Ich hab’s versucht und bin morgens aufgestanden – nur eine Stunde später hab ich wieder fest geschlafen. Auch die Jungs waren „unweckbar“. Losgetuckert sind wir dann gegen 14 Uhr… Wie man weiter unten bei den Bildern sehen kann: Traumwetter!

Mit der U-Bahn zum Tienanmen-Platz. Das war schon ein Erlebnis, Sicherheitskontrolle am U-Bahn-Eingang nur unwesentlich weniger aufwändig als am Flughafen. Nur ein paar Stationen, einmal umsteigen und schon waren wir Tienanmen-East. Man kommt aus der U-Bahn-Station hoch und ist erstmal erschlagen – so bombastisch ist alles. Die Straße hat so viele Spuren, soweit kann ich gar nicht zählen… ;)

Am Zugang zum Tienanmen ist erneut eine Sicherheitskontrolle, die Schlange ist überschaubar, und da es so viel zu sehen gibt, wird das Warten auch kein bischen langweilig. Viele Chinesen haben Snacks in Plastiktüten dabei – sieht alles sehr interessant aus… Der Platz ist groß. Ok, das beeindruckt schon, aber uns zieht es in die Verbotene Stadt. Für „drinnen“ will ich mehr Zeit haben, also spazieren wir nur so dadurch – und es gefällt uns, auch den Minis. Letztere rennen und hüpfen und spielen, ab und zu werden wir gefragt, ob man sie fotografieren darf – gerne. Die beiden hüpfen eine Mauer entlang, krakeelen vor sich hin und schwupps, hüpft ein chinesischer Junge hinterher. <3

Dann bummeln wir durch Seitenstraßen und landen in einer großen Einkaufsstraße. In den Seitenstraßen stürmen wieder Hunderte Gerüche auf uns ein, soviele Shops, soviel essen, da gibt es Teigtaschen, da Fritiertes, da Undefinierbares, es riecht lecker, interessant und auch mal bäh; überall fahren Mofas mit kandierten Früchten auf Spiessen – die müssen wir morgen mal probieren, heute war unser kulinarisches Experiment „Tee-Eis“. Für Justus und mich war es nix (Erbseneis!), Rasmus fand’s ok, Thomas – ist ja nun schon länger hier – hat unsere Reste aufgefuttert. Dann entdeckte Jussi ein KFC und war nicht mehr zu halten – also bekamen die Kids ihr Abendessen da. Merke, lieber deutscher Touri: das deutsche Handzeichen für „2“ heisst auf chinesisch „8“ und auch zwischen 10 Wings und 10 Portionen ist ein kleiner Unterschied – entsprechend irritiert war die Mitarbeiterin, klärte sich glücklicherweise alles auf und Jungs waren happy. Dann sind wir noch ein bischen weitergebummelt, und waren dann aber auch platt und sind mit dem Taxi wieder nach Hause gefahren: vorbei an Luxus-Prachtbauten und heruntergekommenen Hochhäusern, alles bunt beleuchtet, trubelig, lebendig.

Heute Abend haben wir dann mal gefragt, wie es den Jungs gefällt: sie finden es großartig hier – puh, das ist so beruhigend! Hauptsache, das bleibt so. Morgen wollen wir dann zu dritt in den Zoo, wenn das Wetter wieder halbwegs so wie heute ist.

Jetzt ist es 22 Uhr hier und ich werde mich mal trauen, alleine in den Supermarkt zu gehen, ich brauche ne Gesichtscreme… Die Luft ist so trocken hier, das gibt’s gar nicht. Mal gucken, ob ich erfolgreich bin…

 

Nachdem wir einige Tage den immer gleichen Blick auf Peking hatten, z.B. auch auf den CCTV-Tower, entlässt die blöde Grippe uns allmählich aus ihren Klauen und wir kriegen doch endlich mehr zu sehen.

Erst sind wir heute kreuz und quer durch kleinere und größere Straßen geschlendert, haben uns eine ziemlich gigantische, ziemlich luxuriöse Shoppingmall von innen angesehen und die Jungs anschließend bei Annie’s  mit Pizza bzw. Spaghetti Bolo abgefüttert. Den Rest des Tages haben wir schönes Wetter und relativ gute Luft im Ritanpark genossen.

 

So, jetzt noch einmal mit mehr Bildern. Der Ausflug war großartig, die Jungs wollen das so bald wie möglich und immer wieder wiederholen. Kann ich verstehen!

Erst mit dem Auto bis Huairou/Mutianyu, ca. 70 km nordöstlich von Peking. Wieder einmal konnten wir nur staunen, wie riesig Peking ist, doch irgendwann wurden es weniger Hochhaussiedlungen, da waren dann Felder/Obstplantagen, Fabriken, doch immer wieder ein paar Hochhäuser. Alles leider durch den braunen Schleier, miese Sicht leider. Wir fuhren durch Huairou durch und folgten dann den Schildern nach Mutianyu. Es wurde tatsächlich immer hügeliger. Ländlicher. Wir kamen an „eingefrorenen“ Wasserfällen vorbei. Bekleidungsfabriken. Obstplantagen. Und allmählich häuften sich Restaurants und Hotels entlang der Strasse. Und dann waren wir am Parkplatz, ein paar Gebäude (die hätten so auch in einem Freizeitpark in Deutschland stehen können) mit Ticketschaltern, Museum – und Restaurants. Und dann auch endlich der erste Blick auf die Mauer. Wow.

Dann ging es mit dem Shuttlebus ein Stück den Berg hoch. Abenteuerlich. Von der Busstation führte ein Weg nach links oben: Kabinenbahn. Und einer nach rechts: Sessellift. Oha, der sah ziemlich alt und klapprig aus, wirkte abenteuerlich, zumal sie kurz bevor wir dran waren gestoppt wurde – und ein Lappen, Stofffetzen oder sowas aus dem „Drehdings“ gefummelt wurde….Okeeee… Waren es 5 oder 10 Minuten bis oben? Keine Ahnung, die Aussicht jedenfalls – trotz immer noch trüber Sicht – war großartig. Trotzdem, leises Auftatmen, als wir oben waren.

Das war dann wirklich ein irres Gefühl: wir sind tatsächlich auf der Großen Mauer! Wir sind dann eine ganze Weile über die Mauer spaziert, mehr oder weniger steil bergauf und bergab, oft mit Treppen mit unterschiedlich hohen Stufen, teils auch abbröckelnd. Immer wieder neue Aussichten, immer wieder Wachtürme.In einem dieser Wachtürme stand ein Besen. Klar, dass Jussi sich den schnappen und fegen musste. Nur kam da eine chinesische Reisegruppe dazu – und die konnten sich nicht wieder einkriegen und haben sich gegenseitig mit Jussi und dem Besen fotografiert, das war bestimmt eine Viertelstunde schallendes Gelächter und fröhliches Gekreische und Geschnatter.

Nachdem die Jungs fanden, sie wären genug „herumgelatscht“ sind wir wieder zurück zum Ausgangspunkt, aber dort nicht mit der Seilbahn, sondern mit einer Sommerrodelbahn heruntergefahren. Allerdings durften wir nicht sofort lostuckern, sondern einer der Mitarbeiter holte erstmal Creme und hat Rasmus‘ von Erkältung und trockener Luft rote und rissige Lippen verarztet – und der liess sich das gefallen, aber wehe, wenn ich mal mit der Creme komme…

Dann ging es los, und was war das für ein Spass! In mehr oder weniger engen Serpentinen den Berg hinunter, über wacklige Holzbrücken, alle paar Kurven saßen Mitarbeiter. Unten angekommen erstmal eine Schrecksekunde – nach mir kam nicht Jussi, sondern erstmal zwei Männer und dann lange nix. Aber dann sah ich ihn, alles wieder gut. Da das Kerlchen wohl zu langsam war, haben ihn Mitarbeiter kurzerhand aus der Bahn gehoben, die schnelleren Männer vorbeigelassen und ihn dann wieder samt Rodeldings reingesetzt.

Da fahren wir auf jeden Fall wieder hin! Nicht nur wegen der Sommerrodelbahn, sondern auch, weil es wohl deutlich weniger überlaufen ist als Badaling.

 

 

 

 

Gestern war ich mit der Patengruppen-Fotogruppe im Red Brick Art Museum. Die Ausstellung, die eigentlich Anlass für den Besuch dort war, war nur leider schon beendet – 10 Tage vor dem offiziellen, überall plakatierten und veröffentlichtem Termin. That’s China. ;)

Da das Internet hier gerade mal wieder nicht so will wie ich das gern hätte, nur einige wenige Bildchen.

