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Pekings Strassen sind leer gefegt. Das ist jedes Jahr zum Chinesischen Neujahr so, aber dieses Jahr kommt das Corona-Virus erschwerend hinzu. Hier will ich erzählen, wie es für mich aktuell in Peking ist.

Am Ende dieses Blogbeitrags werde ich aktuelle Schließungen etc. auflisten und in der nächsten Zeit regelmäßig aktualisieren.

Was wir (nicht) wissen

Es heißt, das Coronavirus sei weniger ansteckend als die Grippe (Influenza) und weniger tödlich – scheinbar im Widerspruch stehen dazu die teils sehr drastischen Maßnahmen.
Wenn sich das Virus aber weiter ausbreitet, erhöht sich die Möglichkeit von Mutationen, die es gefährlicher machen könnten – und das erklärt wohl auch die teils drastischen Maßnahmen: Millionenstädte unter Quarantäne, aus dem Boden stampfen von Krankenhäusern mit über 1000 Betten… Hier in Peking Absage aller Temple Fairs und Kinopremieren. Schließung von stark frequentierten Mauerabschnitten, Vergnügungsparks und Sehenswürdigkeiten, allen voran die Verbotene Stadt und Lama- und Konfuziustempel.

Vielleicht ist es nicht nur Notwendigkeit, sondern auch ein wenig “Sicherheitsaktivismus”: zeigen, dass man aus dem Umgang mit SARS gelernt hat? 

Wuhan ist weit weg, aber inzwischen gibt es offiziell 41 Erkrankte in Peking, zwei inzwischen erholt (Stand heute 25.1.2020, 23 Uhr ).

Info-Mails von Schule und Botschaft

Von der Deutschen Botschaftsschule kam folgende Info:

Wir stimmen unser Vorgehen in dieser Angelegenheit eng mit der Botschaft und dem Botschaftsarzt ab:

Bitte erwarten Sie in den nächsten Tagen ausführlichere Informationen sowohl von der Schule als auch vom Botschaftsarzt. Heute, an unserem letzten Unterrichtstag vor den Ferien zum chinesischen Neujahrsfest, möchten wir Ihnen versichern, dass wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um Ihren Kindern nach den Ferien einen geregelten und sicheren Schulalltag zu bieten.

Folgende Maßnahmen möchten wir Ihnen im Vorfeld empfehlen:

  • Fahren Sie nicht nach Wuhan
  • Erholen Sie sich eher in Peking als an anderen Orten
  • Waschen Sie Ihre Hände regelmäßiger als sonst mit Seife
  • Meiden Sie offensichtlich erkrankte Personen
  • Tragen Sie auf Bahnhöfen und Flughäfen eine Feinstaubmaske, diese reduziert Tröpfcheninfektion
  • Wenn Sie mit hohem Fieber erkranken, lassen Sie sich untersuchen

Innerhalb der Schule ergreifen wir in den Ferien präventiv unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Intensive Grundreinigung aller Räume und Toiletten
  • Desinfektion aller Oberflächen und Griffe und Spielzeuge
  • Intensivierung der Kommunikation und Zusammenarbeit sowohl mit chinesischen Behörden als auch der Botschaft im speziellen unseres Botschaftsarztes

Von der Botschaft kam folgende Mail:

Nachfolgend konsularischer Hinweis der deutschen Botschaft Peking zur Entwicklung der sog. nCOV-Gefährdungslage in China, Stand 23.01.2020, 12:00 Uhr:

Allen Deutschen in China wird nach wie vor empfohlen, die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu China regelmäßig zu verfolgen. Diese werden anlassbezogen auch kurzfristig laufend aktualisiert. Die Websites der deutschen Auslandsvertretungen in China verweisen auf diese zentralen Informationen in diesen Reise-und Sicherheitshinweisen und deren weiterführenden Links.

Die WHO hat bisher keine Entscheidung über die Ausrufung eines Internationalen Gesundheitsnotstands getroffen.

Seit dem 23. Januar 2020, 10:00 Uhr, ist eine Ausreise aus Wuhan mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Zug, Flug, Bus, Fähre) bis auf weiteres nicht mehr möglich. Unklar ist, ob die Ausreisesperre auch für private Beförderungsmittel gilt. Deutschen Staatsangehörigen in Wuhan wird nahegelegt, sich an die Anweisungen der lokalen Behörden zu halten und bei Bedarf den Bereitschaftsdienst der deutschen Botschaft unter der Nummer +86 10 8532 9202 zu kontaktieren.

Die deutschen Auslandsvertretungen in China empfehlen darüber hinaus:

• Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste unter elefand.diplo.de
• Beachten Sie die Informationen im Merkblatt nCoV sowie auf den Seiten der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Robert-Koch-Instituts RKI.

Die Reise- und Sicherheitshinweise zu China, die regelmäßig aktualisiert werden und einen Link zum erwähnten Merkblatt enthalten, finden Sie über:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/chinasicherheit/200466?isLocal=false&isPreview=false

Auch China-Reisende sollten sich aktuell auf der Krisenvorsorgeliste eintragen.

Besuch muss Masken aus Deutschland mitbringen

N95-Masken waren in den Geschäften, in denen ich es versucht habe, überall ausverkauft.  Unser Mittlerer, der ab Montag mit seiner Freundin zu Besuch kommt, wird nun welche mitbringen. Allerdings nur drei, auch in Deutschland gab es Lieferengpässe… Nein, wir haben ihm nicht davon abgeraten zu kommen. Für ihn ist es ja auch Familienbesuch. Blöd ist es für Leute, die gerade jetzt eine “Once-in-a-Lifetime”-Reise antreten wollen – und dann sind wichtige Abschnitte der Großen Mauer, die Verbotene Stadt und viele andere Sehenswürdigkeiten geschlossen. Das ist super ärgerlich, ich hoffe, für solche Fälle gibt es vernünftige Stornomöglichkeiten.

Leere Strassen – zwischen “genial” und “gespenstisch”

Ich würde ja gerne mal mit dem Scooter über den Tian’anmen sausen, was normalerweise verboten ist. Gestern am Spätnachmittag hab ich es mal wieder versucht – vielleicht eine Chance angesichts des Feiertags?

Ich bin überall brav auf dem Bike-Streifen geblieben, aber ich hätte locker Slalom über 8 Spuren fahren können. Nichts los! 

Nordost-Ecke Verbotene Stadt

An der Ecke direkt am Graben standen ein paar wenige Fotografen. Aber auf der Straße: nichts. Und hier steppt sonst freitagabends der Bär! Ich bin dann an der Ostseite der Verbotenen Stadt entlang gefahren, aber nein, am Ende kein Durchkommen: streng wie immer, keine Chance mich an den Wächtern vorbeizumogeln. Und da ich selbst entscheiden möchte, wann ich China verlasse und nicht rausgeworfen werden will, bin ich dann doch lieber vernünftig… Außerdem saugt die Kälte das Scooterakku verflixt schnell leer, so dass ich lieber zurückgefahren bin.

Es ist jedenfalls schon ein komisches Gefühl, wenn die ansonsten belebten und übervollen Straßen so leer sind. Auch wenn dafür sicher vor allem die Neujahrsferien ursächlich sind, wenn die wenigen Menschen, die man unterwegs sieht, zum Großteil Masken tragen, ist es halt doch weit entfernt von normal.

Chunwan – das größte Fernsehereignis der Welt

Wieder zuhause war es Zeit, die Glotze anzuwerfen, diese chinesische Tradition machen wir mit und schauen uns die Neujahrsgala an. Dieses Jahr besonders augenkrebsverdächtig (Hauptsache quietschbunt!) – und nicht so überwältigend wie letztes Jahr. Okay, die vom letzten Jahr war wohl auch wegen der anstehenden 70-Jahr-Feierlichkeiten besonders opulent. Was es dies Jahr gar nicht gab: Feuerwerksbilder und Beiträge aus allen Provinzen (nur einige wenige). Ja, da war es dann auch wieder das Virus: offenbar sind da auch Veranstaltungen abgesagt worden. Bemerkenswert, dass es schon ziemlich zu Anfang der Show einen Beitrag zum Virus gab, im Gedächtnis geblieben ist mir davon vor allem der Dank an das medizinische Personal. 

CCTV-Neujahrsgala

WeChat ist wie jedes Jahr voller Neujahrswünsche – vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber ich habe schon den Eindruck, dass deutlich mehr Gesundheit als Wohlstand und Reichtum (was sonst eine der gängigen Grußformeln ist) gewünscht wird.

Gerüchte und Verschwörungstheorien

Wenn man auf Twitter nach #coronavirus schaut, dann findet man zwar durchaus auch seriöse Nachrichten – aber auch widerliche Äußerungen wie “Mistland nuklear dem Erdboden gleichmachen” (gemeldet). Nein, ich glaube nicht, dass das Virus eine aus einem Geheimlabor entwichene Biowaffe ist. Nein, ich glaube nicht, dass heute Nachmittag in Peking Chemtrails Desinfektonsflieger gesprüht haben. Nein, die Straßen von und nach Peking sind nicht geschlossen. Nein, wir haben keine Aluhüte auf, aber ich hab vorhin unterwegs dann doch meine Maske getragen, denn im Gegensatz zu dem ganzen anderen Unfug ist das eine sinnvolle Maßnahme.

Befindlichkeit…

Aktuell mache ich mir keine Sorgen um uns. Kalt lässt uns das ganze trotzdem nicht – es sind ja teils extrem drastische Maßnahmen (die Quarantäne von Millionen Menschen!). Panik und Hysterie ist aber auch nicht angebracht. Wir werden die Nachrichten weiter aufmerksam verfolgen, uns an die Ratschläge halten (nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, keine Menschenansammlungen aufsuchen, ganz oft Hände waschen und desinfizieren).

Als die Stadt am Mittwoch noch nicht ganz so leer war, war es schon auffällig, dass unter den Wartenden an Bushaltestellen wenn überhaupt mal einer ohne Maske war – das Verhältnis ist sonst umgekehrt! Heute waren die Straßen noch leerer als gestern, die wenigen Menschen, die ich gesehen hab, trugen bis auf wenige Ausnahmen Masken. Es ist tatsächlich ein bisschen so wie zu Beginn eines Katastrophenfilms (wer mich näher kennt, weiß um meine Vorliebe für Katastrophenfilme aller Art): Erste Meldungen in den Nachrichten, aber man führt sein Leben halbwegs normal weiter und dann… Ich hoffe sehr, dass der Spuk schnell wieder vorbei ist, aber vermutlich wird uns das wohl doch mindestens in den nächsten Wochen begleiten.

Zahlen, Schließungen und Maßnahmen

Stand: 25.1.2020 – 23 Uhr Pekingzeit
Update: 26.1.2020 – 13 Uhr Pekingzeit
Update: 27.1.2020 – 8 Uhr Pekingzeit

Hier liste ich wie angekündigt die mir bekannten Erkrankungszahlen, Schließungen und Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Virus auf. Quellen: The Beijinger, China Daily, That’s Beijing. 

China gesamt:

Um die Entwicklung verfolgen zu können, Zahlen vom 25.1.2020:

  • 1,369 bestätigt
  • 1,983 Verdachtsfälle
  • 40 erholt
  • 41 gestorben

Zahlen am 26.1.2020

  • 1,975 bestätigt
  • 2,684 Verdachtsfälle
  • 49 erholt
  • 56 gestorben

Zahlen am 27.1.2020, 8 Uhr:

  • 2,762 bestätigt
  • 5,794 Verdachtsfälle
  • 51 erholt
  • 80 gestorben

Peking

41 bestätigt, 2 erholt(25.1.2020)

51 bestätigt, 2 erholt (26.1.2020)

63 bestätigt, 2 erholt (26.1.2020, 20 Uhr)

68 bestätigt, 2 erholt (27.1.2020, 8 Uhr)

Auswirkungen in Peking:

  • Absage aller Temple Fairs
  • Ab morgen (Sonntag, 26.1.2020) fahren keine Long-Distance-Busse mehr.
  • Temperaturkontrollen in mindestens 35 Metrostationen
  • An den Pekinger Flughäfen Temperaturkontrollen aller Ankommenden
  • internationale katholische und muslimische “Services” abgesagt (was die beiden deutschsprachigen christlichen Gemeinden machen, ist mir aktuell noch nicht bekannt)
  • Filmstarts abgesagt (zum Neujahrsfest eigentlich ein Megageschäft), mehrere Kinoketten schließen für unbestimmte Zeit
  • Yew Chung International School hat die Ferien vorerst um zwei Wochen bis zum 17.2.2020 verlängert, die Kaiwen Academy hat um eine Woche verlängert.
  • Manche Dörfer rund um Peking verordnen sich selbst Quarantäne, keiner kommt rein, keiner raus – z.B. Xianrendong Village in Changping. (Das hat es wohl während der SARS-Krise 2003 auch schon gegeben.)

Geschlossen:

  • Verbotene Stadt
  • Lamatempel
  • Konfuziustempel
  • Mauer bei Badaling
  • Mauer bei Juyongguan
  • Ming Gräber
  • Happy Valley (Vergnügungspark)
  • viele Theater, Kinos
  • Beijing Zoo

Derzeit (noch?) geöffnete Parks:

  • Ritan Park
  • Tuanjiehu Park
  • Rending Hu Park
  • Beihai Park
  • Zhongshan Park
  • Chaoyang Park
  • Qingnianhu Park
  • Temple of Heaven

Update 26.1.2020, 13 Uhr

  • DiDi fährt nur noch innerhalb der Stadt. Fahrer müssen Masken tragen.
  • Eisvergnügen auf dem Houhai-See ist bis auf Weiteres geschlossen.
  • Outlet Malls in Fengtai bis auf Weiteres geschlossen
  • geöffnet: Solana, Indigo

Update 26.1.2020, 20:30 Uhr

  • Nanshan-Ski-Resort bis auf Weiteres geschlossen (Mitteilung über die APP des Resorts)
  • Alle städtischen Pekinger Schulen verlängern ihre Ferien bis (mindestens) zum 17.2.2020. Inwieweit dies die privaten internationalen Schule verpflichtet, ist noch nicht ganz klar. Achtung, Spekulation: auch die internationalen Schulen werden verlängern müssen, würde mich überraschen, wenn da Ausnahmen gemacht werden.

Update 27.1.2020, 13:30 Uhr

  • Haidilao, die größte Hotpot-Kette, hat landesweit alle Filialen geschlossen – erstmal bis zum 31.1.2020
  • Chinesische Gruppenreisen (sowohl innerhalb Chinas als auch ins Ausland) bis auf weiteres unterbrochen, chinesische Agenturen und Reisebüros dürfen keine Gruppenreisen verkaufen. Nur bereits begonnene Reisen dürfen zuende gebracht werden. Individualreisen nicht davon betroffen.
  • Pangu 7 Star Hotel hat bis auf weiteres geschlossen.
  • Die offiziellen Neujahrsferien wurden um 2 Tage bis zum 2. Februar verlängert.

