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Frühling in Pekings Botanischem Garten – für mich gehört das hier dazu! Und dies Jahr hat auch Corona nicht dazwischengefunkt.

Mit der Fotogruppe war ich gestern dort. Bei der Abfahrt hat es noch geregnet, eine Stunde später bei der Ankunft war es trocken. Und im Laufe des Tages hat sich dann auch die Sonne durchgesetzt.

Vorab hieß es, Ausländer könnten nicht über die Ticket-App buchen, sondern müssten ihren Besuch vorher telefonisch ankündigen, was ich dann auch getan habe, ein bisschen Nervosität blieb trotzdem. Vor Ort war es dann aber völlig problemlos: ganz normal Tickets am Schalter kaufen.

Zu Beginn war es noch etwas trüb, aber den Blick über den See finde ich trotzdem schön.

Nicht weit vom Eingang wird schon gepicknickt.

Grau und trüb? Egal, die Damen haben extra fürs Foto die Sonnenbrillen aufgesetzt.

Über die frisch geschossenen Bilder wird sich auch sofort rege ausgetauscht.

Das korrekte Posing ist wichtig! Und Sonnenbrillen sind heute ein wetterunabhängiges Accessoire. Schirme braucht man allerdings sowieso immer!

Und hier startet eine kleine Prozession, die natürlich geknipst und gefilmt wird.

Okay, wir wollen im Botanischen Garten natürlich nicht nur Leute, sondern auch Blüten gucken. Die Vielfalt der Tulpen ist beeindruckend, sowohl in den Farben als auch den Formen.

Diese Herren gehen in Formation ins Gewächshaus. Dem sind wir aber nicht weiter auf den Grund gegangen.

Dieser reizende ältere Mann hat vorm Pfingstrosengarten performt – Tai Chi-Tanz. Er ist uns später noch an einem anderen Platz begegnet.

Der Pfingstrosengarten ist wirklich hübsch an einem Hügel angelegt. Es ist nicht nur schön anzusehen, sondern es duftet auch intensiv. Oh, und natürlich: Schwerstarbeit für die Bienen.

Bis diese Dame und der fotografierende Gatte mit der Pose zufrieden waren, sind bestimmt 20 Minuten verstrichen.

Weiter ging es hügelaufwärts.

Hier ist deutlich weniger los. Wir genießen den Waldspaziergang am Bach entlang.

Und wieder Pfingstrosen. Weiße, in allen nur denkbaren rosa- und lilatönen, gefüllte und offenere Formen, mehr oder weniger stark duftend.

Die ersten Sorten stehen in voller Blüte. An einem anderen Hain sind die Knospen noch fest geschlossen. Und an manchen Pflanzen gibt es voll erblühte und geschlossene Knospen gleichzeitig.

Die bunte Bimmelbahn fährt lärmend – abwechselnd Musik und Durchsagen – durch den unteren Teil des Parks. Es fahren auch elektrische Shuttle Busse vom Südosteingang zum Wofo-Tempel hinauf, die sind zwar nicht so bunt, aber sie machen auch Lärm.

In der Sonne leuchten die Tulpen noch schöner als vormittags.

Geht das nur mir so, weil ich aus dem Flachland komme? Bergblick entzückt mich immer.

Trotz Tulpen und Windmühle: wir sind immer noch in China, nicht in Holland!

Die Tulpenvielfalt habe ich ja schon angesprochen… “Falsche” Tulpen in einem Feld gefallen mir aber auch.

So langsam müssen wir uns auf den Rückweg machen und gehen durch den Rosengarten (die Rosen sind noch nicht soweit) zum Ausgang zurück. Auch hier mag ich wieder den Blick in Richtung Berge.

Das war wirklich wieder ein schöner Tagesausflug.

Anders als bei meinem ersten Besuch 2016 sind rund um die Tulpenbeete nun hässliche Metallgitter aufgestellt, vereinzelt schlüpfen Kinder durch und ganz Entschlossene steigen auch da rüber. So sind aber tatsächlich deutlich weniger Leute mitten in den Blumenfeldern.

Die Fahrt ist immer noch weit, es gibt inzwischen allerdings mehr ausgeschilderte Parkplätze, falls man kein Taxi oder die Metro nimmt. Diese hält jetzt direkt am Südosteingang.

Der Dino-Park ist blickdicht eingezäunt, entweder wird er abgerissen, renoviert oder umgestaltet, mal sehen.

Es gibt weniger fliegende Händler, doch nach wie vor gibt es ein paar Buden.  Aber es ist immer noch laut: die Parkbahn und die Shuttles, Lautsprecherdurchsagen. Und es ist immer noch beliebt, selbst laut Musik zu hören, Kopfhörer sind überflüssig.

Was es – vermutlich Corona-bedingt – nicht gibt: Kinder- und Schülergruppen.

Es hat mir wieder so gut gefallen, ich habe immer noch nicht alle Ecken des Parks entdeckt. Ich glaube, ich sollte vielleicht zur Rosenblüte wieder hinfahren.

Der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die morgen nach Europa zurückkehren wird, führte uns an den westlichen Stadtrand zum Eunuchen-Museum. Auf die Idee hat uns Ulrikes Beschreibung in ihrem Bambooblog gebracht. Es gibt zwar Schilder, auch die Adresse stimmte perfekt, aber wir waren zunächst doch verunsichert, ob wir richtig sind, denn wir befanden uns in einem engen Hutong am Rand einer Baustelle.

Oh! Die Baustelle war das Eunuchen-Museum bzw. das Grab von Tian Yi, einem bekanntem Eunuchen, der drei Kaisern der Ming-Dynastie gedient hat. Als er starb, wurde er würdevoll beerdigt, viel später kam dann das Eunuchen-Museum dazu.  Aber – immer noch alles Baustelle (davon hatte Ulrike schon 2015 geschrieben), und es kam auch sofort ein Mann auf uns zu, der uns wegscheuchen wollte. Ich habe ihn dann gefragt, ob wir vielleicht vorsichtig einen Blick hineinwerfen dürfen, und dass es so schade sei, weil es doch die letzte Gelegenheit für meine Freundin ist. Und dann lächelte er und wir bekamen eine kleine Führung! Ich hab bei weitem nicht alles verstanden, was er erklärt hat, aber er hat immer wieder auf die detaillreichen Steinmetzarbeiten hingewiesen!

Wer sich für das Eunuchenmuseum interessiert, muss sich noch gedulden: Míngnián 明年 – Nächstes Jahr! Da soll es wiedereröffnet werden.
Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintrittspreis war früher 8 RMB, könnte nach der Neueröffnung vielleicht etwas mehr sein.

 

Fahai-Tempel

Nun hatten wir doch noch Zeit, also konnten wir einer weiteren von Ulrikes Empfehlungen folgen und spazierten weiter zum Fahai-Tempel, nur eine Viertelstunde vom Eunuchen-Museum aus durch den Hutong und den Berg hinauf. Als wir uns an einer Ecke suchend umschauten, rief uns ein junger Mann zu: “Fahai si?” und deutete auf den Weg bergauf. Kurz darauf fanden wir auch Wegweiser, und kurz darauf den Tempel, den man eigentlich nicht verfehlen kann.

Am Ticketschalter bedeutete uns der Verkäufer, dass wir uns beeilen sollten, denn in drei Minuten würde die Führung beginnen!  Der Eintrittspreis von 100 RMB ist für chinesische Verhältnisse recht hoch, soll aber dazu beitragen, dass nicht zu viele Menschen die Halle mit den wertvollen Wandmalereien stürmen. Also kletterten wir zügig die Treppen hinauf und standen vor einer großen Halle, wo außer uns nur zwei Chinesen auf die Führung warteten. Wir hatten Glück, denn die Führerin konnte das Wichtigste auf Englisch erklären, überwiegend war die einstündige Führung aber auf Chinesisch.

Absolutes Fotografierverbot! Handys weg! (Oha, und das in China… ;) ) Im Vorraum aufgereiht lagen 20 Taschenlampen nebeneinander aufgereiht auf dem Fußboden. Jeder bekam eine, dann ging es durch einen Vorhang und wir standen im Stockfinsteren. So eine Tempelhalle nur mit einer Taschenlampe zu erkunden, ist ja auch mal spannend! Die Führerin hatte gerade mit ihrer Einleitung begonnen, als sie angefunkt wurde: da kommt noch eine kleine Gruppe dazu. Das gab uns die Gelegenheit, die eigentümliche Atmosphäre des dunklen Tempels zu genießen.

Besichtigung im Dunkeln

Warum dunkel, warum nur diese funzeligen Taschenlampen? Ein Großteil der Tempelanlage wurde während der Kulturrevolution zerstört, aber diese Halle ist erhalten geblieben und mit ihr die Wandmalereien. 500 Jahre alt! Um diese zu schützen, wird das Sonnenlicht ausgesperrt und gibt es keine festinstallierte Beleuchtung. Irgendwann sollten wir alle unsere Taschenlampen ausknipsen und die Führerin hockte sich hin und beleuchtete die Wandmalereien von unten. Da konnte man dann gut sehen, dass eine Art Relieftechnik angewendet wurde. Wenn man so frontal drauf schaute, hatte man das gar nicht wahrgenommen. Die Bilder – siehe unten – habe ich natürlich nicht in der dunklen Halle aufgenommen, sondern in einer anderen Halle, wo Kopien in Originalgröße ausgestellt wurden. Bemerkenswert sind auch die Deckenmalereien, die Mandalas zeigen.

Die Tempelanlage selbst ist ruhig und friedlich, schmiegt sich an einen Berghang.  Von weiter oben hat man einen tollen Blick und sieht die unzähligen Baustellen im Westen der Stadt. Überall verteilt stehen Feuerlöscher, Sand und Schaufeln, ungewöhnlich viele sind es – ein Teil des Tempels ist Ende des 20. Jahrhunderts durch ein Feuer zerstört worden, damit erklärt sich das. Auch zwei uralte Pinien – angeblich über 1000 Jahre – mit weißer Rinde sind bemerkenswert. Alles in allem eine wirklich schöne Anlage, der weite Weg dorthin hat sich gelohnt!

 

Eigentlich war Sydney die letzte Station auf unserer Reise, aber da heute alle Welt außer über die Abschiedsrede von Barack Obama über die Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg spricht, ist das doch mal ein guter Anlass, um nach Sydney zur dortigen Oper zu gucken. :)

 

Das Opernhaus in Sydney, gebaut von 1959 – 1973 (Bauzeit also etwa ein Jahr länger als die der Elbphilharmonie), ist wirklich ein toller Blickfang. Wenn man die Treppen hinaufgeht, hat man außerdem einen großartigen Blick über Sydney am Wasser, auf Wohnviertel an den gegenüberliegenden Ufern, auf die Harbour Bridge, auf Anlagen der Marine… Wie in Hamburg hat man auch in Sydney mehr Geld verbraten als ursprünglich geplant: etwa das zehn- bis fünfzehnfache der ursprünglich angesetzten Summe. Zur Finanzierung wurde später eigens eine Lotterie ins Leben gerufen. Im Vergleich zur Elbphilharmonie ist das aber mit ca. 100 Millionen AUD (das sind heute wohl gut 123 Millionen AUD) fast ein Schnäppchen.

