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Schnipsel Nr. 26

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Ferien-Ende

Heute ist der erste Schultag nach den Chinesischen Neujahrsferien. Richtig zur Schule geht allerdings erstmal nur der Jüngste, K4 steckt in den letzten Vorbereitungen vor dem schriftlichen Abi – nächste Woche geht’s damit los. Die Umstellung auf Weckerklingeln und frühes Aufstehen hat erfreulicherweise gut geklappt – der Alltag hat uns wieder.

Und wir sind guter Dinge, dass es nun wirklich wieder richtiger, normaler Alltag sein wird. Mit Verabredungen und Unternehmungen, die nicht kurzfristig abgeblasen werden müssen, mit all den vielen Möglichkeiten, die Peking uns bietet, ohne Einschränkungen.

Wieder unterwegs

Das Chinesische Neujahrsfest wird auch Frühlingsfest genannt, und auch wenn die Temperaturen noch nicht frühlingshaft sind, so scheint die allerschlimmste Kälte für diesen Winter überstanden zu sein. Es macht endlich wieder Spaß, draußen unterwegs zu sein.

Wenn ich zum Sanyuanli-Markt und zum Jingkelong (Supermarkt) fahre, muss ich an dieser Ampel am 3. Ring warten und schaue derzeit in die noch rot geschmückte Shunyuan Street hinein.

Blick unter einer Brücke hindurch in eine Allee, deren Bäume mit viel roter Deko geschmückt sind, Autos queren, der Blick ist oben und unten durch die Brücke und deren Schatten eingerahmt.

Ditan-Park

Gestern bin ich kreuz und quer durch Wohnviertel hindurch zum Ditan-Park gefahren. Die stark abgespeckte Temple fair Anfang der Woche habe ich ausgelassen (zu kalt, keine Lust auf Gedränge), aber noch steht Neujahrsdeko im Park.

Es ist nicht besonders viel los. Vielleicht fällt mir daher umso mehr auf, dass inzwischen ganz viel eingezäunt und abgesperrt ist. Dass viele empfindlichere Büsche und Sträucher noch in ihren Winterverpackungen dastehen (und stattdessen künstliche Blüten verteilt sind), lässt mich heute den Park als ein bisschen trostlos empfinden. Und das trotz der hübschen roten Deko überall. Das geht mir hier zum ersten Mal so, mal sehen, ob das im Frühling, wenn es wirklich wärmer und vor allem grüner und bunter ist, auch noch so ist.

Wer keine Arbeit hat…

… macht sich welche. Zum Beispiel, in dem man an einem einzigen Tag gleich zweimal über einen voll betankten Luftbefeuchter stolpert, diesen umwirft und damit für Überschwemmung sorgt. Positive Folge: an diesem Tag muss dieser Luftbefeuchter dann nicht mehr laufen. Nun steht er wieder an seinem alten Platz, der vielleicht für die beabsichtigte Verteilung der Feuchtigkeit im Raum nicht so optimal ist, aber unbeabsichtigtes Bodenwässern bisher wirksam verhindert hat. Haut und Atemwege sind jedenfalls so froh über angemessene Luftfeuchtigkeit, dass der extra Aufwand mit den Luftbefeuchtern sich definitiv lohnt.

 

Winter im Sommerpalast

Mit der Fotogruppe geht es in den Sommerpalast. Es ist ein knackig kalter Wintertag, morgens noch grau und mit mäßigem Smog, aber später am Vormittag sollen die Luftwerte dank Wind aus der richtigen Richtung gut werden. Es gibt sogar eine „blaue Landsturmwarnung“ (blau ist die niedrigste von vier Warnstufen), der ich dusseligerweise keine Beachtung schenke, denn ich arbeite ja nicht als Fensterputzerin oder auf einem hohen Gerüst.

Wir sind nur zu dritt (interessante parallele Veranstaltungen und viele noch/schon verreist) und teilen uns ein Taxi ab der Schule. Die Straßen sind leer und wir sind in noch nicht einmal einer halben Stunde am Nordtor des Sommerpalasts – Rekordzeit. Sofort stürzt sich ein Baoan auf uns und zeigt uns eine Infotafel, wo wir den QR-Code scannen sollen, um die Tickets zu kaufen. Ich habe das Sommerpalast-Miniprogramm bereits und bin schon im System, aber der Mann ist unsicher und winkt eine weitere Mitarbeiterin zu uns. Beide sind wirklich nett und hilfsbereit, aber auch so klappt alles problemlos. Anlässlich der Feiertage zahlen wir nur den halben Preis (25 statt 50 RMB) – das hätte ich nicht gewusst. Kein Messen der Temperatur mehr, kein Scannen des Healthcodes, nur noch den QR-Code der Tickets vorzeigen und wir sind drin.

Suzhou-Market-Street

Der Nordeingang ist der Eingang direkt an der Suzhou-Street. Hier stürzt sich wieder ein Mann auf uns und will uns hier aufs Eis locken. Rückblickend wäre das eine gute Sache gewesen, aber unser Plan ist es, erst auf den Hügel hinauf zu klettern, dann hinunter in Richtung Marmorboot, durch den langen Korridor am See entlang bis hin zur 17-Bogen-Brücke und als abschließender Höhepunkt aufs Eis des Kunming-Sees.

Zugefrorener Kanal im Sommerpalast, gesäumt von historischen zweistöckigen Bauten.

Wir gehen also weiter. Ich bin zwar im Wesentlichen wieder fit, aber bei den Stufen bergauf bin ich doch noch kurzatmiger als normalerweise. Aber das ist dann auch das Einzige, was ich noch von Covid übrig habe, ansonsten bin ich endlich wieder ganz gesund, keine komischen Husten- oder Schwächeanfälle mehr, es ist also endlich überstanden.

Zu Schauen gibt es mehr als genug, zum Beispiel die Dachreiter auf den zahlreichen Pavillons und Hallen.

Grüne glasierte Dachreiter auf einem Pavillon

Das Marmorboot

Wir erreichen das Marmorboot. Noch ist es grau und zusammen mit dem Gegenlicht kann das Marmorboot auch mal ganz düster wirken. Die Holzaufbauten wirken aber tatsächlich schäbiger als früher, hier stehen sicher bald Renovierungsarbeiten an.

Marmorboot auf/am Kunming-See im Pekinger Sommerpalast

Wir spazieren durch den langen Korridor, machen eine kleine Kaffeepause, das wärmt von innen. Es ist wirklich bitterkalt. So langsam wird es windig, aber noch sind wir im geschützten Bereich der Innenhöfe. Die Bäume sind mit Hunderten von roten Mini-Laternen geschmückt und zu meiner großen Freude sehe ich den Wimpel einer Touristengruppe. Dass die einem mal fehlen würden bzw. dass man sich so freut, dass die endlich wieder da sind…

Hunderte kleiner roter Lampions in einem kahlen Baum, im Hintergrund ist ein traditionelles chinesisches Gebäude zu erkennen

See und Eis

Wir spazieren weiter am See entlang und haben wirklich tolle Aussichten über den See hinüber zum Langlebigkeitshügel und den historischen Gebäuden.

Zugefrorener Kunming-See im Pekinger Sommerpalast

Inzwischen ist es deutlich windiger geworden, das Grau verschwindet. Wir nähern uns erstmal der 17-Bogen-Brücke, überqueren diese und schlendern über die Insel.

17-Bogen-Brücke im Pekinger Sommerpalast

Nun geht es aufs Eis. 100 RMB pro Person sind für Zugang plus Eisfahrrad zu berappen. Wir schlittern drauf los, setzen uns auf die Eisräder – und dann stellt sich rasch heraus, dass das angesichts der teils heftigen Windböen eine nicht ganz so kluge Idee gewesen ist. Eigentlich wollten wir kreuz und quer über den See und schließlich an der Nordost-Ecke zurück an Land. Uneigentlich mussten wir gegen den Wind anradeln – und sind praktisch nicht vorwärts gekommen. Kein Vergleich zum letzten Jahr, wo ich kreuz und quer über den gefrorenen See sausen konnte.

Das Gefühl, dass es so toll ist, hier zu sein und das erleben zu können, hält nur kurz an, denn wir merken rasch, dass es bei den heftigen Windböen nicht ganz ungefährlich auf dem Eis ist. Herrenlose Schlitten und Räder sausen mit hoher Geschwindigkeit übers Eis – wenn die einen treffen, könnte das nicht nur weh tun, sondern einen ernsthaft verletzen. Aber auch wir selbst werden vom Wind in Richtungen getrieben, in die wir gar nicht wollen, da hilft es nicht mal, sich mit den Füßen gegen das Eis zu stemmen.

Als eine von uns sieht, dass ein Mann stürzt und zunächst nicht wieder aufsteht, ist es kein lustiges Abenteuer mehr, wir entschließen uns abzubrechen. Wir geben die Räder ab und schlittern vorsichtig zurück an Land. Wir sind gerade auf der Rampe, als wir sehen, dass hinter uns das Eis geräumt wird. Tickets werden auch keine mehr verkauft. Also wieder was gelernt: auch die „harmlosen“ blauen Warnungen haben ihren Sinn – und künftig bei heftigen Windböen nicht mehr aufs Eis.

Unterm Strich war es dennoch ein toller Ausflug. Es bleibt ja noch eine ganze Zeitlang frostig, vielleicht gönne ich mir das (Eis-)Vergnügen doch noch mal, sonst spätestens im nächsten Jahr wieder. Ansonsten bin ich spätestens im Frühling wieder im Sommerpalast.

Fotos

Schnipsel Nr. 25

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Anti-China- statt faktenbasierter Pandemie-Politik?

In den USA (und auch schon in Deutschland) verbreitet sich eine neue, möglicherweise ansteckendere und gefährlichere Variante des Coronavirus, aber eine Testpflicht wird nur für Reisende aus China eingeführt und eine Reisewarnung für China (nicht die USA) herausgegeben. Warum der Fokus auf China nichts weiter als eine Nebelkerze ist, wird hier vom Wissenschaftsmagazin Spektrum erklärt.

Aber auch hier setzt die Beschränkung auf Reisende aus China den falschen Fokus. Denn das große fröhliche Variantenzüchten geschieht weltweit, ohne dass sich irgendwer daran stören würde. Im Gegenteil, während in den vergangenen Monaten ein ganzer Zoo sehr ansteckender Immunfluchtvarianten entstand – darunter die XBB-Linie, die sich derzeit in diversen Ländern extrem stark verbreitet – probten die meisten Länder der Welt die Normalität. Überwachung und Maßnahmen wurden zurückgefahren, man akzeptiert jetzt hohe Infektionszahlen und die dadurch geförderte Virusevolution. Und nun ist China auf einmal das Problem?

Vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis es – quid pro quo – entsprechende Maßnahmen aus China gibt. Und damit wächst bei uns die Besorgnis, dass sich unsere Reisemöglichkeiten doch nicht normalisieren werden. Ich bin sehr dafür, die Pandemie wirksam zu bekämpfen – aber politisch motivierte Alibi-Maßnahmen mit Beschränkung auf China sind Quatsch.

Downgrade!

Seit heute gilt Covid in China „nur noch“ als eine Class B Erkrankung (wie HIV, Hepatitis, Vogelgrippe z.B.). Das heißt: keine Quarantäne, kein Tracking enger Kontakte, keine Risk-Areas mehr. Endlich!

Winterfreuden

So langsam geht’s mir besser, nach über einem Monat wird das auch mal Zeit. Es tut mir gut, wieder in der Stadt unterwegs zu sein. Noch reicht die Kraft nicht für Tagesausflüge, aber jeden Tag geht ein bisschen mehr.

Das Wetter ist schön, nachts durchgängig Minusgrade, aber heute ist es tagsüber ungewöhnlich warm mit 11 Grad (normal ist das nicht!). Für Donnerstag ist Niederschlag vorhergesagt und bis vorhin hatte ich auf Schnee gesetzt. Aber nun werden die Temperaturen tagsüber wohl nicht um 0 Grad, sondern bei 3 Grad liegen, damit wird das wohl Regen werden.

Gestern wollte ich eigentlich in Richtung Lama-Tempel und Ditan-Park. Ich war neugierig,  denn am Neujahrstag wurden rund um den Lama-Tempel viele Absperrgitter abgeladen, und ich wollte schauen, ob und was da los ist. Spannend ist ja, ob es dieses Jahr wieder Tempelmessen geben wird – die größte in Peking war immer im Ditan-Park. Ich habe gehofft, dass die Gitter vielleicht dafür gedacht waren. „Large scale events“ sind allerdings weiterhin nicht erwünscht, von daher heißt es abwarten, ob und was es an Temple fairs geben wird.

Aber als ich über die Brücke am Liangma River gefahren bin, hat mich der Trubel auf dem Eis so gelockt, dass ich erstmal eine Weile hier spazieren gegangen bin.

