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Drei Tempel in Xisi

Ich bin im Ferienmodus, ich hinke mit der „Berichterstattung“ hinterher… Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass meine Freundin und ich unsere historischen Stadtspaziergänge fortgesetzt haben und noch einmal in Xisi waren. Diesmal hatten wir vor allem die Tempel auf dem Zettel, die wir beim vorigen Besuch wegen meines fehlenden Testergebnisses nur von außen angeguckt haben:

  • Guangji Tempel (Tempel der umfangreichen Hilfe),
  • Lidai Diwang Miao (Tempel der alten Monarchen) und
  • Baita Si (Tempel der Weißen Pagode).

Und auch die Hutongs dort, die diversen Residenzen in Richtung Zhongnanhai – da ist noch einiges anzusehen.

Guangji Tempel

Ausgerechnet vom schönsten, interessantesten Tempel dieser Tour habe ich fast keine Bilder gemacht… Aber von vorn: Der Guangji Tempel ist Sitz der größten buddhistischen Vereinigung in China, der Chinesischen Buddhistischen Gesellschaft. Auch die chinesische buddhistische Forschungsgesellschaft ist hier angesiedelt. Schon draußen an der Straße ist viel los, Leute kommen und gehen. Auf Stellschildern prangen zwei QR-Codes, einer ist natürlich der für die Health App, den erkennt wohl inzwischen jeder. Wozu der andere wohl ist? Aber ich habe die Frage noch nicht einmal zu Ende gedacht, als schon mehre Mönche (oder Gläubige) in schlichter, traditioneller Kleidung bei uns sind und uns helfen. Okay, nun sind wir also als Besucherinnen von Pekings religiösen Stätten registriert (man lernt hier seine Passnummer in Handumdrehen auswendig, so oft wie die abgefragt wird) und dürfen hinein – der Eintritt ist frei.

Direkt nach diesem Foto werde ich darum gebeten, bitte nur zurückhaltend zu fotografieren und auf gar keinen Fall die Buddha-Statuen. Ich schalte die Kamera aus und nehme dann lieber die Atmosphäre mit allen Sinnen auf. Es ist heiß, das angenehme Gefühl der Sonnenstrahlen auf der Haut, den Geruch von Räucherstäbchen, Stimmengewirr, leise Musik… In einer Ecke werden Bücher an Kinder ausgegeben, vor einer Halle sitzen viele Menschen und lesen. Es ist bunt und lebendig und wirklich schön hier. Um nicht zu stören, schauen wir nicht in jede Ecke, sehen aber doch das meiste. Als wir uns dem Ausgang nähern, werden uns noch Wasserflaschen übergeben, selbst als ich auf die Flaschen zeige, die aus meinem Rucksack rausgucken. Einen Besuch hier kann ich nur empfehlen.

Tempel der alten Monarchen

Es geht weiter zum Tempel der alten Monarchen, einfach ein Stück weiter die Fuchengmennei Dajie (oder kürzer Funei Avenue) entlang. Dabei kommen wir an einer Comic Galerie vorbei, die wir uns auch noch kurz ansehen. Neben chinesischen Klassikern und „Revolutionärem“ gab es unter anderem auch Micky Mouse und Goofy.

Der Tempel der Herrscher der Vergangenheit (Lidai Diwang Miao) ist zwar der größte in Xisi, unser Guide (vergriffene Ausgabe von „Beijing by Foot“) attestiert ihm einen Mangel an Atmosphäre. Was damit gemeint ist, wird uns klar, sobald wir den Tempel betreten haben. Dieser Tempel, 1530 erbaut, diente dem Staats- und Ahnenkult, Besucher gibt es außer uns fast keine. Es ist alles picobello sauber, ein paar Pflanzen sind dekorativ aufgestellt – aber es ist leer und öde. Es gibt eine Ausstellung, die aber nur rudimentär auch in Englisch beschriftet ist, wir verlieren schnell das Interesse.

Es ist wirklich heiß. Wir setzen uns auf einen Bank unter einem riesigen, uralten Wachholder und machen eine Pause. Jetzt freue ich mich über das geschenkte Wasser – das mitgebrachte ist längst alle. Wir beschließen, uns wenigstens den Tempel der Weißen Pagode noch anzugucken, angesichts der Hitze müssen wir dann nicht noch mehr machen.

Tempel der Weißen Pagode

Wir kommen wieder an „Shutter Island“ (dem etwas gruselig wirkenden Krankenhaus) vorbei, überqueren eine Hauptstraße, bei der Hitze zieht sich der Weg weiter als wir es in Erinnerung haben. Aber endlich sind wir da.

Wie in vielen Tempeln wird die erste Eingangshalle von den vier Himmelskönigen bewacht.

Wir lassen die weiteren Hallen links und rechts liegen, denn es zieht uns als erstes zur weißen Pagode.

Aber leider ist die Treppe zur Pagode hinauf geschlossen, es sieht nach dauerhafter, nicht nur temporärer Sperrung aus. Aber immerhin, wir sind so dicht dran, wie es eben geht. Diese 1271 erbaute Stupa ist das älteste Gebäude in Peking und wurde auf Befehl von Kublai Khan vom nepalesischen Architekten Araniko erbaut. Wir umrunden die Stupa, ich hatte ja noch eine leise Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einen Aufgang gäbe. Fehlanzeige.

Wir kommen am Souvenirshop vorbei und werfen einen Blick hinein. Einen langen Blick, denn es ist nicht nur wunderbar kühl, sondern die erhältlichen Souvenirs gehen über das übliche hinaus. Natürlich gibt es die gängigen Kühlschrankmagneten, viel chinesische Literatur, aber auch Becher, Taschen, Aufkleber…

Inzwischen sind nicht nur unsere Köpfe übervoll mit Eindrücken, die erstmal sacken müssen, sondern es ist wirklich unangenehm heiß (nur für den Fall, dass ich das noch nicht erwähnt haben sollte). Schluss für heute! Meine Freundin fährt mit dem Bus, ich schleiche die Straße entlang zurück zu meinem Scooter. Der Fahrtwind unterwegs ist klasse, die An- und Aussichten ebenfalls – zum Beispiel der Blick auf die andere Weiße Pagode in Peking mitten im Beihai (todesmutig während der Fahrt geknipst, Anhalten strengstens verboten, alle paar Meter stehen Wachen – Zhongnanhai ist um die Ecke).

Fazit

Das war sicherlich nicht der letzte Spaziergang in Xisi. Nicht nur, dass noch zahlreiche Residenzen und Hutongs auf uns warten, ich „muss“ nochmal in den Tempel der Weißen Pagode, um die Statue des nepalesischen Architekten anständig zu fotografieren – und ich möchte gerne wieder in den Guangji Tempel, dessen Atmosphäre mir unglaublich gut gefallen hat. Und vielleicht kann ich dort dann auch diskret und respektvoll doch noch ein, zwei Bilder mehr machen. Wer zum ersten Mal in der Ecke ist: dann kann man der Vollständigkeit halber auch einen Blick in den Tempel der alten Monarchen werfen, aber soviel verpasst man nicht. Ich bin jedenfalls sehr begeistert von Xisi, ein wirklich schönes, lebendiges, authentisches Pekinger Altstadtviertel!

Fotos!

 

Hutongs und Historie

Ich bin wirklich froh, dass Peking so groß ist, denn es gibt für mich immer noch interessante Ecken zu entdecken. Mit der Metro fahre ich bis zur Station Xidan. Diese liegt direkt an der Kreuzung West Chang’an Avenue und Xuanwumen Street. Zur Orientierung: Wenn man die West Chang’an Richtung Osten geht, kommt man nach 2 Kilometern auf den Tiananmen. Es ist also eine der größten und bekanntesten Straßen hier in Peking mit entsprechendem Verkehr, riesigen Malls und sonstigen Baukolossen. Doch gleich um die Ecke liegt ein ruhiges Hutong-Viertel mit einigen Sehenswürdigkeiten, und das wollen wir uns diesmal ansehen.

Uni, Prinzenresidenz und Schule

Als erstes stehen wir vor der früheren Jingshi Woman Normal University in der Xinwenhua Street. Eine der Studentinnen war Liu Hezhen, die beim Massaker am 18. März 1926 getötet wurde. Eine von Li Dazhao angeführte Demonstration eskalierte, 47 Demonstranten starben, über 200 wurden verletzt, einer davon Li Dazhao. Auf letzteren gehe ich weiter unten noch ein.

Während wir hier stehen und schauen, gesellt sich eine alte Dame zu uns. Sie hat hier mal studiert, erzählt sie uns. Wenn das keine Gelegenheit ist, viele Fotos zu machen – ihr Mann kommt ganz schön ins Schwitzen.

Direkt neben der ehemaligen Universität befindet sich die Residenz von Prinz Keqin Jun, die nun eine Grundschule ist.

Shoushuihe Hutong

Dann biegen wir in den Shoushuihe Hutong ein. An einer der Hauswände findet sich sowas wie eine Ahnentafel des Viertels (?). Rechts im Bild der Autor Lu Xun, in der Mitte Zeng Guofan, zweiter von links Li Dazhao.

Schräg gegenüber könnte man sich nett hinsetzen. In diesem Hutong gibt es auch ein Papercut Museum, das an Wochenende geöffnet sein soll. Um es zu finden, muss man aber sehr suchen (mit anderen Worten, wir waren uns nicht sicher, ob es sich um ein normales Wohnhaus oder das Museum handelt).

Wir lassen uns ein bisschen kreuz und quer durch die Hutongs treiben.

Cathedral of the Saviour

Schließlich erblicken wir diese Bruchbude, die sich als unser nächstes Ziel entpuppt: die anglikanische Cathedral of the Saviour.

Ein Wächter passt auf, dass wir uns der Baustelle (die nicht danach aussieht, als würde hier aktuell gearbeitet werden) nicht zu sehr nähern, lässt uns aber auf den Hof, damit wir uns die Front ansehen können. Architektonisch bemerkenswert ist der Mix aus chinesischen und westlichen Baustilen. Wir versuchen später von der Rückseite eine bessere Sicht auf das achteckige chinesische Kirchtürmchen zu bekommen, aber irgendwas verdeckt immer den Blick.

