Der Mai ist schon zu zwei Dritteln vorbei? Die Zeit scheint hier gleichzeitig stillzustehen und vorbeizurasen.

Vor Corona hatten wir fast immer im Mai Besuch hier. Durch die Erinnerungsfunktionen diverser Apps wird damit immer auch ein klein bisschen Salz in die Wunde gerieben, wenn Bilder wie dieses aufpoppen – und gleichzeitig denke ich gerne an wirklich schöne Zeiten mit vielen wunderbaren Ausflügen und tollen Restaurantbesuchen zurück. Wie hier zum Beispiel, im Yunnan-Hotpot-Restaurant „Shuhe Renjia“  in der Nähe der Nanluoguxiang.

Erinnerungen…

Kein Lockdown, aber…

Wir haben zwar keinen richtigen Lockdown, aber jeden Tag kommt irgendeine kleine Maßnahme hinzu, womit es sich hier täglich etwas „enger“ anfühlt. Immer mehr Parks werden geschlossen. Die Leute weichen auf die Kanäle aus (deren Ufer in den letzten Jahren zu hübschen kleinen Parks weiterentwickelt wurden). Nun gibt es dort auch Absperrungen und Verbotsschilder. Compounds dürfen nur noch einen Ein-/Ausgang benutzen.

Viele Metrostationen in „high/medium risk areas“ sind geschlossen, die U-Bahnen fahren dort durch. Ich persönlich verzichte derzeit eh lieber auf Bus und Bahn. Wo ich derzeit hin möchte oder muss, das kann ich zu Fuß oder per Scooter erreichen.

Die Straßen sind überwiegend frei, dafür gab es hier Stau unter der Yindingbrücke am Shichahai. Und auch drumherum war ein bisschen war los.

Durch die weitgehende Homeoffice-Pflicht sind die Straßen wie gesagt ziemlich leer, da kommen sogar mal die Rettungskräfte so schnell durch, wie man sich das an sich immer wünscht.

Das etwas andere Streetfood

Restaurants dürfen derzeit nur liefern und Essen zum Mitnehmen verkaufen. Deshalb sieht man überall in der Stadt jetzt Stände wie diesen hier.

Testen…

Und natürlich: der (beinah) tägliche Gang zum Test. Das sogenannte „Community-Testing“ scheint – erstmal – abgeschlossen zu sein, die für uns zuständige Teststation ist zwar geschlossen, wenn auch noch nicht komplett abgebaut. Jetzt müssen wir nicht mehr täglich zum Test, aber wenn man irgendwo hinein möchte, wo ein Gate ist, braucht man einen höchstens 48 Stunden alten Test.

Natürlich ist es lästig, die Zeit dafür immer einplanen zu müssen, und im Hinterkopf wabert schon ein bisschen Sorge, dass einer der anderen 9 Leute, deren Sabber im gleichen Röhrchen wie der eigene landet, infiziert sein könnte und die Maschinerie ihren Lauf nimmt… Aber unterm Strich ist es auch nicht so dramatisch. Die Tests sind tatsächlich gut organisiert, bei unserer Teststation lief es so ab: Erst mit der HealthApp per Scan registrieren, dann an einer der ordentlich aufgereihte Schlangen (je nach Andrang 1-4 Schlangen) mit langen Abständen zwischen den einzelnen Leuten anstellen. Es folgt ein erster Tisch, an dem  die Daten erfasst werden, ein paar Meter weiter steht ein zweiter Tisch, an dem der Abstrich gemacht wird. Für das Erfassen der Daten legen Chines:innen ihre ID-Karte in einen Plexiglashalter, die wird mit einem Smartphone gescannt, weiter zur nächsten Station und Abstrich, das dauert nur wenige Sekunden. Wir Ausländer:innen halten den Ablauf immer etwas auf, weil alle Daten händisch in besagtes Smartphone eingegeben werden müssen. Das wird einem dann noch kurz unter die Nase gehalten, um zu überprüfen, dass vor allem die Telefonnummer stimmt. Mein Name war auch schon mal falsch geschrieben: „macht nichts“, denn das Ergebnis wird anhand der Telefonnummer an die HealthApp übermittelt.

Teststation in der Gulou Dajie

Freie Straßen

Hatte ich erwähnt, dass auf den Straßen nur wenig los ist?

Zweiter Ring am Lama-Tempel

Aber die Shared Bikes sind gefragt wie immer und dieser vertraute Anblick bleibt.

Shared Bikes vor dem Wudaoying-Hutong

Um in den  Wudaoying-Hutong (eine der bekannteren Hutongs mit vielen Restaurants gleich gegenüber vom Lama-Tempel) zu kommen, müsste man sich per App registrieren, nicht aber in den anderen Hutongs in der Nähe.

Online-Schule

Die Schulen sind weiterhin geschlossen, und so langsam fürchte ich, dass das für den Rest des Schuljahres so bleibt. Das sind noch fünf Wochen, was sich je nach Stimmungslage mal wie eine Ewigkeit anfühlt, mal wie ein kurzer Moment. Dann folgen allerdings 9 Wochen Sommerferien, und das fühlt sich angesichts von Staycation sehr, sehr lange an.

Ich kann aber auch wirklich von Glück sagen, dass meine Jungs computeraffine Teenager sind. Dass andere Familien mit jüngeren Kindern so langsam auf dem Zahnfleisch gehen, kann ich nur zu gut verstehen.

Es ist wie es ist

Also kein Lockdown hier, aber viele Maßnahmen, die unseren Alltag schon sehr verändern. Es ist wie Leben mit angezogener Handbremse. Ich zähl die Tage, bis wir wieder Vollgas geben können…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast zwei Jahre haben wir hier in Peking ein halbwegs normales Leben führen können (okay, einmal abgesehen von Reisebeschränkungen, Healthkit, Masken, Temperaturkontrollen). Doch jetzt meldet sich die Pandemie zurück in Peking, und bei vielen liegen hier die Nerven blank, dass es so dramatisch werden könnte wie in Shanghai: stadtweiter, wochenlanger Lockdown, mit Versorgungsproblemen, Barrikaden etc. Ich denke und hoffe, ein stadtweiter Lockdown wird hier vermieden werden, aber betroffene Compounds/Viertel wird es treffen.

Letztes Wochenende wurden erst 22 positive Fälle, dann 16 weitere gefunden. Unter dem Motto „better safe than sorry“ habe ich am Sonntag unsere bereits angelegten Vorräte noch mal aufgestockt und mehr Mehl, Reis, Nudeln, Getränke etc. und eine große Gemüsekiste bestellt und gehofft, dass es auch noch vor einem eventuellen Lockdown eintrifft.

Ganz Chaoyang muss zum Test

Am Sonntagabend kam dann die Aufforderung zum Test:  Ab 7 Uhr am Montag, Mittwoch und Freitag bitte mit Pass und Handy gegenüber vom Nordeingang testen lassen. Später stellte sich raus, dass das nicht nur für unseren Compound, sondern für den ganzen Chaoyang-Bezirk, also rund 3,5 Millionen Menschen gilt. Das hat es dann auch in die CNN-News geschafft.

Ich bin mit den Jungs gleich morgens vor der Schule zum Testen gegangen, da war die Schlange noch überschaubar und nach einer halben Stunde waren wir schon wieder zurück.

Die Jungs sind dann zur Schule gegangen, ich habe mich auf den Weg zum Einkaufen gemacht. Dabei bin ich überall an mehr oder weniger langen Test-Schlangen vorbeigekommen. Zum Beispiel hier am Towercrest-Plaza…

… oder hier vor dem Solana.

Nervosität und Anspannung

Zuerst fahre ich zum internationalen Supermarkt: Nutella und Tomatenkonserven stehen ganz oben auf meiner Liste. Das gibt es auch alles noch reichlich, nur die Regale mit „italienischen“ Nudeln sind schon recht leer geräumt, und auch beim verpackten Käse gibt es deutliche Lücken. Der Laden ist voller als sonst vormittags. Aber Panik? Nein, keine Panik. Das ist mit dem Wissen um die Zustände in Shanghai angemessene Vorsicht und Vorbereitung, die Stimmung ist eher nervös-angespannt. Eigentlich will ich als nächstes beim Jingkelong Halt machen, aber davor steht eine lange Schlange, also fahre ich erst einmal weiter zum deutschen Bäcker. Das „Schwäbische Holzofenbrot“ ist ausverkauft, aber alles andere gibt es noch, auch wenn die Regale eher wie sonst am Abend und nicht am Vormittag aussehen.

Als ich meine Einkäufe verstaut hatte, Blick aus dem Fenster: die Test-Schlange ist doch ein wenig länger geworden…

Nun mache ich mich auf den Weg zum Jingkelong und reihe mich in die Warteschlange ein.

Es geht aber recht zügig voran. Healthcode scannen, Temperatur messen, und ich darf rein. Drinnen ist es etwa so voll wie vor dem Neujahrsfest (wie in Deutschland zu Weihnachten). Es sind deutlich mehr Mitarbeiter:innen  als sonst da (und verglichen mit deutschen Supermärkten gibt es eh schon echt viel Personal in den Supermärkten), die Obst- und Gemüseregale werden permanent wieder aufgefüllt. Auch die Kühltheken sind komplett gefüllt. Nur im Obergeschoss sind die großen Flaschen mit heller Sojasauce ausverkauft, es gibt aber noch viele kleinere Flaschen (und es gibt hier keinen Preisvorteil bei größeren Packungen).

Weder Klopapier- noch Öl-Mangel

Doch: zwei Tage später am Mittwoch, als ich nach dem morgendlichen Test wieder zum Einkaufen unterwegs bin, sind 5,6 l Flaschen Sonnenblumenöl im Sonderangebot. Da greif ich doch auch direkt zu. ;) Das wird tatsächlich auch viel gekauft. Auch sieht man viel mehr Leute als sonst mit Klopapier. Die Schlange vor dem Supermarkt ist deutlich kürzer, innen ist es aber wieder relativ voll. Es gibt bis aufs Gewürzregal keine Lücken mehr, und dies wird gerade aufgefüllt. Auch die beliebte Sojasauce in den großen Flaschen ist wieder da. Es gibt weder Gerempel noch Gemecker, die Leute sind freundlich. Wie gesagt, das ist keine Panik, das ist Vorsicht.

Als ich zuhause schwer bepackt in den Fahrstuhl steige, schüttelt eine Nachbarin den Kopf: warum ich die schweren Sachen denn nicht online kaufen würde? Mache ich ja normalerweise auch, aber die Onlinehändler haben alle einen Disclaimer, dass Lieferungen sich verzögern könnten. Und tatsächlich sind meine Getränke nicht wie sonst am nächsten, sondern erst drei Tage später da.

Schule geht online, weitere Maßnahmen

Am Donnerstagmorgen schau ich aufs Handy: oh, alle Schulen in Chaoyang müssen online gehen? Es kursieren inoffizielle Nachrichten über unsere Deutsche Botschaftsschule: Schulschließung hier erst am Freitag. Um viertel vor 10 wird das dann per Mail auch offiziell bestätigt.

Im Laufe des Tages wird bekanntgegeben, dass „Vergnügungsstätten“ schließen müssen. Restaurants dürfen – mit Auflagen – geöffnet bleiben. Dazu muss man aber auch wissen, dass es hier zum Alltag gehört, auswärts zu essen, selbst zu kochen ist eher die Ausnahme.

Im Chaoyang-Bezirk dürfen „commercial buildings“ nur noch mit maximal 48-Stunden-altem negativen PCR-Test betreten werden.

Auch am Freitagmorgen geht es wieder zum Test, diesmal dauert es etwas länger, aber rechtzeitig vor dem Online-Schul-Start, sind wir wieder zuhause.

Im Laufe des Tages werden weitere Maßnahmen veröffentlicht: Picknicken und Aufstellen von Zelten im Chaoyang-Park verboten, andere Parks ziehen nach. (Hier ist jetzt langes Feiertagswochenende, da ist das normalerweise sehr beliebt.)

Ein „Landsleutebrief“ aus der Botschaft trudelt ein. Darin steht aber nichts wesentlich Neues:

Ein großflächiger Lockdown wurde nicht angeordnet. Dieser kann aber weiter nicht ausgeschlossen werden. Daher wird weiterhin empfohlen, einen Vorrat an Lebensmitteln, Trinkwasser und anderen Dingen des täglichen Bedarfs (ggf. auch Medikamenten) vorzuhalten.

Hilfreich könnte aber ein verlinktes FAQ sein, die angegebene Notfall-Kontaktnummer sollte man als Deutsche in China eh im Handy gespeichert haben (und weiter hoffen, dass man sie nie brauchen wird).

Zahlen

Trotz Massentest sind es – bisher – noch vergleichsweise wenig positive Ergebnisse. Nach den langen Monaten ohne Neuinfektion oder im maximal einstelligen Bereich, ist es für uns aber erschreckend viel (und im Vergleich zu Deutschland echt wenig – da ist er wieder, der Knoten im Kopf). Die Grafik habe ich auf Basis der offiziellen Zahlen erstellt, die täglich von der Pekinger Gesundheitskommission veröffentlicht werden, es handelt sich jeweils um die lokalen Fälle, die zwischen 0 und 24 Uhr am betreffenden Tag positiv getestet wurden.

Stand 29.4. – 17:15 Uhr

Selbst wenn man davon ausgeht, dass es eine Dunkelziffer gibt, so ist das hier doch die Basis, auf der hier die Entscheidungen getroffen werden. Möglicherweise sind auch noch nicht alle Tests ausgewertet, so dass die Zahlen noch steigen könnten. Mal sehen, wie sehr… Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass sehr kurzfristig neue und andere Maßnahmen eingeführt werden können.