 

Vom 1.-3. Oktober ist Chinesischer Nationalfeiertag (die Deutsche Botschaft hat höflichkeitshalber die Deutsche Einheit darum schon letzte Woche begangen), zusätzlich gibt es staatlich verordnete arbeitsfreie Tage, alles zusammen: Goldene Woche. Zum Neujahrsfest gibt es eine weitere Golden Week. Gearbeitet wird vielfach trotzdem: Sehenswürdigkeiten, viele Restaurants und Geschäfte sind geöffnet (und müssen dann einen dreifachen Lohn zahlen). Der Busshuttle des Compounds fährt nicht, hier draußen ein Taxi zu bekommen dauert noch länger als sonst. Trotzdem, Traumwetter gestern: warm, nicht zu heiß und ein frischer Wind, Top-Luftwerte, klare, weite Sicht: Ausflugswetter! Nachdem wir dann tatsächlich doch noch ein Taxi bekommen haben, ging es dann zum Sommerpalast: einmal quer durch Peking – und das bei freier Fahrt! So leer waren die Straßen nicht mal anlässlich der Parade vor ein paar Wochen!

Der Sommerpalast war dann allerdings alles andere als leer… Ein riesiges Gartengelände am Kunming-See, dahinter Berge, wirklich wunderschön gelegen (schon auf der Fahrt vom Highway aus die Sicht genossen). Der See war dank des Windes etwas aufgewühlt: Bootfahren nicht erlaubt. Also spazieren gehen, wobei die Jungs mal wieder kurz vorm Verhungern standen und zielsicher die erste Imbissbude ansteuerten. Jussi hat es richtig gemacht und sich ein paniertes Hühnerbein ausgesucht – Thomas und Rasmus haben sich für den absolut unappetitlichsten Hotdog ever entschieden. Fehler: imitiertes westliches Essen ist meistens bäh, dafür gibt es einfache, chinesische Alternativen, die meist sehr gut sind.

Wir haben uns dann mit den Massen den Weg am See entlang geschoben, sind dann – etwas weniger überlaufen – ein Stück einen Berg hoch, haben dann immerhin ein paar Meter des berühmten Wandelganges geschafft. So richtig viel Lust hatten die drei (!) Jungs nicht, Gebäude haben wir uns gar nicht angeguckt und der große Junge hat zielsicher einen Nebenausgang angesteuert – um dann festzustellen, wir sollten vielleicht doch besser den gleichen Weg wieder zurückgehen… *kicher* War halt auf einmal chinesisch-dörflich… „Hier finden wir nie ein Taxi!“ – „Na und, da vorne fährt der Bus!“ –„Neeeeinnnn!!!“ (ok, beim Busfahren kann man wirklich verloren gehen). Aber da war auch schon wieder der Haupteingang in Sicht, ein Taxi wurde herangewinkt und zur Erholung ging es dann zurück in des Mannes Komfortzone Sanlitun zu Schindlers…

Und wenn wieder Schule ist, werde ich noch mal alleine zum Sommerpalast fahren. Ich hab gestern ungefähr 200 mal gedacht: wie gut, dass ich ohne die drei in Shanghai war. ;)

 

Besuch aus Hamburg war da, da ist ein Mauerausflug natürlich „Pflichtprogramm“. Rasmus musste noch liegen, Justus blieb als Gesellschaft da, Thomas passte auf die beiden auf, so sind wir dann zu viert losgetuckert. Für die Hinfahrt wurde ein Taxi bestellt, zurück „stehen da ausreichend Taxis herum“. Traumhaftes Wetter mit quietschblauem Himmel, passable Luftwerte mit annehmbarer Sicht, Hinfahrt ausgesprochen entspannt, von uns aus ist es auch nur eine Dreiviertelstunde.

Great Wall

Für den Kartenkauf musste man sich zweimal anstellen, an einem Schalter gab es nur Eintritt, Bustickets und Kabinenbahn, für die Abfahrt mit der Sommerrodelbahn ging es an den zweiten Schalter. Mit dem Bus ging es dann ein gutes Stück bergauf, eine kurze Schlange an der Kabinenbahn und dann das erste „wow“ – die Aussicht ist schon toll. Oben angekommen dann wieder dieses unwirkliche Gefühl „wow, wir sind tatsächlich hier!“ Das größte Bauwerk der Welt. Uralt. Historisch und so. ;) Die Mauer ist einfach beeindruckend, selbst als Banause kann man sich dem nicht entziehen! Dazu die schöne Landschaft, es ist wirklich ein netter Spaziergang Richtung Osten zur Sommerrodelbahn (da, wo auch der klapprige Sessellift fährt), überwiegend bergab.

Es war voller als im März, aber von Gedrängel und Geschiebe konnte keine Rede sein, nur an Engpässen bei den Wachtürmen, wo immer nur einer treppauf oder treppab kann, staute es sich manchmal und mit ein bisschen Geduld hatten wir immer wieder auch mal einen Abschnitt ganz für uns. An der Sommerrodelbahn mussten wir ein bisschen warten, aber man hat soviel zu gucken und die Mitarbeiter dort hatten echt Spaß, haben herumgeblödelt, so dass wir auch Spaß hatten. Leiderleiderleider waren vor mir zwei chinesische Mütter mit kleinen Kinder, die im Schneckentempo runtergerutscht sind, also nix mit kleinem Geschwindigkeitsrausch über ‚m Abgrund, dafür ausreichend Zeit, die (relative) Stille und die Aussicht zu genießen. War sicher nicht das letzte Mal!

Taxi?

Als wir dann wieder unten im Tal waren, waren nicht viele Taxis zu sehen. Genaugenommen: keins. Wir sind weiter Richtung Straße gegangen, als mich ein Chinese ansprach. Puh, ein Taxifahrer. Wohoo, mein Chinesisch hat ausgereicht, dass er uns nicht nur nach Huairou zum Bus bringt, sondern nach Hause in Peking und auch den Preis konnte ich halbieren. Es war sonst aber weit uns breit kein anderes Taxi zu sehen, also blieb uns eh nichts anderes übrig. Das Auto war eine Klapperkiste mit zahlreichen Blechschäden, und der Fahrer schien durchaus suizidale Tendenzen zu haben. Immerhin, er fuhr die gleiche Abkürzung an Huairou vorbei, die wir auch im März genommen hatten, bis auf einer schmalen Landstraße nichts mehr ging: Stau.

Rauchen im Nirgendwo

Er bog dann in eine Gasse ein, wo zwischen Auto und Hauswänden gerade noch ein Zentimeter war. Oh nein, in der chinesischen Pampa entführt und ausgesetzt und im Nirgendwo stehengelassen? Nein, er bog noch zweimal um die Kurve, da war die Landstraße wieder und wir hatten sicher 500 m im Stau gutgemacht. Dann zündete er sich erstmal eine Zigarette an und bot uns auch welche an. Eigentlich zähle ich mich ja zur militanten Nichtraucherfraktion, uneigentlich habe ich gelernt, dass es grob unhöflich ist, eine angebotene Zigarette nicht anzunehmen. Um nicht wirklich mitten im Nirgendwo  zu landen, habe ich mich also höflich bedankt und nicht inhaliert… ;)

Inzwischen waren wir an einer Kreuzung (kleine Landstraße und Feldweg…) angekommen, dort wendete gerade ein Reisebus und bog dann in den Feldweg ein. Zahlreiche Chinesen standen dort herum, ich meine verstanden zu haben, dass es weiter vorne einen schlimmen Unfall gegeben habe und die Straßen gesperrt seien. Unser Fahrer fuhr dann ein Stück in den Feldweg und hielt an. Oh nein, er würde uns jetzt nicht doch am Ende der Welt rauslassen? Nein, er wollte nur mehr Geld, weil das nun ein großer Umweg sei. Zähneknirschend stimmte ich zu, aber immerhin, er ließ sich wieder runterhandeln.

Die weitere Fahrt verlief dann ohne weitere besondere Vorkommnisse, außer, dass der Fahrer gerne überholte und überhaupt wohl lieber links fuhr, auch in Kurven, außer dass ich immer wieder mal seine Hand von meinem Knie schubsen musste, dass ich noch zwei weitere Zigaretten paffen musste, dass er mir seine Telefonnummer aufgedrängt hat, falls wir in Mutianyu oder Huairou wieder mal einen Fahrer bräuchten… Die Kinder haben das Abenteuer glücklicherweise größtenteils verschlafen, und Michaela war sicher froh, dass nicht sie vorne saß …  Jedenfalls sind wir erschöpft, aber heil und ganz wieder zuhause angekommen. :)

Die Kinder waren platt, also haben wir am letzten Tag des Besuchs einen Ausflug zu zweit gemacht: erst in den Lamatempel, dann in den Konfuziustempel. Der Lamatempel ist beeindruckend, auch wenn Touristen gegenüber den Mönchen klar in der Überzahl sind. Aber der Geruch nach Räucherstäbchen, betende und sich in alle Himmelsrichtungen verbeugendende Menschen – das ist schon eine besondere Athmosphäre.

Vom Lamatempel sind es nur ein paar Schritte zum Konfuziustempel. Dieser hat eher musealen Charakter, ist nicht so prächtig, aber nicht weniger interessant. Ruhiger und weniger voll, auch wenn chinesische Reisegruppen lautstark von ihren Reiseführern im Rudel durchgescheucht werden, das hab ich im Lamatempel so nicht gesehen (dort gibt es aber auch Audioguides zum Leihen).

