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Grüsse nach Deutschland und viel Geduld für Eure zweite Woche ohne Schule und Co. Bei uns sind es jetzt zwei Monate und weiterhin ist kein Ende in Sicht. Ich habe inzwischen einen ausgewachsenen Corona-Koller: Budenkoller, Frust, Lethargie, Zorn, Trauer über ein verlorenes Vierteljahr (das wird es wohl mindestens), Mangel an realen sozialen Kontakten. Zum Glück immer nur phasenweise, es nutzt ja nix, wir müssen da durch – und es geht uns angesichts der Umstände gut.

Ja, aber kann man in China nicht schon von Normalisierung reden? Es gibt doch keine lokalen Neuansteckungen mehr, “nur” noch importierte? Es ist doch mehr auf den Straßen los?

Vielleicht ist das Normalisierung, aber hier ist noch lange nichts normal…

Ja, es ist mehr auf den Straßen los, denn immer mehr Menschen müssen/dürfen wieder arbeiten gehen. Außerdem ist Frühling, über 20 Grad, eigentlich fängt jetzt die schönste Jahreszeit hier an. Es ist ja auch nicht grundsätzlich verboten rauszugehen. Gestern hatte ich nach der Fahrt zum Supermarkt aber keinen Nerv mehr. Die eigene Maske nervt und ausschließlich in andere Maskengesichter zu gucken, das ist nicht normal, das fühlt sich apokalyptisch an. In den eigenen vier Wänden habe ich dann doch wenigstens die Illusion von Normalität.

Frühling, endlich.

Allerdings bin ich heute am Compoundtor gefragt worden, wo ich hin möchte, als ich ein zweites Mal losgefahren bin, nachdem ich vormittags schon beim Bäcker und beim Metzger war.
“Sachen kaufen.” -“Was für Sachen?” -“Reis.”- “Okay.” 

“Sachen kaufen” habe ich mit einem Umweg verbunden, erst ein bisschen in der Stadt nach dem Rechten sehen. Da ich zwischendrin das Scooter-Akku nicht wieder vollgeladen hatte, hat es nur für eine kürzere Runde gereicht: Sanlitun, Dongzhimen, Galaxy Soho, Observatorium, CBD – steht alles noch. Straßen immer noch relativ leer.

CBD steht noch

Tuanjiehu-Park

Irgendwann sagte der Blick aufs Akku: umdrehen/Rückweg. Der Tuanjiehu-Park liegt auf dem Weg, also habe ich da einen Zwischenstopp eingelegt, um mir die Füße zu vertreten. Da war relativ viel los, also Normalisierung? Nee, nicht mit all diesen Masken. 

Wasserkalligraphie

Der Tuanjiehu-Park ist klein, aber seht nett mit viel Wasser angelegt.

Tuanjiehu-Park

Einen Großteil der Parkfläche nehmen ein Aquapark und Kinderbespassungsanlagen “Carnies” (Karussels, Hüpfdinger etc.) ein – natürlich geschlossen im Moment. Nicht normal. Ob die Entenboote noch Winterpause haben oder auch mit unter Quarantäne fallen, weiß ich nicht.

Park mit Aussicht

Nach zwei Runden hat es dann auch gereicht, und ich bin weiter zum Jingkelong gefahren. Wir brauchten wirklich Reis. Hier steht wie erwartet ein Wächter am Eingang, aber als ich ihm mein Handgelenk für die Temperaturkontrolle entgegenhalte, winkt er ab und deutet auf einen Kasten, aus dem mich mein eigenes Maskengesicht anlacht und, nachdem ich kurz davor stehen geblieben bin, 36° anzeigt – ich darf hinein. Der Laden ist gut besucht, aber nicht übervoll, die Regale sind gut gefüllt, es gibt alles. Die Reisauswahl im Jingkelong überfordert mich wie immer, also einfach irgendeinen 5-Kilo-Sack geschnappt, fertig. Am Ausgang ist ein Blumenstand, ein paar Tulpen müssen mit. Mittlerweile könnte ich wohl auch eine komplette Kleinfamilie mit dem Scooter transportieren, da kann ich auch mit Blumen in der Hand fahren…

Wer den Scooter liebt, der…

Ja, der Scooter. Als ich am Chaoyangpark entlangfahre, zeigt er mit noch 20 Prozent Akkuladung an, das reicht locker, denke ich, und switche nicht in den eco-Modus. Aber hinter der Französischen Botschaft sind es plötzlich nur noch 4 Prozent, hektisches rotes Blinken und aus. Tja, Premiere, wer seinen Scooter liebt, der schiebt. Zum Glück hab ich kein größeres, schwereres Modell, aber viel länger als diese Viertelstunde hätte ich auch nicht schieben mögen. Schreckmoment am Compoundtor nach dem ersten Fiebermessen, andere Hand hingehalten, uff, alles gut.