Ein Friedhof als Ausflugsziel, das ist schon ein bisschen morbide, oder? Kurz nach dem Qingming-Fest (chinesisches Totenfest) schien das aber doch mal interessant. Und vielleicht könnte das auch was für die Fotogruppe sein? Zu dritt machen wir uns auf zum „location scouting“. Nicht irgendeinen Friedhof haben wir uns ausgesucht, sondern den „Babaoshan Revolutionsfriedhof“ (auch Märtyrerfriedhof), der wohl der wichtigste Friedhof in Peking sein soll. Hier liegen höchste Revolutionshelden, hohe Regierungsbeamte und in den letzten Jahren auch Personen, die aufgrund ihrer Verdienste um die Gesellschaft als besonders wichtig gelten. Die Grabstätten sind extrem teuer.

Zur Geschichte und zur Bedeutung des Friedhofs kann man auf dem Friedhofswelten-Blog mehr erfahren.

Zunächst vertun wir uns und landen am Babaoshan Volksfriedhof, wo wir freundlich, aber bestimmt abgewiesen werden. Vielleicht wegen der Pandemiepolitik?

Schließlich landen wir am Revolutionsfriedhof. Wir sind uns einig (nicht nur, aber auch wegen der Abweisung zuvor), nicht die Kameras herauszuholen und knipsen dann nur diskret mit den Handys. Wir orientieren uns an Wegweisern und machen uns auf den Weg nach oben, wo ein Denkmal stehen soll und stehen schon nach wenigen Minuten davor.

Wir sehen uns um. Oben auf dem Hügel sind Soldatengräber. In den Hecken, die das Gelände unterteilen, sind extra Sichtlücken, damit man die rote Fahne sehen kann.

Außer den Gräbern mit den schlichten Steinen gibt es auch solche, die mit Gewehren und Helmen dekoriert sind.

Das ist das Ergebnis von Krieg…

Das Qingming-Fest ist noch nicht lange her, einige  Gräber sind noch mit frischen Blumen geschmückt, der meiste Blumenschmuck ist künstlich, dazu liegt Plastik-Essen daneben.

Nicht willkommen

Wir wollen uns weiter unten noch umsehen, wo die „Prominenten“ liegen, merken aber, dass wir verfolgt werden: ein Wächter fährt langsam hinter uns her und behält uns genau im Auge. Und schließlich verwehrt er uns auch den Zutritt und macht deutlich, dass wir besser gehen sollten. Ob das nun individueller Übereifer war (passiert jetzt immer wieder mal) oder tatsächlich eine neue Regel, dass während der Pandemie der Zutritt zu Friedhöfen nicht gestattet ist? Der Friedhof war immer auch für Ausländer zugänglich, es gibt viele Berichte und Fotos im Netz, unser Verhalten war sicher kein Grund, uns abzuweisen.

Ein Friedhof ist aber nicht der richtige Ort für Diskussionen, wir haben uns dann zu weiteren Zielen aufgemacht (wo uns dann glücklicherweise auch wieder freundlich begegnet wurde).

Es ist schon fast zwei Jahre her, dass ich zuletzt in der Verbotenen Stadt war. Das war Anfang Mai 2020, direkt nachdem der Kaiserpalast nach der Pandemie-bedingten Schließung wiedereröffnet hat. Nur 5.000 Tickets durften damals pro Tag verkauft werden – und das war schon ein ganz besonderer Palastbesuch, wenn man bedenkt, wie voll es sonst in der Forbidden City ist. Ich bin zwar immer wieder mal an der Verbotenen Stadt vorbeigefahren oder habe von oben vom Kohlehügel drauf geguckt, aber drinnen war ich seit dem nicht mehr. Gab ja auch keinen Besuch aus Deutschland, mit dem ich dort hätte hingehen können…

Von daher war ich Feuer und Flamme, als eine Freundin gefragt hat, ob wir nicht mit zwei weiteren fotobegeisterten Freundinnen diese Woche hingehen wollen. Die Wetteraussichten waren gut, der Sandsturm würde sich hoffentlich vom Acker gemacht haben, also habe ich zugesagt. Ich habe direkt das Ticket (60 RMB) gebucht. Das kann man inzwischen zwar auch über eine App machen, ich finde es einfacher über die Webseite.

Tolle Bedingungen: Wetter, Luft – und kein bisschen voll

Wir haben Glück: der Sandsturm hat sich verzogen, das Wetter ist großartig. Wir lassen uns mit einem Didi zum Osttor bringen (am Tian’anmen darf man nicht anhalten, und wir kennen den Weg unter dem Mao-Porträt hindurch alle schon).

Weg am Fluss entang

Der Weg zum Osteingang

Am eigentlichen Eingang wird es kurz kompliziert, einer der Wächter will uns unbedingt zum Ticketschalter hinüber schicken und es dauert ein bisschen, bis wir ihm verständlich machen konnten, dass wir Langnasen tatsächlich schon online die Tickets gekauft haben. Aber dann klärt es sich auf: wir sollen noch einen QR-Code scannen und in dem sich öffnenden Formular unsere Passnummer eingeben. Und als sich dann die nächste Seite öffnet, war es das auch schon. An der Sicherheitskontrolle muss man trotzdem den Pass vorzeigen. Wieder etwas umständlicher als früher, aber ich habe mir hier abgewöhnt nach dem Warum zu fragen, ich kann’s eh nicht ändern.

Okay, also Foto-Thema „Frühling in der Verbotenen Stadt“. Ich wollte nicht unbedingt nur Blüten ablichten (das könnte ich auch in unserem kleinen Innenhof), ich hab gedacht, ich versuche mich mal weiter an Timelapse-Videos und habe mein Stativ eingepackt. Aber dann schlendern wir durch die ersten Höfe und der Gedanke an Wimmel-Videos verschwindet, denn es wimmelt gar nix. Es dürfen jetzt zwar 30.000 Tickets/Tag verkauft werden, aber es sieht nicht viel voller aus als vor knapp zwei Jahren!

So viel Platz, so wenig Besucher:innen!

Kein Wunder, Reisen nach Peking ist derzeit auch innerchinesisch kompliziert, also gibt es keine Touristengruppen. Dafür gibt es unglaublich viele verkleidete Frauen und noch mehr Fotograf:innen. Und das wird dann auch das, was fotografisch an diesem Tag im Mittelpunkt stehen wird. Pläne machen ist gut, spontan Gegebenheiten beim Schopfe packen ist besser. Wir folgen also den vielen, die es in den östlichen Bereich des Palastes zieht.  Dahin, wo die Apfelbäume in voller Blüte stehen. Dabei (und auch immer wieder im Laufe des Tages) kommen wir an Wächtern im Anzug vorbei, die im Gänsemarsch ihre Patrouillen absolvieren.

Here come the men in black… ;)

Es ist so schön!

Wir gehen durch ein Torhaus, im Schatten sitzen Frauen und Kinder, die geschminkt und frisiert werden und alle paar Schritte gibt es eine andere Gruppe, die posiert. Und das ist dann alles zusammen einfach nur wunder-, wunderschön!

Zu zweit….

… oder solo, aber alle irgendwie schön!

Es sind übrigens mindestens zehnmal so viele Fotografinnen und Fotografen hier wie „Models“. Die machen es teils zum eigenen Vergnügen und knipsen sich gegenseitig mit ihren Handys. Andere sind in Kleingruppen da: Model, Stylistin, Fotografin… Es dauert, bis wir uns hier losreißen können. Es ist unfassbar schön: die tolle Kulisse der roten Hallen der Verbotenen Stadt, die Apfelblüte und der betörende Duft, die fröhliche Stimmung.

Und endlich wird mir ganz leicht ums Herz. Zwar melden sich ab und zu unsere Handys mit Seuchen- und Kriegsnews (Kerry Residence im Lockdown! Giftgas in Mariupol! …), wir nehmen es zur Kenntnis und können es an diesem Tag doch irgendwie ausblenden (auch wenn es natürlich im Hinterkopf bleibt und mich nachts nicht schlafen lässt).

Wir reißen uns irgendwann los vom Blütenmeer und den kostümierten Schönheiten los und schlendern weiter.

Eine Frau in einer roten Jacke schaut durch den Spalt eines verschlossenen roten Tores in der Verbotenen Stadt

Was gibt es hier wohl zu sehen?

Wir wechseln so langsam vom östlichen in den den westlichen Bereich und können dabei immer wieder einen Blick auf den Kohlehügel werfen.

Der Pavillon des Ewigen Frühlings oben auf dem Kohlehügel von der Verbotenen Stadt aus gesehen

Goldene Dächer samt Blick zum Pavillon des Ewigen Frühlings oben auf dem Kohlehügel

Es sind überwiegend Frauen, die kostümiert sind, aber einige beziehen auch ihre Kinder mit ein.

Die sind mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung bei der Sache.

Kleiner Junge im historischen Kostüm späht in eine rote Halle in der Verbotenen Stadt

Wer muss hier nicht an den Film „Der letzte Kaiser“ denken?

Wir machen eine kurze Pause und trinken zwischendurch einen Kaffee. Ja, es gibt jetzt ein kleines Café mit wirklich gutem Kaffee innerhalb der Verbotenen Stadt (bei den ehemaligen Eishäusern).

Der Kaiserliche Garten (Imperial Garden)

Wir gehen zurück zur Mittelachse, genießen den Blick über Altes und Modernes Peking:

Nun zieht es uns in den Kaiserlichen Garten. Hier ist es lauschiger, keine großen gepflasterten Plätze, sondern alles ist dichter zusammen, grüner, lauschiger.

Hier wird natürlich auch posiert.

Beim Kaiser/Kaiserinnen-Baum ist tatsächlich nichts los! Hier posiert heute tatsächlich niemand. Der Baum ist eigentlich ein Symbol für ewige Liebe, früher standen die Pärchen hier Schlange, um sich ablichten zu lassen…

Wir überlegen kurz, zum Nordtor hinaus zu gehen und dann noch im Jingshan Park auf den Kohlehügel zu steigen, entscheiden uns aber dagegen und lassen uns zurück in Richtung Osttor treiben. Mit Blick auf einen der größeren Plätze haben ich dann noch mal ein wenig mit Timelapse-Videos herum probiert. Mir hat allerdings ein bisschen die Ruhe gefehlt (wobei das eher an mir als den anderen lag, ich hätte sicher mit Verständnis dafür rechnen können, dass ich jetzt mal 30 Minuten an Ort und Stelle bleibe), aber es geht voran – sicher demnächst hier im Blog zu sehen.

Inzwischen ist noch weniger los, fast nur noch Kostümierte und Fotografierende. Und einige Kinder mit dabei.

Wie man sehen kann: es ist noch leerer geworden – kaum noch jemand auf dem Platz unterwegs.

Zurück bei den Apfelbäumen

Aber bei den Apfelbäumen ist noch ordentlich etwas los. Eine kostümierte Schönheit nach der anderen posiert und wird von unzähligen Kameras eingefangen.

Eine Lautsprecherdurchsage macht darauf aufmerksam, dass der Kaiserpalast in Bälde schließen wird und man seinen Besuch bitte daraufhin abstimmen möge (soll wohl heißen: sich rechtzeitig zu den Ausgängen zu begeben). Und tatsächlich packen jetzt alle ihre Siebensachen zusammen und strömen zu den Ausgängen.

Wir beschließen den Tag nicht weit vom Ausgang im „Beijing Pie“, einem kleinen, typischen Pekinger Restaurant mit ebenso typischen Pekinger Gerichten (und nein, keine Touristenfalle, was man so nahe an der Verbotenen Stadt befürchten könnte), sondern wirklich rundum gut (und günstig).

Als ich abends zuhause ankomme, bin ich total erledigt, aber so gut gestimmt wie schon lange nicht mehr: der Tag war einfach perfekt, leicht und unbeschwert – eine Auszeit, mit der ich so gar nicht gerechnet hatte, und die ich deshalb umso mehr zu schätzen weiß.

Achtung, viele Bilder!

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Schnauze voll von Pandemie…

Aktuell sind wir in großer Sorge um Familienangehörige in Deutschland, die es erwischt hat. Durchgeimpft, maskentragend, abstandswahrend hat es sie nun trotzdem erwischt. Auch von hier: gute Besserung,  Daumen sind fest gedrückt, dass es ganz fix und ohne Folgen überstanden wird!

Für uns vier Pekinger Familienangehörige fühlt es sich ganz übel an, jetzt so weit weg zu sein. Nr. 4 hat Hühnersuppe gekocht und rübergebeamt. Okay, Hühnersuppe ist gelungen, am Beamen arbeiten wir noch.

Shanghai

Wir haben ja nicht nur die News, sondern auch Kontakte zu Freund:innen in Shanghai. Puh, das ist schon belastend. Wir hatten zwar schon Vorräte angelegt, haben den dringenden Rat aber befolgt und noch mal aufgestockt. Wenn die Versorgung läuft, hätten wir (auch unsere Nachwuchsnerds) solange das Internet stabil läuft, keine Probleme, auch mal länger in der Bude festzusitzen. Wobei es natürlich einen Unterschied macht, ob man will oder ob man muss. Weniger schön wäre eine zentralisierte, getrennte Isolation, wenn es einen von uns erwischt (wobei das Risiko hier in Peking nach wie vor klein ist), aber auch das würden wir alle vier überstehen können. Die „Minis“ sind ja nun schon lange nicht mehr klein. Aber wir würden sowas lieber nicht selbst erleben müssen, von daher hoffen wir, dass Peking von so drastischen Entwicklungen weiterhin verschont bleibt.

