Nachdem wir neulich eine Gemüsefarm besichtigen konnten, waren wir am Wochenende wieder mit unseren chinesischen Bekannten unterwegs, diesmal um Pfirsiche in Pinggu anzusehen.

Über Pinggu und Pfirsiche

Pinggu ist der nordöstlichste Bezirk Pekings. Der Ort Pinggu hat gut 300.000 Einwohner, ist nach chinesischen Maßstäben also ein Dorf. Der Distrikt Pinggu ist größer als ganz Berlin, insgesamt leben hier ca. 440.000 Menschen. Hier befindet sich nicht nur Shilinxia mit dem Flying Saucer, viel berühmter ist Pinggu dafür, dass sich hier das größte Pfirsichanbaugebiet der Welt befindet. Überhaupt: Mit Abstand die meisten Pfirsiche weltweit wachsen in China.

Mir wird erklärt, dass in der Nähe der Farm, die wir besuchen werden, ein erloschener Vulkan liegt. Die Pfirsiche hier in den Bergen seien besonders süß. Das liege an der Höhe, dem Unterschied von Tag- und Nachttemperaturen und dem vulkanischen Gestein. Aufgrund der Lage hier reifen die Pfirsiche relativ spät.

Eine andere Welt

Wir fahren über den Jingping Expressway aus Peking raus. In Pinggu geht es auf immer schmaler werdenden Landstraßen weiter, durch kleine wuselige Dörfer. Wir sind gerade eineinhalb Stunden unterwegs und doch in einer ganz anderen Welt. Überall an den Straßen werden Früchte verkauft, was mich ein bisschen an die Apfelbauern im Alten Land erinnert. Dann wird es hügeliger und wir erreichen die Berge. Wir biegen ab und halten am Ortseingang von Suziyucun, stellen das Auto im Schatten ab und werden von der Farmerin begrüßt. 

Die Farmerin

Bevor ich Interesse für die Pfirsiche aufbringen kann, muss ich erstmal die Aussicht genießen. Das dichte Grün, ringsum Berge – das ist wirklich schön. Es ist allerdings auch wieder sehr heiß und extrem schwül. Jetzt folgen wir der Farmerin in den Pfirsichhain. Zuerst kommen wir allerdings an Walnuss- und Birnbäumen vorbei. 

Pfirsichhain oder Pfirsichdschungel?

Wir verlassen den Hauptweg und landen auf einem schmalen feuchten Pfad. Der Lärm der Zikaden ist ohrenbetäubend. Ich gucke sehr genau, wo ich hintrete, denn ich hab keine Lust, über Schlangen oder ähnliches Gewürm zu stolpern. Es fühlt sich nicht wie ein Pfirsichhain, viel mehr wie ein Pfirsichdschungel an.

Auf der Pfirsichfarm

Wir stromern kreuz und quer zwischen den Pfirsichbäumen herum. Es gibt Plattpfirsiche und runde Pfirsiche, gelbe,  weiße und rote. 

An vielen Bäumen sind Papiertüten über die Früchte gestülpt: Das ist eine Auflage der Behörden, damit die Pfirsiche vor Pestiziden geschützt werden. Ganz ohne zu Sprühen gehe es nicht, denn die Pfirsiche seien sehr krankheitsanfällig.

Pfirsich-Tüten-Baum

Kurz vor der Ernte werden die Papiertüten abgestreift (und liegen dann auf dem Boden herum, wo sie mit der Zeit aufweichen). Künstlicher Dünger ist verboten – es riecht aber intensiv nach Stall…

Beijing’s most beautiful village

Nachdem wir uns von Moskitos aus dem Pfirsichhain haben vertreiben lassen und uns von der Farmerin verabschiedet haben, spazieren wir noch durch das Dorf. Gleich am Ortseingang fallen Unmengen von Ziegelsteinen ins Auge: hier wird gebaut. Ein großes Holzschild verkündet, dass Suziyu “Beijing’s most beautiful village” sei. Ob das so ist? Schön gelegen ist es alle mal. Es gibt ein Regierungsprogramm, durch das die Dörfer rings um Peking renoviert, restauriert und aufgewertet werden sollen. Zum Einen soll damit der Tourismus/Naherholung/Kurzurlaub gefördert werden, dadurch kann zum Anderen das Einkommen der Dorfbewohner steigen. Und mit der Winterolympiade 2022 hat es wohl auch zu tun.

Wir schlendern durchs Dorf. Plötzlich ohrenbetäubender Lärm: eine Lautsprecherdurchsage. Wahnsinn, das muss eine super leistungsfähige Anlage sein. Inhalt der Mitteilung war, dass man jetzt neue Kisten für die Pfirsiche im Zentrum abholen könnte. Ein paar Minuten später kamen uns dann auch lauter TukTuks entgegen.

Affen und Pfirsiche?

Überall unterwegs sehen wir Plastiken übergroßer Pfirsiche, vor denen ein Affe steht oder sitzt. Auch hier in Suziyu findet sich so eine Figur. Was es damit auf sich hat? In einem der vier klassischen chinesischen Romane “Die Reise in den Westen*” probiert der Affenkönig Sun Wukong im Garten der (daoistischen) Göttin Xiwangmu von einem Pfirsich und wird dadurch unsterblich.

Pfirsich und Affe - geht auf eine Legende zurück

Oh, Kinder aufgepasst: Euer Spiel Dragon Ball basiert lose auf Sun Wukongs (japanisch: Son Goku) Abenteuern!

Wir schließen den Ausflug mit einem Essen in einem urigen chinesischen Ausflugslokal an einem Stausee ab, bevor wir uns auf den Rückweg nach Peking machen. Der Tag im Grünen hat jedenfalls richtig gut getan – und unser kleiner Vorrat von frischen Pfirsichen ist auch schon fast aufgefuttert.

Fotos

 

 

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