Eigentlich wollte ich heute mit der Fotogruppe in den Lamatempel, vor allem Bilder mit Rauch wollten wir schießen. Uneigentlich klebte dieses Schild am verschlossenen Tor:

Schild an der Pforte des Lamatempels.

Temporär für die Außenwelt geschlossen.

Das ist etwas, was einem in China grundsätzlich immer und überall passieren kann, und jetzt zu Corona-Zeiten erst Recht. Trotzdem ärgerlich, zumal bei dem trüben Wetter sicher schöne, düster-dramatische Tempel-Bilder hätten entstehen können.

Zum Glück gibt es für Fotospaziergänge ja einiges in der Ecke, besonders naheliegend war der Konfuziustempel. Schon von weitem sehe ich: er ist geöffnet. Das teile ich den anderen auch per WeChat mit, parke meinen Scooter und gehe zum Eingang. Dort stellt sich dann leider raus, dass ich für einen Besuch heute spätestens gestern online ein Ticket hätte lösen müssen. Ich könnte ja morgen wiederkommen. Nee, ich brauche ja jetzt ein Alternativprogramm. 

Durch die Hutongs oder in den Ditanpark? Wir einigen uns auf den Park. Hier klappt alles problemlos: Tickets per WeChat-Pay am Schalter kaufen (2 RMB pro Person), Health App am Eingang vorzeigen, Temperatur scannen lassen und rein. Neuerdings könnte man den Eintritt auch einfach mit der Metro-Karte bezahlen, sehr praktisch.

Nach nur wenigen Schritten im Park treffen wir auch schon die erste Tanzgruppe.

Es ist kalt und trüb heute, Luft auch nicht besonders. Trotzdem ist ein bisschen was los.

Die Tauben gehören auch zum Park, irgendjemand füttert immer.

Und manche scheuchen auch.

Um sich selbst mit einem Buch hinzusetzen, ist es viel zu kalt. In ein paar Wochen dann wieder.

In dem kleinen „Wäldchen“  stehen vereinzelt ein paar Männer und trainieren für sich allein: TaiChi oder mit einem langen Speer. Ein bisschen weiter sitzt ein Mann im Pavillon und musiziert.

Zu gucken gibt es an jeder Ecke etwas.

Hinten im Garten wird gesungen. Der große Chor ist nicht da, dafür stehen zwei kleine Grüppchen nicht weit voneinander entfernt. Die einen mit Keyboard und stimmgewaltigem Tenor, der zwischendrin auch mal sehr klare Ansagen macht, die anderen gehen familiärer miteinander um.

Diese Brücke hat es mir ja angetan.

Wir gehen weiter in Richtung Square Water Altar. Der Erdaltar ist lange nicht so beeindruckend wie am gegenüberliegenden Ende der Stadt der Himmelsaltar, die große freie Fläche hat aber etwas – so wie auch die Details auf den Mauern. Für diesen Bereich muss man noch einmal extra Eintritt zahlen – 5 RMB, hier steht kein Metro-Karten-Scanner.

Hier ist auch ein ruhiges Fleckchen, um Gymnastik zu machen.

Und noch einmal innehalten, bevor die Damen weitergehen.

Hier sieht man die Mauern und „Star Gates“, die Altar und Park voneinander abgrenzen.

Hinten vor der Halle stehen links und rechts vom Tor zwei Magnolien.

Allmählich ist uns allen kalt, wir drehen um und gehen zurück zum Ausgang. Dabei kommen wir nochmal an Taubenfütterern vorbei.

Keine Berührungsängste…

Auch wenn das mal wieder anders als geplant war, war es ein schöner Spaziergang.

Ich bin jetzt nur gespannt, ob der Park in den nächsten Tagen wie sonst um diese Zeit fürs Neujahrsfest geschmückt wird – oder ob das wie die Temple Fair den Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen zum Opfer fällt.

Nachdem einigen sehr grauen Tagen lockte letzte Woche blauer Himmel, gute Luft und Sonnenschein. Nach dem ich krankheitsbedingt ewig zuhause gehockt habe und entsprechend budenkollerig war, hab ich alle Planungen für den Tag über den Haufen geworfen und bin stattdessen nach Badachu gefahren. Badachu ist ein Park in Pekings Westbergen, wenn man aus der Stadt kommt am Sommerpalast und den Duftbergen vorbei. Also schon weit draußen, aber noch in Didi-Reichweite und mit mit einer Bushaltestelle direkt vor dem Eingangsbereich. Badachu heißt soviel wie „acht große Plätze“, und so finden sich hier acht Tempel. Für buntes Herbstlaub war ich zu spät dran (Danke, Grippe…), trotzdem war es nicht winterlich trostlos.

Der Eingangsbereich ist recht weitläufig, mit Laternen geschmückt (das waren auch schon die Zufahrtsstraßen in dem Stadtviertel). Es gibt eine kleine Ladenzeile mit Souvenirs und Imbissbuden. Ein Stück weiter stehen die Maskottchen der Olympischen Winterspiele. Ein paar empfindlichere Pflanzen sind schon warm verpackt. Und es wird gebaut, neue Rohre werden verlegt.

Viele Besucher sind nicht da, und die wenigen verteilen sich auch schon nach wenigen Metern.

Mit der Seilbahn bergauf

Ich liebe Seilbahnen, bin direkt darauf zugesteuert und habe mich bequem nach oben tragen lassen. Je weiter es hinauf ging, umso windiger und kälter wurde es.

Oben war ich erstmal geflasht von der Aussicht auf die Stadt – die Fernsicht war wirklich gut!

Badachu – Blick auf Beijings CBD

Nun habe ich mir den Baozhu Tempel und die dahinter gelegene (klitzekleine) Höhle angesehen. Das war sehr hübsch angeleuchtet, aber da hier auch ein Buddha ist, ist das Fotografieren verboten.

Ich wollte dann weiter oben entlang laufen, aber ich stand plötzlich vor einem Tor und hätte das Parkgelände verlassen müssen. Wer weiß, wo ich dann gelandet wäre, ich wollte doch noch mehr sehen.  Weil ich über so ein wahnsinnig gutes Orientierungsvermögen verfüge (nicht), habe ich den Weg nach unten nicht gefunden. Aber ich stand plötzlich vor der Sommerrodelbahn. Es war nichts los, also konnte ich anders als in Mutianyu mal richtig Gas geben – hat wirklich großen Spaß gemacht.

Typisch China? Tempel, Treppen, Schilder.

Unten angekommen, bin ich dann den Wegweisern gefolgt, und habe mir Tempel angesehen. Dann ging es ein Stück den Hang weiter hinauf, nächster Tempel. Wieder ein Stück bergauf und nächster Tempel. Typisch China: viele Stufen und Treppen.

Oh, und auch typisch für China: Schilder, Schilder, Schilder!

Tiefkühlfisch

Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem auch das „Kloster der Drachenquelle“ – ich hatte den Eindruck, dass die Goldfische nicht schockgefrostet, sondern so langsam eingefroren werden… Haben sich kaum mehr bewegt und wenn dann nur in Zeitlupe. Eingefrorene Goldfische habe ich ja auch schon am Konfuziustempel gesehen…

Badachu-Goldfische

(Ein-)frierende Goldfische?

Nochmal, nochmal, nochmal

Eigentlich wollte ich es nicht übertreiben nach der Grippe – aber das Wetter so schön, der Himmel so blau, die Luft so gut. Warm genug eingepackt war ich auch, und als dann ein Schild in Sicht kam, nur noch 600 Meter bis zur Sommerrodelbahn – tja, wer geht da schon zu Fuß wieder runter? So habe ich mir dann ein zweites Mal den Spaß gegönnt, den Berg herunterzusausen – und zwischendrin tatsächlich auf den Auslöser drücken können…

Sommerrodelbahn in Badachu - Blick ins Tal

Blick ins Tal

Fotos

Info

Hinkommen

Entweder mit dem Taxi/Didi („Beijing Xishan Badachu Cableway Down Station – Entrance“)  oder mit der Metro Linie 1 bis Pingguoyuan, Exit D und weiter mit dem Bus 972 bis Badachu.

Eintritt

Scenic Area/Badachu Park: 10 RMB
Seilbahn oneway: 50 RMB
Sommerrodelbahn: 60 RMB
Kombiticket Seilbahn/Sommerrodelbahn: 100 RMB

Öffnungszeiten:

16. März – 31. August: 6-19:30 Uhr (letzter Einlass 18:30 Uhr)
1. September – 15. November: 6-19 Uhr (letzter Einlass 18 Uhr)
16. November – 15. März: 6-18:30 Uhr (letzter Einlass 17:30 Uhr)

 

Nachdem wir neulich eine Gemüsefarm besichtigen konnten, waren wir am Wochenende wieder mit unseren chinesischen Bekannten unterwegs, diesmal um Pfirsiche in Pinggu anzusehen.

Über Pinggu und Pfirsiche

Pinggu ist der nordöstlichste Bezirk Pekings. Der Ort Pinggu hat gut 300.000 Einwohner, ist nach chinesischen Maßstäben also ein Dorf. Der Distrikt Pinggu ist größer als ganz Berlin, insgesamt leben hier ca. 440.000 Menschen. Hier befindet sich nicht nur Shilinxia mit dem Flying Saucer, viel berühmter ist Pinggu dafür, dass sich hier das größte Pfirsichanbaugebiet der Welt befindet. Überhaupt: Mit Abstand die meisten Pfirsiche weltweit wachsen in China.

Mir wird erklärt, dass in der Nähe der Farm, die wir besuchen werden, ein erloschener Vulkan liegt. Die Pfirsiche hier in den Bergen seien besonders süß. Das liege an der Höhe, dem Unterschied von Tag- und Nachttemperaturen und dem vulkanischen Gestein. Aufgrund der Lage hier reifen die Pfirsiche relativ spät.

Eine andere Welt

Wir fahren über den Jingping Expressway aus Peking raus. In Pinggu geht es auf immer schmaler werdenden Landstraßen weiter, durch kleine wuselige Dörfer. Wir sind gerade eineinhalb Stunden unterwegs und doch in einer ganz anderen Welt. Überall an den Straßen werden Früchte verkauft, was mich ein bisschen an die Apfelbauern im Alten Land erinnert. Dann wird es hügeliger und wir erreichen die Berge. Wir biegen ab und halten am Ortseingang von Suziyucun, stellen das Auto im Schatten ab und werden von der Farmerin begrüßt. 

Pfirsich-Farmerin

Die Farmerin

Bevor ich Interesse für die Pfirsiche aufbringen kann, muss ich erstmal die Aussicht genießen. Das dichte Grün, ringsum Berge – das ist wirklich schön. Es ist allerdings auch wieder sehr heiß und extrem schwül. Jetzt folgen wir der Farmerin in den Pfirsichhain. Zuerst kommen wir allerdings an Walnuss- und Birnbäumen vorbei. 

Pfirsichhain oder Pfirsichdschungel?

Wir verlassen den Hauptweg und landen auf einem schmalen feuchten Pfad. Der Lärm der Zikaden ist ohrenbetäubend. Ich gucke sehr genau, wo ich hintrete, denn ich hab keine Lust, über Schlangen oder ähnliches Gewürm zu stolpern. Es fühlt sich nicht wie ein Pfirsichhain, viel mehr wie ein Pfirsichdschungel an.