Ich glaube, bei strahlendendem Sonnenschein, tiefblauem Himmel und guten Luftwerten war das für Michaela noch mal ein schöner Abschluss. :)

 

Peking bietet unzählige Restaurants, für jeden Geschmack und Geldbeutel ist etwas dabei: alle nur denkbaren chinesischen Regional- und Spezialitätenküchen, internationale Restaurants, alle möglichen Fastfoodketten… Verhungern muss hier wirklich niemand. ;) Aber besonders interessant für uns sind dann doch immer wieder die exotischen Dinge, die es in Deutschland (so) nicht gibt, und die man dann doch nicht unbedingt probieren möchte (von den kandierten Obstspiessen mal abgesehen)… Angucken macht wirklich Spass! Aber seht selbst:

Letzte Woche war ich mit der Fotogruppe im NCPA. NCP-was? National Centre for the Performing Arts: ein riesiges Gebäude, in dem sich Opernhaus, Theater, Konzertsaal und „Multifunktionstheater“ sowie Cafés und Ausstellungsräume befinden. Mitten in Peking, unweit der Verbotenen Stadt gelegen.

Mir gefällt das Ei! Zunächst haben wir es umrundet, zusätzliches Augenfutter gab es durch die Fensterputzer, die sich ringsherum abseilten. Guckt man von der Längsseite, erkennt man durch die Spiegelung im Wasser das Yin und Yang Symbol. Insgesamt ist es ein sehr ruhiger Ort, trotz der zahlreichen Spaziergänger.

Für 30 RMB kann man das Gebäude auch von innen besichtigen. Der Eingangsbereich befindet sich tiefergelegt, unterhalb der Halle, unter der Wasserfläche. Je nach Blickwinkel, und abhängig von Sonne und Wolken schimmert das Licht und die Stahlkonstruktion und sieht das Wasser mal eher blau, mal grün aus.

Faszinierend auch, wie sich auch im Inneren das Oval als Motiv immer wieder findet, beispielsweise die Form eines Cafés oder die Anlage der Rolltreppen. Da es relativ leer war, wirkte das Gebäude vermutlich noch überwältigender als wenn dort viele Menschen gewesen wären. Aber das würde ich auch gerne mal erleben, dort möchte ich mir gern eine klassische Oper ansehen, die ausgestellten Kostüme und Bühnenbildelemente versprechen nichts vornehm reduziertes, sondern gewaltige Bilder. ;)

Ich bin mal gespannt, wie die Elbphilharmonie im Vergleich zu diesem wirklich spektakulären Bau sein wird. Lage und Blick dürfte Hamburg allerdings klar die Nase vorn haben!

 

Wir haben Besuch und sind am Sonntag zusammen in den Art District 798 gefahren. Da gefällt es mir immer wieder gut. Nicht nur wegen der vielen wechselnden Ausstellungen entdecke ich jedesmal etwas Neues. Am Sonntag kam noch das wunderbare Frühlingswetter und halbwegs brauchbare Luft dazu, und wir haben uns stundenlang da durchtreiben lassen. 

Auch Yoko Onos „Golden Ladders“ haben wir uns angesehen, gleich hinter dem Goethe-Institut in der Faurschou Foundation Gallery. Zusammenfassung: 3 Räume: Wassergläser, Bäumchen, Leitern, Treppe. Mit tiefsinniger Bedeutung. ;) Ich fürchte, ich bin und bleibe Banause. Aber hey, wie cool: ich habe eine Yoko-Ono-Ausstellung gesehen! :D Wer auch noch möchte: läuft noch bis zum 3. Juli 2016.

Als nächstes möchte ich nun noch herausfinden, wie lange die „Of Sharks And Humanity“-Ausstellung noch läuft…

 

Mitten in Peking liegen zwei wunderschöne Parks mit großartigen Aussichten: der Beihai-Park und der Jingshan-Park – beide gleich gegenüber bzw. schräg gegenüber auf der Nordseite der Verbotenen Stadt. Mein ältester Sohn ist gerade zu Besuch, und zusammen nutzen wir das schöne Winterwetter, um uns beide Parks anzusehen. Zuerst wollen auf den Kohlehügel im Jingshan-Park steigen und die Aussicht auf die Verbotenen Stadt genießen, anschließend wollen wir in den Beihai-Park gehen.

Jingshan-Park und Kohlehügel

Wir betreten den Park durch den Osteingang und gehen zielstrebig Richtung Kohlehügel. Stellenweise liegen noch Schneereste, die sind von dem in Peking seltenen Schneefall vor zwei Wochen noch übrig geblieben. Es zieht uns direkt ganz nach oben zum Wanchun Pavillon. Hier hat man einen tollen Überblick über die Verbotene Stadt.

Verbotene Stadt bei schönem Winterwetter vom Kohlehügel aus

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Aber auch in alle übrigen Himmelsrichtungen hat man eine großartige Sicht. Nach Westen zum Central Business District:

Pekings CBD vom Kohlehügel aus gesehen.

Blick auf Pekings CBD vom Kohlehügel aus

Nach Norden blickt man entlang der Nord-Süd-Achse Pekings, sieht den Trommelturm (der den dahinterliegenden Glockenturm verdeckt) und weiter im Norden das Olympiagelände. Auch eine Ecke vom Vogelnest kann man sehen.

Blick nach Norden vom Kohlehügel: Trommelturm und Olympiagelände

Blick nach Norden vom Kohlehügel: Trommelturm und Olympiagelände

Schaut man nach Westen, sieht man in der Nähe die Weiße Pagode im Beihai-Park und in der Ferne die Westberge.

Blick nach Westen vom Kohlehügel aus: Weiße Pagode und Westberge im Dunst

Blick nach Westen vom Kohlehügel aus: Weiße Pagode und Westberge im Dunst

Nachdem wir uns – vorläufig – sattgesehen haben, laufen wir erst eine Treppe runter und landen am Haupteingang des Jingshan-Parks, gehen dann weiter zum Westausgang. Hier fallen zahlreiche Kakibäume ins Auge, an denen noch viele Früchte hängen.

Beihai-Park, Jadeblumeninsel, White Dagoba und Yong’an-Tempel

Den Beihai-Park betreten wir durch den Osteingang. Hier befindet sich auch direkt eine der Brücken auf die Jadeblumeninsel, auf der ganz oben auf dem Hügel die Weiße Pagode steht. 

Auch wenn man am Horiziont schon wieder Smog heranrollen sieht, beim Blick nach oben ist der Himmelt leuchtend blau – da sieht die Pagode nochmal so schön aus.

Weiße Pagode, blauer Himmel

Weiße Pagode, blauer Himmel

In die Pagode kann man nicht hinein, aber man kann sie umrunden und hat auch hier wieder tolle Blicke in alle vier Himmelsrichtungen.

Blick von der Jadeblumeninsel: Wanchun Pavillon im Jingshan Park, dahinter das höchste Gebäude Pekings, der Zhongguo Zun

Blick von der Jadeblumeninsel: Wanchun Pavillon im Jingshan Park, dahinter das höchste Gebäude Pekings, der Zhongguo Zun

Schließlich steigen wir eine steile Treppe hinunter zum Yong’an-Tempel, in dem sich ein paar Buddhas vergnügen…

Buddha-Darstellung im Yong’an-Tempel

Buddha-Darstellung im Yong’an-Tempel

Mit einem Blick zurück auf die Jadeblumeninsel verlassen wir schließlich den Park.

Blick auf die Jadeblumeninsel und die Weiße Pagode

Blick auf die Jadeblumeninsel und die Weiße Pagode

Fotos

 

 

 

Eigentlich wollte ich heute mit der Fotogruppe in den Lamatempel, vor allem Bilder mit Rauch wollten wir schießen. Uneigentlich klebte dieses Schild am verschlossenen Tor:

Schild an der Pforte des Lamatempels.

Temporär für die Außenwelt geschlossen.

Das ist etwas, was einem in China grundsätzlich immer und überall passieren kann, und jetzt zu Corona-Zeiten erst Recht. Trotzdem ärgerlich, zumal bei dem trüben Wetter sicher schöne, düster-dramatische Tempel-Bilder hätten entstehen können.

Zum Glück gibt es für Fotospaziergänge ja einiges in der Ecke, besonders naheliegend war der Konfuziustempel. Schon von weitem sehe ich: er ist geöffnet. Das teile ich den anderen auch per WeChat mit, parke meinen Scooter und gehe zum Eingang. Dort stellt sich dann leider raus, dass ich für einen Besuch heute spätestens gestern online ein Ticket hätte lösen müssen. Ich könnte ja morgen wiederkommen. Nee, ich brauche ja jetzt ein Alternativprogramm. 

Durch die Hutongs oder in den Ditanpark? Wir einigen uns auf den Park. Hier klappt alles problemlos: Tickets per WeChat-Pay am Schalter kaufen (2 RMB pro Person), Health App am Eingang vorzeigen, Temperatur scannen lassen und rein. Neuerdings könnte man den Eintritt auch einfach mit der Metro-Karte bezahlen, sehr praktisch.

Nach nur wenigen Schritten im Park treffen wir auch schon die erste Tanzgruppe.

Es ist kalt und trüb heute, Luft auch nicht besonders. Trotzdem ist ein bisschen was los.

