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Rund um den Shichahai gibt es abends viel zu sehen und entdecken. Dabei geht es am Qianhai etwas ruhiger zu als am Houhai, wo im Barviertel das Leben tobt. 

Kurz zur Lage und Geschichte

Shichahai – das sind die “Drei hinteren Seen”. Der Vordere See (Qianhai) und der Hintere See (Houhai) sind durch die über 500 Jahre alte Yinding-Brücke voneinander getrennt (und die Ufer dadurch verbunden). Nordwestlich schließt sich der dritte See an: der Xihai (Westsee).

Man könnte das “shi” – anders geschrieben und ausgesprochen – auch auf die zehn Tempel beziehen, die rund um die Seen liegen.

Abendstimmung am Qianhai

Hier entstand schon während der Jin-Dynastie im 12. Jahrhundert ein florierendes Viertel. Während der Yuan-Dynastie (1271 – 1368) war hier einer der Endpunkte des Kaiserkanals (auch: Großer Kanal), der Peking mit Hangzhou verbunden hat. Damit wurde Shichahai einer der wichtigsten Handelsbezirke Pekings, über den Kaiserkanal wurde Peking fast 600 Jahre mit Reis (und vielem anderen) versorgt. Als die Wasserstraße an Bedeutung verlor (sich verändernde Flussläufe, Trockenheit in Nordostchina, die Konkurrenz durch die Eisenbahn) blieb die Lage dennoch attraktiv, nicht nur wegen der Nähe zum Palast, den Prinzenresidenzen und Tempeln. Gewässer sind rar in Peking, das macht die Seen hier so besonders. 

Heute ist Shichahai ein beliebtes Touristenziel, aber auch für die Naherholung der Pekinger sind die Seen samt Umgebung wichtig. Hier wird musiziert und getanzt, eine größere Gruppe trifft sich immer abends auf dem Platz in der Nähe des Lotosmarktes am Südüfer des Qianhai. Man sieht Angler, manchmal Schwimmer. Normalerweise kann man sich Boote mieten, jetzt im Corona-Jahr blieben die Boote des Qianhai im Winterquartier. Am Südwestufer des Qianhai wurde gerade erst die Restaurant”meile” renoviert, das sieht (wegen Corona?) noch relativ unfertig aus. Am See gibt es aber auch einige Pekinger Traditionsrestaurants. Mehr los – fast normaler Trubel, aktuell nur ohne ausländische Touristen – ist am Houhai. 

Fotogruppen-Ausflug

Gestern Abend war ich mit der Fotogruppe dort verabredet. Ich bin etwas früher von zuhause losgekommen, und habe noch ein bisschen Dämmerung mitbekommen.

Boot auf dem Qianhai

Wenn ich allein mit Stativ irgendwo in Peking herumstehe, werde ich immer angesprochen. 

Diesmal bekam ich den Tipp, die nächste Dämmerung vom Lotosmarkt aus einzufangen, dann wäre der See einzigartig blau. Das muss ich tatsächlich bald mal ausprobieren!

Aber so gefällt es mir dort auch echt gut.

Erst friedliche Abendstimmung…

Schließlich habe ich fix zusammengepackt und bin zum Treffpunkt der Gruppe hinübergegangen. Inzwischen war es dunkel. Wir sind zuerst noch mal zurück zum Qianhai. An “meinem” Platz hatte sich inzwischen ein Musikant eingefunden.

Musikant am Qianhai

Ein wirklich schöner Spätsommerabend. Nur die Mücken waren etwas nervig. Nachdem etliche Bilder im Kasten waren, sind wir weiter in Richtung Houhai gegangen. 

Die Yinding-Brücke

Yinding-Brücke

Die Yinding- (Silberbarren) Brücke hat ihren Namen nach den alten Silberbarren, die lokales, individuell gefertigtes Zahlungsmittel im kaiserlichen China seit der Qin-Dynastie waren. 

Die Brücke wurde 1984 restauriert und 2011 noch einmal verbreitert und ist sowohl schönes Motiv als auch Aussichtspunkt.

… dann quirliges Nachtleben

Es geht los mit Restaurants und Souvenir-Läden (von denen es in den Seitenstraßen noch viel mehr gibt, und durch die man auch unbedingt durchspazieren sollte).

In den klitzekleinen Bars, die sich dicht an dicht am Seeufer drängen, gibt es leicht überteuertes Bier, überall stehen Livebands auf der Bühne.

Wir bummeln schließlich durch eine der Seitengassen, an der historischen kaiserlichen Post vorbei – ein kleines Museum und Laden, den man auch besichtigen könnte. Aber wir wollen noch weiter ins Café Zarah zur Vernissage von “Time Capsule” von Mica

Ein letztes Bild schieße ich noch.

Im Zarah gibt uns Mica eine Einführung zu seinen Bildern und beantwortet geduldig alle Fragen. Bei leckeren Caipis lassen wir einen wundervollen Sommerabend ausklingen.

Die Regenzeit scheint hinter uns zu liegen (hoffentlich), die Temperaturen sind etwas angenehmer, die Luft dazu ganz okay – nichts wie raus, Zeit für einen Spaziergang am Shichahai.

Zuerst stoppe ich aber  noch an Trommel- und Glockenturm.

Glockenturm

Auf dem Platz zwischen den beiden Türmen tobt das Leben. Chinesische Popsongs untermalen das Ganze, getanzt wurde (noch?) nicht.

Trommelturm

Ein junger Mann bringt Kindern Inlineskaten bei. Sicherheitshalber haben manche Kinder nicht nur die auch in Deutschland übliche Schutzausrüstung, sondern obendrein ein Kissen unter den Po geschnallt.

Ich bin ja immer wieder entzückt und begeistert von der Vielzahl der verschiedenen Fahrzeuge, die hier in Peking fahren. Mit diesen Tuktuks/Elektro-Dreirädern (die es in 1000 verschiedenen Varianten gibt) kann fast jeder bis ins hohe Alter mobil bleiben.

Tuktuk – Warum gibt es die eigentlich nicht in Deutschland?

Von den Türmen aus gehe ich weiter zum Shichahai. Sieht das nicht ruhig und friedlich aus?

Shichahai

Das täuscht allerdings. Es ist hier ganz und gar nicht so ruhig, wie das Bild vom Steg vermuten lässt, denn rings um den See steppt der Bär.

Viel los am Shichahai

Obwohl es noch relativ früh ist, sind die Bars offen, überall spielen Live-Bands.

Live-Musik am Shichahai

Auf beiden Seiten des Sees ist richtig Trubel, aber auch  in den Hutongs links und rechts.

Blick vom See Richtung Glockenturm

Die Maskenpflicht ist outdoor aufgehoben! Peking meldet heute zwei Wochen ohne Corona-Neuinfektionen. Trotzdem trägt deutlich mehr als die Hälfte der Menschen, die mir heute begegnet sind, weiterhin eine. Ich auch.

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Liangma Fluss. Die Bauarbeiten zwischen Maizidian und Xindong Road sind praktisch abgeschlossen. Der Fluss war ein? zwei? Jahre trockengelegt worden, um ein Upgrade verpasst zu kriegen. Holzbohlenwege säumen das Ufer, schnieke Beleuchtung wurde installiert – und auch hier ist richtig was los.

Am Liangma Fluss

Ja, das lässt sich alles gerade gut aushalten. So sehr ich mich immer über den Frühling und das Ende des Winters freue, so schön ist Peking von Mitte August bis Mitte/Ende Oktober. Danach wird’s kalt… Im Hochsommer bremsen mich halt oft übermässige Hitze oder der Regen aus. Von daher kommt jetzt die Zeit zum Genießen, wenn es weiterhin keine Corona-Neuinfektionen gibt, ist das Leben hier dann wirklich beinah normal. :)

Mitte Juni 2015 wurde die Verbotene Stadt (der Kaiserpalast, “Gùgōng“) etwas verbotener und eine Obergrenze von 80.000 Besuchern am Tag festgelegt.  Das sind immer noch ziemlich viele Leute. Dann kam Covid-19 und die Verbotene Stadt und alle anderen Sehenswürdigkeiten wurden ab dem 25. Januar geschlossen. Nach über einem Vierteljahr wurden die Pforten am 1. Mai wieder aufgemacht, wenn auch mit strengen Sicherheitsauflagen: Statt 80.000 Tickets werden nur 5.000 Tickets pro Tag verkauft. Die Tickets muss man hier im Voraus online kaufen, chinesische ID-Card oder Reisepass nötig. Die Passnummer ist dann quasi die Eintrittskarte. Über die Maifeiertage waren die Tickets sofort ausverkauft, ich habe eins für heute ergattert.

Heute Morgen rappelt mein Handy, gleich zwei SMS, in denen ich darauf hingewiesen werde, die ganze Zeit eine Maske zu tragen, mich nicht zu “versammeln” und einen Meter Abstand zu anderen zu halten und jederzeit mit dem Sicherheitspersonal zusammenarbeiten. Das wird in der zweiten SMS noch einmal wiederholt. Und außerdem soll ich von Donghuamen aus am Osttor die Verbotene Stadt betreten (also nicht, wie ich das sonst mache, durch das Tor des Himmlischen Friedens am Tien’anmen, unterm Mao durch). Das passt mir aber gut, denn hier kann ich meinen Scooter sicher abstellen.

Osttor

Es geht aber nicht hier durch das Tor hinein, sondern am Fluss Dongtonzi entlang um die Ecke.

Ein Umtausch in Papiertickets ist nicht nötig, aber man muss mit seinem Pass zum Ticketschalter gehen (als Ausländer zum üblichen Ausländerticketschalter) und dort mit der App “Beijing Health Kit” nachweisen, dass man “clean” ist. Es gibt ja einige solcher Health-Apps, hier wird aber nur die genannte akzeptiert. Danach geht es wie gewohnt weiter zur Sicherheitskontrolle. Wie gewohnt? Nicht ganz. Auf dem Boden sind Abstandsmarkierungen, die ich aber ignorieren kann, da außer mir nur Wächter und Kontrolleure da sind. Verbotene Stadt ohne anstehen – das ist neu.

