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Am nordöstlichen Rand des inneren Pekings, 15 Kilometer vom Tianan’men entfernt, liegt der 798 Art District (auch 798 Art Zone oder Kunstbezirk Dashanzi, 798艺术区, 798 yìshù qū).

Geschichte und Architektur

In den 1950er Jahren hat China hier mit der Unterstützung der Sowjetunion und der DDR Fabriken fürs Militär gebaut. Die Bauhaus-inspirierten Gebäude mit den Sägezahn-Dächern waren etwas ganz Neues in China (typisch sowjetische Brachialbauten gab es schon). Das Material für die Fabriken wurde zum Teil mit der TransSib nach China gebracht, die DDR entsandte 100 Fachleute.

Die Gebäude wurden so konzipiert und ausgerichtet, dass sie die größtmögliche Lichtausbeute hatten – deshalb die Sägezahn-Dächer. Die Fenster sind nach Norden ausgerichtet, um Schatten zu vermeiden.

In den 1990er Jahren kam die Produktion der staatlichen Firmen im „Joint District 718“ (später in Unterdistrikte und eben auch 798 unterteilt) zum erliegen. Ende der Neunziger zogen die ersten Künstler: Maler, Bildhauer, Designer in die lichtdurchfluteten Hallen und wandelten die Fabriken in Werkstätten um. Galerien wurden eröffnet, zum Beispiel 798 Space und UCCA, mehr und mehr Bars, Cafés und Restaurants eröffneten im Viertel. Je angesagter 798 wurde, desto höher wurden die Mieten, einige Künstler zogen weiter, z.B. nach Caochangdi. Heute kann man das Viertel als Bobo beschreiben (bourgois-bohémian). Es heißt inzwischen auch: hier ist mehr Show als Kunst. Und doch gibt es hier eine einzigartige, bunte und lebendige Atmosphäre.

798 ist nach der Verbotenen Stadt und der Mauer das am dritthäufigsten besuchte touristische Ziel in Peking.

Am Vormittag durch den 798 Art District

Ich war schon eine ganze Zeit lang nicht mehr dort und bin gestern bei tollem Wetter und guter Luft spontan mit einer Freundin durch den Art District geschlendert.

Buggies im Gänsemarsch – da wäre ein einfarbiger Hintergrund praktischer gewesen, aber hier gibt es das, was es sonst in Peking so gut wie gar nicht gibt: Graffiti.

Nicht nur Tags, sondern ganze Wandgemälde gibt es hier.

Und dann gibt es auch „Gekritzel“.

Sogar die Toiletten sehen cool von außen aus (und innen sind sie sauber).

Grün gibt es auch.

Hier am Pace (Faurschou Foundation) kann man die Bauweise mit den Sägezahn-Giebeln und den nach Norden ausgerichteten Fenstern gut erkennen.

Und auch hier im hippen Art District werden ganz traditionell die Vogelkäfige tagsüber nach draußen gehängt.

Dies ist ein Blumenladen mit angeschlossenem Café – das leider erst nachmittags öffnet.

Ja, Cafés gibt es viele. Hier eines mit Hund.

Kein Pilot, sondern Parkplatz-Anweiser.

Auch hier wird Fuß-Federball gespielt.

Oder mit den Großeltern spazieren gegangen.

Grün gibt es auch einiges.

Und ein Café mit Gans.

Es ist gerade noch warm genug für die Dachterrasse eines Cafés – Aus- und Ansichten inbegriffen.

Wie gesagt: auch Graffiti.

Schön war es wieder. Am Ende habe ich mich gefragt, warum ich nicht viel öfter hier unterwegs bin, ich hab’s gar nicht so weit.

Fotos

Hier sind noch ein paar mehr, ältere Bilder zu sehen: Ein Frühlingsspaziergang durch den Art District 798.

 

 

 

Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin am Shichahai spazieren gehen und den Tempel des Feuergottes noch einmal besuchen. Sie war da noch nicht, hätte aber die chinesischen Schilder  übersetzen, die Mitarbeiter und Mönche fragen und so mehr erklären können. Weil es morgens aber gewittert hat, haben wir umdisponiert und wollten stattdessen ins Nationalmuseum gehen. Dazu haben uns am Tian’anmen verabredet.

Blick vom Metro Ausgang Tiananmen Ost zum Tor des Himmlischen Friedens

Treffpunkt Metro Tian’anmen Ost

Wie sich herausstellt, hätten wir mindestens einen Tag vorher reservieren müssen. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man schon am Tian’anmen ist, gibt es mehr als genug zu tun und zu gucken. Zum Glück macht der Regen Pause.

Rund um den Tian’anmen

Rund um den Tian’anmen stehen fünf bedeutende Gebäude:

  • im Norden das Tor des Himmlischen Friedens (der Eingang zur Verbotenen Stadt),
  • im Osten das Nationalmuseum,
  • im Süden das Mao-Mausoleum und dahinter Zhengyangmen (das größte und prächtigste Stadttor) und
  • im Westen die Große Halle des Volkes

Auf dem Platz steht dann auch noch das Denkmal für die Helden des Volkes – und nicht zuletzt ist auch das Gewusel und Gewimmel hier unglaublich interessant.

Das Tor des Himmlischen Friedens

Es geht direkt los mit dem Tor des Himmlischen Friedens. Jedes Mal, wenn ich hier bin, überkommt mich ein ganz unwirkliches Gefühl – ich bin wirklich in Peking?!

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, davor Auto-Stau

Tor des Himmlischen Friedens

Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle. Hier werden die chinesischen ID-Cards automatisch gescannt, ausländische Pässe müssen von Hand gecheckt werden. Aber anstatt wie meistens meinen Pass nur vorzuzeigen und durchgewunken zu werden, werde ich gefragt, warum ich in Peking bin und wie lange schon. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Sicherheitsbeamte wissen wollte, ob ich Diplomatin sei. Seltsam, sonst wird eher nach Journalisten gefragt. Ob das was mit dem Fall des an Covid-19 erkrankten Diplomaten zu tun hat, der nicht weit von hier im Legendale abgestiegen war (das Hotel ist nun unter „closed management“)? Naja, ist ja auch egal, wir sind auf dem Platz.

Tian'anmen mit Mao-Mausoleum

Mao-Mausoleum, dahinter Zhengyangmen und Bogenschützenturm

Wir schlendern erst einmal über den Platz, der mich nicht nur wegen seiner Größe („größter befestigter Platz der Welt“) beeindruckt.

Tian'anmen, Blick zum Tor des Himmlischen Friedens

Auf dem Tian’anmen

Die Deko anlässlich der 100-Jahr-KP-Feierlichkeiten steht noch.

Tian'anmen, Blick auf die Große Halle des Volkes und das Denkmal für die Helden des Volkes

Große Halle des Volkes und Denkmal für die Helden des Volkes

Das Nationalmuseum

Der Eingang des Nationalmuseums war früher hier von der Platz-Seite aus. Jetzt ist er nach vorne zur Chang’an Avenue (zurück-?)verlegt worden. Das ist dichter an der U-Bahn und noch vor dem Sicherheitscheck am Tian’anmen, also etwas praktischer.

Pekings Nationalmuseum vom Tian'anmen aus gesehen

Nationalmuseum

Das Denkmal für die Helden des Volkes

Meine Freundin erzählt, dass sie als kleines Kind einem Missverständnis aufgesessen ist und geglaubt habe, dass unten in dem Denkmal die Soldaten wohnen würden. Damals hätte sie vergeblich nach Fenstern und Türen gesucht. Heute kommt man nicht mehr so dicht dran, aber das Missverständnis hat sich inzwischen ja auch aufgeklärt.

Denkmal für die Helden des Volkes auf dem Tian'anmen in Peking

Denkmal für die Helden des Volkes

Volksfeststimmung

Auf dem Platz ist richtig viel Trubel. Familien, Paare, kleine und große Reisegruppen sind hier unterwegs. Manche warten hier auf ihre Begleitung, denn in das Mao-Mausoleum darf man keine Taschen, Schirme, Kameras, Gepäck mitnehmen – nur Handy und ID-Card/Pass sind erlaubt.

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten, während ein kleines Reinigungsfahrzeug herumfährt. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Die große Halle des Volkes

Auf die große Halle des Volkes werfen wir nur einen kurzen Blick.

Tian'anmen: Blick auf das Denkmal für die Helden des Volkes und die Große Halle des Volkes - mit vielen Menschen auf dem Platz

Denkmal und große Halle des Volkes

Mao-Mausoleum

Meine Freundin fragt mich, ob ich Mao schon mal gesehen habe. Nein, habe ich nicht. Sie zückt ihr Handy, scannt den QR-Code, der an der Absperrung zum Mausoleum hängt, hält mir das Handy hin, damit ich meinen Namen und meine Passnummer eingebe – und zack, haben wir einen Besucherslot von 10-11 Uhr gebucht. Das kam jetzt überraschend.