Die Beine in die Hand nehmen?

Natürlich frage ich mich als Mutter schon: was kann ich den Jungs zumuten? Wann wäre der Zeitpunkt, die Beine in die Hand zu nehmen? Wir reden hier immer wieder über die Situation, die Jungs sind fast 16/18, es ist also schon was anderes als mit kleineren Kindern. Wir sind uns aber einig, dass – derzeit – das Hierbleiben die viel bessere Alternative ist. Die Sorge um die Familie in Deutschland macht was mit den beiden (und uns Eltern). Naja, und näher an den Krieg in Europa wollen wir auch nicht – so wie die Pandemie gehandhabt wird (die gescheiterte Impflicht ist ja nur die Spitze des Eisbergs), macht das nicht gerade zuversichtlich in Bezug auf den Krieg…

Tatsächlich ernst zu erkranken, das wird uns hier wohl eher nicht passieren, alles andere wäre vorübergehend (Worst Case wäre für uns zentralisierte Isolation getrennt voneinander) – und aktuell können wir hoffen, dass es in Peking nicht so drastisch wie in Shanghai werden wird.

Wir beobachten die Situation ständig aufmerksam, aber aktuell ist es so, dass es für uns weiterhin am besten ist hierzubleiben. (Wäre die Pandemie nicht, wäre das eh keine Frage.)

(Pandemie-)Normales Pekingleben

Jetzt sind Osterferien, zwei Wochen lang. Ich hab Ausflüge geplant – innerhalb Pekings, Peking zu verlassen ist wegen der Pandemie-Regelungen problematisch. Wenn sich die „Minis“ anschließen wollen: schön, aber eigentlich rechne ich nicht damit. Da ist eher nächtliches Zocken mit Freunden in verschiedenen Zeitzonen angesagt, d.h. vor allem nachts.

Inzwischen ist es endlich wärmer, ich habe den ersten Abend auf der Terrasse von Schindlers Tankstelle verbracht. Auf dem Weg dahin hab ich den Wachwechsel gesehen – das ist schon irgendwie verrückt, wie sehr man sich an den Anblick von vielen Uniformierten in der Stadt gewöhnen kann.

Wachwechsel in Sanlitun

Aber irgendwas ist ja immer, aktuell sind die Luftwerte nicht so toll. Kein Vergleich mit früher, aber inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass die Luft so viel besser geworden ist, dass man kaum mehr auf die Luftwerte guckt.

Am Freitag habe ich mir im Garten einer Freundin den ersten Sonnenbrand des Jahres eingesammelt (keine Sorge, wie immer sind die Stellen nach gründlichem Eincremen am nächsten Tag braun dunkelweiß geworden). Die Luft an dem Tag war echt fies, dicke Peking-Suppe, aber das Gefühl von Sonne und Wärme auf der Haut hat so gut getan, dass wir das alle gut ausblenden konnten.

Hier ein Schnappschuss von der Rückfahrt.

Frühlings-Smog…

Schattenseite: Halskratzen am nächsten Tag. Wie gesagt, der Smog…

Für die nächste Woche habe ich nun schon ein Ticket für die Verbotene Stadt und schwanke noch, ob Yuyuantan Park, anderer Park oder Botanischer Garten (wobei letzterer in zwei Wochen mit der Fotogruppe geplant ist, aber es blüht ja jetzt jede Woche etwas anderes…), dazu spontanes Treibenlassen. Das macht endlich wieder Spaß, endlich T-Shirt Wetter! :)

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Mit der Fotogruppe im Taoranting-Park

Bei der Planung dieses Ausflugs hatte ich einen sonnigen, warmen Frühlingsmorgen im Kopf, tatsächlich sorgten Wetter und Smog für graue Novemberstimmung. Immerhin war es trocken. Und der Park war gut besucht, was bunte Farbtupfer ins Grau gebracht hat. Gleich hinterm Nordeingang waren Wasserkalligraphen am Werk. Besonders beeindruckt hat mich aber diese Frau, die nicht mit einem Pinsel Schriftzeichen geschrieben, sondern mit zwei Pinseln gleichzeitig gezeichnet hat.

Den kleinen Vergnügungspark für Kinder lassen wir links liegen und gehen direkt weiter in Richtung See. Am ganzen Ufer verteilt sind Menschen aktiv. Die beiden hier spielen tänzerisch eine Art Federball, das sah sehr elegant aus.

Auch an diesem grauen Tag irgendwie idyllisch.

Und es ist wirklich überall etwas los. Es wird gespielt, Sport gemacht, musiziert, getanzt – wie hier die beiden im Pavillon.

Seit letztem Montag hat die Boots-Saison in den meisten Parks wieder begonnen. Auf dem Kunming-See am Dienstag war nichts: zu windig, sobald die Wasseroberfläche hier nicht mehr (fast) spiegelglatt ist, wird immer alles eingestellt.

Hier war jetzt immerhin ein Boot unterwegs. Den meisten wird es wohl zu kalt und unfreundlich gewesen sein, aber so den ganzen See praktisch für sich zu haben, das hat auch was.

Kuaibanshu

Als wir weitergehen hören wir rhythmisches Klappern und eine erzählend-singende Männerstimme. Das müssen wir uns ansehen. Eine Gruppe von etwa 20 Leuten steht im Kreis und klappert den Rhythmus, im Zentrum steht ein Mann am Mikro und „erzählt“. Auch wenn wir den Text nicht verstehen, es ist richtig fesselnd, und so bleiben wir eine Weile und sehen und hören zu. Diese „chinesischen Kastagnetten“ heißen Kuaiban, die Kunstform „Kuaibanshu„, hier in Peking „Kuaibanr“. Das wissen wir vor Ort aber nicht, ich habe hinterher eine Freundin gefragt und gegoogelt. ;)

Eine Gruppe deutscher Frauen fällt natürlich auf, wir werden heran gewunken und man zeigt uns eine instrumentale Nummer…

… und dann tritt auch noch die Frau in der blauen Steppjacke ans Mikro und singt-erzählt. Ich glaube, es geht ums Essen und die Vorzüge bestimmter chinesischer Küchen und sie wiederholt immer „noch eine Schüssel Reis“ – aber so toll ist mein Chinesisch nicht.

Am Ende wird ein Gruppenfoto von uns allen zusammen gemacht (wir sind auch doof, wir haben keines gemacht).

Man ist uns den ganzen Vormittag schon aufgeschlossen und freundlich begegnet: bei den Wasserkalligraphen, den Federballern, die Leute im Boot haben fröhlich gewunken und wir zurück – aber das war noch mal etwas Besonderes. Schön.

Der Garten der Pavillons

Wir gehen weiter zum Garten der Pavillons. Diese Pavillons sind Nachbildungen berühmter historischer Pavillons aus ganz China. Hier ist es etwas ruhiger, nur oben auf einem der Hügel hört man den Lärm des südlichen 2. Rings, der gleich hinter dem Park verläuft.

Fotos: Weitere Eindrücke aus dem Park

Déjà vu: „Der Tunnel des Grauens“

Es ist mittags, im Park wird es ruhiger: Essenszeit! Wir begnügen uns mit einem Kaffee und verlassen den Park. Wir gehen noch weiter zum Yongdingmen – dem wieder aufgebauten südlichen Stadttor. Bis 1956 stand hier das originale Tor, dann fiel es der Verkehrsplanung zum Opfer. Als Peking sich Anfang der 2000er für die olympischen Sommerspiele herausgeputzt hat, wurde es wieder aufgebaut. Das Yongdingmen markiert das südliche Ende der zentralen Pekinger Nord-Süd-Achse, es schließt sich der schmale Yongdingmen-Park an. Hier stehen viele Magnolien – die wollen wir uns ansehen.

Wir gehen also am Kanal entlang (South Moat/Nanhucheng). Und dann erreichen wir diesen finsteren „Tunnel des Grauens„. Oh, hier war ich doch schon mal, das ist schon erstaunliche sechs Jahre her. Der Tunnel ist aber immer noch genauso unheimlich und ich bin froh, nicht alleine hier zu sein.

Hinterm den Tunnel noch eine Erinnerung: wir sind damals über eine Mauer geklettert, weil es keinen Durchgang gab. Das machen wir diesmal nicht, gehen ein Stück weiter, finden einen Weg, müssen noch eine Unterführung nehmen.

In einem Treppenaufgang schläft ein Obdachloser, hat es sich da sauber und ordentlich eingerichtet, mit Decken und Matratzen, akkurat abgestellten Schuhen. Wir wissen, dass es Obdachlosigkeit gibt, aber in der Stadt sieht man es nur noch selten.

Schließlich sind wir oben, aber auch hier trennt uns eine Mauer vom Park. Wir folgen einem Schild, aber das Tor ist verschlossen, also drehen wir wieder um, bis wir dann zum Eingang des Parks kommen, von dem aus man diesen Blick hat:

Hier blüht nichts, die Magnolienblüte ist kaputt, da ist mehr braun als weiß – der Kälteeinbruch war echt nicht gut. Uns reicht es dann für den Tag, wir ordern ein Didi und fahren nach Hause.

Pandemie

Peking hat heute den zweiten Tag ohne lokale Neuinfektion, der aktuelle Ausbruch scheint im Griff (Klopf auf Holz).

Anders sieht es in Shanghai aus, dort gehen jetzt nacheinander Ost- und Westteil der Stadt in den Lockdown, alle Einwohner werden durchgetestet. In Deutschland wird von der größten Infektionswelle in China seit zwei Jahren berichtet – was stimmt. Es fehlt allerdings zumeist die Einordnung: In ganz China (Einwohner: 1,4 Milliarden) wurden gestern 8978 (davon 1293 symptomatisch) Fälle registriert – gegenüber 237.352 Fällen in Deutschland (Einwohner: 83,2 Millionen). Führt man sich diese Zahlen vor Augen, wirkt der unterschiedliche Umgang mit der Seuche noch krasser: hier das Festhalten am Eindämmen, in Deutschland Lockerungen.

Neue Maßnahme in Peking ist jetzt, dass alle Schüler:innen wöchentlich einen negativen Covid-Test vorzeigen müssen. Ein Testcontainer steht gegenüber der Schule. In zehn Tagen beginnen an der Deutschen Botschaftsschule die Osterferien (zwei Wochen). Da man aber zwei Wochen ununterbrochen in Peking gewesen sein muss, um Schulen betreten zu dürfen (auch Haushaltsangehörige!), ist Reisen auch innerhalb Chinas nicht möglich. In den Osterferien nach Deutschland? Das scheint ewig her, seufz.

Im Westen des Sommerpalastes sieht man nicht nur die Westberge, sondern besonders die Pagode auf dem Jadehügel fällt immer ins Auge – das wollte ich mir schon länger aus der Nähe ansehen. Gleichzeitig schau ich ja auch fast immer, ob ein Ort auch reizvoll für die Fotogruppe sein könnte. Eigentlich stand die Fotogruppen-Planung bis zum Sommer ja schon, aber angesichts der Pandemie-Lage überlegen wir uns gerade Alternativen zum Künstlerdorf Cuandixia und zum Wasserdorf Gubeikou – beides nicht mehr innerhalb Pekings, und das könnte problematisch werden. Mit einer Freundin bin am Dienstag also auf Erkundungstour gegangen.

Jadehügel? Kein Zutritt.

Reiseführer geben zu der Ecke kaum etwas her, auch auf Webseiten sind wir nicht groß fündig geworden, dabei sind rings um den Jadehügel mehrere große Parks auf den Karten eingezeichnet. Wir haben uns also ein wenig auf ins Blaue gemacht und uns mit dem Didi zu einer Kreuzung unterhalb des Jadehügels bringen lassen.

Wir haben schon damit gerechnet, dass wir nicht zur Pagode hochlaufen können, ich hatte auch schon mal gelesen, dass das Gelände rund um die Pagode für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, denn hier wohnen hochrangige Politiker und Militärs, quasi das inoffizielle Hinterzimmer der chinesischen Politik (im Gegensatz zum offiziellen Sitz Zhongnanhai im Zentrum der Stadt). Aber hier ändert sich alles so schnell, vielleicht würden wir ja doch Glück haben? Zumindest mal aus der Nähe fotografieren müsste doch drin sein?

Aber auch wenn sich hier alle schnell ändert, das nicht. Der Hügel ist durch eine hohe Mauer abgesperrt, alle paar Meter stehen schwer bewaffnete Soldaten und/oder Polizisten.

Beiwu-Park

Nun gut, wir gehen in den Park, wollen uns dort ein bisschen durch die Gegend treiben lassen und dann in Richtung Sommerpalast weitergehen.

Der Blick zur Pagode ist durchaus nett, aber der Park ist nicht so besonders, dass man extra den weiten Weg hierher auf sich nehmen müsste. Vor allem nicht, da Peking eine Vielzahl wirklich schöner, interessanter Parks hat. Immerhin, dieser Park hat auch ein eigenes kleines Marmorboot.

Marmorboot im Beiwu-Park

Auf die Pagode hat man immer wieder einen netten Blick.

Eingemauerte Jadehügel

Wir haben Zeit, lassen uns durch den recht großen Park treiben. Allerdings ist es kühler als erwartet, die Sonne kommt nicht wie erhofft raus, wir bleiben also nirgends länger stehen, weil wir sonst frieren. Immerhin: die Luft ist gut, das Grau kommt vom Wetter.