Bei aller Liebe zu meiner Heimatstadt Hamburg: was das Wetter angeht, hat Sydney klar die Nase vorn, was das Opernhaus angeht, wird man sehen… Die Lage am Wasser ist vergleichbar, wobei Pazifik oder Elbe sicher auch Geschmackssache ist… Sydney war zuerst da, der Bau ist in der Tat originell. Zur Elphi fällt einem auch quadratisch-praktisch-gut ein, nur das Wellendach mildert den Kasten-Eindruck ab. Allerdings sehen wir hier in Peking jede Menge bemerkenswerte Gebäude mit schrägen/runden/asymmetrischen Dächern… Der Elphi heute trotzdem einen guten Start! :)

Leider ist ein halber Tag für Sydney viel zu kurz (wir sind gut 1,5 Stunden von der Central Coast aus hin- und wieder zurückgefahren). Bei einer Hop on/Hop off-Bustour haben wir immerhin einen ersten Eindruck bekommen, nachdem wir vorher und nachher schon am Circular Quay und durch den Hyde Park spazieren gegangen sind.

Bei ca. 28° C und fröhlicher Sommer-Stimmung haben wir auch einen entsprechend bunten fröhlichen Eindruck von Sydney mitgenommen. Da könnte man auf jeden Fall auch mal mit etwas mehr Zeit hin…

 

Wir haben Besuch, und natürlich steht dann ein Mauer-Ausflug an. Nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Mauerabschnitt ist, sondern auch weil weniger überlaufen als Badaling, ging es heute wieder nach Mutianyu. Und es war super, kaum Verkehr (!), schönes Wetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt und gute Luft (!).

Mit der guten Luft gab es gute Sicht, und das war dann auch wirklich eine Überraschung für mich, von der Mauer aus, die Lange Unterhose (CCTV Headquarter) und Co. sehen zu können!

Mein Lieblingsablauf: mit der Gondelbahn hochfahren, überwiegend bergab auf der Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Und noch einmal Glück heute: auch da war wenig los, so dass es auch mal anders als im Schneckentempo runter ging…

Bei dem einen oder anderen Tempel denk ich ja inzwischen “schon wieder?” –  aber zur Mauer könnte ich immer wieder!

 

 

 

 

 

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg bei Yangshuo. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Entspannte Radtour

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht.

Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Der Mondberg bei Yangshuo

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Drei Damen und Chang’e

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legenden von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Schöner Abschluss im Hotel

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

 

 

In den ereignisreichen letzten Wochen habe ich noch gar keine Zeit gefunden, von der Beijing International Garden Expo 2019 – der Weltgartenausstellung – zu erzählen. Unter dem Motto “Live Green, Live Better” gibt es noch bis zum 7. Oktober 2019 Beiträge von 120 Ländern und 120 NGOs zu besichtigen.

Der Ausflug wurde von der Patengruppe organisiert. Wie immer alles gut geplant und für mich angenehm: ich muss mich nicht um Route und Transport kümmern – entspannter geht es nicht. So gerne ich sonst auch alleine unterwegs bin, manchmal weiß ich solche Annehmlichkeiten doch zu schätzen.

Lange Anfahrt

Bei herrlichem Wetter und guter Luft starteten wir morgens um 9 Uhr an der Schule und waren etwa zwei Stunden später in Yanqing bei der Expo. Ein gutes Stück des Weges sieht man von der Autobahn aus immer wieder die Mauer, dort ist der Badaling-Abschnitt – wo ich tatsächlich bisher noch nicht gewesen bin, weil so viele immer davon abraten (zu touristisch!). Das sah an dem Tag aber gar nicht so aus – noch in diesen Sommerferien möchte ich dahin.

Am Expogelände war ich schon am Busparkplatz überwältigt von der der Größe und der Weitläufigkeit – und den Bus-, Auto- und Menschenmassen, die sich aber gut verteilt haben. Zeit und Treffpunkt für die Rückfahrt wurden ausgemacht, und dann zerstreute sich die Gruppe. Schwierige Entscheidung: Wohin zuerst?

Mast mit vielen Schildern auf dem Gelände der Pekinger Gartenbauaustellung

Wohin zuerst?

 

Die vielen verschiedenen Gärten Chinas

Ich habe mir zuerst Chinesische Gärten angesehen. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel, so dass dort relativ wenig los war. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil, auch wenn sich manches ähnelt und es wiederkehrende Elemente gibt (Mondtore oder große Steine zum Beispiel). Der Garten aus einer Wüstenregion sieht natürlich anders aus als der der tropischen Insel Hainan.

Blauer Seestern - Deko im Hainan-Garten auf der Pekinger GardenExpo

Deko im Hainan-Garten

Die internationalen Pavillons

Etwas später traf ich am Deutschen Pavillon eine chinesische Bekannte, mit der ich dann den Rest der Zeit zusammen unterwegs war. Den Deutschen Pavillon fand ich enttäuschend, weil er auf mich irgendwie am Thema vorbei wirkte. Direkt am Eingang erst mit einem überlebensgroßen Bild von Julia Klöckner, dann mit Kohlebergbau konfrontiert, anschließend ein paar Fotos von der Renaturierung des Todesstreifens an der Zonengrenze. In der Mitte eine angebliche Stadtoase – ein ziemlich scheußlicher (Stein-)Garten mit viel Kies. Und das, wo es in Deutschland wirklich wunderschöne Gärten gibt. Ganz witzig allerdings: eine Schrebergartenlaube. Auf der Webseite des Deutschen Pavillons liest sich das alles durchdacht und nett, vor Ort fand ich es eher enttäuschend, das wird aber dem ersten Eindruck geschuldet sein.

Schild des Deutschen Pavilons auf der Pekinger Garden Expo

Schild des Deutschen Pavillons

Statt im überfüllten Deutschen Restaurant haben wir dann lieber leckere Shaanxi-Nudeln gegessen, bevor wir uns dann weiter von Pavillon zu Pavillon treiben ließen. Besonders angezogen – und dann auch gefallen – hat uns der Pavillon Qatars.

Qatars Pavillon auf der Garden Expo in Peking

Qatars Pavillon

 

Das Gebäude von einem künstlichen Baum gestützt und getragen, insgesamt eine stimmige Mischung aus Hightech und Tradition (im Inneren waren Marktstände nachgebildet) und auf dem Dach schließlich noch ein großartiger Rundumblick. Doha/Qatar ist übrigens Gastgeber der nächsten Garden Expo 2021.

Mut zur Lücke

Den chinesischen und den internationalen Pavillon habe ich weggelassen – bei beidem war mir die Schlange zu lang, damit wäre die Hälfte des Aufenthalts mit Wartezeit vertan gewesen. Das Gebäude mit den riesigen Sonnenschirm-Blumen war aber auch so ein Hingucker.

Riesige weiße Dekoblumen beim Internationalen Pavillon auf der Pekinger Garden Expo

Schattenspender

 

Im Gedächtnis geblieben ist mir auch der Japanische Pavillon. Draußen Kois und ein Katzenwels Fisch mit Katzenkopf, drinnen alles sehr zurückgenommen. Auch wenn man wie ich sonst gerne üppige Blühendes und Grünendes mag, dieses reduzierte hat doch eine ganz eigene Ästhetik.

Dann war auch schon die Zeit für den Rückweg gekommen. Zum Glück gab es am Treffpunkt Restaurants, so dass wir uns Eiskaffee gönnen konnten – das war bei der Hitze tatsächlich ein unerwarteter Genuss.

Fotos

Weitere Informationen

Weitere Informationen fanden sich auf der offiziellen Webseite der Weltgartenausstellung, die inzwischen eingestellt wurde, so wie auch die Gartenausstellung inzwischen beendet ist.

Viele Fakten liefert dieser informative Artikel von China Heute.

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Am Montag habe ich meinen Besuch zum Südbahnhof gebracht und dort in den Zug nach Shanghai gesetzt. Wo ich schon in der Ecke war, wollte ich mir dort auch etwas ansehen, damit sich die weite Fahrt auch richtig lohnt. So habe ich mich dann für die Marco-Polo-Brücke (Wanping, Fengtai-Distrikt) entschieden. 

Auf dem Weg zum Bahnhof war noch dicke Luft: Sandsturm, so unangenehm, dass selbst im Taxi die Augen brannten und man ständig vom Staub husten musste. Aber die Vorhersage war positiv, also bin ich dann wie geplant weiter zur “Lugou Qiao”, wie die Marco-Polo-Brücke hier in China heißt. Den Beinamen bekam die Brücke, weil Marco Polo sie in einem seiner Reiseberichte voller Begeisterung erwähnt hat. Die Luft wurde tatsächlich besser und am Fluss Yongding He angekommen ließ es sich trotz der Hitze gut aushalten.

Die steinerne Bogenbrücke wurde 1192 fertiggestellt. Besonders bemerkenswert sind die unzähligen Löwen, die oben auf den Brückenbögen sitzen – und alle unterscheiden sich voneinander.

Die Brücke ist aber nicht nur so für sich interessant, sondern auch historischer Schauplatz: Am 7. Juli 1937 trug sich hier der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke zu, der als Auslöser des zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs gilt.

Ich fand die Brücke wirklich nett anzusehen, dank inzwischen wieder guter Luft mit Blick auf die Berge – und auf die neuen Brücken: Autobrücken über den Fluss und die Eisenbahntrasse auf hohen Stelzen, auf der alle paar Minuten ein Schnellzug fuhr. Das war wieder typisch Peking, Altes und Neues so dicht beieinander.  Viel Wasser führt der Fluss nicht mehr. Der “Cruise Terminal” ist abgeschlossen, auch die Geschäfte waren zu, wirken aber nicht so, als ob sie komplett aufgegeben wären.

Wanping-Festung

Von der Brücke aus sieht man das Westtor der Wanping-Festung. Das war mein nächstes Ziel. Vom Westtor aus führt eine breite Allee zum Osttor, links und rechts kleine Gassen mit bewohnten Courtyards.  Für den Durchgangsverkehr ist die Festung gesperrt – wirkt auf mich wie ein ummauertes Pekinger Hutonviertel, nur die Allee in der Mitte ist halt ungewöhnlich breit. So ist es hier recht ruhig. Vor einem kleinen Geschäft spielt eine Gruppe von Männern chinesisches Schach.

Auf der linken Seite findet sich das Museum des Widerstandskrieges des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression – ein riesiger Klotz, den ich hier so nicht erwartet hätte. Gegenüber ist ein großer Platz.  Es ist Montag, erwartungsgemäß hat das Museum geschlossen. Schade, denn jetzt, wo ich davorstehe, interessiert es mich doch. Dann geht es weiter über die Allee zum Osttor. Auf die Mauer kommt man nicht. Ich gehe durchs Tor und bin wieder mitten im modernen Peking: mehrspurige Straßen, hohe Häuser. 

Ich werde sicher noch einmal dahin fahren – aber nicht an einem Montag. :)

Vor ein paar Monaten wollte ich mit einer Freundin Prince Gong’s Mansion besuchen. Bedauerlicherweise waren wir an einem Montag unterwegs. Montag? Ja genau, montags sind hier alle Museen geschlossen. Hatten wir leider vergessen und sind stattdessen um den nur wenige hundert Meter weiter gelegenen Beihai-See herumspaziert. (Beihai-See ist genau genommen doppelt gemoppelt, weil Beihai Nord-See heißt.)

Gestern war der Tag viel zu schön, um nichts zu unternehmen: Traumwetter, schön warm, aber noch nicht zu heiß, atembare Luft und deutlich weniger flying cotton fluff. Also extremer Pollenflug, als ob es in dicken Flocken schneit, an Kantsteinen, in Winkeln, Häuserecken sammelt sich das dann auch als dicke “Schneedecke”. Vom Management kam auch schon die alljährliche Mail: “never ever under no circumstances burn the flying cotton fluff”! Ich frag mich immer noch, wie man auf die Idee kommen könnte, denn wer das macht, wäre definitiv ein heißer Kandidat für den Darwin-Award.

