Spinat-Salat mit Erdnüssen (Guǒ Rén Bō Cài) war eines der Gerichte, die in der letzten Woche des Quarantine Cook-offs auf der Speisekarte standen. Volltreffer, das ist nämlich eines meiner Lieblingsgerichte, gerade jetzt im Sommer. 

Spinat-Salat mit Erdnüssen

Als Kind kannte ich Spinat nur als Tiefkühlblock mit dem Blubb... Später wurde frischer Blattspinat eines meiner Lieblingsgemüse. Kein Wunder, dass dieser leckere Spinatsalat mit Erdnüssen zu meinen chinesischen Lieblingsgerichten zählt.
Gericht: Salat
Land & Region: Chinesisch
Keyword: Beilage, Gemüse, Salat, Spinat
Portionen: 4 Portionen

Zutaten

  • 750 g Spinat
  • 50 g Erdnüsse
  • 4 Knoblauchzehen
  • 1-2 Chilischoten getrocknet
  • 2 EL helle Sojasauce
  • 4 EL alter/dunkler chinesischer Essig ersatzweise Balsamico
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Salz
  • 1-2 TL Sesamöl
  • Wasser

Anleitungen

Spinat und Erdnüsse vorbereiten

  • Spinat waschen und putzen, in kochendem Wasser blanchieren, ggfs. in Eiswasser abschrecken. Mit den Händen leicht trocken drücken, im Kühlschrank bis zum Anrichten aufbewahren.
  • 1 Tasse Pflanzenöl in den Wok geben, Erdnüsse hinzufügen, erst dann erhitzen (vermeidet Gespritze und Verbrennen der Erdnüsse). Gut rühren. Wenn die Erdnüsse etwas Farbe genommen haben und intensiv duften, herausnehmen.
  • Knoblauch hacken

Sauce vorbereiten

  • Helle Sojasoße, dunklen Essig und Sesamöl gut vermischen. Mit Zucker und Salz abschmecken.

Anrichten

  • Erdnüsse, Spinat und Sauce vermengen.
  • Knoblauch oben drauf geben.
  • 2 EL Pflanzenöl bei geringer Hitze erwärmen, 1-2 Chilischoten dazugeben und braten, bis das Öl duftet. Das heiße Öl über den Knoblauch gießen.
  • Nochmal vermischen und servieren.

Notizen

  • Variante: etwas Ingwer kleinhacken und zusammen mit dem Knoblauch zufügen.

Das dritte Gericht während des „Quarantine Cook-off“  von The Hutong war ein Klassiker aus Xinjiang: Da Pan Ji (Großer Hähnchenteller, Chicken Big Plate). Hähnchen wird mit Gewürzen in Brühe geschmort, dazu kommen Kartoffeln und Paprika, serviert wird mit frischen Bandnudeln. Alternativ kann man Reis oder Brot dazu essen.

Schon beim Kochen duftet es herrlich. Das Gericht ist relativ einfach und schnell zuzubereiten und so lecker, dass es das künftig häufiger bei uns geben wird.

Beim Cook-off mach ich ja eher im olympischen Geist mit: dabei sein ist alles. Ich hab aber tatsächlich einen Trostpreis bekommen: „The Beijing Cold & Flu Book“ – Traditionelle Chinesische Medizin gegen Erkältungen und Grippe. :) 

Der Cook-off macht jedenfalls auch einfach nur so Spaß und bringt Abwechslung in die doch relativ gleichförmigen Tage.

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DaPanJi - Großer Hähnchenteller

Vor kurzer Zeit das erste Mal selbst gekocht, ist dies Gericht sofort in mein ständiges Kochrepertoire gewandert.
Gericht: Hauptgericht
Land & Region: Chinesisch, Xinjiang
Keyword: Fleisch, Hähnchen
Portionen: 4 Portionen