Feuerlöscher im Park

Bei schönem Wetter sicher noch viel hübscher

Der Frühling kommt, wenn auch langsam

Aber trotz dieser Pagoden-Ansichten haut uns der Park nicht um, und so machen wir uns auf zum Westtor des Sommerpalasts.

Sommerpalast mal vom Westen aus

Ich habe den Sommerpalast schon durch fast alle Tore betreten und verlassen, nur durch das Westgate bisher nicht, also Premiere. Es ist zwar immer noch grau und kalt, aber der Blick über den Kunming-See auf die 17-Bogen-Brücke mit den blühenden Bäumen auf dem Damm davor – das ist schön.

Wir schlendern also am westlichen Ufer des Sees entlang, wechseln auf den Damm mit den vielen Brücken dazwischen. Die meisten Bilder, die man vom Sommerpalast zu sehen bekommt, sind solche, die den Tower of Incense (Pavillon des buddhistischen Wohlgeruchs) zeigen – vom Haupttor aus fotografiert. Heute also mal vom Westufer des Sees aus:

Bis kurz vor diesen Booten konnte ich „neulich“ (vor gut zwei Monaten…) noch mit dem Eisfahrrad fahren! Aber der Winter ist vorbei, wie man an den vielen Knospen, Blüten und dem zarten Grün sieht: so langsam kommt der Frühling. Den Magnolien in der Stadt hat der Kälteeinbruch samt Schnee in der letzten Woche aber gar nicht gut getan:

Magnolie mit Frostschaden

Wasserschutzgebiet und Zugvögel

Wir kommen an einen Zaun vorbei, aus dicken Metallstreben. Dieser Zaun meint es ernst, anders als die Bändchen in Kniehöhe, die hier meist zum Einsatz kommen. Er ist wirklich undurchdringlich und unüberwindbar (zumindest nicht ohne Leiter oder Seil, ich bezweifle aber, dass man mit Leiter in den Palast eingelassen wird… ). In diesem Zaun sind aber einige wenige Gucklöcher eingearbeitet. Der Zaun schützt den dahinterliegenden See, der als Trinkwasserreservoir dient – und von Zugvögeln als Rastplatz genutzt wird. Durch die Gucklöcher hat man auch noch einen netten Blick auf den Jadehügel samt Pagode und Tempel auf dem Hügel nebendran.

Zaun mit Guckloch

Zugvögel, Westberge (und Dreck auf dem Objektiv?)

Leerer Langer Korridor

Wir beschließen, in dem kleinen Café in dem Hof hinter dem Marmorboot einen Kaffee zum Aufwärmen zu trinken. Die kleine Auszeit in dieser Idylle tut gut. Obwohl wir im Freien sitzen, lässt es sich gut aushalten und uns wird wieder wärmer. Leider hält das nicht lange vor. Schon am Marmorboot ist mir wieder kalt. Es wird klar, dass wir nicht mehr zu lange bleiben sollten, um uns nicht zu erkälten. Ich möchte gerne durch den Langen Korridor gehen, denn es ist so schön leer, dass man das mal richtig genießen können sollte. Sonst ist es dort ja oft so voll, dass man nur einen kurzen Blick hineinwirft und dann auf dem breiten Weg daneben weitergeht. Und richtig, freier Blick im Langen Korridor.

Kurz vor dem Haupttor sehen wir, dass die Pfingstrosen austreiben. Jetzt heißt es, den Zeitpunkt der Pfingstrosenblüte nicht zu verpassen! Ich möchte sie mir im Botanischen Garten, im Jingshan-Park und im Sommerpalast ansehen.

Fotos

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Trommel- und Glockenturm am Abend

Mit der Fotogruppe war ich am Donnerstagabend am Trommel- und Glockenturm. Die Luft war vergleichsweise mies, aber unterhalb der Werte, bei denen vor drei Jahren an der Schule der Sportunterricht noch draußen stattfand. Und verschieben? Es ist „Sandsturmzeit“, dazu Pandemie – keine Ahnung, wie es nächste Woche aussieht, also besser jede Gelegenheit beim Schopfe packen.

Ich hatte meine Glaskugel dabei, eine nette Spielerei, vor allem, wenn man ein Motiv schon ungefähr tausendmal abgelichtet hat.

Ein Glaskugelbild des Pekinger Glockenturms, im Hintergrund unscharf der Platz und der Glockenturm, im Vordergrund die Glaskugel, in der der Turm auf dem Kopf steht.

Glockenturm

Neue Absperrpoller…

Der Trommelturm wird renoviert, oben auf der Galerie und unten an der Ecke sind Arbeiter am Werk.

Und der Glockenturm in der Kugel…

Wie gesagt, eine nette Spielerei…

Trommelturm

Glockenturm

Bei der miesen Luft sieht man, dass nicht nur einfach irgendwie beleuchtet wird, sondern farbig betont.

Pandemie

Achja, die Pandemie… Peking ist wegen der besonders strikten Einreiseregelungen noch halbwegs verschont, in Shanghai findet Schule inzwischen schon wieder online statt. Und es gibt Gerüchte, dass ein Lockdown der Stadt oder von Stadtbezirken bevorstünde. In Peking betrifft das im Moment nur einzelne Compounds, einer davon allerdings in Sichtweite von unserem Domizil….

Farbe bekennen

Die Straßenkreuzung, an der die Deutsche und die Kanadische Botschaft liegen, gehört sicher mit zu den am besten beobachteten/bewachten in der Stadt (Tiananmen und Zhongnanhai mal außen vor). Dies Bild habe ich vor zehn Tagen geschossen. Es heißt (ich habe es nicht gesehen), jemand habe „F*ck NATO“ unten auf die rechte Fahne gesprüht. Was ich aber gesehen habe (aus dem Taxi, darum kein Foto), dass der untere gelbe Teil mit Folie überklebt ist….

An der US-Botschaft weht keine Fahne, aber sie wird nachts blau-gelb beleuchtet (mit dem Handy aus der Hand vom Scooter geknipst, vielleicht kriege ich das die Tage noch deutlicher hin):

Brennt es?

Und damit uns auch ganz sicher nicht langweilig wird, roch es gestern am späten Abend auf einmal verbrannt. Es schien von oben zu kommen, also bin ich die Treppe hoch und habe geguckt – kein Rauch, auch der Mief  nicht intensiver. Die Nachbarn (die, deren Wohnung vor zwei Jahren während ihrer Abwesenheit überschwemmt wurde) waren schon länger nicht da, etliche Benachrichtigungszettel klebten an der Tür, konnte ich also nicht fragen. Kein bisschen schlauer bin ich zurück in unsere Wohnung. Der Mann fand mich wohl ein bisschen hysterisch, aber ich hab trotzdem Pässe, Papiere und Co. in meinen Rucksack gestopft und geguckt, dass auch die Jungs im Fall der Fälle sofort loslaufen könnten.

Der Gestank ging nicht weg, ich bin noch mal hoch, weiterhin nichts. Ich war gerade wieder zurück in unserer Wohnung, als laute Stimmen aus dem Treppenhaus kamen. Ein uniformierter Wächter klopfte an und schaute kurz nach dem Rechten, nein, hier stinkt es nur, hier ist aber nicht die Quelle – und war so schnell wieder draußen, wie er reingekommen war.

Zentrale Klimaanlage defekt

Zwanzig Minuten später wurde der kokelige Geruch noch intensiver. Das hat dann auch den Mann nervös gemacht, und er ist runter zum Office und kam mit einem Mitarbeiter zurück. Der guckte auch noch mal, telefonierte und erklärte dann, es handele sich um einen Defekt der Klimaanlage, die morgen repariert würde. So hundertprozentig beruhigend war das nicht, wenn man sich wegen der Sprachbarriere nicht ganz sicher ist, dass man alles richtig verstanden hat. K4 und ich haben dann noch eine ganze Weile Wache gehalten, bis es wirklich nicht mehr nach Rauch roch.

Heute Morgen kam dann ein Worker vorbei, der mir erklärt hat, dass nun alles repariert sei und mir seine Handynummer gab für den Fall, das wieder etwas sein sollte. Nein danke, hoffentlich nicht!

Der beginnende Frühling macht tatsächlich wieder mehr Lust aufs Unterwegs-sein. Es ist Montag, d.h. fast alle Museen sind geschlossen, also müssen Skurrilitäten wie das Leitungswassermuseum noch auf mich warten. Ich bin noch unentschlossen wohin, egal, erst mal raus, wird sich schon was finden, sobald ich unterwegs bin. Ich starte in Richtung Zentrum. Da komme ich an der Botschaft vorbei, inzwischen hängt auch hier die Flagge der Ukraine.

Ich kreuze den 2. Ring, aber erst als ich die Andingmen Inner Street überquere, fängt es wieder an zu kribbeln. Achja, das Zentrum Pekings reizt mich immer noch und immer wieder. Und selbst hier gibt es immer noch einiges zu entdecken oder auch mal einen Anblick, den man nicht immer hat – das geöffnete Tor am Trommelturm hier zum Beispiel.

Zum Jingshan-Park!

An der Kreuzung hier beim Trommelturm fällt mein Blick auf den Wanchun-Pavillon oben auf dem Kohlehügel, und in dem Moment weiß ich, wo ich hinfahre: zum Jingshan-Park. Ein paar Minuten später bin ich schon da, stelle den Scooter ab. Stelltafeln mit QR-Codes und bebilderter Anleitung machen klar: Ticket per App kaufen! Okay, inzwischen haben wir hier ja damit Erfahrung, ich tippe Namen und Handynummer ein, wähle „ausländischer Reisepass“ aus, kopiere meine Passnummer ins zugehörige Feld – Fehlermeldung: „Bitte geben Sie eine korrekte ID-Nummer an“. Alles klar, da haben die App-Programmierer für das Feld nur Ziffern vorgesehen, ist nicht das erste Mal. Also muss ich doch zum Schalter, halte mein Handy mit der Fehlermeldung hoch – und muss nicht lange erklären, das Problem ist wohl schon bekannt, meine Passnummer wird von Hand notiert und dann bekomme ich mein Ticket und kann endlich durch das Tor in den Park treten.

Den Anblick mit den Lampions in den Bäumen kenne ich ja schon – und finde ich immer noch schön.

Die Schneeflocken sind aber neu, die sieht man dank Olympia noch fast überall.

Ebenfalls immer wieder schön: dieser Pavillon.

Mich zieht es direkt nach oben auf den Kohlehügel. Ziemlich weit oben gibt es eine Neuerung: die „Imbissbude“ (die eh nur selten besetzt war) beherbergt jetzt nur noch Getränkeautomaten.

Der beste Blick über die Verbotene Stadt

Schließlich komme ich ganz oben an und kann die Aussicht über die Verbotene Stadt genießen.

Da Montag ist, ist die Verbotene Stadt geschlossen, dafür wird dort gearbeitet, das Hämmern hört man bis hier oben.

Große Halle des Volkes: Two Sessions

Die Große Halle des Volkes ist reich beflaggt: derzeit finden die „Two Sessions“ statt. Two Sessions, chinesisch: 两会 Lianghui , sind die alljährlich gleichzeitig stattfindenden Sitzungen des Nationalen Volkskongresses und der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes.

Blick nach Westen

In Richtung Westen sind die Berge in Sicht, die Weiße Pagode auf der Insel im Beihai-Park, die (kleinere) weiße Pagode im Tempel der Weißen Pagode (leicht links von der Bildmitte) und natürlich der Fernsehturm.

Wanchun-Pavillon

Die oberste Plattform des Wanchun-Pavillons ist immer noch gesperrt (wegen der Pandemie, hier ist normalerweise Abstand halten unmöglich). Ich umrunde den Pavillon mehrmals, die Aussicht über die Verbotene Stadt ist natürlich unvergleichlich, aber auch der Blick in die anderen Richtungen gefällt mir. Die Bänke, die auf der Nordseite standen (mit Blick Richtung Olympia-Gelände) sind weg.

Noch eine Runde…

Hier sieht man das Nationalmuseum – und wie unglaublich groß es ist.

Noch sind ja die Paralympics, hier also der Blick in Richtung Olympia-Gelände, davor der Trommelturm, erst herangezoomt und dann die große Ansicht.

Blickt man Richtung Nordosten, sieht man Wangjing, das „weiße Segel“  links ist einer der Türme des Wangjing Soho.

Nicht fehlen darf auch der Blick nach Südosten: der CBD mit Langer Unterhose, Citic Tower usw.

Xizhimen

Ich schaue noch einmal nach Westen: Xizhimen. Das Wort „men“ bedeutet Tor, das alte Xizhimen-Tor, durch das früher das Trinkwasser aus den Jade Spring Hills nach Peking gebracht wurde, wurde 1969 abgerissen. Pünktlich zur Eröffnung der Sommerolympiade 2008 wurde hier ein Verkehrsknotenpunkt eröffnet, weithin sichtbar durch das Bürogebäude mit den drei abgerundeten Türmen.

Hier noch einmal die beiden Weißen Pagoden, wer im Bild oben den Tempel der Weißen Pagode nicht gefunden hat: hier am linken Bildrand.

Habe ich schon mal erwähnt, wie hübsch ich diese Pavillons finde?

Frühling!

Die Pfingstrosen sind noch nicht dran, als erstes blühen hier die Magnolien. Traumschön, oder?