Aufwendige Sicherheitsmaßnahmen

Wir überqueren die Straße, gehen am Nationalmuseum vorbei zu einem weiteren großen Gebäude, wo man seine Habseligkeiten abgeben kann – wie gesagt, ins Mausoleum darf man nichts mit hineinnehmen. Die Schlange hier ist sehr lang, oben auf der Treppe steht ein Mann und brüllt seine Anweisungen in ein Megaphon: Keine Taschen! Keine Schirme! Alles hier abgeben! Es werden immer große Gruppen von Leuten hineingelassen, und es scheint ewig zu dauern. Das kriegen wir bis 11 Uhr nicht mehr hin. Wir beschließen, es so zu machen, wie viele der anderen Leute auch: wir gehen abwechselnd ins Mausoleum.

Meine Freundin sagt, ich soll zuerst gehen, sie wäre ja schon mal da gewesen, nimmt mir meine Tasche ab und drückt mir ihr Handy in die Hand (weil sie damit unseren Slot gebucht hat). Und schon passiere ich eine erste Einlasskontrolle, bei dem wohl nur geguckt wird, dass man wirklich nichts weiter dabei hat. Durch viele Absperrgitter schlängelt sich der Weg zum Mausoleum, es geht aber zügig voran.

Dann kommt eine Sicherheitskontrolle, wo QR-Code und Pass gecheckt werden, nach dem Scanner werde ich noch mal von Hand abgetastet und darf weitergehen.

Nelken für Mao

Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle steht eine kleine Verkaufsbude, wo man in Plastikfolie verpackte weiße Nelken für 3 Kuai/Stück kaufen kann. Das tun viele der chinesischen Besucher. Ich bin überhaupt die einzige Langnase weit und breit. Der Weg schlängelt sich weiter, an weiteren Nelkenbuden vorbei. Vor den Stufen zum Gebäude stockt es schließlich, hier wird der Einlass der Menschen genau getimed.

Und dann geht es so schnell, dass ich jetzt schon beschließe, dass ich den Besuch hier wiederholen muss.

Wächter machen das wohl überall auf der Welt verständliche „Psst!“-Zeichen und legen den Finger auf den Mund. Fotografieren ist strengstens verboten!

Nach der Eingangstreppe landet man in einem großen Vorraum, in der eine großen Mao-Statue steht. Die weißen Nelken werden Soldaten in die Hand gedrückt, die sie ordentlich auf und um ein Podest vor der Statue stapeln. Aber bitte nicht stehen bleiben, gleich weitergehen.

Da liegt er

Die Schlange teilt sich hier und wird nun links bzw. rechts an der Statue vorbei in den nächsten Raum geschleust: Maos Grabkammer, wo er in seinem Kristallsarg liegt. Eigentlich wollte Mao selbst kremiert werden, aber nun liegt er seit 45 Jahren hier, sieht aus wie eine Wachsfigur (wenn es denn wirklich seine Leiche ist, Gerüchte stellen das infrage). Das wächserne Gesicht leuchtet orange, ich sehe allerdings keine Lampe, die ihn anstrahlt, was das ganze noch surrealer macht.

Alle werden langsamer, während sie schauen. Bei nicht wenigen fließen Tränen. Ich werde wohl zu langsam, ein Wächter winkt und ich beschleunige meinen Schritt. In einem kleineren Raum fließen beide Besucherströme wieder zusammen und dann geht es auch direkt hinaus und man steht auf dem Platz vor dem Zhengyangmen. Hier könnte man sich noch mit Souvernirs eindecken, ich passe.

Rückseite/Ausgang des Mao-MausoleumsRückseite/Ausgang des Mao-Mausoleums in Peking

Ich eile zurück zum Eingangsbereich, fliegender Wechsel. Wir machen nur noch schnell aus, dass wir uns am Ausgang wieder treffen.

Später erzählt meine Freundin mir, dass viele Chinesen aus der Provinz ihr Leben lang sparen, um nach Peking reisen und Mao sehen zu können. Ich hatte den Besuch hier bisher nicht auf der Liste, u.a. auch weil mich die langen Schlangen abgeschreckt haben. Doch obwohl es eine solche Menschenmenge ist, die hier Tag für Tag (außer montags, grins) durchgeschleust wird, geht es erstaunlich schnell. An keinem Punkt (außer an dem „Taschengebäude“) steht man sich die Beine in den Bauch, es geht immer voran. Tatsächlich war es völlig unabhängig davon, wie man zu Mao steht, eine interessante Erfahrung: das Prozedere, die Leute und deren Reaktion.

Zhengyangmen

Zhengyangmen (auch Qianmen) ist das Haupttor und das größte und prächtigste aller Pekinger Stadttore. Hier gibt es auch ein Stadttor-Museum, dass wir uns heute aber nicht mehr ansehen. Stattdessen gehen wir in einem Hutong abseits der Qianmen Street zum Mittagessen.

Pläne machen ist gut, Pläne umschmeißen wie man sieht aber auch. Ich bin direkt dankbar für das Gewitter am Morgen, das den Anstoß für die Planänderung gegeben hat.

Vielen Chinareisenden und Expats geht es wohl irgendwann so, dass sich der Gedanke breitmacht: „Och nee, nicht noch ein Tempel oder Kloster…“

Wenn man dann womöglich Abstand von Besichtigungen nimmt, könnte man aber doch was verpassen, zum Beispiel das Hängende Kloster – Xuankong Si -, das von seiner Lage und Architektur her absolut einzigartig ist. Für mich ein absolutes China-Highlight, gleich nach der Mauer!

Das hängende Kloster bei Datong

Etwa eine Autostunde von Datong erhebt sich der Heng Shan/Bei Yue (Nordgebirge); eines der fünf Heiligen Gebirge des Daoismus. Und dort, etwa 50 Meter über dem Boden – mir kam es eher wie 500 Meter vor! – hängt in der Felswand über dem Fluss ein hölzernes Kloster mit vielen winzigen „Hallen“, vorne aus Holz, hinten in die Felswand hineingebaut. Nichts für Menschen mit Höhenangst! Auch Kinder würde ich nicht mit hinaufnehmen. Man kann aber oben direkt vor dem eigentlichen Klostereingang warten und sich abwechseln, sollte man Kinder dabeihaben. Aber auch wenn man sich nicht hineintraut, ist der Anblick von unten die weite Anreise wert!

Vom Parkplatz aus geht man zum Kassenhäuschen, tritt durch den Eingang auf einen großen gepflasterten Platz – weitgehend leer, ein kleiner Kiosk an einem Ende, am anderen ein Toilettenhäuschen und Pavillions mit Sitzgelegenheiten im Schatten. Man überquert den Fluß auf einer schwankenden Hängebrücke und folgt dann einem von zwei Wegen mit vielen Treppen und Stufen den Berg hinauf, der eine in der prallen Sonne, der andere angenehm schattig mit einem bepflanzten Gitterdach und vielen Bildern des Klosters an den Seiten. Oder ist der Zweck des Dachs nicht das Schattenspenden, sondern der Schutz vor Steinschlag?

Im Kloster leb(t)en drei Glaubensrichtungen/Philosophien einträchtig miteinander: Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus, in einer der Hallen gibt es tatsächlich Statuen von Konfuzius, Buddha und Laotse nebeneinander – einzigartig. Erst seit vor etwa 30 Jahren die letzten beiden Mönche ausgezogen sind, ist das Kloster für die Öffentlichkeit zugänglich.

Warum ein Kloster in die Felswand hängen?

Wie kommt man vor 1500 Jahren auf die Idee, ein Kloster in eine Felswand zu hängen? Vielleicht, um es vor Überschwemmungen zu schützen? Vielleicht, um schon von Weitem für Wanderer sichtbar zu sein? Die oben überhängende Steilwand schützt es vor Schnee und Regen, in dem engen Talkessel liegt es bis auf 3 Stunden täglich immer im Schatten. Vermutlich ist es deswegen so gut erhalten.

Obwohl dort schon einige Touristen sind, hat der Ort eine ganz eigene, besondere Atmosphäre – oben im Kloster selbst beinah mystisch, wenn man Glück hat und es etwas Ruhe und Zeit zum Verweilen gibt. Und die hatten wir glücklicherweise. Wer mag, kann den Rundgang auch mehrmals machen. Ja, Rundgang, es ist so schmal, dass man nur in einer Richtung vorwärts kommt, es gibt keinen Weg zurück. Man klettert über steile Treppen, die eigentlich mehr wie Leitern sind, in die oberen Stockwerke. Man weiß gar nicht, ob man in die Hallen hinein sehen soll, um die Statuen zu bewundern oder in den Spalt zwischen Felswand und Treppe in die Tiefe blicken soll (besser nicht… ;) ) oder doch den Blick schweifen lassen und die Aussicht genießen soll. Dass es am gegenüberliegenden Berghang auf der anderen Seite des Tals eine von vielen LKWs befahrene Straße und einen Tunneleingang gibt, wo zur Sicherheit viel gehupt wird, dringt kaum zu einem durch. Eher staunt man zusammen mit den anderen Besuchern über den Zauber des uralten Gebäudes.