Privataudienz bei Kaisers

Heute bin ich tatsächlich das erste Mal ganz allein ohne Familie oder Besuch in der Verbotenen Stadt. Ich gönne mir einen Audioguide, der GPS-gesteuert die jeweils passenden Texte abspielt – so steht dem erstrebten Herumstromern nichts mehr im Wege. Es ist still, nur kurz unterbrochen von dem kleinen Mann in meinem Ohr. Wo sonst Tausende in kleinen und großen Gruppen für eine unglaubliche Lärmkulisse sorgen, lassen die leeren Flächen den Kaiserpalast viel größer auf mich wirken.

Nur Mitarbeiter…

Ist das nicht unglaublich?

Natürlich wird überall posiert. In tollen roten Kleidern.

Oder in traditionellen Trachten.

Überall stehen Wächter mit Schildern: Nicht knubbeln! Nicht rotzen!

Jetzt bin ich schon mitten in der Verbotenen Stadt, aber es bleibt leer.

Heute entscheide ich mich für die westliche Seite. Hier waren die Paläste der Konkubinen und der Kaiserin.

Bei dem Brunnen erinnere ich mich an die Geschichte der Konkubine Zhen, die ich auf Ulrikes bambooblog gelesehen haben. Aber hier ist kein Schild und auch der kleine Mann im Ohr hüllt sich in Schweigen. Ob das der Brunnen ist, in dem die Konkubine ertränkt wurde (bzw. eine renovierte neue Version davon)? 

Schließlich mache ich mich noch auf in den Kaiserlichen Garten, mein Lieblingsort innerhalb der verbotenen Stadt. Hier scheinen mehr Menschen als auf den großen Plätzen und Gängen zu sein, aber kein Vergleich zum normalen Gedrängel und Geschiebe hier.

Dann wird es Zeit für mich zu gehen. Ich gebe den Audioguide ab und verlasse die Verbotene Stadt durch das Nordtor. Nun muss ich außen herum wieder zurück zum Osttor gehen. Natürlich darf ein Bild von “der Ecke” nicht fehlen.

 Ich bin jetzt sicher schon 6? 7? Mal in der Verbotenen Stadt gewesen, aber es gibt immer noch so viel zu entdecken – und jetzt ohne die Menschenmassen ist das natürlich noch mal ein ganz besonderes Erlebnis. Der Besuch lohnt sich, obwohl die Museen/Ausstellungen geschlossen sind, man teilweise auch nicht an die Fenster darf, um hineinzugucken (vor allem an den Haupthallen an der Mittelachse, östlich und westlich geht das).

Ein unglaublich schöner Ausflug, den ich bestimmt bald wiederholen werde.

 

Was sind Pekings TOP 10? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt, nach vier Jahren Leben in Peking haben wir es ja schon recht gut kennengelernt – auch wenn wir immer wieder Neues entdecken und die Stadt sich laufend ändert. Da wir viel Besuch bekommen, sind wir immer wieder auch als Reiseführer aktiv. Ich versuche, einen Mix zu zeigen aus kaiserlichem und modernem Peking, ein bisschen Kultur darf nicht fehlen und auch das grüne Peking. Im Laufe der Zeit haben sich dabei fünf  “Ausflugspakete” entwickelt, die an fünf – anstrengenden – Tagen schaffbar sind. Das Programm lässt sich bei weniger Zeit straffen und kürzen oder bei mehr Zeit entzerren. Wer abends noch fit ist: Ausgehen z.B. in Sanlitun oder am Houhai, eine Varieté-Show im Laoshe-Teehaus oder eine Kung Fu-Show… Jedenfalls sind in diesen 5 Tagen Pekings TOP 10 enthalten – und ein bisschen mehr!

1. Die Große Mauer und modernes Peking/CBD

Kontrastprogramm! Der Mauerausflug kann fast den ganzen Tag in Anspruch nehmen, nachmittags/abends geht es dann in Richtung CBD. Besonders “The Place” wirkt im Dunkeln richtig toll. Tipp für das Abendessen: Haidilao HotPot im New China World. Hier helfen Roboter beim Servieren/Aufräumen, bestellt wird über Tablets (Bilder und engl. Übersetzung).

Die Mauer!

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Für mich ist und bleibt das ein, wenn nicht DAS Highlight hier. Weltkulturerbe! Eines der “neuen sieben Weltwunder”! Es ist ja nicht nur die Bedeutung der Mauer an sich, sondern zusätzlich kommt man bei Mauer-Ausflügen auch mal raus aus der Stadt. Nach wie vor fahre ich gerne nach Mutianyu (nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Abschnitt ist). Das ist (bis auf wenige steile Treppenabschnitte) auch für Fußkranke und Menschen mit Höhenangst (bedingt) geeignet, eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Obendrein kann man mit Sessellift oder Seilbahn abkürzen. Und natürlich macht es auch Riesenspass, mit der Sommerrodelbahn zurück ins Tal zu sausen.

Wer fitter ist und auch querfeldein klar kommt, der kann auf eigene Faust von zwischen Jinshanling und Simatai wandern oder von z.B. Jiankou nach Mutianyu – und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten. Wer sich auf eigene Faust nicht traut, könnte sich z.B. den Beijing Hikers anschließen.

Wer weniger Zeit hat, sollte es mit Badaling versuchen, auch wenn es wohl der touristischte Mauerabschnitt ist. Aber man kommt eben auch schneller vom Zentrum aus hin.

Modernes Peking – CBD

CBD

CBD

The Place

The Place

Kontrastprogramm dann abends:

Es geht in den den CBD –  Central Business District. Ausgangspunkt Metrostation Jintaixizhao. Hier gehen mir immer wieder die Augen über, wenn ich den Kopf in den Nacken lege und an den Hochhäusern hinaufschaue.

Natürlich, anderswo gibt es mehr und höhere Skyscraper, aber der neue Zhonguo Zun – Pekings höchstes Gebäude – und das nicht mehr ganz so neue CCTV-Headquarter „Lange Unterhose“ sind (nicht nur hier in Peking) schon besondere Hingucker.

Beides kann man auch gut von der Terrasse des Blue Frog (Guomao) oder Migas Mercado schräg gegenüber sehen – oder solange die Aussichtsplattform des Zhonguo Zun noch nicht eröffnet ist, vermutlich in diesem Frühjahr irgendwann – auf einen Drink in die Atmosphere Bar.

Von hier geht es weiter in Richtung „The Place“ mit dem „größten Fernseher der Welt“ (und später noch auf einen Drink nach Sanlitun).

2. Verbotene Stadt, Tiananmen und Qianmen Street

Das Herz von Peking.

Achtung: Pass mitnehmen! Ohne kommt man nicht durch die Sicherheitskontrollen am Tian’anmen, und man benötigt ihn für den Eintritt in die Verbotene Stadt.

Verbotene Stadt

Zugang zur Verbotenen Stadt

Irgendwas mit Licht und Tunnel – Zugang zur Verbotenen Stadt

Es geht also los mit der Verbotenen Stadt. Entweder man fährt mit der Metro bis zur Haltestelle Tian’anmen East – oder nimmt ein Taxi/Didi und fährt über die eindrucksvolle Chang’an, die große Prachtstraße, hierher. Aussteigen muss man allerdings in einer Seitenstraße: rund um den Platz ist überall absolutes Halteverbot.

Durch die Verbotenen Stadt kann man in 20 Minuten (wie jemand, den ich sehr gut kenne…) durchhetzen, andere könnten sich tagelang hier aufhalten. Ich würde mindestens zwei Stunden ansetzen und das tatsächliche Ende offen lassen. Es geht los am Haupteingang am Tian’anmen, und bei diesem Ausflug geht es hier auch wieder raus. (Alternativprogramm: Nordausgang benutzen und in den Jingshan-Park gehen und sich dort die Verbotene Stadt von oben vom Kohlehügel aus ansehen, und dann vielleicht noch weiter zum Beihai-Park mit der Weißen Pagode. Qianmen dann weglassen oder viel Zeit und Energie haben!)

 Tipp! Zur Einstimmung kurz vorher den Film Der letzte Kaiser schauen.

Tian’anmen

Tian'anmen

Tian’anmen

Bei dieser Tour geht es aber durch den Hauptausgang auf den Tian’anmen, den Platz des Himmlischen Friedens, um den einmal in seiner ganzen Gewalt und Größe wahrzunehmen.

Auf direktem Weg ist das eine Viertelstunde, aber es muss Zeit sein, um Nationalmuseum, die Große Halle des Volkes und das Mao Mausoleum wenigstens von außen zu bewundern. Je nachdem, wie viel Zeit übrig ist, kann man auch wenigstens kurz ins Nationalmuseum reingucken, alleine das Gebäude ist ein Hingucker, von den Ausstellungen mal gar nicht erst zu reden. Wer es kurios mag: Die Ausstellung der Gastgeschenke von Staatsbesuchen hat mich sowohl schmunzeln als auch Augenbrauen hochziehen lassen. Ganz neue Einblicke tun sich auf!

Qianmen

Im Süden des Platzes kommt man dann an Torhaus und Wachturm des Qianmen-Stadttores vorbei, hier geht es dann in die Fußgängerzone Qianmen Street. Hier kann man sich eine Weile treiben lassen, dabei unbedingt auch in die Nebenstraßen gehen. Hungrig inzwischen? Dann wäre es Zeit für Pekingente im Quanjude-Stammhaus (quasi das Pekinger Hofbräuhaus…). Allerdings ist nachmittags geschlossen – dann gibt es aber Ausweichmöglichkeiten an den zahlreichen Imbissen und Restaurants auch in den Seitengassen. Je nachdem, wie viel Zeit man in der Verbotenen Stadt verbracht hat, ist noch Zeit für weiteres: in zehn Gehminuten ist man am NCPA, dem National Centre for the Performing Arts – tagsüber ist “das Ei” schon ein Hingucker, im Dunkeln beleuchtet noch mehr. 