Pfirsichhain bei Peking

Pfirischhain oder -dschungel?

 

Wir stromern kreuz und quer zwischen den Pfirsichbäumen herum. Es gibt Plattpfirsiche und runde Pfirsiche, gelbe,  weiße und rote. 

An vielen Bäumen sind Papiertüten über die Früchte gestülpt: Das ist eine Auflage der Behörden, damit die Pfirsiche vor Pestiziden geschützt werden. Ganz ohne zu Sprühen gehe es nicht, denn die Pfirsiche seien sehr krankheitsanfällig.

Mit Papiertüten geschütze Pfirsiche am Baum

 

Kurz vor der Ernte werden die Papiertüten abgestreift (und liegen dann auf dem Boden herum, wo sie mit der Zeit aufweichen). Künstlicher Dünger ist verboten – es riecht aber intensiv nach Stall…

Beijing’s most beautiful village

Nachdem wir uns von Moskitos aus dem Pfirsichhain haben vertreiben lassen und uns von der Farmerin verabschiedet haben, spazieren wir noch durch das Dorf. Gleich am Ortseingang fallen Unmengen von Ziegelsteinen ins Auge: hier wird gebaut. Ein großes Holzschild verkündet, dass Suziyu „Beijing’s most beautiful village“ sei. Ob das so ist? Schön gelegen ist es alle mal. Es gibt ein Regierungsprogramm, durch das die Dörfer rings um Peking renoviert, restauriert und aufgewertet werden sollen. Zum Einen soll damit der Tourismus/Naherholung/Kurzurlaub gefördert werden, dadurch kann zum Anderen das Einkommen der Dorfbewohner steigen. Und mit der Winterolympiade 2022 hat es wohl auch zu tun.

Wir schlendern durchs Dorf. Plötzlich ohrenbetäubender Lärm: eine Lautsprecherdurchsage. Wahnsinn, das muss eine super leistungsfähige Anlage sein. Inhalt der Mitteilung war, dass man jetzt neue Kisten für die Pfirsiche im Zentrum abholen könnte. Ein paar Minuten später kamen uns dann auch lauter TukTuks entgegen.

Affen und Pfirsiche?

Überall unterwegs sehen wir Plastiken übergroßer Pfirsiche, vor denen ein Affe steht oder sitzt. Auch hier in Suziyu findet sich so eine Figur. Was es damit auf sich hat? In einem der vier klassischen chinesischen Romane „Die Reise in den Westen“ probiert der Affenkönig Sun Wukong im Garten der (daoistischen) Göttin Xiwangmu von einem Pfirsich und wird dadurch unsterblich.

 

Oh, Kinder aufgepasst: Euer Spiel Dragon Ball basiert lose auf Sun Wukongs (japanisch: Son Goku) Abenteuern!

Wir schließen den Ausflug mit einem Essen in einem urigen chinesischen Ausflugslokal an einem Stausee ab, bevor wir uns auf den Rückweg nach Peking machen. Der Tag im Grünen hat jedenfalls richtig gut getan – und unser kleiner Vorrat von frischen Pfirsichen ist auch schon fast aufgefuttert.

Fotos

 

 

 

 

Update 2021

Ich habe das Forum wieder eingestampft.

 

ombidombi goes Forum: Ich habe ein Peking-Forum eingerichtet!

Seit fünf Jahren blogge ich auf ombidombi.de über unsere Entscheidung nach Peking zu ziehen und über unser Leben hier. Seit Langem erreichen mich regelmäßig Mails, oft mit genau den gleichen Fragen, die ich mir damals auch gestellt hab. Fragen, die sich wohl so oder ähnlich fast jeder stellen wird, der vor der Entscheidung „Peking oder nicht“ steht. Ob die Übersiedlung kurz bevor steht oder man ist neu in Peking: da sind ganz viele Fragen – und oft hat man noch keine Kontakte, kennt die neuen Nachbarn noch nicht.

Sicher gibt es inzwischen einige Angebote, Blogs, Gruppen in sozialen Netzwerken etc. – aber die muss man erstmal finden und zusammentragen. Und die Gruppen auf Facebook z.B. haben einen klaren Nachteil, denn sie sind unübersichtlich, der Facebook-Algorithmus – und damit was man zu Gesicht kriegt und was nicht – ist und bleibt ein Mysterium (und dann mal davon abgesehen, dass FB von China aus eh ein funktionierendes VPN voraussetzt).

Ich hätte damals gerne ein Forum gehabt – und auch heute noch. In Peking ändert sich alles so schnell (das einzige Konstante hier ist der ständige Wechsel, um mich mal selbst zu zitieren). Da es bis jetzt kein passendes Forum gibt, habe ich nun selbst ein ein Forum eingerichtet.

Informationen und gegenseitige Unterstützung für Deutsche in Peking 

Meine Idee ist deshalb, mit diesem Forum eine Anlaufstelle im Netz zu schaffen, die offen für alle Interessierten ist, altersunabhängig, nicht auf bestimmte Arbeitgeber beschränkt. Es soll übersichtlich und gut durchsuchbar sein. Sowohl als Peking-Neuling als auch als „Alteingesessene“ soll man Informationen und Austausch finden können.

Ich merke ja schon nach dem Umzug von einem Stadtteil in den anderen, wie unterschiedlich die Infrastruktur und die Nahversorgung ist. Hier tun sich also immer neue Fragen auf.

Beim Bloggen sind es nur meine persönlichen Erfahrungen – in einem Forum lassen sich die Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven von vielen zusammentragen, mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.

Auch für China- und Peking-Reisende interessant 

Die Unterforen für Sightseeing in Peking und China sind mit Sicherheit auch für Reisende, nicht nur für in Peking Lebende, interessant. Hier werden sich mit der Zeit bestimmt viele Tipps rund um Peking und China finden, die es so nicht in den gängigen Reiseführern gibt – und wie man Peking und China auch abseits der Touristenpfade erkunden kann.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie dieses Peking-Forum angenommen werden wird!

Noch steht das Forum ganz am Anfang, gerade ein paar Stunden alt. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit mit Leben füllen: mit Mitgliedern und Beiträgen. Es ist ein Experiment, denn ein Forum lebt vom Mitmachen. Da es viel einfacher ist, ein paar Zeilen in einem Forum zu schreiben als ein eigenes Blog zu betreiben, hoffe ich, dass sich der eine oder die andere angesprochen fühlt!

Das Peking-Forum braucht vermutlich ein bisschen Anlaufzeit. In einem Jahr will ich ein vorläufiges Fazit ziehen.

Neulich wurden wir bei einem Abendessen gefragt, ob wir schon einmal auf einer Farm in China gewesen sein. Waren wir nicht. Prompt wurden wir eingeladen, uns eine Gemüsefarm anzusehen. Am Sonntagmorgen wurden wir abgeholt, und dann ging es nach Huairou im Norden Pekings.

Sengende Sonne

Farm bei Huairou

Farm bei Huairou

Es war so schon brutal heiß, über 40 Grad. Aber in den Gewächshäusern hatte es sicher über 50 Grad. Das war schon beim kurz gucken kaum auszuhalten, kaum vorstellbar bei solchen Temperaturen auch noch zu arbeiten.

Farmer Liu

Farmer Liu

Wir wurden von Bauer Liu begrüßt und herumgeführt. Auf dieser Farm baut er zusammen mit vier weiteren Arbeitern verschiedene Gemüse und Früchte an. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat Farmer Liu auch eine Hühnerfarm in der Inneren Mongolei. Hier rennen nur eine paar Hühner herum. Und eine kleine Hündin.

Auch wenn mich eigentlich die Frage interessiert, wo eigentlich unser Gemüse herkommt, bin ich zunächst vom Sonnenblumenfeld gefesselt. Flüchtig muss ich an das Spiel „Plants versus Zombies“ denken, so wie die Sonnenblumen dort in Reih und Glied stehen. Die Blüten sind nach Osten ausgerichtet.

Nach Osten ausgerichtete Sonnenblumen in einem Gewächshaus vor den Toren Pekings

Sonnenblumen – nach Osten ausgerichtet

Wegen der Hitze kostet es etwas Überwindung, die Gewächshäuser zu betreten. In dem einen riecht man sofort, das hier vor allem Tomaten wachsen, im nächsten riecht es nach Paprika.

In einem chinesischen Gewächshaus auf einer kleinen Farm in der Nähe Pekings

Im Gewächshaus

Dazwischen sind aber auch andere Pflanzen, z.B. wachsen hier auch Drachenfrüchte. Später probieren wir frisch gepflückte Drachenfrüchte, die saftig und lecker sind.

Frisch geppflückte Drachenfrüchte

Drachenfrüchte

Vielfalt

Dass so viele verschiedenen Sorten angebaut werden, überrascht mich etwas, ich glaube, ich habe eher sowas wie Monokultur erwartet. Nun bin ich ja aber auch keine Agrarwissenschaftlerin.

Zwischen den Gewächshäusern wachsen Süßkartoffeln, Lauch, Bohnen. An der Pergola rankt sich eine gelbblühende Gurkensorte empor.

Bepflanzte Pergola auf Pekinger Farm

Bepflanzte Pergola

Am Ende fahren wir schwer bepackt wieder heim: Bohnen, Auberginen, Gurken und Tomaten, Paprika in allen Farben und auch die köstlichen roten Drachenfrüchte. Schade, dass der Bauernhof so weit weg ist, so frisches Gemüse direkt von einer Farm in China ist doch etwas ganz anderes als das aus dem Supermarkt, was ja dann auch noch immer in Unmengen von Plastik verpackt ist.

Fotos

 

Vor ein paar Tagen habe ich mich wie immer morgens mit meinem Kaffee an den Schreibtisch gesetzt. Irgendwann schaue ich hoch und sehe ein paar Männer gegenüber auf dem Hoteldach: die Fensterputzer sind da! Nur vom Zugucken hat sich mein Puls beschleunigt. Ans Fotografieren habe ich auch nicht gedacht, zu gefesselt war ich von dem Anblick. Erst später habe ich dann zur Kamera gegriffen.

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Der zweite Mann von rechts hat sich etwas schwerer getan als die anderen, wer weiß, vielleicht ein Berufsanfänger?

Unerwarteter Thrill am Morgen

Ich finde diese Seile und diese Art Schaukel, auf der die Arbeiter sitzen und sich dann langsam abseilen, ja nicht wirklich vertrauenerweckend. Dunkel habe ich Fernsehbeiträge im Hinterkopf: „Menschen mit besonderen Arbeitsplätzen“. Fensterputzer in Peking gehört definitiv dazu. Das Herz klopft mir weiterhin bis zum Hals, weil der zweite Mann von rechts eine gefühlte Ewigkeit braucht, bis er so sicher auf  „der Schaukel“ zu sitzen scheint wie seine Kollegen. In Wahrheit waren das sicher nur ein paar Sekunden. 