Ein Hauch von Höhenangst…

Ich mache mir schon Gedanken, ob und wie das Kloster sich am Fels festhält und ob es wirklich sicher ist, denn es ruht nur auf den uralten in den Felsen hineingebohrten Holzpflöcken. Die vertikalen Stützen dienen nur der Stabilisierung und sehen furchtbar dünn und schrecklich alt aus. Aber es hat 1500 Jahre gehalten, da wird es nicht gerade dann abstürzen, wenn ich da bin, also traue ich mich hinein und hinauf. Und ich bin dann auch total erfüllt und begeistert. Ganz oben allerdings gab es einen Abschnitt, wo sich bei mir leichte Panik gemeldet hat, die ich mit großer Anstrengung niederkämpfen konnte. Das „Geländer“ dort ging mir gerade knapp übers Knie… Mit den Händen in die Rückwand gekrallt und Trippelschritten hab ich mich seitlich am Abgrund vorbei geschoben.

Ich war trotzdem froh, mich getraut zu haben: Es ist so unglaublich schön und besonders: das Bauwerk, die Lage, die Aussicht, die Stimmung, dass der Thrill wieder in den Hintergrund tritt.

Hängendes Kloster: Fotos

 

 

Pekings Stadtmauer steht in den Reiseführern oft ziemlich weit hinten, anders als es bei den Stadtmauern von z.B. Xi’an oder Datong der Fall ist. Bei „Mauer“ denkt man in Peking natürlich auch an die Große Mauer und nicht an die wenigen Überreste der Stadtmauer. So hat es denn auch bis zu diesem Osterwochenende gedauert, bis ich mir das mal näher angeschaut habe. Dafür war ich dann aber auch gleich zweimal dort. Daran vorbeigefahren bin ich schon oft, der Wachturm an der Ecke, auch Fox Tower genannt, liegt unübersehbar direkt am 2. Ring. Abends ist die Ecke hübsch beleuchtet.

Der Stadtmauerpark – Ming City Wall Relics Park

Der Park ist verglichen mit anderen Pekinger Parks recht klein, dazu verkehrsgünstig gelegen: eigentlich nur ein 1,5 Kilometer langer, sehr breiter Grünstreifen zwischen der vielspurigen Chongwenmen East Street und den Resten der Stadtmauer. Auf der anderen Seite der Mauer schließt sich direkt das Bahngelände an, der Hauptbahnhof ist nicht weit.

Blick vom Foxtower auf den schmalen Stadtmauerpark

Kaum mehr als ein sehr breiter Grünstreifen: der Stadtmauerpark

Aber vom Verkehr hört man überraschend wenig, dazu ist der Park ist hübsch angelegt. Besonders zur Frühlingsblüte ist er ein regelrechter Hotspot, weil hier Magnolien, Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen und Forsythien und einiges mehr gleichzeitig blühen. An vielen Bäumen sind Schilder mit QR-Codes angebracht, wenn man es genauer wissen will (man sollte aber Chinesisch lesen können).

Kleinkind be-greift Magnolienblüten

Früh übt sich!

Am Ostersonnabend mache ich mich nachmittags auf in den Park. An diesem Wochenende ist auch das Qingming-Fest, entsprechend voll ist es. Zunächst zieht es mich in Richtung Turm und ich bin tatsächlich überrascht: man könnte dort hinauf – allerdings bin ich ein paar Minuten zu spät dran, Einlass ist nur bis 16:30 Uhr. Kein Problem, dann hole ich das nach. Angesichts des Traumwetters und der objektiv guten Luft war mir sowieso mehr nach Spaziergang. 

Musiker vor der Mauer im Stadtmauer-Park in Peking

Musik im Park

Die Luft ist süß vom Blütenduft. Überall wird fotografiert. Dazu das typische Parkleben: Sport, Musik, Spiele – ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Immer wieder zieht es den Blick zur Stadtmauer und darüber hinaus, auch hier lassen sich wieder das kaiserliche und das moderne Peking auf ein Bild bannen.

Fox Tower (Wachturm an der Stadtmauer) und der Zhongguo Zun vor blauem Himmel

Kaiserliches und modernes Peking auf einen Blick

 

Für Eisenbahn-Fans

Trainspotting…

Die Plattform oben am Wachturm sowie die Fußgängerbrücke südöstlich des Turm sind gute Standorte fürs Trainspotting. Von der Plattform aus kann man die Züge bei der Ein- und Ausfahrt in den Hauptbahnhof sehen, von der Brücke aus sind weniger Kabel und Masten im Weg und im Hintergrund hat man den CBD als Kulisse.

 

… und Bahn-Historie

Mitten im Park finden sich Überbleibsel der Peking-Mukden-Railway: ein altes Signalhäuschen sowie ein paar alte Gleise. Mukden ist das heutige Shenyang.

 

Goldene Stunde

Am Westende des Parks hat man von einem kleinen Hügel aus eine tolle Aussicht in Richtung Zhengyangmen – und weil Wetter und Luft mitspielen noch weiter bis zu den Westbergen.

Aussicht in Richtung Zhengyangmen und Westberge

Aussicht in Richtung Zhengyangmen und Westberge

Ich drehe um und gehe den gleichen Weg zurück zu meinem Scooter. Nachdem wir dieses Jahr schon so viel schlechte Luft und Sandstürme gehabt haben, tun mir die „goldenen Aussichten“ auf der Rückfahrt wirklich gut.

 

Stadtmauer und Eckturm

Zwei Tage später setze ich mein Vorhaben um und besichtige den Turm und die Stadtmauer, auf der man ein kurzes Stück entlanglaufen kann.

Die Stadtmauer wurde 1419 während der Ming-Dynastie gebaut und stand bis zu den frühen 1960er Jahren. Dann wurde sie größtenteils für den Bau der U-Bahn abgerissen, die zum Teil unterhalb der ehemaligen Mauer entlangführt. Von den ehemals 40 Kilometern blieben gerade mal die 1,5 Kilometer in der Nähe des Hauptbahnhofs übrig. In den späten 1990ern wurde entschieden, diesen Abschnitt zu restaurieren und einen Park einzurichten. Ein Fünftel der dafür benutzten Mauersteine seien originale Steine, die von Pekingern für den Bau gespendet wurden. Fertiggestellt wurde der Park im September 2003.

Im Turm (1439 fertiggestellt) konnten 200 Soldaten und Pferde untergebracht werden, dazu gab es Rampen. Der Turm gilt als der größte noch stehende Eckturm Chinas.

Der südöstliche Eckturm- Fox Tower

Der südöstliche Eckturm- Fox Tower

Während des Boxeraufstands 1900 wurde der Turm von den Vereinten Acht Nationen angegriffen und eingenommen. Deren Graffiti (in die Mauersteine eingeritzt) ist heute noch zu sehen. 1983 wurde der Turm restauriert und für die Öffentlichkeit geöffnet.

Heute befindet sich im Turm eine Ausstellung über die Stadtmauer und die auch heute noch im Stadtbild vertretenen Stadttore. Auch wenn man mancherorts vielleicht vergeblich ein Tor sucht, wenn „门=men“ in einer Ortsangabe vorkommt, liegt die Vermutung nahe, dass es hier mal ein Stadttor gab.

Schaubild: Pekings Stadttore

Pekings Stadttore

 

Der Mord an Pamela Werner, 1937

Ein Beitrag zum Fox Tower wäre nicht komplett ohne den Hinweis, dass in der Nähe des Turms  am 8. Januar 1937 die übel zugerichtete Leiche der knapp zwanzigjährigen Diplomatentochter Pamela Werner gefunden wurde. Der Mord wurde nie aufgeklärt.

Paul French schrieb darüber einen „murder mystery“-Bestseller: „Midnight in Peking*„, der leider nicht auf Deutsch erhältlich ist. Ulrike vom Bambooblog bespricht das Buch hier.

Auf der Mauer

Ein Spaziergang auf diesem kurzen Abschnitt ist vielleicht nicht so spektakulär wie auf der Mauer in Xi’an, auf der man sogar radeln kann, dennoch finde ich die sowohl die Aussichten auf die Stadt als auch auf die Mauerreste interessant.

Pekings Stadtmauer mit Blick auf den CBD

Pekings Stadtmauer mit Blick auf den CBD

 

Info

Park: Eintritt frei, immer geöffnet, keine Gates oder Eingangskontrollen

Wachturm und Stadtmauer: Eintritt 10 RMB, geöffnet 9-17 Uhr, letzter Einlass 16:30 Uhr

Hinkommen:

  • Auto, Motorrad, Scooter, …: Parkplatz direkt unterhalb des Wachturms/Osteingang (9 Chongwenmen East Streat, Dongcheng)
  • Bushaltestelle: Dongbianmen Station (befindet sich etwa in der Parkmitte, direkter Zugang)
  • Metro: Chongwengmen, Exit B, ca. drei Minuten Fußweg bis zum Westeingang des Parks

Weiterlesen: Pekings Stadtmauer im Bambooblog mit mehr Infos zu den Stadttoren

Fotos

 

 

Das Pekinger Olympiagelände ist riesig. Bisher war ich nur im südlichen Teil unterwegs, wo sich das Bird’s Nest und der Watercube befinden. Heute habe ich das Postkartenwetter ausgenutzt, um mich mal ein Stückchen weiter nördlich umzusehen, vielleicht bis zum Olympic Forest Park.

An diesem „kleinen“ Kreisverkehr denke ich immer, ich wäre fast da, aber es ist doch noch ein Stück – ich unterschätze die Entfernungen hier immer noch.

