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Skywalk in China

Flying Saucer in the Shilinxia Scenic Area

Überraschung: Plattform geschlossen

Das Wetter ist hier aktuell perfekt, getoppt von objektiv guter Luft, da war klar: raus aus der Stadt, irgendwo rauf und Aussicht genießen. Mit meinem Besuch und meiner Freundin bin ich gestern zum Flying Saucer in der Shilinxia Scenic Area im Pingu District gefahren, eineinhalb Stunden von uns entfernt. Vorher hab ich noch im Internet geguckt: keine Berichte über Schließungen oder ähnliches. Und trotzdem war die Glasbodenplattform gesperrt. Kann halt passieren in China, vor allem, wenn man auf nur auf Webseiten guckt, weil das eigene Chinesisch für Weibo und Co. zu schlecht ist.

Glasbodenplattform

Flying Saucer

Für mich selbst nicht so wild, ich war ja schon dreimal da, aber schade für meinen Besuch und auch für meine Freundin, die aber nicht so böse darüber war, dass ihr diese Mutprobe erspart geblieben ist. Die Damen am Schalter wussten nichts oder wollten nichts erzählen, andere Spaziergänger erzählten, dass es vielleicht mit dem China-Afrika-Gipfel zusammenhängen könnte und in zwei Tagen wieder geöffnet sei. War für uns dann ja auch egal, wir wollten trotzdem nach oben, auch wenn der Thrill dann halt ausfallen musste.

Viechereien

Unterwegs nach oben haben wir ziemlich viele interessante kleine und nicht ganz so kleine Viecher gesehen.

Änderungen und Wetterschäden

Vor über einem Jahr war ich zuletzt da und es gibt einige wenige Änderungen: Im ganzen Gebiet gilt ein absolutes Rauchverbot, Feuerzeuge werden an der neuen Sicherheitskontrolle am Eingang eingesammelt. Es gibt – allerdings nur im unteren Bereich – viel mehr Bänke und Picknickplätze. Die Toilettenhäuschen wurden modernisiert.

Die lange Treppe in Richtung Wasserfall hat einen Steinschlag-Schutz bekommen und ist dadurch nur noch halb so breit. Die künstlichen Pflanzen gibt es aber immer noch. ;)

Zwei Abschnitte im Gebiet sind aktuell gesperrt, sieht für mich nach Wetterschäden aus.

Seilbahn und Ruhe

Ich mag Seilbahnen. Ich erinnere mich, dass ich bei den letzten Besuchen nicht nur die Aussicht, sondern auch besonders die relative Ruhe beim Seilbahnfahren genossen habe. Diesmal war es grundsätzlich viel ruhiger, weil viel weniger Leute unterwegs waren als damals.

Eine der beiden Seilbahnen

Eine der beiden Seilbahnen

Trotz der Sperrung der Plattform hat sich der Ausflug mehr als gelohnt, das tat richtig gut, raus aus der Stadt zu kommen. Und die Aussicht ist auch ohne Plattform wirklich toll. Ich denke, ich war sicher nicht zum letzten Mal in Shilinxia.

Fotos

Noch mehr Bilder und Berichte gibt es von zwei früheren Ausflügen hierhin: Mai 2016, Juni 2016.

Informationen

Hinkommen

Von Shunyi sind es mit dem Auto ca. 1,5 Stunden, aus der inneren Stadt 20-30 Minuten mehr.

Van mit Fahrer

ca. 1000 RMB – je nach Verhandlungsgeschick…

Bus – ohne Gewähr

Dongzhimen Transport Hub (东直门交通枢纽) – Pinggu Bus Terminal  (平谷汽车站)
Bus No.852

Erster Bus: 6:30; Letzter Bus: 19:30
Fahrzeit: 2 Stunden( 19 Stopps)
Ticket: 16 RMB

Pinggu Bus Terminal  (平谷汽车站)- Pinggu Shilixia Scenic Area ( Glass Sightseeing Platform) 石林峡
Bus No.25

Erster Bus: 6:30; Letzter Bus: 19:30
Fahrzeit: 30 Minuten ( 11 Stopps )
Ticket: 6 RMB

Eintritte

Den Eintritt für das Gebiet zahlt man am Schalter unten im Tal, den für die Seilbahnen und den Flying Saucer jeweils direkt vor Ort.

78 RMB Scenic Area
50 RMB one way für die kurze Seilbahn
100 RMB one way für die lange Seilbahn
40 RMB für den Flying Saucer

Empfehlung für Rundweg

Nach der Sicherheitskontrolle geradeaus in das Gebiet hinein. An der ersten – langen – Seilbahn vorbei (rechts liegen lassen) und immer am Wasserlauf entlang gehen. Es geht nur minimal bergauf, ab und zu ein paar Stufen oder Brücken, mal ist man links, mal rechts des Bachs, weiter durch eine Schlucht, eine lange Holztreppe hinauf, am Wasserfall wieder auf die andere Seite des Bachs bis zur kurzen Seilbahn. Damit nach oben fahren und man ist fast beim Flying Saucer. Runter dann auf der anderen Seite, eine lange “chinesische” Treppe mit viele unterschiedlichen Abschnitten: Stahltreppe, Holztreppe, in den Fels hinein gehauen. Unterschiedlich hohe Stufen, und es geht rechts und links steil bergab. Zur Erholung dann mit der “langen” Seilbahn ins Tal zurück.

Wasser und Sonnenschutz nicht vergessen

Unten im Tal gibt es Getränkeverkauf und Restaurants – aber gerade in den Sommermonaten braucht man unterwegs viel Wasser, also genug mitschleppen! Auch an Sonnenschutz denken!

Der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die morgen nach Europa zurückkehren wird, führte uns an den westlichen Stadtrand zum Eunuchen-Museum. Auf die Idee hat uns Ulrikes Beschreibung in ihrem Bambooblog gebracht. Es gibt zwar Schilder, auch die Adresse stimmte perfekt, aber wir waren zunächst doch verunsichert, ob wir richtig sind, denn wir befanden uns in einem engen Hutong am Rand einer Baustelle.

Oh! Die Baustelle war das Eunuchen-Museum bzw. das Grab von Tian Yi, einem bekanntem Eunuchen, der drei Kaisern der Ming-Dynastie gedient hat. Als er starb, wurde er würdevoll beerdigt, viel später kam dann das Eunuchen-Museum dazu.  Aber – immer noch alles Baustelle (davon hatte Ulrike schon 2015 geschrieben), und es kam auch sofort ein Mann auf uns zu, der uns wegscheuchen wollte. Ich habe ihn dann gefragt, ob wir vielleicht vorsichtig einen Blick hineinwerfen dürfen, und dass es so schade sei, weil es doch die letzte Gelegenheit für meine Freundin ist. Und dann lächelte er und wir bekamen eine kleine Führung! Ich hab bei weitem nicht alles verstanden, was er erklärt hat, aber er hat immer wieder auf die detaillreichen Steinmetzarbeiten hingewiesen!

Wer sich für das Eunuchenmuseum interessiert, muss sich noch gedulden: Míngnián 明年 – Nächstes Jahr! Da soll es wiedereröffnet werden.
Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintrittspreis war früher 8 RMB, könnte nach der Neueröffnung vielleicht etwas mehr sein.

 

Fahai-Tempel

Nun hatten wir doch noch Zeit, also konnten wir einer weiteren von Ulrikes Empfehlungen folgen und spazierten weiter zum Fahai-Tempel, nur eine Viertelstunde vom Eunuchen-Museum aus durch den Hutong und den Berg hinauf. Als wir uns an einer Ecke suchend umschauten, rief uns ein junger Mann zu: “Fahai si?” und deutete auf den Weg bergauf. Kurz darauf fanden wir auch Wegweiser, und kurz darauf den Tempel, den man eigentlich nicht verfehlen kann.

Am Ticketschalter bedeutete uns der Verkäufer, dass wir uns beeilen sollten, denn in drei Minuten würde die Führung beginnen!  Der Eintrittspreis von 100 RMB ist für chinesische Verhältnisse recht hoch, soll aber dazu beitragen, dass nicht zu viele Menschen die Halle mit den wertvollen Wandmalereien stürmen. Also kletterten wir zügig die Treppen hinauf und standen vor einer großen Halle, wo außer uns nur zwei Chinesen auf die Führung warteten. Wir hatten Glück, denn die Führerin konnte das Wichtigste auf Englisch erklären, überwiegend war die einstündige Führung aber auf Chinesisch.

Absolutes Fotografierverbot! Handys weg! (Oha, und das in China… ;) ) Im Vorraum aufgereiht lagen 20 Taschenlampen nebeneinander aufgereiht auf dem Fußboden. Jeder bekam eine, dann ging es durch einen Vorhang und wir standen im Stockfinsteren. So eine Tempelhalle nur mit einer Taschenlampe zu erkunden, ist ja auch mal spannend! Die Führerin hatte gerade mit ihrer Einleitung begonnen, als sie angefunkt wurde: da kommt noch eine kleine Gruppe dazu. Das gab uns die Gelegenheit, die eigentümliche Atmosphäre des dunklen Tempels zu genießen.

Besichtigung im Dunkeln

Warum dunkel, warum nur diese funzeligen Taschenlampen? Ein Großteil der Tempelanlage wurde während der Kulturrevolution zerstört, aber diese Halle ist erhalten geblieben und mit ihr die Wandmalereien. 500 Jahre alt! Um diese zu schützen, wird das Sonnenlicht ausgesperrt und gibt es keine festinstallierte Beleuchtung. Irgendwann sollten wir alle unsere Taschenlampen ausknipsen und die Führerin hockte sich hin und beleuchtete die Wandmalereien von unten. Da konnte man dann gut sehen, dass eine Art Relieftechnik angewendet wurde. Wenn man so frontal drauf schaute, hatte man das gar nicht wahrgenommen. Die Bilder – siehe unten – habe ich natürlich nicht in der dunklen Halle aufgenommen, sondern in einer anderen Halle, wo Kopien in Originalgröße ausgestellt wurden. Bemerkenswert sind auch die Deckenmalereien, die Mandalas zeigen.

Die Tempelanlage selbst ist ruhig und friedlich, schmiegt sich an einen Berghang.  Von weiter oben hat man einen tollen Blick und sieht die unzähligen Baustellen im Westen der Stadt. Überall verteilt stehen Feuerlöscher, Sand und Schaufeln, ungewöhnlich viele sind es – ein Teil des Tempels ist Ende des 20. Jahrhunderts durch ein Feuer zerstört worden, damit erklärt sich das. Auch zwei uralte Pinien – angeblich über 1000 Jahre – mit weißer Rinde sind bemerkenswert. Alles in allem eine wirklich schöne Anlage, der weite Weg dorthin hat sich gelohnt!

 

Wir haben Besuch, und natürlich steht dann ein Mauer-Ausflug an. Nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Mauerabschnitt ist, sondern auch weil weniger überlaufen als Badaling, ging es heute wieder nach Mutianyu. Und es war super, kaum Verkehr (!), schönes Wetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt und gute Luft (!).

Mit der guten Luft gab es gute Sicht, und das war dann auch wirklich eine Überraschung für mich, von der Mauer aus, die Lange Unterhose (CCTV Headquarter) und Co. sehen zu können!

Mein Lieblingsablauf: mit der Gondelbahn hochfahren, überwiegend bergab auf der Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Und noch einmal Glück heute: auch da war wenig los, so dass es auch mal anders als im Schneckentempo runter ging…

Bei dem einen oder anderen Tempel denk ich ja inzwischen “schon wieder?” –  aber zur Mauer könnte ich immer wieder!

 

 

 

 

 

Ich bin in den letzten Jahren beim Stöbern, was ich mir in Peking wohl noch anschauen könnte, immer wieder über den Fünf-Pagoden-Tempel gestolpert. Heute war es dann endlich soweit: ich habe für die Fotogruppe vor Ort nachgeschaut, ob der Tempel derzeit geöffnet ist (meine vergeblichen Versuche, mich mit Prinz Gong zu treffen haben ihre Spuren hinterlassen). Auch Bauarbeiten, Verpackungensaktionen usw. wären für einen Fotogruppen-Ausflug hinderlich.

Wuta Si? Zhengjue Tempel?

