Lungenkrankheit nicht mehr so stark wie zuvor. Inwiefern das auf die neue Definition von Infizierten zurückzuführen ist, ist bisher unklar.

Ich fürchte, dass es für uns Nicht-Epidemiologen/Virologen ziemlich schwierig bis fast unmöglich ist, die Zahlen tatsächlich einzuordnen – selbst ohne Änderung der statistischen Erfassung. Ich selbst habe wie viele andere Hoffnung geschöpft, als ich gesehen habe, dass die Balken mit den Neuansteckungen kürzer werden. Da die Statistik im “The Beijinger”, die ich mir bisher immer angesehen habe, allerdings nicht ausweist, mit welcher Zählung gearbeitet wird, sind die Zahlen für mich nicht mehr wirklich vergleichbar. Und das ist für mich das aktuelle Problem. Ich wünsche mir nichts mehr, dass die Zahlen tatsächlich und objektiv zurückgehen, denn das würde Hoffnung bedeuten, dass der Ausnahmezustand, in dem wir uns derzeit hier in China befinden, ein Ende finden könnte. Und trotzdem, es regt sich ein Fünkchen Hoffnung, da der aktuelle Balken deutlich kürzer ist als der von gestern…

Es sind nicht nur Zahlen, hier geht es um Menschen!

Was mir tatsächlich zu kurz kommt: hinter diesen Zahlen stehen Menschen und Schicksale. Hinter jedem einzelnen Erkrankten und Verstorbenen steht eine besorgte oder trauernde Familie, die sicher fürchten müssen, auch selbst zu erkranken. Diese Leute sind sicher am härtesten betroffen. Noch größer dürfte der Kreis derjenigen sein, die Einkommenseinbussen hinnehmen müssen, von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Das trifft unvorstellbar viele Menschen…

Das Virus rückt näher

Wir leisten uns den Luxus einer Ayi. Eigentlich. Uneigentlich ist sie aus Hubei (die Provinz, deren Hauptstadt Wuhan ist), sie hat ihre Ferien vorzeitig abgebrochen und sich selbst in Peking in Quarantäne versetzt. Zunächst durfte sie ihr Wohnviertel hier in Peking nicht verlassen, das ist ihr inzwischen erlaubt, denn sie ist jetzt mehr als zwei Wochen zurück und gesund. Aber nun stellt sich unser Compound quer, da es Krankheitsfälle in ihrem Pekinger “Dorf” gibt. Nachvollziehbar. Grundsätzlich gilt weiterhin, dass Nicht-Bewohner unseren Compound nicht betreten dürfen, mindestens bis März.

Für uns ist die Krankheit damit gefühlt dichter dran gerückt. In unserem Pekinger District gibt es zwar die höchste Zahl der Erkrankten (aktuell 56), Chaoyang ist aber mit knapp 3,6 Millionen Einwohnern der Pekinger District mit der höchsten Einwohnerzahl. Laut App sind die betroffenen Wohnviertel zwar alle weit weg, aber ich habe mich doch dabei ertappt, zurückzurechnen, wann ich wo in der Öffentlichkeit unterwegs war… Und hat nicht vorhin die Hand des Metzgers die meine berührt? Mich selbst verrückt machen, das kann ich. Als Handmodel tauge ich aktuell auch nicht, so wund und rissig sind meine Pfoten vom vielen Waschen und Desinfizieren….

Quarantäne und Zugangsbeschränkungen sind Mist für die Betroffenen, keine Frage. Uns geht es im Vergleich zu den Leuten auf den Kreuzfahrtschiffen in Quarantäne noch gut (man stelle sich vor: Innenkabine, in die man nur vorwärts rein- und rückwärts wieder rauskommt – was ja unter normalen Umständen okay ist, weil man glaubt, eh nur zum Schlafen in der Kabine zu sein). Aber: “for the greater good” ist einzusehen, dass Quarantänen nötig sind, so sehr uns das individuell auch belasten mag.

Und sonst?

  • Apothekenbesuch? Pass mitnehmen, vor allem, wenn man Mittel kaufen will, die (auch) fiebersenkende Wirkung haben. Apotheken sind gehalten, solche Käufe zu registrieren und weiterzumelden.
  • Schulen bleiben vermutlich alle über den 17.2. (der zunächst als Datum genannt wurde) hinaus geschlossen. Die meisten internationalen Schulen nennen den 2.3. als frühestens Restart-Termin.
  • Touristische Hotspots bleiben weiterhin geschlossen, u.a. auch die Shops und Restaurants in der Nanluoguxiang. 
  • Namenskonventionen: Ob das Ding nun Neujahrsseuche, WuFlu, NPC oder Covid-19 heisst – mir egal, Hauptsache, es wird bald eingedämmt und verliert seinen Schrecken.

Wir versuchen jedenfalls, trotz dieses Ausnahmezustands eine Art von Alltag aufrecht zu erhalten. Da wir alle, auch die Jungs, Nachteulen und nicht Lerchen sind, hat sich der Schlafrhythmus auf Zeiten verschoben, die unserem Biorhythmus mehr entsprechen. Die Jungs sind tatsächlich noch gut drauf – dazu trägt sicher auch das Onlinespielen und das dabei chatten/talken mit ihren Freunden bei (machen sie in normalen Zeiten ja schon gerne und genießen es jetzt, dass wir das – solange die schulischen Pflichten erledigt werden!!! – nicht einschränken). Jedenfalls hört man hinter den verschlossenen Türen viel Gekicher, und das ist gut so.

Am Rande: ich habe gestern vor dem Einschlafen hier in Peking einen russischen Katastrophenfilm “отрыть/Break/Abgerissen” (bisschen geklaut vom amerikanischen B-Movie “Frozen – am Rande des Abgrunds”) im Original gesehen, nur chinesische Untertitel, ausgestrahlt von einem taiwanesischen Sender. Der Sender (“Hollywood Movie Channel Taiwan”) ist eine Fundgrube wundervoll-mieser Katastrophenfilme für mich, hier mal das google-übersetzte Programm für heute: 05:00 Dieser Strand frisst Menschen (Allgemein), 06:45 Lava Venom Spider 2 (Schutz), 08:35 Demon Warrior (Schutz), 11:45 300 Stark: Spartans Gegenangriff (Schutz), 14:05 Countdown zum Weltuntergang: Hurrikan des Jahrhunderts (Allgemein), 16:00 Gesundheit ist ungefähr (Allgemein), 17:00 Megalodon (Allgemein), 19:00 Bogenbrechender General (Wache), 21:00 Extremes Hai-Imperium (Allgemein), 23:00 Ella, Krieg Daughter (Pu), 01:35 Ghost Warrior (Schutz)  /// *grins*

Vor Beginn jedes Films wird allerdings ein Spot ausgestrahlt, in dem ein weißbekittelter, weißhaariger Arzt? Schauspieler? das korrekte Tragen von Maske und die Wichtigkeit vom richtigen Händewaschen erläutert. Für mich sind diese blödsinnigen Machwerke jedenfalls wunderbar, um mich von der realen Katastrophe abzulenken.

In Deutschland tobt ein Sturm, und windig ist es auch noch. Thüringen und die Folgen und “Sabine” haben – zumindest vorübergehend – das Coronavirus aus den Schlagzeilen verdrängt. Unser Pekinger Alltag wird allerdings weiterhin stark davon bestimmt:

  • Die Schule wird nun mindestens den ganzen Februar über geschlossen bleiben.
  • Für die Schule habe ich heute einen Onlinefragebogen ausgefüllt (wichtig für deutsche und chinesische Behörden): Ja, wir sind in Peking, die Kinder haben kein Fieber und sind gesund.
  • Der Mann macht Home Office.
  • Wir gehen nicht mehr Essen, da wir den Eindruck hatten, dass selbst im Lieblingsrestaurant nicht mehr so ganz frische Lebensmittel verwendet wurden (blödes Timing von dem Virus, ausgerechnet zu Neujahr zuzuschlagen). Ganz zu schweigen vom Niesen aus der Küche. Inzwischen sind “Banquets” untersagt, konkretisiert wurde es inzwischen mit “nicht mehr als drei Personen”.
  • Die Kontrollen beim Betreten und Verlassen des Compounds wurden verschärft. Es wird Fieber gemessen, nachgefragt, ob man wirklich raus muss. Überall riecht es nach Desinfektionsmittel, im Fahrstuhl hängen Papiertücher, die man benutzen soll, um die Knöpfe zu bedienen.
  • Das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ist überall da Pflicht, wo man anderen Menschen begegnet: Supermärkte, Busse, Bahnen, Fahrstühle… Aber schon bevor diese Order kam, ist einem praktisch niemand mehr ohne Maske begegnet.

Vorsichtsmaßnahme im Lastenaufzug

Aussitzen, oder… ?

Mit der Entscheidung, die Krise hier auszusitzen, sind wir nicht allein. Laut (nicht repräsentativer) Umfrage des “Beijingers” sind es ca. 70% der Expats, die hier ausharren, laut Umfrage in einer Schulklasse sind etwas mehr als die Hälfte der Kinder hier. Unsere “Lütten” (die so lütt ja gar nicht mehr sind) haben von mir aber ein totales Verbot bekommen, die Wohnung zu verlassen. Dafür können sie – wenn die schulischen Pflichten erledigt sind – glotzen und PC spielen bis es selbst ihnen zu viel wird. Langweile kennt zum Glück keiner von uns – ich bin aber wirklich froh, hier jetzt nicht mit jüngeren Kindern festzusitzen.

Rückflug mit Hindernissen

Der Mittlere und seine Freundin sind inzwischen heil und gesund zurück in Deutschland. Mit den vielen Flugstreichungen und einem Fehler bei der Umbuchung (kann einem Unternehmen ja mal passieren, aber in solchen Zeiten sieht das einfach nicht gut aus, wenn ein Flug aus dem System verschwindet, aber für den 15fachen Preis noch zu haben ist) fühlte ich mich schon gestresst, und die selbst auferlegte Coolness hat echt Risse bekommen. Zum Glück stand das Unternehmen nach zahlreichen, endlosen Telefonaten zu seinem Fehler, und die großen  “Kinder” wurden auf einen neuen Rückflug gebucht. Am Ende sogar ganz gut, denn der vorige Flug war inzwischen auch komplett Geschichte, auch diese Airline fliegt erst im März wieder.

Nochmal Schnee…

Zwischendrin hat es mal wieder geschneit, schon das fünfte Mal in diesem Winter – angesichts des Virus ist das ziemlich untergegangen. 

