Die Olympischen Spiele rücken näher. Für die Eis-Wettkämpfe und die Eröffnungs- und Schlussfeier werden die vorhandenen Gebäude der Sommerspiele von 2008 im Olympic Sports Park renoviert und umgebaut. Im Vogelnest finden keine Wettkämpfe (aber die Eröffnungs- und Schlusszeremonie) statt, der Watercube ist nun ein Eiswürfel, in dem die Curling-Wettbewerbe stattfinden werden. Im National Indoor Stadium wird Eishockey gespielt werden.

Ab jetzt: Zutritt nur noch für Akkreditierte

Vorgestern machte dann die Nachricht die Runde, dass der zentrale Bereich des Olympic Sports Park in Vorbereitung auf die Winterspiele abgesperrt werden wird – bis zum 20. März 2022. Hier der gesperrte Bereich:

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Gestern war also für ein paar Monate die letzte Gelegenheit, hier aus der Nähe zu fotografieren. Da ich die Ecke sehr mag, war es keine Frage, dass ich das noch mal ausnutzen musste. In der Fotogruppe getrommelt, zwei haben sich angeschlossen, lose vor dem Vogelnest verabredet (mit WeChat und Echtzeit-Standort kann man hier immer zusammenfinden).

Ein paar Pflichten mussten trotzdem erst erledigt werden, ich bin erst so spät losgekommen, dass leider keine Tageslichtaufnahmen mehr drin waren. Bei dem schönen Licht wäre ich gerne schon vor Ort gewesen.

Ganz in Gedanken bin ich mal wieder an der Metrostation Olympic Sports Center vorbeigetuckert – wenn ich aus dieser Richtung komme, wäre das die beste Gelegenheit den Scooter abzustellen: nur noch durch den Metrotunnel und zack, steht man südlich vom Vogelnest. Tja, so musste ich Richtung Osteingang fahren.

Mit der Health App den QR-Code scannen, durch den Sicherheitscheck und dann dieser Anblick.

Jetzt schon Absperrungen

Das Tickethäuschen fürs Vogelnest ist schon geschlossen, schade, das wäre es noch mal gewesen. Ringsherum ist mit Gittern abgesperrt, und ich musste erst ein ganzes Stück nach Norden laufen, bevor ich dann auf die Hauptachse und in Richtung Vogelnest zurückgehen konnte. Da bin ich dann auch auf die beiden anderen gestoßen (Danke, WeChat ;) ). Die Dämmerung schritt rasch voran, nur die Lichter gingen nicht an.

Oh.

Viel los war nicht, Touristengruppen derzeit ja eh nicht, nur einige wenige Spaziergänger, Skater und Arbeiter. Und wir drei Langnasen mit Kamera. Ob die Beleuchtung womöglich eingespart wird?

Dann tat sich endlich was. Erst ging oben das Licht an.

Und dann auch unten. Glück gehabt.

Wir wurden übrigens die ganze Zeit beschallt. Die üblichen Durchsagen, die mit „thank you for your cooperation“ enden, und immer wieder die gleichen drei Songs.

Merkt man, wie sehr ich die Ecke mag? Trotz (und sicher auch ein bisschen wegen) der Gigantomanie (es ist alles so unglaublich RIESIG) strahlt das Gelände etwas Fröhlich-Faszinierendes aus (und ja, selbst in diesen Tagen).

Es wird dunkler und immer kälter.

Der Countdown läuft.

Und weil es so schön ist, nochmal:

Das reicht dann auch, wir packen zusammen, die beiden anderen gehen zur Metro, ich zurück zum Osteingang.

Ich packe meine Spiegelreflex (wen’s interessiert: Canon EOS 80D) weg, schieße jetzt mit der kleinen Sony (RX100) aus der Hand.

Noch ein Blick auf die Fackel – nun ist es ja nicht mehr so lang, bis das olympische Feuer hier wieder brennt – und dann tuckere ich gemütlich nach Hause.

Mal schauen, ob ich mich wirklich erst ab Ende März wieder hier herumtreiben kann – oder vielleicht wird der Traum von der Eröffnungsfeier ja doch noch wahr…

Am nordöstlichen Rand des inneren Pekings, 15 Kilometer vom Tianan’men entfernt, liegt der 798 Art District (auch 798 Art Zone oder Kunstbezirk Dashanzi, 798艺术区, 798 yìshù qū).

Geschichte und Architektur

In den 1950er Jahren hat China hier mit der Unterstützung der Sowjetunion und der DDR Fabriken fürs Militär gebaut. Die Bauhaus-inspirierten Gebäude mit den Sägezahn-Dächern waren etwas ganz Neues in China (typisch sowjetische Brachialbauten gab es schon). Das Material für die Fabriken wurde zum Teil mit der TransSib nach China gebracht, die DDR entsandte 100 Fachleute.

Die Gebäude wurden so konzipiert und ausgerichtet, dass sie die größtmögliche Lichtausbeute hatten – deshalb die Sägezahn-Dächer. Die Fenster sind nach Norden ausgerichtet, um Schatten zu vermeiden.

In den 1990er Jahren kam die Produktion der staatlichen Firmen im „Joint District 718“ (später in Unterdistrikte und eben auch 798 unterteilt) zum erliegen. Ende der Neunziger zogen die ersten Künstler: Maler, Bildhauer, Designer in die lichtdurchfluteten Hallen und wandelten die Fabriken in Werkstätten um. Galerien wurden eröffnet, zum Beispiel 798 Space und UCCA, mehr und mehr Bars, Cafés und Restaurants eröffneten im Viertel. Je angesagter 798 wurde, desto höher wurden die Mieten, einige Künstler zogen weiter, z.B. nach Caochangdi. Heute kann man das Viertel als Bobo beschreiben (bourgois-bohémian). Es heißt inzwischen auch: hier ist mehr Show als Kunst. Und doch gibt es hier eine einzigartige, bunte und lebendige Atmosphäre.

798 ist nach der Verbotenen Stadt und der Mauer das am dritthäufigsten besuchte touristische Ziel in Peking.

Am Vormittag durch den 798 Art District

Ich war schon eine ganze Zeit lang nicht mehr dort und bin gestern bei tollem Wetter und guter Luft spontan mit einer Freundin durch den Art District geschlendert.

Buggies im Gänsemarsch – da wäre ein einfarbiger Hintergrund praktischer gewesen, aber hier gibt es das, was es sonst in Peking so gut wie gar nicht gibt: Graffiti.

Nicht nur Tags, sondern ganze Wandgemälde gibt es hier.

Und dann gibt es auch „Gekritzel“.

Sogar die Toiletten sehen cool von außen aus (und innen sind sie sauber).

Grün gibt es auch.

Hier am Pace (Faurschou Foundation) kann man die Bauweise mit den Sägezahn-Giebeln und den nach Norden ausgerichteten Fenstern gut erkennen.

Und auch hier im hippen Art District werden ganz traditionell die Vogelkäfige tagsüber nach draußen gehängt.

Dies ist ein Blumenladen mit angeschlossenem Café – das leider erst nachmittags öffnet.

Ja, Cafés gibt es viele. Hier eines mit Hund.

Kein Pilot, sondern Parkplatz-Anweiser.

Auch hier wird Fuß-Federball gespielt.

Oder mit den Großeltern spazieren gegangen.

Grün gibt es auch einiges.

Und ein Café mit Gans.

Es ist gerade noch warm genug für die Dachterrasse eines Cafés – Aus- und Ansichten inbegriffen.

Wie gesagt: auch Graffiti.

Schön war es wieder. Am Ende habe ich mich gefragt, warum ich nicht viel öfter hier unterwegs bin, ich hab’s gar nicht so weit.

Fotos

Hier sind noch ein paar mehr, ältere Bilder zu sehen: Ein Frühlingsspaziergang durch den Art District 798.

 

 

 

Am Dienstag war nicht nur das chinesische Mondfest, sondern auch traumschönes Wetter. Da nicht nur dieser Sommer ungewöhnlich verregnet war, sondern sich das überwiegend miese Wetter auch noch im September fortsetzt, musste das unbedingt ausgenutzt werden. Ich habe nicht lange überlegt, und mich für den Botanischen Garten entschieden. Mit dem Scooter käme ich hin, aber nicht mehr zurück, also entscheide ich mich für die schnellste Lösung: Metro. Von „unserer“ Station Liangmaqiao nehme ich die Linie 10 „outer loop“. Die Bahn ist ziemlich leer. Ach ja, Feiertag.

 

Die Vorort-Bahn

Leere Bahn? Tja, das ändert sich, als ich in Bagou in die Xijiao Linie (Xijiao – 西郊 – Westliche Vororte) umsteige. Die Linie gibt es erst seit knapp vier Jahren und fährt von Bagou aus am Sommerpalast und Botanischen Garten vorbei zu den Duftbergen. Also kein Wunder, dass es nun brechend voll wird. Es sind Familien und Paare, die unterwegs sind, anders als bei meinen bisherigen Ausflügen zum Botanischen Garten keine Gruppen. Klar, ist ja ein Familienfest.

Am Sommerpalast steigen nur einige wenige aus, mit mir zusammen ein paar mehr am Botanischen Garten. Immer noch gut gefüllt fährt die Stadtbahn weiter zu den Duftbergen. Die Stadtbahnhaltestelle ist in der Mitte der Straße genau gegenüber vom Haupteingang des Botanischen Gartens – mit Schranken und Zebrastreifen und Uniformierten wird für sicheren, geordneten Überweg gesorgt (ich habe eine vage Vorstellung, wie das ohne aussehen könnte…).

Eintauchen in den Botanischen Garten

Vorm Tickethäuschen und im gesamten Eingangsbereich steppt der Bär. Ich löse nur das normale Parkticket für 5 RMB, bei dem Traumwetter zieht es mich weder ins Gewächshaus noch in den Wofo-Tempel (und selbst wenn spontan doch, könnte ich dort jeweils direkt am Eingang nachlösen). Schon nach wenigen Schritten verteilt sich das Gewusel. Ich schlage dieses Mal eine andere Richtung ein als bei meinen bisherigen Besuchen und gehe zunächst in Richtung Rosengarten. Hier ist nicht viel los, die meisten Rosen sind bereits verblüht. Ich genieße es trotzdem, sauge die Sonne auf. Mir graut jetzt schon vor dem langen, kalten Winter, da will ich jetzt noch soviel Wärme und Sonne tanken, wie es nur geht. Und grün sehen, bevor alles grau-braun und kahl wird!