Man findet den Ort heute unter verschiedenen Namen, was sich durch die Geschichte erklärt: Der Zhengjue Tempel (“Temple of the Great Righteous Awakening”) war ein buddhistischer Tempel aus der Ming-Dynastie, 1473 erbaut. Zerstört wurde er 1860 während des Zweiten Opium-Krieges und 1900 während des Boxer-Aufstands. Übrig blieb nur die steinerne Pagode in der Mitte: Die Diamantthronpagode.

Wuta Si bedeutet übersetzt: Fünf Pagoden Tempel.

Heute befindet sich rund um die Diamantthronpagode Pekings Steinmetzmuseum: Beijing Stone Carvings Art Museum.

Leicht zu finden

Ich bin bequem mit einem Didi zum Tempel gefahren. Das vorletzte Stück geht es erst durch einen Hutong, indem gerade gebaut wird, und ich habe schon gefürchtet, dass das auch den Tempel betrifft. Das letzte Stück geht es aber dann aber idyllisch unter Weiden am Nanchang River entlang. An einer Fußgängerbrücke steige ich aus. Auf der anderen Seite ist der Nordeingang des Zoos, auf meiner Seite ist der Museumseingang. Auch hier denke ich wieder, oh nein, Bauarbeiten – aber es sind zum Glück nur Baumpflegearbeiten. Das wird bis zum Fotogruppenausflug abgeschlossen sein.

Ich zahle, passiere den Sicherheitscheck und steuere dann direkt auf die Diamantthronpagode zu.

 

Wow! Ja, es ist halt doch ein Unterschied, ob man so etwas auf Bildern oder tatsächlich sieht!

In der Pagode selbst ist Fotografieren verboten, bis auf zwei Buddhas gibt es auch nur Infotafeln und wenig vom Gebäude selbst zu sehen. Die Türme kann man nicht erklimmen. Ich spaziere über das Gelände, blicke in die Ausstellungshallen – ja, hier gibt es mehr als genug tolle Motive für die Fotogruppe. Die Bedingungen heute sind perfekt, ich habe gerade richtig Glück mit dem Wetter: blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, gute Luft und gute Sicht.

Ich freue mich jedenfalls, nächsten Monat wieder hierherzukommen, dann auch mit Weitwinkel- und Teleobjektiv im Rucksack.

Fotos

Info

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Wuta Si

Der Fünf-Pagoden-Tempel in Peking (Pin)

 

Das verflixte Corona-Jahr neigt sich so langsam dem Ende zu. Zeit für einen Rückblick auf 2020, mit dem ich auch an der Fotoparade von Michael vom Blog Erkunde die Welt teilnehme. Die Bilder sind nicht unbedingt nach “Schönheit” ausgewählt, sondern eher um das Jahr zu illustrieren.

Januar

Anfang Januar war unsere Welt noch in Ordnung. Ein paar Freunde (und noch mehr Ausländer) sind die kurze Zeit zwischen Weihnachts- und Chinesischen Neujahrsferien gar nicht zurückgekommen, lohnte sich ja nicht für die gerade mal drei Wochen. Entsprechend ruhig war es Anfang des Jahres auch noch bei uns. Dass die drei Wochen im Januar die einzigen drei Präsenzschulwochen im zweiten Halbjahr 19/20 sein würden, war nicht abzusehen. Auch wenn es erste Meldungen über die “mysteriöse Lungenkrankheit” in China schon Ende Dezember 2019 gab, war das für uns noch kein Thema.

Eisiger Winter mit viel Schnee

Winter in Peking sind zwar eiskalt, aber trocken. Als es dann am 6. Januar richtig viel geschneit hat, habe ich alles stehen und liegen lassen und bin zum Jingshan-Park gefahren. Auf dem Rückweg habe ich dann noch einen Halt an “der Ecke” gemacht – von diesem Wachturm der Verbotenen Stadt gibt es sicher Tausende Bilder, aber nicht ganz so viele mit Schnee und Eis, auch wenn es in diesem Jahr anders war und später noch ein paar Mal geschneit hat.

Wachturm Verbotene Stadt – #kalt

Zwei Wochen später sah es dann schon ganz anders aus. Es kamen die ersten “Landsleutemails” aus der Botschaft, die Schule riet unter anderem dazu dazu, an Bahnhöfen und Flughäfen Feinstaubmasken zu tragen.  Das hat mich dann schon das erste Mal verunsichert, gleichzeitig fühlte es sich surreal an. Wir haben Besuch von unserem Mittleren und seiner Freundin erwartet, die zunächst uns besuchen wollten, um dann weiter nach Sichuan zu fliegen und dort zu wandern. Der Gedanke, die Reise abzusagen, war kurz da, aber zu dem Zeitpunkt schien das uns das noch mehr als übervorsichtig bis hysterisch… Also habe ich die beiden dann vom Flughafen abgeholt. Mit Maske.

Am chinesischen “Silvesterabend” habe ich am späten Nachmittag eine meiner “Kontrollrunden” gedreht und mal wieder (wie immer vergeblich) versucht, den Tiananmen mit dem Scooter zur kreuzen. Dass die Stadt zum Neujahrsfest wie leergefegt ist, ist immer so. Aber unter dem Eindruck der neuen Krankheit und mit Maske fühlte es sich unwirklich an. 

Nordost-Ecke Verbotene Stadt

Eine Sehenswürdigkeit nach der anderen wurde geschlossen, die Temple Fairs abgesagt – das ist so, als wenn in Deutschland Weihnachtsmärkte abgesagt werden. Mit dem Besuch sind wir dennoch ein bisschen durch die Stadt gezogen, aber wenn die Wangfujing sich so leer präsentiert, weiß man, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.

Leergefegte Wangfujing Ende Januar 2020

Auch am Osteingang des Jingshan-Parks: tote Hose.

Jingshan East Street: nichts los im Januar 2020

Februar

Ein paar Tage später war klar: weiter in China herumzureisen ist keine gute Idee. Tagelang hingen wir am Telefon, bis es endlich einen Rückflug für den Mittleren und Freundin gab. Normalerweise heule ich Rotz und Wasser, wenn ich mich von den Kindern verabschieden muss, diesmal war ich tatsächlich erleichtert. (Auch wenn ich im Nachhinein denke, vielleicht wären sie besser hiergeblieben.)

Während Corona in Deutschland weiterhin kaum mehr als ein Sack Reis in China war, Masken als unnötig und unsinnig abgetan wurden (und damit einer der Bausteine für das derzeitige Chaos gelegt wurde), war unser Alltag klar durch Corona bestimmt. Überflüssig zu sagen, dass hier ohne Maske nichts mehr ging. 

Lin mit Helm und Maske

#maskiert

Die Schulferien wurden erst verlängert, dann kam der Online-Unterricht. Die Jungs waren zuhause. Immer. Auch wenn unsere “Lütten” schon lange keinen Babysitter mehr brauchen, einigten wir uns darauf, dass immer ein Elternteil bei ihnen bleibt. Nicht, dass es ganz dumm läuft, und wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind und irgendwo festsitzen. Rausgehen wollten sie eh nicht, da war durchaus Angst im Spiel.

Wenn der Mann nicht arbeiten war, bin ich von Zeit zu Zeit durch die Stadt getuckert. Inzwischen hatten sich die Wohngebiete, egal ob Westler-Compound oder Hutong, alle mehr oder weniger abgeriegelt. Zugang ausschließlich für Bewohner, keine Besucher oder Lieferanten erlaubt, Handwerker nur im Notfall mit viel Hickhack.

Kontrollposten gegenüber vom Lama-Tempel: nichts los. 

Weiterhin alles leergefegt. So wichtig meine “Kontrolltouren” für mich einerseits auch waren, um keinen Budenkoller zu kriegen, so froh war ich andererseits immer, wenn ich in der sicheren Wohnung zurück war.

Yonghegong-Straße

Solltet Ihr glauben, nur die kleineren Straßen wären so leer gewesen – Irrtum. Hier ein Blick in die Chang’an – die große Prachtstraße im Zentrum, die an Tienanmen und Verbotener Stadt vorbeiführt, wo zum Nationalfeiertag die Paraden stattfinden, wichtige Ost-West-Verbindung: gespenstische Leere.

Blick in die Chang’an Avenue in Richtung Tienanmen und Verbotene Stadt

März

Im März nicht viel anders: wir hocken fast nur zuhause im Apartment, einziger Sozialkontakt außerhalb der Familie ist der Ladenbesitzer des kleinen Geschäfts im Compound. Ich drehe weiter von Zeit zu Zeit meine “Kontrollrunden”, die ich mit kleinen Besorgungen verbinde. Besonders gut tut mir ein Spaziergang im Jingshan-Park.

Jingshan-Park hat mehr zur bieten als “nur” den Blick vom Kohlehügel auf die Verbotene Stadt.

So langsam gibt es wieder etwas mehr Verkehr, aber es ist und bleibt weit entfernt vom normalen Chaos.

Nicht viel los am 3. Ring und der Sideroad.

Der Frühling kommt endlich – gleichzeitig verabschieden wir uns so langsam von der Vorstellung, dass die Schule ihre Pforten noch vor den Osterferien wieder öffnet. Und eine leise Ahnung macht sich breit, dass der geplante Heimaturlaub in den Sommerferien vermutlich ausfallen wird.

Erstes Frühlingsgrün im Tuanjiehu-Park

April

Endlich wird es wärmer, der Frühling ist da und überall grünt und blüht es. Was im Corona-Jahr ist wie immer: was blüht, muss fotografiert werden.

Frühlings-Fotografie im Ditan-Park

Die Temperaturen liegen über 20 Grad, normalerweise würde ich mit Freundinnen in Cafés draußen sitzen – aber Fehlanzeige. Überall gibt es Temperaturkontrollen, Sehenswürdigkeiten sind weiterhin geschlossen, Parks bleiben geöffnet, haben aber Besucher-Obergrenzen. Wo sich sonst Touristenbusse stapeln: Leere.

Guozijian Jie – Hier geht es zum Konfuzius-Tempel

Für die Jungs beginnen nach 9 Wochen Online-Schule die Osterferien. Chinas Grenzen sind für Ausländer weiterhin dicht.

Mai

Anfang Mai darf die Verbotene Stadt wieder öffnen. Statt normalerweise maximal 80.000 Besuchern dürfen aber nur 5.000 am Tag hinein. Die ersten Tickets sind sofort ausverkauft, ich ergattere eines für den 6. Mai. Ohne die üblichen Besucherströme wirkt die Verbotene Stadt ganz anders, vor allem die Plätze scheinen um ein Vielfaches größer zu sein.

Viel Platz in der Verbotenen Stadt

Ansonsten passiert bei uns im Mai nicht viel. Die Jungs haben Online-Schule, der Mann macht Home-Office, ich dreh meine Kontrollrunden. Soziale Kontakte außerhalb der Familie? Fehlanzeige. Der “Lütte” wird 14, eine richtige Feier mit Besuch gibt es nicht (auch nicht an den anderen drei Geburtstagen hier), aber immerhin einen gemütlichen Tag samt gewünschtem Schokokuchen.

Geburtstagskuchen (zur Foodbloggerin tauge ich offensichtlich nicht! ;) )

Juni

Im Juni öffnet die Schule für ein paar Tage, dann gibt es einen neuen Corona-Ausbruch auf einem Markt und die Schulen müssen wieder schließen. Der Online-Unterricht läuft aber bis auf einzelne Ausnahmen gut, gibt halt auch unter Lehrern Digitalverweigerer, was normalerweise schon ein Ärgernis ist, jetzt aber an Arbeitsverweigerung grenzt.

Für etwas Abwechslung sorgt das Theater-Projekt der Jungs. Da die Schule geschlossen ist, findet die AG online statt, die Jungs habe ihre Parts gefilmt. Ich werde regelmäßig zur Schule gescheucht, um dafür Requisiten, GreenScreens etc. am Pförtnerhaus abzuholen. Hier ist das Ergebnis.

Ende Juni fangen die Sommerferien an, die Jungs waren im 2. Schulhalbjahr – also von Januar bis Juni – gerade mal vier Wochen in der Schule. Der geplante lange Sommerurlaub in Deutschland fällt coronabedingt ersatzlos aus. Nun haben wir Freunde und Familie über ein Jahr nicht mehr gesehen (Spoiler: und auch jetzt am Ende des Jahres ist noch kein Wiedersehen absehbar).