Schlittschuhe sind die Ausnahme, aber diese Stuhlschlitten gibt es en masse, von der großen Luxusvariante bis zum improvisierten Klappmodell.

Für richtig viel „Eishockey“-Spaß sowohl für die Spieler:innen als auch die vielen Zuschauer:innen sorgen ein paar Besen und eine Kleberolle. Und wenn mal einer ausrutscht und hinfällt, wird das mit viel freundlichem (!) Gelächter und Applaus bedacht.

Vorsicht!

Mit den ungewöhnlich hohen Tagestemperaturen ist das Eis auf manchen Kanälen brüchig, auf WeChat kursiert ein Video mit einer kleinen Gruppe, die gestern in der Nähe des Beijing Exhibition Centers eingebrochen ist und gerettet wird.

Fotos

Schließlich tuckere ich weiter in Richtung Lama-Tempel. In der gesamten Yonghegong-Straße steppt der Bär, aus den Souvenirläden dröhnen wieder wie vor der Pandemie Meditationsgesänge vom Band. Aber die Gitter vorm Tempel sind weg, und auch am Ditan-Park ist nichts los. Anders als der Liangma River ist der Beihucheng River nicht zugefroren. Leider ist so langsam meine Energie aufgebraucht und ich mache mich auf den Rückweg.

Gehört hier zum Winter dazu: Süßkartoffel-Verkäufer!

Solche überladenen Fahrzeuge gibt es zwar weiterhin, aber doch viel weniger als früher.

Schule!

Heute ist der letzte Ferientag, morgen startet die Schule. In Präsenz. Das Thema Online-Schule ist hoffentlich dauerhaft Geschichte! Ein paar Maßnahmen gibt es noch:  es muss ein Schnelltest gemacht werden (und ein Formular ausgefüllt und hochgeladen oder mitgegeben werden). Schnelltests sind neu für uns, aber nun können wir an die Erfahrung auch einen Haken machen… Außerdem wird beim Betreten der Schule weiterhin die Temperatur gemessen, müssen im Gebäude Masken getragen werden, soll der Kontakt zu anderen Klassen auf das notwendige Minimum beschränkt werden und Eltern dürfen die Schule nicht betreten. Letzteres ist im Hinblick auf den normalen Schulalltag nicht so wild, aber die Schule kann so noch nicht wieder in die Rolle als Treffpunkt der deutschen Community mit Festen und Veranstaltungen zurückkehren. Aber das wird hoffentlich auch bald noch!

Als Lichtblick für alle, die sich nicht so auf die Schule freuen: in zwei Wochen sind schon wieder (Neujahrs-)Ferien!

Neujahrsspaziergang am Shichahai

Ich bin zwar immer noch nicht fit, aber mein Neujahrsspaziergang musste gestern sein. Ich hab allerdings den Scooter stehen lassen und bin mit dem Didi zum Shichahai gefahren, was sich später auch als gute Entscheidung entpuppen wird.

Immer noch angeschlagen

Wie angeschlagen ich noch bin, merke ich unter anderem auch daran, dass ich ganz dicht am Wasser gebaut bin. Keine QR-Code-Aufkleber mehr im Taxi, nichts mehr scannen? Feuchte Augen. Gewimmel auf den Straßen, reichlich Ampelrückstau? Feuchte Augen.

Vor wenigen Wochen habe ich noch voller Überzeugung gesagt, dass ich es richtig finde, dass man Covid nicht einfach durchrauschen lässt (und falsch finde ich das weiterhin nicht). Aber nun ist auch in China „durchrauschen“ angesagt – und ich habe die Kehrtwende von ZeroCovid auf VollCovid immer noch nicht wirklich verarbeitet, nicht nur, weil uns die Seuche prompt erwischt hat. Den Begriff „VollCovid“ habe ich übrigens nicht erfunden, sondern von Sven Tetzlaff übernommen. Es ist gut, dass das an etlichen Punkten weit übers Sinnvolle hinausschießende ZeroCovid-Regime sein Ende hat. Und deshalb tut es nun unglaublich gut, so viele Leute auf den Straßen zu sehen.

Kurz hinter dem Trommelturm steige ich aus dem Didi aus und bin mitten im Gewusel. Ich gehe zum See hinunter und beschließe, den Qianhai (den Vorderen See) zu umrunden. Und dann stehe ich am Seeufer und habe das Gefühl Teil eines Wimmelbilds von Ali Mitgutsch zu sein. Und zack, wieder feuchte Augen.

Viele Menschen mit Eis-Rädern und Schlitten auf dem zugefrorenen Qianhai

Auch wenn die Situation in China sicher gerade schwierig ist mit den unendlich vielen Erkrankten, von denen viele nicht so glimpflich wie wir davonkommen werden – Normalität scheint zum Greifen nah zu sein.

Ich bin Teil eines lebendigen Wimmelbilds

Langsam umrunde ich diesen Teil des Shichahais: den Qianhai. Es gibt fünf Zugangspunkte aufs Eis, aber ich fühle mich nicht fit genug, um aufs Eis zu gehen. Das werde ich aber sicher demnächst nachholen können. Außerdem: Sämtliche Schlitten und Räder (im Eintritt inbegriffen) sind verliehen.

Qianhai in der Dämmerung, auf der Eisfläche tummeln sich viele Menschen

Alle Schlitten und Räder sind verliehen

Auch auf dem Kanal am Tempel des Feuergotts tummeln sich Leute, manche sind sogar so wagemutig? leichtsinnig? unter der Brücke – hier ist die Eisfläche nicht durchgängig – durchzugehen.

Als ich schließlich bei der Yinding-Brücke ankomme, ist es nicht nur dunkel, sondern ich bin schon ziemlich erledigt. Durch die „Pfeifenstiel-Gasse“ gehe ich zurück zur Straße und noch ein Stückchen weiter, bis das Gewimmel etwas weniger wird. Hier rufe ich mir ein Didi.

Inzwischen bin ich echt fertig und wirklich froh, dass ich mich gemütlich auf die Rückbank des Didis kuscheln kann und nicht noch mit dem Scooter durch die Kälte fahren muss. Aber wie erledigt ich wirklich bin, merke ich erst Zuhause – wo ich noch vor 20 Uhr ins Bett falle. Total kaputt, aber auch zufrieden und zuversichtlich im Hinblick auf 2023.

Fotos

Byebye 2022

Nach drei Jahren Pandemie hat es uns mit dem 180-Grad-Schwenk von ZeroCovid auf VollCovid am Ende doch erwischt und umgehauen. Die Familie hat es überstanden, bei mir zieht es sich.

Ein bisschen gemein vom Schicksal war es, dass mich schüttelfrost-geplagt die Mail vom Auswärtigen Amt erreicht hat, dass wir uns nun für Biontech-Impfungen registrieren können. Trotzdem, besser spät als nie.

Die Weihnachtsfeiertage sind entsprechend unfeierlich und unspektakulär vorübergegangen, wurden überwiegend verschlafen. Statt Kartoffelsalat und Würstchen gab es Leckereien vom Inder (sah zumindest gut aus, ich kann aktuell nur „scharf“ und „nichts“ schmecken), und Peking-Ente macht statt Gänsebraten als Festessen auch was her.

2022 möchte ich schnell hinter mir lassen. Natürlich gab es auch Schönes, aber unterm Strich war es für uns – nicht nur, weil uns die Seuche zum Jahresende doch erwischt hat – das schwierigste Pandemie-Jahr. Auch wenn wir bei den letzten Jahreswechseln schon immer gehofft haben, dass das neue Jahr besser wird: dieses Jahr stehen die Chancen dafür deutlich besser.

Fotoparade 2022

An 2022 möchte ich wirklich nur noch einen Haken machen, und statt eines ausführlichen Rückblicks möchte ich nur eine Handvoll Fotos zeigen – und nehme damit wieder an der Fotoparade von Michaels Blog Erkunde-die-Welt teil.

Kategorie: “Berühmt”

Pekings Sommerpalast im Winter mit dem Eis-Vergnügenauf dem zugefrorenen Kunming-See

Sicherlich eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Welt: der Sommerpalast. Hier im Winter, auf dem zugefrorenen Kunming-See tobt das Eisvergnügen. Ich habe für Kälte nicht viel übrig, aber mit einem Eis-Fahrrad auf dem See vor dieser Kulisse herum zu radeln, das gehört auf jeden Fall zu den besten Aktivitäten in Peking. Mehr Bilder hier.

Kategorie “Modern”

Pekings "Lange Unterhose" und weitere Hochhäuser nachts von oben fotografiert.

Wenn ich an „Peking“ und „modern“ denke, kommt mir als erstes der CBD in den Sinn mit den hohen Türmen und dem charakteristischen Hauptgebäude des CCTV, der „Langen Unterhose“. Meist fotografiere ich dort von unten, aber dieses Jahr ist dieses Bild entstanden, und zwar aus der Atmosphere Bar im 80. Stock der China World Mall.

Kategorie “Naturwunder”

Schwalbenschwanz auf blauer Blume

Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken. (Carlo Karges)

Aus bekannten Gründen sind wir auch dieses Jahr nicht gereist, also keine Bilder von landschaftlichen Naturwundern wie den „Avatar-Bergen“ in Zhangjiajie oder den Karstkegelbergen bei Guilin. Stattdessen war ich in diesem Jahr mehrfach im Botanischen Garten und habe mir die „kleinen“ Naturwunder wie Pflanzen und Blumen – und diesen Schwalbenschwanz angesehen.

Kategorie “Obst”

Granatäpfel an einem Baum im Lama-Tempel

Diese Granatäpfel wachsen nicht irgendwo, sondern mitten im Lama-Tempel.

Kategorie “Botschaft”

Deutsche Botschaft in Peking mit Ukraine-Fahne am Gebäude.

Ich glaube, zu diesem Bild muss ich nicht viel sagen. Eine Botschaft der Solidarität an der deutschen Botschaft in Peking.

Kategorie “Selfie”

Linni auf dem zugefrorenen Kunming-See vor dem Sommerpalasst

Wenn es hochkommt, mach ich vielleicht zehn Selfies im Jahr – ich finde meine Umgebung viel interessanter, so wie hier das Eisvergnügen auf dem zugefrorenen Kunming-See vor dem Sommerpalast.

Kategorie „SW“

Zuwegung zum Yongdingmen (Tor) in Peking, schwarz-weiß und trostlos: breiter, weitgehend leerer Weg, wenige Menschen, kahle Bäume

Das ist der Weg zum Yongdingmen. Eine Sackgasse, in einer kleinen Parkanlage, es gibt nur den einen Eingang. In seiner Trostlosigkeit ein für dieses Jahr wohl sehr typisches Bild.

Kategorie „Koloriert“

Laubengang im Botanischen Garten mit roten Lampions

Wenn ich an Peking und kolorierte Bilder denke, fallen mir dazu natürlich rote Lampions ein. Und hier sind sie: im Botanischen Garten.

Silvester

Ich bin immer noch angeschlagen, daher werden wir es uns heute Abend zuhause gemütlich machen. Kein Raclette, kein Fondue, sondern „Shabushabu“ mit Hotpot und Grill, damit sind hier alle happy. An unseren Traditionen halten wir fest: Dinner for One wird nachher einmal laufen, Ekel Alfreds Silvesterpunsch dafür in Dauerschleife als Hintergrundbeschallung.

Und in drei Wochen feiern wir dann ja schon wieder: wenn das Jahr des Tigers endet und das Jahr des Hasen beginnt.

Ich wünsche allen einen Guten Rutsch und ein wirklich GUTES NEUES JAHR!

Peking und das Ende von Zero Covid

Letzten Mittwoch wurde quasi das Ende von ZeroCovid in Peking verkündet. Erste Vereinfachungen hat es bereits von den Protesten gegeben, aber diese haben das sicher beschleunigt.

Einerseits ist das eine große Erleichterung und normale(re) Zeiten rücken näher, Grund zur Hoffnung.  Natürlich ist es gut, nicht mehr ständig zum Test wackeln zu müssen, natürlich ist es gut, dass man sich im Falle der Ansteckung zuhause auskurieren kann.

Andererseits ist das zunächst aber auch mit viel Verunsicherung und der Befürchtung, dass sich nun extrem viele Menschen anstecken werden, verbunden.