Ich gehe am Gewächshaus vorbei weiter in Richtung „Cherry Valley“.

Nicht nur die Botanik, auch die Schatten faszinieren mich.

Man könnte es sich bequem machen und zum Wofo-Tempel mit dem Elektrobus hochfahren. Oder eine Runde mit der Bimmelbahn drehen. Aber auch wenn man das nicht tut, kann man dem Getute, Gebimmel und Gedudel nicht entkommen. Dabei fällt mir ein, wie überwältigend ich den allgegenwärtigen Lärm vor einigen Jahren noch empfunden habe – und jetzt habe ich mich daran gewöhnt und höre darüber hinweg. (Nein, ich werde nicht schwerhörig!)

Bambusgarten und Bach

Den Wofo-Tempel lasse ich links (bzw. rechts) liegen und drehe erst einmal eine Runde durch den Bambusgarten. Irgendwann höre ich auf zu zählen, wie viele verschieden Sorten Bambus hier wachsen – es sind viele.

Schließlich setze ich meinen Weg oberhalb des Bambusgartens fort, finde einen schmalen Weg etwas oberhalb der „Hauptstraße“, den ich noch nicht gegangen bin.

Schließlich komme ich an den Bach, der von oben den Hügel hinab ins Tal plätschert. Nach dem vielen Regen ist der voller als ich ihn bisher gesehen habe.

Noch ein Stück weiter oben sind einige Wege abgesperrt, dort scheint gebaut zu werden. Schließlich komme ich an diesen Überweg und kann zuschauen, wie jeder zweite sich nasse Füße holt und ein Teenager auch eine nasse Hose.

Ich habe zwar Trekkingsandalen an, mit denen ich da sicher und problemlos durchwaten könnte, aber ich gehe lieber den gleichen Holzbohlenweg zurück, der ist einfach hübscher als der gepflasterte Weg auf der anderen Seite.

Es gibt in China übrigens ziemlich große Spinnen…

Ich lasse mich weiter kreuz und quer durch den Botanischen Garten treiben, genieße die Aussicht.

Schmetterlinge

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
(Carlo Karges)

Inzwischen bin ich wieder weiter unten angekommen. In der Nähe des Gewächshause verläuft ein Weg, wo immer Pflanzen der Saison blühen. Und richtig gedacht, hier bekomme ich einige Schmetterlinge vor die Linse.

Am See

Ich finde die Kombination von blauen Himmel mit Schäfchenwolken, Wasser und Grün unwiderstehlich! Ich bin einem chinesischen Paar gefolgt, bin mir nicht bewusst, eine Absperrung überwunden zu haben, aber es hätte wohl eine da sein sollen. Immerhin, ich komme tatsächlich mal direkt ans Südufer. Umkehren will ich nicht, also muss ich doch ein bisschen klettern.

Schließlich lande ich doch wieder auf dem breiten Weg. Inzwischen hat es sich spürbar geleert und auch ich mache mich so langsam auf in Richtung Ausgang.

Was dieser Mann hier wohl macht?

Zum Abschluss werfe ich noch einen Blick auf die Blumenskulptur. Die sind hier in China wirklich angesagt, nicht nur hier im Botanischen Garten. Zu besonderen Anlässen sieht man sie aber wirklich überall.

Nun mache ich mich auf den langen Heimweg. Die Uhr behauptet, ich wäre fast 15 km gelaufen (und ich habe wieder nicht alles angesehen). Als ich zuhause ankomme, ist es stockfinster. Macht nichts, denn ich spüre noch immer die warme Sonne auf der Haut und habe viele bunte, sonnige Bilder im Kopf (und der Speicherkarte).

Fotos. Viele Fotos.

 

Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin am Shichahai spazieren gehen und den Tempel des Feuergottes noch einmal besuchen. Sie war da noch nicht, hätte aber die chinesischen Schilder  übersetzen, die Mitarbeiter und Mönche fragen und so mehr erklären können. Weil es morgens aber gewittert hat, haben wir umdisponiert und wollten stattdessen ins Nationalmuseum gehen. Dazu haben uns am Tian’anmen verabredet.

Blick vom Metro Ausgang Tiananmen Ost zum Tor des Himmlischen Friedens

Treffpunkt Metro Tian’anmen Ost

Wie sich herausstellt, hätten wir mindestens einen Tag vorher reservieren müssen. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man schon am Tian’anmen ist, gibt es mehr als genug zu tun und zu gucken. Zum Glück macht der Regen Pause.

Rund um den Tian’anmen

Rund um den Tian’anmen stehen fünf bedeutende Gebäude:

  • im Norden das Tor des Himmlischen Friedens (der Eingang zur Verbotenen Stadt),
  • im Osten das Nationalmuseum,
  • im Süden das Mao-Mausoleum und dahinter Zhengyangmen (das größte und prächtigste Stadttor) und
  • im Westen die Große Halle des Volkes

Auf dem Platz steht dann auch noch das Denkmal für die Helden des Volkes – und nicht zuletzt ist auch das Gewusel und Gewimmel hier unglaublich interessant.

Das Tor des Himmlischen Friedens

Es geht direkt los mit dem Tor des Himmlischen Friedens. Jedes Mal, wenn ich hier bin, überkommt mich ein ganz unwirkliches Gefühl – ich bin wirklich in Peking?!

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, davor Auto-Stau

Tor des Himmlischen Friedens

Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle. Hier werden die chinesischen ID-Cards automatisch gescannt, ausländische Pässe müssen von Hand gecheckt werden. Aber anstatt wie meistens meinen Pass nur vorzuzeigen und durchgewunken zu werden, werde ich gefragt, warum ich in Peking bin und wie lange schon. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Sicherheitsbeamte wissen wollte, ob ich Diplomatin sei. Seltsam, sonst wird eher nach Journalisten gefragt. Ob das was mit dem Fall des an Covid-19 erkrankten Diplomaten zu tun hat, der nicht weit von hier im Legendale abgestiegen war (das Hotel ist nun unter „closed management“)? Naja, ist ja auch egal, wir sind auf dem Platz.

Tian'anmen mit Mao-Mausoleum

Mao-Mausoleum, dahinter Zhengyangmen und Bogenschützenturm

Wir schlendern erst einmal über den Platz, der mich nicht nur wegen seiner Größe („größter befestigter Platz der Welt“) beeindruckt.

Tian'anmen, Blick zum Tor des Himmlischen Friedens

Auf dem Tian’anmen

Die Deko anlässlich der 100-Jahr-KP-Feierlichkeiten steht noch.

Tian'anmen, Blick auf die Große Halle des Volkes und das Denkmal für die Helden des Volkes

Große Halle des Volkes und Denkmal für die Helden des Volkes

Das Nationalmuseum

Der Eingang des Nationalmuseums war früher hier von der Platz-Seite aus. Jetzt ist er nach vorne zur Chang’an Avenue (zurück-?)verlegt worden. Das ist dichter an der U-Bahn und noch vor dem Sicherheitscheck am Tian’anmen, also etwas praktischer.

Pekings Nationalmuseum vom Tian'anmen aus gesehen

Nationalmuseum

Das Denkmal für die Helden des Volkes

Meine Freundin erzählt, dass sie als kleines Kind einem Missverständnis aufgesessen ist und geglaubt habe, dass unten in dem Denkmal die Soldaten wohnen würden. Damals hätte sie vergeblich nach Fenstern und Türen gesucht. Heute kommt man nicht mehr so dicht dran, aber das Missverständnis hat sich inzwischen ja auch aufgeklärt.

Denkmal für die Helden des Volkes auf dem Tian'anmen in Peking

Denkmal für die Helden des Volkes

Volksfeststimmung

Auf dem Platz ist richtig viel Trubel. Familien, Paare, kleine und große Reisegruppen sind hier unterwegs. Manche warten hier auf ihre Begleitung, denn in das Mao-Mausoleum darf man keine Taschen, Schirme, Kameras, Gepäck mitnehmen – nur Handy und ID-Card/Pass sind erlaubt.

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten, während ein kleines Reinigungsfahrzeug herumfährt. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Die große Halle des Volkes

Auf die große Halle des Volkes werfen wir nur einen kurzen Blick.

Tian'anmen: Blick auf das Denkmal für die Helden des Volkes und die Große Halle des Volkes - mit vielen Menschen auf dem Platz

Denkmal und große Halle des Volkes

Mao-Mausoleum

Meine Freundin fragt mich, ob ich Mao schon mal gesehen habe. Nein, habe ich nicht. Sie zückt ihr Handy, scannt den QR-Code, der an der Absperrung zum Mausoleum hängt, hält mir das Handy hin, damit ich meinen Namen und meine Passnummer eingebe – und zack, haben wir einen Besucherslot von 10-11 Uhr gebucht. Das kam jetzt überraschend.

Aufwendige Sicherheitsmaßnahmen

Wir überqueren die Straße, gehen am Nationalmuseum vorbei zu einem weiteren großen Gebäude, wo man seine Habseligkeiten abgeben kann – wie gesagt, ins Mausoleum darf man nichts mit hineinnehmen. Die Schlange hier ist sehr lang, oben auf der Treppe steht ein Mann und brüllt seine Anweisungen in ein Megaphon: Keine Taschen! Keine Schirme! Alles hier abgeben! Es werden immer große Gruppen von Leuten hineingelassen, und es scheint ewig zu dauern. Das kriegen wir bis 11 Uhr nicht mehr hin. Wir beschließen, es so zu machen, wie viele der anderen Leute auch: wir gehen abwechselnd ins Mausoleum.

Meine Freundin sagt, ich soll zuerst gehen, sie wäre ja schon mal da gewesen, nimmt mir meine Tasche ab und drückt mir ihr Handy in die Hand (weil sie damit unseren Slot gebucht hat). Und schon passiere ich eine erste Einlasskontrolle, bei dem wohl nur geguckt wird, dass man wirklich nichts weiter dabei hat. Durch viele Absperrgitter schlängelt sich der Weg zum Mausoleum, es geht aber zügig voran.

Dann kommt eine Sicherheitskontrolle, wo QR-Code und Pass gecheckt werden, nach dem Scanner werde ich noch mal von Hand abgetastet und darf weitergehen.

Nelken für Mao

Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle steht eine kleine Verkaufsbude, wo man in Plastikfolie verpackte weiße Nelken für 3 Kuai/Stück kaufen kann. Das tun viele der chinesischen Besucher. Ich bin überhaupt die einzige Langnase weit und breit. Der Weg schlängelt sich weiter, an weiteren Nelkenbuden vorbei. Vor den Stufen zum Gebäude stockt es schließlich, hier wird der Einlass der Menschen genau getimed.