Déjà vu

Allerdings tobt derzeit in unserer Nachbarschaft ein Verkehrschaos ohne gleichen: zur Zeit findet die AutoShow statt, die weltweit größte Automesse. Egal, ich wollte den schönen Tag unbedingt nutzen! Ich vergewissere mich auf der Webseite, dass heute auch geöffnet ist und drucke mir die Hinweise für die dreistündigen Runde aus. Als ich nach langer Fahrt und kurzem Spaziergang endlich vor den schnieken, gut gesicherten Hallen stehe: geschlossen! Ich habe ein déjà vu, aber heute ist doch definitiv nicht Montag? Vielleicht nur dieser Eingang? Ich biege um die Ecke, nein, auch alles zu. Irritiert stehe ich davor und versuche, die Schilder zu entziffern – irgendwas von März-Mai, arbeiten. Zwischendrin wimmele ich bestimmt fünf Rikschafahrer ab, dann spreche ich einen der Wächter an. Ja, im Mai ist es wieder auf. Schade, aber so wird das nichts mit Prinz Gong und mir. Schade auch, dass auf der Website kein Hinweis auf die Schließung zu finden war.

Alster? Elbe? Beihai!

Allerlei Enten auf dem Beihai

Ich muss aber nicht lange überlegen, was ich nun anstelle. Inzwischen ist es spät am Vormittag, die Sonne brennt, an einem Kiosk schieße ich mir eine Flasche Wasser und bewege mich Richtung Beihai-Park. Dort löse ich nur das Park-Eintritts-Ticket (10 RMB in der Sommersaison, von November bis März 5 RMB), jetzt will ich nichts mehr besichtigen. Schnurstracks gehe ich auf den Bootsanleger zu, der dem Eingang am nächsten ist, aber dort gibt es nur noch Duckboats. Nein danke, ein bisschen Würde muss ich mir doch bewahren!

Ich spaziere entgegen dem Uhrzeigersinn um den See herum. Tretboot? Nein. Lotusboot? Nee. Der Park ist gut besucht, Schüler- und Touristengruppen: bitte alle mal dorthinüber schauen! Der Anleger hinter dem Souvernirshop hat endlich noch freie kleine Elektroboote (100 RMB/Stunde) und ratzfatz fahre ich auf den See hinaus. Ruhe. Frieden. *Huuuuup*Trööt*Meepmeep*

Oh, die “Inselfähre” meckert ein Duckboat an: aus dem Weg! Ich mache einen Bogen darum und lasse mich dann erstmal ein Stück treiben. Hier ist es jetzt wirklich still bis auf das leise Plätschern des Wassers. Herrlich, wie hab ich das vermisst! Ich mag Peking wirklich gern, aber mir fehlt Wasser!

Ich tuckere wieder weiter, werfe einen Blick auf das NCPA, dessen Kuppel die Sonne reflektiert und aus dieser Perspektive auch eine schnöde Sporthalle sein könnte. Ist es aber nicht! Dann geht es nicht weiter, unter den Brücken darf man nicht durchfahren, also umkehren. Jetzt habe ich einen schönen Blick auf den Zhongguo Zun – demnächst fertig, das neue höchste Gebäude Pekings. Dichter dran ist natürlich die Weiße Pagode. Typisch Peking, typisch China – altes und neues auf einen Blick.

Richtig stimmungsvoll wird es, als ich an einem Boot vorbeikomme, auf dem die Damen chinesische Lieder singen – zu schön!

Touri?

Meine Stunde ist fast um, also tuckere ich zurück zum Anleger, hole meine Kaution ab und mache mich auf die Suche nach einem Taxi. Da sich in der Straße am Ausgang alles staut, gehe ich zu Fuß am Jingshan-Park vorbei. Kurz reizt es mich, auf den Kohlehügel zu klettern, aber der Blick auf die Uhr sagt: Rückfahrt! Ein Taxi hält ungefragt und trotz Halteverbot (das gilt rund um die Verbotene Stadt), ist sogar bereit mich nach Shunyi zu fahren – für den Schnäppchenpreis von 300 RMB! Seh’ ich aus wie ein Touri, der drauf reinfällt? Vermutlich ja. :) Ich sage ihm, dass ich seit drei Jahren in Peking bin, er lächelt entschuldigend und fährt weg.

Ein paar Meter weiter werde ich fast von einem in falscher Richtung fahrendem Tuktuk umgefahren: “Lady, where are you going?” Shunyi, bisschen zu weit für ein Tuktuk. Er meint, er hätte einen starken Motor… Nichts wie weg, denke ich mir. Eine Ecke weiter biege ich in eine Straße ohne Halteverbote ein, rufe ein Didi, das sofort kommt und bin trotz Autoshow-Chaos relativ zügig wieder zuhause – und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Sollte man sich wirklich öfter gönnen, so eine Auszeit auf dem Wasser!

Fotos

 

Anfahrt mit Hindernissen

Heute hat die Fotogruppe einen Ausflug in Pekings Botanischen Garten gemacht. Dazu mussten wir in Peking-Pinneberg Hausenden die Stadt zunächst fast halb umrunden. Der Verkehr schien heute eh schon dichter als sonst und je näher wir dem Ziel kamen, umso langsamer ging es voran, an der Autobahnabfahrt ging dann gar nichts mehr und wir sind dann erst eine Abfahrt weiter abgefahren und auf Schleichwegen zum Ziel (danke, liebes Navi!). Ok, ist halt Peking, viel Verkehr und Stockungen gibt es ja immer, ich habe den Stillstand an der Abfahrt (es geht dort nicht nur zum Botanischen Garten, sondern auch zum Duftberg) gar nicht in Verbindung mit den Ausflugszielen gebracht. Beide Ziele “teilen” sich allerdings einige Parkplätze…

Man hätte es wissen können

Botanischer Garten

Botanischer Garten

Die Straße vom Parkplatz zum Eingang war belebt, aber nicht ungewöhnlich voll. Auch die Schlangen am Kassenhäuschen waren übersichtlich, die Souvenir- und Schnickschnackstände ebenfalls ortsüblich. Als wir dann aber durchs Tor in den Botanischen Garten traten, ist mir direkt die Kinnlade runtergeklappt. Ich habe mit einer Handvoll durch den Park schlurfender Studenten gerechnet, aber nicht mit dieser Masse an Ausflüglern. Hallo! Aufwachen! Wir sind jetzt in Peking, in China! Keine Frage, der Park ist sehr schön angelegt, man wird gerade im Eingangsbereich von dem BUNT, der Farbigkeit fast erschlagen, ringsrum die Westberge zum Greifen nah – wirklich schön. Tja, und wie ist es immer in Peking? Richtig: laut! Klar, dass die vielen Menschen miteinander reden, aber viele haben auch ein Kofferradio (!) dabei und hören Opern oder chinesische Schlager, dazu fahren Busse und bunte Züge durch den Park, ebenfalls mit Musik, Ansagen, Gebimmel – die Geräuschkulisse ist unglaublich. Und natürlich liegt der Duft der Blumen und Blüten in der Luft, dazu die warme Sonne auf der Haut: hier gibt es also etwas für alle Sinne, fast schon im Übermaß.

Ich habe ein Foto für Dich. Nein, nicht eins – hunderte.

Yi - er - san - smile!

Yi – er – san – smile!

Offensichtlich mögen Chinesen Blumen und Blüten. Und Fotos, nicht nur von Blumen, Blüten, Pflanzen, Umgebung, Landschaft, sondern auch von sich selbst. Seien es nun Selfies oder Gruppenfotos oder man fotografiert sich abwechselnd gegenseitig. Wenn Du kein Foto hast, ist es nicht wirklich passiert. Wen interessieren Absperrungen, wenn man sich doch richtig in Szene setzen muss? Da wird geposed, was das Zeug hält, da sitzt die Pose bis in die Fingerspitzen. Und das geht durch alle Altersgruppen, es gibt hier keine “Generation Selfie”, hier sind vom Kind bis zum Greis alle mit dabei.

Du merkst, dass Du in China bist, wenn…

Kommt der jetzt auf uns zu???

Kommt der jetzt auf uns zu???

…immer noch einer oben drauf gesetzt wird. Ok, es gibt Souvenirbuden, es gibt Futterbuden, es gibt Wurfbuden, es gibt Kindertrampoline – und es gibt Dinos. Äh, was? Wir wurden gerade von einer Schülerinnengruppe auf Englisch angesprochen und haben uns in einem netten Sprachmixmax mit den Mädchen unterhalten, als ich meinen Blick schweifen lasse und zwischen den Bäumen eine Bewegung wahrnehme. Huch? Ein Brontosaurus?? Nicht so schlimm, der ist Vegetarier, aber was macht der hier? Das Vieh hat tatsächlich Hals und Maul bewegt und sah auf die Entfernung schon recht lebendig aus. Um es kurz zu machen: für 50 zusätzliche Kuai hätte man in einen kleinen Dinopark mit 3D-Kino gehen können. Für die zahlreichen Schulklassen sicher eines der Highlights, für so manches kleinere Kind waren die bewegten T-Rexe sicher ganz schön gruselig, aber hey, stell Dich nicht so, wir müssen erst ein Foto von Dir und dem Dino machen…

Ich habe heute keine Rose, äh, Kirschblüte für Dich

Der Park ist in mehrere Abschnitte unterteilt, da gibt es z.B. einen Magnoliengarten, einen Bonsaigarten, Pflaumengarten, Rosengarten, …, es gibt ein Tropenhaus, ein Teehaus, Tempel,…

Keine Kirschen, kein Cherry Valley

Keine Kirschen, kein Cherry Valley

Die Zeit reichte bei weitem nicht, alles zu sehen. Was wir sehen wollten: Kirschblüten! Sollte diese Woche noch gehen, nächste Woche ginge die Kirschblüte zu Ende – hieß es… Das “Cherry Valley” lag natürlich am entlegensten Ende des Parks, immerhin: bis hierhin haben die Massen es nicht geschafft, es war deutlich leerer in diesem Bereich, der auch schon deutlich hügeliger wurde. Hinter jeder Kurve rechneten wir mit rosa Kirschblütenpracht, aber nix da. Der asphaltierte Weg endete, es ging auf einem schmaleren Holzbohlenweg weiter. Sehr idyllisch alles, aber halt keine Kirschen. Dann sahen wir Treppen und eine Brücke vor uns: oh cool, von da aus kann man bestimmt ins Kirschblütental (!) sehen, kraxelten eilig die Treppen hoch und: nette Aussicht, nur komplett kirschfrei. Ob dann vielleicht hinter der nächsten Treppe und Kurve…?

Aber leider war es schon so spät, wir würden etwa eine Stunde zurück zum Auto brauchen und dann noch mal eine gute Stunde nach Peking-Pinneberg und keine von uns wollte es wegen der vermaledeiten Kirschblüten übers Herz bringen, die Kinder vor verschlossenen Türen stehen zu lassen. Wegen des Staurisikos haben wir allerdings alle drauflostelefoniert und “Notfallpläne” für die Kinder auf den Weg gebracht, war dann aber kein Problem, ich war zwei Minuten vor Ankunft des Schulbusses am Tor.

