Vielen Chinareisenden und Expats geht es wohl irgendwann so, dass sich der Gedanke breitmacht: “Och nee, nicht noch ein Tempel oder Kloster…”

Wenn man dann womöglich Abstand von Besichtigungen nimmt, könnte man aber doch was verpassen, zum Beispiel das Hängende Kloster – Xuankong Si -, das von seiner Lage und Architektur her absolut einzigartig ist. Für mich ein absolutes China-Highlight, gleich nach der Mauer!

Das hängende Kloster bei Datong

Etwa eine Autostunde von Datong erhebt sich der Heng Shan/Bei Yue (Nordgebirge); eines der fünf Heiligen Gebirge des Daoismus. Und dort, etwa 50 Meter über dem Boden – mir kam es eher wie 500 Meter vor! – hängt in der Felswand über dem Fluss ein hölzernes Kloster mit vielen winzigen “Hallen”, vorne aus Holz, hinten in die Felswand hineingebaut. Nichts für Menschen mit Höhenangst! Auch Kinder würde ich nicht mit hinaufnehmen. Man kann aber oben direkt vor dem eigentlichen Klostereingang warten und sich abwechseln, sollte man Kinder dabeihaben. Aber auch wenn man sich nicht hineintraut, ist der Anblick von unten die weite Anreise wert!

Vom Parkplatz aus geht man zum Kassenhäuschen, tritt durch den Eingang auf einen großen gepflasterten Platz – weitgehend leer, ein kleiner Kiosk an einem Ende, am anderen ein Toilettenhäuschen und Pavillions mit Sitzgelegenheiten im Schatten. Man überquert den Fluß auf einer schwankenden Hängebrücke und folgt dann einem von zwei Wegen mit vielen Treppen und Stufen den Berg hinauf, der eine in der prallen Sonne, der andere angenehm schattig mit einem bepflanzten Gitterdach und vielen Bildern des Klosters an den Seiten. Oder ist der Zweck des Dachs nicht das Schattenspenden, sondern der Schutz vor Steinschlag?

Im Kloster leb(t)en drei Glaubensrichtungen/Philosophien einträchtig miteinander: Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus, in einer der Hallen gibt es tatsächlich Statuen von Konfuzius, Buddha und Laotse nebeneinander – einzigartig. Erst seit vor etwa 30 Jahren die letzten beiden Mönche ausgezogen sind, ist das Kloster für die Öffentlichkeit zugänglich.

Warum ein Kloster in die Felswand hängen?

Wie kommt man vor 1500 Jahren auf die Idee, ein Kloster in eine Felswand zu hängen? Vielleicht, um es vor Überschwemmungen zu schützen? Vielleicht, um schon von Weitem für Wanderer sichtbar zu sein? Die oben überhängende Steilwand schützt es vor Schnee und Regen, in dem engen Talkessel liegt es bis auf 3 Stunden täglich immer im Schatten. Vermutlich ist es deswegen so gut erhalten.

Obwohl dort schon einige Touristen sind, hat der Ort eine ganz eigene, besondere Atmosphäre – oben im Kloster selbst beinah mystisch, wenn man Glück hat und es etwas Ruhe und Zeit zum Verweilen gibt. Und die hatten wir glücklicherweise. Wer mag, kann den Rundgang auch mehrmals machen. Ja, Rundgang, es ist so schmal, dass man nur in einer Richtung vorwärts kommt, es gibt keinen Weg zurück. Man klettert über steile Treppen, die eigentlich mehr wie Leitern sind, in die oberen Stockwerke. Man weiß gar nicht, ob man in die Hallen hinein sehen soll, um die Statuen zu bewundern oder in den Spalt zwischen Felswand und Treppe in die Tiefe blicken soll (besser nicht… ;) ) oder doch den Blick schweifen lassen und die Aussicht genießen soll. Dass es am gegenüberliegenden Berghang auf der anderen Seite des Tals eine von vielen LKWs befahrene Straße und einen Tunneleingang gibt, wo zur Sicherheit viel gehupt wird, dringt kaum zu einem durch. Eher staunt man zusammen mit den anderen Besuchern über den Zauber des uralten Gebäudes.

Ein Hauch von Höhenangst…

Ich mache mir schon Gedanken, ob und wie das Kloster sich am Fels festhält und ob es wirklich sicher ist, denn es ruht nur auf den uralten in den Felsen hineingebohrten Holzpflöcken. Die vertikalen Stützen dienen nur der Stabilisierung und sehen furchtbar dünn und schrecklich alt aus. Aber es hat 1500 Jahre gehalten, da wird es nicht gerade dann abstürzen, wenn ich da bin, also traue ich mich hinein und hinauf. Und ich bin dann auch total erfüllt und begeistert. Ganz oben allerdings gab es einen Abschnitt, wo sich bei mir leichte Panik gemeldet hat, die ich mit großer Anstrengung niederkämpfen konnte. Das “Geländer” dort ging mir gerade knapp übers Knie… Mit den Händen in die Rückwand gekrallt und Trippelschritten hab ich mich seitlich am Abgrund vorbei geschoben.

Ich war trotzdem froh, mich getraut zu haben: Es ist so unglaublich schön und besonders: das Bauwerk, die Lage, die Aussicht, die Stimmung, dass der Thrill wieder in den Hintergrund tritt.

Hängendes Kloster: Fotos

 

 

Eigentlich war Sydney die letzte Station auf unserer Reise, aber da heute alle Welt außer über die Abschiedsrede von Barack Obama über die Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg spricht, ist das doch mal ein guter Anlass, um nach Sydney zur dortigen Oper zu gucken. :)

 

Das Opernhaus in Sydney, gebaut von 1959 – 1973 (Bauzeit also etwa ein Jahr länger als die der Elbphilharmonie), ist wirklich ein toller Blickfang. Wenn man die Treppen hinaufgeht, hat man außerdem einen großartigen Blick über Sydney am Wasser, auf Wohnviertel an den gegenüberliegenden Ufern, auf die Harbour Bridge, auf Anlagen der Marine… Wie in Hamburg hat man auch in Sydney mehr Geld verbraten als ursprünglich geplant: etwa das zehn- bis fünfzehnfache der ursprünglich angesetzten Summe. Zur Finanzierung wurde später eigens eine Lotterie ins Leben gerufen. Im Vergleich zur Elbphilharmonie ist das aber mit ca. 100 Millionen AUD (das sind heute wohl gut 123 Millionen AUD) fast ein Schnäppchen.

Bei aller Liebe zu meiner Heimatstadt Hamburg: was das Wetter angeht, hat Sydney klar die Nase vorn, was das Opernhaus angeht, wird man sehen… Die Lage am Wasser ist vergleichbar, wobei Pazifik oder Elbe sicher auch Geschmackssache ist… Sydney war zuerst da, der Bau ist in der Tat originell. Zur Elphi fällt einem auch quadratisch-praktisch-gut ein, nur das Wellendach mildert den Kasten-Eindruck ab. Allerdings sehen wir hier in Peking jede Menge bemerkenswerte Gebäude mit schrägen/runden/asymmetrischen Dächern… Der Elphi heute trotzdem einen guten Start! :)

Leider ist ein halber Tag für Sydney viel zu kurz (wir sind gut 1,5 Stunden von der Central Coast aus hin- und wieder zurückgefahren). Bei einer Hop on/Hop off-Bustour haben wir immerhin einen ersten Eindruck bekommen, nachdem wir vorher und nachher schon am Circular Quay und durch den Hyde Park spazieren gegangen sind.

Bei ca. 28° C und fröhlicher Sommer-Stimmung haben wir auch einen entsprechend bunten fröhlichen Eindruck von Sydney mitgenommen. Da könnte man auf jeden Fall auch mal mit etwas mehr Zeit hin…

 

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg bei Yangshuo. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Entspannte Radtour

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht.

Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Der Mondberg bei Yangshuo

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Drei Damen und Chang’e

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legenden von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Schöner Abschluss im Hotel

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

 

 

Für den Ausflug zum Shaolin-Kloster (bei Dengfeng am Berg Songshan) habe ich mir wieder über das Hotel einen Fahrer vermitteln lassen. Die Fahrt geht durch das überschaubar große Luoyang. Vorbei an vielen, typischen braunen Schildern, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen: Museen, Tempel, noch mehr Tempel…

Dann lassen wir die Stadt hinter uns, es geht durch schier endlose Maisfelder. Die Gegend ist flach, noch sind wir im breiten Tal des Gelben Flusses. Irgendwann ersetzen Pflaumenbäume die Maisfelder und endlich tauchen aus dem Dunst am Horizont die ersten Berge auf. Wir biegen auf eine schmalere Landstraße ein, kommen noch durch einen leicht verlassen wirkenden Ort. Dann windet sich die Straße den Berg hinauf. Auf einem der Berge ist ein Tempel zu sehen, und meine Aufregung wächst.

Ich hab eigentlich keinen großen Bezug zu den Shaolin oder Kungfu. Vor einer Ewigkeit habe ich mal ein bisschen ins Taekwondo hineingeschnuppert, das ist noch das, was dem Kungfu am nächsten kommt (ich höre den Aufschrei der Kenner! ;) ). Ich habe mitbekommen, wie Bekannte zu Kungfu-Workshops gefahren sind, und ich habe die großartige Kungfu-Show im Pekinger Red Theatre besucht. Und natürlich habe ich mit den Jungs Kungfu-Panda gesehen. Trotz dieser geballten Masse an „Nicht-Wissen“ erwarte ich etwas Besonderes, vielleicht ein wenig Mystisches.

Erster Eindruck: groß, größer, China!

Dann wird die Straße breiter, Parkplätze sind ausgeschildert, der Fahrer lässt mich raus und sagt, ich soll mich über WeChat melden, wenn ich zurückfahren möchte, dann holt er mich an der gleichen Stelle wieder ab.

Statue vor dem Shaolin-Kloster

Der Eingangsbereich ist nicht so gigantisch wie z.B. bei der Terrakotta-Armee, aber dennoch China-typisch überdimensioniert. Klar, es muss ja auch dem großen Ansturm während der Golden Week standhalten. Eine große, hässliche Statue eines Shaolin überragt den Eingangsbereich – dies hätte mich eigentlich vorwarnen sollen (seltsam, auf dem Foto sieht das nun gar nicht mehr so scheußlich aus, wie ich es vor Ort empfunden habe!).

In welchem der vielen Gebäude verbirgt sich nun das Ticket-Center?

Shaolin-Kloster

Eingangsbereich Shaolinkloster

Schließlich finde ich es und gehe dann durch den Sicherheitscheck und ein großes Tor. Vor mir liegt eine breite Promenade, wohin nun? Ich gehe ein Stück, werde von einem fiesen Hustenanfall durchgeschüttelt und beschließe, einen der Elektrobusse zu nehmen, um einen ersten Eindruck zu bekommen und mich dabei etwas zu erholen.

Aber dann fährt der Bus am Shaolin-Tempel vorbei, und mich hält es dann doch nicht mehr. Ich steige aus und laufe zurück. Vor dem Tempel ist ein großer Platz, aus einer Lautsprecheranlage dröhnt Musik, dazu singt eine Gruppe von etwa 100 fähnchenschwingenden Menschen die chinesische Nationalhymne. Und nochmal. Nochmal! Und nochmal. So richtig begeistert wirken sie alle nicht. Ja, es ist halt kurz vor dem Nationalfeiertag!

Das alte Tempelgebäude

Ein paar Stufen hoch, noch eine Ticketkontrolle, dann betrete ich das Tempelgelände. Im ersten Gebäude sind nicht die üblichen vier Himmelskönige zu sehen, sondern vier Shaolinmönche in verschiedenen Posen.

Kein Himmelskönig…

… sondern Shaolinmönch!

Ansonsten bleibt mir vor allem eines im Gedächtnis: Es ist voll.

Die Gebäude sehen zu einem großen Teil neu aus. Neu, nicht nur frisch renoviert. Nahe der alten Hauptstadt Luoyang gelegen, war das Kloster in Wahrheit nicht der mystifizierte friedliche Ort, sondern oft umkämpft. Die große Halle ist 1928 abgebrannt. Ein Großteil der Gebäude wurde 2004 wieder/neu errichtet.

voll hier!

Ich lasse mich mit dem Strom weiter bergauf treiben, halte mich dann rechts und da ist dann endlich doch ein altes Gebäude. Abblätternde Farbe, gammelndes Holz, schief hängende Fenster. Gefällt mir besser als die „hübschen“, adretten anderen Gebäude.

schöner, oder?

Ja, und sonst? Es ist halt ein Tempel wie viele andere, nett in den Bergen gelegen. Über die Geschichte erfährt man praktisch nichts, obwohl in der ganzen Shaolin Scenic Area viele, viele Schilder verteilt sind. Einige wenige Mönche achten darauf, dass in den Hallen nicht fotografiert wird oder geben Räucherstäbchen aus. Ich beobachte zwei Frauen, vermutlich Mutter und Tocher, die auf mich wirken, als wären sie beim Speeddating mit den vielen Buddhas. Routiniert brennen sie ihre Räucherstäbchen ab, verbeugen sich in alle vier Himmelsrichtungen und hetzen weiter zum nächsten Buddha.

Und plötzlich Ruhe…

Ich hingegen lasse mir Zeit, und tatsächlich verschwinden die Touristengruppen. Auf einmal bin ich fast alleine und dann wirkt der Tempel plötzlich ganz anders. Für einen Moment rückt die Vergangenheit näher, wird spürbarer – bis mich ein lärmender Guide mit Megaphon in die Gegenwart zurückholt. Langsam gehe ich weiter, achte jetzt auf Details, die mir beim Hinweg entgangen sind.

Viele bemerkenswerte Details

Talin – Der Pagodenwald

Wieder auf der breiten Promenade gehe ich weiter zum „Talin“, dem Pagodenwald. Bis zu 1500 Jahre alte Pagoden, der größte Pagodenwald in ganz China. Und er überrascht mich, denn hier finde ich am ehesten das, was ich vom eigentlichen Tempel erwartet hätte. Der Pagodenwald ist ein Friedhof, die Pagoden beherbergen die Überreste verstorbener Mönche beziehungsweise sollen an diese erinnern. Die Atmosphäre erinnert dementsprechend auch an einen westlichen Friedhof. Obwohl immer wieder Touristengruppen einen Blick auf die Pagoden werfen, ein Bild knipsen und weiterziehen, ist es hier doch deutlich ruhiger, friedlicher.

Pagodenwald (Talin) im Shaolinkloster

Kungfu Show oder: Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen, bitte.

Die blöde Erkältung bremst mich wirklich aus, ich brauche schon wieder eine Pause. Ich stoppe an einer Imbissbude und esse ein paar Nudeln. Dann wird es Zeit: die Kungfu-Show wartet. Ich bin so gespannt – die Show in Peking hat mir schon so gut gefallen, dann wird das hier bei den Shaolin bestimmt großartig werden!

Erneute Ticketkontrolle, Schlange stehen. Der Theaterbau ist, hmm, nennen wir es mal funktional. Hat man so nicht in den 80ern in Hamburg gebaut? Die Ränge füllen sich bis auf den letzten Platz, dann betritt ein Showmaster die Bühne. Auf den Bildschirmen links und rechts gibt es leider keine Englische Übersetzung, wie ich das von Shows aus Peking kenne. Zwei Teenager im orangefarbenen Mönchsgewand betreten die Bühne, tragen einen Tisch nach vorne, ein älterer Mann erscheint – und pinselt ein paar Schriftzeichen, während der Showmaster immer weiterredet. Der Künstler ist fertig, die Jungs nehmen das Papier und zeigen es dem Auditorium, das begeistert klatscht. Die Kalligraphie wird zusammengerollt und verpackt und verkauft.