Das Ganze ist wirklich hoch, das Hotel ist höher als unser Haus – und das hat 30 Stockwerke… Oh, und bei uns müssten eigentlich auch bald mal die Fensterputzer kommen… ;)

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Ein bisschen bin ich dann doch erleichtert, als auch der letzte Arbeiter richtig auf seiner „Schaukel“ sitzt. Mein Kaffee ist inzwischen kalt geworden. Manchmal vermisse ich ja meinen bisherigen Pekinger „Schreibtisch-Fensterblick“ mit der inzwischen leider gefällten Weide. Hier ist jetzt definitiv mehr los und zu sehen, auch wenn nicht gerade der Nervenkitzel mit Fensterputzern da ist.

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Alle heil unten angekommen

Immer wieder gucke ich im Lauf des Tages aus dem Fenster. Irgendwann kann ich die Fensterputzer nicht mehr sehen, nur ihre Seile, denn der niedrigere, vordere Teil des Hotels verdeckt den Blick. Aber am Nachmittag sehe ich sie auf dem Vordach: alle heil unten angekommen. Puh. 

Es gibt in Peking so viele Hochhäuser und bisher habe ich nur an ganz, ganz wenigen diese Fensterputzerkörbe gesehen, die mir zumindest noch eine relative Sicherheit vermitteln, auch wenn es trotzdem kein Job für mich wäre. Aber an diesen dünnen Seilen hängend – da helfen im Zweifelsfall dann auch die Helme nicht mehr viel… Absolut kein Job für Leute mit auch nur einem Hauch von Höhenangst! Ich habe richtig viel Respekt vor den Menschen, die diesen Job machen!

 

 

Leben im Ausland ist ja so toll. Das muss doch wie dauerhaft Urlaub sein? Nein, das Expatleben ist kein Dauerurlaub, auch nicht für das mitreisende Anhängsel. Ja, es hat auf jeden Fall seine tollen, aber  eben auch Schattenseiten. Wir leben hier unseren ganz normalen Alltag mit Arbeit und Schule, und der normale Peking-Alltag verschlingt doch deutlich mehr Energie. Ich versuche, das Positive zu sehen und das Beste aus unserer Zeit hier zu machen, und das gelingt meistens auch gut. Aber das heißt nicht, dass es manchmal nicht auch schwer ist.

Verzeihung, ich muss mal kurz jammern

Eine hartnäckige Erkältung hat mich eine Zeit lang aus dem Verkehr gezogen, auch die Jungs hatte es – zum Glück nicht so lang – erwischt.  Außer ein paar richtig schönen, wärmeren Sonnentagen mit brauchbarer Luft habe ich unter anderem einen Ausflug mit der Patengruppe zum Tempel der Roten Schnecke verpasst. Das werde ich nun hoffentlich bald auf eigene Faust in Angriff nehmen. Kranksein ist nirgends schön, aber hier stelle ich mir immer obendrein die Frage, welchen Anteil der Smog an Häufigkeit und Heftigkeit von Atemwegserkrankungen hat oder ob es doch „nur“ die familiäre Vorbelastung ist.

Verpassen ist ein „gutes“ Stichwort: Gerade ist mir die Einladung zur Jubiläumsfeier an meinem Gymnasium in die Mailbox geflattert – natürlich findet das außerhalb der Ferien statt, ist dadurch aber für mich nicht organisierbar. Schade, denn ich habe auch schon das 30-Jahre-Abi-Treffen versäumt. Das Jubiläum wäre Gelegenheit gewesen, auch Mitschüler aus den anderen Jahrgängen wiederzusehen, und vermutlich überhaupt viele Bekannte aus meiner Jugend. Schade, geht einfach nicht. Überhaupt läppern sich mit der Zeit doch ziemlich viele Anlässe zusammen, die jetzt außer Reichweite liegen. Leider kann ich nicht zu jedem runden Geburtstag und besonderen Ereignis „mal eben nach Europa düsen“. Eine Ausnahme ist in Sicht: der 80. meiner Mutter. 

Ja, natürlich gibt es auch hier in Peking viele Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Man lernt viele neue nette Menschen kennen, kann sich oft verabreden – man muss sich schon sehr anstrengen, um allein zu bleiben. ;) Aber das ist halt doch anders, als wenn man alte Bekannte trifft. Irgendwas und irgendwen vermisst man hier fast immer. Das lässt sich auch nicht damit vergleichen, dass man sich im öden Alltag nach seinem Lieblingsurlaubsort sehnt – ich vermisse meine Vergangenheit, meine Wurzeln, meine Heimat. (Und trotzdem ahne ich inzwischen, dass eine Rückkehr sehr, sehr schwer werden würde.)

Alle Jahre wieder: Abschiede

Letzten Sommer sind wir ja ganz gut davongekommen, aber dieses Jahr wird es wieder schwer: enge Freunde gehen aus Peking weg. Und einer der Junioren hat erzählt, dass fast ein Drittel seiner Mitschüler gehen wird. Der Countdown läuft, nur noch 100 Tage bis Ende Juni – und da gehen u.a. auch noch die Osterferien von ab. Auch wenn man sich hier an vieles gewöhnen kann: das wird nicht leichter. Inzwischen habe ich u.a. von Tanya Crossman (nachzulesen z.B. in ihrem Buch Misunderstood*) gelernt, dass wir den Abschiedskummer zulassen und nicht wegwischen sollten. Aber im Kummer ertrinken wollen wir auch nicht, darum überlege ich schon jetzt, was wir in einem halben Jahr zum Beginn des neuen Schuljahrs machen könnten. Dass neue Leute ankommen werden, ist das eine (auch wenn die sich erfahrungsgemäß eher mit denen zusammentun, die zur gleichen Zeit eintreffen), aber das reicht nicht. 

Licht

Genug gejammert, Schluss mit der Peking-Variante des Winterblues‘. Der Frühling ist in Peking angekommen, on top gibt es dazu gute Luft! Der Himmel strahlt in schönstem Blau, davor leuchtet die Weide vor meinem Fenster in hellem Grün. Es ist endlich warm genug, dass man nicht nach spätestens einer Stunde bis auf die Knochen durchgefroren ist (gegen den eisigen, fiesen Winterwind kommt die tollste Funktionskleidung nicht an).  Die Luftvorhersage für die nächsten Tage ist im gelb-grünen Bereich, die Temperaturen steigen auf über 20 Grad: nichts wie raus! Ich hab jedenfalls einiges auf dem Zettel: unter anderem wieder den Botanischer Garten, das Vogelnest auch mal von innen und oben besichtigen – und der x. Anlauf für Prinz Gong’s Mansion, das sollte doch jetzt mal klappen. :)

Oh, und nicht meinem Mann verraten: ich möchte ihn und die Jungs für ein Wochenende nach Chengde schleppen – noch eine kaiserliche Sommerresidenz. Spätestens seit dem Besuch im Alten Sommerpalast interessiert mich das. Sollten meine drei Männer nicht wollen, bin ich aber auch nicht böse, wenn ich mir das ohne Sightseeingmuffel an meiner Seite ansehen kann. ;)

Auch auf die Osterferien freuen wir uns, wir bekommen wieder Besuch von Freunden aus Hamburg. Nur noch vier Wochen!  Sie kommen schon zum zweiten Mal hierher und ich freue mich jetzt schon auf Entdeckungstouren und lange, durchgequasselte Nächte!

 

Miào huì – Temple Fair

Anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes finden im ganzen Land Temple Fairs statt (Tempel-Jahrmarkt geht mir irgendwie nicht so gut über die Zunge).  Im Pekinger Ditan-Park, dem Tempel der Erde mit dem Erdalter, findet die größte Veranstaltung von allen statt. Jedes Jahr gibt es weit über eine Million Besucher allein hier. Kein Wunder, denn außer dem Zusammenkommen der Familie, dem Essen, dem Feuerwerk gehört der Besuch einer Tempelmesse zum Wichtigsten am chinesischen Neujahr. Mehr zur Geschichte der Temple Fairs findet sich hier (auf Englisch).

Ich vermeide Menschenmassen meist, wo ich nur kann, aber dieses Jahr hat mich der gerade zu Besuch weilende mittlere Sprößling genötigt, mit ihm zusammen zum Ditan-Park zu fahren. Dass es voll werden wird, haben wir spätestens kurz vor dem Lamatempel gemerkt und steigen schon eine Kreuzung vorher aus unserem Didi aus.

Einmal das folgende Foto angucken, bitte:
Die obere Straße ist der Zweite Ring, da sieht man, dass in Gegenrichtung nichts los ist (wir haben von uns aus auch gerade mal eine halbe Stunde bis hierhin gebraucht, das dauert normalerweise mindestens 20 Minuten länger). Unten rechts auf der Andingmen East Street staut es sich. Einen Parkplatz werden all diese Leute auf keine Fall in der Nähe finden… Ja, eigentlich ist das wirklich ein typisches Bild für die Neujahrsferienzeit in Peking: Straßen ziemlich leer, aber vor Sehenswürdigkeiten ist es hoffnungslos überfüllt.

Ich seh‘ rot

Es war tatsächlich sehr voll, aber wirklich unangenehm nur an den Kassenhäuschen vor dem Park, vor den beliebtesten Buden und direkt vor den Bühnen. Für jeweils 10 RMB Eintritt können wir uns ins Getümmel stürzen.

Wo man auch hinsieht, rot dominiert: die Buden, die Bäume, die Bühnen, es ist alles rot dekoriert und wirklich viele Leute tragen rote Kleidung. Sobald wir die Sicherheitskontrolle und den Eingangsbereich hinter uns gelassen haben, verteilt es sich etwas mehr. Der kleine Große meinte zu mir, das sei jetzt so, wie man sich in Deutschland aufgrund der Medienberichterstattung China immer vorstellt – dabei ist dieses krass Überfüllte auch hier die Ausnahme. Aber Alltag ist halt weniger berichtenswert als die eindrucksvolle Völkerwanderung zum chinesischen Neujahrsfest.

Essen, Schnickschnack, Fotos machen

Wir folgen den Massen. Zuerst geht es an einer Reihe eigens aufgestellter Dixis vorbei. Zum Glück ist es so kalt, dass sich der Mief in Grenzen hält. Unter roten Lampions spazieren wir auf einen ersten Platz zu, wo eine Bühne aufgebaut ist, der Auftritt ist aber leider gerade vorbei. Angesichts der beißenden Kälte bleiben wir nicht stehen und warten auf den nächsten. Wir kommen zu einem weiteren Platz.

Der kleine Große bricht vor Lachen fast zusammen, als er merkt, dass es künstliche Kirschblüten sind. Und ich merke, dass ich schon so lange hier bin, dass ich das eigentlich total normal finde. Natürlich machen ALLE Fotos. Irgendwo habe ich gelesen (Quelle finde ich leider gerade nicht wieder), dass die Deko des Parks extra für schöne Foto-Hintergründe designt wurde…

Der kleine Hügel hinter dem Kräutergarten, wo im Alltag der Chor singt, ist komplett abgesperrt.

Buden gibt es nicht überall, sondern nur an manchen der breiteren Hauptwege: es gibt Süßes und Salziges, Dinge, die wir auch lecker finden würden und solche, die immerhin interessant anzugucken sind… Es gibt Dekoschnickschnack, von billigem Plastikkitsch bis handwerklich Schönem.

