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Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Wir sommern so vor uns hin. Der Monsunregen macht gerade ein bisschen Pause. Allerdings ist uns die Lust auf Ausflüge vergangen.

Covid ist zurück in Peking

Reisende haben die Seuche zurück nach Peking gebracht. Die Zahl der aktuell Infizierten liegt unter 10, aber die Folgen sind erheblich. Nach einem halben Jahr ohne lokale Neuinfektion in Peking ist das ziemlich niederschmetternd.

Nun ist es mit dem lässigen Maske-unterm-Kinn erstmal vorbei. Damit das mit dem Abstandhalten klappt, haben unter anderem Parks und Metro wieder ihre Kapazitäten reduziert. Auf die Metro verzichte ich dann auch erstmal lieber ganz. Dazu treibt mich weniger die Angst vor der Krankheit, vielmehr die Unlust auf Quarantäne/Isolation womöglich in einer staatlichen Einrichtung und wer weiß, was im Fall der Fälle noch auf einen zukommen könnte.

Wer jetzt zurück nach Peking reisen will, muss auch innerchinesisch einige Hürden bewältigen, von außerhalb Chinas gibt es ja eh das komfortable Quarantänepaket…  Zahlreiche Flüge und Zugverbindungen sind vorerst gestrichen, das Zurückkommen könnte sich verzögern.

Déjà vu: Schule startet erstmal online

Die chinesischen Schulen starten erst am 1. September. Manche der internationalen Schulen haben ihren Schulstart bereits verschoben. An unserer Schule ist der 23. August der erste Schultag – nun allerdings zunächst für eine Woche nur online, Präsenzunterricht darf erst am 1. September losgehen.

Die Regelung aus dem letzten Jahr, dass vor dem Betreten der Schule drei Wochen Anwesenheit in Peking sein müssen sowie ein aktueller negativer Test vorhanden sein muss, wurde jetzt auch auf die Schülerinnen und Schüler ausgedehnt. Letztes Jahr betraf dies nur das Personal.

Das heißt, dass man für einen pünktlichen (Präsenz-)Schulbeginn schon am 2. August zurück in Peking hätte sein müssen. Wenn man jetzt noch nicht zurück ist, könnte die Rückkehr schwierig werden (siehe oben). Von daher wird es vermutlich eine Zeitlang parallel Online-Unterricht geben.

Mit Drohnen und Bananen: Elefanten (fast) zuhause

Nach 17 Monaten ist die wandernde Elefantenherde fast wieder zuhause in ihrem gewohnten Habitat im Süden Yunnans. Irgendwann in den letzten Wochen sind die Elefanten umgekehrt. Vielleicht, weil der Sommer zu Ende geht? Vielleicht aber auch, weil sie mit einer Mischung aus moderner Technik und simplen Essen – Drohnen und Bananen – in die richtige Richtung gelenkt worden sind? Am gestrigen Sonntagabend hat die Herde einen Fluss überquert, der bislang zu viel Wasser geführt hatte. Nun trennen sie “nur noch” wenige hundert Meilen von ihrem Ursprungsort.

Nanxincang “Kultur- und Freizeitstraße”

Bisher bin ich immer dran vorbeigefahren, gestern habe ich mir die Zeit genommen, um mal einen Blick darauf zu werfen, was sich hinter diesem Anblick und den Schildern “Nanxincang Pedestrian Street” verbirgt. Ein paar Altbauten ducken sich zwischen den modernen Hochhäusern, was mag das sein?

Blick auf die Nanxincang, kleine, alte Häuser ducken sich zwischen den Hochhäusern.

Blick auf die Nancingcang von der Fußgängerbrücke aus

Es handelt sich um die ehemaligen Kornspeicher aus der Ming-Dynastie, jetzt sind da schnieke Restaurants. Eigentlich, denn tatsächlich wird aktuell renoviert und der direkte Zugang ist versperrt. Hier mal Essen gehen: gerne, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Aber extra als Ausflugsziel? Nein.

Eigentlich war Sydney die letzte Station auf unserer Reise, aber da heute alle Welt außer über die Abschiedsrede von Barack Obama über die Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg spricht, ist das doch mal ein guter Anlass, um nach Sydney zur dortigen Oper zu gucken. :)

 

Das Opernhaus in Sydney, gebaut von 1959 – 1973 (Bauzeit also etwa ein Jahr länger als die der Elbphilharmonie), ist wirklich ein toller Blickfang. Wenn man die Treppen hinaufgeht, hat man außerdem einen großartigen Blick über Sydney am Wasser, auf Wohnviertel an den gegenüberliegenden Ufern, auf die Harbour Bridge, auf Anlagen der Marine… Wie in Hamburg hat man auch in Sydney mehr Geld verbraten als ursprünglich geplant: etwa das zehn- bis fünfzehnfache der ursprünglich angesetzten Summe. Zur Finanzierung wurde später eigens eine Lotterie ins Leben gerufen. Im Vergleich zur Elbphilharmonie ist das aber mit ca. 100 Millionen AUD (das sind heute wohl gut 123 Millionen AUD) fast ein Schnäppchen.

Bei aller Liebe zu meiner Heimatstadt Hamburg: was das Wetter angeht, hat Sydney klar die Nase vorn, was das Opernhaus angeht, wird man sehen… Die Lage am Wasser ist vergleichbar, wobei Pazifik oder Elbe sicher auch Geschmackssache ist… Sydney war zuerst da, der Bau ist in der Tat originell. Zur Elphi fällt einem auch quadratisch-praktisch-gut ein, nur das Wellendach mildert den Kasten-Eindruck ab. Allerdings sehen wir hier in Peking jede Menge bemerkenswerte Gebäude mit schrägen/runden/asymmetrischen Dächern… Der Elphi heute trotzdem einen guten Start! :)

Leider ist ein halber Tag für Sydney viel zu kurz (wir sind gut 1,5 Stunden von der Central Coast aus hin- und wieder zurückgefahren). Bei einer Hop on/Hop off-Bustour haben wir immerhin einen ersten Eindruck bekommen, nachdem wir vorher und nachher schon am Circular Quay und durch den Hyde Park spazieren gegangen sind.

Bei ca. 28° C und fröhlicher Sommer-Stimmung haben wir auch einen entsprechend bunten fröhlichen Eindruck von Sydney mitgenommen. Da könnte man auf jeden Fall auch mal mit etwas mehr Zeit hin…

 

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg bei Yangshuo. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Entspannte Radtour

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht.

Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Der Mondberg bei Yangshuo

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Drei Damen und Chang’e

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legenden von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Schöner Abschluss im Hotel

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

 

 

Jetzt sind wir schon fast eine Woche zurück in Peking – und ich hab mich vorher noch nie so schwer getan, hier wieder anzukommen. So vieles, das nervt: ich hasse es, die großen, schweren Trinkwassserkübel (besonders noch vor dem ersten Kaffee!) austauschen zu müssen. Es ist Mist, wenn draußen 33° sind und man wegen der miesen Luft nicht all zu lange draußen sein mag. Es ist unschön, im Supermarkt den komischen weiß-weichen Salami-Rand zu begutachten und zu überlegen, wie oft die wohl schon aufgetaut und wieder eingefroren wurde. Ich hatte ganz verdrängt, wie anstrengend es sein kann, den Alltag nicht in der Muttersprache und als Analphabetin (die paar Zeichen, die ich entziffern kann…) bewältigen zu müssen.

Mit unserem Jämtland-Urlaub hatten wir aber auch den vermutlich größtmöglichen Kontrast zu Peking!

Suchbild: Wo ist unsere Stuga? ;)

Dieses knuffige Blockhaus versteckt sich etwa 7 km nördlich vom Dorf Ljungdalen oben am Hang. Was fehlt, ist ein Schild “Ende! Aus! Hier geht es nicht weiter!” Höchstens zu Fuß, übers Fjäll, in ca. 3 Tagen kommt man z.B. in Storlien oder Valadalen wieder raus.

Das letzte Haus am Feldweg, doch nicht nur der Weg, auch die Stromleitung endet hier. Telefon? Fehlanzeige. Handyempfang? Oh, an die Anzeige “Kein Netz!” kann man sich durchaus gewöhnen! Bis zum nächsten Haus ist es ein Stück, aber das war unbewohnt. Also keine Nachbarn! Keine Menschen! Nur wir drei! Der Herr Gemahl war im Job unabkömmlich, und so waren wir nur zu dritt auf Reisen, aber auch das war – ohne dem Gatten zu nahe treten zu wollen – herrlich entspannt. 