Ich glaube, mir sind die Gesichtszüge entgleist – das hatte etwas von Butterfahrt. Vielleicht bin ich aber auch nur eine ungebildete, uninformierte Kunstbanausin? Das geht so zwanzig Minuten weiter, ich bekomme davon nicht mehr so viel mit, weil mich wieder ein fieser Husten schüttelt und mein Kreislauf anfängt rumzuzicken. Zum Glück ist es so laut, dass mein Bellen im Lärm der Menge untergeht. Endlich verbeugt sich der Kalligraph, die Teenager im Mönchskostüm tragen den Tisch von der Bühne, und es beginnt der nächste Teil.

Vier Darsteller der Shaolin-Show

Shaolin-Show

Eine Gruppe von Kindern (!) und Jugendlichen (wie oft die wohl auftreten müssen?) betritt die Bühne und zeigt ein wenig Formations-Kungfu. Ja, es sieht leichter aus, als es ist. Wirkt auf mich trotzdem wie eine Gymnastikstunde. Dass es wirklich nicht so einfach ist, wird dann noch eindrücklich demonstriert: Drei Freiwillige aus dem Publikum sollen nachmachen, was ihnen vorgemacht wird – und scheitern bemerkenswert. Okay, ist halt kein Jet Li Film, sondern echte Körperbeherrschung, die nicht durch filmische Möglichkeiten dramatisiert wird. Es folgen drei, vier weitere Nummern, keine davon so ein cooler, dramatischer Showkampf, auf den ich insgeheim gehofft hatte.

Zwischendrin will der Showmaster nochmal etwas verkaufen: DVDs. Auch die gehen weg wie warme Semmeln, äh, frische Jiaozi. Der Showmaster verbeugt sich, und zack, das war’s. Definitiv nicht das, was ich erwartet habe.

Kommerz

Das Publikum wird auf einer Seite der Halle herausgeschleust – und findet sich in einem Shop wieder. Es gibt keinen direkten, kurzen Weg zum Ausgang, es bleibt mir nichts anderes übrig, als der Slalomstrecke zwischen den Verkaufsständen zu folgen.

Völlig fassungslos bin ich, als ich lauter Daunenmäntel entdecke: die kann man sich für 300 RMB (!) ausleihen – um die IceWorld zu betreten. Mitten im Shaolinkloster eine IceWorld? Oh Mann, ich glaube ich bin in China…

An einem Verkaufsstand lasse ich mir einen superdupereinzigartigen Kräuterklumpen aufdrängen: spezielle Kräuter, die es nur hier so gibt! Super gegen Erkältung! – Das war das Widerlichste, was ich in meiner ganzen Chinazeit je gekostet habe, geholfen hat’s auch nicht, nur zusätzliche Übelkeit beschworen. 

Mein zickender Kreislauf schreit nach Kaffee, erstaunlicherweise gibt es hier keinen Starbucks (was mich wirklich nicht mehr hätte überraschen können), aber immerhin bekomme ich einen überteuerten Instantkaffee…

Allmählich wird es Zeit, nach Luoyang zurückzufahren. Kurz vor dem Treffpunkt, aber schon außerhalb der „scenic area“ merke ich, dass mein Handy keinen Saft mehr hat. Oh, und nun? Verschollen bei den Shaolin? Zu Fuß zurück nach Luoyang? Ich erinnere mich, auf dem Hinweg ein Toilettenschild gesehen zu haben – und finde das Klohäuschen auch – inklusive Steckdose. Die Wartezeit bis das Telefon wieder funktioniert, wird mir durch zwei Chinesinnen vertrieben, die sich vor dem Spiegel umziehen, praktische Reisekleidung gegen schickes Ausgeh-Outfit austauschen. Ganz selbstverständlich und ohne Scham werfen die beiden sich in Schale. Ich glätte ein bisschen mit den Fingern meine verstrubbelten Zotteln, bewundere meine rote Schnupfnase, ziehe eine Grimasse, woraufhin die beiden fast zusammenbrechen vor Lachen. Das Handy hat wieder Saft, ich erreiche den Fahrer und sitze wenig später im Auto und fahre nach Luoyang zurück.

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe – das jedenfalls nicht: Kitsch und Kommerz. Andererseits denke ich, dass mich das im fünften Jahr in China eigentlich nicht mehr so überraschen sollte!
Sollte ich noch einmal in die Gegend kommen, bin ich hoffentlich nicht krank – und dann würde ich mir deutlich mehr Zeit nehmen, um auch die abgelegeneren Tempel in der Scenic Area zu erkunden. Das Gelände ist wirklich riesig, ich würde bei einem erneuten Besuch die komplette Öffnungszeit ausnutzen (8-17:30, Oktober-März 8-17 Uhr).

Fotos!

Fotos vom Schilderwald

Mein Nachmittag ist voller Gegensätze. Es soll zum “Ladies Temple”, Banteay Srei gehen. Auf dem Weg liegen Schmetterlingsfarm und Landminenmuseum. Unbeschwerte Leichtigkeit wird sich mit einem der bittersten Kapitel menschlicher Geschichte und alter Zivilisation und Kultur abwechseln. Harter Stoff.

Schmetterlingsfarm

Zuerst geht es zur Schmetterlingsfarm. Ich habe die große Anlage mit Tropenhaus in Friedrichsruh bei Hamburg vor Augen, wobei mir natürlich klar ist, dass hier in Kambodscha kein Tropenhaus notwendig ist. Die Schmetterlingsfarm hier ist ein hübscher kleiner Garten, komplett unter einem Netz. Mir wird erklärt, dass es dies Jahr leider nur wenige Schmetterlinge gäbe und dass die wenigen jetzt am Vormittag auch noch schliefen. Ich bin die einzige Besucherin und bekomme eine Privatführung und sehe Eier, Larven, Raupen in den unterschiedlichsten Stadien – und einige weniger Schlafmützen, äh, Schmetterlinge. Hier gefällt mir gut, dass neben dem Parkplatz Hängematten für die Tuktuk- und Busfahrer unter einem Schatten spendenden Dach gespannt sind.

Landminenmuseum

Nur wenige Fahrminuten weiter werde ich dann mit den dunklen Seiten der kambodschanischen Vergangenheit konfrontiert. Wir halten am Landminenmuseum. Es ist klein und überschaubar, geht auf die Initiative von Aki Ra (geboren als Eoun Yeak) zurück, der auf eine bewegte, erschütternde Biographie zurückblickt: Zu Beginn der Siebziger geboren, wann genau ist unbekannt, wird er seinen Eltern weggenommen und Kindersoldat bei den Roten Khmer. Seine Eltern wurden ermordet. 1983 – maximal 13 Jahre alt, vielleicht auch erst 10 – wird er von Vietnamesen gefangen genommen und kämpft dann auf deren Seite. Wie zuvor für die Roten Khmer legt er auch für die Vietnamesen Landminen. Als die Vietnamesen Kambodscha verließen, trat er der Kambodschanischen Armee bei.