Und dann geht es so schnell, dass ich jetzt schon beschließe, dass ich den Besuch hier wiederholen muss.

Wächter machen das wohl überall auf der Welt verständliche „Psst!“-Zeichen und legen den Finger auf den Mund. Fotografieren ist strengstens verboten!

Nach der Eingangstreppe landet man in einem großen Vorraum, in der eine großen Mao-Statue steht. Die weißen Nelken werden Soldaten in die Hand gedrückt, die sie ordentlich auf und um ein Podest vor der Statue stapeln. Aber bitte nicht stehen bleiben, gleich weitergehen.

Da liegt er

Die Schlange teilt sich hier und wird nun links bzw. rechts an der Statue vorbei in den nächsten Raum geschleust: Maos Grabkammer, wo er in seinem Kristallsarg liegt. Eigentlich wollte Mao selbst kremiert werden, aber nun liegt er seit 45 Jahren hier, sieht aus wie eine Wachsfigur (wenn es denn wirklich seine Leiche ist, Gerüchte stellen das infrage). Das wächserne Gesicht leuchtet orange, ich sehe allerdings keine Lampe, die ihn anstrahlt, was das ganze noch surrealer macht.

Alle werden langsamer, während sie schauen. Bei nicht wenigen fließen Tränen. Ich werde wohl zu langsam, ein Wächter winkt und ich beschleunige meinen Schritt. In einem kleineren Raum fließen beide Besucherströme wieder zusammen und dann geht es auch direkt hinaus und man steht auf dem Platz vor dem Zhengyangmen. Hier könnte man sich noch mit Souvernirs eindecken, ich passe.

Rückseite/Ausgang des Mao-MausoleumsRückseite/Ausgang des Mao-Mausoleums in Peking

Ich eile zurück zum Eingangsbereich, fliegender Wechsel. Wir machen nur noch schnell aus, dass wir uns am Ausgang wieder treffen.

Später erzählt meine Freundin mir, dass viele Chinesen aus der Provinz ihr Leben lang sparen, um nach Peking reisen und Mao sehen zu können. Ich hatte den Besuch hier bisher nicht auf der Liste, u.a. auch weil mich die langen Schlangen abgeschreckt haben. Doch obwohl es eine solche Menschenmenge ist, die hier Tag für Tag (außer montags, grins) durchgeschleust wird, geht es erstaunlich schnell. An keinem Punkt (außer an dem „Taschengebäude“) steht man sich die Beine in den Bauch, es geht immer voran. Tatsächlich war es völlig unabhängig davon, wie man zu Mao steht, eine interessante Erfahrung: das Prozedere, die Leute und deren Reaktion.

Zhengyangmen

Zhengyangmen (auch Qianmen) ist das Haupttor und das größte und prächtigste aller Pekinger Stadttore. Hier gibt es auch ein Stadttor-Museum, dass wir uns heute aber nicht mehr ansehen. Stattdessen gehen wir in einem Hutong abseits der Qianmen Street zum Mittagessen.

Pläne machen ist gut, Pläne umschmeißen wie man sieht aber auch. Ich bin direkt dankbar für das Gewitter am Morgen, das den Anstoß für die Planänderung gegeben hat.

In diesem Sommer regnet es noch mehr als üblicherweise im Juli, gefühlt immer, wobei es zum Glück doch Regenpausen gibt. Gestern habe ich ein paar trockene Stunden genutzt und bin spontan drauflosgetuckert.

Diesen fahrenden Händler (mit dem Kopf hinter den Grillenkäfigen) sehe ich relativ oft in verschiedenen Ecken. Er hat immer Grillen und Vögel dabei – und immer einen Pulk von Leuten um sich herum.

Tempel des Feuergottes

Kurz danach bin ich am Shichahai gelandet, wo ich mir spontan den Tempel des Feuergottes angesehen habe. Der Eintritt ist frei, keine Voranmeldung nötig – geht also tatsächlich spontan. Nur den Healthcode scannen und man darf eintreten.

Die meisten Touristengruppen gehen achtlos vorbei und steuern direkt den See und/oder die Rikschas dort an. Ich selbst habe das Gebäude auch erst vor Kurzem als Tempel wahrgenommen, es war aber abends und schon geschlossen.

Der Geschichte des taoistischen Tempel des Feuergotts (Huode Zhenjun-Tempel) reicht zurück bin in die Tang-Dynastie (7. Jahrhundert). Er muss eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich haben, aber leider habe ich weder vor Ort noch im Internet oder meinen Reiseführern weitergehende Informationen gefunden.

Der Tempel ist überschaubar, lebendig, bunt, aktiv und gefällt mir auf Anhieb richtig gut.

In den Hallen sind die Altare vor den Buddhas bunt und üppig geschmückt (keine Bilder, Fotografieverbot). Besucher verbeugen sich, lassen sich auf Knien auf den Kissen davor nieder, berühren dreimal mit der Stirn den Boden. Diese Verbeugungen werden von Gongschlägen begleitet.

Dies Tor führt zu Straße, ist geschlossen und dient daher prima als Bike-Parkplatz. :)

Rikschas

Danach bin ich noch ein bisschen am See spazieren gegangen.

Ich selber bin erst einmal mit einer Rikscha gefahren, als ich an einem organisierten Ausflug teilgenommen hab, wo das mit dazugehörte. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis dazu, ich fühle mich nicht wohl, wenn andere für meine Fortbewegung körperlich arbeiten müssen, da steige ich lieber selbst aufs Fahrrad oder meinen Scooter (der hat auch seinen Fun-Faktor).

Die Bogenbrücke ist zu steil, bis auf ein schlafendes Kind müssen alle aussteigen und zu Fuß über die Brücke. Manche Fahrgäste packen mit an.

Kreuz und quer durch die Hutongs

Inzwischen wurde es wieder düsterer, Zeit zum umkehren, um nicht nassgeregnet zu werden. Auch die Hochzeitsfotografen an „der Ecke“ der Verbotenen Stadt waren am zusammenpacken.

Hutongs können – nicht nur wegen des herannahenden Regens – ziemlich grau und trist wirken…

… aber auch bunt und idyllisch.

Eigentlich ist hier an der Kreuzung gerade eine große Verkehrskontrolle. Uneigentlich:

Tja, so hübsch kann „Straßenbegleitgrün“ aussehen.

Dieser Weihnachtsbaum steht hier „schon immer“, ganzjährig, seit ich in Peking angekommen bin.

Ich sprinte noch schnell durch den Jingkelong, als ich wieder rauskomme, nieselt es schon. Einer der Bao’ans (Sicherheitskräfte in schwarzen Uniformen mit roter Armbinde) lässt es sich nie nehmen, mir zu helfen. Anfangs war mir das peinlich und auch etwas lästig, weil ich meinen Scooter alleine schneller bepacken kann. Aber er lässt nicht locker, freut sich offenkundig immer, wenn er mich sieht, und nun gehört das halt zu meinem Jingkelong-Einkauf mit dazu. Nicht zuletzt hat es auch was von hier Zuhause zu sein.

Ich komme gerade noch trocken zuhause an – dann schüttet es wie aus Eimern. Glück mit dem Timing gehabt!

Fotos

Pekings Stadtmauer steht in den Reiseführern oft ziemlich weit hinten, anders als es bei den Stadtmauern von z.B. Xi’an oder Datong der Fall ist. Bei „Mauer“ denkt man in Peking natürlich auch an die Große Mauer und nicht an die wenigen Überreste der Stadtmauer. So hat es denn auch bis zu diesem Osterwochenende gedauert, bis ich mir das mal näher angeschaut habe. Dafür war ich dann aber auch gleich zweimal dort. Daran vorbeigefahren bin ich schon oft, der Wachturm an der Ecke, auch Fox Tower genannt, liegt unübersehbar direkt am 2. Ring. Abends ist die Ecke hübsch beleuchtet.

Der Stadtmauerpark – Ming City Wall Relics Park

Der Park ist verglichen mit anderen Pekinger Parks recht klein, dazu verkehrsgünstig gelegen: eigentlich nur ein 1,5 Kilometer langer, sehr breiter Grünstreifen zwischen der vielspurigen Chongwenmen East Street und den Resten der Stadtmauer. Auf der anderen Seite der Mauer schließt sich direkt das Bahngelände an, der Hauptbahnhof ist nicht weit.

Blick vom Foxtower auf den schmalen Stadtmauerpark

Kaum mehr als ein sehr breiter Grünstreifen: der Stadtmauerpark

Aber vom Verkehr hört man überraschend wenig, dazu ist der Park ist hübsch angelegt. Besonders zur Frühlingsblüte ist er ein regelrechter Hotspot, weil hier Magnolien, Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen und Forsythien und einiges mehr gleichzeitig blühen. An vielen Bäumen sind Schilder mit QR-Codes angebracht, wenn man es genauer wissen will (man sollte aber Chinesisch lesen können).

Kleinkind be-greift Magnolienblüten

Früh übt sich!

Am Ostersonnabend mache ich mich nachmittags auf in den Park. An diesem Wochenende ist auch das Qingming-Fest, entsprechend voll ist es. Zunächst zieht es mich in Richtung Turm und ich bin tatsächlich überrascht: man könnte dort hinauf – allerdings bin ich ein paar Minuten zu spät dran, Einlass ist nur bis 16:30 Uhr. Kein Problem, dann hole ich das nach. Angesichts des Traumwetters und der objektiv guten Luft war mir sowieso mehr nach Spaziergang. 

Musiker vor der Mauer im Stadtmauer-Park in Peking

Musik im Park

Die Luft ist süß vom Blütenduft. Überall wird fotografiert. Dazu das typische Parkleben: Sport, Musik, Spiele – ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Immer wieder zieht es den Blick zur Stadtmauer und darüber hinaus, auch hier lassen sich wieder das kaiserliche und das moderne Peking auf ein Bild bannen.

Fox Tower (Wachturm an der Stadtmauer) und der Zhongguo Zun vor blauem Himmel

Kaiserliches und modernes Peking auf einen Blick

 

Für Eisenbahn-Fans

Trainspotting…

Die Plattform oben am Wachturm sowie die Fußgängerbrücke südöstlich des Turm sind gute Standorte fürs Trainspotting. Von der Plattform aus kann man die Züge bei der Ein- und Ausfahrt in den Hauptbahnhof sehen, von der Brücke aus sind weniger Kabel und Masten im Weg und im Hintergrund hat man den CBD als Kulisse.