Schnee in Chaoyang

Schnee in Peking

Was für ein unfassbarer Unterschied! Als es Anfang Januar so geschneit hatte, was war da für ein Trubel überall, was war da für eine aufgekratzt-fröhliche Stimmung. Bis auf ein paar Reste ist der Schnee inzwischen weggetaut, tagsüber sollen wir in den nächsten Tagen sogar zweistellige Temperaturen kriegen, bis es am kommenden Wochenende windig und wieder kalt wird. Das wird dann hoffentlich den dreckigen Smog wegblasen, der hier zusätzlich zu allem anderen die Stimmung drückt.

Eine Portion Optimismus, bitte

Meine Gelassenheit ist brüchig geworden. Ein Virus, das morgen oder übermorgen 1000 Menschen auf dem Gewissen haben wird, tobt in dem Land, in dem ich lebe. Es ist nicht irgendeine Schlagzeile, die ein Land Tausende Kilometer entfernt betrifft, sondern es findet hier in unserer Nachbarschaft statt. In Peking sind inzwischen 337 Menschen erkrankt, zwei verstorben, 44 wieder gesund. Die Zahlen verlieren – etwas – von ihrem Schrecken, wenn man sie in Relation zu Pekings Größe setzt: über 21 Millionen Einwohner. Aber anders als über eine Nachricht, über die man hinwegscrollt, kann man über die Masken, die Kontrollen nicht hinwegsehen. Ob wir wollen oder nicht, wir werden ständig mit der Krise konfrontiert.

Nervt immer, aber jetzt besonders: Panikmache und Fake News

Fake News und Panikmache sind immer unnötiger Mist. Aktuell werde ich aber wirklich zornig, wenn ich mit sowas konfrontiert werde. Es ist schwierig genug, seriöse von unseriösen Meldungen zu unterscheiden, erst Recht, wenn selbst Medien, die man eigentlich als eher vertrauenswürdig erachtet hat (wie Spiegel und Tagesthemen beispielsweise) danebengreifen. Aktuell kommt dazu, dass meine Chinesischkenntnisse sehr begrenzt sind, der Zugriff auf Originalquellen damit nur eingeschränkt möglich ist. So eine Situation würde einen doch schon in Deutschland verunsichern, wo man alles mit der Muttermilch aufgesogen hat und auch blind zwischen den Zeilen lesen kann. Sprachbarrieren sind blöd. Naja, und China und Medien halt… 

Jedenfalls liegen hier keine Leichen in den Straßen rum, auch Zombies haben wir noch keine gesehen. Unsere Nachbarn gehen weiter mit ihren Hunden Gassi und haben sie nicht aus dem Fenster geworfen, Peking ist nicht abgeriegelt, die Regale in den Supermärkten sind voll (es gibt auch wieder Trinkwasserkübel, der Engpass war tatsächlich nur den eigentlichen Neujahrsferien geschuldet).

Und wenn mir hier das doch alles zu viel wird, klemme ich die Kurzen untern Arm und setze mich nach Australien ab und helfe unseren Freunden dort bei der Renovierung ihrer Farm. Oh wait, Reisebeschränkungen, die Australier (und viele andere Länder) lassen uns gar nicht rein. Ich habe einen Notfall-Plan für Deutschland, aber selbst mit den Einschränkungen und dem halbfreiwilligen Wohnungsknast ist es derzeit für uns angenehmer hier in Peking.

Landsleute-Mails

In den letzten Wochen bekommen wir über die Krisenvorsorgeliste der Botschaft/des Auswärtigen Amts regelmäßig sogenannte Landsleute-Mails. Zum Teil bestehen die aus Abschnitten, die sich lesen wie Presseerklärungen. Ja schon, ich finde es gut und richtig, dass die Deutschen aus Wuhan ausgeflogen wurden. Aber ich frage mich, warum das andere Länder deutlich früher geschafft haben – und warum das mir in so einer Mail mitgeteilt wird. Soll mich das beruhigen, dass im Fall der Fälle auch aus Peking (oder anderen betroffenen Landesteilen) evakuiert wird?

Zu der Teilreisewarnung hat sich nun der Hinweis gesellt, dass Deutsche in China eine vorzeitige/vorübergehende Ausreise in Erwägung ziehen sollten – aufgrund der zunehmenden Einschränkungen. Nicht wegen des Virus selbst. Das nehmen wir erstmal als Beruhigung und bleiben, denn so lästig die Einschränkungen auch sind, damit lässt es sich aushalten.  

Wir hoffen, dass das Schlimmste bald überstanden ist. Die Kurve mit den Neuansteckungen ist abgeflacht. Jetzt muss man wohl abwarten, ob mit der Rückkehrerwelle (heute war der erste offizielle Arbeitstag nach den verlängerten “Ferien”) eine neue Ansteckungswelle durch Peking und das Land schwappt.

Etwas mehr Langweile, bitte

Werde ich gefragt, wie ich das Leben in Peking finde, habe ich bisher meistens geantwortet, dass es seine Höhen und Tiefen hat, aber es zumindest niemals langweilig wird. Etwas mehr Langweile wäre jetzt aber vielleicht doch ganz schön.

Immerhin wird mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) kleiner. Zwischendurch habe ich das Spiel Plague Inc. entstaubt; beim Glotzen sind Mützen, Schals und Socken entstanden. Achja, Glotzen:  Offenbar gibt es unter uns deutschen Pekingern einen Trend zu den gleichen Filmen und Serien: Outbreak, Contagion, World War Z, Containment… Und dann setz ich meine Maske auf, schwinge mich auf den Scooter und fahre durch die nach wie vor leeren Straßen und denke, ich bin im falschen Film.

Die Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann… Energie für das Änderbare aufsparen… Und nur den Humor nicht verlieren… Aktuell nicht ganz so einfach mit der Neujahrsseuche in Peking.

Stand der Dinge

Für zuverlässige Zahlen gibt es ja inzwischen zahlreiche seriöse Quellen, z.B. die vom The Beijinger. Aktuell in Peking: 135 Infizierte, 5 erholt, einer tot.
Auch die übrigen News der Seite rund ums Virus halte ich für vertrauenswürdig – wenn sie spekulieren oder unsicher sind, kennzeichnen sie das.

Für uns privat: unser Shop hat weiterhin keine Trinkwasserkübel, sollen in ca. 3 Tagen wieder vorrätig sein. Wir haben uns bis jetzt mit 4- und 5-Liter-Flaschen eingedeckt und sollten bis dahin über die Runden kommen – zur Not müssen wir woanders einkaufen und halt schleppen. Lebensmittelversorgung ist kein Problem – Masken und zum Teil Desinfektionsmittel sind ausverkauft, aber sollen auch zügig wiederkommen. Und inzwischen gibt es auch wieder frisches Obst und Gemüse (dass das zwischenzeitlich knapper wurde, lag aber vor allem an den Ferien).

In Peking unterwegs

Die “kleinen” Jungs bleiben zuhause, sicher ist sicher. Ihnen kommt das entgegen, sind sie eh nicht so die Ausflugfans. Der Mann arbeitet. Gestern habe ich mich mit zuhause eingegraben, bloß Abstand zu allem und jeden – heute hätte mich der Budenkoller fast die Wände hochgehen lassen, also: raus! Mit dem Besuch aus Deutschland war ich also heute unterwegs: Von der Wangfujing zum Jingshan Park. Menschenmassen soll man ja vermeiden, lässt sich derzeit prima auch an den üblicherweise belebtesten Gegenden Pekings umsetzen.

menschenleer

Und der Blick in die andere Richtung: ebenfalls menschenleer

Im Foreign Language Bookstore in der Wangfujing musste ich das erste Mal Fieber messen lassen. Wenn man Didi fährt, müssen inzwischen auch die Fahrgäste Masken tragen, nicht nur wie vor zwei Tagen noch nur der Fahrer. Maske tragen ist übrigens extrem lästig, es wird viel zu warm drunter und gefühlt atmet man nur seinen eigenen Dunst ein, irgendwann schnappt man nach Luft…

Nicht mehr security als sonst…

– aber weil es so leer ist, fällt es mehr auf

Auf den menschenleeren Straßen zieh ich die Maske dann auch direkt runter, um sie hoch zu schieben, so bald sich andere Passanten nähern – man nimmt hier wirklich gegenseitig Rücksicht. Von der Wangfujing gehen wir weiter in Richtung Verbotene Stadt.

Nichts los!

Da, wo sich sonst die Fotografen stapeln (selbst im harten Mittagslicht): nix los!

The ! Corner – Nichts los!

Randbemerkung: Das Eis ist geschmolzen. Heute war es – passend zum Frühlingsfest – wirklich frühlingshaft! Vergleichsweise warm, sonnig, schön. Okay, die Luft hätte noch etwas besser sein können, aber wir können ja nicht alles haben.

Wir gehen weiter in Richtung Jingshan Park, vorbei am Nordausgang der Verbotenen Stadt.

Geschlossen!

Von dort erstmal einen Blick auf den Kohlehügel werfen!

Im Jingshan Park war ich erst neulich, als es so nett geschneit hatte. Heute das totale Kontrastprogramm, zum einen, weil ein Hauch von Frühling in der Luft lag, sonnig und vergleichsweise warm – und nicht überfüllt, sondern im Gegenteil:  um 15 Uhr waren laut Anzeigetafel den ganzen Tag über gerade mal knapp über 2000 Besucher im Park gewesen, als wir da waren zwischen 97 (als wir rein sind) und 105 (nach dem wir raus waren) Leuten. Die oberste Ebene am Wanchun Pavillon, wo sich sonst die Leute drängen, ist wohl genau eben deshalb gesperrt. Ansonsten verteilt es sich.

Blick vom Kohlehügel auf die Verbotene Stadt

 

Nordausgang Verbotene Stadt: Derzeit nur für Mitarbeiter geöffnet…

Der Spaziergang durch den fürs Frühlingsfest geschmückten Park tut gut. Die roten Laternen vor dem blauen Himmel machen gute Laune.

Und dann geht es über die weiterhin menschenleeren Straßen zurück nach Hause.

Nichts los!