Erst Minenleger, dann Minenräumer

Zu Beginn der Neunziger räumte er auf eigene Faust Minen: mit Stöcken und Messern, ohne jede Schutzkleidung – das hätte auch früh tödlich enden können. Erst später bekam er eine professionelle Minenräumerausbildung. Schließlich widmet er sein Leben dem Räumen von Minen, der Aufklärung über deren Gefahren, ruft das Landminenmuseum ins Leben, kümmert sich um Minenopfer und gründet Schulen für Waisen und Minenopfer. Über diese bewegte Lebensgeschichte informieren Fotos und Infotafeln. Da rücken die Informationen zu den verwendeten Antipersonenminen und Panzerminen, obwohl die Objekte danebenstehen, in den Hintergrund. Dazu werden überall – entschärfte – Minen ausgestellt, wenn man vom Parkplatz zum Eingang geht, ist der Weg beidseits von Bomben gesäumt. Das hat eine perverse Ästhetik und macht sehr beklommen. 

Ich habe vor der Reise viel über die jüngere Geschichte Kambodschas gelesen, allein das kann schon traurig stimmen. Aber diese Geschichte am Beispiel eines einzelnen, konkreten Menschen gezeigt zu bekommen, der Opfer und Täter zugleich ist und sein Leben seit vielen Jahren der Wiedergutmachung gewidmet hat, das beschäftigt mich.

Banteay Srei

Still steige ich wieder in Sokphorns Tuktuk. Unfassbar, was Menschen sich gegenseitig antun können, angetan haben und auch heute noch antun.

Kurze Zeit später kommen wir am “Ladies Temple” – Banteay Srei an. Der Parkplatz ist bald größer als das Tempelgelände, eine Reihe von Bussen besetzen die wenigen Schattenplätze. Sokphorn zieht sich wieder zu einem Nickerchen zurück, und ich stelle mich hinter eine chinesische Reisegruppe, überwiegend Frauen, an der Eingangskontrolle an.

Dieser Tempel gilt als einer der Kunstvollsten, die Ornamente seien unvergleichlich. Ich bin keine Fachfrau, aber auch ich finde sie ungewöhnlich schön! Wie an vielen der anderen Tempel gibt es auch hier eine Musikgruppe, die traditionelle Musik spielt. Das, die friedliche Atmosphäre, das fröhliche Plappern der Chinesinnen, die warme Sonne auf der Haut, das alles vertreibt die düstere-traurige Stimmung.

Sacken lassen

Dorf bei Siem Reap

Dorf bei Siem Reap

Es ist zwar noch relativ früh am Nachmittag, aber der Tag hat ja auch schon um halb fünf für mich angefangen und ich bin nicht mehr aufnahmefähig. Also beschließe ich, den Rest des Tages wieder im Hotel am Pool zu verbringen.

Auf dem Rückweg kommen wir noch durch Dörfer, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Und immer wieder sind auf den Feldern neben der Straße Wasserbüffel oder magere Kühe, meist nur einzelne, aber einmal auch eine kleine Herde.

 

Wasserbüffel-Herde

Wasserbüffel-Herde

Was für ein unglaublicher Tag! Sonnenaufgang in Angkor Wat. Den Baphuon-Tempel fast für mich alleine im wunderschönen Morgenlicht. Unbeschwerte Leichtigkeit im Schmetterlingsgarten.

Das Landminenmusum.

Der Banteay Srei Tempel. Die unzähligen Eindrücke auf der Fahrt. Und dann ein entspannter Spätnachmittag und Abend am Pool, wo ich Zeit genug habe, meine Eindrücke und Gedanken wenigsten schon etwas zu sortieren.

 

Jetzt sind wir schon fast eine Woche zurück in Peking – und ich hab mich vorher noch nie so schwer getan, hier wieder anzukommen. So vieles, das nervt: ich hasse es, die großen, schweren Trinkwassserkübel (besonders noch vor dem ersten Kaffee!) austauschen zu müssen. Es ist Mist, wenn draußen 33° sind und man wegen der miesen Luft nicht all zu lange draußen sein mag. Es ist unschön, im Supermarkt den komischen weiß-weichen Salami-Rand zu begutachten und zu überlegen, wie oft die wohl schon aufgetaut und wieder eingefroren wurde. Ich hatte ganz verdrängt, wie anstrengend es sein kann, den Alltag nicht in der Muttersprache und als Analphabetin (die paar Zeichen, die ich entziffern kann…) bewältigen zu müssen.

Mit unserem Jämtland-Urlaub hatten wir aber auch den vermutlich größtmöglichen Kontrast zu Peking!

Suchbild: Wo ist unsere Stuga? ;)

Dieses knuffige Blockhaus versteckt sich etwa 7 km nördlich vom Dorf Ljungdalen oben am Hang. Was fehlt, ist ein Schild “Ende! Aus! Hier geht es nicht weiter!” Höchstens zu Fuß, übers Fjäll, in ca. 3 Tagen kommt man z.B. in Storlien oder Valadalen wieder raus.

Das letzte Haus am Feldweg, doch nicht nur der Weg, auch die Stromleitung endet hier. Telefon? Fehlanzeige. Handyempfang? Oh, an die Anzeige “Kein Netz!” kann man sich durchaus gewöhnen! Bis zum nächsten Haus ist es ein Stück, aber das war unbewohnt. Also keine Nachbarn! Keine Menschen! Nur wir drei! Der Herr Gemahl war im Job unabkömmlich, und so waren wir nur zu dritt auf Reisen, aber auch das war – ohne dem Gatten zu nahe treten zu wollen – herrlich entspannt. 

Fjäll

Direkt am Haus windet sich ein schmaler Pfad den Berg hinauf. Man stapft ein bisschen durchs Unterholz und ist nach wenigen Metern oberhalb der Baumgrenze.

Kalfjäll (ja, das schreibt man im Schwedischen so! ;)

Es geht nur enstpannt-sanft bergauf, umso erstaunlicher, dass sich der Blick ins Tal und über die Landschaft tatsächlich alle paar Schritte ändert. Von oben konnte man das Dorf bzw. Teile davon sehen…

Ljungdalen

… und ein Stück weiter oben, reichte der Blick bis zum Flatruet. Wir sind ja mit der Fähre von Kiel nach Göteborg gefahren (ich liebe es!), sind ein Stück über Norwegen/Oslo immer weiter Richtung Norden getuckert, erst bei Stöten über die Grenze zurück nach Schweden. Die letzte Etappe – fix noch ein Großeinkauf beim ICA in Funäsdalen – führt dann übers Flatruet nach Ljungdalen.

Flatruet

Am höchsten Punkt des Flatruets befindet sich ein Parkplatz, von dem man kurz die Aussicht genießen kann, wo man auch mal mit dem Wohnmobil stehen kann oder wo man zu kurzen oder mehrtägigen Wanderungen aufbrechen kann. Wir sind nur “spazierengegangen”, das finden meine Kurzen nicht so schrecklich wie dieses “wandern”… ;)

Auf der Anreise musste ich kurz hinter dem Parkplatz in die Eisen treten: Rentieralarm. Wo man sonst kaum einem Auto begegnet, mussten wir dank sturer Rentiere kurze Zeit im Konvoi im stop und go langsam weiter Richtung Ljungdalen tuckern. Das war ein ziemlich genialer Auftakt. Sorry, keine Bilder, ich hatte die Hände am Steuer!

Blick vom Flatruet Richtung Helags - noch immer Schnee...

Blick vom Flatruet Richtung Helags

Wie man sieht, war unser Ferienwetter durchwachsen. 9°C? Egal, in Peking schwitzen wir noch bis Oktober! Durchgängig verregnete Tage waren auch nur 1-2 dabei. Aber auch das war in Ordnung, denn die Stuga war unglaublich gemütlich. Am Kamin sitzen und zugucken, wie sich die Wolken übers Dunsjöfjället ins Tal wälzen: beeindruckend!