Stau am 4. Ring, aber die gut ausgebauten Straßen sind relativ leer. Am Pangu Plaza (beherbergt auch ein „7 Sterne“ Hotel; eines der ersten, die zu Beginn der Pandemie geschlossen hatten) wird offenbar gebaut.

Habe ich erwähnt, dass ich mich bei den Entfernungen hier gern vertue?

Auf den Fotos kommen die Berge gar nicht richtig raus.

Blick auf Linglong Pagode, Olympic Tower und Bird’s Nest:

Da ich heute ja den nördlicheren Teil erkunden möchte, fahre ich erstmal ein Stück am Ring entlang und dann auf der Ostseite des Geländes weiter. Pro-Tipp: Nicht verfransen (das kann angesichts der Unterführungen schon mal passieren…), man müsste eine Ewigkeit am 4. Ring entlang nach Westen fahren, bevor man ihn überqueren und zurückfahren kann. Zu Fuß oder mit einem Fahrrad nicht so wild, dafür gibt es Brücken – für den Scooter sind die mir zu steil bzw. der Scooter zu schwer.

Danach ist auf den Straßen so viel los, dass ich lieber erstmal auf Strecke und Verkehr achte. Schließlich parke ich den Scooter in der Nähe des Science & Technology Museums (Riesenkasten, müsste man sich eigentlich auch mal ansehen).

Und dann kommt Urlaubsfeeling auf.

Blick in die andere Richtung:

Ich komme am Zugangsweg zum Olympic Tower vorbei, der übrigens erst nach Olympia 2008 gebaut wurde (2011-2014, eröffnet anlässlich meiner Ankunft in Peking im August 2015). Hoch will ich heute nicht, hatte ich auch gar nicht auf dem Zettel, denn ich möchte ja in Richtung Olympic Forest Park. Im Nachhinein blöd, die Sicht müsste heute gigantisch gewesen sein (falls denn überhaupt geöffnet war, es sah eher trostlos und verlassen aus).

Unten am Wasser ist es echt nett. Dann kommt aber wieder eine etwas breitere Straße und ein Parkplatz – und erst danach beginnt der Forest Park, der um einiges größer ist als das hinter mir liegende Gelände, dafür werde ich erheblich mehr Zeit brauchen (und mehr Wasser und Sonnenschutz…). Wie war das mit den unterschätzten Entfernungen…? Also drehe ich um.

Üblicherweise werden diese Leihräder ja in großen Rudeln abgestellt, hier steht mal eins ganz alleine.

Nochmal der Blick zurück in Richtung Tower. Und ja, das Knattern gehört tatsächlich zu einem Hubschrauber, sieht man in Peking nicht oft.

Der flog da seine Runden, im großen Bogen immer um das Olympiagelände herum.

Mit dem Scooter tuckere ich dann nochmal über diese Brücke – das ist schon eine nette Aussicht.

Ich erwische den Hubschrauber aus der Nähe. Da ist der bestimmt schon vier-, fünfmal seine Runde geflogen.

Dass derzeit die Berge fast immer in Sicht sind, find ich klasse. Das heißt nämlich auch: gute Luft.

Und nochmal. Wie gesagt, Hubschrauber sieht man in Peking nicht so oft wie in Hamburg.

Nun mache ich mich aber wirklich auf den Rückweg. Die Straße direkt am Vogelnest ist beinah leer, aber sobald ich am Ring ankomme, tobt das übliche Feierabendsverkehrschaos (und ich nehme wieder eine falsche Unterführung, was mir einen längeren Umweg beschert).

Jetzt habe ich wieder mehrere Dinge auf dem Zettel: Olympic Tower, Olympic Forest Park – und den Yuan Dadu City Wall Relics Park, an dem ich auf dem Rückweg vorbeigekommen bin. Es ist also nicht so, dass meine „Anguck-Liste“ kürzer wird, sondern es kommt im Moment wieder immer mehr dazu. Und das finde ich richtig gut, dass es immer noch so viel zu entdecken gibt.

Update am 6.6.2021: Karte

Ich habe eine Map erstellt, damit man sich die Entfernungen etwas besser vorstellen kann (für Beschriftungen am PC/Laptop mit der Maus über die Ziffern gehen, bei kleineren Monitoren Legende unterhalb des Bildes):

1
2
3
4
5
6
1

Hier bloß nicht verfahren… ;)

2

Bird’s Nest

3

WaterCube

4

Linglong Pagoda

5

Science & Technology Museum

6

Olympic Tower

www.mapz.com · Download site for road maps und city maps · Downloadportal für Stadtpläne und Landkarten

 

Lange sah es so aus, als kämen Prinz Gong und ich nie zusammen: beim ersten Versuch haben wir vergessen, dass Montag alles geschlossen ist, dann kamen Bauarbeiten, Verlängerung der Bauarbeiten, Corona… Jetzt hat es endlich geklappt. Ich habe so viel darüber gelesen, bin so oft außen dran vorbei gefahren – ich war echt gespannt.

Die Residenz des Prinzen Gong in der Nähe des Shichahai gilt als eine der schönsten und am besten erhaltenen kaiserlichen Residenzen der Qing-Dynastie.

Die Anlage ist in zwei Teile gegliedert: vorne die prunkvolle Residenz mit über 30 Gebäuden; hinten ein bemerkenswerter Garten, eher ein kleiner Park, der mit dem Roman „Der Traum der Roten Kammer“ in Verbindung gebracht wird.

 

Auf dem Weg fällt mir auf, wie voll die Stadt ist und wie viele Touristengruppen unterwegs sind. Auch die Rikschafahrer sind wieder überall in der inneren Stadt zu sehen.

Ich muss zugeben, ich bin doch erleichtert, dass wirklich geöffnet ist und dass ich auch problemlos hineinkomme: als Ausländerin nur den Health Code Scannen und durch das erste Tor gehen, links halten und am Ticketschalter den Reisepass vorzeigen, bezahlen, fertig.

Dann geht es durch das nächste Tor mit Sicherheits- und Taschenkontrolle. Ich bin fast ein bisschen überrascht, dass es so voll ist – und gleichzeitig froh drüber, weil es so normal ist.

Das Ausleihen eines Audioguides ist etwas komplizierter, Scannen eines QR-Codes, Menü ausschließlich Chinesisch,  aber die Kassiererin ist geduldig und schließlich klappt alles und ich kriege zu jedem Gebäude die wichtigsten Informationen ins Ohr geflüstert.

Auch wenn ich mich gerade noch gefreut habe, dass es so schön normal-voll ist – in den Gebäuden vorne ist es mir zu gedrängt, so dass ich da relativ achtlos dran vorbeigehe.

Einen Blick auf das Modell werfe ich aber noch.

Sightseeing ist anstrengend.

Wie in so vielen Sehenswürdigkeiten sind auch hier viele junge Leute in Kostümen unterwegs.

In lasse den vorderen Teil mit den Hallen hinter mir und komme zum Garten. Hier das Western Style Gate:

Der Garten ist wirklich nett angelegt: künstliche Hügel, gewundene Pfade. Oh, und eine kleine Mauer, die an die Große Mauer erinnern soll.

Anders als bei der Großen Mauer darf man hier aber nicht entlanggehen.

Wenn man ein bisschen wartet, kann man zwischen den Touristengruppen diesen Pavillon auch (fast) ohne Leute aufs Bild bannen.

Aber nur kurz zur Seite gedreht, sieht es so aus: voll.

Ich gehe den Hügel hinunter, ein paar Schritte an diesem Wasserlauf entlang…

… um zum fledermausförmigen Teich weiterzugehen. Die Fledermausform kann man von untern allerdings kaum erkennen.

Ich komme am Gemüsegarten vorbei.

Es blüht natürlich auch überall.

Hier kann man ein wenig die verwinkelte, hügelige Anlage erkennen.

Ich schlage einen Bogen und komme noch mal zum Western Style Gate, wo es sich gerade ein bisschen staut.

Gucke ich mir halt die Blumen genauer an, bis sich der Stau aufgelöst hat.

Für mich sind die Feuerlöscher etc. ja auch immer ein Hingucker.

Ich sehe mich weiter um. Auch im Gartenbereich gibt es Pavillons und Gebäude, die vielleicht kleiner sind als die Hallen im vorderen Bereich, aber grüner. Hier zum Beispiel mit Bambus, hier war ein Frauen-Gemach.

Fand ich sehr idyllisch, hab aber auch einen günstigen Moment zwischen zwei großen Gruppen erwischt.

Auch der nächste Hof wieder hübsch grün, hier mit Blauregen und Pfingstrosen – noch nicht erblüht, das würde ich tatsächlich gerne sehen.

Hier stehe ich unter dem Blauregen und gucke in die andere Richtung.

Ich komme zu einem größeren Gebäude.

Dabei handelt es sich um ein Peking-Opernhaus, was wohl besonders groß und komplett indoor ist (anders als z.B. im Sommerpalast) und auch für seine besonders gute Akustik gelobt wird. Hier wird aber gerade gebaut.