NCPA bei Nacht

NCPA bei Nacht

 

 

3. Chinesische Küche, Lama- und Konfuziustempel, Hutongs

Kochkurs im The Hutong

Kulinarische China-Karte im "The Hutong"

Kulinarische China-Karte im “The Hutong”

Vormittags geht es los mit einem Kochkurs im “The Hutong” mitten im  Shique-Hutong. Hier kann man die Atmosphäre des alten Pekings in der Courtyard-Küche schnuppern. 

Man bekommt eine Einführung in die chinesische Küche, die sich in Wahrheit in viele Unterküchen unterteilt. Man erfährt, welches Essen in welchen Regionen typisch ist und welche Gewürze und Zutaten wichtig sind: in Peking und im Norden sind z.B. Nudeln verbreitet, scharf wird es in Sichuan…

Schließlich bereitet man drei leckere chinesische Gerichte zu und bekommt dabei auch eine Einführung in “knife skills” mit dem großen chinesische Messer und andere chinesische Kochtechniken. Die Entscheidung, für welchem Tag man sich anmeldet, fällt schwer, so abwechsungsreich ist das Programm. 

Zum Abschluss geht es ans Genießen – authentisch chinesisch und selbst gekocht!

Konfuziustempel und Kaiserliche Akademie

Konfuziustempel

Konfuziustempel

Nach dem Essen sind es nur 15 Gehminuten zum Konfuziustempel und der Kaiserlichen Akademie. Hier ist es eigentlich viel ruhiger und beschaulicher als beim Lamatempel. Allerdings wird die Ruhe gelegentlich durch große chinesische Reisegruppen und vor allem deren Guides, die mit Megaphon-Unterstützung alles Wissenswerte herausbrüllen erzählen – und ihre Schäfchen zusammentreiben. Ist die Gruppe vorbeigezogen, kann man sich wieder in Ruhe den Hallen widmen, der auch ohne Chinesischkenntnisse verständlichen Ausstellung über Konfuzius’ Leben und Werk. Oder man setzt sich unter einen der Bäume und genießt die Atmosphäre.

Lamatempel

Lamatempel

Lamatempel

Wenn man sich schließlich vom Konfuziustempel trennen kann, sind es nur 5 Minuten zum Lamatempel. Hier gibt es zwar keine Lautsprecher-geführten Reisegruppen, aber unterm Strich deutlich mehr Besucher. Das Tollste hier ist der riesige Buddha in der letzten Halle. Oder ist es die besondere Atmosphäre dieser Anlage mit ihrer abwechslungsreichen Geschichte?  Hier mischen sich Touristen und Gläubige, über allem liegt der Duft der Räucherstäbchen.

Je nachdem, wie viel Zeit man sich für die Besichtigungen nimmt, ist dann noch Zeit für einen Spaziergang durch den Wudaoying-Hutong oder für einen Besuch des Ditan-Parks, der vom Lamatempel aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite des 2. Rings liegt. 

4. Himmelstempel und Pearlmarket

Dieser Ausflug bietet Weltkulturerbe und Shopping!  Souvenirs und Mitbringsel aller Art finden sich im Pearlmarkt. Handeln ist ein Muss!

Himmelstempel

HimmelstempelAber es geht los mit dem Himmelstempel Und zwar am besten gleich morgens, damit man viel vom Pekinger Parkleben mitbekommen kann: tanzende Ayis, Tai Chi, es wird gesungen und gespielt. Dazu lohnt es sich, auch abseits der Hauptwege durch den Park zu streifen. In das ikonische runde Gebäude darf man nur hineingucken, nicht hineingehen. Aber vielleicht wird man sowieso abgelenkt und schaut lieber den Hochzeitsfotografen und den künftigen Bräuten in ihren wunderschönen roten Kleidern zu.

Empfehlung fürs Mittagessen: das Brown Door (Quan Xing Ju) gegenüber der Schmalseite des Pearlmarktes bietet leckere Pekinger und Chinesische Küche, hat eine bebilderte englische Speisekarte und obwohl hier viele Westler essen, ist es doch “richtig chinesisch” hier.

Pearlmarket

Danach geht es dann auf ins Shoppinggetümmel: im hinteren neuen Gebäude finden sich einige “knock-knock”-Läden. Einfach den anderen Ausländern folgen… Im vorderen Gebäude findet man auch alles in unterschiedlichen Qualitäten… Geheimtipp: Auf jeden Fall im vorderen Gebäude in den 5. Stock fahren, an der Toilette vorbei auf die Dachterrasse gehen. Von hier hat man sowohl Aussicht auf den CBD als auch auf Himmelstempel und – park, bei besonders guter Luft bis in Richtung Verbotener Stadt. Manche sind nach fünf Minuten durch mit dem Pearlmarkt, andere könnten Tage hier verbringen…

Tipp für das Abendprogramm: Legends of Kungfu im Red Theatre, das ca. 20 Fußminuten vom Pearlmarkt entfernt ist.

Hier habe ich u.a. schon von diesem “Ausflugspaket” berichtet.

5. 798 Art District und Sommerpalast

Diese Ausflugsziele liegen im Gegensatz zu den vorigen Vorschlägen wieder weiter auseinander. Der Sommerpalast ist einer meiner Lieblingsorte hier in Peking, ich kann da auch ganze Tage verbringen.

798 Art District

798 Art DistrictZuerst geht es also in den 798 Art District/auch: Dashanzi. Selbst wenn man eigentlich Kunstbanause ist, wird man sich dem Flair des Viertels nicht entziehen können. Es gibt kleine und größere Galerien und Werkstätten, Ramsch- und Designerläden, Imbisse und Restaurants.

Unbedingt auch auf die Gebäude mit ihrer Sägezahnoptik achten: die wurden im Bauhaus-Stil errichtet und ehemals militärisch genutzt. Für maximale Lichtausnutzung in den großen Räumen und damit es im Innern möglichst keine Schatten gibt, sind alle Fenster in den von der DDR für China gebauten Hallen nach Norden ausgerichtet.

Aktuelle Informationen finden sich auf der Webseite des Art Districts.

Sommerpalast

Sommerpalast

Und noch einmal Weltkulturerbe: Der Sommerpalast, schön am Kunming-See gelegen, am Fuß der Berge. Im Sommer bin ich gerne auf dem Wasser, das geht hier gut: entweder ein kleines Boot ausleihen oder mit der „Drachenfähre“ zur Insel übersetzen. Im Winter kann man hier auch aufs Eis.

Es ist nicht nur das alte Gemäuer, was mich hier anzieht, sondern die komplette Umgebung. Auch wenn es hier viele Touristen gibt, es verläuft sich auf dem großen Gelände und man findet doch immer wieder ruhigere Ecken. Highlights: der Wandelgang, die 17-Bogen-Brücke, die Halle mit Aussicht oben auf dem Hügel, Bootfahren auf dem See, das Marmorboot und die Suzhou Street – ach, eigentlich alles dort!

Sommerpalast: Marmorboot

Marmorboot im Sommerpalast

Abschließendes

Pekings TOP 10Mit diesen Ausflugsvorschlägen sieht man meiner Meinung nach das Wichtigste in Peking. Im Internet und in Reiseführern finden sich viele weitere TOP-Listen für Peking. In der Reihenfolge oder in einzelnen Punkten mögen sich die Ranglisten der Reiseführer unterscheiden, aber im Grunde ist man sich über die Highlights einig: Mauer, Tian’anmen, Verbotene Stadt, Hutongs, Himmelstempel, Sommerpalast, CBD, 798 Art District… Der eine mag sagen: da fehlt was (z.B. Duftberge, Sanlitun oder Vogelnest und Wasserwürfel/Olympiagelände), andere könnten vielleicht auf den 798 Art District verzichten. Aber egal, was man sich davon raussucht: man lernt viele wichtige Facetten Pekings kennen.

Meinen Besuchern empfehle ich jedenfalls immer, schon vorher in Reiseführern zu stöbern (und natürlich auch in meinem Blog!) – den einen oder anderen hat dann durchaus auch schon ein Ziel jenseits der TOP 10 gelockt, z.B. die Glasbodenplattform in Shilinxia

Neben den in Deutschland guten und gängigen Reiseführern (Lonely Planet, Baedeker, Dumont…) kann ich den – englischsprachigen – Rough Guide To Beijing empfehlen.  Die helfen nicht nur bei der Auswahl, was man selbst denn wirklich gerne sehen möchte, sondern liefern auch Hintergründe, Zahlen, Daten, Fakten, die hier fehlen. Aber Achtung: in China dreht sich die Welt noch schneller als andernorts, was letztes Jahr noch galt, ist heute schon Geschichte. Hintergrundinformationen zu historischen Stätten sind natürlich zeitlos.

Wie lange braucht man für Peking?

Ich lebe jetzt vier Jahre hier und bin “noch nicht fertig”… ;)
Zwei Tage finde ich wirklich knapp, aber im Rahmen einer Rundreise ist das halt meist so. Fünf Tage wären besser und immer noch sehr ausgefüllt – man kann schon viel Zeit hier verbringen, ohne sich zu langweilen und immer wieder Neues zu entdecken.

Meine persönlichen Sightseeing-Lieblingsziele

Ganz oben steht natürlich die Mauer – geht nicht so oft, wie ich gern möchte, ist eben etwas außerhalb.

Beim x. Besuch des Lamatempels habe ich mich auch schon mal gedrückt, obwohl der wirklich schön ist und bei einem Pekingbesuch nicht fehlen sollte.

Zum Sommerpalast komme ich immer mit, auch wenn es dahin etwas weiter ist.

Leichter in den Alltag einbauen lässt sich da ein anderer meiner Lieblingsorte: der Beihai-Park – ein Boot mieten und eine Auszeit mit tollem Blick mitten in der Stadt genießen.