Urlaubsbedürfnisse haben sich wegen Peking geändert

Früher – vor Peking – war ich immer diejenige, die im Urlaub für Sightseeing und Ausflüge zuständig war – bzw. wenn ich nicht genervt, gequengelt und gedrängelt hab, konnte meine Familie es auch immer gut direkt am Urlaubsort aushalten (okay, Eigenlob stinkt eigentlich, aber ich hab schon ein glückliches Händchen in Sachen Ferienhäuser). Seit wir in Peking sind, ist es anders, und das ist mir tatsächlich jetzt in Schweden erst richtig bewusst geworden. Unser Alltag hier ist – verglichen mit unserem alten deutschen Alltag – hektisch, aufregend, spannend. Ich selbst muss weder zur Schule noch zur Arbeit gehen und will mir, wenn die Pekingzeit irgendwann mal zu Ende geht, nicht sagen müssen: ach hätt’ ich doch noch dies-das-jenes gemacht-besucht-angesehen… D.h. mein Alltag ist so ganz anders als mein alter Hamburger Alltag, dass sich auch meine Urlaubsbedürfnisse und -wünsche verschoben haben. Sightseeing? Gehört doch zu meinem Expatalltag!

Ich habe es genossen, auf der Terrasse zu sitzen, zu lesen, den Blick schweifen zu lassen. Vor dem Urlaub hab ich noch gedacht, wir könnten ja endlich mal in Röros die Minen ansehen. Wasserfälle finden? Vielleicht ein Wiedersehen mit Trondheim und den Bekannten dort? Nach Östersund zum Festival? Und am Ende waren unsere weitesten Ausflüge die nach Funäsdalen zum Einkaufen, immerhin auch 45 Minuten Fahrzeit – wobei es in Ljungdalen im kleinen ICA Nära eigentlich auch alle gab, was wir brauchten. Wir haben dann halt immer auf dem Flatruet gestoppt. Wen wir aber besucht haben bzw. wer auch uns besucht hat: Freunde, die ich seit meinem 18. Lebensjahr kenne, und die ein Häuschen in Ljungdalen haben.

Ansonsten haben wir die Einsamkeit unglaublich genossen. In den ersten Nächten habe ich mich gefürchtet: Einbrecher? Hier? Doch dann hab ich die Übeltäter erwischt: Rentiere. Meine Güte, machen die einen Lärm, wenn die nachts – zum Glück nie ganz dunkel, ich liebe die Mitternachtssonne! – über die Holzveranda schlappen… Selbst die verregneten Tage, wo man keine 50 Meter weit sehen konnte (Nebel oder doch Wolken?), waren perfekt!

Ich wollte nicht abreisen und ich würde sofort wieder hinfahren, wenn es möglich wäre…

Elche haben wir diesen Sommer tatsächlich nicht einen einzigen gesehen! Aber bei den vielen Rentieren haben wir keinen Grund zur Klage. Viele Vögel gab es und Blumen (und Mücken), Regenbogen, beeindruckende Sonnenuntergänge, die fast nahtlos in Sonnenaufgänge übergingen… Trinkwasser in der Natur! Reine, frische Luft, teils süß nach Klee duftend… Und diese Ruhe! Oh, es war nicht immer still – der Wind, der ums Haus pfiff, die Bienen im Klee, Vögel, das Rauschen des Bachs… Jedenfalls, keine Beschallung über 87 Lautsprecher, laute Menschen, Verkehrslärm.

Wer jetzt – auch ohne Expatdassein in Peking – mehr über Ljungdalen wissen will, dem kann ich diese überaus informative Webseite empfehlen: ljungdalen-info.de/ Und wer mehr schöne Ljungdalen-Fotos haben mag: es gibt auch einen Kalender: ljungdalen-info.de/Bestellung.html.  

Und wer direkt noch ein paar Bilder gucken mag: bitteschön!

 

 

 

 

 

 

 

Malcolm, Handwerker und Mädchen für alles auf der Farm, war sicher einer der Gründe, warum der Urlaub so schön gewesen ist. An den Jungs hat er sich einen Narren gefressen und umgekehrt, er hatte immer etwas für sie zu tun und hat ihnen dabei jede Menge Geschichten erzählt. Zu Weihnachten hat er ihnen Schweizer Taschenmesser geschenkt (die sich auf dem Postweg nach China befinden und hoffentlich den Zoll passieren dürfen). Mir hat er den Sternenhimmel gezeigt und erklärt und mit Thomas und mir über die Welt im Allgemeinen und Australien im Besonderen philosophiert. Malcolm ist ein richtiges australische Orginal, “part aboriginal”, hat jeden erdenklichen Job inklusive Schafscherer gemacht. Und er stammt aus Bourke. Über Bourke schreibt der australische Schriftsteller Henry Lawson: If you know Bourke, you know Australia. Auch sonst wird Bourke als Kern Australiens, das echte rote Land etc. beschrieben. Und: “back o’ Bourke” ist ein Synonym für “Arsch der Welt” (sorry, aber in Australien ist man so direkt und redet nicht drumherum ;). Ohja, und auch die Fahrt von Bulwarra nach Bourke sei super, man würde so viel Landschaft sehen, und wie sie sich ändert. Na dann, frühmorgens aufgestanden und auf ging es nach Bourke.

Die Fahrt war, hmm, nicht so abwechslungsreich, die sanften Hügel rund um Dubbo ließen wir rasch hinter uns, die Landschaft wurde immer flacher, mal gab es Bäume, mal keine an der Straße. Und es wurde immer einsamer. Vor allem aber ging es geradeaus. Hunderte von Kilometern, ganz selten Mal eine Farm, aber keine Dörfer. Doch, eine kleine Ansammlung von Häusern und ein Geschäft, wo wir neugierig hineingingen. 3/4 der Regale leer, ein Pack Toastbrot, von dem eine Frau sagte, das würde sie lieber nicht kaufen, es liege schon länger da. Immerhin, es gab eine Eistruhe. Gespenstisch. Und dann erreichten wir Bourke selber, hmm, es wirkt heute wie eine “Welfare Town”. Teilweise sieht man noch an hübschen alten Gebäuden mit Türmchen und Erkern, dass die Stadt einst prosperiert haben muss, aber man sieht mehr zugenagelte Fenster und Türen, (dauerhaft) geschlossene Läden, der Ort wirkt verlassen und fast ein bisschen unheimlich, obwohl die Sonne vom beinah wolkenlosen Himmel brennt und die Hitze in den Straßen flimmert. Um länger Spazierenzugehen ist es einfach zu heiß, also tuckern wir noch ein Stück weiter, überqueren den Darling River und fahren Richtung Norden, wo wir uns dann wirklich im echten Outback wiederfinden. Nur noch kniehohes Gestrüpp, endlos, flach bis zum Horizont, wo Erde und Himmel flimmernd ineinander verschwimmen. Und die Vorstellung, dass das so noch Hunderte von Kilometern weitergeht, lässt mich nicht nur beeindruckt da stehen, sondern mich auch ganz klein und ein wenig verloren fühlen.

Der Rückweg ist genauso unspektakulär wie die Hinfahrt, das endlos lange geradeaus Fahren war jedenfalls ziemlich ermüdend, so dass jede Abwechslung willkommen war. Auf einmal nimmt der Verkehr zu (auf dem Hinweg sind wir maximal 5 anderen Autos begegnet) und bei dem winzigen Ort Trangie biegen alle ab. Im Vorbeifahren sehen wir einen riesigen Parkplatz, es müssen wirklich Hunderte sein. Wie wir hinterher herausfinden, fand da ein Picnic Horse Race statt. 

Zurück in Bulwarra fand Malcolm das ziemlich cool von uns, dass wir tatsächlich hingefahren sind – und für mich war es auch eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

 

Leider ja!

Gestern war noch mal ein Traumtag, da passte einfach alles: Sonne, Besuch bei lieben Freunden, eine wunderbare Fahrt von Lofsdalen nach Ljungdalen über die Flatruet und zurück, reichlich Rentiere an und auf der Strasse, Stippvisite am Meteoritenkrater, vorbei bei den Kalendergubbarna (die aber alle vollständig bekleidet waren ;) ).