Zutaten

  • 2 Hähnchenschenkel oder ein ganzes kleines Hühnchen, ca. 700 g. Kann durch Tofu und/oder Pilze ersetzt werden.
  • 3 Kartoffeln
  • 1 rote Paprika
  • 1 grüne Paprika
  • 1 Zwiebel
  • 10 g Ingwer
  • 5-8 Knoblauchzehen
  • 2 EL Sichuan Chilibohnenpaste
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Zucker
  • 1 EL Kochwein
  • 2 EL helle Sojasauce
  • 1 EL dunkle Sojasauce
  • 2-3 EL Pflanzenöl
  • 250 g frische Bandnudeln
  • 1 l Hühnerbrühe/Gemüsebrühe/Wasser bzw.genug, um alle Zutaten zu bedecken

Gewürze

  • 10 getrocknete Chilischoten
  • 1 EL Sichuanpfeffer
  • 1 Stück Zimtrinde
  • 2 Stück Sternanis
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 Prise weißer Pfeffer

Anleitungen

  • Hühnchen, Kartoffeln und Paprika in mundgerechte Stücke schneiden.
  • Ingwer in Scheiben schneiden, Zwiebeln in Würfel oder halbe Ringe schneiden, Knoblauch hacken.
  • Öl bei niedriger Temperatur erhitzen und Zucker zufügen. Sobald der Zucker schmilzt, Hähnchen zufügen und pfannenrühren bis das Fleisch fest und trocken (leicht angebraten) ist.
  • Sichuanpfeffer, Chilis, Sternanis, Zimtrinde,Lorbeerblätter, Knoblauch, Ingwer, Zwiebeln hinzufügen, weiter braten bis es duftet.
  • Sichuan Chilibohnenpaste,Sojasaucen, Kochwein hinzugeben und gut vermengen. Wasser/Brühe darüber gießen, 3 Minuten köcheln lassen.
  • Kartoffeln dazugeben. Zutaten müssen von der Flüssigkeit bedeckt sein. Kochen lassen bis die Kartoffeln gar sind, ab und zu umrühren.Flüssigkeit reduziert dabei.
  • Paprika untermischen und weitere 3 Minuten kochen lassen, die Flüssigkeit sollte jetzt etwas eingedickt sein.
  • Abschmecken mit einem Hauch weißen Pfeffer, evtl. etwas nachsalzen.

Mit Nudeln (oder Reis oder Brot) servieren.

    Ab und zu erreichen mich Fragen aus Deutschland, wie weit es sich denn inzwischen in Peking/China normalisiert hätte. Das stößt bei mir leider auf wenig Verständnis, denn mein Leben normalisiert sich leider bisher gar nicht. Für Leute, die arbeiten gehen müssen/dürfen, ist das vielleicht etwas anders. Bevor nicht beide Jungs wieder zur Schule gehen, ist für uns aber mit Normalisierung nicht zu rechnen, und bis das Leben wieder richtig normal ist, dürfte wohl noch mehr Zeit vergehen.

    Ein Datum für die Wiedereröffnung der Schulen gibt es weiterhin nicht, was heute auch noch mal in einem Elternbrief der Schule mitgeteilt wurde. Ob es nach den Osterferien losgeht? Ich fürchte nicht, befürchte eher, dass die Jungs in diesem Schuljahr die Schule nicht mehr von innen sehen werden. Würde mich extrem freuen, wenn das anders kommt.

    Maskenpflicht, überall Temperatur- und Zugangskontrollen; immer mehr Parks, die den Zugang begrenzen,  damit das Abstandhalten möglich bleibt. Für Parks, für die Eintritt zu zahlen ist, wird empfohlen, vorab Tickets online zu kaufen. 

    Normalisierung ist auch nicht, dass man sich an das Unnormale gewöhnt hat.

    Dass draußen vorm Fenster der Frühling angekommen ist, macht das Drinnenhocken nicht leichter. Vor einem unserer Fenster befindet sich aber auch eine Baustelle, paradoxe Welt, dass man sich freut, dass da wieder gearbeitet wird. Okay, das lass ich als winzig kleinen Schritt in Richtung Normalität gelten. (Gleicht den Rückschritt, dass Chinas Grenzen für Ausländer vorerst komplett dicht sind, aber nicht aus.)

    Wenn man nachts wach wird, und es vorm Fenster flackert, dann brennt nicht die Bude ab, sondern auf der Baustelle wird auch mitten in der Nacht noch geschweißt…. 

