Miào huì – Temple Fair

Anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes finden im ganzen Land Temple Fairs statt (Tempel-Jahrmarkt geht mir irgendwie nicht so gut über die Zunge).  Im Pekinger Ditan-Park, dem Tempel der Erde mit dem Erdalter, findet die größte Veranstaltung von allen statt. Jedes Jahr gibt es weit über eine Million Besucher allein hier. Kein Wunder, denn außer dem Zusammenkommen der Familie, dem Essen, dem Feuerwerk gehört der Besuch einer Tempelmesse zum Wichtigsten am chinesischen Neujahr. Mehr zur Geschichte der Temple Fairs findet sich hier (auf Englisch).

Ich vermeide Menschenmassen meist, wo ich nur kann, aber dieses Jahr hat mich der gerade zu Besuch weilende mittlere Sprößling genötigt, mit ihm zusammen zum Ditan-Park zu fahren. Dass es voll werden wird, haben wir spätestens kurz vor dem Lamatempel gemerkt und steigen schon eine Kreuzung vorher aus unserem Didi aus.

Einmal das folgende Foto angucken, bitte:
Die obere Straße ist der Zweite Ring, da sieht man, dass in Gegenrichtung nichts los ist (wir haben von uns aus auch gerade mal eine halbe Stunde bis hierhin gebraucht, das dauert normalerweise mindestens 20 Minuten länger). Unten rechts auf der Andingmen East Street staut es sich. Einen Parkplatz werden all diese Leute auf keine Fall in der Nähe finden… Ja, eigentlich ist das wirklich ein typisches Bild für die Neujahrsferienzeit in Peking: Straßen ziemlich leer, aber vor Sehenswürdigkeiten ist es hoffnungslos überfüllt.

Andrang - Stau bei der Parkplatzsuche

Ich seh‘ rot

Es war tatsächlich sehr voll, aber wirklich unangenehm nur an den Kassenhäuschen vor dem Park, vor den beliebtesten Buden und direkt vor den Bühnen. Für jeweils 10 RMB Eintritt können wir uns ins Getümmel stürzen.

Wo man auch hinsieht, rot dominiert: die Buden, die Bäume, die Bühnen, es ist alles rot dekoriert und wirklich viele Leute tragen rote Kleidung. Sobald wir die Sicherheitskontrolle und den Eingangsbereich hinter uns gelassen haben, verteilt es sich etwas mehr. Der kleine Große meinte zu mir, das sei jetzt so, wie man sich in Deutschland aufgrund der Medienberichterstattung China immer vorstellt – dabei ist dieses krass Überfüllte auch hier die Ausnahme. Aber Alltag ist halt weniger berichtenswert als die eindrucksvolle Völkerwanderung zum chinesischen Neujahrsfest.

Essen, Schnickschnack, Fotos machen

Wir folgen den Massen. Zuerst geht es an einer Reihe eigens aufgestellter Dixis vorbei. Zum Glück ist es so kalt, dass sich der Mief in Grenzen hält. Unter roten Lampions spazieren wir auf einen ersten Platz zu, wo eine Bühne aufgebaut ist, der Auftritt ist aber leider gerade vorbei. Angesichts der beißenden Kälte bleiben wir nicht stehen und warten auf den nächsten. Wir kommen zu einem weiteren Platz.

Massen vor künstlichen Kirschblüten

Der kleine Große bricht vor Lachen fast zusammen, als er merkt, dass es künstliche Kirschblüten sind. Und ich merke, dass ich schon so lange hier bin, dass ich das eigentlich total normal finde. Natürlich machen ALLE Fotos. Irgendwo habe ich gelesen (Quelle finde ich leider gerade nicht wieder), dass die Deko des Parks extra für schöne Foto-Hintergründe designt wurde…

Der kleine Hügel hinter dem Kräutergarten, wo im Alltag der Chor singt, ist komplett abgesperrt.

Buden gibt es nicht überall, sondern nur an manchen der breiteren Hauptwege: es gibt Süßes und Salziges, Dinge, die wir auch lecker finden würden und solche, die immerhin interessant anzugucken sind… Es gibt Dekoschnickschnack, von billigem Plastikkitsch bis handwerklich Schönem.