Heute ist schon unser letzter ganzer Tag hier, nur Franzi und Lucas fahren bereits heute Nachmittag mit der Inlandsbahn Richtung Süden.
Morgen geht es ganz früh los in Richtung Linköping, wo wir Jonas absetzen werden. Dann tuckern die Minis und ich noch mindestens bis Jönköping weiter. Dort werden wir irgendwo übernachten. Am Sonntag geht es dann gemütlich weiter nach Hamburg, wo wir dann den Papa am Flughafen einsammeln wollen.

Und dann ist wirklich Endspurt: letzte Visaangelegenheiten für die Minis und mich, bestimmt noch zwanzigmal die Koffer umpacken, auswiegen, umpacken… Vor Nervosität platzen, ob mit den Formalitäten alles rechtzeitig klappt. Bestimmt noch einige Besuche bei Freunden, Abschiedskummer inkluse – und dann ist Abflug! Schon oder endlich, je nach Stimmungslage, wobei inzwischen das endlich doch klar überwiegt.

Kurz mal raus und Zeit ganz für mich allein, Schiff, Meer und Norden – eine Minikreuzfahrt nach Oslo! Nichtstun, lesen (tolino quillt beinah über!), gucken, bummeln, Sightseeing in Oslo, chillen, kinderfrei – was hab ich mich dadrauf gefreut, vor allem auf die Einfahrt in den Oslofjord am Morgen! Ich war zwar mmer noch leicht erkältet und wenig bei Stimme (nicht so tragisch), die Wettervorhersage durchwachsen – alles nicht so wild, ich würde trotzdem alles geniessen!

Und dann war es so schön! Abschalten, Seele baumeln lassen, Lesen mit Blick auf’s Meer, Dänische Inseln, Oslofjord… In Oslo ein bisschen was sehen (vor allem: Vigeland-Skulpturenpark, Holmenkollen und Bygdøy, dort auch noch kurz im Fram-Museum).  Auf der Rückfahrt noch mal chillen und schon wieder zuhause…

Jederzeit wieder!

 

Auch im Sommer 2013 waren wir wieder in Jämtland, auch wieder in der Nähe von Åre: in Ottsjö am Ottsjön. Eine Stuga zum Wohlfühlen, mit phantastischem Blick auf See und Fjäll – perfekt. Viele Wasserfälle in der Nähe.

Ein ganzer See nur für uns

Baden ein Stückchen weiter, hinter Valadalen im Nulltjärn, ein See mit flach abfallendem Sandstrand, Kiefernwäldchen am Ufer und Fjällblick. Baumstämme lassen sich von den Jungs als Kanu umfunktionieren – und wie so oft hier im Norden: alles nur für uns. :)

 

Die Minis und ich sind ein paar Tage nach Helgoland gefahren. Mit dem Katamaran nur 5 Stunden von Tür zu Tür. :)

Bis auf den Abreisetag hatten wir Superwetter, trocken, warm und überwiegend sonnig! Spaziergänge im Ober- und Unterland (viel schöner, wenn man vor oder nach den Tagestouristen unterwegs ist), Chillen und Spielen und Schwimmen am Strand. Lesen mit Rundum-Meerblick. Aquarium mit u.a. Katzenhaien, Petermännchen, Hummern, Plattfischen in allen Größen…

Jeden Tag ein kurzer Bummel durch den Ort, lecker Eis futtern…

Ein ganzer Tag auf der Düne: Südstrand, Baden mit Seehunden, Nordstrand mit Karibikfeeling. Eine perfekte kleine Auszeit, es war für uns Drei rundum schön.

Sturm

Ein kleines Abenteuer dann die Heimreise – nachts zog Ex-Hurrikan Bertha auf, stürmischer Wind und hoher Wellengang. SMS von der Reederei zum Frühstück: Katamaran bleibt in Hamburg. Nun mussten wir mit der Atlantis nach Cuxhaven und von dort mit der Bahn nach Hamburg. Der Kahn war ein stinkender Seelenverkäufer, 3 m Wellen sind nicht so ganz ohne, da waren viele Kotztüten im Gebrauch, kleine Schrecksekunde, als eine ältere Dame umgeworfen wurde und nicht wieder aufstand, nach kurzer Behandlung war sie aber wieder auf dem Damm. Jedenfalls waren wir schon ganz froh, als es ne Dreiviertelstunde vor Cuxhaven dann allmählich ruhiger wurde. Noch mehr in die Länge zog es sich dann, weil der Zug dann in Stade erstmal stehen blieb – Stellwerkfehler, nix geht mehr. Wir waren dann mal doppelt so lang unterwegs wie auf der Hinfahrt. Aber immerhin, bei den Kurzen ist es jetzt schon als Abenteuer abgespeichert.

Im Kopf bleiben jedenfalls auch ein paar wunderschöne Sommertage auf einer Insel, auf der es so klein wie sie ist, immer etwas zu tun gibt.

Wer mehr lesen mag: Abendblatt-Artikel

Wieder ein Schuljahr erfolgreich beendet, für Justus auch das Ende der Grundschulzeit – nun endlich Sommerferien. Die Minis und ich haben uns in den Norden verdünnisiert, bevor es dann Mitte August wirklich nach Peking geht… Aber solange genießen wir noch das Fjäll, Licht und Luft und immer wieder Rentiere.
Nur die Mücken, die werden wir hier gerne zurücklassen!

 

 

Die Minis auf Klassenreise, Thomas schwer im Stress – gute Gelegenheit für mich, mit dem Schnellzug (350 km/h Spitze) nach Shanghai zu reisen. Der Weg zum Südbahnhof (Beijing Nan) hat halb so lang gedauert, wie die Fahrt nach Shanghaihongqiao, schlimmer Unfall auf der Jingmi, nichts ging mehr, selbst die Kinder waren 3 Stunden zur Schule unterwegs, so sind alle Klassenfahrten dann mit deutlicher Verspätung gestartet.

In Shanghai angekommen war es genauso heiß wie in Peking, nur schwül noch dazu. Der Taxifahrer war entzückend, liebt offensichtlich seine Stadt und platzte vor Stolz, als wir auf dem „elevated highway“ (wenn der ganze Verkehr nicht mehr auf eine Straße passt, baut man halt ein oder zwei Straßen oben drauf…) um eine Kurve bogen und das beeindruckende Panorama von Pudong vor uns lag. Fix im Hotel in Hauptbahnhofsnähe eingecheckt und dann auf Erkundungstour: zum Bund natürlich!

Der hat gut gefallen: ein bisschen Landungsbrücken, ein bisschen Disney, ein bisschen Science Fiction. Auf der einen Seite die alten Protzgebäude, auf der anderen Seite die neuen: bunt illuminierte Türme. Den Bund von Nord nach Süd und wieder zurück entlangspaziert, mit unzähligen Chinesen posiert und fotografiert worden (nein, ich seh nicht plötzlich wie ein Model aus, ich bin halt als Langnase wahnsinnig exotisch hier) und dann auf einen Taxifahrerbetrüger reingefallen und bevor es hässlich wurde zu viel bezahlt – selbst schuld, seit wann kommen in China reguläre Taxifahrer auf einen zu, ich hätte es wissen müssen…

Am nächsten Tag: warmer Regen. Im Jade Buddha Tempel aber nicht schlimm, da hätte ich ewig bleiben und gucken können. Durch den Regen mit neuerworbenem Schirmchen zur Metro geschwommen und zum Jewish Refugee Museum gefahren, dabei kurz in die Seitengassen gespäht, aber zu nass für nähere Erkundungen. Hab mich dann nochmal in Richtung Flussufer begeben, ziemlich leer und verlassen wirkende bunte hypermoderne Hochhäuser bestaunt, durch einen netten Park gebummelt, dort beinah versehentlich in eine Hochzeit geplatzt… Abends nett im „Lynn’s“ gegessen, gehobene Shanghaier Küche – sehr lecker. Noch einen Blick auf die schicke Fußgänger-Einkaufsmeile geworfen (Nanjing Road), dann aber durch eine ziemlich heruntergekommene, leicht unheimliche Gasse zur Metro und zurück ins Hotel.