Das hat unter anderem mit (nicht nur) unserem suboptimalen Impfschutz zu tun. Im November hieß es ja nach dem Staatsbesuch des Kanzlers direkt: Biontech kommt für Ausländer:innen in China. Vor gut zwei Wochen habe ich den Regionalarzt angeschrieben, Antwort: dauert noch, muss noch weiter ausgehandelt werden. Einen Schritt weiter ist das inzwischen wohl mit der Zulassung chinesischer Impfstoffe für chinesische Staatsbürger in Deutschland, aber bis wir uns hier tatsächlich mit Biontech impfen lassen können, wird es noch dauern. Dabei wünscht man sich angesichts der derzeitigen Situation, dass da der Turbo angeworfen wird, aber an den Weihnachtsmann glaube ich auch nicht mehr. Meine dritte Sinovac-Impfung ist ein Jahr her, Minderjährige haben gar keinen Anspruch auf eine dritte Impfung, und nebenbei wird in unserer Klinik aktuell nur gegen Grippe, nicht gegen Covid geimpft. Arghs.

Und wie befürchtet gibt es inzwischen tatsächlich lange Schlangen vor den Kliniken.

Ach, und einem maximal 48 Stunden alten negativen Tests braucht man weiterhin doch noch unter anderem für Restaurants, Behördengänge, Kinos, Fitnesscenter, Schulen (soweit überhaupt geöffnet). Problem dabei: wo ist die nächste Teststation? So wie die im Frühling wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, sind sie jetzt über Nacht spurlos verschwunden.

Eine Art Ausnahmezustand

Peking befindet sich derzeit in einer Art Ausnahmezustand. Die Straßen sind wie leergefegt, wer irgendwie kann, igelt sich zuhause ein.

Botschaft

Gestern sagt die Botschaft 3,5 Stunden vor dem geplanten Beginn ihren Weihnachtsempfang ab. Heute wird der für nächsten Dienstag gebuchte Termin zur Passbeantragung  abgesagt, zusammen mit dem Hinweis, dass es vor dem 9.1. auch keine neuen Termine mehr geben wird. Fast einen Monat keinen Pass beantragen können? Das ist schon sehr krass. Mit dem Ablaufdatum des Passes läuft auch die Aufenthaltserlaubnis ab. Zum Glück hatte ich großzügig geplant, aber mit weiteren Absagen würde es eng werden, und ich bezweifele, dass die Botschaft den Expresszuschlag übernehmen wird.

Einkaufen/Versorgung

Jingkelong, Pekinger Supermarktkette, liefert derzeit gar nicht. Lieferzeiten von Restaurants haben sich in etwa verdreifacht. Bei Jindong und Taobao verlängern sich die Lieferzeiten ebenfalls um mehrere Tage. D.h. es wird schwieriger, sich zu Hause einzubuddeln und allen potenziellen Virenschleudern aus dem Weg zu gehen.

Zum Glück haben wir unseren Compoundshop, dessen Besitzer aktuell deutlich mehr frische Lebensmittel als normalerweise im Angebot hat.

Erkältungsmedikamente, Ibuprofen, Paracetamol usw. können inzwischen zwar wieder ohne formelle Registrierung erworben werden. Rein praktisch gestaltet sich das schwierig: es hat einen großen Ansturm darauf gegeben, und nun sind diese Medikamente nahezu überall ausverkauft.

Schule

Mittwoch war in der Zeit (leider hinter der Bezahlschranke) zu lesen, dass der Schulleiter auf baldigen Präsenzunterricht hofft. Donnerstag kam dann auch eine Mail an die Eltern: wir hoffen auf Präsenzunterricht ab Montag. Mail am Freitag: es wird noch verhandelt, wir melden uns. Am Sonnabend musste die Schule dann mitteilen, dass in der letzten Schulwoche vor den Weihnachtsferien doch nicht zum Präsenzunterricht übergegangen werden kann, weil von Erziehungsbehörde und Schule(n) noch an den Maßnahmen gefeilt würde.

Heute wird per Mail mitgeteilt, dass aufgrund des hohen Krankenstandes ein großer Teil des Onlineunterrichts ersatzlos entfallen muss. Am Freitag beginnen die Weihnachtsferien, zum Glück. Nach den Ferien ist die Situation dann hoffentlich wirklich normaler.

Es ist und bleibt schwierig

Aktuell finde ich die Situation so schwierig wie zu Beginn der Pandemie (wenn nicht noch schlimmer, weil wir ins vierte Pandemiejahr gehen und es inzwischen Impfungen gibt). Von daher fällt der Jubel für das Ende von Zero Covid hier nur sehr verhalten aus.

Montag vom Feinsten

Und weil die Situation derzeit wohl doch noch nicht aufreibend genug ist: Montagmorgen wache ich auf und denke, oh nein, warum ist es schon wieder so kalt? Aber als ich dann das Licht nicht anknipsen konnte, war klar, dass das Problem diesmal nicht die Heizung war. Blick aus dem Fenster: bei den Nachbarn brennt das Licht.

Strom ist alle!

Damit ist klar: Strom ist alle (der ist hier prepaid). Nachdem wir tagelang nur mit e-Heizungen geheizt haben, auch kein Wunder, dass das so viel schneller als erwartet passiert. Also bin ich im Dunkeln in die Klamotten gesprungen, runtergeflitzt, Strom gekauft, wieder hoch und noch ein paar Minuten auf den Worker gewartet und: es wurde hell. Aber leider rief mich im gleichen Moment einer der Jungs: „Unter meinem Schreibtisch hat es geblitzt und geknallt.“ Ja, da war noch eine Sicherung raus. Also Kabel gecheckt, den Übeltäter identifiziert und weggeworfen, Ersatzkabel eingesteckt, Sicherung angemacht. Soweit schon ein anstrengender Start in die neue Woche, aber besonders, wenn der Junior dann auch gleich eine Online-Klausur schreiben muss…

Sandsturm

Auf meinem Handy kam derweil eine blaue Gefahrenwarnung an: Sandsturm. Blau ist die niedrigste von vier Warnstufen. Und tatsächlich wurde der AQI vierstellig, wenn auch nicht auf meiner App, da endet die Skala bei 999. Solche extremen Luftwerte gab es lange nicht, wenn man bedenkt, dass es solche Werte früher auch ohne Sandsturm gegeben hat. Inzwischen pfeift immer noch eiskalter Wind ums Haus, aber der Sand ist zum Glück weg.

Wenn der Wind doch nur auch Sorgen und Verunsicherung und vor allem dieses Drecksvirus wegblasen könnte…

Pandemie und kein Ende…

Nach der Covid-Welle Ende April/Anfang Mai, die relativ überschaubar geblieben ist, spitzt sich die Lage in Peking aktuell immer weiter zu. Die Zahl der Infizierten steigt täglich. Aus europäischer Perspektive mögen +/- 500 Fälle am Tag auf 23 Millionen Einwohner ein Witz sein, hier hat das weitreichende Folgen. Ich finde immer noch, dass es schlauer ist, die Krankheit nicht durchrauschen zu lassen, vor allem nicht mit dem Wissensstand, den wir heute haben (Post- und Long-Covid, schwerere Erkrankungen bei Re-Infektion …), aber was andernorts zu wenig gemacht wird, ist hier zu viel.

Wir wohnen in Chaoyang, einem zentralen, dicht besiedelten Bezirk (von insgesamt 16 Stadtbezirken), Pi mal Auge so viele Einwohner:innen wie Berlin. Dieses Wochenende wurde ganz Chaoyang gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben und den Distrikt nicht zu verlassen. In zwei Vierteln in unserer Nähe sind bis auf Apotheken, Lebensmittelläden und Supermärkte alle Geschäfte geschlossen, Restaurants dürfen keine Gäste mehr bewirten, sondern nur take-away anbieten, Arbeit soll soweit möglich aus dem Homeoffice stattfinden, Büros (hier gibt es unfassbar viele Großraumbüros) dürfen nur zu 50% besetzt sein … Seufz. Es steht zu befürchten, dass sich das auf weitere Viertel ausdehnen wird.

Screenshot einer Map, die das östliche Zentrum Pekings mit roten Markern zugesprenkelt zeigt. Die Marker zeigen Covidfälle an.Gestern morgen ging es mit einer besorgten Nachricht unseres Vermieters los, der einen Screenshot einer Karte geteilt hat, dass wir inmitten eines Nests von Covidfällen sitzen, und er hat uns zur Vorsicht geraten. Daraufhin habe ich erst einmal einen Schwung N95-Masken statt der bisher genutzten surgical masks bestellt, wobei es unklar war, ob es eine persönliche Empfehlung unseres besorgten Vermieters oder eine grundsätzliche Regelung war. Schaden wird es jedenfalls nicht.

Teststellen als Spreadstellen?

Heute müssen wir testen gehen (wegen Schule + Terminen am Montag, und weil jetzt wirklich fast überall ein negativer Test aus den letzten 24 Stunden statt der bisherigen 72 gefordert ist). Die Teststellen haben hier in der Regel zwei Schalter: am ersten werden die Daten aufgenommen, am zweiten der Abstrich gemacht. Bei den Chines:innen wird deren ID-Card mit einem Handy eingescannt. Bei uns Ausländer:innen wird mühsam Name, Passnummer und Nationalität eingetippt – was die Leute hinter einem in der Schlange immer sehr freut (nicht), weil das halt deutlich länger dauert als das Scannen.

Nun kennen die Leute in der Testbox uns inzwischen vom Sehen (wir sind ja oft genug da…). Bei meinem Mann übernehmen sie das Tippen, aber mir und den Jungs wird das Handy rübergereicht, weil es halt echt viel schneller geht, wenn wir selbst unsere Daten eingeben – stellt euch vor, ihr müsstet chinesische Zeichen abmalen, ich finde das vollkommen okay. Beziehungsweise es war okay, solange es kaum Fälle gab. Jetzt, wo gerade auch Teststationen eine potentielle Spreadingstelle sind, finde ich es zunehmend eklig. Im Container sitzt einer im Hazmatsuit mit Faceshield und Handschuhen, und ich grabsche mit ungeschützten Pfoten dieses Handy an! Ich hab gerade Nachschub an Desinfektionsfluid und -tüchern bestellt und werde auch den Jungs einschärfen, das Zeug zu benutzen, bevor sie ein Fenster weiter die Maske anfassen und runterziehen für den Abstrich.

Eigentlich wollen wir ja lockern, aber…

Wie ich schon erzählt habe, sind ja gerade ein paar Regelungen wie z.B. die Einreisebedingungen etwas erleichtert worden: Quarantäne auf 5 Tage zentralisierte Hotelquarantäne verkürzt plus 3 Tage Quarantäne zuhause; Einreise ist wieder über Drittländer möglich (die erhoffte Normalisierung der Flugpreise hat es bisher leider trotzdem noch nicht gegeben). Die Klassifizierung von Risikogebieten wurde vereinfacht.

Und für uns das Wichtigste: sekundäre Kontakte werden nicht mehr in Quarantäne gesteckt. Blöd ist nur, dass es immer noch reicht, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, und schwupps: Primärkontakt (= Quarantäne zuhause). Aber immerhin: zuhause. Blöd ist nur, wenn tatsächlich ein Covid-Fall im gleichen Compound auftritt: dann wird zugemacht.

Es fühlt sich gerade alles paradox an, einerseits erste Vereinfachungen, und jetzt grätscht die aktuelle Welle rein. Heute sind es schon über 600 gemeldete Fälle, dazu der erste Corona-Tote in Peking seit zwei Jahren, der zehnte insgesamt.

Aktuell überlege ich, was ich eventuell noch an „Quarantänevorsorge“ erledigen muss, nur für den Fall, dass es uns auch erwischt. Es wird hier zwar immer versichert, dass es keine Shanghaier Verhältnisse geben wird, aber die Schilderungen von Freundinnen aus Shanghai sind nicht ohne Einfluss auf mich geblieben. Gut ist, dass wir unseren Minisupermarkt unten in der Lobby haben, Lieferdienste sollen auch Compounds beliefern, die wegen Corona-Fällen im Lockdown sind, wobei ein bei Expats beliebter Shop von Problemen berichtet hat, weil die Lieferungen an einen solchen Compound nicht abgeliefert werden konnten. Also verlassen wir uns besser nicht komplett darauf. Mehl und Reis kaufe ich eh immer in 10-Kilo-Säcken, da sind wir noch versorgt, aber vielleicht ist es doch nicht verkehrt, noch mal einen Schwung Gemüse einzukaufen und einzufrieren. Oder ich könnte typisch chinesisch ein paar Kohlköpfe auf dem Balkon stapeln. Mal sehen.

Trübe Aussichten

Hier sehnen sich die Menschen genauso oder noch mehr nach einem wirklichen (!) Ende der Pandemie wie überall sonst auf der Welt. Da grätscht die aktuelle Welle ganz fies rein. Ganz besonders zum Beispiel für Restaurants, denen nach bald drei Jahren Pandemie das Wasser schon lange bis zum Hals steht.

