Meine Tochter und ich sind in der Unterzahl, in unserer Familie steht es 2:5. Hier in Peking steht es sogar nur 1:3. Verflixte Männerübermacht, die – Achtung, ein Klischee – eine Vorliebe für Schnitzel hat. Ich weniger. Also hat Männe lange Jahre probiert und experimentiert und es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Mit seinen Suppen muss er noch üben, aber bei den Schnitzeln gibt es nichts mehr zu meckern. Für unsere mäkeligen Kurzen ist das sogar das Lieblingsessen.

Als dann kürzlich Nummer 4 in der Schule gefragt wurde, ob und was die Kinder an Essbarem zum Schulflohmarkt für den guten Zweck beitragen – es wird mit dem Projekt Candlelight eine Wanderarbeiterschule unterstützt, mehr Informationen auf der Schulwebseite – war es für den Junior klar: wieder Schnitzel. Das haben er und Männe schon beim letzten Flohmarkt angeboten und es lief super. Junior hatte dann auch schon alles klargezogen, und uns danach erst informiert – da hat er Glück gehabt, dass Männe tatsächlich Zeit hat.

Normalerweise kaufen wir Fleisch hier draußen bei uns im auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Aber für so eine Aktion braucht man ja ein paar Grämmchen mehr, also habe ich eine Freundin gefragt, ob sie nicht zufällig was vom Sanyuanli-Markt braucht – Glück gehabt, sie brauchte. Zu zweit ist es ja doch netter, den weiten Weg in die Stadt hineinzufahren, wobei wir Glück gehabt haben, und es zwar Stockungen aber keinen Stillstand gab. Einen Parkplatz gab es auch genau gegenüber vom Markt, alles perfekt.

Der Sanyuanli-Markt

Der Sanyuanli-Markt ist eine Pekinger Institution. Hier kaufen Restaurantschefs und Hobbyköche, aber auch Otto Normalchinese. Es gibt einfach alles, was man in der Küche brauchen könnte. Ich bin eine Weile nicht dort gewesen, konnte es anfangs nicht so richtig greifen, aber etwas war anders. Der Bäcker gleich vorne an ist neu, da war vorher ein Obststand, aber das war es nicht. Dann sah ich eine Frau mit Besen und der Groschen fiel: Es wirkte alles deutlich aufgeräumter und sauberer, der Gang war frei – der Markt befindet sich in einem langgezogenem Gebäude, ein Gang in der Mitte und links und rechts die kleinen Verkaufsstände. Auch alles schön sortiert: Vorne an finden sich jetzt Backwaren, dann haltbare Importware wie Kaffee, Kakao, Konserven, dann Obst, später folgen Geflügel, Schwein, Rind und Schaf, dann gibt es Gemüse, dann Fisch und Meeresfrüchte…

Und es riecht natürlich immer entsprechend! Als wir an den Fischständen vorbeigegangen sind, musste ich an den Markt in Liuku denken, wo es noch intensiver gerochen hat, wo die Gänge kreuz und quer gingen, es noch bunter und viel chaotischer war, wo mir dann ein Fisch vor die Füße gesprungen ist und es doch einen Moment gruselig war. Aber heute blieben alle Fische brav (und tot) auf den Tischen liegen, auch aus den Bottichen und Tüten (ja, Fische in wassergefüllten Tüten) ist nichts herausgesprungen – puh.

Fertig?

Wir haben unsere Einkäufe erledigt: Reichlich Schnitzelfleisch für den Schulflohmarkt, dann Geflügel zum Einfrieren für uns privat, dazu etwas Gemüse – am Ende waren wir schon ordentlich bepackt und sind umgedreht, den langen Gang zurück zum Ausgang.

Wir waren gerade wieder beim Fleisch angekommen, da höre ich das Klicken einer Kamera und sehe hoch und in ein großes Objektiv hinein. Ja klar, der Markt ist wirklich ein beliebtes Ziel für Fotografen. Es war allerdings nicht nur ein Fotograf, sondern es war eine Gruppe Japaner, alle mit Kameras bewaffnet – und alle konnten sich nicht über die beiden Langnasen einkriegen, die einen Großeinkauf auf einem chinesischen Markt getätigt haben. Man hat sich gegenseitig zugerufen und die Gruppe (samt Hocker für die bessere Perspektive von oben) zusammen getrommelt, nein, wie unfassbar exotisch, kicher, gacker, kreisch. Ich guck meine Freundin an – sie grinst, ich grinse, die Verkäuferinnen und Verkäufer an den Seiten grinsen und irgendjemand lacht los und irgendwann lachen wir alle, der ganze Markt. Der Wahnsinn.

Irgendwann können wir uns lösen, kommen noch an ein paar japanischen Nachzüglern dabei, müssen immer wieder kurz stehen bleiben und uns ablichten lassen. Gerne hätte ich zurückfotografiert, aber ich war zu schwer bepackt, keine Chance. Endlich kommen wir zum Auto und können fahren.

Für mich war das jedenfalls der lustigste Marktbesuch überhaupt – und auf dem Flohmarkt gibt es dann morgen sicher die fröhlichsten Schnitzel der Welt.

Peking ist nicht nur wahnsinnig groß und verändert sich rasant, es steckt auch voller Gegensätze. Futuristische Gebäude stehen gleich neben traditionellen Hutongs. Hier die Konsumpaläste, dort die Tempel. Reichtum und Armut. Und oft findet man das alles nur wenige Meter voneinander entfernt.

Wenn man aus der Metrostation Dongsi kommt, fällt einem gleich ein traditionelles Tor ins Auge. Geht man über die Straßenbrücke, sieht man, dass auf der linken Seite hinter der Mauer schon alles abgerissen ist, auf der rechten Seite scheint alles unverändert.  Von der Brücke aus sehe ich erst eine alte Frau, die langsam die Straße entlang schlurft und sich dabei an ihrem Einkaufswägelchen festhält. Von der anderen Seite eilt ein junger Mann zur Metro.

Hutong

Ein paar Schritte in den Hutong hinein hört man den Verkehrslärm nicht mehr, dafür werden Obst, Gemüse oder Getränke per Bandansage und Megaphon angepriesen. Dann biege ich um eine Ecke in eine schmale Gasse und es ist ruhig. Wäsche trocknet draußen in der Frühlingssonne, teilt sich die Leine mit einem Vogelkäfig. Es ist noch nicht soviel Leben in den Gassen wie im Sommer, doch die ersten Menschen und ihre Haustiere genießen draußen den ersten Hauch des Frühlings.

Ein paar Schritte weiter kommt man auf der Rückseite einer Durchgangstraße raus, genau zwischen zwei Baustellen. Auf der einen Seite ein Neubau, auf der anderen Seite wird ein älteres Bürohaus abgerissen. Vor der Baustelle werden Feuerwehr-Untensilien wie Schaufeln, Eimer und Feuerlöscher aufbewahrt. Kreuz und quer geht es durch den Hutong zurück Richtung Hauptstraße, vorbei an den alten orangefarbenen Telefonzellen, die man hier oft noch sieht, obwohl doch beinah jeder ein Handy hat – oder etwa doch nicht?

Galaxy Soho

Ein Stück die Straße entlang, wieder über eine Straßenbrücke, kommen wir am Galaxy Soho heraus: ein ins Auge fallender futuristischer Gebäudekomplex, der sich strahlend weiß gegen den leuchtend blauen Himmel abhebt. Vier „Kugeltürme“ sind durch Brücken miteinander verbunden, hier gibt es Büros, Einzelhandel und Restaurants. Wirklich ein Hingucker! Und was für ein Gegensatz zu den Hutongs.

 

Heimaturlaub

Heimat. Urlaub?

Die Jungs und ich sind gerade zurück von der emotionalen Achterbahn namens Heimaturlaub. Das heißt, eigentlich sind wir noch auf den letzten Metern beim Ausrollen, bevor wir richtig aussteigen können und der Alltag uns wirklich wieder hat. Bis wir nicht nur physisch in Peking zurück sind. Noch hat uns der Jetlag im Griff und die vielen Abschiedstränen sind noch nicht ganz getrocknet.

Warum heißt es eigentlich Heimaturlaub, wenn es mit unseren Vorstellungen von Urlaub nur wenig zu tun hat? Urlaub ist bei uns möglichst wenig verplant, stattdessen gibt es viel Raum für Nichtstun, Lesen, Chillen und Spontanes nach Lust und Laune. Aber nicht im Heimaturlaub.

Wenn man also endlich wieder ein paar wenige, kostbare Tage in der Heimat ist, man so viel unternehmen und so viele Leute treffen möchte, wie fängt man das an? Alle Wünsche lassen sich nie erfüllen. Bei der Wahl zwischen Ausflügen zu alten Lieblingsorten oder Treffen mit Familie und Freunden gewinnen bei uns die Menschen, vor allem unsere drei Großen, und verlieren die Orte. Wieder nichts mit Ausflug ans Meer. Mit Glück lässt sich im Einzelfall beides miteinander verbinden, Verabredungen an den Landungsbrücken zum Beispiel.

Kein Geheimrezept

Ein Geheimrezept habe ich auch nach mittlerweile einigen Heimaturlauben nicht. Für uns funktioniert es nicht, jede freie Minute zu verplanen und möglichst viele Verabredungen und Unternehmungen effektiv unterzubringen. Das haben wir beim ersten Heimaturlaub so gemacht, da war der Kalender komplett gefüllt und es war der bisher Stressigste. Wir haben danach eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, wieder richtig in Peking Fuß zu fassen, und es hat lange gedauert, bis bei den Jungs „ich vermisse…“ nicht mehr die häufigsten Worte waren. Wobei Letzteres auch bei weniger voll verplanten Besuchen in Deutschland passiert. Aber nach dem „Urlaub“ erst so richtig urlaubsreif zu sein, das möchten wir so nicht noch mal erleben.

Nichts vorab zu planen und uns ausschließlich auf Spontaneität zu verlassen, klappt aber auch nicht. Schließlich haben die Daheimgebliebenen ihr eigenes Leben und ihre eigenen Verpflichtungen, wo wir in unserem Ferien-Zeitraum vielleicht gerade nicht reinpassen. Da kann es dann passieren, dass es zu keiner Verabredung kommt, wenn man sich erst zu kurzfristig meldet.

Also wird es bei uns ein Zwischending, wobei sich die für Spontanes vorgesehen Lücken im Kalender doch immer rasend schnell füllen.

Wie man es auch anfängt, es ist immer falsch

Kann man die Zeit „gerecht“ auf die Daheimgebliebenen verteilen? Nein. Keine Chance. Irgendjemanden wird man immer enttäuschen, und wenn man sich noch so sehr anstrengt. Das fängt bei dem Punkt an, mit wem man sich zuerst verabredet und hört bei der Frage, wie viel Zeit man miteinander verbringen kann, nicht auf.

Dieses Mal war die Zeit noch kürzer als sonst: 10 Tage. Minus zwei Tage für Hin- und Rückflug. Von den verbleibenden acht Tagen waren wir die Hälfte bei meiner Mutter, die mir kürzlich einen Schrecken eingejagt hat, als sie krank war – zum Glück dann doch nicht so schlimm. Aber deshalb wollte ich diesmal unbedingt etwas länger als sonst bei ihr bleiben. Das war dann doch noch das Entspannteste und das, was „Urlaub“ noch am nächsten kam.

Verzicht auf Heimaturlaub ist auch keine Lösung

Der Gedanke schleicht sich ein, lieber nur in China und Asien zu reisen, die Reisemöglichkeiten hier vor Ort auszunutzen und „richtigen“ Urlaub zu machen. Aber ist es nicht gerade für die Kinder wichtig, ihr Heimatland zu besuchen, damit sie wissen und behalten, woher sie kommen? Ist es nicht notwendig, die alten Beziehungen auch mit persönlichen Treffen zu pflegen? Auf der anderen Seite tun die häufigen Abschiede weh. Reißen Wunden auf, die vielleicht gerade verheilt sind. Weil man sich gerade damit arrangiert hat, mit den Lieben nur zu gewissen Zeiten chatten, sie aber nicht umarmen zu können. Aber letzteres muss doch wenigstens von Zeit zu Zeit sein, deshalb kommt der Verzicht auf Heimaturlaub nicht infrage. Wir werden aber auch nicht sämtliche Schulferien in Deutschland verbringen.