Die Kirche gilt seit 2003 als Cultural Relic Protection Site und auch eine Buchhandlung soll sich darin befinden. Sieht derzeit nicht so aus.

Weiter durch die Hutongs

Was genau der historische Gebäudeteil im Bild unten ist bzw. war, haben wir nicht herausgefunden. In dieser Ecke zwischen Xuanwumen und Tonglinge Road sitzt auch (ein Teil) der Xinhua News Agency.

Auch typisch für Peking. ganze Familien auf einem Scooter.

Auch wenn man sich in den Hutongs leicht verfransen kann – das Super 8 Hotel lässt sich sicher leicht wiederfinden. (Ob es darüberhinaus empfehlenswert ist? Keine Ahnung.)

Naoshikou Street

Wir biegen auf die Naoshikou Street ein – eine breite mehrspurige Hauptstraße. Und doch gibt es hier diesen lauschigen Platz – inklusive Huhn.

Wir wollen zur Residenz von Li Dazhao, stehen aber vor einem verschlossenen Tor. Ich spreche den Wächter an, der uns erklärt, dass der Eingang auf der anderen Seite ist – und dass erst um 14 Uhr geöffnet wird.  Trifft sich gut, wir machen – eine für chinesische Verhältnisse späte – Mittagspause und bekommen in einem der zahlreichen Restaurants in der Naoshikou Street hervorragende Nudeln und Gurkensalat.

Gestärkt und runtergekühlt (Klimaanlage lief  im Turbomodus) machen wir uns wieder auf in die Hitze, gespannt, ob wir die Residenz nun finden werden.

Die Residenz von Li Dazhao

Wir biegen in den außergewöhnlich gepflegten, hübschen Wenhua Hutong ein, in dem die Residenz von Li Dazhao liegt.

Li Dazhao (1889-1927) ist außerhalb Chinas nahezu unbekannt, aber von großer Bedeutung für die Chinesen. Er gilt als Chinas erster Kommunist. Zusammen mit Chen Duxiu gilt er als Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas. Auch hatte er großen Einfluss auf Mao.

Zum Weiterlesen: Wikipedia und hier.

Die Residenz ist täglich außer montags von 9-12 und von 14-16:30 geöffnet, der Eintritt ist frei. Wichtig: Pass mitnehmen!

Schon von weitem sehen wir eine Gruppe von etwa 30 Leuten in weißen Hemden und dunklen Hosen bzw. Röcken. Alle mit Parteiabzeichen am Hemd. Pünktlich um 14 Uhr geht das Tor auf. Alle zeigen ihre ID-Karte, wir gucken uns an: beide keinen Pass dabei. Wie so Peking-Anfänger. Ich bin schon dabei zu sagen, dass wir dann halt ein anderes Mal wiederkommen, aber inzwischen sind zwei Uniformierte, die Ticketverkäuferin und eine Besucherin dabei, uns zu helfen.

Zum Glück haben wir Fotos unserer Pässe auf den Handys, dazu ein Blick in meinen chinesischen Führerschein und diktierter Handynummer: Problem gelöst, wir dürfen eintreten.

Auf einmal hören wir, wie im Chor gesprochen wird. Wir eilen um die Ecke und sehen, wie hier wohl ein Eid abgelegt wird (oder etwas Ähnliches).

Im Anschluss wird noch gesungen und natürlich Fotos gemacht – und die Residenz wird auch besichtigt.

Die Ausstellung ist ausschließlich chinesisch beschriftet, aber mit Übersetzungsapps kommt man gut zu Recht. Für einen Besuch sollte man eine halbe Stunde einplanen, wenn man wirklich alles liest/übersetzt vielleicht ein bisschen länger.

Durch die Hutongs zum Sanwei Bookstore

In Peking schneit es ja dauernd, wenn auch nicht unbedingt Schnee. Im Frühling ist es der white cotton fluff (Weidenblüten), jetzt ist der „Schnee“ eher gelb. Wie ich gerade erst gelernt habe, handelt es sich dabei um die Blüten des „Honigbaums“ (= Japanischer Schnurbaum), der bei Pekingern auch als Nationalbaum gilt. Die Blüten sind essbar und finden in der TCM Verwendung. Und sie kleben mächtig…

Wir erreichen unser letztes Ziel für heute, den Sanwei Bookstore. 1988 gegründet, handelt es sich um die älteste private Buchhandlung in Peking. Eigentlich soll der Laden täglich ab 12 Uhr geöffnet sein, aber die Tür ist verschlossen, die Rolläden sind heruntergezogen. Durch eine Ritze sehe ich, wie ein Mann innen das Licht anschaltet, erhasche einen Blick auf symmetrisch angeordnete Buchregale, aber das Geschäft bleibt zu.

Hinter der Buchhandlung ist eine kleine Grünfläche mit einer Taschenuhr und einem Buch. Am 28.7.1937 war der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke, der Auslöser für den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg.

Den Text des Buches habe ich noch nicht ganz entziffert, es hat mit General Hao Mengling zu tun, der nach dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke seinen vorzeitigen Ruhestand beendete – und unter anderem deshalb getötet wurde, weil er dem Drängen seiner Untergebenen, seine verräterische Generalsuniform gegen eine einfache Uniform tauschen, nicht nach gab.

Bus und Bahn mit zwei Klimazonen ;)

Inzwischen sind wir beide kaputt. Es ist wirklich furchtbar heiß. Meine Freundin geht zur Metro in die eine Richtung, ich zum Bus in die andere, denn ich möchte mit dem Bus Nr. 1 die Chang’an entlang und am Tiananmen und Verbotener Stadt vorbeifahren, da sieht man mehr, hier z.B. den Tiananmen mit dem Mao-Mausoleum.

Allerdings wird der Bus schnell so voll, dass ich es dann doch vorziehe, bei der nächsten Gelegenheit (Jianguomen) in die Metro umzusteigen. Die ist klimatisiert – und sogar unterschiedlich: in der Mitte gemäßigt, vorne und hinten ist es eisig, also lieber in die Mitte. Beim Umsteigen in Guomao muss ich rennen, da lande ich hinten: ja, das ist echt zu kalt. Sehr coole Neuerung (vor einiger Zeit gab es nur eisig, inzwischen sind es immer mehr (alle?) Linien).

Fotos

Frühling in der Verbotenen Stadt

Es ist schon fast zwei Jahre her, dass ich zuletzt in der Verbotenen Stadt war. Das war Anfang Mai 2020, direkt nachdem der Kaiserpalast nach der Pandemie-bedingten Schließung wiedereröffnet hat. Nur 5.000 Tickets durften damals pro Tag verkauft werden – und das war schon ein ganz besonderer Palastbesuch, wenn man bedenkt, wie voll es sonst in der Forbidden City ist. Ich bin zwar immer wieder mal an der Verbotenen Stadt vorbeigefahren oder habe von oben vom Kohlehügel drauf geguckt, aber drinnen war ich seit dem nicht mehr. Gab ja auch keinen Besuch aus Deutschland, mit dem ich dort hätte hingehen können…

Von daher war ich Feuer und Flamme, als eine Freundin gefragt hat, ob wir nicht mit zwei weiteren fotobegeisterten Freundinnen diese Woche hingehen wollen. Die Wetteraussichten waren gut, der Sandsturm würde sich hoffentlich vom Acker gemacht haben, also habe ich zugesagt. Ich habe direkt das Ticket (60 RMB) gebucht. Das kann man inzwischen zwar auch über eine App machen, ich finde es einfacher über die Webseite.

Tolle Bedingungen: Wetter, Luft – und kein bisschen voll

Wir haben Glück: der Sandsturm hat sich verzogen, das Wetter ist großartig. Wir lassen uns mit einem Didi zum Osttor bringen (am Tian’anmen darf man nicht anhalten, und wir kennen den Weg unter dem Mao-Porträt hindurch alle schon).

Weg am Fluss entang

Der Weg zum Osteingang

Am eigentlichen Eingang wird es kurz kompliziert, einer der Wächter will uns unbedingt zum Ticketschalter hinüber schicken und es dauert ein bisschen, bis wir ihm verständlich machen konnten, dass wir Langnasen tatsächlich schon online die Tickets gekauft haben. Aber dann klärt es sich auf: wir sollen noch einen QR-Code scannen und in dem sich öffnenden Formular unsere Passnummer eingeben. Und als sich dann die nächste Seite öffnet, war es das auch schon. An der Sicherheitskontrolle muss man trotzdem den Pass vorzeigen. Wieder etwas umständlicher als früher, aber ich habe mir hier abgewöhnt nach dem Warum zu fragen, ich kann’s eh nicht ändern.

Okay, also Foto-Thema „Frühling in der Verbotenen Stadt“. Ich wollte nicht unbedingt nur Blüten ablichten (das könnte ich auch in unserem kleinen Innenhof), ich hab gedacht, ich versuche mich mal weiter an Timelapse-Videos und habe mein Stativ eingepackt. Aber dann schlendern wir durch die ersten Höfe und der Gedanke an Wimmel-Videos verschwindet, denn es wimmelt gar nix. Es dürfen jetzt zwar 30.000 Tickets/Tag verkauft werden, aber es sieht nicht viel voller aus als vor knapp zwei Jahren!

So viel Platz, so wenig Besucher:innen!

Kein Wunder, Reisen nach Peking ist derzeit auch innerchinesisch kompliziert, also gibt es keine Touristengruppen. Dafür gibt es unglaublich viele verkleidete Frauen und noch mehr Fotograf:innen. Und das wird dann auch das, was fotografisch an diesem Tag im Mittelpunkt stehen wird. Pläne machen ist gut, spontan Gegebenheiten beim Schopfe packen ist besser. Wir folgen also den vielen, die es in den östlichen Bereich des Palastes zieht.  Dahin, wo die Apfelbäume in voller Blüte stehen. Dabei (und auch immer wieder im Laufe des Tages) kommen wir an Wächtern im Anzug vorbei, die im Gänsemarsch ihre Patrouillen absolvieren.