Fjäll

Direkt am Haus windet sich ein schmaler Pfad den Berg hinauf. Man stapft ein bisschen durchs Unterholz und ist nach wenigen Metern oberhalb der Baumgrenze.

Kalfjäll (ja, das schreibt man im Schwedischen so! ;)

Es geht nur enstpannt-sanft bergauf, umso erstaunlicher, dass sich der Blick ins Tal und über die Landschaft tatsächlich alle paar Schritte ändert. Von oben konnte man das Dorf bzw. Teile davon sehen…

Ljungdalen

… und ein Stück weiter oben, reichte der Blick bis zum Flatruet. Wir sind ja mit der Fähre von Kiel nach Göteborg gefahren (ich liebe es!), sind ein Stück über Norwegen/Oslo immer weiter Richtung Norden getuckert, erst bei Stöten über die Grenze zurück nach Schweden. Die letzte Etappe – fix noch ein Großeinkauf beim ICA in Funäsdalen – führt dann übers Flatruet nach Ljungdalen.

Flatruet

Am höchsten Punkt des Flatruets befindet sich ein Parkplatz, von dem man kurz die Aussicht genießen kann, wo man auch mal mit dem Wohnmobil stehen kann oder wo man zu kurzen oder mehrtägigen Wanderungen aufbrechen kann. Wir sind nur “spazierengegangen”, das finden meine Kurzen nicht so schrecklich wie dieses “wandern”… ;)

Auf der Anreise musste ich kurz hinter dem Parkplatz in die Eisen treten: Rentieralarm. Wo man sonst kaum einem Auto begegnet, mussten wir dank sturer Rentiere kurze Zeit im Konvoi im stop und go langsam weiter Richtung Ljungdalen tuckern. Das war ein ziemlich genialer Auftakt. Sorry, keine Bilder, ich hatte die Hände am Steuer!

Blick vom Flatruet Richtung Helags - noch immer Schnee...

Blick vom Flatruet Richtung Helags

Wie man sieht, war unser Ferienwetter durchwachsen. 9°C? Egal, in Peking schwitzen wir noch bis Oktober! Durchgängig verregnete Tage waren auch nur 1-2 dabei. Aber auch das war in Ordnung, denn die Stuga war unglaublich gemütlich. Am Kamin sitzen und zugucken, wie sich die Wolken übers Dunsjöfjället ins Tal wälzen: beeindruckend!

Urlaubsbedürfnisse haben sich wegen Peking geändert

Früher – vor Peking – war ich immer diejenige, die im Urlaub für Sightseeing und Ausflüge zuständig war – bzw. wenn ich nicht genervt, gequengelt und gedrängelt hab, konnte meine Familie es auch immer gut direkt am Urlaubsort aushalten (okay, Eigenlob stinkt eigentlich, aber ich hab schon ein glückliches Händchen in Sachen Ferienhäuser). Seit wir in Peking sind, ist es anders, und das ist mir tatsächlich jetzt in Schweden erst richtig bewusst geworden. Unser Alltag hier ist – verglichen mit unserem alten deutschen Alltag – hektisch, aufregend, spannend. Ich selbst muss weder zur Schule noch zur Arbeit gehen und will mir, wenn die Pekingzeit irgendwann mal zu Ende geht, nicht sagen müssen: ach hätt’ ich doch noch dies-das-jenes gemacht-besucht-angesehen… D.h. mein Alltag ist so ganz anders als mein alter Hamburger Alltag, dass sich auch meine Urlaubsbedürfnisse und -wünsche verschoben haben. Sightseeing? Gehört doch zu meinem Expatalltag!

Ich habe es genossen, auf der Terrasse zu sitzen, zu lesen, den Blick schweifen zu lassen. Vor dem Urlaub hab ich noch gedacht, wir könnten ja endlich mal in Röros die Minen ansehen. Wasserfälle finden? Vielleicht ein Wiedersehen mit Trondheim und den Bekannten dort? Nach Östersund zum Festival? Und am Ende waren unsere weitesten Ausflüge die nach Funäsdalen zum Einkaufen, immerhin auch 45 Minuten Fahrzeit – wobei es in Ljungdalen im kleinen ICA Nära eigentlich auch alle gab, was wir brauchten. Wir haben dann halt immer auf dem Flatruet gestoppt. Wen wir aber besucht haben bzw. wer auch uns besucht hat: Freunde, die ich seit meinem 18. Lebensjahr kenne, und die ein Häuschen in Ljungdalen haben.

Ansonsten haben wir die Einsamkeit unglaublich genossen. In den ersten Nächten habe ich mich gefürchtet: Einbrecher? Hier? Doch dann hab ich die Übeltäter erwischt: Rentiere. Meine Güte, machen die einen Lärm, wenn die nachts – zum Glück nie ganz dunkel, ich liebe die Mitternachtssonne! – über die Holzveranda schlappen… Selbst die verregneten Tage, wo man keine 50 Meter weit sehen konnte (Nebel oder doch Wolken?), waren perfekt!

Ich wollte nicht abreisen und ich würde sofort wieder hinfahren, wenn es möglich wäre…

Elche haben wir diesen Sommer tatsächlich nicht einen einzigen gesehen! Aber bei den vielen Rentieren haben wir keinen Grund zur Klage. Viele Vögel gab es und Blumen (und Mücken), Regenbogen, beeindruckende Sonnenuntergänge, die fast nahtlos in Sonnenaufgänge übergingen… Trinkwasser in der Natur! Reine, frische Luft, teils süß nach Klee duftend… Und diese Ruhe! Oh, es war nicht immer still – der Wind, der ums Haus pfiff, die Bienen im Klee, Vögel, das Rauschen des Bachs… Jedenfalls, keine Beschallung über 87 Lautsprecher, laute Menschen, Verkehrslärm.

Wer jetzt – auch ohne Expatdassein in Peking – mehr über Ljungdalen wissen will, dem kann ich diese überaus informative Webseite empfehlen: ljungdalen-info.de/ Und wer mehr schöne Ljungdalen-Fotos haben mag: es gibt auch einen Kalender: ljungdalen-info.de/Bestellung.html.  

Und wer direkt noch ein paar Bilder gucken mag: bitteschön!

 

 

 

 

 

 

 

Malcolm, Handwerker und Mädchen für alles auf der Farm, war sicher einer der Gründe, warum der Urlaub so schön gewesen ist. An den Jungs hat er sich einen Narren gefressen und umgekehrt, er hatte immer etwas für sie zu tun und hat ihnen dabei jede Menge Geschichten erzählt. Zu Weihnachten hat er ihnen Schweizer Taschenmesser geschenkt (die sich auf dem Postweg nach China befinden und hoffentlich den Zoll passieren dürfen). Mir hat er den Sternenhimmel gezeigt und erklärt und mit Thomas und mir über die Welt im Allgemeinen und Australien im Besonderen philosophiert. Malcolm ist ein richtiges australische Orginal, “part aboriginal”, hat jeden erdenklichen Job inklusive Schafscherer gemacht. Und er stammt aus Bourke. Über Bourke schreibt der australische Schriftsteller Henry Lawson: If you know Bourke, you know Australia. Auch sonst wird Bourke als Kern Australiens, das echte rote Land etc. beschrieben. Und: “back o’ Bourke” ist ein Synonym für “Arsch der Welt” (sorry, aber in Australien ist man so direkt und redet nicht drumherum ;). Ohja, und auch die Fahrt von Bulwarra nach Bourke sei super, man würde so viel Landschaft sehen, und wie sie sich ändert. Na dann, frühmorgens aufgestanden und auf ging es nach Bourke.

