Mein Weihnachten in Peking – Beitrag zur Blogparade der Expatmamas

Adventskranz

Das dritte Weihnachtsfest, seit wir nicht mehr in Hamburg leben, steht vor der Tür.

Im ersten Jahr waren wir gerade wenige Monate hier, alles war noch neu und aufregend. Wir wollten nicht nach Hamburg reisen, um den gut laufenden Eingewöhnungsprozess der Kinder nicht zu unterbrechen. Wir haben gefürchtet, die Kinder nicht freiwillig wieder in den Flieger zurück nach Peking bekommen zu können … Stattdessen haben wir die großen Kinder zu uns eingeladen. Die konnten sich bei der Gelegenheit auch gleich davon überzeugen, dass es uns hier so schlecht nicht geht. So haben wir gemeinsam die Weihnachtsferien mit viel Sightseeing und Ausflügen verbracht.

Weihnachtsstern

Der Mittlere, der nach seinem Jahr in Yunnan gut Chinesisch spricht, hat ein Stück weiter die Straße runter einen echten Weihnachtsbaum gekauft, der eine Stunde später geliefert wurde. Von der Rezeption kam ein irritiert-ungläubiger Anruf: „Da will ihnen jemand einen Baum liefern! Stimmt das?“
Deko haben wir im Beidong-Flowermarkt nicht weit von hier erstanden. Töchterchen hat sich durchgesetzt: Wenigstens einmal im Leben einen richtigen Mädchenbaum – und so kamen wir zu rosa und pinken Kugeln und einer rosa Blümchenlichterkette. Da muss die Familie jetzt auch weiterhin durch! ;)

Heiligabend gab es traditionell Kartoffelsalat und Würstchen (wenn auch aus dem Glas, aber immerhin deutscher Markenimport) und für das Mäkelkind selbstgemachte Chicken Nuggets. Auch die Weihnachtsgans haben die Kinder im Sanyuanli-Markt besorgt. So gab es also auch am 1. Weihnachtsfeiertag ein klassisches Weihnachtsessen hier, auch wenn die Gans dank Dusselofen zu trocken, die Klöße eher Kartoffelbrei waren. Immerhin der Rotkohl und der Nachtisch waren super. :)
Silvester blieb die Küche kalt, stattdessen ging es in ein nettes Yunnan-Restaurant.

2016 – Weihnachten ganz anders

LetIMG_8928ztes Jahr waren wir in Australien und hatten ein wundervolles australisches Weihnachtsfest zusammen mit unserer Gastgeberin.

Weihnachten in Bulwarra

Das würde ich mir auch wieder gefallen lassen.

Überhaupt, den langen Pekinger Winter und die übelste Smog-Saison würde ich gerne wieder drei Wochen in der Sonne unterbrechen.

Weihnachten 2017

Doch dieses Jahr bleiben wir wieder hier, denn es kommt Besuch. Liebe alte Freunde, mit denen wir in Deutschland schon viele Feiertage gemeinsam begangen haben. Letztes Jahr waren die weihnachtlichen Aktivitäten bei uns wegen des Australienurlaubs relativ begrenzt, dieses Jahr habe ich schon Mitte November angefangen, die Deko zu sichten. Und das, obwohl ich im November im Rahmen meiner NaNoWriMo-Teilnahme (eine Schreib-Challenge, bei der man im Schnitt im November täglich 1667 Wörter schreibt, um am 30.11. eine Geschichte von 50.000+ Wörtern zu haben) eigentlich keine freie Zeit übrig hatte, zumal ja auch noch die Führerscheinprüfung dazwischengefunkt hat.

Köttbull – unser neuer Mitbewohner

Bei Ausflügen mit Freundinnen auf diverse Märkte wurde das Vorhandene ein bisschen ergänzt. Kollege Köttbull ist bei uns eingezogen. Zu meinen künstlichen IKEA-Weihnachtssternen haben sich jetzt auch echte vom Flower-Markt gesellt.

Nur das Weihnachtsbaumproblem müssen wir noch lösen. Im Rahmen der Aufräumaktionen in der Stadt wurden auch alle Blumen- und Pflanzenhändler von unserer Straße vertrieben. Der eine verbliebene Händler nimmt exorbitante Phantasiepreise, auch der Händler vor dem Flowermarkt in der Nähe der Schule nimmt jetzt über das Dreifache wie 2015. Bei dem Händler hier um die Ecke werde ich noch mal mein Glück versuchen und hart handeln. Sollte ich scheitern, wird es nur ein kleiner echter Baum oder ein künstlicher. Letzteres war für mich bisher undenkbar – aber nur, weil ich eine Langnase mit komischen Sitten bin, will ich kein ungerechtfertigtes Vermögen für einen Weihnachtsbaum berappen (Nr. 4 schaut mir gerade über die Schulter und stimmt Protestgeschrei an: „Waaaas? Kein echter Baum?“ Ich werde beim Handeln also über mich hinauswachsen müssen, dabei hasse ich es …)

Backmarathon

Ergebnis von Backmarathon und Plätzchentausch

Wie in Deutschland gehört für uns die Weihnachtsbäckerei in die Weihnachtszeit. Allein wegen des leckeren Duftes, der nach dem Backen noch tagelang im Haus hängt. Gestern hatten wir in einer lauschigen Fünferrunde einen „Cookie Exchange“ – Plätzchentausch. Jede von uns hat von einer Sorte Kekse ca. 60 Stück gebacken; 10 zum selbst behalten, vier mal 10 Plätzchen zum weitergeben, 10 zum Vernaschen und Probieren beim gestrigen Treffen mit „Expatlimo“ (Prosecco, Achtung ein Klischee!), Glühwein, Kaffee etc. Einmal Backen und 5 verschiedene Sorten Plätzchen – perfekt! Ich hatte vorher allerdings schon einen Backmarathon, der mich mehr geschlaucht hat als die Schreibchallenge. Jedenfalls sind wir jetzt für den Advent versorgt mit Basler Pekinger Leckerli (Orangeat und Zitronat gibt es hier nicht, durch gehackte getrocknete Cranberries ersetzt), Lübecker Kokosmakronen, Mürbeteigplätzchen, Schokokipferln, Florentinern, Pfefferkuchen, Hafertalern, Zimtsternen… Gewürzkuchen und –Muffins werde ich sicher irgendwann noch backen, aber erstmal brauche ich eine Pause. :)

Die Zutaten dafür gab es bei IKEA (Marzipan) oder in unserem auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Lebkuchengewürz habe ich aus Deutschland mitgebracht, nur Hirschhornsalz und Pottasche haben gefehlt und waren hier auch nicht aufzutreiben – an sowas muss man also auch schon bei den Heimaturlauben im Sommer denken…

Adventskalender-Anleitung!

Inzwischen kann man hier sogar Adventskalender kaufen. Im ersten Jahr habe ich noch vergeblich danach gesucht, hatte aber glücklicherweise Säckchen zum selber füllen für die Jungs aus Deutschland mitgebracht. Auf den Kalendern eines großen schwedischen Möbelhauses findet sich auch eine Erklärung, was man mit diesem merkwürdigen Ding anfangen soll… ;)

Weihnachtsfeiern und Co.

Heute ist der alljährliche Charity-Weihnachtsbasar auf dem Gelände der deutschen Botschaft. Vorab sah es so aus, als wären wir dies Wochenende anderweitig verplant, also haben wir keine Karten im Vorverkauf erstanden. Lange Schlangestehen bei miesen Luftwerten ist nicht mein Ding, also gehe ich auch nicht spontan hin. Das ist wirklich unglaubliches Pech für den Weihnachtsmarkt, der hat offensichtlich ein Smog-Abo.

Ebenfalls heute veranstaltet das Compound-Management eine Weihnachtsparty. Das Programm liest sich sehr amerikanisch, wir haben uns für einen ruhigen Familienabend auf dem Sofa entschieden.  Aber ich muss ja auch nicht alle Angebote wahrnehmen, für Neuankömmlinge ist das hingegen sicher eine gute Gelegenheit, mit ihren Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Auf die private Charity-Weihnachtsparty einer Freundin am nächsten Wochenende freue ich mich hingegen sehr.

Für die Kinder kommt in der Schule am 6.12. noch der Nikolaus. Die Schule, die Aula und die Klassenräume sind weihnachtlich geschmückt. In den Klassen wird gewichtelt und die Klassen bewichteln sich auch gegenseitig – alles fast wie in Deutschland.

Alle Jahre wieder…

Adventskalender

Alles in allem sicher eine ganz normale Weihnachtszeit mit exotischen Einschlägen und leichten, aber bewältigbaren Hürden. Für die Jungs und mich gehören kuschelige Filmabende bei Kerzenschein dazu. Unseren Besuch können wir hoffentlich von unserem traditionellen Heiligabendessen überzeugen, ob es am 1. Feiertag Weihnachtsgans zuhause oder auswärts Pekingente gibt, werden wir gemeinsam entscheiden.

Ich bin nicht gläubig. Es gibt aber deutschsprachige katholische, evangelische und ökumenische Weihnachtsgottesdienste und noch mehr auf englisch. Für mich ist die Weihnachtszeit mit all den Kerzen und Lichtern, fröhlich-bunter Deko und romantischer Stimmung eine gute Möglichkeit, den Winterblues in Schach zu halten. Weihnachten und die Weihnachtszeit ist für mich ein Teil deutscher Kultur, den ich zum Glück auch hier in China unseren Third Culture Kids vermitteln kann. Weihnachten selbst ist für mich ein traditionelles Familienfest, und glücklicherweise können wir unsere Familientraditionen auch hier fortsetzen. Nicht zuletzt ist Weihnachten – ob gläubig oder nicht – ein Gefühl, das man im Herzen trägt.

Da wir hier kein Auto haben, hat mir der chinesische Führerschein bisher nicht gefehlt. In die Stadt hinein möchte ich sowieso nicht fahren, spätestens an der Mautstelle würde ich beim Blick auf das Chaos hysterisch kichernd hinterm Lenkrad zusammenbrechen.