Erneut Mail vom Auswärtigen Amt (26.1.2020, 22:08 Uhr:

Liebe Landsleute,

die chinesischen Behörden haben mittlerweile weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen und u.a. den privaten Autoverkehr in einigen Städten der Provinz Hubei weitgehend untersagt. Dies ist für alle Betroffenen mit großen Einschränkungen verbunden. Die Bundesregierung steht im engen Kontakt mit den chinesischen Behörden und Partnerstaaten und prüft intensiv Möglichkeiten der Unterstützung für die Deutschen, die sich derzeit in der Provinz aufhalten. Wenn sich eine Möglichkeit zur Ausreise ergibt, werden wir Sie umgehend informieren.
Bitte beachten Sie, dass die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu China angesichts der aktuellen Entwicklungen um den neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) aktualisiert wurden (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/chinasicherheit/200466). Diese Hinweise werden anlassbezogen laufend aktualisiert und sollten daher auch weiterhin aufmerksam verfolgt werden.
Die deutschen Auslandsvertretungen in China empfehlen:

– Halten Sie sich an die Anweisungen der lokalen Sicherheitsbehörden.
– Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste unter elefand.diplo.de und bitten Sie auch andere Deutsche, die dies noch nicht getan haben, um Registrierung.
– Kontaktieren Sie in Notfällen den Bereitschaftsdienst der Deutschen Botschaft unter der Nummer +86 10 8532 9202.

Ihre deutschen Auslandsvertretungen in China

Unter dem genannten Link zur Sicherheit in China findet sich Folgendes:

Seit Dezember 2019 sind in der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei Fälle einer Lungenerkrankung aufgetreten, die wahrscheinlich mit dem Besuch eines lokalen Geflügel- und Fischmarkts in Verbindung stehen. Im Verlauf wurde eine Infektion mit einem neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) nachgewiesen. Aktuell steigen die Fallzahlen weiter deutlich an und es sind Todesfälle aufgetreten. Die Erkrankung breitet sich in China weiter aus. Die Quelle und Übertragungswege der Infektion sind nicht abschließend geklärt, die Übertragung von Mensch zu Mensch ist aber inzwischen wissenschaftlich gesichert. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan wird als moderat eingeschätzt.

Die chinesischen Behörden haben seit 23. Januar 2020 Reisebeschränkungen in die Stadt Wuhan und andere Städte der Provinz Hubei erlassen. Eine Ausreise mit Zug, Flug, Bus, Fähre ist derzeit nicht möglich. Auch andere Provinzen Chinas haben Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit unterschiedlichen Ausmaßes verhängt. Davon kann zunehmend auch der Fernreiseverkehr betroffen sein. Allgemein ist derzeit mit erheblichen Einschränkungen der Mobilität innerhalb Chinas zu rechnen.

Durch die enorme Beanspruchung des Gesundheitssystems kann es zu Einschränkungen bei der allgemeinmedizinischen Versorgung kommen.

  • Registrieren Sie sich in unserer Krisenvorsorgeliste
  • Von Reisen in die Provinz Hubei wird derzeit abgeraten.
  • Beziehen Sie die genannten Einschränkungen in Ihre Reiseplanung ein.
  • Erwägen Sie, nicht zwingende Reisen nach China auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
  • Halten Sie sich an die Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte.
  • Beachten Sie die Informationen im Merkblatt nCoV sowie auf den Seiten der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Robert-Koch-Instituts RKI.

 

 

Hat lange keine “Schnipsel” mehr hier im Blog gegeben. Meine Schnipsel sind Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können. Ich will das wieder aufnehmen, denn mir ist doch wieder bewusst geworden, dass das, was jetzt mein Alltag und für mich normal ist, vor 5 Jahren noch exotisch und fremd war.

Vom Weihnachts- zum Neujahrsbaum

Neujahrsbaum

Vom Weihnachts- zum Neujahrsbaum!

Habe ich mal erwähnt, dass mir der chinesische Pragmatismus gut gefällt? Zeigt sich aktuell gerade wieder: Die Lobby war seit November schön weihnachtlich dekoriert. Vor ein paar Tagen wurde umdekoriert: Die Schleifen und Kugeln wurden vom Weihnachtsbaum abgenommen und Glücksfische drangehängt. Und fertig ist die Deko zum chinesischen Neujahr.

Ja, das Chinesische Neujahrsfest steht vor der Tür, die Reisewelle hat bereits begonnen. Beim sonst allgegenwärtigen Onlinehandel – Lieferung oft noch am selben Tag selbstverständlich – wird darauf hingewiesen, dass es bis nach dem Fest Verzögerungen geben wird. In fast allen Geschäften und Restaurants wird auf Schließ- bzw. eingeschränkte Öffnungszeiten hingewiesen. “Bitte bevorraten Sie sich!”

Strassenfriseur

Was hier zum Alltag gehört: Strassenfriseure. 

Hairdresser

Strassenfriseur

Vielleicht sollte ich meine langhaarigen Zottelsöhne dort mal hinschicken, damit sie beim konservativen Teil der Lehrerschaft weniger anecken? ;) – Never!

Baustelle

Vor meinem Fenster wird gebaut. Das war zwischenzeitlich wegen des Krachs zwar lästig, vor allem weil ja am Wochenende und nachts weitergeschuftet wird. Trotzdem finde ich das unglaublich interessant, wie erst ein riesiges Loch, bestimmt vier Etagen tief, gebuddelt wurde – und wie es jetzt weitergeht. Vor kurzem wurde spätabends Kies angeliefert. In der Straße stauten sich Dutzende Laster, die dann einer nach dem anderen ihre Ladung abgeworfen haben, was eindrucksvolle Staubwolken mit sich brachte. Letze Woche wurde ein Kran aufgebaut – sieht gerade bei Sonnenuntergang jetzt sehr cool aus. Jedenfalls gibt es hier immer etwas zu sehen – wobei: aktuell ist Ruhe – Chinesische Neujahrsferien!

 

Crazy?

Als ich neulich bei Schnee im Jingshan-Park war, sind mir immer wieder so kugelige, bunte Plastik-Zangen aufgefallen, die ich irgendwie unter “zweckentfremdete, seltsame Küchengeräte” verortet habe… Heute stolpere ich zufällig bei taobao/baopals darüber, dass das die neue heiße Scheisse für die Kinder von heute ist: Scheeball-Maker! Gibt es nicht nur in der Standardvariante, sondern auch als Enten, Schneemänner, Mäuse…

Screenshot von baopals (taobao für Dummis/auf Englisch), bisken bearbeitet ;)

Pest und Cholera

Nicht allzuweit von uns entfernt ist das Chaoyang-Hospital. Heute in den Schlagzeilen wegen eines Messerangriffs… War schon ein seltsames, leicht unheimliches Gefühl, als das Mittelalter – die Pest – da vor kurzer Zeit eingezogen ist. Das Thema hat sich allerdings verlaufen, man hat weiter nichts gehört, ich hoffe, den Betroffenen geht es inzwischen wieder gut. Pest scheint jedenfalls erstmal überstanden. Dafür haben wir jetzt das neue Coronavirus aus Wuhan. Ich hab sicherheitshalber erstmal “Contagion” geguckt… ;) Unangebrachter Spass beiseite (ich habe halt eine merkwürdige Vorliebe für Katastrophenszenarien/-filme/-romane…), sollte hier einer von uns Erkältungssymptome entwickeln, stehen wir sofort beim Doc auf der Matte.

Gesundheitlich war das letzte Quartal 2019 eine Katastrophe für mich, zum Glück gab es an allen Fronten vorerst Entwarnung, nun muss ich regelmäßig zu Kontrollen erscheinen. Mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert zu werden, war recht unspassig und mein eigentlich nicht tot zu kriegender Optimismus lag zwischenzeitlich ziemlich am Boden. Aber das ist überstanden. :) Nun guck ich mal, was 2020 so mit mir vorhat.

 

Immer wieder bin ich in der letzten Zeit an einem Tempel mitten in der Stadt vorbeigekommen. Neulich im Didi habe ich beim Vorbeifahren fix auf der Map nachgesehen: aha, das ist der Dongyue Tempel. Und heute habe ich das schöne (wenn auch kalte!) Wetter und die annehmbare Luft genutzt und mich mit meinen Scooter auf den Weg dahin gemacht.

Vorher habe ich ein bisschen gegoogelt: Dongyue Tempel – Tempel des Ostbergs. 1319 erbaut, einer der größten daoistischen Tempel in Nordchina. Ursprünglich erbaut für die Götter der “Gesetzeserzwingung”, entsprechend stolpert man gleich am Eingang über grimmige Generäle, die dafür wohl prädestiniert sind.

General am Eingangstor

In den Höfen westlich und östlich der wie üblich in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptachse – Happiness Road genannt – stehen zahlreiche Stelen. Am Ende des hintersten Hofes befinden sich zweistöckige Gebäude, die das Peking Folklore Museum beheimaten – heute allerdings geschlossen.

In der Haupthalle wurde getrommelt, musiziert und gebetet, Fotografieren nicht erlaubt. Aber zugucken durfte ich.

Ich glaube, dass außer mir maximal zehn weitere Besucher da waren. Mitten in der Stadt und dann so still, immer wieder findet man hier solche Oasen.

Dann habe ich mich gerade dieser Wand  (siehe Foto) genähert, als ich mich ein Wächter ansprach: Woher ich komme? Deutschland. Ah, Déguó hěn hao (Deutschland ist gut.). Ob ich aus dem Westen oder Osten käme? Oha, so differenziert wird fast nie nachgefragt. Und dann sagte er noch was mit nàcuì (Nazis) und shìjiè dàzhàn (Weltkrieg).  Ich hoffe, er hat mich verstanden, dass ich von altem und neuen Nazipack und Kriegen nichts halte. Ich muss mir auf jeden Fall noch mehr passendes Vokabular aneignen, ich fand meine Sprachlosigkeit und Unfähigkeit, mich auf Chinesisch richtig ausdrücken zu können, selten so furchtbar wie in diesem Moment. Aber ich glaube, unterm Strich ist das Richtige rübergekommen, lächelnd hat er mir die Mühlsteine gezeigt und auch noch eine der von mir so geliebten Schildkrötenfiguren.

Mühlsteine?

 

Eine Gottheit für jeden Zweck!

An den übrigen äußeren Gebäuden befinden sich unzählige Nischen mit Göttern für fast jeden Zweck. Die Darstellungen sind bemerkenswert, ich konnte mich kaum satt sehen. Auch wenn es Replicas sind – die Originale wurden während der Kulturrevolution zerstört/entwendet – bin ich fasziniert davon, wie sehr die alten Darstellungen modernen Comicfiguren gleichen.

Tierische Gottheiten?

Hab ich erwähnt, dass die Figuren wirklich krass sind?

Teufel auch!

Um die Ecke des Tempels liegt das Chaoyang Hospital. Hier wurden kürzlich die beiden Pestkranken aus der Mongolei behandelt. Wie praktisch, dass man hier im Tempel einer passenden Gottheit opfern konnte!

Nische mit Anti-Pest-Gottheit

Habe ich erwähnt, dass die Figuren wirklich, wirklich krass sind? Hier die Nische mit den Gottheiten der Bestrafung!

Punishment!

Nach fast zwei Stunden ist mir doch zu kalt geworden – und ich musste mich noch auf den Scooter schwingen und eine knappe halbe Stunde nach Hause düsen. Trotz Scooter-Decke bin ich fast erfroren. Da hat tatsächlich die Kälte den Spaß am Scooterfahren etwas gedämpft. Künftig also noch wärmer einpacken. Und ich verstehe jetzt, warum soviel Werbung für Scooter-Griff-Heizungen gemacht wird – hätte ich vorhin gerne gehabt.

Auf jeden Fall gibt es im Dongyue Tempel noch viel mehr zu gucken, nicht nur das Folklore-Museum. Ende Januar, zu Chinesisch Neujahr, wird hier eine Temple Fair stattfinden – gute Gelegenheit, um noch einmal hinzugehen. Und dann wieder im späten Frühling. Hauptsache, nicht mehr so kalt.

Fotos

Mitten in Peking liegen zwei wunderschöne Parks mit großartigen Aussichten: der Beihai-Park und der Jingshan-Park – beide gleich gegenüber bzw. schräg gegenüber auf der Nordseite der Verbotenen Stadt. Mein ältester Sohn ist gerade zu Besuch, und zusammen nutzen wir das schöne Winterwetter, um uns beide Parks anzusehen. Zuerst wollen auf den Kohlehügel im Jingshan-Park steigen und die Aussicht auf die Verbotenen Stadt genießen, anschließend wollen wir in den Beihai-Park gehen.

Jingshan-Park und Kohlehügel

Wir betreten den Park durch den Osteingang und gehen zielstrebig Richtung Kohlehügel. Stellenweise liegen noch Schneereste, die sind von dem in Peking seltenen Schneefall vor zwei Wochen noch übrig geblieben. Es zieht uns direkt ganz nach oben zum Wanchun Pavillon. Hier hat man einen tollen Überblick über die Verbotene Stadt.

Forbidden City

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Aber auch in alle übrigen Himmelsrichtungen hat man eine großartige Sicht. Nach Westen zum Central Business District:

CBD

Blick auf Pekings CBD vom Kohlehügel aus

Nach Norden blickt man entlang der Nord-Süd-Achse Pekings, sieht den Trommelturm (der den dahinterliegenden Glockenturm verdeckt) und weiter im Norden das Olympiagelände. Auch eine Ecke vom Vogelnest kann man sehen.

Trommelturm, Olympia-Gelände

Blick nach Norden vom Kohlehügel: Trommelturm und Olympiagelände

Schaut man nach Westen, sieht man in der Nähe die Weiße Pagode im Beihai-Park und in der Ferne die Westberge.

White Dagoba

Blick nach Westen vom Kohlehügel aus: Weiße Pagode und Westberge im Dunst

Nachdem wir uns – vorläufig – sattgesehen haben, laufen wir erst eine Treppe runter und landen am Haupteingang des Jingshan-Parks, gehen dann weiter zum Westausgang. Hier fallen zahlreiche Kakibäume ins Auge, an denen noch viele Früchte hängen.

Beihai-Park, Jadeblumeninsel, White Dagoba und Yong’an-Tempel

Den Beihai-Park betreten wir durch den Osteingang. Hier befindet sich auch direkt eine der Brücken auf die Jadeblumeninsel, auf der ganz oben auf dem Hügel die Weiße Pagode steht. 

Auch wenn man am Horiziont schon wieder Smog heranrollen sieht, beim Blick nach oben ist der Himmelt leuchtend blau – da sieht die Pagode nochmal so schön aus.

White Dagoba

Weiße Pagode, blauer Himmel

In die Pagode kann man nicht hinein, aber man kann sie umrunden und hat auch hier wieder tolle Blicke in alle vier Himmelsrichtungen.

Im Beihai-Park

Blick von der Jadeblumeninsel: Wanchun Pavillon im Jingshan Park, dahinter das höchste Gebäude Pekings, der Zhongguo Zun

Schließlich steigen wir eine steile Treppe hinunter zum Yong’an-Tempel, in dem sich ein paar Buddhas vergnügen…

Detail im Yong'an-Tempel

Buddha-Darstellung im Yong’an-Tempel

Mit einem Blick zurück auf die Jadeblumeninsel verlassen wir schließlich den Park.