Mein Tierkreiszeichen - der Affe

Mein Tierkreiszeichen – der Affe

Auf einem weiteren Platz sind 24 Säulen aufgebaut für die jeweils zweiwöchigen Jahreszeiten des chinesischen Bauernkalenders. Auf einer Bühne stehen zwei Männer und erzählen Witze: Xiangsheng („Komischer Dialog“).  Leider ist unser Chinesisch nicht annähernd gut genug, um die Wortspiele zu verstehen, mit Glück bekommen wir das Thema mit.

Inzwischen ist uns beiden so kalt geworden, dass wir in Richtung Ausgang schlendern. Dabei kommen wir an großen bunten Tierkreiszeichenfiguren vorbei – und natürlich an Schweinen. Schließlich feiern wir den Beginn des Jahr des Schweines! Je näher wir dem Ausgang kommen, umso voller wird es wieder.

Unser Fazit

Wir hatten jetzt keine konkrete Erwartung von einer Tempelmesse. Ich weiß nicht, ob man diese mit deutschen Jahrmärkten/Volksfesten vergleichen könnte oder sollte – da würden vor allem Fahrgeschäfte fehlten, und es gäbe noch deutlich mehr an Attraktionen, um annähernd solche Menschenmengen anziehen zu können. Wir hatten allerdings auch kein Programm, wann die Auftritte und Paraden sind, und uns war einfach zu kalt, um noch länger zu bleiben.
Aber das ist halt auch China, dass allein der schön geschmückte Park Leute anzieht – und natürlich die für uns fremde, jahrhundertealte Tradition der Tempelmessen. Mir hat es jedenfalls gefallen, und ich werde mal gucken, ob ich am Wochenende noch eine andere Temple Fair besuchen kann.

Fotos

 

 

Etwas Gejammer vorweg

Ich habe neulich bereits angerissen, dass es mir in diesem Sommer so schwer wie noch nie gefallen ist, wieder richtig in Peking anzukommen. Ähnlich ging es einigen anderen Freundinnen hier – auch denen, die erst nach dem extremen Regen zurückgekommen sind. An dem miesen Wetter allein kann das also nicht gelegen haben. Es war auch unabhängig davon, ob man nur „kurz“ oder die kompletten Ferien weg war. Unabhängig davon, ob man Heimat“urlaub“ gemacht hat oder „richtig“ verreist war.

Es kam so einiges zusammen: katastrophale Regenfälle, gleich dreimal ein kaputter Boiler, ausgefallene Kühltruhe im Supermarkt (und damit verbunden die sonst meist verdrängte Sorge um Lebensmittelqualität, Frische, Haltbarkeit), mein mangelhaftes Chinesisch, das Verkehrschaos, herumfliegender Müll, dazu mit Herz und Kopf noch bei den Lieben in Deutschland und, und, und…

Mich haben solche Kleinigkeiten aus der Bahn geworfen wie das Nichtvorhandensein von schlichter, normaler Sahne (sondern nur solcher mit zwölfunddreissig Zusatzstoffen), die ich für die von Junior gewünschte Geburtstagstorte brauchte.

Es ist anders, nicht besser, nicht schlechter, einfach nur anders!

Eigentlich war ich doch längst, fast von Anfang an in dem Stadium „manches ist hier halt so, wird schon gehen“. Der Satz „Es ist anders, nicht besser, nicht schlechter, einfach nur anders!“ war mein Mantra, auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass hier wie dort manches subjektiv und auch objektiv besser (oder schlechter) ist. Und doch hat jetzt, nach über drei Jahren, plötzlich beinah alles genervt.

Zum Glück überstanden

Jetzt ist es bei mir wieder besser. Und das scheint nicht (nur) daran zu liegen, dass uns der Alltag mit all den vielfältigen Aktivitäten wiederhat, was mir schon Spaß macht und auch den Jungs. Noch ist das Schuljahr so frisch, dass die Jungs begeistert bei der Sache sind. Auf die Frage „Wie war’s?“ kommt derzeit ein Wortschwall – das ist noch anders als das übliche „gut“. Freut mich für die zwei.

Buddhastatue

Buddhastatue aus einem einzigen Stück Sandelholz, 26 m hoch, davon 8 m unter der Erde

Ich glaube, dass ich mich wieder richtig wohl fühle, hängt vor allem mit unserem aktuellen Besucher zusammen. Der ist zum Glück sehr selbstständig, fügt sich prima ins Familienleben und unseren Alltag ein, macht viel allein – aber unternimmt auch gelegentlich etwas mit uns/mir zusammen. Ein Schlüsselerlebnis war für mich letzte Woche ein Ausflug in den Lamatempel mit ihm. Geschlagene zwanzig Minuten stand er in der letzten Halle und war total geflasht von dem großen Sandelholzbuddha, der ja zweifelsohne sehr beeindruckend ist. Aber so offensichtlich begeistert war bislang kein Besuch! Und diese Begeisterung zieht sich durch. Und das tut mir gut.

Begeisterung steckt an

Ich sehe Peking ein wenig durch seine Augen, nehme das Andere, das Exotische, das Beeindruckende stärker wahr. Peking ist für mich in den vergangenen drei Jahren mein Zuhause geworden, Peking ist Alltag und nichts Besonderes mehr, vor allem, weil es ja allen Freundinnen, Nachbarinnen und Bekannten hier so geht (mal abgesehen von den ganz frisch Angekommenen vielleicht).  Aber gleichzeitig stellt mich und alle Expats der Pekinger Alltag doch vor andere Herausforderungen als daheim in Deutschland, und ich habe in den letzten Wochen eher die Schattenseiten gesehen.

Da tat es gerade unglaublich gut, Peking etwas durch die Augen unseres Besuchers zu sehen, mir bewusst zu machen, dass Peking für uns eben doch besonders ist – was zwar anstrengende Seiten hat, aber eben auch viel Schönes, Außergewöhnliches. Für viele Menschen ist eine zweiwöchige China-Rundreise mit 2-3 Tagen in Peking ein „Once-in-a-lifetime“-Erlebnis: einmalig, besonders, ein Highlight. Und ich bin in der privilegierten Situation, dass ich so viel Zeit auch für abgelegenere Sehenswürdigkeiten habe, die den Reisenden schlichtweg fehlt.

Als ich letzte Woche neben dem jungen Mann vor der riesigen Statue stand, nur ein bisschen Weihrauch-benebelt, durchströmte mich endlich wieder das Glücksgefühl, tatsächlich hier zu sein und all diese Erfahrungen machen zu dürfen.

Achja – als vorgestern erst gar kein und später nur matschbraunes Wasser aus den Leitungen kam, hat mich das nicht wieder zurückgeworfen. Und für den Besuch war es auch interessant zu sehen, dass hier eben doch vieles anders ist. Tief überstanden!

Fotos

 

Vor einem Jahr führte der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die ein paar Tage darauf nach Finnland zurückkehren musste, uns zum Eunuchen-Museum. Leider war das Museum da noch wegen Bauarbeiten geschlossen und es hieß „nächstes Jahr!“. Jetzt ist sie gerade zu Besuch bei uns und wir sind zu dritt zusammen mit einer gemeinsamen Freundin wieder dorthin gefahren.

Der Taxifahrer mochte nicht durch das enge Tor in den Hutong hineinfahren, also gingen wir zu Fuß weiter. Ich habe schon gefürchtet, wir wären im falschen Hutong, weil mir der Weg viel länger vorkam als im Vorjahr. Aber da war schon der Eingang. Schreck lass nach, das ist ja immer noch Baustelle! Und wir hatten vorher extra anrufen lassen, um herauszufinden, ob es auch wirklich geöffnet ist! Aber wir hatten Glück.


Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintritt: 8 RMB


Der „Friedhofsbereich“ mit der Grabstätte von Tianyi, einem der bekanntesten und einflussreichsten Eunuchen überhaupt, ist so gut wie fertiggestellt. Daneben gibt es ein paar Ausstellungsräume. Gewerkelt wird noch an einem Bereich mit weiteren Gebäuden, einem Torbogen – sieht auch als Baustelle interessant genug aus, um es nächstes Jahr wieder zu versuchen.

Zunächst sehen wir uns die Ausstellung an. Die Texte sind überwiegend Chinesisch, aber Bildunterschriften und Zusammenfassungen gibt es auch auf Englisch. Im ersten Raum gibt es Infotafeln zu den Eunuchen seit deren Anfängen im 8. Jahrhundert (oder doch früher?) bis hin zum letzten Eunuchen Sun Yaoting, der erst 1996 verstarb. 

Die Kastration wurde besonders in der Mingzeit „vollständig“ durchgeführt, also auch mit Penektomie. Ohne Betäubung. Die „drei Kostbarkeiten“ führten die Eunuchen dann bis zu ihrem Tod mit sich, um körperlich vollständig als ganzer Mann ins Jenseits übergehen zu können. Allerdings überlebte viele Jungen und Männer die Prozedur nicht, sie starben an Infektionen oder am Blutverlust. 1911 endete das Eunuchen-(Un-)Wesen mit dem Ende des Kaiserreichs.

Kastration und Penektomie

Gruselig

Die plastische Darstellung der Entmannung ist nicht das einzig Gruselige hier, denn es wird auch eine mumifizierte Leiche eines unbekannten Eunuchen ausgestellt. Und ein sichelförmiges Messer mit verrosteter Klinge ist zu sehen…

Nach der Ausstellung sehen wir uns die Grabstätte an. Hier sind die Bauarbeiten so gut wie abgeschlossen. Es gibt drei Pavillions, in denen auf beschrifteten Stelen von wichtigen Stationen im Leben Tianyis erzählt wird.

Weiter hinten befinden sich zwei Grabkammern, die von Tianyi im Schatten eines großen Kaki-Baumes. Wir stiegen hinunter, es ist kalt und feucht und obwohl alles frisch renoviert ist, ist es unheimlich. Als wir wieder draußen sind, erschlägt uns die Hitze fast.

Weg aus der Gruft

Am Ausgang treffen wir genau den Mann, der meine Freundin und mich vor einem Jahr herumgeführt hat und meine Freundin wechselt ein paar Worte mit ihm.

Hinterher spazieren wir noch ein Stück durch den Hutong, der teils kaum wieder zu erkennen ist, so wurde er herausgeputzt. Für einen Besuch des Fahai-Tempels, der nur zehn Minuten entfernt liegt, reicht diesmal die Zeit nicht mehr. 

 

 

Liebe Freunde aus Deutschland waren zu Besuch. Die Tage waren üppig gefüllt mit Ausflügen (siehe unten für ein paar Fotos) und vielen guten Gesprächen. Es war, als hätten wir uns letzte Woche zuletzt gesehen und nicht zuletzt vor einer gefühlten Ewigkeit so zu viert zusammengesessen. Am liebsten hätten wir Schlaf komplett weggelassen, denn es war soviel Zeit nachzuholen, und wer weiß, wie lange es bis zum Wiedersehen dauert.

Gestern Morgen mussten wir uns verabschieden. Wir haben noch Witze gemacht:
– Die lassen euch eh nicht raus, wollt Ihr nicht vielleicht ohne oder wenigstens mit leeren Koffern los?
– Zum Kaffeetrinken um 2 seid Ihr aber wieder da!