Aber dann hat eine Freundin, die ein paar Jahre länger hier ist und entsprechenden Vorsprung hat, beschlossen, dass das nicht anginge. Wenn man schon so lange in China ist, müsste man jetzt endlich auch mal den Führerschein machen! Und schon hat sie die Angelegenheit nicht nur für mich, sondern gleich für drei Damen in die Hand genommen und drückte uns einen Stapel chinesischer Formulare mit Übersetzungshilfe in die Hand. Zwei Tage später fanden wir uns am Houshayu-Market bei einer chinesischen Fotografin wieder, die die erforderlichen, regel-konformen Fotos schoss. In den 20 RMB für 12 Fotos enthalten: kleines Photoshop-Lifting. ;)

Sehtest

Danach ging es direkt zum Gesundheitscheck weiter. Dieser entpuppte sich – zum Glück – als Sehtest. Ich hatte schon Befürchtungen, es wäre wieder so ein halböffentliches, halbnacktes Zirkeltraining wie bei der medizinischen Untersuchung bei der Einreise für die erste Aufenthaltsgenehmigung. Den letzten Sehtest in Deutschland für den Motorradführerschein hatte ich nur mit Ach und Krach bestanden, so war ich etwas kribbelig. Die Nervosität steigerte sich dadurch, dass die zuständige Dame etwas an unseren ausgefüllten Formularen zu bemängeln hatte – nur was? Irgendwann verstanden wir dann, dass wir in der unteren Formularhälfte nichts selber hätten eintragen dürfen, das müsste sie machen. Tipp ex? Nein, nein, nein. Neues Formular? Mei you! Ham wa nich! Es blieb uns nichts anderes übrig, als zurückzufahren, zuhause gab es zum Glück noch Blankoformulare.

Mit den neu und wie gewünscht nur halb ausgefüllten Formularen ging es wieder zurück zur Klinik und – hurra – diesmal war alles korrekt. Mit Blick auf das Plakat mit den Zeichen (kennt man aus Deutschland: wohin zeigen die Beinchen/wo ist die offene Seite?) hab ich noch versucht, die unteren Zeilen mit den klitzekleinen Bildchen auswendig zu lernen… Wäre nicht nötig gewesen, denn das einzige, was getestet wurde, war rot-grün-Blindheit: rote Null auf grünem Grund, grüne 6 auf rotem Grund: Líng. Liù. Die Tür war offen, wir waren alle in dem kleinen Büro, also war auch das noch mit Vorsagen. :) Ein Arzt saß lässig auf einer Untersuchungsliege und schien das alles sehr lustig zu finden. Dann wurden wir jede noch etwas gefragt – ah, die Körpergröße. Die wurde dann in das Feld eingetragen, was wir vorher selbst ausgefüllt hatten. Naja, so hatte das ja nun alles seine Ordnung, wir bekamen eine Quittung, gingen  über den Hof, zahlten in einem Nebengebäude 20 RMB, wieder zurück und: bitteschön: Sehtest-Bescheinigung mit dem obligatorischen roten Stempel.

Anmeldung zur Prüfung

Keine Chance, mich doch noch zu drücken. Meine Freundin war gnadenlos und fuhr uns ein paar Tage später einmal quer durch die Stadt zur Führerscheinbehörde. Das Gebäude hätte ich allein wohl gefunden, aber drinnen wäre ich verloren gewesen. Wie in China üblich eine riesige repräsentative Eingangshalle, Wartebereich, Schalter – aber wo müssen wir hin? Unsere Freundin führte uns einen schmalen Gang an müffelnden Toiletten vorbei in den hinteren Teil des Gebäudes. Da war kein Schild, kein Hinweis, nichts deutete daraufhin, dass es hier zur Ausländerabteilung geht. Erst als man schon halb um die Ecke herum war, fand sich ein kleiner Pfeil: „Foreigners“. 

Blitztaufe – gestatten, ich bin jetzt Xiǎo Lín!

Nümmerchen ziehen, kurz warten, und dann wurde es ernst. Sehtest, Pass mit Registrierungszettelchen, deutscher Führerschein (aha, ich hatte sicherheitshalber meinen internationalen auch noch eingepackt, aber den hat es nicht gebraucht). Mit Unterstützung musste ein Formular ausgefüllt werden, Geburtsdatum, Passnummer, chinesischer Name.
„Hä?“
„Ja, chinesischer Name.“
Jetzt konnte ich mal: „Méiyǒu! – Hab ich nicht!“
Dann müsste ich mir jetzt fix einen ausdenken. Ups. Mir konnte geholfen werden, ich wollte einfach zu schreibende Zeichen, es soll nicht unbedingt „Sauerkrautliesel“ bedeuten und es sollte vom Klang ein bisschen an meinen deutschen (Spitz-)Namen erinnern – damit war ich innerhalb von 2 Minuten 小林 – Xiǎo Lín!  Kleine Lin oder auch eine verkürzte Form von „Kleiner Wald“. Sollte ich mal einen japanischen Namen brauchen, gleiche Zeichen, ähnliche Bedeutung („kleiner Hain“), nur anders gesprochen: Kobayashi! 

Prüfung ist immer Dienstag und Mittwoch, wir entschieden uns für Mittwoch, den 15.11., bezahlten noch 50 RMB für die Prüfungsgenehmigung und damit begann der Countdown zu laufen: es muss gelernt werden!

Büffeln, pauken, lernen!

Rätselraten bei der Übersetzung

Tja, lernen. Kein Buch, kein Kurs, nein, eine App: „Driving in China“. Gibt es leider nur für iOS, zum Glück fand sich in meiner Schublade noch ein antiquarisches iPhone, so dass ich nicht mit der schlechteren (weil seit über 2 Jahren nicht mehr aktualisierten) Android-App lernen musste. Man sollte meinen, das sollte alles kein Problem sein, wenn man schon jahrzehntelang den Führerschein hat. Denkste. Die Philosophie hinter den Fragen ist eine ganz andere als in Deutschland und die Übersetzung ist abenteuerlich, da hilft nur Auswendiglernen und üben, üben, üben.  Knapp 1600 Fragen, während der Prüfung kommen  davon 100 dran, 90+ müssen richtig sein, um zu bestehen.

Etwa ein Viertel der Fragen lässt sich ohne weiteres beantworten, vor allem richtig-oder-falsch-Fragen: „Frauen mit Stöckelschuhen leisten keinen Beitrag zum sicheren Fahren.“ oder „Ein qualifizierter Fahrer sollte nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch gute Fahrgewohnheiten und eine moralische Einstellung besitzen.“ Na logo! :)

Führerscheintheorie für weit Fortgeschrittene sind hingegen die Polizeigesten, die für mich alle mehr oder weniger gleich aussehen, nach stundenlangem Büffeln konnte ich mir wenigstens die für links bzw. rechts abbiegen merken, für den Rest entschied ich dann: Mut zur Lücke. Ein Bild, wo sich ein Polizist an der Nase kratzt, soll „abbremsen und warten“ heißen, ein beinah identisches Bild soll „links einordnen“ heißen. Tja.

Viele Leichen pflastern den Weg zum chinesischen Führerschein

Zahlreiche Unfallschilderungen mit vielen Toten

Eine Reihe von Fragen beschäftigt sich mit dem Fehlverhalten von Bus- und LKW-Fahrern. Ich fühlte mich sehr an Mathe-Textaufgaben und Jokes erinnert, wo es erst Infodumping ohne Ende gibt, man sich lauter Zahlen merkt und am Ende nach dem Vornamen der Frau des Busfahrers gefragt wird. Tragisch dabei: in diesen kleinen Aufgaben-Geschichten sterben viele Menschen. :(

Gut vorbereitet!

Die App hat drei Bestandteile: 1. Lernen: Hier finden sich alle Aufgaben samt korrekter Lösung. 2. Üben: Hier kann man Kapitelweise oder auch mit Aufgaben aus dem kompletten Fragenpool üben. Und 3. Prüfungssimulation. Die Fortschritte, die man macht, werden schön mitgetrackt und auf der Startseite teilt einem die App dann mit, ob man auf einem guten Weg ist. Am Abend vor der Prüfung sah das dann so bei mir aus, ich hatte zwei Tage lang wirklich nichts anderes gemacht als zu lernen, zu üben und schließlich die Prüfung zu simulieren und habe die Simulation dann auch sicher fast 50 mal bestanden. Ich hab mich gut vorbereitet gefühlt – um dann doch die halbe Nacht wachzuliegen. Verflixt, aufgeregt wie ein Teenie. Wenn ich mich das nächste Mal wie 18 fühlen will, melde ich mich wieder für irgendeine Prüfung an!

Es ist soweit: Prüfung!

Meine Freundin ist eine Seele von Mensch. Früh um 7 sammelt sie uns ein, versorgt uns mit Nervennahrung und fährt  uns mitten im Berufsverkehr einmal quer durch die Stadt! Wieder an den Müffelklos vorbei in die Ausländerabteilung, dort noch einen Moment warten und dann wurde eine Tür aufgeschlossen, wir mussten eine Treppe hochgehen und fanden uns mit vielen Chinesen im Prüfungsraum wieder. 

Jeder nimmt vor einem PC Platz und es wird direkt ernst. Die Prüfungsnummer von der Prüfungserlaubnis eingeben und schon startet der Test. Das erste Bild kenne ich, das zweite auch. Puh, alles nicht so schlimm, wenn nicht die Maus so schrecklich unpräzise wäre und man ganz genau gucken muss, das richtige der eng nebeneinander liegenden Antwortkästchen anzuklicken. Doch zu früh gefreut, bei der dritten Aufgabe muss ich fünfmal lesen, bis ich im Ansatz begreife, worum es geht. Irgendwas mit Autobahn und Standstreifen, da ist wohl eine Übersetzung verschlimmbessert worden. Die nächste Aufgabe: Polizeigeste, zum Glück links abbiegen und nicht Nase kratzen. Jede zweite Aufgabe hab ich nie zuvor gesehen, teils erinnern die kruden Übersetzungen nicht mal annähernd an das gelernte und sind so merkwürdig, dass man sich beim besten Willen nicht erschließen kann, worauf die Frage abzielt.

Glücksspiel?