Das hat gut getan. Irgendwie habe ich es in den vergangenen Jahren immer geschafft, die Pfingstrosenblüte hier zu verpassen, das soll mir dieses Jahr nicht passieren.

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Krieg in Europa

Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.
John F. Kennedy

Wir sind in China, da gibt es keine Anti-Kriegs-Demonstrationen, Mahnwachen für den Frieden oder Ähnliches. Aber manche Botschaften zeigen Flagge.

Hier die Botschaften von Estland und Island (Island ist Untermieter bei den Esten).

Die Französische Botschaft hat keine Flagge gehisst, aber ein Transparent aufgehängt.

Bei den Kanadiern gibt es diese Bildschirme. Gegenüber ist die deutsche Botschaft, da war als ich dran vorbeigefahren bin noch nichts, inzwischen soll dort aber auch die ukrainische Flagge wehen.

Und wenn man dann so durch die Stadt geht, fällt einem auf einmal ständig diese Farbkombination auf: beispielsweise die Uniform von Lieferanten oder Busse. Oder hier das Metro-Schild.

Ich hoffe so sehr auf ein baldiges Ende dieses Krieges ohne weitere Eskalation, fürchte aber sehr, dass diese Hoffnung nicht erfüllt wird. Es fällt schwer, in diesen Zeiten den Optimismus nicht zu verlieren.

SMS. Und noch eine.

Ich bekomme hier dauernd SMS. Okay, technisch gesehen dürfte manche „SMS“ eher unter „Broadcast“ fallen (Sturmwarnungen z.B., wir erinnern uns an die Überschwemmungen im vergangenen Jahr…). Jedenfalls gehen ständig kurze Nachrichten ein. Manche sind direkt an mich gerichtet wie die von Lieferdiensten: „Ihr Baby ist unterwegs, verfolgen Sie hier den Live-Standort *link*“ (übersetzt mit Google-translate). Oder ich (und alle anderen Kund:innen von China Unicom) werde davon in Kenntnis gesetzt, dass Herr Wang irgendeine Medaille im Dienste des Volkes erhalten hat und wir uns alle ein Beispiel an ihm nehmen sollen.
So ähnlich wie dies hier: „Sozialhilfe-SMS: Die Zentrale Propagandabteilung verlieh der Gruppe der Fluglehrer für Trägerflugzeuge auf einem Stützpunkt der Naval Aviation University den Titel „Model of the Times“ und lobte sie als „kämpfendes Team, das Menschen für den Krieg erzieht“, und forderte die gesamte Gesellschaft auf, von ihnen zu lernen.“ (vom 21. Dezember 2021, heute im Übersetzungs-Verlauf gesehen und irgendwie gruselig).

Superstau. Auf den Straßen und im Netz.

In den letzten Tagen wurde ich per SMS nachdrücklich darauf hingewiesen, dass heute nicht nur die „Two Sessions“, sondern auch die Paralympics beginnen. Straßensperrungen im Anmarsch! Besser zuhause bleiben, Stoßzeiten vermeiden, Bahn benutzen, Ringstraßen und Expressways vermeiden etc. Kratzt mich mit Scooter ja nicht besonders, aber als ich vorhin von einer Verabredung mit Freundinnen zurückgetuckert bin, hab ich doch geschluckt, der Rückstau von der Auffahrt zum vierten Ring reichte fast bis zum dritten Ring. Ups. Das war schon rekordverdächtig. Zum ersten Mal in fast sieben Jahren gab es dann auch eine SMS: „Aufgrund der Verkehrsverhältnisse verspätet sich die Lieferung ihres Babys um einen Tag.“

Apropos Two Sessions. Der Stau betrifft mal wieder auch die Datenautobahn, besonders die Tunnel sind verstopft…

Und Paralympics: noch ist Olympia sichtbar in der Stadt – und wird auch weiterhin gerne geknipst:

Sandsturm und Sandkasten im Auge

Heute war außer dem Megastau auch vormittags noch ordentlich Wind. Sandiger Wind. Sehr sandiger, sehr stürmischer Wind – der erste Sandsturm in diesem Frühling. Mir ist mit viel Getöse das Badezimmerfenster entgegen gekommen, nun kennt es erstmal nur noch „kipp“ oder „auf“, aber nicht mehr „zu“ – was lästig ist, da es nachts schon noch sehr kalt ist. Aber unser Vermieter ist super, das sollte schnell wieder in Ordnung sein.

Sandsturm hin oder her bin ich zu einer Verabredung mit Freundinnen getuckert. Für tränende Augen ist aber nicht nur der Sand verantwortlich.

Vor einem Monat ist ein guter Freund nach knapp einem Jahr fieser, unheilbarer Krankheit gestorben, gestern war die Beerdigung, und es ist schwer. Schwer, dass wir uns nicht persönlich verabschieden konnten, schwer, dass ich meiner Freundin nicht direkt beistehen konnte und kann. Wegen der Pandemie war und ist eine Deutschlandreise derzeit für mich nicht drin.
Kann man „normalerweise“, wenn die Worte fehlen, trotzdem da sein, nichts sagen und nur in den Arm nehmen, praktisch helfen, das geht jetzt alles nicht. Und auch wenn meine Freundin und ich uns so gut und so lange kennen, dass auch mal ein „schräger Satz“ nicht schlimm wäre, die Angst, etwas Falsches zu sagen oder einen ungünstigen Moment zu erwischen, ist trotzdem da. Aber selbst „falsch“ ist immer noch besser als „nichts“. Abtauchen und Schweigen ist keine Option. Ich hoffe nur, ich finde möglichst immer die richtigen Worte und „falsch/dummes Timing“ kommt nicht (oder nur selten und wenn, dann nicht nachhaltig verletzend) vor.

Und trotzdem…

… ich will mir meinen Optimismus nicht nehmen lassen.

Ich hoffe so sehr, dass die Katastrophen Pandemie und Krieg (übrigens nicht nur der in der Ukraine…) ein rasches Ende finden und dass die Klimakatastrophe noch abgewendet werden kann. Dass die Hoffnungen nicht unbedingt nach dem  „Ende der Geschichte“, aber doch nach weltweitem Frieden (nicht nur der Abwesenheit von Krieg, wobei ja sogar das ein Fortschritt wäre) und dem Ende von Hunger und Armut sich doch noch erfüllen. Ich hoffe immer noch, dass sich Vernunft, Verstand und anständige Haltung gegenüber Mittelalterglauben, Quer“denker“idiotentum, Egomanen etc. durchsetzen. Langfristig wird unser kleiner blauer Planet nur für Menschen lebenswert fortbestehen können, wenn wir weg von lokalem Denken zum „großen Ganzen“ kommen. Ich habe immer noch Hoffnung, dass das gelingen kann, auch wenn die letzten Tage, Wochen, Monate und Jahre eher das Gegenteil zeigen…

Ich habe mich in der letzten Zeit ein bisschen schwer getan, mich aufzuraffen und durch die Stadt zu streifen. Hauptgrund ist: mir ist zu kalt, die Kälte kriecht mir in die Knochen, tut weh, ich hasse es. Lorde hat ja einen Song („Solar Power“) extra für mich geschrieben, besonders die ersten Zeilen treffen es gerade genau richtig:

I hate the winter, can’t stand the cold
I tend to cancel all the plans (So sorry, I can’t make it)

Der andere Grund ist etwas, das viele Menschen, die im Ausland leben, umtreibt: was, wenn es den Lieben daheim mal nicht gut geht und man eigentlich besser dort wäre? Ich weiß jetzt, wie sich das anfühlt, aber bis ich da mehr drüber schreiben kann, brauche ich noch Zeit.

Gestern war es aber endlich mal nicht ganz so kalt, dazu gute Luft und strahlender Sonnenschein, mein Knöchel ist wieder ganz in Ordnung, also habe ich mich auf den Scooter geschwungen und bin zum Shichahai gedüst.

Test-Schlangen und die Seuche

Unterwegs komme ich zweimal an langen Schlangen vorbei: hier wird getestet. Eine der Schlangen ist an der Kreuzung Beixinqiao, wo vor kurzen der neue U-Bahn-Eingang (samt neuer Airport-Express-Station) eröffnet wurde. Auf der einen Seite der Kreuzung die wirklich sehr lange Schlange auf der Bike Lane, auf der anderen Seite sitzen ältere Pekinger auf den neuen Bänken des traditionell gestalteten Bahnhofeingangs (erinnert etwas an die Laubengänge im Sommerpalast oder Himmelstempel). Leider ist zuviel Verkehr, als dass ich absteigen und stehen bleiben könnte zum fotografieren.

Für uns war ja vor ein paar Wochen ein Test für den kompletten Compound angekündigt, der Stunden später wieder abgesagt wurde. Vielleicht ganz gut so, subjektiver Eindruck ist, dass man entweder nie oder „ständig“ getestet wird (wobei „ständig“ zwei-drei Mal heißt). In Peking selbst war heute übrigens der zweite Tag ohne lokale Neuinfektion. Von wegen, Omikron würde die quasi ungeimpften Chinesen platt machen. Die vielen positiven Tests in der Olympia-Blase dürfen auch gerne innerhalb der Blase bleiben.

Dafür hat es in Deutschland die ersten Familienmitglieder erwischt. Ich hoffe, das geht gut aus und ist fix und folgenlos überstanden.

Am Shichahai

Derzeit ist die Stadt noch bunter als sowieso schon, Neujahrs- und Olympia-Deko überall, hier an der Kreuzung vor dem Trommelturm.

Ich stelle den Scooter ab, biege um die Ecke und laufe auf den See zu – und muss mir erstmal die Augen reiben: huch? Das Eis ist schon weg?

Auch wenn ich mein „Projekt Eisprinzessin“ (die Pekinger Eislaufflächen testen) nun auf die nächste Saison verschieben muss: böse bin ich nicht drüber, denn das ist ein erstes Zeichen dafür, dass meine viertliebste Jahreszeit so langsam zu Ende geht. Zum Wochenende ist noch mal ein Kälteeinbruch angekündigt, aber dann reicht’s auch mit dem Winter. :)

Ich biege in den Yandai-Hutong ab, und lasse mich von dem farbenprächtigen Gewusel dort gefangen nehmen. Es gibt so viel zu sehen!

Zum Beispiel der Schatten der Laternen auf einer historischen Türe…

Die unterschiedlichsten Menschen…

Es scheint immer mehr Hunde zu geben (oder sie fallen mir mehr auf), ob frei herumstromernd in einer Gasse…

… oder vom Frauchen aufgebrezelt an der Leine.

Über diese scheußlichen Palmen muss ich immer schmunzeln, aber jetzt im Winter ganz besonders.

Nachmittags keine Schwimmer, sondern ein Angler…

Ganz dünnes Eis…

Der Mini-Park am Wanghai-Turm ist geschlossen, das heißt ich könnte nicht am Ufer weitergehen, sondern müsste die an dieser Stelle eher uninteressante Straße benutzen. Da drehe ich lieber um, ich kann ja auch noch über die Brücke auf die westliche Seeseite gehen und dort herumstromern.

Ich mag die Spiegelungen im See…

… und das Gewusel hier. Heute ist viel los, denn es ist der letzte Tag der Neujahrsferien (also der letzte offizielle freie Arbeitstag, unsere Jungs haben seit Montag schon wieder Online-Schule).

Okay, das Eis ist nicht weggetaut, die Enten haben es aufgefressen… ;)

Pekinger Gegensätze: modernes und traditionelles Peking auf einen Blick, in einem Bild: vorne der Feuergott-Tempel, hinten der Citic Tower (Zhongguo Zun).

Ich gehe noch ein Stück weiter…

… aber allmählich steht die Sonne schon tief und nun wird es doch merklich kälter. Also drehe ich um und kann diesen Blick genießen: vorne in rot der Trommelturm, weiter hinten von den Bäumen fast verdeckt der Glockenturm.

Jeder mag Tanghulu (kandierte, aufgespießte Früchte).

Raucherpause.

Nach drei Stunden ist mir dann aber doch echt kalt, Zeit für den Rückweg.

Ich schwinge mich auf den Scooter und nehme einen anderen Weg zurück nach Hause. Trommelturm habe ich ja heute schon gesehen, ich werfe nun also noch einen Blick auf den Kohlehügel – wenn auch nur von der Bike Lane aus.

Ein Stück weiter muss ich an einer Ampel warten. Aber es gibt ja immer was zu gucken.

Der lange Spaziergang hat mir wirklich gut getan, man kann so schön Gedanken dabei sortieren, Licht und Sonne heben die Laune. Und so schrecklich kalt war es glücklicherweise auch nicht. Abgesehen davon gibt es hier ja auch immer mehr als genug zu Gucken. Auch wenn ich inzwischen schon immer wieder mal denke, dass ich gerne etwas Neues entdecken würde, hat es auch seinen Reiz, solche Lieblingsorte (wie es der Shichahai für mich ist) immer wieder aufzusuchen.

Heute ist der chinesisches Neujahrsabend. Schon seit mittags lassen wir in der Glotze die chinesische Variante von „wir warten aufs Christkind“ (Countdown zur Live-Gala) dudeln – wir sehen rot, ganz viel rot, seit 20 Uhr läuft nun das größte TV-Ereignis der Welt (Superbowl ist nur Nummer 2).

Um Mitternacht endet das Jahr des Ochsen/Metall-Büffels und beginnt das Jahr des Wasser-Tigers. Wer sich für chinesische Horoskope, Sternzeichen etc. interessiert, hier ist das übersichtlich und auf Deutsch erklärt. Für mich ist das nix, aber genauso wie ich unser Silvester mag, hab ich auch Spaß am chinesischen Neujahrsabend. Feste feiern, wie sie fallen! Und so werden wir um Mitternacht auch anstoßen.