Der Markt-Ausbruch wird schnell eingedämmt, und unser Leben geht unter Corona-Bedingungen weiter: Masken, Temperaturkontrollen und Health App – Zugang fast überall nur mit grünem Code. 

Meine Schnapsidee, den Tiananmen mit dem Scooter zu kreuzen, verfolge ich in Abständen weiter – erfolglos. Aber drumherum ist es ja auch nett.

Große Halle des Volkes

Wetter und Stimmung sind gewittrig. Der Blick auf Deutschland macht es nicht besser, wir machen uns mehr und mehr Sorgen um die Familie und Freunde dort. 

Gewitter über Peking

Juli

Ab Juli geht es bei uns so langsam aufwärts. Endlich können wir so langsam wieder soziale Kontakte pflegen. In der Regel draußen, natürlich mit dem üblichen Vorsichtsmaßnahmen (Maske, Temperaturcheck, Health App), aber immerhin. Ich glaube, so allein wie in diesem guten halben Jahr war ich noch nie zuvor, wobei ich ja zum Glück die Familie hab. Vor allem die Jungs sind klasse.

Beide sind ja nun in einem Alter, in dem sie sich normalerweise so langsam von zuhause ablösen sollten, selbständiger werden – und stattdessen sind wir mehr denn je aufeinander angewiesen. Noch stärker, als es wegen der Situation “Ausländer in Peking” sowieso schon der Fall ist. Aber sie tragen alles mit Fassung, die Angst der ersten Wochen hat sich zum Glück gelegt. Als Nachwuchsnerds kamen sie mit dem Online-Unterricht hervorragend klar, dass soziale Kontakte übers Internet stattfinden, ist für sie auch nichts Neues.

Regenzeit

Es regnet diesen Sommer ungewöhnlich viel. Mehrmals müssen die Compound-Mitarbeiter Sandsäcke vor die Türen legen und das Wasser aus der Lobby schieben. Ich bin ein letztes Mal mit einer Freundin verabredet, die Peking verlässt, da kann ich mich vom Wetter natürlich nicht abhalten lassen. Durch knöcheltiefes Wasser muss ich stapfen, um sie zu sehen (und hab mich hinterher ordentlich geschrubbt, lieber nicht darüber nachdenken, was in der warmen Brühe alles drin ist…).

Überflutete Kreuzung an der US-Botschaft

August

So langsam normalisiert sich das Leben weiter. Es gibt zwar weiterhin Obergrenzen für Besucherzahlen, Sehenswürdigkeiten sind aber wieder geöffnet. Die Maskenpflicht wird outdoor gelockert, sofern man Abstand halten kann, die meisten tragen aber weiterhin immer und überall ihre Maske. Ohne Health App geht gar nichts.

Am 7. August wird die bisher bis Mitte Dezember letzte lokale Corona-Neuinfektion in Peking registriert, eine für uns beruhigende Phase von 133 Tagen ohne lokale Neuinfektion beginnt.

Fast normal – abends vor dem Glockenturm

Das neue Schuljahr beginnt. Zunächst ein paar Tage online, dann in jahrgangsweisen Etappen auch wieder richtig in der Schule. Mit Maske, die nur zum Essen und Trinken und draußen abgenommen werden darf. Mit Temperaturkontrolle beim Ankommen. Die Masken sind lästig, keine Frage, aber besser mit Maske in der Schule als ohne auf der Intensivstation.

Hutong in Peking

Ich genieße das sommerliche Wetter, gerade ab dem späten Nachmittag ist es oft richtig schön (und nicht mehr so heiß) draußen.

Am Shichahai

September

Im September nimmt die Patengruppe ihre Aktivitäten wieder auf, also starte ich auch wieder Fotogruppen-Aktivitäten, wenn auch nicht ohne Disclaimer: wenn sich an der Corona-Lage etwas ändern sollte, wird alles abgesagt. 

Mit der Fotogruppe am Shichahai

Weihnachten im Spätsommer?

Die Pekinger “Weihnachtsengel” treffen sich wieder regelmäßig. Der Basar in der Botschaft kann dieses Jahr nicht stattfinden, gebastelt wird trotzdem. Wenn nicht vor Ort verkauft werden kann, vielleicht geht das dann online? Das gestaltet sich schwierig, rechtliche Probleme ohne Ende, der von mir angedachte Webshop ist deshalb keine Lösung. Am Ende erstelle ich eine kleine Selbstvorstellungs-Webseite und bastel Online-Flyer, die wer mag auf WeChat posten konnte, damit auch ohne Basar Adventskränze und Co. für den guten Zweck verkauft werden können.

Flyer für die Weihnachtsengel

Die Stadt bereitet sich allerdings erstmal auf die Golden Week vor. 

Bankett-Vorbereitungen

Man könnte innerhalb Chinas reisen – man kann es aber auch lassen. Das Risiko, sich in irgendeinem Provinzhotel in überwachter Quarantäne wiederzufinden, lässt sich nicht von der Hand weisen, da es immer wieder vereinzelte lokale Ausbrüche gibt und stets sofort mit harten Maßnahmen reagiert wird – was ich gut finde, besonders mit dem Blick auf den Rest der Welt.

Die Klassenreisen, die sonst in der letzten Septemberwoche stattfinden, müssen ausfallen, und auch ich reise in dieser Zeit nicht wie in allen Jahren zuvor durch China. Nicht falsch verstehen, ich finde es richtig, während einer Pandemie nicht zu reisen – wehmütig bin ich trotzdem und das Reisen fehlt mir. Wobei die erste Reise “nach Corona” für uns kein Erholungsurlaub sein wird, sondern Heimaturlaub in Deutschland, das Wiedersehen mit unserem “Anhang” dort hat Vorrang.

Oktober

Der Monat startet mit einem Doppelfeiertag: Auch das Mondfest fällt wie der Nationalfeiertag auf den 1. Oktober. Die Jungs haben Ferien, wir bleiben in Peking. Wetter und Luft sind recht gut, ich mache viele Ausflüge.

Mit der Fotogruppe fahre ich nach Badachu. Natürlich geht es mit der Sommerrodelbahn wieder runter, den Spaß gönnen wir uns.

Distelfalter in Badachu

Meistens mache ich mich am späteren Nachmittag auf Streifzug durch die Stadt. Der Verkehr ist inzwischen “back to normal”. Einmal entsteht dabei dieses Bild – eigentlich wollte ich das noch mal geplant und mit Stativ angehen, aber meine Liste von Dingen, die ich noch tun möchte, ist ellenlang – hat bisher noch nicht geklappt.

Rush hour

Mit einer Freundin verbringe ich einen tollen Tag im Botanischen Garten. Wetter, Luft und Licht sind unglaublich schön, tut alles rundum gut.

Botanischer Garten

Mit der Fotogruppe geht es an einem Abend zum Olympiagelände. Hier wird gewerkelt, es sind ein paar “Hütten” aufgebaut, die einerseits die Aussicht versperren, andererseits mit ihren verspiegelten Wänden neue Perspektiven eröffnen. Der chinesische Tourismus scheint wieder in Gang gekommen zu sein, eine Reisegruppe nach der anderen zieht an uns vorüber. 

Watercube und Spiegelung vom Bird’s Nest

November

So langsam wird es kalt, zum Glück wird in unserem Compound die Heizanlage nicht erst am 15.11. (offizieller Beginn der Heizperiode) angestellt. Gut so, ich glaube, für unsere e-Heizkörper brauchen wir ein eigenes kleines AKW, wir haben es halt gern warm…

Mit der Fotogruppe geht es zum Alten Observatorium. Das gefällt mir total gut, wird für künftige Besucher mit ins Ausflugsprogramm aufgenommen – wenn es denn irgendwann mal soweit ist, dass Reisen wieder möglich (und klug…) ist. Als nicht so klug empfinde ich die deutsche Corona-Politik, ich mach mir mehr und mehr Sorgen um meine Lieben in Deutschland. 

Altes Observatorium

Der Winter naht… Ich pappe Schneeflocken von innen an die Fenster und prompt fängt es draußen an zu schneien.

November-Schnee in Peking

Apropos Baustelle: Wo Anfang des Jahres noch eine tiefe Baugrube war, versperrt mir jetzt so langsam der halbfertige Rohbau den Blick zum 3. Ring (und es wächst noch weiter in die Höhe). 

Baustelle vor meinem Fenster

Bei den Weihnachtsengeln herrscht Hochbetrieb, es wird fast im Akkord gebastelt. Höhepunkt ist das letzte November-Wochenende, wo wir gleich auf zwei Weihnachtsmärkten vertreten sind. Ich hab mich für zwei Schichten einteilen lassen, es ist bitterkalt – aber Corona-Maßnahmen wirken auch gegen banale Erkältungen. So gesund wie in diesem Jahr war ich ewig nicht mehr…

Dezember

Der Advent ist vergleichsweise ruhig, da unter anderem die vielen Veranstaltungen in der Schule ausfallen müssen. Der letzte Fotogruppen-Ausflug in diesem Jahr führt in den CBD (Central Business District), wo ich zum ersten Mal sehe, wie ein Gebäude (Pekings höchstes: der Zhongguo Zun) einen Schatten an den Himmel wirft – Smog macht’s möglich… 

Shadow in the sky

Geschneit hat es auch schon wieder, diesmal spätabends. Sieht gegenüber auf der Baustelle mit dem Licht vom Kran ganz cool aus, finde ich. Die Baustelle ist wohl überhaupt das Motiv, dass ich dieses Jahr am Häufigsten fotografiert habe, vielleicht fasse ich das demnächst mal zusammen. ;)

Leise rieselt der Schnee…

In der Woche vor dem 4. Advent endet die lange, ruhige Phase ohne lokale Neuinfektion in Peking. Das Hotel und die unmittelbare Nachbarschaft, wo der Fall entdeckt wurde ist nun “orange” – mittleres Risiko-Gebiet. Wird mit Tests,  Tracing und Quarantäne wieder eingedämmt, heute (21.12.) ist Tag 2 ohne lokale Ansteckung. Hoffentlich wird das jetzt wieder so eine lange Phase (oder besser noch länger) wie zuvor.

Weihnachten steht vor der Tür, das sechste Mal, seit wir in China leben, wobei wir zweimal in den Weihnachtsferien in Australien waren. Dann kommt Silvester, was ich fast noch lieber mag als Weihnachten. Und dieses Jahr besonders, denn die Hoffnung, dass das nächste Jahr besser wird, ist groß. Während wir Weihnachten gemütlich zuhause verbringen werden, gehen wir zu Silvester wohl aus, das war letztes Jahr schon sehr skurril und witzig.

Ausblick auf 2021

2021 wird hoffentlich besser werden. Ich habe große Sehnsucht nach meinen drei Großen, meiner Mutter, aber auch nach dem Rest der Familie, Freunden… Ich war noch nie so lange ununterbrochen aus Deutschland weg (und ununterbrochen in Peking). Wenn wir also wieder reisen können (ohne dass es das Risiko gibt, nicht wieder nach China zurückkommen zu können!), wird es nach Deutschland gehen, Familie und Freunde knuddeln, Beziehungen pflegen… Abgesehen davon geht es uns aber ganz gut, wir sind gesund und konnten zumindest seit dem Sommer ein halbwegs normales Leben führen. Glück gehabt haben wir auch insofern, dass es von unseren Lieben (bisher…) niemanden erwischt hat. 

Aber wir machen uns nichts vor – dass “Corona vorbei ist” und wir im Sommer reisen können, ist noch lange nicht in trockenen Tüchern, auch wenn es mit den verschiedenen Impfstoffen jetzt Licht am Horizont gibt. Aber bis ausreichend eingedämmt einerseits und durchgeimpft andererseits sein wird, wird noch viel Zeit vergehen. Immerhin scheint sich endlich gerade in Deutschland der Fokus vom Retten “der Wirtschaft” weg und hin zum Schutz der Menschen zu verschieben. 

Trotzdem, so ein neues, noch unbenutztes Jahr hat alle Chancen, gut – und besser als das vorherige – zu werden. Und der Rückblick auf 2021 wird hoffentlich fröhlicher.

Alle Fotos auf einen Blick

 

 

 

In den ereignisreichen letzten Wochen habe ich noch gar keine Zeit gefunden, von der Beijing International Garden Expo 2019 – der Weltgartenausstellung – zu erzählen. Unter dem Motto “Live Green, Live Better” gibt es noch bis zum 7. Oktober 2019 Beiträge von 120 Ländern und 120 NGOs zu besichtigen.