 

Du kommscht hier net raus

Möchte man aktuell bei KLM ein One-Way-Ticket aus Peking nach Europa buchen für dies Wochenende (ab Montag fliegen sie erstmal nicht mehr von/nach China), gehen die Flugpreise durch die Decke. Bretterklasse, nicht Business. Äh, nein. Wollen wir eh nicht, denn wir glauben, dass wir hier gut und sicher aufgehoben sind, um die Krise auszusitzen. Aber der Mittlere und seine Freundin müssen ja irgendwann zurück nach Deutschland. Gestern haben wir erfolgreich umgebucht: statt Montag nach Changsha und 2 Wochen später von dort zurück nach Deutschland sollte es nun am 8.2. von Peking nach Frankfurt gehen. Heute Morgen dann die News, dass KLM am Montag auch nicht mehr von/nach China fliegt, vorerst bis zum 9.2. Heute Nachmittag konnten die zwei erneut umbuchen, nun soll es am 10.2. zurückgehen. Schaun wir mal… 

Die Nachrichten überschlagen sich, aufgrund anderer Ereignisse (siehe unten) komme ich gerade kaum hinterher die News zu verfolgen… Es könnte jedenfalls durchaus passieren, dass im Februar kein Flug gehen wird. Dann sitzen die Zwei hier fest und dann wird es mit dem Visum spannend, dass nur noch bis zum 27.2. gilt… Wir werden sehen!

Uns geht es ja hier soweit gut. Aber wenn ich an die Leute in Wuhan denke, so von wegen nicht rauskommen… Japan hat inzwischen den dritten Flieger gechartert und Leute rausgeholt, Deutschland diskutiert immer noch. Da muss man sich doch ziemlich hängengelassen fühlen. 

Ein ähnliches Gefühl hat mich gepackt, als ich auf bild(punkt)de ein Interview mit dem Gesundheitsminister gesehen hab. Was pack ich die Blöd überhaupt an, selbst schuld. Hinterher dringenderes Bedürfnis die Hände zu desinfizieren als nach dem Gang ums Haus. Aber dieses “wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass” – sorry, in so einer Krise erwarte ich als Auslandsdeutsche vernünftige Argumente und Ratschläge und nicht “das muss jeder selber wissen” – das ist hier als verdammt armselig angekommen. Selbst wenn es nicht DIE optimale Lösung für alle gibt, eine gescheite Auflistung von Pro und Contra für verschiedene Optionen (Bleiben oder Gehen?) wäre hilfreich gewesen. Und die erwarte ich vom Gesundheitsminister – wir sind hier (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nämlich medizinische Laien und können vielfach nur raten, was wohl das Schlauste ist. 

Langweilig wird es nicht

Ich kann ja ganz gut vor mich hinblubbern, vorhin in der Küche zum Beispiel…

“Wer hat denn hier schon wieder gepladdert und das nicht weggewischt?”

Mecker, mecker…
Saubergemacht, umgedreht, wieder umgedreht.
Hä? Wieso ist das schon wieder nass?
Schrank aufgemacht und eine Dusche abbekommen.

Handy geschnappt, Vermieter informiert, der war 3 Minuten später da, hat kurz geguckt und ist eine Etage hoch gerannt…

Tja, wenn die Mieter der Wohnung über uns irgendwann nach Peking zurückkommen, wartet eine böse Überraschung auf sie – in ihrer Wohnung hätte man heute surfen können, das Wasser stand knöchel- bis knietief… Vom Vermieter werden wir regelmäßig mit Videos versorgt, wie man die Wellen dort nach und nach in den Griff kriegt… (Nein, werde ich nicht zeigen, um die Privatsphäre der Mieter zu wahren, aber glaubt mir: es ist schlimm!)

Außer unserer Küche ist auch die Vorratskammer feucht geworden, wir haben nun beides soweit leergeräumt. Regelmäßig wird mit Blick an die Decke patrouilliert, ob es weitere Leckagen gibt, wir sollen alles direkt knipsen und an den Vermieter morsen.

Morgen werden wir dann mal hinter Bautrockner etc. hinterher sein. 

Zwischendrin hab ich kurz gedacht, ich möchte jetzt gerne ein bisschen schreien und/oder weinen. Aber das hilft ja auch nicht, also klammer ich mich an das letzte verbliebene Fitzelchen Humor und habe erstmal den Mann geprankt, warum er seit Tagen auf dem Balkon raucht und nicht sieht, dass da Wasser runtertropft. Tut es nicht, aber er hat erstmal schön sparsam geguckt. *grins*

Die Küche wollen wir morgen erstmal in Dettol/Desinfektonsmittel baden, gekocht wurde heute Abend da lieber nicht mehr. Dass auch der Mittlere etwas aufgeregt ist, haben wir daran gemerkt, dass er versucht hat, ohne Akku mit meinem Scooter loszufahren, um ein paar Jiaozi zu besorgen…

Wir bleiben hier

Auch wenn es gerade eher nicht so gemütlich ist (mit den Bergen nasser Handtücher und dem im Flur und auf dem Balkon gestapelten Vorräten) – wir bleiben hier. Wir sind gesund, gehören keiner Risikogruppe an und wollen im Fall der Fälle auch nicht unwissentlich das Virus verbreiten. Dieser Artikel aus dem Beijinger spricht uns da aus der Seele. Long story short: Stay where you are!

Wir sind hier sicher, gut versorgt und besser aufgehoben, als wenn wir jetzt nach Deutschland flüchten würden und womöglich in Quarantäne gesteckt würden…  Uns womöglich im Sardinenbüchsenflieger anstecken… Wir hoffen jedenfalls sehr, dass sich die Infektion nicht mehr weiter ausbreitet, dass alle Erkrankten wieder gesunden und keiner mehr stirbt -und der Spuk rasch überstanden ist.

 

Die Pekinger Luft ist derzeit so mies wie schon länger nicht mehr. Die schlechte Sicht passt aber auch zur Stimmungslage: stochern im Nebel. Wir verfolgen weiterhin aufmerksam die Nachrichten, versuchen die Spreu vom Weizen zu trennen: was klingt nicht nur, sondern ist auch seriös? Offensichtliche Fakes lassen sich in der Regel schnell entlarven, wie beispielsweise das unsägliche Video eines Trolls, der sich “Odysseus” nennt. 

Zahlen von heute 17 Uhr: 4.599 bestätigte Fälle, 6.973 Verdachtsfälle. 68 erholt, 106 Tote. Davon in Peking: 91 bestätigte Fälle, 2 erholt, 1 Toter.

Wie wir derzeit von den Auswirkungen der Krise betroffen sind

Ja, inzwischen macht sich doch auch Verunsicherung breit. Noch habe ich weniger Angst davor, dass einer von uns krank wird, aber es sind doch mittlerweile Auswirkungen, die unser Leben hier konkret beeinflussen.

Bei solchen Luftwerten wie heute habe ich immer Kopfschmerzen, aber heute habe ich sicherheitshalber zum Fieberthermometer gegriffen. Alles gut, aber die selbst verordnete Coolness bekommt doch Risse.

Aktuell würden wir wegen des Smogs eh nicht viel unternehmen, aber für unseren Besuch ist es schon extrem schade, dass die meisten Sehenswürdigkeiten geschlossen sind. Bisherige Schließungen und Maßnahmen finden sich hier.

Leere Regale: CNY meets Virus

Dass Gemüse- und Obstregale in den Geschäften nach dem Neujahrstag relativ leer sind, war jedes Jahr so. Aber jetzt fragt man sich halt doch, ob und wann neue Ware geliefert wird. Als vorhin unser Compound-Shop auf WeChat gepostet hat, sind wir direkt runter und haben unsere Vorräte aufgestockt – damit waren wir nicht die einzigen. Was er allerdings nicht mehr hat: Trinkwasserkübel. Und die kämen erst in etwa einer Woche wieder. Auch wenn es noch andere Quellen gibt, ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mich das nicht beunruhigt.

Dem German Food Center habe ich einen Besuch abgestattet und ein kleines Vermögen da gelassen. Nun ist der Gefrierschrank voll. Frisches Brot war schon ausverkauft, die letzten Brötchen und Brezeln habe ich ergattert. Abgepacktes Vollkornbrot haben wir noch, hungern müssen unsere nimmersatten Teenagerjungs nicht. 

Unterwegs hatte ich meine Maske auf. Schnell wird es unangenehm warm darunter, so dass ich als ich über die weitgehend leeren Straßen gefahren bin, sie runtergezogen habe und erst vor Betreten des Ladens wieder aufgesetzt hab.

Das Compound-Management hat mitgeteilt, dass Lieferanten nicht mehr hineinkommen dürfen, sondern draußen am Tor warten müssen und man dort nach telefonischer Kontaktaufnahme seine Lieferungen selbst abholen muss. Im fernen Deutschland mag man vielleicht “ja, und?” dazu sagen. Aber die Lieferanten hier prägen das Stadtbild, Onlineshopping und Essen bestellen gehört zum Alltag, dass man seine Waren und sein Futter innerhalb kürzester Zeit an die Wohnungstür geliefert bekommt ist hier eine der Selbstverständlichkeiten, an die wir uns auch schon lange gewöhnt haben. Bemerkenswert finde ich in der Nachricht die Durchhalteparolen:

Let us unite as one. We will do a good job in the prevention and control of this epidemic and build a happy and peaceful home.

Das “Grand Summit” mit seinen Büros, aber auch Restaurants und Läden hat geschlossen, aktueller Stand: vermutlich bis zum 3. Februar. 

Schule ist geschlossen bis mindestens zum 17.2.2020

Eben kam folgende Mail von der Schule:

Liebe Eltern,

ich möchte Sie über die Entscheidung des Vorstands und der Schulleitung zur aktuellen Situation informieren.

In Abstimmung mit den lokalen Behörden und der Botschaft sind wir zu der Entscheidung gelangt, dass die Wiedereröffnung der Schule bis auf Weiteres verschoben wird. Von einer Schließung bis mindestens zum 17.02. ist auszugehen.

Ein genauer Wiedereröffnungstermin steht auch auf Grund der Dynamik der Corona Virus Situation noch nicht fest. Langjährige Erfahrungen mit chinesischen Stellen zeigen aber, das eventuelle Änderungen kurzfristig mitgeteilt werden.

Bis zur Wiedereröffnung werden sowohl der Schul- als auch der Kindergartenbetrieb im vollen Umfang, inklusive aller Nachmittagsaktivitäten, AGs, Abendveranstaltungen und sonstiger Aktivitäten (so zum Beispiel auch der Elternsprechabend) eingestellt.

Bitte bedenken Sie, dass dies keine Verlängerung der Ferien darstellt. Vom 03.02.2020 an werden alle Schüler online mit Aufgaben und Lerninhalten versorgt.

Für Schüler der Klassen 1 bis 6 wird dies über das EIS (Elterninformationssystem) erfolgen. Für Schüler ab der Klasse 7 wird dies über Office 365 geschehen.

Entsprechende Anleitungen für Eltern und Schüler werden Ihnen in Kürze zugehen.

Für das anstehende Abitur befinden wir uns im Moment in der Abstimmungsphase mit den Behörden vor Ort, der KMK (Kultusministerkonferenz), der ZfA (Zentralstelle für das Auslandsschulwesen) und den anderen deutschen Schulen in der Region.