 

… und Bahn-Historie

Mitten im Park finden sich Überbleibsel der Peking-Mukden-Railway: ein altes Signalhäuschen sowie ein paar alte Gleise. Mukden ist das heutige Shenyang.

 

Goldene Stunde

Am Westende des Parks hat man von einem kleinen Hügel aus eine tolle Aussicht in Richtung Zhengyangmen – und weil Wetter und Luft mitspielen noch weiter bis zu den Westbergen.

Aussicht in Richtung Zhengyangmen und Westberge

Aussicht in Richtung Zhengyangmen und Westberge

Ich drehe um und gehe den gleichen Weg zurück zu meinem Scooter. Nachdem wir dieses Jahr schon so viel schlechte Luft und Sandstürme gehabt haben, tun mir die „goldenen Aussichten“ auf der Rückfahrt wirklich gut.

 

Stadtmauer und Eckturm

Zwei Tage später setze ich mein Vorhaben um und besichtige den Turm und die Stadtmauer, auf der man ein kurzes Stück entlanglaufen kann.

Die Stadtmauer wurde 1419 während der Ming-Dynastie gebaut und stand bis zu den frühen 1960er Jahren. Dann wurde sie größtenteils für den Bau der U-Bahn abgerissen, die zum Teil unterhalb der ehemaligen Mauer entlangführt. Von den ehemals 40 Kilometern blieben gerade mal die 1,5 Kilometer in der Nähe des Hauptbahnhofs übrig. In den späten 1990ern wurde entschieden, diesen Abschnitt zu restaurieren und einen Park einzurichten. Ein Fünftel der dafür benutzten Mauersteine seien originale Steine, die von Pekingern für den Bau gespendet wurden. Fertiggestellt wurde der Park im September 2003.

Im Turm (1439 fertiggestellt) konnten 200 Soldaten und Pferde untergebracht werden, dazu gab es Rampen. Der Turm gilt als der größte noch stehende Eckturm Chinas.

Der südöstliche Eckturm- Fox Tower

Der südöstliche Eckturm- Fox Tower

Während des Boxeraufstands 1900 wurde der Turm von den Vereinten Acht Nationen angegriffen und eingenommen. Deren Graffiti (in die Mauersteine eingeritzt) ist heute noch zu sehen. 1983 wurde der Turm restauriert und für die Öffentlichkeit geöffnet.

Heute befindet sich im Turm eine Ausstellung über die Stadtmauer und die auch heute noch im Stadtbild vertretenen Stadttore. Auch wenn man mancherorts vielleicht vergeblich ein Tor sucht, wenn „门=men“ in einer Ortsangabe vorkommt, liegt die Vermutung nahe, dass es hier mal ein Stadttor gab.

Schaubild: Pekings Stadttore

Pekings Stadttore

 

Der Mord an Pamela Werner, 1937

Ein Beitrag zum Fox Tower wäre nicht komplett ohne den Hinweis, dass in der Nähe des Turms  am 8. Januar 1937 die übel zugerichtete Leiche der knapp zwanzigjährigen Diplomatentochter Pamela Werner gefunden wurde. Der Mord wurde nie aufgeklärt.

Paul French schrieb darüber einen „murder mystery“-Bestseller: „Midnight in Peking*„, der leider nicht auf Deutsch erhältlich ist. Ulrike vom Bambooblog bespricht das Buch hier.

Auf der Mauer

Ein Spaziergang auf diesem kurzen Abschnitt ist vielleicht nicht so spektakulär wie auf der Mauer in Xi’an, auf der man sogar radeln kann, dennoch finde ich die sowohl die Aussichten auf die Stadt als auch auf die Mauerreste interessant.

Pekings Stadtmauer mit Blick auf den CBD

Pekings Stadtmauer mit Blick auf den CBD

 

Info

Park: Eintritt frei, immer geöffnet, keine Gates oder Eingangskontrollen

Wachturm und Stadtmauer: Eintritt 10 RMB, geöffnet 9-17 Uhr, letzter Einlass 16:30 Uhr

Hinkommen:

  • Auto, Motorrad, Scooter, …: Parkplatz direkt unterhalb des Wachturms/Osteingang (9 Chongwenmen East Streat, Dongcheng)
  • Bushaltestelle: Dongbianmen Station (befindet sich etwa in der Parkmitte, direkter Zugang)
  • Metro: Chongwengmen, Exit B, ca. drei Minuten Fußweg bis zum Westeingang des Parks

Weiterlesen: Pekings Stadtmauer im Bambooblog mit mehr Infos zu den Stadttoren

Fotos

 

 

Letztes Wochenende war ich mit meiner chinesischen Freundin im National Art Museum, wo anlässlich des 100. Geburtstags der KP zahlreiche Bilder ausgestellt sind. Ich weiß nicht, ob ich von selbst auf die Idee gekommen wäre (Propaganda?), aber in chinesischer Begleitung versprach das dann doch ganz interessant zu werden.

Als ich mich morgens auf den Scooter schwinge, ist der Himmel strahlend blau, die Luft total klar und sauber. Als ich so durch die Straßen fahre, denke ich zum allerersten Mal, dass Peking sogar gut riecht – da fahre ich gerade durch eine Allee, in der gerade die Blumenbeete gewässert werden. Das macht richtig gute Laune.

Am Museum bin ich schon oft vorbeigefahren, aber nun ist es das erste Mal, dass ich es besuche. Während ich auf meine Freundin warte, kann ich zusehen, wie viele Besucher als erstes Selfies von sich mit dem Museum im Rücken machen. Das große rote Banner fällt natürlich sofort ins Auge.

Journeys to greatness and pictures of time 1921-2021. An Exhibition celebrating the 100th anniversary of the founding of the communist party of China

Da Gebäudes des National Art Museum in Beijing - mit wehender roter Fahne und dem Ausstellungsbanner am Zaun

National Art Museum in Beijing

Am Ticketschalter müssen Reisepass bzw. chinesische ID-Card vorgezeigt werden, reserviert für den Besuch hatten wir ja zusammen eine Woche zuvor im Purple Bamboo Park. Nun folgt das übliche Sicherheitsprozedere, und dann sind wir drin. Im Museum ist Essen und Trinken streng verboten, und so sieht man einige Leute, die jetzt noch mal trinken, bevor sie hineingehen.

Die Ausstellung ist über drei Etagen verteilt und wir sehen uns jedes einzelne Bild genau an. Eine „kleine“ Auswahl folgt weiter unten in der Fotogalerie.

Ich bin zunächst erstmal total beeindruckt, wie viele Besucher an diesem wundervollen Sommertag hier im Museum sind.

100 Jahre KP - Ausstellung im National Art Museum, vier große Gemälde an rot gestrichener, geschwungener Wand, davor zahlreiche Besucher.

In den großen Ausstellungsräumen verteilen sich die Besucher zum Glück ganz gut

Father von Luo Zhongli

Dieses Bild habe ich sicher schon ein paar Mal gesehen, kein Wunder, es zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen chinesischen Werken. Allerdings kannte ich bisher die Geschichte dazu nicht. Es ist nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch wegen der damit verbundenen Symbolik berühmt.

Das Bild "Father" von Luo Zhongli im National Art Museum in Peking

Father von Lou Zhongli

Luo Zhongli hatte dies 1980 entstandene Bild ursprünglich „My Father“ genannt, aber da dies als zu persönlich galt, wurde es umbenannt und das „my“ gestrichen. Auch der Stift hinter dem Ohr wurde erst nachträglich eingefügt, um zu zeigen, dass der Bauer lesen und schreiben kann. Erst mit diesen Änderungen konnte Luo das Bild für die 2. China Youth Art Exhibition einreichen – und gewann den 1. Preis. Davon ab ist an diesem realistischen Bild (dunkle, raue Haut, trockene Lippen, beschädigte Schüssel) nichts idealisiertes, nicht das für die damalige Zeit typische Bild des rotwangigen, fröhlichen Bauern. Auch, dass das Bild so groß ist, symbolisiert einen Helden – so große Portraits waren bis dahin nur Berühmtheiten vorbehalten.

Welche Sehenswürdigkeit auch immer besucht wird, man sieht immer Leute, nicht nur Kinder/Schüler, die zeichnen und malen, sondern auch viele Erwachsene. So auch hier.

Der Mann erzählt uns, dass er am Vortag schon fast zehn Stunden an seinem Bild gezeichnet hat und heute auch schon über eine Stunde. Ich bin beeindruckt.

Lange Straße (路漫漫 – lù mànmàn) von Li Tianxiang

Oder: Die Geschichte vom kleinen Karottenkopf

Vor diesem Bild haben wir lange verweilt und meine Freundin hat mir die Geschichte des Jungen auf dem Bild erzählt.

Das Bild zeigt das Gemälde "lù mànmàn" (Lange Straße)

Li Tianxiang: lù mànmàn – Lange Straße

Der 1940 geborene Junge Song Zhenzhong kam mit nur acht Monaten mit seinen kommunistischen Eltern Xu Linxia und Song Qiyun ins Gefängnis und wurde dort mit 9 Jahren am 6. September 1949 von den Kuomintang ermordet. Nie hat der Junge die Außenwelt gesehen – diesen Aspekt findet meine Freundin besonders schlimm, aber auch bei meinen Versuchen, mehr über diese Geschichte herauszufinden, wird dies immer wieder betont. Durch die schlechte Ernährung blieb er winzig mit großem Kopf und wurde daher Xiaoluotou – Kleiner Karottenkopf – genannt. Er soll im Gefängnis fleissig gelernt haben (und natürlich den Lehrer sehr respektiert haben), Botengänge zwischen den Gefangenen gemacht haben – und gilt als jüngster revolutionärer Märtyrer. In seinem Geburtsort Pizhou in Jiangsu wurde eine Gedächtnishalle errichtet.

Weiter durch die chinesische Geschichte

Wir gehen weiter durch die Ausstellung. Viele Bilder zeigen Kämpfe, Bürgerkrieg und Krieg gegen die Japaner, Bilder vom Langen Marsch… Vor diesem Bild machen viele Gruppen längeren Halt, es zeigt einen Fackelzug in Yan’an 1945 nach der Kapitulation Japans – und ist ein Beispiel für „Variantenmalerei“.

Besuchergruppe vor Gemälde im NAMOC

Besuchergruppe vor Cai Liangs „Yan’an Torch“, 1972

Die erste Variante dieses Bildes (nicht im Museum gezeigt) entstand 1959 – ohne Mao-Porträt.