    Quarantine Cook-off, zweite Woche

    Der Quarantine Cook-off von The Hutong ging in die zweite Woche. Ich hab wieder mitgemacht, weil es Abwechslung in den Alltag bringt. Food-Fotografie und eine Mahlzeit zu inszenieren und abzulichten anstatt sie zusammen zu genießen – das ist nicht mein Ding und das werde ich auch jetzt nicht anfangen. Aber fix knipsen, das geht. Sieht vielleicht nicht so toll aus, war aber sehr lecker.

    MaLaXiangGuo

    Das zweite Gericht während des vierwöchigen Quarantine Cook-off von The Hutong: MaLaXiangGuo - Würzig-scharf-duftend-Topf mit einer Vielzahl von frischen Zutaten, Gewürzen und einer Würzpaste “Sichuan Pixian Chilibohnenpaste”.
    Gericht: Hauptgericht
    Land & Region: Chinesisch
    Keyword: Fleisch
    Portionen: 4 Portionen

    Zutaten

    • 200 g Schweinebauch
    • 100 g Lotuswurzel
    • 100 g Spargelsalat Stammsalat, chinesischer Salat, "lettuce stem"
    • 1 Block Räuchertofu kleiner Block
    • 200 g Broccoli
    • 100 g Bambussprossen
    • 100 g Sellerie
    • 200 g gemischte Pilze Champignons, Enoki, Austernpilze, Seitling... was man halt bekommt
    • 50 g Lauch
    • 10 Knoblauchzehen
    • 15 g Ingwer
    • 1-2 Korianderstiele
    • 3 EL Sichuan Pixian Chilibohnenpaste kann durch Tomatenmark ersetzt werden
    • 1 EL Austernsauce
    • 2 EL helle Sojasauce
    • 1-2 EL Kochwein kann mit Sherry ersetzt werden - oder weglassen
    • 2 TL Zucker
    • 1 TL Salz
    • 100 ml Pflanzenöl
    • 1-2 TL Sesamöl
    • 1 EL Sichuanpfeffer
    • 80 g getrocknete Chilischoten
    • 1 TL Fenchelsamen
    • 3 Stück Sternanis
    • 2 Lorbeerblätter
    • 1 Stück Zimtrinde

    Anleitungen

    • Schweinebauch in dünne Scheiben schneiden.
    • Gemüse, Pilze, Tofu und Würzgemüse (Lauch, Knoblauch, Ingwer) kleinschneiden.
    • Koriander grob hacken.
    • Lotus, Spargelsalat und Broccoli kurz blanchieren, abschrecken.
    • Öl im Wok erhitzen, Gewürze hinzufügen, wenn diese duften, die Chilibohnenpaste und den Schweinbauch dazugeben. Ständig rühren!
    • Wenn der Schweinebauch braun zu werden beginnt und das Fett austritt, Knoblauch, Ingwer und Lauch zufügen.
    • Sobald es knofelig duftet, Pilze dazugeben. Etwa zwei Minuten weiterbraten und -rühren.
    • Nun das restliche Gemüse und den Tofu zugeben und weitere 2-3 Minuten braten und rühren.
    • Mit Kochwein, Sojasauce, Austernsauce, etwas Salz und Zucker abschmecken.

    Zum Anrichten mit wenig Sesamöl besprenkeln und mit Koriander garnieren. Mit Reis servieren.

      Das Gericht gibt es in unzähligen Varianten, erlaubt ist was gefällt, geht auch mit Hühnchen oder ganz ohne Fleisch. Hier gab es die Woche noch eine vegane Version mit Lotus, Paprika und Pilzen.

      Das war jedenfalls schon etwas anspruchsvoller und aufwendiger als letzte Woche. Jetzt bin ich gespannt, was nächste Woche auf dem Speiseplan stehen wird – das ist auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung im Pekinger Wohnungsknast.