Die Tauben gehören auch zum Park, irgendjemand füttert immer.

Und manche scheuchen auch.

Um sich selbst mit einem Buch hinzusetzen, ist es viel zu kalt. In ein paar Wochen dann wieder.

In dem kleinen „Wäldchen“  stehen vereinzelt ein paar Männer und trainieren für sich allein: TaiChi oder mit einem langen Speer. Ein bisschen weiter sitzt ein Mann im Pavillon und musiziert.

Zu gucken gibt es an jeder Ecke etwas.

Hinten im Garten wird gesungen. Der große Chor ist nicht da, dafür stehen zwei kleine Grüppchen nicht weit voneinander entfernt. Die einen mit Keyboard und stimmgewaltigem Tenor, der zwischendrin auch mal sehr klare Ansagen macht, die anderen gehen familiärer miteinander um.

Diese Brücke hat es mir ja angetan.

Wir gehen weiter in Richtung Square Water Altar. Der Erdaltar ist lange nicht so beeindruckend wie am gegenüberliegenden Ende der Stadt der Himmelsaltar, die große freie Fläche hat aber etwas – so wie auch die Details auf den Mauern. Für diesen Bereich muss man noch einmal extra Eintritt zahlen – 5 RMB, hier steht kein Metro-Karten-Scanner.

Hier ist auch ein ruhiges Fleckchen, um Gymnastik zu machen.

Und noch einmal innehalten, bevor die Damen weitergehen.

Hier sieht man die Mauern und „Star Gates“, die Altar und Park voneinander abgrenzen.

Hinten vor der Halle stehen links und rechts vom Tor zwei Magnolien.

Allmählich ist uns allen kalt, wir drehen um und gehen zurück zum Ausgang. Dabei kommen wir nochmal an Taubenfütterern vorbei.

Keine Berührungsängste…

Auch wenn das mal wieder anders als geplant war, war es ein schöner Spaziergang.

Ich bin jetzt nur gespannt, ob der Park in den nächsten Tagen wie sonst um diese Zeit fürs Neujahrsfest geschmückt wird – oder ob das wie die Temple Fair den Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen zum Opfer fällt.

Nachdem einigen sehr grauen Tagen lockte letzte Woche blauer Himmel, gute Luft und Sonnenschein. Nach dem ich krankheitsbedingt ewig zuhause gehockt habe und entsprechend budenkollerig war, hab ich alle Planungen für den Tag über den Haufen geworfen und bin stattdessen nach Badachu gefahren. Badachu ist ein Park in Pekings Westbergen, wenn man aus der Stadt kommt am Sommerpalast und den Duftbergen vorbei. Also schon weit draußen, aber noch in Didi-Reichweite und mit mit einer Bushaltestelle direkt vor dem Eingangsbereich. Badachu heißt soviel wie „acht große Plätze“, und so finden sich hier acht Tempel. Für buntes Herbstlaub war ich zu spät dran (Danke, Grippe…), trotzdem war es nicht winterlich trostlos.

Der Eingangsbereich ist recht weitläufig, mit Laternen geschmückt (das waren auch schon die Zufahrtsstraßen in dem Stadtviertel). Es gibt eine kleine Ladenzeile mit Souvenirs und Imbissbuden. Ein Stück weiter stehen die Maskottchen der Olympischen Winterspiele. Ein paar empfindlichere Pflanzen sind schon warm verpackt. Und es wird gebaut, neue Rohre werden verlegt.

Viele Besucher sind nicht da, und die wenigen verteilen sich auch schon nach wenigen Metern.

Mit der Seilbahn bergauf

Ich liebe Seilbahnen, bin direkt darauf zugesteuert und habe mich bequem nach oben tragen lassen. Je weiter es hinauf ging, umso windiger und kälter wurde es.

Oben war ich erstmal geflasht von der Aussicht auf die Stadt – die Fernsicht war wirklich gut!

Badachu – Blick auf Beijings CBD

Nun habe ich mir den Baozhu Tempel und die dahinter gelegene (klitzekleine) Höhle angesehen. Das war sehr hübsch angeleuchtet, aber da hier auch ein Buddha ist, ist das Fotografieren verboten.

Ich wollte dann weiter oben entlang laufen, aber ich stand plötzlich vor einem Tor und hätte das Parkgelände verlassen müssen. Wer weiß, wo ich dann gelandet wäre, ich wollte doch noch mehr sehen.  Weil ich über so ein wahnsinnig gutes Orientierungsvermögen verfüge (nicht), habe ich den Weg nach unten nicht gefunden. Aber ich stand plötzlich vor der Sommerrodelbahn. Es war nichts los, also konnte ich anders als in Mutianyu mal richtig Gas geben – hat wirklich großen Spaß gemacht.

Typisch China? Tempel, Treppen, Schilder.

Unten angekommen, bin ich dann den Wegweisern gefolgt, und habe mir Tempel angesehen. Dann ging es ein Stück den Hang weiter hinauf, nächster Tempel. Wieder ein Stück bergauf und nächster Tempel. Typisch China: viele Stufen und Treppen.

Oh, und auch typisch für China: Schilder, Schilder, Schilder!

Tiefkühlfisch

Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem auch das „Kloster der Drachenquelle“ – ich hatte den Eindruck, dass die Goldfische nicht schockgefrostet, sondern so langsam eingefroren werden… Haben sich kaum mehr bewegt und wenn dann nur in Zeitlupe. Eingefrorene Goldfische habe ich ja auch schon am Konfuziustempel gesehen…

Badachu-Goldfische

(Ein-)frierende Goldfische?

Nochmal, nochmal, nochmal

Eigentlich wollte ich es nicht übertreiben nach der Grippe – aber das Wetter so schön, der Himmel so blau, die Luft so gut. Warm genug eingepackt war ich auch, und als dann ein Schild in Sicht kam, nur noch 600 Meter bis zur Sommerrodelbahn – tja, wer geht da schon zu Fuß wieder runter? So habe ich mir dann ein zweites Mal den Spaß gegönnt, den Berg herunterzusausen – und zwischendrin tatsächlich auf den Auslöser drücken können…

Sommerrodelbahn in Badachu - Blick ins Tal

Blick ins Tal

Fotos

Info

Hinkommen

Entweder mit dem Taxi/Didi („Beijing Xishan Badachu Cableway Down Station – Entrance“)  oder mit der Metro Linie 1 bis Pingguoyuan, Exit D und weiter mit dem Bus 972 bis Badachu.

Eintritt

Scenic Area/Badachu Park: 10 RMB
Seilbahn oneway: 50 RMB
Sommerrodelbahn: 60 RMB
Kombiticket Seilbahn/Sommerrodelbahn: 100 RMB

Öffnungszeiten:

16. März – 31. August: 6-19:30 Uhr (letzter Einlass 18:30 Uhr)
1. September – 15. November: 6-19 Uhr (letzter Einlass 18 Uhr)
16. November – 15. März: 6-18:30 Uhr (letzter Einlass 17:30 Uhr)

 

Ich bin in den letzten Jahren beim Stöbern, was ich mir in Peking wohl noch anschauen könnte, immer wieder über den Fünf-Pagoden-Tempel gestolpert. Heute war es dann endlich soweit: ich habe für die Fotogruppe vor Ort nachgeschaut, ob der Tempel derzeit geöffnet ist (meine vergeblichen Versuche, mich mit Prinz Gong zu treffen haben ihre Spuren hinterlassen). Auch Bauarbeiten, Verpackungensaktionen usw. wären für einen Fotogruppen-Ausflug hinderlich.

Wuta Si? Zhengjue Tempel?

Man findet den Ort heute unter verschiedenen Namen, was sich durch die Geschichte erklärt: Der Zhengjue Tempel („Temple of the Great Righteous Awakening“) war ein buddhistischer Tempel aus der Ming-Dynastie, 1473 erbaut. Zerstört wurde er 1860 während des Zweiten Opium-Krieges und 1900 während des Boxer-Aufstands. Übrig blieb nur die steinerne Pagode in der Mitte: Die Diamantthronpagode.

Das sah so aus: Historisches Foto von/vor 1902.

(Quelle: wikipedia – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wu-ta-sze._%E2%80%9ETempel_der_5_Pagoden_westlich_von_Peking.jpg)

Wuta Si bedeutet übersetzt: Fünf Pagoden Tempel. 

Heute befindet sich rund um die Diamantthronpagode Pekings Steinmetzmuseum: Beijing Stone Carvings Art Museum.

Leicht zu finden

Ich bin bequem mit einem Didi zum Tempel gefahren. Das vorletzte Stück geht es erst durch einen Hutong, indem gerade gebaut wird, und ich habe schon gefürchtet, dass das auch den Tempel betrifft. Das letzte Stück geht es aber dann aber idyllisch unter Weiden am Nanchang River entlang. An einer Fußgängerbrücke steige ich aus. Auf der anderen Seite ist der Nordeingang des Zoos, auf meiner Seite ist der Museumseingang. Auch hier denke ich wieder, oh nein, Bauarbeiten – aber es sind zum Glück nur Baumpflegearbeiten. Das wird bis zum Fotogruppenausflug abgeschlossen sein.