Blick auf die Jadeblumeninsel

Blick auf die Jadeblumeninsel und die Weiße Pagode

Fotos

 

Ich wurde zu einer Landpartie gezwungen und bin dabei gestern zum ersten Mal in China selbst Auto gefahren. Der Gatte musste zu einem Geschäftstermin in den Norden Miyuns, nur leider konnte oder wollte keiner der übrigen am Termin Beteiligten fahren. Tja, wozu habe ich vor zwei Jahren den Führerschein gemacht

Trotz Erkältung quäle ich mich also morgens früh aus dem Bett und sitze um 7:30 Uhr zum ersten Mal in meiner China-Zeit hier selbst am Steuer. Noch ist es früh, wir fahren außerdem stadtauswärts: alles kein Problem! Dann kommt die erste Herausforderung: Mautstelle auf dem Highway.  Naja, in Wahrheit auch nicht anders als in Norwegen, also auch kein Problem. Die Autobahn ist frei, ich geb Gas. Nein, halt, hier ist maximal 120, und das auch nur auf der linken Spur (auf den beiden rechten gilt 100).

Bilderbuch-Herbst

Ich muss mich zum Glück nicht um die Navigation kümmern (Leute, die mich näher kennen: sagt jetzt bitte nichts!) und werde zuverlässig immer weiter Richtung Norden dirigiert. Irgendwann lassen wir Nanshan rechts liegen, bald darauf geht es erst durch einen kleinen Ort (ca. 700.000 Einwohner ;) ), dann auf die Landstraße, die schon bald schmaler wird. Die Berge rücken näher, es geht bergauf und da ist es auch schon: das erste blaue Schild: “Bitte Hupe benutzen.” Davon mache ich doch gerne Gebrauch! Inzwischen hat sich der morgendliche Dunst verzogen, ab und zu kommt die Sonne raus und bringt die Landschaft zum leuchten. Am liebsten würde ich nach jeder Kurve anhalten und erstmal Bilder schießen, aber wir sind ja nicht zum Vergnügen unterwegs und müssen zu dem Termin. Trotzdem, das rot- und gelbleuchtende Laub an den Berghängen ist atemberaubend! Es geht vorbei an Flüssen und Seen, und spätestens nach dem dritten Serpentinenabschnitt denke ich: Hier möchte ich Motorrad fahren! (Der Gedanke hat sich jetzt im Hinterkopf festgesetzt.)

Lost Places

Die Straße wird schmaler, ich werde auf eine noch schmalere Straße gelotst, es geht noch ein paar Mal bergauf/bergab – und dann sind wir in dem kleinen Dorf.

Dorfstraße

Ein Huhn wackelt vor mir über die Straße. Wir sind so gut durchgekommen (ich schwöre, ich bin nicht gerast!), dass noch etwas Zeit ist und gehen an einem künstlich angelegten kleinen See spazieren. Der sieht auf den ersten Blick total romantisch aus.

See in Miyuns Bergen

See in Miyuns Bergen

Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Idylle trügt. Tote Fische am Seeufer.

tote Fische und Müll am Seeufer

Müll und tote Fische am Seeufer

Dazu die vielen leerstehenden Anwesen: vom Touristenressort bis zum kleinen Bauernhof: trostlos – aber großartig für Lost Place-Fotografie.

Verlassener Hof

Verlassener Hof

Leider habe ich gar nicht die Zeit, um zu entscheiden, ob ich über einen Zaun klettern möchte, denn ich muss die Männer jetzt doch zu ihrem Termin fahren. Auf dem Rückweg zum Auto begegnen uns ein paar Schafe (oder Ziegen? Mir wird klar, warum im Chinesischen 羊 yáng für beides steht), die uns ebenso neugierig angucken wie wir sie.

Viecher auf der Straße

羊 yáng

Geschäftemachen auf Chinesisch

Bisher habe ich von chinesischen Geschäftsterminen nur gehört oder gelesen. Nun war ich live dabei. Um keine Geheimnisse auszuplaudern nur so viel: die Realität ist schlimmer! In den Städten mag es inzwischen anders zugehen, aber im ländlichen China treffen die Schilderungen zu was Esskultur, Baijiu-Konsum und Anzüglichkeiten angeht (und das mir als einziger Frau unter zehn Männern…).

Irgendwann ist es überstanden, alle sind sich einig, dass das ein erfolgreicher Termin war. Ich bin jedenfalls froh, als ich endlich die Baijiu-geschädigten Kerle ins Auto zurück verfrachtet habe. Damit sie auch richtig was von haben, nehme ich die Serpentinen schön schwungvoll… ;)

Je näher wir Peking kommen, umso dichter wird der Verkehr bis wir richtig im Stau feststecken. Auch mein Schleichweg ist verstopft, inzwischen ist es dunkel, jetzt strengt das Fahren schon etwas an. Als ich endlich alle abgeliefert habe und selbst zuhause bin, bin ich ziemlich platt, aber eins weiß ich: ab sofort werde ich mir öfter ein Auto mieten – das soll nicht die letzte Landpartie gewesen sein!

Nach längerer Zeit war ich wieder im Olympia-Park und zum ersten Mal im und auf dem Bird’s Nest. Was für ein Versäumnis, das erst jetzt für mich entdeckt zu haben. Das ist nun definitiv einer meiner Pekinger Lieblingsorte. Beeindruckende Architektur, tolle Atmosphäre. Und was ich ja auch gerne mag: hoch hinaus und von oben runtergucken. :)  Getoppt wurde der Besuch davon, dass dort gerade ein von einem Uhrenhersteller gesponsortes Reitsportevent stattfindet. Aus der für den Besuch geplanten Stunde sind mehrere geworden – solange, dass der Watercube schon geschlossen war. Das werde ich nun bald nachholen. Vermutlich werde ich dann aber wieder auf das Dach des Bird’s Nest klettern.

Auf dem Dach vom Vogelnest

Bird’s Nest – Sky Walk

China ist ja nicht wirklich ein Land für Leute, die nicht gut zu Fuß sind. Schmale, unebene Fußwege, wenn es überhaupt welche gibt, uneben und zugeparkt. Überall Treppen, Treppen und noch mehr Treppen. Allein deshalb haben mich diese drei Damen beeindruckt. Gemeinsam hatten wir das breite begeisterte Grinsen übers ganze Gesicht, die drei waren genau wie ich total geflasht von Gebäude und Aussicht.

nothings gonna stop us...

nothings gonna stop us…

Blick von ganz oben auf das Springreiten.

Springreiten

Longines Equestrian Beijing Masters LEBM

Dass die Beijing Masters gerade im Bird’s Nest stattfinden, war eine schöne Überraschung. Auch von oben von den Tribünen hatte man eine tolle Sicht und zugleich den großen Überblick. Was ich nicht wusste und erst hinterher nachgelesen habe: die nicht-chinesischen Reiter haben auf Leih-Pferden teilgenommen, da die chinesischen Quarantänebestimmungen es praktisch unmöglich machen, mit Pferden einzureisen. Mehr zu dem Reitsportevent im Beijinger und auf der Veranstaltungsseite.

LEBM- 1.Tag

Vom Dach des Bird’s Nest hat man – selbst an einem so grauen, dunstigen und versmogten Tag wie gestern – eine tolle Aussicht. Vor allem, wenn es dunkel wird und überall die Lichter angehen.

Und wenn es dann richtig dunkel ist, dann hat es einen einfach nur noch um!

Vogelnest Air Walk

Bird’s Nest, Skywalk

Alle paar Schritte neue, großartige An- und Aussichten.

Wirklich großartig, dass man mit dem VIP-Ticket wirklich überall hin kann. Die Ticketauswahl ist etwas unübersichtlich, beim Ticketkauf unbedingt drauf achten, dass die “Top Wonders” mit dabei sind! Die 20 RMB Mehrkosten sind mehr als gut angelegt.

 

 

Ich fahre jetzt Scooter!

Vor dem Umzug habe ich mich schweren Herzens von meinem Tuktuk getrennt. Trotz überall vorhandener Delivery-Services fand ich es oft auch gut, zumindest die Kühlware selbst mit nach Hause nehmen zu können. Abgesehen davon, dass so ein Tuktuk wirklich ein praktische Gefährt ist, hat es auch viel Spaß gemacht damit zu fahren. Aber hier in der Stadt hätte ich weder Abstellplatz noch Lademöglichkeit, mal abgesehen davon, dass die für die Stadt auch gar nicht zugelassen sind.

Mein altes Tuktuk

Mein altes Tuktuk

Ersatz musste sein

Jetzt habe ich einen Scooter. Und nein, unter Scooter versteht man nicht nur die in Deutschland gerade heiß diskutierten e-Tretroller, sondern auch (e-)Motorroller. 

Lange habe ich geguckt und recherchiert, bin zu verschiedenen Händlern gefahren und habe diverse Modelle diverser Marken Probe gefahren. Dabei wurden schnell große Qualitätsunterschiede deutlich. Wenn man bei einem funkelnagelneuen Modell das Gefühl hat, die Bedienungsknöpfe fallen gleich ab, ist das nicht sehr vertrauenerweckend.

Außerdem habe ich lernen müssen, dass das, was mir gut gefallen hätte, nicht unbedingt erlaubt ist. Also lieber nicht. So ist es dann ein Modell der U-Serie von Niu geworden (die gibt es auch in Deutschland und Europa). Auf die schicke Original-Box habe ich verzichtet und mir lieber ein großes Modell anbauen lassen, außerdem auch Rückspiegel. Wenn es Ende Oktober kalt wird, werde ich noch “Winterausrüstung” ergänzen -Handwärmer/Decke, vielleicht nicht unbedingt im “Hello Kitty”-Design… ;)

Scooter-Registrierung

Scooter müssen registriert werden und brauchen ein Nummernschild. Manche Händler können das für einen erledigen, ich musste selbst ran. Immerhin wurde mir der Weg ganz genau erklärt – und ohne diese Erklärung würde ich jetzt immer noch durch Peking irren… Aber es war auch so noch abenteuerlich genug, unterhalb des Dritten Rings am Parkplatz vorbei in falscher (!) Fahrtrichtung über die Abbiegerspur zur Verkehrspolizei (!) zu kommen.

Im Gebäude drinnen war ich zunächst leicht überfordert, habe dann aber einen Schalter ohne Schlange davor entdeckt, wo auch noch ein kleines Schild “Registration” angebracht war. Und dann ging es tatsächlich ganz fix. Fapiao (die chinesische Rechnung mit dem roten Stempel) und Fahrzeugdatenzettel über den Schalter gereicht und dann mit der Mitarbeiterin raus vor die Tür, die meinen funkelnagelneuen Scooter kurz in Augenschein genommen hat. Wieder rein und nach insgesamt nur zehn Minuten hatte ich meine Registrierungskarte und mein Nummernschild.

Scooter

Mein Scooter

Früher undenkbar, heute großer Spaß

Ich weiß noch, wie ich beim ersten Peking-Besuch an der Kreuzung vor dem Sanlitun Village stand und mich gefürchtet habe: Wie soll man hier nur heil rüber kommen? Und jetzt schlängel ich mich mit meinem Scooter zwischen den Menschen durch über die Kreuzung…
Natürlich fahre ich nur mit Helm. In den ersten Tagen hatte ich allerdings schon großen Respekt, fast etwas Bammel – aber inzwischen macht es mir wirklich Spaß. Aber schon interessant zu sehen, wie sich da Einstellungen und das, was man sich zutraut, über die Jahre hin verschiebt.

Es ist jedenfalls klasse, wie sich mein Radius erweitert hat, wie ich unabhängig und bequem mitten in Peking unterwegs sein kann. Nun entdecke ich Peking aus einer neuen Perspektive!

 

 

Unser 5. Jahr in Peking hat begonnen. Im Folgenden blicke ich zurück, um mich am Ende auf das Kommende zu freuen!

Damals und heute

Den Kopf voller Ängste und Unsicherheiten und unglaublich aufgeregt sind wir in Peking angekommen. Die Jungs noch im Grundschulalter bzw. gerade aufs Gymnasium versetzt, noch traurig vom Abschied von Geschwistern, Familie und Freunden. Als ob so ein Umzug von einem Kontinent auf den anderen nicht schon aufregend genug wäre, mussten wir ja in Amsterdam auch noch den Flieger verlassen und auf eine Ersatzmaschine warten –  leider ist der Flieger während des Beladens beschädigt worden. Zum Glück wurde das noch am Boden, nicht erst in der Luft bemerkt. Diese extra Aufregung hat aber tatsächlich den Kummer etwas in den Hintergrund gedrängt. Wie meine Freundin immer sagt:

Nichts ist so schlecht, dass es nicht doch noch für irgendetwas gut ist.

In Peking angekommen haben die meisten Befürchtungen sich nicht bestätigt, dafür sind andere Probleme aufgetreten, die ich vorher gar nicht auf dem Zettel hatte.

Die Angst, keine Freunde zu finden, hätten wir alle nicht haben müssen. Und wir haben sogar das Glück, nicht nur “temporäre” Freunde für die Pekingzeit gefunden zu haben, sondern darüberhinaus haben wir auch neue Freunde fürs Leben gefunden.

Mehr Goodbyes als erwartet

Aber das “temporär” deutet es schon an: Kein Ausländer ist für immer in Peking, wir sind alle nur begrenzte Zeit hier, früher oder später ist Schluss. Bei den meisten früher, d.h. nach zwei, drei Jahren heißt es Abschied nehmen. Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet. Wenn wir an Abschied gedacht haben, war das immer auf Hamburg und Deutschland und die Familie und Freunde dort bezogen. Jetzt ist Juni nicht nur fröhlich, Sommer, Ferienvorfreude – sondern eben auch “Goodbye Season”.

Die Sprache

Ich hatte große Angst, mit meinem erbärmlichen Chinesisch aufgeschmissen zu sein. Was ich nicht erwartet habe: Englisch ist fast noch wichtiger. Zumindest in unserem internationalen Compound und dem auf uns Ausländer eingestellten Umfeld (Supermarkt, Klinik, Restaurants…) war das so. Deutsches Fernsehen? Fehlanzeige. Deutschsprachige DVDs? Nur im Ausnahmefall. Streaming? Funktionierte nach kurzer Zeit nur noch mit neuen, amerikanischen Accounts. Das unerwartete Ergebnis: unser aller Englisch hat sich deutlich verbessert. Die Fortschritte im Chinesischen sind glücklicherweise auch da, aber es lernt sich einfach nicht so leicht wie dem Deutschen verwandtere Sprachen. Was mir aber auch deutlich geworden ist: es ist so wichtig, sich auch mal in der Muttersprache unterhalten zu können, ohne nach Worten suchen zu müssen. Gespräche, in denen man auch zwischen den Zeilen kommunizieren kann, Wortspiele und Doppeldeutigkeiten nutzen (was mir auf Englisch nicht so leicht fällt, auf Chinesisch Fehlanzeige).

Geduld, Gewöhnung, Gelassenheit

Ich hätte nicht erwartet, dass ganz normaler Alltag so zeit- und kraftraubend sein kann.

Es sind nicht nur die weiten Wege, es ist nicht nur, dass man sich oft nur unzulänglich verständigen kann (mit Handwerkern, beim Einkauf…) – vieles ist einfach so komplett anders.

Dass es viele Produkte gar nicht, nicht in der gewünschten Qualität oder nur zu Phantasiepreisen gibt (Milch- und Milchprodukte z.B.) – daran gewöhnt man sich mit der Zeit, findet Alternativen (zum Quark z.B.).