Keine Normalität, kein Ende in Sicht

Wie gesagt, allein dadurch, dass man überall außerhalb der eigenen vier Wände mit den Masken konfrontiert ist, wird man ständig daran erinnert, dass derzeit nichts normal ist. Dass es weiterhin kein Datum für die Wiederöffnung der Schulen gibt und dass wir nach der letzten Mail aus der Schule weiterhin damit rechnen, dass es frühestens ab dem 20. April wieder losgehen kann – keine Normalität.

Teilweise werden Regelungen sogar verschärft, in Restaurants soll nur noch eine Person pro Tisch sitzen, in einem Restaurant, wo normalerweise 300 Leute Platz finden, sind aktuell maximal 15 Personen gleichzeitig erlaubt. Das in Verbindung damit, dass keine Besucher in die Compounds gelassen werden, hat unser soziales Leben außerhalb der Familie fast komplett in den virtuellen Raum verlagert.

Meine Nachwuchsnerds kommen mit der Situation immer noch überraschend gut klar, so wie sie auch mit der Online-Schule gut zurechtkommen, teils sogar deutlich besser als mit normaler Schule. Ich steh ja auch normalerweise für Fragen zur Verfügung, aktuell muss ich deutlich mehr erklären. Nun bin ich also doch das, was ich nie sein wollte: Aushilfslehrerin. ;)

Ich habe hier den Eindruck, dass Kinder mit bisher streng reglementierten Medienzeiten und wenig Zugang zu Handy/PC sich derzeit deutlich schwerer tun. Oder etwas zugespitzt: Medienabstinent ist das neue Bildungsfern. Und wir sind hier in einer relativ privilegierten Situation mit der gut ausgestatteten Auslandsschule – an staatlichen deutschen Schulen dürfte da vieles nicht machbar sein. 

Blick nach Deutschland

Hier so lange schon mit den Einschränkungen zu leben, das zerrt so schon an den Nerven. Aber zuzugucken, wie die Krankheitswelle nahezu ungebremst auf Deutschland zu- und darüberwegrollt, das belastet zusätzlich, weil das so nicht hätte passieren müssen. (Kluger Artikel dazu übrigens in der New York Times: “China Bought the West Time. The West Squandered It.” Ist zwar schon eine Woche alt, aber weiterhin aktuell.)

Wir haben uns ja schon lange gewundert, warum nichts passiert, z.B. bei der Einreise am deutschen Flughafen. Ja, auch mit Temperaturkontrollen erwischt man sicher nicht alle Infizierten, aber Passagiere einfach so durchzuwinken kann es definitiv auch nicht sein. Wer Maßnahmen eingefordert hat und entsprechendes geschrieben oder gesagt hat, musste sich der Panikmache und der Hysterie bezichtigen lassen.

Wie kann es sein, dass in der globalisierten Welt erst mit zögerlichem Handeln begonnen wird, wenn die Einschläge in unmittelbarer Nachbarschaft sind? Hallo, Luftverkehr, schon mal davon gehört? Aber China ist das Land, wo nur ein Sack Reis umfällt, sowieso böse und sowas von hinter dem Mond? Was in China in den ersten Wochen passiert ist, daran gibt es nichts zu beschönigen – aber der Rest der Welt hätte wissen müssen, was da kommt und hat trotzdem nicht genug getan.

Wochenlanges Runterspielen – alles ja nur Hysterie, Panikmache – ist es dann wirklich verwunderlich, wenn viele Menschen das jetzt noch nicht ernst nehmen? Hätten die sehr harten Maßnahmen für alle jetzt wirklich sein müssen, wenn man frühzeitig Einreisende unter Quarantäne gestellt hätte,  so wie China das jetzt macht, um den Re-Import des Virus bzw. die weitere Ausbreitung zu verhindern? 

Nun ist es vermutlich eh zu spät. Immerhin, endlich Frühling.

Forsythie. Hilft nicht gegen Covid-19 (auch nicht gegen den Virus im Film “Contagion”). Macht aber gute Laune.

Mitten in Peking liegen zwei wunderschöne Parks mit großartigen Aussichten: der Beihai-Park und der Jingshan-Park – beide gleich gegenüber bzw. schräg gegenüber auf der Nordseite der Verbotenen Stadt. Mein ältester Sohn ist gerade zu Besuch, und zusammen nutzen wir das schöne Winterwetter, um uns beide Parks anzusehen. Zuerst wollen auf den Kohlehügel im Jingshan-Park steigen und die Aussicht auf die Verbotenen Stadt genießen, anschließend wollen wir in den Beihai-Park gehen.