Es ist wieder nichts planbar. Diese Woche sind für mich ein Ausflug ins Stadtplanungsmuseum mit deutschsprachiger Führung und das NaNoWriMo-Treffen ausgefallen, ob die Termine, die ich für nächste Woche im Kalender stehen habe, stattfinden können: fraglich. Ich bringe meine Tage trotzdem halbwegs sinnvoll rum, die Jungs können (noch?) zur Schule gehen, der Mann arbeiten. Ja, das ist auch einen interessante Frage, Schulschließung war ja schon angekündigt und wurde zurückgenommen. Kann natürlich trotzdem noch kommen.

Die Hoffnung auf mehr Normalität ist erstmal dahin. Ganz im Gegenteil: Mit den immer noch steigenden Fallzahlen und der Unsicherheit, wie darauf reagiert werden wird und was das für unseren Alltag bedeutet, sind die Aussichten eher trübe und die Stimmung ist so, wie der Blick aus dem Fenster heute: AQI im lila Bereich (very unhealthy), dazu Mistwetter. Novembergrau wie aus dem Gruselbilderbuch.

Schnipsel Nr. 24 – Novemberschnipsel

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Ombidombi goes Fediverse

Ich hatte jetzt ziemlich lange Zeit Probleme mit instabilem oder gar nicht funktionierendem Internet und VPN. Da gingen dann unter anderem auch Facebook, Twitter und Co. nicht oder nur so schlecht, dass ich gleich wieder weggeklickt hab. Was funktioniert hat: Mastodon, immerhin die kleine Instanz, auf der ich mich seit einem Jahr herumtreibe. Also bin ich dort aktiver geworden. Nun kam noch die Twitterübernahme dazu, was viele neue User:innen zu Mastodon gebracht hat.
Internet und VPN laufen jetzt endlich wieder stabil, aber Mastodon gefällt mir inzwischen so gut, dass ich mehr dort und weniger auf anderen Netzwerken sein werde. Zu finden bin ich unter @lin@literatur.social – und wenn jetzt alles geklappt hat, ist auch mein Blog nun Teil des Fediverse: @Linni@ombidombi.de .
Ich kann nur empfehlen, Mastodon (und die anderen Elemente des Fediverse) auszuprobieren.  Das Klima ist deutlich besser, es gibt weder Kommerz noch Werbung (abgesehen von gelegentlicher Eigenwerbung von Autor:innen oder Künstler:innen z.B.), keinen Hate (das bleibt hoffentlich so)… Weniger Blödsinn, der einem ungebeten in die Timeline rutscht… Kein Monopol, kein Bezahlen mit den eigenen Daten.
Das hat sich jetzt alles zu Chinesisch angehört? Unter anderem hier ist das alles noch mal gut erklärt.

NaNoWriMo

Erst ein Drittel des Monats ist rum, aber ich kann jetzt schon sagen, dass es mein bisher „bester“ NaNoWriMo (National Novel Writing Month) ist. Die Freude am Schreiben ist wieder voll da, es ist wieder selbstverständlich, mich jeden Tag mindestens morgens und meist auch abends hinzusetzen und zu schreiben. Heute war wieder ein kleines, aber feines Write In in einem urigen Café, in dem es wärmer als bei uns Zuhause ist. Natürlich schreibt jeder alleine vor sich hin, aber zwischen anderen Menschen zu sitzen, die das Gleiche tun, sich zwischendrin gegenseitig zu ermutigen und auszutauschen, das ist schön. Und mal sehen, vielleicht bin ich dieses Mal so zufrieden, dass nach dem editieren und bearbeiten und überarbeiten und teils neu schreiben und weiter überarbeiten vielleicht doch mal eine Geschichte das Licht der Öffentlichkeit sieht.

Immer noch Pandemie…

Die Zahl der Covid-Infektionen in Peking ist so hoch wie im April, aber gleichzeitig gibt es eine ganze Reihe von Erleichterungen und Vereinfachungen der Maßnahmen, u.a. wird die Quarantäne bei Einreise nach China von 10 (7+3) auf 8 (5+3) verkürzt, also „nur noch“ fünf Tage zentrale Hotelquarantäne, drei Zuhause. Für uns, die wir aktuell noch nicht reisen, vielleicht am Wichtigsten: sekundäre Kontakte (close contacts of close contacts) werden nicht mehr verfolgt, das heißt, das Risiko in die Covid-Maschinerie zu geraten sinkt deutlich. Detailliert kann man das bei China Daily nachlesen.
Bemerkenswert ist halt wirklich, dass diese Erleichterungen kommen, während die Zahl der positiven Tests so hoch ist. Ich will das, ganz vorsichtig noch, als positives Zeichen nehmen.

Schon wieder November

Ich habe das ja sicher schon ein paar Mal erwähnt (hier zum Beispiel): der November ist maximal mein zwölftliebster Monat.

Dieser Monat steht für mich für Tod und Verfall, Trübsinn, Kälte, es wird dunkel.  Die Farben verschwinden, alles ist grau. Wenn sich das hier dann auch noch mit Smog und Nebel mischt, kostet es wirklich Kraft, dass sich das viele Grau nicht auf die Seele legt.

Noch hängt buntes Laub an den Bäumen, aber um goldenen Ginkgo zu sehen, muss man sich so langsam sputen. Wenn man nicht zu weit vom Zentrum weg möchte, gibt es sowohl im Ditan-Park als auch im Lama-Tempel schöne Gingko-Alleen.

Aber ich zähle jetzt schon die Tage, bis der Winter vorbei ist.

Ich muss im November aktiv und gezielt gegen trübe Stimmung angehen. Da kam der Blogartikel „Warum wir den November dringend brauchen“ von Helmut Achatz gerade rechtzeitig: einige Ideen und Gedanken, was es Positives im November gibt. Aber wenn es morgen schon Mitte April wäre – ich hätte absolut nichts dagegen…

Heizperiode, Heizungsgrenze, Ofenäquator?

Das Wetter ist der Jahreszeit entsprechend, aber ich friere schon dauernd und muss aufpassen, dass aus dem leichten Halskratzen nicht mehr wird. 18 Grad, das ist ein bisschen frisch, wenn man am Schreibtisch sitzt (im Schlafzimmer von mir aus). Immerhin, wir müssen nicht bis zum 15. November – dem offiziellen Beginn der Heizperiode – warten, in unserem Compound wird die Heizanlage ein paar Tage früher angestellt. Und immerhin, hier wird dann geheizt werden – südlich des Yangtse nicht. Mehr Informationen und Eindrücke seit 1988 hat Ulrike vom Bambooblog zusammengetragen.

Und täglich grüßt das Covidtier…

Letztes Jahr im November hatte ich ja noch Hoffnungen, dass das Covid-Thema sich so langsam erledigt. Bekanntlich Fehlanzeige. Letzte Woche gab es bei uns in der Nähe ein paar Fälle, also mussten wir drei aufeinanderfolgende Tage zum Test, da waren die Wartezeiten auch wieder etwas länger.

Schülerinnen und Schüler müssen nun viermal in der Woche getestet werden, zum Glück nimmt uns das Montag, Mittwoch und Freitag die Schule ab, Sonnabends gehen wir zu „unserer“ Testbox und laden dann das Ergebnis bis Sonntagabend über die Schulwebseite hoch.

Die (eh nur vage) Hoffnung, dass nach dem KP-Parteitag die Regeln allmählich gelockert werden könnten, hat sich erstmal zerschlagen. Stattdessen wird von der Pekinger Gesundheitskommison empfohlen „large scale events“ abzusagen und auf  Online-Alternativen zu wechseln. (Was auch noch nicht wirklich besser geworden ist: Internetstabilität an sich und VPNs im Besonderen…)

Auch wenn ich es richtig finde, Covid nicht einfach durchrauschen zu lassen und Menschenleben als Kollateralschäden im Dienste der Freiheit anzusehen, der Blick nach Deutschland macht derzeit schon ein bisschen neidisch. Die Sehnsucht nach Normalität ist hier unfassbar groß.

Enttäuschung: Weihnachtsbasar fällt wieder aus

Besonders bitter finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Botschaft den Deutschen Charity Weihnachtsbasar abgesagt hat. Der Basar wird von Ehrenamtlichen organisiert, die Botschaft stellt das Gelände zur Verfügung, große und kleine Sponsoren unterstützen den Basar – und der Gewinn geht an verschiedene Hilfsorganisationen.

Das ist nun das dritte Mal, dass er ausfallen wird – und es gibt schon einige Unkenrufe, dass eine bald 30jährige Tradition damit am Ende sein könnte. Es ist ja kaum noch jemand da, der aktiv in die ehrenamtliche Organisation des Basars eingebunden war (wie auch, wenn die meisten Expats im Schnitt drei Jahre hier sind und aktuell aus nachvollziehbaren Gründen eher kürzer).

Es ist ja nicht nur eine große Glühweinsause für die internationale Community – bei der Veranstaltung ist immer viel Geld für die Hilfsorganisationen zusammengekommen. Denen wird ohne den Basar ein substantieller Beitrag ihrer Finanzierung fehlen. Deshalb zerbrechen sich gerade viele Menschen den Kopf, welche Alternativen so kurzfristig organisiert werden können, um das wenigstens etwas zu kompensieren.

NaNoWriMo

November, das ist auch NaNoWriMo-Zeit. Nano-Was? National Novel Writing Month, ursprünglich eine amerikanische Aktion, 1999 mit 21 Teilnehmer:innen gestartet und inzwischen weltweit etabliert mit einer Rekordbeteiligung von über 400.000 Teilnehmer:innen 2017: im November schreibt man jeden Tag 1667 Worte und hat dann am Ende des Monats eine 50.000 Wörter umfassende Geschichte geschrieben.

Ich mache da seit 2017 mit, was auch das bisher einzige Jahr war, in dem ich das Ziel erreicht habe (die Geschichten habe ich dann später zu Ende geschrieben). Dieses Jahr bin ich besser vorbereitet als in all den Jahren zuvor, extrem motiviert und habe mir in den ersten beiden Tagen schon ein kleines Polster angeschrieben.

Der NaNoWriMo ist damit auch eine der positiven Seiten am November. Am Wochenende treffe ich mich mit lauter anderen „Wrimos“, um den ganzen Tag gemeinsam zu schreiben, uns auszutauschen, Wordsprints zu starten.

Podcastempfehlung

Es ist schon eine Weile her, da bin ich auf Facebook in einer gemeinsamen China-Gruppe über Sven Tetzlaff gestolpert, der in Hangzhou lebt und arbeitet. Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit Podcast-Muffel war und das Format erst im Sommer für mich entdeckt habe. Lesen geht schneller, es bleibt mehr hängen – aber es geht halt nicht nebenbei. Also kombiniere ich nun – und inzwischen startet mein Tag mit dem Tagesthemen-Podcast…

Zeit-Verbrechen habe ich in wenigen Tagen alle Folgen komplett durchgesuchtet und jieper jetzt jeden zweite Woche auf die nächste Folge. Ich mag „Kein Mucks“ mit Bastian Pastewka (alte Krimihörspiele seit den 1940er Jahren), sporadisch und je nach zur Verfügung stehender Zeit weitere News-/Science-/Literatur- und China Podcasts. Und jeden Mittwoch: Umlauts Diary – das Chinatagebuch von Sven. Ich schreibe hier in meinem Blog über meinen Alltag in China, er erzählt in seinem Podcast von seinem Leben in China und was ihn umtreibt. Am besten hier abonnieren: Svens China-Tagebuch. Das ist noch mal eine andere Perspektive, eine andere Stadt – manchmal andere, oft ähnliche Sichtweisen: klare Hör-Empfehlung!

Botanischer Garten im Oktober

Ich war (schon) wieder im Botanischen Garten, diesmal mit der Fotogruppe, zuletzt war ich im September dort. Ich denke, ich werde eine Serie daraus machen: ab jetzt jeden Monat in den Botanischen Garten. Oh je, nun habe ich es angekündigt, nun muss ich es auch durchziehen… Ich bin ja immer wegen der weiten, langen Anfahrt zurückhaltend gewesen. Aber in Wahrheit brauche ich mit der Metro bis zum Botanischen Garten auch nicht viel länger als mit dem Scooter bis zum Tian’anmen. In den kommenden Wintermonaten könnte ich mich ja im Gewächshaus aufwärmen, da war ich länger nicht drin. Nächstes Mal also im November!