Der Ausflug wurde von der Patengruppe organisiert. Wie immer alles gut geplant und für mich angenehm: ich muss mich nicht um Route und Transport kümmern – entspannter geht es nicht. So gerne ich sonst auch alleine unterwegs bin, manchmal weiß ich solche Annehmlichkeiten doch zu schätzen.

Lange Anfahrt

Bei herrlichem Wetter und guter Luft starteten wir morgens um 9 Uhr an der Schule und waren etwa zwei Stunden später in Yanqing bei der Expo. Ein gutes Stück des Weges sieht man von der Autobahn aus immer wieder die Mauer, dort ist der Badaling-Abschnitt – wo ich tatsächlich bisher noch nicht gewesen bin, weil so viele immer davon abraten (zu touristisch!). Das sah an dem Tag aber gar nicht so aus – noch in diesen Sommerferien möchte ich dahin.

Am Expogelände war ich schon am Busparkplatz überwältigt von der der Größe und der Weitläufigkeit – und den Bus-, Auto- und Menschenmassen, die sich aber gut verteilt haben. Zeit und Treffpunkt für die Rückfahrt wurden ausgemacht, und dann zerstreute sich die Gruppe. Schwierige Entscheidung: Wohin zuerst?

Mast mit vielen Schildern auf dem Gelände der Pekinger Gartenbauaustellung

Wohin zuerst?

 

Die vielen verschiedenen Gärten Chinas

Ich habe mir zuerst Chinesische Gärten angesehen. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel, so dass dort relativ wenig los war. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil, auch wenn sich manches ähnelt und es wiederkehrende Elemente gibt (Mondtore oder große Steine zum Beispiel). Der Garten aus einer Wüstenregion sieht natürlich anders aus als der der tropischen Insel Hainan.

Blauer Seestern - Deko im Hainan-Garten auf der Pekinger GardenExpo

Deko im Hainan-Garten

Die internationalen Pavillons

Etwas später traf ich am Deutschen Pavillon eine chinesische Bekannte, mit der ich dann den Rest der Zeit zusammen unterwegs war. Den Deutschen Pavillon fand ich enttäuschend, weil er auf mich irgendwie am Thema vorbei wirkte. Direkt am Eingang erst mit einem überlebensgroßen Bild von Julia Klöckner, dann mit Kohlebergbau konfrontiert, anschließend ein paar Fotos von der Renaturierung des Todesstreifens an der Zonengrenze. In der Mitte eine angebliche Stadtoase – ein ziemlich scheußlicher (Stein-)Garten mit viel Kies. Und das, wo es in Deutschland wirklich wunderschöne Gärten gibt. Ganz witzig allerdings: eine Schrebergartenlaube. Auf der Webseite des Deutschen Pavillons liest sich das alles durchdacht und nett, vor Ort fand ich es eher enttäuschend, das wird aber dem ersten Eindruck geschuldet sein.

Schild des Deutschen Pavilons auf der Pekinger Garden Expo

Schild des Deutschen Pavillons

Statt im überfüllten Deutschen Restaurant haben wir dann lieber leckere Shaanxi-Nudeln gegessen, bevor wir uns dann weiter von Pavillon zu Pavillon treiben ließen. Besonders angezogen – und dann auch gefallen – hat uns der Pavillon Qatars.

Qatars Pavillon auf der Garden Expo in Peking

Qatars Pavillon

 

Das Gebäude von einem künstlichen Baum gestützt und getragen, insgesamt eine stimmige Mischung aus Hightech und Tradition (im Inneren waren Marktstände nachgebildet) und auf dem Dach schließlich noch ein großartiger Rundumblick. Doha/Qatar ist übrigens Gastgeber der nächsten Garden Expo 2021.

Mut zur Lücke

Den chinesischen und den internationalen Pavillon habe ich weggelassen – bei beidem war mir die Schlange zu lang, damit wäre die Hälfte des Aufenthalts mit Wartezeit vertan gewesen. Das Gebäude mit den riesigen Sonnenschirm-Blumen war aber auch so ein Hingucker.

Riesige weiße Dekoblumen beim Internationalen Pavillon auf der Pekinger Garden Expo

Schattenspender

 

Im Gedächtnis geblieben ist mir auch der Japanische Pavillon. Draußen Kois und ein Katzenwels Fisch mit Katzenkopf, drinnen alles sehr zurückgenommen. Auch wenn man wie ich sonst gerne üppige Blühendes und Grünendes mag, dieses reduzierte hat doch eine ganz eigene Ästhetik.

Dann war auch schon die Zeit für den Rückweg gekommen. Zum Glück gab es am Treffpunkt Restaurants, so dass wir uns Eiskaffee gönnen konnten – das war bei der Hitze tatsächlich ein unerwarteter Genuss.

Fotos

Weitere Informationen

Weitere Informationen fanden sich auf der offiziellen Webseite der Weltgartenausstellung, die inzwischen eingestellt wurde, so wie auch die Gartenausstellung inzwischen beendet ist.

Viele Fakten liefert dieser informative Artikel von China Heute.

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Am Montag habe ich meinen Besuch zum Südbahnhof gebracht und dort in den Zug nach Shanghai gesetzt. Wo ich schon in der Ecke war, wollte ich mir dort auch etwas ansehen, damit sich die weite Fahrt auch richtig lohnt. So habe ich mich dann für die Marco-Polo-Brücke (Wanping, Fengtai-Distrikt) entschieden. 

Auf dem Weg zum Bahnhof war noch dicke Luft: Sandsturm, so unangenehm, dass selbst im Taxi die Augen brannten und man ständig vom Staub husten musste. Aber die Vorhersage war positiv, also bin ich dann wie geplant weiter zur “Lugou Qiao”, wie die Marco-Polo-Brücke hier in China heißt. Den Beinamen bekam die Brücke, weil Marco Polo sie in einem seiner Reiseberichte voller Begeisterung erwähnt hat. Die Luft wurde tatsächlich besser und am Fluss Yongding He angekommen ließ es sich trotz der Hitze gut aushalten.

Die steinerne Bogenbrücke wurde 1192 fertiggestellt. Besonders bemerkenswert sind die unzähligen Löwen, die oben auf den Brückenbögen sitzen – und alle unterscheiden sich voneinander.

Die Brücke ist aber nicht nur so für sich interessant, sondern auch historischer Schauplatz: Am 7. Juli 1937 trug sich hier der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke zu, der als Auslöser des zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs gilt.

Ich fand die Brücke wirklich nett anzusehen, dank inzwischen wieder guter Luft mit Blick auf die Berge – und auf die neuen Brücken: Autobrücken über den Fluss und die Eisenbahntrasse auf hohen Stelzen, auf der alle paar Minuten ein Schnellzug fuhr. Das war wieder typisch Peking, Altes und Neues so dicht beieinander.  Viel Wasser führt der Fluss nicht mehr. Der “Cruise Terminal” ist abgeschlossen, auch die Geschäfte waren zu, wirken aber nicht so, als ob sie komplett aufgegeben wären.

Wanping-Festung

Von der Brücke aus sieht man das Westtor der Wanping-Festung. Das war mein nächstes Ziel. Vom Westtor aus führt eine breite Allee zum Osttor, links und rechts kleine Gassen mit bewohnten Courtyards.  Für den Durchgangsverkehr ist die Festung gesperrt – wirkt auf mich wie ein ummauertes Pekinger Hutonviertel, nur die Allee in der Mitte ist halt ungewöhnlich breit. So ist es hier recht ruhig. Vor einem kleinen Geschäft spielt eine Gruppe von Männern chinesisches Schach.

Auf der linken Seite findet sich das Museum des Widerstandskrieges des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression – ein riesiger Klotz, den ich hier so nicht erwartet hätte. Gegenüber ist ein großer Platz.  Es ist Montag, erwartungsgemäß hat das Museum geschlossen. Schade, denn jetzt, wo ich davorstehe, interessiert es mich doch. Dann geht es weiter über die Allee zum Osttor. Auf die Mauer kommt man nicht. Ich gehe durchs Tor und bin wieder mitten im modernen Peking: mehrspurige Straßen, hohe Häuser. 

Ich werde sicher noch einmal dahin fahren – aber nicht an einem Montag. :)

Vor ein paar Monaten wollte ich mit einer Freundin Prince Gong’s Mansion besuchen. Bedauerlicherweise waren wir an einem Montag unterwegs. Montag? Ja genau, montags sind hier alle Museen geschlossen. Hatten wir leider vergessen und sind stattdessen um den nur wenige hundert Meter weiter gelegenen Beihai-See herumspaziert. (Beihai-See ist genau genommen doppelt gemoppelt, weil Beihai Nord-See heißt.)

Gestern war der Tag viel zu schön, um nichts zu unternehmen: Traumwetter, schön warm, aber noch nicht zu heiß, atembare Luft und deutlich weniger flying cotton fluff. Also extremer Pollenflug, als ob es in dicken Flocken schneit, an Kantsteinen, in Winkeln, Häuserecken sammelt sich das dann auch als dicke “Schneedecke”. Vom Management kam auch schon die alljährliche Mail: “never ever under no circumstances burn the flying cotton fluff”! Ich frag mich immer noch, wie man auf die Idee kommen könnte, denn wer das macht, wäre definitiv ein heißer Kandidat für den Darwin-Award.

Déjà vu

Allerdings tobt derzeit in unserer Nachbarschaft ein Verkehrschaos ohne gleichen: zur Zeit findet die AutoShow statt, die weltweit größte Automesse. Egal, ich wollte den schönen Tag unbedingt nutzen! Ich vergewissere mich auf der Webseite, dass heute auch geöffnet ist und drucke mir die Hinweise für die dreistündigen Runde aus. Als ich nach langer Fahrt und kurzem Spaziergang endlich vor den schnieken, gut gesicherten Hallen stehe: geschlossen! Ich habe ein déjà vu, aber heute ist doch definitiv nicht Montag? Vielleicht nur dieser Eingang? Ich biege um die Ecke, nein, auch alles zu. Irritiert stehe ich davor und versuche, die Schilder zu entziffern – irgendwas von März-Mai, arbeiten. Zwischendrin wimmele ich bestimmt fünf Rikschafahrer ab, dann spreche ich einen der Wächter an. Ja, im Mai ist es wieder auf. Schade, aber so wird das nichts mit Prinz Gong und mir. Schade auch, dass auf der Website kein Hinweis auf die Schließung zu finden war.

Alster? Elbe? Beihai!

Allerlei Enten auf dem Beihai

Ich muss aber nicht lange überlegen, was ich nun anstelle. Inzwischen ist es spät am Vormittag, die Sonne brennt, an einem Kiosk schieße ich mir eine Flasche Wasser und bewege mich Richtung Beihai-Park. Dort löse ich nur das Park-Eintritts-Ticket (10 RMB in der Sommersaison, von November bis März 5 RMB), jetzt will ich nichts mehr besichtigen. Schnurstracks gehe ich auf den Bootsanleger zu, der dem Eingang am nächsten ist, aber dort gibt es nur noch Duckboats. Nein danke, ein bisschen Würde muss ich mir doch bewahren!

Ich spaziere entgegen dem Uhrzeigersinn um den See herum. Tretboot? Nein. Lotusboot? Nee. Der Park ist gut besucht, Schüler- und Touristengruppen: bitte alle mal dorthinüber schauen! Der Anleger hinter dem Souvernirshop hat endlich noch freie kleine Elektroboote (100 RMB/Stunde) und ratzfatz fahre ich auf den See hinaus. Ruhe. Frieden. *Huuuuup*Trööt*Meepmeep*

Oh, die “Inselfähre” meckert ein Duckboat an: aus dem Weg! Ich mache einen Bogen darum und lasse mich dann erstmal ein Stück treiben. Hier ist es jetzt wirklich still bis auf das leise Plätschern des Wassers. Herrlich, wie hab ich das vermisst! Ich mag Peking wirklich gern, aber mir fehlt Wasser!

Ich tuckere wieder weiter, werfe einen Blick auf das NCPA, dessen Kuppel die Sonne reflektiert und aus dieser Perspektive auch eine schnöde Sporthalle sein könnte. Ist es aber nicht! Dann geht es nicht weiter, unter den Brücken darf man nicht durchfahren, also umkehren. Jetzt habe ich einen schönen Blick auf den Zhongguo Zun – demnächst fertig, das neue höchste Gebäude Pekings. Dichter dran ist natürlich die Weiße Pagode. Typisch Peking, typisch China – altes und neues auf einen Blick.