Vor der Prüfung hatte ich die Hinweise auf der Prüfungserlaubnis gelesen: wenn es beim ersten Versuch nicht reicht, kann man gleich im Anschluss einen zweiten machen, muss dann hinterher nur noch mal 10 RMB extra zahlen. Ich reiße mich zusammen und klicke mich weiter durch, eine lustige Mischung von Wissen, Überlegen, Annähern, Raten. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, aber nach 12 Minuten bin ich durch (von 45 Minuten maximaler Prüfungszeit). Ich überlege, ob ich noch mal alles durchgehen sollte, aber entscheide mich dagegen, weil ich dann sicher bei richtig geratenen Aufgaben doch noch das Falsche anklicken könnte. Ich atme tief durch und klicke 15 Minuten nach dem Start auf „hand in“. Ein großes grünes Fenster poppt auf. Das Grün stimmt mich optimistisch, aber ich verstehe weder den chinesischen noch den englischen Satz, irgendwas mit „Fenster schließt in Sekunden“.

Ich melde mich, die strenge Aufseherin kommt, bedeutet mir, auf ein Schaltfeld, das ich übersehen habe, zu klicken und sagt „Pass“.  Was will sie jetzt mit meinem Pass?, überlege ich, doch sie lächelt mich an und sagt noch einmal „pass“ und dann begreife ich endlich. Zitternd klaube ich meine Sachen zusammen, bekomme von der Aufseherin einen Kringel auf meine Prüfungserlaubnis gemalt und gehe wieder runter zum Schalter.

Dort zahle ich 10 RMB und 3 Werktage später – heute am Montag – kann der Führerschein abgeholt werden. Mein Führerschein. Mein chinesischer Führerschein. Ich grinse im Kreis!

Geschafft!

Die beiden anderen bestehen zum Glück auch, wir gehen zum Parkplatz und unsere Freundin holt eine sorgfältig gepackte Kühlbox mit Prosecco raus, drei große Gläser für uns glückliche Führerscheinneulinge, ein winziges für sie alten Hasen. Eine der anderen beiden merkt an, ob das so klug sei, unmittelbar vor der Führerscheinstelle zu trinken, immerhin haben wir ja gelernt, dass hier absolutes Alkoholverbot gilt, Null-Promille!  :) Wo sie recht hat… Wir nehmen den guten Willen für die Tat und fahren aufgeregt schnatternd nach Hause! Nicht nur ich hab das Gefühl, dass das weniger Prüfung und Wissensabfrage, als viel mehr Glücksspiel war.

Auch wenn ich weiterhin kein Auto vor der Tür stehen habe, es ist schon ein gutes Gefühl, dass ich mir jetzt bei Bedarf (Besucher, auf Reisen) eins leihen könnte. War das ganze nun Schikane? Schließlich hat man ja schon einen Führerschein und Fahrpraxis! Nein, ich glaube nicht. Gerade, wenn man kaum chinesische Zeichen entziffern kann, ist es nachvollziehbar, dass man die (Verkehrs-)Zeichen  und die teils doch leicht anderen Regelungen (Hupen, Abbiegen, …) auswendig lernen soll.

Es gibt wohl auch andere Mittel und Wege, sich hier einen Führerschein besorgen zu lassen, das kostet dann aber gut und gerne mehr als das Zehnfache. Und uns wäre doch eine Menge Spaß entgangen!

An meinem letzten Tag in Dali komme ich dann doch noch zu meiner Seilbahnfahrt. Vom Ticketschalter geht es zunächst ein ziemliches Stück den Berg –  Mount Cangshan – bis zur Talstation hinauf. Die liegt auf 2500 Metern – für mich Flachlandtirolerin schon beeindruckend hoch, die Bergstation liegt auf etwas über 4000 m! Sicherheitskontrolle – natürlich. Und dann besteigen wir die Gondel und lassen uns bequem den Berg hinauftragen. Der Blick auf Dali und den Erhai-See ist atemberaubend schön. Dann wird die Gondel langsamer, wir sind an der Mittelstation angekommen und müssen umsteigen. Das Gelände tief unter uns wird immer rauer und unwegsamer. Je höher wir kommen, umso mehr schwankt die Gondel, es ist recht windig. Bergauf sehen wir Wolkenfetzen und schon bald tauchen wir in die graue Suppe ein und können nur noch wenige Meter weit sehen. Der Wind pfeift, die Gondel schaukelt, der Blick in die Gesichter der anderen offenbart, dass nicht nur ich ein mulmiges Gefühl habe. Spätestens jetzt verstehen wir, warum die Seilbahn die Tage zuvor nicht fuhr!

Ganz weit oben

Dann kommen wir oben an, der Wind zerrt an uns, zum Glück haben wir alle warme Jacken an. Ein Mantelverleih fällt ins Auge: Für den nicht nur für chinesische Verhältnisse exorbitanten Preis von 300 RMB (rund 40 Euro) werden dicke Daunenmäntel verliehen. Teils werden die Familien kreativ und kuscheln sich zu zweit in einen Mantel. Trotz dichten Nebels/dicker Wolken kommt weder Ruhe noch Beschaulichkeit auf, weil ununterbrochen eine Lautsprecherdurchsage abgespielt wird: man möge bitte auf Kinder und Alte achten! Ja, 4100 Meter merkt man! Die meisten Kinder schlafen! Bei manchen Frauen, die uns bergauf entgegen kommen, fließen die Tränen. Die Höhe schlaucht. Irgendwann sind wir doch völlig durchgefroren und fahren wieder hinunter. Als wir aus den Wolken hinausschweben und sich das Tal, Dali und der See vor uns ausbreiten, ist das schon ein toller Anblick.

Ich hätte auch noch einen Blick in das Tianlongbabu-Filmstudio geworfen, das unweit des Seilbahn-Ticketschalters liegt, aber die Uhr tickte, der Flieger zurück nach Peking würde nicht auf mich warten.

Abschied

Am späten Nachmittag kommt mein Taxi, um mich zum Flughafen zu bringen. Ich muss ein bisschen heulen, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, wann ich Sohnemann wieder sehen werde. Er wird mit den beiden anderen am nächsten Tag nach Chengdu weiterreisen und auf den Emei Shan wandern (wo sie dann in einem Kloster übernachtet haben, da wäre ich gerne dabeigewesen).

Ich kann jetzt gut verstehen, warum er Dali als seine chinesische Lieblingsstadt bezeichnet.  Ich habe Dali als gastfreundlichen Ort erlebt, wo Moderne und Tourismus, Geschichte und Tradition sich Hand in Hand entwickeln. Gerne hätte ich noch mehr Zeit dort gehabt, auch für einen Abstecher nach Lijiang, für eine längere Wanderung in den Bergen. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja noch einmal dahin?

Am nächsten Morgen in Dali stehen wir früh auf, frühstücken Nudelsuppe und 小笼包 – Xiǎo lóng bāo, kleine Knödel mit herzhafter Gemüse- oder Fleischfüllung. An der Straße halten wir ein Taxi an und lassen uns ein Stück den Berg hinauf zum Ticketschalter der Seilbahn fahren. Große Enttäuschung: es ist zu windig, die Seilbahn fährt heute nicht. Vielleicht morgen. Wir laufen zum Hostel zurück und ziehen uns um, es ist so warm, Fleecejacken, lange Hosen und Wanderstiefel brauchen wir jetzt nicht.

Jetzt wollen wir zum See. Ich habe die Entfernung unterschätzt und bin froh, dass wir doch ein Taxi genommen haben, vom Ortskern zum Schiffsanleger sind es doch einige Kilometer. Wir fahren an Feldern vorbei, erst ein Restaurant, ein Scooterverleih, dann noch einer und dann dicht an dicht. Aber alles sieht ein bisschen heruntergekommen aus, und mindestens zwei Drittel der Geschäfte sind geschlossen. Die kurze Überfahrt zu einer der Inseln soll ein Vermögen kosten. Das schenken wir uns und gehen stattdessen ein Stück am See spazieren.

Chillen am Erhai-See

Später kommen wir zum großen, nur spärlich besetzten Parkplatz in der Nähe des Anlegers zurück und nehmen ein abenteuerliches Konstrukt unter die Lupe. Es ist eine Gaststätte. Aus Baugerüsten, Wellblech und Brettern ist ein dreistöckiges „Gebäude“ auf Stelzen ein Stück in den See hinein gebaut worden. Viele Pflanzen und Blumentöpfe verbergen die wackelige Konstruktion. Das müssen wir uns genauer ansehen, klettern vorsichtig hinauf und finden uns schließlich auf einer Terrasse mit wunderbarem Seeblick wieder, schattig und angenehm. Nur ab und zu wackelt und klappert und quietscht die waghalsige Konstruktion, was uns aus der dösig-entspannten Stimmung reißt.

Von der Erkältung angeschlagen ist das jetzt genau das richtige Programm für mich. Wir genießen köstliche Mango-Smoothies und die Aussicht; hier im Halbschatten mit leichter Brise vom See aus lässt es sich gut aushalten.

Eine junge Frau spricht uns an: „Hi, ich bin Apple und wer seid ihr?“ Natürlich wird wieder fotografiert, Sohnemann tauscht WeChat-Kontakte ihr aus – später am Abend finden wir uns in Apples WeChat-Momenten als ihre neuen Freunde wieder. :)

Eine Autotour rund um den See

Da es weiterhin relativ windig ist, buchen wir für den nächsten Tag eine Rundfahrt rund um den See. Die ist toll. Wir haben außer schönen See-/Berg-Panoramen und kleinen Inseln viel gesehen: Landwirtschaft beinah wie im mittelalterlichen Europa, Schwerstarbeit. Bunte exotische Märkte und alte, prachtvolle Häuser der Bai in Xizhou. Wir werden in einen privaten Hof geführt, der gleichzeitig bewohnt und verlassen wirkt.

Wir besichtigen eine Batikmanufaktur in Zhoucheng, wo Baumwollstoffe in Handarbeit vor allem mit Indigo gefärbt werden, dort wurde uns auch Indigo-Tee serviert. Bai-Frauen in Trachten haben kunstvolle Nähte per Hand angebracht. Sollte sich jemand mal dort hin verirren: an den Ständen in der Stadt werden die Decken/Tücher/Stoffe für einen Bruchteil des Preises verkauft. Wir waren uns nicht sicher, ob es sich dabei um echte Batiken oder Drucke handelte. Die Nähte jedenfalls waren maschinell. Es mag also Gründe dafür geben, dass die Preise in der Manufaktur um einiges höher liegen.