Der Besitzer des kleinen Ladens hier im Compound hat uns vorgestern schon Jiaozi geschenkt, ich habe mich mit Bananenmuffins bedankt. Als der Mann vorhin Zigaretten holen war, gab es noch eine Flasche Prosecco dazu. Das fühlt sich total gut an, nach angekommen und persönlicher Verbindung.

„Chunwan“ auf Youtube

Hier kann man „Chunwan“ (die TV-Gala zum Frühlingsfest) schauen:

Und was sehen wir da eigentlich?

Hier gibt es (auf Englisch) Hintergrundinfos und Erklärungen zum Programm im Liveblog von whatsonweibo. (Wird sich wohl auch nach dem heutigen Abend noch erreichen lassen, war zumindest in den Vorjahren so.)

Kontrollrunde? Schlotter, zu kalt!

Vorhin wollte ich noch meine fast schon traditionelle Runde vor der Show drehen. Oh weia, das war dank eisigem Wind so bitterkalt, anstatt Richtung Tian’anmen habe ich nur eine kurze Runde durch Sanlitun gedreht. Hat aber gereicht, mich davon zu überzeugen, dass die Straßen wie immer an den Neujahrsabenden weitgehend leergefegt sind. Ein paar aufgebrezelte Menschen noch auf dem Weg ins Restaurant oder zu den Eltern, vor einigen Restaurants sitzen viele auf Aufträge wartende Kurierfahrer auf ihren Scootern.

Und sonst?

Anfang letzter Woche musste ich vom Scooter springen, um einen Unfall zu verhindern. Mein Schimpfwortschatz ist noch intakt, aber mein Knöchel nicht. Der schmerzt seitdem (ist aber nach einem Reitunfall vor langer Zeit eh total kaputt). Von daher habe ich mein Projekt „Eisprinzessin“ – Schlittschuhlaufen auf möglichst vielen freigegebenen Seen – erstmal auf Eis legen müssen. Ich hoffe, ich bin nächste Woche fit genug dafür. Vor allem bin ich aber froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Pandemie…

Wir sehnen uns nach dem Ende der Pandemie. Derzeit scheint das aber eher so zu sein:

Warten auf Godot - Restaurant in Peking

Warten auf Godot

Davon ab geht es uns aber gut, die Jungs kommen ja gut mit Online-Schule klar, jetzt sind aber erstmal Neujahrsferien.

Wie neulich angekündigt, habe ich angefangen, die Eisflächen der Stadt zu erkunden. Und ich hab’s nicht nur hier erwähnt, sondern so vielen Leuten erzählt, dass ich wirklich nicht mehr kneifen konnte. Also habe ich mir gestern morgen tapfer mein „Mimimi, es ist so kalt“ verkniffen, mich warm eingepackt und mich auf dem Weg zum Sommerpalast gemacht.

Allerdings habe ich mich beim Bestellen des Taxis vertan und bin deshalb am falschen Eingang (Nanruyi-Gate) gelandet. Der Spaziergang am See entlang und der Blick waren aber so schön, dass ich das dann doch als Glücksfall empfunden hab – und mich auch bald (oder im Frühling…) wieder dort absetzen lassen werde, um dann am anderen Seeufer oder über die Brücken und Inseln in Richtung Palast zu gehen. Diesen Teil habe ich tatsächlich bisher noch nicht besucht.

Das Eis hier knackt und quietscht, ganz merkwürdige Geräusche. Alle paar Meter steht ein Schild: „Eis nicht betreten“, dafür müsste man aber am Ufer eh erstmal durchs Wasser waten.

An der 17-Bogen-Brücke war ich im Dezember zur Wintersonnenwende. Inzwischen sind die Absperrungen am Ufer wieder weg, auch die Brücke ist wieder freigegeben.

Schlittschuhlaufen verboten

Schließlich komme ich am Ticketschalter an (Nähe East Gate; es gibt noch zwei weitere Zugänge im Norden und Westen, wobei vom See aus der im Westen heute geschlossen aussah). Die Verkäuferin sieht meinen Schlittschuhbeutel, redet auf mich ein, schüttelt den Kopf. Ich stammel was von „xiang mai piao, yao qu huabing“  (möchte Ticket kaufen, will Eislaufen). Schließlich sagt sie doch: 50 Kuai. Ich will den Code scannen, wie das der Mann vor mir gemacht hat (und auch Probleme hatte) – geht nicht. Ich zeige meine Bezahl-QR-Code – auch falsch.

Ich geh erstmal zur Seite, krame Bargeld raus. Ein Teqin (uniformierter Sicherheitsbeamter) kommt hinzu, redet erst mit der Ticketverkäuferin und fragt dann wirklich jeden, der vorbeikommt, ob er Englisch spricht. Eine junge Frau hilft bereitwillig, und so klärt es sich auf: aus Sicherheitsgründen ist Schlittschuhlaufen verboten, in den 50 RMB Eintritt ist aber Schlitten oder Rad enthalten. Der Teqin ist noch skeptisch, aber als ich verspreche, ganz sicher die Schlittschuh nicht zu benutzen, schleust er mich an der inzwischen deutlich längeren Schlange vorbei, ich bezahle mit Bargeld und habe endlich mein Ticket.

Über einen Holzsteg geht es aufs Eis.

Ich schlittere hinüber zu dem Bereich, wo die Schlitten und Eis-Räder ausgegeben werden. Die allermeisten Leute nutzen die Schlitten, mit meinem Gepäck (zum Glück lässt sich der Schlittschuhbeutel gut umhängen) scheint mir das Rad aber die bessere Wahl zu sein. Es ist oll und angeranzt, erfüllt aber seinen Zweck und ich habe einen Riesenspass damit. Dass ich eigentlich Schlittschuhlaufen wollte, hab ich längst vergessen, so schön ist es auch so. Eislaufen in Peking, das wird schon noch woanders klappen.

 

Eisvergnügen vor Traumkulisse

Je weiter ich mich vom Ufer entferne, desto mehr verteilen sich die Leute. Erst später am Nachmittag wird es richtig voll.

Natürlich wird viel fotografiert, ich tu’s ja auch.

Ich hab soviel Spaß, dazu die wunderschöne Kulisse, die Zeit vergeht im Flug. Ich fahre außen ganz herum, dann wieder kreuz und quer. Immer wieder genieße ich die Aussicht auf den Langlebigkeitshügel mit dem Turm des buddhistischen Weihrauchs – von dichter dran…

… oder etwas weiter weg.

Eine meiner Schwestern hat sich ein Bild vom „Marmorboot on Ice“ gewünscht – bitte schön:

Hundeschlitten?!?

In abgezäunten Bereichen kann man gegen Aufpreis für begrenzte Zeit „Bumper“ oder „Hundeschlitten“ mieten. Das amüsiert mich und ist gleichzeitig so wunderbar typisch Chinesisch. (Wer’s nicht erkennen kann: natürlich sind das nur Stofftiere, keine echten Hunde!)

Zu lange stehen bleiben und gucken geht nicht, dann wird es doch zu kalt, also trete ich wieder in die Pedale (und das Rad dreht erstmal ordentlich durch) und drehe weitere Runden über den See.

Ich überlege, ob ich vielleicht den Sonnenuntergang noch mitnehme, aber da mir doch auch schon kalt ist und ich derzeit keine Erkältung riskieren will, entscheide ich mich dagegen. Und: ich werde nächste Woche sowieso mit der Fotogruppe wieder hier sein. Sollte mir dann auch zu kalt sein, starte ich mal später am Nachmittag. Wirklich schade, dass der Weg doch recht weit ist.

Ich gebe also das Eis-Rad wieder ab. Inzwischen sind nur noch wenige Schlitten dort und fast alle Räder ausgeliehen. So richtig trennen kann ich mich aber noch nicht, also gehe ich nicht zum nächstgelegenen Ausgang (den Haupteingang am East Gate), sondern zu dem Ausgang in der Nähe der 17-Bogen-Brücke.

Die Schlange am Tickethäuschen ist inzwischen echt lang geworden.

Ich dreh mich noch ein letztes Mal um, und dann geht es wirklich nach Hause.

Foto-Galerie

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Abends am Tian’anmen

Der erste Fotowalk mit der Fotogruppe in diesem Jahr hat uns an den Tian’anmen geführt. Da Anfangs- und Endpunkt unterschiedlich sein würden, habe ich den Scooter stehen lassen und bin mit der Metro gefahren. Vorteil der Metro: auch im Berufsverkehr kommt man schnell und verlässlich von A nach B. Nachteil: es kann halt ziemlich voll sein. Das mag ich nicht so wahnsinnig gern (das ist ein klein wenig schönfärberisch ausgedrückt), aber es war halt doch die objektiv beste Lösung.

Umsteigen in Guomao

Eigentlich war das gar nicht so wild wie befürchtet. Und wärmer als auf dem Scooter war es auch. Am Tian’anmen war überraschend wenig los. Okay, es ist kalt, es ist mitten in der Woche, keine ausländischen und kaum einheimische Touristen unterwegs – ungewohnt ist es trotzdem.

Wir sind dann noch weiter zum NCPA spaziert, das nicht wie früher in wechselnden Farben beleuchtet wurde. Und um 21 Uhr gingen alle Lichter aus. Wir sind dann noch weiter zur Qianmen gegangen, wo wir eigentlich noch einkehren wollten – aber es war schon alles zu oder im Schließen begriffen.

Straßenbegleitgrün!

Hier wird viel Wert auf Grün in der Stadt gelegt. So manche Verkehrsinsel mutet wie ein kleiner Park an. Tag für Tag sind auch Heerscharen von Arbeiter:innen im Einsatz, um das Grün auf Verkehrsinseln, am Rande der Straßen und auf den Mittelstreifen zu hegen und zu pflegen. Mancherorts wird auch auf künstliches Grünzeug zurückgegriffen – so sind „Kirschblüten“ zum anstehenden Frühlingsfest dann auch bei Minusgraden kein Problem.

Hier in der Lucky Street ist das aber tatsächlich mal weniger gelungen.

Diese Zierkohlköpfe werden relativ oft eingesetzt, ob künstlich oder echt. An deren Anblick habe ich mich gewöhnt. Aber zusammen mit dem künstlichen Getreide ist es dann halt doch mal schön scheußlich. :)

Nix los am Liangmahe

Gestern wollte ich Spazieren gehen und auf dem Rückweg einkaufen. Mir war dann aber so kalt, dass ich es nicht weiter als bis zum Liangmahe geschafft habe. Mit meiner Abneigung gegen die Kälte scheine ich nicht allein zu sein, deshalb war ich auch relativ allein am Kanal.

Chinesische Schilderlyrik

Ein weiteres Fundstück für meine Schildersammlung. Und dann eine „Photo Area“, wo es eigentlich nix Dolles zu knipsen gibt. Der Blick auf den Liangmahe ist von weiter vorne oder hinten deutlich netter, und so spektakulär wirkt der Citic Tower (aka Zhongguo Zun) im Hintergrund hier auch nicht.

Photo Area…

Ein paar Schritte weiter finde ich den Blick Richtung Dongzhimen mit der Spiegelung der Guoson Twin Towers viel netter.

Der Grundstein für die Türme wurde sicher schon während der Qing-Dynastie gelegt … ;)  Ende Dezember sah es so aus, als ob sich was tut. Schaun wir mal.

Peking auf dem Eis

Vor ein paar Tagen habe ich irgendwo in den Tiefen des Internets eine Liste von Eisflächen gesehen, die immer Mitte Januar freigegeben werden. Bei vielen davon kann man zwar Schlittschuhe, Eisräder (wie Dreiräder mit Kufen) und ähnliches ausleihen, aber die Passform der Schlittschuhe ist zumeist suboptimal. Eigentlich bin ich bekennende Winterhasserin, uneigentlich fand ich schon immer Schlittschuhlaufen recht spaßig. Und dann die Vorstellung vor der Kulisse des Sommerpalastes ein paar Runden auf dem Kunming-See zu drehen – ja, was für eine geniale Vorstellung.

Schlittschuhe ausverkauft?!

Also, Schlittschuhe müssen her – in meiner Größe aber in allen Filialen der günstigen internationalen Sportartikelkette ausverkauft laut deren Webseite. Schlittschuhe will ich unbedingt anprobieren und nicht online bestellen. Wie der Zufall es will: ich erzähle das einer Freundin, die ihre Schlittschuhe nicht mehr nutzt und verkaufen will – sie passen und gehören nun mir.

Ein bisschen Enttäuschung kam auf, als es hieß, die Eisfläche am Sommerpalast werden wegen Olympia/Covid dies Jahr nicht geöffnet, aber eben hat das englischsprachige Stadtmagazin Öffnungszeiten und Eintrittspreise veröffentlicht – nun steht meinem Projekt, alle freigegebenen Eislaufflächen zu testen nichts mehr im Weg. Morgen bin ich verplant, aber gleich am Freitag lege ich am Shichahai los.

Eisflächen in der Stadt

Es soll sieben städtische (= freigegebene ) Eisflächen geben:

  • Shichahai
  • Beihai
  • Sommerpalast
  • Alter Sommerpalast (hier ist anlässlich der Olympischen Spiele ein „Ice and Snow Festival“)
  • Taoranting-Park
  • Chaoyang-Park
  • Yuyuantan-Park

Dazu kommen noch inoffizielle Flächen wie z.B. der Kanal zwischen Lama-Tempel und Ditan-Park. Und mal sehen, was ich noch entdecke.