Ich mag auch den CBD und Sanlitun; ich mag die Duftberge, im Frühling liebe ich den Botanischen Garten, ich lasse mich gerne durch Hutongs treiben – eigentlich gibt es immer etwas. Auch eigentlich “untouristische” Ziele wie Sanyuanli- oder andere Lebensmittelmärkte oder Stoffmarkt haben manchmal ihren Reiz.

Letztendlich liegt es aber auch oft an Stimmung, Wetter, Luft und Begleitung, wo es gerade am Tollsten ist.

Kennst Du Peking schon? Was ist Dein Lieblingsort? Du möchtest erst noch nach Peking reisen? Was reizt Dich am meisten?

 

 

 

Mitten in Peking liegen zwei wunderschöne Parks mit großartigen Aussichten: der Beihai-Park und der Jingshan-Park – beide gleich gegenüber bzw. schräg gegenüber auf der Nordseite der Verbotenen Stadt. Mein ältester Sohn ist gerade zu Besuch, und zusammen nutzen wir das schöne Winterwetter, um uns beide Parks anzusehen. Zuerst wollen auf den Kohlehügel im Jingshan-Park steigen und die Aussicht auf die Verbotenen Stadt genießen, anschließend wollen wir in den Beihai-Park gehen.

Jingshan-Park und Kohlehügel

Wir betreten den Park durch den Osteingang und gehen zielstrebig Richtung Kohlehügel. Stellenweise liegen noch Schneereste, die sind von dem in Peking seltenen Schneefall vor zwei Wochen noch übrig geblieben. Es zieht uns direkt ganz nach oben zum Wanchun Pavillon. Hier hat man einen tollen Überblick über die Verbotene Stadt.

Forbidden City

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Aber auch in alle übrigen Himmelsrichtungen hat man eine großartige Sicht. Nach Westen zum Central Business District:

CBD

Blick auf Pekings CBD vom Kohlehügel aus

Nach Norden blickt man entlang der Nord-Süd-Achse Pekings, sieht den Trommelturm (der den dahinterliegenden Glockenturm verdeckt) und weiter im Norden das Olympiagelände. Auch eine Ecke vom Vogelnest kann man sehen.

Trommelturm, Olympia-Gelände

Blick nach Norden vom Kohlehügel: Trommelturm und Olympiagelände

Schaut man nach Westen, sieht man in der Nähe die Weiße Pagode im Beihai-Park und in der Ferne die Westberge.

White Dagoba

Blick nach Westen vom Kohlehügel aus: Weiße Pagode und Westberge im Dunst

Nachdem wir uns – vorläufig – sattgesehen haben, laufen wir erst eine Treppe runter und landen am Haupteingang des Jingshan-Parks, gehen dann weiter zum Westausgang. Hier fallen zahlreiche Kakibäume ins Auge, an denen noch viele Früchte hängen.

Beihai-Park, Jadeblumeninsel, White Dagoba und Yong’an-Tempel

Den Beihai-Park betreten wir durch den Osteingang. Hier befindet sich auch direkt eine der Brücken auf die Jadeblumeninsel, auf der ganz oben auf dem Hügel die Weiße Pagode steht. 

Auch wenn man am Horiziont schon wieder Smog heranrollen sieht, beim Blick nach oben ist der Himmelt leuchtend blau – da sieht die Pagode nochmal so schön aus.

White Dagoba

Weiße Pagode, blauer Himmel

In die Pagode kann man nicht hinein, aber man kann sie umrunden und hat auch hier wieder tolle Blicke in alle vier Himmelsrichtungen.

Im Beihai-Park

Blick von der Jadeblumeninsel: Wanchun Pavillon im Jingshan Park, dahinter das höchste Gebäude Pekings, der Zhongguo Zun

Schließlich steigen wir eine steile Treppe hinunter zum Yong’an-Tempel, in dem sich ein paar Buddhas vergnügen…

Detail im Yong'an-Tempel

Buddha-Darstellung im Yong’an-Tempel

Mit einem Blick zurück auf die Jadeblumeninsel verlassen wir schließlich den Park.

Blick auf die Jadeblumeninsel

Blick auf die Jadeblumeninsel und die Weiße Pagode

Fotos

 

Wie jedes Jahr sind die Jungs in der Woche vor der Golden Week auf Klassenreise, wie jedes Jahr ist das auch für mich die Gelegenheit in China zu reisen. Die Wahl fiel diesmal auf Luoyang in der Provinz Henan. Für chinesische Verhältnisse mit nur 1,6 Millionen Einwohnern im eigentlichen Stadtgebiet fast ein Dorf (im kompletten Verwaltungsgebiet Luoyangs sind es 6,5 Millionen).

Drei Tagesflüge hatte ich auf dem Zettel: Longmen-Grotten, Shaolin-Kloster und die Festung Huangcheng-Xiangfu. Für An- und Abreisetag hatte ich den Tempel des Weißen Pferdes, den Guanlin-Tempel und die Altstadt auf dem Zettel. Spoiler: krankheitsbedingt sind die Tempel ausgefallen, ich war mal wieder mit unschöner Erkältung unterwegs und hab es deutlich langsamer angehen lassen als sonst.

Angenehme Zugreise

Montagmorgen verabschiede ich erst den einen, danach den anderen Sohn, anschließend tuckere ich selbst zum Westbahnhof. Pekings Straßen sind relativ frei, so dass das ganz entspannt ist (ich muss an meine erste Shanghai-Reise denken, wo ein schlimmer Unfall auf der Jingmi Lu für einen solchen Megastau gesorgt hat, dass ich meinen Zug nur dank pfiffigem-mutig/leichtsinnigem Taxifahrer knapp erwischt hab). Der Westbahnhof ist etwas kleiner als Süd- und Hauptbahnhof. Anders als dort gibt es hier keinen großen Wartebereich in der Mitte, sondern vom langen, breiten Gang gehen Wartebereiche für die jeweiligen Gleise ab. Insgesamt wirkt der Bahnhof etwas altmodischer, aber auch ruhiger auf mich – obwohl es recht voll ist.

Gut 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges (der über Xi’an nach Chongqing weiterfahren wird) ballt es sich etwas vor der Ticketkontrolle, aber dann geht es doch zügig weiter und runter auf den Bahnsteig. Wagen 1-8 nach links, 9-16 nach rechts. Auf dem Boden sind Markierungen mit den Wagennummern an denen sich ordentliche (!) Schlangen bilden. Der Zug fährt ein und ratzfatz sitze ich auf meinem Fensterplatz. Mit bis zu 300 Stundenkilometern geht es über Baoding, Shijiazhuang, Xingtai, Zhengzhou nach Luoyang-Longmen. Pünktlich. Überall.

Provinzbahnhof in China

Zwischenhalt

Ca. 800 Kilometer in 4 Stunden (es gibt auch einen Zug mit weniger Zwischenhalten, der nur 3 Stunden braucht, war aber ausverkauft). Ich hab auch durchgängig super Handyempfang, nur in Tunneln ist es mal kurz ruckelig (habe mich aber auch nicht ins Zug-WLAN eingeloggt).

Ankunft in Luoyang

Wie so viele Städte war auch Luoyang mal Hauptstadt, bis es von Chang’an (dem heutigen Xi’an) abgelöst wurde. Im Norden der Stadt fließt der Gelbe Fluss, durch die Stadt der Luohe und der Yihe. Es ist völlig eben, erst am Stadtrand beginnen die Berge. Rund um den Bahnhof ist viel gesperrt, eine Mischung aus Bauarbeiten und Sicherheitsvorkehrungen. Schließlich finde ich ein Taxi, fahre zum Hotel und lege meine Erkältung erstmal ins Bett. Am späten Nachmittag hält mich dann aber nichts mehr, ich bitte noch schnell die Mitarbeiterin am Empfang, einen Fahrer für den nächsten Tag für mich zu finden und mache mich auf in die Altstadt.

Luoyangs Altstadt

Durch das sehr hübsch wieder aufgebaute Lijing Gate gehe ich in die Altstadt. 

Luoyang - Lijing Gate

Eine Gasse mit unzähligen Läden, Restaurants und Verkaufsständen, von der kleinere, schmuddelige unrenovierte Gassen abgehen. Es ist wuselig und voller Leben. Es gibt Kitsch und Kunsthandwerk, Snacks und Süßigkeiten. Viele Ateliers, viele Werkstätten (vor allem solche, die Bilder und Kalligraphien individuell rahmen). Hier wird gewohnt, gelebt und gearbeitet.

Der Nachtmarkt

Dann komme ich an eine Kreuzung. In die eine Richtung sieht es so aus:

Hier findet abends der Nachtmarkt statt In den anderen drei Richtungen stehen lauter rote Buden auf Rädern.

Es ist ein wildes Durcheinander. Geschnatter und Gekicher. Plötzlich eine Lautsprecherdurchsage und ein schriller Pfiff und dann rennen und fahren die Leute mit ihren Buden los: jetzt wird der Nachtmarkt aufgebaut. Als ich später zurück komme, sieht es so aus:

Nachtmarkt

Noch später ist es dann noch voller und wuseliger. Und trotz meiner Schnupfnase hauen mich die vielen verschiedenen Gerüche beinah um. An einem Straßenstand esse ich ein paar Jiaozi, danach reicht es mir (bzw. der Erkältung) auch – und am nächsten Tag will ich halbwegs fit für die Burg sein.

Fotos

Mehr aus Luoyang wird in den nächsten Tagen erscheinen:

Ich wurde zu einer Landpartie gezwungen und bin dabei gestern zum ersten Mal in China selbst Auto gefahren. Der Gatte musste zu einem Geschäftstermin in den Norden Miyuns, nur leider konnte oder wollte keiner der übrigen am Termin Beteiligten fahren. Tja, wozu habe ich vor zwei Jahren den Führerschein gemacht

Trotz Erkältung quäle ich mich also morgens früh aus dem Bett und sitze um 7:30 Uhr zum ersten Mal in meiner China-Zeit hier selbst am Steuer. Noch ist es früh, wir fahren außerdem stadtauswärts: alles kein Problem! Dann kommt die erste Herausforderung: Mautstelle auf dem Highway.  Naja, in Wahrheit auch nicht anders als in Norwegen, also auch kein Problem. Die Autobahn ist frei, ich geb Gas. Nein, halt, hier ist maximal 120, und das auch nur auf der linken Spur (auf den beiden rechten gilt 100).