Es geht weiter mit dem Aufbau Chinas, der industriellen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Bild: Eine ältere chinesische Frau hält einen Wahlzettel in der Hand.

Yang Zhiguang: „Das erste Mal im Leben“ (die erste Wahlkarte)

Dong Xiwen: Thousand Years of Land Turn Over

Xu Wenhua "Morgen" - eine Frau wartet vor der Bibliothek

Xu Wenhua „Morgen“ – eine Frau wartet vor der Bibliothek

Shi Weiping, „Polar Scientific Expedition: The Snow Dragon Sailing into the Arctic Ocean“

Zum Schluss kommen wir in der jüngsten Vergangenheit an.

Bilder im NAMOC, die Covid-19-Themen zeigen: Maske, Krankenwagen, medizinisches Personal in Schutzkleidung

Auch Covid-19 fehlt nicht in der Ausstellung

Lohnt sich der Besuch?

Auch wenn die Ausstellung aus einer bestimmten Perspektive gestaltet wurde, gibt es doch viel zu entdecken und zu lernen – und etliche Bilder stehen für sich und sind definitiv sehenswert. Die Lücken lassen sich ja andernorts füllen. Um China wieder ein klitzekleines bisschen mehr zu verstehen, ist ein Besuch dieser Ausstellung (wenn man denn die Möglichkeit hat) die Zeit alle mal wert. Wir haben uns wirklich jedes einzelne Bild angesehen und waren 4 Stunden im Museum. Da nur die Einleitungstexte zu den unterschiedlichen Abschnitten auf Englisch übersetzt sind, empfiehlt sich chinesische Begleitung. Die Ausstellung endet am 25. Juli 2021.

Fotos

Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

Culinaria China* – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

Tolle Kochworkshops!

Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren.

Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

Input!

Gewürze

Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

The Hutong - Küche

The Hutong-Küche

Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

Push! Turnover! Quick!

Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

The Hutong

So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

Wieder war ich mit meiner neuen chinesischen Freundin unterwegs. Diesmal ging es zum Zizhuyuan, dem Purple Bamboo Park. Dieser Park zählt nicht nur zu den sieben größten Parks in Peking, sondern auch zu den schönsten. Hier gibt es Seen und Hügel und über 50 verschiedene Bambus-Arten. Da der Park nicht wirklich zentral liegt, sondern noch ein Stück hinter dem Zoo in Haidian, bin ich bislang nicht dort gewesen. Ein Fehler, denn dieser Park ist tatsächlich besonders schön!

Aktives Parkleben

Auch wenn der Park zum Spazierengehen und Verweilen einlädt, sieht man hier viele der verschiedenen Aktivitäten in chinesischen Parks.

Tanzen

Turnen-Tanzen mit Bändern

Musik solo

Musik Duo

Noch mehr Tanzen

Wasser

Die Geschichte des Geländes reicht weit zurück. In der Antike waren hier tiefliegende Feuchtgebiete. Während der Ming-Dynastie wurde am Nordufer des Sees der Zizhuyuan-Tempel errichtet. Der Park selbst wurde erst 1949 errichtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute gibt es drei miteinander verbundene Seen mit zwei Inseln, viele kleine Wasserläufe, einen Fluss. Die Seen sind voller Lotus, die Wasserläufe von Bambus gesäumt. Man kann sich kleine Elektroboote leihen oder über den See schippern lassen oder am und mit dem Wasser spielen.

Wir setzen uns in einen Pavillon – davon gibt es im Park verteilt viele verschiedene. Wir lauschen einem Chor, unterhalten uns, verabreden uns für nächste Woche für eine Ausstellung im Kunstmuseum und buchen über eine WeChat-App die Tickets dafür. Alleine hätte ich mich da kaum durchklicken können, so war das relativ simpel. Dann schlendern wir in Richtung Ausgang zurück, wo sich unsere Wege erstmal trennen.

Ich bin jedenfalls total begeistert vom Zizhuyuan, denn man ist hier zwar mitten in der Großstadt, aber gleichzeitig ganz im Grünen.

Impressionen vom Rückweg

Wie gesagt, der Purple Bamboo Park und der Zoo liegen nahe beieinander in Haidian, beides von uns aus halt doch eine Ecke entfernt (mit dem Scooter etwa eine Stunde, mit der Metro wäre es etwas länger, mit Auto/Didi bei freier Fahrt (kicher) etwa eine halbe Stunde), also eher nichts für kurze Alltagsausflüge, sondern mehr Zeit erforderlich. Auf dem Hinweg habe ich diese Brücke mit dem Scooter überqueren müssen, sonst gibt kilometerlang keine Chance, die Straßenseite zu wechseln. Den Tunnel unter der Kreuzung (vor dem Hochhaus im Hintergrund) nutze ich erst auf dem Rückweg, so weit mag ich nicht auf der falschen Seite fahren.

Auf dem Rückweg geht es also kurz hinter dieser Brücke unter die Erde. Ich schaffe es immerhin im dritten Anlauf, die richtige Rampe nach oben zu finden.

Dies ist die Straße über dem Monkey Mountain im Zoo.

Hatte ich erwähnt, dass es zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei überall neue Blumenarrangements gibt? Dies ist eines davon am 2. Ring Nord, irgendwo zwischen Deshengmen und Yonghegong. Hier lief auch Musik.

Im Lama-Tempel wird gebaut, die hinterste Halle ist komplett eingerüstet.

Purple Bamboo Park – viele Fotos

Infos

Adresse: No 35 Zhongguancun Nandajie, Haidian District

Hinkommen: Metrostation National Library (Linien 4 und 9), Exit D – 2 Minuten zum Osteingang

Website des Parks: zizhuyuangongyuan.com/

Eintritt: frei

Öffnungszeiten: täglich 6-21 Uhr, November bis März 6-20 Uhr

Am Wochenende war ich mit einer chinesischen Freundin im Pekinger Zoo. Es hat sich hier zwar seit unserem bisher ersten und einzigen Zoobesuch einiges getan, aber dafür habe ich diesmal anderes gesehen, was mir nicht gefällt. Ich bin keine Zoo-Expertin, aber das Hin- und Herlaufen eines Luchses war schon sehr auffällig. Gleichzeitig gibt es aber bereits modernisierte Gehege, der Zoo wird stetig fortentwickelt. Der 1906 gegründete Zoo gilt als einer der ältesten, größten und bedeutendsten in ganz Asien. Mit 90 ha Fläche ist er mehr als 3,5 mal so groß wie Hagenbecks Tierpark in Hamburg.

Pandas

Eines der Highlights des Zoos sind die Pandas, deren Gehege sich gleich hinter dem Haupteingang befindet. Das 1989 gebaute Panda-Haus wirkt etwas in die Jahre gekommen, aber es ist sauber und großzügig. Als wir im Februar 2015 dort waren, konnte man nur sehr eingeschränkt auf die Pandas gucken: Bauarbeiten. Keine Ahnung, was im für Besucher nicht sichtbaren Bereich gewerkelt wurde, außen sieht man nur an einigen der Spielgeräten neuere Holzbalken. Heute ist es nicht nur mir, sondern auch den Pandas zu heiß: die meisten schlafen.

Schmutzige Glasscheiben

Ich bin ja Hagenbeck-sozialisiert, das heißt, ich bin ungehinderte Sicht auf die Tiere gewöhnt. (Fast) Gitter-los, stattdessen tiefe, teils wassergefüllte Gräben. Hier in Pekings Zoo gibt es stattdessen Gitter oder Glasscheiben, letzteres leider zumeist ziemlich dreckig.

Panda im Panda-Haus im Pekinger Zoo

Im Panda-Haus

Flach ausgestreckt schlafender Panda im Pekinger Pandahaus

Im Panda-Haus

Panda auf Spielgerät im Freigehege

Im Freigehege

Nicht nachmachen: Zoobesuch bei 37 Grad

Nach den Pandas kaufen wir uns erstmal Getränkenachschub – an dem Stand, an dem ich vor 6 Jahren meine Junioren abgefüttert habe; das Angebot ist noch das gleiche.
Ich bin mit dem Scooter zum Zoo gefahren, fast eine Dreiviertelstunde in sengender Sonne, mein mitgeschlepptes Wasser war schon alle, noch bevor ich überhaupt angekommen bin. Vor dem Start schon total erledigt und kaum aufnahmefähig, so sehr ich meine Unabhängigkeit mit dem Scooter auch schätze, das war eine ganz dumme Idee. 37 Grad sind wirklich nicht ideale Bedingungen für einen Zoobesuch, bei vielen Tieren hatte ich den Eindruck, dass sie ebenso wie die Menschen unter der Hitze leiden.

Monkey Mountain

Vor dem Affen-Bereich, Monkey Mountain genannt, ist eine Reihe kleiner Affen-Statuen aufgestellt.

Affenstatue mit Händen über den Ohren, konsterniertem Gesichtsausdruck

Ja, so hab ich mich auch gefühlt

Am Rand des Zoos, über den Gehegen für Affen, Wild- und Großkatzen verläuft eine Hochstraße! Es ist nicht laut, aber schon leicht störend, dazu vibriert es regelmäßig. Meine Begleiterin meinte, dass früher der Monkey Mountain auch viel größer gewesen sei.

Die Rhesusaffen erfreuen sich großer Beliebtheit. Mich irritiert allerdings, dass manche der Tiere ziemlich struppig aussehen, und ich empfinde dies Gehege als sehr trostlos.

Rhesusaffenmutter zieht ihr Junges am Schwanz im Pekinger Zoo

So einen handlichen Henkel hätte ich an meinen Kindern auch gern gehabt…

Aber ohne Zweifel: sehr knuffige Tiere!

Gegenüber ist das Gehege der Husarenaffen. Das war mit Abstand der deprimierendste Anblick im ganzen Zoo.

Husarenafffen-Gehege im Pekinger Zoo, direkt unter einer Hochstraße

Seufz…

Sicherlich gibt es eine Erklärung dafür. Ich finde dies auch deshalb so irritierend, weil im ganzen Zoo wie in praktisch allen chinesischen Parks so viel Wert auf Harmonie und Ästhetik gelegt wird. Dagegen fällt insbesondere dies Gehege halt extrem ab.

Eisbären

Den Eisbären gefällt der Pekinger Winter bestimmt gut, aber die Hitze jetzt ist sicher nicht so optimal. Deshalb erstmal baden und abkühlen.