Dann waren sie weg und das Haus war viel zu groß und leer. Auf dem Weg zum Einkaufen musste ich ein Tränchen oder zwei wegblinzeln, weil ich wieder allein unterwegs war. Naja, so ist das hier halt, und wir müssen damit leben.

Überraschung!

Wenig später sitze ich am Schreibtisch, poste die „Komm zurück!“-Szene aus Titanic auf die Facebookseite meiner Freundin, fange an, die Fotos zu sichten. Dann klingelt es – viel zu früh für die Geburtstagsgäste. Einer der Jungs ist an der Tür, ich höre eine Frauenstimme und denke, das ist aber nicht meine südafrikanische Freundin, komisch. Neugierig gehe ich runter und bleibe auf halber Treppe stehen – da waren sie wieder, S. und H. Mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen, der Mund offen – gut, dass da keiner ein Bild geschossen hat, das muss herrlich dämlich ausgesehen haben. Männe hat genauso geguckt. Und dann haben wir uns alle einfach nur gefreut. Der Flug nach Kopenhagen ist gecancelt worden, was uns einen weiteren gemeinsamen Tag geschenkt hat! 

Heute Morgen mussten wir uns wieder verabschieden, was keiner von uns so richtig ernst genommen hat. Aber bis jetzt hat es noch nicht wieder geklingelt, und wir finden uns so langsam damit ab, dass sie jetzt leider wirklich weg sind.

Vor ein paar Monaten wollte ich mit einer Freundin Prince Gong’s Mansion besuchen. Bedauerlicherweise waren wir an einem Montag unterwegs. Montag? Ja genau, montags sind hier alle Museen geschlossen. Hatten wir leider vergessen und sind stattdessen um den nur wenige hundert Meter weiter gelegenen Beihai-See herumspaziert. (Beihai-See ist genau genommen doppelt gemoppelt, weil Beihai Nord-See heißt.)

Gestern war der Tag viel zu schön, um nichts zu unternehmen: Traumwetter, schön warm, aber noch nicht zu heiß, atembare Luft und deutlich weniger flying cotton fluff. Also extremer Pollenflug, als ob es in dicken Flocken schneit, an Kantsteinen, in Winkeln, Häuserecken sammelt sich das dann auch als dicke „Schneedecke“. Vom Management kam auch schon die alljährliche Mail: „never ever under no circumstances burn the flying cotton fluff“! Ich frag mich immer noch, wie man auf die Idee kommen könnte, denn wer das macht, wäre definitiv ein heißer Kandidat für den Darwin-Award.

Déjà vu

Allerdings tobt derzeit in unserer Nachbarschaft ein Verkehrschaos ohne gleichen: zur Zeit findet die AutoShow statt, die weltweit größte Automesse. Egal, ich wollte den schönen Tag unbedingt nutzen! Ich vergewissere mich auf der Webseite, dass heute auch geöffnet ist und drucke mir die Hinweise für die dreistündigen Runde aus. Als ich nach langer Fahrt und kurzem Spaziergang endlich vor den schnieken, gut gesicherten Hallen stehe: geschlossen! Ich habe ein déjà vu, aber heute ist doch definitiv nicht Montag? Vielleicht nur dieser Eingang? Ich biege um die Ecke, nein, auch alles zu. Irritiert stehe ich davor und versuche, die Schilder zu entziffern – irgendwas von März-Mai, arbeiten. Zwischendrin wimmele ich bestimmt fünf Rikschafahrer ab, dann spreche ich einen der Wächter an. Ja, im Mai ist es wieder auf. Schade, aber so wird das nichts mit Prinz Gong und mir. Schade auch, dass auf der Website kein Hinweis auf die Schließung zu finden war.

Alster? Elbe? Beihai!

Allerlei Enten auf dem Beihai

Ich muss aber nicht lange überlegen, was ich nun anstelle. Inzwischen ist es spät am Vormittag, die Sonne brennt, an einem Kiosk schieße ich mir eine Flasche Wasser und bewege mich Richtung Beihai-Park. Dort löse ich nur das Park-Eintritts-Ticket (10 RMB in der Sommersaison, von November bis März 5 RMB), jetzt will ich nichts mehr besichtigen. Schnurstracks gehe ich auf den Bootsanleger zu, der dem Eingang am nächsten ist, aber dort gibt es nur noch Duckboats. Nein danke, ein bisschen Würde muss ich mir doch bewahren!

Ich spaziere entgegen dem Uhrzeigersinn um den See herum. Tretboot? Nein. Lotusboot? Nee. Der Park ist gut besucht, Schüler- und Touristengruppen: bitte alle mal dorthinüber schauen! Der Anleger hinter dem Souvernirshop hat endlich noch freie kleine Elektroboote (100 RMB/Stunde) und ratzfatz fahre ich auf den See hinaus. Ruhe. Frieden. *Huuuuup*Trööt*Meepmeep*

Oh, die „Inselfähre“ meckert ein Duckboat an: aus dem Weg! Ich mache einen Bogen darum und lasse mich dann erstmal ein Stück treiben. Hier ist es jetzt wirklich still bis auf das leise Plätschern des Wassers. Herrlich, wie hab ich das vermisst! Ich mag Peking wirklich gern, aber mir fehlt Wasser!

Ich tuckere wieder weiter, werfe einen Blick auf das NCPA, dessen Kuppel die Sonne reflektiert und aus dieser Perspektive auch eine schnöde Sporthalle sein könnte. Ist es aber nicht! Dann geht es nicht weiter, unter den Brücken darf man nicht durchfahren, also umkehren. Jetzt habe ich einen schönen Blick auf den Zhongguo Zun – demnächst fertig, das neue höchste Gebäude Pekings. Dichter dran ist natürlich die Weiße Pagode. Typisch Peking, typisch China – altes und neues auf einen Blick.

Richtig stimmungsvoll wird es, als ich an einem Boot vorbeikomme, auf dem die Damen chinesische Lieder singen – zu schön!

Touri?

Meine Stunde ist fast um, also tuckere ich zurück zum Anleger, hole meine Kaution ab und mache mich auf die Suche nach einem Taxi. Da sich in der Straße am Ausgang alles staut, gehe ich zu Fuß am Jingshan-Park vorbei. Kurz reizt es mich, auf den Kohlehügel zu klettern, aber der Blick auf die Uhr sagt: Rückfahrt! Ein Taxi hält ungefragt und trotz Halteverbot (das gilt rund um die Verbotene Stadt), ist sogar bereit mich nach Shunyi zu fahren – für den Schnäppchenpreis von 300 RMB! Seh‘ ich aus wie ein Touri, der drauf reinfällt? Vermutlich ja. :) Ich sage ihm, dass ich seit drei Jahren in Peking bin, er lächelt entschuldigend und fährt weg.

Ein paar Meter weiter werde ich fast von einem in falscher Richtung fahrendem Tuktuk umgefahren: „Lady, where are you going?“ Shunyi, bisschen zu weit für ein Tuktuk. Er meint, er hätte einen starken Motor… Nichts wie weg, denke ich mir. Eine Ecke weiter biege ich in eine Straße ohne Halteverbote ein, rufe ein Didi, das sofort kommt und bin trotz Autoshow-Chaos relativ zügig wieder zuhause – und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Sollte man sich wirklich öfter gönnen, so eine Auszeit auf dem Wasser!

Fotos

 

Peking ist nicht nur wahnsinnig groß und verändert sich rasant, es steckt auch voller Gegensätze. Futuristische Gebäude stehen gleich neben traditionellen Hutongs. Hier die Konsumpaläste, dort die Tempel. Reichtum und Armut. Und oft findet man das alles nur wenige Meter voneinander entfernt.

Wenn man aus der Metrostation Dongsi kommt, fällt einem gleich ein traditionelles Tor ins Auge. Geht man über die Straßenbrücke, sieht man, dass auf der linken Seite hinter der Mauer schon alles abgerissen ist, auf der rechten Seite scheint alles unverändert.  Von der Brücke aus sehe ich erst eine alte Frau, die langsam die Straße entlang schlurft und sich dabei an ihrem Einkaufswägelchen festhält. Von der anderen Seite eilt ein junger Mann zur Metro.

Hutong

Ein paar Schritte in den Hutong hinein hört man den Verkehrslärm nicht mehr, dafür werden Obst, Gemüse oder Getränke per Bandansage und Megaphon angepriesen. Dann biege ich um eine Ecke in eine schmale Gasse und es ist ruhig. Wäsche trocknet draußen in der Frühlingssonne, teilt sich die Leine mit einem Vogelkäfig. Es ist noch nicht soviel Leben in den Gassen wie im Sommer, doch die ersten Menschen und ihre Haustiere genießen draußen den ersten Hauch des Frühlings.

Ein paar Schritte weiter kommt man auf der Rückseite einer Durchgangstraße raus, genau zwischen zwei Baustellen. Auf der einen Seite ein Neubau, auf der anderen Seite wird ein älteres Bürohaus abgerissen. Vor der Baustelle werden Feuerwehr-Untensilien wie Schaufeln, Eimer und Feuerlöscher aufbewahrt. Kreuz und quer geht es durch den Hutong zurück Richtung Hauptstraße, vorbei an den alten orangefarbenen Telefonzellen, die man hier oft noch sieht, obwohl doch beinah jeder ein Handy hat – oder etwa doch nicht?

Galaxy Soho

Ein Stück die Straße entlang, wieder über eine Straßenbrücke, kommen wir am Galaxy Soho heraus: ein ins Auge fallender futuristischer Gebäudekomplex, der sich strahlend weiß gegen den leuchtend blauen Himmel abhebt. Vier „Kugeltürme“ sind durch Brücken miteinander verbunden, hier gibt es Büros, Einzelhandel und Restaurants. Wirklich ein Hingucker! Und was für ein Gegensatz zu den Hutongs.

 

 

Eigentlich würde ich dem Pekinger Winter gerne bei jeder Gelegenheit entfliehen. Okay, einer der Hauptgründe dafür – der Smog – gilt nicht mehr so stark wie in den Vorjahren, denn der heftigste Wintersmog ist doch deutlich weniger geworden. 

Aber es ist bitter-, bitterkalt. Selbst wenn das Thermometer mal über Null steht, lässt einen der eisige Wind frieren.

Und es ist trocken. Aber so richtig. Einerseits  ist das schön, wenn man da mal an die verregneten Hamburger Winter denkt. Über einen Mangel an Sonne, Licht und blauem Himmel können wir uns hier derzeit nicht beklagen. Andererseits ist es so trocken, dass hier beinah jeder über Hautprobleme klagen könnte. Jucken und spannen ist da noch das harmloseste, was sich mit regelmäßigem Cremen noch ganz gut in den Griff kriegen lässt. Wer da empfindlicher ist oder auch nur einmal zu lange nicht eincremt, hat womöglich aufgerissene, blutige Hände. Luftbefeuchter können etwas helfen – solange man drinnen ist.

Schnee?

Skifahren, ohne dass es schneit?