Der Audioguide erzählt etwas vom Bananengarten und drei großen Bananenbäumen. Naja, vielleicht mussten die neu gepflanzt werden, weil der Pekinger Winter eigentlich zu kalt für Bananen ist.

Die Mondtore finde ich immer noch besonders schön.

Eines der hintersten Gebäude – die Fledermaushalle – fällt durch ein anderes Dekor auf – dieser Stil soll aus Hainan kommen. In dieser Halle befindet sich heute ein Teehaus, aber mir ist es zu voll und die Schlange zu lang. Das werde ich ein anderes Mal versuchen.

Was zum Schmunzeln gibt es auch noch: auch hier kommt wieder das allgegenwärtige, universell einsetzbare Klebeband!

Auf diesem Hügel (der auch dazu gedacht war, den Mond zu bewundern) gibt es einen klitzekleinen Tempel mit dem Fu-Zeichen (Glück), dass der berühmten Kalligraphie von Kaiser Kangxi nachempfunden ist. Wenn man hier betet und mit dem Glückszeichen im Rücken die Rampe hinuntergeht, begleitet einen das Glück.

Hier an dem Teich steht auch ein größeres Gebäude, wo man sich mit Fu-Zeichen in allen Variationen und sonstigen Mitbringseln eindecken kann.

So langsam bewege ich mich in Richtung Ausgang. Lohnt sich immer, auch mal nach oben zu gucken, Dachreiter und Deko haben schon was!

Auf dem Vorplatz ist immer noch viel los, und es warten immer noch Gruppen auf Einlass.

Ja, das war also mein erster Eindruck von Prince Gong’s Mansion. Demnächst werde ich mit der Fotogruppe wieder hier hin gehen, mal sehen, was mir dann ins Auge fallen wird.

Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Webseite. Oben rechts auf der Seite kann man Englisch auswählen, die Seite nervt allerdings mit unsinnigen Animationen, lieber den Browser die chinesische Seite übersetzen lassen.

Frühling in Pekings Botanischem Garten – für mich gehört das hier dazu! Und dies Jahr hat auch Corona nicht dazwischengefunkt.

Mit der Fotogruppe war ich gestern dort. Bei der Abfahrt hat es noch geregnet, eine Stunde später bei der Ankunft war es trocken. Und im Laufe des Tages hat sich dann auch die Sonne durchgesetzt.

Vorab hieß es, Ausländer könnten nicht über die Ticket-App buchen, sondern müssten ihren Besuch vorher telefonisch ankündigen, was ich dann auch getan habe, ein bisschen Nervosität blieb trotzdem. Vor Ort war es dann aber völlig problemlos: ganz normal Tickets am Schalter kaufen.

Zu Beginn war es noch etwas trüb, aber den Blick über den See finde ich trotzdem schön.

Nicht weit vom Eingang wird schon gepicknickt.

Grau und trüb? Egal, die Damen haben extra fürs Foto die Sonnenbrillen aufgesetzt.

Über die frisch geschossenen Bilder wird sich auch sofort rege ausgetauscht.

Das korrekte Posing ist wichtig! Und Sonnenbrillen sind heute ein wetterunabhängiges Accessoire. Schirme braucht man allerdings sowieso immer!

Und hier startet eine kleine Prozession, die natürlich geknipst und gefilmt wird.

Okay, wir wollen im Botanischen Garten natürlich nicht nur Leute, sondern auch Blüten gucken. Die Vielfalt der Tulpen ist beeindruckend, sowohl in den Farben als auch den Formen.

Diese Herren gehen in Formation ins Gewächshaus. Dem sind wir aber nicht weiter auf den Grund gegangen.

Dieser reizende ältere Mann hat vorm Pfingstrosengarten performt – Tai Chi-Tanz. Er ist uns später noch an einem anderen Platz begegnet.

Der Pfingstrosengarten ist wirklich hübsch an einem Hügel angelegt. Es ist nicht nur schön anzusehen, sondern es duftet auch intensiv. Oh, und natürlich: Schwerstarbeit für die Bienen.

Bis diese Dame und der fotografierende Gatte mit der Pose zufrieden waren, sind bestimmt 20 Minuten verstrichen.

Weiter ging es hügelaufwärts.

Hier ist deutlich weniger los. Wir genießen den Waldspaziergang am Bach entlang.

Und wieder Pfingstrosen. Weiße, in allen nur denkbaren rosa- und lilatönen, gefüllte und offenere Formen, mehr oder weniger stark duftend.

Die ersten Sorten stehen in voller Blüte. An einem anderen Hain sind die Knospen noch fest geschlossen. Und an manchen Pflanzen gibt es voll erblühte und geschlossene Knospen gleichzeitig.

Die bunte Bimmelbahn fährt lärmend – abwechselnd Musik und Durchsagen – durch den unteren Teil des Parks. Es fahren auch elektrische Shuttle Busse vom Südosteingang zum Wofo-Tempel hinauf, die sind zwar nicht so bunt, aber sie machen auch Lärm.

In der Sonne leuchten die Tulpen noch schöner als vormittags.

Geht das nur mir so, weil ich aus dem Flachland komme? Bergblick entzückt mich immer.

Trotz Tulpen und Windmühle: wir sind immer noch in China, nicht in Holland!

Die Tulpenvielfalt habe ich ja schon angesprochen… „Falsche“ Tulpen in einem Feld gefallen mir aber auch.

So langsam müssen wir uns auf den Rückweg machen und gehen durch den Rosengarten (die Rosen sind noch nicht soweit) zum Ausgang zurück. Auch hier mag ich wieder den Blick in Richtung Berge.

Das war wirklich wieder ein schöner Tagesausflug.

Anders als bei meinem ersten Besuch 2016 sind rund um die Tulpenbeete nun hässliche Metallgitter aufgestellt, vereinzelt schlüpfen Kinder durch und ganz Entschlossene steigen auch da rüber. So sind aber tatsächlich deutlich weniger Leute mitten in den Blumenfeldern.

Die Fahrt ist immer noch weit, es gibt inzwischen allerdings mehr ausgeschilderte Parkplätze, falls man kein Taxi oder die Metro nimmt. Diese hält jetzt direkt am Südosteingang.

Der Dino-Park ist blickdicht eingezäunt, entweder wird er abgerissen, renoviert oder umgestaltet, mal sehen.

Es gibt weniger fliegende Händler, doch nach wie vor gibt es ein paar Buden.  Aber es ist immer noch laut: die Parkbahn und die Shuttles, Lautsprecherdurchsagen. Und es ist immer noch beliebt, selbst laut Musik zu hören, Kopfhörer sind überflüssig.

Was es – vermutlich Corona-bedingt – nicht gibt: Kinder- und Schülergruppen.

Es hat mir wieder so gut gefallen, ich habe immer noch nicht alle Ecken des Parks entdeckt. Ich glaube, ich sollte vielleicht zur Rosenblüte wieder hinfahren.

Der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die morgen nach Europa zurückkehren wird, führte uns an den westlichen Stadtrand zum Eunuchen-Museum. Auf die Idee hat uns Ulrikes Beschreibung in ihrem Bambooblog gebracht. Es gibt zwar Schilder, auch die Adresse stimmte perfekt, aber wir waren zunächst doch verunsichert, ob wir richtig sind, denn wir befanden uns in einem engen Hutong am Rand einer Baustelle.

Oh! Die Baustelle war das Eunuchen-Museum bzw. das Grab von Tian Yi, einem bekanntem Eunuchen, der drei Kaisern der Ming-Dynastie gedient hat. Als er starb, wurde er würdevoll beerdigt, viel später kam dann das Eunuchen-Museum dazu.  Aber – immer noch alles Baustelle (davon hatte Ulrike schon 2015 geschrieben), und es kam auch sofort ein Mann auf uns zu, der uns wegscheuchen wollte. Ich habe ihn dann gefragt, ob wir vielleicht vorsichtig einen Blick hineinwerfen dürfen, und dass es so schade sei, weil es doch die letzte Gelegenheit für meine Freundin ist. Und dann lächelte er und wir bekamen eine kleine Führung! Ich hab bei weitem nicht alles verstanden, was er erklärt hat, aber er hat immer wieder auf die detaillreichen Steinmetzarbeiten hingewiesen!

Wer sich für das Eunuchenmuseum interessiert, muss sich noch gedulden: Míngnián 明年 – Nächstes Jahr! Da soll es wiedereröffnet werden.
Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintrittspreis war früher 8 RMB, könnte nach der Neueröffnung vielleicht etwas mehr sein.

 

Fahai-Tempel

Nun hatten wir doch noch Zeit, also konnten wir einer weiteren von Ulrikes Empfehlungen folgen und spazierten weiter zum Fahai-Tempel, nur eine Viertelstunde vom Eunuchen-Museum aus durch den Hutong und den Berg hinauf. Als wir uns an einer Ecke suchend umschauten, rief uns ein junger Mann zu: „Fahai si?“ und deutete auf den Weg bergauf. Kurz darauf fanden wir auch Wegweiser, und kurz darauf den Tempel, den man eigentlich nicht verfehlen kann.