Am Mittwoch war es wieder trocken, bin dann mit der Metro zum Renmin Square – Volksplatz. Allein die Metrostation sehenswert, eine Stadt unter der Stadt, und „voll“ und „wuselig“ in einer neuen Dimension.  Oben am Platz einen Blick von außen auf Shanghai Museum und Urban Planning Exhibition Centre geworfen, beides auf später vertagt und für 50 RMB eine 48-Stunden-Karte für „Hop on hop off“-Sightseeing-Busse und Fähre erworben und dann am Mittwoch und Donnerstag oben im Roten Doppeldecker alle Linien mit zahlreichen Unterbrechungen abgefahren, auf jeden Fall auch eine gute Idee, um von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu kommen. Zunächst hat es mich dann nach Pudong getrieben und dort hinauf in den „Flaschenöffner“ – World Financial Centre. Auch hier geht es nicht schlicht, sondern bevor es in den Lift geht, muss man noch ein Infofilmchen über den Bau ansehen, am Ende natürlich (?) mit einem durch die Öffnung fliegenden Drachen. Auch im Lift Glitzer-Funkel-Licht- und Sound-Effekte. Und dann endlich oben: Sch****, ist das hoch! Als ob das nicht reichen würde, ging es noch mal einige Etagen höher, wo ich dann feststellen musste: Glasfenster im Boden in über 420 m Höhe sind nix für mich, also bin ich lieber etwas weiter runter, was in Wahrheit auch immer noch über 400 m hoch war. Und dann Lachflash: Hightech-Klo mit Ausblick („pullern nur für Schwindelfreie“ ;). Endlich wieder unten (puh), und dann entspannt mit der Fähre wieder rüber auf die andere Flussseite. Ein bisschen Landungsbrückengefühl und doch ganz anders!

Am Yuyuan Basar länger gebummelt und geguckt, für den Yu Garden war es schon zu spät. Der Basar ist eine laute, quirlige, lustige Mischung aus Edel- und Ramschboutiquen, schönen Souvenirläden und Plastikkrempel, Futterbuden in allen Geschmacksrichtungen, mit allerlei gebrutzelten aufgespießten (Meeres-)Tierchen, diverse „steamed bun“ Buden. Da hab ich mich einfach mal an die mit der allerlängsten Schlange angestellt und richtig geraten: ausgesprochen lecker. Inzwischen war es dunkel, wieder mit dem Bus zum Bund und da zum Sightseeing-Tunnel. Wie muss eine Attraktion in China sein? Lichteffekte, Glitzer, Funkel… In verglasten Waggons fährt man durch den Tunnel nach Pudong rüber und wird dabei mit beknackten (Un-)Sinnsprüchen und Jean Michel Jarre für Arme beschallt und mit netten Lichteffekten unterhalten. Lustig, und da es da sonst auch keine Brücke in der Nähe gibt, ne gute Möglichkeit, um nach Pudong zu kommen, wo man in der Nähe des Pearl-Towers wieder rauskommt. Da „musste“ ich dann natürlich auch drauf – und der Blick im Dunkeln auf die hellerleuchtete Stadt hatte was. Natürlich gab es auch wieder verglasten Boden… *grusel*

Am Donnerstag wieder mit dem Bus zum Yu Garden. Eine sehr gepflegte, gut englisch sprechende Chinesin verwickelte mich in ein Gespräch, als sie dann aber meinte, der Yu Garten wäre ja viel zu überlaufen jetzt und wir könnten doch gemeinsam zur einer Teezeremonie gehen, hab ich mich fix vom Acker gemacht. Einmal auf Touristenbescheißer (der Taxifahrer am Montagabend) reinfallen reicht! Der Garten hat gefallen, erfreulich ruhig da und wenig Glitzer, eine hübsche Galerie mit schönen und unkitschigen Bildern und Kalligraphien, das war echt nett.

Danach ging es dann ins Shanghai Museum, wo ich ziemlich banausenartig relativ zügig durch bin, nur die Ausstellung von Minderheitentrachten, Qing- und Ming-Möbeln (ohne dass ich jetzt sowas wie Sachverstand vortäuschen könnte, aber ich glaube, ich mag Ming mit den klareren Linien und weniger Schnörkeln lieber) und einige Statuen hab ich genauer angeguckt. Danach in der Mittagshitze über den Platz, halb verdurstet einen großen Tee mit Eis runtergespült – was offenbar nicht klug war, ansonsten achte ich drauf, immer alles ohne Eis zu bestellen, jedenfalls wurde mir danach ziemlich flau, was blöd war, weil ich so das Shanghai Urban Planning Exhibition Centre nicht wirklich würdigen konnte. Trotzdem, das gigantische Stadtmodel ist wirklich sehenswert! Das Flau-Sein war lästig, also lieber ins Hotel zurück, war glücklicherweise nicht weit weg.

Am Freitag ging es dann schon wieder zurück. Der Bahnhof – bei der Ankunft nicht viel von gesehen – ist gigantisch, es war ziemlich voll, aber doch geordnet. Bemerkenswert die Anzeigetafel: nicht ein einziges „delayed“. Eine chinesische Großfamilie hat mich bestaunt und alle weiblichen Familienmitglieder haben ihre Arme neben meine gehalten, und ich war nur unwesentlich heller (naja, ist halt heiß und sonnig in Peking), was für große Heiterkeit gesorgt hat.

Ebenfalls bemerkenswert: nach den paar Wochen China in Peking schon das Gefühl des Nachhausekommens.

Shanghai hat mir jedenfalls gut gefallen, vom Nervenkitzel und der Aussicht oben in den Türmen, am Bund am Fluss entlang, die kleinen Gassen, hinter jeder Ecke wieder alles anders… Doch, da würd ich irgendwann gern mal wieder hin!

 

Nun liegt meine Reise nach Luoyang zwar schon ein paar Wochen zurück, aber ich muss doch unbedingt noch von den Longmen-Grotten berichten und ein paar Fotos zeigen!

Ich fahre mit dem Taxi vom Hotel in den Süden Luoyangs. An einem riesigen Parkplatz steige ich aus. Nur 2 Busse und einige wenige Autos verlieren sich auf dem Gelände. Das wird in der Woche drauf – der Golden Week – sicher ganz anders sein, aber aktuell ist es gnadenlos überdimensioniert. Ich entdecke das Tickethäuschen, mache mich auf den Weg und erwerbe auch ein Ticket für den Elektrobus, den ich im Vorbeigehen gesehen habe.

Meine Erkältung macht mir ziemlich zu schaffen, ich hatte zuvor sogar überlegt, vorzeitig nach Peking zurückzukehren. Aber ich will die Grotten unbedingt sehen (und auch das Shaolinkloster am Tag drauf noch), das Wetter ist traumhaft – und so lasse ich es langsam angehen. Der Fußweg vom Tickethäuschen zum eigentlich Eingang hätte sich auch noch ganz schön gezogen, ich bin froh, den offenen Bus genommen zu haben. Es geht erst noch ein ganzes Stück am Fluss entlang, dann über eine sehr hübsche Brücke ans andere Ufer und noch ein Stückchen weiter. Dann erst folgen Ticket- und Sicherheitskontrolle – und ich bin drin.