Bei notwendigen Reparaturen wurde oft nicht einfach fix gemacht, sondern erst überlegt, mit weiteren Workern diskutiert, x-mal Rücksprache gehalten und dann wurde im dritten Anlauf erst die Leiter geholt, die man beim ersten Anruf schon angefordert hatte… Drüber aufregen? Wozu? Macht nur vorzeitig Runzeln und ändert eh nichts.

Gut, so manches ist auch komfortabler: Delivery services sind selbstverständlich, sei es im Supermarkt oder von Restaurants. Bezahlbares Taxifahren. Und diese – Didi – per App bestellen zu können, das erspart das Hantieren mit Visitenkarten, wenn das eigentlich inzwischen brauchbare Chinesisch vom Fahrer partout nicht verstanden wird.

Der Verkehr

Ich weiß noch, wie ich bei unserem ersten Besuch in Peking im Februar 2014 an der Kreuzung vorm Sanlitun Village gestanden und mich gefürchtet habe. Heute stehe ich mit meinem Scooter an deutlich größeren Kreuzungen und bin selbstverständlicher Teil vom Gewusel. Das hat aber tatsächlich Jahre der Gewöhnung gebraucht. Für den Einstieg hatte sich die Regel bewährt:

Vergiss die Ampelfarben. Wir warten bis wir viele sind und schwimmen dann mit dem Pulk.

Mein Gefühl mag mich täuschen, vielleicht hängt es auch mit der Gewöhnung zusammen, aber der Verkehr scheint mir heute weniger chaotisch und weniger laut als vor vier Jahren. Gehupt wird tatsächlich weniger.

Smog

Woran erkennt man in Peking die Neuankömmlinge?

An den Masken.

Bevor wir herkamen, war eine meiner größten Sorgen der Smog. Der Kinder wegen und wegen meines eigenen Hangs zu Atemwegserkrankungen. Die Luftbelastung ist immer noch unanständig hoch, aber meistens hat es für uns keinen Einfluss mehr auf den Alltag. Drinnen sind wir gut mit Luftfiltern ausgestattet. (Allerdings können die auch nerven – wirklich lautlos funktionieren die nicht.)

Und wenn die Werte über 300 steigen, bleiben wir bis auf absolut unvermeidliche Wege drinnen – wenn wir dann doch rausmüssen, tatsächlich nur mit Maske. Die Dinger sind aber so unbequem und lästig, dass wir die bei weniger üblen Werten weglassen. Die Smog-Nebenwirkungen wie Kopfweh, Halsschmerzen… erwischen einen auch mit Maske, so toll ist der Schutz dadurch nämlich auch nicht. Die meisten Leute, die wir kennen, handhaben das ähnlich – jeder findet hier seine persönliche Schwelle, ab wann der Smog einen selbst so belastet, dass man besser drinnen bleibt. Denn das schützt besser als jede Maske.

Tatsächlich ist die Belastung – obwohl immer noch vorhanden – von Jahr zu Jahr weniger geworden. Es gibt immer mehr und öfter Tage, an denen die Luft nicht schlechter als in Deutschland ist (manchmal sogar besser!) Wäre schön, wenn sich das so weiter fortsetzt.

Trotzdem gibt es diese Tage, an denen man aus dem Fenster guckt und sich am liebsten wieder im Bett verkriechen möchte, wenn man kaum bis zur gegenüberliegenden Straßenseite gucken kann und alles in einer grau-braun-gelben Suppe erstickt. Die Auswirkungen auf die physische Gesundheit ist das eine – der Smog kann einen aber auch wirklich trübsinnig werden lassen.

Drinnen und draußen

Seit knapp zwei Monaten leben wir jetzt “drinnen”, mitten in Chaoyang. Von unserem TukTuk haben wir uns trennen müssen, dafür habe ich jetzt einen Scooter (anders als in Deutschland ist das kein eTretroller, sondern ein “eMopped”). Auch wenn mir manchmal der alte Supermarkt am Pinnacle Plaza in Shunyi fehlt, weiß ich inzwischen die Vorteile der vielen verschiedenen Supermärkte, Märkte, kleinen Läden rings um uns herum zu schätzen.  Es ist halt auch wieder ein bisschen (zeit-)aufwendiger, nicht alles an einem Ort erledigen zu können. Jetzt lohnt es sich tatsächlich auch, “mal kurz” irgendwohin zu gehen/zu fahren, einfach weil die Wege nicht mehr so unangemessen weit sind.

Die Jungs

Ob es am Alter liegt oder am Wohnort: die Jungs sind hier leichter zum Mitkommen zu animieren. Was das ausmacht, dass die lange Fahrt über den Airport Expressway nicht mehr nötig ist!

Ich musste mir abgewöhnen, von “meinen Minis” zu sprechen. An den beiden ist gar nichts mehr mini, das sind (fast) ausgewachsene Teenager, die es genießen, dass ihr Radius, in dem sie alleine unterwegs sein können, sich deutlich erweitert hat.

Eigentlich sollte man meinen, dass Erziehung/Alltag beim vierten und fünften Kind ein Selbstgänger ist, vor allem, wenn die drei Großen so toll geraten sind (ob nun trotz oder wegen unseres Zutuns). Aber auch ohne Ortswechsel: Jedes Kind ist anders. Und durch das Leben in China gibt es neue und andere Herausforderungen: Das stetige Kommen und Gehen. Wie kann man so tragfähige, langfristige Beziehungen entwickeln? Das chinesische Umfeld – wie lang/wie kurz darf und muss die elterliche Leine sein, wo kann man gefahrlos Freiräume gewähren, wo nicht? Wie beruhigend, dass es auch die gewohnten Themen gibt (z.B. Hausaufgaben)…

Heimweh?

Ich hätte gedacht, dass Heimweh ein größeres Problem für uns wird. Tatsächlich kommt es immer mal wieder vor, und nicht jeder von uns hat es zur selben Zeit. Aber es kommt – und geht dann auch wieder. Manchmal erwischt es einen ganz unvermittelt – so wie mich neulich, als wir hier beim Griechen waren (der vom Interieur auch ein beliebiger Grieche in Hamburg hätte sein können). Das ist fies, wenn einen die Sehnsucht so hinterrücks überfällt. Manchmal baut sich Heimweh häppchenweise auf, bei mir z.B. wenn sich lästige Dinge summieren: morgens noch vor dem erste Kaffee den Trinkwasserkübel wechseln müssen, wenn das Internet dann nur “Du kommst hier nicht rein” (bzw. raus…) meldet, ein Shop/Restaurant, wo man gerne hingegangen ist, plötzlich geschlossen ist, Dein Lieblingsmüsli im Supermarkt nicht mehr zu haben ist… Für mich ist es dann auch okay, mich mal ein, zwei Tage zu verkriechen, aber spätestens am dritten Tag etwas schönes zu unternehmen.

Das neue Peking-Jahr

Jetzt steht das neue Peking-Jahr vor der Tür. Für die meisten, zumindest die Familien mit schulpflichtigen Kindern, beginnt es im Sommer, kurz vor dem Ferienende. In ein paar Tagen ist der erste Schultag, und der Alltag wird uns wieder einholen.  Was anders wird als vor den Ferien: wir können morgens länger schlafen, und nachmittags ist mehr Freizeit, weil der Schulweg sich so drastisch verkürzt hat. An Tagen mit 9. und 10. Stunde sind die Kinder nicht mehr gut 12 Stunden aus dem Haus. 

Wir freuen uns darauf, bekannte Gesichter wieder zu treffen und neue kennen zu lernen. Ich freue mich auf viele Ausflüge, ob nun solo oder mit Foto- oder Patengruppe. Es gibt so vieles, wo ich wieder hin möchte, und vieles, wo ich noch nicht war. Ich freue mich, auch abends öfter unterwegs zu sein (weil der Grund “eine Stunde Rückfahrt” weggefallen ist). Wehmütig bin ich, weil es nun schon das dritte Jahr ohne N. und das erste Jahr ohne L. sein wird. Ihr fehlt!

Auftakt: Snow Patrol

Ein erstes Highlight hatte dieses neue Peking-Jahr schon für mich: Snow Patrol haben im Tango gespielt. Eine Location, die hier zwischen Ditanpark und Lama-Tempel liegt, so ähnlich aber auch in Hamburg an der Großen Freiheit zu finden sein könnte.

Snow Patrol in Peking

Gary Lightbody

Das war ein toller Abend, vor allem weil deutlich spürbar war, dass die Jungs auf der Bühne mindestens genauso viel Spaß hatten wie die Leute davor.

Das war ein prima Auftakt für mein neues Peking-Jahr – ich bin gespannt, was noch vor mir liegt.

Ich bin in den letzten Jahren beim Stöbern, was ich mir in Peking wohl noch anschauen könnte, immer wieder über den Fünf-Pagoden-Tempel gestolpert. Heute war es dann endlich soweit: ich habe für die Fotogruppe vor Ort nachgeschaut, ob der Tempel derzeit geöffnet ist (meine vergeblichen Versuche, mich mit Prinz Gong zu treffen haben ihre Spuren hinterlassen). Auch Bauarbeiten, Verpackungensaktionen usw. wären für einen Fotogruppen-Ausflug hinderlich.

Wuta Si? Zhengjue Tempel?

Man findet den Ort heute unter verschiedenen Namen, was sich durch die Geschichte erklärt: Der Zhengjue Tempel (“Temple of the Great Righteous Awakening”) war ein buddhistischer Tempel aus der Ming-Dynastie, 1473 erbaut. Zerstört wurde er 1860 während des Zweiten Opium-Krieges und 1900 während des Boxer-Aufstands. Übrig blieb nur die steinerne Pagode in der Mitte: Die Diamantthronpagode.

Das sah so aus: Historisches Foto von/vor 1902. (Quelle: wikipedia – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wu-ta-sze._%E2%80%9ETempel_der_5_Pagoden_westlich_von_Peking.jpg)

Wuta Si bedeutet übersetzt: Fünf Pagoden Tempel. 

Heute befindet sich rund um die Diamantthronpagode Pekings Steinmetzmuseum: Beijing Stone Carvings Art Museum.

Leicht zu finden

Ich bin bequem mit einem Didi zum Tempel gefahren. Das vorletzte Stück geht es erst durch einen Hutong, indem gerade gebaut wird, und ich habe schon gefürchtet, dass das auch den Tempel betrifft. Das letzte Stück geht es aber dann aber idyllisch unter Weiden am Nanchang River entlang. An einer Fußgängerbrücke steige ich aus. Auf der anderen Seite ist der Nordeingang des Zoos, auf meiner Seite ist der Museumseingang. Auch hier denke ich wieder, oh nein, Bauarbeiten – aber es sind zum Glück nur Baumpflegearbeiten. Das wird bis zum Fotogruppenausflug abgeschlossen sein.

Ich zahle, passiere den Sicherheitscheck und steuere dann direkt auf die Diamantthronpagode zu.

Fünf-Pagoden-Tempel

Wow! Ja, es ist halt doch ein Unterschied, ob man so etwas auf Bildern oder tatsächlich sieht!

In der Pagode selbst ist Fotografieren verboten, bis auf zwei Buddhas gibt es auch nur Infotafeln und wenig vom Gebäude selbst zu sehen. Die Türme kann man nicht erklimmen. Ich spaziere über das Gelände, blicke in die Ausstellungshallen – ja, hier gibt es mehr als genug tolle Motive für die Fotogruppe. Die Bedingungen heute sind perfekt, ich habe gerade richtig Glück mit dem Wetter: blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, gute Luft und gute Sicht. 

Fünf-Pagoden-Tempel

Ich freue mich jedenfalls, nächsten Monat wieder hierherzukommen, dann auch mit Weitwinkel- und Teleobjektiv im Rucksack.

Fotos

Info

Info:

Das Museum befindet sich genau gegenüber vom Nordeingang des Zoos am Kanal.
 
Adresse: 24 Wutasicun, Haidian
Adresse auf Chinesisch: 海淀区五塔寺村24号(近北京动物园北门
 
Nächstgelegene Metrostation: Nationalbibliothek, Exit C (ca. 700 Meter).
 
Eintritt: 20 RMB

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Wuta Si

Der Fünf-Pagoden-Tempel in Peking (Pin)

 

Nachdem wir neulich eine Gemüsefarm besichtigen konnten, waren wir am Wochenende wieder mit unseren chinesischen Bekannten unterwegs, diesmal um Pfirsiche in Pinggu anzusehen.

Über Pinggu und Pfirsiche

Pinggu ist der nordöstlichste Bezirk Pekings. Der Ort Pinggu hat gut 300.000 Einwohner, ist nach chinesischen Maßstäben also ein Dorf. Der Distrikt Pinggu ist größer als ganz Berlin, insgesamt leben hier ca. 440.000 Menschen. Hier befindet sich nicht nur Shilinxia mit dem Flying Saucer, viel berühmter ist Pinggu dafür, dass sich hier das größte Pfirsichanbaugebiet der Welt befindet. Überhaupt: Mit Abstand die meisten Pfirsiche weltweit wachsen in China.

Mir wird erklärt, dass in der Nähe der Farm, die wir besuchen werden, ein erloschener Vulkan liegt. Die Pfirsiche hier in den Bergen seien besonders süß. Das liege an der Höhe, dem Unterschied von Tag- und Nachttemperaturen und dem vulkanischen Gestein. Aufgrund der Lage hier reifen die Pfirsiche relativ spät.

Eine andere Welt

Wir fahren über den Jingping Expressway aus Peking raus. In Pinggu geht es auf immer schmaler werdenden Landstraßen weiter, durch kleine wuselige Dörfer. Wir sind gerade eineinhalb Stunden unterwegs und doch in einer ganz anderen Welt. Überall an den Straßen werden Früchte verkauft, was mich ein bisschen an die Apfelbauern im Alten Land erinnert. Dann wird es hügeliger und wir erreichen die Berge. Wir biegen ab und halten am Ortseingang von Suziyucun, stellen das Auto im Schatten ab und werden von der Farmerin begrüßt. 

Die Farmerin

Bevor ich Interesse für die Pfirsiche aufbringen kann, muss ich erstmal die Aussicht genießen. Das dichte Grün, ringsum Berge – das ist wirklich schön. Es ist allerdings auch wieder sehr heiß und extrem schwül. Jetzt folgen wir der Farmerin in den Pfirsichhain. Zuerst kommen wir allerdings an Walnuss- und Birnbäumen vorbei. 

Pfirsichhain oder Pfirsichdschungel?

Wir verlassen den Hauptweg und landen auf einem schmalen feuchten Pfad. Der Lärm der Zikaden ist ohrenbetäubend. Ich gucke sehr genau, wo ich hintrete, denn ich hab keine Lust, über Schlangen oder ähnliches Gewürm zu stolpern. Es fühlt sich nicht wie ein Pfirsichhain, viel mehr wie ein Pfirsichdschungel an.

Auf der Pfirsichfarm

Wir stromern kreuz und quer zwischen den Pfirsichbäumen herum. Es gibt Plattpfirsiche und runde Pfirsiche, gelbe,  weiße und rote. 

An vielen Bäumen sind Papiertüten über die Früchte gestülpt: Das ist eine Auflage der Behörden, damit die Pfirsiche vor Pestiziden geschützt werden. Ganz ohne zu Sprühen gehe es nicht, denn die Pfirsiche seien sehr krankheitsanfällig.