Jingshan-Park und Kohlehügel

Wir betreten den Park durch den Osteingang und gehen zielstrebig Richtung Kohlehügel. Stellenweise liegen noch Schneereste, die sind von dem in Peking seltenen Schneefall vor zwei Wochen noch übrig geblieben. Es zieht uns direkt ganz nach oben zum Wanchun Pavillon. Hier hat man einen tollen Überblick über die Verbotene Stadt.

Forbidden City

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Aber auch in alle übrigen Himmelsrichtungen hat man eine großartige Sicht. Nach Westen zum Central Business District:

CBD

Blick auf Pekings CBD vom Kohlehügel aus

Nach Norden blickt man entlang der Nord-Süd-Achse Pekings, sieht den Trommelturm (der den dahinterliegenden Glockenturm verdeckt) und weiter im Norden das Olympiagelände. Auch eine Ecke vom Vogelnest kann man sehen.

Trommelturm, Olympia-Gelände

Blick nach Norden vom Kohlehügel: Trommelturm und Olympiagelände

Schaut man nach Westen, sieht man in der Nähe die Weiße Pagode im Beihai-Park und in der Ferne die Westberge.

White Dagoba

Blick nach Westen vom Kohlehügel aus: Weiße Pagode und Westberge im Dunst

Nachdem wir uns – vorläufig – sattgesehen haben, laufen wir erst eine Treppe runter und landen am Haupteingang des Jingshan-Parks, gehen dann weiter zum Westausgang. Hier fallen zahlreiche Kakibäume ins Auge, an denen noch viele Früchte hängen.

Beihai-Park, Jadeblumeninsel, White Dagoba und Yong’an-Tempel

Den Beihai-Park betreten wir durch den Osteingang. Hier befindet sich auch direkt eine der Brücken auf die Jadeblumeninsel, auf der ganz oben auf dem Hügel die Weiße Pagode steht. 

Auch wenn man am Horiziont schon wieder Smog heranrollen sieht, beim Blick nach oben ist der Himmelt leuchtend blau – da sieht die Pagode nochmal so schön aus.

White Dagoba

Weiße Pagode, blauer Himmel

In die Pagode kann man nicht hinein, aber man kann sie umrunden und hat auch hier wieder tolle Blicke in alle vier Himmelsrichtungen.

Im Beihai-Park

Blick von der Jadeblumeninsel: Wanchun Pavillon im Jingshan Park, dahinter das höchste Gebäude Pekings, der Zhongguo Zun

Schließlich steigen wir eine steile Treppe hinunter zum Yong’an-Tempel, in dem sich ein paar Buddhas vergnügen…

Detail im Yong'an-Tempel

Buddha-Darstellung im Yong’an-Tempel

Mit einem Blick zurück auf die Jadeblumeninsel verlassen wir schließlich den Park.

Blick auf die Jadeblumeninsel

Blick auf die Jadeblumeninsel und die Weiße Pagode

Fotos

 

Gestern habe ich zusammen mit der Fotogruppe einen für mich neuen Park entdeckt: den YuYuanTan Park, in Peking auch als Jade Lake Park bekannt. Der Park liegt westlich der Verbotenen Stadt im Haidian District, quasi im Schatten des Fernsehturms. Da gestern Luft und Sicht nicht wirklich berauschend waren, haben wir darauf verzichtet, auf die Aussichtsplattform des Turms zu gehen.

Fernsehturm

Pekings Fernsehturm

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Der Park ist natürlich nicht neu, zurück geht er auf Kaiser Qianlong, der den See 1773 anlegen ließ. Bis in die 1960er Jahre war der See aber trocken gefallen. Erst dann wurde der Park, so wie er heute ist, neu angelegt.

Wir treffen uns am Westeingang. Was ich völlig verdrängt hatte: sobald es in den Parks blüht, zieht es riesige Menschenmassen dorthin. Na klar, dieser Park gilt als einer der besten Orte, um in Peking die Kirschblüte zu sehen. So ist es nun auch vor den Ticketschaltern gut voll. Viele Gruppen sammeln sich hier, private und offiziellere, Schulklassen und Betriebsausflüge.

Von hier aus kann man dern Stern oben an der Spitze des Militärmuseums sehen und die Sonnenuhr des China Millenium Monuments.

Spitze vom Militärmuseum und vom Millennium-Monument

Militärmusum und die Spitze der Sonnenuhr des Millennium-Monuments

Es gibt mehrere Bootsverleihe, wo man Tretboote und Elektroboote ausleihen kann (pro Stunde 150 RMB für 4 Personen plus Pfand). Und für 15 RMB pro Person kann man anstatt am See entlang zu laufen das Pendelboot nehmen, das vom Westgate bis zur Brücke in der Mitte fährt.