Ich zahle, passiere den Sicherheitscheck und steuere dann direkt auf die Diamantthronpagode zu.

 

Wow! Ja, es ist halt doch ein Unterschied, ob man so etwas auf Bildern oder tatsächlich sieht!

In der Pagode selbst ist Fotografieren verboten, bis auf zwei Buddhas gibt es auch nur Infotafeln und wenig vom Gebäude selbst zu sehen. Die Türme kann man nicht erklimmen. Ich spaziere über das Gelände, blicke in die Ausstellungshallen – ja, hier gibt es mehr als genug tolle Motive für die Fotogruppe. Die Bedingungen heute sind perfekt, ich habe gerade richtig Glück mit dem Wetter: blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, gute Luft und gute Sicht. 

Ich freue mich jedenfalls, nächsten Monat wieder hierherzukommen, dann auch mit Weitwinkel- und Teleobjektiv im Rucksack.

Fotos

Info

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Wuta Si

Der Fünf-Pagoden-Tempel in Peking (Pin)

 

Nachdem wir neulich eine Gemüsefarm besichtigen konnten, waren wir am Wochenende wieder mit unseren chinesischen Bekannten unterwegs, diesmal um Pfirsiche in Pinggu anzusehen.

Über Pinggu und Pfirsiche

Pinggu ist der nordöstlichste Bezirk Pekings. Der Ort Pinggu hat gut 300.000 Einwohner, ist nach chinesischen Maßstäben also ein Dorf. Der Distrikt Pinggu ist größer als ganz Berlin, insgesamt leben hier ca. 440.000 Menschen. Hier befindet sich nicht nur Shilinxia mit dem Flying Saucer, viel berühmter ist Pinggu dafür, dass sich hier das größte Pfirsichanbaugebiet der Welt befindet. Überhaupt: Mit Abstand die meisten Pfirsiche weltweit wachsen in China.

Mir wird erklärt, dass in der Nähe der Farm, die wir besuchen werden, ein erloschener Vulkan liegt. Die Pfirsiche hier in den Bergen seien besonders süß. Das liege an der Höhe, dem Unterschied von Tag- und Nachttemperaturen und dem vulkanischen Gestein. Aufgrund der Lage hier reifen die Pfirsiche relativ spät.

Eine andere Welt

Wir fahren über den Jingping Expressway aus Peking raus. In Pinggu geht es auf immer schmaler werdenden Landstraßen weiter, durch kleine wuselige Dörfer. Wir sind gerade eineinhalb Stunden unterwegs und doch in einer ganz anderen Welt. Überall an den Straßen werden Früchte verkauft, was mich ein bisschen an die Apfelbauern im Alten Land erinnert. Dann wird es hügeliger und wir erreichen die Berge. Wir biegen ab und halten am Ortseingang von Suziyucun, stellen das Auto im Schatten ab und werden von der Farmerin begrüßt. 

Pfirsich-Farmerin

Die Farmerin

Bevor ich Interesse für die Pfirsiche aufbringen kann, muss ich erstmal die Aussicht genießen. Das dichte Grün, ringsum Berge – das ist wirklich schön. Es ist allerdings auch wieder sehr heiß und extrem schwül. Jetzt folgen wir der Farmerin in den Pfirsichhain. Zuerst kommen wir allerdings an Walnuss- und Birnbäumen vorbei. 

Pfirsichhain oder Pfirsichdschungel?

Wir verlassen den Hauptweg und landen auf einem schmalen feuchten Pfad. Der Lärm der Zikaden ist ohrenbetäubend. Ich gucke sehr genau, wo ich hintrete, denn ich hab keine Lust, über Schlangen oder ähnliches Gewürm zu stolpern. Es fühlt sich nicht wie ein Pfirsichhain, viel mehr wie ein Pfirsichdschungel an.

Pfirsichhain bei Peking

Pfirischhain oder -dschungel?

 

Wir stromern kreuz und quer zwischen den Pfirsichbäumen herum. Es gibt Plattpfirsiche und runde Pfirsiche, gelbe,  weiße und rote. 

An vielen Bäumen sind Papiertüten über die Früchte gestülpt: Das ist eine Auflage der Behörden, damit die Pfirsiche vor Pestiziden geschützt werden. Ganz ohne zu Sprühen gehe es nicht, denn die Pfirsiche seien sehr krankheitsanfällig.

Mit Papiertüten geschütze Pfirsiche am Baum

 

Kurz vor der Ernte werden die Papiertüten abgestreift (und liegen dann auf dem Boden herum, wo sie mit der Zeit aufweichen). Künstlicher Dünger ist verboten – es riecht aber intensiv nach Stall…

Beijing’s most beautiful village

Nachdem wir uns von Moskitos aus dem Pfirsichhain haben vertreiben lassen und uns von der Farmerin verabschiedet haben, spazieren wir noch durch das Dorf. Gleich am Ortseingang fallen Unmengen von Ziegelsteinen ins Auge: hier wird gebaut. Ein großes Holzschild verkündet, dass Suziyu „Beijing’s most beautiful village“ sei. Ob das so ist? Schön gelegen ist es alle mal. Es gibt ein Regierungsprogramm, durch das die Dörfer rings um Peking renoviert, restauriert und aufgewertet werden sollen. Zum Einen soll damit der Tourismus/Naherholung/Kurzurlaub gefördert werden, dadurch kann zum Anderen das Einkommen der Dorfbewohner steigen. Und mit der Winterolympiade 2022 hat es wohl auch zu tun.

Wir schlendern durchs Dorf. Plötzlich ohrenbetäubender Lärm: eine Lautsprecherdurchsage. Wahnsinn, das muss eine super leistungsfähige Anlage sein. Inhalt der Mitteilung war, dass man jetzt neue Kisten für die Pfirsiche im Zentrum abholen könnte. Ein paar Minuten später kamen uns dann auch lauter TukTuks entgegen.

Affen und Pfirsiche?

Überall unterwegs sehen wir Plastiken übergroßer Pfirsiche, vor denen ein Affe steht oder sitzt. Auch hier in Suziyu findet sich so eine Figur. Was es damit auf sich hat? In einem der vier klassischen chinesischen Romane „Die Reise in den Westen“ probiert der Affenkönig Sun Wukong im Garten der (daoistischen) Göttin Xiwangmu von einem Pfirsich und wird dadurch unsterblich.

 

Oh, Kinder aufgepasst: Euer Spiel Dragon Ball basiert lose auf Sun Wukongs (japanisch: Son Goku) Abenteuern!

Wir schließen den Ausflug mit einem Essen in einem urigen chinesischen Ausflugslokal an einem Stausee ab, bevor wir uns auf den Rückweg nach Peking machen. Der Tag im Grünen hat jedenfalls richtig gut getan – und unser kleiner Vorrat von frischen Pfirsichen ist auch schon fast aufgefuttert.

Fotos

 

 

 

 

Update 2021

Ich habe das Forum wieder eingestampft.

 

ombidombi goes Forum: Ich habe ein Peking-Forum eingerichtet!

Seit fünf Jahren blogge ich auf ombidombi.de über unsere Entscheidung nach Peking zu ziehen und über unser Leben hier. Seit Langem erreichen mich regelmäßig Mails, oft mit genau den gleichen Fragen, die ich mir damals auch gestellt hab. Fragen, die sich wohl so oder ähnlich fast jeder stellen wird, der vor der Entscheidung „Peking oder nicht“ steht. Ob die Übersiedlung kurz bevor steht oder man ist neu in Peking: da sind ganz viele Fragen – und oft hat man noch keine Kontakte, kennt die neuen Nachbarn noch nicht.

Sicher gibt es inzwischen einige Angebote, Blogs, Gruppen in sozialen Netzwerken etc. – aber die muss man erstmal finden und zusammentragen. Und die Gruppen auf Facebook z.B. haben einen klaren Nachteil, denn sie sind unübersichtlich, der Facebook-Algorithmus – und damit was man zu Gesicht kriegt und was nicht – ist und bleibt ein Mysterium (und dann mal davon abgesehen, dass FB von China aus eh ein funktionierendes VPN voraussetzt).

Ich hätte damals gerne ein Forum gehabt – und auch heute noch. In Peking ändert sich alles so schnell (das einzige Konstante hier ist der ständige Wechsel, um mich mal selbst zu zitieren). Da es bis jetzt kein passendes Forum gibt, habe ich nun selbst ein ein Forum eingerichtet.

Informationen und gegenseitige Unterstützung für Deutsche in Peking 

Meine Idee ist deshalb, mit diesem Forum eine Anlaufstelle im Netz zu schaffen, die offen für alle Interessierten ist, altersunabhängig, nicht auf bestimmte Arbeitgeber beschränkt. Es soll übersichtlich und gut durchsuchbar sein. Sowohl als Peking-Neuling als auch als „Alteingesessene“ soll man Informationen und Austausch finden können.

Ich merke ja schon nach dem Umzug von einem Stadtteil in den anderen, wie unterschiedlich die Infrastruktur und die Nahversorgung ist. Hier tun sich also immer neue Fragen auf.