      Osterferien

      Hurra, Ferien. Hurra? Neun Wochen Online-Schule liegen hinter uns bzw. hinter den Jungs, und eine Pause haben sie sich redlich verdient. Aber unseren Corona-Knastalltag wird es nicht wesentlich ändern. Was für ein Unterschied zu den letzten Ferien, den Chinesischen Neujahrsferien, die hier noch begeistert begrüsst wurden. Die Jungs haben dieses Jahr die Schule tatsächlich nur drei Wochen von innen gesehen, im Januar zwischen Weihnachts- und Neujahrsferien. Schaun wir mal, wann es soweit ist, dass sie wieder hinmüssen/-dürfen. Wie gesagt, ich fürchte, dass wir da noch viel Geduld brauchen werden.

      Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

      Culinaria China – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

      Tolle Kochworkshops!

      Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren.

      Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

      Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

      Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

      Input!

      Gewürze

      Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

      The Hutong - Küche

      The Hutong-Küche

      Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

      Push! Turnover! Quick!

      Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

      Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

      The Hutong

      So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

      Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

      Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

      Käsekuchen ohne Boden

      KOB in China

      Dieses usselige Stück Kuchen ist vielleicht nicht schön, aber lecker, heiß erseht und eine Premiere: Käsekuchen ohne Boden – vielen auch bekannt als KOB ;) – hergestellt mit chinesischen Bordmitteln. Wie ich sicher schon mal beklagt habe, ist Quark hier Mangelware und im Supermarkt vor Ort nur ganz selten zu haben. Bei einer Stunde Fahrzeit und über 30°C ist mitbringen aus der Stadt (wenn dort überhaupt im April Gourmet erhältlich) auch keine Alternative. Und über den kläglich gescheiterten Versuch, selber Quark herzustellen, möchte ich nicht schreiben…

      Heute habe ich dann den Tipp einer Freundin, Joghurt und Philadelphia zu mixen, ausprobiert und: tadaaa, es gibt eine Lösung für unser KOB-Problem! Sie macht allerdings KMB – also nur 750 g „Quark“masse – mit Boden, d.h. ich musste mit den Mengen tüfteln.)

      Hier nun das Rezept zum Nachmachen für alle anderen in China gestrandeten KOB-Süchtigen:

      200 g ungesalzene Butter
      250 g weißen Zucker
      5 mittelgroße Eier (mit Quark in Deutschland nimmt man 6, aber der Teig wird sonst zu flüssig)
      500 g möglichst festen Joghurt (meiner kam aus der Flasche und war etwas dickflüssiger als Buttermilch)
      500 g Philadelphia (den steinharten amerikanischen Import aus den 250g Alupäckchen mit Kartonumverpackung, gibt es immer bei Jenny Wang)
      1-2 TL abgeriebene Zitronenschale (oder wenn man den gewachsten, gespritzten, gepimpten Zitronen hier nicht traut: 1 TL Zitronenessenz, gibt’s bei Jenny)
      1 Päckchen Vanillezucker (aus Deutschland mitgebracht, sonst 1 guter EL selbstgemachten Vanillezucker: pro 100 g Zucker eine Vanillestange aufschlitzen und 14 Tage im verschlossenen Glas stehen lassen, gelegentlich schütteln).
      2 Päckchen Vanillepuddingpulver (aus Deutschland mitgebracht – sonst 80 g Stärke plus 2 EL Vanillezucker)

      Butter schaumig rühren, Vanillezucker, Zitrone und Zucker zufügen, danach die Eier. Joghurt und Philadelphia zugeben, dann Puddingpulver. In gefettete Springform 26 cm Ø füllen, ab in den Ofen.

      In Deutschland würde so gebacken: 165° C Umluft mind. 50 min. backen, bis oben goldgelb, Kuchen im Ofen auskühlen lassen. Mit chinesischem Gasofen: 210°, leeres Backblech auf die unterste Schiene, Kuchenform auf den Rost/mittlere Schiene stellen, eineinhalb Stunden backen, nach 50 Minuten alle 10 Minuten nachsehen und neu einschätzen…

      Beim nächsten Mal werde ich die Eier trennen und den Eischnee zum Schluss unterheben, außerdem den Philadelphia zuerst weich rühren und dann mit dem Joghurt mischen und dann zur Butter-Eigelb-Masse hinzufügen. Fürs Backen hab ich noch keine bessere Lösung.