Vielen Dank an Miriam fürs Organisieren! Und Danke an Barbara und Tanja fürs Fahren, ich bleib bei Taxi, Metro und Fahrrad, ich hab die Nerven dafür nicht…

Fotos

Wer noch mehr Bilder sehen mag – bitte schön:

Infos

Und wer mal hinmöchte:
Botanischer Garten Peking – 北京植物园 – Běijīng zhíwùyuán
Eintritt: 10 RMB, ermässigt 5 RMB; weitere Eintritte für Tropenhaus, Dinodings, Wofo Tempel…
Mehr Infos auf der Website (englisch):  http://www.beijingbg.com/English/index.asp

 

Pekings Stadtmauer steht in den Reiseführern oft ziemlich weit hinten, anders als es bei den Stadtmauern von z.B. Xi’an oder Datong der Fall ist. Bei “Mauer” denkt man in Peking natürlich auch an die Große Mauer und nicht an die wenigen Überreste der Stadtmauer. So hat es denn auch bis zu diesem Osterwochenende gedauert, bis ich mir das mal näher angeschaut habe. Dafür war ich dann aber auch gleich zweimal dort. Daran vorbeigefahren bin ich schon oft, der Wachturm an der Ecke, auch Fox Tower genannt, liegt unübersehbar direkt am 2. Ring. Abends ist die Ecke hübsch beleuchtet.

Der Stadtmauerpark – Ming City Wall Relics Park

Der Park ist verglichen mit anderen Pekinger Parks recht klein, dazu verkehrsgünstig gelegen: eigentlich nur ein 1,5 Kilometer langer, sehr breiter Grünstreifen zwischen der vielspurigen Chongwenmen East Street und den Resten der Stadtmauer. Auf der anderen Seite der Mauer schließt sich direkt das Bahngelände an, der Hauptbahnhof ist nicht weit.

Blick vom Foxtower auf den schmalen Stadtmauerpark

Kaum mehr als ein sehr breiter Grünstreifen: der Stadtmauerpark

Aber vom Verkehr hört man überraschend wenig, dazu ist der Park ist hübsch angelegt. Besonders zur Frühlingsblüte ist er ein regelrechter Hotspot, weil hier Magnolien, Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen und Forsythien und einiges mehr gleichzeitig blühen. An vielen Bäumen sind Schilder mit QR-Codes angebracht, wenn man es genauer wissen will (man sollte aber Chinesisch lesen können).

Kleinkind be-greift Magnolienblüten

Früh übt sich!

Am Ostersonnabend mache ich mich nachmittags auf in den Park. An diesem Wochenende ist auch das Qingming-Fest, entsprechend voll ist es. Zunächst zieht es mich in Richtung Turm und ich bin tatsächlich überrascht: man könnte dort hinauf – allerdings bin ich ein paar Minuten zu spät dran, Einlass ist nur bis 16:30 Uhr. Kein Problem, dann hole ich das nach. Angesichts des Traumwetters und der objektiv guten Luft war mir sowieso mehr nach Spaziergang. 

Musiker vor der Mauer im Stadtmauer-Park in Peking

Musik im Park

Die Luft ist süß vom Blütenduft. Überall wird fotografiert. Dazu das typische Parkleben: Sport, Musik, Spiele – ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Immer wieder zieht es den Blick zur Stadtmauer und darüber hinaus, auch hier lassen sich wieder das kaiserliche und das moderne Peking auf ein Bild bannen.

Fox Tower (Wachturm an der Stadtmauer) und der Zhongguo Zun vor blauem Himmel

Kaiserliches und modernes Peking auf einen Blick

 

Für Eisenbahn-Fans

Trainspotting…

Die Plattform oben am Wachturm sowie die Fußgängerbrücke südöstlich des Turm sind gute Standorte fürs Trainspotting. Von der Plattform aus kann man die Züge bei der Ein- und Ausfahrt in den Hauptbahnhof sehen, von der Brücke aus sind weniger Kabel und Masten im Weg und im Hintergrund hat man den CBD als Kulisse.

 

… und Bahn-Historie

Mitten im Park finden sich Überbleibsel der Peking-Mukden-Railway: ein altes Signalhäuschen sowie ein paar alte Gleise. Mukden ist das heutige Shenyang.

 

Goldene Stunde

Am Westende des Parks hat man von einem kleinen Hügel aus eine tolle Aussicht in Richtung Zhengyangmen – und weil Wetter und Luft mitspielen noch weiter bis zu den Westbergen.

Aussicht in Richtung Zhengyangmen und Westberge

Aussicht in Richtung Zhengyangmen und Westberge

Ich drehe um und gehe den gleichen Weg zurück zu meinem Scooter. Nachdem wir dieses Jahr schon so viel schlechte Luft und Sandstürme gehabt haben, tun mir die “goldenen Aussichten” auf der Rückfahrt wirklich gut.

 

Stadtmauer und Eckturm

Zwei Tage später setze ich mein Vorhaben um und besichtige den Turm und die Stadtmauer, auf der man ein kurzes Stück entlanglaufen kann.

Die Stadtmauer wurde 1419 während der Ming-Dynastie gebaut und stand bis zu den frühen 1960er Jahren. Dann wurde sie größtenteils für den Bau der U-Bahn abgerissen, die zum Teil unterhalb der ehemaligen Mauer entlangführt. Von den ehemals 40 Kilometern blieben gerade mal die 1,5 Kilometer in der Nähe des Hauptbahnhofs übrig. In den späten 1990ern wurde entschieden, diesen Abschnitt zu restaurieren und einen Park einzurichten. Ein Fünftel der dafür benutzten Mauersteine seien originale Steine, die von Pekingern für den Bau gespendet wurden. Fertiggestellt wurde der Park im September 2003.

Im Turm (1439 fertiggestellt) konnten 200 Soldaten und Pferde untergebracht werden, dazu gab es Rampen. Der Turm gilt als der größte noch stehende Eckturm Chinas.

Der südöstliche Eckturm- Fox Tower

Der südöstliche Eckturm- Fox Tower

Während des Boxeraufstands 1900 wurde der Turm von den Vereinten Acht Nationen angegriffen und eingenommen. Deren Graffiti (in die Mauersteine eingeritzt) ist heute noch zu sehen. 1983 wurde der Turm restauriert und für die Öffentlichkeit geöffnet.

Heute befindet sich im Turm eine Ausstellung über die Stadtmauer und die auch heute noch im Stadtbild vertretenen Stadttore. Auch wenn man mancherorts vielleicht vergeblich ein Tor sucht, wenn “门=men” in einer Ortsangabe vorkommt, liegt die Vermutung nahe, dass es hier mal ein Stadttor gab.

Schaubild: Pekings Stadttore

Pekings Stadttore

 

Der Mord an Pamela Werner, 1937

Ein Beitrag zum Fox Tower wäre nicht komplett ohne den Hinweis, dass in der Nähe des Turms  am 8. Januar 1937 die übel zugerichtete Leiche der knapp zwanzigjährigen Diplomatentochter Pamela Werner gefunden wurde. Der Mord wurde nie aufgeklärt.

Paul French schrieb darüber einen “murder mystery”-Bestseller: “Midnight in Peking”, der leider nicht auf Deutsch erhältlich ist. Ulrike vom Bambooblog bespricht das Buch hier.

Auf der Mauer

Ein Spaziergang auf diesem kurzen Abschnitt ist vielleicht nicht so spektakulär wie auf der Mauer in Xi’an, auf der man sogar radeln kann, dennoch finde ich die sowohl die Aussichten auf die Stadt als auch auf die Mauerreste interessant.

Pekings Stadtmauer mit Blick auf den CBD

Pekings Stadtmauer mit Blick auf den CBD

 

Info

Park: Eintritt frei, immer geöffnet, keine Gates oder Eingangskontrollen

Wachturm und Stadtmauer: Eintritt 10 RMB, geöffnet 9-17 Uhr, letzter Einlass 16:30 Uhr

Hinkommen:

  • Auto, Motorrad, Scooter, …: Parkplatz direkt unterhalb des Wachturms/Osteingang (9 Chongwenmen East Streat, Dongcheng)
  • Bushaltestelle: Dongbianmen Station (befindet sich etwa in der Parkmitte, direkter Zugang)
  • Metro: Chongwengmen, Exit B, ca. drei Minuten Fußweg bis zum Westeingang des Parks

Weiterlesen: Pekings Stadtmauer im Bambooblog mit mehr Infos zu den Stadttoren

Fotos

 

 

Es waren einmal drei Schwestern, von denen man sagte: “Eine liebt das Geld, eine liebt das Land, eine liebt die Macht”. Gemeint waren die Song-Schwestern: Ailing, verheiratet mit dem Bankier H.H. Kung (Geld), Qingling, verheiratet mit Sun Yat-sen (Land), und Meiling, verheiratet mit Chiang Kai-shek (Macht). Sie gelten als die einflussreichsten Frauen des Chinas ab den 1930er Jahren. Das mag einerseits der Rolle als “Frau von XY” (wobei XY in diesem Fall zu den mächtigsten Männern des damaligen Chinas gehört) geschuldet sein, andererseits – insbesondere bei Qingling – geht es aber auch auf eigene Leistungen zurück.

Song Qingling (chinesisch 宋慶齡 / 宋庆龄, Pinyin Sòng Qìnglíng, W.-G. Sung Ch’ing-ling, * 27. Januar 1893 in Kunshan, Provinz Jiangsu, Kaiserreich China; † 29. Mai 1981 in Peking, China[1]) war eine der drei Song-Schwestern, deren Männer zu den bedeutendsten Politikern Chinas im 20. Jahrhundert gehörten. Als Madame Sun Yat-sen wird sie als diejenige beschrieben, „die China liebte“. Ihr Taufname war Rosamond. Ihr Mann Sun Yat-sen war 1912 der erste Präsident der Republik China. Im Nachkriegschina war sie von 1949 bis zu ihrem Tod in verschiedenen Ämtern stellvertretende Vorsitzende und nach Liu Shaoqis Parteiausschluss von 1968 bis 1972 zusammen mit Dong Biwu geschäftsführend Vorsitzende der Volksrepublik China. Nach dem Tod Zhu Des war sie von 1976 bis 1978 als Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses noch einmal Staatsoberhaupt. 1981 wurde sie als bisher einzige Person zur Ehrenpräsidentin erklärt.

Song Qinglings Residenz

Bei meinem Spaziergang am Houhai Anfang der Woche stand ich auf einmal vor einer Sehenswürdigkeit, von der ich bisher nichts gehört hatte. Durch ein offenes Tor sah ich ungefähr das hier (ungefähr – ich hab am Tor kein Bild gemacht, dies ist schon auf dem Gelände entstanden).

Song Qinglings Residenz

Song Qinglings Residenz

Neugier war geweckt, also habe ich mich näher umgesehen. Song Qinglings Residenz, soso. Die Frau von Sun Yat-sen, der Gründer des modernen China, von dem habe ich schon öfter mal gehört und gelesen. ;)

Ich muss gestehen, dass ich über Song Qingling bis dahin praktisch nichts wusste. Selbst wenn unser Geschichtsunterricht früher nicht so oft ausgefallen wäre, China und seine Geschichte stand eh nicht auf dem Lehrplan. Soviel zu meiner – schwachen – Entschuldigung. Vom Tor aus waren ein Pavillon und ein Laubengang zu sehen, interessant, lass ich mich doch mal überraschen. Ticket gab es für 20 RMB (hurra, ein spontaner Besuch ist möglich, keine Vorausbuchung erforderlich). Health Code mit der App scannen, Temperatur am Handgelenk messen lassen, normale Sicherheitskontrolle und dann konnte es losgehen.

Die Anlage ist gut beschildert, alles auch mit englischer Übersetzung. So wusste ich dann doch bald, was ich mir hier nun ansehe: hier hat die “Mutter des modernen China” von 1963 bis zu ihrem Tod 1981 gewohnt. Die Anlage hat natürlich eine viel längere Geschichte und geht zurück bis auf die Qing Dynastie. 1888 übergab Kaiserinwitwe Cixi die Anlage an Prinz Chun I (Yixuan), später ging die Anlage auf Prinz Chun II (Zaifeng) über – dieser war der Vater des letzten Kaisers Puyi. 1949 machte der erste Premierminister der Volksrepublik China Zhou Enlai den Vorschlag, dass Song Qingling hier einziehen könne – was sie dann 1963 tat.

