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Die Große Wildganspagode ist eines der Wahrzeichen von Xi’an. Die Pagode liegt etwas südlich der Stadtmauer im Da Ci’en Tempel. 7 Stockwerke verteilen sich auf 64 Meter. Im Inneren führt eine hölzerne Treppe nach oben.

Chinas größte Wasserspiele

Das Viertel rund um die Tempelanlage ist zu einem touristischen Hotspot ausgebaut. Shoppingmalls, Park, Restaurants, eine Fußgängerzone, die durch einen kitschig dekorierten Grünstreifen aufgewertet wurde. Wer mag, kann auch mit einer elektrischen Bimmelbahn fahren statt zu laufen. Auf dem Nordplatz findet sich eine riesige Fontänenanlage, im Hintergrund die Pagode. Mittags und Abends, am Wochenende häufiger, kann man hier die angeblich größten Wasserspiele in China, wenn nicht sogar ganz Asien, bewundern. Ich bin mittags da, ich finde die Wasserspiele nett und kann mir gut vorstellen, dass das im Dunkel bunt beleuchtet noch schöner ist. Aber selbst vor dem grauen Himmel ist es beeindruckend. Mindestens ebenso interessant wie die Show finde ich, wie streng uniformierte Wächter aufpassen, dass niemand auf oder über die Umrandung tritt. Natürlich machen das doch viele Leute, die Selfies werden dann doch viel schöner. ;) Und schon ertönt die Trillerpfeife eines Wächters, und er kommt angeflitzt, um dann doch sehr freundlich darum zu bitten, dass man unten stehen bleibt.

Die große Wildganspagode

Der Eingang zum Tempel ist auf der gegenüberliegenden Seite. Ich werfe einen Blick auf Trommel- und Glocken“türmchen“. Auf den Stufen vor der ersten großen Halle werde ich von zwei Mönchen angesprochen, die wissen wollen, wo ich herkomme. Sie schenken mir erst einen Anhänger am roten Faden, fragen dann, ob ich Kinder habe. Ja, fünf – es folgt das gleiche ungläubige Staunen wie fast immer hier. Und schon habe ich fünf Anhänger in der Hand. (Ich hoffe, dass meine drei Großen bald Gelegenheit haben, sie hier in Peking abzuholen.)

Nach dieser netten Begegnung zieht es mich direkt zur Pagode. Hier muss ich noch einmal ein Ticket lösen und dann geht es ans Treppensteigen. (Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass China nichts für Fußkranke ist?) In jeder Etage werfe ich einen Blick aus dem Fenster und trotz des trüben Graus, einer unschönen Kombi aus Wetter und Luftverschmutzung, wird der Ausblick immer beeindruckender. 

Runterkommen

Von oben festigt sich das Bild, dass ich mir inzwischen von Xi’an gemacht habe: hier kann man dem Blick auf die Hochhauswälder einfach nicht entkommen. Es gibt viele interessante und schöne Sehenswürdigkeiten, und nicht nur wegen der Terrakotta-Armee ist Xi’an eine Reise wert – aber die Stadt an sich finde ich nicht schön. Ich klettere die Treppen wieder runter und schlendere weiter durch die Tempelanlage. In einer Halle bestaune ich uralte Schriften, draußen gefällt mir die Bepflanzung. Zum Schluss spaziere ich dann auch noch durch die Fußgängerzone, wobei ich da den dekorierten, bepflanzten Streifen in der Mitte deutlich interessanter finde als die Geschäfte. Als es wieder zu regnen anfängt, nehme ich ein Taxi und fahre in Richtung City.

Famen Tempel und Namaste Dagoba – das war ein Highlight meiner Xi’an-Reise, das ich so nicht erwartet habe! Bei der Reisevorbereitung bin ich im Lonely Planet über diesen „Geheimtipp“ gestolpert: zwar etwas abgelegen, aber in Kombination mit einem Ausflug nach Hanyanglin als Ganztagsausflug gut machbar. Der Famen Tempel ist besonders bedeutend, weil hier eine besondere Reliquie aufbewahrt wird: ein Fingerknochen des Gautama Buddha. Als ich dann auch noch in Ulrikes Bambooblog von der Namaste Dagoba – die weltgrößte Pagode – gelesen habe, war klar: da will ich hin.

Anreise

Auch nach gut drei Jahren in China passiert es mir immer noch, dass ich mich von den Entfernungen und vermeintlichen Fahrzeiten täuschen lasse. Von Xi’an aus sind es etwa 120 Kilometer, wobei man für die paar Kilometer in Xi’an dank Stau länger braucht als für den viel längeren Rest der Strecke. Langeweile kommt aber auf der Fahrt von Hanyangling in Richtung Westen nach Baoji im Kreis Fufeng, wo der Famen Tempel liegt, nicht auf. Leider regnet es immer wieder heftig, alles ist grau, diesig, wolkenverhangen. So bleibt mir nichts außer der Ahnung, dass irgendwo in den Wolken eigentlich Berge stecken müssten. Interessanter wird es, als es von der Autobahn runtergeht und dann über immer schmaler werdende Landstraßen in Richtung Baoji. Die Orte, die wir durchqueren, werden immer kleiner, die Abstände zwischen ihnen größer. In einem Dorf gibt es nur eine Matschpiste, daneben ein tiefer Graben – ungesichert. Am Straßenrand stehen immer mehr Obststände, vor allem mit Äpfeln. Danke grauer Nässe fehlt weiterhin der Bergblick, auch wenn es inzwischen etwas hügeliger wird. Schließlich tauchen immer mehr Hinweisschilder und Wegweiser auf, nach der chinesischen Pampa wird die Umgebung wieder deutlich touristischer: viele Hotels und Restaurants, viele Geschäfte.

Zuerst der alte Teil: Famen Tempel

Famen TempelIch werde am Parkplatz abgesetzt und mache mich auf den Weg zum Tickethäuschen. Ich bin erst unsicher, aber doch, es ist nur ein Ticket für sowohl den alten Famen Tempel als auch den neuen Teil mit der Namaste Dagoba zusammen. Es zieht mich direkt in Richtung der alten Pagode. Dabei komme ich an mehreren Hallen vorbei. Statt des üblichen Tempel-Rots überwiegt Braun, und auch wenn die Optik an alte Tempel erinnert, sind es sichtlich massive Neubauten. Zwischen den Hallen, an den Wegen und Plätzen ist alles dicht bepflanzt. Es ist sehr grün, so dass es auch trotz des Regens nicht düster wirkt.

Von manchen Stellen sieht man weiter hinten die Namaste Dagoba aufragen und ich merke, dass ich zwar die Pagode sehen will, aber mich dieses moderne Gebäude magisch anzieht. Trotzdem nehme ich mir erst die Zeit für die Pagode und die Ausstellungen im alten Bereich. Im Eingangsbereich waren noch einige größere Gruppen, aber jetzt habe ich doch viele Ecken für mich. Erst als ich zur Pagode komme, ballt es sich wieder.

In der Pagode geht es nicht nach oben, sondern nach unten! Unterhalb der Pagode wurde nach dem teilweisen Einsturz in den 80er Jahren eine Schatzkammer entdeckt, ein unterirdischer Palast. Um eine Mittelsäule herum geht es einmal im Kreis, an den Wänden sind Schaukästen mit Fundstücken. Es ist voll, es wird gedrängelt, auf den erklärenden Schildern gibt es nur wenige englische Informationen. Fotografieren ist verboten, so dass ich Euch davon leider nichts zeigen kann. Ich lasse mich mit einer Gruppe wieder nach draußen treiben. Inzwischen denke ich, dass ich besser eine Weile Geduld hätte haben sollen, um dann noch mal in etwas ruhigerer Atmosphäre mit weniger Menschen um mich herum alles auf mich wirken zu lassen.

Widersprüchliche Eindrücke

Huch?Ich gehe weiter in Richtung der Pagode, komme an weiteren Hallen vorbei. An vielen Ecken wird renoviert und gearbeitet. Über allem liegt ein Klangteppich aus Meditationsmusik, dafür stehen überall Lautsprecher. Das vermischt sich mit Hämmern und Bohren. In einem größeren Gebäude befinden sich Wohnzellen der Mönche. Und dann stehe ich plötzlich vor einer Mauer mit einem Gittertor. Das sieht nach weiteren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden aus. Für mich geht es hier nicht weiter, also nehme ich einen der Seitenwege zurück. Mitten zwischen den Hallen steht auf einem Rasenstück ein Punchingsack und aus dem braunen Boden davor kann man schließen, dass der auch genutzt wird. Ich finde das lustig, aber mir wird auch klar, dass ich fast nichts über das Leben von Mönchen in so einem Kloster weiß. Warum sollten sie sich nicht auch sportlich betätigen? Und das muss ja nicht nur Qigong und Tai Chi sein? Es geht hier jedenfalls nirgends weiter zur Namaste Dagoba. Kurz vor dem Eingangsbereich schaue ich noch in eine Ausstellungshalle rein, wo mit vielen Fotos und Schaukästen die Renovierung dokumentiert ist, dazwischen stehen uralte Kunstschätze. Schließlich frage ich mich durch, wo es denn zur Namaste Dagoba geht: ich muss ganz bis zum Eingang zurück und dann rechts abbiegen.

Überwältigend

Zwischen einer Mauer und Souvenirgeschäften führt der Weg zu meinem Ziel. Hier ist die Musik lauter gedreht als im Tempelbereich. Schließlich biege ich um die Ecke und mir bleibt der Mund offen stehen. Ich stehe auf einer breiten Prachtstraße. Rechts und links sind riesige Buddhas, zehn insgesamt. In der Ferne ragt die Namaste Dagoba auf. Es sind nur fast zwei Kilometer. Okay, ich übertreibe: die Straße ist insgesamt „nur“ 1600 Meter lang und da wo der Weg vom Famen Tempel aus einmündet, ist man nicht am Anfang der Prachtstraße, sondern schon etwa 400 Meter weiter.