Im Yuyuantan-Park

Parkleben

Wir laufen aber erst einmal am See entlang. Außer den “Blütenguckern” hat auch das normale Parkleben hier seinen Platz. Zum Beispiel wird hier mit bunten Bändern getanzt.

Im Yuyuantan-Park

Was ich ziemlich großartig finde: es gibt einen fest installierten Garderobenständer!

Im Yuyuantan-Park

An alles gedacht hier!

Viele sind es nicht, aber wenn man guckt, findet man da und dort doch auch ein ruhigeres Plätzchen.

Im Yuyuantan-Park

Wir bummeln weiter durch den Park. Es gibt noch weitere Tanzgruppen. Überall, wo etwas blüht, wird posiert und fotografiert. Nicht nur eine Dame hat sich farblich passend zu den rosa Blüten gekleidet! 

Blüte

Ein Chor!

Es wird nicht nur getanzt, sondern auch gesungen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees steht eine große Gruppe Menschen am Ufer und singt. Das Lied wird übers Wasser zu unserer Seite hinübergetragen, überall gut gelaunte Menschen, die so sichtlich den Frühling genießen – ich hab Gänsehaut, so schön ist das.

Im Yuyuantan-Park

Hier wird gesungen!

Schließlich überqueren wir die Brücke in der Mitte des Parks. Ich muss dabei ja ein bisschen an die Außenalster (in klein) und die Krugkoppelbrücke in Hamburg denken …

Im Yuyuantan-Park

Brücke in der Mitte von Park und See

Als wir am anderen Ufer ankommen, ist die chinesische Mittagszeit schon fast vorbei, der Chor hat sich verlaufen. Nur ein Mann sitzt noch da und singt mit warmer Tenorstimme weiter vor sich hin und lässt sich durch nichts und niemanden stören.

Im Yuyuantan-Park

Ein Sänger!

Jetzt kürzen wir auch ab und nehmen das Pendelboot zurück zum Westgate. 

Im Yuyuantan-Park

Wiederkommen? Ja, auf jeden Fall. Unsere Zeit hat nur für den westlichen Teil des Parks und des Sees gereicht. Mich interessiert jetzt außerdem das Militärmuseum und das Millennium-Monument. Und ich muss herausfinden, wann und wo genau dort die Boote zum Kunming-See, also zum Sommerpalast, abfahren. Ich werde berichten! :)

Fotos

Peking von oben? Das geht zum Beispiel von einigen Dachterrassen aus (wobei man da oft nur die umliegenden Hochhäuser sieht oder nur in eine Richtung) oder vom Fernsehturm im Westen oder im aktuell noch höchsten Gebäude in der Atmosphere Bar im China World Tower… Auf den Bildern weiter unten ist auch das künftige höchste Gebäude Zhonguo Zun (China Zun) zu sehen.

Eine weitere, wirklich tolle Möglichkeit ist der Kohlehügel im Jingshan-Park, gleich hinter der Verbotenen Stadt. Dort auf dem höchsten Punkt steht der Pavillon des Zehntausendfachen Frühlings – der höchste Punkt des alten Pekings; früher auch mal der Mittelpunkt des alten Pekings entlang der Nord-Süd-Achse. 

Grandiose Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen

Bei tollstem Sommerwetter und für Peking-Verhältnisse guter Luft sind meine Freundin und ich heute auf den Kohlehügel spaziert und haben die Aussicht genossen:

  • Im Süden die Verbotene Stadt, dahinter der Tien’anmen, die Große Halle des Volkes und das Nationalmuseum und das NCPA (National Centre for the Performing Arts);
  • Im Westen der Fernsehturm, die Weiße Pagode und der Beihai-Park und -See und die Westberge;
  • im Norden der Glockenturm und weiter hinten das Olympiagelände und
  • im Osten der CBD (Central Business District). 

 

 

Der Eintritt in den Park kostet 2 Yuan (ca. 25 Eurocent). Weil ich das Parkleben ja immer gern mag: gibt es hier auch (Rückwärtsläufer, Kartenspieler, Nickerchen auf den Bänken, Picknick…) aber deutlich weniger als in anderen Pekinger Parks. Überreichlich gab es Touristen, am obersten Pavillon war ein ziemliches Gedrängel, da ist mir sogar die Brille von der Nase geflogen (hat überlebt, konnte sie noch auffangen), aber so richtig ballt es sich tatsächlich nur an dem Punkt genau an der Mittelachse mit Blick auf die Verbotene Stadt.

Jetzt frag ich mich, warum ich noch nicht früher da war – und das letzte Mal, war es heute sicher auch nicht. Beim nächsten Mal schau ich dann, ob ich vielleicht den historischen alten Eiskeller hinter dem Park finde… ;)