Wir versuchen unser Möglichstes, die bereits bekannt gegebenen Termine beizubehalten und eine Sondergenehmigung zur Durchführung der schriftlichen Abiturprüfungen zu erhalten.

Die Abiturienten werden sobald eine Lösung gefunden ist über das weitere Vorgehen informiert.

Die Schulschließung soll u. a. vorgenommen werden, um vor Ansteckung bei großen Menschenansammlungen zu schützen und um Fälle mit Coronavirus innerhalb der Ansteckungszeit zu erkennen.

Um dies zu gewährleisten wurde von der Erziehungskommission und der chinesischen CDC (Center for Disease Control and Prevention) angeordnet, dass alle Schüler, die vor kurzem nach Wuhan oder in die Provinz Hubei gefahren sind oder in Kontakt mit solchen Personen waren, der Schule Namen, Vorname, Klasse und Zeitraum der Fahrt bzw. des Kontakts mitteilen müssen. Bitte senden Sie im Falle, dass Ihre Kinder betroffen sind, eine Mail mit den entsprechenden Angaben an info@dspeking.cn.

Der Jubel der Söhne ging unter nach dem Abschnitt, dass es sich um keine Verlängerung der Ferien handele und sie ab kommenden Montag online mit Aufgaben versorgt werden.

In der Mail geht es weiter mit Informationen des Botschaftarztes:

Hierzu eine kurze Stellungnahme des Botschaftsarztes Dr. Schmidt:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Eltern,

die entschlossene Reaktion der chinesischen Behörden auf den Ausbruch eines neuartigen Corona-Virus in der Hubei Provinz, die landesweit zu einer erheblichen Einschränkung im Öffentlichen Leben führten und

noch weiter führen werden, soll die Weiterverbreitung dieses unbekannten Erregers eindämmen und mithelfen, die Erkrankungszahlen außerhalb von Wuhan klein zu halten.

Mit der Entscheidung zur Suspendierung des Schulbetriebs trägt auch die Deutsche Botschaftsschule Peking mit dazu bei, die Situation kurz- bis mittelfristig unter Kontrolle zu bekommen.

Bitte beachten Sie in den nächsten Tagen insbesondere die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, die unter Mitarbeit eines eingerichteten Krisenstabs hier in Peking als auch

in Berlin (Auswärtiges Amt) erstellt und regelmäßig zur Lage aktualisiert werden. Bitte sehen Sie hier: https://china.diplo.de/cn-de/aktuelles/neuigkeiten/-/2295084

Ich stehe Ihnen gerne für weitere medizinische Informationen und Anliegen zur Verfügung,

mit freundlichen Grüßen

Dr. Volker Schmidt

Erneut wird auf die Krisenvorsorgeliste “ELEFAND” und die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes hingewiesen. 

Und unser Besuch?

Der Mittlere und seine Freundin sind gerade hier. Die zwei sind jetzt echt gekniffen, denn eigentlich wollten sie nach dem Familienbesuch bei uns weiter nach Changsha reisen und dort wandern und zwei Wochen später von dort zurück nach Deutschland fliegen. Das ist aktuell leider keine gute Idee mehr, allerdings weigert sich die Airline noch umzubuchen. Ein bisschen Zeit ist noch, wir versuchen es täglich weiter. 

Immerhin: unser Lieblingsrestaurant hat geöffnet, da werden wir dann nachher zum Abendessen hingehen. So ist immerhin ein wesentlicher Bestandteil einer Chinareise gesichert: sich durch die Chinesische Küche durchfuttern.

Tja, so sieht das hier aus. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, halten uns an die Empfehlungen und hoffen darauf, dass sich das Leben bald normalisiert. Ich werde weiter berichten.

 

 

Pekings Strassen sind leer gefegt. Das ist jedes Jahr zum Chinesischen Neujahr so, aber dieses Jahr kommt das Corona-Virus erschwerend hinzu. Hier will ich erzählen, wie es für mich aktuell in Peking ist.

Am Ende dieses Blogbeitrags werde ich aktuelle Schließungen etc. auflisten und in der nächsten Zeit regelmäßig aktualisieren.

Was wir (nicht) wissen

Es heißt, das Coronavirus sei weniger ansteckend als die Grippe (Influenza) und weniger tödlich – scheinbar im Widerspruch stehen dazu die teils sehr drastischen Maßnahmen.
Wenn sich das Virus aber weiter ausbreitet, erhöht sich die Möglichkeit von Mutationen, die es gefährlicher machen könnten – und das erklärt wohl auch die teils drastischen Maßnahmen: Millionenstädte unter Quarantäne, aus dem Boden stampfen von Krankenhäusern mit über 1000 Betten… Hier in Peking Absage aller Temple Fairs und Kinopremieren. Schließung von stark frequentierten Mauerabschnitten, Vergnügungsparks und Sehenswürdigkeiten, allen voran die Verbotene Stadt und Lama- und Konfuziustempel.

Vielleicht ist es nicht nur Notwendigkeit, sondern auch ein wenig “Sicherheitsaktivismus”: zeigen, dass man aus dem Umgang mit SARS gelernt hat? 

Wuhan ist weit weg, aber inzwischen gibt es offiziell 41 Erkrankte in Peking, zwei inzwischen erholt (Stand heute 25.1.2020, 23 Uhr ).

Info-Mails von Schule und Botschaft

Von der Deutschen Botschaftsschule kam folgende Info:

Wir stimmen unser Vorgehen in dieser Angelegenheit eng mit der Botschaft und dem Botschaftsarzt ab:

Bitte erwarten Sie in den nächsten Tagen ausführlichere Informationen sowohl von der Schule als auch vom Botschaftsarzt. Heute, an unserem letzten Unterrichtstag vor den Ferien zum chinesischen Neujahrsfest, möchten wir Ihnen versichern, dass wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um Ihren Kindern nach den Ferien einen geregelten und sicheren Schulalltag zu bieten.

Folgende Maßnahmen möchten wir Ihnen im Vorfeld empfehlen:

  • Fahren Sie nicht nach Wuhan
  • Erholen Sie sich eher in Peking als an anderen Orten
  • Waschen Sie Ihre Hände regelmäßiger als sonst mit Seife
  • Meiden Sie offensichtlich erkrankte Personen
  • Tragen Sie auf Bahnhöfen und Flughäfen eine Feinstaubmaske, diese reduziert Tröpfcheninfektion
  • Wenn Sie mit hohem Fieber erkranken, lassen Sie sich untersuchen

Innerhalb der Schule ergreifen wir in den Ferien präventiv unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Intensive Grundreinigung aller Räume und Toiletten
  • Desinfektion aller Oberflächen und Griffe und Spielzeuge
  • Intensivierung der Kommunikation und Zusammenarbeit sowohl mit chinesischen Behörden als auch der Botschaft im speziellen unseres Botschaftsarztes

Von der Botschaft kam folgende Mail:

Nachfolgend konsularischer Hinweis der deutschen Botschaft Peking zur Entwicklung der sog. nCOV-Gefährdungslage in China, Stand 23.01.2020, 12:00 Uhr:

Allen Deutschen in China wird nach wie vor empfohlen, die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu China regelmäßig zu verfolgen. Diese werden anlassbezogen auch kurzfristig laufend aktualisiert. Die Websites der deutschen Auslandsvertretungen in China verweisen auf diese zentralen Informationen in diesen Reise-und Sicherheitshinweisen und deren weiterführenden Links.

Die WHO hat bisher keine Entscheidung über die Ausrufung eines Internationalen Gesundheitsnotstands getroffen.

Seit dem 23. Januar 2020, 10:00 Uhr, ist eine Ausreise aus Wuhan mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Zug, Flug, Bus, Fähre) bis auf weiteres nicht mehr möglich. Unklar ist, ob die Ausreisesperre auch für private Beförderungsmittel gilt. Deutschen Staatsangehörigen in Wuhan wird nahegelegt, sich an die Anweisungen der lokalen Behörden zu halten und bei Bedarf den Bereitschaftsdienst der deutschen Botschaft unter der Nummer +86 10 8532 9202 zu kontaktieren.

Die deutschen Auslandsvertretungen in China empfehlen darüber hinaus:

• Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste unter elefand.diplo.de
• Beachten Sie die Informationen im Merkblatt nCoV sowie auf den Seiten der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Robert-Koch-Instituts RKI.

Die Reise- und Sicherheitshinweise zu China, die regelmäßig aktualisiert werden und einen Link zum erwähnten Merkblatt enthalten, finden Sie über:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/chinasicherheit/200466?isLocal=false&isPreview=false

Auch China-Reisende sollten sich aktuell auf der Krisenvorsorgeliste eintragen.

Besuch muss Masken aus Deutschland mitbringen

N95-Masken waren in den Geschäften, in denen ich es versucht habe, überall ausverkauft.  Unser Mittlerer, der ab Montag mit seiner Freundin zu Besuch kommt, wird nun welche mitbringen. Allerdings nur drei, auch in Deutschland gab es Lieferengpässe… Nein, wir haben ihm nicht davon abgeraten zu kommen. Für ihn ist es ja auch Familienbesuch. Blöd ist es für Leute, die gerade jetzt eine “Once-in-a-Lifetime”-Reise antreten wollen – und dann sind wichtige Abschnitte der Großen Mauer, die Verbotene Stadt und viele andere Sehenswürdigkeiten geschlossen. Das ist super ärgerlich, ich hoffe, für solche Fälle gibt es vernünftige Stornomöglichkeiten.

Leere Strassen – zwischen “genial” und “gespenstisch”

Ich würde ja gerne mal mit dem Scooter über den Tian’anmen sausen, was normalerweise verboten ist. Gestern am Spätnachmittag hab ich es mal wieder versucht – vielleicht eine Chance angesichts des Feiertags?

Ich bin überall brav auf dem Bike-Streifen geblieben, aber ich hätte locker Slalom über 8 Spuren fahren können. Nichts los! 

Nordost-Ecke Verbotene Stadt

An der Ecke direkt am Graben standen ein paar wenige Fotografen. Aber auf der Straße: nichts. Und hier steppt sonst freitagabends der Bär! Ich bin dann an der Ostseite der Verbotenen Stadt entlang gefahren, aber nein, am Ende kein Durchkommen: streng wie immer, keine Chance mich an den Wächtern vorbeizumogeln. Und da ich selbst entscheiden möchte, wann ich China verlasse und nicht rausgeworfen werden will, bin ich dann doch lieber vernünftig… Außerdem saugt die Kälte das Scooterakku verflixt schnell leer, so dass ich lieber zurückgefahren bin.