Kann natürlich passieren, dass kurzfristig immer noch was geschlossen wird, vielleicht entdecke ich auch noch mehr – ich werde berichten.

 

 

Weihnachten

Heiligabend war bei uns ruhig und entspannt, eigentlich wie immer. Wir sind Team Kartoffelsalat (norddeutsch mit Mayo!) und Würstchen… ;)

Am ersten Feiertag gab es eine Premiere: das erste Mal, seit ich Kinder habe, bin ich ohne diese auf eine Weihnachtsparty gegangen. Die Jungs wollten eh online gamen, und ob ich da nun direkt daneben oder eine Viertelstunde entfernt bin, ist bei Teenagern ja nun wirklich keine Frage mehr. Mit der Zusage habe ich trotzdem lange gerungen und hab mich auch komisch gefühlt, als wir losgefahren sind – und dann war es total genial. Die Jungs haben den Abend in unserer Abwesenheit genauso genossen wie wir. Sie werden ja so schnell groß… ;)

Am zweiten Feiertag (für uns ja Doppelfeiertag, weil der Große Geburtstag hat) gab es die traditionelle Weihnachtsgans mit Knödeln und Rotkohl, ansonsten wieder gemütlicher Familientag. Über die Festtage verteilt haben wir viel mit der Familie und Freunden geskyped und gechattet – man kann sich doch über 7 Stunden und 7000 km hinweg nah sein (auch wenn es wirklich allmählich Zeit wird für einen Heimaturlaub mit realer Nähe).

Die Tage zwischen den Jahren haben wir wie immer genossen, dieses Gefühl aus der Zeit gefallen zu sein, völlig egal, welcher Tag und welche Uhrzeit es ist, keine Termine, Verabredungen oder Verpflichtungen.

Endzeitstricken und Scooter schieben

An Silvester gab es dann doch eine Verabredung zum Kaffee trinken und Stricken – oder wie der Mann es nannte: Endzeitstricken. ;) Auf dem Weg dorthin komme ich am Wangjing-Panda vorbei, der modernisiert worden ist, wie der Beijinger berichtet hat, die Kamera hatte ich extra griffbereit. Aber dem Cyberpanda ist wohl kalt, denn er ist verhüllt.

Verhüllter Cyberpanda

Ein Stück weiter fiel mir dann die neue Beschilderung auf. Da kommt was auf uns zu.

Olympia kommt.

Auf dem Rückweg ist mir dann nach drei Jahren Scooterfahren zum zweiten Mal passiert, dass der Akku des Scooters nicht ausgereicht hat. Die Kälte verringert die Reichweite doch um einiges, die Anzeige ist von 14 Prozent Ladung (die ausgereicht hätten) auf Null gesprungen. Zum Glück waren es nur gut zwei Kilometer, es war sonnig und trocken, gibt Schlimmeres. Nur, dass man zum Spaziergang nicht unbedingt an so einer langweiligen Straße entlanggehen würde…

Silvesterabend

Statt Fondue oder Raclette stand wieder der Shabushabu-Grill auf dem Tisch, wie letztes Jahr fanden alle, dass wir das öfter machen sollten (mal sehen, ob wir das anders als im letzten Jahr tatsächlich tun). Traditionell haben wir dann Siedler gespielt, immerhin hat diesmal niemand geschummelt, lach. In der Glotze lief einmal der 90. Geburtstag und ansonsten Ekel Alfreds Silvesterpunsch in Dauerschleife, kurz nach 23 Uhr dann einmal durchs TV gezappt und bei Beijing TV hängengeblieben. Tja, die große Sause ist halt erst in einem Monat zum chinesischen Neujahrsfest. Nach dem Ausschlafen war dann auch Deutschland im Neuen Jahr angekommen und auf CNN haben sich traditionell die Moderatoren ins Neue Jahr gepichelt.

Ich mag es, wenn das Jahr noch so neu, unbenutzt und unverdorben vor mir liegt. Wie letztes Jahr habe ich die Hoffnung, dass die Pandemie dieses Jahr ein Ende hat, auch wenn diese Hoffnung nach dem letzten Jahr nicht gerade in den Himmel fliegt. Es sind weltweit so viele Menschen erkrankt und gestorben, das muss endlich aufhören. Und selbst nicht mehr durch Maßnahmen eingeschränkt zu sein, vor allem wieder unbesorgt reisen zu können, das hätte auch was.

Neujahrsspaziergang am Shichahai

Zum Neujahrsspaziergang haben sich meine Männer nicht aufraffen können, aber ich bin ja zum Glück gern solo unterwegs. Gelandet bin ich am Shichahai, wo es wie erwartet voll war. Da musste ich doch kurz daran denken, wie das früher war, als die Jungs noch klein waren und mitkommen mussten, und wie besorgt ich war, sie im Gewusel zu verlieren… Jetzt kann ich mich ganz entspannt treiben lassen.

Die Vorbereitungen für das „Eisvergnügen“ laufen schon. Wenn’s nach mir ginge, wäre zwar das ganze Jahr über Sommer, aber auf das Herumgeschlittere auf dem Eis freu ich mich schon.

Die Absperrung steht, die Dicke des Eises wird getestet. Im Hintergrund der Tempel des Feuergottes.

An immer mehr Orten in der Stadt gibt es jetzt diese kleinen Läden mit Olympia-Souvenirs.

Olympia wird immer sichtbarer in der Stadt

Es wird so langsam dunkel, also mache ich mich auf den Rückweg, denn mit Einbruch der Dunkelheit wird es schnell eisig. Durchgefroren, aber zufrieden komme ich zuhause an. Das war ein gelungener Start ins neue Jahr – ich hoffe, es wird für uns alle ein gutes 2022!

Shichahai – Fotogalerie

Letztes Jahr habe ich mit meinem Jahresrückblick auf 2020 das erste Mal an der Fotoparade von Michael vom Erkunde-die-Welt-Blog teilgenommen. Auch dieses Jahr bin ich bei der Fotoparade 2021 dabei. Die Fotoparade gibt es schon seit 2015. Wenn man hier stöbert, kann man tolle Blogs (vor allem Reise- und Fotoblogs, aber nicht nur) entdecken – und natürlich tolle Bilder. Unter den Hashtags #FopaNet und #Fotoparade2021 wird man auch dieses Jahr wieder in den sozialen Medien fündig.

Letztes Jahr war eine Corona-Ausnahme: keine Vorgaben, freie Auswahl der Bilder. Dieses Jahr gibt es als Anregung wieder sechs Kategorien und sechs Zusatzaufgaben und natürlich das schönste Bild des Jahres. Es gibt aber nur eine wirkliche Regel:

„Die einzige, wirklich wichtige Regel ist, dass du einen schönen Beitrag mit deinen besten Fotos 2021 erstellst – mindestens 6 Fotos sollten es sein – und Spaß dabei hast!“

Also gut, ich wühle mich nun durch meine Bilder, finde Bilder, die ich schön finde oder die mir etwas bedeuten und erinnere mich an dieses Jahr. Und das macht wirklich viel Spaß!

Die Kategorien

Licht und Schatten

Bei dieser Kategorie wusste ich sofort, welches meiner Fotos dazu passt – das Gewächshaus im Botanischen Garten, das einen Schatten fast genau auf den Weg drumherum wirft. Im Botanischen Garten war ich in diesem Jahr häufiger, ich mag den zu allen Jahreszeiten total gern (oh – im Winter war ich noch gar nicht dort, das muss ich in diesem Winter unbedingt nachholen). Dies Bild ist im September am Mondfest entstanden.

Tierisch

Hier in Peking kommen mir eher weniger Tiere vor die Linse, wobei ich doch einiges an Vögeln und Schmetterlingen und Hunden fotografiert hab. Ich dachte erst an ein Hunde-Bild, vielleicht ein passend zum Frauchen gestylter oder einer, der auf einem Scooter mitfährt. Aber  dann ging hier gerade durch die Medien, dass einer der Pandas im Zoo versucht hat auszubrechen und über den Zaun geklettert ist. Da war dann klar, es wird ein Panda-Bild aus dem Zoo, entstanden bei einem Ausflug im Juni mit meiner chinesischen Freundin.

Gewässer

Mein Lieblingsgewässer in Peking ist der Shichahai – die drei hinteren, miteinander verbundenen Seen Houhai, Qianhai und Xihai. Zentral im alten Peking gelegen, umringt von historischen Stätten, Touristenmagnet, quirlig-lebendiges Viertel. Und dann gibt es hier natürlich noch die Schwimmer, die sich weder von Verbotsschildern noch Temperaturen schrecken lassen – das Bild ist im März entstanden!

Aussicht

Hier musste ich nicht lange überlegen. Einer der schönsten Aussichtspunkte in Peking ist ohne Zweifel der Kohlehügel mit dem Blick über die Verbotene Stadt.

Hoch hinaus

Wirklich hoch hinaus bin ich in diesem Jahr nicht gekommen, wenn man vielleicht von Kohlehügel und Duftbergen samt Aussicht mal absieht. Fliegen ist ja aus bekannten Gründen ausgefallen. Dafür habe ich aber das Museum der zivilen Luftfahrt besucht – was könnte „hoch hinaus“ besser symbolisieren?

Schwarz-Weiß

Spätestens seit ich im August an einem Streetfotografie-Workshop teilgenommen habe, fotografiere ich oft in schwarz-weiß (und lasse meine Kamera raw+jpg abspeichern, so dass ich beim „Entwickeln“ am PC die Wahl habe, ob und wie farbig die Fotos werden). Bei dem Workshop ist auch dieses Bild entstanden, was definitiv zu meinen Lieblingsbildern in diesem Jahr gehört.

Die Zusatzaufgaben

aufgeblüht

Ich habe dies Jahr viele Blumen geknipst, aber mein „Aufgeblüht“-Bild des Jahres ist dieses hier, entstanden Anfang April im Stadtmauer-Park mit Blick auf den Foxtower. Nicht nur die Forsythien blühen auf, sondern ich auch. Es ist endlich nicht mehr so kalt, es macht wieder Spaß, lange draußen unterwegs zu sein, Winterkälte und das Kahle, Triste des Winters schwinden endlich.

eng

Hier kommen mir als erstes die engen Gassen in den Hutongs in den Sinn.

Aber auch hier an diesem Durchgang in der Residenz von Prinz Gong wird es ganz schön eng.

Einschlag

Was für ein Einschlag dieses bescheuerte Virus auf unser aller Leben hat. Hier immer sichtbar an den allgegenwärtigen Masken. Ich fühle so viel Zorn, Wut, Ohnmacht – und bin dann so froh darüber, wenn ich auch Liebe sehen kann.

rot

Wer die Wahl hat… Rot ist in Peking allgegenwärtig. Rot ist die Farbe des Lebens, steht für Glück, Wärme, Ruhm und Kraft. Man kann hier keine drei Schritte tun, ohne etwas Rotes zu sehen. Ich habe ziemlich viele Bilder mit roten Lampions, roten Tempeln, Menschen, die rote Kleidung tragen, rote Türen …

Aber speziell für 2021 wähle ich folgendes Bild, das im Juli in der Ausstellung „100 Jahre Kommunistische Partei Chinas“ im National Art Museum entstanden ist.

minimalistisch

Peking und „minimalistisch“ sind zwei Dinge, die ich eher weniger miteinander verbinde. Aber manches kann man doch minimalistisch einfangen – hier die Fackel im Olympia-Gelände.

Oder doch diese Statue am Houhai?

Natur pur

Peking ist zwar eine wirklich grüne Stadt, was mich anfangs sehr überrascht hat. Aber „raus in die Natur“, das ist hier schon deutlich schwieriger. Ins Grüne, das geht, aber alles, was für mich (ohne eigenes Auto) gut zu erreichen ist, ist gut erschlossen, alle Wege sind asphaltiert oder gepflastert, bei der kleinsten Steigung werden Treppen gebaut. Also habe ich nach der Natur im Kleinen geschaut.

 

Mein schönstes Foto 2021

Schwierige Entscheidung. Eigentlich liebe ich den Sommer, Hitze, blauen Himmel. Aber dieses Bild (November im 798 Art District) ist für 2021 dann doch aussagekräftiger.

 

Lieber Michael, vielen Dank für das Organisieren der Fotoparade! Es hat mir wieder viel Spaß gemacht, in meinen Bildern und Erinnerungen zu wühlen. Und es macht auch viel Spaß, in den Beiträgen der anderen Teilnehmer:innen zu stöbern und gedanklich auf Reisen bzw. Heimaturlaub zu gehen. Zum Beispiel hier bei Anne vom Landleben (das Weihnachtspferd ist der Knaller!), Ulrike vom bambooblog (wie schön, dass es dir wieder gut geht!) oder Thomas und Melanie von Jansens Pott (die Berberäffchen sind zum Dahinschmelzen!).

Angesichts dessen, dass wir gerade eine Pandemie erleben, war das Jahr für uns nicht so schlecht. Okay, der Sommer war sehr verregnet… Wir sind alle geimpft und gesund – und der Anhang in Deutschland zum Glück auch.

Noch mehr als im letzten Jahr hoffen wir jetzt darauf, dass die Pandemie ein Ende findet, es sind schon jetzt viel zu viele Menschen erkrankt und gestorben. Mit der Omikron-Variante ins neue Jahr zu starten, stimmt erstmal nicht so positiv. Trotzdem, wir hoffen, dass die Nach-Pandemie-Zeit möglichst bald beginnt!