Richtig stimmungsvoll wird es, als ich an einem Boot vorbeikomme, auf dem die Damen chinesische Lieder singen – zu schön!

Touri?

Meine Stunde ist fast um, also tuckere ich zurück zum Anleger, hole meine Kaution ab und mache mich auf die Suche nach einem Taxi. Da sich in der Straße am Ausgang alles staut, gehe ich zu Fuß am Jingshan-Park vorbei. Kurz reizt es mich, auf den Kohlehügel zu klettern, aber der Blick auf die Uhr sagt: Rückfahrt! Ein Taxi hält ungefragt und trotz Halteverbot (das gilt rund um die Verbotene Stadt), ist sogar bereit mich nach Shunyi zu fahren – für den Schnäppchenpreis von 300 RMB! Seh’ ich aus wie ein Touri, der drauf reinfällt? Vermutlich ja. :) Ich sage ihm, dass ich seit drei Jahren in Peking bin, er lächelt entschuldigend und fährt weg.

Ein paar Meter weiter werde ich fast von einem in falscher Richtung fahrendem Tuktuk umgefahren: “Lady, where are you going?” Shunyi, bisschen zu weit für ein Tuktuk. Er meint, er hätte einen starken Motor… Nichts wie weg, denke ich mir. Eine Ecke weiter biege ich in eine Straße ohne Halteverbote ein, rufe ein Didi, das sofort kommt und bin trotz Autoshow-Chaos relativ zügig wieder zuhause – und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Sollte man sich wirklich öfter gönnen, so eine Auszeit auf dem Wasser!

Fotos

 

Am kommenden Freitag wird der Tianyi-Markt für immer geschlossen. Das ist ein “Smallthings-Wholesale-Market”, quasi ein chinesisches Kaufhaus, nur halt mit einem kleinen Stand am anderen. Mehrere Gebäude, viele Etagen, schätzungsweise 3000 Händler. Da gibt es “alles”, was sich wegtragen lässt: Schnickschnack und Stehrümchen, Geschenkartikel, Haushaltsgegenstände, Kleiderhaken und Regenschirme, Schmuck, Sonnenbrillen, Kostüme, Badekleidung… Endverbraucher und auch Straßenhändler haben dort zu kleinen Preisen einkaufen können. Jetzt, so kurz vor der Schließung, wird beinah alles noch billiger. Man hätte ahnen können, dass es schlimmer zugehen wird als früher im Hamburger Sommerschlußverkauf…

Ich hab daran jedenfalls nicht gedacht, als jetzt eine Freundin fragte, ob wir da nicht vor der Schließung noch hinwollen und hab sofort ja gesagt, um das auch noch mal gesehen zu haben.

Man hätte es ja ahnen können…

Schon etliche hundert Meter vor dem Markt staute sich auf der rechten Spur der Verkehr. An der Markteinfahrt standen Uniformierte und ließen (fast) keinen mehr rein. Wir hatten aber Glück und haben nicht weit davon einen Parkplatz gefunden und spazierten dann durch die knallende Sonne Richtung Markt. Je näher wir kamen, umso wuseliger wurde es.

Der Komplex ist schon ein Hingucker: Elefanten und Giraffen auf dem Dach, da ein paar chinesische Figuren, dort der Weihnachtsmann, ein bisschen wie Disneyland. Hab ich erwähnt, dass es voll war?

Es war dermaßen voll, dass ich gekniffen hab und aus dem Gedränge nach draußen geflüchtet bin. Drinnen hatten Mitarbeiter schon Ketten an den Rolltreppen gebildet, um die Massen zu lenken. Draußen am Eingang konnte ich später beobachten, wie Uniformierte dafür sorgten, dass der frei bleibt und niemand direkt vorm Ausgang stehen blieb. Ich kann mir vorstellen, dass das Gedrängel im Lauf der Woche noch schlimmer werden wird.

 

 

Ich frag mich, was aus den Händlern werden wird – und wo die Kunden künftig einkaufen werden? In den vielen schicken, teuren Malls vermutlich eher nicht… Solche Märkte soll es künftig nur noch außerhalb des 4. Rings geben, das sind dann schon ziemlich weite Wege. Also noch mehr Onlineshopping?

Zum Weiterlesen:

Artikel in That’s Beijing

Achja: Auch der Ladies’ Street Market wird Ende September geschlossen werden: Artikel im Beijinger

Warum diese Märkte geschlossen werden? Die Stadt ist total im Umbruch: kaum mehr Streetfood, keine kleinen Läden mehr in vielen Hutongs, keine Märkte mehr…  Das gehört wohl alles schon zu Jing-Jin-Ji (JJJ), dem Umbau von Peking, Tianjin und Hebei zur Mega-Metropole… (Spiegel-Artikel).

Eine Wunderheilung! :)

Unser Wasserspender hat mir am Wochenende Kummer gemacht: er ging nur kurz an und und direkt wieder aus, d.h. er kühlte nicht und er kochte nicht. Stecker gezogen, Plan: am Montag die Ayi bitten, den Service anzurufen. Solange hatten wir also nur lauwarmes Trinkwasser…
Am Montag erkläre ich das Problem wortreich der Ayi, die steckt den Stecker rein, die grüne Lampe leuchtet – und ging nicht wieder aus. Wasser kochen klappt auch wieder. Hmm, sehr seltsam, aber Hauptsache es funktioniert.

Kalendarisches: Herbstanfang und die Nacht der Siebenen

Klingt bei 33 Grad komisch, ist aber so: gestern war Herbstanfang 立秋, Lìqiū. Das bezieht sich eindeutig eher auf den Erntebeginn als auf das Wetter! In zwei Wochen haben wir dann das Ende der Hitze – hoffentlich. :) Wer mehr über den chinesischen Mondkalender und die 24 Zyklen wissen möchte: hier zum Beispiel: Chinesischer Mondkalender.
Heute ist Chinesischer Valentinstag: 七夕, Qīxī, die Nacht der Siebenen, um den sich zahlreiche Legenden (oder eine Legende mit zahlreichen Varianten) und Bräuche ranken, nachzulesen unter dem Link oder auch bei Wikipedia. Letztes Jahr fiel Qīxī auf Justus’ Geburtstag, wir waren Essen und die hübsche Mama (das bin ich) hat vom Restaurant zum Valentinstag eine Flasche Wein geschenkt bekommen. Wein trinken kann ich auch besser als Früchte schnitzen oder nähen…

 

Jonna vom Expatmama-Blog hat mir mit sehr lieben Worten den „Liebster Award 2016“ weitergereicht. Vielen Dank dafür! Der „Liebster Award“ ist eine Auszeichnung von Bloggern für Blogger: man bekommt sie, beantwortet 11 Fragen und reicht dann den Award mit eigenen Fragen weiter. Den Award gibt es schon einige Jahre, als Idee steckt dahinter, (neue) Blogs zu entdecken, in dem man Blogs, die einem selber gut gefallen, quasi mit dieser Auszeichnung weiterempfiehlt. Von manchen wird der Award als eine Art Kettenbrief kritisiert, für andere ist es hilfreich und schön, auf diese Art und Weise über neue, interessante Blogs zu stolpern. Hängt ja auch davon ab, welche Fragen man gestellt bekommt, welche man selber stellt und an wen man den Award weiterreicht.

Hier kommen also Jonnas Fragen und meine Antworten:

1. Warum hast du beschlossen, einen Blog zu schreiben?

Ich habe mit dem „Ombidombi“-Blog begonnen, als wir die Entscheidung getroffen haben, dass wir nach Peking gehen. Mir erschien das als die einfachste Möglichkeit, Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte auf dem Laufenden zu halten; dass halt jeder gucken kann, wenn’s zeitlich passt und ohne sich genötigt zu fühlen, immer gleich mit einer langen Mail zurückzuschreiben (wie es vielleicht wäre, wenn ich das per Mail/Newsletter erledigt hätte).

Im Laufe der Zeit merke ich aber immer mehr, dass mir das Erzählen Spaß macht, mich selber auch zur Reflektion anregt. Und nach den ersten positiven Rückmeldungen hat sich nach und nach auch der Gedanke eingenistet, dass so wie ich andere Blogs von in Peking Lebenden inhaliert habe, mein Blog vielleicht anderen Leuten, die vor so einer schwerwiegenden Entscheidung stehen, auch helfen könnte: wie kann man sich das Leben in Peking besser vorstellen?

Reiseführer sind super, um sich selber positiv auf den künftigen Lebensmittelpunkt einzustimmen, aber es fehlt an „Alltag“ und subjektiven, individuellen Erfahrungen, gerade auch zum Leben mit Kindern. Also erzähle ich nun ein wenig davon. :)

2. Was macht dir beim Bloggen am meisten Freude?

Wie gesagt, inzwischen habe ich Spaß am Erzählen, das Nachdenken über mich und uns und unser Leben hier und das Schreiben darüber gefällt mir. Und ich schreibe nur, wenn ich finde, dass ich etwas zu erzählen habe, mache mir also auch keinen Druck, dass ich diese Woche unbedingt noch zwei Beiträge schreiben muss… Und ich freu mich über Rückmeldungen, zum Glück bisher nur positiv.

3. Haben Dir andere Blogs bei deinem Abenteuer Ausland schon geholfen? Wenn ja, welche?

Ja, ja ja! :) Tipps und Hinweise für Formalitäten lassen sich ja doch einigermaßen finden, aber ich habe nach persönlichen Erfahrungen gelechzt! Ich habe mir die Finger auf der Suche nach Blogs von Familien, die in Peking oder China leben und China-Erfahrungen insgesamt wund gegoogelt und zum Glück auch welche gefunden, zum Beispiel:

  • 5intheworld.de von Jochen, der mit seinen Fotos mehr erzählt, als ich je in Worte fassen könnte
  • Familie Schulze-Permentier, die inzwischen wieder in Deutschland sind und die ich hier nicht mehr persönlich kennengelernt habe, aber deren Eindrücke mir geholfen haben, mir das Leben hier besser vorzustellen
  • Bambooblog – kein Expatblog, sondern ein Reiseblog, und was für eines! Ulrike bereist China seit den späten 80ern, da steckt so viel Erfahrung und Begeisterung für das Land drin, das hat bei mir auch viele Vorbehalte gegenüber China dämpfen können

4. Was war deine bisher wichtigste „lesson learned“ beim Bloggen?

Ich lerne da immer noch: was gebe ich preis, was bleibt privat? Was kann ich so öffentlich erzählen? Was von dem, was mich bewegt, ist auch für Außenstehende interessant und lesenswert?

5. Was war deine bisher wichtigste „lesson learned“ im Ausland?

Dass ich vielleicht „deutscher“ bin, als ich jemals von mir gedacht hätte: ich mag Regeln, Sicherheit und Pläne, Pünktlichkeit, bin ganz furchtbar schlecht beim Smalltalken…

6. Was war dein größtes Fettnäpfchen, in das du in deiner neuen Heimat getreten bist?

Das war gar nicht unter Chinesen, da war ich u.a. dank Intensivkurs im Hamburger Konfuzius-Institut ganz gut vorbereitet, sondern das war beim ersten Treffen mit der Fotogruppe, als ich so aufgeregt war, dass ich bei der Vorstellungsrunde nicht mal mehr bis 5 zählen konnte und mit meinen Kindern durcheinander gekommen bin, ich Rabenmutter…

7. Was würdest du jeder Expatmama empfehlen?

Offen zu sein für neue Erfahrungen und dabei nicht immer gleich werten, sondern Unterschiede auch einfach mal so stehen lassen. Sich an dem Positiven und Schönen festhalten und sich mit dem Negativen (Smog, Verkehr z.B.) arrangieren, wenn man’s eh nicht ändern kann. Und: den Kindern etwas zutrauen! Mein Eindruck hier ist, dass viele Kinder sich leichter tun als ihre Eltern.

8. Was vermisst du aus deiner Heimat am meisten?

Saubere Luft. Frische Luft. Gesunde Luft. Die schlimmen Smog-Tage sind einfach nur deprimierend, selbst wenn man nicht direkt nach Atem ringt und mit Erkältungssymptomen kämpft. Überhaupt eine gewisse Sicherheit, was Umwelt und Gesundheit, Trinkwasser, Lebensmittel angeht. Aber wie gesagt, am meisten vermisse ich frische Luft.