Bilderbuch-Herbst

Ich muss mich zum Glück nicht um die Navigation kümmern (Leute, die mich näher kennen: sagt jetzt bitte nichts!) und werde zuverlässig immer weiter Richtung Norden dirigiert. Irgendwann lassen wir Nanshan rechts liegen, bald darauf geht es erst durch einen kleinen Ort (ca. 700.000 Einwohner ;) ), dann auf die Landstraße, die schon bald schmaler wird. Die Berge rücken näher, es geht bergauf und da ist es auch schon: das erste blaue Schild: “Bitte Hupe benutzen.” Davon mache ich doch gerne Gebrauch! Inzwischen hat sich der morgendliche Dunst verzogen, ab und zu kommt die Sonne raus und bringt die Landschaft zum leuchten. Am liebsten würde ich nach jeder Kurve anhalten und erstmal Bilder schießen, aber wir sind ja nicht zum Vergnügen unterwegs und müssen zu dem Termin. Trotzdem, das rot- und gelbleuchtende Laub an den Berghängen ist atemberaubend! Es geht vorbei an Flüssen und Seen, und spätestens nach dem dritten Serpentinenabschnitt denke ich: Hier möchte ich Motorrad fahren! (Der Gedanke hat sich jetzt im Hinterkopf festgesetzt.)

Lost Places

Die Straße wird schmaler, ich werde auf eine noch schmalere Straße gelotst, es geht noch ein paar Mal bergauf/bergab – und dann sind wir in dem kleinen Dorf.

Dorfstraße

Ein Huhn wackelt vor mir über die Straße. Wir sind so gut durchgekommen (ich schwöre, ich bin nicht gerast!), dass noch etwas Zeit ist und gehen an einem künstlich angelegten kleinen See spazieren. Der sieht auf den ersten Blick total romantisch aus.

See in Miyuns Bergen

See in Miyuns Bergen

Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Idylle trügt. Tote Fische am Seeufer.

tote Fische und Müll am Seeufer

Müll und tote Fische am Seeufer

Dazu die vielen leerstehenden Anwesen: vom Touristenressort bis zum kleinen Bauernhof: trostlos – aber großartig für Lost Place-Fotografie.

Verlassener Hof

Verlassener Hof

Leider habe ich gar nicht die Zeit, um zu entscheiden, ob ich über einen Zaun klettern möchte, denn ich muss die Männer jetzt doch zu ihrem Termin fahren. Auf dem Rückweg zum Auto begegnen uns ein paar Schafe (oder Ziegen? Mir wird klar, warum im Chinesischen 羊 yáng für beides steht), die uns ebenso neugierig angucken wie wir sie.

Viecher auf der Straße

羊 yáng

Geschäftemachen auf Chinesisch

Bisher habe ich von chinesischen Geschäftsterminen nur gehört oder gelesen. Nun war ich live dabei. Um keine Geheimnisse auszuplaudern nur so viel: die Realität ist schlimmer! In den Städten mag es inzwischen anders zugehen, aber im ländlichen China treffen die Schilderungen zu was Esskultur, Baijiu-Konsum und Anzüglichkeiten angeht (und das mir als einziger Frau unter zehn Männern…).

Irgendwann ist es überstanden, alle sind sich einig, dass das ein erfolgreicher Termin war. Ich bin jedenfalls froh, als ich endlich die Baijiu-geschädigten Kerle ins Auto zurück verfrachtet habe. Damit sie auch richtig was von haben, nehme ich die Serpentinen schön schwungvoll… ;)

Je näher wir Peking kommen, umso dichter wird der Verkehr bis wir richtig im Stau feststecken. Auch mein Schleichweg ist verstopft, inzwischen ist es dunkel, jetzt strengt das Fahren schon etwas an. Als ich endlich alle abgeliefert habe und selbst zuhause bin, bin ich ziemlich platt, aber eins weiß ich: ab sofort werde ich mir öfter ein Auto mieten – das soll nicht die letzte Landpartie gewesen sein!

Für den Ausflug zum Shaolin-Kloster (bei Dengfeng am Berg Songshan) habe ich mir wieder über das Hotel einen Fahrer vermitteln lassen. Die Fahrt geht durch das überschaubar große Luoyang. Vorbei an vielen, typischen braunen Schildern, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen: Museen, Tempel, noch mehr Tempel…

Dann lassen wir die Stadt hinter uns, es geht durch schier endlose Maisfelder. Die Gegend ist flach, noch sind wir im breiten Tal des Gelben Flusses. Irgendwann ersetzen Pflaumenbäume die Maisfelder und endlich tauchen aus dem Dunst am Horizont die ersten Berge auf. Wir biegen auf eine schmalere Landstraße ein, kommen noch durch einen leicht verlassen wirkenden Ort. Dann windet sich die Straße den Berg hinauf. Auf einem der Berge ist ein Tempel zu sehen, und meine Aufregung wächst.

Ich hab eigentlich keinen großen Bezug zu den Shaolin oder Kungfu. Vor einer Ewigkeit habe ich mal ein bisschen ins Taekwondo hineingeschnuppert, das ist noch das, was dem Kungfu am nächsten kommt (ich höre den Aufschrei der Kenner! ;) ). Ich habe mitbekommen, wie Bekannte zu Kungfu-Workshops gefahren sind, und ich habe die großartige Kungfu-Show im Pekinger Red Theatre besucht. Und natürlich habe ich mit den Jungs Kungfu-Panda gesehen. Trotz dieser geballten Masse an „Nicht-Wissen“ erwarte ich etwas Besonderes, vielleicht ein wenig Mystisches.

Erster Eindruck: groß, größer, China!

Dann wird die Straße breiter, Parkplätze sind ausgeschildert, der Fahrer lässt mich raus und sagt, ich soll mich über WeChat melden, wenn ich zurückfahren möchte, dann holt er mich an der gleichen Stelle wieder ab.

Statue vor dem Shaolin-Kloster

Der Eingangsbereich ist nicht so gigantisch wie z.B. bei der Terrakotta-Armee, aber dennoch China-typisch überdimensioniert. Klar, es muss ja auch dem großen Ansturm während der Golden Week standhalten. Eine große, hässliche Statue eines Shaolin überragt den Eingangsbereich – dies hätte mich eigentlich vorwarnen sollen (seltsam, auf dem Foto sieht das nun gar nicht mehr so scheußlich aus, wie ich es vor Ort empfunden habe!).

In welchem der vielen Gebäude verbirgt sich nun das Ticket-Center?

Shaolin-Kloster

Eingangsbereich Shaolinkloster

Schließlich finde ich es und gehe dann durch den Sicherheitscheck und ein großes Tor. Vor mir liegt eine breite Promenade, wohin nun? Ich gehe ein Stück, werde von einem fiesen Hustenanfall durchgeschüttelt und beschließe, einen der Elektrobusse zu nehmen, um einen ersten Eindruck zu bekommen und mich dabei etwas zu erholen.

Aber dann fährt der Bus am Shaolin-Tempel vorbei, und mich hält es dann doch nicht mehr. Ich steige aus und laufe zurück. Vor dem Tempel ist ein großer Platz, aus einer Lautsprecheranlage dröhnt Musik, dazu singt eine Gruppe von etwa 100 fähnchenschwingenden Menschen die chinesische Nationalhymne. Und nochmal. Nochmal! Und nochmal. So richtig begeistert wirken sie alle nicht. Ja, es ist halt kurz vor dem Nationalfeiertag!

Das alte Tempelgebäude

Ein paar Stufen hoch, noch eine Ticketkontrolle, dann betrete ich das Tempelgelände. Im ersten Gebäude sind nicht die üblichen vier Himmelskönige zu sehen, sondern vier Shaolinmönche in verschiedenen Posen.

Kein Himmelskönig…

… sondern Shaolinmönch!

Ansonsten bleibt mir vor allem eines im Gedächtnis: Es ist voll.

Die Gebäude sehen zu einem großen Teil neu aus. Neu, nicht nur frisch renoviert. Nahe der alten Hauptstadt Luoyang gelegen, war das Kloster in Wahrheit nicht der mystifizierte friedliche Ort, sondern oft umkämpft. Die große Halle ist 1928 abgebrannt. Ein Großteil der Gebäude wurde 2004 wieder/neu errichtet.

voll hier!

Ich lasse mich mit dem Strom weiter bergauf treiben, halte mich dann rechts und da ist dann endlich doch ein altes Gebäude. Abblätternde Farbe, gammelndes Holz, schief hängende Fenster. Gefällt mir besser als die „hübschen“, adretten anderen Gebäude.

schöner, oder?

Ja, und sonst? Es ist halt ein Tempel wie viele andere, nett in den Bergen gelegen. Über die Geschichte erfährt man praktisch nichts, obwohl in der ganzen Shaolin Scenic Area viele, viele Schilder verteilt sind. Einige wenige Mönche achten darauf, dass in den Hallen nicht fotografiert wird oder geben Räucherstäbchen aus. Ich beobachte zwei Frauen, vermutlich Mutter und Tocher, die auf mich wirken, als wären sie beim Speeddating mit den vielen Buddhas. Routiniert brennen sie ihre Räucherstäbchen ab, verbeugen sich in alle vier Himmelsrichtungen und hetzen weiter zum nächsten Buddha.

Und plötzlich Ruhe…

Ich hingegen lasse mir Zeit, und tatsächlich verschwinden die Touristengruppen. Auf einmal bin ich fast alleine und dann wirkt der Tempel plötzlich ganz anders. Für einen Moment rückt die Vergangenheit näher, wird spürbarer – bis mich ein lärmender Guide mit Megaphon in die Gegenwart zurückholt. Langsam gehe ich weiter, achte jetzt auf Details, die mir beim Hinweg entgangen sind.