Die Landschaft und das Wetter sind beeindruckend, es ist heiß, aber im Laufe des Tages kriechen die Wolken die Berge hinunter und hängen nur noch knapp über dem See. Einmal laufen Ziegen über die Straße. Viele der kleinen Dörfer wirken verlassen und immer wieder verbreiten Bauruinen trostlose Atmosphäre. Ein Anleger, wo Nr. 3 und seine Freundin vor gut 3 Jahren noch losgerudert sind, ist komplett dem Verfall überlassen. Vereinzelt wird weiter gebaut, mühsam, per Hand. Dann wieder Luxusresidenzen in Toplagen am See. Auch hier allgegenwärtig: Hochzeitsfotografie. Der „Scenic Spot“ für die Kormoranfischerei ist leider nicht erreichbar: Bauarbeiten.

Dann nähern wir uns Xiaguan, dem modernen Dali, und bald darauf trudeln wir wieder in Dali Ancient Town ein. 

Zurück in Dali

Wir bummeln wieder durch Dali und sehen uns weiter um, entdecken ein Kunstviertel, in dem die Dreadlockdichte höher ist als auf einem Bauwagenplatz in Hamburg. Ja, vereinzelt merkt man schon, dass hier recht viele Ausländer dauerhaft hängengeblieben sind. Wir finden uns in einer doch recht touristisch-bunten Gasse wieder, nur um hinter der nächsten Ecke wieder in einer ganz ruhigen Straße zu landen. Man könnte wirklich tagelang nur durch Dali laufen und ständig Neues entdecken. 

Von Liuku aus fahren wir mit dem Bus nach Dali. Diesmal tagsüber, so dass wir den vollen Nervenkitzel von tiefen Schluchten, Abhängen und Spuren von Erdrutschen genießen können.

Auch diesmal werden wir an der Zoll-Grenz-Station kontrolliert, beim zweiten Mal und tagsüber wirken die Männer mit den Maschinengewehren nicht mehr ganz so furchteinflössend auf mich. Mittags gibt es einen Zwischenstopp an einem Rasthaus, wo niemand außer dem Busfahrer etwas essen möchte und auch die Toiletten… Ach, ist halt so…Weiter geht es 

Der Bus biegt um eine Kurve und vor uns öffnet sich ein großes Tal – dicht bebaut. Zack, plötzlich sind wir nicht mehr mitten im Nirgendwo, sondern in Xiaguan (= Dali New Town), das nahtlos in „richtige“, alte Dali übergeht. Das, und dass es idyllisch am Erhai See liegt, ist wohl das Bemerkenswerteste an Xiaguan. Vom Busbahnhof nehmen wir einen uralten Minibus, der nur noch durch den Rost zusammengehalten wird und fahren die gut 10 Kilometer nach „Dali Ancient Town“, wo wir unsere Zimmer im Jade Emu Hostel beziehen – auch das ein Wiedersehen für Nr. 3 und seine Freundin. Das Hostel liegt in einem für Dali typischen Courtyard im Bai-Stil (weiße Gebäude, blaue Verzierungen) nur wenige Schritte vom Westtor der Stadtmauer entfernt. 

Erste Eindrücke

Nach einer kurzen Pause – ich bin ziemlich erledigt, habe mir wohl im Nachtbus eine fiese Erkältung eingesammelt – stürmen wir die Altstadt. Ich verstehe auf Anhieb, warum Nr. 3 immer so schwärmt und von Dali als seiner chinesischen Lieblingsstadt spricht. Ja, okay, es wimmelt von Touristen, aber die Einheimischen scheinen in der Mehrheit zu sein. Anders als in z.B. Yangshuos West Street ist hier nicht alles für die Touristen gebaut, sondern zwischen Souvenirläden finden sich ganz normale chinesische Geschäfte.

 

Die Stadt ist nicht nur wirklich hübsch, sondern auch wunderschön gelegen, zwischen Cangshan-Gebirge im Norden und Erhai-See im Süden. Dazu war es selbst Ende September noch angenehm warm, beinah heiß. Abends gehen wir in der Stadt lecker essen, bummeln danach noch durch die Gassen. Vor dem Kino wird getanzt und auch in einer Tempelanlage ist noch viel los. 

Die drei Pagoden

Nr. 3 und Co. kennen den Chongsheng-Tempel mit den drei Pagoden schon, aber ich möchte da gerne hingehen. Also gehen die drei am nächsten Vormittag wandern und ich schlafe erst einmal aus – die Erkältung ist fies und der Husten übel – und gehe später alleine dorthin. Der eigentliche Tempel steht schon lange nicht mehr, aber die Pagoden haben die Zeit und etliche Erdbeben überstanden, dazu gibt es neuere Hallen mit vielen Kunstschätzen aus der Region. Eine der beiden kleineren Pagoden ist ganz schief. Das Gelände ist riesig, obwohl im Eingangsbereich noch recht viele Touristengruppen ankommen, verläuft es sich bereits nach wenigen Metern, und so gibt es wieder viele schöne, ruhige und friedliche Momente für mich. Wolken klettern den Berg hinunter, ein dramatischer Anblick. Der Blick ins Tag und über den See ist mindestens genauso schön.

Und noch mehr Eindrücke

Am späten Mittag treffe ich mich wieder mit den anderen, wir essen in einem kleinen Straßenrestaurant zu Mittag. Ab und zu fahren Pferdekutschen an uns vorbei, den Berg hinauf. Nachmittags lassen wir uns wieder durch die Stadt treiben, entdecken immer wieder Neues. Alte Tore oder Türme, traditionell gekleidete Frauen, fröhlich-bunte Kindertragen. Und überall sieht man überwiegend indigoblaue Tücher zum Verkauf angeboten. In einem Supermarkt kaufen wir Getränke und müssen über den nett dekorierten Eierstand kichern: vom Band kommt das Gegacker und Krähen glücklicher Hühner.

Draußen auf den Stufen vor den Restaurants gibt es überall frisches Gemüse. Man kann nicht nur nach Karte bestellen, sondern zeigt auf die gewünschten Zutaten und bekommt daraus ein leckeres Gericht gekocht. Hitze und Erkältung (drei Punkte an mich für erfolgreiches Anstecken, sorry) machen uns fertig, wir legen eine kurze Pause im Hostel ein und ziehen abends wieder los und futtern uns an einem 烧烤 – Shāokǎo -Stand durch die diversen Spieße. Die sind richtig gut gewürzt, das schmecken wir trotz Schnupfnasen. 

Am nächsten Tag wollen wir mit der Seilbahn auf den Berg hinauf fahren und dort wandern, also gehen wir früh schlafen.

Normalerweise enden Schneeball-Spiele, Challenges, Kettenbriefe auf Facebook und anderswo bei mir. In den letzten Tagen habe ich eine Ausnahme gemacht, denn die „seven days – B&W-Challenge“ hat mich mit der Beschreibung „7 days, seven black and white photos of your life, no explanation, no people“ doch angesprochen: mit ein paar Bildern könnte ich zeigen, was hier an China oder in meinem Leben so anders ist. Auf Facebook durfte ich nichts zu den Bildern erzählen, ein Regelverstoß (doch Menschen mit auf einem Foto) wurde direkt bemängelt. Aber es sind ja nicht alle bei Facebook und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht doch etwas zu den Bildern zu erzählen hätte. Was ich mit den Bildern ausdrücken wollte, und wofür sie für mich stehen, ist mir selber natürlich klar. Aber ich weiß nicht, was sich jemand in Deutschland dazu denkt, jemand, der noch nicht oder nur kurze Zeit in Peking war. Erstaunlicherweise haben sich bislang alle von mir Nominierten beteiligt und zeigen nun ihrerseits richtig schöne Schwarzweißbilder!

Tag 1 – Zwei Uhren

Als ich mich dazu durchgerungen habe, an der Challenge teilzunehmen, war für mich sofort klar, was ich als erstes fotografieren und posten würde. Diese beiden schlichten IKEA-Uhren hängen bei uns im Esszimmer. Bei uns war es schon nach 21 Uhr, in Deutschland gerade mal drei Uhr nachmittags durch,  In Deutschland wird noch gearbeitet, bei uns ist für die Jungs Schlafenszeit. Wir gönnen uns vielleicht ein Glas Wein, in Hamburg gibt es Kaffee.  Bevor ich mit Deutschland skype, gucke ich auf diese Uhren (oder auf die Uhren auf dem Laptop): ist Deutschland schon wach oder ist es noch zu früh? Das Zeitfenster, wo Skypen/Telefonieren/Chatten für Deutschland und China passt und angenehm ist, ist erschreckend klein. Oft denke ich, dass es nicht die vielen tausend Kilometer und die vielen Flugstunden sind, die uns von Deutschland trennen, sondern diese 6 Stunden Zeitunterschied. Am kommenden Wochenende, nach dem Ende der Sommerzeit in Deutschland, sind es dann 7 Stunden, dann wird es noch schlimmer, das ist fast ein ganzer Arbeitstag…

Zwei Zeitzonen, zwei Uhren

6 Stunden Zeitunterschied

Tag 2 – Chinesischer Supermarkt

Das zweite Bild zeigt einen chinesischen Supermarkt, wo ich gelegentlich mit Freundinnen hinfahre. Hier in unserer Wohngegend gibt es einen großen auf Westler ausgerichten Supermarkt, wo man zum Glück das meiste bekommt, was die westliche Küche so braucht.  Da zahlt man dann allerdings auch einen ordentlichen Aufschlag. Obst und Gemüse im chinesischen Supermarkt (oder auf dem Wetmarket) sind deutlich günstiger, dafür gibt es keine Kaffeebohnen oder Filterkaffee, nur gesüßten Instantkaffee in Portionspäckchen, das Zeug ist hier inzwischen recht beliebt. Was sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass nicht nur wie auf dem Bild zu sehen, Reis, Hülsenfrüchte, Getreide lose verkauft werden und so offen rumstehen, nein, beim Fleisch ist das auch so. Da ist nichts abgedeckt, jeder bedient sich selbst… Naja, wird ja alles gekocht und nicht roh gegessen… Trotzdem gewöhnungsbedürftig! Das Jagen und Sammeln, d.h. Einkaufen, ist hier schon deutlich zeitaufwendiger als in Deutschland. Die Wege sind meist weiter und man bekommt nie, nie, nie alles, und schon gar nicht in einem einzigen Laden.