Am Ticketschalter bedeutete uns der Verkäufer, dass wir uns beeilen sollten, denn in drei Minuten würde die Führung beginnen!  Der Eintrittspreis von 100 RMB ist für chinesische Verhältnisse recht hoch, soll aber dazu beitragen, dass nicht zu viele Menschen die Halle mit den wertvollen Wandmalereien stürmen. Also kletterten wir zügig die Treppen hinauf und standen vor einer großen Halle, wo außer uns nur zwei Chinesen auf die Führung warteten. Wir hatten Glück, denn die Führerin konnte das Wichtigste auf Englisch erklären, überwiegend war die einstündige Führung aber auf Chinesisch.

Absolutes Fotografierverbot! Handys weg! (Oha, und das in China… ;) ) Im Vorraum aufgereiht lagen 20 Taschenlampen nebeneinander aufgereiht auf dem Fußboden. Jeder bekam eine, dann ging es durch einen Vorhang und wir standen im Stockfinsteren. So eine Tempelhalle nur mit einer Taschenlampe zu erkunden, ist ja auch mal spannend! Die Führerin hatte gerade mit ihrer Einleitung begonnen, als sie angefunkt wurde: da kommt noch eine kleine Gruppe dazu. Das gab uns die Gelegenheit, die eigentümliche Atmosphäre des dunklen Tempels zu genießen.

Besichtigung im Dunkeln

Warum dunkel, warum nur diese funzeligen Taschenlampen? Ein Großteil der Tempelanlage wurde während der Kulturrevolution zerstört, aber diese Halle ist erhalten geblieben und mit ihr die Wandmalereien. 500 Jahre alt! Um diese zu schützen, wird das Sonnenlicht ausgesperrt und gibt es keine festinstallierte Beleuchtung. Irgendwann sollten wir alle unsere Taschenlampen ausknipsen und die Führerin hockte sich hin und beleuchtete die Wandmalereien von unten. Da konnte man dann gut sehen, dass eine Art Relieftechnik angewendet wurde. Wenn man so frontal drauf schaute, hatte man das gar nicht wahrgenommen. Die Bilder – siehe unten – habe ich natürlich nicht in der dunklen Halle aufgenommen, sondern in einer anderen Halle, wo Kopien in Originalgröße ausgestellt wurden. Bemerkenswert sind auch die Deckenmalereien, die Mandalas zeigen.

Die Tempelanlage selbst ist ruhig und friedlich, schmiegt sich an einen Berghang.  Von weiter oben hat man einen tollen Blick und sieht die unzähligen Baustellen im Westen der Stadt. Überall verteilt stehen Feuerlöscher, Sand und Schaufeln, ungewöhnlich viele sind es – ein Teil des Tempels ist Ende des 20. Jahrhunderts durch ein Feuer zerstört worden, damit erklärt sich das. Auch zwei uralte Pinien – angeblich über 1000 Jahre – mit weißer Rinde sind bemerkenswert. Alles in allem eine wirklich schöne Anlage, der weite Weg dorthin hat sich gelohnt!

 

Eigentlich war Sydney die letzte Station auf unserer Reise, aber da heute alle Welt außer über die Abschiedsrede von Barack Obama über die Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg spricht, ist das doch mal ein guter Anlass, um nach Sydney zur dortigen Oper zu gucken. :)

 

Das Opernhaus in Sydney, gebaut von 1959 – 1973 (Bauzeit also etwa ein Jahr länger als die der Elbphilharmonie), ist wirklich ein toller Blickfang. Wenn man die Treppen hinaufgeht, hat man außerdem einen großartigen Blick über Sydney am Wasser, auf Wohnviertel an den gegenüberliegenden Ufern, auf die Harbour Bridge, auf Anlagen der Marine… Wie in Hamburg hat man auch in Sydney mehr Geld verbraten als ursprünglich geplant: etwa das zehn- bis fünfzehnfache der ursprünglich angesetzten Summe. Zur Finanzierung wurde später eigens eine Lotterie ins Leben gerufen. Im Vergleich zur Elbphilharmonie ist das aber mit ca. 100 Millionen AUD (das sind heute wohl gut 123 Millionen AUD) fast ein Schnäppchen.

Bei aller Liebe zu meiner Heimatstadt Hamburg: was das Wetter angeht, hat Sydney klar die Nase vorn, was das Opernhaus angeht, wird man sehen… Die Lage am Wasser ist vergleichbar, wobei Pazifik oder Elbe sicher auch Geschmackssache ist… Sydney war zuerst da, der Bau ist in der Tat originell. Zur Elphi fällt einem auch quadratisch-praktisch-gut ein, nur das Wellendach mildert den Kasten-Eindruck ab. Allerdings sehen wir hier in Peking jede Menge bemerkenswerte Gebäude mit schrägen/runden/asymmetrischen Dächern… Der Elphi heute trotzdem einen guten Start! :)

Leider ist ein halber Tag für Sydney viel zu kurz (wir sind gut 1,5 Stunden von der Central Coast aus hin- und wieder zurückgefahren). Bei einer Hop on/Hop off-Bustour haben wir immerhin einen ersten Eindruck bekommen, nachdem wir vorher und nachher schon am Circular Quay und durch den Hyde Park spazieren gegangen sind.

Bei ca. 28° C und fröhlicher Sommer-Stimmung haben wir auch einen entsprechend bunten fröhlichen Eindruck von Sydney mitgenommen. Da könnte man auf jeden Fall auch mal mit etwas mehr Zeit hin…

 

Wir haben Besuch, und natürlich steht dann ein Mauer-Ausflug an. Nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Mauerabschnitt ist, sondern auch weil weniger überlaufen als Badaling, ging es heute wieder nach Mutianyu. Und es war super, kaum Verkehr (!), schönes Wetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt und gute Luft (!).

Mit der guten Luft gab es gute Sicht, und das war dann auch wirklich eine Überraschung für mich, von der Mauer aus, die Lange Unterhose (CCTV Headquarter) und Co. sehen zu können!

Mein Lieblingsablauf: mit der Gondelbahn hochfahren, überwiegend bergab auf der Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Und noch einmal Glück heute: auch da war wenig los, so dass es auch mal anders als im Schneckentempo runter ging…

Bei dem einen oder anderen Tempel denk ich ja inzwischen „schon wieder?“ –  aber zur Mauer könnte ich immer wieder!

 

 

 

 

 

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg bei Yangshuo. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Entspannte Radtour

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht.

Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Der Mondberg bei Yangshuo

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Drei Damen und Chang’e

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legenden von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Schöner Abschluss im Hotel

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

 

 

In den ereignisreichen letzten Wochen habe ich noch gar keine Zeit gefunden, von der Beijing International Garden Expo 2019 – der Weltgartenausstellung – zu erzählen. Unter dem Motto „Live Green, Live Better“ gibt es noch bis zum 7. Oktober 2019 Beiträge von 120 Ländern und 120 NGOs zu besichtigen.

Der Ausflug wurde von der Patengruppe organisiert. Wie immer alles gut geplant und für mich angenehm: ich muss mich nicht um Route und Transport kümmern – entspannter geht es nicht. So gerne ich sonst auch alleine unterwegs bin, manchmal weiß ich solche Annehmlichkeiten doch zu schätzen.

Lange Anfahrt

Bei herrlichem Wetter und guter Luft starteten wir morgens um 9 Uhr an der Schule und waren etwa zwei Stunden später in Yanqing bei der Expo. Ein gutes Stück des Weges sieht man von der Autobahn aus immer wieder die Mauer, dort ist der Badaling-Abschnitt – wo ich tatsächlich bisher noch nicht gewesen bin, weil so viele immer davon abraten (zu touristisch!). Das sah an dem Tag aber gar nicht so aus – noch in diesen Sommerferien möchte ich dahin.

Am Expogelände war ich schon am Busparkplatz überwältigt von der der Größe und der Weitläufigkeit – und den Bus-, Auto- und Menschenmassen, die sich aber gut verteilt haben. Zeit und Treffpunkt für die Rückfahrt wurden ausgemacht, und dann zerstreute sich die Gruppe. Schwierige Entscheidung: Wohin zuerst?

Mast mit vielen Schildern auf dem Gelände der Pekinger Gartenbauaustellung

Wohin zuerst?

 

Die vielen verschiedenen Gärten Chinas

Ich habe mir zuerst Chinesische Gärten angesehen. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel, so dass dort relativ wenig los war. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil, auch wenn sich manches ähnelt und es wiederkehrende Elemente gibt (Mondtore oder große Steine zum Beispiel). Der Garten aus einer Wüstenregion sieht natürlich anders aus als der der tropischen Insel Hainan.

Blauer Seestern - Deko im Hainan-Garten auf der Pekinger GardenExpo

Deko im Hainan-Garten

Die internationalen Pavillons

Etwas später traf ich am Deutschen Pavillon eine chinesische Bekannte, mit der ich dann den Rest der Zeit zusammen unterwegs war. Den Deutschen Pavillon fand ich enttäuschend, weil er auf mich irgendwie am Thema vorbei wirkte. Direkt am Eingang erst mit einem überlebensgroßen Bild von Julia Klöckner, dann mit Kohlebergbau konfrontiert, anschließend ein paar Fotos von der Renaturierung des Todesstreifens an der Zonengrenze. In der Mitte eine angebliche Stadtoase – ein ziemlich scheußlicher (Stein-)Garten mit viel Kies. Und das, wo es in Deutschland wirklich wunderschöne Gärten gibt. Ganz witzig allerdings: eine Schrebergartenlaube. Auf der Webseite des Deutschen Pavillons liest sich das alles durchdacht und nett, vor Ort fand ich es eher enttäuschend, das wird aber dem ersten Eindruck geschuldet sein.