9. Was wird dir aus deiner neuen Heimat einmal fehlen? (Abgesehen von neu gewonnen Freunden)

Kurz und knapp: Der chinesische Pragmatismus und das chinesische Essen.

10. Gibt es etwas, das du an deinem Blog gerne verändern würdest? Was hat dich bislang davon abgehalten?

Ich müsste mal die Kategorien überarbeiten, damit diese aussagekräftiger werden und es damit übersichtlicher, besser gegliedert wird. Abgehalten werde ich von der Zeit (die Tage hier gehen irgendwie viel schneller vorbei), aber vor allem von einer guten Idee für eine neue Gliederung.

11. Hast du einen Wunsch an die Expatmamas?

Ja: weitermachen, dranbleiben, ausbauen! Ich wünschte, die Seite hätte es schon früher gegeben! Und ein Expatmama-Forum für direkten Austausch untereinander, das wäre genial!

Ich gebe den Liebster Award nun weiter an an zwei auslandserfahrene Bloggerinnen. Bei der einen ist es spannend zu sehen, welche Erfahrungen sie in der gleichen Stadt macht, bei der anderen bin ich gespannt darauf, wie sehr sich Auslandsleben Ost von Auslandsleben West unterscheiden wird:

  • Claudia von Move2GreaterCincinattiArea, die nach einigen Jahren Belgien nun im Sommer in die USA übersiedeln wird, und
  • Kerstin von Peking-Ni Hao, die mit ihrer Familie seit 2014 in Peking lebt und zuvor in Japan und Korea war.

Hier kommen Eure Fragen:

  1. Warum hast Du mit dem Bloggen angefangen?
  2. Wo siehst Du Dein Blog in etwa einem Jahr?
  3. Was macht Dir Spaß beim Bloggen?
  4. Was macht Dir Schwierigkeiten beim Bloggen?
  5. Wie deutsch bist Du?
  6. Wen oder was aus Deutschland vermisst Du besonders?
  7. Und was aus Deutschland fehlt Dir überhaupt nicht?
  8. Was würdest Du jetzt (ca. 2 Monate vor dem Abflug in die USA) schon gerne wissen, was beschäftigt Dich da am meisten im Hinblick auf den neuen Lebensmittelpunkt? Bzw. Was hättest Du gerne schon vor dem Abflug nach Peking gewusst und was hat Dich am meisten beschäftigt?
  9. Was macht Dir den Ortswechsel leicht, was macht ihn schwer? Bzw. was hat ihn Dir leicht, was hat ihn Dir schwer gemacht?
  10. Hast Du Blog- und Linktipps für Deutsche in Deiner (künftigen) Nachbarschaft oder Deutsche in China/USA generell?
  11. Hast Du Buchtipps zum Thema „im Ausland leben“? Falls nicht, hast Du einen anderen Buchtipp?

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Und hier nochmal die Regeln für den Liebster Award 2016:

Der Liebster Award unterstützt besonders neue Blogs, um in der Bloggerwelt bekannter zu werden. Aber auch für alte Hasen ist der Liebster Award natürlich eine gute Möglichkeit, noch bekannter zu werden. Der Liebster Award ist eine Vernetzung zwischen Bloggern und funktioniert ganz einfach: Ein Blogger wird von einem anderen Blogger nominiert, beantwortet die gestellten Fragen auf seinem Blog, stellt selbst wieder Fragen und nominiert erneut Blogs für den Liebster Award.

  • Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite. Wer über die Fragen hinaus Fakten über sich präsentieren möchte, kann dies in seinem eigenen Blog tun: Fakten über mich (bis zu 11 möglich); wer mit den Fragen gar nichts anfangen kann, darf sie ausnahmsweise auch mal gegen Fakten austauschen; sollte das dann aber auch entsprechend begründen.
  • Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf Eurer Seite. Falls möglich, hinterlasst auf ihrem Blog einen entsprechenden Kommentar, in dem ihr auch für andere sichtbar den Award annehmt.
  • Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite, so dass der Liebster Award nach außen hin sichtbar ist und bleibt.
  • Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf euren Blog.
  • Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.
  • Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiterempfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten. Wer möchte, kann sich dabei an die 200er – 3000er Follower / Leser Regel halten, also solche Blogs empfehlen, die unterhalb dieser Zahlen liegen.
  • Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt. Empfohlen wird, dafür die Kommentarfunktion auf den jeweiligen Blogs zu nutzen, falls diese passend ist. Empfohlen wird auch, die jeweils Nominierten vorab zu fragen, ob sie überhaupt mitmachen wollen, damit sie sich nicht überfallen fühlen. Viel Spaß!

 

Anfahrt mit Hindernissen

Heute hat die Fotogruppe einen Ausflug in Pekings Botanischen Garten gemacht. Dazu mussten wir in Peking-Pinneberg Hausenden die Stadt zunächst fast halb umrunden. Der Verkehr schien heute eh schon dichter als sonst und je näher wir dem Ziel kamen, umso langsamer ging es voran, an der Autobahnabfahrt ging dann gar nichts mehr und wir sind dann erst eine Abfahrt weiter abgefahren und auf Schleichwegen zum Ziel (danke, liebes Navi!). Ok, ist halt Peking, viel Verkehr und Stockungen gibt es ja immer, ich habe den Stillstand an der Abfahrt (es geht dort nicht nur zum Botanischen Garten, sondern auch zum Duftberg) gar nicht in Verbindung mit den Ausflugszielen gebracht. Beide Ziele “teilen” sich allerdings einige Parkplätze…

Man hätte es wissen können

Botanischer Garten

Botanischer Garten

Die Straße vom Parkplatz zum Eingang war belebt, aber nicht ungewöhnlich voll. Auch die Schlangen am Kassenhäuschen waren übersichtlich, die Souvenir- und Schnickschnackstände ebenfalls ortsüblich. Als wir dann aber durchs Tor in den Botanischen Garten traten, ist mir direkt die Kinnlade runtergeklappt. Ich habe mit einer Handvoll durch den Park schlurfender Studenten gerechnet, aber nicht mit dieser Masse an Ausflüglern. Hallo! Aufwachen! Wir sind jetzt in Peking, in China! Keine Frage, der Park ist sehr schön angelegt, man wird gerade im Eingangsbereich von dem BUNT, der Farbigkeit fast erschlagen, ringsrum die Westberge zum Greifen nah – wirklich schön. Tja, und wie ist es immer in Peking? Richtig: laut! Klar, dass die vielen Menschen miteinander reden, aber viele haben auch ein Kofferradio (!) dabei und hören Opern oder chinesische Schlager, dazu fahren Busse und bunte Züge durch den Park, ebenfalls mit Musik, Ansagen, Gebimmel – die Geräuschkulisse ist unglaublich. Und natürlich liegt der Duft der Blumen und Blüten in der Luft, dazu die warme Sonne auf der Haut: hier gibt es also etwas für alle Sinne, fast schon im Übermaß.

Ich habe ein Foto für Dich. Nein, nicht eins – hunderte.

Yi - er - san - smile!

Yi – er – san – smile!

Offensichtlich mögen Chinesen Blumen und Blüten. Und Fotos, nicht nur von Blumen, Blüten, Pflanzen, Umgebung, Landschaft, sondern auch von sich selbst. Seien es nun Selfies oder Gruppenfotos oder man fotografiert sich abwechselnd gegenseitig. Wenn Du kein Foto hast, ist es nicht wirklich passiert. Wen interessieren Absperrungen, wenn man sich doch richtig in Szene setzen muss? Da wird geposed, was das Zeug hält, da sitzt die Pose bis in die Fingerspitzen. Und das geht durch alle Altersgruppen, es gibt hier keine “Generation Selfie”, hier sind vom Kind bis zum Greis alle mit dabei.

Du merkst, dass Du in China bist, wenn…

Kommt der jetzt auf uns zu???

Kommt der jetzt auf uns zu???

…immer noch einer oben drauf gesetzt wird. Ok, es gibt Souvenirbuden, es gibt Futterbuden, es gibt Wurfbuden, es gibt Kindertrampoline – und es gibt Dinos. Äh, was? Wir wurden gerade von einer Schülerinnengruppe auf Englisch angesprochen und haben uns in einem netten Sprachmixmax mit den Mädchen unterhalten, als ich meinen Blick schweifen lasse und zwischen den Bäumen eine Bewegung wahrnehme. Huch? Ein Brontosaurus?? Nicht so schlimm, der ist Vegetarier, aber was macht der hier? Das Vieh hat tatsächlich Hals und Maul bewegt und sah auf die Entfernung schon recht lebendig aus. Um es kurz zu machen: für 50 zusätzliche Kuai hätte man in einen kleinen Dinopark mit 3D-Kino gehen können. Für die zahlreichen Schulklassen sicher eines der Highlights, für so manches kleinere Kind waren die bewegten T-Rexe sicher ganz schön gruselig, aber hey, stell Dich nicht so, wir müssen erst ein Foto von Dir und dem Dino machen…

Ich habe heute keine Rose, äh, Kirschblüte für Dich

Der Park ist in mehrere Abschnitte unterteilt, da gibt es z.B. einen Magnoliengarten, einen Bonsaigarten, Pflaumengarten, Rosengarten, …, es gibt ein Tropenhaus, ein Teehaus, Tempel,…

Keine Kirschen, kein Cherry Valley

Keine Kirschen, kein Cherry Valley

Die Zeit reichte bei weitem nicht, alles zu sehen. Was wir sehen wollten: Kirschblüten! Sollte diese Woche noch gehen, nächste Woche ginge die Kirschblüte zu Ende – hieß es… Das “Cherry Valley” lag natürlich am entlegensten Ende des Parks, immerhin: bis hierhin haben die Massen es nicht geschafft, es war deutlich leerer in diesem Bereich, der auch schon deutlich hügeliger wurde. Hinter jeder Kurve rechneten wir mit rosa Kirschblütenpracht, aber nix da. Der asphaltierte Weg endete, es ging auf einem schmaleren Holzbohlenweg weiter. Sehr idyllisch alles, aber halt keine Kirschen. Dann sahen wir Treppen und eine Brücke vor uns: oh cool, von da aus kann man bestimmt ins Kirschblütental (!) sehen, kraxelten eilig die Treppen hoch und: nette Aussicht, nur komplett kirschfrei. Ob dann vielleicht hinter der nächsten Treppe und Kurve…?

Aber leider war es schon so spät, wir würden etwa eine Stunde zurück zum Auto brauchen und dann noch mal eine gute Stunde nach Peking-Pinneberg und keine von uns wollte es wegen der vermaledeiten Kirschblüten übers Herz bringen, die Kinder vor verschlossenen Türen stehen zu lassen. Wegen des Staurisikos haben wir allerdings alle drauflostelefoniert und “Notfallpläne” für die Kinder auf den Weg gebracht, war dann aber kein Problem, ich war zwei Minuten vor Ankunft des Schulbusses am Tor.

Vielen Dank an Miriam fürs Organisieren! Und Danke an Barbara und Tanja fürs Fahren, ich bleib bei Taxi, Metro und Fahrrad, ich hab die Nerven dafür nicht…

Fotos

Wer noch mehr Bilder sehen mag – bitte schön:

Infos

Und wer mal hinmöchte:
Botanischer Garten Peking – 北京植物园 – Běijīng zhíwùyuán
Eintritt: 10 RMB, ermässigt 5 RMB; weitere Eintritte für Tropenhaus, Dinodings, Wofo Tempel…
Mehr Infos auf der Website (englisch):  http://www.beijingbg.com/English/index.asp

 

image159 Vor kurzem bin ich über die Webseite der Expatmamas gestolpert. Hier finden sich viele Informationen und Erfahrungsberichte zum Thema “mit Kindern im Ausland” leben. Für die Reihe “Neu in…” habe ich ein paar Fragen beantworten dürfen, nachzulesen hier!