Weil es so trocken ist, ist Schnee auch die absolute Ausnahme, auch in den Bergen im Umland. Skigebiete gibt es trotzdem: mit technischem Schnee, also Kunstschnee. Nur eine Dreiviertelstunde von unserem Haus liegt das Skigebiet Nanshan. Letztes Jahr war ich zum ersten Mal mit der Patengruppe dort, und auch dieses Jahr ging es wieder dorthin. 

Auch wenn man nicht Skifahren oder Snowboarden kann oder möchte, lohnt sich ein Ausflug. Man kann auch Reifenrodeln, mit einer (Sommer-)Rodelbahn von oben den Berg herabsausen oder einfach nur ein bisschen Spazieren gehen und dann auf einer der Terrassen in der Sonne sitzen und den Skifahrenden auf den verschiedenen Pisten zusehen. Es gibt verschiedenen Restaurants und Imbissbuden, Trinkwasser und heißes Wasser findet sich natürlich auch, klar, wir sind in China.  

Lieber aufs Eis?

Die lange knackige Kälte lässt auch alle Seen einfrieren. Bei den großen Seen in der Stadt darf man da aber nicht einfach so drauf stiefeln, sondern es sind extra sichere Bereiche umzäunt, wofür man dann auch Eintritt zahlen muss. Am Beihai-See ist in den 80 RMB dann aber auch der Gebrauch sämtlicher Fahrzeuge enthalten: Schlitten, Eisfahrräder, „Bumper“, und das alles zeitlich unbegrenzt. Aber irgendwann wird es einem dann auch einfach zu kalt. Nur Schlittschuhe müsste man selbst mitbringen.

Auch am Houhai gibt es so eine Eisfläche. Den Kunming-See beim Sommerpalast würde ich gerne mal sehen, vor der Kulisse muss es einfach wunderschön sein. Vielleicht schaff ich das ja diesen Winter noch.

 

Auf ins neue Coronajahr

Frohes Neues Jahr!
Die Hoffnung ist groß, dass dieses Jahr besser wird – die Befürchtung, dass das (erstmal?) nicht der Fall sein wird, allerdings auch.

Gestartet sind wir gut ins Jahr, ein schöner Silvesterabend mit Dinner for One und Ekel Alfreds Silvesterpunsch, Spielen und chinesischer Silvestershow. Statt Raclette oder Fondue stand der Shabu-Grill auf dem Tisch (Kombi von Tischgrill und HotPot). Da hat tatsächlich jeder was gefunden, was er mochte. Sogar Mäkler Nr. 1 möchte das jetzt mindestens einmal im Monat machen. Immerhin, wir können in gut einem Monat noch mal „Silvester“ feiern, wenn das Chinesische Neujahrsfest ansteht.

Ansonsten sind halt Winterferien mit viel Schlafen und Spielen, die leider morgen zu Ende gehen.

Rekordkälte

Screenshot Wetter-App

Minus 18 Grad in Peking

Vor ein paar Tagen sank die Temperatur noch tiefer in den Keller als eh schon, mit -18 Grad wurde ein Rekordwert erreicht. Leider ist da auch unsere Heizung kurzfristig in die Knie gegangen, Eckzimmer auf der windigen Seite sind nicht wärmer als 12 Grad geworden, bei mehr als zwei zusätzlich angeschalteten e-Heizungen, knallte die Sicherung raus.

Jetzt ist es wenigstens tagsüber mit Temperaturen über Null ganz okay. Ja, es ist Winter, klar, dass es kalt ist.

Grundsätzlich ist die trockene Kälte in Peking mit vielen sonnigen Tagen (und tatsächlich auch ganz guter Luft – anders als früher) gut auszuhalten. Aber warm und Sommer mag ich dann doch deutlich lieber – statt Stuga in Jämtland vielleicht später doch lieber eine Strandhütte in Thailand?

Baustellen

Vor einem Jahr war vor meinem Fenster eine Baugrube, jetzt steht da ein Rohbau, der wohl noch um ein paar weitere Stockwerke wachsen wird. Spannend die Frage, was das wohl für Beton ist, der bei zweistelligen Minusgraden vernünftig aushärtet … ;) Zu gucken gibt es hier jedenfalls immer etwas, auch wenn die Aussicht in Richtung Westen nun versperrt ist.

Arbeiter auf Baustelle in Peking

Arbeiter auf der Baustelle

Der Lady Street Flower Market hat seine Pforten ja schon vor über zwei Jahren geschlossen. Neulich wurde er eingerüstet und ich hab noch gedacht, endlich machen sie voran mit der Renovierung. Denkste. Keine Renovierung, es wird abgerissen, vorgestern stand nur noch die nette alte Front mit dem Lotus auf dem Dach und den Elefanten davor.

Abriss Lady Street Flower Market, Peking

Lady Street Flower Market wird abgerissen

Corona

Auch deutsche Zeitungen berichten vom erneuten „großen“ Corona-Ausbruch in China. Allerdings verschwindet eine nicht ganz unwichtige Einordnung im Kleingedruckten, wenn es überhaupt erwähnt wird: bis jetzt handelt es sich um insgesamt ca. 230 Fälle – also deutlich weniger als sich derzeit täglich in mancher deutschen Stadt infizieren.

Im umgekehrten Verhältnis stehen dazu die Maßnahmen: Massentests, Quarantäne (überwachte und nicht „bittebitte, bleibt am besten zuhause“), abgeriegelte Straßen. War Time Mode klingt ja in der Tat dramatisch – wobei ich persönlich um die 1000 Tote am Tag als deutlich dramatischer empfinde.

Auch in Pekings Bezirk Shunyi, wo wir bis vor knapp zwei Jahren gewohnt haben, gibt es neue Infektionen, heute wieder eine. Die betroffenen Wohngebiete werden abgeriegelt (voraussichtlich für drei Tage) und die Bewohner durchgetestet. Einer der Erkrankten ist Taxifahrer und ziemlich viel rumgekommen – unter anderem nun Anlass für weitere Aufrufe zur Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen und zur Einführung neuer: auch beim Taxifahren muss man sich ab sofort per Health App registrieren.

Taxis dürfen gerade nicht von/nach Shunyi fahren (mit Ausnahme des Flughafens), von Einschränkungen des Bus- und Bahnverkehrs ist jetzt gerade noch nichts bekannt.

Mal sehen, ob und welche Auswirkungen das auf die DSP-Schüler*innen haben wird, die in Shunyi wohnen.

Kopfkirmes

Unser Risiko, hier in Peking an Covid-19 zu erkranken, dürfte weiterhin ziemlich gering sein. Dass Risiko von einschneidenden* Eindämmungsmaßnahmen betroffen zu sein, ist allerdings ungleich größer. Also das Gegenteil von Deutschland?

*einschneidend: Nicht nur Maskenpflicht, Temperaturkontrolle, HealthApp – daran haben wir uns gewöhnt, sondern isolierte Wohngebiete oder kontrollierte Quarantäne.

Dass das Virus nicht weg ist, dass es im Winter mehr Ansteckungen geben könnte, war ja eigentlich absehbar, davor ist gewarnt worden, überrascht sollte man jetzt nicht sein. War trotzdem beruhigender, als wir die lange Phase ohne Neuerkrankungen in Peking hatten.

Es wird dieses Jahr zum zweiten Mal keine Temple Fairs zum Neujahrsfest geben. Alles, wo sich viele Menschen zusammenknubbeln könnten, wird mit Besucherobergrenzen versehen (und besonders neuralgische Punkte wie beispielsweise der oberste Pavillon im Jingshan-Park gesperrt).

Dieses unterschiedliche Herangehen macht mir nach wie vor ziemlich Kopfzerbrechen. Nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret aus Sorge um meine großen Kinder, den Rest der Familie, Freunde in Deutschland. Aktuell sehe ich noch nicht, dass die Infektionszahlen in Deutschland sinken (zu viele Lücken in unzureichenden Maßnahmen?). Wie lange wir wohl noch Glück haben, dass keiner unserer Lieben erkrankt?

Ich bin gespannt, was dieses zweite Corona-Jahr uns bringen wird und hoffe sehr, dass es mit dem Frühling besser wird.

Wir hatten über die Weihnachtszeit Besuch von lieben alten Freunden. Vorher waren die Befürchtungen groß, dass die Dezember-Luft in Peking wieder so übel wird wie in den Vorjahren. Doch der Himmel war überwiegend blau und die Luft bis auf wenige Ausnahmen gut. (Dass zahlreiche Chinesen aufgrund der Schließungen von Kohlekraftwerken und mangels bezahlbarer Alternativen frieren, ist die Kehrseite der Medaille.)

Natürlich waren wir viel zusammen unterwegs. Nur Sommerpalast, Verbotene Stadt, Silk Market und Ritan Park habe ich krankheitsbedingt auslassen müssen. :(

Heiligabend haben wir uns zuerst den Konfuziustempel und die Kaiserliche Akademie angesehen, dann den Lamatempel und sind dann noch durch die angrenzenden Hutongs gebummelt. Zweimal hingucken musste ich auf des zugefrorene Gewässer im Konfuziustempel: im Eis sind Goldfische eingefroren!

Immer wieder phantastisch: die Mauer

Den Besuchern haben die Tempel, vor allem der Lamatempel mit seiner besonderen Atmosphäre, am besten gefallen. Mein Highlight ist nach wie vor die Mauer. Es ging wieder nach Mutianyu, das ist von uns aus zügig zu erreichen. Mit der Seilbahn hinauf, ein Stück weit über die Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Leider war eine sehr ängstliche chinesische Dame vor uns, so dass es keine rasante Abfahrt, sondern eine gemütliche Omi-Abfahrt wurde. ;)

Der Schriftzug oben am Berg bedeutet wohl: „Loyal gegenüber dem Vorsitzenden Mao“ (忠于毛主席 – Zhōngyú máo zhǔxí).

Und weil die Mauer als imposantes Bauwerk mit ihrer langen Geschichte, mit Seilbahn, Sessellift und Sommerrodelbahn noch nicht beeindruckend genug ist, wird jetzt auch auf den Drehort eines chinesischen Films von 2010 hingewiesen: „If you are the one 2“ – eine romantische Komödie, war wohl ein Kassenschlager. ;)

Einen Abend haben wir in Sanlitun verbracht, erst gab es lecker Pekingente im Duck de Chine (jetzt Teil des 1949-Komplexes), dann noch einen Absacker im Q-Mex. 

Tianan’men

An einem anderen Abend sind wir beinah erfroren. Es war wirklich bitter-, bitterkalt. Trotzdem sind der Platz und die Gebäude so beleuchtet sehr beeindruckend.

Antikmarkt, Himmelstempel, Shopping, Show

Trödel und Co.

Panjiayuan Antikmarkt

Auch an einem anderen Tag hatten wir ein besonders volles Programm.

Zunächst sind wir kurz über den Panjiayuan Antikmarkt gebummelt. Der war deutlich voller als bei meinen bisherigen Besuchen, es war Samstag. Dafür waren vergleichsweise wenig Langnasen zu sehen.

Damit unser Besuch auch das Erlebnis von Pekinger Metro hat, sind wir von vom Panjiayuan mit der Metro zum Himmelstempel gefahren. Metro-Fazit des Besuchs: sauber, sicher, auch als Ortsfremder ohne Chinesischkenntnisse gut verständlich.