Here come the men in black… ;)

Es ist so schön!

Wir gehen durch ein Torhaus, im Schatten sitzen Frauen und Kinder, die geschminkt und frisiert werden und alle paar Schritte gibt es eine andere Gruppe, die posiert. Und das ist dann alles zusammen einfach nur wunder-, wunderschön!

Zu zweit….

… oder solo, aber alle irgendwie schön!

Es sind übrigens mindestens zehnmal so viele Fotografinnen und Fotografen hier wie „Models“. Die machen es teils zum eigenen Vergnügen und knipsen sich gegenseitig mit ihren Handys. Andere sind in Kleingruppen da: Model, Stylistin, Fotografin… Es dauert, bis wir uns hier losreißen können. Es ist unfassbar schön: die tolle Kulisse der roten Hallen der Verbotenen Stadt, die Apfelblüte und der betörende Duft, die fröhliche Stimmung.

Und endlich wird mir ganz leicht ums Herz. Zwar melden sich ab und zu unsere Handys mit Seuchen- und Kriegsnews (Kerry Residence im Lockdown! Giftgas in Mariupol! …), wir nehmen es zur Kenntnis und können es an diesem Tag doch irgendwie ausblenden (auch wenn es natürlich im Hinterkopf bleibt und mich nachts nicht schlafen lässt).

Wir reißen uns irgendwann los vom Blütenmeer und den kostümierten Schönheiten los und schlendern weiter.

Eine Frau in einer roten Jacke schaut durch den Spalt eines verschlossenen roten Tores in der Verbotenen Stadt

Was gibt es hier wohl zu sehen?

Wir wechseln so langsam vom östlichen in den den westlichen Bereich und können dabei immer wieder einen Blick auf den Kohlehügel werfen.

Der Pavillon des Ewigen Frühlings oben auf dem Kohlehügel von der Verbotenen Stadt aus gesehen

Goldene Dächer samt Blick zum Pavillon des Ewigen Frühlings oben auf dem Kohlehügel

Es sind überwiegend Frauen, die kostümiert sind, aber einige beziehen auch ihre Kinder mit ein.

Die sind mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung bei der Sache.

Kleiner Junge im historischen Kostüm späht in eine rote Halle in der Verbotenen Stadt

Wer muss hier nicht an den Film „Der letzte Kaiser“ denken?

Wir machen eine kurze Pause und trinken zwischendurch einen Kaffee. Ja, es gibt jetzt ein kleines Café mit wirklich gutem Kaffee innerhalb der Verbotenen Stadt (bei den ehemaligen Eishäusern).

Der Kaiserliche Garten (Imperial Garden)

Wir gehen zurück zur Mittelachse, genießen den Blick über Altes und Modernes Peking:

Nun zieht es uns in den Kaiserlichen Garten. Hier ist es lauschiger, keine großen gepflasterten Plätze, sondern alles ist dichter zusammen, grüner, lauschiger.

Hier wird natürlich auch posiert.

Beim Kaiser/Kaiserinnen-Baum ist tatsächlich nichts los! Hier posiert heute tatsächlich niemand. Der Baum ist eigentlich ein Symbol für ewige Liebe, früher standen die Pärchen hier Schlange, um sich ablichten zu lassen…

Wir überlegen kurz, zum Nordtor hinaus zu gehen und dann noch im Jingshan Park auf den Kohlehügel zu steigen, entscheiden uns aber dagegen und lassen uns zurück in Richtung Osttor treiben. Mit Blick auf einen der größeren Plätze haben ich dann noch mal ein wenig mit Timelapse-Videos herum probiert. Mir hat allerdings ein bisschen die Ruhe gefehlt (wobei das eher an mir als den anderen lag, ich hätte sicher mit Verständnis dafür rechnen können, dass ich jetzt mal 30 Minuten an Ort und Stelle bleibe), aber es geht voran – sicher demnächst hier im Blog zu sehen.

Inzwischen ist noch weniger los, fast nur noch Kostümierte und Fotografierende. Und einige Kinder mit dabei.

Wie man sehen kann: es ist noch leerer geworden – kaum noch jemand auf dem Platz unterwegs.

Zurück bei den Apfelbäumen

Aber bei den Apfelbäumen ist noch ordentlich etwas los. Eine kostümierte Schönheit nach der anderen posiert und wird von unzähligen Kameras eingefangen.

Eine Lautsprecherdurchsage macht darauf aufmerksam, dass der Kaiserpalast in Bälde schließen wird und man seinen Besuch bitte daraufhin abstimmen möge (soll wohl heißen: sich rechtzeitig zu den Ausgängen zu begeben). Und tatsächlich packen jetzt alle ihre Siebensachen zusammen und strömen zu den Ausgängen.

Wir beschließen den Tag nicht weit vom Ausgang im „Beijing Pie“, einem kleinen, typischen Pekinger Restaurant mit ebenso typischen Pekinger Gerichten (und nein, keine Touristenfalle, was man so nahe an der Verbotenen Stadt befürchten könnte), sondern wirklich rundum gut (und günstig).

Als ich abends zuhause ankomme, bin ich total erledigt, aber so gut gestimmt wie schon lange nicht mehr: der Tag war einfach perfekt, leicht und unbeschwert – eine Auszeit, mit der ich so gar nicht gerechnet hatte, und die ich deshalb umso mehr zu schätzen weiß.

Achtung, viele Bilder!

Spaziergang im Stadtmauerpark

Wie kann man angesichts des Krieges in Europa „normal“ bloggen?  Ich bin wie wohl die meisten anderen Menschen auch voller Sorgen und Ängste – und voller Wut. Wir haben 2022 und Konflikte werden wie im finstersten Mittelalter mit Waffengewalt „gelöst“? Es mag wohl Wunschdenken gewesen sein, aber bis zuletzt habe ich auf eine nicht-kriegerische Lösung gehofft. Ich bin wirklich entsetzt, dass Putin nun tatsächlich angegriffen hat. Es gibt schon über 100 Tote – und wozu? Beängstigend, nicht zu wissen, wie dieser Krieg sich nun weiterentwickelt. Wird das ein Sieben-Tage-Krieg, eine Art Vietnam-Afghanistan oder WW3?

Gleichzeitig läuft hier aber auch der normale Alltag weiter, auch wenn überall in meinem Umfeld der Krieg erst einmal Thema ist. Für mich hieß Alltag gestern: ein Spaziergang mit der Fotogruppe. Es ging zum „Ming City Wall Relics Park“, kurz Stadtmauerpark. Darüber habe ich letztes Jahr im April ja schon mal geschrieben: Pekings Stadtmauer.

Alltag: Fotowalk

Kurz nach 9 verlasse ich also das Haus. Die Sonne strahlt, die Temperaturen sind schon über Null. Ich schwinge mich auf den Scooter und tuckere los. Noch ist Berufsverkehr, es staut sich auch auf der Bikespur an den Ampeln….Um diese Zeit ist es tatsächlich etwas anstrengend, aber je länger ich unterwegs bin, desto entspannter wird es.

Ich fahre durchs Botschaftsviertel, dann ein längeres Stück am 2. Ring entlang, schließlich am Pekinger Hauptbahnhof vorbei und lande rechtzeitig am Treffpunkt an der Metro Chongwenmen. Ich parke den Scooter, eine Freundin kommt fast gleichzeitig mit dem Leihfahrrad an und auch die anderen trudeln ein.

Wir überqueren die Kreuzung, gehen ein paar Stufen zum Park hoch (der in Wahrheit ja kaum mehr als ein sehr breiter Grünstreifen ist), kein Eingangstor oder ähnliches wie bei den vielen anderen Parks. Von hier aus geht der Blick nach Westen – Zhengyangmen in Sicht, das Tor am südlichen Ende des Tian’anmens.

Vielbefahrene Kreuzung in Peking mit Blick auf Zhengyangmen, das Tor am Südende vom Platz des Himmlischen Friedens

Auf dem kleinen Platz mit dem Blick auf die Kreuzung steppt der Bär. Viele beobachten eine Verkehrskontrolle, bei dem Radler, die die Kreuzung in der falschen Richtung überqueren, angehalten, verwarnt. und zur Kasse gebeten werden (20 RMB ~ knapp 3 Euro). Aber die meisten kümmert das nicht, so wie die tanzenden Tantchen („dancing ayis“) zum Beispiel, die ihr Ding durchziehen.

Das Wetter ist super, endlich nicht mehr so bitterkalt, dazu gute Luft – kein Wunder, dass im Park viel los ist. Spielende Kinder mit Luftballons, Seifenblasen, Laufrädern, ein paar Sängerinnen und wirklich viele Spaziergänger.

Dazu natürlich der Blick auf die Stadtmauer und die Türme im Central Business District.

Schließlich kommen wir zu dem Tor mit dem Tickethäuschen. Ich will die Tickest für uns alle lösen, soll einen QR-Code scannen. Name, Telefonnummer eingeben, aber es scheitert dann an der Eingabe der Passnummer – Buchstaben nicht vorgesehen, und auch der sonst meist hilfreiche Trick, die Passnummer per copy & paste einzugeben, funktioniert nicht. Da hält die Kassiererin uns einen anderen QR-Code hin, mit dem kleinen gelben Meituan-App-Symbol – damit klappt’s natürlich. Wieder was gelernt, künftig also gleich danach die Augen aufhalten.

Ich hab den Spaziergang bis hierhin schon sehr genossen. In der Sonne ist es so angenehm, endlich fühle ich mich wieder menschlich. Aber als wir die Treppe hochkommen, der Blick auf Mauer, Hauptbahnhof, den Foxtower und die Stadt – ich kriege ein bisschen Gänsehaut, weil ich es immer noch unglaublich toll finde, dass ich das alles sehen und erleben kann.

Wir werfen noch einen kurzen Blick in den Foxtower. In dem ist es düster – und bitterkalt, es treibt uns direkt wieder raus in die Sonne.