Was mir im Nachhinein und ergänzend dazu noch eingefallen ist: Ein wichtiger Gesichtspunkt vorher: wann sagen wir es den Kindern? Das mag vom jeweiligen Alter abhängen und davon, wie abenteuerlustig die Kinder sind. Bei dem einjährigen Vorlauf bei uns wollte ich es ihnen nicht direkt sagen – warum so lange Kummer und Aufregung haben? Allerdings habe ich in der Zeit das Vermissen des Papas beinah überbetont… Aber je mehr Zeit verging, umso mehr es Thema im Alltag wurde, umso wichtiger fand ich es, es ihnen zu sagen, nicht dass sie das nebenbei und unabsichtlich irgendwie aufschnappen. Das war bei uns dann ein gutes halbes Jahr vor dem Umzug, ganz kurz vor der ersten Pekingreise zum Kennenlernen.

Ganz wichtig fand ich für uns, dass wir vor allem den Kindern gegenüber immer hundertprozentig zu der Entscheidung gestanden haben, aber dass wir dabei Ängste und Sorgen nicht weggewischt haben. Ja, es ist traurig, dass man von so vielen Menschen Abschied nehmen muss, da kann man die Kinder nicht anlügen. Ich hab mich dann mit den Minis zusammen aufs Sofa gekuschelt, und dabei sind auch mal Tränen geflossen. Aber anschließend habe ich mit ihnen zusammen überlegt: Warum gehen wir nach Peking? Worauf freuen wir uns? Ich glaube, im großen und ganzen würde ich das genau so wieder machen.

Bei der Beantwortung der expatmama-Fragen hab ich mich relativ kurz gehalten und auf die Frage nach Tipps geschrieben “Lernen, über den eigenen Schatten zu springen, neues auszuprobieren – wann, wenn nicht in einer neuen Stadt in einem neuen Land?” Um das zu konkretisieren: nicht berufstätig (keine Arbeitserlaubnis), Kinder ganztags in der Schule – da bleibt viel Zeit, die sinnvoll gefüllt werden möchte. Mir selbst ist Langeweile fremd, aber wenn ich schon in Peking bin, dann will ich hier auch Dinge tun, die ich in Hamburg oder woanders auf der Welt so nicht tun kann. (Trotzdem genieße ich es, soviel Zeit fürs Lesen zu haben!)

Ich nutze deshalb viele Angebote der Patengruppe oder des Compounds (Ausflüge, gemeinsames Tatort-gucken, Stricktreff…), dabei bin ich vor Peking lieber ohne Gruppe auf eigene Faust losgezogen. Aber hier wollen neue soziale Kontakte gefunden und gepflegt werden, von daher gibt es für mich nun doch viele Gruppenaktivitäten. Für jemanden, der bisher eher in Gruppen losgezogen ist und selten allein: einfach mal ausprobieren! Allein in der Stadt unterwegs zu sein ist ein ganz anderes Gefühl als in Gruppe oder mit Familie, es ist schön, dem eigenen Tempo zu folgen und sich genau dahin treiben zu lassen, wo man gerade von angezogen wird. Und was soll passieren – Visitenkarte und ein paar Taxitaler in der Tasche, nach Hause kommt man immer!

Anderes Beispiel: ein neues Hobby anfangen. Bei mir ist es derzeit das Fotografieren. Eine dolle Fotokünstlerin werde ich sicher nie, ist auch gar nicht mein Anspruch, aber ich mag viele meiner Bilder jetzt schon lieber als das verwackelte Ritschratschklick von früher. Und es gibt so viele weitere Möglichkeiten: Sport, Nähen lernen, ehrenamtliches Engagement, Musikunterricht/Instrument lernen.

Ok, das ist sicher alles ganz subjektiv, und was für mich gut ist und womit ich mich wohlfühle, muss für andere noch lange nicht das richtige sein. Aber vielleicht hilft es ja doch der einen oder anderen: einfach mal trauen und machen!

 

Gestern haben wir ausgepackt, ausgepackt und, äh, ausgepackt.

Heute war ich beim “medical check”, das war ein Erlebnis für sich. Erstmal an irgendeinem anderen Ende der Stadt, fast schon in den Bergen, das war immerhin ein netter Anblick. Und dann war es wie Zirkeltraining, Station für Station, unpersönliche Massenabfertigung: Röntgen (ohne Bleischürze…), Blutdruck messen, Ultraschall (Nieren etc.), Blutabnahme, Sehtest, EKG, alles in allem gerade mal 20 Minuten! :D

Vorhin hab ich dann unsere Pässe an der Rezeption abgegeben, kann die in 3 Stunden wieder abholen, dann ist die polizeiliche Anmeldung erledigt. Wenn das Gesundheitszeugnis dann am Montag da ist, folgt der letzte Akt: das Beantragen der Daueraufenthaltserlaubnis.

Gestern hab ich gleich mal bei Tootoos Organic Farm bestellt: Obst, Gemüse, Joghurt, Milch. Wurde direkt heute früh geliefert, macht nen guten, frischen Eindruck (da weder Labor noch entsprechende Fähigkeiten vorhanden, kann ich zur objektiven Qualität nicht sagen, auch das Siegel “organic certified” sagt mir – noch – nichts). Aber irgendwo muss man ja mal anfangen.

Heute muss ich mich noch um einen Wasserlieferanten und den eventuellen Einbau eines Wasserfilters in der Küche kümmern, “residential cards” für die Jungs und mich abholen, ein bischen Drängeln, was den TV-Anschluss angeht und und und. Also noch einiges rund um’s Ankommen halt.

Bilder folgen noch, erstmal heisst es für uns Jetlag und Dauermüdigkeit in den Griff kriegen, sind ja nur noch ein paar Tage bis zum Schulstart.

Gestern war es also soweit, aufgeregt wie nur was sind die Minis und ich nachmittags in Hamburg abgeflogen, umsteigen in Amsterdam ging auch flott und der ganze Flug war soweit angenehm und entspannt, irgendwann sind wir auch eingeschlafen  – und nachts wurde ich dann wach und sah das:

mongoleivonoben

Gut 11 km über der Mongolei

Das war es dann für mich mit Schlafen –  rausgucken war wichtiger. Schon ein irres Gefühl, dieser erste Blick auf Asien. Leider wurde die Sicht dann doch bald schlechter, aber wir waren ja schon fast da und sind dann pünktlich im Pekinger Schneetreiben gelandet. Einreiseformalitäten waren zügig erledigt, Gepäck auch fix da und dann ging es raus: Hallo Peking, hier sind wir.

Und da war sie also, die Pekinger Luft. Riecht für mich wie Berlin früher *röchel*. Nee, keine Sorge, kein Röcheln, aber man merkt und riecht und schmeckt es schon.

Mit dem Taxi ging es dann “nach Hause”. Große Augen bei den Kurzen: keine Kindersitze, nicht mal Anschnallen war möglich, und das bei Verkehr, der echt abenteuerlich ist (und das, obwohl Peking wegen der Neujahrsfeierlichkeiten weniger voll als sonst sein soll).

Blick aus einem Schlafzimmerfenster

Blick aus einem Schlafzimmerfenster

Die Wohnung ist echt nett, zentral gelegen, erstmal ankommen und bischen ausruhen. Nachmittags sind wir dann zu einem ersten Spaziergang aufgebrochen. Wetter war viel besser als morgens, kein Schnee mehr, trocken – und die miese Luftqualität haben wir gar nicht mehr so wahrgenommen. Dafür alle paar Schritte neue Gerüche – von Katzenpisse bis richtig lecker alles dabei. Soviel zu sehen und zu entdecken, man weiss gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Wir sind dann durch Sanlitun durchgebummelt – und bei Schindlers Anlegestelle gelandet, wo wir die Kurzen dann erstmal ohne kulinarischen Kulturschock abfüttern konnten. ;) Uriger Laden und ein bunter internationaler Gästemix, überwiegend aber doch Chinesen.

Es stürmen unglaublich viele Eindrücke auf einen ein, und so weiss ich gar nicht, was erzählen und wo anfangen. Der Verkehr zum Beispiel: an den Kreuzungen wird gehupt, was geht, Abbieger fahren trotz Fußgängern einfach weiter und dazu noch die Vielfalt der Fahrzeuge: von der uralten Schrottmühle bis zur neuen Luxuskarosse, Fahrräder, eBikes, Rikschas, Lastenkarren, Lastenfahrräder, Busse – das Straßenbild ist wirklich bunt. Ebensolche Vielfalt bei den Gebäuden. Moderne Neubauten neben ollen Abrissbuden, flache und hohe Häuser bunt durcheinander, kleine Gassen, wo die Zeit stillsteht, und dann turbulente, moderne Einkaufsstraßen. Botschaftsgebäude, gut gesichert, sowohl durch Zäune als auch schwer bewaffnete Polizisten. Überhaupt viel Polizei unterwegs. Aber auch die grinsen unsere beiden Minikasper an. Genauso wie wir gucken, werden auch wir angeguckt und fotografiert – die Minis seien “so cute”. Stimmt. :)

 

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. Heute ein paar Fotos aus den letzten Tagen.

Der Frühling ist endgültig in Peking angekommen, es grünt und blüht überall, der erste “flying cotton fluff” schneit durch die Gegend und die Temperaturen übersteigen tagsüber jämtländische Hochsommertemperaturen. Nachts leider nicht, Heizung ist aber schon lange abgestellt und so jammere ich jeden Abend darüber, dass mir kalt ist. Aber wird nicht lange dauern, und dann werde ich mich über die Hitze beklagen, irgendwas ist ja immer. Aber ich bin doch unglaublich froh, dass der lange kalte Winter endlich vorbei ist und stromere wieder mehr durch die Gegend.

Pekings Lange Unterhose, das CCTV Headquarter, von der nicht so oft fotografierten Seite aus gesehen.

Lange Unterhose mal von der anderen Seite aus gesehen

Das Leben geht hier seinen halbwegs normalen Gang.

Arbeiter, Passant und Tuktuk in Peking

Alltag in Peking

Und ab und zu kommen mir dann auch solche Highlights vor die Linse.

Roter PKW und älterer Mann auf Dreirad-Tuktuk, der Mann trägt ein schwarzes Sweatshirt mit dem Chanel-Schriftzug auf dem Rücken.

Marken und Mobilität ;)

Die Auswahl von Fahrzeugen für Senior*innen ist hier wirklich beachtlich. Das schenkt Mobilität, auch wenn die Beine nicht mehr so wollen. Ich denke oft, dass Peking nichts für Fußkranke ist: Treppen (vor allem, wenn es in Richtung Berge geht, in jede kleine Steigung werden direkt Stufen geschlagen), Über- und Unterführungen, die Fußwege (wenn es welche gibt) sind oft nur schmale Stolperfallen und/oder zugeparkt. Aber – es gibt auch überall Rampen, wenigstens einen behindertengerechten Zugang an den Metrostationen.

Aktuell treibt es mich oft an die Seen, hier die Jinding-Brücke auf der Ostseite des Qianhai.

Jinding-Brücke, drei-Loch-Bogenbrücke in Peking, mit Spiegelung im Wasser

Jinding-Brücke

Feierabendverkehr im Hutong.

Arbeiter auf Fahrrädern im Pekinger Hutong

Feierabendverkehr

Hier ist der Sitz der Chinesischen katholisch-patriotischen Vereinigung. Kein Zutritt!

Rotes Tor, Eingang chinesische katholisch-patriotische Vereinigung

Kein Zutritt!

Und noch ein Hutong-Bild! Wäsche kann wieder draußen hängen, der Sandsturm ist vorbei. Der letzte Sandsturm war echt gruselig, hat nämlich ein Gewitter mitgebracht – ist ja nicht so, dass wir derzeit nicht sowieso schon eine weltweite Katastrophe erleben, da kam dann so richtig apokalyptisches Feeling auf…

Typischer Pekinger Hutong

Hutong in Peking

Vom Westufer hat man einen netten Blick über den Houhai und den Wanghai Tower. Da fällt mir ein, als ich neulich direkt beim Turm war, hatten wir auch gerade erst einen Sandsturm hinter uns, das sind dies Jahr doch mehr als sonst.

Am Pekinger Houhai - dem hinteren See

Peking hat wirklich schöne Ecken!

Und dann stehen vor der Ladentür nicht nur Räder und Autos…

Hab ich schon mal erwähnt, dass es hier nie langweilig wird? Und ich habe noch immer eine sehr lange Liste von Dingen, die ich unternehmen möchte – stay tuned!