Himmelstempel

Als wir die langen Treppen an der Himmelstempelstation nach oben gekraxelt waren, war Wind aufgekommen, und hat das Grau des Morgens hinweg geweht. Trotz des eisigen Windes war der Park aber gut besucht und es gab tatsächlich wieder Pekinger, die samt Haustieren im Laubengang saßen und spielten. Durch den Laubengang haben wir uns erst die Halle der Ernte und die umliegenden Hallen angesehen. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf den CBD mit dem fast fertigen China Zun Tower in der Mitte. Wir haben uns dann noch Echomauer und die Halle des Himmelsgewölbes angesehen und sind die paar Stufen zum Himmelsaltar hinaufgestiegen. Von uns hat es aber keiner ausprobiert, ob die eigene Stimme wirklich viel volltönender klingt, wenn man auf dem Stein in der Mitte steht.

Ich finde ja die Geschichte von der „70jährigen-Tür“ klasse: Kaiser Qianlong war schon alt und etwas klapperig, so dass seine Offiziellen diese Tür für ihn in die Mauer einbauen ließen, um den weiten Weg bei den Zeremonien für ihn abzukürzen. Damit diese Abkürzung nicht ohne Not missbraucht würde, erließ Qianlong ein Dekret, dass nur seine Nachkommen, die 70 Jahre und älter wären, diese Tür benutzen dürfte. Qianlong blieb allerdings der einzige, der die Tür, die jetzt den Namen „70 year old door“ trägt, benutzt hat – keiner seiner Nachfolger wurde so alt.

Brown Door und Pearl Market

Blick von der Dachterasse des Pearlmarkets

Blick von der Dachterrasse des Pearlmarkets

Inzwischen waren wir durchgefroren, es war schon später Mittag. So habe ich unsere Besucher dann ins „Brown Door“ geführt, ein kleines chinesisches Restaurant gegenüber vom Nebeneingang des Perlenmarkts. Das ist schon lange kein Geheimtipp mehr, und auch wenn hier überwiegend Expats und Langnasen verkehren, so ist das Essen „ganz normal chinesisch“ und sehr lecker. Aufgewärmt und gestärkt ging es dann hinüber zum Pearlmarket, einmal Atmosphäre schnuppern, einmal das Erlebnis „knock-knock-Markt“… Wohl auch kein Geheimtipp mehr: Im 4. Stock an den Rolltreppen befindet sich eine kleine Kaffeebar, wo es guten Kaffee zum annehmbaren Preis gibt.  Wo wir schon bei Ex-Geheimtipps sind: Es ging dann noch auf die Dachterrasse, einmal den Blick über den Himmelstempelpark, rüber zum Tiananmen und in der anderen Richtung zum CBD genießen.

Legends of Kungfu

 Bei der Überlegung: Laoshe Teahouse oder Kungfu-Show fiel die Entscheidung rasch zugunsten von „Legends of Kungfu“. Ulrike vom bambooblog hatte davon erzählt. Besten Dank für die Empfehlung, wir waren begeistert! Beim nächsten Mal nehme ich meine Jungs mit, das würde ihnen sicher gefallen. Die Geschichte ist relativ schlicht: Ein Junge kommt ins Kloster, lernt fleißig, ist erfolgreich, lässt sich auf Abwege führen, findet aber auf den rechten Weg zurück und beerbt am Ende den alten Abt. Die Inszenierung ist temporeich, aufwendig und bunt, die Musik gefällt auch Westler-Ohren. Erzählt wird auf Englisch, es laufen chinesische Unter-, ähm, Obertitel, bei ein-zwei chinesischen Liedern umgekehrt. Immerhin kommen zwei Frauen vor: die Mutter und die böse Versuchungsfee… 

Feiertage ganz entspannt

Weihnachten und Silvester haben wir gemütlich zuhause gefeiert. Falls sich jemand über ausbleibende Mails und/oder Anrufe gewundert hat: Heiligabend fielen am frühen Abend erst Telefon und Internet aus (wurde am Morgen des 1. Feiertages repariert), dann hab ich schlapp gemacht: fiese Erkältung. Mit Besuch war für Erkältung aber gar keine Zeit, die wird jetzt auskuriert.

Xīnnián kuàilè! - Frohes neues Jahr!

Chinesische Silvestershow

Silvester war ebenfalls ganz gemütlich. Natürlich haben auch dieses Jahr Dinner for One und Ekel Alfreds Silvesterpunsch nicht gefehlt. Feuerwerk ist nicht nur innerhalb des 5. Pekinger Rings verboten, sondern auch bei uns im Compound. Trotzdem waren wir kurz auf der Straße und haben ein paar wenige Raketen in der Ferne gesehen. Nicht schlimm, es war eh viel zu eisig, um länger draußen zu sein. Drinnen ließen wir dann eine chinesische Neujahrshow laufen, wo es vor allem Bilder vom Feuerwerk der bereits ins Neue Jahr gerutschten Städte gab.

Alltag

Inzwischen sind alle Besucher wieder heil in Deutschland angekommen. Der Mann ackert, die Jungs genießen die letzten faulen Ferientage, ich kuriere meine Erkältung aus – ich muss fix wieder fit werden, schließlich habe ich nächste Woche was vor… ;)

Der Compound füllt sich allmählich wieder mit den Urlaubs-Rückkehrern, die Tage werden allmählich wieder länger und wir schauen gespannt darauf, was 2018 so alles mit uns vorhat. 

Xīnnián kuàilè! – Frohes neues Jahr!

 

Mein Weihnachten in Peking – Beitrag zur Blogparade der Expatmamas

Adventskranz

Das dritte Weihnachtsfest, seit wir nicht mehr in Hamburg leben, steht vor der Tür.

Im ersten Jahr waren wir gerade wenige Monate hier, alles war noch neu und aufregend. Wir wollten nicht nach Hamburg reisen, um den gut laufenden Eingewöhnungsprozess der Kinder nicht zu unterbrechen. Wir haben gefürchtet, die Kinder nicht freiwillig wieder in den Flieger zurück nach Peking bekommen zu können … Stattdessen haben wir die großen Kinder zu uns eingeladen. Die konnten sich bei der Gelegenheit auch gleich davon überzeugen, dass es uns hier so schlecht nicht geht. So haben wir gemeinsam die Weihnachtsferien mit viel Sightseeing und Ausflügen verbracht.

Weihnachtsstern

Der Mittlere, der nach seinem Jahr in Yunnan gut Chinesisch spricht, hat ein Stück weiter die Straße runter einen echten Weihnachtsbaum gekauft, der eine Stunde später geliefert wurde. Von der Rezeption kam ein irritiert-ungläubiger Anruf: „Da will ihnen jemand einen Baum liefern! Stimmt das?“
Deko haben wir im Beidong-Flowermarkt nicht weit von hier erstanden. Töchterchen hat sich durchgesetzt: Wenigstens einmal im Leben einen richtigen Mädchenbaum – und so kamen wir zu rosa und pinken Kugeln und einer rosa Blümchenlichterkette. Da muss die Familie jetzt auch weiterhin durch! ;)

Heiligabend gab es traditionell Kartoffelsalat und Würstchen (wenn auch aus dem Glas, aber immerhin deutscher Markenimport) und für das Mäkelkind selbstgemachte Chicken Nuggets. Auch die Weihnachtsgans haben die Kinder im Sanyuanli-Markt besorgt. So gab es also auch am 1. Weihnachtsfeiertag ein klassisches Weihnachtsessen hier, auch wenn die Gans dank Dusselofen zu trocken, die Klöße eher Kartoffelbrei waren. Immerhin der Rotkohl und der Nachtisch waren super. :)
Silvester blieb die Küche kalt, stattdessen ging es in ein nettes Yunnan-Restaurant.

2016 – Weihnachten ganz anders

Letztes Jahr waren wir in Australien und hatten ein wundervolles australisches Weihnachtsfest zusammen mit unserer Gastgeberin.

Weihnachten in Bulwarra

Das würde ich mir auch wieder gefallen lassen.

Überhaupt, den langen Pekinger Winter und die übelste Smog-Saison würde ich gerne wieder drei Wochen in der Sonne unterbrechen.

Weihnachten 2017

Doch dieses Jahr bleiben wir wieder hier, denn es kommt Besuch. Liebe alte Freunde, mit denen wir in Deutschland schon viele Feiertage gemeinsam begangen haben. Letztes Jahr waren die weihnachtlichen Aktivitäten bei uns wegen des Australienurlaubs relativ begrenzt, dieses Jahr habe ich schon Mitte November angefangen, die Deko zu sichten. Und das, obwohl ich im November im Rahmen meiner NaNoWriMo-Teilnahme (eine Schreib-Challenge, bei der man im Schnitt im November täglich 1667 Wörter schreibt, um am 30.11. eine Geschichte von 50.000+ Wörtern zu haben) eigentlich keine freie Zeit übrig hatte, zumal ja auch noch die Führerscheinprüfung dazwischengefunkt hat.

Köttbull – unser neuer Mitbewohner

Bei Ausflügen mit Freundinnen auf diverse Märkte wurde das Vorhandene ein bisschen ergänzt. Kollege Köttbull ist bei uns eingezogen. Zu meinen künstlichen IKEA-Weihnachtssternen haben sich jetzt auch echte vom Flower-Markt gesellt.

Nur das Weihnachtsbaumproblem müssen wir noch lösen. Im Rahmen der Aufräumaktionen in der Stadt wurden auch alle Blumen- und Pflanzenhändler von unserer Straße vertrieben. Der eine verbliebene Händler nimmt exorbitante Phantasiepreise, auch der Händler vor dem Flowermarkt in der Nähe der Schule nimmt jetzt über das Dreifache wie 2015. Bei dem Händler hier um die Ecke werde ich noch mal mein Glück versuchen und hart handeln. Sollte ich scheitern, wird es nur ein kleiner echter Baum oder ein künstlicher. Letzteres war für mich bisher undenkbar – aber nur, weil ich eine Langnase mit komischen Sitten bin, will ich kein ungerechtfertigtes Vermögen für einen Weihnachtsbaum berappen (Nr. 4 schaut mir gerade über die Schulter und stimmt Protestgeschrei an: „Waaaas? Kein echter Baum?“ Ich werde beim Handeln also über mich hinauswachsen müssen, dabei hasse ich es …)

Backmarathon

Ergebnis von Backmarathon und Plätzchentausch

Wie in Deutschland gehört für uns die Weihnachtsbäckerei in die Weihnachtszeit. Allein wegen des leckeren Duftes, der nach dem Backen noch tagelang im Haus hängt. Gestern hatten wir in einer lauschigen Fünferrunde einen „Cookie Exchange“ – Plätzchentausch. Jede von uns hat von einer Sorte Kekse ca. 60 Stück gebacken; 10 zum selbst behalten, vier mal 10 Plätzchen zum weitergeben, 10 zum Vernaschen und Probieren beim gestrigen Treffen mit „Expatlimo“ (Prosecco, Achtung ein Klischee!), Glühwein, Kaffee etc. Einmal Backen und 5 verschiedene Sorten Plätzchen – perfekt! Ich hatte vorher allerdings schon einen Backmarathon, der mich mehr geschlaucht hat als die Schreibchallenge. Jedenfalls sind wir jetzt für den Advent versorgt mit Basler Pekinger Leckerli (Orangeat und Zitronat gibt es hier nicht, durch gehackte getrocknete Cranberries ersetzt), Lübecker Kokosmakronen, Mürbeteigplätzchen, Schokokipferln, Florentinern, Pfefferkuchen, Hafertalern, Zimtsternen… Gewürzkuchen und –Muffins werde ich sicher irgendwann noch backen, aber erstmal brauche ich eine Pause. :)

Die Zutaten dafür gab es bei IKEA (Marzipan) oder in unserem auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Lebkuchengewürz habe ich aus Deutschland mitgebracht, nur Hirschhornsalz und Pottasche haben gefehlt und waren hier auch nicht aufzutreiben – an sowas muss man also auch schon bei den Heimaturlauben im Sommer denken…

Adventskalender-Anleitung!