      Aber: es ist ein KOB und er schmeckt! :) Wir sind gerüstet für die kommenden Geburtstagsfeiern! :)

      Meine Tochter und ich sind in der Unterzahl, in unserer Familie steht es 2:5. Hier in Peking steht es sogar nur 1:3. Verflixte Männerübermacht, die – Achtung, ein Klischee – eine Vorliebe für Schnitzel hat. Ich weniger. Also hat Männe lange Jahre probiert und experimentiert und es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Mit seinen Suppen muss er noch üben, aber bei den Schnitzeln gibt es nichts mehr zu meckern. Für unsere mäkeligen Kurzen ist das sogar das Lieblingsessen.

      Als dann kürzlich Nummer 4 in der Schule gefragt wurde, ob und was die Kinder an Essbarem zum Schulflohmarkt für den guten Zweck beitragen – es wird mit dem Projekt Candlelight eine Wanderarbeiterschule unterstützt, mehr Informationen auf der Schulwebseite – war es für den Junior klar: wieder Schnitzel. Das haben er und Männe schon beim letzten Flohmarkt angeboten und es lief super. Junior hatte dann auch schon alles klargezogen, und uns danach erst informiert – da hat er Glück gehabt, dass Männe tatsächlich Zeit hat.

      Normalerweise kaufen wir Fleisch hier draußen bei uns im auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Aber für so eine Aktion braucht man ja ein paar Grämmchen mehr, also habe ich eine Freundin gefragt, ob sie nicht zufällig was vom Sanyuanli-Markt braucht – Glück gehabt, sie brauchte. Zu zweit ist es ja doch netter, den weiten Weg in die Stadt hineinzufahren, wobei wir Glück gehabt haben, und es zwar Stockungen aber keinen Stillstand gab. Einen Parkplatz gab es auch genau gegenüber vom Markt, alles perfekt.

      Der Sanyuanli-Markt

      Der Sanyuanli-Markt ist eine Pekinger Institution. Hier kaufen Restaurantschefs und Hobbyköche, aber auch Otto Normalchinese. Es gibt einfach alles, was man in der Küche brauchen könnte. Ich bin eine Weile nicht dort gewesen, konnte es anfangs nicht so richtig greifen, aber etwas war anders. Der Bäcker gleich vorne an ist neu, da war vorher ein Obststand, aber das war es nicht. Dann sah ich eine Frau mit Besen und der Groschen fiel: Es wirkte alles deutlich aufgeräumter und sauberer, der Gang war frei – der Markt befindet sich in einem langgezogenem Gebäude, ein Gang in der Mitte und links und rechts die kleinen Verkaufsstände. Auch alles schön sortiert: Vorne an finden sich jetzt Backwaren, dann haltbare Importware wie Kaffee, Kakao, Konserven, dann Obst, später folgen Geflügel, Schwein, Rind und Schaf, dann gibt es Gemüse, dann Fisch und Meeresfrüchte…

      Und es riecht natürlich immer entsprechend! Als wir an den Fischständen vorbeigegangen sind, musste ich an den Markt in Liuku denken, wo es noch intensiver gerochen hat, wo die Gänge kreuz und quer gingen, es noch bunter und viel chaotischer war, wo mir dann ein Fisch vor die Füße gesprungen ist und es doch einen Moment gruselig war. Aber heute blieben alle Fische brav (und tot) auf den Tischen liegen, auch aus den Bottichen und Tüten (ja, Fische in wassergefüllten Tüten) ist nichts herausgesprungen – puh.

      Fertig?

      Wir haben unsere Einkäufe erledigt: Reichlich Schnitzelfleisch für den Schulflohmarkt, dann Geflügel zum Einfrieren für uns privat, dazu etwas Gemüse – am Ende waren wir schon ordentlich bepackt und sind umgedreht, den langen Gang zurück zum Ausgang.