Pfirsich-Tüten-Baum

Kurz vor der Ernte werden die Papiertüten abgestreift (und liegen dann auf dem Boden herum, wo sie mit der Zeit aufweichen). Künstlicher Dünger ist verboten – es riecht aber intensiv nach Stall…

Beijing’s most beautiful village

Nachdem wir uns von Moskitos aus dem Pfirsichhain haben vertreiben lassen und uns von der Farmerin verabschiedet haben, spazieren wir noch durch das Dorf. Gleich am Ortseingang fallen Unmengen von Ziegelsteinen ins Auge: hier wird gebaut. Ein großes Holzschild verkündet, dass Suziyu “Beijing’s most beautiful village” sei. Ob das so ist? Schön gelegen ist es alle mal. Es gibt ein Regierungsprogramm, durch das die Dörfer rings um Peking renoviert, restauriert und aufgewertet werden sollen. Zum Einen soll damit der Tourismus/Naherholung/Kurzurlaub gefördert werden, dadurch kann zum Anderen das Einkommen der Dorfbewohner steigen. Und mit der Winterolympiade 2022 hat es wohl auch zu tun.

Wir schlendern durchs Dorf. Plötzlich ohrenbetäubender Lärm: eine Lautsprecherdurchsage. Wahnsinn, das muss eine super leistungsfähige Anlage sein. Inhalt der Mitteilung war, dass man jetzt neue Kisten für die Pfirsiche im Zentrum abholen könnte. Ein paar Minuten später kamen uns dann auch lauter TukTuks entgegen.

Affen und Pfirsiche?

Überall unterwegs sehen wir Plastiken übergroßer Pfirsiche, vor denen ein Affe steht oder sitzt. Auch hier in Suziyu findet sich so eine Figur. Was es damit auf sich hat? In einem der vier klassischen chinesischen Romane “Die Reise in den Westen*” probiert der Affenkönig Sun Wukong im Garten der (daoistischen) Göttin Xiwangmu von einem Pfirsich und wird dadurch unsterblich.

Pfirsich und Affe - geht auf eine Legende zurück

Oh, Kinder aufgepasst: Euer Spiel Dragon Ball basiert lose auf Sun Wukongs (japanisch: Son Goku) Abenteuern!

Wir schließen den Ausflug mit einem Essen in einem urigen chinesischen Ausflugslokal an einem Stausee ab, bevor wir uns auf den Rückweg nach Peking machen. Der Tag im Grünen hat jedenfalls richtig gut getan – und unser kleiner Vorrat von frischen Pfirsichen ist auch schon fast aufgefuttert.

Fotos

 

 

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ombidombi goes Forum: Ich habe ein Peking-Forum eingerichtet!

Seit fünf Jahren blogge ich auf ombidombi.de über unsere Entscheidung nach Peking zu ziehen und über unser Leben hier. Seit Langem erreichen mich regelmäßig Mails, oft mit genau den gleichen Fragen, die ich mir damals auch gestellt hab. Fragen, die sich wohl so oder ähnlich fast jeder stellen wird, der vor der Entscheidung “Peking oder nicht” steht. Ob die Übersiedlung kurz bevor steht oder man ist neu in Peking: da sind ganz viele Fragen – und oft hat man noch keine Kontakte, kennt die neuen Nachbarn noch nicht.

Sicher gibt es inzwischen einige Angebote, Blogs, Gruppen in sozialen Netzwerken etc. – aber die muss man erstmal finden und zusammentragen. Und die Gruppen auf Facebook z.B. haben einen klaren Nachteil, denn sie sind unübersichtlich, der Facebook-Algorithmus – und damit was man zu Gesicht kriegt und was nicht – ist und bleibt ein Mysterium (und dann mal davon abgesehen, dass FB von China aus eh ein funktionierendes VPN voraussetzt).

Ich hätte damals gerne ein Forum gehabt – und auch heute noch. In Peking ändert sich alles so schnell (das einzige Konstante hier ist der ständige Wechsel, um mich mal selbst zu zitieren). Da es bis jetzt kein passendes Forum gibt, habe ich nun selbst ein ein Forum eingerichtet:

 

 

Informationen und gegenseitige Unterstützung für Deutsche in Peking 

Meine Idee ist deshalb, mit diesem Forum eine Anlaufstelle im Netz zu schaffen, die offen für alle Interessierten ist, altersunabhängig, nicht auf bestimmte Arbeitgeber beschränkt. Es soll übersichtlich und gut durchsuchbar sein. Sowohl als Peking-Neuling als auch als “Alteingesessene” soll man Informationen und Austausch finden können.

Ich merke ja schon nach dem Umzug von einem Stadtteil in den anderen, wie unterschiedlich die Infrastruktur und die Nahversorgung ist. Hier tun sich also immer neue Fragen auf.

Beim Bloggen sind es nur meine persönlichen Erfahrungen – in einem Forum lassen sich die Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven von vielen zusammentragen, mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.

Auch für China- und Peking-Reisende interessant 

Die Unterforen für Sightseeing in Peking und China sind mit Sicherheit auch für Reisende, nicht nur für in Peking Lebende, interessant. Hier werden sich mit der Zeit bestimmt viele Tipps rund um Peking und China finden, die es so nicht in den gängigen Reiseführern gibt – und wie man Peking und China auch abseits der Touristenpfade erkunden kann.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie dieses Peking-Forum angenommen werden wird!

Noch steht das Forum ganz am Anfang, gerade ein paar Stunden alt. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit mit Leben füllen: mit Mitgliedern und Beiträgen. Es ist ein Experiment, denn ein Forum lebt vom Mitmachen. Da es viel einfacher ist, ein paar Zeilen in einem Forum zu schreiben als ein eigenes Blog zu betreiben, hoffe ich, dass sich der eine oder die andere angesprochen fühlt!

Das Peking-Forum braucht vermutlich ein bisschen Anlaufzeit. In einem Jahr will ich ein vorläufiges Fazit ziehen.

Neulich wurden wir bei einem Abendessen gefragt, ob wir schon einmal auf einer Farm in China gewesen sein. Waren wir nicht. Prompt wurden wir eingeladen, uns eine Gemüsefarm anzusehen. Am Sonntagmorgen wurden wir abgeholt, und dann ging es nach Huairou im Norden Pekings.

Sengende Sonne

Farm bei Huairou

Farm bei Huairou

Es war so schon brutal heiß, über 40 Grad. Aber in den Gewächshäusern hatte es sicher über 50 Grad. Das war schon beim kurz gucken kaum auszuhalten, kaum vorstellbar bei solchen Temperaturen auch noch zu arbeiten.

Farmer Liu

Farmer Liu

Wir wurden von Bauer Liu begrüßt und herumgeführt. Auf dieser Farm baut er zusammen mit vier weiteren Arbeitern verschiedene Gemüse und Früchte an. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat Farmer Liu auch eine Hühnerfarm in der Inneren Mongolei. Hier rennen nur eine paar Hühner herum. Und eine kleine Hündin.

Auch wenn mich eigentlich die Frage interessiert, wo eigentlich unser Gemüse herkommt, bin ich zunächst vom Sonnenblumenfeld gefesselt. Flüchtig muss ich an das Spiel “Plants versus Zombies” denken, so wie die Sonnenblumen dort in Reih und Glied stehen. Die Blüten sind nach Osten ausgerichtet.

Sonnenblumen

Sonnenblumen – nach Osten ausgerichtet.

Wegen der Hitze kostet es etwas Überwindung, die Gewächshäuser zu betreten. In dem einen riecht man sofort, das hier vor allem Tomaten wachsen, im nächsten riecht es nach Paprika.

Im Gewächshaus

Im Gewächshaus

Dazwischen sind aber auch andere Pflanzen, z.B. wachsen hier auch Drachenfrüchte. Später probieren wir frisch gepflückte Drachenfrüchte, die saftig und lecker sind.

Drachenfrüchte

Drachenfrüchte

Vielfalt

Dass so viele verschiedenen Sorten angebaut werden, überrascht mich etwas, ich glaube, ich habe eher sowas wie Monokultur erwartet. Nun bin ich ja aber auch keine Agrarwissenschaftlerin.

Zwischen den Gewächshäusern wachsen Süßkartoffeln, Lauch, Bohnen. An der Pergola rankt sich eine gelbblühende Gurkensorte empor.

Farm

Bepflanzte Pergola

Am Ende fahren wir schwer bepackt wieder heim: Bohnen, Auberginen, Gurken und Tomaten, Paprika in allen Farben und auch die köstlichen roten Drachenfrüchte. Schade, dass der Bauernhof so weit weg ist, so frisches Gemüse direkt von einer Farm in China ist doch etwas ganz anderes als das aus dem Supermarkt, was ja dann auch noch immer in Unmengen von Plastik verpackt ist.

Fotos

Vor ein paar Tagen habe ich mich wie immer morgens mit meinem Kaffee an den Schreibtisch gesetzt. Irgendwann schaue ich hoch und sehe ein paar Männer gegenüber auf dem Hoteldach: die Fensterputzer sind da! Nur vom Zugucken hat sich mein Puls beschleunigt. Ans Fotografieren habe ich auch nicht gedacht, zu gefesselt war ich von dem Anblick. Erst später habe ich dann zur Kamera gegriffen.

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Der zweite Mann von rechts hat sich etwas schwerer getan als die anderen, wer weiß, vielleicht ein Berufsanfänger?

Unerwarteter Thrill am Morgen

Ich finde diese Seile und diese Art Schaukel, auf der die Arbeiter sitzen und sich dann langsam abseilen, ja nicht wirklich vertrauenerweckend. Dunkel habe ich Fernsehbeiträge im Hinterkopf: “Menschen mit besonderen Arbeitsplätzen”. Fensterputzer in Peking gehört definitiv dazu. Das Herz klopft mir weiterhin bis zum Hals, weil der zweite Mann von rechts eine gefühlte Ewigkeit braucht, bis er so sicher auf  “der Schaukel” zu sitzen scheint wie seine Kollegen. In Wahrheit waren das sicher nur ein paar Sekunden. 

Das Ganze ist wirklich hoch, das Hotel ist höher als unser Haus – und das hat 30 Stockwerke… Oh, und bei uns müssten eigentlich auch bald mal die Fensterputzer kommen… ;)

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Ein bisschen bin ich dann doch erleichtert, als auch der letzte Arbeiter richtig auf seiner “Schaukel” sitzt. Mein Kaffee ist inzwischen kalt geworden. Manchmal vermisse ich ja meinen bisherigen Pekinger “Schreibtisch-Fensterblick” mit der inzwischen leider gefällten Weide. Hier ist jetzt definitiv mehr los und zu sehen, auch wenn nicht gerade der Nervenkitzel mit Fensterputzern da ist.

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Alle heil unten angekommen

Immer wieder gucke ich im Lauf des Tages aus dem Fenster. Irgendwann kann ich die Fensterputzer nicht mehr sehen, nur ihre Seile, denn der niedrigere, vordere Teil des Hotels verdeckt den Blick. Aber am Nachmittag sehe ich sie auf dem Vordach: alle heil unten angekommen. Puh. 

Es gibt in Peking so viele Hochhäuser und bisher habe ich nur an ganz, ganz wenigen diese Fensterputzerkörbe gesehen, die mir zumindest noch eine relative Sicherheit vermitteln, auch wenn es trotzdem kein Job für mich wäre. Aber an diesen dünnen Seilen hängend – da helfen im Zweifelsfall dann auch die Helme nicht mehr viel… Absolut kein Job für Leute mit auch nur einem Hauch von Höhenangst! Ich habe richtig viel Respekt vor den Menschen, die diesen Job machen!

 

 

In den ereignisreichen letzten Wochen habe ich noch gar keine Zeit gefunden, von der Beijing International Garden Expo 2019 – der Weltgartenausstellung – zu erzählen. Unter dem Motto “Live Green, Live Better” gibt es noch bis zum 7. Oktober 2019 Beiträge von 120 Ländern und 120 NGOs zu besichtigen.

Der Ausflug wurde von der Patengruppe organisiert. Wie immer alles gut geplant und für mich angenehm: ich muss mich nicht um Route und Transport kümmern – entspannter geht es nicht. So gerne ich sonst auch alleine unterwegs bin, manchmal weiß ich solche Annehmlichkeiten doch zu schätzen.

Lange Anfahrt

Bei herrlichem Wetter und guter Luft starteten wir morgens um 9 Uhr an der Schule und waren etwa zwei Stunden später in Yanqing bei der Expo. Ein gutes Stück des Weges sieht man von der Autobahn aus immer wieder die Mauer, dort ist der Badaling-Abschnitt – wo ich tatsächlich bisher noch nicht gewesen bin, weil so viele immer davon abraten (zu touristisch!). Das sah an dem Tag aber gar nicht so aus – noch in diesen Sommerferien möchte ich dahin. 

Am Expogelände war ich schon am Busparkplatz überwältigt von der der Größe und der Weitläufigkeit – und den Bus-, Auto- und Menschenmassen, die sich aber gut verteilt haben. Zeit und Treffpunkt für die Rückfahrt wurden ausgemacht, und dann zerstreute sich die Gruppe. Schwierige Entscheidung: Wohin zuerst?

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Die vielen verschiedenen Gärten Chinas

Ich habe mir zuerst Chinesische Gärten angesehen. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel, so dass dort relativ wenig los war. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil, auch wenn sich manches ähnelt und es wiederkehrende Elemente gibt (Mondtore oder große Steine zum Beispiel). Der Garten aus einer Wüstenregion sieht natürlich anders aus als der der tropischen Insel Hainan. 

Hainan-Garten

 

Die internationalen Pavillons

Etwas später traf ich am Deutschen Pavillon eine chinesische Bekannte, mit der ich dann den Rest der Zeit zusammen unterwegs war. Den Deutschen Pavillon fand ich enttäuschend, weil er auf mich irgendwie am Thema vorbei wirkte. Direkt am Eingang erst mit einem überlebensgroßen Bild von Julia Klöckner, dann mit Kohlebergbau konfrontiert, anschließend ein paar Fotos von der Renaturierung des Todesstreifens an der Zonengrenze. In der Mitte eine angebliche Stadtoase – ein ziemlich scheußlicher (Stein-)Garten mit viel Kies. Und das, wo es in Deutschland wirklich wunderschöne Gärten gibt. Ganz witzig allerdings: eine Schrebergartenlaube. Auf der Webseite des Deutschen Pavillons liest sich das alles durchdacht und nett, vor Ort fand ich es eher enttäuschend, das wird aber dem ersten Eindruck geschuldet sein.

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Statt im überfüllten Deutschen Restaurant haben wir dann lieber leckere Shaanxi-Nudeln gegessen, bevor wir uns dann weiter von Pavillon zu Pavillon treiben ließen. Besonders angezogen – und dann auch gefallen – hat uns der Pavillon Qatars.

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Das Gebäude von einem künstlichen Baum gestützt und getragen, insgesamt eine stimmige Mischung aus Hightech und Tradition (im Inneren waren Marktstände nachgebildet) und auf dem Dach schließlich noch ein großartiger Rundumblick. Doha/Qatar ist übrigens Gastgeber der nächsten Garden Expo 2021.