Es ist jedenfalls schon ein komisches Gefühl, wenn die ansonsten belebten und übervollen Straßen so leer sind. Auch wenn dafür sicher vor allem die Neujahrsferien ursächlich sind, wenn die wenigen Menschen, die man unterwegs sieht, zum Großteil Masken tragen, ist es halt doch weit entfernt von normal.

Chunwan – das größte Fernsehereignis der Welt

Wieder zuhause war es Zeit, die Glotze anzuwerfen, diese chinesische Tradition machen wir mit und schauen uns die Neujahrsgala an. Dieses Jahr besonders augenkrebsverdächtig (Hauptsache quietschbunt!) – und nicht so überwältigend wie letztes Jahr. Okay, die vom letzten Jahr war wohl auch wegen der anstehenden 70-Jahr-Feierlichkeiten besonders opulent. Was es dies Jahr gar nicht gab: Feuerwerksbilder und Beiträge aus allen Provinzen (nur einige wenige). Ja, da war es dann auch wieder das Virus: offenbar sind da auch Veranstaltungen abgesagt worden. Bemerkenswert, dass es schon ziemlich zu Anfang der Show einen Beitrag zum Virus gab, im Gedächtnis geblieben ist mir davon vor allem der Dank an das medizinische Personal. 

CCTV-Neujahrsgala

WeChat ist wie jedes Jahr voller Neujahrswünsche – vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber ich habe schon den Eindruck, dass deutlich mehr Gesundheit als Wohlstand und Reichtum (was sonst eine der gängigen Grußformeln ist) gewünscht wird.

Gerüchte und Verschwörungstheorien

Wenn man auf Twitter nach #coronavirus schaut, dann findet man zwar durchaus auch seriöse Nachrichten – aber auch widerliche Äußerungen wie “Mistland nuklear dem Erdboden gleichmachen” (gemeldet). Nein, ich glaube nicht, dass das Virus eine aus einem Geheimlabor entwichene Biowaffe ist. Nein, ich glaube nicht, dass heute Nachmittag in Peking Chemtrails Desinfektonsflieger gesprüht haben. Nein, die Straßen von und nach Peking sind nicht geschlossen. Nein, wir haben keine Aluhüte auf, aber ich hab vorhin unterwegs dann doch meine Maske getragen, denn im Gegensatz zu dem ganzen anderen Unfug ist das eine sinnvolle Maßnahme.

Befindlichkeit…

Aktuell mache ich mir keine Sorgen um uns. Kalt lässt uns das ganze trotzdem nicht – es sind ja teils extrem drastische Maßnahmen (die Quarantäne von Millionen Menschen!). Panik und Hysterie ist aber auch nicht angebracht. Wir werden die Nachrichten weiter aufmerksam verfolgen, uns an die Ratschläge halten (nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, keine Menschenansammlungen aufsuchen, ganz oft Hände waschen und desinfizieren).

Als die Stadt am Mittwoch noch nicht ganz so leer war, war es schon auffällig, dass unter den Wartenden an Bushaltestellen wenn überhaupt mal einer ohne Maske war – das Verhältnis ist sonst umgekehrt! Heute waren die Straßen noch leerer als gestern, die wenigen Menschen, die ich gesehen hab, trugen bis auf wenige Ausnahmen Masken. Es ist tatsächlich ein bisschen so wie zu Beginn eines Katastrophenfilms (wer mich näher kennt, weiß um meine Vorliebe für Katastrophenfilme aller Art): Erste Meldungen in den Nachrichten, aber man führt sein Leben halbwegs normal weiter und dann… Ich hoffe sehr, dass der Spuk schnell wieder vorbei ist, aber vermutlich wird uns das wohl doch mindestens in den nächsten Wochen begleiten.

Zahlen, Schließungen und Maßnahmen

Stand: 25.1.2020 – 23 Uhr Pekingzeit
Update: 26.1.2020 – 13 Uhr Pekingzeit
Update: 27.1.2020 – 8 Uhr Pekingzeit

Hier liste ich wie angekündigt die mir bekannten Erkrankungszahlen, Schließungen und Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Virus auf. Quellen: The Beijinger, China Daily, That’s Beijing. 

China gesamt:

Um die Entwicklung verfolgen zu können, Zahlen vom 25.1.2020:

  • 1,369 bestätigt
  • 1,983 Verdachtsfälle
  • 40 erholt
  • 41 gestorben

Zahlen am 26.1.2020

  • 1,975 bestätigt
  • 2,684 Verdachtsfälle
  • 49 erholt
  • 56 gestorben

Zahlen am 27.1.2020, 8 Uhr:

  • 2,762 bestätigt
  • 5,794 Verdachtsfälle
  • 51 erholt
  • 80 gestorben

Peking

41 bestätigt, 2 erholt(25.1.2020)

51 bestätigt, 2 erholt (26.1.2020)

63 bestätigt, 2 erholt (26.1.2020, 20 Uhr)

68 bestätigt, 2 erholt (27.1.2020, 8 Uhr)

Auswirkungen in Peking:

  • Absage aller Temple Fairs
  • Ab morgen (Sonntag, 26.1.2020) fahren keine Long-Distance-Busse mehr.
  • Temperaturkontrollen in mindestens 35 Metrostationen
  • An den Pekinger Flughäfen Temperaturkontrollen aller Ankommenden
  • internationale katholische und muslimische “Services” abgesagt (was die beiden deutschsprachigen christlichen Gemeinden machen, ist mir aktuell noch nicht bekannt)
  • Filmstarts abgesagt (zum Neujahrsfest eigentlich ein Megageschäft), mehrere Kinoketten schließen für unbestimmte Zeit
  • Yew Chung International School hat die Ferien vorerst um zwei Wochen bis zum 17.2.2020 verlängert, die Kaiwen Academy hat um eine Woche verlängert.
  • Manche Dörfer rund um Peking verordnen sich selbst Quarantäne, keiner kommt rein, keiner raus – z.B. Xianrendong Village in Changping. (Das hat es wohl während der SARS-Krise 2003 auch schon gegeben.)

Geschlossen:

  • Verbotene Stadt
  • Lamatempel
  • Konfuziustempel
  • Mauer bei Badaling
  • Mauer bei Juyongguan
  • Ming Gräber
  • Happy Valley (Vergnügungspark)
  • viele Theater, Kinos
  • Beijing Zoo

Derzeit (noch?) geöffnete Parks:

  • Ritan Park
  • Tuanjiehu Park
  • Rending Hu Park
  • Beihai Park
  • Zhongshan Park
  • Chaoyang Park
  • Qingnianhu Park
  • Temple of Heaven

Update 26.1.2020, 13 Uhr

  • DiDi fährt nur noch innerhalb der Stadt. Fahrer müssen Masken tragen.
  • Eisvergnügen auf dem Houhai-See ist bis auf Weiteres geschlossen.
  • Outlet Malls in Fengtai bis auf Weiteres geschlossen
  • geöffnet: Solana, Indigo

Update 26.1.2020, 20:30 Uhr

  • Nanshan-Ski-Resort bis auf Weiteres geschlossen (Mitteilung über die APP des Resorts)
  • Alle städtischen Pekinger Schulen verlängern ihre Ferien bis (mindestens) zum 17.2.2020. Inwieweit dies die privaten internationalen Schule verpflichtet, ist noch nicht ganz klar. Achtung, Spekulation: auch die internationalen Schulen werden verlängern müssen, würde mich überraschen, wenn da Ausnahmen gemacht werden.

Update 27.1.2020, 13:30 Uhr

  • Haidilao, die größte Hotpot-Kette, hat landesweit alle Filialen geschlossen – erstmal bis zum 31.1.2020
  • Chinesische Gruppenreisen (sowohl innerhalb Chinas als auch ins Ausland) bis auf weiteres unterbrochen, chinesische Agenturen und Reisebüros dürfen keine Gruppenreisen verkaufen. Nur bereits begonnene Reisen dürfen zuende gebracht werden. Individualreisen nicht davon betroffen.
  • Pangu 7 Star Hotel hat bis auf weiteres geschlossen.
  • Die offiziellen Neujahrsferien wurden um 2 Tage bis zum 2. Februar verlängert.

Erneut Mail vom Auswärtigen Amt (26.1.2020, 22:08 Uhr:

Liebe Landsleute,

die chinesischen Behörden haben mittlerweile weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen und u.a. den privaten Autoverkehr in einigen Städten der Provinz Hubei weitgehend untersagt. Dies ist für alle Betroffenen mit großen Einschränkungen verbunden. Die Bundesregierung steht im engen Kontakt mit den chinesischen Behörden und Partnerstaaten und prüft intensiv Möglichkeiten der Unterstützung für die Deutschen, die sich derzeit in der Provinz aufhalten. Wenn sich eine Möglichkeit zur Ausreise ergibt, werden wir Sie umgehend informieren.
Bitte beachten Sie, dass die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu China angesichts der aktuellen Entwicklungen um den neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) aktualisiert wurden (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/chinasicherheit/200466). Diese Hinweise werden anlassbezogen laufend aktualisiert und sollten daher auch weiterhin aufmerksam verfolgt werden.
Die deutschen Auslandsvertretungen in China empfehlen:

– Halten Sie sich an die Anweisungen der lokalen Sicherheitsbehörden.
– Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste unter elefand.diplo.de und bitten Sie auch andere Deutsche, die dies noch nicht getan haben, um Registrierung.
– Kontaktieren Sie in Notfällen den Bereitschaftsdienst der Deutschen Botschaft unter der Nummer +86 10 8532 9202.

Ihre deutschen Auslandsvertretungen in China

Unter dem genannten Link zur Sicherheit in China findet sich Folgendes:

Seit Dezember 2019 sind in der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei Fälle einer Lungenerkrankung aufgetreten, die wahrscheinlich mit dem Besuch eines lokalen Geflügel- und Fischmarkts in Verbindung stehen. Im Verlauf wurde eine Infektion mit einem neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) nachgewiesen. Aktuell steigen die Fallzahlen weiter deutlich an und es sind Todesfälle aufgetreten. Die Erkrankung breitet sich in China weiter aus. Die Quelle und Übertragungswege der Infektion sind nicht abschließend geklärt, die Übertragung von Mensch zu Mensch ist aber inzwischen wissenschaftlich gesichert. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan wird als moderat eingeschätzt.

Die chinesischen Behörden haben seit 23. Januar 2020 Reisebeschränkungen in die Stadt Wuhan und andere Städte der Provinz Hubei erlassen. Eine Ausreise mit Zug, Flug, Bus, Fähre ist derzeit nicht möglich. Auch andere Provinzen Chinas haben Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit unterschiedlichen Ausmaßes verhängt. Davon kann zunehmend auch der Fernreiseverkehr betroffen sein. Allgemein ist derzeit mit erheblichen Einschränkungen der Mobilität innerhalb Chinas zu rechnen.