Die Heimat wird allmählich fremd

Hamburg fühlt sich für mich nach wie vor vertraut an. Hier brauche ich kein Navi, auch wenn ich kreuz und quer durch die Stadt fahre. Und gleichzeitig fange ich an zu fremdeln. Es ändert sich immer mehr. Unglaublich, wie viele Bäume in unserer Straße gefällt wurden und wie ein Neubau nach dem anderen die alten bekannten Häuser ersetzt. Aber nicht nur unsere Straße ändert sich, auch das weitere Umfeld, überall Baustellen: Einkaufszentrum und Autobahn (A7-Deckel…). Wenn das alles erstmal fertig ist, wird es womöglich noch fremder sein als jetzt schon. Wenn man das tagtäglich sieht, fällt es einem vielleicht nicht so ins Auge. Aber wie viel sich in dem halben Jahr seit dem letzten Hamburgbesuch getan hat, das ist schon krass.

Und es ist doch auch schön

Natürlich ist Heimaturlaub auch schön. Es ist ja nicht nur Abschiedskummer, sondern auch Wiedersehensfreude. Es ist so schön, sich mit alten Freunden zu treffen. Besonders, wenn es so ist, als hätte man sich gerade letzte Woche zuletzt gesehen und nicht vor etlichen Monaten.

Grünkohl

Grünkohl, Kassler, Kohlwurst…

Es macht Spaß, die Dinge zu genießen, die wir hier in Peking nicht haben. In Buchhandlungen zu gehen und deutsche Bücher in die Hand zu nehmen (und nicht nur eBooks zu lesen). Von sauberer Luft und trinkbarem Leitungswasser gar nicht erst zu reden (ich weiß, ich wiederhol mich). Ach ja, Lebensmittel überhaupt, (fast) kein Nachdenken über deren Qualität, Herkunft, Schadstoffbelastung. Natürlich haben wir auch reichlich eingekauft: Früchtetees, die es hier überhaupt nicht gibt. Kaffee (gibt es zwar, aber zu Mondpreisen). Medikamente, Cremes, Küchenkrimskrams…

Ich fand es auch angenehm, mal unauffällig durch die Stadt zu stromern und nicht schon von weitem als Ausländer erkennbar zu sein. Alles lesen und verstehen können und nicht sich nicht als halber Analphabet zu fühlen.

In die Zeit sind wir diesmal so überhaupt nicht reingekommen, was aber nicht so schlimm ist, jetzt ist es hier in Peking einfacher. Und nachts wach zu sein hatte den Vorteil, in die deutsche Glotze starren zu können. Okay, da verpassen wir nicht viel. Nur das Filme streamen haben wir wirklich sehr genossen. Dieses Geo-Blocking in der ach so globalisierten Welt ist und bleibt einfach Bockmist!

Zuhause in Peking

Back in Beijing - Blue sky

Blauer Himmel in Peking

Immerhin macht uns Peking das Wiederankommen leicht. Die Luft könnte zwar besser sein, aber die Sonne scheint und wärmt, es liegt ein Hauch von Frühling in der Luft. Es ist schön, die Nachbarn und Freunde hier wieder zu treffen (und sich nicht sofort verabschieden zu müssen).

Und so richtig ging mir eben das Herz auf, als die Jungs aus der Schule kamen, beide fröhlich und bester Dinge. Aber einer der zwei besonders happy – er hat von einem Freund ein Urlaubsmitbringsel bekommen: eine Dose Ravioli aus Deutschland. Das finde ich so süß, dass ich nicht wie sonst über Juniors seltsame Dosenfraß-Vorliebe schimpfe! 

Eigentlich würde ich dem Pekinger Winter gerne bei jeder Gelegenheit entfliehen. Okay, einer der Hauptgründe dafür – der Smog – gilt nicht mehr so stark wie in den Vorjahren, denn der heftigste Wintersmog ist doch deutlich weniger geworden. 

Aber es ist bitter-, bitterkalt. Selbst wenn das Thermometer mal über Null steht, lässt einen der eisige Wind frieren.

Und es ist trocken. Aber so richtig. Einerseits  ist das schön, wenn man da mal an die verregneten Hamburger Winter denkt. Über einen Mangel an Sonne, Licht und blauem Himmel können wir uns hier derzeit nicht beklagen. Andererseits ist es so trocken, dass hier beinah jeder über Hautprobleme klagen könnte. Jucken und spannen ist da noch das harmloseste, was sich mit regelmäßigem Cremen noch ganz gut in den Griff kriegen lässt. Wer da empfindlicher ist oder auch nur einmal zu lange nicht eincremt, hat womöglich aufgerissene, blutige Hände. Luftbefeuchter können etwas helfen – solange man drinnen ist.

Schnee?

Skifahren, ohne dass es schneit?

Weil es so trocken ist, ist Schnee auch die absolute Ausnahme, auch in den Bergen im Umland. Skigebiete gibt es trotzdem: mit technischem Schnee, also Kunstschnee. Nur eine Dreiviertelstunde von unserem Haus liegt das Skigebiet Nanshan. Letztes Jahr war ich zum ersten Mal mit der Patengruppe dort, und auch dieses Jahr ging es wieder dorthin. 

Auch wenn man nicht Skifahren oder Snowboarden kann oder möchte, lohnt sich ein Ausflug. Man kann auch Reifenrodeln, mit einer (Sommer-)Rodelbahn von oben den Berg herabsausen oder einfach nur ein bisschen Spazieren gehen und dann auf einer der Terrassen in der Sonne sitzen und den Skifahrenden auf den verschiedenen Pisten zusehen. Es gibt verschiedenen Restaurants und Imbissbuden, Trinkwasser und heißes Wasser findet sich natürlich auch, klar, wir sind in China.  

 

Lieber aufs Eis?

Die lange knackige Kälte lässt auch alle Seen einfrieren. Bei den großen Seen in der Stadt darf man da aber nicht einfach so drauf stiefeln, sondern es sind extra sichere Bereiche umzäunt, wofür man dann auch Eintritt zahlen muss. Am Beihai-See ist in den 80 RMB dann aber auch der Gebrauch sämtlicher Fahrzeuge enthalten: Schlitten, Eisfahrräder, „Bumper“, und das alles zeitlich unbegrenzt. Aber irgendwann wird es einem dann auch einfach zu kalt. Nur Schlittschuhe müsste man selbst mitbringen.

Auch am Houhai gibt es so eine Eisfläche. Den Kunming-See beim Sommerpalast würde ich gerne mal sehen, vor der Kulisse muss es einfach wunderschön sein. Vielleicht schaff ich das ja diesen Winter noch.

Wir hatten über die Weihnachtszeit Besuch von lieben alten Freunden. Vorher waren die Befürchtungen groß, dass die Dezember-Luft in Peking wieder so übel wird wie in den Vorjahren. Doch der Himmel war überwiegend blau und die Luft bis auf wenige Ausnahmen gut. (Dass zahlreiche Chinesen aufgrund der Schließungen von Kohlekraftwerken und mangels bezahlbarer Alternativen frieren, ist die Kehrseite der Medaille.)

Natürlich waren wir viel zusammen unterwegs. Nur Sommerpalast, Verbotene Stadt, Silk Market und Ritan Park habe ich krankheitsbedingt auslassen müssen. :(

Heiligabend haben wir uns zuerst den Konfuziustempel und die Kaiserliche Akademie angesehen, dann den Lamatempel und sind dann noch durch die angrenzenden Hutongs gebummelt. Zweimal hingucken musste ich auf des zugefrorene Gewässer im Konfuziustempel: im Eis sind Goldfische eingefroren!

Immer wieder phantastisch: die Mauer

Den Besuchern haben die Tempel, vor allem der Lamatempel mit seiner besonderen Atmosphäre, am besten gefallen. Mein Highlight ist nach wie vor die Mauer. Es ging wieder nach Mutianyu, das ist von uns aus zügig zu erreichen. Mit der Seilbahn hinauf, ein Stück weit über die Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Leider war eine sehr ängstliche chinesische Dame vor uns, so dass es keine rasante Abfahrt, sondern eine gemütliche Omi-Abfahrt wurde. ;)

Der Schriftzug oben am Berg bedeutet wohl: „Loyal gegenüber dem Vorsitzenden Mao“ (忠于毛主席 – Zhōngyú máo zhǔxí).

Und weil die Mauer als imposantes Bauwerk mit ihrer langen Geschichte, mit Seilbahn, Sessellift und Sommerrodelbahn noch nicht beeindruckend genug ist, wird jetzt auch auf den Drehort eines chinesischen Films von 2010 hingewiesen: „If you are the one 2“ – eine romantische Komödie, war wohl ein Kassenschlager. ;)

 

Einen Abend haben wir in Sanlitun verbracht, erst gab es lecker Pekingente im Duck de Chine (jetzt Teil des 1949-Komplexes), dann noch einen Absacker im Q-Mex. 

Tianan’men

An einem anderen Abend sind wir beinah erfroren. Es war wirklich bitter-, bitterkalt. Trotzdem sind der Platz und die Gebäude so beleuchtet sehr beeindruckend.

 

Antikmarkt, Himmelstempel, Shopping, Show

Trödel und Co.

Panjiayuan Antikmarkt

Auch an einem anderen Tag hatten wir ein besonders volles Programm.

Zunächst sind wir kurz über den Panjiayuan Antikmarkt gebummelt. Der war deutlich voller als bei meinen bisherigen Besuchen, es war Samstag. Dafür waren vergleichsweise wenig Langnasen zu sehen.

Damit unser Besuch auch das Erlebnis von Pekinger Metro hat, sind wir von vom Panjiayuan mit der Metro zum Himmelstempel gefahren. Metro-Fazit des Besuchs: sauber, sicher, auch als Ortsfremder ohne Chinesischkenntnisse gut verständlich.

Himmelstempel

Als wir die langen Treppen an der Himmelstempelstation nach oben gekraxelt waren, war Wind aufgekommen, und hat das Grau des Morgens hinweg geweht. Trotz des eisigen Windes war der Park aber gut besucht und es gab tatsächlich wieder Pekinger, die samt Haustieren im Laubengang saßen und spielten. Durch den Laubengang haben wir uns erst die Halle der Ernte und die umliegenden Hallen angesehen. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf den CBD mit dem fast fertigen China Zun Tower in der Mitte. Wir haben uns dann noch Echomauer und die Halle des Himmelsgewölbes angesehen und sind die paar Stufen zum Himmelsaltar hinaufgestiegen. Von uns hat es aber keiner ausprobiert, ob die eigene Stimme wirklich viel volltönender klingt, wenn man auf dem Stein in der Mitte steht.

Ich finde ja die Geschichte von der „70jährigen-Tür“ klasse: Kaiser Qianlong war schon alt und etwas klapperig, so dass seine Offiziellen diese Tür für ihn in die Mauer einbauen ließen, um den weiten Weg bei den Zeremonien für ihn abzukürzen. Damit diese Abkürzung nicht ohne Not missbraucht würde, erließ Qianlong ein Dekret, dass nur seine Nachkommen, die 70 Jahre und älter wären, diese Tür benutzen dürfte. Qianlong blieb allerdings der einzige, der die Tür, die jetzt den Namen „70 year old door“ trägt, benutzt hat – keiner seiner Nachfolger wurde so alt.

 

Brown Door und Pearl Market

Blick von der Dachterasse des Pearlmarkets

Blick von der Dachterrasse des Pearlmarkets

Inzwischen waren wir durchgefroren, es war schon später Mittag. So habe ich unsere Besucher dann ins „Brown Door“ geführt, ein kleines chinesisches Restaurant gegenüber vom Nebeneingang des Perlenmarkts. Das ist schon lange kein Geheimtipp mehr, und auch wenn hier überwiegend Expats und Langnasen verkehren, so ist das Essen „ganz normal chinesisch“ und sehr lecker. Aufgewärmt und gestärkt ging es dann hinüber zum Pearlmarket, einmal Atmosphäre schnuppern, einmal das Erlebnis „knock-knock-Markt“… Wohl auch kein Geheimtipp mehr: Im 4. Stock an den Rolltreppen befindet sich eine kleine Kaffeebar, wo es guten Kaffee zum annehmbaren Preis gibt.  Wo wir schon bei Ex-Geheimtipps sind: Es ging dann noch auf die Dachterrasse, einmal den Blick über den Himmelstempelpark, rüber zum Tiananmen und in der anderen Richtung zum CBD genießen.