Die Fahrt war, hmm, nicht so abwechslungsreich, die sanften Hügel rund um Dubbo ließen wir rasch hinter uns, die Landschaft wurde immer flacher, mal gab es Bäume, mal keine an der Straße. Und es wurde immer einsamer. Vor allem aber ging es geradeaus. Hunderte von Kilometern, ganz selten Mal eine Farm, aber keine Dörfer. Doch, eine kleine Ansammlung von Häusern und ein Geschäft, wo wir neugierig hineingingen. 3/4 der Regale leer, ein Pack Toastbrot, von dem eine Frau sagte, das würde sie lieber nicht kaufen, es liege schon länger da. Immerhin, es gab eine Eistruhe. Gespenstisch. Und dann erreichten wir Bourke selber, hmm, es wirkt heute wie eine “Welfare Town”. Teilweise sieht man noch an hübschen alten Gebäuden mit Türmchen und Erkern, dass die Stadt einst prosperiert haben muss, aber man sieht mehr zugenagelte Fenster und Türen, (dauerhaft) geschlossene Läden, der Ort wirkt verlassen und fast ein bisschen unheimlich, obwohl die Sonne vom beinah wolkenlosen Himmel brennt und die Hitze in den Straßen flimmert. Um länger Spazierenzugehen ist es einfach zu heiß, also tuckern wir noch ein Stück weiter, überqueren den Darling River und fahren Richtung Norden, wo wir uns dann wirklich im echten Outback wiederfinden. Nur noch kniehohes Gestrüpp, endlos, flach bis zum Horizont, wo Erde und Himmel flimmernd ineinander verschwimmen. Und die Vorstellung, dass das so noch Hunderte von Kilometern weitergeht, lässt mich nicht nur beeindruckt da stehen, sondern mich auch ganz klein und ein wenig verloren fühlen.

Der Rückweg ist genauso unspektakulär wie die Hinfahrt, das endlos lange geradeaus Fahren war jedenfalls ziemlich ermüdend, so dass jede Abwechslung willkommen war. Auf einmal nimmt der Verkehr zu (auf dem Hinweg sind wir maximal 5 anderen Autos begegnet) und bei dem winzigen Ort Trangie biegen alle ab. Im Vorbeifahren sehen wir einen riesigen Parkplatz, es müssen wirklich Hunderte sein. Wie wir hinterher herausfinden, fand da ein Picnic Horse Race statt. 

Zurück in Bulwarra fand Malcolm das ziemlich cool von uns, dass wir tatsächlich hingefahren sind – und für mich war es auch eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

 

Kurz mal raus und Zeit ganz für mich allein, Schiff, Meer und Norden – eine Minikreuzfahrt nach Oslo! Nichtstun, lesen (tolino quillt beinah über!), gucken, bummeln, Sightseeing in Oslo, chillen, kinderfrei – was hab ich mich dadrauf gefreut, vor allem auf die Einfahrt in den Oslofjord am Morgen! Ich war zwar mmer noch leicht erkältet und wenig bei Stimme (nicht so tragisch), die Wettervorhersage durchwachsen – alles nicht so wild, ich würde trotzdem alles geniessen!

Und dann war es so schön! Abschalten, Seele baumeln lassen, Lesen mit Blick auf’s Meer, Dänische Inseln, Oslofjord… In Oslo ein bisschen was sehen (vor allem: Vigeland-Skulpturenpark, Holmenkollen und Bygdøy, dort auch noch kurz im Fram-Museum).  Auf der Rückfahrt noch mal chillen und schon wieder zuhause…

Jederzeit wieder!

 

Auch im Sommer 2013 waren wir wieder in Jämtland, auch wieder in der Nähe von Åre: in Ottsjö am Ottsjön. Eine Stuga zum Wohlfühlen, mit phantastischem Blick auf See und Fjäll – perfekt. Viele Wasserfälle in der Nähe.

Ein ganzer See nur für uns

Baden ein Stückchen weiter, hinter Valadalen im Nulltjärn, ein See mit flach abfallendem Sandstrand, Kiefernwäldchen am Ufer und Fjällblick. Baumstämme lassen sich von den Jungs als Kanu umfunktionieren – und wie so oft hier im Norden: alles nur für uns. :)

 

Wieder ein Schuljahr erfolgreich beendet, für Justus auch das Ende der Grundschulzeit – nun endlich Sommerferien. Die Minis und ich haben uns in den Norden verdünnisiert, bevor es dann Mitte August wirklich nach Peking geht… Aber solange genießen wir noch das Fjäll, Licht und Luft und immer wieder Rentiere.
Nur die Mücken, die werden wir hier gerne zurücklassen!

 

 

Wasserdorf Gubeikou

Am letzten Tag der chinesischen Neujahrsferien fahren wir – meine drei “kleinen” Jungs und ich – nach Gubeikou zum Wasserdorf. Im letzten Sommer bin ich dort schon einmal mit der Fotogruppe gewesen: Ein Sommertag im Wasserdorf Gubeikou. Jetzt also Kontrastprogramm: statt Sonne und Hitze ist es bitterkalt und dunstig, und es schneit immer wieder ein paar Flöckchen.

Von uns zuhause in Shunyi fährt man gut 1,5 Stunden, wenn man aus der inneren Stadt kommt, werden es etwa dreißig Minuten mehr sein. Nach nur wenigen Kilometern sind wir schon raus aus der Stadt und können Berge gucken – für uns Hamburger ja doch immer was Besonderes.

In Gubeikou angekommen, kaufen wir Tickets. Diesmal nehme ich die Kombitickets für 280 RMB/Person: Eintritt für das Wasserdorf, die Mauer – Simatai Scenic Area -und Seilbahn rauf und runter.

Es ist noch relativ leer, einige Läden öffnen gerade erst, als wir nach der Sicherheitskontrolle endlich im eigentlich Dorf ankommen. Der Bootsverleih ist geschlossen: ist ja alles zugefroren. Stattdessen gibt es Schlittschuhe (mit Rollator-ähnlichen Gehhilfen), Bumper und sonstiges Spielzeug für auf dem Eis auszuleihen.

Auch wenn es nur ein nachgebautes Wuzhen ist, es ist halt schon nett anzusehen. Und die Kulisse mit den steilen Bergen, auf deren Grat sich die die Mauer entlang hangelt ist auch an diesem eher trüben Tag wirklich schön.

Keine Cash-Zahlung!

Wir lassen uns kreuz und quer treiben. Der Mittlere stellt irgendwann fest, dass man überall nur mit WeChat bezahlen kann – und bei ihm ließ sich die Zahlungsfunktion nicht aktivieren (neu verbinden scheint wohl im Moment nur mit chinesischem Konto zu gehen?). Ich bin ja versorgt, aber wenn sich Touristen ohne WeChat mal hierhin verlaufen? 

Wir essen in einem kleinen Restaurant, in dem man ohne WeChat nicht einmal bestellen kann. Zuerst den QR-Code scannen, anmelden, auswählen, bestätigen, zahlen. Serviert wird aber von echten Menschen. ;)

Der Mauerabschnitt Simatai

So groß ist das Wasserdorf nicht, wir verfransen uns trotzdem und nehmen dann doch den Shuttlebus zur Seilbahn. Das war echt überflüssig, die paar Schritte hätten wir auch laufen können – es war halt nur nicht gut ausgeschildert. Bevor wir weiter zur Seilbahn gehen können, müssen die beiden Kurzen erst mit einer Gruppe chinesischer Damen posieren, auch der große Bruder kommt am Ende nicht drumherum. Am Ende lachen alle, auch die beiden Lütten, die gelegentlich schon von der Knipserei genervt sind. 

Der Wikipedia-Artikel zu Simatai ist schon etwas in die Jahre gekommen, der Abschnitt zur Historie (wichtiger Pass…) ist natürlich weiterhin zutreffend, aber die Gondeln der Seilbahn sind geschlossen, Mini Train ist außer Betrieb.

Seilbahn

Bei der Seilbahn ist nichts los, die meisten Gondeln sind leer. Die Fahrt soll sieben Minuten dauern (der Aufstieg zu Fuß soll etwa eine Dreiviertelstunde steil bergauf gehen). Seilbahnen begeistern mich ja immer wieder sehr (trotz oder wegen des leicht flauen Gefühls?), und auch hier genieße ich die Aussicht. Natürlich fällt mir ein, wann ich das letzte Mal mit dem Mittleren Seilbahn gefahren bin: vor anderthalb Jahren in Dali – das ist dort die längste chinesische Seilbahn überhaupt und auch die Aussicht dort ist deutlich spektakulärer (für einen Tagsausflug von Peking aus nur viel zu weit weg…). Aber hey: es ist eine Seilbahn und die Aussicht hier hat auch etwas!