Chineischer Supermarkt

Chinesischer Bravo-Supermarkt in Houshayuzhen

Tag 3 – Tuktuk

Wir haben kein Auto. Man stelle sich das vor, wir sind von Autoleuten umzingelt (ich verkneife es mir, all die großen bekannten Marken zu nennen), die alle mindestens ein Auto haben. Da ist das Leben ohne eigenes Auto, besonders wenn man wie wir hier draußen in Shunyi und nicht im Zentrum wohnt, schon ziemlich exotisch. Großeinkauf mit Fahrrad ist nicht wirklich praktisch, Delivery ist zwar möglich, aber dann ist man manchmal stundenlang angebunden und wartet so vor sich hin. Mein Tuktuk (Sanlunche – Drei-Rad) macht mich in der Hinsicht unabhängig, braucht keinen Diesel (naja, ich bezweifel, dass aus unserer Steckdose Ökostrom kommt) und bei schönem Wetter macht es auch einfach Spaß mit knapp 30 Stundenkilometern die Straße entlang zu brettern (ich hab es gebraucht von Autoleuten übernommen, es ist getunt, so schnell sind die normalerweise nicht). Mit dem Tuktuk kann man nachmittags auch wunderbar schwer bepackte, müde Kinder vom Schulbus abholen. Es macht uns den Alltag hier schon ein bisschen einfacher.

Mobil auch ohne Auto

Mein Tuktuk – wo de sanlunche!

Tag 4 – Yunnan Hotpot

Unbestreitbar ist das chinesische Essen eines der Highlights hier in China! So riesig und vielfältig das Land ist, so abwechslungsreich und unterschiedlich sind die vielen chinesischen Küchen! Bei diesem speziellen Yunnan Hotpot bekommt jeder Gast seinen eigenen Topf mit Brühe nach Wahl: Hühnchen oder Lamm, vegetarisch mit Pilzen oder „mit alles“ (beim mongolischen Hotpot steht sonst ein großer Topf für alle in der Mitte).
Und dann wird aufgetischt: Gemüse, Pilze, Fleisch, Fisch, Innereien, Entenblut, Klößchen, Muscheln. Und dann geht es wieder von vorne los. Dazu werden zahlreiche Dips gereicht. Es erinnert ein bisschen an Fondue, ist nur weniger fettig und viel abwechslungsreicher. Zum Glück gibt es in Hamburg mehrere Restaurants, wo man authentisch chinesische Küche bekommen kann, nicht nur Nr. 33 und 45. ;) Trotzdem, wenn es irgendwann einmal zurück nach Hamburg geht, diese Vielfalt hier werde ich vermissen.

Chinesische Küche - unglaublich abwechslungsreich

Yunan-Hotpot

Tag 5 – Königs-Protea/Zuckerbusch

Jeden Samstag kommt der „Flower Guy“ in den Compound, jeden Samstag erinnert am frühen Nachmittag die Managerin des Compounds in der Compound-WeChat-Gruppe daran, dass er da ist. Diese Erinnerung wäre bei uns nicht nötig, denn Männe ist vermutlich eh einer der besten Kunden dort, denn jeden Samstag kauft er drei Sträuße. Grüner Daumen? Mein brauner Daumen ist legendär! Da sind die unglaublich exotischen Schnittblumen, preisgünstig noch dazu, eine tolle Alternative. Klar gibt es hier die internationalen Klassiker, Tulpen und Narzissen im Frühling, alle nur erdenklichen Rosen das ganze Jahr über. Und immer wieder gibt es exotische Pflanzen, wo ich Suchmaschinen bemühen muss, um herauszufinden, was mein Mann mir denn da mitgebracht hat. Diesen Sonnabend gab es diese beeindruckenden, riesigen, farbenprächtigen (von zartrosa bis kräftig lila changierenden) Blüten. Diesmal brauchte ich keine Suchmaschine, meine südafrikanische Freundin wusste sofort Bescheid: Das sind Protea! Diese sind im südlichen Afrika heimisch und die Wappenblume Südafrikas.
Blumen sind hier unendlich wichtig. Überall in der Stadt findet man Flower Markets. An den Straßenlaternen bei uns im Compound hängen jeweils zwei Blumentöpfe. Aus dem Stadtbild sind Blumen nicht wegzudenken. Oft werden sie nicht eingepflanzt, sondern Blumentöpfe werden dicht an dicht kunstvoll arrangiert. Sind sie verblüht, wird das nächste Kunstwerk aus Blumen geschaffen. Selbst an den dicht befahrendsten Hauptstraßen in der Stadt sind die Mittelstreifen mit Rosen bepflanzt, das ist im Sommer schon ein toller Anblick. Verkehrsinseln, die bald größer und schöner bepflanzt sind als deutsche Kleinstadtparks. Für mich haben die vielen Blumen hier besonders an grauen Smogtagen etwas tröstliches!

Im südlichen Afrika heimisch: Protea

Protea – Zuckerbusch

Tag 6 – Luftfilter

Ich glaube, dazu muss ich nicht mehr viel sagen. Der Winter steht vor der Tür, die Luftwerte erreichen heute zum Teil einen AQI von 300, und obwohl das Wetter schön ist, bleibt es draußen eigentümlich grau-gelb und wird nicht richtig hell. „Kinder, reinkommen! Ab in die frische Luft!“ Notiz an mich: es wird mal wieder Zeit für einen Filterwechsel! Einen? 10, denn soviele der possierlichen, wenn auch etwas lauten Luftstaubsauger halten die Luft in unserem Zuhause auf annehmbaren Niveau.

 

Tag 7 – Regelverstoß: Tuktuk in der Stadt

Ich wollte ein Bild zum Straßenverkehr zeigen, hatte aber keins greifbar mit fiesen Staus, also habe ich mich für dieses Tuktuk entschieden, dass mitten in der Stadt im CBD (Central Business District) unterwegs ist. Da das Tuktuk aber kein autonomes Selbstfahrteil ist, sind diese beiden freundlichen Herren regelwidrig auf dem Bild zu sehen. Verkehr ist hier einfach immer ein Thema. Wenn ich in der Stadt verabredet bin, rechne ich zur reinen Fahrzeit immer noch einen Puffer von mindestens einer halben Stunde oben drauf, bei wichtigen Terminen auch mehr. Staatsgäste auf dem Weg zum Flughafen? Wir sperren mal fix den Airport Expressway. Dummerweise ist das unsere Hauptverbindung in die Stadt rein. Dazu Unfälle, zuviel Verkehr, diese sonderbaren Abbiegeregelungen. Die müssen jetzt endlich mal in meinen Kopf rein, denn ich wurde von einer Freundin dazu genötigt, Mitte November die chinesische Führerscheinprüfung abzulegen. Naja, vermutlich falle ich morgen durch den Sehtest, dann hat sich das erledigt. Aber auch ohne eigenes Auto, wer weiß wozu so eine Fahrerlaubnis hier mal gut ist… Könnte mir bei einer der nächsten Reisen den Nachtbus ersparen. ;)

Tag 7, zweiter Versuch – Finale: Die Mauer

Die Mauer ist und bleibt für mich ein unvergleichliches Reise- und Ausflugsziel. Nicht nur Sinnbild einer jahrtausendealten Kultur, ein Bauwerk der Superlative, sondern auch noch beeindruckend schön gelegen. Wenn ich Besuch habe und beim 43. Besuch des Lamatempels auch schon mal gekniffen hab: zur Mauer möchte ich nach Möglichkeit immer mit – und ich bin jedesmal wieder tief beeindruckt und fasziniert. 

Die Mauer in den Köpfen ist manchmal größer als die Chinesische Mauer

Die chinesische Mauer heute hat nichts Trennendes mehr. Hier treffen sich Reisende aus aller Welt und aus China, staunen gemeinsam, posieren gemeinsam. Damit hat sie heute eher etwas Verbindendes.
Nach über 2 Jahren in China bin ich froh, nicht meinen Vorurteilen und Ängsten Raum gegeben zu haben, sondern mit Anlauf über die Mauer in meinem Kopf gesprungen zu sein, auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Immerhin, langweilig ist es hier nie. Das einzige, das beständig scheint, ist der Wandel. :)

Was seht Ihr in den Bildern? Macht Euch das ein bisschen neugierig auf das China jenseits der Schlagzeilen?

Tourismus gibt es in Liuku nicht. Wir sind hier, weil Nr. 3 und seine Freundin den Ort wiedersehen wollen, an dem sie beide ihr Freiwilliges Soziales Auslandsjahr verbracht haben. Mehr darüber findet sich hier:  Baumhaus bei Wikipedia und hier.

Zwei Tage verbringen wir hier, stromern durch die Stadt, frühstücken Xiaolongbao, wo S. früher immer gefrühstückt hat, essen Nudelsuppe, wo Nr. 3 immer gegessen hat. Die zwei werden wiedererkannt und die Leute scheinen sich aufrichtig zu freuen, wir dürfen nicht bezahlen, also lasse ich unauffällig beim Gehen einen Schein in die als Kasse dienende Pappschachtel fallen.

Mitten durch Liuku fließt der Nujiang, einige Brücken verbinden beide Ufer miteinander. Die Fußgängerbrücken schwingen stark, die teils nicht mehr komplett verschraubten Stahlplatten klappern beim darüber gehen, und zwischen den Stahlplatten sind große Lücken, durch die man unten den Fluss rauschen sieht…

Wir schlendern über einen Markt. Der ist nichts für Vegetarier und Tierschützer, allzu zart besaitet sollte man nicht sein. Aus einem Bottich am Boden springt ein großer Fisch und zappelt über den Boden auf mich zu. Augen zu und durch, ich flitze im Eiltempo an den weiteren Bottichen vorbei ans Ende dieses Ganges. Hier denke ich wie so oft auf dieser Reise, wie das die jungen Menschen alles beeindruckt und geprägt haben muss, damals noch nicht mal 20 Jahre alt, direkt nach dem Abitur in Deutschland. 

 

Die (alte) Minzu

Wir wollen natürlich auch die Schule sehen, an der Nr. 3 unterrichtet hat und wo er auch gewohnt hat. Allerdings wurde die Schule, die „Minzu“, verlegt und ist jetzt in einem Neubau am Stadtrand. Die alte Minzu, zentral und direkt an der großen Promenade am Fluss gelegen, steht nun leer und wird von einzelnen Arbeitern „ausgeschlachtet“. 60 Schüler in einer Klasse. Gemeinschaftstoiletten, die auch jetzt noch wie die Hölle stinken. Ein kleines Zimmer zu zweit, keine Heizung für die Hilfslehrer aus Deutschland. Kein fließendes warmes Wasser. Das ist alles ganz weit weg von unserer westlichen Welt, viel weiter als Peking, was an sich ja schon exotisch und fremd genug ist.