Legends of Kungfu

 Bei der Überlegung: Laoshe Teahouse oder Kungfu-Show fiel die Entscheidung rasch zugunsten von „Legends of Kungfu“. Ulrike vom bambooblog hatte davon erzählt. Besten Dank für die Empfehlung, wir waren begeistert! Beim nächsten Mal nehme ich meine Jungs mit, das würde ihnen sicher gefallen. Die Geschichte ist relativ schlicht: Ein Junge kommt ins Kloster, lernt fleißig, ist erfolgreich, lässt sich auf Abwege führen, findet aber auf den rechten Weg zurück und beerbt am Ende den alten Abt. Die Inszenierung ist temporeich, aufwendig und bunt, die Musik gefällt auch Westler-Ohren. Erzählt wird auf Englisch, es laufen chinesische Unter-, ähm, Obertitel, bei ein-zwei chinesischen Liedern umgekehrt. Immerhin kommen zwei Frauen vor: die Mutter und die böse Versuchungsfee… 

 

Feiertage ganz entspannt

Weihnachten und Silvester haben wir gemütlich zuhause gefeiert. Falls sich jemand über ausbleibende Mails und/oder Anrufe gewundert hat: Heiligabend fielen am frühen Abend erst Telefon und Internet aus (wurde am Morgen des 1. Feiertages repariert), dann hab ich schlapp gemacht: fiese Erkältung. Mit Besuch war für Erkältung aber gar keine Zeit, die wird jetzt auskuriert.

Xīnnián kuàilè! - Frohes neues Jahr!

Chinesische Silvestershow

Silvester war ebenfalls ganz gemütlich. Natürlich haben auch dieses Jahr Dinner for One und Ekel Alfreds Silvesterpunsch nicht gefehlt. Feuerwerk ist nicht nur innerhalb des 5. Pekinger Rings verboten, sondern auch bei uns im Compound. Trotzdem waren wir kurz auf der Straße und haben ein paar wenige Raketen in der Ferne gesehen. Nicht schlimm, es war eh viel zu eisig, um länger draußen zu sein. Drinnen ließen wir dann eine chinesische Neujahrshow laufen, wo es vor allem Bilder vom Feuerwerk der bereits ins Neue Jahr gerutschten Städte gab.

Alltag

Inzwischen sind alle Besucher wieder heil in Deutschland angekommen. Der Mann ackert, die Jungs genießen die letzten faulen Ferientage, ich kuriere meine Erkältung aus – ich muss fix wieder fit werden, schließlich habe ich nächste Woche was vor… ;)

Der Compound füllt sich allmählich wieder mit den Urlaubs-Rückkehrern, die Tage werden allmählich wieder länger und wir schauen gespannt darauf, was 2018 so alles mit uns vorhat. 

Xīnnián kuàilè! – Frohes neues Jahr!

 

Mein Weihnachten in Peking – Beitrag zur Blogparade der Expatmamas

Adventskranz

Das dritte Weihnachtsfest, seit wir nicht mehr in Hamburg leben, steht vor der Tür.

Im ersten Jahr waren wir gerade wenige Monate hier, alles war noch neu und aufregend. Wir wollten nicht nach Hamburg reisen, um den gut laufenden Eingewöhnungsprozess der Kinder nicht zu unterbrechen. Wir haben gefürchtet, die Kinder nicht freiwillig wieder in den Flieger zurück nach Peking bekommen zu können … Stattdessen haben wir die großen Kinder zu uns eingeladen. Die konnten sich bei der Gelegenheit auch gleich davon überzeugen, dass es uns hier so schlecht nicht geht. So haben wir gemeinsam die Weihnachtsferien mit viel Sightseeing und Ausflügen verbracht.

Weihnachtsstern

Der Mittlere, der nach seinem Jahr in Yunnan gut Chinesisch spricht, hat ein Stück weiter die Straße runter einen echten Weihnachtsbaum gekauft, der eine Stunde später geliefert wurde. Von der Rezeption kam ein irritiert-ungläubiger Anruf: „Da will ihnen jemand einen Baum liefern! Stimmt das?“
Deko haben wir im Beidong-Flowermarkt nicht weit von hier erstanden. Töchterchen hat sich durchgesetzt: Wenigstens einmal im Leben einen richtigen Mädchenbaum – und so kamen wir zu rosa und pinken Kugeln und einer rosa Blümchenlichterkette. Da muss die Familie jetzt auch weiterhin durch! ;)

Heiligabend gab es traditionell Kartoffelsalat und Würstchen (wenn auch aus dem Glas, aber immerhin deutscher Markenimport) und für das Mäkelkind selbstgemachte Chicken Nuggets. Auch die Weihnachtsgans haben die Kinder im Sanyuanli-Markt besorgt. So gab es also auch am 1. Weihnachtsfeiertag ein klassisches Weihnachtsessen hier, auch wenn die Gans dank Dusselofen zu trocken, die Klöße eher Kartoffelbrei waren. Immerhin der Rotkohl und der Nachtisch waren super. :)
Silvester blieb die Küche kalt, stattdessen ging es in ein nettes Yunnan-Restaurant.

2016 – Weihnachten ganz anders

LetIMG_8928ztes Jahr waren wir in Australien und hatten ein wundervolles australisches Weihnachtsfest zusammen mit unserer Gastgeberin.

Weihnachten in Bulwarra

Das würde ich mir auch wieder gefallen lassen.

Überhaupt, den langen Pekinger Winter und die übelste Smog-Saison würde ich gerne wieder drei Wochen in der Sonne unterbrechen.

Weihnachten 2017

Doch dieses Jahr bleiben wir wieder hier, denn es kommt Besuch. Liebe alte Freunde, mit denen wir in Deutschland schon viele Feiertage gemeinsam begangen haben. Letztes Jahr waren die weihnachtlichen Aktivitäten bei uns wegen des Australienurlaubs relativ begrenzt, dieses Jahr habe ich schon Mitte November angefangen, die Deko zu sichten. Und das, obwohl ich im November im Rahmen meiner NaNoWriMo-Teilnahme (eine Schreib-Challenge, bei der man im Schnitt im November täglich 1667 Wörter schreibt, um am 30.11. eine Geschichte von 50.000+ Wörtern zu haben) eigentlich keine freie Zeit übrig hatte, zumal ja auch noch die Führerscheinprüfung dazwischengefunkt hat.

Köttbull – unser neuer Mitbewohner

Bei Ausflügen mit Freundinnen auf diverse Märkte wurde das Vorhandene ein bisschen ergänzt. Kollege Köttbull ist bei uns eingezogen. Zu meinen künstlichen IKEA-Weihnachtssternen haben sich jetzt auch echte vom Flower-Markt gesellt.

Nur das Weihnachtsbaumproblem müssen wir noch lösen. Im Rahmen der Aufräumaktionen in der Stadt wurden auch alle Blumen- und Pflanzenhändler von unserer Straße vertrieben. Der eine verbliebene Händler nimmt exorbitante Phantasiepreise, auch der Händler vor dem Flowermarkt in der Nähe der Schule nimmt jetzt über das Dreifache wie 2015. Bei dem Händler hier um die Ecke werde ich noch mal mein Glück versuchen und hart handeln. Sollte ich scheitern, wird es nur ein kleiner echter Baum oder ein künstlicher. Letzteres war für mich bisher undenkbar – aber nur, weil ich eine Langnase mit komischen Sitten bin, will ich kein ungerechtfertigtes Vermögen für einen Weihnachtsbaum berappen (Nr. 4 schaut mir gerade über die Schulter und stimmt Protestgeschrei an: „Waaaas? Kein echter Baum?“ Ich werde beim Handeln also über mich hinauswachsen müssen, dabei hasse ich es …)

Backmarathon

Ergebnis von Backmarathon und Plätzchentausch

Wie in Deutschland gehört für uns die Weihnachtsbäckerei in die Weihnachtszeit. Allein wegen des leckeren Duftes, der nach dem Backen noch tagelang im Haus hängt. Gestern hatten wir in einer lauschigen Fünferrunde einen „Cookie Exchange“ – Plätzchentausch. Jede von uns hat von einer Sorte Kekse ca. 60 Stück gebacken; 10 zum selbst behalten, vier mal 10 Plätzchen zum weitergeben, 10 zum Vernaschen und Probieren beim gestrigen Treffen mit „Expatlimo“ (Prosecco, Achtung ein Klischee!), Glühwein, Kaffee etc. Einmal Backen und 5 verschiedene Sorten Plätzchen – perfekt! Ich hatte vorher allerdings schon einen Backmarathon, der mich mehr geschlaucht hat als die Schreibchallenge. Jedenfalls sind wir jetzt für den Advent versorgt mit Basler Pekinger Leckerli (Orangeat und Zitronat gibt es hier nicht, durch gehackte getrocknete Cranberries ersetzt), Lübecker Kokosmakronen, Mürbeteigplätzchen, Schokokipferln, Florentinern, Pfefferkuchen, Hafertalern, Zimtsternen… Gewürzkuchen und –Muffins werde ich sicher irgendwann noch backen, aber erstmal brauche ich eine Pause. :)

Die Zutaten dafür gab es bei IKEA (Marzipan) oder in unserem auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Lebkuchengewürz habe ich aus Deutschland mitgebracht, nur Hirschhornsalz und Pottasche haben gefehlt und waren hier auch nicht aufzutreiben – an sowas muss man also auch schon bei den Heimaturlauben im Sommer denken…

Adventskalender-Anleitung!

Inzwischen kann man hier sogar Adventskalender kaufen. Im ersten Jahr habe ich noch vergeblich danach gesucht, hatte aber glücklicherweise Säckchen zum selber füllen für die Jungs aus Deutschland mitgebracht. Auf den Kalendern eines großen schwedischen Möbelhauses findet sich auch eine Erklärung, was man mit diesem merkwürdigen Ding anfangen soll… ;)

Weihnachtsfeiern und Co.

Heute ist der alljährliche Charity-Weihnachtsbasar auf dem Gelände der deutschen Botschaft. Vorab sah es so aus, als wären wir dies Wochenende anderweitig verplant, also haben wir keine Karten im Vorverkauf erstanden. Lange Schlangestehen bei miesen Luftwerten ist nicht mein Ding, also gehe ich auch nicht spontan hin. Das ist wirklich unglaubliches Pech für den Weihnachtsmarkt, der hat offensichtlich ein Smog-Abo.

Ebenfalls heute veranstaltet das Compound-Management eine Weihnachtsparty. Das Programm liest sich sehr amerikanisch, wir haben uns für einen ruhigen Familienabend auf dem Sofa entschieden.  Aber ich muss ja auch nicht alle Angebote wahrnehmen, für Neuankömmlinge ist das hingegen sicher eine gute Gelegenheit, mit ihren Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Auf die private Charity-Weihnachtsparty einer Freundin am nächsten Wochenende freue ich mich hingegen sehr.

Für die Kinder kommt in der Schule am 6.12. noch der Nikolaus. Die Schule, die Aula und die Klassenräume sind weihnachtlich geschmückt. In den Klassen wird gewichtelt und die Klassen bewichteln sich auch gegenseitig – alles fast wie in Deutschland.

Alle Jahre wieder…

Adventskalender

Alles in allem sicher eine ganz normale Weihnachtszeit mit exotischen Einschlägen und leichten, aber bewältigbaren Hürden. Für die Jungs und mich gehören kuschelige Filmabende bei Kerzenschein dazu. Unseren Besuch können wir hoffentlich von unserem traditionellen Heiligabendessen überzeugen, ob es am 1. Feiertag Weihnachtsgans zuhause oder auswärts Pekingente gibt, werden wir gemeinsam entscheiden.

Ich bin nicht gläubig. Es gibt aber deutschsprachige katholische, evangelische und ökumenische Weihnachtsgottesdienste und noch mehr auf englisch. Für mich ist die Weihnachtszeit mit all den Kerzen und Lichtern, fröhlich-bunter Deko und romantischer Stimmung eine gute Möglichkeit, den Winterblues in Schach zu halten. Weihnachten und die Weihnachtszeit ist für mich ein Teil deutscher Kultur, den ich zum Glück auch hier in China unseren Third Culture Kids vermitteln kann. Weihnachten selbst ist für mich ein traditionelles Familienfest, und glücklicherweise können wir unsere Familientraditionen auch hier fortsetzen. Nicht zuletzt ist Weihnachten – ob gläubig oder nicht – ein Gefühl, das man im Herzen trägt.