      Wir waren gerade wieder beim Fleisch angekommen, da höre ich das Klicken einer Kamera und sehe hoch und in ein großes Objektiv hinein. Ja klar, der Markt ist wirklich ein beliebtes Ziel für Fotografen. Es war allerdings nicht nur ein Fotograf, sondern es war eine Gruppe Japaner, alle mit Kameras bewaffnet – und alle konnten sich nicht über die beiden Langnasen einkriegen, die einen Großeinkauf auf einem chinesischen Markt getätigt haben. Man hat sich gegenseitig zugerufen und die Gruppe (samt Hocker für die bessere Perspektive von oben) zusammen getrommelt, nein, wie unfassbar exotisch, kicher, gacker, kreisch. Ich guck meine Freundin an – sie grinst, ich grinse, die Verkäuferinnen und Verkäufer an den Seiten grinsen und irgendjemand lacht los und irgendwann lachen wir alle, der ganze Markt. Der Wahnsinn.

      Irgendwann können wir uns lösen, kommen noch an ein paar japanischen Nachzüglern dabei, müssen immer wieder kurz stehen bleiben und uns ablichten lassen. Gerne hätte ich zurückfotografiert, aber ich war zu schwer bepackt, keine Chance. Endlich kommen wir zum Auto und können fahren.

      Für mich war das jedenfalls der lustigste Marktbesuch überhaupt – und auf dem Flohmarkt gibt es dann morgen sicher die fröhlichsten Schnitzel der Welt.

      Gestern war ein trüber, grauer Tag, und da man sich ja manchmal selbst einfach am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen muss, habe ich kurzerhand doch noch zu „meiner“ Kochschule „The Hutong“ Kontakt aufgenommen und das Zutatenpaket für deren „Quarantine cook-off“ bestellt.

      In dieser Woche ging es los: Vier Wochen lang veröffentlicht „The Hutong“ ein Rezept und ruft zum Nachkochen auf. Wer mag, kann Fotos bei WeChat Moments oder Instagram veröffentlichen und damit auch an einem kleinen Wettbewerb teilnehmen. Klar, gewinnen ist schick, aber mir geht es gerade um Abwechslung im Alltag und im Speiseplan. Erst hab ich mich geziert, weil diese Woche „pickled Kohlrabi“ in Wahrheit nicht so wahnsinnig lecker klingt. Aber wie gesagt, gestern war ein echt mieser Tag, dafür nehme ich dann auch das in Kauf.

      Keine Sorge, das wird hier kein Foodblog (ich würde mich sonst auf die Dauer wohl auch eher bei „Worst of Chefkoch“ wiederfinden), aber im Moment nehme ich gerne jede denkbare Abwechslung mit, die auch innerhalb der eigenen vier Wände machbar ist. Für mich steht bei dem Event die Abwechslung im Vordergrund, sowohl im Tagesablauf als auch im Speiseplan (wenn es nach den nimmersatten Teenagern geht, würde es hier abwechselnd nur Pasta Bolognese, Hühnerfrikassee, Kung Pao Chicken, Kartoffelsuppe mit Würstchen und Schnitzel geben – bloß nicht zu viel giftiges Gemüse…).

      Heute Morgen bin ich dann für Wohnungsknast-Verhältnisse früh aufgestanden, weil ja mit der Lieferung zu rechnen war. Erster Blick aus dem Fenster (leider nicht für die Nachwelt festgehalten): guter Tag, Berge sehr detailliert in Sicht = gute Luft. Zwar immer noch grau, nachts hatte es geregnet, aber im Vergleich zu gestern schon ein recht charmantes hellgrau… ;) 

      Auf dem Weg zur Kaffeemaschine der Blick auf meine Tulpen, die ich am vergangenen Wochenende gekauft hab – achja, ein paar Blümchen müssen sein.

      Indoor-Frühlingsboten

      Etwas später kam die SMS, dass die Lieferung gestartet ist – könnte ich besser chinesisch lesen, hätte ich das live tracken können. So kann ich nur schätzen (bin aber selbst oft genug mit dem Scooter von hier nach dort unterwegs gewesen), und bin rechtzeitig in Jack und Büx, so dass ich sofort losstürmen kann, als der Anruf kommt:
      „Bin da, aber das Tor ist zu.“
      „Bitte geh zum Haupttor, das Südtor – ich komme runter“
      „Okay!“
      Dasss ich mit meinem Pidgin-Chinesisch sogar mal am Telefon so halbwegs klar komme, hätte mir vor kurzer Zeit auch keiner prophezeien können…

      Ich düse runter, nehme am Tor die Tüte mit den Zutaten in Empfang, mache noch einen Abstecher zum Briefkasten (wie immer: nix) und zum täglichen Smalltalk mit dem Shopbesitzer und fahre wieder nach oben, zurück in den Knast.