Darum ist der Botanische Garten so toll

Warum ich dort so gerne hingehe? Der Botanische Garten liegt wirklich idyllisch am Rand der Duftberge, die Anlage ist großzügig und schön angelegt, es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Es ist ein wohltuendes Kontrastprogramm zum Megapolis-Alltag. Megapolis? Gibt es das Wort überhaupt? Aber Großstadt – das ist und war doch mein Hamburg, das im Vergleich zu Peking so überschaubar und gemütlich wirkt…

Im Botanischen Garten befinden sich zahlreiche Themengärten: Rosen-, Bambus-, Flieder-, Bonsai-, Pfingstrosengarten; Kirsch-, Pflaumen-, Pfirsichbäume, Sequoias, Ginkgos und und und… Dazu Geschichte und Kultur: der Wofo-Tempel, die Residenz des Schriftstellers Cao Xueqin, eine, nein: mindestens zwei weitere Tempelruinen und sicherlich noch einiges mehr, das ich bisher noch nicht erkundet habe.

Und dann gibt es noch etwas, das ich hier total anziehend findet: Die chinesischen Besucherinnen, die allein, zu zweit oder in Gruppen posieren und keine Grenzen kennen, um das schönste Bild zu schießen.

Das Foto! Die Lebensfreude!

Wenn du kein Foto hast, ist es nicht passiert!

Dieser olle Spruch hat wohl nirgendwo soviel Gültigkeit wie in China.
Im Botanischen Garten startet das schon direkt vor dem Eingang, wo Gruppen- und Singlefotos geschossen werden.

Wir sind kaum ein paar Minuten unterwegs, da nimmt eine Chinesin einer Frau aus unserer Gruppe das Handy aus der Hand, dirigiert uns unter die Bäume, gibt Anweisungen, wie wir zu posieren haben: linkes Bein vor! Nein, nein, ihr müsst euch nach der Größe geordnet aufstellen! Ohauaha – ihr habt einen Mann dabei, der muss in die Mitte! Mit der rechten Hand „thumbs up“! Lächeln!!!

Das ist echt ein großer Unterschied. Wenn wir Deutschen uns zum Gruppenfoto aufstellen sollen, dann tun wir das ungern, pflichtschuldig, irgendwie ist das peinlich, jedeR steht halt irgendwie so da und ist froh, wenn es vorbei ist. Und hier ist das ein spaßiges Event, nicht nur die/der mit der Kamera dirigiert, alle nehmen Anteil und am Ende kommen wirklich nette Bilder dabei heraus. (Liebe finnische Freundin, erinnerst du dich an unsere Reise nach Yangshuo und die Gruppe von Lehrerinnen auf dem Schiff, die uns in die Feinheiten eines anständigen Gruppenfotos eingewiesen hat, inklusive farblich passender Tücher, die alle dabei hatten?)

Männer sind natürlich auch da, aber zumeist hinter der Kamera.

Sei es am Handy in Begleitung ihrer Frau oder solo – dann oft mit riesigen Objektiven, die mindestens 20 Kilo wiegen und mehr kosten als mein letztes Auto – und die mehr für einen langen Tagesausflug auch viel zu unhandlich wären, ich lass ja mein überschaubar großes Tele schon meist weg.

Die Technik schreitet voran, längst gibt es nicht mehr nur Fotos, sondern auch Videos. Ticktack, Tiktok! Selbst wenn man jenseits der 50 ist, so what? Leider habe ich nicht schnell genug geschaltet und auch gefilmt. Und hier war das wirklich schade – wobei ich andererseits den Moment so sehr genießen konnte.

Hier wurde nicht nur für ein Foto posiert, sie haben gesungen und im Kreis getanzt und sich dabei gefilmt. Aber das Herrlichste war das Giggeln, Kichern, Lachen, die überbordende Fröhlichkeit am Ende. Das war ansteckend, das war ein unglaublich schöner Moment. Notiz an mich: Filmen üben!

Wiederholung und Abwechslung

Ich glaube, ich habe in jedem meiner Blogartikel zum Botanischen Garten wenigstens ein Bild mit der Ansicht vom See in Richtung Berge. Aber auch wenn sich das wiederholt, ein bisschen ändert sich der Blickwinkel, der Standort, das Wetter und auch die Jahreszeit.

Ich glaube, dass es eine gute Idee ist, in den nächsten zwei Wochen in Richtung Duftberge und/oder Badachu zu fahren: Herbstfarben at it’s best! Wenn es einen Tag mit schönem Wetter und guter Luft gibt, dann mach ich das auch: in die Duftberge und mit dem Sessellift hochfahren und von oben auf die dann sicherlich herbstlich bunten Berge runter knipsen oder nach Badachu und von Tempel zu Tempel allmählich die Berge hochkraxeln und mit der Sommerrodelbahn runtersausen und filmen. Oder beides.

Die Luft war leider nicht so gut, in Verbindung mit dem bedeckten Himmel ergab das herbstlich-melancholische Stimmung – und abends Halskratzen, das am Morgen aber wieder weg war.

Bäume, Blüten und Getier

Zum Botanischen Garten im Herbst gehören natürlich auch Bäume wie die goldenen Stinkos-Ginkgos. Ja, das „lebende Fossil“, wunderschön anzusehen, aber die Früchte müffeln!

Es wimmelt nicht mehr so sehr wie im Frühling, aber es sind doch noch einige interessante Insekten unterwegs.

Obwohl schon spät im Oktober, ist der Rosengarten noch ein Farbenmeer, wenn teils auch schon kurz vor dem Verblühen.

Das war ein wirklich schöner Ausflug, ich freu mich schon aufs nächste Mal.

Fotos

Oktober in Peking

Der Herbst ist angekommen. Herbst, das ist hier der kurze Augenblick zwischen „zu heiß“ und „zu kalt“. Der Mann kam mit einer schnieken neuen Übergangsjacke an. Ich habe ihn ausgelacht, weil man sowas in Peking wirklich nicht braucht, Anfänger.

Dicke Luft

Unsere Luftfilter standen den ganzen Sommer über ungenutzt rum. Neulich musste ich sie doch wieder anschließen, ohne ging es nicht mehr. Aber Smog-Kopfschmerzen und -Halskratzen braucht kein Mensch. Seit Sonntag ist der Himmel nun wieder strahlend blau, die Stecker sind  gezogen und das leise Hintergrundbrummen (die Dinger sind zwar ganz leise, aber halt nicht lautlos) nervt nicht mehr. Die Luftqualität hat sich hier seit unserer Ankunft extrem verbessert, blauen Himmel gibt es schon lange nicht mehr nur zu Parteitagen. Umso mehr nervt es, wenn der graubraungelbe Schleier über allem liegt und das auch noch tagelang.

Brücken und Tunnel

Das hier ist eine Brücke am östlichen 3. Ring, Liangmaqiao. Am westlichen 3. Ring, etwa 14 Kilometer entfernt, hat jemand an einer ähnlichen Brücke ein Protestbanner aufgehängt. Ich hab das erst spät mitbekommen, da Internet und vor allem VPNs derzeit stark beeinträchtigt sind.

Zur Zeit heißt es also heute und heute journal statt Tagessschau und Tagesthemen – die ZDF-Seiten sind im Gegensatz zu den ARD-Seiten auch ohne Tunnel erreichbar. Nach dem 22. Oktober wird es dann wohl wieder „normal“…

Eindrücke von unterwegs

Ich hab sicher schon mal ein Bild von „Papageno“, wie ich ihn in Unkenntnis seines richtigen Namens nenne, gezeigt. Ich freue mich immer, wenn ich ihn treffe.

Hab ich schon erwähnt, dass es herbstlich wird? Die beiden Türme, die im Bildhintergrund in der dicken Luft verschwimmen, sind eine Dauerbaustelle, waren es schon, als wir angekommen sind. Die große Halle im Vordergrund steht noch nicht so lange und wird vermutlich auch bald wieder weg sein – das ist eine Metro-Baustelle. Seit wir hier sind, sind viele neue U-Bahn-Kilometer und -Stationen hinzugekommen.

Es ist Parteitag. Überall in der Stadt stehen an Kreuzungen Freiwillige.

Noch eine Brücke

Diese Brücke ist am 2. Ring, wie man sieht kurz vor dem Lamatempel. Und man kann auch die Berge sehen: sicherstes Indiz für gute Luft. Nicht im Bild: ein Brückenwächter, der genau geguckt hat, was ich da tue. Aber nachdem er sich davon überzeugt hat, dass ich harmlos bin, hat er sich wieder seiner Teeflasche gewidmet. Olympia, Two Sessions, große Konferenzen oder eben jetzt Parteitag: wie die Volunteers oben gehören solche Brückenwächter dann zum Stadtbild. Jetzt kurz nach dem Protestbanner fällt es einem nur stärker auf.

Hier ist der hübsche Paifang am Beginn der Guozijian Street – der Straße, an der der Konfuziustempel liegt. Sah man schon immer: Liefertuktuks an jeder Ecke. Sieht man verstärkt erst seit Covid-19: viele Leute mit weißem Kittel.

Rucksäcke mit Guckloch und Transportboxen aller Art für Katzen und kleine Hunde sieht man hier immer häufiger. Und auch improvisierte Lösungen, die Frontkörbe der Leihfahrräder sind genauso geeignet wie offene Scooterboxen – oder auch Buggys. Beim Warten hat der Mann seinen Hund noch im Arm gehalten und mit ihm gekuschelt. Im Hintergrund: eine der vielen Testboxen, die jetzt an jeder Ecke stehen.

Covid und kein Ende

Hier gilt weiterhin, dass man fast überall ein höchstens 72 Stunden altes negatives Testergebnis vorweisen muss, um reinzukommen. Nachdem wir hier im Umfeld anfangs relativ lange Wartezeiten hatten, stehen nun rund um die nächste Kreuzung drei Testboxen, jetzt ist das innerhalb von wenigen Minuten erledigt.

Im Moment werden allerdings jeden Tag zwischen zehn und zwanzig neue Fälle in Peking gemeldet. Einzige Konsequenz bisher: die Covid-Pressekonferenz findet wieder zweimal am Tag statt. Ich hoffe, dass es dabei bleibt (und dass es keine verpflichtenden täglichen Tests, keine Schulschließung etc. geben wird) und möchte gerne glauben, dass das ein Zeichen von Lockerung ist, weil es bei solchen Zahlen schon ganz andere Reaktionen gegeben hat. Aber erstmal sehen, wie es nach dem 22. Oktober ist…

Golden Week

Golden Week, das ist die Ferienwoche Anfang Oktober anlässlich des chinesischen Nationalfeiertags. Fast ganz China hat frei, es ist Hauptreisezeit (Wetter ist besser als zur Golden Week zum chinesischen Neujahr). Alle sind unterwegs: entweder touristisch oder um die Familie zu besuchen.

Früher wurde von der „größten Völkerwanderung der Welt“ berichtet und das mit dem Andrang an den Mautstellen illustriert. Aktuell wird trotz der schwierigeren Bedingungen (Testanforderungen, Risikogebiete, eventuelle Quarantäne) trotzdem gereist, aber doch deutlich weniger als vor der Pandemie.

Für Pekinger Familien mit schulpflichtigem Nachwuchs ist das Verlassen Pekings nicht angeraten, denn bevor eine Schule betreten werden darf, müssen alle Haushaltsangehörigen mindestens eine Woche in Peking sein. Also bleiben wir hier und machen Ausflüge innerhalb Pekings.

Flaggenzeremonie am Tiananmen

Jeden morgen exakt zu Sonnenaufgang wird die chinesische Flagge am Tiananmen gehisst, jeden Abend exakt zu Sonnenuntergang wird sie wieder eingeholt. Wir nutzen die Ferien, um uns das auch einmal anzusehen.

Das Ereignis an sich ist denkbar unspektakulär, keine Lautsprecherdurchsagen, keine Musik. Durch das Tor unter dem Mao marschieren Soldaten hinaus, holen die Flagge ein und marschieren wieder zurück.

Sonnenuntergang am Tiananmen

Spektakulär sind die Menschenmassen, die kommen, um sich das anzusehen.

Tiananmen: Große Halle des Volkes

Wir finden einen Platz relativ weit vorne, wenn man die Kamera hoch über den Kopf hält, könnte man vermutlich die „action“ fotografieren.

Aber ganz kurz bevor es soweit ist, haben plötzlich beinah alle ein Kind auf den Schultern, nun sehen wir nix mehr, und gehen dann halt ein Stück zurück, um wenigstens die Fahne zu sehen. Da es nahezu windstill ist, hängt die aber schlaff am Mast runter, also auch nicht so irre beeindruckend.

Fahne noch oben

Fahne halb unten

Spektakulär unspektakulär – zack, vorbei

Ich habe meine chinesische Freundin gefragt, ob nur während der Golden Week so viel hier los ist, aber sie meint, das sei immer so. Ich glaube, das schaue ich mir noch mal an, vielleicht mal morgens früh?

Beijing Eastern Suburbs Forest Wetland Park

Kontrastprogramm: Mit meiner Freundin und ihrer Familie machen wir einen Tagesausflug zum Wetland Park. Das ist noch innerhalb Pekings (schulpflichtige Kinder in beiden Haushalten, siehe oben), meine Freundin hat sich um die Reservierung gekümmert, und wir müssen hier am Eingang nur noch den QR-Code der Health App scannen.