Da wir hier kein Auto haben, hat mir der chinesische Führerschein bisher nicht gefehlt. In die Stadt hinein möchte ich sowieso nicht fahren, spätestens an der Mautstelle würde ich beim Blick auf das Chaos hysterisch kichernd hinterm Lenkrad zusammenbrechen.

Aber dann hat eine Freundin, die ein paar Jahre länger hier ist und entsprechenden Vorsprung hat, beschlossen, dass das nicht anginge. Wenn man schon so lange in China ist, müsste man jetzt endlich auch mal den Führerschein machen! Und schon hat sie die Angelegenheit nicht nur für mich, sondern gleich für drei Damen in die Hand genommen und drückte uns einen Stapel chinesischer Formulare mit Übersetzungshilfe in die Hand. Zwei Tage später fanden wir uns am Houshayu-Market bei einer chinesischen Fotografin wieder, die die erforderlichen, regel-konformen Fotos schoss. In den 20 RMB für 12 Fotos enthalten: kleines Photoshop-Lifting. ;)

Sehtest

Danach ging es direkt zum Gesundheitscheck weiter. Dieser entpuppte sich – zum Glück – als Sehtest. Ich hatte schon Befürchtungen, es wäre wieder so ein halböffentliches, halbnacktes Zirkeltraining wie bei der medizinischen Untersuchung bei der Einreise für die erste Aufenthaltsgenehmigung. Den letzten Sehtest in Deutschland für den Motorradführerschein hatte ich nur mit Ach und Krach bestanden, so war ich etwas kribbelig. Die Nervosität steigerte sich dadurch, dass die zuständige Dame etwas an unseren ausgefüllten Formularen zu bemängeln hatte – nur was? Irgendwann verstanden wir dann, dass wir in der unteren Formularhälfte nichts selber hätten eintragen dürfen, das müsste sie machen. Tipp ex? Nein, nein, nein. Neues Formular? Mei you! Ham wa nich! Es blieb uns nichts anderes übrig, als zurückzufahren, zuhause gab es zum Glück noch Blankoformulare.

Mit den neu und wie gewünscht nur halb ausgefüllten Formularen ging es wieder zurück zur Klinik und – hurra – diesmal war alles korrekt. Mit Blick auf das Plakat mit den Zeichen (kennt man aus Deutschland: wohin zeigen die Beinchen/wo ist die offene Seite?) hab ich noch versucht, die unteren Zeilen mit den klitzekleinen Bildchen auswendig zu lernen… Wäre nicht nötig gewesen, denn das einzige, was getestet wurde, war rot-grün-Blindheit: rote Null auf grünem Grund, grüne 6 auf rotem Grund: Líng. Liù. Die Tür war offen, wir waren alle in dem kleinen Büro, also war auch das noch mit Vorsagen. :) Ein Arzt saß lässig auf einer Untersuchungsliege und schien das alles sehr lustig zu finden. Dann wurden wir jede noch etwas gefragt – ah, die Körpergröße. Die wurde dann in das Feld eingetragen, was wir vorher selbst ausgefüllt hatten. Naja, so hatte das ja nun alles seine Ordnung, wir bekamen eine Quittung, gingen  über den Hof, zahlten in einem Nebengebäude 20 RMB, wieder zurück und: bitteschön: Sehtest-Bescheinigung mit dem obligatorischen roten Stempel.

Anmeldung zur Prüfung

Keine Chance, mich doch noch zu drücken. Meine Freundin war gnadenlos und fuhr uns ein paar Tage später einmal quer durch die Stadt zur Führerscheinbehörde. Das Gebäude hätte ich allein wohl gefunden, aber drinnen wäre ich verloren gewesen. Wie in China üblich eine riesige repräsentative Eingangshalle, Wartebereich, Schalter – aber wo müssen wir hin? Unsere Freundin führte uns einen schmalen Gang an müffelnden Toiletten vorbei in den hinteren Teil des Gebäudes. Da war kein Schild, kein Hinweis, nichts deutete daraufhin, dass es hier zur Ausländerabteilung geht. Erst als man schon halb um die Ecke herum war, fand sich ein kleiner Pfeil: „Foreigners“. 

Blitztaufe – gestatten, ich bin jetzt Xiǎo Lín!

Nümmerchen ziehen, kurz warten, und dann wurde es ernst. Sehtest, Pass mit Registrierungszettelchen, deutscher Führerschein (aha, ich hatte sicherheitshalber meinen internationalen auch noch eingepackt, aber den hat es nicht gebraucht). Mit Unterstützung musste ein Formular ausgefüllt werden, Geburtsdatum, Passnummer, chinesischer Name.
„Hä?“
„Ja, chinesischer Name.“
Jetzt konnte ich mal: „Méiyǒu! – Hab ich nicht!“
Dann müsste ich mir jetzt fix einen ausdenken. Ups. Mir konnte geholfen werden, ich wollte einfach zu schreibende Zeichen, es soll nicht unbedingt „Sauerkrautliesel“ bedeuten und es sollte vom Klang ein bisschen an meinen deutschen (Spitz-)Namen erinnern – damit war ich innerhalb von 2 Minuten 小林 – Xiǎo Lín!  Kleine Lin oder auch eine verkürzte Form von „Kleiner Wald“. Sollte ich mal einen japanischen Namen brauchen, gleiche Zeichen, ähnliche Bedeutung („kleiner Hain“), nur anders gesprochen: Kobayashi! 

Prüfung ist immer Dienstag und Mittwoch, wir entschieden uns für Mittwoch, den 15.11., bezahlten noch 50 RMB für die Prüfungsgenehmigung und damit begann der Countdown zu laufen: es muss gelernt werden!

Büffeln, pauken, lernen!

Rätselraten bei der Übersetzung

Tja, lernen. Kein Buch, kein Kurs, nein, eine App: „Driving in China“. Gibt es leider nur für iOS, zum Glück fand sich in meiner Schublade noch ein antiquarisches iPhone, so dass ich nicht mit der schlechteren (weil seit über 2 Jahren nicht mehr aktualisierten) Android-App lernen musste. Man sollte meinen, das sollte alles kein Problem sein, wenn man schon jahrzehntelang den Führerschein hat. Denkste. Die Philosophie hinter den Fragen ist eine ganz andere als in Deutschland und die Übersetzung ist abenteuerlich, da hilft nur Auswendiglernen und üben, üben, üben.  Knapp 1600 Fragen, während der Prüfung kommen  davon 100 dran, 90+ müssen richtig sein, um zu bestehen.

Etwa ein Viertel der Fragen lässt sich ohne weiteres beantworten, vor allem richtig-oder-falsch-Fragen: „Frauen mit Stöckelschuhen leisten keinen Beitrag zum sicheren Fahren.“ oder „Ein qualifizierter Fahrer sollte nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch gute Fahrgewohnheiten und eine moralische Einstellung besitzen.“ Na logo! :)

Führerscheintheorie für weit Fortgeschrittene sind hingegen die Polizeigesten, die für mich alle mehr oder weniger gleich aussehen, nach stundenlangem Büffeln konnte ich mir wenigstens die für links bzw. rechts abbiegen merken, für den Rest entschied ich dann: Mut zur Lücke. Ein Bild, wo sich ein Polizist an der Nase kratzt, soll „abbremsen und warten“ heißen, ein beinah identisches Bild soll „links einordnen“ heißen. Tja.

Viele Leichen pflastern den Weg zum chinesischen Führerschein

Zahlreiche Unfallschilderungen mit vielen Toten

Eine Reihe von Fragen beschäftigt sich mit dem Fehlverhalten von Bus- und LKW-Fahrern. Ich fühlte mich sehr an Mathe-Textaufgaben und Jokes erinnert, wo es erst Infodumping ohne Ende gibt, man sich lauter Zahlen merkt und am Ende nach dem Vornamen der Frau des Busfahrers gefragt wird. Tragisch dabei: in diesen kleinen Aufgaben-Geschichten sterben viele Menschen. :(

Gut vorbereitet!

Die App hat drei Bestandteile: 1. Lernen: Hier finden sich alle Aufgaben samt korrekter Lösung. 2. Üben: Hier kann man Kapitelweise oder auch mit Aufgaben aus dem kompletten Fragenpool üben. Und 3. Prüfungssimulation. Die Fortschritte, die man macht, werden schön mitgetrackt und auf der Startseite teilt einem die App dann mit, ob man auf einem guten Weg ist. Am Abend vor der Prüfung sah das dann so bei mir aus, ich hatte zwei Tage lang wirklich nichts anderes gemacht als zu lernen, zu üben und schließlich die Prüfung zu simulieren und habe die Simulation dann auch sicher fast 50 mal bestanden. Ich hab mich gut vorbereitet gefühlt – um dann doch die halbe Nacht wachzuliegen. Verflixt, aufgeregt wie ein Teenie. Wenn ich mich das nächste Mal wie 18 fühlen will, melde ich mich wieder für irgendeine Prüfung an!

Es ist soweit: Prüfung!

Meine Freundin ist eine Seele von Mensch. Früh um 7 sammelt sie uns ein, versorgt uns mit Nervennahrung und fährt  uns mitten im Berufsverkehr einmal quer durch die Stadt! Wieder an den Müffelklos vorbei in die Ausländerabteilung, dort noch einen Moment warten und dann wurde eine Tür aufgeschlossen, wir mussten eine Treppe hochgehen und fanden uns mit vielen Chinesen im Prüfungsraum wieder. 

Jeder nimmt vor einem PC Platz und es wird direkt ernst. Die Prüfungsnummer von der Prüfungserlaubnis eingeben und schon startet der Test. Das erste Bild kenne ich, das zweite auch. Puh, alles nicht so schlimm, wenn nicht die Maus so schrecklich unpräzise wäre und man ganz genau gucken muss, das richtige der eng nebeneinander liegenden Antwortkästchen anzuklicken. Doch zu früh gefreut, bei der dritten Aufgabe muss ich fünfmal lesen, bis ich im Ansatz begreife, worum es geht. Irgendwas mit Autobahn und Standstreifen, da ist wohl eine Übersetzung verschlimmbessert worden. Die nächste Aufgabe: Polizeigeste, zum Glück links abbiegen und nicht Nase kratzen. Jede zweite Aufgabe hab ich nie zuvor gesehen, teils erinnern die kruden Übersetzungen nicht mal annähernd an das gelernte und sind so merkwürdig, dass man sich beim besten Willen nicht erschließen kann, worauf die Frage abzielt.

Glücksspiel?

Vor der Prüfung hatte ich die Hinweise auf der Prüfungserlaubnis gelesen: wenn es beim ersten Versuch nicht reicht, kann man gleich im Anschluss einen zweiten machen, muss dann hinterher nur noch mal 10 RMB extra zahlen. Ich reiße mich zusammen und klicke mich weiter durch, eine lustige Mischung von Wissen, Überlegen, Annähern, Raten. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, aber nach 12 Minuten bin ich durch (von 45 Minuten maximaler Prüfungszeit). Ich überlege, ob ich noch mal alles durchgehen sollte, aber entscheide mich dagegen, weil ich dann sicher bei richtig geratenen Aufgaben doch noch das Falsche anklicken könnte. Ich atme tief durch und klicke 15 Minuten nach dem Start auf „hand in“. Ein großes grünes Fenster poppt auf. Das Grün stimmt mich optimistisch, aber ich verstehe weder den chinesischen noch den englischen Satz, irgendwas mit „Fenster schließt in Sekunden“.

Ich melde mich, die strenge Aufseherin kommt, bedeutet mir, auf ein Schaltfeld, das ich übersehen habe, zu klicken und sagt „Pass“.  Was will sie jetzt mit meinem Pass?, überlege ich, doch sie lächelt mich an und sagt noch einmal „pass“ und dann begreife ich endlich. Zitternd klaube ich meine Sachen zusammen, bekomme von der Aufseherin einen Kringel auf meine Prüfungserlaubnis gemalt und gehe wieder runter zum Schalter.

Dort zahle ich 10 RMB und 3 Werktage später – heute am Montag – kann der Führerschein abgeholt werden. Mein Führerschein. Mein chinesischer Führerschein. Ich grinse im Kreis!