Mut zur Lücke

Den chinesischen und den internationalen Pavillon habe ich weggelassen – bei beidem war mir die Schlange zu lang, damit wäre die Hälfte des Aufenthalts mit Wartezeit vertan gewesen. Das Gebäude mit den riesigen Sonnenschirm-Blumen war aber auch so ein Hingucker.

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Im Gedächtnis geblieben ist mir auch der Japanische Pavillon. Draußen Kois und ein Katzenwels Fisch mit Katzenkopf, drinnen alles sehr zurückgenommen. Auch wenn man wie ich sonst gerne üppige Blühendes und Grünendes mag, dieses reduzierte hat doch eine ganz eigene Ästhetik.

Dann war auch schon die Zeit für den Rückweg gekommen. Zum Glück gab es am Treffpunkt Restaurants, so dass wir uns Eiskaffee gönnen konnten – das war bei der Hitze tatsächlich ein unerwarteter Genuss. 

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Weitere Informationen finden sich auf der offiziellen Webseite der Weltgartenausstellung. Hier finden sich auch Informationen, wie man zur Ausstellung hinkommt. Werktags zahlt man regulär 120 RMB Eintritt.

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Wir haben gerade wieder Besuch, und so stand natürlich auch wieder ein Ausflug zur Chinesischen Mauer auf dem Programm. Da wir tatsächlich gerade mal eine Autostunde vom Mutianyu entfernt wohnen, hat es uns wieder zu diesem Mauer-Abschnitt geführt.

Mutianyu

Blick zurück

Wir hatten Glück mit dem Wetter und der Luft, trotzdem war es keineswegs zu voll. 

Der Ticketkauf könnte für Erstbesucher leicht verwirrend sein angesichts der unterschiedlichen Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die bequeme Version: mit dem Shuttle-Bus ein Stück den Berg hoch, zu den Talstationen von Sessellift und Gondelbahn. Nach unserem eher abenteuerlichen ersten Kontakt vor vier Jahren mit genau diesem Sessellift, der damals erst mal eine Weile angehalten wurde, weil sich ein Fremdkörper im Umschwenker verfangen hatte – und für den die Jungs damals einfach zu klein waren und wir echt Bammel hatten, dass sie uns rausrutschen, nehmen wir die Gondelbahn.

Die Jungs wollen bergab mit der Sommerrodelbahn fahren. So halten wir am Ende jeder drei bzw. vier Tickets in der Hand: Eintritt in die Scenic Area, Shuttle Bus, Gondelbahn, Sommerrodelbahn. (Nur das Ticket für die Scenic Area braucht man unbedingt, man kann natürlich auch alles zu Fuß machen.)

Als wir oben angekommen sind, fällt mir direkt dieser Klotz ins Auge:

Mutianyu

sponsored by…

Obwohl wir Getränke dabei haben, setzen wir uns erstmal auf die Terrasse direkt am Fuß der Mauer und genießen ein völlig überteuertes Mauerbier – aber das ist es uns wert. Wer hätte das vor 20 Jahren, als wir uns kennengelernt haben, gedacht, dass wir einmal zusammen hier sitzen werden? Ziemlich großartig jedenfalls! :)

Dann geht es endlich richtig auf die Mauer. Und das wird nie selbstverständlich für mich werden, das ist und bleibt immer wieder ein Wow-Erlebnis.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

 

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Wie man sieht, hatten wir wirklich Glück mit dem Wetter und auch der Luft.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Green Wall of China…

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Und es ist zwar gut besucht, aber keineswegs zu voll.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Später treffen wir uns unten im Tal wieder. Die Rückfahrt ist genauso entspannt wie die Hinfahrt. Gemütlich tuckern wir über die Landstraße zurück nach Hause, die Straßen sind leer, aber unsere Köpfe sind voller Eindrücke.

Es gibt ein paar Orte in Peking, die mein Herz noch immer höher schlagen lassen. Der Himmelstempel gehört auf jeden Fall dazu – und zu den Peking-Highlights, die man nicht versäumen sollte. Das runde, geradezu ikonische Gebäude (die Halle der Ernte) steht nicht nur für Peking, sondern auch für das Kaiserliche China wie nur wenige andere Sehenswürdigkeiten.

Himmelstempel – Himmelsaltar

Bei den Namen geht es schon ein bisschen durcheinander. Wenn ich vom Himmelstempel spreche, meine ich eigentlich den Himmelstempelpark, in dem sich die alten Tempelgebäude befinden. Auf Chinesisch heißt es  auf den Wegweisern nur 天坛 – Tiāntán, was meist mit “Himmelstempel/Temple of Heaven” übersetzt wird. Die Silbe “tán” bedeutet “Altar”, es heißt also eigentlich “Himmelsaltar”. Das besagte runde Gebäude ist bekannt als “Halle der Ernte”, “Halle der Ernteopfer”, auf Englisch “Hall of Prayer for the Good Harvest”. 

Genug der Wortklaubereien, wir betreten den Himmelstempel am Osttor. Von hier aus geht es immer geradeaus direkt auf die Halle der Ernte zu. Rechts von dem breiten Weg befindet sich die “Göttliche Küche”, wo für die Opferzeremonie die Opfergaben vorbereitet wurden. Wir können nur einen kurzen Blick durchs Tor hinein werfen, denn ich habe meinen Pass nicht dabei. 

The Long Corridor

Der Lange Korridor

Der Lange Korridor

Wir gehen also weiter durch den Langen Korridor. Hier sitzen wie immer viele Pekinger und spielen, lachen, reden. Heute spielen fast alle Karten. Ob das chinesische Schach aus der Mode gekommen ist?

Heute sind viele Schulklassen unterwegs, überall sitzen Kinder auf dem Boden und füllen Fragebögen aus und zeichnen.

Die Halle der Ernte

Halle der Ernte

Halle der Ernte

Wir gehen ein paar Stufen hinauf, durch ein Tor, wo die Eintrittskarten kontrolliert werden. Und dann: Wow!  Auch jetzt, beim 6. oder 7. Besuch bin ich wieder total beeindruckt: Der erste unverstellte Blick auf die Halle der Ernte. Erbaut 1420 von Kaiser Yongle, abgebrannt 1889 nach einem Blitzeinschlag und im Jahr darauf wieder errichtet. Kaiser Yongle – geboren als Zhu Di – hat Chinas Hauptstadt nach Peking verlegt und dort die Verbotene Stadt errichtet.

Die Halle ist 38 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 30 Metern. Jedes einzelne Detail an dem Bau hat seine symbolische Bedeutung, angefangen von den drei Marmorebenen, das dreifache Dach. Hineingehen kann man nicht, sondern nur einen Blick hineinwerfen: Vier große Säulen für die Jahreszeiten, 12 Säulen, die die Monate repräsentieren, weitere 12 Säulen, die für die Doppelstunden des Tages stehen. Die blauen Dachziegel symbolisieren den Himmel.

In der einen Halle an der Seite befindet sich eine Ausstellung über den Bau der Anlage mit vielen Zeichnungen, Fotos und Modellen. Ebenfalls wird hier von den Zerstörungen durch den Brand nach dem Blitzeinschlag 1889 und während des Opiumkrieges und des Boxeraufstands und vor allem dem Verfall nach 1911 – dem Untergang des Kaiserreiches – und den anschließenden Wiederaufbauarbeiten berichtet. 1998 wurde die Anlage zum Weltkulturerbe erklärt.

In der gegenüberliegenden Halle wird das Ritual des Ernteopfers Schritt für Schritt mit vielen Bildern erklärt. Manko beider Ausstellungen: Die Erklärungen sind überwiegend nur in Chinesisch, nur die Überschriften und ein paar kurze Texte sind auf Englisch. Es reicht aber trotzdem, um einen guten Überblick zu gewinnen. (Im Bild oben sind die beiden Hallen links von der Halle der Ernteopfer, zu sehen ist nur die Halle mit der Ausstellung über das Opferritual.)

The Seventy Year Old Door

70-Jahre-Tür

70-Year-Old-Door

Einer meiner Lieblingsplätze im Himmelstempel ist die 70-Year-Old-Door. Diese Tür hat Kaiser Qianlong 1781 einbauen lassen , als er älter wurde und seine Kräfte für den langen, rituellen Weg (barfuss!) und im vollen Ornat nicht mehr reichten. Er verfügte, dass nur über Siebzigjährige Kaiser durch diese Tür gehen dürften – er blieb der einzige Kaiser, der die Abkürzung nehmen konnte, keiner seiner Nachfolger erreichte das Alter.

Wir umrunden die Halle der Ernte und stellen dabei fest, dass die Sicht auf den CBD immer schlechter wird, die Türme sind nur noch als Schatten im Smog zu erkennen. Bei guten Luftwerten ist die Aussicht ziemlich cool, nicht nur auf den CBD, sondern auch auf das Riesenrad im Happy Valley.

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes

Echomauer und Imperial Vault of Heaven

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes

Wir gehen auf der langen Nord-Süd-Achse (auch die Wege im Park haben ihre Symbolik) in Richtung Echomauer, hinter der die Halle des Himmelsgewölbes steht. Die Echomauer, absolut glatt und exakt kreisförmig – ein Flüstergewölbe – können wir nicht austesten, dazu ist der Lärmpegel insgesamt viel zu hoch.

Wir werfen nur einen kurzen Blick in die Halle des Himmelsgewölbes. Auch wieder ein rundes Gebäude, wenn auch etwas kleiner als die Halle der Ernte.

Circular Mound Altar

Circular Mound Altar

Circular Mound Altar

Früher hab ich gedacht, das wäre der “Mondaltar” – ups! Denn der ist im Westen der Verbotenen Stadt im Yuetan-Park. (Das ist die perfekte Symbolik und Symmetrie hier in Peking: Himmelsaltar im Süden, Erdaltar im Norden, Mondaltar im Westen und Sonnenaltar im Osten der Verbotenen Stadt.

Immerhin, rund ist dieser Altar auch. Und hier ist die Anlage ebenfalls wieder von Symbolen durchdrungen: Der Durchmesser der Ebenen und die Zahl der verlegten Bodenplatten: alles Vielfache von Neun – die Neun symbolisiert den Kaiser.

Wenn man auf dem runden Stein in der Mitte steht, soll die eigene Stimme besonders voll klingen und gut zu hören sein. Das probiert allerdings keiner aus, auch wenn sich fast jeder kurz in die Mitte stellt: fürs Foto posieren ist wichtiger. ;)

Von hier oben kann man übrigens gut sehen, dass die einzelnen Tempelabschnitte sowohl von runden als auch von eckigen Mauern umgeben sind. Das Runde steht für den Himmel, das Eckige für die Erde.

Wir haben heute leider keine Zeit mehr, um noch durch den riesigen Park zu schlendern und spielenden, tanzenden oder musizierenden Gruppe zuzuschauen. Allerdings ist die Luft inzwischen auch wieder so mies, dass es uns mit dem draußen sein für heute sowieso reicht. Wir verlassen den Park dann durch den Südausgang. 

Tipps

Wenn man einen Tagesausflug machen möchte, würde ich Himmelstempel und Pearlmarkt kombinieren und abends dann noch ins Red Theatre zur Kungfu-Show gehen. Dazu am Südeingang des Himmelstempels starten, sich Zeit für den Himmelstempel (samt Park) nehmen. Am Ende den Ostausgang nehmen, dort über die Straßenbrücke gehen und den Pearlmarket besuchen. Essen kann man entweder im Foodcourt im Untergeschoss des Pearlmarkts oder gegenüber von der Nordseite des Pearlmarktes im “Brown Door”. (Siehe hier beim 4. Ausflugsvorschlag)

Einen großartigen Überblick über den Himmelstempelpark, bei gutem Wetter bis hin zur Verbotenen Stadt, hat man von der Dachterasse des Pearlmarktes (an den Toiletten im 5. Stock vorbei gehen, die Tür verbirgt sich manchmal hinter einem Kälte- oder Insektenschutz, ist aber offen.

Fotos

Informationen

Himmelstempel-Pin

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Hinkommen:
Mit dem Taxi zum Ost-, Nord- oder Südeingang. Oder mit der Metro: Mit der Linie 5 bis Tiantandongmen (Osteingang)

Eintritt:
Es empfiehlt sich das „Through-Ticket“ zu nehmen, Nebensaison 28 RMB, Hauptsaison 34 RMB, darin sind die Eintritte für die Halle der Ernte, den Circular Mound Altar und die Echomauer samt Himmelsgewölbe enthalten. Um die “Divine Kitchen” besichtigen zu können, muss man seinen Pass vorzeigen, Extra-Eintritt wird nicht verlangt.

Öffnungszeiten:
Der Park ist von 6-21 Uhr geöffnet, Einlass in die Gebäude von 9-16:30 Uhr.

Zum Weiterlesen: 
Geschichte und Details zum Himmelstempel, Himmelstempel, travelchinaguide.com (Englisch)

Was sind Pekings TOP 10? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt, nach vier Jahren Leben in Peking haben wir es ja schon recht gut kennengelernt – auch wenn wir immer wieder Neues entdecken und die Stadt sich laufend ändert. Da wir viel Besuch bekommen, sind wir immer wieder auch als Reiseführer aktiv. Ich versuche, einen Mix zu zeigen aus kaiserlichem und modernem Peking, ein bisschen Kultur darf nicht fehlen und auch das grüne Peking. Im Laufe der Zeit haben sich dabei fünf  “Ausflugspakete” entwickelt, die an fünf – anstrengenden – Tagen schaffbar sind. Das Programm lässt sich bei weniger Zeit straffen und kürzen oder bei mehr Zeit entzerren. Wer abends noch fit ist: Ausgehen z.B. in Sanlitun oder am Houhai, eine Varieté-Show im Laoshe-Teehaus oder eine Kung Fu-Show… Jedenfalls sind in diesen 5 Tagen Pekings TOP 10 enthalten – und ein bisschen mehr!

1. Die Große Mauer und modernes Peking/CBD

Kontrastprogramm! Der Mauerausflug kann fast den ganzen Tag in Anspruch nehmen, nachmittags/abends geht es dann in Richtung CBD. Besonders “The Place” wirkt im Dunkeln richtig toll. Tipp für das Abendessen: Haidilao HotPot im New China World. Hier helfen Roboter beim Servieren/Aufräumen, bestellt wird über Tablets (Bilder und engl. Übersetzung).

Die Mauer!

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Für mich ist und bleibt das ein, wenn nicht DAS Highlight hier. Weltkulturerbe! Eines der “neuen sieben Weltwunder”! Es ist ja nicht nur die Bedeutung der Mauer an sich, sondern zusätzlich kommt man bei Mauer-Ausflügen auch mal raus aus der Stadt. Nach wie vor fahre ich gerne nach Mutianyu (nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Abschnitt ist). Das ist (bis auf wenige steile Treppenabschnitte) auch für Fußkranke und Menschen mit Höhenangst (bedingt) geeignet, eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Obendrein kann man mit Sessellift oder Seilbahn abkürzen. Und natürlich macht es auch Riesenspass, mit der Sommerrodelbahn zurück ins Tal zu sausen.

Wer fitter ist und auch querfeldein klar kommt, der kann auf eigene Faust von zwischen Jinshanling und Simatai wandern oder von z.B. Jiankou nach Mutianyu – und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten. Wer sich auf eigene Faust nicht traut, könnte sich z.B. den Beijing Hikers anschließen.