Von der Seilbahnstation zur Mauer führt ein schmaler Weg, an manchen Stellen so schmal, dass Schilder darauf hinweisen, dort nicht stehen zu bleiben. Andere Schilder warnen vor Steinschlag. So kurz nach dem tödlichen Steinschlag in Longqingxia flösst mir das schon Respekt ein. (In der Longqing-Schlucht findet das Pekinger Schnee- und Eislaternenfest stat; dort wollten wir eigentlich ursprünglich hin, aber aufgrund des Unfalls ist dort geschlossen). Als wir dann auf der Mauer stehen, kribbelt es wieder: Wahnsinn, wir sind tatsächlich in China und krabbeln auf der Großen Mauer rum!

Oben auf der Mauer pfeift der Wind, wir sind allmählich richtig durchgefroren, also gehen wir zur Seilbahn zurück und fahren wieder hinunter. Als wir wieder im Dorf sind, ist dort einiges mehr los als am Vormittag. Wir nehmen an, dass es überwiegend nicht Tagestouristen wie wir sind, sondern Gäste der Hotels, die es im und ums Wasserdorf herum gibt. Auf dem Weg zum Ausgang treffen wir noch auf eine Parade mit Stelzenläufern, Trommlern und Drachentänzern. Vorher hatten wir die schon von weitem auf der Bühne auf dem “Sun-and-Moon-Place” gesehen. Da war auch im Sommer schon Action, jetzt ist da eine kleine Temple Fair aufgebaut.

Alles nicht echt…

Ziemlich durchgefroren landen wir schließlich im Auto. Es ist zwar deutlich mehr Verkehr als am Morgen, aber immerhin: es rollt. Als der Mittlere und ich uns darüber unterhalten, dass dies nachgebaute Wasserdorf ja schon ein bisschen “Disney” ist, wird der Lütte hellhörig: “Yeah! Disneyland!” Upsi! Ich schätze, wir fahren dann irgendwann mal nach Shanghai – aber nur wenn ich mir dann auch das echte Wuzhen ansehen darf. ;) 

Auf halber Strecke zwischen unserer Farm und Dubbo liegt der Taronga Western Plains Zoo, und Silvester und Neujahr waren wird dort. Kurz.  ;) 

Rückblick: Wir haben viele Jahre in der Nähe von Hagenbecks Tierpark gewohnt, hatten Jahreskarten. Ausdauernde, lange Zoobesuche. Dauernd.

Gegenwart: Der, dessen Name nicht genannt wird, findet in Australien knapp 40 Grad zu heiß für mehr als 3 Stunden Zoobesuch. Und das, obwohl man sich in diesem Zoo im eigenen Auto bewegen kann. Im klimatisierten PKW. Mit Getränken. Vor den Gehegen befinden sich Parkplätze, wenn man nicht will, läuft man zu keinem Zeitpunkt weiter als 100 Meter, und nur im Ausnahmefall steht man in der prallen Sonne.

Speed-Dating mit Viechern

Bongo im Taronga Western Plains Zoo, Dubbo

Bongo!

Nur der Dackelblick des Jüngsten und dessen inniger Wunsch, doch noch die Bongos zu sehen, ermöglicht einen zweiten Besuch am Neujahrstag (Ticket gilt dort immer für zwei aufeinanderfolgende Tage) – ganze großzügige 20 Minuten wurden gewährt, und auch nur für die Bongos. Die fand nicht nur der Junior sehenswert: irgendwie seltsam proportionierte Antilopenart mit schön gemustertem Fell.

Wenn man den, dessen Name nicht genannt wird, kennt, weiß man übrigens, dass 20 Minuten für alles reichen – Sommerpalast, Mauer, Verbotene Stadt… Ein Grund dafür, dass ich gerne allein auf Reisen gehe…

Ok, zu Voldepapas Entschuldigung sei angeführt, dass man ja nicht unbedingt nach Australien fährt, um sich (überwiegend) afrikanische Zootiere anzusehen. Die Redneck-Wallabys im Zoo waren zwar sehr niedlich, aber wir hatten unsere täglichen Swamp Wallabys und andere Kängurus frei Haus. ;) Dazu Papageien, Kakadus, große und kleine Eidechsen, mal abgesehen von einer Fantastillion verschiedener Insekten. Die meisten Tiere im Zoo haben irgendwo im Schatten gelegen und  geschnarcht.

Zu meiner Entschuldigung, dass ich nicht selbst mit den Kurzen noch mal für länger hin bin: ich hab leider Probleme mit dem Linksverkehr, an jeder Kreuzung hab ich so einen Knoten im Kopf, dass ich mich lieber auf den Beifahrersitz beschränkt habe, um den Fahrer anzupflaumen, wenn der mal wieder die Spur nicht halten kann und zu weit links fährt…

Und vielleicht hat uns auch das Schild: “Achtung, hier gibt es Schlangen auch außerhalb der Gehege” ein bisschen Respekt eingeflösst…

Der Zoo ist jedenfalls sehr schön angelegt. Die Gehege wirken groß und gut gepflegt, und soweit wir als Laien das beurteilen können, geht es den Tieren gut. Bei der Hitze ist es wirklich nicht empfehlenswert, zu Fuß da durch zu spazieren. Es gibt ein paar Imbissbuden, die auf uns nicht besonders einladend gewirkt haben, also unbedingt an ausreichend Getränke denken. Man könnte Fahrräder leihen – nicht viel besser als zu Fuß – oder Golfwagen im schicken Zebralook. Für uns als Tuktuk-Besitzer jetzt nicht so der Wow-Faktor, vor allem nicht für 70 australische Doller für drei Stunden. Hätten wir zwar trotzdem gerne gemacht, waren aber leider schon wenige Minuten nach Öffnung des Zoos alle verliehen. Den Eintrittspreis (20% Rabatt bei Online-Kauf, Familienticket 2 Erwachsene/2 Kinder 122 AUD für zwei aufeinanderfolgende Tage) fand ich fair. 

Fotos

 

Ich wünsche schöne Feiertage gehabt zu haben und ein glückliches Neues Jahr!

Wir sind seit Sonntag zurück in Peking. Noch ist es schwer, hier wieder richtig anzukommen, dabei hat die Schule gestern schon wieder angefangen. Es ist nur so schrecklich kalt… Ich friere! Heute fange ich mal an, von unserem Australien-Urlaub zu erzählen.

Peking-Kontrastprogramm

Wir haben die Weihnachtsferien in Australien im zentralen New South Wales in der Nähe von Dubbo verbracht, dort, wo wir vor zwei Jahren schon einmal eine tolle Zeit hatten: Bulwarra. Für australische Verhältnisse sicher noch eine bevölkerte Gegend, aber für uns das perfekte Peking-Kontrastprogramm und geradezu einsam! Australien hat insgesamt weniger Einwohner als Peking! Wir haben Winter gegen Sommer getauscht und hatten statt Minusgraden fast 40 Grad Plus, dazu gute Luft und Sonne satt. Oben von unserem Hügel Aussicht in alle Himmelsrichtungen, kein Hochhaus verstellt den Blick. Kein Straßenlärm, dafür Grillenkonzert und Vogelgezwitscher. Eine Sprache, die wir alle gut verstehen und selber sprechen können, Schilder, die wir lesen können. Und alles ganz dicht an der Natur. Ein Traum, wir wären gerne dort geblieben.

Auch hier bleibt die Zeit nicht stehen

Wiedersehensfreude bei der Ankunft, unsere Gastgeberin Judy und ihr Partner Malcolm haben sich gar nicht verändert! Aber die Hunde: Blaze ist erwachsen geworden, hört jetzt aufs Wort. Der kleine, dicke Shelby ist der neue Boss, denn leider sind zwei der Hunde verstorben, Ex-Chefin Milly an Altersschwäche, und Riley wurde eine Woche vor unserer Ankunft vermutlich von einer Schlange gebissen und lag tot im Garten. Ausgerechnet Riley, der doch eigentlich der Schlangenverscheucher war. Aufgrund der langen Trockenheit gibt es deutlich mehr Schlangen, die auf der Suche nach Futter immer dichter an Häuser herankommen. Judy hat ein Ultraschall-Abwehrsystem installiert, aber trotzdem hat sich einmal während unseres Aufenthalts eine braune Schlange in den Garten getraut – und wurde zum Glück von Shelby weggescheucht. Stryker, der Brahmanbulle, ist Geschichte – Huf gebrochen, da konnte er sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen.