Beim Bloggen sind es nur meine persönlichen Erfahrungen – in einem Forum lassen sich die Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven von vielen zusammentragen, mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.

Auch für China- und Peking-Reisende interessant 

Die Unterforen für Sightseeing in Peking und China sind mit Sicherheit auch für Reisende, nicht nur für in Peking Lebende, interessant. Hier werden sich mit der Zeit bestimmt viele Tipps rund um Peking und China finden, die es so nicht in den gängigen Reiseführern gibt – und wie man Peking und China auch abseits der Touristenpfade erkunden kann.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie dieses Peking-Forum angenommen werden wird!

Noch steht das Forum ganz am Anfang, gerade ein paar Stunden alt. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit mit Leben füllen: mit Mitgliedern und Beiträgen. Es ist ein Experiment, denn ein Forum lebt vom Mitmachen. Da es viel einfacher ist, ein paar Zeilen in einem Forum zu schreiben als ein eigenes Blog zu betreiben, hoffe ich, dass sich der eine oder die andere angesprochen fühlt!

Das Peking-Forum braucht vermutlich ein bisschen Anlaufzeit. In einem Jahr will ich ein vorläufiges Fazit ziehen.

In den ereignisreichen letzten Wochen habe ich noch gar keine Zeit gefunden, von der Beijing International Garden Expo 2019 – der Weltgartenausstellung – zu erzählen. Unter dem Motto „Live Green, Live Better“ gibt es noch bis zum 7. Oktober 2019 Beiträge von 120 Ländern und 120 NGOs zu besichtigen.

Der Ausflug wurde von der Patengruppe organisiert. Wie immer alles gut geplant und für mich angenehm: ich muss mich nicht um Route und Transport kümmern – entspannter geht es nicht. So gerne ich sonst auch alleine unterwegs bin, manchmal weiß ich solche Annehmlichkeiten doch zu schätzen.

Lange Anfahrt

Bei herrlichem Wetter und guter Luft starteten wir morgens um 9 Uhr an der Schule und waren etwa zwei Stunden später in Yanqing bei der Expo. Ein gutes Stück des Weges sieht man von der Autobahn aus immer wieder die Mauer, dort ist der Badaling-Abschnitt – wo ich tatsächlich bisher noch nicht gewesen bin, weil so viele immer davon abraten (zu touristisch!). Das sah an dem Tag aber gar nicht so aus – noch in diesen Sommerferien möchte ich dahin. 

Am Expogelände war ich schon am Busparkplatz überwältigt von der der Größe und der Weitläufigkeit – und den Bus-, Auto- und Menschenmassen, die sich aber gut verteilt haben. Zeit und Treffpunkt für die Rückfahrt wurden ausgemacht, und dann zerstreute sich die Gruppe. Schwierige Entscheidung: Wohin zuerst?

Mast mit vielen Schildern auf dem Gelände der Pekinger Gartenbauaustellung

Wohin zuerst?

 

Die vielen verschiedenen Gärten Chinas

Ich habe mir zuerst Chinesische Gärten angesehen. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel, so dass dort relativ wenig los war. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil, auch wenn sich manches ähnelt und es wiederkehrende Elemente gibt (Mondtore oder große Steine zum Beispiel). Der Garten aus einer Wüstenregion sieht natürlich anders aus als der der tropischen Insel Hainan. 

Blauer Seestern - Deko im Hainan-Garten auf der Pekinger GardenExpo

Deko im Hainan-Garten

Die internationalen Pavillons

Etwas später traf ich am Deutschen Pavillon eine chinesische Bekannte, mit der ich dann den Rest der Zeit zusammen unterwegs war. Den Deutschen Pavillon fand ich enttäuschend, weil er auf mich irgendwie am Thema vorbei wirkte. Direkt am Eingang erst mit einem überlebensgroßen Bild von Julia Klöckner, dann mit Kohlebergbau konfrontiert, anschließend ein paar Fotos von der Renaturierung des Todesstreifens an der Zonengrenze. In der Mitte eine angebliche Stadtoase – ein ziemlich scheußlicher (Stein-)Garten mit viel Kies. Und das, wo es in Deutschland wirklich wunderschöne Gärten gibt. Ganz witzig allerdings: eine Schrebergartenlaube. Auf der Webseite des Deutschen Pavillons liest sich das alles durchdacht und nett, vor Ort fand ich es eher enttäuschend, das wird aber dem ersten Eindruck geschuldet sein.

Schild des Deutschen Pavilons auf der Pekinger Garden Expo

Schild des Deutschen Pavillons

Statt im überfüllten Deutschen Restaurant haben wir dann lieber leckere Shaanxi-Nudeln gegessen, bevor wir uns dann weiter von Pavillon zu Pavillon treiben ließen. Besonders angezogen – und dann auch gefallen – hat uns der Pavillon Qatars.

Qatars Pavillon auf der Garden Expo in Peking

Qatars Pavillon

 

Das Gebäude von einem künstlichen Baum gestützt und getragen, insgesamt eine stimmige Mischung aus Hightech und Tradition (im Inneren waren Marktstände nachgebildet) und auf dem Dach schließlich noch ein großartiger Rundumblick. Doha/Qatar ist übrigens Gastgeber der nächsten Garden Expo 2021.

Mut zur Lücke

Den chinesischen und den internationalen Pavillon habe ich weggelassen – bei beidem war mir die Schlange zu lang, damit wäre die Hälfte des Aufenthalts mit Wartezeit vertan gewesen. Das Gebäude mit den riesigen Sonnenschirm-Blumen war aber auch so ein Hingucker.

Riesige weiße Dekoblumen beim Internationalen Pavillon auf der Pekinger Garden Expo

Schattenspender

 

Im Gedächtnis geblieben ist mir auch der Japanische Pavillon. Draußen Kois und ein Katzenwels Fisch mit Katzenkopf, drinnen alles sehr zurückgenommen. Auch wenn man wie ich sonst gerne üppige Blühendes und Grünendes mag, dieses reduzierte hat doch eine ganz eigene Ästhetik.

Dann war auch schon die Zeit für den Rückweg gekommen. Zum Glück gab es am Treffpunkt Restaurants, so dass wir uns Eiskaffee gönnen konnten – das war bei der Hitze tatsächlich ein unerwarteter Genuss. 

Fotos

Weitere Informationen

Weitere Informationen finden sich auf der offiziellen Webseite der Weltgartenausstellung. Hier finden sich auch Informationen, wie man zur Ausstellung hinkommt. Werktags zahlt man regulär 120 RMB Eintritt.

Viele Fakten liefert dieser informative Artikel von China Heute.

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Gestern habe ich zusammen mit der Fotogruppe einen für mich neuen Park entdeckt: den YuYuanTan Park, in Peking auch als Jade Lake Park bekannt. Der Park liegt westlich der Verbotenen Stadt im Haidian District, quasi im Schatten des Fernsehturms. Da gestern Luft und Sicht nicht wirklich berauschend waren, haben wir darauf verzichtet, auf die Aussichtsplattform des Turms zu gehen.

Pekings Fernsehturm

Pekings Fernsehturm

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Der Park ist natürlich nicht neu, zurück geht er auf Kaiser Qianlong, der den See 1773 anlegen ließ. Bis in die 1960er Jahre war der See aber trocken gefallen. Erst dann wurde der Park, so wie er heute ist, neu angelegt.

Wir treffen uns am Westeingang. Was ich völlig verdrängt hatte: sobald es in den Parks blüht, zieht es riesige Menschenmassen dorthin. Na klar, dieser Park gilt als einer der besten Orte, um in Peking die Kirschblüte zu sehen. So ist es nun auch vor den Ticketschaltern gut voll. Viele Gruppen sammeln sich hier, private und offiziellere, Schulklassen und Betriebsausflüge.

Von hier aus kann man dern Stern oben an der Spitze des Militärmuseums sehen und die Sonnenuhr des China Millenium Monuments.

Militärmusum und die Spitze der Sonnenuhr des Millennium-Monuments

Militärmusum und die Spitze der Sonnenuhr des Millennium-Monuments

Es gibt mehrere Bootsverleihe, wo man Tretboote und Elektroboote ausleihen kann (pro Stunde 150 RMB für 4 Personen plus Pfand). Und für 15 RMB pro Person kann man anstatt am See entlang zu laufen das Pendelboot nehmen, das vom Westgate bis zur Brücke in der Mitte fährt.

Pendelboot auf dem See im Yuyuantan-Park in Peking

Pendelboot

Parkleben

Wir laufen aber erst einmal am See entlang. Außer den „Blütenguckern“ hat auch das normale Parkleben hier seinen Platz. Zum Beispiel wird hier mit bunten Bändern getanzt.

Dancing Ayis mit bunten Bändern im Yuyuantan-Park in Peking

Dancing Ayis mit bunten Bändern

Was ich ziemlich großartig finde: es gibt einen fest installierten Garderobenständer!

Garderobenständer im Park

An alles gedacht: Garderobenständer im Park

Viele sind es nicht, aber wenn man guckt, findet man da und dort doch auch ein ruhigeres Plätzchen.