Wer weniger Zeit hat, sollte es mit Badaling versuchen, auch wenn es wohl der touristischte Mauerabschnitt ist. Aber man kommt eben auch schneller vom Zentrum aus hin.

Modernes Peking – CBD

CBD

CBD

The Place

The Place

Kontrastprogramm dann abends:

Es geht in den den CBD –  Central Business District. Ausgangspunkt Metrostation Jintaixizhao. Hier gehen mir immer wieder die Augen über, wenn ich den Kopf in den Nacken lege und an den Hochhäusern hinaufschaue.

Natürlich, anderswo gibt es mehr und höhere Skyscraper, aber der neue Zhonguo Zun – Pekings höchstes Gebäude – und das nicht mehr ganz so neue CCTV-Headquarter „Lange Unterhose“ sind (nicht nur hier in Peking) schon besondere Hingucker.

Beides kann man auch gut von der Terrasse des Blue Frog (Guomao) oder Migas Mercado schräg gegenüber sehen – oder solange die Aussichtsplattform des Zhonguo Zun noch nicht eröffnet ist, vermutlich in diesem Frühjahr irgendwann – auf einen Drink in die Atmosphere Bar.

Von hier geht es weiter in Richtung „The Place“ mit dem „größten Fernseher der Welt“ (und später noch auf einen Drink nach Sanlitun).

2. Verbotene Stadt, Tiananmen und Qianmen Street

Das Herz von Peking.

Achtung: Pass mitnehmen! Ohne kommt man nicht durch die Sicherheitskontrollen am Tian’anmen, und man benötigt ihn für den Eintritt in die Verbotene Stadt.

Verbotene Stadt

Zugang zur Verbotenen Stadt

Irgendwas mit Licht und Tunnel – Zugang zur Verbotenen Stadt

Es geht also los mit der Verbotenen Stadt. Entweder man fährt mit der Metro bis zur Haltestelle Tian’anmen East – oder nimmt ein Taxi/Didi und fährt über die eindrucksvolle Chang’an, die große Prachtstraße, hierher. Aussteigen muss man allerdings in einer Seitenstraße: rund um den Platz ist überall absolutes Halteverbot.

Durch die Verbotenen Stadt kann man in 20 Minuten (wie jemand, den ich sehr gut kenne…) durchhetzen, andere könnten sich tagelang hier aufhalten. Ich würde mindestens zwei Stunden ansetzen und das tatsächliche Ende offen lassen. Es geht los am Haupteingang am Tian’anmen, und bei diesem Ausflug geht es hier auch wieder raus. (Alternativprogramm: Nordausgang benutzen und in den Jingshan-Park gehen und sich dort die Verbotene Stadt von oben vom Kohlehügel aus ansehen, und dann vielleicht noch weiter zum Beihai-Park mit der Weißen Pagode. Qianmen dann weglassen oder viel Zeit und Energie haben!)

 Tipp! Zur Einstimmung kurz vorher den Film Der letzte Kaiser* schauen.

Tian’anmen

Tian'anmen

Tian’anmen

Bei dieser Tour geht es aber durch den Hauptausgang auf den Tian’anmen, den Platz des Himmlischen Friedens, um den einmal in seiner ganzen Gewalt und Größe wahrzunehmen.

Auf direktem Weg ist das eine Viertelstunde, aber es muss Zeit sein, um Nationalmuseum, die Große Halle des Volkes und das Mao Mausoleum wenigstens von außen zu bewundern. Je nachdem, wie viel Zeit übrig ist, kann man auch wenigstens kurz ins Nationalmuseum reingucken, alleine das Gebäude ist ein Hingucker, von den Ausstellungen mal gar nicht erst zu reden. Wer es kurios mag: Die Ausstellung der Gastgeschenke von Staatsbesuchen hat mich sowohl schmunzeln als auch Augenbrauen hochziehen lassen. Ganz neue Einblicke tun sich auf!

Qianmen

Im Süden des Platzes kommt man dann an Torhaus und Wachturm des Qianmen-Stadttores vorbei, hier geht es dann in die Fußgängerzone Qianmen Street. Hier kann man sich eine Weile treiben lassen, dabei unbedingt auch in die Nebenstraßen gehen. Hungrig inzwischen? Dann wäre es Zeit für Pekingente im Quanjude-Stammhaus (quasi das Pekinger Hofbräuhaus…). Allerdings ist nachmittags geschlossen – dann gibt es aber Ausweichmöglichkeiten an den zahlreichen Imbissen und Restaurants auch in den Seitengassen. Je nachdem, wie viel Zeit man in der Verbotenen Stadt verbracht hat, ist noch Zeit für weiteres: in zehn Gehminuten ist man am NCPA, dem National Centre for the Performing Arts – tagsüber ist “das Ei” schon ein Hingucker, im Dunkeln beleuchtet noch mehr. 

NCPA bei Nacht

NCPA bei Nacht

 

 

3. Chinesische Küche, Lama- und Konfuziustempel, Hutongs

Kochkurs im The Hutong

Kulinarische China-Karte im "The Hutong"

Kulinarische China-Karte im “The Hutong”

Vormittags geht es los mit einem Kochkurs im “The Hutong” mitten im  Shique-Hutong. Hier kann man die Atmosphäre des alten Pekings in der Courtyard-Küche schnuppern. 

Man bekommt eine Einführung in die chinesische Küche, die sich in Wahrheit in viele Unterküchen unterteilt. Man erfährt, welches Essen in welchen Regionen typisch ist und welche Gewürze und Zutaten wichtig sind: in Peking und im Norden sind z.B. Nudeln verbreitet, scharf wird es in Sichuan…

Schließlich bereitet man drei leckere chinesische Gerichte zu und bekommt dabei auch eine Einführung in “knife skills” mit dem großen chinesische Messer und andere chinesische Kochtechniken. Die Entscheidung, für welchem Tag man sich anmeldet, fällt schwer, so abwechsungsreich ist das Programm. 

Zum Abschluss geht es ans Genießen – authentisch chinesisch und selbst gekocht!

Konfuziustempel und Kaiserliche Akademie

Konfuziustempel

Konfuziustempel

Nach dem Essen sind es nur 15 Gehminuten zum Konfuziustempel und der Kaiserlichen Akademie. Hier ist es eigentlich viel ruhiger und beschaulicher als beim Lamatempel. Allerdings wird die Ruhe gelegentlich durch große chinesische Reisegruppen und vor allem deren Guides, die mit Megaphon-Unterstützung alles Wissenswerte herausbrüllen erzählen – und ihre Schäfchen zusammentreiben. Ist die Gruppe vorbeigezogen, kann man sich wieder in Ruhe den Hallen widmen, der auch ohne Chinesischkenntnisse verständlichen Ausstellung über Konfuzius’ Leben und Werk. Oder man setzt sich unter einen der Bäume und genießt die Atmosphäre.

Lamatempel

Lamatempel

Lamatempel

Wenn man sich schließlich vom Konfuziustempel trennen kann, sind es nur 5 Minuten zum Lamatempel. Hier gibt es zwar keine Lautsprecher-geführten Reisegruppen, aber unterm Strich deutlich mehr Besucher. Das Tollste hier ist der riesige Buddha in der letzten Halle. Oder ist es die besondere Atmosphäre dieser Anlage mit ihrer abwechslungsreichen Geschichte?  Hier mischen sich Touristen und Gläubige, über allem liegt der Duft der Räucherstäbchen.

Je nachdem, wie viel Zeit man sich für die Besichtigungen nimmt, ist dann noch Zeit für einen Spaziergang durch den Wudaoying-Hutong oder für einen Besuch des Ditan-Parks, der vom Lamatempel aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite des 2. Rings liegt. 

4. Himmelstempel und Pearlmarket

Dieser Ausflug bietet Weltkulturerbe und Shopping!  Souvenirs und Mitbringsel aller Art finden sich im Pearlmarkt. Handeln ist ein Muss!

Himmelstempel

HimmelstempelAber es geht los mit dem Himmelstempel Und zwar am besten gleich morgens, damit man viel vom Pekinger Parkleben mitbekommen kann: tanzende Ayis, Tai Chi, es wird gesungen und gespielt. Dazu lohnt es sich, auch abseits der Hauptwege durch den Park zu streifen. In das ikonische runde Gebäude darf man nur hineingucken, nicht hineingehen. Aber vielleicht wird man sowieso abgelenkt und schaut lieber den Hochzeitsfotografen und den künftigen Bräuten in ihren wunderschönen roten Kleidern zu.

Empfehlung fürs Mittagessen: das Brown Door (Quan Xing Ju) gegenüber der Schmalseite des Pearlmarktes bietet leckere Pekinger und Chinesische Küche, hat eine bebilderte englische Speisekarte und obwohl hier viele Westler essen, ist es doch “richtig chinesisch” hier.

Pearlmarket

Danach geht es dann auf ins Shoppinggetümmel: im hinteren neuen Gebäude finden sich einige “knock-knock”-Läden. Einfach den anderen Ausländern folgen… Im vorderen Gebäude findet man auch alles in unterschiedlichen Qualitäten… Geheimtipp: Auf jeden Fall im vorderen Gebäude in den 5. Stock fahren, an der Toilette vorbei auf die Dachterrasse gehen. Von hier hat man sowohl Aussicht auf den CBD als auch auf Himmelstempel und – park, bei besonders guter Luft bis in Richtung Verbotener Stadt. Manche sind nach fünf Minuten durch mit dem Pearlmarkt, andere könnten Tage hier verbringen…

Tipp für das Abendprogramm: Legends of Kungfu im Red Theatre, das ca. 20 Fußminuten vom Pearlmarkt entfernt ist.

Hier habe ich u.a. schon von diesem “Ausflugspaket” berichtet.

5. 798 Art District und Sommerpalast

Diese Ausflugsziele liegen im Gegensatz zu den vorigen Vorschlägen wieder weiter auseinander. Der Sommerpalast ist einer meiner Lieblingsorte hier in Peking, ich kann da auch ganze Tage verbringen.

798 Art District

798 Art DistrictZuerst geht es also in den 798 Art District/auch: Dashanzi. Selbst wenn man eigentlich Kunstbanause ist, wird man sich dem Flair des Viertels nicht entziehen können. Es gibt kleine und größere Galerien und Werkstätten, Ramsch- und Designerläden, Imbisse und Restaurants.

Unbedingt auch auf die Gebäude mit ihrer Sägezahnoptik achten: die wurden im Bauhaus-Stil errichtet und ehemals militärisch genutzt. Für maximale Lichtausnutzung in den großen Räumen und damit es im Innern möglichst keine Schatten gibt, sind alle Fenster in den von der DDR für China gebauten Hallen nach Norden ausgerichtet.

Aktuelle Informationen finden sich auf der Webseite des Art Districts.

Sommerpalast

Sommerpalast

Und noch einmal Weltkulturerbe: Der Sommerpalast, schön am Kunming-See gelegen, am Fuß der Berge. Im Sommer bin ich gerne auf dem Wasser, das geht hier gut: entweder ein kleines Boot ausleihen oder mit der „Drachenfähre“ zur Insel übersetzen. Im Winter kann man hier auch aufs Eis.

Es ist nicht nur das alte Gemäuer, was mich hier anzieht, sondern die komplette Umgebung. Auch wenn es hier viele Touristen gibt, es verläuft sich auf dem großen Gelände und man findet doch immer wieder ruhigere Ecken. Highlights: der Wandelgang, die 17-Bogen-Brücke, die Halle mit Aussicht oben auf dem Hügel, Bootfahren auf dem See, das Marmorboot und die Suzhou Street – ach, eigentlich alles dort!

Sommerpalast: Marmorboot

Marmorboot im Sommerpalast

Abschließendes

Pekings TOP 10Mit diesen Ausflugsvorschlägen sieht man meiner Meinung nach das Wichtigste in Peking. Im Internet und in Reiseführern finden sich viele weitere TOP-Listen für Peking. In der Reihenfolge oder in einzelnen Punkten mögen sich die Ranglisten der Reiseführer unterscheiden, aber im Grunde ist man sich über die Highlights einig: Mauer, Tian’anmen, Verbotene Stadt, Hutongs, Himmelstempel, Sommerpalast, CBD, 798 Art District… Der eine mag sagen: da fehlt was (z.B. Duftberge, Sanlitun oder Vogelnest und Wasserwürfel/Olympiagelände), andere könnten vielleicht auf den 798 Art District verzichten. Aber egal, was man sich davon raussucht: man lernt viele wichtige Facetten Pekings kennen.

Meinen Besuchern empfehle ich jedenfalls immer, schon vorher in Reiseführern zu stöbern (und natürlich auch in meinem Blog!) – den einen oder anderen hat dann durchaus auch schon ein Ziel jenseits der TOP 10 gelockt, z.B. die Glasbodenplattform in Shilinxia

Neben den in Deutschland guten und gängigen Reiseführern (Lonely Planet*, Baedeker*, Dumont*…) kann ich den – englischsprachigen – Rough Guide To Beijing* empfehlen.  Die helfen nicht nur bei der Auswahl, was man selbst denn wirklich gerne sehen möchte, sondern liefern auch Hintergründe, Zahlen, Daten, Fakten, die hier fehlen. Aber Achtung: in China dreht sich die Welt noch schneller als andernorts, was letztes Jahr noch galt, ist heute schon Geschichte. Hintergrundinformationen zu historischen Stätten sind natürlich zeitlos.

Wie lange braucht man für Peking?

Ich lebe jetzt vier Jahre hier und bin “noch nicht fertig”… ;)
Zwei Tage finde ich wirklich knapp, aber im Rahmen einer Rundreise ist das halt meist so. Fünf Tage wären besser und immer noch sehr ausgefüllt – man kann schon viel Zeit hier verbringen, ohne sich zu langweilen und immer wieder Neues zu entdecken.

Meine persönlichen Sightseeing-Lieblingsziele

Ganz oben steht natürlich die Mauer – geht nicht so oft, wie ich gern möchte, ist eben etwas außerhalb.

Beim x. Besuch des Lamatempels habe ich mich auch schon mal gedrückt, obwohl der wirklich schön ist und bei einem Pekingbesuch nicht fehlen sollte.

Zum Sommerpalast komme ich immer mit, auch wenn es dahin etwas weiter ist.

Leichter in den Alltag einbauen lässt sich da ein anderer meiner Lieblingsorte: der Beihai-Park – ein Boot mieten und eine Auszeit mit tollem Blick mitten in der Stadt genießen.

Ich mag auch den CBD und Sanlitun; ich mag die Duftberge, im Frühling liebe ich den Botanischen Garten, ich lasse mich gerne durch Hutongs treiben – eigentlich gibt es immer etwas. Auch eigentlich “untouristische” Ziele wie Sanyuanli- oder andere Lebensmittelmärkte oder Stoffmarkt haben manchmal ihren Reiz.

Letztendlich liegt es aber auch oft an Stimmung, Wetter, Luft und Begleitung, wo es gerade am Tollsten ist.

Kennst Du Peking schon? Was ist Dein Lieblingsort? Du möchtest erst noch nach Peking reisen? Was reizt Dich am meisten?

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Wasserdorf Gubeikou

Am letzten Tag der chinesischen Neujahrsferien fahren wir – meine drei “kleinen” Jungs und ich – nach Gubeikou zum Wasserdorf. Im letzten Sommer bin ich dort schon einmal mit der Fotogruppe gewesen: Ein Sommertag im Wasserdorf Gubeikou. Jetzt also Kontrastprogramm: statt Sonne und Hitze ist es bitterkalt und dunstig, und es schneit immer wieder ein paar Flöckchen.