Aufgrund von Behördenauflagen musste Judy den Pool abbauen – oder sie hätte einen Bademeister einstellen müssen, absolut überdimensioniert und illusorisch für so einen kleinen Betrieb. Dafür haben wir reichlich Gebrauch von den vielen Gartenschläuchen gemacht. Die Jungs haben quasi auf dem Trampolin geduscht… Damit der Rasen gleichmäßig gewässert wird, haben sie alle zwei Tage das Trampolin um ein paar Meter verschoben.

In Dubbo selbst gibt es inzwischen ein paar Leerstände, sowohl bei Geschäften als auch bei Wohnhäusern, andererseits sind das zentrale Einkaufszentrum am Dubbo Square und die neuere Orana Mall gut besucht.

Kängurus und Schießen

Dieses Mal haben wir deutlich weniger tote Kängurus am Straßenrand und viel mehr lebendige rings um Bulwarra gesehen – zu Klasse. Dösend unter Bäumen oder auch mal über die Straße hüpfend.

Kleinkaliber-Gewehr CZ 455
Kleinkaliber-Gewehr CZ 455

Wie versprochen hat uns Malcolm das Schießen beigebracht – auch ein Teil des australischen Landlebens. In unserem städtischen Alltag, egal ob in Deutschland oder China, brauchen wir das natürlich nicht. Wir haben den Umgang mit einer Repetierbüchse (CZ 455) gelernt, wie man die Patronen ins Magazin steckt, das Magazin in die Waffe schiebt, die Patrone lädt und die alte Hülle auswirft – vor allem aber auch die Vorsichtsmaßnahmen. Geschossen haben wir auf Plastikflaschen – und getroffen. Malcolm hat die Umgebung gut im Auge behalten, tatsächlich haben wir mit unserem Geballer eine Kängurufamilie aufgeschreckt, die dann an uns vorbei den Hügel hinunter gehüpft ist. Ich denke, wir haben alle vor allem Respekt vor Waffen mitgenommen. Zusätzlichen Respekt haben uns die Erzählungen einer Frau eingeflösst, die auf der Durchreise in Bulwarra übernachtet hat: sie hat in ihrem Leben vier Schusswaffenunfälle miterlebt, dreimal ist sie mit dem Schrecken davongekommen, als Waffen unbeabsichtigt losgegangen sind. Aber einmal hat sie sich selbst ins Bein geschossen – die Narbe sah fies aus. Von daher: sehr interessant, das einmal unter fachkundiger Anleitung ausprobiert zu haben, aber auch direkt mitzubekommen, wie gefährlich Waffen sind.

Entspannung und Erholung

Außer zum Schlafen waren wir praktisch ununterbrochen draußen. Spielen, lesen, nur Gucken und einfach gar nichts tun. Ein bisschen die Gegend erkunden. Der Sternenhimmel war wieder unglaublich – aber ich bin ein Schisser und habe mich nachts wegen der Schlangen nicht zum Fotografieren auf den Rasen getraut. Dafür sind die Frösche aus Judys kleinem Teich im Dunkel bis auf die Veranda gehüpft. Ab und zu kam auch mal eine Echse vorbei. Achja, lesen: Malcolm hat mir ein wunderschönes Buch über Sidney Kidman ausgeliehen: Kidman : the extraordinary life of Sir Sidney Kidman. Leider ist es derzeit nicht mehr erhältlich.

Hier folgen ein paar erste Fotos, demnächst erzähle ich mehr über den Taronga Western Plains Zoo, Sandstürme und anderes.

Fotos

 

5 Tage sind wir nun schon zurück in Peking. Diesmal tun wir uns ein bisschen schwer, wieder richtig anzukommen. Der Abschied von den drei Großen war wieder traurig und sie werden jetzt schon schrecklich vermisst. Leider hilft da auch nicht das Wissen, dass wir sie durch unsere Heimaturlaube und deren Urlauben hier unterm Strich eigentlich mehr sehen, als wenn wir noch in Hamburg wohnten. 

Der Jetlag hat uns auch noch fest im Griff, abends können wir ewig nicht einschlafen und kommen dann kaum vor Mittags aus dem Bett. Das wird ein großer Spaß am Montag, wenn um 6 Uhr der Wecker klingeln wird und die Schule wieder startet.

Ljungdalen

Der Urlaub in Ljungdalen war phantastisch, es war genau das, was wir drei uns gewünscht hatten (Einsamkeit, Natur, Stille, frische Luft und sauberes Wasser…) und damit der totale Kontrast zu Peking. Das hat uns richtig gut getan, jetzt sollten wir dem aufregenden, anstrengendem China-Alltag eigentlich wieder gewachsen sein.

Ein Ferien-Highlight waren die vielen Rentiere, die uns mehrmals täglich besucht haben und denen wir auch unterwegs ständig begegnet sind. 

 

Endlich ist Frühling, es ist warm, beinah schon sommerlich, Peking wird bunt, weil alles blüht und wieder viel mehr draußen passiert. Leider lässt sich das wegen der miesen Luft nicht genießen, also freuen wir uns jetzt noch mehr auf das nur halb so warme Hamburg: Heimaturlaub! Wir, das heißt die Jungs und ich, Männe darf arbeiten. Dank Denguefieber hatte der letzte geplante Hamburg-Aufenthalt ja leider ausfallen müssen, und nach so langer Zeit ist es schon komisch, „nach Hause“ zu fliegen. Nein, es ist nicht mehr wirklich zuhause, das ist derzeit hier in Peking, aber es ist Heimat, da wo wir unsere Wurzeln haben. Was sich wohl verändert haben wird, was ist „wie immer“?

Auch wenn ich mich nach Kräften bemüht habe, unser „Programm“ nicht wie beim letzten Mal so zu überfrachten – es hilft nichts, es ist doch wieder ganz schön voll geworden, auch wenn wir etwas mehr Lücken für spontane Verabredungen gelassen haben. Und für Ausflüge, es sind ja immerhin auch die Ferien der Jungs! Leider ist jetzt schon absehbar, dass wir längst nicht alle treffen können, die wir gerne sehen würden. Obendrein steht uns da halt auch eine emotionale Achterbahnfahrt bevor, bei der Wiedersehensfreude und umgehend drauf Abschiedskummer sich abwechseln werden.

Ansonsten geht hier alles seinen normalen Gang. Letzte Woche habe ich so viel wie noch nie im Stau gestanden, das war ziemlich nervig, jede notwendige kleine Besorgung kann sich ja eh zum Halbtagesausflug auswachsen. Anfang dieser Woche hingegen waren die Straßen frei wie noch nie – es war Qingming-Fest (Totenfeiertag). Leider war die Luft so mies, dass das Leben trotzdem überwiegend drinnen stattfand.

2. Platz beim Vorlesewettbewerb

Nummer 4 hat beim Vorlesewettbewerb an der Schule mitgemacht und ist Zweiter in seinem Jahrgang geworden. Die Jungs leiden ja unter einer schweren Hausaufgabenallergie, aber dafür hat er tatsächlich mit viel Spaß geübt – war sehr lustig auch für uns. Vorgelesen hat er aus Timur Vermes: Er ist wieder da.

Laoshe-Teehaus

Mit dem Chinesischkurs waren wir in einem Teehaus, erwartet hatten wir Pekingoper in auch für Westler leicht verdaulichen Häppchen, bekommen haben wir eine Art Varieté, dazu wurden ein paar Häppchen und Jasmintee gereicht, leider kein Reisschnaps… ;) Mit den Bildern von diesem vergnüglichen Abend verabschiede ich mich nun in den Heimaturlaub! 

 

Eine vorerst letzte Australiengeschichte hab ich noch:
Die letzten Urlaubstage haben wir bei Freunden in Terrigal, einem hübschen Ort an der Central Coast verbracht. Die Fahrt von Dubbo aus war echt schön, ich mag es ja, mich so durch die Landschaft treiben (fahren) zu lassen. Das hat da schon echt schöne Ecken, z.B. das Hunter Valley. Je näher wir Sydney kamen (Terrigal liegt 50 km Luftlinie nördlich von Sydney, etwa 1,5 Autostunden), umso dichter wurde die Besiedlung, auch wenn es immer wieder eher einsamere Ecken und immer wieder Nationalparks gab. Irgendwann fuhren wir über einen Hügel und sahen den Pazifik, auch wenn es dann noch einige Zeit gedauert hat, bis wir hügelauf und -ab und durch viele Kurven dann Terrigal erreichten. Wir wurden sehr lieb empfangen, mussten aber direkt erstmal unser ohrenkrankes Kind noch einmal beim Arzt vorstellen, das erste Medikament aus Dubbo hat nicht geholfen. Zum Glück ging es ihm dann mit den neuen Medikamenten besser.