Ein Mann sitzt am See im Yuyuantan-Park in Peking

Ein ruhiger Platz

Wir bummeln weiter durch den Park. Es gibt noch weitere Tanzgruppen. Überall, wo etwas blüht, wird posiert und fotografiert. Nicht nur eine Dame hat sich farblich passend zu den rosa Blüten gekleidet! 

Blüte

Ein Chor!

Es wird nicht nur getanzt, sondern auch gesungen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees steht eine große Gruppe Menschen am Ufer und singt. Das Lied wird übers Wasser zu unserer Seite hinübergetragen, überall gut gelaunte Menschen, die so sichtlich den Frühling genießen – ich hab Gänsehaut, so schön ist das.

Ein Chor am See im Yuyuantan-Park in Peking

Hier wird gesungen.

Schließlich überqueren wir die Brücke in der Mitte des Parks. Ich muss dabei ja ein bisschen an die Außenalster (in klein) und die Krugkoppelbrücke in Hamburg denken …

Bogenbrücke im Yuyuantan-Park

Brücke in der Mitte von Park und See

Als wir am anderen Ufer ankommen, ist die chinesische Mittagszeit schon fast vorbei, der Chor hat sich verlaufen. Nur ein Mann sitzt noch da und singt mit warmer Tenorstimme weiter vor sich hin und lässt sich durch nichts und niemanden stören.

Ein alter Herr mit Mütze singt aus vollem Hals am Ufer des Sees im Yuyuantan-Park

Ein Sänger

Jetzt kürzen wir auch ab und nehmen das Pendelboot zurück zum Westgate. 

Fahrt mit dem Pendelboot über den See im Pekinger Yuyuantan-Park mit Blick auf den Fernsehturm.

Fahrt mit dem Pendelboot

Wiederkommen? Ja, auf jeden Fall. Unsere Zeit hat nur für den westlichen Teil des Parks und des Sees gereicht. Mich interessiert jetzt außerdem das Militärmuseum und das Millennium-Monument. Und ich muss herausfinden, wann und wo genau dort die Boote zum Kunming-See, also zum Sommerpalast, abfahren. Ich werde berichten! :)

Fotos

Es gibt ein paar Orte in Peking, die mein Herz noch immer höher schlagen lassen. Der Himmelstempel gehört auf jeden Fall dazu – und zu den Peking-Highlights, die man nicht versäumen sollte. Das runde, geradezu ikonische Gebäude (die Halle der Ernte) steht nicht nur für Peking, sondern auch für das Kaiserliche China wie nur wenige andere Sehenswürdigkeiten.

Himmelstempel – Himmelsaltar

Bei den Namen geht es schon ein bisschen durcheinander. Wenn ich vom Himmelstempel spreche, meine ich eigentlich den Himmelstempelpark, in dem sich die alten Tempelgebäude befinden. Auf Chinesisch heißt es  auf den Wegweisern nur 天坛 – Tiāntán, was meist mit „Himmelstempel/Temple of Heaven“ übersetzt wird. Die Silbe „tán“ bedeutet „Altar“, es heißt also eigentlich „Himmelsaltar“. Das besagte runde Gebäude ist bekannt als „Halle der Ernte“, „Halle der Ernteopfer“, auf Englisch „Hall of Prayer for the Good Harvest“. 

Genug der Wortklaubereien, wir betreten den Himmelstempel am Osttor. Von hier aus geht es immer geradeaus direkt auf die Halle der Ernte zu. Rechts von dem breiten Weg befindet sich die „Göttliche Küche“, wo für die Opferzeremonie die Opfergaben vorbereitet wurden. Wir können nur einen kurzen Blick durchs Tor hinein werfen, denn ich habe meinen Pass nicht dabei. 

The Long Corridor

The long corridor im Himmelstempel, Peking

The long corridor

Wir gehen also weiter durch den Langen Korridor. Hier sitzen wie immer viele Pekinger und spielen, lachen, reden. Heute spielen fast alle Karten. Ob das chinesische Schach aus der Mode gekommen ist?

Heute sind viele Schulklassen unterwegs, überall sitzen Kinder auf dem Boden und füllen Fragebögen aus und zeichnen.

Die Halle der Ernte

Die ikonische Halle der Ernte im Himmelstempel

Halle der Ernte

Wir gehen ein paar Stufen hinauf, durch ein Tor, wo die Eintrittskarten kontrolliert werden. Und dann: Wow!  Auch jetzt, beim 6. oder 7. Besuch bin ich wieder total beeindruckt: Der erste unverstellte Blick auf die Halle der Ernte. Erbaut 1420 von Kaiser Yongle, abgebrannt 1889 nach einem Blitzeinschlag und im Jahr darauf wieder errichtet. Kaiser Yongle – geboren als Zhu Di – hat Chinas Hauptstadt nach Peking verlegt und dort die Verbotene Stadt errichtet.

Die Halle ist 38 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 30 Metern. Jedes einzelne Detail an dem Bau hat seine symbolische Bedeutung, angefangen von den drei Marmorebenen, das dreifache Dach. Hineingehen kann man nicht, sondern nur einen Blick hineinwerfen: Vier große Säulen für die Jahreszeiten, 12 Säulen, die die Monate repräsentieren, weitere 12 Säulen, die für die Doppelstunden des Tages stehen. Die blauen Dachziegel symbolisieren den Himmel.

In der einen Halle an der Seite befindet sich eine Ausstellung über den Bau der Anlage mit vielen Zeichnungen, Fotos und Modellen. Ebenfalls wird hier von den Zerstörungen durch den Brand nach dem Blitzeinschlag 1889 und während des Opiumkrieges und des Boxeraufstands und vor allem dem Verfall nach 1911 – dem Untergang des Kaiserreiches – und den anschließenden Wiederaufbauarbeiten berichtet. 1998 wurde die Anlage zum Weltkulturerbe erklärt.

In der gegenüberliegenden Halle wird das Ritual des Ernteopfers Schritt für Schritt mit vielen Bildern erklärt. Manko beider Ausstellungen: Die Erklärungen sind überwiegend nur in Chinesisch, nur die Überschriften und ein paar kurze Texte sind auf Englisch. Es reicht aber trotzdem, um einen guten Überblick zu gewinnen. (Im Bild oben sind die beiden Hallen links von der Halle der Ernteopfer, zu sehen ist nur die Halle mit der Ausstellung über das Opferritual.)

The Seventy Year Old Door

70-year-old-door im Himmelstempel

70-year-old-door

Einer meiner Lieblingsplätze im Himmelstempel ist die 70-Year-Old-Door. Diese Tür hat Kaiser Qianlong 1781 einbauen lassen , als er älter wurde und seine Kräfte für den langen, rituellen Weg (barfuss!) und im vollen Ornat nicht mehr reichten. Er verfügte, dass nur über Siebzigjährige Kaiser durch diese Tür gehen dürften – er blieb der einzige Kaiser, der die Abkürzung nehmen konnte, keiner seiner Nachfolger erreichte das Alter.Wir umrunden die Halle der Ernte und stellen dabei fest, dass die Sicht auf den CBD immer schlechter wird, die Türme sind nur noch als Schatten im Smog zu erkennen. Bei guten Luftwerten ist die Aussicht ziemlich cool, nicht nur auf den CBD, sondern auch auf das Riesenrad im Happy Valley.

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes im Pekinger Himmelstempel

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes

Wir gehen auf der langen Nord-Süd-Achse (auch die Wege im Park haben ihre Symbolik) in Richtung Echomauer, hinter der die Halle des Himmelsgewölbes steht. Die Echomauer, absolut glatt und exakt kreisförmig – ein Flüstergewölbe – können wir nicht austesten, dazu ist der Lärmpegel insgesamt viel zu hoch.

Wir werfen nur einen kurzen Blick in die Halle des Himmelsgewölbes. Auch wieder ein rundes Gebäude, wenn auch etwas kleiner als die Halle der Ernte.

Circular Mound Altar

Circular Mound Altar im Himmelstempel

Circular Mound Altar

Früher hab ich gedacht, das wäre der „Mondaltar“ – ups! Denn der ist im Westen der Verbotenen Stadt im Yuetan-Park. (Das ist die perfekte Symbolik und Symmetrie hier in Peking: Himmelsaltar im Süden, Erdaltar im Norden, Mondaltar im Westen und Sonnenaltar im Osten der Verbotenen Stadt.

Immerhin, rund ist dieser Altar auch. Und hier ist die Anlage ebenfalls wieder von Symbolen durchdrungen: Der Durchmesser der Ebenen und die Zahl der verlegten Bodenplatten: alles Vielfache von Neun – die Neun symbolisiert den Kaiser.

Wenn man auf dem runden Stein in der Mitte steht, soll die eigene Stimme besonders voll klingen und gut zu hören sein. Das probiert allerdings keiner aus, auch wenn sich fast jeder kurz in die Mitte stellt: fürs Foto posieren ist wichtiger. ;)

Von hier oben kann man übrigens gut sehen, dass die einzelnen Tempelabschnitte sowohl von runden als auch von eckigen Mauern umgeben sind. Das Runde steht für den Himmel, das Eckige für die Erde.