      Ich packe aus: Gehacktes vom Schwein, Paprika und der ominöse „pickled Kohlrabi“. Kann man natürlich auch alles selbst einkaufen, aber ich hänge am „The Hutong“ und unterstütze die jetzt von Herzen gerne (mal abgesehen davon, dass ich nach dem Kohlrabi echt lang gesucht hätte).

      Am späten Nachmittag stürme ich dann mein Kochloch – Küche kann man den winzigen Raum kaum nennen, reicht uns normalerweise, denn wir sind hier ja in Peking: man isst auswärts und braucht die Küche außer zum Kaffee kochen nur ausnahmsweise. Dass uns diese blöde Seuche samt aller Konsequenzen hier erwischt und wir wie Millionen von Chinesen plötzlich fast ausschließlich selbst kochen, hätte ja auch keiner für möglich gehalten.

      Yunnan Hei San Duo

      Diese Woche gibt es Yunnan Hei San Duo (Yunnan Schwarz Drei Kleingeschnippeltes): Ein Klassiker aus Yunnan, schwarz nach dem pickled Kohlrabi, drei Zutaten: Pork, Paprika, pickled Kohlrabi, alle kleingeschnippelt.

      Zutaten:

      • 250 g Gehacktes vom Schwein
      • 1 große grüne Spitzpaprika
      • 1 große rote Spitzpaprika
      • 100 g kleingehackter Yunnan pickled Kohlrabi  (kann durch kleingehackte Tomate ersetzt werden, wird milder im Geschmack und hong statt hei – rot statt schwarz).
      • 500 g Eisbergsalat oder Kopfsalat
      • 1 Esslöffel helle Soyasoße
      • 1 Esslöffel Chinesischer Kochwein (kann z.B. durch Sherry ersetzt werden)
      • 2 Esslöffel Pflanzenöl

      Die Zubereitung ist denkbar einfach: Paprika und pickled Kohlrabi kleinschneiden. Hack im Öl anbraten, Gemüse hinzufügen, mit Soyasauce und Kochwein würzen, fertig.

      Yunnan Hei San Duo

      Mit Salatblättern/im Salatblatt servieren. Wer das Gericht nicht im Salatblatt futtern will, kocht sich etwas Reis dazu.

      Das Ergebnis fand ich lecker, nur war mir das Gericht durch die pickled Kohlrabi etwas zu salzig, obwohl ich schon die salzreduzierte Soyasoße verwende. Beim nächsten Mal würde ich nur die Hälfte Kohlrabi verwenden – oder ich probiere direkt die Hong San Duo Variante mit Tomate, dann würde es vermutlich auch den Jungs besser schmecken. Es kommen tatsächlich keine weiteren würzenden Zutaten hinzu – kein Chili, Knofi, Ingwer, kein Salz, Pfeffer – nix. Einfacher geht es kaum. Damit ist das Gericht auch für totale Kochanfänger geeignet, keine besonderen Skills erforderlich, obendrein geht es wirklich fix. Ich werde es auf jeden Fall ins „Kochrepertoire“ mit aufnehmen. 

      Yunnan Hei San Duo im Salatblatt serviert

      Ich bin jetzt sehr gespannt, was die Rezepte der kommenden drei Wochen sein werden und ob sich die Schwierigkeit/der Aufwand steigert. Zeit zum Kochen haben wir derzeit ja alle mehr als genug.

      Ich finde, das ist eine großartige Idee von The Hutong – übrigens unterstützt von den englischsprachigen Stadtmagazinen The Beijinger und Beijing Kids. Ich freu‘ mich auf die nächsten Gerichte in den kommenden drei Wochen. Ach, und wer mag, kann mir natürlich auch ein Like bei Instagram dalassen. ;)