Es ist eine hübsche Parkanlage.

Wir haben ein Picknick dabei und lassen uns am Rand der „Yellow Sands“ auf einer großen Bank nieder, der kleine Sohn unserer Freunde wird hier nun den ganzen Tag zufrieden vor sich hin buddeln.

Das sieht man hier oft in den (großen) Parks: man hat ein Zelt dabei, eine Decke, Klappstühle, reichlich Proviant.

Wir Erwachsenen spazieren abwechselnd durch den Park. Dabei kommen wir auch am „Valentine’s Pier“ vorbei. Der wurde extra so „romantisch“ angelegt: um schöne Fotos zu machen, fürs Dating, zum Feiern…

Natürlich fehlt die übliche Lärmkulisse nicht. Über Lautsprecheranlagen und den (zum Teil motorisierten) Parkwächtern wird nonstop darauf hingewiesen, sich zivilisiert zu verhalten, Abstand zu halten und Maske zu tragen…

Das war wohl für dieses Jahr der letzte Ausflug, bei dem man lange draußen herumsitzen konnte (zumindest ohne warm eingepackt zu sein), übers vergangene Wochenende haben sich die Temperaturen halbiert.

Fotos

Botanischer Garten im September

Es ist schon ein bisschen her, da war ich mit einer Freundin im Botanischen Garten. Das Wetter war herrlich hochsommerlich, die Luft gut, viele nette Begegnungen: ich habe den Tag rundum genossen.

Wir haben die Metro genommen, das geht am schnellsten. Erst mit der Linie 10 von Liangmaqiao bis Bagou und von dort das letzte Stück mit der Xijiao Linie. Diese fährt oberirdisch, ist so ein Zwischending zwischen Stadt- und Straßenbahn und nicht nur für Pendler wichtig, sondern auch als „Ausflugslinie“ bekannt, denn sie hält unter anderem am Sommerpalast (Westeingang), am Haupteingang des Botanischen Gartens –  und die Endstation sind die Duftberge.

Es ist nicht besonders viel los, kein Vergleich mit dem Frühlingsbetrieb oder wenn der Gingko sich golden färbt.

Ein Mann hat einen winzigen Bambus-Vogelkäfig unter den Arm geklemmt, den Bewohner trägt er in der Hand.

Ich bin jetzt ja schon häufiger im Botanischen Garten gewesen, aber auch diesmal habe ich etwas für mich neues entdeckt: den Bonsai-Garten.

Auch wenn gerade keine Saison ist, blühen dennoch Spätsommer- und erste Herbstblumen, zahlreiche Schmetterlinge tummeln sich hier.

Wir streifen kreuz und quer durch das Gelände, natürlich am Bach ein Stück den Hügel hinauf.

Wir schauen uns die Residenz von Cao Xueqin an (Autor von „Traum der Roten Kammer“, einer der vier klassischen Romane Chinas). Der zugehörige kleine Laden ist ganz entzückend.

Nein, wir sind nicht im Auenland, sondern in Peking!

Im Oktober geht es bald wieder hin, diesmal mit der Fotogruppe. Das war ja eigentlich schon für den Frühling geplant, aber dann kam hier ja ein Covid-Ausbruch dazwischen. Statt Frühlingsblüten also demnächst Herbstlaub und goldener Gingko. Wenn der Weg nicht so weit wäre, würde ich häufiger dort unterwegs sein!

Fotos

Schnipsel Nr. 23

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Peking von oben

Die Atmosphere Bar

Nach all den Jahren in Peking war ich neulich das erste Mal in der Atmosphere Bar in der 80. Etage in der China World Mall. Eine unglaublich tolle Aussicht, in die eine Richtung auf das CCTV-Headquarter, in die andere Richtung bis zum Tiananmen, Verbotener Stadt, Mao-Mausoleum, Große Halle des Volkes und darüber hinaus. Es gibt hier ja nicht so viele Möglichkeiten, sich Peking von oben anzusehen (zumindest nicht von soweit oben), zumal die Aussichtsplattform im Zhongguo Zun/Citic Tower nie geöffnet wurde und wohl auch weiterhin geschlossen bleiben wird. Das kann man jedenfalls von Zeit zu Zeit mal machen.

Balkon-Bauarbeiten

Dieser Balkon liegt zwar nur im 24. Stock, aber wenn von dort oben Bauteile auf einen LKW im Hof hinunterstürzen, dann macht es einen solchen Lärm, dass es einem einen fiesen Schrecken einjagt. Zum Glück wurde niemand verletzt, das hätte echt bös ausgehen können. Von den Fenstern auf dem LKW (Rahmen und Scheiben) sind nur Splitter übrig geblieben, die haben zahlreiche Worker im Lauf des Tages von Hand aus dem Rasen geklaubt. Die neuen Fenster sind noch nicht da, der Balkon ist gesichert – mit Klebeband.

Hotelmarkt

Die Patengruppe hat wieder die traditionelle Tour zum Hotelmarkt (New Dongjiao Market) angeboten. Das ist eine nicht eben kleine Mall südöstlich des Zentrums an der G1 kurz vor dem 5. Ring. Hier gibt es beinah alles, was Restaurants und Hotels – und Privatpersonen – für Küche und Haushalt brauchen können. Eigentlich wollte ich ein weiteres Backblech für meinen Miniofen besorgen, uneigentlich sind es dann Kerzen geworden. Ich bin ja alles andere als ein Shopping-Fan, aber hier macht es mir viel Spaß, durch die Läden zu stromern und zu stöbern.

Dämmerung über der Verbotenen Stadt

Mit der Fotogruppe war ich zum Sonnenuntergang im Jingshan Park. Tolle Voraussetzungen, denn es gab Wind und Wolken.

Exakt in der Mitte war es mir zu voll, von daher habe ich mich links davon vor dem Wanchun Pavillon (der weiterhin abgesperrt ist) aufgebaut.

Ich hätte noch ewig bleiben können, aber es wurde dann doch unerwartet frisch und der Wind wurde stürmisch.

Wir sind dann ein kurzes Stück durch die Hutongs zu einem typisch Pekinger Restaurant gelaufen. Und „typisch Peking“ heißt in diesem Fall „so, wie es vor ein paar Jahren noch überall war“ – man unterhielt sich laut über die Tische hinweg, später wurde geraucht. Es war aber gut belüftet, von daher hat es nicht gestört, sondern positiv zur Atmosphäre beigetragen. Wir wurden neugierig beäugt, aber sehr freundlich, bis dahin, dass uns auch Zigaretten angeboten wurden. Essen prima, Service sehr aufmerksam, da geh ich wieder hin. Diese nette Stimmung war auch deshalb schön, weil gerade die Meldung kursierte, dass man wegen der Affenpocken keinen Hautkontakt mit Ausländern haben sollte…

#Unsinn

Im Halbschlaf nach dem Handy zu greifen – sowieso eine dumme Idee. Aber dann auf Twitter zu sehen, dass #XiJinping und #chinacoup trenden, das kann einen nachts schon nervös machen. Aber nach wenigen Klicks war klar: alles Blödsinn. Fake News. Angebliche Explosionen? Das sind Videos von der Explosion im Hafen von Tianjin aus dem Jahr 2015. Hier ist jedenfalls ein ruhiger Sonntag, das einzige was nervt: mehr Smog (AQI 157) als wir es in letzter Zeit gewöhnt sind.

Ich weiß schon, warum ich immer weniger auf Instagram, Facebook, Twitter und Co. und mehr auf Mastodon unterwegs bin, „poweruser“ bin ich eh nirgends, wer mag: hier entlang, bitte.

 

Lamatempel und Hutongs

Nach der langen Sommerpause starten so nach und nach wieder alle Gruppenaktivitäten. Heute war ich mit der Fotogruppe unterwegs: erst im Lamatempel und dann kurzer Hutongspaziergang samt Lunch im „Little Yunnan“. Da mein Orientierungssinn manchmal nur so mittelgut ausgeprägt ist, bin ich früher losgefahren, um noch einen netten Weg vom Tempel zum Restaurant auszukundschaften. Abgesehen davon war ich aber auch nervös, denn das letzte Mal, als es mit der Fotogruppe in den Lamatempel gehen sollte, hing ein handgeschriebenes „geschlossen“-Schild an der Tür. Der Lamatempel ist in der Pandemiezeit ein bisschen Indikator dafür geworden, wie angespannt die Lage ist: hier war immer als erstes geschlossen (und am längsten).

Auf dem Weg schon viel zu gucken

Schon auf dem Weg fallen mir viele Fahrzeuge ins Auge, die in den letzten Jahren total selbstverständlich für mich geworden sind, die es so in Deutschland nicht gibt. Guckt, das ist ein Lastenrad (mit e-Unterstützung).

Und das hier ist eine Rikscha, von denen es an der Metrostation Dongzhimen so langsam wieder mehr gibt. Hier werden nicht wie am Shichahai Touris rund um den See gefahren, sondern es ist wie ein Taxi für kürzere Strecken. Außerdem im Bild: Leihfahrrad, Scooter (und ein paar Fahrzeuge, die ständig im Weg oder im Stau stehen).

Ich tuckere durch die Hutongs, finde viel Interessantes – nur das Restaurant finde ich nicht wieder…

Nein, hier ist es auch nicht…

Unverrichteter Dinge mache ich mich zum Treffpunkt auf, wo sich schon bald die anderen einfinden.

Im Lamatempel (Yonghegong)

Zum ersten Mal seit langer Zeit gehe ich wieder durch die Ginkgo-Allee, die in wenigen Wochen schon goldgelb leuchten wird.

Obwohl es keine großen Touristengruppen gibt, ist der Tempel voll. Das könnte am bevorstehenden Mondfest (am Sonnabend) liegen. Bemerkenswert: es sind viele jüngere Leute.

Es riecht intensiv nach Weihrauch, der in Massen verbrannt wird. Plötzlich rennt ein Wächter los, schreit hinter einem jungen Mann her. Der hatte ganz in Gedanken Weihrauchstäbchen mit in die Halle genommen. Ups!

Ich hab hier ja mal erzählt, dass ich den Lamatempel auch schon mal auslassen würde, wenn Besuch da ist, und den dort alleine hinschicke. Aber nun war so lange kein Besuch mehr hier, so dass ich mich sehr freue, wieder in dieser wunderschönen, beeindruckenden Anlage zu sein.

Vor dem blauem Himmel sieht das alles nochmal so gut aus.

Hier im Tempel (der ja früher Prinzenpalast war, bevor er umgewidmet wurde) findet sich die klassische Palastarchitektur, gemischt mit tibetischen Elementen. Manche Beschriftungen finden sich in vier Sprachen: Mandschurisch, Chinesisch, Tibetisch und Mongolisch.

Noch mehr Eindrücke:

Mich zieht es wieder zur letzten großen Halle, in der der riesige Maitreya-Buddha aus einem einzigen Stück Sandelholz steht. Der 7. (oder 8.?) Dalai Lama hat diesen dem Kaiser Qianlong zum Geschenk gemacht. Der Transport von Tibet nach Peking hat drei Jahre beansprucht.

In den Hallen sind zwar die großen Schilder mit der roten durchgestrichenen Kamera verschwunden, das steht jetzt diskreter auf den Schildern draußen an den Hallen. Aber sobald man auch nur den Anschein erweckt, fotografieren zu wollen, kommt ein Mönch, um das zu unterbinden. Die Mönche tragen heute nicht die gelbbraune Kutten, an die ich mich erinnere, sondern traditionelle rote Jacken zu dunklen Hosen.

Die Granatäpfel sind (fast) reif!

Paifang (Torbogen) am Eingang:

Noch mehr Bilder vom Lamatempel, u.a. auch des riesigen Sandelholz-Buddhas, finden sich hier.

Ulrike vom Bambooblog erzählt hier von ihren Eindrücken, aber auch viel zur Geschichte.

Durch die Hutongs

Zum Glück hat eine der anderen einen Location-Pin vom „Little Yunnan“ samt Wegbeschreibung und so spazieren wir durch die Hutongs dorthin.

Hier wird auch Mittagspause gemacht.

Das Essen im Little Yunnan ist genauso toll, wie ich es in Erinnerung hab. Und: ich hab jetzt auch einen WeChat-Location-Pin, damit kann ich es künftig leicht wiederfinden. Jetzt fehlt nur noch der Besuch, den ich dahinschleppen kann…

Nun trennen sich unsere Wege, mit Leihrad, Bus, Bahn oder Scooter machen wir uns alle auf den Rückweg. Aber auch da gibt es noch viel zu sehen.

Chilis werden getrocknet.