Geschafft!

Die beiden anderen bestehen zum Glück auch, wir gehen zum Parkplatz und unsere Freundin holt eine sorgfältig gepackte Kühlbox mit Prosecco raus, drei große Gläser für uns glückliche Führerscheinneulinge, ein winziges für sie alten Hasen. Eine der anderen beiden merkt an, ob das so klug sei, unmittelbar vor der Führerscheinstelle zu trinken, immerhin haben wir ja gelernt, dass hier absolutes Alkoholverbot gilt, Null-Promille!  :) Wo sie recht hat… Wir nehmen den guten Willen für die Tat und fahren aufgeregt schnatternd nach Hause! Nicht nur ich hab das Gefühl, dass das weniger Prüfung und Wissensabfrage, als viel mehr Glücksspiel war.

Auch wenn ich weiterhin kein Auto vor der Tür stehen habe, es ist schon ein gutes Gefühl, dass ich mir jetzt bei Bedarf (Besucher, auf Reisen) eins leihen könnte. War das ganze nun Schikane? Schließlich hat man ja schon einen Führerschein und Fahrpraxis! Nein, ich glaube nicht. Gerade, wenn man kaum chinesische Zeichen entziffern kann, ist es nachvollziehbar, dass man die (Verkehrs-)Zeichen  und die teils doch leicht anderen Regelungen (Hupen, Abbiegen, …) auswendig lernen soll.

Es gibt wohl auch andere Mittel und Wege, sich hier einen Führerschein besorgen zu lassen, das kostet dann aber gut und gerne mehr als das Zehnfache. Und uns wäre doch eine Menge Spaß entgangen!

Normalerweise enden Schneeball-Spiele, Challenges, Kettenbriefe auf Facebook und anderswo bei mir. In den letzten Tagen habe ich eine Ausnahme gemacht, denn die „seven days – B&W-Challenge“ hat mich mit der Beschreibung „7 days, seven black and white photos of your life, no explanation, no people“ doch angesprochen: mit ein paar Bildern könnte ich zeigen, was hier an China oder in meinem Leben so anders ist. Auf Facebook durfte ich nichts zu den Bildern erzählen, ein Regelverstoß (doch Menschen mit auf einem Foto) wurde direkt bemängelt. Aber es sind ja nicht alle bei Facebook und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht doch etwas zu den Bildern zu erzählen hätte. Was ich mit den Bildern ausdrücken wollte, und wofür sie für mich stehen, ist mir selber natürlich klar. Aber ich weiß nicht, was sich jemand in Deutschland dazu denkt, jemand, der noch nicht oder nur kurze Zeit in Peking war. Erstaunlicherweise haben sich bislang alle von mir Nominierten beteiligt und zeigen nun ihrerseits richtig schöne Schwarzweißbilder!

Tag 1 – Zwei Uhren

Als ich mich dazu durchgerungen habe, an der Challenge teilzunehmen, war für mich sofort klar, was ich als erstes fotografieren und posten würde. Diese beiden schlichten IKEA-Uhren hängen bei uns im Esszimmer. Bei uns war es schon nach 21 Uhr, in Deutschland gerade mal drei Uhr nachmittags durch,  In Deutschland wird noch gearbeitet, bei uns ist für die Jungs Schlafenszeit. Wir gönnen uns vielleicht ein Glas Wein, in Hamburg gibt es Kaffee.  Bevor ich mit Deutschland skype, gucke ich auf diese Uhren (oder auf die Uhren auf dem Laptop): ist Deutschland schon wach oder ist es noch zu früh? Das Zeitfenster, wo Skypen/Telefonieren/Chatten für Deutschland und China passt und angenehm ist, ist erschreckend klein. Oft denke ich, dass es nicht die vielen tausend Kilometer und die vielen Flugstunden sind, die uns von Deutschland trennen, sondern diese 6 Stunden Zeitunterschied. Am kommenden Wochenende, nach dem Ende der Sommerzeit in Deutschland, sind es dann 7 Stunden, dann wird es noch schlimmer, das ist fast ein ganzer Arbeitstag…

Zwei Zeitzonen, zwei Uhren

6 Stunden Zeitunterschied

Tag 2 – Chinesischer Supermarkt

Das zweite Bild zeigt einen chinesischen Supermarkt, wo ich gelegentlich mit Freundinnen hinfahre. Hier in unserer Wohngegend gibt es einen großen auf Westler ausgerichten Supermarkt, wo man zum Glück das meiste bekommt, was die westliche Küche so braucht.  Da zahlt man dann allerdings auch einen ordentlichen Aufschlag. Obst und Gemüse im chinesischen Supermarkt (oder auf dem Wetmarket) sind deutlich günstiger, dafür gibt es keine Kaffeebohnen oder Filterkaffee, nur gesüßten Instantkaffee in Portionspäckchen, das Zeug ist hier inzwischen recht beliebt. Was sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass nicht nur wie auf dem Bild zu sehen, Reis, Hülsenfrüchte, Getreide lose verkauft werden und so offen rumstehen, nein, beim Fleisch ist das auch so. Da ist nichts abgedeckt, jeder bedient sich selbst… Naja, wird ja alles gekocht und nicht roh gegessen… Trotzdem gewöhnungsbedürftig! Das Jagen und Sammeln, d.h. Einkaufen, ist hier schon deutlich zeitaufwendiger als in Deutschland. Die Wege sind meist weiter und man bekommt nie, nie, nie alles, und schon gar nicht in einem einzigen Laden.

Chineischer Supermarkt

Chinesischer Bravo-Supermarkt in Houshayuzhen

Tag 3 – Tuktuk

Wir haben kein Auto. Man stelle sich das vor, wir sind von Autoleuten umzingelt (ich verkneife es mir, all die großen bekannten Marken zu nennen), die alle mindestens ein Auto haben. Da ist das Leben ohne eigenes Auto, besonders wenn man wie wir hier draußen in Shunyi und nicht im Zentrum wohnt, schon ziemlich exotisch. Großeinkauf mit Fahrrad ist nicht wirklich praktisch, Delivery ist zwar möglich, aber dann ist man manchmal stundenlang angebunden und wartet so vor sich hin. Mein Tuktuk (Sanlunche – Drei-Rad) macht mich in der Hinsicht unabhängig, braucht keinen Diesel (naja, ich bezweifel, dass aus unserer Steckdose Ökostrom kommt) und bei schönem Wetter macht es auch einfach Spaß mit knapp 30 Stundenkilometern die Straße entlang zu brettern (ich hab es gebraucht von Autoleuten übernommen, es ist getunt, so schnell sind die normalerweise nicht). Mit dem Tuktuk kann man nachmittags auch wunderbar schwer bepackte, müde Kinder vom Schulbus abholen. Es macht uns den Alltag hier schon ein bisschen einfacher.

Mobil auch ohne Auto

Mein Tuktuk – wo de sanlunche!

Tag 4 – Yunnan Hotpot

Unbestreitbar ist das chinesische Essen eines der Highlights hier in China! So riesig und vielfältig das Land ist, so abwechslungsreich und unterschiedlich sind die vielen chinesischen Küchen! Bei diesem speziellen Yunnan Hotpot bekommt jeder Gast seinen eigenen Topf mit Brühe nach Wahl: Hühnchen oder Lamm, vegetarisch mit Pilzen oder „mit alles“ (beim mongolischen Hotpot steht sonst ein großer Topf für alle in der Mitte).
Und dann wird aufgetischt: Gemüse, Pilze, Fleisch, Fisch, Innereien, Entenblut, Klößchen, Muscheln. Und dann geht es wieder von vorne los. Dazu werden zahlreiche Dips gereicht. Es erinnert ein bisschen an Fondue, ist nur weniger fettig und viel abwechslungsreicher. Zum Glück gibt es in Hamburg mehrere Restaurants, wo man authentisch chinesische Küche bekommen kann, nicht nur Nr. 33 und 45. ;) Trotzdem, wenn es irgendwann einmal zurück nach Hamburg geht, diese Vielfalt hier werde ich vermissen.

Chinesische Küche - unglaublich abwechslungsreich

Yunan-Hotpot

Tag 5 – Königs-Protea/Zuckerbusch

Jeden Samstag kommt der „Flower Guy“ in den Compound, jeden Samstag erinnert am frühen Nachmittag die Managerin des Compounds in der Compound-WeChat-Gruppe daran, dass er da ist. Diese Erinnerung wäre bei uns nicht nötig, denn Männe ist vermutlich eh einer der besten Kunden dort, denn jeden Samstag kauft er drei Sträuße. Grüner Daumen? Mein brauner Daumen ist legendär! Da sind die unglaublich exotischen Schnittblumen, preisgünstig noch dazu, eine tolle Alternative. Klar gibt es hier die internationalen Klassiker, Tulpen und Narzissen im Frühling, alle nur erdenklichen Rosen das ganze Jahr über. Und immer wieder gibt es exotische Pflanzen, wo ich Suchmaschinen bemühen muss, um herauszufinden, was mein Mann mir denn da mitgebracht hat. Diesen Sonnabend gab es diese beeindruckenden, riesigen, farbenprächtigen (von zartrosa bis kräftig lila changierenden) Blüten. Diesmal brauchte ich keine Suchmaschine, meine südafrikanische Freundin wusste sofort Bescheid: Das sind Protea! Diese sind im südlichen Afrika heimisch und die Wappenblume Südafrikas.
Blumen sind hier unendlich wichtig. Überall in der Stadt findet man Flower Markets. An den Straßenlaternen bei uns im Compound hängen jeweils zwei Blumentöpfe. Aus dem Stadtbild sind Blumen nicht wegzudenken. Oft werden sie nicht eingepflanzt, sondern Blumentöpfe werden dicht an dicht kunstvoll arrangiert. Sind sie verblüht, wird das nächste Kunstwerk aus Blumen geschaffen. Selbst an den dicht befahrendsten Hauptstraßen in der Stadt sind die Mittelstreifen mit Rosen bepflanzt, das ist im Sommer schon ein toller Anblick. Verkehrsinseln, die bald größer und schöner bepflanzt sind als deutsche Kleinstadtparks. Für mich haben die vielen Blumen hier besonders an grauen Smogtagen etwas tröstliches!

Im südlichen Afrika heimisch: Protea

Protea – Zuckerbusch

Tag 6 – Luftfilter

Ich glaube, dazu muss ich nicht mehr viel sagen. Der Winter steht vor der Tür, die Luftwerte erreichen heute zum Teil einen AQI von 300, und obwohl das Wetter schön ist, bleibt es draußen eigentümlich grau-gelb und wird nicht richtig hell. „Kinder, reinkommen! Ab in die frische Luft!“ Notiz an mich: es wird mal wieder Zeit für einen Filterwechsel! Einen? 10, denn soviele der possierlichen, wenn auch etwas lauten Luftstaubsauger halten die Luft in unserem Zuhause auf annehmbaren Niveau.

 

Tag 7 – Regelverstoß: Tuktuk in der Stadt

Ich wollte ein Bild zum Straßenverkehr zeigen, hatte aber keins greifbar mit fiesen Staus, also habe ich mich für dieses Tuktuk entschieden, dass mitten in der Stadt im CBD (Central Business District) unterwegs ist. Da das Tuktuk aber kein autonomes Selbstfahrteil ist, sind diese beiden freundlichen Herren regelwidrig auf dem Bild zu sehen. Verkehr ist hier einfach immer ein Thema. Wenn ich in der Stadt verabredet bin, rechne ich zur reinen Fahrzeit immer noch einen Puffer von mindestens einer halben Stunde oben drauf, bei wichtigen Terminen auch mehr. Staatsgäste auf dem Weg zum Flughafen? Wir sperren mal fix den Airport Expressway. Dummerweise ist das unsere Hauptverbindung in die Stadt rein. Dazu Unfälle, zuviel Verkehr, diese sonderbaren Abbiegeregelungen. Die müssen jetzt endlich mal in meinen Kopf rein, denn ich wurde von einer Freundin dazu genötigt, Mitte November die chinesische Führerscheinprüfung abzulegen. Naja, vermutlich falle ich morgen durch den Sehtest, dann hat sich das erledigt. Aber auch ohne eigenes Auto, wer weiß wozu so eine Fahrerlaubnis hier mal gut ist… Könnte mir bei einer der nächsten Reisen den Nachtbus ersparen. ;)

Tag 7, zweiter Versuch – Finale: Die Mauer

Die Mauer ist und bleibt für mich ein unvergleichliches Reise- und Ausflugsziel. Nicht nur Sinnbild einer jahrtausendealten Kultur, ein Bauwerk der Superlative, sondern auch noch beeindruckend schön gelegen. Wenn ich Besuch habe und beim 43. Besuch des Lamatempels auch schon mal gekniffen hab: zur Mauer möchte ich nach Möglichkeit immer mit – und ich bin jedesmal wieder tief beeindruckt und fasziniert. 