Pavillons

Gleich hinter dem Eingang erhebt sich ein kleiner Hügel, auf dem oben der “Fächerförmige Pavillon” steht. Ja, mit ein bisschen Phantasie ist das wohl so. Wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, kann ich knapp über die Hecke auf den See hinüberspähen. Aber interessanter finde ich das ältere Paar, das klassische chinesische Musik hört und sichtlich im Augenblick schwelgt. Das jüngere Paar hat sich dann mit dazugesetzt.

“Fan-shaped Pavilion”

Ein Stück weiter steht ein weiterer Pavillon: “Room for Listening to Rain”. Dieser Pavillon ist “geschlossen”, nicht offen, vor den verglasten Fenstern hängen Gardinen, innen steht ein einsamer Eimer Farbe auf blankem Boden. Also zwei Pavillons, einer für sonniges, einer für Regenwetter. Gefällt mir gut. Also die Idee, einen Pavillon zu haben, um dem Regen zu lauschen, nicht die Renovierung und dass ich nicht hinein kann.

Garten, Steine, Teich

Ich gehe weiter, der Rundgang führt mich am Teich vorbei. Wobei der Teich eher ein Kanal ist, das Wasser wird vom Houhai abgezweigt und einmal rund durch das Anwesen geleitet.

Teich in Song Qinglings Residenz, Bäume mit erstem Frühlingsgrün spiegeln sich darin.

Teich in Song Qinglings Residenz

Zu einem ordentlichen chinesischen Anwesen gehören auch immer hübsche Steine und besonders gehegte Bäume und Pflanzen.

“must haves” in chinesischen Gärten!

Die Ausstellung

Nächste Station des Rundgangs ist die Ausstellungshalle. Davor steht aber dieses Gefährt.

Fahrzeug vor der Ausstellungshalle

Überhaupt ist viel Militär auf dem Gelände. Auf einem kleinen Platz stehen etwa 40 Soldaten in kleinen Gruppen, die jeweils verschiedene Texte laut und durcheinander rezitieren. Haltung und Stimmung scheinen eher locker-gelöst. Ich hab keine Ahnung, um was es geht, bin neugierig, aber niemand da, der es mir erklären könnte.

Ich betrete das Ausstellungsgebäude. Gleich hinter dem Eingangsbereich befindet sich eine große Halle, die offensichtlich auch für Veranstaltungen genutzt wird.

Statue von Song Qingling in der Halles des Ausstellungsgebäudes ihrer Residenz

Halle im Ausstellungsgebäude

In der Ausstellung – chronologisch wird man durch Song Qinglings Leben und Wirken geführt – werden viele Bilder (Fotos und Gemälde), Briefe, etliche Kleidungsstücke gezeigt.

Gemälde, das Song Qingling inmitten einer Kinderschar zeigt.

Die beliebteste Großmutter aller chinesischen Kinder!

Mich freut wirklich, dass die Ausstellung durchgängig auch Englisch beschriftet ist. Das sind viele kleinere Schilder an den Wänden, aber auch so schnieke “Bücher”.

Buch als Beschilderung in der Ausstellung

So edel kann man eine Ausstellung beschildern

Besonders beeindruckt mich jedoch ein Geschenk, dass Stalin Song Qingling gemacht hat: ein ZIS-110 Sedan.

Ein ZIS-110-Sedan, Geschenk von Stalin an Song Qingling

Geschenk von Stalin

Rund 20 Jahre lang soll sie ausschließlich diesen Wagen benutzt haben.

Dann bin ich durch mit der Ausstellung, trete vor die Tür und da steht dann dieser Wagen. Nicht so schnieke, aber auch praktisch (manchmal vermisse ich mein Tuktuk).

In die Jahre gekommenes Tuktuk vor dem Ausstellungsgebäude

Das ist keine Limousine.

Taubenschlag des Friedens

Der Rundgang führt mich nun zum “Taubenschlag des Friedens”.

Taubenschlag

Taubenschlag

Taubenschläge sieht man hier in Peking ja viele, zum Beispiel auf vielen Dächern in den Hutongs. Diesen hier gab es zu Lebzeiten von Song Qingling noch nicht, sondern er wurde 2001 von Unternehmern, die mit Taubenzucht zu tun haben, gestiftet. Lest euch den Text des Schildes durch! Ist das nicht wieder herrlich? Ich glaube ja, dass man China auch durch aufmerksames Lesen und Betrachten seiner Schilder gut kennenlernen kann. :)

Das Hauptgebäude

Die nächste Station ist das eigentliche Wohnhaus, das Hauptgebäude. Die Einrichtung ist original, auf etlichen Schildern wird darauf hingewiesen, dass Song Qingling sparsam war und an der veralteten Ausstattung festgehalten hat.

Arbeits- und Schlafzimmer

Empfangs- und Wohnzimmer

Outdated oder nicht, auch wenn es kein protziger Palast ist, geräumig genug ist es jedenfalls, vor allem im Vergleich dazu, wie beengt viele Chinesen heute noch leben. Andererseits aber sicher ein angemessener Wohnsitz für die bisher einzige chinesische Ehrenpräsidentin.

Durch den Garten geht es zurück zum Eingang. Dabei geht es an diesem  500 Jahre alten Gelehrtenbaum (auch “japanischer Pagodenbaum”) vorbei, der von Song Qingling als “Phönixbaum” bezeichnet worden sein soll, weil der Baum mit den im Westen nach oben gerichteten Ästen und den im Osten zum Boden geneigten Ästen wie ein Phönix beim Abheben aussehen solle. Aha. :)

Gelehrtenbaum – “Phönixbaum”

Mehr über Song Qingling

Mein Interesse, mehr über Song Qingling zu erfahren, wurde durch diesen netten Rundgang jedenfalls geweckt. Und mir ist wieder klargeworden, dass ich jetzt unbedingt endlich mal ein anständiges chinesisches Geschichtsbuch lesen muss.

Einen informativen Artikel findet man zum Beispiel hier bei der BBC: Soong Qingling: ‘The mother of modern China’.

Das Buch “Die drei Schwestern” von Jung Chang wandert auf meine Wunschliste.

Und ich werde mal gucken, ob ich den Film “The Soong Sisters” auftreiben oder streamen kann.

 

Fotos

Wir haben Besuch und sind am Sonntag zusammen in den Art District 798 gefahren. Da gefällt es mir immer wieder gut. Nicht nur wegen der vielen wechselnden Ausstellungen entdecke ich jedesmal etwas Neues. Am Sonntag kam noch das wunderbare Frühlingswetter und halbwegs brauchbare Luft dazu, und wir haben uns stundenlang da durchtreiben lassen.

Auch Yoko Onos “Golden Ladders” haben wir uns angesehen, gleich hinter dem Goethe-Institut in der Faurschou Foundation Gallery. Zusammenfassung: 3 Räume: Wassergläser, Bäumchen, Leitern, Treppe. Mit tiefsinniger Bedeutung. ;) Ich fürchte, ich bin und bleibe Banause. Aber hey, wie cool: ich habe eine Yoko-Ono-Ausstellung gesehen! :D Wer auch noch möchte: läuft noch bis zum 3. Juli 2016.

Als nächstes möchte ich nun noch herausfinden, wie lange die “Of Sharks And Humanity”-Ausstellung noch läuft…

 

Dass es tagsüber nicht mehr so eiskalt ist, weckt meine Lebensgeister. Endlich habe ich wieder mehr Spaß daran, lange draußen unterwegs zu sein. Gestern habe ich einen langen Spaziergang durch zwei von Pekings bekannteren Hutongs gemacht: dem Wudaoying-Hutong und der Guozijian Jie.

 

Blick auf den Lamatempel vom Wudaoying-Hutong in Peking aus

Blick auf den Lamatempel

Der Wudaoying-Hutong

Lange Zeit wurden viele Hutongs abgerissen und durch moderne, höhere Bauten und breitere Straßen ersetzt.

Inzwischen ist man in Peking dazu übergegangen, die verbliebenen Hutongs zu erhalten, die Welle des Plattmachens ist gestoppt. 1949 sollen es noch 3250 Hutongs gewesen sein, heute sind keine 1000 übrig geblieben.

Der Wudaoying-Hutong ist einer der Hutongs in Peking, die schon früh renoviert wurden. Heute gilt er als “hip + cool”, zieht vermögende Chinesen und Touristen aus aller Welt an. Die Metrostation Lama-Tempel ist quasi direkt vor der Tür, der Ditan-Park liegt auch nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt auf der anderen Seite des 3. Rings. Vor der Corona-Pandemie gehörte ein Spaziergang durch diesen Hutong nach der Besichtigung von Lama- und/oder Konfuziustempel zum Programm vieler Reisegruppen.

Diese großen Scharen von Menschen waren gestern natürlich nicht unterwegs, das hatte auch etwas für sich.

Weihnachtsbaum und chinesische Neujahrsdeko im Wudaoying-Hutong

Weihnachtsbaum und Neujahrsdeko

Im Wudaoying-Hutong finden sich Cafés, Restaurants und Bars, diverse Geschäfte – bei allen bezahlt man die Lage ein bisschen mit. Aber hier an Sommerabenden draußen oder auf einer der Dachterrassen zu sitzen, das ist schon besonders schön.

Im Wudaoying-Hutong, Altstadtgasse in Peking

Wudaoying-Hutong

Hier wird aber auch gewohnt und es gibt kleine chinesische Nachbarschaftsshops, da hängt dann oft an den Pforten ein “No photo!”-Schild.

Jetzt unmittelbar vor dem Neujahrsfest sieht man überall in der Stadt die rote Neujahrsdeko. Ausnahmsweise aber tatsächlich auch mal in Gold wie hier zu sehen.

Goldene Neujahrsdeko an der Glastür eines Geschäfts im Pekinger Wudaoying-Hutong

Gold statt rot – Neujahrsdeko

Jedesmal, wenn ich hier bin, entdecke ich etwas Neues – und manchmal stelle ich fest, dass etwas anderes weg ist. Diesmal bin ich mir nicht sicher: ist das Katzencafé ganz weg oder macht es nur Neujahrsferien?

Guozijian Straße

Nachdem ich den Wudaoying-Hutong ganz durchquert habe, biege ich links ab und gehe ein Stück die Andingmen Inner Street entlang, eine breite Hauptstraße mit vielen Restaurants und Läden. Würde ich ihr weiter nach Süden folgen, käme ich in Richtung Trommelturm und Verbotene Stadt.

Bushaltestelle mit Helfern in gelben Jacken in der Andingmen Inner Street in Peking

Bushaltestelle

Während der Rush Hours findet man diese Helfer an den Bushaltestellen, die die oft gleichzeitig ankommenden Busse und Fahrgäste effektiv dirigieren.

Kurz hinter dieser Bushaltestelle liegt der Eingang zur Guozijian Straße, ein etwas breiterer Hutong mit nur wenig Autoverkehr. Hier liegt der Konfuziustempel mit der Kaiserlichen Akademie.

Straßenschild: Guozijian Jie in Peking, eingerahmt vom Torbogen

Guozijian Straße

Auf dem Torbogen am Eingang tummeln sich lauter Vögel, die tiefstehende Sonne wirft ein schönes Licht, hier bleibe ich ein bisschen hängen.