Von uns zuhause in Shunyi fährt man gut 1,5 Stunden, wenn man aus der inneren Stadt kommt, werden es etwa dreißig Minuten mehr sein. Nach nur wenigen Kilometern sind wir schon raus aus der Stadt und können Berge gucken – für uns Hamburger ja doch immer was Besonderes.

In Gubeikou angekommen, kaufen wir Tickets. Diesmal nehme ich die Kombitickets für 280 RMB/Person: Eintritt für das Wasserdorf, die Mauer – Simatai Scenic Area -und Seilbahn rauf und runter.

Es ist noch relativ leer, einige Läden öffnen gerade erst, als wir nach der Sicherheitskontrolle endlich im eigentlich Dorf ankommen. Der Bootsverleih ist geschlossen: ist ja alles zugefroren. Stattdessen gibt es Schlittschuhe (mit Rollator-ähnlichen Gehhilfen), Bumper und sonstiges Spielzeug für auf dem Eis auszuleihen.

Auch wenn es nur ein nachgebautes Wuzhen ist, es ist halt schon nett anzusehen. Und die Kulisse mit den steilen Bergen, auf deren Grat sich die die Mauer entlang hangelt ist auch an diesem eher trüben Tag wirklich schön.

Keine Cash-Zahlung!

Wir lassen uns kreuz und quer treiben. Der Mittlere stellt irgendwann fest, dass man überall nur mit WeChat bezahlen kann – und bei ihm ließ sich die Zahlungsfunktion nicht aktivieren (neu verbinden scheint wohl im Moment nur mit chinesischem Konto zu gehen?). Ich bin ja versorgt, aber wenn sich Touristen ohne WeChat mal hierhin verlaufen? 

Wir essen in einem kleinen Restaurant, in dem man ohne WeChat nicht einmal bestellen kann. Zuerst den QR-Code scannen, anmelden, auswählen, bestätigen, zahlen. Serviert wird aber von echten Menschen. ;)

Der Mauerabschnitt Simatai

So groß ist das Wasserdorf nicht, wir verfransen uns trotzdem und nehmen dann doch den Shuttlebus zur Seilbahn. Das war echt überflüssig, die paar Schritte hätten wir auch laufen können – es war halt nur nicht gut ausgeschildert. Bevor wir weiter zur Seilbahn gehen können, müssen die beiden Kurzen erst mit einer Gruppe chinesischer Damen posieren, auch der große Bruder kommt am Ende nicht drumherum. Am Ende lachen alle, auch die beiden Lütten, die gelegentlich schon von der Knipserei genervt sind. 

Der Wikipedia-Artikel zu Simatai ist schon etwas in die Jahre gekommen, der Abschnitt zur Historie (wichtiger Pass…) ist natürlich weiterhin zutreffend, aber die Gondeln der Seilbahn sind geschlossen, Mini Train ist außer Betrieb.

Seilbahn

Bei der Seilbahn ist nichts los, die meisten Gondeln sind leer. Die Fahrt soll sieben Minuten dauern (der Aufstieg zu Fuß soll etwa eine Dreiviertelstunde steil bergauf gehen). Seilbahnen begeistern mich ja immer wieder sehr (trotz oder wegen des leicht flauen Gefühls?), und auch hier genieße ich die Aussicht. Natürlich fällt mir ein, wann ich das letzte Mal mit dem Mittleren Seilbahn gefahren bin: vor anderthalb Jahren in Dali – das ist dort die längste chinesische Seilbahn überhaupt und auch die Aussicht dort ist deutlich spektakulärer (für einen Tagsausflug von Peking aus nur viel zu weit weg…). Aber hey: es ist eine Seilbahn und die Aussicht hier hat auch etwas!

Von der Seilbahnstation zur Mauer führt ein schmaler Weg, an manchen Stellen so schmal, dass Schilder darauf hinweisen, dort nicht stehen zu bleiben. Andere Schilder warnen vor Steinschlag. So kurz nach dem tödlichen Steinschlag in Longqingxia flösst mir das schon Respekt ein. (In der Longqing-Schlucht findet das Pekinger Schnee- und Eislaternenfest stat; dort wollten wir eigentlich ursprünglich hin, aber aufgrund des Unfalls ist dort geschlossen). Als wir dann auf der Mauer stehen, kribbelt es wieder: Wahnsinn, wir sind tatsächlich in China und krabbeln auf der Großen Mauer rum!

Oben auf der Mauer pfeift der Wind, wir sind allmählich richtig durchgefroren, also gehen wir zur Seilbahn zurück und fahren wieder hinunter. Als wir wieder im Dorf sind, ist dort einiges mehr los als am Vormittag. Wir nehmen an, dass es überwiegend nicht Tagestouristen wie wir sind, sondern Gäste der Hotels, die es im und ums Wasserdorf herum gibt. Auf dem Weg zum Ausgang treffen wir noch auf eine Parade mit Stelzenläufern, Trommlern und Drachentänzern. Vorher hatten wir die schon von weitem auf der Bühne auf dem “Sun-and-Moon-Place” gesehen. Da war auch im Sommer schon Action, jetzt ist da eine kleine Temple Fair aufgebaut.

Alles nicht echt…

Ziemlich durchgefroren landen wir schließlich im Auto. Es ist zwar deutlich mehr Verkehr als am Morgen, aber immerhin: es rollt. Als der Mittlere und ich uns darüber unterhalten, dass dies nachgebaute Wasserdorf ja schon ein bisschen “Disney” ist, wird der Lütte hellhörig: “Yeah! Disneyland!” Upsi! Ich schätze, wir fahren dann irgendwann mal nach Shanghai – aber nur wenn ich mir dann auch das echte Wuzhen ansehen darf. ;) 

Miào huì – Temple Fair

Anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes finden im ganzen Land Temple Fairs statt (Tempel-Jahrmarkt geht mir irgendwie nicht so gut über die Zunge).  Im Pekinger Ditan-Park, dem Tempel der Erde mit dem Erdalter, findet die größte Veranstaltung von allen statt. Jedes Jahr gibt es weit über eine Million Besucher allein hier. Kein Wunder, denn außer dem Zusammenkommen der Familie, dem Essen, dem Feuerwerk gehört der Besuch einer Tempelmesse zum Wichtigsten am chinesischen Neujahr. Mehr zur Geschichte der Temple Fairs findet sich hier (auf Englisch).

Ich vermeide Menschenmassen meist, wo ich nur kann, aber dieses Jahr hat mich der gerade zu Besuch weilende mittlere Sprößling genötigt, mit ihm zusammen zum Ditan-Park zu fahren. Dass es voll werden wird, haben wir spätestens kurz vor dem Lamatempel gemerkt und steigen schon eine Kreuzung vorher aus unserem Didi aus.

Einmal das folgende Foto angucken, bitte:
Die obere Straße ist der Zweite Ring, da sieht man, dass in Gegenrichtung nichts los ist (wir haben von uns aus auch gerade mal eine halbe Stunde bis hierhin gebraucht, das dauert normalerweise mindestens 20 Minuten länger). Unten rechts auf der Andingmen East Street staut es sich. Einen Parkplatz werden all diese Leute auf keine Fall in der Nähe finden… Ja, eigentlich ist das wirklich ein typisches Bild für die Neujahrsferienzeit in Peking: Straßen ziemlich leer, aber vor Sehenswürdigkeiten ist es hoffnungslos überfüllt.

Andrang - Stau bei der Parkplatzsuche

Ich seh’ rot

Es war tatsächlich sehr voll, aber wirklich unangenehm nur an den Kassenhäuschen vor dem Park, vor den beliebtesten Buden und direkt vor den Bühnen. Für jeweils 10 RMB Eintritt können wir uns ins Getümmel stürzen.

Wo man auch hinsieht, rot dominiert: die Buden, die Bäume, die Bühnen, es ist alles rot dekoriert und wirklich viele Leute tragen rote Kleidung. Sobald wir die Sicherheitskontrolle und den Eingangsbereich hinter uns gelassen haben, verteilt es sich etwas mehr. Der kleine Große meinte zu mir, das sei jetzt so, wie man sich in Deutschland aufgrund der Medienberichterstattung China immer vorstellt – dabei ist dieses krass Überfüllte auch hier die Ausnahme. Aber Alltag ist halt weniger berichtenswert als die eindrucksvolle Völkerwanderung zum chinesischen Neujahrsfest.

Essen, Schnickschnack, Fotos machen

Wir folgen den Massen. Zuerst geht es an einer Reihe eigens aufgestellter Dixis vorbei. Zum Glück ist es so kalt, dass sich der Mief in Grenzen hält. Unter roten Lampions spazieren wir auf einen ersten Platz zu, wo eine Bühne aufgebaut ist, der Auftritt ist aber leider gerade vorbei. Angesichts der beißenden Kälte bleiben wir nicht stehen und warten auf den nächsten. Wir kommen zu einem weiteren Platz.

Massen vor künstlichen Kirschblüten

Der kleine Große bricht vor Lachen fast zusammen, als er merkt, dass es künstliche Kirschblüten sind. Und ich merke, dass ich schon so lange hier bin, dass ich das eigentlich total normal finde. Natürlich machen ALLE Fotos. Irgendwo habe ich gelesen (Quelle finde ich leider gerade nicht wieder), dass die Deko des Parks extra für schöne Foto-Hintergründe designt wurde…

Der kleine Hügel hinter dem Kräutergarten, wo im Alltag der Chor singt, ist komplett abgesperrt.

Buden gibt es nicht überall, sondern nur an manchen der breiteren Hauptwege: es gibt Süßes und Salziges, Dinge, die wir auch lecker finden würden und solche, die immerhin interessant anzugucken sind… Es gibt Dekoschnickschnack, von billigem Plastikkitsch bis handwerklich Schönem.

Mein Tierkreiszeichen - der Affe

Mein Tierkreiszeichen – der Affe

Auf einem weiteren Platz sind 24 Säulen aufgebaut für die jeweils zweiwöchigen Jahreszeiten des chinesischen Bauernkalenders. Auf einer Bühne stehen zwei Männer und erzählen Witze: Xiangsheng (“Komischer Dialog”).  Leider ist unser Chinesisch nicht annähernd gut genug, um die Wortspiele zu verstehen, mit Glück bekommen wir das Thema mit.

Inzwischen ist uns beiden so kalt geworden, dass wir in Richtung Ausgang schlendern. Dabei kommen wir an großen bunten Tierkreiszeichenfiguren vorbei – und natürlich an Schweinen. Schließlich feiern wir den Beginn des Jahr des Schweines! Je näher wir dem Ausgang kommen, umso voller wird es wieder.

Unser Fazit

Wir hatten jetzt keine konkrete Erwartung von einer Tempelmesse. Ich weiß nicht, ob man diese mit deutschen Jahrmärkten/Volksfesten vergleichen könnte oder sollte – da würden vor allem Fahrgeschäfte fehlten, und es gäbe noch deutlich mehr an Attraktionen, um annähernd solche Menschenmengen anziehen zu können. Wir hatten allerdings auch kein Programm, wann die Auftritte und Paraden sind, und uns war einfach zu kalt, um noch länger zu bleiben.
Aber das ist halt auch China, dass allein der schön geschmückte Park Leute anzieht – und natürlich die für uns fremde, jahrhundertealte Tradition der Tempelmessen. Mir hat es jedenefalls gefallen, und ich werde mal gucken, ob ich es am Wochenende noch eine andere Temple Fair besuchen kann.

Fotos

 

Vorher

Nachmittags, 20. Januar:
Seit ich nicht mehr in Hamburg lebe, war ich bei keinem einzigen Rockkonzert mehr. Heute ist es soweit, Slash, Myles Kennedy + The Conspirators treten bei ihrer “Living the Dream”-Tour auch in Peking auf. Anders als bei Metallica vor zwei Jahren hat es geklappt, ich habe eine Karte bekommen! Autsch, Konzerte sind in Deutschland schon lange nicht mehr billig, aber hier wird es richtig teuer. Aber für ein so seltenes Vergnügen darf das mal sein.

Myles Kennedy und seine Band Alter Bridge gehören schon ewig zu meinen Favoriten, und ich freu mich sehr, ihn zum ersten Mal live zu sehen, wenn auch ohne Alter Bridge. Slash finde ich cool, nehme ich da gerne mit! 

Eben habe ich nachgesehen, wo ich heute Abend hin muss: Beijing Exhibition Center Theatre, in Xicheng nahe beim Zoo gelegen. Ich hab mich auf der Website des Theaters umgesehen – oha, Rockkonzert in sehr gepflegtem Rahmen… Ich bin echt gespannt!

Nachher

Vormittags, 21. Januar:
Schade, schon vorbei! Schön war’s! Manches war anders, vieles vertraut.

Beijing Exhibtion Centre Theatre

Beijing Exhibtion Centre Theatre

Der Veranstaltungsort, das Beijing Exhibition Centre ist ein sino-sowjetischer Prachtbau aus den 50ern. Schon von weitem sieht man den Turm mit dem roten Stern. Der Theaterbau ist rund, 1000 Besucher finden hier Platz. Es bleiben auch nur vereinzelt Plätze frei. Um viertel nach Sieben kommt die erste obligatorische Durchsage: Professionelle Kameras müssen in den Taschen bleiben. Thank you for your cooperation (das hört man hier immer und überall). Ich bin gespannt, was das gibt, die meisten haben ihre Jacken noch an, man unterhält sich oder ist mit dem Handy beschäftigt. Kurz vor halb kommt noch mal ein größerer Schwung Menschen dazu. Um Punkt halb geht das Licht aus – und alle springen auf und jubeln und es geht los.

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Peking

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Peking

Den Applaus nach den Songs empfinde ich als recht verhalten und auch sonst geht die Crowd (bis auf wenige Ausnahmen Chinesen) erst nicht so mit, wie ich das gewohnt bin. Doch sobald Myles Kennedy auffordert: “Jump!” oder “I wanna see your hands!” – dann geht es los, und es ist wohl wie überall sonst auf der Welt. Besonders viel Beifall brandet auf, wenn Kennedy “Xièxiè!” – Danke – sagt.

Irritierend ist allerdings, wenn mitten in der hüpfenden, singenden, klatschenden Menge Frauen sitzen und sich auf WeChat Katzenvideos angucken. Huch?

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Beijing

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Beijing

Die Soli von Slash sind sensationell, Kennedys Stimme und seine Vocalrange (4 Oktaven!) beeindruckt live noch mehr als aus der Konserve.  Todd Kerns (Bass), Frank Sidoris (Rhythmusgitarre) und Brent Fitz (Drums) machen das ganze Paket rund.  Nach zwei Zugaben ist der Abend nach 1 Stunde und 45 Minuten vorbei – ich hab jede einzelne davon genossen. :)

Die Living-the-Dream-Tour geht jetzt weiter über Shanghai nach Neuseeland und Australien, aber auch Europa und Deutschland sind noch dran. Offenbach im Februar ist bereits ausverkauft, für Hamburg (Sporthalle) am 3. März und Berlin am 4. März gibt es noch ein paar Karten. Klare Empfehlung von mir! :)