Schild des Deutschen Pavilons auf der Pekinger Garden Expo

Schild des Deutschen Pavillons

Statt im überfüllten Deutschen Restaurant haben wir dann lieber leckere Shaanxi-Nudeln gegessen, bevor wir uns dann weiter von Pavillon zu Pavillon treiben ließen. Besonders angezogen – und dann auch gefallen – hat uns der Pavillon Qatars.

Qatars Pavillon auf der Garden Expo in Peking

Qatars Pavillon

 

Das Gebäude von einem künstlichen Baum gestützt und getragen, insgesamt eine stimmige Mischung aus Hightech und Tradition (im Inneren waren Marktstände nachgebildet) und auf dem Dach schließlich noch ein großartiger Rundumblick. Doha/Qatar ist übrigens Gastgeber der nächsten Garden Expo 2021.

Mut zur Lücke

Den chinesischen und den internationalen Pavillon habe ich weggelassen – bei beidem war mir die Schlange zu lang, damit wäre die Hälfte des Aufenthalts mit Wartezeit vertan gewesen. Das Gebäude mit den riesigen Sonnenschirm-Blumen war aber auch so ein Hingucker.

Riesige weiße Dekoblumen beim Internationalen Pavillon auf der Pekinger Garden Expo

Schattenspender

 

Im Gedächtnis geblieben ist mir auch der Japanische Pavillon. Draußen Kois und ein Katzenwels Fisch mit Katzenkopf, drinnen alles sehr zurückgenommen. Auch wenn man wie ich sonst gerne üppige Blühendes und Grünendes mag, dieses reduzierte hat doch eine ganz eigene Ästhetik.

Dann war auch schon die Zeit für den Rückweg gekommen. Zum Glück gab es am Treffpunkt Restaurants, so dass wir uns Eiskaffee gönnen konnten – das war bei der Hitze tatsächlich ein unerwarteter Genuss.

Fotos

Weitere Informationen

Weitere Informationen fanden sich auf der offiziellen Webseite der Weltgartenausstellung, die inzwischen eingestellt wurde, so wie auch die Gartenausstellung inzwischen beendet ist.

Viele Fakten liefert dieser informative Artikel von China Heute.

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Am Montag habe ich meinen Besuch zum Südbahnhof gebracht und dort in den Zug nach Shanghai gesetzt. Wo ich schon in der Ecke war, wollte ich mir dort auch etwas ansehen, damit sich die weite Fahrt auch richtig lohnt. So habe ich mich dann für die Marco-Polo-Brücke (Wanping, Fengtai-Distrikt) entschieden. 

Auf dem Weg zum Bahnhof war noch dicke Luft: Sandsturm, so unangenehm, dass selbst im Taxi die Augen brannten und man ständig vom Staub husten musste. Aber die Vorhersage war positiv, also bin ich dann wie geplant weiter zur „Lugou Qiao“, wie die Marco-Polo-Brücke hier in China heißt. Den Beinamen bekam die Brücke, weil Marco Polo sie in einem seiner Reiseberichte voller Begeisterung erwähnt hat. Die Luft wurde tatsächlich besser und am Fluss Yongding He angekommen ließ es sich trotz der Hitze gut aushalten.

Die steinerne Bogenbrücke wurde 1192 fertiggestellt. Besonders bemerkenswert sind die unzähligen Löwen, die oben auf den Brückenbögen sitzen – und alle unterscheiden sich voneinander.

Die Brücke ist aber nicht nur so für sich interessant, sondern auch historischer Schauplatz: Am 7. Juli 1937 trug sich hier der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke zu, der als Auslöser des zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs gilt.

Ich fand die Brücke wirklich nett anzusehen, dank inzwischen wieder guter Luft mit Blick auf die Berge – und auf die neuen Brücken: Autobrücken über den Fluss und die Eisenbahntrasse auf hohen Stelzen, auf der alle paar Minuten ein Schnellzug fuhr. Das war wieder typisch Peking, Altes und Neues so dicht beieinander.  Viel Wasser führt der Fluss nicht mehr. Der „Cruise Terminal“ ist abgeschlossen, auch die Geschäfte waren zu, wirken aber nicht so, als ob sie komplett aufgegeben wären.

Wanping-Festung

Von der Brücke aus sieht man das Westtor der Wanping-Festung. Das war mein nächstes Ziel. Vom Westtor aus führt eine breite Allee zum Osttor, links und rechts kleine Gassen mit bewohnten Courtyards.  Für den Durchgangsverkehr ist die Festung gesperrt – wirkt auf mich wie ein ummauertes Pekinger Hutonviertel, nur die Allee in der Mitte ist halt ungewöhnlich breit. So ist es hier recht ruhig. Vor einem kleinen Geschäft spielt eine Gruppe von Männern chinesisches Schach.

Auf der linken Seite findet sich das Museum des Widerstandskrieges des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression – ein riesiger Klotz, den ich hier so nicht erwartet hätte. Gegenüber ist ein großer Platz.  Es ist Montag, erwartungsgemäß hat das Museum geschlossen. Schade, denn jetzt, wo ich davorstehe, interessiert es mich doch. Dann geht es weiter über die Allee zum Osttor. Auf die Mauer kommt man nicht. Ich gehe durchs Tor und bin wieder mitten im modernen Peking: mehrspurige Straßen, hohe Häuser. 

Ich werde sicher noch einmal dahin fahren – aber nicht an einem Montag. :)

Vor ein paar Monaten wollte ich mit einer Freundin Prince Gong’s Mansion besuchen. Bedauerlicherweise waren wir an einem Montag unterwegs. Montag? Ja genau, montags sind hier alle Museen geschlossen. Hatten wir leider vergessen und sind stattdessen um den nur wenige hundert Meter weiter gelegenen Beihai-See herumspaziert. (Beihai-See ist genau genommen doppelt gemoppelt, weil Beihai Nord-See heißt.)

Gestern war der Tag viel zu schön, um nichts zu unternehmen: Traumwetter, schön warm, aber noch nicht zu heiß, atembare Luft und deutlich weniger flying cotton fluff. Also extremer Pollenflug, als ob es in dicken Flocken schneit, an Kantsteinen, in Winkeln, Häuserecken sammelt sich das dann auch als dicke „Schneedecke“. Vom Management kam auch schon die alljährliche Mail: „never ever under no circumstances burn the flying cotton fluff“! Ich frag mich immer noch, wie man auf die Idee kommen könnte, denn wer das macht, wäre definitiv ein heißer Kandidat für den Darwin-Award.

Déjà vu

Allerdings tobt derzeit in unserer Nachbarschaft ein Verkehrschaos ohne gleichen: zur Zeit findet die AutoShow statt, die weltweit größte Automesse. Egal, ich wollte den schönen Tag unbedingt nutzen! Ich vergewissere mich auf der Webseite, dass heute auch geöffnet ist und drucke mir die Hinweise für die dreistündigen Runde aus. Als ich nach langer Fahrt und kurzem Spaziergang endlich vor den schnieken, gut gesicherten Hallen stehe: geschlossen! Ich habe ein déjà vu, aber heute ist doch definitiv nicht Montag? Vielleicht nur dieser Eingang? Ich biege um die Ecke, nein, auch alles zu. Irritiert stehe ich davor und versuche, die Schilder zu entziffern – irgendwas von März-Mai, arbeiten. Zwischendrin wimmele ich bestimmt fünf Rikschafahrer ab, dann spreche ich einen der Wächter an. Ja, im Mai ist es wieder auf. Schade, aber so wird das nichts mit Prinz Gong und mir. Schade auch, dass auf der Website kein Hinweis auf die Schließung zu finden war.

Alster? Elbe? Beihai!

Allerlei Enten auf dem Beihai

Ich muss aber nicht lange überlegen, was ich nun anstelle. Inzwischen ist es spät am Vormittag, die Sonne brennt, an einem Kiosk schieße ich mir eine Flasche Wasser und bewege mich Richtung Beihai-Park. Dort löse ich nur das Park-Eintritts-Ticket (10 RMB in der Sommersaison, von November bis März 5 RMB), jetzt will ich nichts mehr besichtigen. Schnurstracks gehe ich auf den Bootsanleger zu, der dem Eingang am nächsten ist, aber dort gibt es nur noch Duckboats. Nein danke, ein bisschen Würde muss ich mir doch bewahren!

Ich spaziere entgegen dem Uhrzeigersinn um den See herum. Tretboot? Nein. Lotusboot? Nee. Der Park ist gut besucht, Schüler- und Touristengruppen: bitte alle mal dorthinüber schauen! Der Anleger hinter dem Souvernirshop hat endlich noch freie kleine Elektroboote (100 RMB/Stunde) und ratzfatz fahre ich auf den See hinaus. Ruhe. Frieden. *Huuuuup*Trööt*Meepmeep*

Oh, die „Inselfähre“ meckert ein Duckboat an: aus dem Weg! Ich mache einen Bogen darum und lasse mich dann erstmal ein Stück treiben. Hier ist es jetzt wirklich still bis auf das leise Plätschern des Wassers. Herrlich, wie hab ich das vermisst! Ich mag Peking wirklich gern, aber mir fehlt Wasser!