Auf dem Rückweg brettert noch dieses Tuktuk an mir vorbei. Kreative Sitzlösung! :)

Es macht endlich wieder Spaß, draußen unterwegs zu sein, ich freu mich schon auf die vor mir liegenden Streifzüge.

Fotos

 

 

 

Art District 798

Am nordöstlichen Rand des inneren Pekings, 15 Kilometer vom Tianan’men entfernt, liegt der 798 Art District (auch 798 Art Zone oder Kunstbezirk Dashanzi, 798艺术区, 798 yìshù qū).

Geschichte und Architektur

In den 1950er Jahren hat China hier mit der Unterstützung der Sowjetunion und der DDR Fabriken fürs Militär gebaut. Die Bauhaus-inspirierten Gebäude mit den Sägezahn-Dächern waren etwas ganz Neues in China (typisch sowjetische Brachialbauten gab es schon). Das Material für die Fabriken wurde zum Teil mit der TransSib nach China gebracht, die DDR entsandte 100 Fachleute.

Die Gebäude wurden so konzipiert und ausgerichtet, dass sie die größtmögliche Lichtausbeute hatten – deshalb die Sägezahn-Dächer. Die Fenster sind nach Norden ausgerichtet, um Schatten zu vermeiden.

In den 1990er Jahren kam die Produktion der staatlichen Firmen im „Joint District 718“ (später in Unterdistrikte und eben auch 798 unterteilt) zum erliegen. Ende der Neunziger zogen die ersten Künstler: Maler, Bildhauer, Designer in die lichtdurchfluteten Hallen und wandelten die Fabriken in Werkstätten um. Galerien wurden eröffnet, zum Beispiel 798 Space und UCCA, mehr und mehr Bars, Cafés und Restaurants eröffneten im Viertel. Je angesagter 798 wurde, desto höher wurden die Mieten, einige Künstler zogen weiter, z.B. nach Caochangdi. Heute kann man das Viertel als Bobo beschreiben (bourgois-bohémian). Es heißt inzwischen auch: hier ist mehr Show als Kunst. Und doch gibt es hier eine einzigartige, bunte und lebendige Atmosphäre.

798 ist nach der Verbotenen Stadt und der Mauer das am dritthäufigsten besuchte touristische Ziel in Peking.

Am Vormittag durch den 798 Art District

Ich war schon eine ganze Zeit lang nicht mehr dort und bin gestern bei tollem Wetter und guter Luft spontan mit einer Freundin durch den Art District geschlendert.

Buggies im Gänsemarsch – da wäre ein einfarbiger Hintergrund praktischer gewesen, aber hier gibt es das, was es sonst in Peking so gut wie gar nicht gibt: Graffiti.

Nicht nur Tags, sondern ganze Wandgemälde gibt es hier.

Und dann gibt es auch „Gekritzel“.

Sogar die Toiletten sehen cool von außen aus (und innen sind sie sauber).

Grün gibt es auch.

Hier am Pace (Faurschou Foundation) kann man die Bauweise mit den Sägezahn-Giebeln und den nach Norden ausgerichteten Fenstern gut erkennen.

Und auch hier im hippen Art District werden ganz traditionell die Vogelkäfige tagsüber nach draußen gehängt.

Dies ist ein Blumenladen mit angeschlossenem Café – das leider erst nachmittags öffnet.

Ja, Cafés gibt es viele. Hier eines mit Hund.

Kein Pilot, sondern Parkplatz-Anweiser.

Auch hier wird Fuß-Federball gespielt.

Oder mit den Großeltern spazieren gegangen.

Grün gibt es auch einiges.

Und ein Café mit Gans.

Es ist gerade noch warm genug für die Dachterrasse eines Cafés – Aus- und Ansichten inbegriffen.

Wie gesagt: auch Graffiti.

Schön war es wieder. Am Ende habe ich mich gefragt, warum ich nicht viel öfter hier unterwegs bin, ich hab’s gar nicht so weit.

Fotos

Hier sind noch ein paar mehr, ältere Bilder zu sehen: Ein Frühlingsspaziergang durch den Art District 798.

 

 

 

Ein September-Nachmittag in Peking

Heute Nachmittag hatte ich Zeit und bin spontan in Richtung Shichahai getuckert. Aber schon auf dem Weg gibt es viel zu gucken.

Zum Rauchen nach draußen…

Der Hund muss mit!

Am Shichahai

Heute ist nicht so viel los wie vor kurzem, die Rikschafahrer haben nichts zu tun.

Der Bootsverleih ist wieder geöffnet. Ich überlege kurz, denke aber, dass ich dafür gerne ein anderes Objektiv an der Kamera hätte, heute hab ich das 24 mm drauf. Wie so oft denke ich, dass das ein Luxus ist, den ich als Touri hier nicht hätte: ich kann halt unkompliziert jederzeit wiederkommen.

Bootsanleger am Westufer des Shichahai

Als sie sieht, dass ich sie fotografiere, wirft sie sich in Pose, Schirm kommt weg.

Tempel des Feuergottes

Wo ich schon in der Ecke bin, schau ich auch noch kurz in den Feuergott-Tempel hinein.

Die bunten Wimpel, die neulich noch hingen, sind weg. Schade, das war noch bunter. Dafür ist die Musik heute lauter.

Yandai Byway

Die Yandai Gasse ist zwar keine 250 Meter lang, aber wirklich hübsch. Klar, sie ist touristisch so aufgehübscht worden wie die Nanluoguxiang, mir gefällt’s trotzdem. „China Famous Historical Cultural Street“ seit 2010, da müssen wohl chinesische Standards gewahrt werden.

Türklopfer mal anders

Vor der historischen Post wird fotografiert.

Hier findet sich die typisch chinesische Mischung von Handwerks- und Souvenirläden, Imbissbuden und Restaurants mit (nicht nur) lokalen Spezialitäten. Mich versetzt das kurz in eine Stimmung wie auf Reisen, fühle mich an solche Tourigassen in Dali, Xi’an, Luoyang erinnert (so unterschiedlich diese Orte auch sind). Ich sollte wohl doch wieder häufiger auf Sightseeing-Tour gehen.

Egal wie alt du bist, du bist hier nie zu alt für Haarschmuck aller Art!

Dieses plastische Stadtmodell ist das erste, dass ich hier bewusst wahrnehme (Oder es ist das einzige? Keine Ahnung!).

Fuhrpark

Meerjungfrau oder Hofdame?

Sieht man auch vielerorts in China: Kuscheltiere als Deko am Haus.

Ich werfe noch einen Blick zurück in die Gasse, bevor ich zu meinem Scooter zurücklaufe.

Mondfest in Sicht

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Jingkelong, wo viel los ist. Der Bao’an, der mir immer helfen will und mich immer ermahnt, langsam zu fahren, kommt extra angerannt, um ein Fahrrad zur Seite zu schieben, damit ich meinen Scooter abstellen kann. Das ist mir echt peinlich, ich will keine Sonderbehandlung.

Im Supermarkt gibt es zahlreiche Sonderstände: nächste Woche ist das Mondfest. Natürlich Mondkuchen, stückweise einzeln verpackt oder in bunten, aufwendigen Geschenkverpackungen. Diese Geschenkpackungen gibt es aber auch für ganz alltägliche Dinge wie Eier, Öl, Würzsaucen, Süßigkeiten, Nüsse … .

Vorhin klingelt es an der Tür – der Vermieter, der mir zwei große Geschenktüten entgegenhält. Mondkuchen und eine Massagepistole. Cool. :)

Mao statt Museum – ein Vormittag in Peking

Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin am Shichahai spazieren gehen und den Tempel des Feuergottes noch einmal besuchen. Sie war da noch nicht, hätte aber die chinesischen Schilder  übersetzen, die Mitarbeiter und Mönche fragen und so mehr erklären können. Weil es morgens aber gewittert hat, haben wir umdisponiert und wollten stattdessen ins Nationalmuseum gehen. Dazu haben uns am Tian’anmen verabredet.

Blick vom Metro Ausgang Tiananmen Ost zum Tor des Himmlischen Friedens

Treffpunkt Metro Tian’anmen Ost

Wie sich herausstellt, hätten wir mindestens einen Tag vorher reservieren müssen. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man schon am Tian’anmen ist, gibt es mehr als genug zu tun und zu gucken. Zum Glück macht der Regen Pause.

Rund um den Tian’anmen

Rund um den Tian’anmen stehen fünf bedeutende Gebäude:

  • im Norden das Tor des Himmlischen Friedens (der Eingang zur Verbotenen Stadt),
  • im Osten das Nationalmuseum,
  • im Süden das Mao-Mausoleum und dahinter Zhengyangmen (das größte und prächtigste Stadttor) und
  • im Westen die Große Halle des Volkes

Auf dem Platz steht dann auch noch das Denkmal für die Helden des Volkes – und nicht zuletzt ist auch das Gewusel und Gewimmel hier unglaublich interessant.

Das Tor des Himmlischen Friedens

Es geht direkt los mit dem Tor des Himmlischen Friedens. Jedes Mal, wenn ich hier bin, überkommt mich ein ganz unwirkliches Gefühl – ich bin wirklich in Peking?!

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, davor Auto-Stau

Tor des Himmlischen Friedens

Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle. Hier werden die chinesischen ID-Cards automatisch gescannt, ausländische Pässe müssen von Hand gecheckt werden. Aber anstatt wie meistens meinen Pass nur vorzuzeigen und durchgewunken zu werden, werde ich gefragt, warum ich in Peking bin und wie lange schon. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Sicherheitsbeamte wissen wollte, ob ich Diplomatin sei. Seltsam, sonst wird eher nach Journalisten gefragt. Ob das was mit dem Fall des an Covid-19 erkrankten Diplomaten zu tun hat, der nicht weit von hier im Legendale abgestiegen war (das Hotel ist nun unter „closed management“)? Naja, ist ja auch egal, wir sind auf dem Platz.

Tian'anmen mit Mao-Mausoleum

Mao-Mausoleum, dahinter Zhengyangmen und Bogenschützenturm

Wir schlendern erst einmal über den Platz, der mich nicht nur wegen seiner Größe („größter befestigter Platz der Welt“) beeindruckt.