Hilfe, Schlange!

Am nächsten Tag hat es vormittags genieselt. Da fiel es uns leicht, dem ohrenkranken Kind Ruhe zu gönnen, der Lütte und ich haben dann einen Spaziergang mit der Gastgeberin gemacht, schön am Strand und an der Küste entlang und durch den Ort zurück. Als die Sonne heraus kam, war es ratzfatz mit der Beschaulichkeit vorbei – klar, trubelige Hochsaison gerade! Wir sind dann auch unserer ersten Schlange in freier Wildbahn begegnet, das war bestimmt eine Brown Viper… Ich habe es vorgezogen, Sohnemann und mich dann lieber in Sicherheit zu bringen. Pssst, nicht weitersagen: bei Betrachtung der Fotos könnte es eventuell doch ein Vieh mit Beinchen dran sein, auch wenn es anders aussah, als die vielen Echsen, die es direkt am Wegrand gab. Dusseligerweise hab ich meinen Sonnenfilter fallen lassen, aber mich dann nicht ins Gebüsch getraut… Lustig find ich, dass mir das in einem Badeort passiert ist, nicht auf dem Land. :)

Genial: westlich einkaufen!

Nachmittags waren wir in einem Nachbarort, Erina, in einem Einkaufszentrum. Auch wenn ich eigentlich für Shopping nicht viel übrig habe, aber irgendwie war das nett, “westlich” einzukaufen; wir haben auch alles bekommen, was wir brauchten. Nur Kosmetik: ich wollte mir für meine durch die Pekinger Trockenheit bröckelnde Haut eine gute Creme gönnen – und bekomme beim Testen direkt Pusteln auf der Hand. Ok, dann bleib ich lieber bei meinem in China gekauften Zeug, darauf reagier ich wenigstens nicht allergisch. ;)

Am tollsten war aber der Abend: wir waren in Avoca Beach in einem Strandrestaurant und haben Fish’n Chips gegessen und dabei die Aussicht genossen. Traumschön.

Am nächsten Tag waren wir dann in Sydney, davon hab ich ja schon erzählt, dann hieß es Abschied nehmen, denn am übernächsten Tag hieß es Abfahrt mitten in der Nacht, um rechtzeitig am Flughafen zu sein.

Nun sind wir schon fast 4 Wochen zurück in Peking…

 

Viel Spektakuläres gibt es aus diesem Urlaub nicht zu erzählen. Nr. 4 hat sich eine fiese Mittelohrentzündung eingefangen, so dass wir nicht den Royal Flying Doctor Service, sondern ein Hospital in Dubbo und ein Medical Centre in Terrigal besucht haben.

Aber vielleicht ist es ja auch spektakulär genug, wie komplett wir abschalten und uns fallen lassen konnten? Ich muss gestehen, an den ersten 1-2 Tagen war ich nervös, gibt doch auch soviel tödliches Getier in  Australien. Aber Judy hat mich beruhigt, sie hätte seit Jahren keine Schlange mehr auf der Farm gesehen, und alle vorher hätte Riley (ein entzückender Corgi) beseitigt. Und tatsächlich habe ich mir auf der Farm dann keine Gedanken mehr gemacht. 

Die Kinder waren rund um die Uhr beschäftigt, wenn die Hunde nicht mehr spielen wollten, konnte man die Hühner füttern oder Striker, den eindrucksvollen Brahman-Bullen. Oder Matilda, ein Hund im Entenkörper, zupfte an einem herum und wollte mehr Futter. Oder Conny, ein Hund im Schafskörper, was sich gerne mal an Autos geschubbert hat, sorgte für Lacher. Von den Kängurus, die sich im Schutz des hohen Grases bis fast ans Haus herangetraut haben mal ganz zu schweigen.

Zur Abkühlung einfach in den Pool gehüpft, dann wieder in den Schatten unter einen der Bäume oder auf die Veranda, den Blick schweifen lassen, die Nase in die Luft halten und Eukalyptus und Frangipani schnuppern und lesen, lesen, lesen. Hachja. :) Abends dann fix einen Salat zubereitet und Thomas konnte sich am Grill austoben. Ab und an kamen andere Übernachtungsgäste, oft mit Hunden, manchmal mit Kindern, die meisten sehr nett und immer kleine Alltagsgeschichten aus Australien dabei. 

An einem Tag hatte Judy besonders viel zu tun mit Betten beziehen und Studios herrichten, sie erwartete eine huge crowd, die sich dann als indischstämmige 20köpfige Großfamilie entpuppte. Judy hatte Sorge, dass es vielleicht zu laut und hektisch werden könnte, aber im Gegenteil, das war ausgesprochen nette Gesellschaft, wieder viele interessante Gespräche und neue Blickwinkel auf die Welt. Und morgens Yoga in der Gruppe, abends wurden wir einfach mitbekocht, lecker.

Weihnachten haben wir ganz australisch am 25. begangen, Judy hatte uns eingeladen und wir konnten Truthahn und andere Köstlichkeiten zusammen mit ihrer Familie und Malcolm und seiner Frau genießen, zum Nachtisch gab es dann auch die berühmte Pawlowa mit Erdbeeren und etwas Passionsfrucht, den australischen National-Nachtisch. :)  Silvester war auch total relaxed, bei Youtube haben wir Ekel Alfred geschaut, später dann eine australische Show mit Live-Schaltung nach Sydney. Um 21 Uhr fand in Dubbo das Familien-Feuerwerk statt, was wir oben von unserem Hügel sehen, aber nicht hören konnten, sehr entspannt. Um Mitternacht war Judy schon schlafen gegangen und wir haben zwei einsame rote Raketen über Dubbo gesehen.

Abends gab es immer auch die tägliche Ration Kitsch: erst die blaue Stunde mit sanftem Licht, das die Welt in Pastell hüllt, anschließend spektakuläre Sonnenuntergänge und nachts ein unglaublicher Sternenhimmel (vielleicht sollte ich mich mal richtig mit Astrofotografie befassen, ich konnte das nur unzureichend einfangen, leider). Die Natur hat zwischendrin gezeigt, dass sie auch anders kann, wir hatten auch 2-3 mal furchterregende Gewitter. Immerhin hat es ordentlich geregnet, so dass die Warnzeichen für Buschfeuer sich wieder in den grünen bis blauen Bereich zurückbewegten.

Wenn ich jetzt so zurückdenke oder mich durch die Fotos wühle – ich würde direkt wieder dorthin reisen und am liebsten dableiben. :) 

Gut 5 Autostunden von Sydney (Flughafen) entfernt liegt mitten in New South Wales eine wie es heißt ganz typische australische Inlands-Kleinstadt am Rande des Nirgendwos: Dubbo. Hier treffen sich zwei wichtige Highways (Nord-Süd und Ost-West: Mitchell und Newell) und es gibt einen Zoo. Ok, dann noch das Notwendige für eine Kleinstadt: Einkaufszentrum, Sportanlagen, kleiner Flughafen mit Royal Flying Doctor Service und ein Krankenhaus. Der Macquarie River fliesst durch den Ort, man könnte auch Kanu fahren (oder man lässt es bei 39°, wo einem nach kurzer Zeit auf dem Wasser die Hirnzellen platzen dürften). Touristen findet man hier überwiegend auf der Durchreise oder mal für ein zwei Nächte, das sind dann die Zoobesucher.