Durch die enorme Beanspruchung des Gesundheitssystems kann es zu Einschränkungen bei der allgemeinmedizinischen Versorgung kommen.

  • Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste
  • Von Reisen in die Provinz Hubei wird derzeit abgeraten.
  • Beziehen Sie die genannten Einschränkungen in Ihre Reiseplanung ein.
  • Erwägen Sie, nicht zwingende Reisen nach China auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
  • Halten Sie sich an die Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte.
  • Beachten Sie die Informationen im Merkblatt nCoV sowie auf den Seiten der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Robert-Koch-Instituts RKI.

 

 

Hat lange keine “Schnipsel” mehr hier im Blog gegeben. Meine Schnipsel sind Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können. Ich will das wieder aufnehmen, denn mir ist doch wieder bewusst geworden, dass das, was jetzt mein Alltag und für mich normal ist, vor 5 Jahren noch exotisch und fremd war.

Vom Weihnachts- zum Neujahrsbaum

Neujahrsbaum

Vom Weihnachts- zum Neujahrsbaum!

Habe ich mal erwähnt, dass mir der chinesische Pragmatismus gut gefällt? Zeigt sich aktuell gerade wieder: Die Lobby war seit November schön weihnachtlich dekoriert. Vor ein paar Tagen wurde umdekoriert: Die Schleifen und Kugeln wurden vom Weihnachtsbaum abgenommen und Glücksfische drangehängt. Und fertig ist die Deko zum chinesischen Neujahr.

Ja, das Chinesische Neujahrsfest steht vor der Tür, die Reisewelle hat bereits begonnen. Beim sonst allgegenwärtigen Onlinehandel – Lieferung oft noch am selben Tag selbstverständlich – wird darauf hingewiesen, dass es bis nach dem Fest Verzögerungen geben wird. In fast allen Geschäften und Restaurants wird auf Schließ- bzw. eingeschränkte Öffnungszeiten hingewiesen. “Bitte bevorraten Sie sich!”

Strassenfriseur

Was hier zum Alltag gehört: Strassenfriseure. 

Hairdresser

Strassenfriseur

Vielleicht sollte ich meine langhaarigen Zottelsöhne dort mal hinschicken, damit sie beim konservativen Teil der Lehrerschaft weniger anecken? ;) – Never!

Baustelle

Vor meinem Fenster wird gebaut. Das war zwischenzeitlich wegen des Krachs zwar lästig, vor allem weil ja am Wochenende und nachts weitergeschuftet wird. Trotzdem finde ich das unglaublich interessant, wie erst ein riesiges Loch, bestimmt vier Etagen tief, gebuddelt wurde – und wie es jetzt weitergeht. Vor kurzem wurde spätabends Kies angeliefert. In der Straße stauten sich Dutzende Laster, die dann einer nach dem anderen ihre Ladung abgeworfen haben, was eindrucksvolle Staubwolken mit sich brachte. Letze Woche wurde ein Kran aufgebaut – sieht gerade bei Sonnenuntergang jetzt sehr cool aus. Jedenfalls gibt es hier immer etwas zu sehen – wobei: aktuell ist Ruhe – Chinesische Neujahrsferien!

 

Crazy?

Als ich neulich bei Schnee im Jingshan-Park war, sind mir immer wieder so kugelige, bunte Plastik-Zangen aufgefallen, die ich irgendwie unter “zweckentfremdete, seltsame Küchengeräte” verortet habe… Heute stolpere ich zufällig bei taobao/baopals darüber, dass das die neue heiße Scheisse für die Kinder von heute ist: Scheeball-Maker! Gibt es nicht nur in der Standardvariante, sondern auch als Enten, Schneemänner, Mäuse…

Screenshot von baopals (taobao für Dummis/auf Englisch), bisken bearbeitet ;)

Pest und Cholera

Nicht allzuweit von uns entfernt ist das Chaoyang-Hospital. Heute in den Schlagzeilen wegen eines Messerangriffs… War schon ein seltsames, leicht unheimliches Gefühl, als das Mittelalter – die Pest – da vor kurzer Zeit eingezogen ist. Das Thema hat sich allerdings verlaufen, man hat weiter nichts gehört, ich hoffe, den Betroffenen geht es inzwischen wieder gut. Pest scheint jedenfalls erstmal überstanden. Dafür haben wir jetzt das neue Coronavirus aus Wuhan. Ich hab sicherheitshalber erstmal “Contagion” geguckt… ;) Unangebrachter Spass beiseite (ich habe halt eine merkwürdige Vorliebe für Katastrophenszenarien/-filme/-romane…), sollte hier einer von uns Erkältungssymptome entwickeln, stehen wir sofort beim Doc auf der Matte.

Gesundheitlich war das letzte Quartal 2019 eine Katastrophe für mich, zum Glück gab es an allen Fronten vorerst Entwarnung, nun muss ich regelmäßig zu Kontrollen erscheinen. Mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert zu werden, war recht unspassig und mein eigentlich nicht tot zu kriegender Optimismus lag zwischenzeitlich ziemlich am Boden. Aber das ist überstanden. :) Nun guck ich mal, was 2020 so mit mir vorhat.

 

Peking im Schnee, das ist selten. Die Winter hier sind zwar knackig kalt, aber extrem trocken. Doch Anfang dieser Woche hat es schon zum dritten Mal in diesem Winter geschneit. Ich habe nicht lange überlegen müssen und bin zum Jingshan Park gefahren. Vor Ort wurde dann klar: die Idee hatte nicht nur ich. Lange Schlangen vor den Kassen! So voll habe ich den Park noch nie gesehen!

Gleich hinter dem Osteingang gab es dann unter anderem diesen Blick.

Pavillon im Jingshan Park

Diese Damen haben sich von der allgemeinen Schnee-Begeisterung nicht anstecken lassen und haben sich zum Tanzen umgezogen. Diese Garderobenständer findet man übrigens in allen Parks!

Tänzerinnen

Ich wollte eigentlich direkt auf den Hügel, aber die Wege nach oben waren abgesperrt. Viele Chinesen haben das ignoriert, aber ich habe mich nicht getraut. Also habe ich den Hügel umrundet, und tatsächlich war die Treppe am Westeingang geräumt und gestreut.

Überall standen schon kleine und größere Schneemänner, überall wurde posiert. Die Begeisterung war richtig ansteckend.

Chinesischer Schneemann :)

Immer wieder nette Ansichten.

Pavillon

Und dann ein erster Blick auf die Verbotene Stadt – die geschlossen war: Montag!

Verbotene Stadt im Schnee

Noch ein Pavillon…

Noch ein Pavillon…

Und dann die Verbotene Stadt – es war übrigens nicht nur wegen des Wetters so trübe, die Luft war nicht besonders. Erst gegen Mittag wurde es heller.

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Habe ich erwähnt, dass es echt voll war? Hier am obersten Pavillon sind ja (fast) immer viele Menschen, aber so ein Gewusel habe ich dort noch nicht erlebt!

Pavillon. Und viele Menschen.

Der Blick auf die Verbotenen Stadt ist natürlich etwas ganz Besonderes, aber auch der Blick nach Norden in Richtung Trommelturm ist toll. Neulich, bei besserem Wetter und ohne Smog, konnte man auch die Olympia-Gebäude sehen…

Blick nach Norden vom Kohlehügel aus

Überall wird posiert und fotografiert.

Im Jingshan Park am Haupteingang

Auch an der Straße und vor der geschlossenen Verbotenen Stadt war viel los.

Nordausgang der Verbotenen Stadt

Ich bin dann noch an der Verbotenen Stadt entlang spaziert, um hier auch mal endlich ein Bild von der Ecke zu schießen.

Nord-Ost-Ecke der Verbotenen Stadt

Der Schnee ist im Lauf des Nachmittags dann fix weggetaut. Tagsüber steigen die Temperaturen derzeit doch in den positiven Bereich. Ich bin jedenfalls froh, dass ich diese seltene Gelegenheit ausgenutzt habe – und auch wenn es voll war, ich würde wieder in den Jingshan Park gehen. Nicht nur, weil man außer dem Park auch den tollen Blick auf die Verbotene Stadt hat, sondern auch weil es Spaß macht, die vielen Leute beim Schneemann bauen, posieren, spielen… zu beobachten.

2020 steht vor der Tür, Zeit für gute Vorsätze. Gute Vorsätze? Das ist doch das, was spätestens Mitte Januar in der Versenkung verschwindet? Okay, also lieber konkrete Projekte und umsetzbare Pläne!

Ganz oben steht natürlich, ombidombi.de weiterhin zu pflegen und mit Inhalten zu füllen, wenn es klappt, gerne mindestens einmal in der Woche. Aber das läuft ja eigentlich schon recht gut, also muss noch ein weiteres Projekt her.

Ich fotografiere ja ganz gerne, möchte mich da aber auch unbedingt noch weiter entwickeln und besser werden. Also habe ich mir für 2020 ein 366 Tage Projekt vorgenommen: Jeden Tag ein Bild schießen und posten. Pausen höchstens im Krankheitsfall  (von denen es 2020 hoffentlich deutlich weniger gibt), dadurch entstehende Lücken zeitnah schließen.

366 Tage – 366 Fotos

Das kennen manche sicher als 365-Tage-Projekt, aber 2020 ist Schaltjahr, gibt also ein extra Bild. ;)

Ich möchte mehr fotografieren, denn nur durch ständiges Üben geht es voran. Dazu will ich nie mehr ohne Kamera aus dem Haus gehen. Ich hab sie aktuell zwar meistens dabei, aber halt nicht immer, weil mich das Gewicht schreckt. Aber da muss ich nun durch. Nachdem Peking inzwischen für mich so selbstverständlich geworden ist, will ich meinen Blick schärfen, auch im Alltag genauer hingucken. Ich will weg von den (Teil-)Automatikmodi und überwiegend manuell fotografieren.

Ein Thema für das ganze Jahr werde ich mir nicht setzen, davon würde ich mich zu eingeschränkt fühlen. Aber falls es sich ergibt, könnte ich vielleicht mal ein Wochenthema (z.B. Farben, Gesichter, Pflanzen, Gegensätze, Hände, Kunst, Street, Indoor, Outdoor, … ) einschieben.

Ich will meinen “Objektivfuhrpark” ausnutzen. Derzeit habe ich mein 18-250 mm Reisezoom “immerdrauf” und nur gelegentlich zusätzlich das Weitwinkel (10-18 mm) dabei. 24 mm, 50 mm und 100-400 mm Tele schlummern meistens vor sich hin. Das muss sich ändern!