Tian'anmen, Blick zum Tor des Himmlischen Friedens

Auf dem Tian’anmen

Die Deko anlässlich der 100-Jahr-KP-Feierlichkeiten steht noch.

Tian'anmen, Blick auf die Große Halle des Volkes und das Denkmal für die Helden des Volkes

Große Halle des Volkes und Denkmal für die Helden des Volkes

Das Nationalmuseum

Der Eingang des Nationalmuseums war früher hier von der Platz-Seite aus. Jetzt ist er nach vorne zur Chang’an Avenue (zurück-?)verlegt worden. Das ist dichter an der U-Bahn und noch vor dem Sicherheitscheck am Tian’anmen, also etwas praktischer.

Pekings Nationalmuseum vom Tian'anmen aus gesehen

Nationalmuseum

Das Denkmal für die Helden des Volkes

Meine Freundin erzählt, dass sie als kleines Kind einem Missverständnis aufgesessen ist und geglaubt habe, dass unten in dem Denkmal die Soldaten wohnen würden. Damals hätte sie vergeblich nach Fenstern und Türen gesucht. Heute kommt man nicht mehr so dicht dran, aber das Missverständnis hat sich inzwischen ja auch aufgeklärt.

Denkmal für die Helden des Volkes auf dem Tian'anmen in Peking

Denkmal für die Helden des Volkes

Volksfeststimmung

Auf dem Platz ist richtig viel Trubel. Familien, Paare, kleine und große Reisegruppen sind hier unterwegs. Manche warten hier auf ihre Begleitung, denn in das Mao-Mausoleum darf man keine Taschen, Schirme, Kameras, Gepäck mitnehmen – nur Handy und ID-Card/Pass sind erlaubt.

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten, während ein kleines Reinigungsfahrzeug herumfährt. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Die große Halle des Volkes

Auf die große Halle des Volkes werfen wir nur einen kurzen Blick.

Tian'anmen: Blick auf das Denkmal für die Helden des Volkes und die Große Halle des Volkes - mit vielen Menschen auf dem Platz

Denkmal und große Halle des Volkes

Mao-Mausoleum

Meine Freundin fragt mich, ob ich Mao schon mal gesehen habe. Nein, habe ich nicht. Sie zückt ihr Handy, scannt den QR-Code, der an der Absperrung zum Mausoleum hängt, hält mir das Handy hin, damit ich meinen Namen und meine Passnummer eingebe – und zack, haben wir einen Besucherslot von 10-11 Uhr gebucht. Das kam jetzt überraschend.

Aufwendige Sicherheitsmaßnahmen

Wir überqueren die Straße, gehen am Nationalmuseum vorbei zu einem weiteren großen Gebäude, wo man seine Habseligkeiten abgeben kann – wie gesagt, ins Mausoleum darf man nichts mit hineinnehmen. Die Schlange hier ist sehr lang, oben auf der Treppe steht ein Mann und brüllt seine Anweisungen in ein Megaphon: Keine Taschen! Keine Schirme! Alles hier abgeben! Es werden immer große Gruppen von Leuten hineingelassen, und es scheint ewig zu dauern. Das kriegen wir bis 11 Uhr nicht mehr hin. Wir beschließen, es so zu machen, wie viele der anderen Leute auch: wir gehen abwechselnd ins Mausoleum.

Meine Freundin sagt, ich soll zuerst gehen, sie wäre ja schon mal da gewesen, nimmt mir meine Tasche ab und drückt mir ihr Handy in die Hand (weil sie damit unseren Slot gebucht hat). Und schon passiere ich eine erste Einlasskontrolle, bei dem wohl nur geguckt wird, dass man wirklich nichts weiter dabei hat. Durch viele Absperrgitter schlängelt sich der Weg zum Mausoleum, es geht aber zügig voran.

Dann kommt eine Sicherheitskontrolle, wo QR-Code und Pass gecheckt werden, nach dem Scanner werde ich noch mal von Hand abgetastet und darf weitergehen.

Nelken für Mao

Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle steht eine kleine Verkaufsbude, wo man in Plastikfolie verpackte weiße Nelken für 3 Kuai/Stück kaufen kann. Das tun viele der chinesischen Besucher. Ich bin überhaupt die einzige Langnase weit und breit. Der Weg schlängelt sich weiter, an weiteren Nelkenbuden vorbei. Vor den Stufen zum Gebäude stockt es schließlich, hier wird der Einlass der Menschen genau getimed.

Und dann geht es so schnell, dass ich jetzt schon beschließe, dass ich den Besuch hier wiederholen muss.

Wächter machen das wohl überall auf der Welt verständliche „Psst!“-Zeichen und legen den Finger auf den Mund. Fotografieren ist strengstens verboten!

Nach der Eingangstreppe landet man in einem großen Vorraum, in der eine großen Mao-Statue steht. Die weißen Nelken werden Soldaten in die Hand gedrückt, die sie ordentlich auf und um ein Podest vor der Statue stapeln. Aber bitte nicht stehen bleiben, gleich weitergehen.

Da liegt er

Die Schlange teilt sich hier und wird nun links bzw. rechts an der Statue vorbei in den nächsten Raum geschleust: Maos Grabkammer, wo er in seinem Kristallsarg liegt. Eigentlich wollte Mao selbst kremiert werden, aber nun liegt er seit 45 Jahren hier, sieht aus wie eine Wachsfigur (wenn es denn wirklich seine Leiche ist, Gerüchte stellen das infrage). Das wächserne Gesicht leuchtet orange, ich sehe allerdings keine Lampe, die ihn anstrahlt, was das ganze noch surrealer macht.

Alle werden langsamer, während sie schauen. Bei nicht wenigen fließen Tränen. Ich werde wohl zu langsam, ein Wächter winkt und ich beschleunige meinen Schritt. In einem kleineren Raum fließen beide Besucherströme wieder zusammen und dann geht es auch direkt hinaus und man steht auf dem Platz vor dem Zhengyangmen. Hier könnte man sich noch mit Souvernirs eindecken, ich passe.

Rückseite/Ausgang des Mao-MausoleumsRückseite/Ausgang des Mao-Mausoleums in Peking

Ich eile zurück zum Eingangsbereich, fliegender Wechsel. Wir machen nur noch schnell aus, dass wir uns am Ausgang wieder treffen.

Später erzählt meine Freundin mir, dass viele Chinesen aus der Provinz ihr Leben lang sparen, um nach Peking reisen und Mao sehen zu können. Ich hatte den Besuch hier bisher nicht auf der Liste, u.a. auch weil mich die langen Schlangen abgeschreckt haben. Doch obwohl es eine solche Menschenmenge ist, die hier Tag für Tag (außer montags, grins) durchgeschleust wird, geht es erstaunlich schnell. An keinem Punkt (außer an dem „Taschengebäude“) steht man sich die Beine in den Bauch, es geht immer voran. Tatsächlich war es völlig unabhängig davon, wie man zu Mao steht, eine interessante Erfahrung: das Prozedere, die Leute und deren Reaktion.

Zhengyangmen

Zhengyangmen (auch Qianmen) ist das Haupttor und das größte und prächtigste aller Pekinger Stadttore. Hier gibt es auch ein Stadttor-Museum, dass wir uns heute aber nicht mehr ansehen. Stattdessen gehen wir in einem Hutong abseits der Qianmen Street zum Mittagessen.

Pläne machen ist gut, Pläne umschmeißen wie man sieht aber auch. Ich bin direkt dankbar für das Gewitter am Morgen, das den Anstoß für die Planänderung gegeben hat.

Unterwegs in Peking: Tempel und mehr

In diesem Sommer regnet es noch mehr als üblicherweise im Juli, gefühlt immer, wobei es zum Glück doch Regenpausen gibt. Gestern habe ich ein paar trockene Stunden genutzt und bin spontan drauflosgetuckert.

Diesen fahrenden Händler (mit dem Kopf hinter den Grillenkäfigen) sehe ich relativ oft in verschiedenen Ecken. Er hat immer Grillen und Vögel dabei – und immer einen Pulk von Leuten um sich herum.

Tempel des Feuergottes

Kurz danach bin ich am Shichahai gelandet, wo ich mir spontan den Tempel des Feuergottes angesehen habe. Der Eintritt ist frei, keine Voranmeldung nötig – geht also tatsächlich spontan. Nur den Healthcode scannen und man darf eintreten.

Die meisten Touristengruppen gehen achtlos vorbei und steuern direkt den See und/oder die Rikschas dort an. Ich selbst habe das Gebäude auch erst vor Kurzem als Tempel wahrgenommen, es war aber abends und schon geschlossen.

Der Geschichte des taoistischen Tempel des Feuergotts (Huode Zhenjun-Tempel) reicht zurück bin in die Tang-Dynastie (7. Jahrhundert). Er muss eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich haben, aber leider habe ich weder vor Ort noch im Internet oder meinen Reiseführern weitergehende Informationen gefunden.

Der Tempel ist überschaubar, lebendig, bunt, aktiv und gefällt mir auf Anhieb richtig gut.

In den Hallen sind die Altare vor den Buddhas bunt und üppig geschmückt (keine Bilder, Fotografieverbot). Besucher verbeugen sich, lassen sich auf Knien auf den Kissen davor nieder, berühren dreimal mit der Stirn den Boden. Diese Verbeugungen werden von Gongschlägen begleitet.

Dies Tor führt zu Straße, ist geschlossen und dient daher prima als Bike-Parkplatz. :)

Rikschas

Danach bin ich noch ein bisschen am See spazieren gegangen.

Ich selber bin erst einmal mit einer Rikscha gefahren, als ich an einem organisierten Ausflug teilgenommen hab, wo das mit dazugehörte. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis dazu, ich fühle mich nicht wohl, wenn andere für meine Fortbewegung körperlich arbeiten müssen, da steige ich lieber selbst aufs Fahrrad oder meinen Scooter (der hat auch seinen Fun-Faktor).