Die Landschaft – Western Plains – ist vielleicht nicht atemberaubend, aber tut der Seele gut: sanfte Hügel, Weizenfelder, Wiesen und Weiden, Schafe, manchmal Kühe. Manch grüner Hügel weckte bei uns Auenland-Assoziationen (dabei ist Neuseeland noch mal drei Flugstunden weiter weg…). Mehr Wow-Effekt gibt es z.B. in den Blue Mountains, die wir relativ zügig durchfahren haben oder an der Central Coast. Aber uns hat tatsächlich das “langweilige” ländliche Australien gelockt: “Overseas visitors will experience something truly Australian at the grass roots level. Have a meal cooked in the wood fuelled stove just like the pioneers or walk the grounds to see 360◦ views of the Australian rural landscape. Have some quite time reading a book under the famous Australian gum trees or use Bulwarra as a base to venture to some of the Worlds best.” – So heißt es auf der Webseite unserer Gastgeberin Judy, und eigentlich möchte ich gar nicht mehr verraten, damit dieser Platz so herrlich ruhig, friedlich und unaufgeregt und damit so bezaubernd bleibt wie er ist: Bulwarra, eine kleine Farm außerhalb von Dubbo auf einem Hügel gelegen, Rundumblick auf Landschaft und bei Nacht auf die Lichter des Städtchens.

Die ersten Kängurus haben wir schon gesehen kurz nachdem wir aus Sydney herausgefahren waren – leider tot am Straßenrand. :( Zum Glück gab es aber auch zahlreiche lebende, die sich am späten Nachmittag den Hügel hoch bis an den Zaun herangetraut haben. 

Hier kommt nun eine erste Handvoll Fotos. – Fortsetzung folgt!

 

An unserem dritten Tag in Yangshuo mussten wir früh aufstehen, denn es stand wieder eine Flußfahrt an, diesmal länger (5 Stunden) von Guilin nach Yangshuo. Auf dieser Flußfahrt passiert man an einer Stelle die berühmte Ansicht von der Rückseite des 20-RMB-Scheines, die ganze Gegend gilt ja als eine der schönsten Landschaften Chinas, wenn nicht der ganzen Welt. Entsprechend habe ich mich auf diese Tour gefreut – und auch im Nachhinein kann ich das nur empfehlen, wunderschön!

Die Hotelküche war so nett, uns trotz der frühen Stunde mit Kaffee und einem schlichten Frühstück zu versorgen und dann ging es los. Sobald Yangshuo hinter uns lag, waren die Straßen leer, ein ganz neues China-Fahr-Gefühl, die knapp 1,5 Stunden bis Guilin vergingen wie im Flug. In Guilin wurden wir am “Kreuzfahrthafen” abgesetzt, wo wir dann von einer Reiseführerin eingesammelt wurden. Dies Schiff war größer als das vom Vortag, aber verglichen mit Hamburger Hafenfähren doch recht überschaubar. ;)

Li River Cruise

Auf dem Li River von Guilin nach Yangshuo

Der Lijiang windet sich zwischen den typischen Karstkegeln Richtung Süden, hinter jeder Kurve sieht es ähnlich und doch wieder ganz anders aus. Der Fluß ist auch hier erstaunlich flach, der Bambusdschungel reicht teils bis ans Wasser. Es ist drückend heiß, eine Weile fahren wir noch durch den Dunst, dann klart es auf und die Sonne kommt heraus. Da verdrücken sich dann auch fast alle Chinesen wieder nach unten, bloß keine Farbe oder gar Sonnenbrand kriegen (eigentlich clever, ich war abends schön pink…)

Und dann kam das 20-RMB-Panorama in Sicht! Allerdings haben die Chinesen da gar nicht das Oberdeck gestürmt, sondern waren noch mit Essen oder Mittagsschlaf beschäftigt. Apropos Essen, ich hab bisher immer nur über das schlechte Benehmen von Chinesen am Buffet gelesen, aber leider hat das gestimmt: Teller mit Berg vollgeschaufelt, Gier ist echt untertrieben, rücksichtslos drängelnd, kein Auge auf die Älteren, und am Ende war es dann echt zuwenig, dass es zu lauten Schreiereien kam, aber glücklicherweise fand sich noch zufriedenstellender Nachschub.

Außer uns war noch einige wenige weitere Langnasen mit an Bord: ein junger Franko-Kanadier, der mit seiner chinesischen Frau und den beiden zugehörigen Müttern gereist ist, ein junges Schweizer Pärchen und ein alleinreisender junger Spanier. Der war echt witzig, hat gefilmt wie ein Irrer, öfter auch sich selbst und das ganze laufend lustig kommentiert. Am Freitag am Flughafen haben wir ihn noch einmal wiedergetroffen, das war echt nett. Hier findet sich sein erstes China-Video, die lustigen Episoden von der Flußfahrt sind gar nicht dabei, mal sehen, ob er da noch nachlegt.

Westler waren also wieder in der absoluten Unterzahl – und auch wieder Fotomotiv… Soifz. Aber allmählich hab ich mich dran gewöhnt, wir haben dann auch mit einer Gruppe von Lehrerinnen posiert, die extra noch weitere bunte Tücher ausgepackt haben (die Bilder müssen ja ordentlich in Szene gesetzt werden). Ich glaube, am Ende haben wohl alle Chinesen ein Bild von uns gemacht… War jedenfalls echt schade, dass die 5 Stunden so schnell um waren, wobei ich am Ende wie gesagt auch etwas sonnenverbrannt war… Ups. Hatte ich schon erwähnt, dass es echt heiß war die ganze Zeit?

Ich würde jederzeit wieder nach Yangshuo fahren, und auch diese Flußfahrt immer wieder machen. Trotz chinesischen Touritrubels gibt es genügend ruhige Momente und Zeit genug, um Landschaft und Aussicht zu genießen, das war wirklich absolut wundervoll. Wenn es an Land nichts zu sehen gibt, dann auf dem Fluß, andere Ausflugsschiffe, kleine Bambusflösse, einmal hat ein Mann mit einem Bambusfluß, das über und über mit Obst beladen war, an unserem Schiff angedockt und echt viel Obst verkauft, man sieht Wasserbüffel, Kleintiere, Vögel, der Schiffsdiesel tuckert leise vor sich hin, man hört das Wasser rauschen, die Vögel zwitschern, es riecht feucht und “grün” (achja, das geht einem nach ein paar Tagen im Pekinger Stinkesmog gerade wirklich ab…).

Ich hätte noch ewig weiterfahren können, aber leider endete die Fahrt unweit des Platzes, wo wir am Montag am Wasser gesessen haben. Wir sind dann voll mit Eindrücken langsam am Fluß entlang (und nur das letzte Stück vom Fluss weg, ein Stück den Berg hoch) zum Hotel zurückspaziert.

Abends sind wir zum Essen in die Stadt, haben uns vertüddelt und sind durch die übervolle West Street (DIE Touristraße mit 10000 Tourifallen und extrem nervigen, lästigen, aufdringlichen Verkäufern) gekommen. Zwei Ecken weiter war es wieder ruhiger und viel netter. Abendessen war ok, aber im Hotel war es soviel besser, dass wir beschlossen haben, für den nächsten Abend das ganze Bio-Huhn von der Hotelkarte zu bestellen.

Da wir jetzt in Asien leben, könnte man ja auch mal in Asien urlauben… Also ging es zwei Wochen an den Strand von Lamai Beach auf Koh Samui. Mal ganz was anderes für uns!

Der Hinflug brachte einen nächtlichen dreistündigen Aufenthalt in Singapur mit sich, aber dank eines frei zugänglichen Gaming Rooms waren die Jungs beschäftigt und es gab kein Gequengel, wann es denn endlich weiterginge, der Papa konnte dösen, ich mir die Füße vertreten – netter Flughafen. Bei der Ankunft in Singapur war es noch dunkel, als wir dann abflogen gab es einen wirklich spektakulären Blick auf Stadt und viele (!) Schiffe. Ich hab fast die ganze Zeit mit der Nase am Fenster geklebt, erst Malaysia, dann Thailand unter uns und vor allem der Anflug auf die Insel hat sogar einen Blick auf “Big Buddha” zugelassen – sehr cool. Aus dem Flugzeug raus waren wir dann wirklich in einer anderen Welt: zwar genauso heiß wie in Peking, aber viel höhere Luftfeuchtigkeit. Vom Flugzeug ging es mit offenen bunten Wagen zum Terminal – alles offene Gebäude. Preisgekrönter Flughafen, wer gucken mag: samuiairportonline.com Draußen wurden wir direkt in Empfang genommen und dann ging es mit einem Pickup zum Häuschen.