Die Mauer in den Köpfen ist manchmal größer als die Chinesische Mauer

Die chinesische Mauer heute hat nichts Trennendes mehr. Hier treffen sich Reisende aus aller Welt und aus China, staunen gemeinsam, posieren gemeinsam. Damit hat sie heute eher etwas Verbindendes.
Nach über 2 Jahren in China bin ich froh, nicht meinen Vorurteilen und Ängsten Raum gegeben zu haben, sondern mit Anlauf über die Mauer in meinem Kopf gesprungen zu sein, auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Immerhin, langweilig ist es hier nie. Das einzige, das beständig scheint, ist der Wandel. :)

Was seht Ihr in den Bildern? Macht Euch das ein bisschen neugierig auf das China jenseits der Schlagzeilen?

Am kommenden Freitag wird der Tianyi-Markt für immer geschlossen. Das ist ein „Smallthings-Wholesale-Market“, quasi ein chinesisches Kaufhaus, nur halt mit einem kleinen Stand am anderen. Mehrere Gebäude, viele Etagen, schätzungsweise 3000 Händler. Da gibt es „alles“, was sich wegtragen lässt: Schnickschnack und Stehrümchen, Geschenkartikel, Haushaltsgegenstände, Kleiderhaken und Regenschirme, Schmuck, Sonnenbrillen, Kostüme, Badekleidung… Endverbraucher und auch Straßenhändler haben dort zu kleinen Preisen einkaufen können. Jetzt, so kurz vor der Schließung, wird beinah alles noch billiger. Man hätte ahnen können, dass es schlimmer zugehen wird als früher im Hamburger Sommerschlußverkauf…

Ich hab daran jedenfalls nicht gedacht, als jetzt eine Freundin fragte, ob wir da nicht vor der Schließung noch hinwollen und hab sofort ja gesagt, um das auch noch mal gesehen zu haben.

Man hätte es ja ahnen können…

Schon etliche hundert Meter vor dem Markt staute sich auf der rechten Spur der Verkehr. An der Markteinfahrt standen Uniformierte und ließen (fast) keinen mehr rein. Wir hatten aber Glück und haben nicht weit davon einen Parkplatz gefunden und spazierten dann durch die knallende Sonne Richtung Markt. Je näher wir kamen, umso wuseliger wurde es. 

Der Komplex ist schon ein Hingucker: Elefanten und Giraffen auf dem Dach, da ein paar chinesische Figuren, dort der Weihnachtsmann, ein bisschen wie Disneyland. Hab ich erwähnt, dass es voll war? 

Es war dermaßen voll, dass ich gekniffen hab und aus dem Gedränge nach draußen geflüchtet bin. Drinnen hatten Mitarbeiter schon Ketten an den Rolltreppen gebildet, um die Massen zu lenken. Draußen am Eingang konnte ich später beobachten, wie Uniformierte dafür sorgten, dass der frei bleibt und niemand direkt vorm Ausgang stehen blieb. Ich kann mir vorstellen, dass das Gedrängel im Lauf der Woche noch schlimmer werden wird.

 

Ich frag mich, was aus den Händlern werden wird – und wo die Kunden künftig einkaufen werden? In den vielen schicken, teuren Malls vermutlich eher nicht… Solche Märkte soll es künftig nur noch außerhalb des 4. Rings geben, das sind dann schon ziemlich weite Wege. Also noch mehr Onlineshopping?

Zum Weiterlesen:

Artikel in TimeOut Beijing

Artikel in That’s Beijing

Achja: Auch der Ladies‘ Street Market wird Ende September geschlossen werden: Artikel im Beijinger

Warum diese Märkte geschlossen werden? Die Stadt ist total im Umbruch: kaum mehr Streetfood, keine kleinen Läden mehr in vielen Hutongs, keine Märkte mehr…  Das gehört wohl alles schon zu Jing-Jin-Ji (JJJ), dem Umbau von Peking, Tianjin und Hebei zur Mega-Metropole… (Spiegel-Artikel).

Gestern Abend war Dieter Nuhr zu Gast in der Deutschen Botschaftsschule, und es war ein sehr lustiger, unterhaltsamer Abend. In Deutschland wäre ich vielleicht nicht hingegangen und hätte mich mit Nuhr im TV begnügt, aber hier nutze ich gerne die wenigen Gelegenheiten, die sich bieten, um „deutsche Kultur“ live zu erleben.

Aula und Public Viewing auf dem Schulhof

Nuhr public viewing

Nu(h)r public viewing

Der Stau war noch schlimmer als sonst, und wir sind erst kurz vor Beginn angekommen, da war die Aula schon überfüllt. Zum Glück war draußen auf dem Schulhof alles für „public viewing“ aufgebaut. Und dreißig Minuten nach Programmbeginn tat es dann auch die Bildübertragung, der Ton lief zum Glück von Anfang an.

Gut gefallen hat mir Nuhrs launige Analyse von (medialer) Wahrnehmung und Wirklichkeit, und lustig sind auch seine Spitzen zu den anstehenden Bundestagswahlen:

  • „Das System ist nicht das Problem, das Problem ist der Wähler.“
  • „Es könnte helfen, Parteinamen auf dem Wahlzeittel ausschreiben zu müssen. Fehlerfrei. Statt ankreuzen.“
  • „Warum dürfen Kinder nicht wählen? – Dummheit ist doch kein Argument.“
Dieter Nuhr

Dieter Nuhr in Peking

Etwas irritiert hat mich sein Exkurs zum Thema Feinstaubbelastung, Diesel und der „Hysterie“ in Deutschland – spätestens seit wir mit dem Pekinger Smog leben müssen, begrüße ich jeden Schritt, der diese Belastung eindämmen kann. Und dass er diesen Abschnitt auf veralteten und falschen Zahlen aufbaut, macht es auch nicht lustiger, schließt aber unfreiwillig den Bogen zum Beginn des Abends: wie Schlagzeilen unserem Denken Schlagseite verpassen. Ausgehend von der falschen, wenn auch viel zitierten Behauptung: „Die 15 größten Schiffe machen soviel Dreck wie 760 Mio. PKW“ zu folgern,  „Es macht keinen Sinn, seinen Diesel abzugeben und anschließend auf Kreuzfahrt zu gehen“, das ist zwar lustig, aber nicht unbedingt richtig – siehe Zeitartikel

Alles in allem aber ein gelungener, lustiger Abend.

Wer eine andere Seite von Nuhr kennen lernen möchte, hat hier in Peking noch bis zum 7. November Zeit: Images from other worlds – Eine Fotoausstellung im pékin fine arts

 

 

Hab ich schon darüber gejammert, dass mir das Wiederankommen in Peking diesmal so schwergefallen ist wie noch nie? Und das, obwohl wir hier jetzt doch schon zu den alten Hasen gehören und unser 3. Pekingjahr begonnen hat! Inzwischen habe ich mehrere Gründe dafür ausgemacht. Da es aber nun mal so ist, wie es ist, und es mir nicht liegt, lange jaulend in der Ecke zu hocken, muss ich gezielt aktiv werden, um aus dem Jammertal wieder herauszukommen.

Startschwierigkeiten

Ein Grund für die Startschwierigkeiten war bestimmt, dass wir bisher noch nie so lange am Stück weg aus Peking waren. Das Umschalten von europäischen auf chinesische Standards fiel mir da nun besonders schwer. Hier habe ich mir bewusst gemacht, was mir an China und Peking gut gefällt.

Bei so toller Luft ist der Sommer hier nochmal so schön!

Beispiele: Ich mag den langen Sommer hier und es ist gut zu wissen, dass wir noch ein paar sommerliche Wochen vor uns haben. Auch wenn einem hier Käse und Grillwurst fehlen kann, gibt es doch hervorragendes chinesisches Essen. Ich mag den Pragmatismus, mit dem Probleme schnell gelöst werden (können…). Einkaufen im chinesischen Supermarkt ist viel entspannter, weil ich nicht im Akkord das Tempo der Supermarkt-Kassiererin halten muss, ich fand das Bezahlen in deutschen Supermärkten wirklich anstrengend. Ich mag die aktive Nachbarschaft hier, den Zusammenhalt unter den Deutschen. Das mögen nur Kleinigkeiten sein, aber mein Alltag setzt sich nun mal aus 1000 Kleinigkeiten zusammen.

Keine Kleinigkeit: Auch wenn der Abschiedskummer beim Abflug aus Hamburg fürchterlich war, meine Jungs sind wieder richtig angekommen, sogar schneller als ich. Und wenn es den Kindern gut geht, dann ist die Welt für mich im Wesentlichen in Ordnung. Okay, auch ihnen fehlen die Finnen…

Ja, die Finnen. Meine finnische Freundin fehlt an allen Ecken und Enden. Sie ist nicht die erste, die gegangen ist, und die vermisst wird, und wird auch nicht die letzte sein. Aber sie war eine der ersten, die ich hier kennengelernt habe und mit der ich besonders viel unternommen habe. Zum Glück ist meine südafrikanische Freundin noch hier! Jetzt sind wir halt nicht mehr drei, die sich gegenseitig stützen und treiben und ins Abenteuer stürzen, aber zu zweit wird das auch gehen. Und im nächsten Sommer reisen wir nach Finnland – und mit Glück klappt es vorher mit einem finnischen Besuch hier.

„Früher war alles besser“-Peking Edition. ;)

Es ist nicht mehr alles neu und aufregend. Klar, mit unserem finnisch-südafrikanisch-deutschen Trio ließ sich die chinesische Welt wirklich besonders gut erobern. War ja alles auch noch ganz frisch, neu und aufregend. Aber als Duo und/oder in neuen Kombinationen wird das auch gehen!

War das schön, als Miriam noch die Fotogruppe geleitet hat! An ihre fotografischen Fähigkeiten werde ich nie herankommen, aber es macht Spaß, zu überlegen, wohin die Fotogruppenausflüge gehen können und eine gute Mischung von Zielen herauszusuchen und vorher auszuprobieren.

Das Pekingleben mag mir ja jetzt im dritten Jahr schon total vertraut sein,

Immer wieder aufregend!

aber ist es in Wahrheit nicht doch wahnsinnig aufregend und ein Privileg, das erleben zu dürfen? Hier in unserer Nachbarschaft, in der deutschen Community ist „Leben in Peking“ total normal. Aber eigentlich ist es doch etwas Besonderes, was nicht jeder erleben kann. Und wenn ich daran denke, dann bin ich trotz aller gelegentlichen Nickeligkeiten außerordentlich dankbar für diese Erfahrungen hier.

Auch das Weltbild ändert sich

Einmal abgesehen vom Alltag, das Leben in Peking ändert auch das eigene Weltbild. Meines war vorher doch sehr eurozentrisch. Erst jetzt habe ich eine wirkliche Vorstellung davon, wie klein Deutschland und Europa im Vergleich zu China und Asien sind. Ich habe immer gedacht, ich lebe in einer Großstadt, doch wenn ich jetzt „zu Besuch/nach Hause“ nach Hamburg komme, kommt es mir klein und überschaubar vor, vieles sogar ein bisschen provinziell. Trotz der Nörgelei: Hamburg bleibt für mich die schönste Stadt Deutschlands! Den Slogan „global denken, lokal handeln“ fand ich immer super – aber in Wahrheit kann ich erst, seit ich in Peking lebe „global denken“. Vielleicht auch nicht, vielleicht müsste ich auch erst noch in Südamerika etc. mal gelebt haben, bis das wirklich geht… Es ist eben doch ein großer Unterschied zwischen angelesenem, theoretischem Wissen und dem wirklichen Leben.