Die Bogenbrücke ist zu steil, bis auf ein schlafendes Kind müssen alle aussteigen und zu Fuß über die Brücke. Manche Fahrgäste packen mit an.

Kreuz und quer durch die Hutongs

Inzwischen wurde es wieder düsterer, Zeit zum umkehren, um nicht nassgeregnet zu werden. Auch die Hochzeitsfotografen an „der Ecke“ der Verbotenen Stadt waren am zusammenpacken.

Hutongs können – nicht nur wegen des herannahenden Regens – ziemlich grau und trist wirken…

… aber auch bunt und idyllisch.

Eigentlich ist hier an der Kreuzung gerade eine große Verkehrskontrolle. Uneigentlich:

Tja, so hübsch kann „Straßenbegleitgrün“ aussehen.

Dieser Weihnachtsbaum steht hier „schon immer“, ganzjährig, seit ich in Peking angekommen bin.

Ich sprinte noch schnell durch den Jingkelong, als ich wieder rauskomme, nieselt es schon. Einer der Bao’ans (Sicherheitskräfte in schwarzen Uniformen mit roter Armbinde) lässt es sich nie nehmen, mir zu helfen. Anfangs war mir das peinlich und auch etwas lästig, weil ich meinen Scooter alleine schneller bepacken kann. Aber er lässt nicht locker, freut sich offenkundig immer, wenn er mich sieht, und nun gehört das halt zu meinem Jingkelong-Einkauf mit dazu. Nicht zuletzt hat es auch was von hier Zuhause zu sein.

Ich komme gerade noch trocken zuhause an – dann schüttet es wie aus Eimern. Glück mit dem Timing gehabt!

Fotos

Purple Bamboo Park und Eindrücke von unterwegs

Wieder war ich mit meiner neuen chinesischen Freundin unterwegs. Diesmal ging es zum Zizhuyuan, dem Purple Bamboo Park. Dieser Park zählt nicht nur zu den sieben größten Parks in Peking, sondern auch zu den schönsten. Hier gibt es Seen und Hügel und über 50 verschiedene Bambus-Arten. Da der Park nicht wirklich zentral liegt, sondern noch ein Stück hinter dem Zoo in Haidian, bin ich bislang nicht dort gewesen. Ein Fehler, denn dieser Park ist tatsächlich besonders schön!

Aktives Parkleben

Auch wenn der Park zum Spazierengehen und Verweilen einlädt, sieht man hier viele der verschiedenen Aktivitäten in chinesischen Parks.

Tanzen

Turnen-Tanzen mit Bändern

Musik solo

Musik Duo

Noch mehr Tanzen

Wasser

Die Geschichte des Geländes reicht weit zurück. In der Antike waren hier tiefliegende Feuchtgebiete. Während der Ming-Dynastie wurde am Nordufer des Sees der Zizhuyuan-Tempel errichtet. Der Park selbst wurde erst 1949 errichtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute gibt es drei miteinander verbundene Seen mit zwei Inseln, viele kleine Wasserläufe, einen Fluss. Die Seen sind voller Lotus, die Wasserläufe von Bambus gesäumt. Man kann sich kleine Elektroboote leihen oder über den See schippern lassen oder am und mit dem Wasser spielen.

Wir setzen uns in einen Pavillon – davon gibt es im Park verteilt viele verschiedene. Wir lauschen einem Chor, unterhalten uns, verabreden uns für nächste Woche für eine Ausstellung im Kunstmuseum und buchen über eine WeChat-App die Tickets dafür. Alleine hätte ich mich da kaum durchklicken können, so war das relativ simpel. Dann schlendern wir in Richtung Ausgang zurück, wo sich unsere Wege erstmal trennen.

Ich bin jedenfalls total begeistert vom Zizhuyuan, denn man ist hier zwar mitten in der Großstadt, aber gleichzeitig ganz im Grünen.

Impressionen vom Rückweg

Wie gesagt, der Purple Bamboo Park und der Zoo liegen nahe beieinander in Haidian, beides von uns aus halt doch eine Ecke entfernt (mit dem Scooter etwa eine Stunde, mit der Metro wäre es etwas länger, mit Auto/Didi bei freier Fahrt (kicher) etwa eine halbe Stunde), also eher nichts für kurze Alltagsausflüge, sondern mehr Zeit erforderlich. Auf dem Hinweg habe ich diese Brücke mit dem Scooter überqueren müssen, sonst gibt kilometerlang keine Chance, die Straßenseite zu wechseln. Den Tunnel unter der Kreuzung (vor dem Hochhaus im Hintergrund) nutze ich erst auf dem Rückweg, so weit mag ich nicht auf der falschen Seite fahren.

Auf dem Rückweg geht es also kurz hinter dieser Brücke unter die Erde. Ich schaffe es immerhin im dritten Anlauf, die richtige Rampe nach oben zu finden.

Dies ist die Straße über dem Monkey Mountain im Zoo.

Hatte ich erwähnt, dass es zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei überall neue Blumenarrangements gibt? Dies ist eines davon am 2. Ring Nord, irgendwo zwischen Deshengmen und Yonghegong. Hier lief auch Musik.

Im Lama-Tempel wird gebaut, die hinterste Halle ist komplett eingerüstet.

Purple Bamboo Park – viele Fotos

Infos

Adresse: No 35 Zhongguancun Nandajie, Haidian District

Hinkommen: Metrostation National Library (Linien 4 und 9), Exit D – 2 Minuten zum Osteingang

Website des Parks: zizhuyuangongyuan.com/

Eintritt: frei

Öffnungszeiten: täglich 6-21 Uhr, November bis März 6-20 Uhr

Ein Besuch in Pekings Zoo

Am Wochenende war ich mit einer chinesischen Freundin im Pekinger Zoo. Es hat sich hier zwar seit unserem bisher ersten und einzigen Zoobesuch einiges getan, aber dafür habe ich diesmal anderes gesehen, was mir nicht gefällt. Ich bin keine Zoo-Expertin, aber das Hin- und Herlaufen eines Luchses war schon sehr auffällig. Gleichzeitig gibt es aber bereits modernisierte Gehege, der Zoo wird stetig fortentwickelt. Der 1906 gegründete Zoo gilt als einer der ältesten, größten und bedeutendsten in ganz Asien. Mit 90 ha Fläche ist er mehr als 3,5 mal so groß wie Hagenbecks Tierpark in Hamburg.

Pandas

Eines der Highlights des Zoos sind die Pandas, deren Gehege sich gleich hinter dem Haupteingang befindet. Das 1989 gebaute Panda-Haus wirkt etwas in die Jahre gekommen, aber es ist sauber und großzügig. Als wir im Februar 2015 dort waren, konnte man nur sehr eingeschränkt auf die Pandas gucken: Bauarbeiten. Keine Ahnung, was im für Besucher nicht sichtbaren Bereich gewerkelt wurde, außen sieht man nur an einigen der Spielgeräten neuere Holzbalken. Heute ist es nicht nur mir, sondern auch den Pandas zu heiß: die meisten schlafen.

Schmutzige Glasscheiben

Ich bin ja Hagenbeck-sozialisiert, das heißt, ich bin ungehinderte Sicht auf die Tiere gewöhnt. (Fast) Gitter-los, stattdessen tiefe, teils wassergefüllte Gräben. Hier in Pekings Zoo gibt es stattdessen Gitter oder Glasscheiben, letzteres leider zumeist ziemlich dreckig.

Panda im Panda-Haus im Pekinger Zoo

Im Panda-Haus

Flach ausgestreckt schlafender Panda im Pekinger Pandahaus

Im Panda-Haus

Panda auf Spielgerät im Freigehege

Im Freigehege

Nicht nachmachen: Zoobesuch bei 37 Grad

Nach den Pandas kaufen wir uns erstmal Getränkenachschub – an dem Stand, an dem ich vor 6 Jahren meine Junioren abgefüttert habe; das Angebot ist noch das gleiche.
Ich bin mit dem Scooter zum Zoo gefahren, fast eine Dreiviertelstunde in sengender Sonne, mein mitgeschlepptes Wasser war schon alle, noch bevor ich überhaupt angekommen bin. Vor dem Start schon total erledigt und kaum aufnahmefähig, so sehr ich meine Unabhängigkeit mit dem Scooter auch schätze, das war eine ganz dumme Idee. 37 Grad sind wirklich nicht ideale Bedingungen für einen Zoobesuch, bei vielen Tieren hatte ich den Eindruck, dass sie ebenso wie die Menschen unter der Hitze leiden.

Monkey Mountain

Vor dem Affen-Bereich, Monkey Mountain genannt, ist eine Reihe kleiner Affen-Statuen aufgestellt.

Affenstatue mit Händen über den Ohren, konsterniertem Gesichtsausdruck

Ja, so hab ich mich auch gefühlt

Am Rand des Zoos, über den Gehegen für Affen, Wild- und Großkatzen verläuft eine Hochstraße! Es ist nicht laut, aber schon leicht störend, dazu vibriert es regelmäßig. Meine Begleiterin meinte, dass früher der Monkey Mountain auch viel größer gewesen sei.

Die Rhesusaffen erfreuen sich großer Beliebtheit. Mich irritiert allerdings, dass manche der Tiere ziemlich struppig aussehen, und ich empfinde dies Gehege als sehr trostlos.

Rhesusaffenmutter zieht ihr Junges am Schwanz im Pekinger Zoo

So einen handlichen Henkel hätte ich an meinen Kindern auch gern gehabt…

Aber ohne Zweifel: sehr knuffige Tiere!

Gegenüber ist das Gehege der Husarenaffen. Das war mit Abstand der deprimierendste Anblick im ganzen Zoo.

Husarenafffen-Gehege im Pekinger Zoo, direkt unter einer Hochstraße

Seufz…

Sicherlich gibt es eine Erklärung dafür. Ich finde dies auch deshalb so irritierend, weil im ganzen Zoo wie in praktisch allen chinesischen Parks so viel Wert auf Harmonie und Ästhetik gelegt wird. Dagegen fällt insbesondere dies Gehege halt extrem ab.