 

Goldener Buddha von Liuku

Wir gehen am Stadtrand über eine wackelige Fußgängerbrücke und klettern ein Stück einen Berg rauf und sehen uns den dortigen Tempel an, der goldene Buddha thront weithin sichtbar über der Stadt. Auf dem Weg hinauf und von oben hat man einen schönen Blick über Liuku, den Nujiang und die umliegenden Berge. Ich gehe oben in eine Halle hinein, in der ein paar kleine Souvenir-Buddhas ausgestellt sind, vor allem, weil ich einen Moment aus der prallen Sonne raus muss.

Da kommt eine alte Frau auf mich zu, und ich denke, sie will mir jetzt etwas verkaufen. Aber nein! Sie erzählt uns von dem Buddha: es ist ein weiblicher Buddha, für Fruchtbarkeit zuständig und viele Frauen mit Kinderwunsch kommen hierher und bitten um Fruchtbarkeit. Heute sind wir aber die einzigen Besucher. Wir können uns nicht dagegen wehren, sie nötigt uns, uns hinzusetzen, erzählt noch mehr über den Tempel und bringt dann auch noch Äpfel. Apfel heißt 苹果 (Píngguǒ), das ping ist ganz ähnlich wie in 平安 (Píng’ān), das Sicherheit, friedlich bedeutet. Wenn wir auf dem Weg zurück in die Stadt die Äpfel essen würden, wären wir künftig beschützt. Wir bedanken uns ganz herzlich und essen auf dem Weg die Treppen hinunter die saftigen Äpfel.

 

Sehenswürdigkeiten?

Während wir so durch die Stadt schlendern, werden wir immer wieder unverholen angestarrt. Ein etwa zehnjähriges Mädchen schlägt beide Hände vor den Mund, reißt die Augen groß auf und wispert: „Waiguoren!“ (Ausländer!) Aufgeregt zupft sie ihre Freundin am Ärmel, ob sie uns auch gesehen hat. Hat sie, und beide rufen noch mal laut: „Waiguoren!“ und grinsen über das ganze Gesicht. Das war echt drollig. 

Am anderen Flußufer ist eine hübsche, schmale Promenade, dicht bepflanzt. Als ich mir eine Pflanze näher angucken will, sehe ich mich Auge in Auge mit einer riesigen Monsterspinne. Die Biester hingen dort dicht an dicht an beiden Seiten des Weges und bis zum Ende der Promenade achte ich ganz genau darauf, in der Mitte des Weges zu bleiben…

 

Abends gehen wir mit Freunden essen und die jungen Leute gehen miteinander um, als hätten sie sich vorgestern zuletzt gesehen und nicht vor drei Jahren. 

Nach all dem Hickhack im Vorfeld geht es am Sonntag tatsächlich los. Der Flug ist unruhig, „We are experiencing some turbulence. Please don’t worry!“ Wie war das, solange der Service nicht eingestellt wird, kein Grund zur Sorge? „Service is suspended!“ Merke: Vomex hilft nicht nur gegen Reiseübelkeit, sondern beglückt einen auch noch mit Schläfrigkeit und „Mir-Egal-Haltung“. So bin ich bei der Ankunft in Kunming halbwegs ausgeruht und gespannt auf den Nachtbus. 

Kunming ist für uns nur Zwischenstation, aufgeteilt auf zwei Taxen gurken wir einmal quer durch die Stadt zum Busbahnhof. Also nur ein flüchtiger Eindruck von Kunming: heiß, schwül, viele Hochhäuser und Baustellen. Ein Teil der Fahrt geht im Schritttempo über einen Markt, der ist so bunt, farbenfroh, wuselig, exotisch, dass wir am liebsten halten würden, um darüber zu bummeln. Aber wir müssen weiter zum Busbahnhof.

chinesischer Nachtbus mit Etagenliegen

Nachtbus Kunming-Liuku

Dort angekommen teilen wir uns auf, Nr. 3 kauft die Fahrkahrten, seine Freundin Getränke und Proviant, wir  beiden anderen bewachen das Gepäck, bestaunen das Gewusel und werden unsererseits bestaunt: wir sind die einzigen Langnasen. Wir haben noch Zeit für eine schnelle Nudelsuppe, dann entern wir den Nachtbus. Auch hier wieder Gepäckdurchleuchtung und Sicherheitsscan, großes Gepäck in den Kofferraum. Notiz an mich: Handgepäck auf das absolute Minimum beschränken, mein Daypack war definitiv zu groß für den nicht vorhandenen Stauraum…

Ja, Nachtbus: 3 Reihen schmale Pritschen auf 2 Etagen, 35 Plätze, ausgebucht. Unsere zusammenhängenden „Betten“ werden von chinesischen Frauen mit Kleinkindern belagert, also finden wir uns über den ganzen Bus verteilt wieder. 14 Stunden unterwegs. Nach gut zwei Stunden der erste Zwischenstopp an einem Rastplatz, natürlich gibt es hier keine westlichen Toiletten… Bevor wir weiterfahren, geht noch ein Uniformierter mit Taschenlampe durch den Bus, er scheint zu kontrollieren, dass alle angeschnallt sind und der Bus nicht überladen ist.

Im Bus ist es entweder kalt und zugig oder man schlüpft unter die dicke Decke, dann ist es zu warm. Immerhin, als es dunkel wird, ist draußen wirklich nichts mehr zu sehen, und ich verschlafe tatsächlich einen Großteil der Fahrt. Mitten in der Nacht fährt der Bus wieder ein Rasthaus an, aber anders als zuvor steigt niemand aus. Wir haben zwar zwei Busfahrer an Bord, aber es muss wohl eine Pflicht-Pause gewesen sein, denn es geht erst 2 Stunden später weiter.

Bei Sonnenaufgang fahren wir ins Nujiang-Tal ein. Hier befindet sich eine Zoll-Grenz-Station (Nujiang ist ein autonomer Bezirk), Soldaten mit Maschinengewehren gehen durch den Bus, wir Westler müssen aussteigen und werden am Schalter interviewt, was uns nach Liuku treibt. Nummer 3 übernimmt für uns alle, unsere Pässe werden registriert und dann dürfen wir weiterfahren. Die Straße windet sich in Serpentinen die Berge rauf und runter, dann geht es wieder eine Zeitlang am Fluss entlang. Der Nujiang (auf Deutsch meist Saluen) ist ein fast 3000 km langer Gebirgsfluss, der von Tibet aus durch Yunnan über Myanmar und Thailand bis in die Andamanensee fließt, es ist einer der wasserreichsten Abflüsse des Himalaya. Das im Hinterkopf habend bin ich entsprechend beeindruckt, als ich den schnell und wild fießenden, schlammig-braunen Fluß sehe. Was ich auch immer wieder sehe: Spuren von Erdrutschen. Ja, es ist schon eine wilde, beeindruckende Landschaft hier.

In Yunnan: Blick auf den Nujiang

In Yunnan: Blick auf den Nujiang

Auch in Liuku befindet sich der Busbahnhof am Stadtrand, wir verteilen uns wieder auf zwei Taxen und fahren ins Zentrum, wo wir ein einfaches Hotel (das aber westliche Badezimmer offeriert!) beziehen.

Lange hat Nr. 3 immer wieder gefragt, ob ich nicht mit ihm, seiner Freundin und einem weiteren Freund nach Yunnan reisen wolle: Flug nach Kunming, von da aus mit dem Nachtbus nach Liuku, dort 2-3 Tage bleiben und weiter mit dem Bus nach Dali. Dort würden sich nach weiteren 3-4 Tagen unsere Wege dann trennen, die drei würden nach Sichuan weiterreisen, ich zurück nach Peking.
Das Timing wäre gut, nämlich genau zur Klassenreisezeit der beiden Kurzen. Aber ob ein Backpacker-Abenteuer noch das richtige für mich ist? Einerseits wollte ich natürlich gerne sehen, wo Nr. 3 sein Freiwilliges Soziales Auslandsjahr verbracht hat und war neugierig auf Yunnan, andererseits stand eine Fahrt mit einem chinesischen Nachtbus zwischen mir und Liuku. Aber er drängelte immer weiter, und es war ihm deutlich anzumerken, dass es ihm wichtig war. Naja, aber soweit weg, so lange Anreisezeiten, das lohnt sich nicht wirklich für nur fünf Tage. Dann hat Männe zugesagt, dass er sich natürlich vor und nach der Klassenreise um die zwei Kurzen kümmern kann, also stand der Reise von Sonntag bis Sonntag nichts mehr im Weg.
In dem Wissen, dass ich mich dabei weit aus meiner Komfortzone rausbewegen muss, habe ich also zugesagt und Flüge (Peking-Kunming-Peking) und Bahnfahrt Dali-Kunming gebucht – und angefangen, mich auf das Abenteuer zu freuen.

Sorry, Ihr Flug wurde von der Airline gecancelt!

Zwei Tage, bevor Nr. 3 hier in Peking ankam, bekam ich eine SMS von ctrip: Airline hat meinen Rückflug von Kunming nach Peking gecancelt. Ups. Schnell in den ctrip-Service-Chat eingeloggt. Man konnte mir nur das Umbuchen mit der gleichen Airline anbieten. Naja, ok. Da der neue Flug deutlich früher ab Kunming ging, musste ich nun auch die Zugfahrt umbuchen und einmal in Kunming übernachten.

Mit Nr. 3 und Co. hatten wir eine schöne Zeit in Peking und freuten uns zusammen auf die Reise. Doch vier Tage vor dem Abflug meldete sich kleinlaut Männe: er müsse beruflich innerhalb Chinas reisen, ob ich eine alternative Betreuung für die Kurzen vom Ende der Klassenreise am Freitag bis zum Samstagmorgen organisieren könnte? Da das der Job ist, von dem auch ich lebe, war ich zwar etwas grummelig, dass immer alles an mir hängen bleibt, aber so ist das halt. Nach beinah 30 Jahren mit Kindern (und diesem Mann ;) ) gewöhnt man sich dran, dass Pläne sich immer wieder in Luft auflösen oder geändert werden müssen.