Und was das „ich kenne Peking“ angeht: Es gibt noch so viele sehenswerte Orte in Peking und Umgebung, die ich noch erkunden will und werde! Gut, die Reiseführer TOP 10, TOP 20+ habe ich sicher alle schon (mehrmals) gesehen. Aber auf insidebeijing.de finden sich fast 170 Sehenswürdigkeiten, also langweilig wird es nicht werden.

Vorhaben für mein drittes Pekingjahr: 

  • Regelmäßiges Sightseeing, mind. 2 mal im Monat, besser wöchentlich. Hängt ein bisschen von Luftwerten und Pflichten ab.
  • Auch ohne Chinesischkurs weiter pauken. HSK3 ist das nächste Ziel.
  • Meine wenigen Kontakte zu Chinesinnen weiter hegen und pflegen!
  • Meine Weiterbildung erfolgreich und in weniger als der vorgesehen Zeit abschließen und mein Buchprojekt vorantreiben: schreiben, schreiben, schreiben. Das wird aber noch über das dritte Pekingjahr hinaus Zeit benötigen. Pssst, das ist eigentlich geheim. ;)
  • Nach Xi’an und Yunnan reisen. 
  • Mehr Zeit mit den Nachbarinnen verbringen bzw. mit ihnen etwas unternehmen. Hier gibt es so viele sympathische, interessante Frauen mit den unterschiedlichsten Biographien! 
  • Möglichst viele Besucher aus Deutschland hier empfangen! Wir haben Platz, und ich liebe es, Peking durch Besucher-Augen zu sehen und Guide zu spielen!
  • Offen sein für Unvorhergesehenes, Gelegenheiten beim Schopf ergreifen!

Hmm, wenn ich das jetzt so sehe, dann wird auch mein drittes Pekingjahr aufregend, interessant und schön werden. Jammerei endet hier. :)

5 Tage sind wir nun schon zurück in Peking. Diesmal tun wir uns ein bisschen schwer, wieder richtig anzukommen. Der Abschied von den drei Großen war wieder traurig und sie werden jetzt schon schrecklich vermisst. Leider hilft da auch nicht das Wissen, dass wir sie durch unsere Heimaturlaube und deren Urlauben hier unterm Strich eigentlich mehr sehen, als wenn wir noch in Hamburg wohnten. 

Der Jetlag hat uns auch noch fest im Griff, abends können wir ewig nicht einschlafen und kommen dann kaum vor Mittags aus dem Bett. Das wird ein großer Spaß am Montag, wenn um 6 Uhr der Wecker klingeln wird und die Schule wieder startet.

Ljungdalen

Der Urlaub in Ljungdalen war phantastisch, es war genau das, was wir drei uns gewünscht hatten (Einsamkeit, Natur, Stille, frische Luft und sauberes Wasser…) und damit der totale Kontrast zu Peking. Das hat uns richtig gut getan, jetzt sollten wir dem aufregenden, anstrengendem China-Alltag eigentlich wieder gewachsen sein.

Ein Ferien-Highlight waren die vielen Rentiere, die uns mehrmals täglich besucht haben und denen wir auch unterwegs ständig begegnet sind. 

Die Sommerferien haben begonnen, der Plan, noch mal Sonne und Wärme zu tanken, bevor es ins kühle Schweden geht, funktioniert überwiegend. Zumindest heiß ist es, ab und zu regnet es allerdings. Ein angekündigter Regensturm mit anschließenden Überflutungen ist zum Glück ans uns und Peking vorbeigezogen, zum Glück, wenn man die schrecklichen Bilder aus Sichuan sieht, wo ein ganzes Dorf von einem Erdrutsch verschluckt wurde. Auch im Pekinger Westen hat es einen Erdrutsch mit 6 Toten gegeben.

Zahlreiche Abschieds- und Sommerfeste liegen hinter uns, auch aus den Schulklassen der Jungs kehren wieder zahlreiche Familie nach Deutschland zurück. Hier im Compound steht gefühlt vor jedem dritten Haus ein Umzugswagen.

Das dunkle, dicke Grau, das einige Tage über der Stadt lag, passte aber zur Stimmung, denn wir müssen uns von lieben Freunden verabschieden, die nach den Ferien nicht zurückkehren werden. Erst morgen Abend, nach dem vorerst letzten Abschied, werde ich den Kopf richtig für unseren eigenen Urlaub freihaben.

Die Formalitäten, die mich letztes Jahr noch in Aufregung versetzt haben, sind diesmal an mir vorbeigerauscht. Jetzt sind in unseren Pässen neue Visa-Aufkleber und wir dürfen ein weiteres Jahr hierbleiben. Während mein Pass bei der Behörde war, konnte ich tatsächlich mit dem Ersatzdokument, ein schlichter gelber Zettel mit dem allgegenwärtigen roten Stempel, nach Datong fliegen. Okay, ich gebe zu, beim Check-in war ich doch etwas angespannt. Auch in unserem Haus können wir zwei weitere Jahre wohnen bleiben, zum Glück, denn trotz der langen Fahrt in die Stadt ist das weiterhin die für uns beste Lösung.

Der Göttergatte „darf“ den Sommer über durcharbeiten, d.h., die Jungs und ich fliegen mal wieder alleine nach Hamburg, wo wir erst die großen Kinder, Freunde und Familie treffen werden, dann geht es zu dritt weiter nach Jämtland: Peking-Kontrastprogramm! Achja, da ist doch schon Urlaubsvorfreude. Vielleicht fang ich heute doch schon mal mit Reisevorbereitungen an…

Under the Dome

Taxifahrt bei Smog

Doofe Idee, doofer Smog

Die unheilvolle Mischung aus Sandsturm und Luftverschmutzung hat gestern den AQI (Air Quality Index) in die Höhe getrieben: über 900! So übel habe ich das hier noch nicht erlebt. Die Vorhersage sah erst gar nicht so fies aus, also mussten die Jungs zur Schule, und ich bin wie geplant mit einer Freundin zu IKEA getuckert. Nach kurzer Zeit im Taxi ging uns auf, dass das keine wirklich schlaue Idee war, aber wo wir schon unterwegs waren…

Mal eben unter einen Auspuff legen und tief einatmen ist vermutlich Frischluft dagegen. Hab direkt gedacht, ich müsste mal wieder Interstellar sehen, bei schlimmen Smog wirkt das Ausgangsszenario des Films bedrohlich realistisch.

Fazit: egal, ob nur der normale Dreck in der Luft oder mit Sand angereichert: Smog, und besonders in diesem Ausmaß, macht Kopfweh, Husten, Heiserkeit, doofes enges Gefühl im Brustkorb, trockene brennende rote Augen, schlapp, matschig, trübsinnig; mal abgesehen von möglichen Spätfolgen.

The Day After

Danach knallte noch ein richtig dicker Ast runter…

Morgens das gleiche Elend wie am Donnerstag. Vormittags kam stürmischer Wind auf, in der internationalen WeChat-Gruppe des Compounds ging es rund mit Sturmwarnungen (am Vortag war es noch die Frage, ob und welche Schulen wohl geschlossen hätten – zu spät für uns, die anderen Schulen starten erst um 9 Uhr mit dem Unterricht. Die Schulen selbst sind nicht das Problem, die haben recht gute Filteranlagen, aber der Weg dahin ist die Hürde.)

Unsere Peitschende Weide

Hier donnerte die große Weide gegen das Haus, der Wind heulte und ab und zu rumste es irgendwo. Am Fluss ist ein Baum umgestürzt und quer über die Straße gefallen, zum Glück keine Verletzten. Die Weide ist inzwischen um einige dicke Äste ärmer, morgen mach ich mich ans Aufräumen, heute war es noch zu windig und riskant. Die dreckige Luft ist nun auf dem Weg nach Shanghai, hier ist der Himmel im Lauf des Tages blau und blauer geworden und wir haben wieder einen „normalen“ AQI von ca. 70 (zum Vergleich, Hamburg hat gerade 23).

Käsekuchen ohne Boden

KOB in China

Dieses usselige Stück Kuchen ist vielleicht nicht schön, aber lecker, heiß erseht und eine Premiere: Käsekuchen ohne Boden – vielen auch bekannt als KOB ;) – hergestellt mit chinesischen Bordmitteln. Wie ich sicher schon mal beklagt habe, ist Quark hier Mangelware und im Supermarkt vor Ort nur ganz selten zu haben. Bei einer Stunde Fahrzeit und über 30°C ist mitbringen aus der Stadt (wenn dort überhaupt im April Gourmet erhältlich) auch keine Alternative. Und über den kläglich gescheiterten Versuch, selber Quark herzustellen, möchte ich nicht schreiben…

Heute habe ich dann den Tipp einer Freundin, Joghurt und Philadelphia zu mixen, ausprobiert und: tadaaa, es gibt eine Lösung für unser KOB-Problem! Sie macht allerdings KMB – also nur 750 g „Quark“masse – mit Boden, d.h. ich musste mit den Mengen tüfteln.)

Hier nun das Rezept zum Nachmachen für alle anderen in China gestrandeten KOB-Süchtigen:

200 g ungesalzene Butter
250 g weißen Zucker
5 mittelgroße Eier (mit Quark in Deutschland nimmt man 6, aber der Teig wird sonst zu flüssig)
500 g möglichst festen Joghurt (meiner kam aus der Flasche und war etwas dickflüssiger als Buttermilch)
500 g Philadelphia (den steinharten amerikanischen Import aus den 250g Alupäckchen mit Kartonumverpackung, gibt es immer bei Jenny Wang)
1-2 TL abgeriebene Zitronenschale (oder wenn man den gewachsten, gespritzten, gepimpten Zitronen hier nicht traut: 1 TL Zitronenessenz, gibt’s bei Jenny)
1 Päckchen Vanillezucker (aus Deutschland mitgebracht, sonst 1 guter EL selbstgemachten Vanillezucker: pro 100 g Zucker eine Vanillestange aufschlitzen und 14 Tage im verschlossenen Glas stehen lassen, gelegentlich schütteln).
2 Päckchen Vanillepuddingpulver (aus Deutschland mitgebracht – sonst 80 g Stärke plus 2 EL Vanillezucker)

Butter schaumig rühren, Vanillezucker, Zitrone und Zucker zufügen, danach die Eier. Joghurt und Philadelphia zugeben, dann Puddingpulver. In gefettete Springform 26 cm Ø füllen, ab in den Ofen.

In Deutschland würde so gebacken: 165° C Umluft mind. 50 min. backen, bis oben goldgelb, Kuchen im Ofen auskühlen lassen. Mit chinesischem Gasofen: 210°, leeres Backblech auf die unterste Schiene, Kuchenform auf den Rost/mittlere Schiene stellen, eineinhalb Stunden backen, nach 50 Minuten alle 10 Minuten nachsehen und neu einschätzen…

Beim nächsten Mal werde ich die Eier trennen und den Eischnee zum Schluss unterheben, außerdem den Philadelphia zuerst weich rühren und dann mit dem Joghurt mischen und dann zur Butter-Eigelb-Masse hinzufügen. Fürs Backen hab ich noch keine bessere Lösung.

Aber: es ist ein KOB und er schmeckt! :) Wir sind gerüstet für die kommenden Geburtstagsfeiern! :)

Abflug in Hamburg

Tschüss, Hamburg

Wir sind wieder in Peking. Der Rückflug war doppelt strapaziös: erstens haben wir den Anschlussflug nach Peking verpasst (wegen Verspätung des ersten Fluges) und zweitens emotional.

Der Abschied in und von Hamburg war furchtbar traurig. Ich habe mich so schlecht gefühlt, dass wir den Kindern (den Kleinen wie den Großen) das antun. Da war der verpasste Flug nach Peking direkt ein Glück, denn in Amsterdam habe ich die Geschichte als Abenteuer inszenieren können, das hat dann erfolgreich vom Kummer abgelenkt. Da wir glücklicherweise direkt auf den nächsten Flug umgebucht wurden, war es dann auch nur ein Mini-Abenteuer und der Transfer war sogar viel entspannter als die Hetzerei, die uns normalerweise gedroht hätte, wenn alles pünktlich gewesen wäre… Die Weiterreise war dann ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Von Haus zu Haus waren wir gut 20 Stunden unterwegs und entsprechend erledigt.

