Peking im Mai

Der Mai ist schon zu zwei Dritteln vorbei? Die Zeit scheint hier gleichzeitig stillzustehen und vorbeizurasen.

Vor Corona hatten wir fast immer im Mai Besuch hier. Durch die Erinnerungsfunktionen diverser Apps wird damit immer auch ein klein bisschen Salz in die Wunde gerieben, wenn Bilder wie dieses aufpoppen – und gleichzeitig denke ich gerne an wirklich schöne Zeiten mit vielen wunderbaren Ausflügen und tollen Restaurantbesuchen zurück. Wie hier zum Beispiel, im Yunnan-Hotpot-Restaurant „Shuhe Renjia“  in der Nähe der Nanluoguxiang.

Erinnerungen…

Kein Lockdown, aber…

Wir haben zwar keinen richtigen Lockdown, aber jeden Tag kommt irgendeine kleine Maßnahme hinzu, womit es sich hier täglich etwas „enger“ anfühlt. Immer mehr Parks werden geschlossen. Die Leute weichen auf die Kanäle aus (deren Ufer in den letzten Jahren zu hübschen kleinen Parks weiterentwickelt wurden). Nun gibt es dort auch Absperrungen und Verbotsschilder. Compounds dürfen nur noch einen Ein-/Ausgang benutzen.

Viele Metrostationen in „high/medium risk areas“ sind geschlossen, die U-Bahnen fahren dort durch. Ich persönlich verzichte derzeit eh lieber auf Bus und Bahn. Wo ich derzeit hin möchte oder muss, das kann ich zu Fuß oder per Scooter erreichen.

Die Straßen sind überwiegend frei, dafür gab es hier Stau unter der Yindingbrücke am Shichahai. Und auch drumherum war ein bisschen war los.

Durch die weitgehende Homeoffice-Pflicht sind die Straßen wie gesagt ziemlich leer, da kommen sogar mal die Rettungskräfte so schnell durch, wie man sich das an sich immer wünscht.

Das etwas andere Streetfood

Restaurants dürfen derzeit nur liefern und Essen zum Mitnehmen verkaufen. Deshalb sieht man überall in der Stadt jetzt Stände wie diesen hier.

Testen…

Und natürlich: der (beinah) tägliche Gang zum Test. Das sogenannte „Community-Testing“ scheint – erstmal – abgeschlossen zu sein, die für uns zuständige Teststation ist zwar geschlossen, wenn auch noch nicht komplett abgebaut. Jetzt müssen wir nicht mehr täglich zum Test, aber wenn man irgendwo hinein möchte, wo ein Gate ist, braucht man einen höchstens 48 Stunden alten Test.

Natürlich ist es lästig, die Zeit dafür immer einplanen zu müssen, und im Hinterkopf wabert schon ein bisschen Sorge, dass einer der anderen 9 Leute, deren Sabber im gleichen Röhrchen wie der eigene landet, infiziert sein könnte und die Maschinerie ihren Lauf nimmt… Aber unterm Strich ist es auch nicht so dramatisch. Die Tests sind tatsächlich gut organisiert, bei unserer Teststation lief es so ab: Erst mit der HealthApp per Scan registrieren, dann an einer der ordentlich aufgereihte Schlangen (je nach Andrang 1-4 Schlangen) mit langen Abständen zwischen den einzelnen Leuten anstellen. Es folgt ein erster Tisch, an dem  die Daten erfasst werden, ein paar Meter weiter steht ein zweiter Tisch, an dem der Abstrich gemacht wird. Für das Erfassen der Daten legen Chines:innen ihre ID-Karte in einen Plexiglashalter, die wird mit einem Smartphone gescannt, weiter zur nächsten Station und Abstrich, das dauert nur wenige Sekunden. Wir Ausländer:innen halten den Ablauf immer etwas auf, weil alle Daten händisch in besagtes Smartphone eingegeben werden müssen. Das wird einem dann noch kurz unter die Nase gehalten, um zu überprüfen, dass vor allem die Telefonnummer stimmt. Mein Name war auch schon mal falsch geschrieben: „macht nichts“, denn das Ergebnis wird anhand der Telefonnummer an die HealthApp übermittelt.

Teststation in der Gulou Dajie

Freie Straßen

Hatte ich erwähnt, dass auf den Straßen nur wenig los ist?

Zweiter Ring am Lama-Tempel

Aber die Shared Bikes sind gefragt wie immer und dieser vertraute Anblick bleibt.

Shared Bikes vor dem Wudaoying-Hutong

Um in den  Wudaoying-Hutong (eine der bekannteren Hutongs mit vielen Restaurants gleich gegenüber vom Lama-Tempel) zu kommen, müsste man sich per App registrieren, nicht aber in den anderen Hutongs in der Nähe.

Online-Schule

Die Schulen sind weiterhin geschlossen, und so langsam fürchte ich, dass das für den Rest des Schuljahres so bleibt. Das sind noch fünf Wochen, was sich je nach Stimmungslage mal wie eine Ewigkeit anfühlt, mal wie ein kurzer Moment. Dann folgen allerdings 9 Wochen Sommerferien, und das fühlt sich angesichts von Staycation sehr, sehr lange an.

Ich kann aber auch wirklich von Glück sagen, dass meine Jungs computeraffine Teenager sind. Dass andere Familien mit jüngeren Kindern so langsam auf dem Zahnfleisch gehen, kann ich nur zu gut verstehen.

Es ist wie es ist

Also kein Lockdown hier, aber viele Maßnahmen, die unseren Alltag schon sehr verändern. Es ist wie Leben mit angezogener Handbremse. Ich zähl die Tage, bis wir wieder Vollgas geben können…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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