And again

Obendrein kam dann am selben Abend wieder eine SMS: Diesmal wurde der Hinflug von der Airline gecancelt. Och nee. Es war schon zu spät, um etwas zu klären und innerlich hab ich die Reise bereits abgehakt, bevor ich sie überhaupt angetreten bin. Meine Freundin wollte ich nicht per Chat, sondern am nächsten Morgen direkt und persönlich fragen, ob sie die Kurzen betüddeln könnte. Als ich schlafen ging, war es also wieder offen, ob ich nach Yunnan kommen würde.

Am nächsten Morgen bekam ich eine WeChat-Nachricht von Nr. 4: Er hätte gerade am Schulbus meine Freundin gefragt, alles klar, sie könnten nach der Klassenreise zu ihr. Was für ein cooles Kerlchen! Dabei war er am Vortag ebenfalls grummelig gewesen und wollte nach der Klassenreise nach Hause und nicht noch woanders hin. Ich wollte meine Freundin persönlich fragen und nicht per WeChat, und da ist der Lütte dann einfach mal vorgeprescht, und damit war das Kinderbetreuungsproblem gelöst. Tolles Kind, tolle Freundin! <3

Blieb noch der gecancelte Flug. Morgens war ich mit der Fotogruppe verplant, hab dann aber von unterwegs aus dem Park telefonieren können und – Hurra – einen neuen Flug bekommen, der auch noch rechtzeitig in Kunming sein würde.

Das war es jetzt, oder? Oder…

Samstagmittag war ich beinah fertig mit dem Kofferpacken, für die Klassenreisen der Kurzen und für mich selbst. Und dann kam wieder eine SMS. Auch der neue Rückflug wurde von der Airline gecancelt. Mir hat’s gelangt, ich hab meinen Koffer wieder ausgepackt. Was ein Mist, keine 24 Stunden vorm Abflug! Aber für Nr. 3 kam aufgeben nicht infrage! Er hat sich ans Telefon gehängt und am Ende hatte ich den gleichen Hinflug wie die drei jungen Leute und einen Rückflug direkt von Dali aus. Alles viel besser als die ursprünglichen Flüge! Also hab ich meinen Koffer wieder eingepackt, auch wenn ich ziemlich durch den Wind war und fest damit gerechnet hab, dass am Ende doch noch etwas dazwischen kommen würde.

Doch am nächsten Morgen ging es dann tatsächlich und ohne weitere Zwischenfälle nach Yunnan! 

Am kommenden Freitag wird der Tianyi-Markt für immer geschlossen. Das ist ein „Smallthings-Wholesale-Market“, quasi ein chinesisches Kaufhaus, nur halt mit einem kleinen Stand am anderen. Mehrere Gebäude, viele Etagen, schätzungsweise 3000 Händler. Da gibt es „alles“, was sich wegtragen lässt: Schnickschnack und Stehrümchen, Geschenkartikel, Haushaltsgegenstände, Kleiderhaken und Regenschirme, Schmuck, Sonnenbrillen, Kostüme, Badekleidung… Endverbraucher und auch Straßenhändler haben dort zu kleinen Preisen einkaufen können. Jetzt, so kurz vor der Schließung, wird beinah alles noch billiger. Man hätte ahnen können, dass es schlimmer zugehen wird als früher im Hamburger Sommerschlußverkauf…

Ich hab daran jedenfalls nicht gedacht, als jetzt eine Freundin fragte, ob wir da nicht vor der Schließung noch hinwollen und hab sofort ja gesagt, um das auch noch mal gesehen zu haben.

Man hätte es ja ahnen können…

Schon etliche hundert Meter vor dem Markt staute sich auf der rechten Spur der Verkehr. An der Markteinfahrt standen Uniformierte und ließen (fast) keinen mehr rein. Wir hatten aber Glück und haben nicht weit davon einen Parkplatz gefunden und spazierten dann durch die knallende Sonne Richtung Markt. Je näher wir kamen, umso wuseliger wurde es. 

Der Komplex ist schon ein Hingucker: Elefanten und Giraffen auf dem Dach, da ein paar chinesische Figuren, dort der Weihnachtsmann, ein bisschen wie Disneyland. Hab ich erwähnt, dass es voll war? 

Es war dermaßen voll, dass ich gekniffen hab und aus dem Gedränge nach draußen geflüchtet bin. Drinnen hatten Mitarbeiter schon Ketten an den Rolltreppen gebildet, um die Massen zu lenken. Draußen am Eingang konnte ich später beobachten, wie Uniformierte dafür sorgten, dass der frei bleibt und niemand direkt vorm Ausgang stehen blieb. Ich kann mir vorstellen, dass das Gedrängel im Lauf der Woche noch schlimmer werden wird.

 

Ich frag mich, was aus den Händlern werden wird – und wo die Kunden künftig einkaufen werden? In den vielen schicken, teuren Malls vermutlich eher nicht… Solche Märkte soll es künftig nur noch außerhalb des 4. Rings geben, das sind dann schon ziemlich weite Wege. Also noch mehr Onlineshopping?

Zum Weiterlesen:

Artikel in TimeOut Beijing

Artikel in That’s Beijing

Achja: Auch der Ladies‘ Street Market wird Ende September geschlossen werden: Artikel im Beijinger

Warum diese Märkte geschlossen werden? Die Stadt ist total im Umbruch: kaum mehr Streetfood, keine kleinen Läden mehr in vielen Hutongs, keine Märkte mehr…  Das gehört wohl alles schon zu Jing-Jin-Ji (JJJ), dem Umbau von Peking, Tianjin und Hebei zur Mega-Metropole… (Spiegel-Artikel).

Immer wieder stolpert man in China über interessante Schilder: scheinbar überflüssig, weil vor dem Offensichtlichen warnend oder in reizendes Chinglisch übersetzt. Oft wird einem aber auch deutlich, wie sehr Natur und schöne Anlagen geschätzt werden. Hier eine kleine Auswahl von Schildern, alle beim Hängenden Kloster!

Käsekuchen ohne Boden

KOB in China

Dieses usselige Stück Kuchen ist vielleicht nicht schön, aber lecker, heiß erseht und eine Premiere: Käsekuchen ohne Boden – vielen auch bekannt als KOB ;) – hergestellt mit chinesischen Bordmitteln. Wie ich sicher schon mal beklagt habe, ist Quark hier Mangelware und im Supermarkt vor Ort nur ganz selten zu haben. Bei einer Stunde Fahrzeit und über 30°C ist mitbringen aus der Stadt (wenn dort überhaupt im April Gourmet erhältlich) auch keine Alternative. Und über den kläglich gescheiterten Versuch, selber Quark herzustellen, möchte ich nicht schreiben…

Heute habe ich dann den Tipp einer Freundin, Joghurt und Philadelphia zu mixen, ausprobiert und: tadaaa, es gibt eine Lösung für unser KOB-Problem! Sie macht allerdings KMB – also nur 750 g „Quark“masse – mit Boden, d.h. ich musste mit den Mengen tüfteln.)

Hier nun das Rezept zum Nachmachen für alle anderen in China gestrandeten KOB-Süchtigen:

200 g ungesalzene Butter
250 g weißen Zucker
5 mittelgroße Eier (mit Quark in Deutschland nimmt man 6, aber der Teig wird sonst zu flüssig)
500 g möglichst festen Joghurt (meiner kam aus der Flasche und war etwas dickflüssiger als Buttermilch)
500 g Philadelphia (den steinharten amerikanischen Import aus den 250g Alupäckchen mit Kartonumverpackung, gibt es immer bei Jenny Wang)
1-2 TL abgeriebene Zitronenschale (oder wenn man den gewachsten, gespritzten, gepimpten Zitronen hier nicht traut: 1 TL Zitronenessenz, gibt’s bei Jenny)
1 Päckchen Vanillezucker (aus Deutschland mitgebracht, sonst 1 guter EL selbstgemachten Vanillezucker: pro 100 g Zucker eine Vanillestange aufschlitzen und 14 Tage im verschlossenen Glas stehen lassen, gelegentlich schütteln).
2 Päckchen Vanillepuddingpulver (aus Deutschland mitgebracht – sonst 80 g Stärke plus 2 EL Vanillezucker)

Butter schaumig rühren, Vanillezucker, Zitrone und Zucker zufügen, danach die Eier. Joghurt und Philadelphia zugeben, dann Puddingpulver. In gefettete Springform 26 cm Ø füllen, ab in den Ofen.

In Deutschland würde so gebacken: 165° C Umluft mind. 50 min. backen, bis oben goldgelb, Kuchen im Ofen auskühlen lassen. Mit chinesischem Gasofen: 210°, leeres Backblech auf die unterste Schiene, Kuchenform auf den Rost/mittlere Schiene stellen, eineinhalb Stunden backen, nach 50 Minuten alle 10 Minuten nachsehen und neu einschätzen…

Beim nächsten Mal werde ich die Eier trennen und den Eischnee zum Schluss unterheben, außerdem den Philadelphia zuerst weich rühren und dann mit dem Joghurt mischen und dann zur Butter-Eigelb-Masse hinzufügen. Fürs Backen hab ich noch keine bessere Lösung.

Aber: es ist ein KOB und er schmeckt! :) Wir sind gerüstet für die kommenden Geburtstagsfeiern! :)

Heute war ich zum zweiten Mal in Pekings Botanischem Garten.  Rahmenbedingungen in Ordnung, 31° und mittelgute Luft (Hals kratzt jetzt trotzdem). Anreise war weniger stressig, dadurch dass wir mit der Patengruppe zusammen im Bus hinfahren konnten.

Letztes Jahr waren wir zweieinhalb Wochen früher dran – diesmal waren Tulpen, Frühblüher etc. fast alle schon hinüber, aber es war noch ein paar Tage zur früh für die Rosen. Dafür war es aber auch deutlich leerer und leiser. So war es ein bisschen weniger bunt, aber viel entspannter zum Spazieren gehen.

Nicht anders als im letzten Jahr: für die gute Pose werden Absperrungen ignoriert und man (ok, meistens frau!) setzt sich gern mitten ins Blumenbeet. Die Dinos kannte ich ja schon, dafür gab es heute Elefanten, Tiger, Schlangen, Spinnen, die im Troparium dekorativ dazugesetzt wurden (Steinzeug oder Stofftiere!).