Inzwischen kann man hier sogar Adventskalender kaufen. Im ersten Jahr habe ich noch vergeblich danach gesucht, hatte aber glücklicherweise Säckchen zum selber füllen für die Jungs aus Deutschland mitgebracht. Auf den Kalendern eines großen schwedischen Möbelhauses findet sich auch eine Erklärung, was man mit diesem merkwürdigen Ding anfangen soll… ;)

Weihnachtsfeiern und Co.

Heute ist der alljährliche Charity-Weihnachtsbasar auf dem Gelände der deutschen Botschaft. Vorab sah es so aus, als wären wir dies Wochenende anderweitig verplant, also haben wir keine Karten im Vorverkauf erstanden. Lange Schlangestehen bei miesen Luftwerten ist nicht mein Ding, also gehe ich auch nicht spontan hin. Das ist wirklich unglaubliches Pech für den Weihnachtsmarkt, der hat offensichtlich ein Smog-Abo.

Ebenfalls heute veranstaltet das Compound-Management eine Weihnachtsparty. Das Programm liest sich sehr amerikanisch, wir haben uns für einen ruhigen Familienabend auf dem Sofa entschieden.  Aber ich muss ja auch nicht alle Angebote wahrnehmen, für Neuankömmlinge ist das hingegen sicher eine gute Gelegenheit, mit ihren Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Auf die private Charity-Weihnachtsparty einer Freundin am nächsten Wochenende freue ich mich hingegen sehr.

Für die Kinder kommt in der Schule am 6.12. noch der Nikolaus. Die Schule, die Aula und die Klassenräume sind weihnachtlich geschmückt. In den Klassen wird gewichtelt und die Klassen bewichteln sich auch gegenseitig – alles fast wie in Deutschland.

Alle Jahre wieder…

Adventskalender

Alles in allem sicher eine ganz normale Weihnachtszeit mit exotischen Einschlägen und leichten, aber bewältigbaren Hürden. Für die Jungs und mich gehören kuschelige Filmabende bei Kerzenschein dazu. Unseren Besuch können wir hoffentlich von unserem traditionellen Heiligabendessen überzeugen, ob es am 1. Feiertag Weihnachtsgans zuhause oder auswärts Pekingente gibt, werden wir gemeinsam entscheiden.

Ich bin nicht gläubig. Es gibt aber deutschsprachige katholische, evangelische und ökumenische Weihnachtsgottesdienste und noch mehr auf englisch. Für mich ist die Weihnachtszeit mit all den Kerzen und Lichtern, fröhlich-bunter Deko und romantischer Stimmung eine gute Möglichkeit, den Winterblues in Schach zu halten. Weihnachten und die Weihnachtszeit ist für mich ein Teil deutscher Kultur, den ich zum Glück auch hier in China unseren Third Culture Kids vermitteln kann. Weihnachten selbst ist für mich ein traditionelles Familienfest, und glücklicherweise können wir unsere Familientraditionen auch hier fortsetzen. Nicht zuletzt ist Weihnachten – ob gläubig oder nicht – ein Gefühl, das man im Herzen trägt.

Am kommenden Freitag wird der Tianyi-Markt für immer geschlossen. Das ist ein „Smallthings-Wholesale-Market“, quasi ein chinesisches Kaufhaus, nur halt mit einem kleinen Stand am anderen. Mehrere Gebäude, viele Etagen, schätzungsweise 3000 Händler. Da gibt es „alles“, was sich wegtragen lässt: Schnickschnack und Stehrümchen, Geschenkartikel, Haushaltsgegenstände, Kleiderhaken und Regenschirme, Schmuck, Sonnenbrillen, Kostüme, Badekleidung… Endverbraucher und auch Straßenhändler haben dort zu kleinen Preisen einkaufen können. Jetzt, so kurz vor der Schließung, wird beinah alles noch billiger. Man hätte ahnen können, dass es schlimmer zugehen wird als früher im Hamburger Sommerschlußverkauf…

Ich hab daran jedenfalls nicht gedacht, als jetzt eine Freundin fragte, ob wir da nicht vor der Schließung noch hinwollen und hab sofort ja gesagt, um das auch noch mal gesehen zu haben.

Man hätte es ja ahnen können…

Schon etliche hundert Meter vor dem Markt staute sich auf der rechten Spur der Verkehr. An der Markteinfahrt standen Uniformierte und ließen (fast) keinen mehr rein. Wir hatten aber Glück und haben nicht weit davon einen Parkplatz gefunden und spazierten dann durch die knallende Sonne Richtung Markt. Je näher wir kamen, umso wuseliger wurde es. 

Der Komplex ist schon ein Hingucker: Elefanten und Giraffen auf dem Dach, da ein paar chinesische Figuren, dort der Weihnachtsmann, ein bisschen wie Disneyland. Hab ich erwähnt, dass es voll war? 

Es war dermaßen voll, dass ich gekniffen hab und aus dem Gedränge nach draußen geflüchtet bin. Drinnen hatten Mitarbeiter schon Ketten an den Rolltreppen gebildet, um die Massen zu lenken. Draußen am Eingang konnte ich später beobachten, wie Uniformierte dafür sorgten, dass der frei bleibt und niemand direkt vorm Ausgang stehen blieb. Ich kann mir vorstellen, dass das Gedrängel im Lauf der Woche noch schlimmer werden wird.

 

 

Ich frag mich, was aus den Händlern werden wird – und wo die Kunden künftig einkaufen werden? In den vielen schicken, teuren Malls vermutlich eher nicht… Solche Märkte soll es künftig nur noch außerhalb des 4. Rings geben, das sind dann schon ziemlich weite Wege. Also noch mehr Onlineshopping?

Zum Weiterlesen:

Artikel in TimeOut Beijing

Artikel in That’s Beijing

Achja: Auch der Ladies‘ Street Market wird Ende September geschlossen werden: Artikel im Beijinger

Warum diese Märkte geschlossen werden? Die Stadt ist total im Umbruch: kaum mehr Streetfood, keine kleinen Läden mehr in vielen Hutongs, keine Märkte mehr…  Das gehört wohl alles schon zu Jing-Jin-Ji (JJJ), dem Umbau von Peking, Tianjin und Hebei zur Mega-Metropole… (Spiegel-Artikel).

5 Tage sind wir nun schon zurück in Peking. Diesmal tun wir uns ein bisschen schwer, wieder richtig anzukommen. Der Abschied von den drei Großen war wieder traurig und sie werden jetzt schon schrecklich vermisst. Leider hilft da auch nicht das Wissen, dass wir sie durch unsere Heimaturlaube und deren Urlauben hier unterm Strich eigentlich mehr sehen, als wenn wir noch in Hamburg wohnten. 

Der Jetlag hat uns auch noch fest im Griff, abends können wir ewig nicht einschlafen und kommen dann kaum vor Mittags aus dem Bett. Das wird ein großer Spaß am Montag, wenn um 6 Uhr der Wecker klingeln wird und die Schule wieder startet.

Ljungdalen

Der Urlaub in Ljungdalen war phantastisch, es war genau das, was wir drei uns gewünscht hatten (Einsamkeit, Natur, Stille, frische Luft und sauberes Wasser…) und damit der totale Kontrast zu Peking. Das hat uns richtig gut getan, jetzt sollten wir dem aufregenden, anstrengendem China-Alltag eigentlich wieder gewachsen sein.

Ein Ferien-Highlight waren die vielen Rentiere, die uns mehrmals täglich besucht haben und denen wir auch unterwegs ständig begegnet sind. 

 

Endlich ist Frühling, es ist warm, beinah schon sommerlich, Peking wird bunt, weil alles blüht und wieder viel mehr draußen passiert. Leider lässt sich das wegen der miesen Luft nicht genießen, also freuen wir uns jetzt noch mehr auf das nur halb so warme Hamburg: Heimaturlaub! Wir, das heißt die Jungs und ich, Männe darf arbeiten. Dank Denguefieber hatte der letzte geplante Hamburg-Aufenthalt ja leider ausfallen müssen, und nach so langer Zeit ist es schon komisch, „nach Hause“ zu fliegen. Nein, es ist nicht mehr wirklich zuhause, das ist derzeit hier in Peking, aber es ist Heimat, da wo wir unsere Wurzeln haben. Was sich wohl verändert haben wird, was ist „wie immer“?

Auch wenn ich mich nach Kräften bemüht habe, unser „Programm“ nicht wie beim letzten Mal so zu überfrachten – es hilft nichts, es ist doch wieder ganz schön voll geworden, auch wenn wir etwas mehr Lücken für spontane Verabredungen gelassen haben. Und für Ausflüge, es sind ja immerhin auch die Ferien der Jungs! Leider ist jetzt schon absehbar, dass wir längst nicht alle treffen können, die wir gerne sehen würden. Obendrein steht uns da halt auch eine emotionale Achterbahnfahrt bevor, bei der Wiedersehensfreude und umgehend drauf Abschiedskummer sich abwechseln werden.

Ansonsten geht hier alles seinen normalen Gang. Letzte Woche habe ich so viel wie noch nie im Stau gestanden, das war ziemlich nervig, jede notwendige kleine Besorgung kann sich ja eh zum Halbtagesausflug auswachsen. Anfang dieser Woche hingegen waren die Straßen frei wie noch nie – es war Qingming-Fest (Totenfeiertag). Leider war die Luft so mies, dass das Leben trotzdem überwiegend drinnen stattfand.

2. Platz beim Vorlesewettbewerb

Nummer 4 hat beim Vorlesewettbewerb an der Schule mitgemacht und ist Zweiter in seinem Jahrgang geworden. Die Jungs leiden ja unter einer schweren Hausaufgabenallergie, aber dafür hat er tatsächlich mit viel Spaß geübt – war sehr lustig auch für uns. Vorgelesen hat er aus Timur Vermes: Er ist wieder da.

Laoshe-Teehaus

Mit dem Chinesischkurs waren wir in einem Teehaus, erwartet hatten wir Pekingoper in auch für Westler leicht verdaulichen Häppchen, bekommen haben wir eine Art Varieté, dazu wurden ein paar Häppchen und Jasmintee gereicht, leider kein Reisschnaps… ;) Mit den Bildern von diesem vergnüglichen Abend verabschiede ich mich nun in den Heimaturlaub!