Und das sind die ersten Maronen in diesem Herbst. Aber bei 30 Grad verzichte ich lieber – zum Leidwesen des Verkäufers, der etwas abseits im kühleren Laden gewartet hat, und sofort angerannt kommt, sobald er mein Interesse bemerkt.

Hund im Fahrrad- oder Scooterkorb sieht man inzwischen auch ziemlich oft. Und ganz oft ist es auch genau diese Pudelrasse.

 

Mein achtes Jahr in Peking hat begonnen!

Mitte August jährte sich der Tag unserer Ankunft in Peking. Nun sind wir volle sieben Jahre hier, das achte hat begonnen. Acht ist ja DIE chinesische Glückszahl, aber nicht nur deshalb habe ich Hoffnung darauf, dass es ein gutes Peking-Jahr werden wird.

Ferienende

Neun Wochen Sommerferien sind vorbei. Rückblickend kommen sie mir gar nicht so lang vor. Nun hat uns der Alltag wieder. Am Montag war der erste Schultag – in Präsenz, das erste Mal seit Pandemieausbruch. Und beinah normal, wenn man von den Pandemieregelungen absieht: Schultreff draußen auf dem Sportfeld und nicht in der Aula, Masken- und Testpflicht, Temperaturkontrolle beim Betreten der Schule, Eltern müssen draußen bleiben…

Für K5 ist es das vorletzte, für K4 das letzte Schuljahr. Das bedeutet, dass es im kommenden Sommer voraussichtlich eine einschneidende Veränderung für uns geben wird, wenn K4 wie geplant nach Deutschland zum Studieren geht. Aber ein bisschen Zeit haben wir bis dahin ja noch.

Mit Schuljahresbeginn gibt es auch wieder mehr (Gruppen-)Aktivitäten unter anderem von Paten- und Fotogruppe, nur größere Veranstaltungen wie die traditionelle Welcome-back-Party werden pandemiebedingt wieder ausfallen.

Hitzewelle

In Peking sind wir von der langen Hitzewelle und deren Auswirkungen (noch?) nicht direkt betroffen. Hier hat der Spätsommer begonnen, die Temperaturen sind deutlich angenehmer geworden und mit knapp unter 30 Grad in dieser Woche weiterhin hochsommerlich warm. Kein Vergleich zu den betroffenen Regionen in Sichuan, Hubei oder Jiangsu. Selbst in Shanghai hat es schon Stromsparmaßnahmen gegeben, u.a. ist die nächtliche Beleuchtung am Bund abgestellt worden – im Vergleich zu anderen Landesteilen ist das aber nichts. Ganz anders die Bilder von alten Leuten, die sich mit mitgebrachten Hockern in den Gängen eines Supermarktes in Chongqing niederlassen, weil es dort kühler ist als überall sonst – hier im Video.

Wenn es nicht bald regnet, sind Reis- und Sojaernte gefährdet. Und darin steckt möglicherweise mehr Dramatik als in der Unterbrechung der Lieferketten.

Art District 798

Im Moment bin ich wieder häufiger im Art District 798 unterwegs. Der Kunstbezirk und das Treiben dort fasziniert mich trotz Gentrifizierung weiterhin. Auch wenn das Viertel weniger subversiv und zunehmend kommerziell ist, es bleibt absolut sehenswert. Die Architektur mit den Sägezahndächern der alten Fabrikbauten, die Rohre (bei denen am 751-Parkplatz hat aktuell eine Hunde-Gang ihr Hauptquartier), aktuell die vielen Bauarbeiten und dazu der Trubel am Wochenende, aber auch unter der Woche immer genug zu gucken – mir macht es immer Spaß, hier unterwegs zu sein.

Fotos aus der letzten Zeit

 

 

Drei Tempel in Xisi

Ich bin im Ferienmodus, ich hinke mit der „Berichterstattung“ hinterher… Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass meine Freundin und ich unsere historischen Stadtspaziergänge fortgesetzt haben und noch einmal in Xisi waren. Diesmal hatten wir vor allem die Tempel auf dem Zettel, die wir beim vorigen Besuch wegen meines fehlenden Testergebnisses nur von außen angeguckt haben:

  • Guangji Tempel (Tempel der umfangreichen Hilfe),
  • Lidai Diwang Miao (Tempel der alten Monarchen) und
  • Baita Si (Tempel der Weißen Pagode).

Und auch die Hutongs dort, die diversen Residenzen in Richtung Zhongnanhai – da ist noch einiges anzusehen.

Guangji Tempel

Ausgerechnet vom schönsten, interessantesten Tempel dieser Tour habe ich fast keine Bilder gemacht… Aber von vorn: Der Guangji Tempel ist Sitz der größten buddhistischen Vereinigung in China, der Chinesischen Buddhistischen Gesellschaft. Auch die chinesische buddhistische Forschungsgesellschaft ist hier angesiedelt. Schon draußen an der Straße ist viel los, Leute kommen und gehen. Auf Stellschildern prangen zwei QR-Codes, einer ist natürlich der für die Health App, den erkennt wohl inzwischen jeder. Wozu der andere wohl ist? Aber ich habe die Frage noch nicht einmal zu Ende gedacht, als schon mehre Mönche (oder Gläubige) in schlichter, traditioneller Kleidung bei uns sind und uns helfen. Okay, nun sind wir also als Besucherinnen von Pekings religiösen Stätten registriert (man lernt hier seine Passnummer in Handumdrehen auswendig, so oft wie die abgefragt wird) und dürfen hinein – der Eintritt ist frei.

Direkt nach diesem Foto werde ich darum gebeten, bitte nur zurückhaltend zu fotografieren und auf gar keinen Fall die Buddha-Statuen. Ich schalte die Kamera aus und nehme dann lieber die Atmosphäre mit allen Sinnen auf. Es ist heiß, das angenehme Gefühl der Sonnenstrahlen auf der Haut, den Geruch von Räucherstäbchen, Stimmengewirr, leise Musik… In einer Ecke werden Bücher an Kinder ausgegeben, vor einer Halle sitzen viele Menschen und lesen. Es ist bunt und lebendig und wirklich schön hier. Um nicht zu stören, schauen wir nicht in jede Ecke, sehen aber doch das meiste. Als wir uns dem Ausgang nähern, werden uns noch Wasserflaschen übergeben, selbst als ich auf die Flaschen zeige, die aus meinem Rucksack rausgucken. Einen Besuch hier kann ich nur empfehlen.

Tempel der alten Monarchen

Es geht weiter zum Tempel der alten Monarchen, einfach ein Stück weiter die Fuchengmennei Dajie (oder kürzer Funei Avenue) entlang. Dabei kommen wir an einer Comic Galerie vorbei, die wir uns auch noch kurz ansehen. Neben chinesischen Klassikern und „Revolutionärem“ gab es unter anderem auch Micky Mouse und Goofy.

Der Tempel der Herrscher der Vergangenheit (Lidai Diwang Miao) ist zwar der größte in Xisi, unser Guide (vergriffene Ausgabe von „Beijing by Foot“) attestiert ihm einen Mangel an Atmosphäre. Was damit gemeint ist, wird uns klar, sobald wir den Tempel betreten haben. Dieser Tempel, 1530 erbaut, diente dem Staats- und Ahnenkult, Besucher gibt es außer uns fast keine. Es ist alles picobello sauber, ein paar Pflanzen sind dekorativ aufgestellt – aber es ist leer und öde. Es gibt eine Ausstellung, die aber nur rudimentär auch in Englisch beschriftet ist, wir verlieren schnell das Interesse.

Es ist wirklich heiß. Wir setzen uns auf einen Bank unter einem riesigen, uralten Wachholder und machen eine Pause. Jetzt freue ich mich über das geschenkte Wasser – das mitgebrachte ist längst alle. Wir beschließen, uns wenigstens den Tempel der Weißen Pagode noch anzugucken, angesichts der Hitze müssen wir dann nicht noch mehr machen.

Tempel der Weißen Pagode

Wir kommen wieder an „Shutter Island“ (dem etwas gruselig wirkenden Krankenhaus) vorbei, überqueren eine Hauptstraße, bei der Hitze zieht sich der Weg weiter als wir es in Erinnerung haben. Aber endlich sind wir da.

Wie in vielen Tempeln wird die erste Eingangshalle von den vier Himmelskönigen bewacht.

Wir lassen die weiteren Hallen links und rechts liegen, denn es zieht uns als erstes zur weißen Pagode.

Aber leider ist die Treppe zur Pagode hinauf geschlossen, es sieht nach dauerhafter, nicht nur temporärer Sperrung aus. Aber immerhin, wir sind so dicht dran, wie es eben geht. Diese 1271 erbaute Stupa ist das älteste Gebäude in Peking und wurde auf Befehl von Kublai Khan vom nepalesischen Architekten Araniko erbaut. Wir umrunden die Stupa, ich hatte ja noch eine leise Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einen Aufgang gäbe. Fehlanzeige.

Wir kommen am Souvenirshop vorbei und werfen einen Blick hinein. Einen langen Blick, denn es ist nicht nur wunderbar kühl, sondern die erhältlichen Souvenirs gehen über das übliche hinaus. Natürlich gibt es die gängigen Kühlschrankmagneten, viel chinesische Literatur, aber auch Becher, Taschen, Aufkleber…

Inzwischen sind nicht nur unsere Köpfe übervoll mit Eindrücken, die erstmal sacken müssen, sondern es ist wirklich unangenehm heiß (nur für den Fall, dass ich das noch nicht erwähnt haben sollte). Schluss für heute! Meine Freundin fährt mit dem Bus, ich schleiche die Straße entlang zurück zu meinem Scooter. Der Fahrtwind unterwegs ist klasse, die An- und Aussichten ebenfalls – zum Beispiel der Blick auf die andere Weiße Pagode in Peking mitten im Beihai (todesmutig während der Fahrt geknipst, Anhalten strengstens verboten, alle paar Meter stehen Wachen – Zhongnanhai ist um die Ecke).

Fazit

Das war sicherlich nicht der letzte Spaziergang in Xisi. Nicht nur, dass noch zahlreiche Residenzen und Hutongs auf uns warten, ich „muss“ nochmal in den Tempel der Weißen Pagode, um die Statue des nepalesischen Architekten anständig zu fotografieren – und ich möchte gerne wieder in den Guangji Tempel, dessen Atmosphäre mir unglaublich gut gefallen hat. Und vielleicht kann ich dort dann auch diskret und respektvoll doch noch ein, zwei Bilder mehr machen. Wer zum ersten Mal in der Ecke ist: dann kann man der Vollständigkeit halber auch einen Blick in den Tempel der alten Monarchen werfen, aber soviel verpasst man nicht. Ich bin jedenfalls sehr begeistert von Xisi, ein wirklich schönes, lebendiges, authentisches Pekinger Altstadtviertel!

Fotos!

 

Psst, Geheimtipp!

Geheimtipp? So wirklich geheim kann in einer Stadt wie Peking in Wahrheit ja nichts sein, aber letzte Woche habe ich zusammen mit einer Freundin einen Park entdeckt, der in den meisten Reiseführern nicht auftaucht.

Der Liuyin-Park

Nordwestlich vom größeren und bekannterem Ditan-Park (klar, der ist ja gleich gegenüber vom Lama-Tempel und damit näher dran an den gängigen Routen) liegt der Liuyin-Park. Vorher habe ich gelesen, es sei einer der malerischsten Parks in Peking, ich war gespannt.

Wir haben den Park am Osteingang betreten und stehen direkt auf einem kleinen Platz vor einer gepflegten Rasenfläche.

Blick zurück zum Eingang.

Nach wenigen Schritten sind wir schon am See, wo wir auch direkt die ersten Wasservögel sehen.

Es gibt echt viele Enten samt Küken – und Nachtreiher.

Es ist gegen 16 Uhr, es ist noch nicht viel los. Vereinzelt treffen wir auf Arbeiter.

Oder wir sehen ältere Leute, die im Schatten sitzen. Hier am Wasser, im Schatten ist es um einiges angenehmer als draußen an der Straße, wo die Sonne von oben und die Hitze vom Asphalt knallt.

Zum Alten Sommerpalast habe ich es immer noch nicht geschafft (nicht nur, dass ich den eh noch nicht in Gänze erkundet hab, zur Lotosblüte soll’s halt auch besonders nett sein). Aber Lotos gibt es auch hier in Hülle und Fülle.

In vielen anderen Parks sind die Wege breit, quasi Fußgängerautobahnen. Ist ja auch verständlich, irgendwo müssen die Besucherscharen im Himmelstempel-Park ja hin. Hier hingegen gibt es außer dem Hauptweg (einmal außen um den See herum, ist für Anwohner auch eine beliebte Laufstrecke) viele schmale Pfade – und die haben wirklich ihren Reiz.