Namaste Dagoba

Jedenfalls kreist in meinem Kopf nur „krass, krass, krass“. Es ist alles so gigantisch, so überdimensioniert, so unfassbar protzig. Und irgendwie ist das genau einer meiner wichtigsten Eindrücke von China: vieles ist so groß, so riesig, alles so gigantisch, dass es einen allein aufgrund der Größe überwältigt. Grinsend und kopfschüttelnd stampfe ich durch den Regen an den Buddhas vorbei zur Dagoba, die am Ende der Straße über allem thront. 

Wo geht es hier nach oben?

Schließlich komme ich an einer kurzen Treppe an, ein großer Vorplatz, noch eine Treppe und dann bin ich am Eingang unten an dem grauen Gebäude, auf dem oben drauf der goldene „Turm“ sitzt. Das Erdgeschoss hat wenig von einem Tempel – obwohl es einer ist -, aber viel von heruntergekommener Messehalle. Auch hier scheint mir alles wahnsinnig überdimensioniert; schön finde ich das alles nicht. Aber nach oben will ich. Leider ist nichts ausgeschildert. Prompt verlaufe ich mich, finde nebenbei eine Foto-Ausstellung, die aber eher lieblos gemacht ist und mich gar nicht anspricht. Schließlich lande ich in einem Treppenhaus, in dem renoviert wird und wo ich nicht weitergehen darf. Ein paar Meter weiter sehe ich Fahrstühle, aber auch die sind wegen Bauarbeiten gesperrt.

Okay, dann sehe ich mich halt noch erst weiter um, aber mir bleibt mehr der fleckige graue Boden und weniger der gigantische Buddha oder die Ausstellungen im Gedächtnis. Oh, und die Elektro-Autos. Drinnen. Ist halt wirklich alles absurd groß.

Ich suche weiter, denn ich möchte doch so gerne nach oben! In einer anderen Gebäudeecke entdecke ich noch ein Treppenhaus und hier darf ich hoch – hurra. Später merke ich, dass ich natürlich auch außen hätte hochgehen können. Aber runtergehen wollte ich da dann trotz der Aussicht nicht, die Stufen waren nass, glatt und so rutschig, dass ich das gelassen habe – allein unterwegs bin ich dann doch lieber vorsichtig.

Namaste Dagoba

Namaste Dagoba – hat mich geflasht

Ich komme an der „Schüssel“ rechts im Bild raus, quere den Vorplatz und betrete den goldenen Teil durch das Tor in der Mitte. Ich hätte gedacht, ich kann auch hier noch weiter hoch gehen, aber eine Aufseherin schüttelt den Kopf. Sie erinnert mich aber noch ans Fotografierverbot in der Halle. Ich drehe eine Runde, sehe mir die vier riesigen Buddhas an und gehe wieder hinaus auf die große Plattform. Zum Glück hat der Regen etwas nachgelassen, es nieselt nur noch, so dass ich aller Ruhe die Dagoba umrunden kann. Die Aussicht gefällt mir. Aber ich muss auch immer wieder an dem Gebäude hochschauen, es fasziniert mich wirklich sehr. Auf der Innenseite des Trapezes, das gefaltete Hände symbolisieren soll, finden sich lauter identische Buddhafiguren. Je nachdem ob gerade dickere oder dünnere Wolken die Sonne verdecken schimmert das Gold mal heller, mal dunkler. Jedenfalls fesselt mich das Gebäude so sehr, dass ich ganz vergesse, nach dem Fingerknochen des Gautama Buddhas zu suchen. Ich bin so ein Banause… 

Rückweg

Der Regen wird wieder stärker, der Wind reißt mir beinah meinen Schirm aus der Hand, so dass ich ihn zusammenklappe und mich widerstrebend auf den Rückweg mache. Trotzdem muss ich immer wieder stehenbleiben und noch mal zurückschauen. Ich fürchte, mir fehlen wirklich die Worte, um dieses nicht wirklich schöne, aber absolut bemerkenswerte, interessante Bauwerk zu beschreiben und das, was ich bei dem Anblick denke und fühle. Als ich unten an der Allee ankomme, fährt gerade eine Elektrobahn vor, ich beeile mich und löse ein Ticket, ich bin inzwischen doch schon ziemlich durchgeweicht vom Regen. Die paar Meter vom Ausgang bis zum Parkplatz renne ich, denn inzwischen friere ich auch. Zum Glück ist es im Auto warm. Zurück nach Xi’an sind wir deutlich über zwei Stunden unterwegs.

Sollte ich noch einmal in die Ecke kommen: ich würde hier noch einmal hingehen und auch nach dem Fingerknochen Ausschau halten! (Was wohl schwierig wird, weil der nur zu besonderen Gelegenheiten ausgestellt wird!) Inzwischen habe ich Fotos von der Dagoba bei Nacht gesehen: schön beleuchtet und angestrahlt, auch das wird sicher extrem beeindruckend sein.

Fotos

Südwestlich der Verbotenen Stadt liegt der Tempel der weißen Wolken – Baiyun Guan. Es handelt sich um einen daoistischen Tempel, in dem auch die Daoistische Vereinigung Chinas ihren Sitz hat. Es ist eine der größten Tempelanlagen Pekings.

Wir schauen uns hier an einem schwül-heißen Sommertag um.

Glücks-Glocken unter der Brücke

Gleich zu Anfang befindet sich eine Brücke, unter deren Bögen Glocken befestigt sind. An einer Bude kann man Tickets erwerben, an einer zweiten Bude tauscht man die Tickets gegen Münzen. Und nun gilt es, mit den Münzen die Glocken zu treffen und zum Klingen zu bringen: das bringt Glück! Wir schauen eine Weile einem Vater und seinem vielleicht achtjährigen Sohn zu, die so lange werfen, bis sie tatsächlich die Glocke zum Klingen bringen. Der Vater wird nun ganz bestimmt zehnmal soviel Glück haben wie sein Sohn. ;)

Bauarbeiten und Ruhe

Obwohl überall renoviert wird, ist es ruhig. Wir sind die einzigen Ausländer, außer uns sind viele Gläubige da und es riecht intensiv nach deren Räucherstäbchen. Und überall stehen oder sitzen Mönche in ihren Trachten. Wenn nicht ab und zu der Blick auf Pekings Hochhäuser oder die Verkabelungen fallen würde oder – man käme sich ganz aus der Zeit gefallen vor.

In den Hallen darf nicht fotografiert werden, also kann ich hier jetzt leider nicht zeigen, dass es eine Halle gab, die so ganz anders gestaltet war als die, die ich bisher kannte – von wegen, kennst Du einen Tempel, kennst Du alle… Hier waren die Wände nicht bemalt, sondern plastisch gestaltet – auf einer Seite der Ozean und der Himmel, auf der anderen Seite ein Berg – beides bevölkert von vielen Figuren. Ein bisschen bunt, ein bisschen kitschig, aber fröhlich, lebendig, schön.

In einer der Hallen zeichnet ein Mönch, in einer anderen pinselt einer Schriftzeichen. Eine Halle finde ich bemerkenswert: hier gibt es unzählige Figuren, die deutlich mit Jahreszahlen gekennzeichnet sind, beginnend mit 1911 (wenn ich mich recht erinnere). Es handelt sich wohl um Schutzgeister. Der für meinen Jahrgang sah kompetent und freundlich-fröhlich aus, andere wirken düsterer.

Tai Chi

Angesichts der vielen Gläubigen fühlen wir uns ein bisschen als Störenfriede, erst Recht, als wir durch einen Torbogen in den hintersten Hof gehen, wo gerade eine große Gruppe  von Menschen im Tai Chi angeleitet wird. Es ist mucksmäuschenstill, nur ab und zu gibt die Lehrerin Anweisungen.

Doch dann winkt uns eine chinesische Dame zu, die mit ihrem erwachsenen Sohn da ist, und bedeutet uns mitzukommen. In einer Hand hält sie noch ein paar Räucherstäbchen, in der anderen eine Kamera. Wir folgen ihr eine Treppe hoch und sehen noch mehr Buddhas und haben von oben einen netten Blick auf einen Teil der verwinkelten Anlage. Die Dame macht unauffällig ein paar Fotos, aber ich lasse meine Kamera lieber stecken. Ihr Sohn grinst mich an. Beide verbeugen sich dann vor den Buddhastatuen und gehen weiter.  Wir begegnen ihnen noch zwei-, dreimal auf dem Rückweg zum Ausgang, jedes Mal mit freundlichem Lächeln.

In einem kleinen Seitengebäude befindet sich eine TCM-Praxis, wir werfen aber nur einen kurzen Blick in den Hof, da dort auch Patienten sind. In einem anderen kleinen Hof werden ein paar Kinder im Tai Chi unterrichtet, hier geht es etwas lauter zu.

Trotz der Bauarbeiten erleben wir den Tempel der weißen Wolken als einen Ort friedlicher Stille. Es gibt hier viel weniger Touristen als in anderen Tempelanlagen der Stadt, dafür mehr praktizierende Gläubige. Hier werde ich sicher wieder hingehen.

Mehr zur Geschichte des Tempels und zum Daoismus findet sich zum Beispiel hier in Ulrikes bambooblog.

 

Liebe Freunde aus Deutschland waren zu Besuch. Die Tage waren üppig gefüllt mit Ausflügen (siehe unten für ein paar Fotos) und vielen guten Gesprächen. Es war, als hätten wir uns letzte Woche zuletzt gesehen und nicht zuletzt vor einer gefühlten Ewigkeit so zu viert zusammengesessen. Am liebsten hätten wir Schlaf komplett weggelassen, denn es war soviel Zeit nachzuholen, und wer weiß, wie lange es bis zum Wiedersehen dauert.