Eisbären

Den Eisbären gefällt der Pekinger Winter bestimmt gut, aber die Hitze jetzt ist sicher nicht so optimal. Deshalb erstmal baden und abkühlen.

Eisbär badet in Pekings Zoo

Eisbär badet in Pekings Zoo

Eisbär in Pekings Zoo

Eisbärenpranke

Ganz schön groß…

Eisbär in Pekings Zoo

<3

Das hat mir richtig gut gefallen – so dicht ran kommt man in gitterfreien Zoos nicht.

Felidae

Unter der Hochstraße führt uns der Weg weiter zu den Groß- und Wildkatzen.

Hochstraße über Gehegen in Pekings Zoo

Unten Gehege, oben Straße

Man könnte die Wege auch mithilfe dieser kleinen Elektrobusse (10 RMB) abkürzen, die – natürlich – Musik vor sich hindudeln. Das macht Hupen überflüssig. ;)

Eingang zum Katzenhaus

Eingang zum Katzenhaus

An den Katzengehegen mit verschiedenen Luchsen gehen wir relativ zügig vorbei. Ich hoffe, dass sich auf der Rückseite Freiflächen befinden, sonst wäre das doch recht wenig Platz.

Liegender Serval in Pekings Zoo

Serval

Mehr Park als Zoo?

Wir schlendern weiter durch den Park. Breite Wege, gepflegte Grünanlagen, auch große Rasenflächen (den Platz würde man manchen Tieren gern gönnen).

Ein Trend in Peking ist dieses Jahr Eis in der zur Sehenswürdigkeit passenden Form. Am Himmelstempel gibt es Eis in der Form der Halle der Ernte, hier im Zoo gibt es natürlich Tiere.

verschiedene Eissorten in Tierform: Papagei, Elefant, Panda, Giraffe

Eis in Tierform

Durch den Zoo führt auch ein Kanal, auf dem man Schnellboot fahren kann.

Natürlich gibt es auch im Zoo riesige Statuen.

Elefanten

Unsere für dieses Mal letzte Station sind die Elefanten. Hier gibt es sowohl afrikanische als auch asiatische Elefanten. Die Boxen im Elefantenhaus kommen uns für die riesigen Tiere echt klein vor, deshalb gehen wir direkt raus. Da ist es besser. Und trotzdem denke ich an die in Yunnan herumstreifenden Elefanten, wie gut die das im Vergleich haben.

Elefant im Pekinger Zoo

Elefanten in Pekings Zoo

Elefanten in Pekings Zoo

Hier setzen wir uns auf eine Bank in den Schatten, gucken den Elefanten zu und unterhalten uns lange. Erst als es am spätnachmittag etwas „kühler“ wird (immer noch über 30 Grad), schlendern wir langsam zum Ausgang zurück.

Wir kommen am Nashorngehege vorbei, das offensichtlich schon modernisiert ist. Aber wir gucken nicht mehr, wir sind beide platt und haben noch den Rückweg vor uns. Wir wollen bald wieder kommen, um die anderen Bereiche des Zoos zu erkunden – wir haben ja nur einen Bruchteil gesehen.

Deko am Nashorngehege

Deko am Nashorngehege

Wir passieren ein schönes Antilopengehege und die Wasservogelwelt. Wir sehen das Reptilienhaus, aber ich mag keine Schlangen, da muss ich nicht unbedingt rein und für heute reicht es wirklich. Hab ich die brütende Hitze schon erwähnt?

Pekings Zoo – Infos

Zoos leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenerhalt, für Zucht und auch Auswilderung. Sie sind wichtig für Forschung, Erziehung und Bildung. Zootiere wecken Sympathie und Verständnis, weit über das hinaus, was durch Filme möglich ist. Auch wenn im Pekinger Zoo sicher Luft nach oben ist, scheint mir der Zoo auf einem guten Weg zu sein. Es gibt unglaublich viel zu entdecken, ein Nachmittag allein reicht nicht. Im Norden des Zoos liegt das zugehörige Aquarium, das ich vor sechs Jahren wirklich großartig fand. Hier zahlt man noch mal 150 RMB Eintritt zusätzlich, zehnmal mehr als für das Zoo-Ticket.

Info

Website des Zoos (chinesisch, kann man mit dem Browser übersetzen lassen): Beijing Zoo

Auf Chinesisch heißt  Zoo 动物园 – Dòngwùyuán.

Adresse: No.137 Xizhimenwai Main Street, Xicheng District, 100044 Beijing

Hinkommen: Taxi, Scooter, Auto (Parkplatz gegen Gebühr direkt neben dem Haupteingang), U-Bahn (Haltestelle Beijing Zoo, Exit B ist eine Minute vom Ticketcenter entfernt).

Die Boote auf dem Imperial Waterway zwischen Sommerpalast und Zoo fahren derzeit nicht!

Tickets: Werden derzeit über eine App, deren QR-Code man vor Ort scannen kann, verkauft. Reisepass nicht vergessen! Die App ist nur Chinesisch.

Eintrittspreise:

  • Zoo: 15 RMB.
  • Zoo und Pandas: 19 RMB. Von November bis März jeweils 5 RMB weniger.
  • Aquarium: Zooticket erforderlich plus 150 RMB.

Öffnungszeiten:

  • Zoo 7:30 – 18 Uhr, November bis März 17 Uhr
  • Aquarium 9-17:30 Uhr, November bis März 16:30 Uhr

Die Residenz von Prinz Gong

Lange sah es so aus, als kämen Prinz Gong und ich nie zusammen: beim ersten Versuch haben wir vergessen, dass Montag alles geschlossen ist, dann kamen Bauarbeiten, Verlängerung der Bauarbeiten, Corona… Jetzt hat es endlich geklappt. Ich habe so viel darüber gelesen, bin so oft außen dran vorbei gefahren – ich war echt gespannt.

Die Residenz des Prinzen Gong in der Nähe des Shichahai gilt als eine der schönsten und am besten erhaltenen kaiserlichen Residenzen der Qing-Dynastie.

Die Anlage ist in zwei Teile gegliedert: vorne die prunkvolle Residenz mit über 30 Gebäuden; hinten ein bemerkenswerter Garten, eher ein kleiner Park, der mit dem Roman „Der Traum der Roten Kammer“ in Verbindung gebracht wird.

 

Auf dem Weg fällt mir auf, wie voll die Stadt ist und wie viele Touristengruppen unterwegs sind. Auch die Rikschafahrer sind wieder überall in der inneren Stadt zu sehen.

Ich muss zugeben, ich bin doch erleichtert, dass wirklich geöffnet ist und dass ich auch problemlos hineinkomme: als Ausländerin nur den Health Code Scannen und durch das erste Tor gehen, links halten und am Ticketschalter den Reisepass vorzeigen, bezahlen, fertig.

Dann geht es durch das nächste Tor mit Sicherheits- und Taschenkontrolle. Ich bin fast ein bisschen überrascht, dass es so voll ist – und gleichzeitig froh drüber, weil es so normal ist.

Das Ausleihen eines Audioguides ist etwas komplizierter, Scannen eines QR-Codes, Menü ausschließlich Chinesisch,  aber die Kassiererin ist geduldig und schließlich klappt alles und ich kriege zu jedem Gebäude die wichtigsten Informationen ins Ohr geflüstert.

Auch wenn ich mich gerade noch gefreut habe, dass es so schön normal-voll ist – in den Gebäuden vorne ist es mir zu gedrängt, so dass ich da relativ achtlos dran vorbeigehe.

Einen Blick auf das Modell werfe ich aber noch.

Sightseeing ist anstrengend.

Wie in so vielen Sehenswürdigkeiten sind auch hier viele junge Leute in Kostümen unterwegs.

In lasse den vorderen Teil mit den Hallen hinter mir und komme zum Garten. Hier das Western Style Gate:

Der Garten ist wirklich nett angelegt: künstliche Hügel, gewundene Pfade. Oh, und eine kleine Mauer, die an die Große Mauer erinnern soll.

Anders als bei der Großen Mauer darf man hier aber nicht entlanggehen.

Wenn man ein bisschen wartet, kann man zwischen den Touristengruppen diesen Pavillon auch (fast) ohne Leute aufs Bild bannen.

Aber nur kurz zur Seite gedreht, sieht es so aus: voll.

Ich gehe den Hügel hinunter, ein paar Schritte an diesem Wasserlauf entlang…

… um zum fledermausförmigen Teich weiterzugehen. Die Fledermausform kann man von untern allerdings kaum erkennen.

Ich komme am Gemüsegarten vorbei.

Es blüht natürlich auch überall.

Hier kann man ein wenig die verwinkelte, hügelige Anlage erkennen.

Ich schlage einen Bogen und komme noch mal zum Western Style Gate, wo es sich gerade ein bisschen staut.

Gucke ich mir halt die Blumen genauer an, bis sich der Stau aufgelöst hat.

Für mich sind die Feuerlöscher etc. ja auch immer ein Hingucker.

Ich sehe mich weiter um. Auch im Gartenbereich gibt es Pavillons und Gebäude, die vielleicht kleiner sind als die Hallen im vorderen Bereich, aber grüner. Hier zum Beispiel mit Bambus, hier war ein Frauen-Gemach.

Fand ich sehr idyllisch, hab aber auch einen günstigen Moment zwischen zwei großen Gruppen erwischt.

Auch der nächste Hof wieder hübsch grün, hier mit Blauregen und Pfingstrosen – noch nicht erblüht, das würde ich tatsächlich gerne sehen.

Hier stehe ich unter dem Blauregen und gucke in die andere Richtung.

Ich komme zu einem größeren Gebäude.

Dabei handelt es sich um ein Peking-Opernhaus, was wohl besonders groß und komplett indoor ist (anders als z.B. im Sommerpalast) und auch für seine besonders gute Akustik gelobt wird. Hier wird aber gerade gebaut.

Der Audioguide erzählt etwas vom Bananengarten und drei großen Bananenbäumen. Naja, vielleicht mussten die neu gepflanzt werden, weil der Pekinger Winter eigentlich zu kalt für Bananen ist.