Viele bemerkenswerte Details

Talin – Der Pagodenwald

Wieder auf der breiten Promenade gehe ich weiter zum „Talin“, dem Pagodenwald. Bis zu 1500 Jahre alte Pagoden, der größte Pagodenwald in ganz China. Und er überrascht mich, denn hier finde ich am ehesten das, was ich vom eigentlichen Tempel erwartet hätte. Der Pagodenwald ist ein Friedhof, die Pagoden beherbergen die Überreste verstorbener Mönche beziehungsweise sollen an diese erinnern. Die Atmosphäre erinnert dementsprechend auch an einen westlichen Friedhof. Obwohl immer wieder Touristengruppen einen Blick auf die Pagoden werfen, ein Bild knipsen und weiterziehen, ist es hier doch deutlich ruhiger, friedlicher.

Pagodenwald (Talin) im Shaolinkloster

Kungfu Show oder: Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen, bitte.

Die blöde Erkältung bremst mich wirklich aus, ich brauche schon wieder eine Pause. Ich stoppe an einer Imbissbude und esse ein paar Nudeln. Dann wird es Zeit: die Kungfu-Show wartet. Ich bin so gespannt – die Show in Peking hat mir schon so gut gefallen, dann wird das hier bei den Shaolin bestimmt großartig werden!

Erneute Ticketkontrolle, Schlange stehen. Der Theaterbau ist, hmm, nennen wir es mal funktional. Hat man so nicht in den 80ern in Hamburg gebaut? Die Ränge füllen sich bis auf den letzten Platz, dann betritt ein Showmaster die Bühne. Auf den Bildschirmen links und rechts gibt es leider keine Englische Übersetzung, wie ich das von Shows aus Peking kenne. Zwei Teenager im orangefarbenen Mönchsgewand betreten die Bühne, tragen einen Tisch nach vorne, ein älterer Mann erscheint – und pinselt ein paar Schriftzeichen, während der Showmaster immer weiterredet. Der Künstler ist fertig, die Jungs nehmen das Papier und zeigen es dem Auditorium, das begeistert klatscht. Die Kalligraphie wird zusammengerollt und verpackt und verkauft.

Ich glaube, mir sind die Gesichtszüge entgleist – das hatte etwas von Butterfahrt. Vielleicht bin ich aber auch nur eine ungebildete, uninformierte Kunstbanausin? Das geht so zwanzig Minuten weiter, ich bekomme davon nicht mehr so viel mit, weil mich wieder ein fieser Husten schüttelt und mein Kreislauf anfängt rumzuzicken. Zum Glück ist es so laut, dass mein Bellen im Lärm der Menge untergeht. Endlich verbeugt sich der Kalligraph, die Teenager im Mönchskostüm tragen den Tisch von der Bühne, und es beginnt der nächste Teil.

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Shaolin-Show

Eine Gruppe von Kindern (!) und Jugendlichen (wie oft die wohl auftreten müssen?) betritt die Bühne und zeigt ein wenig Formations-Kungfu. Ja, es sieht leichter aus, als es ist. Wirkt auf mich trotzdem wie eine Gymnastikstunde. Dass es wirklich nicht so einfach ist, wird dann noch eindrücklich demonstriert: Drei Freiwillige aus dem Publikum sollen nachmachen, was ihnen vorgemacht wird – und scheitern bemerkenswert. Okay, ist halt kein Jet Li Film, sondern echte Körperbeherrschung, die nicht durch filmische Möglichkeiten dramatisiert wird. Es folgen drei, vier weitere Nummern, keine davon so ein cooler, dramatischer Showkampf, auf den ich insgeheim gehofft hatte.

Zwischendrin will der Showmaster nochmal etwas verkaufen: DVDs. Auch die gehen weg wie warme Semmeln, äh, frische Jiaozi. Der Showmaster verbeugt sich, und zack, das war’s. Definitiv nicht das, was ich erwartet habe.

Kommerz

Das Publikum wird auf einer Seite der Halle herausgeschleust – und findet sich in einem Shop wieder. Es gibt keinen direkten, kurzen Weg zum Ausgang, es bleibt mir nichts anderes übrig, als der Slalomstrecke zwischen den Verkaufsständen zu folgen.

Völlig fassungslos bin ich, als ich lauter Daunenmäntel entdecke: die kann man sich für 300 RMB (!) ausleihen – um die IceWorld zu betreten. Mitten im Shaolinkloster eine IceWorld? Oh Mann, ich glaube ich bin in China…

An einem Verkaufsstand lasse ich mir einen superdupereinzigartigen Kräuterklumpen aufdrängen: spezielle Kräuter, die es nur hier so gibt! Super gegen Erkältung! – Das war das Widerlichste, was ich in meiner ganzen Chinazeit je gekostet habe, geholfen hat’s auch nicht, nur zusätzliche Übelkeit beschworen. 

Mein zickender Kreislauf schreit nach Kaffee, erstaunlicherweise gibt es hier keinen Starbucks (was mich wirklich nicht mehr hätte überraschen können), aber immerhin bekomme ich einen überteuerten Instantkaffee…

Allmählich wird es Zeit, nach Luoyang zurückzufahren. Kurz vor dem Treffpunkt, aber schon außerhalb der „scenic area“ merke ich, dass mein Handy keinen Saft mehr hat. Oh, und nun? Verschollen bei den Shaolin? Zu Fuß zurück nach Luoyang? Ich erinnere mich, auf dem Hinweg ein Toilettenschild gesehen zu haben – und finde das Klohäuschen auch – inklusive Steckdose. Die Wartezeit bis das Telefon wieder funktioniert, wird mir durch zwei Chinesinnen vertrieben, die sich vor dem Spiegel umziehen, praktische Reisekleidung gegen schickes Ausgeh-Outfit austauschen. Ganz selbstverständlich und ohne Scham werfen die beiden sich in Schale. Ich glätte ein bisschen mit den Fingern meine verstrubbelten Zotteln, bewundere meine rote Schnupfnase, ziehe eine Grimasse, woraufhin die beiden fast zusammenbrechen vor Lachen. Das Handy hat wieder Saft, ich erreiche den Fahrer und sitze wenig später im Auto und fahre nach Luoyang zurück.

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe – das jedenfalls nicht: Kitsch und Kommerz. Andererseits denke ich, dass mich das im fünften Jahr in China eigentlich nicht mehr so überraschen sollte!
Sollte ich noch einmal in die Gegend kommen, bin ich hoffentlich nicht krank – und dann würde ich mir deutlich mehr Zeit nehmen, um auch die abgelegeneren Tempel in der Scenic Area zu erkunden. Das Gelände ist wirklich riesig, ich würde bei einem erneuten Besuch die komplette Öffnungszeit ausnutzen (8-17:30, Oktober-März 8-17 Uhr).

Fotos!

Fotos vom Schilderwald

Nach längerer Zeit war ich wieder im Olympia-Park und zum ersten Mal im und auf dem Bird’s Nest. Was für ein Versäumnis, das erst jetzt für mich entdeckt zu haben. Das ist nun definitiv einer meiner Pekinger Lieblingsorte. Beeindruckende Architektur, tolle Atmosphäre. Und was ich ja auch gerne mag: hoch hinaus und von oben runtergucken. :)  Getoppt wurde der Besuch davon, dass dort gerade ein von einem Uhrenhersteller gesponsortes Reitsportevent stattfindet. Aus der für den Besuch geplanten Stunde sind mehrere geworden – solange, dass der Watercube schon geschlossen war. Das werde ich nun bald nachholen. Vermutlich werde ich dann aber wieder auf das Dach des Bird’s Nest klettern.

Auf dem Dach vom Vogelnest

Bird’s Nest – Sky Walk

China ist ja nicht wirklich ein Land für Leute, die nicht gut zu Fuß sind. Schmale, unebene Fußwege, wenn es überhaupt welche gibt, uneben und zugeparkt. Überall Treppen, Treppen und noch mehr Treppen. Allein deshalb haben mich diese drei Damen beeindruckt. Gemeinsam hatten wir das breite begeisterte Grinsen übers ganze Gesicht, die drei waren genau wie ich total geflasht von Gebäude und Aussicht.

nothings gonna stop us...

nothings gonna stop us…

Blick von ganz oben auf das Springreiten.

Springreiten

Longines Equestrian Beijing Masters LEBM

Dass die Beijing Masters gerade im Bird’s Nest stattfinden, war eine schöne Überraschung. Auch von oben von den Tribünen hatte man eine tolle Sicht und zugleich den großen Überblick. Was ich nicht wusste und erst hinterher nachgelesen habe: die nicht-chinesischen Reiter haben auf Leih-Pferden teilgenommen, da die chinesischen Quarantänebestimmungen es praktisch unmöglich machen, mit Pferden einzureisen. Mehr zu dem Reitsportevent im Beijinger und auf der Veranstaltungsseite.

LEBM- 1.Tag

Vom Dach des Bird’s Nest hat man – selbst an einem so grauen, dunstigen und versmogten Tag wie gestern – eine tolle Aussicht. Vor allem, wenn es dunkel wird und überall die Lichter angehen.

Und wenn es dann richtig dunkel ist, dann hat es einen einfach nur noch um!

Vogelnest Air Walk

Bird’s Nest, Skywalk

Alle paar Schritte neue, großartige An- und Aussichten.

Wirklich großartig, dass man mit dem VIP-Ticket wirklich überall hin kann. Die Ticketauswahl ist etwas unübersichtlich, beim Ticketkauf unbedingt drauf achten, dass die “Top Wonders” mit dabei sind! Die 20 RMB Mehrkosten sind mehr als gut angelegt.

 

 

Als ich überlegt habe, wohin ich diesen September wohl fahren könnte, bekam ich von Ulrike vom bambooblog den Tipp, mir eine echte Burg in China anzusehen: Huangcheng Xiangfu. Ihr Blogeintrag hat mich wirklich neugierig gemacht, diese Burg mit eigenen Augen zu sehen – ist halt doch mal etwas ganz anderes. Shaolinkloster und die Longmen-Grotten hatte ich auch auf meiner Wunschliste, daher bot sich Luoyang als Standort an, auch wenn es von hier bis zur Burg es gut zwei Stunden Autofahrt sind.