Vergangene Nacht hatten wir die – hoffentlich – letzte Frostnacht. Wird auch Zeit, nächste Woche endet die Heizperiode! Tagsüber sollen die Temperaturen ab morgen durchgängig zweistellig bleiben – endlich verabschiedet sich der Winter. Jetzt muss nur noch mal einer an der Luft schrauben. Eine so lange miese Phase, zwischendrin mit yellow alert, hatten wir lange nicht mehr. Im Vergleich zu früher ist das zwar immer noch viel besser, aber mit dem Wissen, dass auch hier in Peking gute Luft möglich ist, nervt mich das sehr. Abgesehen davon krieg ich vom Smog immer noch Kopfschmerzen und Atemwegsprobleme. Auch heute waren die Werte nicht gut, aber ich musste doch mal wieder eine Runde drehen.

Als Ziel hatte ich mir insgesamt mal die Ecke südwestlich der Verbotenen Stadt ausgeguckt und konkret zunächst den Fayuan Tempel, aber der Routenplaner meldete “vorläufig geschlossen”. Vor verschlossenen Türen habe ich in letzter Zeit oft genug gestanden, also ist das erstmal verschoben. Die Ochsenstraßen-Moschee (Niujie Moschee) ist auch in der Ecke, Internet behauptet: täglich geöffnet, und auch der Routenplaner hatte nichts zu meckern. Also nichts wie los!

Ich fahre meine übliche Strecke Richtung Botschaft und Dongzhimen, dann weiter am 2. Ring entlang und biege dann auf die Pekinger Bahnhofsstraße ein (Beijing Station East/West Road).

Pekings Hauptbahnhof

Beijing Railway Station

Mehr oder weniger bepackte Fußgänger sind etliche unterwegs, auf der Straße ist gerade wenig los. Ich vermute, das hängt mit Straßensperrungen rund um den Tian’anmen zusammen, in der Großen Halle des Volkes herrscht ja gerade Hochbetrieb…

Pekinger Bahnhofsstraße mit nur wenig Verkehr, leere Fahrspuren

Hier stockt und staut es sich sonst ganz ordentlich…

Ich lasse das Bahnhofsviertel hinter mir und fahre dann ein Stückchen auf den Himmelstempel zu.

Qinian Street mit Blick auf Himmelstempel in Peking

Qinian Street – Blick auf Himmelstempel

Nun bin ich im ehemaligen Bezirk Xuanwu, der inzwischen Teil von Xicheng ist. In dieser Ecke bin ich bisher nicht oft unterwegs gewesen, deshalb gibt es hier noch viel für mich zu entdecken. Von uns aus ist alles östlich der Verbotenen Stadt/Tian’anmen halt deutlich näher als westlich davon. Sicher werde ich meine Lieblingsecken auch weiterhin regelmäßig aufsuchen, aber es wird auch Zeit, das Gebiet westlich mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Niujie-Moschee

Das Stadtbild ändert sich merklich: die Schrift auf vielen Ladenschildern ist anders, und hier überwiegt nicht mehr rot, sondern grün – die Farbe des Islam. Würziger Essensgeruch hängt in der Luft. Das ganze Umfeld wirkt ein bisschen, als wäre ich auch ein paar Jahre in der Zeit zurück gereist.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite verraten mir eine Mauer und die darüber hinaus ragenden Dächer, dass ich fast am Ziel bin. Ein letztes Mal biege ich ab und bin da. Oder? Sieht ziemlich geschlossen aus. Ein Schild verweist auf einen Scooter-Parkplatz ein paar Meter weiter, aber außer mir parkt hier keiner. Tja, ich hab eine Strähne: geschlossen! Ein Bauarbeiter öffnet ein Nebentor, aber er winkt ab, keine Chance.

Die älteste Moschee Pekings: die Ochsenstraßen-Moschee. Leider derzeit geschlossen.

Ochsenstraßen-Moschee: geschlossen.

Mal sehen, ob ich herausfinden kann, wann man die Moschee wieder besichtigen kann, das sieht schon interessant aus. In China habe ich bisher nur die Moscheen in Xi’an und in Datong besichtigt, in Peking weder die beiden bekannteren (Niujie und Dongsi) noch eine der anderen.

Haupttor der Niujie-Moschee

Haupttor der Niujie-Moschee

Gleich zwei (fast) leere Akkus

Ich hab wohl schon halb damit gerechnet, ich bin nicht enttäuscht, dass ich nicht hineinkomme. Die Strecke war ja auch schon ziemlich interessant. Zurück beim Scooter stelle ich fest, dass ich besser schon vorher mal einen Blick auf die Akkuanzeige hätte werfen sollen: das wird knapp. Also werfe ich wieder das Navi am Handy an, um mir die kürzeste Strecke anzeigen zu lassen. Eigentlich kein Problem: erst schnurgeradeaus nach Norden, dann schnurgeradeaus nach Osten und dann auf den letzten Metern noch ein bisschen im Zickzack nach Nordosten.

Blöderweise vergesse ich, dass das Navi eigentlich ein eigenes AKW für den Betrieb braucht und prompt wird das Display schwarz. Verfahren werde ich mich nicht, aber ohne Handy habe ich keine Health App und kann nicht bezahlen, also kein Zwischenstopp im Supermarkt. Aber solange es nur das Handy-Akku ist und nicht das des Scooters…  Naja, schlimmstenfalls etwas schieben, und damit schiebe ich diese Gedanken weg und schau mich lieber um. Immer wieder sind Sehenswürdigkeiten ausgeschildert, nicht weit entfernt sehe ich die Weiße Pagode des gleichnamigen Tempels – dahin möchte ich eine der nächsten Touren machen. Naja, falls geöffnet ist… Aber heute gibt mein Scooter den kleinen Umweg nicht mehr her.

Interessante Gebäude gibt es jedenfalls an fast jeder Ecke.

Kreuzung und modernes Gebäude in Peking

Hmm, Battleship? War of the Worlds? Independence Day-Saster? In welchem Film kamen noch mal diese Metallkugeln aus der Erde? ;)

Geheimtipp für Blinker-Schoner

Oh, und das wollte ich schon länger mal erzählen: Deutsche und Chinesen haben viel gemeinsam. Blinker schonen zum Beispiel. Darum fahren hier in den Bussen Bedienstete mit Fahne mit, die beim Abbiegen hektisch damit herumwedeln, damit es zu keinem unglücklichen Zusammentreffen von Bus und Mensch kommt.

Abbiegender Bus in Peking mit roter Fahne, die aus dem Fenster heraus gewedelt wird

Fahne statt Blinker!

Deko im Stadtbild

Ein Stück weiter kurz vor dem Shichahai fallen mir diese bunten Fische ins Auge. Hübsch, das ist mal eine Abwechslung!

Sonst dominiert ja rot. Außer den roten Glücksknoten und Lampions stehen derzeit auch noch Hunderte rote Sonnenschirme in der Stadt, dazu zwei oder mehr ältere Leute mit roten Armbinden. Hat wohl auch mit den Two Sessions zu tun. Polizei ist auch präsenter als sowieso schon.

Weihnachtsdeko sieht man hier vielerorts das ganze Jahr über.

… und wieder zurück

Etwa auf Höhe der Deutschen Botschaft schiele ich auf die Akku-Anzeige. Ups, das wird knapp. Das blöde beim Scooter-Schieben ist die krumme Haltung, aber so weit ist es zum Glück nicht mehr.

Vor der Klinik neben dem Sanyuanli-Markt steht eine lange Menschenschlange auf der Straße: hier wird geimpft. Mal sehen, wann es für uns soweit sein wird.

Der Scooter-Akku lässt mich nicht im Stich, ich komme ohne Schieben und verrenkten Rücken zuhause an – aber viel weiter wäre ich auch nicht mehr gekommen. Immerhin habe ich jetzt eine Orientierung, wie weit ich die Kiste ausreizen kann. Und das will ich auch nutzen, denn jetzt, wo es nicht mehr so eisig ist, macht es doch erheblich mehr Spaß, wieder auf Entdeckungstouren zu gehen.

Ich plane gerade Aktivitäten für die Fotogruppe. Als Thema für den März habe ich mir “Gegensätze” überlegt, nicht zum ersten Mal, ist hier aber wirklich unerschöpflich. Starten will ich im Zhihua-Tempel und dann zum Galaxy Soho hinüber spazieren. Die Ecke kenne ich einigermaßen gut, eigentlich keine neue Erkundung vor Ort nötig. Aber um auszuschließen, dass gerade gebaut wird oder warum auch immer geschlossen ist, habe ich mich vorhin zum Zhihua-Tempel aufgemacht. Dass sich in China (und wegen der Pandemie erst Recht) plötzlich etwas ändern kann, ist halt so, aber ich will halt doch im Rahmen der Möglichkeiten sorgfältig vorbereiten.

Am Galaxy Soho stoppe ich nur kurz. Hier herrscht reges Kommen und Gehen, außer dem allgegenwärtigen Health Check gibt es hier keine Einschränkungen.

Health Check Station vor dem Galaxy Soho in Peking.

Health Check

Ich tuckere weiter, nur noch ein kurzes Stück am 2. Ring entlang, dann biege ich in die Hutongs ab, noch einmal abbiegen und schon steh ich vor dem Tempel. Sehr gut, er ist geöffnet. Ticketpreis ist unverändert, Öffnungszeiten auch. Keine Bauarbeiten. Eigentlich könnte ich wieder umdrehen, aber das Wetter ist so schön, also löse ich ein Ticket und drehe eine kurze Runde durch den Tempel.

Galaxy Soho vom Zhihua-Tempel aus gesehen.

Alte Hütte, neue Hütte…

Ja, zu gucken und zu fotografieren gibt es hier mehr als genug.

Die Tempel Fairs sind ja alle abgesagt. Aber Wunschkarten aufhängen, das geht.

Eine Frau hängt Wunschkarten an einen Baum im Zhihua-Tempel

Wunsch-Karten

Ich werfe noch einen Blick zurück und mache mich dann wieder auf den Weg.

Links Dachreiter und rechts kahler Winterbaum

Dachreiter

Im Hutong ist deutlich mehr los als im Tempel. Hunde rennen über die Straße, überall stehen oder sitzen Leute und unterhalten sich, ein bisschen Verkehr ist auch.

Im Lumicang-Hutong

Lumicang Hutong

Das war jetzt eine nette Runde, hat Lust auf mehr gemacht.

Und sonst?

Das Jahr des Ochsen hat begonnen, die TV-Gala war “wie immer” und auch wieder nicht, die Schalten zu den Provinzen haben doch gefehlt, die machten das immer noch bunter.  Die staatlichen Neujahrsferien sind seit heute zu Ende, die Stadt scheint trotzdem noch stillzustehen, viele Firmen fangen wohl erst Montag wieder mit der Arbeit an. Peking hat inzwischen 19 Tage lang keine lokale Corona-Neuinfektion gemeldet. Wäre schön, wenn das noch lange so bleibt.

Fotos

Wir haben Besuch und sind am Sonntag zusammen in den Art District 798 gefahren. Da gefällt es mir immer wieder gut. Nicht nur wegen der vielen wechselnden Ausstellungen entdecke ich jedesmal etwas Neues. Am Sonntag kam noch das wunderbare Frühlingswetter und halbwegs brauchbare Luft dazu, und wir haben uns stundenlang da durchtreiben lassen.

Auch Yoko Onos “Golden Ladders” haben wir uns angesehen, gleich hinter dem Goethe-Institut in der Faurschou Foundation Gallery. Zusammenfassung: 3 Räume: Wassergläser, Bäumchen, Leitern, Treppe. Mit tiefsinniger Bedeutung. ;) Ich fürchte, ich bin und bleibe Banause. Aber hey, wie cool: ich habe eine Yoko-Ono-Ausstellung gesehen! :D Wer auch noch möchte: läuft noch bis zum 3. Juli 2016.

Als nächstes möchte ich nun noch herausfinden, wie lange die “Of Sharks And Humanity”-Ausstellung noch läuft…

 

Mit unseren Besuchern sind wir im Anschluss an den Spaziergang durch den Art District 798 nach Sanlitun gefahren, Büro samt Dach herzeigen. Oben auf dem Dach war es lauter als unten im Gewusel…

Und so wenig schnieke sieht das sonst ja sehr schicke Taikoo Li (Sanlitun Village) von oben aus.

Und auch das Intercontinental versteckt sich hinter ganz normalen Pekinger Wohnhäusern.

Was für ein Unterschied zu dem Anblick, der sich hier nachts bietet!