Ein schöner, entspannter Flecken Erde

Der erste Eindruck von der Insel: heiß, grün, exotisch hier, wuselig und lebendig. Aber jenseits der Touri-Anlagen schlicht bis primitiv – Normalität sieht hier einfach anders aus als im Westen. Die von mir ausgesuchte Hütte am Rande von Lamai Beach hat sich als ideal für uns erwiesen, groß genug, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen, eigener Pool, schöne Terrasse mit “Salathai” – ein überdachter Bereich auf der Terrasse, quasi unser Außenwohnzimmer, das Ganze unmittelbar am Strand mit schönem Blick, Restaurant direkt nebenan. Also wirklich nett gelegen, abseits des Gewusels und trotzdem alles vor Ort.

Tja, und von der Ankunft bis zur Abreise ist dann auch nichts Aufregenderes mehr passiert, außer dass Thomas einen abgesoffenen beinah 30 cm langen Monstertausendfüssler aus dem Pool gefischt hat und dass die vertrockneten, toten Palmen direkt neben der Hütte gefällt wurden. Ansonsten war es tags wie nachts gleichbleibend heiß, abends/nachts gelegentlich mal ein bisschen Gewitter, mal auch mit Regen, einmal ein ziemliches Unwetter schon nachmittags. Trocken auf der Terrasse sitzend war das aber auch aufregend anzusehen. Überhaupt, jeden Tag sah das Meer ein bisschen anders aus, immer neue Schattierungen von blau, grün, türkis (und auch mal grau), mal ruhig wie ein Baggersee, mal etwas wildere Wellen.

Ab und zu gab es auch etwas Action: Paraglider, die teils ziemlich unglücklich in ihrem Geschirr hingen, Bananaboats, wo sich die Fahrer einen Spaß daraus gemacht haben, das Teil zum kentern zu bringen, was regelmäßig in fröhlichem Kreischen endete; einheimische Angler, die morgens und abends frischen Fisch aus dem Meer holten, ab und an mal ein paar bunte Fischerboote unmittelbar vor der Nase… Der Strand ist uneingeschränkt toll: super sauber, keine Algen, nach ein paar Schritten ist man etwa hüfttief im Wasser, erst 50-100 Meter weiter wird es tiefer, also sehr angenehm zum schwimmen!

Auf jeden Fall war es wunderbar entspannt, die Jungs beinah ununterbrochen im Wasser, ich habe ungefähr 25 Krimis gelesen, wenn’s zu heiß wurde, im Pool abgeküht – das Meer war in etwa so warm wie die Luft, mal was anderes als Baden in eiskalten schwedischen Seen…  Mehr Ausflugslust als für einen Strandspaziergang konnte ich nicht aufbringen (die drei(!) Jungs ja eh nicht). Es war zu heiß und zu schwül, am und im Wasser ließ sich das einfach am besten aushalten. Dazu kommt vielleicht, dass ich in meinem Pekinger Alltag ja viel unterwegs bin und laufend Ausflüge mache und es immer soviel neues zu entdecken gibt, das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung war offenbar riesig und wurde komplett gestillt.

Und die asiatische Exotik (schlichte Gebäude, viel lautes Straßenleben, Armut…) kennen wir ja auch aus Peking, da hat uns wirklich der flüchtige Eindruck vom Flughafentransfer her gereicht. So wurde die Familie also erstmalig nicht von mir zu Ausflügen gedrängt, was uns jetzt auch rückblickend kein bisschen abgeht, keiner hat das Gefühl, etwas verpasst zu haben. :) Krokodil- oder Schlangenfarm hätten uns eh nicht gereizt, vom Besuch der Wasserfälle wurde abgeraten – aufgrund der langen Trockenheit wären da nur klägliche Rinnsale.

Ein Gang zum Supermarkt reicht

Nur am ersten Tag sind wir zusammen zu Fuß zum großen Tesco-Supermarkt gelaufen – was angesichts der schwülen Hitze und ohne etwas zu trinken dabei zuhaben eine echt doofe Idee war. Dazu ein blöder Weg zum längsten Teil entlang der Hauptstraße (die Ringstraße, die einmal um die ganze Insel führt) – gerade als wir anfingen uns anzuzicken, gab es einen Minimarkt: Getränke für alle, danach ging’s mit der Laune wieder bergauf. Das blieb dann auch das einzige “doofe” Urlaubserlebnis. Zurück waren wir schlauer und haben ein Taxi genommen. Immerhin haben wir so den Ort Lamai gesehen – und nicht wirklich das Bedürfnis gehabt, uns das Nachtleben dort reinzupfeifen. Nur Thomas war so heldenhaft, gelegentlich zum nächstgelegenen 7/11 zu gehen und Getränkenachschub zu besorgen.

Unser “Nachtleben” sah so aus, dass wir abends ins “Black Pearl” gegangen sind, ein Strandrestaurant direkt neben unserer Hütte, dort haben wir lecker gegessen (ich habe nicht ein einziges Mal selbst gekocht – auch mal nett), “Tiger” oder Cocktails getrunken, während die Jungs sich gegenseitig im Sand verbuddelt haben oder mit den überaus netten Kellnern rumgealbert haben. Annette, die deutsche Köchin, hat sich auch lieb um uns gekümmert, und jede Gelegenheit für ein Schwätzchen genutzt.

Ein bisschen Aufregung hat die Fußball-EM dann noch in den Urlaub gebracht, dafür sind wir sogar mitten in der Nacht aufgestanden – klasse, wenn man sich nach dem nervenzerfetzenden Elfmeterschießen dann einfach so zur Abkühlung in den Pool werfen kann! :)

Die zwei Wochen waren jedenfalls viel zu schnell rum, am letzten Tag wurden wir noch von der kompletten Black-Pearl-Besatzung zum Abschied geknuddelt und waren uns sicher, dass wir wiederkommen wollen. Der Rückflug ging genauso unspektakulär und reibungslos (von ein paar Schlaglöchern in der Luft mal abgesehen) vor sich wie die Hinreise und zack, waren wir schon wieder zurück in Peking, wo es immerhin genauso warm, aber etwas weniger schwül ist. Nur gute Luft und Strand und Meer fehlen, natürlich.

Urlaubsmitbringsel, die die Welt nicht braucht

Nur zwei Tage, nachdem wir wieder zuhause waren, bin ich krank geworden. Junge, sowas braucht kein Mensch: Fieber, Knochenschmerzen, Übelkeit und dann irgendwann noch einen ziemlich seltsamen Ausschlag. In einem Moment, wo ich mich halbwegs aufrecht halten konnte, ging’s dann zum Doc, der mit Blick auf den Ausschlag beinah sicher war, dass ich mir Denguefieber mitgebracht hab. Der Bluttest war anderer Meinung, nun ist es wohl ein anderes “lustiges” von Moskitos übertragenes Tropenfieber: Chikungunya. Fies dabei: ich war die einzige, die sich immer brav mit dem chinesischen Autan “Raid” eingeschmiert hat, ansonsten waren die Schlafzimmer der Hütte gut mit Moskitotüren und -fenstern geschützt. Naja, besser ich als die Kurzen. Damit das ganze richtig spaßig wird, hab ich als Komplikation eine Leberentzündung dazubekommen, die inzwischen zum Glück auch besser wird. Statt an Jonas’ Geburtstag in Hamburg zu landen, hab ich also halb komatös im Bett herumgelegen. Der Doc meint, zwischen 2 und 6 Wochen kann ich noch Spaß an dem Mist haben, der Heimaturlaub in den Sommerferien ist damit gestrichen, aber immerhin sind die ganz fiesen Schmerzen inzwischen Geschichte und ich bin “nur noch” schlapp und schlaf soviel wie ein Neugeborenes… Ein Gutes hat es, dass es nicht Dengue ist – dieses hätte ein Reiseverbot in Dengue-Gebiete bedeutet, da man das mehrfach kriegen kann und beim 2. Mal wahrscheinlich die schlimmere, hämorrhagische Variante, was dann ziemlich hässlich werden kann. Trotzdem, Urlaub auf der Nordhalbkugel finde ich derzeit wesentlich verlockender, auch wenn das wirklich ein rundum schöner, harmonischer, erholsamer, gelungener Strandurlaub gewesen ist.

Nachtrag: Wie sich herausgestellt hat, war es doch Denguefieber, der erste Labortest war zu früh, ein weiterer Test hat Dengue dann bestätigt. Waren ja auch Symptome und Ausschlag wie aus dem Lehrbuch.