Das Bild des Tages werde ich ab 1.1.2020 dann täglich auf pekingfotos.de zeigen. Hier auf ombidombi.de soll es ein monatliches “best of” geben. Und sicher gibt es zu dem einen oder anderen Bild auch eine Geschichte zu erzählen.

Was hast Du für Vorsätze Pläne für 2020? Hast Du schon mal so ein Fotoprojekt gemacht? Was waren Deine Erfahrungen damit?

 

Christmastime in Beijing

Driving home for christmas? Nein, I Won’t Be Home For Christmas; haben wir in unserer Chinazeit noch nie gemacht. Allerdings geht es dieses Jahr auch nicht wie Last Christmas nach Australien (brennt leider auch in „unserer“ Ecke, Regen wäre jetzt ein sehr erwünschtes, notwendiges Wunder) oder anderswo hin, der Gatte muss arbeiten. Ich hab ja sonst kein Problem, ohne ihn zu reisen, aber die Jungs wären zu den Feiertagen nicht so entzückt. Kein Christmas without Daddy. Jedenfalls gehören wir jetzt zu den wenigen Deutschen, die über die Weihnachtsferien hier die Stellung halten. 

X-mas at The Place

X-mas at The Place

Do they know it’s Christmas?  Ja, weiß man das in China? Klares ja, nicht nur in den auf die paar Ausländer ausgerichteten Shops und den großen Malls ballt sich Weihnachtsdeko.

Gefeiert wird hier aber nicht, alles ganz normale Arbeitstage. Und was das konkretere Wissen um Herkunft, Bedeutung, Brauchtum angeht (was ja nun auch von Land zu Land nochmal verschieden ist): das ist meiner Wahrnehmung nach in etwa so, wie Martina und Max Mustermensch in Deutschland über andere Religionen als das Christentum informiert sind. Die einen wissen genauer, die anderen gar nicht Bescheid, die meisten irgendwo dazwischen.

Rudoph the red-nosed reindeer ist hier auch nur Deko-Element, steht auch bei uns unten in der Lobby – wobei ich ihm auch zurufen würde: Run, Rudolph, run – sonst landest Du im Wok.

All I want for Christmas und Things I Want – das bleibt mein Geheimnis. Anders als vor einigen Jahren in Hamburg gibt es definitiv kein Schlagzeug – und damit auch keinen Little Drummer Boy unterm Weihnachtsbaum, den wir eh nicht haben werden bis auf ein künstliches Minibäumchen auf dem Bücherregal.

Christmas Without You – daran muss man sich wohl gewöhnen, wenn man Tausende Kilometer von Hamburg entfernt lebt. 

Frühlingshafte Weihnachten wie in Teilen Deutschlands werden das hier sicher nicht: Baby It’s Cold Outside. Heute früh hat meine Handy-App – (MINUS) 9 Grad angezeigt! Aber mit White Christmas rechnen wir auch nicht, wobei es diesen Winter ungewöhnlicherweise schon zweimal geschneit hat.

Also, Christmas As I Knew It wird es definitiv hier nicht. Aber ein paar ruhige, gemütliche Tage stehen uns bevor – so viele Jahre mit den Jungs im Haus sind es nicht mehr, also genieße ich das noch sehr. Der Krampus kommt bei uns definitiv nicht, selbst wenn’s Naughty Christmas werden. Ich hoffe allerdings auf One more happy Christmas. Obwohl vermutlich wieder das Schweigen im Walde herrschen wird, wenn ich einen Weihnachtsspaziergang machen will und frage: „Who’ll come with me?“ 

Ich mag Weihnachten, bringt Licht ins Dunkel langer, kalter Winter: Thank God It’s Christmas,

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich: Have Yourself A Merry Little Christmas und ein Frohes Fest!

 


Und damit Ihr die Songs jetzt nicht einzeln googeln müsst: hier ist die Spotify-Playlist.

 


 

Mitten in Peking liegen zwei wunderschöne Parks mit großartigen Aussichten: der Beihai-Park und der Jingshan-Park – beide gleich gegenüber bzw. schräg gegenüber auf der Nordseite der Verbotenen Stadt. Mein ältester Sohn ist gerade zu Besuch, und zusammen nutzen wir das schöne Winterwetter, um uns beide Parks anzusehen. Zuerst wollen auf den Kohlehügel im Jingshan-Park steigen und die Aussicht auf die Verbotenen Stadt genießen, anschließend wollen wir in den Beihai-Park gehen.

Jingshan-Park und Kohlehügel

Wir betreten den Park durch den Osteingang und gehen zielstrebig Richtung Kohlehügel. Stellenweise liegen noch Schneereste, die sind von dem in Peking seltenen Schneefall vor zwei Wochen noch übrig geblieben. Es zieht uns direkt ganz nach oben zum Wanchun Pavillon. Hier hat man einen tollen Überblick über die Verbotene Stadt.

Forbidden City

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Aber auch in alle übrigen Himmelsrichtungen hat man eine großartige Sicht. Nach Westen zum Central Business District:

CBD

Blick auf Pekings CBD vom Kohlehügel aus

Nach Norden blickt man entlang der Nord-Süd-Achse Pekings, sieht den Trommelturm (der den dahinterliegenden Glockenturm verdeckt) und weiter im Norden das Olympiagelände. Auch eine Ecke vom Vogelnest kann man sehen.

Trommelturm, Olympia-Gelände

Blick nach Norden vom Kohlehügel: Trommelturm und Olympiagelände

Schaut man nach Westen, sieht man in der Nähe die Weiße Pagode im Beihai-Park und in der Ferne die Westberge.

White Dagoba

Blick nach Westen vom Kohlehügel aus: Weiße Pagode und Westberge im Dunst

Nachdem wir uns – vorläufig – sattgesehen haben, laufen wir erst eine Treppe runter und landen am Haupteingang des Jingshan-Parks, gehen dann weiter zum Westausgang. Hier fallen zahlreiche Kakibäume ins Auge, an denen noch viele Früchte hängen.

Beihai-Park, Jadeblumeninsel, White Dagoba und Yong’an-Tempel

Den Beihai-Park betreten wir durch den Osteingang. Hier befindet sich auch direkt eine der Brücken auf die Jadeblumeninsel, auf der ganz oben auf dem Hügel die Weiße Pagode steht. 

Auch wenn man am Horiziont schon wieder Smog heranrollen sieht, beim Blick nach oben ist der Himmelt leuchtend blau – da sieht die Pagode nochmal so schön aus.

White Dagoba

Weiße Pagode, blauer Himmel

In die Pagode kann man nicht hinein, aber man kann sie umrunden und hat auch hier wieder tolle Blicke in alle vier Himmelsrichtungen.

Im Beihai-Park

Blick von der Jadeblumeninsel: Wanchun Pavillon im Jingshan Park, dahinter das höchste Gebäude Pekings, der Zhongguo Zun

Schließlich steigen wir eine steile Treppe hinunter zum Yong’an-Tempel, in dem sich ein paar Buddhas vergnügen…

Detail im Yong'an-Tempel

Buddha-Darstellung im Yong’an-Tempel

Mit einem Blick zurück auf die Jadeblumeninsel verlassen wir schließlich den Park.

Blick auf die Jadeblumeninsel

Blick auf die Jadeblumeninsel und die Weiße Pagode

Fotos

 

Nachdem einigen sehr grauen Tagen lockte letzte Woche blauer Himmel, gute Luft und Sonnenschein. Nach dem ich krankheitsbedingt ewig zuhause gehockt habe und entsprechend budenkollerig war, hab ich alle Planungen für den Tag über den Haufen geworfen und bin stattdessen nach Badachu gefahren. Badachu ist ein Park in Pekings Westbergen, wenn man aus der Stadt kommt am Sommerpalast und den Duftbergen vorbei. Also schon weit draußen, aber noch in Didi-Reichweite und mit mit einer Bushaltestelle direkt vor dem Eingangsbereich. Badachu heißt soviel wie “acht große Plätze”, und so finden sich hier acht Tempel. Für buntes Herbstlaub war ich zu spät dran (Danke, Grippe…), trotzdem war es nicht winterlich trostlos.

Der Eingangsbereich ist recht weitläufig, mit Laternen geschmückt (das waren auch schon die Zufahrtsstraßen in dem Stadtviertel). Es gibt eine kleine Ladenzeile mit Souvenirs und Imbissbuden. Ein Stück weiter stehen die Maskottchen der Olympischen Winterspiele. Ein paar empfindlichere Pflanzen sind schon warm verpackt. Und es wird gebaut, neue Rohre werden verlegt.

Viele Besucher sind nicht da, und die wenigen verteilen sich auch schon nach wenigen Metern.

Mit der Seilbahn bergauf

Ich liebe Seilbahnen, bin direkt darauf zugesteuert und habe mich bequem nach oben tragen lassen. Je weiter es hinauf ging, umso windiger und kälter wurde es.

Badachu-Seilbahn

Badachu: Seilbahn

Oben war ich erstmal geflasht von der Aussicht auf die Stadt – die Fernsicht war wirklich gut!

Badachu - Blick auf den CBD

Badachu: Blick auf Pekings CBD

Nun habe ich mir den Baozhu Tempel und die dahinter gelegene (klitzekleine) Höhle angesehen. Das war sehr hübsch angeleuchtet, aber da hier auch ein Buddha ist, ist das Fotografieren verboten.

Badachu

Hinter dem Vorsprung rechts verbirgt sich die kleine Höhle

Ich wollte dann weiter oben entlang laufen, aber ich stand plötzlich vor einem Tor und hätte das Parkgelände verlassen müssen. Wer weiß, wo ich dann gelandet wäre, ich wollte doch noch mehr sehen.  Weil ich über so ein wahnsinnig gutes Orientierungsvermögen verfüge (nicht), habe ich den Weg nach unten nicht gefunden. Aber ich stand plötzlich vor der Sommerrodelbahn. Es war nichts los, also konnte ich anders als in Mutianyu mal richtig Gas geben – hat wirklich großen Spaß gemacht.

Typisch China? Tempel, Treppen, Schilder.

Unten angekommen, bin ich dann den Wegweisern gefolgt, und habe mir Tempel angesehen. Dann ging es ein Stück den Hang weiter hinauf, nächster Tempel. Wieder ein Stück bergauf und nächster Tempel. Typisch China: viele Stufen und Treppen.

Badachu

Treppen…

Oh, und auch typisch für China: Schilder, Schilder, Schilder!