Wir haben heute leider keine Zeit mehr, um noch durch den riesigen Park zu schlendern und spielenden, tanzenden oder musizierenden Gruppe zuzuschauen. Allerdings ist die Luft inzwischen auch wieder so mies, dass es uns mit dem draußen sein für heute sowieso reicht. Wir verlassen den Park dann durch den Südausgang. 

Tipps

Wenn man einen Tagesausflug machen möchte, würde ich Himmelstempel und Pearlmarkt kombinieren und abends dann noch ins Red Theatre zur Kungfu-Show gehen. Dazu am Südeingang des Himmelstempels starten, sich Zeit für den Himmelstempel (samt Park) nehmen. Am Ende den Ostausgang nehmen, dort über die Straßenbrücke gehen und den Pearlmarket besuchen. Essen kann man entweder im Foodcourt im Untergeschoss des Pearlmarkts oder gegenüber von der Nordseite des Pearlmarktes im „Brown Door“. (Siehe hier beim 4. Ausflugsvorschlag)

Einen großartigen Überblick über den Himmelstempelpark, bei gutem Wetter bis hin zur Verbotenen Stadt, hat man von der Dachterasse des Pearlmarktes (an den Toiletten im 5. Stock vorbei gehen, die Tür verbirgt sich manchmal hinter einem Kälte- oder Insektenschutz, ist aber offen.

Fotos

Informationen

Himmelstempel-Pin

Pin mich!

Hinkommen:
Mit dem Taxi zum Ost-, Nord- oder Südeingang. Oder mit der Metro: Mit der Linie 5 bis Tiantandongmen (Osteingang)

Eintritt:
Es empfiehlt sich das „Through-Ticket“ zu nehmen, Nebensaison 28 RMB, Hauptsaison 34 RMB, darin sind die Eintritte für die Halle der Ernte, den Circular Mound Altar und die Echomauer samt Himmelsgewölbe enthalten. Um die „Divine Kitchen“ besichtigen zu können, muss man seinen Pass vorzeigen, Extra-Eintritt wird nicht verlangt.

Öffnungszeiten:
Der Park ist von 6-21 Uhr geöffnet, Einlass in die Gebäude von 9-16:30 Uhr.

Zum Weiterlesen: 
Geschichte und Details zum Himmelstempel, Himmelstempel, travelchinaguide.com (Englisch)

Als ich vor über vier Jahren für den Göttergatten eine Wunschliste schreiben sollte, was ich beim aller-allerersten Pekingbesuch gerne sehen würde, stand da unter anderem auch der Alte Sommerpalast mit darauf. Ich weiß nicht mehr, in welchem Reiseführer das war, aber in einem war eine so begeistert-begeisternde Schilderung mit ansprechenden Fotos, dass ich unbedingt auch dort hin wollte. Hat damals dann wegen unserer Kränkelei zeitlich nicht mehr mit reingepasst. Nach dem Peking-Tripp war erstmal alles mögliche andere wichtiger, schließlich stand ein Umzug über Kontinente hinweg an. Tja, und dann geriet es in Vergessenheit – bis neulich der Patengruppen-Newsletter kam und einen Ausflug in den Alten Sommerpalast mit im Angebot hatte. Ich hab alles stehen und liegen lassen und mich sofort angemeldet, Freundin alarmiert und angefixt – und jetzt war es dann soweit.

Peking von seiner schönsten Seite

Der Alte Sommerpalast - Yuanming Yuan - in Peking

Frühling liegt in der Luft, getoppt vom blauen Himmel – beste Voraussetzungen. Vom Treffpunkt an der Schule geht es mit dem Bus eine Dreiviertelstunde in den Haidian-Bezirk, vorbei an zwei Universitäten. „Das Silicon-Valley“ von Peking, erklärt Monique, die heute unser Guide sein wird. 

Wir betreten den Alten Sommerpalast und lassen direkt den Lärm der Stadt hinter uns. Vorbei an Kanälen und Teichen führt Monique uns zunächst zu einer Ausstellungshalle mit einem Modell des Alten Sommerpalastes. Eigentlich sind es drei kaiserliche Gärten – daher auch der englische Name „Imperial Gardens“. Wir haben nur Zeit für einen davon, nämlich den „Changchun Yuan“ –  Der Garten des Ewigen Frühlings. 

Ein anderes Mal muss ich mir den „Yuanming Yuan“ – den Garten der vollkommenen Klarheit – und den „Qichun Yuan“ – den Garten des Schönen Frühlings“ ansehen. Das werde ich sicher bald schon tun! Ich hatte wirklich keine Vorstellung davon, wie groß die Anlage ist. Gerade im Sommer, wenn der Lotus blüht, soll es besonders schön sein.

Ein Ausflug in die Geschichte

Monique erzählt, dass die Sommerresidenzen während der Qing-Dynastie errichtet wurden. Die Qing-Kaiser waren anders als ihre Vorgänger Mandschu, in den nordöstlichen chinesischen Provinzen beheimatet. Naturverbundene Nomaden (oder deren Abkömmlinge). Eingesperrt mitten in Peking in der Verboten Stadt. Also hat man die Sommerpaläste bauen lassen: viel Grün, nicht nur die Gartenkunst, sondern auch die Berge in Sichtweite. Eine weitere Sommerresidenz befindet sich nördlich von Peking in Chengde (Notiz an mich: das wäre mal etwas für einen Wochenendausflug). 

Besonders Kaiser Qianlong hat den Ausbau des Alten Sommerpalastes vorangetrieben:

Aus Wikipedia:

Besonderen Wert legte er auf den Bau seiner Sommerpaläste, des Yuanming Yuan und des Qingyi Yuan. Dabei handelte es sich um die größte Garten- und Palastkomposition im damaligen Ostasien, gelegen in der nordwestlichen Vorstadt von Beijing. Hier konnte er ungezwungen seinen Vorstellungen folgen und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Unter anderem bauten ihm die Jesuiten unter den Hofkünstlern den Xiyang Lou, einen weißen Marmorpalast im europäischen Barockstil, auf einer weitläufigen Terrasse gelegen, mit Fontänen und Wasserspielen nach dem Vorbild von Schloss Versailles. Natürlich legte Qianlong sein Augenmerk auch auf den Bau seines Yuling genannten Mausoleums.

Wir spazieren durch  „Xiyang Lou“ – „Westliche mehrstückige Gebäude“, von denen aber nur noch Ruinen stehen.  Außer der Gartenkunst gab es hier bedeutende Bibliotheken und Kunstsammlungen.

Ein Labyrinth steht noch bzw. wurde wieder aufgebaut. Und spätestens hier denke ich: ja, dieses Verspielte, das ist so ganz anders als die Mauern, die gewisse Strenge und Förmlichkeit der Verbotenen Stadt. Nachvollziehbar, dass auch Kaisers das hier schöner fanden. 

Opiumkriege und Zerstörung

 Monique erzählt uns von den Opiumkriegen. Am Ende des zweiten Opiumkriegs 1860 waren es die Engländer unter Lord Elgin, die im Rahmen einer Vergeltungsaktion (zuvor hatte Kaiser Xianfeng britische und französische Abgesandte foltern und töten lassen) nicht nur die Gebäude zerstört und abgebrannt haben, sondern sich zuvor auch an den Kunstschätzen „bedient“ haben. Und es wurden fünf Pekinesen erbeutet, die bis dahin ausschließlich dem Kaiserhaus vorbehalten waren. Einer davon wurde „Looty“ genannt und Königin Victoria geschenkt. Diese Hunde sind die Stammeltern der Pekinesen in Europa. Der Opiumkrieg endete, Peking musste ausländische Botschaften zu lassen (was zuvor für nicht notwendig gehalten worden war), der Opiumhandel wurde legalisiert  und Christen wurde der Besitz von Eigentum und das Missionieren erlaubt.

So ein Ritt durch die (chinesische) Geschichte vor Ort ist wirklich zu empfehlen, und weniger staubig als trockene Bücher. Um diese habe ich bislang einen Bogen gemacht, aber jetzt möchte ich doch mehr und genauer Bescheid wissen und muss mich mal auf die Suche nach einem netten Buch dazu machen.

Wiederaufbau oder im jetzigen Zustand bewahren?

Der neue Sommerpalast Yiheyuan ist wiederaufgebaut worden, der Alte Sommerpalast  Yuanming Yuan dagegen nicht. So, wie die Anlage nun ist, kann man die einstige Pracht zwar noch erahnen, kann aber auch die Zerstörung bedauern. Mit den vielen Teichen und Gewässern, den Hügeln und den nahen Berge und der Anlage insgesamt, die so gestaltet ist, dass es immer wieder neue, überraschende Aussichten gibt, ist es auch so ein schönes Ausflugsziel. Die Ruinen dienen als Mahnmal und illustrieren die Vergangenheit. Da nicht weit von hier der wiederaufgebaute neue Sommerpalast steht, finde ich es gut so wie es ist. Ich werde jedenfalls bald wieder dorthin fahren!