Hinfahrt

Kreuz und quer geht es durch Luoyang über breite, aber leere Straßen zur Autobahn. Auch hier kaum Verkehr. Wir überqueren den Huang He, den Gelben Fluss, was der Fahrer mir nicht ohne Stolz noch bestätigt. An der Grenze zwischen Henan und Shanxi werden wir angehalten und unsere Papiere kontrolliert.

Die Sicht ist nicht besonders gut, eine doofe Mischung aus Nebel und Smog, aber dann tauchen am Horizont doch bald Berge auf. Ich klebe die ganze Zeit mit der Nase an der Scheibe. Die Berge sind für mich Flachlandtiroler ganz schon groß und steil, die Brückenbauwerke faszinierend, vor allem, wo es ganz oben am Rand von Kühltürmen entlang geht.

Ankunft

Ticketcenter und Zugangskontrolle sehen genauso aus wie an vielen anderen chinesischen Sehenswürdigkeiten. Es ist – fast – nichts los, die breiten Zufahrtsstraßen, die riesigen Parkplätze hatten mich anderes vermuten lassen. In der Golden Week sieht das sicher ganz anders aus.

Nachdem ich endlich die – ausgiebige – Sicherheitskontrolle hinter mich gebracht habe, stehe ich vor dem eigentlichen Zugang und fühle mich angesichts des eindrucksvollen Komplexes recht klein. 

Burg, Festung, Residenz?

Ausgeschildert war unterwegs “Primeminister’s mansion”. Ich muss Ulrike zustimmen, all diese Bezeichnungen passen nicht richtig und irgendwie doch. Wie eine Burg ist es eine große, gemauerte Anlage, aber halt doch eindeutig chinesisch. So zum Beispiel die vielen Wohnhöfe innerhalb der Burg, die zahlreichen, detaillierten Verzierungen. Als erste kraxele ich auf die Burgmauer, auf der ich fast den ganzen Komplex umrunden kann und einen Überblick gewinne.

Huangcheng Xiangfu

Natürlich sind das hier keine Satellitenschüsseln, sondern Trommeln…

Huangcheng Xiangfu

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein wuseliges Gewirr von Dächern aussieht, es lassen sich doch Strukturen wie die “Siheyuans” (4 Gebäudeteile rund um einen Innenhof) erkennen.

Wohnhof

Es ist brüllend heiß, Smog und Nebel haben sich aufgelöst und oben auf der Mauer gibt es kaum Schatten. Ich bin immer noch nicht dem klugen Beispiel der Chinesinnen gefolgt und habe immer noch keinen Sonnenschirm in meinem Ausflugsgepäck. Trotzdem, ich bin so hingerissen, dass ich nur kurz in einem der Ecktürme raste, meine Wasserflasche in einem Zug leere und dann doch jeden zugänglichen Meter erkunde – und alle paar Schritte ist wieder etwas neues zu entdecken. Irgendwann klettere ich aber doch eine Treppe hinunter.

Treppen. Natürlich.

Auch wenn es in den schmalen Gängen zwischen den Gebäuden zum Teil schattig ist, steht hier doch die Hitze. Ich brauche dringend Wassernachschub, aber mein erster Versuch scheitert am Mittagsschlaf des Verkäufer, macht nichts, es gibt ja noch weitere Verkaufsstände.

Mittagsschlaf

Zum Glück werde ich rasch fündig und laufe dann etwas erfrischt kreuz und quer unten durch die Gänge. Die meisten Gebäude sind verschlossen, nur ein paar Shops sind geöffnet – Bilder, Kalligraphien, Souvenirs, Getränke, Snacks. In vielen Höfen wird gearbeitet, es werden Blumentöpfe zu Blumenbildern arrangiert, die von zahlreichen Arbeitern überall hin getragen werden.

Huangcheng Xiangfu

Nach drei Stunden bin ich fix und fertig, meine Erkältung ist wirklich übel. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber das wäre ziemlich unklug gewesen. Also texte ich dem Fahrer und zwanzig Minuten später treffen wir uns und fahren zurück.

Rückweg

Natürlich – wir sind in China! – ist hinter dem Burgausgang eine kleine “Shoppingmeile” aufgebaut, wo es alles zu kaufen gibt, was es überall in China an Souvenirs gibt, hier kommt der berühmte Shanxi-Essig dazu.

Ich kann nicht den gleichen Weg zurück zum Parkplatz nehmen, der direkte Weg ist versperrt, aber an der schmalen Landstraße ohne Fußwege, auf der immer wieder Busse und Laster vorbeifahren, möchte ich eigentlich nicht zurückgehen. Ich erinnere mich, bei der Ankunft eine Unterführung gesehen zu haben, und richtig, dort ist der Eingang. Irgendwie finde ich das sehr kurios, dieser moderne Tunnel, wie es so viele auch in Peking gibt, direkt vor dem alten Gemäuer.

Auch die Rückfahrt genieße ich, hätte mir viel Spaß gemacht, hier selbst zu fahren (blöd, dass ein Mietwagen immer viel teurer ist, als einen Wagen mit Fahrer zu engagieren). An einem Berghang sehe ich wieder eine beeindruckende Serpentinenstraße – inklusive Spuren eines Abrutsches. Ein mit Gefahrstoffen beladener und x Gefahrenschildern gekennzeichneter LKW überholt uns. Auch im Tunnel von ihm die durchgezogene Linie ignoriert und er gibt mächtig Gas. Da bin ich dann doch ganz froh, nicht selbst am Steuer zu sitzen, denn vermutlich hätte ich selber das Gaspedal durchgetreten, um bloß keine unangenehme Begegnung im Tunnel damit zu haben.

Wir fahren wieder an den Kühltürmen vorbei, dann das letzte Gefälle, bis wir wieder in der breiten, flachen Flussebene sind, wo dann ein paar Kilometer weiter die ersten Hochhauswälder Luoyangs erscheinen.

 

Ich bin einerseits total begeistert von dem Tag, andererseits bin ich total kaputt. Meine Stimme ist komplett weg, die zweite Großpackung Taschentücher ist aufgebraucht. Ich habe vermutlich auch wieder Fieber. Also falle ich zurück im Hotel direkt ins Bett. Beim Einschlafen überlege ich, am nächsten Tag zurück nach Peking zu fahren, wenn es mir nicht besser geht.

Verbotene StadtAusflugstipps für Peking und Umgebung? Wenn man als Tourist nach Peking kommt und nur begrenzt Zeit hat, dann ist man mit den Top-10-Listen aus Reiseführern und/oder dem Angebot der Reiseveranstalter sicher auf der richtigen Seite und wird vermutlich feststellen, dass ein paar Tage für Peking einfach nicht reichen.

Aber wenn man mehr Zeit in Peking hat, gibt es so viel mehr zu entdecken, mehr als selbst der dickste Reiseführer zu bieten hat. Doch wie kommt man an Ausflugsideen, woher weiß man, wohin man sich mal aufmachen könnte? Sicher gibt es bei den internationalen Peking-Magazinen wie beijing kids  usw. auch immer wieder mal Tipps.

Leider inzwischen offline: Inside Beijing

Aber meine Lieblingsquelle für Ausflugstipps war Inside Beijing. Hier fanden sich 169 (!) Ziele, sortiert nach Stadtbezirken, alphabetisch oder thematisch:

  • Berge und andere Natursehenswürdigkeiten
  • Historische Sehenswürdigkeiten (Kaiserliches Peking)
  • Kirchen, Kathedralen und Moscheen
  • Klöster und Tempel
  • Kunstmuseen und -galerien
  • Museen zu Geschichte und Kultur
  • Naturwissenschaftliche und Technische Museen
  • Straßen, Plätze und Märkte
  • Zoos, Gärten und Parks

Neben einer Beschreibung finden sich jeweils die konkrete Adresse (deutsch und chinesisch), weiterführende Links (sofern vorhanden), Empfehlungen zu Zielen in der Nähe, Informationen zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten sowie Anreisetipps mit Bus und Bahn, bei denen allerdings darauf hingewiesen wird, dass sie zuletzt 2013 vollständig überprüft wurden. Das sollte allerdings nur für Busverbindungen problematisch sein, mit dem Taxi eh kein Problem. 

Andere Inspirationsquellen:

Viele Tipps finden sich auf “Travelchinaguide“. Hier finden sich auch praktische, aktuelle Informationen zur Anreise und Eintrittspreisen.

Ich lasse mich gerne von Reiseberichten auf vielen Blogs inspirieren. Ein bisschen kritisch kann man das immer sehen, wenn Reisende, die gerade mal 3 Tage in Peking waren, plötzlich wissen, was “das Beste in Peking” ist und mit Geheimtipps um sich werfen, oder schlimmer noch: wenn die Informationen nicht stimmen oder veraltet sind. Trotzdem kann man sich mit den vielen verschiedenen Eindrücken und Fotos inspirieren lassen. 

Deshalb hier noch mal mein persönlicher Disclaimer für meine Tipps: Ich berichte von meinen Eindrücken, schildere meine Wahrnehmung – was mir gefällt, muss anderen nicht gefallen und umgekehrt.  Was ich aber ganz sicher weiß: ich werde mich in Peking sicher nicht langweilen, und es gibt immer noch wahnsinnig viel zu entdecken.

 

Ich bin in den letzten Jahren beim Stöbern, was ich mir in Peking wohl noch anschauen könnte, immer wieder über den Fünf-Pagoden-Tempel gestolpert. Heute war es dann endlich soweit: ich habe für die Fotogruppe vor Ort nachgeschaut, ob der Tempel derzeit geöffnet ist (meine vergeblichen Versuche, mich mit Prinz Gong zu treffen haben ihre Spuren hinterlassen). Auch Bauarbeiten, Verpackungensaktionen usw. wären für einen Fotogruppen-Ausflug hinderlich.