Bilder vom letzten Jahr finden sich hier, und hier nun ein Eindruck von heute:

Heute ist die Fotogruppe zur Wangfujing Snack Street spaziert. Hier finden sich Snacks aus allen Regionen Chinas, fast alles wird appetitlich präsentiert, manches würde ich auch probieren, aber man sieht dann doch einiges, was man nicht nur nicht selber essen möchte, sondern was man auch ethisch fragwürdig findet (das Aufspießen und Frittieren lebender Krabbelviecher beispielsweise).

Aber andere Länder, andere Sitten – aus chinesischer Sicht mag die deutsche Filet-Kultur genauso unethisch sein (in Deutschland verzehrte Tiere müssten eigentlich komplett aus Filets bestehen, so werden die „Abfälle“ dann halt nach China oder anderswohin exportiert).

Wohin zuerst gucken?

Davon ab ist ein Bummel über diese Touri-Meile aber durchaus ein Erlebnis, es ist bunt, laut, riecht mal lecker, mal stinkt es. An einigen wenigen Ständen wird man verscheucht und bekommt ein Schild vor die Nase gehalten „no photos!“, aber das ist die Ausnahme. Und richtig, es ist eine Touri-Meile, nicht nur westliche, sondern auch chinesische Touristen staunen, was es so alles „Essbares“ gibt. Mit Chinesischer oder Pekinger Alltagsküche hat das bis auf einige Ausnahmen eher wenig zu tun.

Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

Culinaria China – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

Tolle Kochworkshops!

Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren. Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

Input!

Gewürze

Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

The Hutong - Küche

The Hutong-Küche

Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

Push! Turnover! Quick!

Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

Eigentlich bin ich ja nicht so für Kunstschnee, sorry, „technischen Schnee“, auch Skifahren kann ich nicht und werde es wohl auch nicht mehr lernen. Aber uneigentlich mag ich doch jede Gelegenheit nutzen, um mal aus der Stadt rauszukommen  und der Ausflug war ausdrücklich auch für Nicht-Skifahrende gedacht, und so ging es dann heute mit der Patengruppe ins Nanshan Skigebiet, gut 60 km nordöstlich von Peking nahe Miyun. 

Das war dann doch sehr nett, Wetter top, Luft so-lala, nette Gesellschaft, wir sind erst ein bisschen spazieren gegangen. Teils sind die Gebäude europäischer Bauweise nachempfunden, aber wenn dann Hühnerfüße auf einem Schlitten an einem vorbeigezogen werden, hält die Illusion maximal Minuten. Oh, und wer auch mal  dahin möchte: nur chinesische, keine westlichen Toiletten, für Frauen in voller Wintermontur durchaus eine Herausforderung… ;)

Mittags war es dann richtig angenehm in der Sonne und wir haben ein bisschen auf einer Sonnenterrasse gechillt und uns dann gegenseitig doch angestachelt: Snowtubing/Reifenrodeln. Großer Spaß, kann ich empfehlen! :) Insgesamt, war ein schöner Tag, eine schöne Auszeit vom Trubel der Stadt.

Update: Anfang 2018 war ich wieder in Nanshan und es war wieder toll!

Im Moment haben die Tage einfach zu wenige Stunden, darum geht es jetzt auch im Blog ein wenig durcheinander (ja, zu Australien kommt auch noch was nach…).

Vor ein paar Tagen war ich mit der Fotogruppe unterwegs, es ging zum Trommel- und Glockenturm. Diese dienten im kaiserlichen Peking der Zeitansage. Heute könnte man sich stündlich eine Trommelvorführung ansehen, leider haben wir diese knapp verpasst und es war so eiskalt, dass wir nicht warten mochten… Auch die Aussicht von oben mochten wir nicht allzu lange genießen, starker Wind hat es da oben noch eisiger gemacht. Dazu passten dann die Schilder mit den Erklärungen zum chinesischen Lunarkalender, aktuell haben wir ja die Große Kälte – Dahan.

Wir haben Besuch, und natürlich steht dann ein Mauer-Ausflug an. Nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Mauerabschnitt ist, sondern auch weil weniger überlaufen als Badaling, ging es heute wieder nach Mutianyu. Und es war super, kaum Verkehr (!), schönes Wetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt und gute Luft (!).

Peking von der Mauer aus

Peking von der Mauer bei Mutianyu aus gesehen!

Mit der guten Luft gab es gute Sicht, und das war dann auch wirklich eine Überraschung für mich, von der Mauer aus, die Lange Unterhose (CCTV Headquarter) und Co. sehen zu können!

Wachturm-Fenster

Mauer bei Mutianyu im Herbst

Mein Lieblingsablauf: mit der Gondelbahn hochfahren, überwiegend bergab auf der Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Und noch einmal Glück heute: auch da war wenig los, so dass es auch mal anders als im Schneckentempo runter ging…

Bei dem einen oder anderen Tempel denk ich ja inzwischen „schon wieder?“ –  aber zur Mauer könnte ich immer wieder! 

 

 

 

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht. Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legende von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

An unserem dritten Tag in Yangshuo mussten wir früh aufstehen, denn es stand wieder eine Flußfahrt an, diesmal länger (5 Stunden) von Guilin nach Yangshuo. Auf dieser Flußfahrt passiert man an einer Stelle die berühmte Ansicht von der Rückseite des 20-RMB-Scheines, die ganze Gegend gilt ja als eine der schönsten Landschaften Chinas, wenn nicht der ganzen Welt. Entsprechend habe ich mich auf diese Tour gefreut – und auch im Nachhinein kann ich das nur empfehlen, wunderschön!

Die Hotelküche war so nett, uns trotz der frühen Stunde mit Kaffee und einem schlichten Frühstück zu versorgen und dann ging es los. Sobald Yangshuo hinter uns lag, waren die Straßen leer, ein ganz neues China-Fahr-Gefühl, die knapp 1,5 Stunden bis Guilin vergingen wie im Flug. In Guilin wurden wir am „Kreuzfahrthafen“ abgesetzt, wo wir dann von einer Reiseführerin eingesammelt wurden. Dies Schiff war größer als das vom Vortag, aber verglichen mit Hamburger Hafenfähren doch recht überschaubar. ;)

Der Lijiang windet sich zwischen den typischen Karstkegeln Richtung Süden, hinter jeder Kurve sieht es ähnlich und doch wieder ganz anders aus. Der Fluß ist auch hier erstaunlich flach, der Bambusdschungel reicht teils bis ans Wasser. Es ist drückend heiß, eine Weile fahren wir noch durch den Dunst, dann klart es auf und die Sonne kommt heraus. Da verdrücken sich dann auch fast alle Chinesen wieder nach unten, bloß keine Farbe oder gar Sonnenbrand kriegen (eigentlich clever, ich war abends schön pink…)

Und dann kam das 20-RMB-Panorama in Sicht! Allerdings haben die Chinesen da gar nicht das Oberdeck gestürmt, sondern waren noch mit Essen oder Mittagsschlaf beschäftigt. Apropos Essen, ich hab bisher immer nur über das schlechte Benehmen von Chinesen am Buffet gelesen, aber leider hat das gestimmt: Teller mit Berg vollgeschaufelt, Gier ist echt untertrieben, rücksichtslos drängelnd, kein Auge auf die Älteren, und am Ende war es dann echt zuwenig, dass es zu lauten Schreiereien kam, aber glücklicherweise fand sich noch zufriedenstellender Nachschub.

Außer uns war noch einige wenige weitere Langnasen mit an Bord: ein junger Franko-Kanadier, der mit seiner chinesischen Frau und den beiden zugehörigen Müttern gereist ist, ein junges Schweizer Pärchen und ein alleinreisender junger Spanier. Der war echt witzig, hat gefilmt wie ein Irrer, öfter auch sich selbst und das ganze laufend lustig kommentiert. Am Freitag am Flughafen haben wir ihn noch einmal wiedergetroffen, das war echt nett. Hier findet sich sein erstes China-Video, die lustigen Episoden von der Flußfahrt sind gar nicht dabei, mal sehen, ob er da noch nachlegt.

Westler waren also wieder in der absoluten Unterzahl – und auch wieder Fotomotiv… Soifz. Aber allmählich hab ich mich dran gewöhnt, wir haben dann auch mit einer Gruppe von Lehrerinnen posiert, die extra noch weitere bunte Tücher ausgepackt haben (die Bilder müssen ja ordentlich in Szene gesetzt werden). Ich glaube, am Ende haben wohl alle Chinesen ein Bild von uns gemacht… War jedenfalls echt schade, dass die 5 Stunden so schnell um waren, wobei ich am Ende wie gesagt auch etwas sonnenverbrannt war… Ups. Hatte ich schon erwähnt, dass es echt heiß war die ganze Zeit?

Ich würde jederzeit wieder nach Yangshuo fahren, und auch diese Flußfahrt immer wieder machen. Trotz chinesischen Touritrubels gibt es genügend ruhige Momente und Zeit genug, um Landschaft und Aussicht zu genießen, das war wirklich absolut wundervoll. Wenn es an Land nichts zu sehen gibt, dann auf dem Fluß, andere Ausflugsschiffe, kleine Bambusflösse, einmal hat ein Mann mit einem Bambusfluß, das über und über mit Obst beladen war, an unserem Schiff angedockt und echt viel Obst verkauft, man sieht Wasserbüffel, Kleintiere, Vögel, der Schiffsdiesel tuckert leise vor sich hin, man hört das Wasser rauschen, die Vögel zwitschern, es riecht feucht und „grün“ (achja, das geht einem nach ein paar Tagen im Pekinger Stinkesmog gerade wirklich ab…).

Ich hätte noch ewig weiterfahren können, aber leider endete die Fahrt unweit des Platzes, wo wir am Montag am Wasser gesessen haben. Wir sind dann voll mit Eindrücken langsam am Fluß entlang (und nur das letzte Stück vom Fluss weg, ein Stück den Berg hoch) zum Hotel zurückspaziert.

Abends sind wir zum Essen in die Stadt, haben uns vertüddelt und sind durch die übervolle West Street (DIE Touristraße mit 10000 Tourifallen und extrem nervigen, lästigen, aufdringlichen Verkäufern) gekommen. Zwei Ecken weiter war es wieder ruhiger und viel netter. Abendessen war ok, aber im Hotel war es soviel besser, dass wir beschlossen haben, für den nächsten Abend das ganze Bio-Huhn von der Hotelkarte zu bestellen.