Mitte Juni 2015 wurde die Verbotene Stadt (der Kaiserpalast, “Gùgōng“) etwas verbotener und eine Obergrenze von 80.000 Besuchern am Tag festgelegt.  Das sind immer noch ziemlich viele Leute. Dann kam Covid-19 und die Verbotene Stadt und alle anderen Sehenswürdigkeiten wurden ab dem 25. Januar geschlossen. Nach über einem Vierteljahr wurden die Pforten am 1. Mai wieder aufgemacht, wenn auch mit strengen Sicherheitsauflagen: Statt 80.000 Tickets werden nur 5.000 Tickets pro Tag verkauft. Die Tickets muss man hier im Voraus online kaufen, chinesische ID-Card oder Reisepass nötig. Die Passnummer ist dann quasi die Eintrittskarte. Über die Maifeiertage waren die Tickets sofort ausverkauft, ich habe eins für heute ergattert.

Heute Morgen rappelt mein Handy, gleich zwei SMS, in denen ich darauf hingewiesen werde, die ganze Zeit eine Maske zu tragen, mich nicht zu “versammeln” und einen Meter Abstand zu anderen zu halten und jederzeit mit dem Sicherheitspersonal zusammenarbeiten. Das wird in der zweiten SMS noch einmal wiederholt. Und außerdem soll ich von Donghuamen aus am Osttor die Verbotene Stadt betreten (also nicht, wie ich das sonst mache, durch das Tor des Himmlischen Friedens am Tien’anmen, unterm Mao durch). Das passt mir aber gut, denn hier kann ich meinen Scooter sicher abstellen.

Osttor

Es geht aber nicht hier durch das Tor hinein, sondern am Fluss Dongtonzi entlang um die Ecke.

Ein Umtausch in Papiertickets ist nicht nötig, aber man muss mit seinem Pass zum Ticketschalter gehen (als Ausländer zum üblichen Ausländerticketschalter) und dort mit der App “Beijing Health Kit” nachweisen, dass man “clean” ist. Es gibt ja einige solcher Health-Apps, hier wird aber nur die genannte akzeptiert. Danach geht es wie gewohnt weiter zur Sicherheitskontrolle. Wie gewohnt? Nicht ganz. Auf dem Boden sind Abstandsmarkierungen, die ich aber ignorieren kann, da außer mir nur Wächter und Kontrolleure da sind. Verbotene Stadt ohne anstehen – das ist neu.

Privataudienz bei Kaisers

Heute bin ich tatsächlich das erste Mal ganz allein ohne Familie oder Besuch in der Verbotenen Stadt. Ich gönne mir einen Audioguide, der GPS-gesteuert die jeweils passenden Texte abspielt – so steht dem erstrebten Herumstromern nichts mehr im Wege. Es ist still, nur kurz unterbrochen von dem kleinen Mann in meinem Ohr. Wo sonst Tausende in kleinen und großen Gruppen für eine unglaubliche Lärmkulisse sorgen, lassen die leeren Flächen den Kaiserpalast viel größer auf mich wirken.

Nur Mitarbeiter…

Ist das nicht unglaublich?

Natürlich wird überall posiert. In tollen roten Kleidern.

Oder in traditionellen Trachten.

Überall stehen Wächter mit Schildern: Nicht knubbeln! Nicht rotzen!

Jetzt bin ich schon mitten in der Verbotenen Stadt, aber es bleibt leer.

Heute entscheide ich mich für die westliche Seite. Hier waren die Paläste der Konkubinen und der Kaiserin.

Bei dem Brunnen erinnere ich mich an die Geschichte der Konkubine Zhen, die ich auf Ulrikes bambooblog gelesehen haben. Aber hier ist kein Schild und auch der kleine Mann im Ohr hüllt sich in Schweigen. Ob das der Brunnen ist, in dem die Konkubine ertränkt wurde (bzw. eine renovierte neue Version davon)? 

Schließlich mache ich mich noch auf in den Kaiserlichen Garten, mein Lieblingsort innerhalb der verbotenen Stadt. Hier scheinen mehr Menschen als auf den großen Plätzen und Gängen zu sein, aber kein Vergleich zum normalen Gedrängel und Geschiebe hier.

Dann wird es Zeit für mich zu gehen. Ich gebe den Audioguide ab und verlasse die Verbotene Stadt durch das Nordtor. Nun muss ich außen herum wieder zurück zum Osttor gehen. Natürlich darf ein Bild von “der Ecke” nicht fehlen.

 Ich bin jetzt sicher schon 6? 7? Mal in der Verbotenen Stadt gewesen, aber es gibt immer noch so viel zu entdecken – und jetzt ohne die Menschenmassen ist das natürlich noch mal ein ganz besonderes Erlebnis. Der Besuch lohnt sich, obwohl die Museen/Ausstellungen geschlossen sind, man teilweise auch nicht an die Fenster darf, um hineinzugucken (vor allem an den Haupthallen an der Mittelachse, östlich und westlich geht das).

Ein unglaublich schöner Ausflug, den ich bestimmt bald wiederholen werde.

 

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6 Kommentare
  1. Timoleon
    Timoleon sagte:

    Hallo Lin!

    Sehr cool! Schade, daß die Sonne nicht geschienen hat, aber vielleicht kannst Du ja noch eine weitere Gelegenheit zum Besuchen der Verbotenen Stadt wahrnehmen.

    Der Baum (“forbiddencity_52) sieht aus wie ein Superheld, der gerade gegen Schlangen kämpft. Auch sehr interessant, wie der Mensch auf Photo mit dem Nicht-Knubbeln-Schild die Maske trägt. Und reitet der Protagonist auf dem Dach an der Spitze auf einem Hahn (forbiddencity_53)?

    Auf jeden Fall gelungene Photos, und diese Leere ist einfach nur beeindruckend.

    LG und danke fürs Teilen!
    Timoleon.

    Antworten
    • Linni
      Linni sagte:

      Diese zusammengewachsenen Bäume symbolisieren die Harmonie zwischen Kaiserin und Kaiser. Normalerweise ist es praktisch unmöglich, den Baum ohne Liebespaar dazwischen aufzunehmen, da ist sonst immer großer Andrang.
      Und ja, ich werde sicher bald wieder hingehen. :)

      Antworten
  2. Christoph
    Christoph sagte:

    Tolle Bilder und Eindrücke aus Peking, wie man es sonst nicht erleben kann.

    Ich wünsche dir noch weitere schöne Erlebnisse in dieser turbulenten Zeit :-)

    Viele Grüße
    Christoph

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Ende Januar 2020 schloss der Kaiserpalast, die größte Sehenswürdigkeit Pekings, seine Tore. Am 01.05.2020 wurde er wieder mit großen Vorsichtsmaßnahmen für wenige Besucher (5.000 täglich) geöffnet. Gerlind vom Blog ombidombi war als eine der ersten Ausländer dort. Schaut Euch ihre sensationellen Bilder von einer fast menschenleeren Verbotenen Stadt an! […]

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