Tor am Eingang der Guozijian Jie in Peking

Torbogen Guozijian Jie

In der Guozijian Jie gibt es Torbögen nicht nur am Anfang und Ende der Straße, sondern auch mittendrin – das ist schon besonders. Jetzt zum Neujahrsfest sind sie zusätzlich mit großen roten Glücksknoten geschmückt.

Torbögen und Neujahrsdeko in Pekings Guozijian Straße

Torbögen und Neujahrsdeko

Es gibt so viel zu sehen, zum Beispiel diese kleine Fahrradwerkstatt.

Fahrradwerkstatt im Hutong

Fahrradwerkstatt

Der Konfuziustempel hat gerade geschlossen, nach und nach kommen die letzten Besucher raus.

Passanten am Ausgang des Konfuzius-Tempels

Am Ausgang des Konfuzius-Tempels

Ein paar Schritte weiter ist dann auch schon das Ende der Guozijian Jie erreicht, genau gegenüber vom Eingang des Lama-Tempels kommt man hier raus. Ich biege wieder links ab und folge der Yonghegong-Straße bis fast zur Ecke, wo ich meinen Scooter abgestellt habe und werfe mich ins Getümmel auf den Rückweg. Schön war’s, muss ich bald wiederholen. Mal sehen, in welchen Hutong es mich dann treibt.

Wenn Du Peking schon kennst – hast Du einen Lieblingshutong?

Fotos

 

 

Die Kinder waren platt, also haben wir am letzten Tag des Besuchs einen Ausflug zu zweit gemacht: erst in den Lamatempel, dann in den Konfuziustempel. Der Lamatempel ist beeindruckend, auch wenn Touristen gegenüber den Mönchen klar in der Überzahl sind. Aber der Geruch nach Räucherstäbchen, betende und sich in alle Himmelsrichtungen verbeugendende Menschen – das ist schon eine besondere Atmosphäre.

Vom Lamatempel sind es nur ein paar Schritte zum Konfuziustempel. Dieser hat eher musealen Charakter, ist nicht so prächtig, aber nicht weniger interessant. Ruhiger und weniger voll, auch wenn chinesische Reisegruppen lautstark von ihren Reiseführern im Rudel durchgescheucht werden, das hab ich im Lamatempel so nicht gesehen (dort gibt es aber auch Audioguides zum Leihen).

Ich glaube, bei strahlendendem Sonnenschein, tiefblauem Himmel und guten Luftwerten war das für Michaela noch mal ein schöner Abschluss. :)

 

Was sind Pekings TOP 10? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt, nach vier Jahren Leben in Peking haben wir es ja schon recht gut kennengelernt – auch wenn wir immer wieder Neues entdecken und die Stadt sich laufend ändert. Da wir viel Besuch bekommen, sind wir immer wieder auch als Reiseführer aktiv. Ich versuche, einen Mix zu zeigen aus kaiserlichem und modernem Peking, ein bisschen Kultur darf nicht fehlen und auch das grüne Peking. Im Laufe der Zeit haben sich dabei fünf  “Ausflugspakete” entwickelt, die an fünf – anstrengenden – Tagen schaffbar sind. Das Programm lässt sich bei weniger Zeit straffen und kürzen oder bei mehr Zeit entzerren. Wer abends noch fit ist: Ausgehen z.B. in Sanlitun oder am Houhai, eine Varieté-Show im Laoshe-Teehaus oder eine Kung Fu-Show… Jedenfalls sind in diesen 5 Tagen Pekings TOP 10 enthalten – und ein bisschen mehr!

1. Die Große Mauer und modernes Peking/CBD

Kontrastprogramm! Der Mauerausflug kann fast den ganzen Tag in Anspruch nehmen, nachmittags/abends geht es dann in Richtung CBD. Besonders “The Place” wirkt im Dunkeln richtig toll. Tipp für das Abendessen: Haidilao HotPot im New China World. Hier helfen Roboter beim Servieren/Aufräumen, bestellt wird über Tablets (Bilder und engl. Übersetzung).

Die Mauer!

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Für mich ist und bleibt das ein, wenn nicht DAS Highlight hier. Weltkulturerbe! Eines der “neuen sieben Weltwunder”! Es ist ja nicht nur die Bedeutung der Mauer an sich, sondern zusätzlich kommt man bei Mauer-Ausflügen auch mal raus aus der Stadt. Nach wie vor fahre ich gerne nach Mutianyu (nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Abschnitt ist). Das ist (bis auf wenige steile Treppenabschnitte) auch für Fußkranke und Menschen mit Höhenangst (bedingt) geeignet, eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Obendrein kann man mit Sessellift oder Seilbahn abkürzen. Und natürlich macht es auch Riesenspass, mit der Sommerrodelbahn zurück ins Tal zu sausen.

Wer fitter ist und auch querfeldein klar kommt, der kann auf eigene Faust von zwischen Jinshanling und Simatai wandern oder von z.B. Jiankou nach Mutianyu – und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten. Wer sich auf eigene Faust nicht traut, könnte sich z.B. den Beijing Hikers anschließen.

Wer weniger Zeit hat, sollte es mit Badaling versuchen, auch wenn es wohl der touristischte Mauerabschnitt ist. Aber man kommt eben auch schneller vom Zentrum aus hin.

Modernes Peking – CBD

CBD

CBD

The Place

The Place

Kontrastprogramm dann abends:

Es geht in den den CBD –  Central Business District. Ausgangspunkt Metrostation Jintaixizhao. Hier gehen mir immer wieder die Augen über, wenn ich den Kopf in den Nacken lege und an den Hochhäusern hinaufschaue.

Natürlich, anderswo gibt es mehr und höhere Skyscraper, aber der neue Zhonguo Zun – Pekings höchstes Gebäude – und das nicht mehr ganz so neue CCTV-Headquarter „Lange Unterhose“ sind (nicht nur hier in Peking) schon besondere Hingucker.

Beides kann man auch gut von der Terrasse des Blue Frog (Guomao) oder Migas Mercado schräg gegenüber sehen – oder solange die Aussichtsplattform des Zhonguo Zun noch nicht eröffnet ist, vermutlich in diesem Frühjahr irgendwann – auf einen Drink in die Atmosphere Bar.

Von hier geht es weiter in Richtung „The Place“ mit dem „größten Fernseher der Welt“ (und später noch auf einen Drink nach Sanlitun).

2. Verbotene Stadt, Tiananmen und Qianmen Street

Das Herz von Peking.

Achtung: Pass mitnehmen! Ohne kommt man nicht durch die Sicherheitskontrollen am Tian’anmen, und man benötigt ihn für den Eintritt in die Verbotene Stadt.

Verbotene Stadt

Zugang zur Verbotenen Stadt

Irgendwas mit Licht und Tunnel – Zugang zur Verbotenen Stadt

Es geht also los mit der Verbotenen Stadt. Entweder man fährt mit der Metro bis zur Haltestelle Tian’anmen East – oder nimmt ein Taxi/Didi und fährt über die eindrucksvolle Chang’an, die große Prachtstraße, hierher. Aussteigen muss man allerdings in einer Seitenstraße: rund um den Platz ist überall absolutes Halteverbot.

Durch die Verbotenen Stadt kann man in 20 Minuten (wie jemand, den ich sehr gut kenne…) durchhetzen, andere könnten sich tagelang hier aufhalten. Ich würde mindestens zwei Stunden ansetzen und das tatsächliche Ende offen lassen. Es geht los am Haupteingang am Tian’anmen, und bei diesem Ausflug geht es hier auch wieder raus. (Alternativprogramm: Nordausgang benutzen und in den Jingshan-Park gehen und sich dort die Verbotene Stadt von oben vom Kohlehügel aus ansehen, und dann vielleicht noch weiter zum Beihai-Park mit der Weißen Pagode. Qianmen dann weglassen oder viel Zeit und Energie haben!)

 Tipp! Zur Einstimmung kurz vorher den Film Der letzte Kaiser schauen.

Tian’anmen

Tian'anmen

Tian’anmen

Bei dieser Tour geht es aber durch den Hauptausgang auf den Tian’anmen, den Platz des Himmlischen Friedens, um den einmal in seiner ganzen Gewalt und Größe wahrzunehmen.

Auf direktem Weg ist das eine Viertelstunde, aber es muss Zeit sein, um Nationalmuseum, die Große Halle des Volkes und das Mao Mausoleum wenigstens von außen zu bewundern. Je nachdem, wie viel Zeit übrig ist, kann man auch wenigstens kurz ins Nationalmuseum reingucken, alleine das Gebäude ist ein Hingucker, von den Ausstellungen mal gar nicht erst zu reden. Wer es kurios mag: Die Ausstellung der Gastgeschenke von Staatsbesuchen hat mich sowohl schmunzeln als auch Augenbrauen hochziehen lassen. Ganz neue Einblicke tun sich auf!

Qianmen

Im Süden des Platzes kommt man dann an Torhaus und Wachturm des Qianmen-Stadttores vorbei, hier geht es dann in die Fußgängerzone Qianmen Street. Hier kann man sich eine Weile treiben lassen, dabei unbedingt auch in die Nebenstraßen gehen. Hungrig inzwischen? Dann wäre es Zeit für Pekingente im Quanjude-Stammhaus (quasi das Pekinger Hofbräuhaus…). Allerdings ist nachmittags geschlossen – dann gibt es aber Ausweichmöglichkeiten an den zahlreichen Imbissen und Restaurants auch in den Seitengassen. Je nachdem, wie viel Zeit man in der Verbotenen Stadt verbracht hat, ist noch Zeit für weiteres: in zehn Gehminuten ist man am NCPA, dem National Centre for the Performing Arts – tagsüber ist “das Ei” schon ein Hingucker, im Dunkeln beleuchtet noch mehr.

NCPA bei Nacht

NCPA bei Nacht

 

 

3. Chinesische Küche, Lama- und Konfuziustempel, Hutongs

Kochkurs im The Hutong

Kulinarische China-Karte im "The Hutong"

Kulinarische China-Karte im “The Hutong”

Vormittags geht es los mit einem Kochkurs im “The Hutong” mitten im  Shique-Hutong. Hier kann man die Atmosphäre des alten Pekings in der Courtyard-Küche schnuppern.

Man bekommt eine Einführung in die chinesische Küche, die sich in Wahrheit in viele Unterküchen unterteilt. Man erfährt, welches Essen in welchen Regionen typisch ist und welche Gewürze und Zutaten wichtig sind: in Peking und im Norden sind z.B. Nudeln verbreitet, scharf wird es in Sichuan…

Schließlich bereitet man drei leckere chinesische Gerichte zu und bekommt dabei auch eine Einführung in “knife skills” mit dem großen chinesische Messer und andere chinesische Kochtechniken. Die Entscheidung, für welchem Tag man sich anmeldet, fällt schwer, so abwechsungsreich ist das Programm.

Zum Abschluss geht es ans Genießen – authentisch chinesisch und selbst gekocht!

Konfuziustempel und Kaiserliche Akademie

Konfuziustempel in Peking - Statue vor der ersten Halle

Konfuziustempel

Nach dem Essen sind es nur 15 Gehminuten zum Konfuziustempel und der Kaiserlichen Akademie. Hier ist es eigentlich viel ruhiger und beschaulicher als beim Lamatempel. Allerdings wird die Ruhe gelegentlich durch große chinesische Reisegruppen und vor allem deren Guides, die mit Megaphon-Unterstützung alles Wissenswerte herausbrüllen erzählen – und ihre Schäfchen zusammentreiben. Ist die Gruppe vorbeigezogen, kann man sich wieder in Ruhe den Hallen widmen, der auch ohne Chinesischkenntnisse verständlichen Ausstellung über Konfuzius’ Leben und Werk. Oder man setzt sich unter einen der Bäume und genießt die Atmosphäre.