Tiefkühlfisch

Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem auch das “Kloster der Drachenquelle” – ich hatte den Eindruck, dass die Goldfische nicht schockgefrostet, sondern so langsam eingefroren werden… Haben sich kaum mehr bewegt und wenn dann nur in Zeitlupe. Eingefrorene Goldfische habe ich ja auch schon am Konfuziustempel gesehen…

Badachu-Goldfische

(Ein-)frierende Goldfische?

Nochmal, nochmal, nochmal

Eigentlich wollte ich es nicht übertreiben nach der Grippe – aber das Wetter so schön, der Himmel so blau, die Luft so gut. Warm genug eingepackt war ich auch, und als dann ein Schild in Sicht kam, nur noch 600 Meter bis zur Sommerrodelbahn – tja, wer geht da schon zu Fuß wieder runter? So habe ich mir dann ein zweites Mal den Spaß gegönnt, den Berg herunterzusausen – und zwischendrin tatsächlich auf den Auslöser drücken können…

Badachu - Sommerrodelbahn

Blick von der Sommerrodelbahn ins Tal

Fotos

Info

Hinkommen

Entweder mit dem Taxi/Didi (“Beijing Xishan Badachu Cableway Down Station – Entrance”)  oder mit der Metro Linie 1 bis Pingguoyuan, Exit D und weiter mit dem Bus 972 bis Badachu.

Eintritt

Scenic Area/Badachu Park: 10 RMB
Seilbahn oneway: 50 RMB
Sommerrodelbahn: 60 RMB
Kombiticket Seilbahn/Sommerrodelbahn: 100 RMB

Öffnungszeiten:

16. März – 31. August: 6-19:30 Uhr (letzter Einlass 18:30 Uhr)
1. September – 15. November: 6-19 Uhr (letzter Einlass 18 Uhr)
16. November – 15. März: 6-18:30 Uhr (letzter Einlass 17:30 Uhr)

 

Ich wurde zu einer Landpartie gezwungen und bin dabei gestern zum ersten Mal in China selbst Auto gefahren. Der Gatte musste zu einem Geschäftstermin in den Norden Miyuns, nur leider konnte oder wollte keiner der übrigen am Termin Beteiligten fahren. Tja, wozu habe ich vor zwei Jahren den Führerschein gemacht

Trotz Erkältung quäle ich mich also morgens früh aus dem Bett und sitze um 7:30 Uhr zum ersten Mal in meiner China-Zeit hier selbst am Steuer. Noch ist es früh, wir fahren außerdem stadtauswärts: alles kein Problem! Dann kommt die erste Herausforderung: Mautstelle auf dem Highway.  Naja, in Wahrheit auch nicht anders als in Norwegen, also auch kein Problem. Die Autobahn ist frei, ich geb Gas. Nein, halt, hier ist maximal 120, und das auch nur auf der linken Spur (auf den beiden rechten gilt 100).

Bilderbuch-Herbst

Ich muss mich zum Glück nicht um die Navigation kümmern (Leute, die mich näher kennen: sagt jetzt bitte nichts!) und werde zuverlässig immer weiter Richtung Norden dirigiert. Irgendwann lassen wir Nanshan rechts liegen, bald darauf geht es erst durch einen kleinen Ort (ca. 700.000 Einwohner ;) ), dann auf die Landstraße, die schon bald schmaler wird. Die Berge rücken näher, es geht bergauf und da ist es auch schon: das erste blaue Schild: “Bitte Hupe benutzen.” Davon mache ich doch gerne Gebrauch! Inzwischen hat sich der morgendliche Dunst verzogen, ab und zu kommt die Sonne raus und bringt die Landschaft zum leuchten. Am liebsten würde ich nach jeder Kurve anhalten und erstmal Bilder schießen, aber wir sind ja nicht zum Vergnügen unterwegs und müssen zu dem Termin. Trotzdem, das rot- und gelbleuchtende Laub an den Berghängen ist atemberaubend! Es geht vorbei an Flüssen und Seen, und spätestens nach dem dritten Serpentinenabschnitt denke ich: Hier möchte ich Motorrad fahren! (Der Gedanke hat sich jetzt im Hinterkopf festgesetzt.)

Lost Places

Die Straße wird schmaler, ich werde auf eine noch schmalere Straße gelotst, es geht noch ein paar Mal bergauf/bergab – und dann sind wir in dem kleinen Dorf.

Dorfstraße

Ein Huhn wackelt vor mir über die Straße. Wir sind so gut durchgekommen (ich schwöre, ich bin nicht gerast!), dass noch etwas Zeit ist und gehen an einem künstlich angelegten kleinen See spazieren. Der sieht auf den ersten Blick total romantisch aus.

See in Miyuns Bergen

See in Miyuns Bergen

Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Idylle trügt. Tote Fische am Seeufer.

tote Fische und Müll am Seeufer

Müll und tote Fische am Seeufer

Dazu die vielen leerstehenden Anwesen: vom Touristenressort bis zum kleinen Bauernhof: trostlos – aber großartig für Lost Place-Fotografie.

Verlassener Hof

Verlassener Hof

Leider habe ich gar nicht die Zeit, um zu entscheiden, ob ich über einen Zaun klettern möchte, denn ich muss die Männer jetzt doch zu ihrem Termin fahren. Auf dem Rückweg zum Auto begegnen uns ein paar Schafe (oder Ziegen? Mir wird klar, warum im Chinesischen 羊 yáng für beides steht), die uns ebenso neugierig angucken wie wir sie.

Viecher auf der Straße

羊 yáng

Geschäftemachen auf Chinesisch

Bisher habe ich von chinesischen Geschäftsterminen nur gehört oder gelesen. Nun war ich live dabei. Um keine Geheimnisse auszuplaudern nur so viel: die Realität ist schlimmer! In den Städten mag es inzwischen anders zugehen, aber im ländlichen China treffen die Schilderungen zu was Esskultur, Baijiu-Konsum und Anzüglichkeiten angeht (und das mir als einziger Frau unter zehn Männern…).

Irgendwann ist es überstanden, alle sind sich einig, dass das ein erfolgreicher Termin war. Ich bin jedenfalls froh, als ich endlich die Baijiu-geschädigten Kerle ins Auto zurück verfrachtet habe. Damit sie auch richtig was von haben, nehme ich die Serpentinen schön schwungvoll… ;)

Je näher wir Peking kommen, umso dichter wird der Verkehr bis wir richtig im Stau feststecken. Auch mein Schleichweg ist verstopft, inzwischen ist es dunkel, jetzt strengt das Fahren schon etwas an. Als ich endlich alle abgeliefert habe und selbst zuhause bin, bin ich ziemlich platt, aber eins weiß ich: ab sofort werde ich mir öfter ein Auto mieten – das soll nicht die letzte Landpartie gewesen sein!

Ich fahre jetzt Scooter!

Vor dem Umzug habe ich mich schweren Herzens von meinem Tuktuk getrennt. Trotz überall vorhandener Delivery-Services fand ich es oft auch gut, zumindest die Kühlware selbst mit nach Hause nehmen zu können. Abgesehen davon, dass so ein Tuktuk wirklich ein praktische Gefährt ist, hat es auch viel Spaß gemacht damit zu fahren. Aber hier in der Stadt hätte ich weder Abstellplatz noch Lademöglichkeit, mal abgesehen davon, dass die für die Stadt auch gar nicht zugelassen sind.

Mein altes Tuktuk

Mein altes Tuktuk

Ersatz musste sein

Jetzt habe ich einen Scooter. Und nein, unter Scooter versteht man nicht nur die in Deutschland gerade heiß diskutierten e-Tretroller, sondern auch (e-)Motorroller. 

Lange habe ich geguckt und recherchiert, bin zu verschiedenen Händlern gefahren und habe diverse Modelle diverser Marken Probe gefahren. Dabei wurden schnell große Qualitätsunterschiede deutlich. Wenn man bei einem funkelnagelneuen Modell das Gefühl hat, die Bedienungsknöpfe fallen gleich ab, ist das nicht sehr vertrauenerweckend.

Außerdem habe ich lernen müssen, dass das, was mir gut gefallen hätte, nicht unbedingt erlaubt ist. Also lieber nicht. So ist es dann ein Modell der U-Serie von Niu geworden (die gibt es auch in Deutschland und Europa). Auf die schicke Original-Box habe ich verzichtet und mir lieber ein großes Modell anbauen lassen, außerdem auch Rückspiegel. Wenn es Ende Oktober kalt wird, werde ich noch “Winterausrüstung” ergänzen -Handwärmer/Decke, vielleicht nicht unbedingt im “Hello Kitty”-Design… ;)

Scooter-Registrierung

Scooter müssen registriert werden und brauchen ein Nummernschild. Manche Händler können das für einen erledigen, ich musste selbst ran. Immerhin wurde mir der Weg ganz genau erklärt – und ohne diese Erklärung würde ich jetzt immer noch durch Peking irren… Aber es war auch so noch abenteuerlich genug, unterhalb des Dritten Rings am Parkplatz vorbei in falscher (!) Fahrtrichtung über die Abbiegerspur zur Verkehrspolizei (!) zu kommen.

Im Gebäude drinnen war ich zunächst leicht überfordert, habe dann aber einen Schalter ohne Schlange davor entdeckt, wo auch noch ein kleines Schild “Registration” angebracht war. Und dann ging es tatsächlich ganz fix. Fapiao (die chinesische Rechnung mit dem roten Stempel) und Fahrzeugdatenzettel über den Schalter gereicht und dann mit der Mitarbeiterin raus vor die Tür, die meinen funkelnagelneuen Scooter kurz in Augenschein genommen hat. Wieder rein und nach insgesamt nur zehn Minuten hatte ich meine Registrierungskarte und mein Nummernschild.

Scooter

Mein Scooter

Früher undenkbar, heute großer Spaß

Ich weiß noch, wie ich beim ersten Peking-Besuch an der Kreuzung vor dem Sanlitun Village stand und mich gefürchtet habe: Wie soll man hier nur heil rüber kommen? Und jetzt schlängel ich mich mit meinem Scooter zwischen den Menschen durch über die Kreuzung…
Natürlich fahre ich nur mit Helm. In den ersten Tagen hatte ich allerdings schon großen Respekt, fast etwas Bammel – aber inzwischen macht es mir wirklich Spaß. Aber schon interessant zu sehen, wie sich da Einstellungen und das, was man sich zutraut, über die Jahre hin verschiebt.

Es ist jedenfalls klasse, wie sich mein Radius erweitert hat, wie ich unabhängig und bequem mitten in Peking unterwegs sein kann. Nun entdecke ich Peking aus einer neuen Perspektive!