Longmen-Grotten am Fluss

Blick zurück

Idylle am Fluss

An der breiten, über einen Kilometer langen Promenade liegt links der Yi-Fluss, rechts sind die Grotten in den Fels gehauen, in den namensgebenden Longmen-(Drachentor-)Berg. Es sind schier unendlich viele in den unterschiedlichsten Größen: 2345 Nischen mit rund 100.000 BuddhaStatuen (2 cm bis über 17 m groß) und mehr als 2800 Inschriften.

Buddha

Buddha

Ich bin fasziniert davon, wie detailliert die Figuren ausgearbeitet sind. Erbaut wurden die Grotten vor rund 1500 Jahren. 

Buddha

Blick vom Fluss aus auf die großen Buddhas der Longmen-Grotten

Erkennt man die Dimensionen?

 

Mist, zu wenig Zeit eingeplant

Ein bisschen bereue ich, nicht früher zu den Grotten gefahren zu sein, denn mir fehlt die Zeit, um am anderen Flussufer das Xiangshan-Kloster mit der ehemaligen Villa von Chiang Kai-shek und den Bai-Garten anzusehen. Aber ich nehme mir die Zeit, um mit einem der Touristenboote zurück zur  Elektrobushaltestelle zu fahren. Ich genieße die Ruhe auf dem Wasser und den tollen Blick den man von hier aus auf die Grotten hat.

Longmen-Grotten vom Fluss aus gesehen

Vom Fluss aus gesehen

Bevor ich mir ein Taxi bestelle, werfe ich  noch einen Blick zurück und erinnere mich an meinen Besuch in den Yungang Grotten bei Datong im Juni 2017 (Schande – ich habe ganz vergessen, davon zu berichten und Bilder zu zeigen! Das muss ich noch nachholen!). Jedenfalls, die Yungang Grotten haben mich zwar auch beeindruckt, aber nicht so sehr wie Longmen-Grotten, die halt so wunderschön am Fluss gelegen sind. Longmen- und Yungang-Grotten sowie die Mogao-Grotten bei Dunhuang (da würde ich ja auch gerne noch hinfahren) sollen die eindrucksvollsten buddhistischen Steinmetzarbeiten in China sein – was ich nach dem Besuch dort gerne glaube. Die Longmen-Grotten waren definitiv eines der Highlights meiner kurzen Luoyang-Reise.

Longmen-Grotten am Fluss

Fotos

Info Longmen-Grotten

Stand September 2019

Eintritt: 100 RMB inklusive aller Höhlen, des Tempels und des Bai Gardens 

Hinkommen: Von der Longmen-Railway-Station (Haltestelle der Highspeedzüge) aus ist es nicht weit. Mit dem Taxi kommt man bequem für ca. 15 RMB hin oder man fährt mit dem Bus Nr. 71 bis Longmen Shiku Station.

Öffnungszeiten:
Februar, März: 08:00 – 18:00
April bis 7. Oktober/Ende Golden Week: 08:00 – 18:30
Nach der Golden Week/8.-31.Oktober: 08:00 – 18:00
Nov. – Jan.: 08:00 – 17:00

Während der offiziellen Maifeiertage und der Golden Week im Herbst, sowie Freitags-Sonntags während des Peonien-Festivals in Luoyang wird 30 Minuten früher geöffnet und 30 Minuten später geschlossen! (Vermutung: und es wird trotzdem sehr, sehr voll sein…)

Kassenschluss eine Stunde vor Ende der Öffnungszeit.

 

Als ich überlegt habe, wohin ich diesen September wohl fahren könnte, bekam ich von Ulrike vom bambooblog den Tipp, mir eine echte Burg in China anzusehen: Huangcheng Xiangfu. Ihr Blogeintrag hat mich wirklich neugierig gemacht, diese Burg mit eigenen Augen zu sehen – ist halt doch mal etwas ganz anderes. Shaolinkloster und die Longmen-Grotten hatte ich auch auf meiner Wunschliste, daher bot sich Luoyang als Standort an, auch wenn es von hier bis zur Burg es gut zwei Stunden Autofahrt sind.

Hinfahrt

Kreuz und quer geht es durch Luoyang über breite, aber leere Straßen zur Autobahn. Auch hier kaum Verkehr. Wir überqueren den Huang He, den Gelben Fluss, was der Fahrer mir nicht ohne Stolz noch bestätigt. An der Grenze zwischen Henan und Shanxi werden wir angehalten und unsere Papiere kontrolliert.

Die Sicht ist nicht besonders gut, eine doofe Mischung aus Nebel und Smog, aber dann tauchen am Horizont doch bald Berge auf. Ich klebe die ganze Zeit mit der Nase an der Scheibe. Die Berge sind für mich Flachlandtiroler ganz schon groß und steil, die Brückenbauwerke faszinierend, vor allem, wo es ganz oben am Rand von Kühltürmen entlang geht.

Ankunft

Ticketcenter und Zugangskontrolle sehen genauso aus wie an vielen anderen chinesischen Sehenswürdigkeiten. Es ist – fast – nichts los, die breiten Zufahrtsstraßen, die riesigen Parkplätze hatten mich anderes vermuten lassen. In der Golden Week sieht das sicher ganz anders aus.

Nachdem ich endlich die – ausgiebige – Sicherheitskontrolle hinter mich gebracht habe, stehe ich vor dem eigentlichen Zugang und fühle mich angesichts des eindrucksvollen Komplexes recht klein. 

Burg, Festung, Residenz?

Ausgeschildert war unterwegs “Primeminister’s mansion”. Ich muss Ulrike zustimmen, all diese Bezeichnungen passen nicht richtig und irgendwie doch. Wie eine Burg ist es eine große, gemauerte Anlage, aber halt doch eindeutig chinesisch. So zum Beispiel die vielen Wohnhöfe innerhalb der Burg, die zahlreichen, detaillierten Verzierungen. Als erste kraxele ich auf die Burgmauer, auf der ich fast den ganzen Komplex umrunden kann und einen Überblick gewinne.

 

Natürlich sind das hier keine Satellitenschüsseln, sondern Trommeln…

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein wuseliges Gewirr von Dächern aussieht, es lassen sich doch Strukturen wie die “Siheyuans” (4 Gebäudeteile rund um einen Innenhof) erkennen.

Es ist brüllend heiß, Smog und Nebel haben sich aufgelöst und oben auf der Mauer gibt es kaum Schatten. Ich bin immer noch nicht dem klugen Beispiel der Chinesinnen gefolgt und habe immer noch keinen Sonnenschirm in meinem Ausflugsgepäck. Trotzdem, ich bin so hingerissen, dass ich nur kurz in einem der Ecktürme raste, meine Wasserflasche in einem Zug leere und dann doch jeden zugänglichen Meter erkunde – und alle paar Schritte ist wieder etwas neues zu entdecken. Irgendwann klettere ich aber doch eine Treppe hinunter.

Auch wenn es in den schmalen Gängen zwischen den Gebäuden zum Teil schattig ist, steht hier doch die Hitze. Ich brauche dringend Wassernachschub, aber mein erster Versuch scheitert am Mittagsschlaf des Verkäufer, macht nichts, es gibt ja noch weitere Verkaufsstände.

Zum Glück werde ich rasch fündig und laufe dann etwas erfrischt kreuz und quer unten durch die Gänge. Die meisten Gebäude sind verschlossen, nur ein paar Shops sind geöffnet – Bilder, Kalligraphien, Souvenirs, Getränke, Snacks. In vielen Höfen wird gearbeitet, es werden Blumentöpfe zu Blumenbildern arrangiert, die von zahlreichen Arbeitern überall hin getragen werden.

Nach drei Stunden bin ich fix und fertig, meine Erkältung ist wirklich übel. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber das wäre ziemlich unklug gewesen. Also texte ich dem Fahrer und zwanzig Minuten später treffen wir uns und fahren zurück.