Die Mondtore finde ich immer noch besonders schön.

Eines der hintersten Gebäude – die Fledermaushalle – fällt durch ein anderes Dekor auf – dieser Stil soll aus Hainan kommen. In dieser Halle befindet sich heute ein Teehaus, aber mir ist es zu voll und die Schlange zu lang. Das werde ich ein anderes Mal versuchen.

Was zum Schmunzeln gibt es auch noch: auch hier kommt wieder das allgegenwärtige, universell einsetzbare Klebeband!

Auf diesem Hügel (der auch dazu gedacht war, den Mond zu bewundern) gibt es einen klitzekleinen Tempel mit dem Fu-Zeichen (Glück), dass der berühmten Kalligraphie von Kaiser Kangxi nachempfunden ist. Wenn man hier betet und mit dem Glückszeichen im Rücken die Rampe hinuntergeht, begleitet einen das Glück.

Hier an dem Teich steht auch ein größeres Gebäude, wo man sich mit Fu-Zeichen in allen Variationen und sonstigen Mitbringseln eindecken kann.

So langsam bewege ich mich in Richtung Ausgang. Lohnt sich immer, auch mal nach oben zu gucken, Dachreiter und Deko haben schon was!

Auf dem Vorplatz ist immer noch viel los, und es warten immer noch Gruppen auf Einlass.

Ja, das war also mein erster Eindruck von Prince Gong’s Mansion. Demnächst werde ich mit der Fotogruppe wieder hier hin gehen, mal sehen, was mir dann ins Auge fallen wird.

Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Webseite. Oben rechts auf der Seite kann man Englisch auswählen, die Seite nervt allerdings mit unsinnigen Animationen, lieber den Browser die chinesische Seite übersetzen lassen.

Pekings Botanischer Garten im Frühling

Frühling in Pekings Botanischem Garten – für mich gehört das hier dazu! Und dies Jahr hat auch Corona nicht dazwischengefunkt.

Mit der Fotogruppe war ich gestern dort. Bei der Abfahrt hat es noch geregnet, eine Stunde später bei der Ankunft war es trocken. Und im Laufe des Tages hat sich dann auch die Sonne durchgesetzt.

Vorab hieß es, Ausländer könnten nicht über die Ticket-App buchen, sondern müssten ihren Besuch vorher telefonisch ankündigen, was ich dann auch getan habe, ein bisschen Nervosität blieb trotzdem. Vor Ort war es dann aber völlig problemlos: ganz normal Tickets am Schalter kaufen.

Zu Beginn war es noch etwas trüb, aber den Blick über den See finde ich trotzdem schön.

Nicht weit vom Eingang wird schon gepicknickt.

Grau und trüb? Egal, die Damen haben extra fürs Foto die Sonnenbrillen aufgesetzt.

Über die frisch geschossenen Bilder wird sich auch sofort rege ausgetauscht.

Das korrekte Posing ist wichtig! Und Sonnenbrillen sind heute ein wetterunabhängiges Accessoire. Schirme braucht man allerdings sowieso immer!

Und hier startet eine kleine Prozession, die natürlich geknipst und gefilmt wird.

Okay, wir wollen im Botanischen Garten natürlich nicht nur Leute, sondern auch Blüten gucken. Die Vielfalt der Tulpen ist beeindruckend, sowohl in den Farben als auch den Formen.

Diese Herren gehen in Formation ins Gewächshaus. Dem sind wir aber nicht weiter auf den Grund gegangen.

Dieser reizende ältere Mann hat vorm Pfingstrosengarten performt – Tai Chi-Tanz. Er ist uns später noch an einem anderen Platz begegnet.

Der Pfingstrosengarten ist wirklich hübsch an einem Hügel angelegt. Es ist nicht nur schön anzusehen, sondern es duftet auch intensiv. Oh, und natürlich: Schwerstarbeit für die Bienen.

Bis diese Dame und der fotografierende Gatte mit der Pose zufrieden waren, sind bestimmt 20 Minuten verstrichen.

Weiter ging es hügelaufwärts.

Hier ist deutlich weniger los. Wir genießen den Waldspaziergang am Bach entlang.

Und wieder Pfingstrosen. Weiße, in allen nur denkbaren rosa- und lilatönen, gefüllte und offenere Formen, mehr oder weniger stark duftend.

Die ersten Sorten stehen in voller Blüte. An einem anderen Hain sind die Knospen noch fest geschlossen. Und an manchen Pflanzen gibt es voll erblühte und geschlossene Knospen gleichzeitig.

Die bunte Bimmelbahn fährt lärmend – abwechselnd Musik und Durchsagen – durch den unteren Teil des Parks. Es fahren auch elektrische Shuttle Busse vom Südosteingang zum Wofo-Tempel hinauf, die sind zwar nicht so bunt, aber sie machen auch Lärm.

In der Sonne leuchten die Tulpen noch schöner als vormittags.

Geht das nur mir so, weil ich aus dem Flachland komme? Bergblick entzückt mich immer.

Trotz Tulpen und Windmühle: wir sind immer noch in China, nicht in Holland!

Die Tulpenvielfalt habe ich ja schon angesprochen… „Falsche“ Tulpen in einem Feld gefallen mir aber auch.

So langsam müssen wir uns auf den Rückweg machen und gehen durch den Rosengarten (die Rosen sind noch nicht soweit) zum Ausgang zurück. Auch hier mag ich wieder den Blick in Richtung Berge.

Das war wirklich wieder ein schöner Tagesausflug.

Anders als bei meinem ersten Besuch 2016 sind rund um die Tulpenbeete nun hässliche Metallgitter aufgestellt, vereinzelt schlüpfen Kinder durch und ganz Entschlossene steigen auch da rüber. So sind aber tatsächlich deutlich weniger Leute mitten in den Blumenfeldern.

Die Fahrt ist immer noch weit, es gibt inzwischen allerdings mehr ausgeschilderte Parkplätze, falls man kein Taxi oder die Metro nimmt. Diese hält jetzt direkt am Südosteingang.

Der Dino-Park ist blickdicht eingezäunt, entweder wird er abgerissen, renoviert oder umgestaltet, mal sehen.

Es gibt weniger fliegende Händler, doch nach wie vor gibt es ein paar Buden.  Aber es ist immer noch laut: die Parkbahn und die Shuttles, Lautsprecherdurchsagen. Und es ist immer noch beliebt, selbst laut Musik zu hören, Kopfhörer sind überflüssig.

Was es – vermutlich Corona-bedingt – nicht gibt: Kinder- und Schülergruppen.

Es hat mir wieder so gut gefallen, ich habe immer noch nicht alle Ecken des Parks entdeckt. Ich glaube, ich sollte vielleicht zur Rosenblüte wieder hinfahren.

Pekings Stadtmauer

Pekings Stadtmauer steht in den Reiseführern oft ziemlich weit hinten, anders als es bei den Stadtmauern von z.B. Xi’an oder Datong der Fall ist. Bei „Mauer“ denkt man in Peking natürlich auch an die Große Mauer und nicht an die wenigen Überreste der Stadtmauer. So hat es denn auch bis zu diesem Osterwochenende gedauert, bis ich mir das mal näher angeschaut habe. Dafür war ich dann aber auch gleich zweimal dort. Daran vorbeigefahren bin ich schon oft, der Wachturm an der Ecke, auch Fox Tower genannt, liegt unübersehbar direkt am 2. Ring. Abends ist die Ecke hübsch beleuchtet.

Der Stadtmauerpark – Ming City Wall Relics Park

Der Park ist verglichen mit anderen Pekinger Parks recht klein, dazu verkehrsgünstig gelegen: eigentlich nur ein 1,5 Kilometer langer, sehr breiter Grünstreifen zwischen der vielspurigen Chongwenmen East Street und den Resten der Stadtmauer. Auf der anderen Seite der Mauer schließt sich direkt das Bahngelände an, der Hauptbahnhof ist nicht weit.

Blick vom Foxtower auf den schmalen Stadtmauerpark

Kaum mehr als ein sehr breiter Grünstreifen: der Stadtmauerpark

Aber vom Verkehr hört man überraschend wenig, dazu ist der Park ist hübsch angelegt. Besonders zur Frühlingsblüte ist er ein regelrechter Hotspot, weil hier Magnolien, Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen und Forsythien und einiges mehr gleichzeitig blühen. An vielen Bäumen sind Schilder mit QR-Codes angebracht, wenn man es genauer wissen will (man sollte aber Chinesisch lesen können).

Kleinkind be-greift Magnolienblüten

Früh übt sich!

Am Ostersonnabend mache ich mich nachmittags auf in den Park. An diesem Wochenende ist auch das Qingming-Fest, entsprechend voll ist es. Zunächst zieht es mich in Richtung Turm und ich bin tatsächlich überrascht: man könnte dort hinauf – allerdings bin ich ein paar Minuten zu spät dran, Einlass ist nur bis 16:30 Uhr. Kein Problem, dann hole ich das nach. Angesichts des Traumwetters und der objektiv guten Luft war mir sowieso mehr nach Spaziergang. 

Musiker vor der Mauer im Stadtmauer-Park in Peking

Musik im Park

Die Luft ist süß vom Blütenduft. Überall wird fotografiert. Dazu das typische Parkleben: Sport, Musik, Spiele – ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Immer wieder zieht es den Blick zur Stadtmauer und darüber hinaus, auch hier lassen sich wieder das kaiserliche und das moderne Peking auf ein Bild bannen.

Fox Tower (Wachturm an der Stadtmauer) und der Zhongguo Zun vor blauem Himmel

Kaiserliches und modernes Peking auf einen Blick

 

Für Eisenbahn-Fans

Trainspotting…

Die Plattform oben am Wachturm sowie die Fußgängerbrücke südöstlich des Turm sind gute Standorte fürs Trainspotting. Von der Plattform aus kann man die Züge bei der Ein- und Ausfahrt in den Hauptbahnhof sehen, von der Brücke aus sind weniger Kabel und Masten im Weg und im Hintergrund hat man den CBD als Kulisse.