Eisbär badet in Pekings Zoo

Eisbär badet in Pekings Zoo

Eisbär in Pekings Zoo

Eisbärenpranke

Ganz schön groß…

Eisbär in Pekings Zoo

<3

Das hat mir richtig gut gefallen – so dicht ran kommt man in gitterfreien Zoos nicht.

Felidae

Unter der Hochstraße führt uns der Weg weiter zu den Groß- und Wildkatzen.

Hochstraße über Gehegen in Pekings Zoo

Unten Gehege, oben Straße

Man könnte die Wege auch mithilfe dieser kleinen Elektrobusse (10 RMB) abkürzen, die – natürlich – Musik vor sich hindudeln. Das macht Hupen überflüssig. ;)

Eingang zum Katzenhaus

Eingang zum Katzenhaus

An den Katzengehegen mit verschiedenen Luchsen gehen wir relativ zügig vorbei. Ich hoffe, dass sich auf der Rückseite Freiflächen befinden, sonst wäre das doch recht wenig Platz.

Liegender Serval in Pekings Zoo

Serval

Mehr Park als Zoo?

Wir schlendern weiter durch den Park. Breite Wege, gepflegte Grünanlagen, auch große Rasenflächen (den Platz würde man manchen Tieren gern gönnen).

Ein Trend in Peking ist dieses Jahr Eis in der zur Sehenswürdigkeit passenden Form. Am Himmelstempel gibt es Eis in der Form der Halle der Ernte, hier im Zoo gibt es natürlich Tiere.

verschiedene Eissorten in Tierform: Papagei, Elefant, Panda, Giraffe

Eis in Tierform

Durch den Zoo führt auch ein Kanal, auf dem man Schnellboot fahren kann.

Natürlich gibt es auch im Zoo riesige Statuen.

Elefanten

Unsere für dieses Mal letzte Station sind die Elefanten. Hier gibt es sowohl afrikanische als auch asiatische Elefanten. Die Boxen im Elefantenhaus kommen uns für die riesigen Tiere echt klein vor, deshalb gehen wir direkt raus. Da ist es besser. Und trotzdem denke ich an die in Yunnan herumstreifenden Elefanten, wie gut die das im Vergleich haben.

Elefant im Pekinger Zoo

Elefanten in Pekings Zoo

Elefanten in Pekings Zoo

Hier setzen wir uns auf eine Bank in den Schatten, gucken den Elefanten zu und unterhalten uns lange. Erst als es am spätnachmittag etwas „kühler“ wird (immer noch über 30 Grad), schlendern wir langsam zum Ausgang zurück.

Wir kommen am Nashorngehege vorbei, das offensichtlich schon modernisiert ist. Aber wir gucken nicht mehr, wir sind beide platt und haben noch den Rückweg vor uns. Wir wollen bald wieder kommen, um die anderen Bereiche des Zoos zu erkunden – wir haben ja nur einen Bruchteil gesehen.

Deko am Nashorngehege

Deko am Nashorngehege

Wir passieren ein schönes Antilopengehege und die Wasservogelwelt. Wir sehen das Reptilienhaus, aber ich mag keine Schlangen, da muss ich nicht unbedingt rein und für heute reicht es wirklich. Hab ich die brütende Hitze schon erwähnt?

Pekings Zoo – Infos

Zoos leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenerhalt, für Zucht und auch Auswilderung. Sie sind wichtig für Forschung, Erziehung und Bildung. Zootiere wecken Sympathie und Verständnis, weit über das hinaus, was durch Filme möglich ist. Auch wenn im Pekinger Zoo sicher Luft nach oben ist, scheint mir der Zoo auf einem guten Weg zu sein. Es gibt unglaublich viel zu entdecken, ein Nachmittag allein reicht nicht. Im Norden des Zoos liegt das zugehörige Aquarium, das ich vor sechs Jahren wirklich großartig fand. Hier zahlt man noch mal 150 RMB Eintritt zusätzlich, zehnmal mehr als für das Zoo-Ticket.

Info

Website des Zoos (chinesisch, kann man mit dem Browser übersetzen lassen): Beijing Zoo

Auf Chinesisch heißt  Zoo 动物园 – Dòngwùyuán.

Adresse: No.137 Xizhimenwai Main Street, Xicheng District, 100044 Beijing

Hinkommen: Taxi, Scooter, Auto (Parkplatz gegen Gebühr direkt neben dem Haupteingang), U-Bahn (Haltestelle Beijing Zoo, Exit B ist eine Minute vom Ticketcenter entfernt).

Die Boote auf dem Imperial Waterway zwischen Sommerpalast und Zoo fahren derzeit nicht!

Tickets: Werden derzeit über eine App, deren QR-Code man vor Ort scannen kann, verkauft. Reisepass nicht vergessen! Die App ist nur Chinesisch.

Eintrittspreise:

  • Zoo: 15 RMB.
  • Zoo und Pandas: 19 RMB. Von November bis März jeweils 5 RMB weniger.
  • Aquarium: Zooticket erforderlich plus 150 RMB.

Öffnungszeiten:

  • Zoo 7:30 – 18 Uhr, November bis März 17 Uhr
  • Aquarium 9-17:30 Uhr, November bis März 16:30 Uhr

Mit einer neuen chinesischen Freundin habe ich den Taoranting-Park besucht. Der liegt auf einer Höhe mit dem Himmelstempel, rund 7 km südwestlich vom Tiananmen, und ist damit relativ weit weg vom Zentrum. So verlaufen sich nicht viele Ausländer und schon gar keine Touristen dahin. Bei den in der Nähe wohnenden Pekingern ist der Park aber extrem beliebt. Seit 2002 ist der Park als 4A/AAAA-Attraction (in ganz China gibt es nur 279 5A/AAAAA-Attractions) klassifiziert.

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Kindheitserinnerungen

Wir betreten den Park am Nordeingang und nach wenigen Schritten stehen wir vor hüpfenden Kängurus. Okay, keine echten, sondern ein Känguru-Karussell! Hier ist ein kleiner Rummelplatz, „Fun Park“ vor allem für Kinder: verschiedene Karussells, eine kleine Achterbahn – man denke sich die entsprechende Lärmkulisse dazu…

Känguru-Karussell im Pekinger Taoranting-Park

Am Ende des Rummelplatzes steht ein Plastik-Hügel „Snow Mountain“. Hier können Kindern klettern und rutschen. Meine Freundin wird ganz wehmütig, sie war als Kind oft mit ihren Großeltern hier. Mich erinnert der „Snow Mountain“ an die Bullerberge in Planten un Blomen in Hamburg, sogar der Geruch ist ganz genau so (dieses warme Plastik in der prallen Sonne…). Leider hab ich gar kein Foto gemacht, es war aber auch kein Foto-Ausflug, sondern unser Gespräch stand im Vordergrund, zum Beispiel mit eben dieser Erkenntnis, dass es außer vielen Unterschieden auch viel Vergleichbares gibt.

Pavillons

Jedenfalls wird es viel ruhiger, als wir den Rummelplatz hinter uns lassen, obwohl der Taoranting-Park gut besucht ist.

Der heutige Park wurde 1952 errichtet. 1985 wurde der Park renoviert und 36 originalgroße Nachbildungen berühmter Pavillons aus ganz China im Park verteilt. Allein das lohnt sich für einen weiteren Ausflug, dann mit dem Fokus aufs Fotografieren. :)

Einer der Pavillons auf einem Hügel im Pekinger Taoranting-Park.

Aktives Parkleben

Eine Weile beobachten wir diese Gruppe, wie sie ihre Instrumente (aufeinander ab-) stimmen. Meine Begleitung erklärt mir Erhu und Pipa. Wir hören noch eine Weile zu und schlendern dann weiter.

Park-Orchester - Pekinger Bürger musizieren gemeinsam im Taoranting-Park

Später kommen wir an dieser Plattform vorbei. Die wurde eigens nachträglich für die Tänzer, die sich täglich hier treffen gebaut.

Plattform mit Tänzern im Taoranting-Park

Es gibt Spieltische, überall wird solo oder in kleinen Gruppen TaiChi gemacht.

Der See

Besondere Anziehungskraft hat natürlich der 16 ha große See. Hier sind die Elektro- und Tretboote besonders beliebt. Wir setzen uns in einen der Pavillons am Wasser, wo es etwas kühler ist. Zum Glück gibt es noch keine Mücken, die sind dieses Jahr spät dran und nicht so zahlreich – hoffentlich bleibt das so!

See im Taoranting-Park

Blick über den See auf die Xiehu Bridge

Im Winter soll es sich hier prima Schlittschuhlaufen lassen.

Chinesischer Pavillon am See mit blauem Elektroboot davor

Einer der Pavillons am See

Das Nonnenkloster…

Wir steuern das Cibei Nonnenkloster an, welches auf einer Insel in der Mitte des Sees liegt und über Brücken zu erreichen ist. Hier ist auch der für den Taoranting-Park namensgebende Taoran-Pavillon.

Während der Qing-Dynastie war das ein Ort für Gelehrte und Literaten. Zu der Zeit waren die meisten Parks und Gärten den kaiserlichen Familien vorbehalten. Wie man sieht: nur drei Dachreiter (je mehr, desto mächtiger die Bewohner, nur in der Verbotenen Stadt gibt es auf der Halle der Höchsten Harmonie elf Dachreiter).

… und die Kommunisten

Fast hätte ich Kloster und Ausstellung nicht besuchen können – hier wird wieder eine App eingesetzt, die ohne Chinesischkenntnisse schwer zu durchschauen ist. Zum Glück kann meine Begleitung einfach zwei Tickets kaufen – Glück gehabt.

Es riecht nach frischer Farbe, die Ausstellung ist ganz neu eröffnet. Passt, denn jetzt starten überall die 100-Jahr-Feierlichkeiten zum Jubiläum der Kommunistischen Partei Chinas.

Hier haben sich 1919 Mao, Zhou Enlai und Li Dazhai getroffen und gearbeitet. Leider sind nur einige wenige Schilder übersetzt. Schade. Ich muss nämlich gestehen, dass mich die allermeisten Geschichtsbücher langweilen (das muss doch auch interessanter und spannender zu erzählen sein!), dass es mir aber großen Spaß macht, an Originalschauplätzen und Museen etwas dazuzulernen. Das ist dann zwar nur häppchenweise, sicherlich hier und dort auch mal ideologisch eingefärbt, unsystematisch, unvollständig, unstrukturiert – aber ich strebe ja auch keinen wissenschaftlichen Abschluss an, sondern möchte nur mehr über das Land lernen, in dem ich lebe. Und dafür sind solche Ausstellungen und Museen wirklich super, ist halt nur schade, wenn man an der Sprache scheitert. Unsere Denglisch-Chinglish-Kombi ist da leider auch an Grenzen gestoßen.