Diese Dame hat ganz für sich allein eine Teezeremonie abgehalten und ganz viel Ruhe ausgestrahlt.

Bei dem Blick kann man aber auch einfach so zur Ruhe kommen. Wenn man genau hinschaut, sieht man auf der Insel im See ein Café „Swannseen“ und das schauen wir uns dann auch an und machen dort ein Kaffeepäuschen. Oh ja, hier kann man wieder hingehen. :)

Schließlich gehen wir weiter durch den Park. Dieser ist in vier Abschnitte, jeweils passend zu den Jahreszeiten, gegliedert. Aktuell ist es vor allem schön grün. Rund um den See stehen vor allem Weiden, über 30 verschiedene Arten sollen es sein. Die Weiden sind auch namensgebend: Liuyin Park (柳荫公园) bedeutet Weidenschatten Park.

Früher muss hier deutlich mehr losgewesen sein, Bootshaus samt Bootsvermietung sind stillgelegt, dieser Kinderspielbereich ebenso.

Keine Ahnung, ob es „nur“ wegen der Pandemie geschlossen ist. Teils sind Gebäudeteile so überwachsen, dass ich vermute, dass das schon länger zu ist.

Der Weg windet sich um den See, immer wieder gibt es neue, nette Ansichten.

Es gibt einen kleinen Obsthain. Das hier könnte Weißdorn sein.

Elstern gibt es auch.

So langsam wird es voller. Es wird gesungen, Mahjong gespielt, es gibt ein großes Badminton-Feld. Als wir kurz vor 7 den Park verlassen, kommen uns viele Frauen entgegen – vermutlich wird ab 19 Uhr getanzt.

Leider kein Bootsverleih mehr, nur noch für Enten.

Und wieder ein Reiher.

Es ist jedenfalls ein entzückender kleiner Park, schade, dass er nicht direkt um meine Ecke liegt. Aber wenn man etwas Zeit hat oder sich auch eine Weile im Café „Swannseen“ aufhalten mag, dann lohnt sich der Weg.

Info Liuyin-Park

Adresse (Osteingang): Qingnianhu North Street (gleich hinter der Tankstelle)

Öffnungszeiten: 6-21 Uhr (im Winterhalbjahr bis 20:30)

Eintritt frei

Stadtmauer und Sommerferien

Zum Glück entspannt sich die Lage hier weiterhin. Zwei Tage in Folge keine lokale Neuinfektion. Auch für Reisende wird es etwas leichter, die Quarantäne bei der Einreise nach China wurde auf 7 Tage zentrale Hotelquarantäne plus 3 Tage Quarantäne zu Hause. Im Hinterkopf bleibt zwar weiterhin, dass beim Auftreten neuer Fälle auch schnell wieder alles geändert werden kann, aber trotzdem ist es ein gutes, hoffnungsvolles Zeichen.

Sommerferien

Die Jungs haben die Schule nicht mehr von innen gesehen, bevor letzten Freitag die Ferien begonnen haben, so richtig enttäuscht darüber waren sie nicht. So lange Ferien (9 Wochen!) mit ganz viel unverplanter Zeit finden sie aber richtig toll.

Mir macht das Herumstromern durch die Stadt wieder mehr Spaß. Meistens fahr ich einfach drauf los, lasse mich treiben und die grobe Richtung von Ampelschaltungen und Verkehrsfluss bestimmen, bevor ich dann irgendwo absteige und spazieren gehe. Aber da die Lage sich ja jetzt entspannt hat, kann ich auch wieder Pläne für weiter entfernte Ziele machen. Gestern bin ich nach längerer Zeit mal wieder in Richtung Stadtmauer unterwegs gewesen. Unten im Park wird gebaut, komplett abgesperrt war aber nur der Bereich unterhalb des Foxtowers.

Tickets: digital und auf Papier

Jedenfalls will ich eigentlich nur gucken, ob Mauer und Foxtower geöffnet sind, bekomme dann aber von einer sehr freundlichen Mitarbeiterin direkt den QR-Code für’s Ticket unter die Nase gehalten. Ja, warum eigentlich nicht? Nachdem ich digital das Ticket gekauft und bezahlt habe, gehe ich drei Schritte weiter zum Tickethäuschen, zeige das e-Ticket vor und bekomme ein Papierticket, das vom Wachmann am Eingang abgerissen wird. Digitalisierung made in China. ;)

Trainspotting und Gegensätze

Ich habe die Stadtmauer (fast) für mich allein. Ein Großelternpaar mit zwei Teenagern ist da. Die Großeltern sitzen auf einer Bank vor dem Foxtower, die Jungs halten Ausschau nach Zügen. Es ist ja wirklich ein toller Platz fürs Trainspotting: von oben auf der alten Stadtmauer mit Blick auf den Pekinger Bahnhof oder in die andere Richtung mit Blick auf den CBD.

Ich nehme mir Zeit und schaue selber eine Weile nach Zügen. Gehe kurz in den Foxtower, in dem unten aktuell Zeichnungen ausgestellt sind, die die Entwicklung der Bahnstrecke bzw. des Verkehrs unmittelbar vor dem Foxtower dokumentieren. Schlendere ein paar Mal auf und ab, schaue über die Überreste der Mauer in Richtung Qianmen/Zhengyangmen und in umgekehrter Richtung auf die Türme des modernen Pekings. Gegensätze in einem Bild festzuhalten, macht mir immer wieder Freude.

Irgendwann kommt ein Wachmann auf mich zu: in zehn Minuten, um 17 Uhr wird geschlossen. Okay, ich mache noch mal ein Bild und habe die Mauer dann tatsächlich ganz für mich –  bis auf den Wachmann, der die großen roten Tore des Foxtowers verschließt. Ich genieße den Moment und beeile mich dann doch, die Treppe herunterzusteigen, nicht, dass ich die Nacht hier verbringen muss.

Fotos

 

Mehr über die Stadtmauer

Pekings Stadtmauer

Spaziergang im Stadtmauerpark

 

 

Pflaumenregen

Die Regenzeit hat begonnen. Die poetische Bezeichnung „Pflaumenregen“ (梅雨méiyu) hängt mit der Reifezeit der Pflaumen zusammen. Genauso ausgesprochen wird 霉雨, was Schimmelregen bedeutet – und mindestens genauso treffend für diese Phase ist (wobei ich mich in unserer Wohnung nicht darüber beklagen kann).

Die Luftfeuchtigkeit liegt jenseits von gut und böse, es sieht ständig nach Regen aus, der manchmal runterkommt und manchmal nicht. Ich bin nicht aus Zucker und für meine Kamera hab ich sicherheitshalber eine Neoprentasche im Rucksack, also lass ich mich vom Wetter nicht ausbremsen. Nur vor Gewitter und Starkregen habe ich großen Respekt, aber beides wird recht zuverlässig vorhergesagt. Immerhin ist der Regen warm, Tageshöchsttemperatur liegt derzeit meist über 30 Grad.

Als Sonnen- oder Regenschutz: Schirm geht gerade immer. Von diesem Standpunkt noch ca. 30 Minuten Wartezeit.

Ein Schritt vor, einer zurück…

Was mich ausgebremst hat, ist der Rückschlag in Sachen Pandemie. Vor zehn Tagen sah es so aus, als ginge es aufwärts, aber es kam anders. Nun weiß ganz Peking, dass es in Sanlitun die Heaven Supermarkt Bar gibt – kein Supermarkt, sondern eine sehr günstige, stark frequentierte Selbstbedienungsbar. Oder vielmehr gab, die Lizenz ist nun weg, Tausende sind von dem Ausbruch dort direkt betroffen, weil sie als Kontaktpersonen in Quarantäne mussten (und ihre Compounds gleich mit), über 300 Infektionen lassen sich darauf zurückführen. Und die 5 Millionen Einwohner Chaoyangs, darunter wir vier, mussten (und müssen) sich wieder täglichen Tests unterziehen.

Erst wurde die Öffnung der Schulen für weitere Jahrgänge zurückgenommen, dann hieß es auch für die Abschlussjahrgänge: zurück in den Distanzunterricht. Es ist ja nicht so, dass in der letzten Schulwoche (nächsten Freitag beginnen die Sommerferien) noch besonders viel gelernt würde, aber sich noch ein letztes Mal in dieser Zusammensetzung live, in echt und in Farbe zu sehen – das hätte ich den Kids sehr gegönnt.

Testen, testen, testen

Als es ab Ende April die ersten verpflichtenden Massentests gab, war das wirklich gut organisiert, selbst bei größtem Andrang hatten wir nie mehr als 20 Minuten Wartezeit. Die Lage entspannte sich, die Teststation wurde abgebaut. Tests waren erst „nur noch“ jeden zweiten Tag nötig, später jeden dritten. Aber dann kam der neue Ausbruch mit neuen Testpflichten, aber ohne „unsere“ alte Teststation.

Ich selbst kann mir meine Zeit ja frei einteilen, die Jungs sind aber von ihrem Stundenplan abhängig und wünschen manchmal Begleitung. Und dann komme auch ich in den Genuss von langen Wartezeiten. Negativrekord waren eineinhalb Stunden. Da ist dann auch die Stimmung merklich gekippt, vor allem mit der Aussicht darauf, dass man sich den „Spaß“ täglich wieder gönnen muss. Daraufhin wurde die Station am Tag darauf sicherheitshalber gar nicht geöffnet, und wir mussten zu einer anderen ausweichen.

Symbolbild: Warst du heute schon beim Test? – Das Klo steht kurz vor der Überquerung des 4. Ringes an der Shuguang West Road, falls jemand probesitzen möchte ;)

Nun ist diese Station wieder geöffnet. Unmittelbar vor und nach Ende der Mittagspause hat sich als günstiger Termin herausgestellt, dann sind es rund 20 Minuten Wartezeit. Die Mittagspause wurde zentral verordnet, damit es nicht auch noch eine Hitzschlags-Epidemie gibt (wobei es eigentlich oft erst gegen 15 Uhr und später am heißesten ist).

Wieder mehr Streetfood

Vor ein paar Jahren wurden die Streetfood-Tuktuks weitestgehend aus der Stadt verbannt. Wo zum Beispiel früher an der Ecke Liangmaqio Road/Dongfangdong Road die Streetfood-Wagen den Weg pflasterten, sind da nun nur noch unzählige Leihräder und Scooter geparkt. Aufgrund der Schließungen/Beschränkungen, die für Restaurants galten und gelten, erobert Streetfood jetzt die Stadt zurück, und das bleibt hoffentlich auch so, wenn Indoor-Dining wieder problemlos möglich ist.

Oder es gibt andere kreative Lösungen, wenn Häuser nicht von Lieferanten betreten werden dürfen, so wie hier, wo das Essen einfach am Seil aus dem Fenster heruntergelassen wird. Karte mit WeChat-QR-Code zum Bezahlen liegt dabei.

 

Mit dem Schrecken davongekommen…

Auf dem Rückweg von einem Abschiedsfrühstück habe ich neulich Pech gehabt. Ein großes Tuktuk, voll beladen mit Ramsch, hat mich auf der Bikelane erst überholt und ist dann einer entgegenkommenden Radfahrerin ausgewichen, hatte also innerhalb von Sekunden vergessen, dass er an mir vorbeigefahren ist. Wegen der parkenden Autos daneben konnte ich nicht weit genug ausweichen, es gab einen hässlichen Ruck samt hässlichem Geräusch, es klöterte und mein armer Scooter hat nun einen Spiegel (samt Handyhalterung) weniger. Auch das hat der gute Mann nicht mitbekommen (wollen?) und ist weitergefahren. Ich habe den Spiegel aufgelesen, bin nach Hause gefahren – und hab da erst mal einen Moment gezittert. Das war ein bisschen eng für meinen Geschmack. Aber dann hab ich durchgeatmet, ich hab ja nicht mal einen Kratzer abbekommen. Ich bin auch direkt wieder mit dem Scooter losgetuckert. Das Loch, wo die Spiegelhalterung herausgerissen wurde, habe ich fachgerecht chinesisch mit Klebeband verarztet.

Klimaanlagen-Stories, die 313. Folge

Vorgestern meldete sich morgens der Vermieter, ob später die Klimaanlage repariert werden könnte. Na klar, prima.

Vielleicht wäre das Provisorium (aus dem Fenster hängender Gummischlauch) auf Dauer die bessere Lösung gewesen? Die Wand zwischen Rumpelkammer und Küche hat nun ein weiteres Loch, durch das ein Plastikrohr verlegt wurde, dass sehr abenteuerlich mit den Abflussrohren von Spül- und Waschmaschine verbunden wurde. Ich soll gut aufpassen, wenn ich das erste Mal Wäsche wasche!

Ich habe mich noch nicht getraut, dies Abenteuer werde ich erst am Wochenende wagen…