Ich tuckere wieder weiter, werfe einen Blick auf das NCPA, dessen Kuppel die Sonne reflektiert und aus dieser Perspektive auch eine schnöde Sporthalle sein könnte. Ist es aber nicht! Dann geht es nicht weiter, unter den Brücken darf man nicht durchfahren, also umkehren. Jetzt habe ich einen schönen Blick auf den Zhongguo Zun – demnächst fertig, das neue höchste Gebäude Pekings. Dichter dran ist natürlich die Weiße Pagode. Typisch Peking, typisch China – altes und neues auf einen Blick.

Richtig stimmungsvoll wird es, als ich an einem Boot vorbeikomme, auf dem die Damen chinesische Lieder singen – zu schön!

Touri?

Meine Stunde ist fast um, also tuckere ich zurück zum Anleger, hole meine Kaution ab und mache mich auf die Suche nach einem Taxi. Da sich in der Straße am Ausgang alles staut, gehe ich zu Fuß am Jingshan-Park vorbei. Kurz reizt es mich, auf den Kohlehügel zu klettern, aber der Blick auf die Uhr sagt: Rückfahrt! Ein Taxi hält ungefragt und trotz Halteverbot (das gilt rund um die Verbotene Stadt), ist sogar bereit mich nach Shunyi zu fahren – für den Schnäppchenpreis von 300 RMB! Seh‘ ich aus wie ein Touri, der drauf reinfällt? Vermutlich ja. :) Ich sage ihm, dass ich seit drei Jahren in Peking bin, er lächelt entschuldigend und fährt weg.

Ein paar Meter weiter werde ich fast von einem in falscher Richtung fahrendem Tuktuk umgefahren: „Lady, where are you going?“ Shunyi, bisschen zu weit für ein Tuktuk. Er meint, er hätte einen starken Motor… Nichts wie weg, denke ich mir. Eine Ecke weiter biege ich in eine Straße ohne Halteverbote ein, rufe ein Didi, das sofort kommt und bin trotz Autoshow-Chaos relativ zügig wieder zuhause – und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Sollte man sich wirklich öfter gönnen, so eine Auszeit auf dem Wasser!

Fotos

 

Anfahrt mit Hindernissen

Heute hat die Fotogruppe einen Ausflug in Pekings Botanischen Garten gemacht. Dazu mussten wir in Peking-Pinneberg Hausenden die Stadt zunächst fast halb umrunden. Der Verkehr schien heute eh schon dichter als sonst und je näher wir dem Ziel kamen, umso langsamer ging es voran, an der Autobahnabfahrt ging dann gar nichts mehr und wir sind dann erst eine Abfahrt weiter abgefahren und auf Schleichwegen zum Ziel (danke, liebes Navi!). Ok, ist halt Peking, viel Verkehr und Stockungen gibt es ja immer, ich habe den Stillstand an der Abfahrt (es geht dort nicht nur zum Botanischen Garten, sondern auch zum Duftberg) gar nicht in Verbindung mit den Ausflugszielen gebracht. Beide Ziele „teilen“ sich allerdings einige Parkplätze…

Man hätte es wissen können

Botanischer Garten

Botanischer Garten

Die Straße vom Parkplatz zum Eingang war belebt, aber nicht ungewöhnlich voll. Auch die Schlangen am Kassenhäuschen waren übersichtlich, die Souvenir- und Schnickschnackstände ebenfalls ortsüblich. Als wir dann aber durchs Tor in den Botanischen Garten traten, ist mir direkt die Kinnlade runtergeklappt. Ich habe mit einer Handvoll durch den Park schlurfender Studenten gerechnet, aber nicht mit dieser Masse an Ausflüglern. Hallo! Aufwachen! Wir sind jetzt in Peking, in China! Keine Frage, der Park ist sehr schön angelegt, man wird gerade im Eingangsbereich von dem BUNT, der Farbigkeit fast erschlagen, ringsrum die Westberge zum Greifen nah – wirklich schön. Tja, und wie ist es immer in Peking? Richtig: laut! Klar, dass die vielen Menschen miteinander reden, aber viele haben auch ein Kofferradio (!) dabei und hören Opern oder chinesische Schlager, dazu fahren Busse und bunte Züge durch den Park, ebenfalls mit Musik, Ansagen, Gebimmel – die Geräuschkulisse ist unglaublich. Und natürlich liegt der Duft der Blumen und Blüten in der Luft, dazu die warme Sonne auf der Haut: hier gibt es also etwas für alle Sinne, fast schon im Übermaß.

Ich habe ein Foto für Dich. Nein, nicht eins – hunderte.

Yi - er - san - smile!

Yi – er – san – smile!

Offensichtlich mögen Chinesen Blumen und Blüten. Und Fotos, nicht nur von Blumen, Blüten, Pflanzen, Umgebung, Landschaft, sondern auch von sich selbst. Seien es nun Selfies oder Gruppenfotos oder man fotografiert sich abwechselnd gegenseitig. Wenn Du kein Foto hast, ist es nicht wirklich passiert. Wen interessieren Absperrungen, wenn man sich doch richtig in Szene setzen muss? Da wird geposed, was das Zeug hält, da sitzt die Pose bis in die Fingerspitzen. Und das geht durch alle Altersgruppen, es gibt hier keine „Generation Selfie“, hier sind vom Kind bis zum Greis alle mit dabei.

Du merkst, dass Du in China bist, wenn…

Kommt der jetzt auf uns zu???

Kommt der jetzt auf uns zu???

…immer noch einer oben drauf gesetzt wird. Ok, es gibt Souvenirbuden, es gibt Futterbuden, es gibt Wurfbuden, es gibt Kindertrampoline – und es gibt Dinos. Äh, was? Wir wurden gerade von einer Schülerinnengruppe auf Englisch angesprochen und haben uns in einem netten Sprachmixmax mit den Mädchen unterhalten, als ich meinen Blick schweifen lasse und zwischen den Bäumen eine Bewegung wahrnehme. Huch? Ein Brontosaurus?? Nicht so schlimm, der ist Vegetarier, aber was macht der hier? Das Vieh hat tatsächlich Hals und Maul bewegt und sah auf die Entfernung schon recht lebendig aus. Um es kurz zu machen: für 50 zusätzliche Kuai hätte man in einen kleinen Dinopark mit 3D-Kino gehen können. Für die zahlreichen Schulklassen sicher eines der Highlights, für so manches kleinere Kind waren die bewegten T-Rexe sicher ganz schön gruselig, aber hey, stell Dich nicht so, wir müssen erst ein Foto von Dir und dem Dino machen…

Ich habe heute keine Rose, äh, Kirschblüte für Dich

Der Park ist in mehrere Abschnitte unterteilt, da gibt es z.B. einen Magnoliengarten, einen Bonsaigarten, Pflaumengarten, Rosengarten, …, es gibt ein Tropenhaus, ein Teehaus, Tempel,…

Keine Kirschen, kein Cherry Valley

Keine Kirschen, kein Cherry Valley

Die Zeit reichte bei weitem nicht, alles zu sehen. Was wir sehen wollten: Kirschblüten! Sollte diese Woche noch gehen, nächste Woche ginge die Kirschblüte zu Ende – hieß es… Das „Cherry Valley“ lag natürlich am entlegensten Ende des Parks, immerhin: bis hierhin haben die Massen es nicht geschafft, es war deutlich leerer in diesem Bereich, der auch schon deutlich hügeliger wurde. Hinter jeder Kurve rechneten wir mit rosa Kirschblütenpracht, aber nix da. Der asphaltierte Weg endete, es ging auf einem schmaleren Holzbohlenweg weiter. Sehr idyllisch alles, aber halt keine Kirschen. Dann sahen wir Treppen und eine Brücke vor uns: oh cool, von da aus kann man bestimmt ins Kirschblütental (!) sehen, kraxelten eilig die Treppen hoch und: nette Aussicht, nur komplett kirschfrei. Ob dann vielleicht hinter der nächsten Treppe und Kurve…?

Aber leider war es schon so spät, wir würden etwa eine Stunde zurück zum Auto brauchen und dann noch mal eine gute Stunde nach Peking-Pinneberg und keine von uns wollte es wegen der vermaledeiten Kirschblüten übers Herz bringen, die Kinder vor verschlossenen Türen stehen zu lassen. Wegen des Staurisikos haben wir allerdings alle drauflostelefoniert und „Notfallpläne“ für die Kinder auf den Weg gebracht, war dann aber kein Problem, ich war zwei Minuten vor Ankunft des Schulbusses am Tor.

Vielen Dank an Miriam fürs Organisieren! Und Danke an Barbara und Tanja fürs Fahren, ich bleib bei Taxi, Metro und Fahrrad, ich hab die Nerven dafür nicht…

Fotos

Wer noch mehr Bilder sehen mag – bitte schön: