Vorgestern Abend fragt eine Freundin, ob ich angesichts des vorhergesagten schönen Wetters und guter Luft Lust auf einen spontanen Foto-Ausflug am Tag drauf hätte. Herbstlaub und/oder Ginkgo, Park in der Stadt oder weiter draußen… Ich habe Lust, und wir einigen uns schnell auf den Botanischen Garten.

Allerbeste Ausflugsbedingungen

Wir haben dann tatsächlich die allerbesten Ausflugsbedingungen: Superwetter, sonnig und noch relativ warm und gute Luft. Noch ist der Berufsverkehr nicht ganz vorbei, auf Gedrängel in der Metro haben wir keine Lust, also nehmen wir ein Didi. Aber bei einer Stunde Fahrtzeit und nur einmal Umsteigen wäre die Metro eine annehmbare Alternative für den Rückweg gewesen.

Die Haltestelle „Botanical Garden“ der (relativ) neuen Xijiao Line (moderne Straßenbahn, gibt es seit knapp 3 Jahren) liegt genau gegenüber vom Haupteingang. Als Sicherung dienen diese Zäune, an der Kreuzung gibt es bewegliche Gitter, mehrere Menschen mit Uniform, Warnweste, Funkgerät und Fähnchen regeln den Verkehr und schließen und öffnen das Gitter von Hand.

Schreckmoment

Am Eingang scanne ich wie gewohnt den Health Code – und plötzlich heult mein Handy los, ich wusste gar nicht, dass es so laut sein kann. Dass man in wenigen Sekunden so viele Alptraumszenarien im Kopf durchspielen kann! Zum Glück kommen keine Sanitäter in hazmat suits und bewaffnete, uniformierte Wächter auf mich zu gerannt. Bei der Chinesin hinter mir jault auch der Handyalarm los. Die Ticketkontrolleure zeigen sich unbeeindruckt, scheint also eine ihnen bekannte Fehlfunktion zu sein. Ich rufe meinen Health Code von Hand ab: alles gut und grün und normal, ich werde durchgewunken. 

Nach wenigen Schritten im Park, fällt uns dies ins Auge. Ich muss echt lachen, und die Anspannung weicht.

Maske auf!

Warum gibt es in Peking seit 80 Tagen keine lokalen Neuinfektionen mehr?

Weil hier sogar das Grünzeug Maske trägt. 

Landschaft und Leute

Der Park ist relativ leer, kurz nach dem Eingang hat sich der Besucherandrang schon verteilt.

Wir steuern auf einen der Seen zu.

Auch verblüht noch ein Hingucker.

Diese Gruppe von Frauen sehen wir mehrmals.

Sie haben Trolleys dabei, ziehen sich um, tanzen hier mit Tüchern. Später posieren sie für Gruppenfotos, wobei sie ihre Röcke sorgfältig auf dem Boden drapieren.

Auch wenn überall Schilder stehen, die vor dem tiefen Wasser warnen, für ein schönes Bild kann man das ignorieren. Das „tiefe“ Wasser hier ist allerdings maximal knietief, um ins Tiefe zu kommen, müsste man schon Anlauf nehmen und sehr weit springen.

Selbst wenn abgezäunt und betreten verboten ist – was macht man nicht alles für ein tolles Selfie! 

Der Botanische Garten ist eine weitläufige Parkanlage, ungefähr auf halber Strecke zwischen Sommerpalast und Duftbergen, und leuchtet heute in allen Herbstfarben. Früchte und Beeren an Bäumen und Sträuchern, Blätter in allen Farben und Formen, Herbstblühende Blumen. Dazu der blaue Himmel und angenehme Temperaturen – es fühlt sich beinahe wie Urlaub an.

Wir lassen uns kreuz und quer treiben. Es sind zwar einige Menschen unterwegs, aber immer wieder gibt es leere, ruhige Ecken. Hier in dem kleinen, fast märchenhaft anmutenden Wald war allerdings mehr los.

Märchenhaft

Der Lütte wurde von seiner Familie auch mitten in die Blumen und in Szene gesetzt.

Man sagt ja, das harte Mittagslicht sei nicht so schön fürs Fotografieren. Aber wenn die Blätter dann so toll rot leuchten, bestätigen Ausnahmen die Regel.

Immer wieder schöne Ausblicke.

Wie fast immer und überall in China gehört Leute gucken einfach dazu. Fürs Foto kann man die Maske schon mal abnehmen, aber sobald man wieder anderen Leuten begegnet, setzt man sie auch fix wieder auf.

Dieses Paar war so entzückend, sie haben sich abwechselnd gegenseitig fotografiert, Manöverkritik, neuer Versuch, bis beide zufrieden warn.

Das Treibhaus. Heute nur von außen.

Cao Xueqin Memorial Hall

Mitten im Botanischen Garten befindet sich die Cao Xueqin Memorial Hall. Cao Xueqin hat einen der vier klassischen Romane Chinas geschrieben: Das Hónglóumèng – Der Traum der roten Kammer.

Hier geht es zur Cao Xueqin Memorial Hall – ein Teehaus und ein Büro/Künsteratelier…? gibt es dort aber auch.

Cao Xueqin

Im Innenhof in der Cao Xueqin Memorial Hall

Auch der Efeu an der äußeren Mauer der Memorial Hall leuchtet wunderschön rot.

Farbtupfer am Baum.

Allgegenwärtig im Pekinger Herbst: Persimmons/Kaki-Früchte.

Löwen findet man in China an vielen Türen – diesen finde ich aber besonders ausdrucksstark.

Falls das jetzt einen wahnsinnig gut informierten Eindruck machen sollte – leider ist es nicht ganz so. Wir stehen mit etwas Abstand vor dem Gebäudeensemble und rätseln, um was es sich dabei wohl handelt, als ein alter Herr auf einer Parkbank anfängt, auf uns ein zu reden. Leider verstehen wir fast nichts, also wird später Google zu Rate gezogen…

Herbstfarben

Zum Pekinger Herbst gehört der goldene Ginkgo. Dazu muss man nicht mal soweit rausfahren, der findet sich über all in der Stadt (Erinnerung an mich, ich möchte die Ginkgo-Alle im Ditan-Park in den nächsten Tagen noch einfangen). Aber hier sind diese leuchtend gelben Farbtupfer besonders schön.

Ein Stückchen weiter bietet uns sich dann dieser Anblick. Es ist so schön, und wir sind so froh, alles stehen und liegen gelassen zu haben, um den Tag auszunutzen.

Und der Blick in die andere Richtung.

Ein Stück weiter am See entlang…

So langsam hügelaufwärts…

Ein Traum von einem Ginkgo.

Selbst dies schlichte Beton-Tor hat an diesem Tag etwas.

Späte Mittagspause. Wir gönnen uns hier so einfache wie gute Zha Jiang Mian (Nudeln mit Sojabohnenpaste und geraspelten Gurken).

Es ist noch nicht mal drei Uhr nachmittags, aber die Sonne steht schon deutlich tiefer. So allmählich machen wir uns auf den Rückweg. Immer wieder fallen besonders schöne Bäume ins Auge.

Nahe beim Treibhaus sind bunt angelegte Beete.

Im Hintergrund leuchtet der Ginkgo.

Noch blüht ziemlich viel.

Es ist wirklich hübsch angelegt.

Hab ich erwähnt, dass ich die Anlage wirklich als toll angelegt empfinde?

Ich war bisher immer nur im Frühling im Botanischen Garten. Aber im Herbst ist es dort mindestens ebenso schön.

Fotogalerie

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5 Kommentare
  1. Timoleon
    Timoleon sagte:

    Die Bilder sind einfach nur Balsam für die Seele! So wunderschön!

    Obwohl auch hier der Herbst Einzug gehalten hat, ist es durch den neu angekündigten Lockdown etwas trist um einen herum.

    Ich freue mich sehr, daß Ihr die richtige Entscheidung getroffen habt und in Peking geblieben seid.

    Genieße den Herbst!

    LG,
    Timoleon.

    Antworten
    • Linni
      Linni sagte:

      Hi Timo,

      danke schön!
      Und fühl Dich umarmt, die Aussicht auf einen extra tristen November ist wirklich nicht schön, auch wenn die späte Entscheidung für Maßnahmen sicher das Richtige ist.
      Ich hab noch nur zu gut die Erinnerung an das blöde isolierte Gefühl hier im Kopf, muss ich nicht wieder haben. Aber wenn ich dann sehe, dass wir mit App und Maske weitgehend normal vor uns hinleben können, dann war das eben auch effektiv. Hoffentlich gehen die Zahlen in Deutschland dann bald zurück.
      LG Lin

      Antworten
  2. Christian
    Christian sagte:

    Hi Lin, ob der schönen Bilder kann ich es kaum erwarten, bis ich mein Quarantäne-Hotel verlassen darf. Hoffentlich ist dann vom Herbst noch was übrig …
    Liebe Grüße, Christian

    Antworten
    • Linni
      Linni sagte:

      Hallo Christian,
      ich hoffe, Du hast nicht mehr lang. Mit den nächtlichen Minusgeraden dürfte sich das restliche Laub jetzt bald verabschieden – und der Herbst auch. Nach dem chinesischen Kalender ist heute Winteranfang – (立冬, Lìdōng)…
      LG Lin

      Antworten

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