Gestern Morgen mussten wir uns verabschieden. Wir haben noch Witze gemacht:
– Die lassen euch eh nicht raus, wollt Ihr nicht vielleicht ohne oder wenigstens mit leeren Koffern los?
– Zum Kaffeetrinken um 2 seid Ihr aber wieder da!

Dann waren sie weg und das Haus war viel zu groß und leer. Auf dem Weg zum Einkaufen musste ich ein Tränchen oder zwei wegblinzeln, weil ich wieder allein unterwegs war. Naja, so ist das hier halt, und wir müssen damit leben.

Überraschung!

Wenig später sitze ich am Schreibtisch, poste die „Komm zurück!“-Szene aus Titanic auf die Facebookseite meiner Freundin, fange an, die Fotos zu sichten. Dann klingelt es – viel zu früh für die Geburtstagsgäste. Einer der Jungs ist an der Tür, ich höre eine Frauenstimme und denke, das ist aber nicht meine südafrikanische Freundin, komisch. Neugierig gehe ich runter und bleibe auf halber Treppe stehen – da waren sie wieder, S. und H. Mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen, der Mund offen – gut, dass da keiner ein Bild geschossen hat, das muss herrlich dämlich ausgesehen haben. Männe hat genauso geguckt. Und dann haben wir uns alle einfach nur gefreut. Der Flug nach Kopenhagen ist gecancelt worden, was uns einen weiteren gemeinsamen Tag geschenkt hat! 

Heute Morgen mussten wir uns wieder verabschieden, was keiner von uns so richtig ernst genommen hat. Aber bis jetzt hat es noch nicht wieder geklingelt, und wir finden uns so langsam damit ab, dass sie jetzt leider wirklich weg sind.

Der Pekinger Zhihua-Tempel findet sich nicht in den Reiseführer TOP 10. Trotzdem sollte man in Erwägung ziehen, ihn sich anzusehen, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Denn interessant ist nicht nur der Tempel selbst, sondern auch die Umgebung, denn vom Zhihua-Tempel aus hat man einen interessanten Blick auf das Galaxy Soho. Hier kann man Symbole für traditionelles und modernes Peking zugleich in einem Bild einfangen.

Als ich den Tempel besucht habe, waren nur ganz wenige andere Besucher da, eindeutig kein Touristenhotspot. Es war ruhig, von der Großstadthektik nichts mehr zu spüren. 

Der Zhihua-Tempel

Der Tempel wurde 1444 während der Ming Dynastie als Familientempel von Wang Zheng gebaut, der der beliebteste Eunuch von Kaiser Yingzong gewesen sein soll. Hat der Tempel früher über fünf Courtyards verfügt, so sind heute nur noch die vier zentralen Hallen übrig. Der Zhihua-Tempel soll einer der größten hölzernen Gebäudekomplexe der Ming-Zeit sein. Außerdem finden sich hier viele Buddhastatuen, buddhistische Schriften, Wandgemälde – und „Musik“:

Es sind einige alte Instrumente ausgestellt, die sich in Details von den volkstümlichen Instrumenten unterscheiden, z.B. in der Anzahl der Löcher in einer Flöte. Zweimal am Tag (um 10:20 Uhr und um 15 Uhr) wird die traditionelle „Jing-Musik“ (Hauptstadt-Musik)  von Mönchen aufgeführt. Diese Musik, eine Kombination aus Hofmusik, buddhistischer Musik und Volksmusik, gilt als „lebendiges Fossil“ der chinesischen Musik. Leider habe ich die Aufführung verpasst,aber nun steht das auf meiner Peking-Wunschliste. Und die ist nach drei Jahren immer noch unglaublich lang. ;)

Der Tempel zählt zu den geschützten Denkmälern Chinas, die Jing-Musik zählt zum immateriellen Kulturerbe. Nichtsdestotrotz wurde ein Deckenelement nach Philadelphia verkauft und findet sich nun dort im Kunstmuseum…

Besonders beeindruckend fand ich die Wände der Hallen. Hunderte, wenn nicht Tausende kleiner Buddhas sitzen da in winzigen Schreinen – und alle Figuren sind verschieden.

Kontrastprogramm nach dem Tempelbesuch gewünscht?

Nach dem Tempelbesuch könnte man durch die Hutongs in Richtung Galaxy Soho schlendern und dort einen überteuerten Kaffee in einer Filiale einer großen amerikanischen Kaffeehauskette trinken. ;)

Informationen:

Offizielle Webseitezhihuatemple.com/ 

Eintritt: 20 RMB

Öffnungszeiten: Täglich außer Montag (!) 8:30 – 16:30 Uhr laut offizieller Webseite – laut Tripadvisor täglich 9-19 Uhr… Ich werde beim nächsten Besuch darauf achten!

Adresse: No.5 Lumicang Hutong, Dongcheng District

Mein Nachmittag ist voller Gegensätze. Es soll zum „Ladies Temple“, Banteay Srei gehen. Auf dem Weg liegen Schmetterlingsfarm und Landminenmuseum. Unbeschwerte Leichtigkeit wird sich mit einem der bittersten Kapitel menschlicher Geschichte und alter Zivilisation und Kultur abwechseln. Harter Stoff.

Schmetterlingsfarm

Zuerst geht es zur Schmetterlingsfarm. Ich habe die große Anlage mit Tropenhaus in Friedrichsruh bei Hamburg vor Augen, wobei mir natürlich klar ist, dass hier in Kambodscha kein Tropenhaus notwendig ist. Die Schmetterlingsfarm hier ist ein hübscher kleiner Garten, komplett unter einem Netz. Mir wird erklärt, dass es dies Jahr leider nur wenige Schmetterlinge gäbe und dass die wenigen jetzt am Vormittag auch noch schliefen. Ich bin die einzige Besucherin und bekomme eine Privatführung und sehe Eier, Larven, Raupen in den unterschiedlichsten Stadien – und einige weniger Schlafmützen, äh, Schmetterlinge. Hier gefällt mir gut, dass neben dem Parkplatz Hängematten für die Tuktuk- und Busfahrer unter einem Schatten spendenden Dach gespannt sind.

 

Landminenmuseum

Nur wenige Fahrminuten weiter werde ich dann mit den dunklen Seiten der kambodschanischen Vergangenheit konfrontiert. Wir halten am Landminenmuseum. Es ist klein und überschaubar, geht auf die Initiative von Aki Ra (geboren als Eoun Yeak) zurück, der auf eine bewegte, erschütternde Biographie zurückblickt: Zu Beginn der Siebziger geboren, wann genau ist unbekannt, wird er seinen Eltern weggenommen und Kindersoldat bei den Roten Khmer. Seine Eltern wurden ermordet. 1983 – maximal 13 Jahre alt, vielleicht auch erst 10 – wird er von Vietnamesen gefangen genommen und kämpft dann auf deren Seite. Wie zuvor für die Roten Khmer legt er auch für die Vietnamesen Landminen. Als die Vietnamesen Kambodscha verließen, trat er der Kambodschanischen Armee bei.

Erst Minenleger, dann Minenräumer

Zu Beginn der Neunziger räumte er auf eigene Faust Minen: mit Stöcken und Messern, ohne jede Schutzkleidung – das hätte auch früh tödlich enden können. Erst später bekam er eine professionelle Minenräumerausbildung. Schließlich widmet er sein Leben dem Räumen von Minen, der Aufklärung über deren Gefahren, ruft das Landminenmuseum ins Leben, kümmert sich um Minenopfer und gründet Schulen für Waisen und Minenopfer. Über diese bewegte Lebensgeschichte informieren Fotos und Infotafeln. Da rücken die Informationen zu den verwendeten Antipersonenminen und Panzerminen, obwohl die Objekte danebenstehen, in den Hintergrund. Dazu werden überall – entschärfte – Minen ausgestellt, wenn man vom Parkplatz zum Eingang geht, ist der Weg beidseits von Bomben gesäumt. Das hat eine perverse Ästhetik und macht sehr beklommen. 

Ich habe vor der Reise viel über die jüngere Geschichte Kambodschas gelesen, allein das kann schon traurig stimmen. Aber diese Geschichte am Beispiel eines einzelnen, konkreten Menschen gezeigt zu bekommen, der Opfer und Täter zugleich ist und sein Leben seit vielen Jahren der Wiedergutmachung gewidmet hat, das beschäftigt mich.

 

Banteay Srei

Still steige ich wieder in Sokphorns Tuktuk. Unfassbar, was Menschen sich gegenseitig antun können, angetan haben und auch heute noch antun.

Kurze Zeit später kommen wir am „Ladies Temple“ – Banteay Srei an. Der Parkplatz ist bald größer als das Tempelgelände, eine Reihe von Bussen besetzen die wenigen Schattenplätze. Sokphorn zieht sich wieder zu einem Nickerchen zurück, und ich stelle mich hinter eine chinesische Reisegruppe, überwiegend Frauen, an der Eingangskontrolle an.

Dieser Tempel gilt als einer der Kunstvollsten, die Ornamente seien unvergleichlich. Ich bin keine Fachfrau, aber auch ich finde sie ungewöhnlich schön! Wie an vielen der anderen Tempel gibt es auch hier eine Musikgruppe, die traditionelle Musik spielt. Das, die friedliche Atmosphäre, das fröhliche Plappern der Chinesinnen, die warme Sonne auf der Haut, das alles vertreibt die düstere-traurige Stimmung.

Sacken lassen

Dorf bei Siem Reap

Dorf bei Siem Reap

Es ist zwar noch relativ früh am Nachmittag, aber der Tag hat ja auch schon um halb fünf für mich angefangen und ich bin nicht mehr aufnahmefähig. Also beschließe ich, den Rest des Tages wieder im Hotel am Pool zu verbringen.