Neben der Foto-Ausstellung kann man schließlich noch einen Blick in diese Halle werfen.

Zum Abschluss noch mal ein Schild mit Politlyrik!

Die Dekorationen außen an der Halle sind aber ganz unideologisch und objektiv hübsch!

Inzwischen hat es sich zugezogen, ein Gewitter ist im Anmarsch und über eine der Brücken gehen wir von der Mittelinsel zurück zum Ausgang.

Hier werde ich sicher bald noch mal wieder hinkommen. Meine Liste „wohin“ wird tatsächlich wieder länger und länger.

 

Das Pekinger Olympiagelände ist riesig. Bisher war ich nur im südlichen Teil unterwegs, wo sich das Bird’s Nest und der Watercube befinden. Heute habe ich das Postkartenwetter ausgenutzt, um mich mal ein Stückchen weiter nördlich umzusehen, vielleicht bis zum Olympic Forest Park.

An diesem „kleinen“ Kreisverkehr denke ich immer, ich wäre fast da, aber es ist doch noch ein Stück – ich unterschätze die Entfernungen hier immer noch.

Stau am 4. Ring, aber die gut ausgebauten Straßen sind relativ leer. Am Pangu Plaza (beherbergt auch ein „7 Sterne“ Hotel; eines der ersten, die zu Beginn der Pandemie geschlossen hatten) wird offenbar gebaut.

Habe ich erwähnt, dass ich mich bei den Entfernungen hier gern vertue?

Auf den Fotos kommen die Berge gar nicht richtig raus.

Blick auf Linglong Pagode, Olympic Tower und Bird’s Nest:

Da ich heute ja den nördlicheren Teil erkunden möchte, fahre ich erstmal ein Stück am Ring entlang und dann auf der Ostseite des Geländes weiter. Pro-Tipp: Nicht verfransen (das kann angesichts der Unterführungen schon mal passieren…), man müsste eine Ewigkeit am 4. Ring entlang nach Westen fahren, bevor man ihn überqueren und zurückfahren kann. Zu Fuß oder mit einem Fahrrad nicht so wild, dafür gibt es Brücken – für den Scooter sind die mir zu steil bzw. der Scooter zu schwer.

Danach ist auf den Straßen so viel los, dass ich lieber erstmal auf Strecke und Verkehr achte. Schließlich parke ich den Scooter in der Nähe des Science & Technology Museums (Riesenkasten, müsste man sich eigentlich auch mal ansehen).

Und dann kommt Urlaubsfeeling auf.

Blick in die andere Richtung:

Ich komme am Zugangsweg zum Olympic Tower vorbei, der übrigens erst nach Olympia 2008 gebaut wurde (2011-2014, eröffnet anlässlich meiner Ankunft in Peking im August 2015). Hoch will ich heute nicht, hatte ich auch gar nicht auf dem Zettel, denn ich möchte ja in Richtung Olympic Forest Park. Im Nachhinein blöd, die Sicht müsste heute gigantisch gewesen sein (falls denn überhaupt geöffnet war, es sah eher trostlos und verlassen aus).

Unten am Wasser ist es echt nett. Dann kommt aber wieder eine etwas breitere Straße und ein Parkplatz – und erst danach beginnt der Forest Park, der um einiges größer ist als das hinter mir liegende Gelände, dafür werde ich erheblich mehr Zeit brauchen (und mehr Wasser und Sonnenschutz…). Wie war das mit den unterschätzten Entfernungen…? Also drehe ich um.

Üblicherweise werden diese Leihräder ja in großen Rudeln abgestellt, hier steht mal eins ganz alleine.

Nochmal der Blick zurück in Richtung Tower. Und ja, das Knattern gehört tatsächlich zu einem Hubschrauber, sieht man in Peking nicht oft.

Der flog da seine Runden, im großen Bogen immer um das Olympiagelände herum.

Mit dem Scooter tuckere ich dann nochmal über diese Brücke – das ist schon eine nette Aussicht.

Ich erwische den Hubschrauber aus der Nähe. Da ist der bestimmt schon vier-, fünfmal seine Runde geflogen.

Dass derzeit die Berge fast immer in Sicht sind, find ich klasse. Das heißt nämlich auch: gute Luft.

Und nochmal. Wie gesagt, Hubschrauber sieht man in Peking nicht so oft wie in Hamburg.

Nun mache ich mich aber wirklich auf den Rückweg. Die Straße direkt am Vogelnest ist beinah leer, aber sobald ich am Ring ankomme, tobt das übliche Feierabendsverkehrschaos (und ich nehme wieder eine falsche Unterführung, was mir einen längeren Umweg beschert).

Jetzt habe ich wieder mehrere Dinge auf dem Zettel: Olympic Tower, Olympic Forest Park – und den Yuan Dadu City Wall Relics Park, an dem ich auf dem Rückweg vorbeigekommen bin. Es ist also nicht so, dass meine „Anguck-Liste“ kürzer wird, sondern es kommt im Moment wieder immer mehr dazu. Und das finde ich richtig gut, dass es immer noch so viel zu entdecken gibt.

Update am 6.6.2021: Karte

Ich habe eine Map erstellt, damit man sich die Entfernungen etwas besser vorstellen kann (für Beschriftungen am PC/Laptop mit der Maus über die Ziffern gehen, bei kleineren Monitoren Legende unterhalb des Bildes):

1
2
3
4
5
6
1

Hier bloß nicht verfahren… ;)

2

Bird’s Nest

3

WaterCube

4

Linglong Pagoda

5

Science & Technology Museum

6

Olympic Tower

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Rund um den Shichahai gibt es abends viel zu sehen und entdecken. Dabei geht es am Qianhai etwas ruhiger zu als am Houhai, wo im Barviertel das Leben tobt.

Kurz zur Lage und Geschichte

Shichahai – das sind die „Drei hinteren Seen“. Der Vordere See (Qianhai) und der Hintere See (Houhai) sind durch die über 500 Jahre alte Yinding-Brücke voneinander getrennt (und die Ufer dadurch verbunden). Nordwestlich schließt sich der dritte See an: der Xihai (Westsee).

Man könnte das „shi“ – anders geschrieben und ausgesprochen – auch auf die zehn Tempel beziehen, die rund um die Seen liegen.

Abendstimmung am Qianhai

Hier entstand schon während der Jin-Dynastie im 12. Jahrhundert ein florierendes Viertel. Während der Yuan-Dynastie (1271 – 1368) war hier einer der Endpunkte des Kaiserkanals (auch: Großer Kanal), der Peking mit Hangzhou verbunden hat. Damit wurde Shichahai einer der wichtigsten Handelsbezirke Pekings, über den Kaiserkanal wurde Peking fast 600 Jahre mit Reis (und vielem anderen) versorgt. Als die Wasserstraße an Bedeutung verlor (sich verändernde Flussläufe, Trockenheit in Nordostchina, die Konkurrenz durch die Eisenbahn) blieb die Lage dennoch attraktiv, nicht nur wegen der Nähe zum Palast, den Prinzenresidenzen und Tempeln. Gewässer sind rar in Peking, das macht die Seen hier so besonders.

Heute ist Shichahai ein beliebtes Touristenziel, aber auch für die Naherholung der Pekinger sind die Seen samt Umgebung wichtig. Hier wird musiziert und getanzt, eine größere Gruppe trifft sich immer abends auf dem Platz in der Nähe des Lotosmarktes am Südüfer des Qianhai. Man sieht Angler, manchmal Schwimmer. Normalerweise kann man sich Boote mieten, jetzt im Corona-Jahr blieben die Boote des Qianhai im Winterquartier. Am Südwestufer des Qianhai wurde gerade erst die Restaurant“meile“ renoviert, das sieht (wegen Corona?) noch relativ unfertig aus. Am See gibt es aber auch einige Pekinger Traditionsrestaurants. Mehr los – fast normaler Trubel, aktuell nur ohne ausländische Touristen – ist am Houhai.

Fotogruppen-Ausflug

Gestern Abend war ich mit der Fotogruppe dort verabredet. Ich bin etwas früher von zuhause losgekommen, und habe noch ein bisschen Dämmerung mitbekommen.

Boot auf dem Qianhai

Wenn ich allein mit Stativ irgendwo in Peking herumstehe, werde ich immer angesprochen.

Diesmal bekam ich den Tipp, die nächste Dämmerung vom Lotosmarkt aus einzufangen, dann wäre der See einzigartig blau. Das muss ich tatsächlich bald mal ausprobieren!

Aber so gefällt es mir dort auch echt gut.

Erst friedliche Abendstimmung…

Schließlich habe ich fix zusammengepackt und bin zum Treffpunkt der Gruppe hinübergegangen. Inzwischen war es dunkel. Wir sind zuerst noch mal zurück zum Qianhai. An „meinem“ Platz hatte sich inzwischen ein Musikant eingefunden.

Musikant am Qianhai

Ein wirklich schöner Spätsommerabend. Nur die Mücken waren etwas nervig. Nachdem etliche Bilder im Kasten waren, sind wir weiter in Richtung Houhai gegangen.

Die Yinding-Brücke

Yinding-Brücke

Die Yinding- (Silberbarren) Brücke hat ihren Namen nach den alten Silberbarren, die lokales, individuell gefertigtes Zahlungsmittel im kaiserlichen China seit der Qin-Dynastie waren.

Die Brücke wurde 1984 restauriert und 2011 noch einmal verbreitert und ist sowohl schönes Motiv als auch Aussichtspunkt.

… dann quirliges Nachtleben

Es geht los mit Restaurants und Souvenir-Läden (von denen es in den Seitenstraßen noch viel mehr gibt, und durch die man auch unbedingt durchspazieren sollte).

In den klitzekleinen Bars, die sich dicht an dicht am Seeufer drängen, gibt es leicht überteuertes Bier, überall stehen Livebands auf der Bühne.

Wir bummeln schließlich durch eine der Seitengassen, an der historischen kaiserlichen Post vorbei – ein kleines Museum und Laden, den man auch besichtigen könnte. Aber wir wollen noch weiter ins Café Zarah zur Vernissage von „Time Capsule“ von Mica.

Ein letztes Bild schieße ich noch.

Im Zarah gibt uns Mica eine Einführung zu seinen Bildern und beantwortet geduldig alle Fragen. Bei leckeren Caipis lassen wir einen wundervollen Sommerabend ausklingen.