Lamatempel

Lamatempel

Lamatempel

Wenn man sich schließlich vom Konfuziustempel trennen kann, sind es nur 5 Minuten zum Lamatempel. Hier gibt es zwar keine Lautsprecher-geführten Reisegruppen, aber unterm Strich deutlich mehr Besucher. Das Tollste hier ist der riesige Buddha in der letzten Halle. Oder ist es die besondere Atmosphäre dieser Anlage mit ihrer abwechslungsreichen Geschichte?  Hier mischen sich Touristen und Gläubige, über allem liegt der Duft der Räucherstäbchen.

Je nachdem, wie viel Zeit man sich für die Besichtigungen nimmt, ist dann noch Zeit für einen Spaziergang durch den Wudaoying-Hutong oder für einen Besuch des Ditan-Parks, der vom Lamatempel aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite des 2. Rings liegt.

4. Himmelstempel und Pearlmarket

Dieser Ausflug bietet Weltkulturerbe und Shopping!  Souvenirs und Mitbringsel aller Art finden sich im Pearlmarkt. Handeln ist ein Muss!

Himmelstempel

Himmelstempel in Peking - Halle der Ernte

Himmelstempel: Halle der Ernte

Aber es geht los mit dem Himmelstempel Und zwar am besten gleich morgens, damit man viel vom Pekinger Parkleben mitbekommen kann: tanzende Ayis, Tai Chi, es wird gesungen und gespielt. Dazu lohnt es sich, auch abseits der Hauptwege durch den Park zu streifen. In das ikonische runde Gebäude darf man nur hineingucken, nicht hineingehen. Aber vielleicht wird man sowieso abgelenkt und schaut lieber den Hochzeitsfotografen und den künftigen Bräuten in ihren wunderschönen roten Kleidern zu.

Empfehlung fürs Mittagessen: das Brown Door (Quan Xing Ju) gegenüber der Schmalseite des Pearlmarktes bietet leckere Pekinger und Chinesische Küche, hat eine bebilderte englische Speisekarte und obwohl hier viele Westler essen, ist es doch “richtig chinesisch” hier.

Pearlmarket

Danach geht es dann auf ins Shoppinggetümmel: im hinteren neuen Gebäude finden sich einige “knock-knock”-Läden. Einfach den anderen Ausländern folgen… Im vorderen Gebäude findet man auch alles in unterschiedlichen Qualitäten… Geheimtipp: Auf jeden Fall im vorderen Gebäude in den 5. Stock fahren, an der Toilette vorbei auf die Dachterrasse gehen. Von hier hat man sowohl Aussicht auf den CBD als auch auf Himmelstempel und – park, bei besonders guter Luft bis in Richtung Verbotener Stadt. Manche sind nach fünf Minuten durch mit dem Pearlmarkt, andere könnten Tage hier verbringen…

Tipp für das Abendprogramm: Legends of Kungfu im Red Theatre, das ca. 20 Fußminuten vom Pearlmarkt entfernt ist.

Hier habe ich u.a. schon von diesem “Ausflugspaket” berichtet.

5. 798 Art District und Sommerpalast

Diese Ausflugsziele liegen im Gegensatz zu den vorigen Vorschlägen wieder weiter auseinander. Der Sommerpalast ist einer meiner Lieblingsorte hier in Peking, ich kann da auch ganze Tage verbringen.

798 Art District

Drei Statuen im 798 Art District in Peking.

798 Art District

Zuerst geht es also in den 798 Art District/auch: Dashanzi. Selbst wenn man eigentlich Kunstbanause ist, wird man sich dem Flair des Viertels nicht entziehen können. Es gibt kleine und größere Galerien und Werkstätten, Ramsch- und Designerläden, Imbisse und Restaurants.

Unbedingt auch auf die Gebäude mit ihrer Sägezahnoptik achten: die wurden im Bauhaus-Stil errichtet und ehemals militärisch genutzt. Für maximale Lichtausnutzung in den großen Räumen und damit es im Innern möglichst keine Schatten gibt, sind alle Fenster in den von der DDR für China gebauten Hallen nach Norden ausgerichtet.

Aktuelle Informationen finden sich auf der Webseite des Art Districts.

Sommerpalast

Sommerpalast in Peking

Sommerpalast

Und noch einmal Weltkulturerbe: Der Sommerpalast, schön am Kunming-See gelegen, am Fuß der Berge. Im Sommer bin ich gerne auf dem Wasser, das geht hier gut: entweder ein kleines Boot ausleihen oder mit der „Drachenfähre“ zur Insel übersetzen. Im Winter kann man hier auch aufs Eis.

Es ist nicht nur das alte Gemäuer, was mich hier anzieht, sondern die komplette Umgebung. Auch wenn es hier viele Touristen gibt, es verläuft sich auf dem großen Gelände und man findet doch immer wieder ruhigere Ecken. Highlights: der Wandelgang, die 17-Bogen-Brücke, die Halle mit Aussicht oben auf dem Hügel, Bootfahren auf dem See, das Marmorboot und die Suzhou Street – ach, eigentlich alles dort!

Marmorboot im Sommerpalast in Peking

Marmorboot

Abschließendes

Pekings TOP 10Mit diesen Ausflugsvorschlägen sieht man meiner Meinung nach das Wichtigste in Peking. Im Internet und in Reiseführern finden sich viele weitere TOP-Listen für Peking. In der Reihenfolge oder in einzelnen Punkten mögen sich die Ranglisten der Reiseführer unterscheiden, aber im Grunde ist man sich über die Highlights einig: Mauer, Tian’anmen, Verbotene Stadt, Hutongs, Himmelstempel, Sommerpalast, CBD, 798 Art District… Der eine mag sagen: da fehlt was (z.B. Duftberge, Sanlitun oder Vogelnest und Wasserwürfel/Olympiagelände), andere könnten vielleicht auf den 798 Art District verzichten. Aber egal, was man sich davon raussucht: man lernt viele wichtige Facetten Pekings kennen.

Meinen Besuchern empfehle ich jedenfalls immer, schon vorher in Reiseführern zu stöbern (und natürlich auch in meinem Blog!) – den einen oder anderen hat dann durchaus auch schon ein Ziel jenseits der TOP 10 gelockt, z.B. die Glasbodenplattform in Shilinxia.

Neben den in Deutschland guten und gängigen Reiseführern (Lonely Planet, Baedeker, Dumont…) kann ich den – englischsprachigen – Rough Guide To Beijing empfehlen.  Die helfen nicht nur bei der Auswahl, was man selbst denn wirklich gerne sehen möchte, sondern liefern auch Hintergründe, Zahlen, Daten, Fakten, die hier fehlen. Aber Achtung: in China dreht sich die Welt noch schneller als andernorts, was letztes Jahr noch galt, ist heute schon Geschichte. Hintergrundinformationen zu historischen Stätten sind natürlich zeitlos.

Wie lange braucht man für Peking?

Ich lebe jetzt vier Jahre hier und bin “noch nicht fertig”… ;)
Zwei Tage finde ich wirklich knapp, aber im Rahmen einer Rundreise ist das halt meist so. Fünf Tage wären besser und immer noch sehr ausgefüllt – man kann schon viel Zeit hier verbringen, ohne sich zu langweilen und immer wieder Neues zu entdecken.

Meine persönlichen Sightseeing-Lieblingsziele

Ganz oben steht natürlich die Mauer – geht nicht so oft, wie ich gern möchte, ist eben etwas außerhalb.

Beim x. Besuch des Lamatempels habe ich mich auch schon mal gedrückt, obwohl der wirklich schön ist und bei einem Pekingbesuch nicht fehlen sollte.

Zum Sommerpalast komme ich immer mit, auch wenn es dahin etwas weiter ist.

Leichter in den Alltag einbauen lässt sich da ein anderer meiner Lieblingsorte: der Beihai-Park – ein Boot mieten und eine Auszeit mit tollem Blick mitten in der Stadt genießen.

Ich mag auch den CBD und Sanlitun; ich mag die Duftberge, im Frühling liebe ich den Botanischen Garten, ich lasse mich gerne durch Hutongs treiben – eigentlich gibt es immer etwas. Auch eigentlich “untouristische” Ziele wie Sanyuanli- oder andere Lebensmittelmärkte oder Stoffmarkt haben manchmal ihren Reiz.

Letztendlich liegt es aber auch oft an Stimmung, Wetter, Luft und Begleitung, wo es gerade am Tollsten ist.

Kennst Du Peking schon? Was ist Dein Lieblingsort? Du möchtest erst noch nach Peking reisen? Was reizt Dich am meisten?

 

 

 

Vom 1.-3. Oktober ist Chinesischer Nationalfeiertag (die Deutsche Botschaft hat höflichkeitshalber die Deutsche Einheit darum schon letzte Woche begangen), zusätzlich gibt es staatlich verordnete arbeitsfreie Tage, alles zusammen: Goldene Woche. Zum Neujahrsfest gibt es eine weitere Golden Week. Gearbeitet wird vielfach trotzdem: Sehenswürdigkeiten, viele Restaurants und Geschäfte sind geöffnet (und müssen dann einen dreifachen Lohn zahlen). Der Busshuttle des Compounds fährt nicht, hier draußen ein Taxi zu bekommen dauert noch länger als sonst. Trotzdem, Traumwetter gestern: warm, nicht zu heiß und ein frischer Wind, Top-Luftwerte, klare, weite Sicht: Ausflugswetter! Nachdem wir dann tatsächlich doch noch ein Taxi bekommen haben, ging es dann zum Sommerpalast: einmal quer durch Peking – und das bei freier Fahrt! So leer waren die Straßen nicht mal anlässlich der Parade vor ein paar Wochen!

Der Sommerpalast war dann allerdings alles andere als leer… Ein riesiges Gartengelände am Kunming-See, dahinter Berge, wirklich wunderschön gelegen (schon auf der Fahrt vom Highway aus die Sicht genossen). Der See war dank des Windes etwas aufgewühlt: Bootfahren nicht erlaubt. Also spazieren gehen, wobei die Jungs mal wieder kurz vorm Verhungern standen und zielsicher die erste Imbissbude ansteuerten. Jussi hat es richtig gemacht und sich ein paniertes Hühnerbein ausgesucht – Thomas und Rasmus haben sich für den absolut unappetitlichsten Hotdog ever entschieden. Fehler: imitiertes westliches Essen ist meistens bäh, dafür gibt es einfache, chinesische Alternativen, die meist sehr gut sind.

Wir haben uns dann mit den Massen den Weg am See entlang geschoben, sind dann – etwas weniger überlaufen – ein Stück einen Berg hoch, haben dann immerhin ein paar Meter des berühmten Wandelganges geschafft. So richtig viel Lust hatten die drei (!) Jungs nicht, Gebäude haben wir uns gar nicht angeguckt und der große Junge hat zielsicher einen Nebenausgang angesteuert – um dann festzustellen, wir sollten vielleicht doch besser den gleichen Weg wieder zurückgehen… *kicher* War halt auf einmal chinesisch-dörflich… „Hier finden wir nie ein Taxi!“ – „Na und, da vorne fährt der Bus!“ –„Neeeeinnnn!!!“ (ok, beim Busfahren kann man wirklich verloren gehen). Aber da war auch schon wieder der Haupteingang in Sicht, ein Taxi wurde herangewinkt und zur Erholung ging es dann zurück in des Mannes Komfortzone Sanlitun zu Schindlers…

Und wenn wieder Schule ist, werde ich noch mal alleine zum Sommerpalast fahren. Ich hab gestern ungefähr 200 mal gedacht: wie gut, dass ich ohne die drei in Shanghai war. ;)

 

Besuch aus Hamburg war da, da ist ein Mauerausflug natürlich “Pflichtprogramm”. Rasmus musste noch liegen, Justus blieb als Gesellschaft da, Thomas passte auf die beiden auf, so sind wir dann zu viert losgetuckert. Für die Hinfahrt wurde ein Taxi bestellt, zurück “stehen da ausreichend Taxis herum”. Traumhaftes Wetter mit quietschblauem Himmel, passable Luftwerte mit annehmbarer Sicht, Hinfahrt ausgesprochen entspannt, von uns aus ist es auch nur eine Dreiviertelstunde.