Auf dem Rückweg kommen wir noch durch Dörfer, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Und immer wieder sind auf den Feldern neben der Straße Wasserbüffel oder magere Kühe, meist nur einzelne, aber einmal auch eine kleine Herde.

 

Wasserbüffel-Herde

Wasserbüffel-Herde

Was für ein unglaublicher Tag! Sonnenaufgang in Angkor Wat. Den Baphuon-Tempel fast für mich alleine im wunderschönen Morgenlicht. Unbeschwerte Leichtigkeit im Schmetterlingsgarten.

Das Landminenmusum.

Der Banteay Srei Tempel. Die unzähligen Eindrücke auf der Fahrt. Und dann ein entspannter Spätnachmittag und Abend am Pool, wo ich Zeit genug habe, meine Eindrücke und Gedanken wenigsten schon etwas zu sortieren.

 

Es ist immer noch früh am Morgen, als ich am Parkplatz vor Angkor Wat Sokphorn wiedertreffe. Für heute haben wir volles Programm: zuerst möchte ich mir den Baphuon-Tempel angucken, das ist der, für den ich am ersten Tag nicht mehr aufnahmefähig war, weil ich zu besorgt war, verloren zu gehen. Danach soll es wieder ein gutes Stück raus aus Siem Reap gehen: erst zur Schmetterlingsfarm, dann zum Landminenmuseum und schließlich zum „Ladies Temple“. Aber jetzt erst einmal der Baphuon!

Baphuon Tempel

Über einen langen steinernen Steg gelange ich von der Straße zum Baphuon: mehr dazu bei Wikipedia. Es ist gerade halb acht durch und es sind nur ganz wenige Menschen unterwegs – und das hier, mitten in Angkor Thom. Unmittelbar vor dem Tempel wird noch einmal das Ticket kontrolliert – und dann geht es ans Treppensteigen. Obwohl es noch so früh ist, ist es schon ziemlich warm, wenn auch noch nicht so drückend wie mittags. Der Baphuon ist ein Tempelberg, also gibt es einige Treppen, und ich habe mir in den Kopf gesetzt, nach ganz oben zu gehen, um den „Blick über den Dschungel“ – so steht es im Reiseführer – zu genießen. Ach, überhaupt macht es doch Spaß, sich die Welt auch mal von oben anzusehen!

Die Treppen zur ersten Ebene gehen noch, aber dann werden sie steiler, eher Leitern als Treppe. Kein Mensch außer mir zu sehen, jetzt bloß nicht runterfallen! Ich hab ja Zeit, umrunde die nächste Ebene und klettere langsam und vorsichtig ganz nach oben. Wow, das hat sich gelohnt. Es ist ruhig, ich bin immer noch alleine und ich genieße die Aussicht, Licht und Luft. Irgendwann kommen dann doch weitere Besucher. Ich unterhalte mich mit einem Inder und zwei jungen Russen, dann geht es an den Abstieg.

Und wieder runter…

Ach Du Schande, jetzt sieht das noch viel steiler aus als vorher. Ich komme mir wie eine uralte Omi vor, als ich mich gut am Geländer festhalte und vorsichtig seitlich, teils sogar rückwärts wieder runterklettere. Aber nachdem ich auf der mittleren Ebene angekommen bin, atme ich auf, kambodschanische Kliniken werden auch weiterhin auf mich verzichten müssen. ;) So langsam kommen immer mehr Besucher an, das war wirklich richtig gutes Timing. Vielleicht mag dies nicht der tollste, bedeutendste, schönste der vielen Tempel im Archäologischen Park von Angkor sein. Aber für mich war es doch ganz besonders, so allein im Morgenlicht da zu sein.

Nach dem Gewitterregen am Mittwoch versuche ich am Freitag noch mal mein Glück mit dem Sonnenaufgang in Angkor Wat. Wieder um 4:30 Uhr aufstehen, wieder im Stockfinsteren durch leere Straßen in Richtung Angkor Wat fahren. Erst bei der Ticketkontrolle nimmt der Verkehr zu, Tuktuks und Reisebusse ohne Ende. 

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Tja, auch ohne Regen kommt bei der Menschenmenge keine mystische Stimmung auf, trotzdem ist der Anblick wundervoll. Auch anfangs, als es noch finster ist, sich die Silhouette der Tempeltürme aber schon schwarz gegen den noch dunklen Himmel abhebt.

Anstatt mich auf der linken Seite ins Gedrängel zu werfen und möglichst weit nach vorne zu quetschen, suchen ich mir vor dem rechten Seerosenbecken ein Plätzchen, wo man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt. So gibt es für mich keinen Moment, wo die Sonne zwischen den Tempeltürmen durchblitzt – aber zwischen Palmen, und das finde ich auch echt schön.  

Die ersten gehen früh

Die Sonne steht noch nicht besonders hoch, da gehen die meisten schon weg. Also kann ich nun doch noch auf die andere Seite wechseln.

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

 

 

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Jetzt ist es zwar schon fast richtig hell, aber die Menge hat sich verlaufen, nur noch wenige sind am Ufer der Becken. Es wird richtig ruhig, am Ufer hüpfen ein paar Frösche herum, deren Quaken sich mit dem Vogelgezwischer und dem Kreischen der Tempelaffen vereint. Ja, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt! – Auch wenn ich wohl Mückenspray auf Objektiv und Filter verteilt hab… ;) 

Am Donnerstag kann ich ausschlafen. :) Um 9 Uhr treffe ich mich mit Sokphorn, heute geht es nicht in den Archälogischen Park von Angkor, sondern wir werden etwa 65 Kilometer in Richtung Nordosten fahren, damit ich mir Beng Melea ansehen kann. Eine gute Zusammenfassung zu Beng Melea findet sich auf Wikivoyage – nur der Aussage im Artikel, dass man sich aus Gründen der Sicherheit von Kindern führen lassen sollte, kann ich nicht zustimmen (weil es nicht sinnvoll ist, die Kinderarbeit zu unterstützen und damit deren Perspektivlosigkeit zu zementieren, besser ist es, z.B. für Schulen zu spenden. Abgesehen davon waren bei meinem Besuch auch keine Kinder am Tempel, auf der Fahrt sind wir an zahlreichen Schulen und vielen Kindern in Schuluniformen vorbeigekommen).

Die lange Fahrt – es müssen fast zwei Stunden gewesen sein – vergeht wie im Flug, es gibt an der Straße so viel zu sehen. Erst fahren wir auf dem National Highway No. 6. Unmengen von Müll liegen am Straßenrand, ab und zu brennt auch ein Müllhaufen oder wir kommen an schwarzer, stinkender Asche vorbei. Alle paar Meter gibt es Straßenimbisse, wo Gegrilltes am Spieß und vor allem Zuckerrohrsaft angeboten wird. Es gibt zwar auch reguläre Tankstellen, aber häufiger sind Stände, wo Benzin in 1- oder 2-Liter-Flaschen verkauft wird.

Die Landschaft ist flach, beinah langweilig. Von Norddeutschland durch die anderen Pflanzen, Bäume, Palmen aber doch deutlich zu unterscheiden. ;) Magere Kühe überqueren auch mal die Straße. Schlichteste Bretterbuden (fast alle auf Pfählen) wechseln sich mit einigen wenigen hübschen Häusern ab.

Markt

Markt

Wir biegen nach Norden ab auf die schmale Straße in Richtung Pnomh Kulen. Dabei kommen wir an einem quirligen, bunten Markt vorbei. Danach wird die Straße noch schmaler. Ab und zu überholen wir eines dieser Fahrzeuge: Zweiradtraktoren. Damit wird einfach alles transportiert: gestapelte Tische, Baumaterialien, Säcke oder auch Menschen oder von allem etwas. Auch ein Ochsengespann begegnet uns.

Auf einmal wird es laut: Musik und eine Ansprache. Und es

Hochzeit in Kambodscha

wird lauter und lauter, je näher wir kommen. „Eine Hochzeit!“, erklärt Sokphorn. Unter bunten Stoffpavillons stehen ebenfalls bunt geschmückte Stühle, Megaphone sind aufgestellt, die Musik und Reden mit stärkster Lautstärke in alle Welt hinausdröhnen lassen. Apocalyptica-Konzert direkt vor den Boxen an der Bühne war flüsterleise dagegen! 

Hochzeit in Kambodscha

Von allen Seiten kommen festlich gekleidete Menschen, die Atmosphäre ist fröhlich. Viel zu schnell fahren wir dran vorbei.

Hier sind Touristen, auch westliche,  nicht so selten wie z.B, in Liuku. Trotzdem winken mir viele Kinder zu, rufen „Hello!“ und „How are you?“. Überhaupt ist mir die Freundlichkeit, ja, sogar Herzlichkeit der Menschen tief im Gedächtnis geblieben.

Schließlich erreichen wir das Tickethäuschen von Beng Melea, was einige hundert Meter vor dem eigentlich Eingang liegt, 5 US-Dollar, und es geht weiter. Eintritt zahlen übrigens überall nur Ausländer, Kambodschaner haben freien Zutritt. Zwischen vielen andern Tuktuks, PKWs und einigen Bussen findet Sokphorn einen Platz im Schatten, hier sollen wir uns wieder treffen. Ich folge dem Strom der Menschen, der sich glücklicherweise schnell verteilt.

Kurz hinter der Einlasskontrolle dieses Schild.

Minenfeld - Schild

Es ist so bedrückend. Natürlich habe ich vor dem Antritt der Reise mein Wissen aufgefrischt und viel über Kambodscha und seine bewegte Geschichte gelesen, aber Minenfelder – selbst wenn sie (teils) geräumt sind, mit eigenen Augen zu sehen – bzw. nichts zu sehen, einfach ein Stück Land/Wald und zu wissen, dass hier Verstümmelung und mit Pech der Tod lauern bzw. gelauert haben… Traurig gehe ich weiter.

Dann nähere ich mich dem Tempel, und muss wieder lächeln. Wie ich da die posierenden Chinesinnen sehe, denke ich „fast wie zuhause“. Tja, inzwischen denke ich sowohl an Deutschland als auch an China als „zuhause“.

Beng Melea ist atemberaubend. Teils eingestürzt, deutlich überwucherter als die anderen Tempel, die ich besucht habe. Nachdem ich etwas Abstand zwischen mich und die chinesische Reisegruppe gebracht habe, weicht das aufgekratzte Stimmengewirr und das allgegenwärte „Yi – er – san!/1-2-3!“ beim Posen und Fotografieren der Stille. Nur ab und zu macht sich ein Tier bemerkbar.

Man klettert über Felsen, zum Teil ist ein klappriger, morscher Holzsteg/-brücke der Weg. Dann geht es durch einen stockfinsteren Tunnel, dann muss man wieder über ein paar Felsklötze klettern. Ich finde es unfassbar schön und beeindruckend.

Auf der Rückseite laufe ich Sokphorn in die Arme. Er erzählt, dass er noch nie hier auf dem Tempelgelände war und sich das jetzt doch einmal ansehen wollte. Als ich sage, dass dieser Tempel meinen Jungs vermutlich von allen am besten gefallen würden, nickt er und sagt, dass er bald mit seinem kleinen Sohn herkommen wird. Wir halten Abstand zu der chinesischen Reisegruppe und spazieren langsam durch die friedliche Anlage zurück zum Parkplatz.

Wir setzen die Angkor-Rundfahrt fort. Der nächste Stopp ist Ta Keo. Wie ich jetzt gelernt habe, ist das ein Tempelberg im Gegensatz zu den Flachtempeln wie Ta Prohm. Über 1000 Jahre alt! Hier soll noch während der Bauarbeiten der Blitz eingeschlagen haben, und so wurde der Tempel aufgegeben, bevor er vollendet wurde. Deshalb finden sich hier nur ganz wenige Verzierungen. Auch hier wird restauriert, hier mit chinesischer Hilfe.

 

Ich frage Sokphorn, wie es weitergeht. Er hat inzwischen mitbekommen, dass mir die abgelegenen, wenig besuchten und verfallenen Tempel besonders gefallen, also schlägt er Ta Nei vor. Die Straße wird immer schmaler, schließlich ist es eigentlich nur noch ein Feldweg, der immer unwegsamer wird, immer größere Schlaglöcher, nach dem Gewitterregen vom Morgen teils tiefe Pfützen, und ich mach mir Gedanken um das Tuktuk (eine Honda mit Anhänger, kein E-Dreirad wie mein chinesisches Tuktuk hier in Peking). Aber Sokphorn winkt ab, alles kein Problem. Aber schließlich hält er doch an. Diesmal kommt er mit. Hier sind keine Busse (die hätten nicht auf den Feldweg gepasst), keine Autos und auch kein weiteres Tuktuk. Der Tempel ist wirklich sehr verfallen, teils moosüberwachsen. Bis auf die Geräusche des Dschungels ist es total still. Friedlich. Es kommt mir so unwirklich vor, der Ort und auch dass ich hier bin. Erst als wir den Tempel ganz umrundet haben, begegnet uns auf dem Rückweg zum Tuktuk ein junges deutsches Pärchen. Die beiden sind mit Fahrrädern unterwegs und wollen jetzt picknicken – ein fantastischer Ort dafür. Sie wollen danach weiter zur Zipline. Aber das traue ich mich alleine dann doch nicht, auch wenn es reizvoll klingt; ich finde mich eh schon mutig genug, so ganz allein (ok, mit Sokphorn) unterwegs zu sein. Langsam schlendern Sokphorn und ich zum Tuktuk zurück. Wow, das war echt schön. Der Zauber verfliegt etwas, als wir 10 Minuten später an einem Toilettenhäuschen vorbeikommen, wo gerade 2 Busse vorgefahren sind… Lärm und Gewusel.

 

Angkor Thom

Die Tour geht weiter durch Angkor Thom – das Herz des alten Angkor-Reiches. Zuerst Mittagessen, hier reiht sich Shop an Shop und Restaurant an Restaurant. Diesmal lässt Sokphorn sich von mir einladen, es gibt vegetarisches „Amok“, das wirklich lecker ist – und viel zu viel, ich hab ein schlechtes Gewissen, aber ich lass mehr als die Hälfte übrig. Wir gehen zum Tuktuk zurück und fahren nur ein ganz kurzes Stück. Sokphorn wirft mich an der Terrasse der Elefanten raus und erklärt mir, in welche Richtung ich gehen soll und wo er auf mich warten wird. 

Jetzt rächt sich das frühe Aufstehen, ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Und so traue ich mich kaum, mich von der großen „Promenade“ zu entfernen. Da steht ein Tempel, wie sich rausstellt, handelt es sich um Baphuon, den man über einen Steinpfad, der durch ein Wasserbecken führt, erreicht. Aber so doof wie das ist, an dem touristisch wohl am besten erschlossenen Punkt Kambodschas, werde ich ängstlich und denke, ohje, wenn ich Sokphorn jetzt nicht wiederfinde, wie komme ich denn dann bloß zum Hotel zurück? Lassen wir mal den Schlafmangel als Entschuldigung gelten! Ein paar Schritte weiter sehe ich dann „mein“ Tuktuk. Puh! Wir fahren wieder nur wenige Meter. Diesmal wird Sokphorn wieder an der gleichen Stelle auf mich warten, also kann ich ganz beruhigt den Tempel erkunden: Bayon.

Nachdem ich wirklich jede Treppe von Bayon erklommen und in jeden Winkel hineingeschaut habe, bin ich total erledigt. Den Rest des Tages verbringe ich wieder am Hotelpool und gehe früh schlafen.

Nachdem ich mich umgezogen und aufgewärmt habe, brechen wir vom Hotel wieder in Richtung Angkor auf und setzen die Angkor Small Circuit Tour fort. An Angkor Wat fahren wir nur vorbei, inzwischen stehen noch mehr Busse davor und mich in Menschenmassen da durchzudrängeln, das reizt mich gar nicht.

Banteay Kdei

Banteay Kdei hingegen ist ganz nach meinem Geschmack. Von der Anlage her ähnlich wie Ta Prohm (das nächste Ziel), aber kleiner und mit weniger Verzierungen, dazu in recht schlechtem Zustand – und nur wenige Besucher. Letzteres stimmt, immer wieder bin ich ganz allein, aus der Ferne dringt leise traditionelle Khmer-Musik an mein Ohr, Vögel zwitschern und kreischen, noch hängt die Feuchtigkeit des Gewittergusses in der Luft – magisch, ich bin hin und weg! Dafür, dass der Tempel nicht so gut erhalten sein soll, gibt es noch (oder wieder?) jede Menge tolle Details.

Ich treffe mich wieder mit Sokphorn und wir fahren ein kurzes Stück weiter nach Ta Prohm.

Ta Prohm

Ich weiß, für viele sind Kambodscha und Angkor und die Tempelanlagen weit weg. Aber es gibt einen Tempel, da dürften viele dann doch ein Aha-Erlebnis haben: Ta Prohm. Unter anderem hier wurde Lara Croft: Tomb Raider gedreht. Zu Beginn des Filmausschnitts landet Lara in Pnomh Bakeng, mit dem Jeep fährt sie dann nach Ta Prohm.

Okay, so alleine war ich vorher in Banteay Kdei. In Ta Prohm ist deutlich mehr los, vor allem chinesische Reisegruppen posieren überall: alleine, zu zweit, in Gruppen. Nichtsdestotrotz, die Anlage ist wahnsinnig beeindruckend. Jasminblüten finde ich keine, aber so bleibt mir dann ja auch der Absturz in die Katakomben erspart… ;)

In einem Bereich wird derzeit renoviert, überall sind schon Holzstege und -wege und Absperrungen angelegt. Einige der großen Bäume werden jetzt auch abgestützt. 

Auch auf dem Rückweg begegnet mir noch einmal das „Tempelhuhn“, über das ich auf dem Hinweg schon gestolpert bin. Diesmal muss ich etwas länger nach Sokphorn Ausschau halten, hier ist einfach wahnsinnig viel los. Aber dann finde ich ihn und wir setzen die Rundtour fort.

Letzte Woche durfte ich mir eine Auszeit vom Pekinger Winter nehmen. Ich habe mich für Siem Reap, Kambodscha entschieden: Vor allem Angkor wollte ich mir ansehen. Gewohnt habe ich in einem kleinen familiengeführten Hotel im Süden der Stadt, da wo Siem Reap schon eher dörflich ist. 

Bei der Ankunft ein kurzer Schreckmoment, anders als ich es zuvor gelesen hatte, kann man das Visum on Arrival nicht per Kreditkarte bezahlen, ausschließlich Cash – und US Dollar oder Riel hatte ich noch keine und der nächste ATM ist erst draußen vor dem Gebäude… Ups! Zum Glück wurden auch meine chinesischen Yuan akzeptiert. Abgesehen davon erfolgt die Erteilung des Visums doch recht fix. Nur meine in den Pass eingelegte chinesische Meldebestätigung ging dabei verloren und war auch nicht mehr auffindbar. 

Mit dem frischen Aufkleber im Pass ging es dann durch die Einreisekontrolle, zum Gepäckband und dann raus ins Warme, wo ich von Sokphorn in Empfang genommen wurde. Erst noch schnell den besagten ATM erleichtern, und dann ging es durch die Abenddämmerung zum Hotel. Dort angekommen verabredete ich mich für den nächsten Morgen mit Sokphorn, der mich mit seinem Tuktuk auch den Rest der Woche überallhin hingefahren hat.

Angkor – Grand Circuit Tour

Am Dienstag geht es also los mit dem „Grand Circuit“ durch den Archäologischen Park von Angkor. Ich bin noch angeschlagen von Erkältung, Anreise und 35 Grad Temperaturunterschied und will es am ersten Tag langsam angehen lassen. Bei dieser Rundtour legt man zwar einige Kilometer mehr zurück, läuft aber etwas weniger. Ich kleistere mich mit Sonnenmilch zu und sprühe dann überreichlich  Mückenspray obendrauf – mein Antibiotikum löst leicht fototoxische Reaktionen aus und mein Hausarzt hat doch leicht den Kopf geschüttelt ob meines „Leichtsinns“, in ein Denguegebiet zu reisen. Ich halte mich in dem Fall doch lieber an meinen Tropenmediziner, der keine Reiseverbote ausgesprochen hat, aber es hilft nicht, jede blöde Mücke erschreckt mich, das war hart an der Grenze zu Hysterie und Paranoia… 

Erst geht es zum Ticket Center, wo ich für 62 Dollar ein 3-Tages-Ticket erwerbe, dann geht es Richtung Norden an Angkor Wat vorbei und durch Angkor Thom hindurch zum Preah Khan. Sokphorn erklärt mir, dass wir am Westtor sind und ich ihn am Osttor wieder treffen soll. Okay, das klingt selbst für mich Orientierungs-Legasthenikerin schaffbar.

Preah Khan

Ich bin beeindruckt. Ich mag alte Gemäuer, bewundere Baukunst, kann mir kaum vorstellen, wie schwierig und anstrengend es vor Hunderten von Jahren gewesen sein muss, diese Anlagen zu bauen. Dazu die vielen detailreichen Steinmetzarbeiten. Nachdem wir vorher an dem riesigen Parkplatz vor Angkor Wat vorbeigekommen sind und die vielen Menschen in Angkor Thom gesehen haben, gefällt mir die relative Ruhe. Ich bin zwar nicht allein, aber die Besucher verteilen sich rasch auf dem Gelände. Ich sehe die ersten Kinder, dir mir Reiseführer oder Postkarten verkaufen wollen: „Only one dollar!“ Es fällt mir schwer, sie zu ignorieren, aber wenn man den Kindern etwas gibt, verbessert sich nichts an ihrer Situation, sie müssen ihre Einnahmen direkt weitergeben, gehen trotzdem nicht zur Schule und man zementiert die aktuellen Umstände. Es ist besser, von Erwachsenen zu kaufen und/oder an Schulen oder Waisenhäuser spenden.

Und dann sehe ich die ersten riesigen Bäume, die in und über die alten Mauern wachsen. Wow! Breit grinsend schlendere ich in die Richtung, wo ich das Osttor vermute, halte mich möglichst im Schatten, denn die Sonne knallt ganz ordentlich. Zweimal gehe ich an den vielen wartenden Tuktuks vorbei, werde schon leicht nervös, aber dann winkt Sokphorn mir zu und ich atme auf. Ich genieße die kurze Fahrt – Fahrtwind! – weiter nach Neak Pean.

Neak Pean und Ta Som

Sokphorn parkt im Schatten am Straßenrand, diesmal wird er mich an der gleichen Stelle wieder in Empfang nehmen. Neak Pean ist eine künstliche Insel mit einem Tempelturm, zu erreichen über einen Holzpfad durch einen künstlichen See – ein Baray

Ich bin ein Banause, mehr als die kunstvoll ausgerichtete Anlage hat mich das  Gewässer mit den toten Bäumen interessiert…

Diesmal finde ich Sokphorn und sein Tuktuk auf Anhieb wieder. Wir fahren weiter Richtung Ta Som

Ta Som beeindruckt mich. Außer mir sind kaum Besucher da, die Anlage ist verfallen und überwuchert. Einerseits die von Menschen geschaffenen Gebäude, die andererseits von der Natur vereinnahmt werden, das lässt mich staunen!

Regenpause und Pre Rup

Nun geht es weiter zum East Mebon. Es fängt aber heftig an zu regnen, also lassen wir die Tempelanlage links bzw. rechts liegen und kehren in einem Restaurant am Srah Srang ein. Nun, wegen der Kulinarik fährt man eher nicht nach Kambodscha… Ich bestelle eines der Nationalgerichte, „Amok“. Es erinnert an ein Thai-Curry mit Kokos, ist aber mild und im Vergleich zum Thai-Curry fehlt die Hälfte der Gewürze. ;) Aber es ist frisch und appetitlich serviert. Der Regen hört so plötzlich auf, wie er begonnen hat, die Sonne kommt wieder raus, und wir fahren wieder ein Stück zurück zum Pre Rup.

Diese Anlage ist kleiner, aber es ist kein Flachtempel, sondern ein Tempelberg und vorsichtig klettere ich soweit hinauf, wie es erlaubt ist. Abgesperrt ist nichts, das Schild „Be Careful!“ muss ausreichen. Auch die Farben sind anders, waren die anderen Tempel dunkler und überwuchert, ist dieser heller, die Steine schimmern rötlich in der Sonne. Eine Zeitlang bin ich ganz alleine auf der obersten Ebene und kann den Blick in Ruhe genießen.

Danach fährt Sokphorn mich zurück ins Hotel und wir verabreden uns für 5 Uhr am nächsten Morgen: Angkor Sunrise! Pub Street? Ausgehen? Nachtleben? Interessiert mich nicht wirklich, den Abend verbringe ich lesend am Pool und gehe früh schlafen, schliesslich wird um 4:30 Uhr der Wecker klingeln…

Wir hatten über die Weihnachtszeit Besuch von lieben alten Freunden. Vorher waren die Befürchtungen groß, dass die Dezember-Luft in Peking wieder so übel wird wie in den Vorjahren. Doch der Himmel war überwiegend blau und die Luft bis auf wenige Ausnahmen gut. (Dass zahlreiche Chinesen aufgrund der Schließungen von Kohlekraftwerken und mangels bezahlbarer Alternativen frieren, ist die Kehrseite der Medaille.)

Natürlich waren wir viel zusammen unterwegs. Nur Sommerpalast, Verbotene Stadt, Silk Market und Ritan Park habe ich krankheitsbedingt auslassen müssen. :(

Heiligabend haben wir uns zuerst den Konfuziustempel und die Kaiserliche Akademie angesehen, dann den Lamatempel und sind dann noch durch die angrenzenden Hutongs gebummelt. Zweimal hingucken musste ich auf des zugefrorene Gewässer im Konfuziustempel: im Eis sind Goldfische eingefroren!

Immer wieder phantastisch: die Mauer

Den Besuchern haben die Tempel, vor allem der Lamatempel mit seiner besonderen Atmosphäre, am besten gefallen. Mein Highlight ist nach wie vor die Mauer. Es ging wieder nach Mutianyu, das ist von uns aus zügig zu erreichen. Mit der Seilbahn hinauf, ein Stück weit über die Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Leider war eine sehr ängstliche chinesische Dame vor uns, so dass es keine rasante Abfahrt, sondern eine gemütliche Omi-Abfahrt wurde. ;)

Der Schriftzug oben am Berg bedeutet wohl: „Loyal gegenüber dem Vorsitzenden Mao“ (忠于毛主席 – Zhōngyú máo zhǔxí).

Und weil die Mauer als imposantes Bauwerk mit ihrer langen Geschichte, mit Seilbahn, Sessellift und Sommerrodelbahn noch nicht beeindruckend genug ist, wird jetzt auch auf den Drehort eines chinesischen Films von 2010 hingewiesen: „If you are the one 2“ – eine romantische Komödie, war wohl ein Kassenschlager. ;)

 

Einen Abend haben wir in Sanlitun verbracht, erst gab es lecker Pekingente im Duck de Chine (jetzt Teil des 1949-Komplexes), dann noch einen Absacker im Q-Mex. 

Tianan’men

An einem anderen Abend sind wir beinah erfroren. Es war wirklich bitter-, bitterkalt. Trotzdem sind der Platz und die Gebäude so beleuchtet sehr beeindruckend.

 

Antikmarkt, Himmelstempel, Shopping, Show

Trödel und Co.

Panjiayuan Antikmarkt

Auch an einem anderen Tag hatten wir ein besonders volles Programm.

Zunächst sind wir kurz über den Panjiayuan Antikmarkt gebummelt. Der war deutlich voller als bei meinen bisherigen Besuchen, es war Samstag. Dafür waren vergleichsweise wenig Langnasen zu sehen.

Damit unser Besuch auch das Erlebnis von Pekinger Metro hat, sind wir von vom Panjiayuan mit der Metro zum Himmelstempel gefahren. Metro-Fazit des Besuchs: sauber, sicher, auch als Ortsfremder ohne Chinesischkenntnisse gut verständlich.

Himmelstempel

Als wir die langen Treppen an der Himmelstempelstation nach oben gekraxelt waren, war Wind aufgekommen, und hat das Grau des Morgens hinweg geweht. Trotz des eisigen Windes war der Park aber gut besucht und es gab tatsächlich wieder Pekinger, die samt Haustieren im Laubengang saßen und spielten. Durch den Laubengang haben wir uns erst die Halle der Ernte und die umliegenden Hallen angesehen. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf den CBD mit dem fast fertigen China Zun Tower in der Mitte. Wir haben uns dann noch Echomauer und die Halle des Himmelsgewölbes angesehen und sind die paar Stufen zum Himmelsaltar hinaufgestiegen. Von uns hat es aber keiner ausprobiert, ob die eigene Stimme wirklich viel volltönender klingt, wenn man auf dem Stein in der Mitte steht.

Ich finde ja die Geschichte von der „70jährigen-Tür“ klasse: Kaiser Qianlong war schon alt und etwas klapperig, so dass seine Offiziellen diese Tür für ihn in die Mauer einbauen ließen, um den weiten Weg bei den Zeremonien für ihn abzukürzen. Damit diese Abkürzung nicht ohne Not missbraucht würde, erließ Qianlong ein Dekret, dass nur seine Nachkommen, die 70 Jahre und älter wären, diese Tür benutzen dürfte. Qianlong blieb allerdings der einzige, der die Tür, die jetzt den Namen „70 year old door“ trägt, benutzt hat – keiner seiner Nachfolger wurde so alt.

 

Brown Door und Pearl Market

Blick von der Dachterasse des Pearlmarkets

Blick von der Dachterrasse des Pearlmarkets

Inzwischen waren wir durchgefroren, es war schon später Mittag. So habe ich unsere Besucher dann ins „Brown Door“ geführt, ein kleines chinesisches Restaurant gegenüber vom Nebeneingang des Perlenmarkts. Das ist schon lange kein Geheimtipp mehr, und auch wenn hier überwiegend Expats und Langnasen verkehren, so ist das Essen „ganz normal chinesisch“ und sehr lecker. Aufgewärmt und gestärkt ging es dann hinüber zum Pearlmarket, einmal Atmosphäre schnuppern, einmal das Erlebnis „knock-knock-Markt“… Wohl auch kein Geheimtipp mehr: Im 4. Stock an den Rolltreppen befindet sich eine kleine Kaffeebar, wo es guten Kaffee zum annehmbaren Preis gibt.  Wo wir schon bei Ex-Geheimtipps sind: Es ging dann noch auf die Dachterrasse, einmal den Blick über den Himmelstempelpark, rüber zum Tiananmen und in der anderen Richtung zum CBD genießen.

Legends of Kungfu

 Bei der Überlegung: Laoshe Teahouse oder Kungfu-Show fiel die Entscheidung rasch zugunsten von „Legends of Kungfu“. Ulrike vom bambooblog hatte davon erzählt. Besten Dank für die Empfehlung, wir waren begeistert! Beim nächsten Mal nehme ich meine Jungs mit, das würde ihnen sicher gefallen. Die Geschichte ist relativ schlicht: Ein Junge kommt ins Kloster, lernt fleißig, ist erfolgreich, lässt sich auf Abwege führen, findet aber auf den rechten Weg zurück und beerbt am Ende den alten Abt. Die Inszenierung ist temporeich, aufwendig und bunt, die Musik gefällt auch Westler-Ohren. Erzählt wird auf Englisch, es laufen chinesische Unter-, ähm, Obertitel, bei ein-zwei chinesischen Liedern umgekehrt. Immerhin kommen zwei Frauen vor: die Mutter und die böse Versuchungsfee… 

 

Feiertage ganz entspannt

Weihnachten und Silvester haben wir gemütlich zuhause gefeiert. Falls sich jemand über ausbleibende Mails und/oder Anrufe gewundert hat: Heiligabend fielen am frühen Abend erst Telefon und Internet aus (wurde am Morgen des 1. Feiertages repariert), dann hab ich schlapp gemacht: fiese Erkältung. Mit Besuch war für Erkältung aber gar keine Zeit, die wird jetzt auskuriert.

Xīnnián kuàilè! - Frohes neues Jahr!

Chinesische Silvestershow

Silvester war ebenfalls ganz gemütlich. Natürlich haben auch dieses Jahr Dinner for One und Ekel Alfreds Silvesterpunsch nicht gefehlt. Feuerwerk ist nicht nur innerhalb des 5. Pekinger Rings verboten, sondern auch bei uns im Compound. Trotzdem waren wir kurz auf der Straße und haben ein paar wenige Raketen in der Ferne gesehen. Nicht schlimm, es war eh viel zu eisig, um länger draußen zu sein. Drinnen ließen wir dann eine chinesische Neujahrshow laufen, wo es vor allem Bilder vom Feuerwerk der bereits ins Neue Jahr gerutschten Städte gab.

Alltag

Inzwischen sind alle Besucher wieder heil in Deutschland angekommen. Der Mann ackert, die Jungs genießen die letzten faulen Ferientage, ich kuriere meine Erkältung aus – ich muss fix wieder fit werden, schließlich habe ich nächste Woche was vor… ;)

Der Compound füllt sich allmählich wieder mit den Urlaubs-Rückkehrern, die Tage werden allmählich wieder länger und wir schauen gespannt darauf, was 2018 so alles mit uns vorhat. 

Xīnnián kuàilè! – Frohes neues Jahr!

 

EunuchenmuseumDer vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die morgen nach Europa zurückkehren wird, führte uns an den westlichen Stadtrand zum Eunuchen-Museum. Auf die Idee hat uns Ulrikes Beschreibung in ihrem Bambooblog gebracht. Es gibt zwar Schilder, auch die Adresse stimmte perfekt, aber wir waren zunächst doch verunsichert, ob wir richtig sind, denn wir befanden uns in einem engen Hutong am Rand einer Baustelle. Oh! Die Baustelle war das Eunuchen-Museum bzw. das Grab von Tian Yi, einem bekanntem Eunuchen, der drei Kaisern der Ming-Dynastie gedient hat. Als er starb, wurde er würdevoll beerdigt, viel später kam dann das Eunuchen-Museum dazu.  Aber – immer noch alles Baustelle (davon hatte Ulrike schon 2015 geschrieben), und es kam auch sofort ein Mann auf uns zu, der uns wegscheuchen wollte. Ich habe ihn dann gefragt, ob wir vielleicht vorsichtig einen Blick hineinwerfen dürfen, und dass es so schade sei, weil es doch die letzte Gelegenheit für meine Freundin ist. Und dann lächelte er und wir bekamen eine kleine Führung! Ich hab bei weitem nicht alles verstanden, was er erklärt hat, aber er hat immer wieder auf die detaillreichen Steinmetzarbeiten hingewiesen! 

Wer sich für das Eunuchenmuseum interessiert, muss sich noch gedulden: Míngnián 明年 – Nächstes Jahr! Da soll es wiedereröffnet werden.
Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintrittspreis war früher 8 RMB, könnte nach der Neueröffnung vielleicht etwas mehr sein.

 

Fahai-Tempel

Nun hatten wir doch noch Zeit, also konnten wir einer weiteren von Ulrikes Empfehlungen folgen und spazierten weiter zum Fahai-Tempel, nur eine Viertelstunde vom Eunuchen-Museum aus durch den Hutong und den Berg hinauf. Als wir uns an einer Ecke suchend umschauten, rief uns ein junger Mann zu: „Fahai si?“ und deutete auf den Weg bergauf. Kurz darauf fanden wir auch Wegweiser, und kurz darauf den Tempel, den man eigentlich nicht verfehlen kann.

Am Ticketschalter bedeutete uns der Verkäufer, dass wir uns beeilen sollten, denn in drei Minuten würde die Führung beginnen!  Der Eintrittspreis von 100 RMB ist für chinesische Verhältnisse recht hoch, soll aber dazu beitragen, dass nicht zu viele Menschen die Halle mit den wertvollen Wandmalereien stürmen. Also kletterten wir zügig die Treppen hinauf und standen vor einer großen Halle, wo außer uns nur zwei Chinesen auf die Führung warteten. Wir hatten Glück, denn die Führerin konnte das Wichtigste auf Englisch erklären, überwiegend war die einstündige Führung aber auf Chinesisch. Absolutes Fotografierverbot! Handys weg! (Oha, und das in China… ;) ) Im Vorraum aufgereiht lagen 20 Taschenlampen nebeneinander aufgereiht auf dem Fußboden. Jeder bekam eine, dann ging es durch einen Vorhang und wir standen im Stockfinsteren. So eine Tempelhalle nur mit einer Taschenlampe zu erkunden, ist ja auch mal spannend! Die Führerin hatte gerade mit ihrer Einleitung begonnen, als sie angefunkt wurde: da kommt noch eine kleine Gruppe dazu. Das gab uns die Gelegenheit, die eigentümliche Atmosphäre des dunklen Tempels zu genießen.

Besichtigung im Dunkeln

Fahai-TempelWarum dunkel, warum nur diese funzeligen Taschenlampen? Ein Großteil der Tempelanlage wurde während der Kulturrevolution zerstört, aber diese Halle ist erhalten geblieben und mit ihr die Wandmalereien. 500 Jahre alt! Um diese zu schützen, wird das Sonnenlicht ausgesperrt und gibt es keine festinstallierte Beleuchtung. Irgendwann sollten wir alle unsere Taschenlampen ausknipsen und die Führerin hockte sich hin und beleuchtete die Wandmalereien von unten. Da konnte man dann gut sehen, dass eine Art Relieftechnik angewendet wurde. Wenn man so frontal drauf schaute, hatte man das gar nicht wahrgenommen. Die Bilder – siehe unten – habe ich natürlich nicht in der dunklen Halle aufgenommen, sondern in einer anderen Halle, wo Kopien in Originalgröße ausgestellt wurden. Bemerkenswert sind auch die Deckenmalereien, die Mandalas zeigen.

Die Tempelanlage selbst ist ruhig und friedlich, schmiegt sich an einen Berghang.  Von weiter oben hat man einen tollen Blick und sieht die unzähligen Baustellen im Westen der Stadt. Überall verteilt stehen Feuerlöscher, Sand und Schaufeln, ungewöhnlich viele sind es – ein Teil des Tempels ist Ende des 20. Jahrhunderts durch ein Feuer zerstört worden, damit erklärt sich das. Auch zwei uralte Pinien – angeblich über 1000 Jahre – mit weißer Rinde sind bemerkenswert. Alles in allem eine wirklich schöne Anlage, der weite Weg dorthin hat sich gelohnt!