Die Zeit in Deutschland war schön, wir haben jede Minute genutzt und genossen. Es war nicht ganz so stramm durchgetaktet wie beim letzten Heimaturlaub – ich habe für uns entschieden, dass die Docs in Peking auch was können bzw. wir ihnen ausreichend Vertrauen entgegenbringen können, also werden wir hier nun die anstehenden Kontrolluntersuchungen machen lassen – das hat viel Zeit eingespart und den Anteil lästiger Pflichttermine auf Null gesenkt, dafür war viel mehr Zeit für „Kinderprogramm“. Trotzdem war es insgesamt viel zu wenig Zeit, wieder haben wir nicht alle treffen können, die wir gerne gesehen hätten, und sämtliche Verabredungen waren viel zu schnell vorbei. Auch das Mistwetter hat da nicht groß bei gestört, nur die dicken Schneeflocken beim Omabesuch haben irritiert. 

Achterbahnfahrt

Es gab leider tatsächlich die befürchtete emotionale Achterbahnfahrt: Vorfreude, viel zu kurzes Wiedersehen, Winkewinke. Das schlaucht, aber es gehört derzeit leider zu unserem Leben. Aber der extreme Kinderkummer bei der Abreise, das tat wirklich weh und hat mich tatsächlich kurz darüber nachdenken lassen, ob Peking immer noch das Richtige für uns ist. Aber nach nur einem Tag hier: ja, ist es. Die Wiedersehensfreude mit dem Papa war riesig, nachmittags hat’s an der Tür gebimmelt und die Minis wurden direkt zum Spielen abgeholt. Das frühe Aufstehen am Montag war noch eine Herausforderung, heute ging es dann schon deutlich besser – der Alltag hat uns wieder.

Endlich ist Frühling, es ist warm, beinah schon sommerlich, Peking wird bunt, weil alles blüht und wieder viel mehr draußen passiert. Leider lässt sich das wegen der miesen Luft nicht genießen, also freuen wir uns jetzt noch mehr auf das nur halb so warme Hamburg: Heimaturlaub! Wir, das heißt die Jungs und ich, Männe darf arbeiten. Dank Denguefieber hatte der letzte geplante Hamburg-Aufenthalt ja leider ausfallen müssen, und nach so langer Zeit ist es schon komisch, „nach Hause“ zu fliegen. Nein, es ist nicht mehr wirklich zuhause, das ist derzeit hier in Peking, aber es ist Heimat, da wo wir unsere Wurzeln haben. Was sich wohl verändert haben wird, was ist „wie immer“?

Auch wenn ich mich nach Kräften bemüht habe, unser „Programm“ nicht wie beim letzten Mal so zu überfrachten – es hilft nichts, es ist doch wieder ganz schön voll geworden, auch wenn wir etwas mehr Lücken für spontane Verabredungen gelassen haben. Und für Ausflüge, es sind ja immerhin auch die Ferien der Jungs! Leider ist jetzt schon absehbar, dass wir längst nicht alle treffen können, die wir gerne sehen würden. Obendrein steht uns da halt auch eine emotionale Achterbahnfahrt bevor, bei der Wiedersehensfreude und umgehend drauf Abschiedskummer sich abwechseln werden.

Ansonsten geht hier alles seinen normalen Gang. Letzte Woche habe ich so viel wie noch nie im Stau gestanden, das war ziemlich nervig, jede notwendige kleine Besorgung kann sich ja eh zum Halbtagesausflug auswachsen. Anfang dieser Woche hingegen waren die Straßen frei wie noch nie – es war Qingming-Fest (Totenfeiertag). Leider war die Luft so mies, dass das Leben trotzdem überwiegend drinnen stattfand.

Nummer 4 hat beim Vorlesewettbewerb an der Schule mitgemacht und ist Zweiter in seinem Jahrgang geworden. Die Jungs leiden ja unter einer schweren Hausaufgabenallergie, aber dafür hat er tatsächlich mit viel Spaß geübt – war sehr lustig auch für uns. Vorgelesen hat er aus Timur Vermes: Er ist wieder da.

Mit dem Chinesischkurs waren wir in einem Teehaus, erwartet hatten wir Pekingoper in auch für Westler leicht verdaulichen Häppchen, bekommen haben wir eine Art Varieté, dazu wurden ein paar Häppchen und Jasmintee gereicht, leider kein Reisschnaps… ;) Mit den Bildern von diesem vergnüglichen Abend verabschiede ich mich nun in den Heimaturlaub! 

Vom Stoffmarkt hatte ich bisher nur viel gehört: so viel zu gucken, soviel Auswahl, gute Qualität und Ramsch, außer Stoffen sämtliches Nähzubehör. Selbst wenn man selbst nichts kaufen wolle, sollte sich ein Besuch lohnen. Heute war es nun soweit und wir fuhren wir zu dritt hin. Der Stoffmarkt liegt südwestlich des 4. Rings an der Dahongmen Lu im Fengtai Distrikt – von uns aus also eine halbe Weltreise in ein Stadtviertel, durch das ich bislang bestenfalls ein-, zweimal durchgefahren bin. Die Fahrt also entsprechend lang, ziemlich viele (Wohn-)Hochhäuser, Baustelle an Baustelle. Der südliche Flughafen Nanyuan ist nicht weit (nicht zu verwechseln mit dem im Bau befindlichen Flughafen Daxing – Gruß nach Berlin ;) An einer Metrostation ist wahnsinnig viel Gewusel und zum ersten Mal seit langem sehe ich richtig viele Fahrräder, auch mitten auf der Straße. Es wirkt so komplett anders als z.B. der CBD, um einen sehr krassen Gegensatz zu nennen, durch den wir nachmittags wieder zurückrauschen.

Neuer Stoffmarkt

Wir fuhren zunächst zum neuen Stoffmarkt, da es hieß, der alte sei schon zum Großteil geschlossen. Als wir dort ankamen, lange Gesichter: nur einzelne Geschäfte bereits geöffnet, das meiste aber noch geschlossen oder im Umbau, wenig los, trostlos (wobei zu dem trostlosen Eindruck sicher auch der graue Smoghimmel beigetragen hat). In einem Geschäft gab es wunderschöne Seidenstoffe (leider keine Bilder, ich brauchte beide Hände zum Fühlen und Gucken…), aber mehr hat uns auch nicht angesprochen. Wenn das irgendwann mal belebter ist, wird das sicher schön, aber das dauert bestimmt noch etwas. Also auf zum alten Stoffmarkt. Auf dem Weg zurück zum Auto fährt ein Moped mit einer Kloschüssel auf dem Gepäckträger an uns vorbei. Dass sich auf Mopeds alles (ja, alles!) transportieren lässt ist das eine, nur eine Kloschüssel (komisches westliches Zeugs!) ist gerade hier dann doch bemerkenswert ungewöhnlich! :)

Alter Stoffmarkt – Kontrastprogramm!

Bunt, laut, voll, schmutzig, aber voller Leben. Ziemlich abgewrackt, nicht nur wegen der Bauarbeiten. Tatsächlich ist mittendrin ein ganzer Block bereits abgerissen. Die Läden so unterschiedlich wie auf jedem Markt hier: der eine gepflegt und aufgeräumt, der nächste Schmuddelchaos. Vorbei an Schaufenster-/Ankleidepuppen (die mittelgroßen-kopflosen für 350 Kuai zu haben!) ging es zu Kordeln, Bändern, Knöpfen. Weiter zu Dekostoffen, Baumwolle, Viskose, Satin, Canvas; dann Applikationen, wieder Knöpfe, Schnallen, Spitzen, Borten… Hier sind die Waren nach Gassen sortiert, in der einen nur Baumwollstoffe für Bettzeug z.B., in der nächsten nur Applikationen usw. – beim neuen Stoffmarkt war kein derartiges System zu erkennen. Überall stapeln sich Säcke und Rollen mit den Waren draußen vor den Läden. Lagerräume gibt es nicht, kein Platz dafür. Die Gassen werden dadurch noch enger, aber können nichtsdestotrotz als Rennstrecke genutzt werden, wenn es hupt, muss man schon schnell zur Seite springen…

In manchen Läden riecht es. Staubig, muffig, undefinierbar… Wir nähern uns einem Geschäft mit Glitzerapplikationen. „Das stinkt nach Fisch!“ „Ach was, kann nicht sein!“ „Doch!“ Ich gehe tiefer in den Laden rein und ja, es müffelt wie im Fischladen… Kein Wunder, ist doch gerade Mittagszeit.  :) Aber die Applikationen, die an den Wänden hängen sind hübsch und glitzern und funkeln in allen Farben.  Ein paar Geschäfte weiter in einer besonders düsteren engen Gasse gibt es Reißverschlüsse in allen Farben und Längen und Breiten, es ist übersichtlich und aufgeräumt und riecht es frisch und sauber. Vieles ist auf den ersten Blick hin ganz ähnlich und dann erkennt man doch so viele Unterschiede. 

Nicht zum ersten Mal fragen wir uns: wie kann man davon leben, dass man am Tag vielleicht 2-3 Reißverschlüsse für je 3 Kuai (oder eine Mütze oder eine Tasche oder eine Kette oder…) verkauft? Man sieht hier auf allen Märkten und Malls so viele Stände/Läden mit den gleichen Waren – und man sieht selten, dass tatsächlich etwas verkauft wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Märkten sind wir hier allerdings die einzigen Langnasen.

Auch nach über 1,5 Jahren in Peking finde ich den Stoffmarkt fremd, exotisch und aufregend. Da möchte ich ganz bestimmt wieder hin!

Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

Culinaria China* – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

Tolle Kochworkshops!

Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren.

Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

Input!

Gewürze

Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

The Hutong - Küche

The Hutong-Küche

Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

Push! Turnover! Quick!

Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

The Hutong

So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

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Letzte Woche. Unter den Bäumen am Fluss tauen die letzten Schneehäufchen vor sich hin, aber die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die Temperatur ist knapp zweistellig – so richtig wunderbares Gute-Laune-Wetter. Ich sitze im Taxi auf dem Weg zur Schule, Chris Martin singt „Up and Up“ und ich fühle mich unbeschwert, leicht, glücklich – und etwas unwirklich: Ich bin tatsächlich in China! Ja, auch nach ein-einhalb Jahren packt mich dieser Gedanke noch von Zeit zu Zeit. Die Luft ist so gut, dass die Berge zu sehen sind, alles scheint freundlich, jeder, wirklich jeder, wirkt gut gelaunt. Und so setzt sich das den ganzen Freitag und das ganze Wochenende hindurch fort. Peking ist großartig! 

Peking ist großartig. Peking ist furchtbar.

Was für ein Unterschied zum Dienstag. Da saß ich im Taxi auf dem Weg zur Klinik, bin in Grübeleien versunken, als auf einmal der Taxifahrer hektisch wurde und auf mich einredet, es braucht etwas, bis ich endlich verstehe, was los ist: es schneit. Okay, eigentlich sind es bloß Schneegriesel, die Sicht ist, obwohl es grau und dunkel ist, deutlich besser als an Smogtagen, die Straßen sind nass, aber nicht glatt, und trotzdem wird aus dem bis dahin zäh vor sich hin fließendem Verkehr der längste Parkplatz der Welt. Ich wünschte, ich wäre irgendwo anders, nur nicht hier. Immerhin verläuft der Termin bei den Chirurgen erfreulich, sie wollen mich derzeit nicht aufschnippeln, Glück gehabt, ich kann erleichtert nach Hause fahren. Inzwischen wurde aus dem Schneegriesel dann doch dichtes Schneetreiben und die Straßen sind glatt und es ist einfach zu dunkel. Trotz Erleichterung, dass das medizinische Problem erstmal keines mehr ist, will die Laune nicht besser werden. Und jeder, absolut jeder, wirkt mindestens so trübsinnig wie ich. Peking ist furchtbar!

Winter adé!

Jetzt, eine Woche später. Der Winter ist zum Glück vorbei, die dunklen Tage werden weniger, richtig fieser Smog wird seltener vorkommen, der eisige Wind macht bis zum nächsten Winter Pause. Die Kinder gehen wieder im Hellen aus dem Haus und kommen im Hellen zurück. Der Spielplatz vorm Clubhaus ist, sobald die Schulbusse nachmittags eintrudeln, wieder Treffpunkt, auch die älteren Kinder „müssen“ jetzt unbedingt von ihren Müttern „abgeholt“ werden… ;) Ist es im Sommerhalbjahr nicht überall freundlicher und heller? Hier aber ganz besonders, Peking ist schön!