Great Wall

Für den Kartenkauf musste man sich zweimal anstellen, an einem Schalter gab es nur Eintritt, Bustickets und Kabinenbahn, für die Abfahrt mit der Sommerrodelbahn ging es an den zweiten Schalter. Mit dem Bus ging es dann ein gutes Stück bergauf, eine kurze Schlange an der Kabinenbahn und dann das erste “wow” – die Aussicht ist schon toll. Oben angekommen dann wieder dieses unwirkliche Gefühl “wow, wir sind tatsächlich hier!” Das größte Bauwerk der Welt. Uralt. Historisch und so. ;) Die Mauer ist einfach beeindruckend, selbst als Banause kann man sich dem nicht entziehen! Dazu die schöne Landschaft, es ist wirklich ein netter Spaziergang Richtung Osten zur Sommerrodelbahn (da, wo auch der klapprige Sessellift fährt), überwiegend bergab.

Es war voller als im März, aber von Gedrängel und Geschiebe konnte keine Rede sein, nur an Engpässen bei den Wachtürmen, wo immer nur einer treppauf oder treppab kann, staute es sich manchmal und mit ein bisschen Geduld hatten wir immer wieder auch mal einen Abschnitt ganz für uns. An der Sommerrodelbahn mussten wir ein bisschen warten, aber man hat soviel zu gucken und die Mitarbeiter dort hatten echt Spaß, haben herumgeblödelt, so dass wir auch Spaß hatten. Leiderleiderleider waren vor mir zwei chinesische Mütter mit kleinen Kinder, die im Schneckentempo runtergerutscht sind, also nix mit kleinem Geschwindigkeitsrausch über ‘m Abgrund, dafür ausreichend Zeit, die (relative) Stille und die Aussicht zu genießen. War sicher nicht das letzte Mal!

Taxi?

Als wir dann wieder unten im Tal waren, waren nicht viele Taxis zu sehen. Genaugenommen: keins. Wir sind weiter Richtung Straße gegangen, als mich ein Chinese ansprach. Puh, ein Taxifahrer. Wohoo, mein Chinesisch hat ausgereicht, dass er uns nicht nur nach Huairou zum Bus bringt, sondern nach Hause in Peking und auch den Preis konnte ich halbieren. Es war sonst aber weit uns breit kein anderes Taxi zu sehen, also blieb uns eh nichts anderes übrig. Das Auto war eine Klapperkiste mit zahlreichen Blechschäden, und der Fahrer schien durchaus suizidale Tendenzen zu haben. Immerhin, er fuhr die gleiche Abkürzung an Huairou vorbei, die wir auch im März genommen hatten, bis auf einer schmalen Landstraße nichts mehr ging: Stau.

Rauchen im Nirgendwo

Er bog dann in eine Gasse ein, wo zwischen Auto und Hauswänden gerade noch ein Zentimeter war. Oh nein, in der chinesischen Pampa entführt und ausgesetzt und im Nirgendwo stehengelassen? Nein, er bog noch zweimal um die Kurve, da war die Landstraße wieder und wir hatten sicher 500 m im Stau gutgemacht. Dann zündete er sich erstmal eine Zigarette an und bot uns auch welche an. Eigentlich zähle ich mich ja zur militanten Nichtraucherfraktion, uneigentlich habe ich gelernt, dass es grob unhöflich ist, eine angebotene Zigarette nicht anzunehmen. Um nicht wirklich mitten im Nirgendwo  zu landen, habe ich mich also höflich bedankt und nicht inhaliert… ;)

Inzwischen waren wir an einer Kreuzung (kleine Landstraße und Feldweg…) angekommen, dort wendete gerade ein Reisebus und bog dann in den Feldweg ein. Zahlreiche Chinesen standen dort herum, ich meine verstanden zu haben, dass es weiter vorne einen schlimmen Unfall gegeben habe und die Straßen gesperrt seien. Unser Fahrer fuhr dann ein Stück in den Feldweg und hielt an. Oh nein, er würde uns jetzt nicht doch am Ende der Welt rauslassen? Nein, er wollte nur mehr Geld, weil das nun ein großer Umweg sei. Zähneknirschend stimmte ich zu, aber immerhin, er ließ sich wieder runterhandeln.

Die weitere Fahrt verlief dann ohne weitere besondere Vorkommnisse, außer, dass der Fahrer gerne überholte und überhaupt wohl lieber links fuhr, auch in Kurven, außer dass ich immer wieder mal seine Hand von meinem Knie schubsen musste, dass ich noch zwei weitere Zigaretten paffen musste, dass er mir seine Telefonnummer aufgedrängt hat, falls wir in Mutianyu oder Huairou wieder mal einen Fahrer bräuchten… Die Kinder haben das Abenteuer glücklicherweise größtenteils verschlafen, und Michaela war sicher froh, dass nicht sie vorne saß …  Jedenfalls sind wir erschöpft, aber heil und ganz wieder zuhause angekommen. :)

Peking bietet unzählige Restaurants, für jeden Geschmack und Geldbeutel ist etwas dabei: alle nur denkbaren chinesischen Regional- und Spezialitätenküchen, internationale Restaurants, alle möglichen Fastfoodketten… Verhungern muss hier wirklich niemand. ;) Aber besonders interessant für uns sind dann doch immer wieder die exotischen Dinge, die es in Deutschland (so) nicht gibt, und die man dann doch nicht unbedingt probieren möchte (von den kandierten Obstspiessen mal abgesehen)… Angucken macht wirklich Spass! Aber seht selbst:

Justus hatte sehr klare Vorstellungen, wie wir das Neujahrsfest begehen sollten – den Chinatagen der Schule sei Dank: jeder müsse sein Lieblingsgericht bekommen, Jiaozi müssten auch unbedingt dabei sein, auch mit jedermanns Lieblingsfüllung und jeder müsse dann drei Stück davon essen. Punkt Mitternacht sei Beginn des Festmahls, alle sollen möglichst lang aufbleiben…. Wir haben uns dann auf unsere eigene, angepasste Version geeinigt. Immerhin, selbstgemachte Jiaozi, wenn auch nur mit Einheitsfüllung, standen mit auf dem Buffet.

IMG_4202Die Jungs haben das Interesse an der Fernsehpflichtveranstaltung, der großen Neujahrsgala, rasch verloren. Für mich und Thomas war es aber ein unterhaltsamer Abend, nachdem wir den ganzen Tag schon die Vorberichterstattung gesehen hatten, waren wir entsprechend angefixt. Quietschbunt, hoffnungslos überladen die allermeisten Nummern. Für jeden (nicht nur chinesischen) Geschmack etwas dabei: Traditionelles, Klassisches, Pop und Rock, Tanznummern, Akrobatisches, Komiker, eine Anspielung auf die große Militärparade im Sommer…  – über 4 Stunden lang! Ich muss mal googlen, ob es wirklich über 10.000 Mitwirkende auf der Hauptbühne waren (und wie viele noch dazu bei den Außenwetten, öh, Liveschaltungen in andere chinesische Städte.) Deutsche Shows sind dagegen langweilige Billigproduktionen. ;) Während der Fernsehshow wurden per wechat noch virtuelle Hongbaos (Hongbao = roter Umschlag für Geldgeschenke) ausgetauscht – in einem Gruppenchat habe ich aus Neugier auf einen geklickt und „musste“ dann meinerseits einen versenden.

Angestoßen haben wir um Mitternacht nicht mit Reisschnaps, sondern Sekt und sind dann doch raus vor die Tür. Auch wenn in unserem Compound Feuerwerk verboten war, ringsrum war die Hölle los – und das ging bis in den Morgen weiter. Danach flaute es ab, wurde mit Einbruch der Dunkelheit wieder etwas mehr, heute ist es bislang ganz ruhig, aber noch ist es ja auch hell.

Natürlich haben wir Türen und Fenster geöffnet und das Licht die ganze Nacht angelassen, damit das Glück zu uns findet. Und damit es dableibt, darf es die nächsten Tage auch nicht wieder zur Tür hinausgefegt werden.

Zum Frühstück haben wir dann eine ganz andere Richtung eingeschlagen:  Superbowl. War auch mal klasse, dabei nicht die ganze Zeit dabei gegen den Schlaf ankämpfen zu müssen. Gratulation, Peyton Manning und Broncos! Aber die Halbzeitshow (ich fand Coldplay gar nicht so übel wie viele Kritiker nun tun), ist doch kein Vergleich zur chinesischen Neujahrsshow… *grins*

Passend zum Frühlingsfest präsentierte sich gestern das Pekinger Wetter: 12 Grad, strahlendblauer Himmel, gute Luft und klare Sicht: nichts wie raus! Mit Tausenden anderen haben wir die Houhai-Seen umrundet. Nasse Füße wollten wir nicht bekommen und haben vom Gang aufs Eis abgesehen, und auch den Eisschwimmern haben wir uns nicht angeschlossen… Dann ein kurzer Blick auf Trommel- und Glockenturm und nochmal eintauchen in die Hutongs, wo vereinzelt ein paar Kinder geböllert haben und dann hat es unseren Kindern auch gereicht – hatten ja in der Nacht nicht zu viel Schlaf.

Letzte Woche war ich mit der Fotogruppe im NCPA. NCP-was? National Centre for the Performing Arts: ein riesiges Gebäude, in dem sich Opernhaus, Theater, Konzertsaal und „Multifunktionstheater“ sowie Cafés und Ausstellungsräume befinden. Mitten in Peking, unweit der Verbotenen Stadt gelegen.

Mir gefällt das Ei! Zunächst haben wir es umrundet, zusätzliches Augenfutter gab es durch die Fensterputzer, die sich ringsherum abseilten. Guckt man von der Längsseite, erkennt man durch die Spiegelung im Wasser das Yin und Yang Symbol. Insgesamt ist es ein sehr ruhiger Ort, trotz der zahlreichen Spaziergänger.

Für 30 RMB kann man das Gebäude auch von innen besichtigen. Der Eingangsbereich befindet sich tiefergelegt, unterhalb der Halle, unter der Wasserfläche. Je nach Blickwinkel, und abhängig von Sonne und Wolken schimmert das Licht und die Stahlkonstruktion und sieht das Wasser mal eher blau, mal grün aus.

Faszinierend auch, wie sich auch im Inneren das Oval als Motiv immer wieder findet, beispielsweise die Form eines Cafés oder die Anlage der Rolltreppen. Da es relativ leer war, wirkte das Gebäude vermutlich noch überwältigender als wenn dort viele Menschen gewesen wären. Aber das würde ich auch gerne mal erleben, dort möchte ich mir gern eine klassische Oper ansehen, die ausgestellten Kostüme und Bühnenbildelemente versprechen nichts vornehm reduziertes, sondern gewaltige Bilder. ;)

Ich bin mal gespannt, wie die Elbphilharmonie im Vergleich zu diesem wirklich spektakulären Bau sein wird. Lage und Blick dürfte Hamburg allerdings klar die Nase vorn haben!