 

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Streifzüge

Obwohl es manchmal schon furchtbar kalt ist und ich mich manchmal wirklich zwingen muss, die warme Wohnung zu verlassen, bin ich tatsächlich wieder mehr unterwegs und stromere durch die Stadt.

 

Scooterfahrer mit gelber Jacke vor einem Gebäude mit dreieckiger Draht/Metall-Deko im gleichen Gelb.

Im Art District

 

Irgendwo in Dongcheng

 

 

CBD

Letzten Mittwoch bin ich losgezogen, hab an der Schulpforte Lesestoff für die Weihnachtsferien abgeholt und wollte dann eigentlich noch weiter – aber nach nicht mal zehn Minuten habe ich so gefroren, dass ich umgekehrt bin.

Dashilar mit der Fotogruppe

Am Tag darauf war es noch kälter und windiger, aber die Sonne schien, der Himmel war blau und die Luft richtig gut. Schön warm eingepackt (vor allem wärmere Handschuhe als am Vortag!) ließ es sich dann auch gut aushalten.

Dashilar ist nicht nur die gleichnamige kurze Straße, sondern so wird auch das Viertel drumherum genannt. Mitten im Herzen Pekings gelegen, südlich vom Tian’anmen, westlich der Qianmen kann man hier noch das „alte Peking“ fühlen. Mehr darüber kann man auf der Website von „Beijing Postcards“ erfahren. Keine Frage, dass wir einen Zwischenstopp bei Beijing Postcards eingelegt haben. Zum Aufwärmen gab es zum Schluss noch ein paar Zhajiangmian und heißes Wasser (das gewöhnt man sich hier auch als Ausländerin an!).

Das war ein richtig schöner Ausflug – noch eine Ecke, in der ich mich wieder öfter treiben lassen möchte.

Weihnachtsferien

Gestern war der letzte Schultag in diesem Jahr. Bis auf vier Wochen im Februar und die ersten Tage nach dem Sommerferien fand Unterricht immer in Präsenz statt. Gestern Morgen haben wir direkt das Abstellen der Wecker für die nächsten drei Wochen zelebriert. Auch wenn wir wegen der Pandemie weder Besuch kriegen noch selbst verreisen werden, freuen wir uns auf eine Zeit ohne Weckerklingen, Termine und Verpflichtungen (okay: wir heißt 3 von 4, der Mann darf weiterarbeiten).

300 Beiträge!

Als ich vorhin begonnen habe, diesen Beitrag zu erstellen, fiel mir die Zahl der vorhandenen veröffentlichten Beiträge ins Auge: 299. Dies ist dann nun also der 300. Beitrag! Happy Jubiläum to me! Das hätte ich vor über 7 Jahren, als ich mit diesem Blog angefangen habe, nicht gedacht: so lange hier, so viel zu erzählen. Und ich habe immer noch Spaß dran, und es gibt immer noch soviel Neues, Anderes, Aufregendes, Alltägliches – also mehr als genug Stoff zum weiterbloggen!

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Weihnachtsengel ohne Weihnachtsmarkt

Ich bin eigentlich keine Bastelfee, aber vor etwa zwei Jahren hat mich eine Freundin zu den „Weihnachtsengeln“ mitgenommen – und ich bin hängengeblieben, die Gruppe ist einfach zu nett. Die „Weihnachtsengel“ sind eine Gruppe von Frauen, die das ganze Jahr über weihnachtliche Deko basteln, u.a. Adventskränze, die dann auf dem großen Weihnachtsbasar auf dem Botschaftsgelände für den guten Zweck verkauft werden. Dieser musste pandemiebedingt nun schon zum zweiten Mal abgesagt werden, nachdem es lange so aussah, als könnte er stattfinden. Also habe ich wieder fotografiert, Online-Flyer erstellt und die Webseite umgestaltet und laufend aktualisiert. Kurzfristig haben wir auch noch eine „Adventsstube“ bei Schindler (deutsches Restaurant in Sanlitun) organisieren können, wo viele hübsche Dinge verkauft werden konnten. So ist nun immerhin ein bisschen was für die Hilfsorganisationen zusammengekommen.

 

Beijing Food Tour mit dem Tuktuk

Wir haben einer Freundin einen kleinen Ausflug zum Geburtstag geschenkt, und so trafen wir uns an einem Abend in der vergangenen Woche an der Metrostation Lama-Tempel, um dann zwei Tuktuks zu besteigen, damit durch die Hutongs zu heizen *grins* und in verschiedenen Restaurants typisch Pekinger/chinesische Köstlichkeiten zu probieren. Das hat echt viel Spaß gemacht, hat gut getan, etwas so Touristisches zu unternehmen. Das sollte ich wieder öfter machen. Da kein Besuch kommen kann, dann halt mit Freundinnen oder solo (meine drei ausflugsmuffeligen Männer brauche ich da nicht zu fragen, die sind anders als ich ja auch mit Schule und Job ausgelastet).

Doofe Pandemie ist doof

Es gibt im Leben Ereignisse, da möchte man bei seinen Lieben sein. Das können traurige oder glückliche Dinge sein. Aktuell wäre ich gern in Deutschland, aber wir kommen hier halt nicht weg. Das macht mir schon zu schaffen, auch wenn ich es rational für mich geklärt habe. Ich habe auch keinen Groll auf die Maßnahmen, da ich deren Notwendigkeit einsehe (auch wenn man sicher über Details und Ausgestaltung streiten kann). Aber alles, was die Pandemie verlängert, macht mich so wütend, dass ich manchmal gar nicht mehr weiß, wohin mit meiner Wut, meinem Frust, dem Kummer.
Genug gejammert. Eigentlich geht es uns ja immer noch vergleichsweise gut.

Meinen Booster-Shot bekomme ich am 22.12., die Jungs werden kommende Woche zum zweiten Mal geimpft. Puh.

Unterwegs in Peking

Mein Hass-Monat November ist zum Glück vorbei. Tagsüber sind die Temperaturen noch ganz okay, nur nachts friert es. Ich streife jetzt wieder mehr durch die Stadt, was mir wirklich gut tut.

Arbeiter und Kräne an der Baustelle des Worker's Stadium

Worker’s Stadium

 

Blick auf die Türme in Pekings CBD, blauer Himmel mit ein paar Wölkchen

CBD

Nach längerer Zeit war ich mal wieder am „The Place“. Tja, Corona-Kontrolle samt Absperrung ist das eine. Stromsparen das andere (besser an der Beleuchtung als am Heizen!). Aber dies Zugebaute macht The Place deutlich weniger cool (das setzt sich weiter hinten noch fort).

Eingangsbereich von "The Place" mit Sicherheits/Covid-Kontrolle, das große LED-Bildschirm-Dach ist abgeschaltet

The Place

Die „Lange Unterhose“ finde ich immer noch sehr cool. Auch hier wird nur noch am Wochenende abends für ein paar Stunden beleuchtet, das war früher anders.

CCTV-Headquarter (Lange Unterhose) von schräg gegenüber aus in Schwarzweiß

Lange Unterhose nachts

 

 

Die Olympischen Spiele rücken näher. Für die Eis-Wettkämpfe und die Eröffnungs- und Schlussfeier werden die vorhandenen Gebäude der Sommerspiele von 2008 im Olympic Sports Park renoviert und umgebaut. Im Vogelnest finden keine Wettkämpfe (aber die Eröffnungs- und Schlusszeremonie) statt, der Watercube ist nun ein Eiswürfel, in dem die Curling-Wettbewerbe stattfinden werden. Im National Indoor Stadium wird Eishockey gespielt werden.

Ab jetzt: Zutritt nur noch für Akkreditierte

Vorgestern machte dann die Nachricht die Runde, dass der zentrale Bereich des Olympic Sports Park in Vorbereitung auf die Winterspiele abgesperrt werden wird – bis zum 20. März 2022. Hier der gesperrte Bereich:

www.mapz.com · Download site for road maps und city maps · Downloadportal für Stadtpläne und Landkarten

Gestern war also für ein paar Monate die letzte Gelegenheit, hier aus der Nähe zu fotografieren. Da ich die Ecke sehr mag, war es keine Frage, dass ich das noch mal ausnutzen musste. In der Fotogruppe getrommelt, zwei haben sich angeschlossen, lose vor dem Vogelnest verabredet (mit WeChat und Echtzeit-Standort kann man hier immer zusammenfinden).

Ein paar Pflichten mussten trotzdem erst erledigt werden, ich bin erst so spät losgekommen, dass leider keine Tageslichtaufnahmen mehr drin waren. Bei dem schönen Licht wäre ich gerne schon vor Ort gewesen.

Ganz in Gedanken bin ich mal wieder an der Metrostation Olympic Sports Center vorbeigetuckert – wenn ich aus dieser Richtung komme, wäre das die beste Gelegenheit den Scooter abzustellen: nur noch durch den Metrotunnel und zack, steht man südlich vom Vogelnest. Tja, so musste ich Richtung Osteingang fahren.

Mit der Health App den QR-Code scannen, durch den Sicherheitscheck und dann dieser Anblick.

Jetzt schon Absperrungen

Das Tickethäuschen fürs Vogelnest ist schon geschlossen, schade, das wäre es noch mal gewesen. Ringsherum ist mit Gittern abgesperrt, und ich musste erst ein ganzes Stück nach Norden laufen, bevor ich dann auf die Hauptachse und in Richtung Vogelnest zurückgehen konnte. Da bin ich dann auch auf die beiden anderen gestoßen (Danke, WeChat ;) ). Die Dämmerung schritt rasch voran, nur die Lichter gingen nicht an.

Oh.

Viel los war nicht, Touristengruppen derzeit ja eh nicht, nur einige wenige Spaziergänger, Skater und Arbeiter. Und wir drei Langnasen mit Kamera. Ob die Beleuchtung womöglich eingespart wird?

Dann tat sich endlich was. Erst ging oben das Licht an.

Und dann auch unten. Glück gehabt.

Wir wurden übrigens die ganze Zeit beschallt. Die üblichen Durchsagen, die mit „thank you for your cooperation“ enden, und immer wieder die gleichen drei Songs.

Merkt man, wie sehr ich die Ecke mag? Trotz (und sicher auch ein bisschen wegen) der Gigantomanie (es ist alles so unglaublich RIESIG) strahlt das Gelände etwas Fröhlich-Faszinierendes aus (und ja, selbst in diesen Tagen).

Es wird dunkler und immer kälter.

Der Countdown läuft.

Und weil es so schön ist, nochmal:

Das reicht dann auch, wir packen zusammen, die beiden anderen gehen zur Metro, ich zurück zum Osteingang.

Ich packe meine Spiegelreflex (wen’s interessiert: Canon EOS 80D) weg, schieße jetzt mit der kleinen Sony (RX100) aus der Hand.

Noch ein Blick auf die Fackel – nun ist es ja nicht mehr so lang, bis das olympische Feuer hier wieder brennt – und dann tuckere ich gemütlich nach Hause.

Mal schauen, ob ich mich wirklich erst ab Ende März wieder hier herumtreiben kann – oder vielleicht wird der Traum von der Eröffnungsfeier ja doch noch wahr…

Eigentlich war gestern ein ziemlich hässlicher, grauer Tag, typisch November eben. Mir steckte noch der WeChat-Ärger in den Knochen (WeChatPay hat über Nacht bei mir und vielen anderen nicht mehr funktioniert und ohne ist man hier aufgeschmissen – einen Tag weiter ging dann wieder alles); dazu Sorgen um Familie und Freunde in Hamburg und mal wieder verschärfte Schuldgefühle, nicht dort sein zu können. Ein Tag um sich zuhause einzubuddeln…

Aber ich war mit der Fotogruppe im Art District 798 verabredet, also half es nicht, ich musste los. Und das war dann auch gut so, denn der kleine Ausflug hat richtig viel Spaß gemacht.

Die alten Industriegebäude und die düstere Stimmung passten tatsächlich richtig gut zusammen, dort haben wir uns länger aufgehalten. Paradox, dass düstere Stimmung gute Laune machen kann…

Es wird immer und überall gebaut…

Auch das ist ganz typisch Beijing: Straßenkehrerin und Bao’an.

Zu entdecken gibt es hier auch an solch grauen Tagen viel.

Auch wenn sich viel ändert – diese Statuen sind immer noch da.

Relativ neu sind aber die Iglus.

Auch eine Form von Streetart.

Mehr als Galerien und Restaurants…

Peking „wie früher“ – mitten im Art District.

Nicht nur an sonnigen Tagen mit blauem Himmel als Fotolocation gefragt.

Die Industriegebäude hatten gestern wirklich einen ganz besonderen Reiz.

Dann ist da noch die Sache mit der Sicherheit… Man muss auch nicht von der Leiter runtersteigen, um sie ein Stück weiter zu bewegen.

Nicht nur wir waren auf Motivsuche.

Nicht so voll wie an schönen Tagen, aber trotzdem noch was los.

Die Gans vom Organic Café ist noch nicht im Topf gelandet. Sie hat auch ihre eigene Hundehütte…

Pinocchio mit drei Augen?

Bäume kann man auch bemalen.

Die Figuren sind „alt“, der Hintergrund ist neu bemalt.

Am Ende habe ich mich wie beim letzten Mal gefragt, warum ich nicht viel häufiger dort unterwegs bin, es gibt jedes Mal etwas anderes oder neues zu sehen.