Der Samstag war kalt, feucht und grau, ideal um den SUB (Stapel ungelesener Bücher) zu schrumpfen. Gestern Kontrastprogramm: sonnig und warm, also nichts wie raus. Diesmal habe ich mich stadtauswärts aufgemacht: zum Civil Aviation Museum (Museum der zivilen Luftfahrt). Das liegt – naheliegend – in Richtung Flughafen an der Seitenstraße des Airport Expressways.

Auf dem Weg komme ich erst an dieser für Peking typischen Kreuzung vorbei.

Aber ein paar Minuten später ist es beinah ländlich – wenn man verdrängt, dass links daneben der Airport Expressway verläuft, Lärmkulisse inbegriffen.

Nach zehn Kilometern bin ich am Ziel:

Health Code Scannen, Pass vorzeigen (Eintritt ist frei, aber die Passnummer wird registriert) – und hier, das Ticket.

Noch fix durch den Sicherheitscheck – und nun viel Vergnügen. :)

Das Wetter ist so schön, dass ich mir erst die draußen ausgestellten Flugzeuge ansehe.

Cessna 650 Citation VI, frontal im Civil Aviation Museum, Beijing

Cessna 650 Citation VI

Die Ausstellungshalle, die wie ein kleiner Flughafenterminal aussieht, muss noch warten.

Als nächstes folgt eine Dreiergruppe: zwei Lissunow Li-2, in der Mitte eine Curtiss C-46. Gemeinsam haben sie, dass sie aus den 40er Jahren stammen und keine Druckkabine haben.

Flugzeuge aus den 40er Jahren

Lissunow Li-2 im Beijing Civil Aviation Museum

Lissunow Li-2

Bei der C-46 habe ich spontan gedacht, was für ein plumper Vogel. ;) Zu ihrer Zeit soll sie aber das größte zweimotorige Flugzeug der Welt gewesen sein.

C-46, dahinter Li-2 im Beijing Aviation Museum

C-46, dahinter Li-2

Unterm Flügel der C-46

Der Flughafen ist nur rund 7 Kilometer entfernt, das gibt dann auch ganz interessante Perspektiven.

An einem Bürogebäude vorbei geht es weiter zur nächsten Gruppe.

Vorne A310, dahinter Trident 2 und Bae-146

Der Airbus war 1983 das erste nach China importierte Großraumflugzeug. Nachdem diese Maschine außer Dienst gestellt wurde, hat Airbus die Maschine zurückgekauft und dann dem Museum übergeben. Die Trident war das „special plane“ für „central leaders of China“.

Das Museumsgebäude hat was!

Mal eine andere Perspektive…

Vögel sind an Flughäfen ein großes Problem, zahlreiche Maßnahmen gegen Vogelschlag müssen ergriffen werden. Hier im Museum natürlich nicht, mir scheint, in den Oldtimern wohnen einige Piepmätze.

Einstöpseln derzeit nicht empfohlen… ;)

Blick in einen Fahrwerk-Schacht.

Als nächstes komme ich zu einer Y-7 und eine Y-7-100, die auf Antonow-Modellen basieren.

Als ich weiter gehe, fällt mir diese zurückhaltende Beflaggung auf. ;)

Nochmal ein Blick zurück auf den A210, Trident und Bae-146-100.

Der nächste Flieger ist keine MiG, stammt aber davon ab: eine FT-5, Trainingsversion der Shenyang J-5A. Und weil es ein Lehr-Flugzeug ist, darf es auch im Museum der zivilen Luftfahrt stehen.

Daneben steht ein Doppeldecker: eine Nanchang Y-5, basierend auf der Antonow An-2.

In der DDR flogen bis zuletzt solche „Traktoren der Lüfte“.

Nun geht es in die Museumshalle hinein. Anders als draußen, wo alle Schilder zweisprachig sind, ist hier ausschließlich Chinesisch beschildert.

Es gibt einen Demo-Tower und Flugsimulatoren, aber alles außer Betrieb. Schade.

Aber auch so gibt es genug zu gucken, von der Decke hängen verschiedene Modelle.

Vor allem interessiert mich aber die Iljuschin-IL14 (hinten im Bild).

Aber den Rotor guck ich mir dennoch an.

Ich nähere mich der IL-14.

Dies ist das einzige Flugzeug, das man hier boarden kann: es handelt sich um die Maschine Mao Zedongs.

Wie hier sind es vor allem Familien mit kleinen Jungs, die das Museum besuchen…

Dann reicht es mir auch erst einmal und ich mache mich auf den Rückweg.

Informationen

Civil Aviation Museum, Adresse: 200 Capital Airport Side Road, Chaoyang.

Eintritt frei, Reisepass benötigt.

Hinkommen: Didi kennt die Adresse, es gibt einen Parkplatz direkt am Eingang, auch Bikes aller Art kann man abstellen. Die nächstgelegene Metrostation ist rund 5 km entfernt (Maquanying), von daher nicht empfehlenswert. Der Bus 359 hält hier (fährt ab Dongzhimen etwa eine halbe Stunde).

Lange sah es so aus, als kämen Prinz Gong und ich nie zusammen: beim ersten Versuch haben wir vergessen, dass Montag alles geschlossen ist, dann kamen Bauarbeiten, Verlängerung der Bauarbeiten, Corona… Jetzt hat es endlich geklappt. Ich habe so viel darüber gelesen, bin so oft außen dran vorbei gefahren – ich war echt gespannt.

Die Residenz des Prinzen Gong in der Nähe des Shichahai gilt als eine der schönsten und am besten erhaltenen kaiserlichen Residenzen der Qing-Dynastie.

Die Anlage ist in zwei Teile gegliedert: vorne die prunkvolle Residenz mit über 30 Gebäuden; hinten ein bemerkenswerter Garten, eher ein kleiner Park, der mit dem Roman „Der Traum der Roten Kammer“ in Verbindung gebracht wird.

 

Auf dem Weg fällt mir auf, wie voll die Stadt ist und wie viele Touristengruppen unterwegs sind. Auch die Rikschafahrer sind wieder überall in der inneren Stadt zu sehen.

Ich muss zugeben, ich bin doch erleichtert, dass wirklich geöffnet ist und dass ich auch problemlos hineinkomme: als Ausländerin nur den Health Code Scannen und durch das erste Tor gehen, links halten und am Ticketschalter den Reisepass vorzeigen, bezahlen, fertig.

Dann geht es durch das nächste Tor mit Sicherheits- und Taschenkontrolle. Ich bin fast ein bisschen überrascht, dass es so voll ist – und gleichzeitig froh drüber, weil es so normal ist.

Das Ausleihen eines Audioguides ist etwas komplizierter, Scannen eines QR-Codes, Menü ausschließlich Chinesisch,  aber die Kassiererin ist geduldig und schließlich klappt alles und ich kriege zu jedem Gebäude die wichtigsten Informationen ins Ohr geflüstert.

Auch wenn ich mich gerade noch gefreut habe, dass es so schön normal-voll ist – in den Gebäuden vorne ist es mir zu gedrängt, so dass ich da relativ achtlos dran vorbeigehe.

Einen Blick auf das Modell werfe ich aber noch.

Sightseeing ist anstrengend.

Wie in so vielen Sehenswürdigkeiten sind auch hier viele junge Leute in Kostümen unterwegs.

In lasse den vorderen Teil mit den Hallen hinter mir und komme zum Garten. Hier das Western Style Gate:

Der Garten ist wirklich nett angelegt: künstliche Hügel, gewundene Pfade. Oh, und eine kleine Mauer, die an die Große Mauer erinnern soll.

Anders als bei der Großen Mauer darf man hier aber nicht entlanggehen.

Wenn man ein bisschen wartet, kann man zwischen den Touristengruppen diesen Pavillon auch (fast) ohne Leute aufs Bild bannen.

Aber nur kurz zur Seite gedreht, sieht es so aus: voll.

Ich gehe den Hügel hinunter, ein paar Schritte an diesem Wasserlauf entlang…

… um zum fledermausförmigen Teich weiterzugehen. Die Fledermausform kann man von untern allerdings kaum erkennen.

Ich komme am Gemüsegarten vorbei.

Es blüht natürlich auch überall.

Hier kann man ein wenig die verwinkelte, hügelige Anlage erkennen.

Ich schlage einen Bogen und komme noch mal zum Western Style Gate, wo es sich gerade ein bisschen staut.

Gucke ich mir halt die Blumen genauer an, bis sich der Stau aufgelöst hat.

Für mich sind die Feuerlöscher etc. ja auch immer ein Hingucker.

Ich sehe mich weiter um. Auch im Gartenbereich gibt es Pavillons und Gebäude, die vielleicht kleiner sind als die Hallen im vorderen Bereich, aber grüner. Hier zum Beispiel mit Bambus, hier war ein Frauen-Gemach.

Fand ich sehr idyllisch, hab aber auch einen günstigen Moment zwischen zwei großen Gruppen erwischt.

Auch der nächste Hof wieder hübsch grün, hier mit Blauregen und Pfingstrosen – noch nicht erblüht, das würde ich tatsächlich gerne sehen.

Hier stehe ich unter dem Blauregen und gucke in die andere Richtung.

Ich komme zu einem größeren Gebäude.

Dabei handelt es sich um ein Peking-Opernhaus, was wohl besonders groß und komplett indoor ist (anders als z.B. im Sommerpalast) und auch für seine besonders gute Akustik gelobt wird. Hier wird aber gerade gebaut.

Der Audioguide erzählt etwas vom Bananengarten und drei großen Bananenbäumen. Naja, vielleicht mussten die neu gepflanzt werden, weil der Pekinger Winter eigentlich zu kalt für Bananen ist.

Die Mondtore finde ich immer noch besonders schön.

Eines der hintersten Gebäude – die Fledermaushalle – fällt durch ein anderes Dekor auf – dieser Stil soll aus Hainan kommen. In dieser Halle befindet sich heute ein Teehaus, aber mir ist es zu voll und die Schlange zu lang. Das werde ich ein anderes Mal versuchen.

Was zum Schmunzeln gibt es auch noch: auch hier kommt wieder das allgegenwärtige, universell einsetzbare Klebeband!

Auf diesem Hügel (der auch dazu gedacht war, den Mond zu bewundern) gibt es einen klitzekleinen Tempel mit dem Fu-Zeichen (Glück), dass der berühmten Kalligraphie von Kaiser Kangxi nachempfunden ist. Wenn man hier betet und mit dem Glückszeichen im Rücken die Rampe hinuntergeht, begleitet einen das Glück.