Mein Tierkreiszeichen - der Affe

Mein Tierkreiszeichen – der Affe

Auf einem weiteren Platz sind 24 Säulen aufgebaut für die jeweils zweiwöchigen Jahreszeiten des chinesischen Bauernkalenders. Auf einer Bühne stehen zwei Männer und erzählen Witze: Xiangsheng („Komischer Dialog“).  Leider ist unser Chinesisch nicht annähernd gut genug, um die Wortspiele zu verstehen, mit Glück bekommen wir das Thema mit.

Inzwischen ist uns beiden so kalt geworden, dass wir in Richtung Ausgang schlendern. Dabei kommen wir an großen bunten Tierkreiszeichenfiguren vorbei – und natürlich an Schweinen. Schließlich feiern wir den Beginn des Jahr des Schweines! Je näher wir dem Ausgang kommen, umso voller wird es wieder.

Unser Fazit

Wir hatten jetzt keine konkrete Erwartung von einer Tempelmesse. Ich weiß nicht, ob man diese mit deutschen Jahrmärkten/Volksfesten vergleichen könnte oder sollte – da würden vor allem Fahrgeschäfte fehlten, und es gäbe noch deutlich mehr an Attraktionen, um annähernd solche Menschenmengen anziehen zu können. Wir hatten allerdings auch kein Programm, wann die Auftritte und Paraden sind, und uns war einfach zu kalt, um noch länger zu bleiben.
Aber das ist halt auch China, dass allein der schön geschmückte Park Leute anzieht – und natürlich die für uns fremde, jahrhundertealte Tradition der Tempelmessen. Mir hat es jedenefalls gefallen, und ich werde mal gucken, ob ich es am Wochenende noch eine andere Temple Fair besuchen kann.

Fotos

 

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6 Kommentare
  1. Ulrike
    Ulrike sagte:

    Schöner Bericht! Eigentlich finde ich das Frühlingsfest auch ganz interessant. Ich hab 1999 mal eine Temple Fair am Dongyue Tempel erlebt! Das war toll!
    Klasse finde ich ja deinen Satz „Aber Alltag ist halt weniger berichtenswert als die eindrucksvolle Völkerwanderung zum chinesischen Neujahrsfest.“
    Alles Gute und 恭喜发财
    Ulrike

    Antworten
    • Linni
      Linni sagte:

      Hallo Ulrike,
      Dir ebenfalls die besten Wünsche zum Neuen Jahr! :)
      Wir wollen uns morgen tatsächlich noch eine andere Temple Fair ansehen, wahrschienlich tatsächlich die am Dongyue Tempel! Ich werde berichten, wie es 20 Jahre später dort ist!
      Liebe Grüße
      Linni

      Antworten
  2. Julian
    Julian sagte:

    Hallo Lin,
    deine Bilder gefallen mir immer sehr gut! Da ich selbst ein wenig Fotografiere, finde ich deine Motive immer interessant. Man muss halt im richtigen Moment abdrücken, gerade, wenn man Menschen oder Tiere fotografiert; das muss ich noch ein wenig üben …

    LG
    Julian

    Antworten
    • Linni
      Linni sagte:

      Lieber Julian,

      Danke Dir!
      Ja, den richtigen Moment zu erwischen… Da braucht es viel Geduld, die hab ich (oder meine Begleiter…) leider oft nicht. Den gähnenden Wächter fand ich deshalb tatsächlich mal klasse. :)
      LG Lin

      Antworten
  3. Kevin Ruser
    Kevin Ruser sagte:

    Das chinesische Neujahr ist wahnsinnig anmutig. Die ganzen Lampions gefallen mir wahnsinnig gut und ich war schon immer Fan von Drachen.

    Wahnsinnig schön finde ich die Kirschblüten. Die machen immer so richtig Frühlingsstimmung.
    In der Straße, in der ich früher gewohnt hab, standen auch solche Bäume und die haben im Frühling immer die rosafarbenen Blüten bekommen und damit den Frühling eingeläutet.

    Beste Grüße
    Kevin

    Antworten
    • Linni
      Linni sagte:

      Hallo Kevin,

      im Ditan-Park waren es ja nur künstliche Blüten, aber jetzt gerade explodiert der Frühling und ich hab einige Ausflüge geplant, um das blühende Peking zu genießen – ich werde berichten und hoffentlich viele Bilder zeigen! :)

      LG Linni

      Antworten

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