Vielen Chinareisenden und Expats geht es wohl irgendwann so, dass sich der Gedanke breitmacht: „Och nee, nicht noch ein Tempel oder Kloster…“

Wenn man dann womöglich Abstand von Besichtigungen nimmt, könnte man aber doch was verpassen, zum Beispiel das Hängende Kloster – Xuankong Si -, das von seiner Lage und Architektur her absolut einzigartig ist. Für mich ein absolutes China-Hightlight, gleich nach der Mauer!

Etwa eine Autostunde von Datong erhebt sich der Heng Shan/Bei Yue (Nordgebirge); eines der fünf Heiligen Gebirge des Daoismus. Und dort, etwa 50 Meter über dem Boden – mir kam es eher wie 500 Meter vor! – hängt in der Felswand über dem Fluss ein hölzernes Kloster mit vielen winzigen „Hallen“, vorne aus Holz, hinten in die Felswand hineingebaut. Nichts für Menschen mit Höhenangst! Auch Kinder würde ich nicht mit hinaufnehmen, man kann aber oben direkt vor dem eigentlichen Klostereingang warten und sich abwechseln, sollte man Kinder dabeihaben. Aber auch wenn man sich nicht hineintraut, ist der Anblick von unten die weite Anreise wert!

Vom Parkplatz aus geht man zum Kassenhäuschen, tritt durch den Eingang auf einen großen gepflasterten Platz – weitgehend leer, ein kleiner Kiosk an einem Ende, am anderen ein Toilettenhäuschen und Pavillions mit Sitzgelegenheiten im Schatten. Man überquert den Fluß auf einer schwankenden Hängebrücke und folgt dann einem von zwei Wegen mit vielen Treppen und Stufen den Berg hinauf, der eine in der prallen Sonne, der andere angenehm schattig mit einem bepflanzten Gitterdach und vielen Bildern des Klosters an den Seiten. Oder ist der Zweck des Dachs nicht das Schattenspenden, sondern der Schutz vor Steinschlag?

Im Kloster leb(t)en drei Glaubensrichtungen/Philosophien einträchtig miteinander: Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus, in einer der Hallen gibt es tatsächlich Statuen von Konfuzius, Buddha und Laotse nebeneinander – einzigartig. Erst seit vor etwa 30 Jahren die letzten beiden Mönche ausgezogen sind, ist das Kloster für die Öffentlichkeit zugänglich. 

Wie kommt man vor 1500 Jahren auf die Idee, ein Kloster in eine Felswand zu hängen? Vielleicht, um es vor Überschwemmungen zu schützen? Vielleicht, um schon von Weitem für Wanderer sichtbar zu sein? Die oben überhängende Steilwand schützt es vor Schnee und Regen, in dem engen Talkessel liegt es bis auf 3 Stunden täglich immer im Schatten. Vermutlich ist es deswegen so gut erhalten.

Obwohl dort schon einige Touristen sind, hat der Ort eine ganz eigene, besondere Atmosphäre – oben im Kloster selbst beinah mystisch, wenn man Glück hat und es etwas Ruhe und Zeit zum Verweilen gibt. Und die hatten wir glücklicherweise. Wer mag, kann den Rundgang auch mehrmals machen. Ja, Rundgang, es ist so schmal, dass man nur in einer Richtung vorwärts kommt, es gibt keinen Weg zurück. Man klettert über steile Treppen, die eigentlich mehr wie Leitern sind, in die oberen Stockwerke, man weiß gar nicht, ob man in die Hallen hinein sehen soll, um die Statuen zu bewundern oder in den Spalt zwischen Felswand und Treppe in die Tiefe blicken soll (besser nicht… ;) ) oder doch den Blick schweifen lassen und die Aussicht genießen soll. Dass es am gegenüberliegenden Berghang auf der anderen Seite des Tals eine von vielen LKWs befahrene Straße und einen Tunneleingang gibt, wo zur Sicherheit viel gehupt wird, dringt kaum zu einem durch. Eher staunt man zusammen mit den anderen Besuchern über den Zauber des uralten Gebäudes.

Ich mache mir schon Gedanken, ob und wie das Kloster sich am Fels festhält und ob es wirklich sicher ist, denn es ruht nur auf den uralten in den Felsen hineingebohrten Holzpflöcken, die vertikalen Stützen dienen nur der Stabilisierung und sehen furchtbar dünn und schrecklich alt aus. Aber es hat 1500 Jahre gehalten, da wird es nicht gerade dann abstürzen, wenn ich da bin, also traue ich mich hinein und hinauf. Und ich bin dann auch total erfüllt und begeistert. Ganz oben allerdings gab es einen Abschnitt, wo sich bei mir leichte Panik gemeldet hat, die ich mit großer Anstrengung niederkämpfen konnte. Das „Geländer“ dort ging mir gerade knapp übers Knie… Mit den Händen in die Rückwand gekrallt und Trippelschritten hab ich mich seitlich am Abgrund vorbei geschoben. Ich war trotzdem froh, mich getraut zu haben: Es ist so unglaublich schön und besonders: das Bauwerk, die Lage, die Aussicht, die Stimmung, dass der Thrill wieder in den Hintergrund tritt.

 

 

Mit zwei Freundinnen habe ich ein Wochenende in Datong in der Provinz Shanxi verbracht. Datong soll die „hässlichste Stadt Chinas“, wenn nicht sogar der Welt gewesen sein. Dies habe der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen können und ein ehrgeiziges, milliardenschweres Projekt ins Leben gerufen: 2009 wurde mit dem Bau einer neuen „Altstadt“ inklusive Stadtmauer begonnen. Sicher spielte auch eine Rolle, dass es mit der alten Lebensader der Stadt, dem Kohlebergbau, zu Ende geht und damit der Tourismus an Bedeutung gewinnt. Wie dem auch sei, Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende wurden aus dem Stadtkern umgesiedelt und die „historische“ Altstadt und Stadtmauer gebaut.
Mit diesen angelesenen Informationen im Hinterkopf hatte ich keine großen Erwartungen an Datong, für uns sollte es vor allem Ausgangspunkt für die Besichtigung des Hängenden Klosters und der Yungang-Grotten werden.

Am Freitag ging es in aller Frühe zum Flughafen. Im Flugzeug wurden wir ziemlich durchgeschüttelt, glücklicherweise nur ein kurzer Flug… Mit dem Taxi zum zentral innerhalb der Stadtmauer gelegenen Hotel und dann zum Frühstück in ein Baozi-Restaurant, in dem wir die einzigen Westler waren. Überhaupt, an den ersten beiden Tagen haben wir außer uns fast keine Ausländer gesehen. Uns wurde überall mit freundlicher Neugier und viel Hilfsbereitschaft begegnet, interessant war wohl auch, dass wir keine Meiguo ren waren, sondern aus gleich drei verschiedenen Ländern kamen: Deguo, Fenlan, Nanfei…

Überraschenderweise fand ich die „Disneyland-Stadtmauer“ dann doch sehenswert. Zum größten Teil ist diese inzwischen fertig, über 7 km lang und zu Fuß, mit Leihrädern oder offenen Elektro-Minibussen befahrbar. In einer Ecke steht die Wildganspagode, in die man von unten einen Blick hineinwerfen kann. Ansonsten hat man von der Stadtmauer aus einen Blick über das neue Altstadtviertel, auf verlassene, im Abbruch befindliche Hutongs im Stadtkern, dahinter 4-6-geschossige Häuser, teils neu (und doch schon wieder ziemlich runtergekommen), teils verlassen und auf den Abbruch wartend. Hinter der Mauer erhebt sich ringsherum ein Hochhauswald und dahinter ragen bis 2000 Meter hohe Berge auf.

 Shanhua Tempel

Nach einem Bummel über die Stadtmauer besuchten wir den Shanhua-Tempel. Ich bin alles andere als eine Expertin für Buddhismus, aber mir gefallen die Tempelanlagen, die so oft Oasen der Ruhe inmitten der lauten, chaotischen Großstädte sind. Wir schienen die einzigen Besucher zu sein und konnten die Ruhe daher noch mehr genießen.

 Lärm und lecker Essen

Anschließend ließen wir uns durch die Stadt treiben und landeten in einer Fußgängerzone, in der die Shops miteinander wetteiferten, wer die lauteste Lautsprecheranlage hat. Dagegen ist selbst Peking still und leise… Wir bogen in eine Seitenstraße ab, wo wir das Fenglin Ge-Restaurant fanden und für einen Snack einkehrten. Das Restaurant soll auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken und beste Shanxi-Küche anbieten. Man sollte hier auf jeden Fall nicht nur das Essen genießen, sondern sich auch das Gebäude näher ansehen, man kann auch einen Blick in die Küche werfen, wo Köche kunstvoll Shao Mai füllen und falten. Uns hat es jedenfalls so gut gefallen, dass wir abends nach einem „Altstadt“-Bummel noch einmal dort gegessen haben (und am Sonnabend-Abend auch).

Die Kinder waren platt, also haben wir am letzten Tag des Besuchs einen Ausflug zu zweit gemacht: erst in den Lamatempel, dann in den Konfuziustempel. Der Lamatempel ist beeindruckend, auch wenn Touristen gegenüber den Mönchen klar in der Überzahl sind. Aber der Geruch nach Räucherstäbchen, betende und sich in alle Himmelsrichtungen verbeugendende Menschen – das ist schon eine besondere Athmosphäre.

Vom Lamatempel sind es nur ein paar Schritte zum Konfuziustempel. Dieser hat eher musealen Charakter, ist nicht so prächtig, aber nicht weniger interessant. Ruhiger und weniger voll, auch wenn chinesische Reisegruppen lautstark von ihren Reiseführern im Rudel durchgescheucht werden, das hab ich im Lamatempel so nicht gesehen (dort gibt es aber auch Audioguides zum Leihen).

Ich glaube, bei strahlendendem Sonnenschein, tiefblauem Himmel und guten Luftwerten war das für Michaela noch mal ein schöner Abschluss. :)