Wuta Si? Zhengjue Tempel?

Man findet den Ort heute unter verschiedenen Namen, was sich durch die Geschichte erklärt: Der Zhengjue Tempel (“Temple of the Great Righteous Awakening”) war ein buddhistischer Tempel aus der Ming-Dynastie, 1473 erbaut. Zerstört wurde er 1860 während des Zweiten Opium-Krieges und 1900 während des Boxer-Aufstands. Übrig blieb nur die steinerne Pagode in der Mitte: Die Diamantthronpagode.

Das sah so aus: Historisches Foto von/vor 1902. (Quelle: wikipedia – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wu-ta-sze._%E2%80%9ETempel_der_5_Pagoden_westlich_von_Peking.jpg)

Wuta Si bedeutet übersetzt: Fünf Pagoden Tempel. 

Heute befindet sich rund um die Diamantthronpagode Pekings Steinmetzmuseum: Beijing Stone Carvings Art Museum.

Leicht zu finden

Ich bin bequem mit einem Didi zum Tempel gefahren. Das vorletzte Stück geht es erst durch einen Hutong, indem gerade gebaut wird, und ich habe schon gefürchtet, dass das auch den Tempel betrifft. Das letzte Stück geht es aber dann aber idyllisch unter Weiden am Nanchang River entlang. An einer Fußgängerbrücke steige ich aus. Auf der anderen Seite ist der Nordeingang des Zoos, auf meiner Seite ist der Museumseingang. Auch hier denke ich wieder, oh nein, Bauarbeiten – aber es sind zum Glück nur Baumpflegearbeiten. Das wird bis zum Fotogruppenausflug abgeschlossen sein.

Ich zahle, passiere den Sicherheitscheck und steuere dann direkt auf die Diamantthronpagode zu.

Fünf-Pagoden-Tempel

Wow! Ja, es ist halt doch ein Unterschied, ob man so etwas auf Bildern oder tatsächlich sieht!

In der Pagode selbst ist Fotografieren verboten, bis auf zwei Buddhas gibt es auch nur Infotafeln und wenig vom Gebäude selbst zu sehen. Die Türme kann man nicht erklimmen. Ich spaziere über das Gelände, blicke in die Ausstellungshallen – ja, hier gibt es mehr als genug tolle Motive für die Fotogruppe. Die Bedingungen heute sind perfekt, ich habe gerade richtig Glück mit dem Wetter: blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, gute Luft und gute Sicht. 

Fünf-Pagoden-Tempel

Ich freue mich jedenfalls, nächsten Monat wieder hierherzukommen, dann auch mit Weitwinkel- und Teleobjektiv im Rucksack.

Fotos

Info

Info:

Das Museum befindet sich genau gegenüber vom Nordeingang des Zoos am Kanal.
 
Adresse: 24 Wutasicun, Haidian
Adresse auf Chinesisch: 海淀区五塔寺村24号(近北京动物园北门
 
Nächstgelegene Metrostation: Nationalbibliothek, Exit C (ca. 700 Meter).
 
Eintritt: 20 RMB

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Wuta Si

Der Fünf-Pagoden-Tempel in Peking (Pin)

 

Die Jungs waren in der letzten Woche auf Klassenreise, Männe musste arbeiten, also wie letztes Jahr wieder die Gelegenheit für mich, auf Reisen zu gehen. Diesmal ging es zusammen mit meiner finnischen Freundin in den Süden nach Yangshuo.

Es war echt unglaublich schön, es hat einfach alles gepasst, wir haben uns super verstanden, das Wetter hat mitgespielt und die Gegend ist atemberaubend, märchenhaft, wunderschön, exotisch, fremd, grün, … Die Menschen, die wir kennengelernt haben, waren fröhlich, freundlich, zugewandt, hilfsbereit. Es gibt so viele Möglichkeiten für Aktivitäten, es gibt so viel zu entdecken: kleine und größere Orte, die Landschaft, Höhlen, eigentlich waren 5 Tage zu kurz. Auch das Essen war interessant, auch wenn ich eine lokale Spezialität, beer fish, nicht mochte, der schmeckte echt so modderig wie der Fluss teils roch, und anderes wie kleine Fluss-Schnecken und Krebse gar nicht erst probiert hab. Zum ersten Mal in meiner Zeit in China habe ich auch gesehen, wie ein Hund zum Essen vorbereitet wurde.

Anreise am Montag

Das Problem, frühmorgens ein Taxi zu bekommen, hat eine liebe Freundin kurzerhand für uns gelöst, in dem sie uns selbst durch den strömenden Regen zum Flughafen gefahren hat. Die Sicherheitskontrolle war streng und pingelig, danach war noch Zeit für einen Kaffee im Terminal 1, anders als bei den anderen Terminals war das Angebot von Restaurants und Shops ganz untypisch für China sehr überschaubar. Beim Boarding sind wir doch noch nass geworden, es ging mit dem Bus raus aufs Flugfeld und die Gangway war nicht überdacht. Zum Glück haben hinter uns gehende Chinesen ihren Schirm mit uns geteilt. Der Flug selbst war entspannt, und etwa eine Stunde vor Ankunft riss die Wolkendecke auf und machte den Blick auf grüne Hügel und Berge frei. Beim Anflug auf den Flughafen ging es ziemlich dicht an den Bergen vorbei.

Erste Eindrücke

Guilin empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, Hitze und Schwüle, wir wurden wie geplant durch eine Fahrerin abgeholt und dann ging es über überraschend leere Straßen nach Yangshuo, erste Gelegenheit, die steilen Karstberge, die auf total plattem Grund stehen zu bestaunen, erste Eindrücke vom ländlichen Guangxi. Kurz vor Yangshuo wurde es staubig: Straßenbauarbeiten, teils ging es über sandige Pisten weiter. Über die Hauptstraße ging es kurz durch Yangshuo, dann wieder raus aus der Stadt in das nördlich von Yangshuo gelegene Shi Ban Qiao: angekommen im Yangshuo Village Retreat.

Fix ausgepackt, erst im Hotelgarten noch einen Kaffee und dann haben wir den Hotel-Shuttle (Kleinbus mit Platz für 8 Gäste) in die Stadt hinein genommen und haben uns dann kreuz und quer durch die Stadt treiben lassen. Hotels, Restaurants und Shops ohne Ende, viele Baustellen und von fast überall Karstkegel in Sicht.

Li Jiang - Li River

Am Li Jiang

Am Ende sind wir am Fluss hängengeblieben. Wir haben uns dort hingesetzt und die Füße ins Wasser baumeln lassen und die Aussicht genossen. Später sind wir zu Fuß am Fluss entlang zum Hotel zurückgegangen, hat auch nur 20 Minuten gedauert.

Li River bei Yangshuo

Spaziergang am Li River

Erster Eindruck: schon touristisch! Besonders die West Street und die angrenzenden Straßen, anstrengende pushy Verkäufer, aber es gibt auch ruhigere Ecken. Wie ein Örtchen an Mosel, Rhein oder Elbe, nur auf Chinesisch. Die Hauptattraktion ist und bleibt jedoch die Landschaft und das Panorama.

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg bei Yangshuo. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Entspannte Radtour

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht.

Big Banyan Tree

Big Banyan Tree

Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Der Mondberg bei Yangshuo

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Mondberg

Der Mondberg bei Yangshuo

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Drei Damen und Chang’e

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legenden von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Schöner Abschluss im Hotel

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

Meine Freundin ist von Peking nach Shanghai umgezogen. Die Jungs und ich haben uns direkt zu einem Besuch in Shanghai aufgemacht. Die Anreise mit dem Gaotie, dem Superschnellzug, war komfortabel, angenehmer als zu fliegen. Sicherheitskontrollen gibt es zwar auch in Bahnhöfen, aber Check-in und Boarding gehen dann doch erheblich schneller als am Flughafen. Mit Zugfahren in Deutschland kaum zu vergleichen: die Züge sind günstig, zuverlässig und pünktlich. Mit 340-350 km/h haben wir in viereinhalb Stunden die 1200 km nach Shanghai zurückgelegt (Hamburg-München: über 6 Stunden für keine 800 km).

Sightseeing mit Kindern

Im Vordergrund stand natürlich der Besuch bei Freunden, trotzdem war ein bisschen Sightseeing möglich. Von Qingpu aus sind wir erst mit dem Didi ins Zentrum zum People’s Square gefahren. Der Spaziergang dort fiel kurz aus, vier Kinder können ganz schön viel “Wie lange noch?”, “Wann gibt’s Eis?”, “Mir tun die Beine weh!”, “Es ist zu heiß!” (korrekt! Es war sehr heiß und extrem schwül.) von sich geben. Also bestiegen wir einen der Hop-on-hop-off-Busse und liessen uns kreuz und quer durch Shanghai fahren.

Mit dem Bus durch Shanghai

Mit dem Bus durch Shanghai

Im klimatisierten Bus waren dann auch alle wieder zufrieden. Am Bund stiegen wir dann aus – und das Pudong-Panorama mit den Türmen hat tatsächlich auch die Kinder eine Weile gefesselt.

Shanghai

Shanghai

Shanghai - Huangpu

Huangpu

Dann war die Bande hungrig, also ging es zu einem Food Court in der Nanjing Road. Essen fassen plus Sightseeing, clever gelöst von uns. Auf dem Weg zum Bus kamen wir dann noch an einem Flagshipstore für bunte Schokolinsen mit und ohne Nüsse oder Mandeln vorbei. Das war ein wenig Konsumquatsch-Overkill, aber durchaus interessant. Und: mit diesem Proviant versorgt war dann auch für gute Laune für die weitere Sightseeingtour mit dem Bus gesorgt.

Nanpu-Bridge

Die Tour führte uns jetzt von Puxi nach Pudong, und zwar über die Nanpu-Brücke. Wow! Was für ein Bauwerk: eine der größten Schrägseilbrücken der Welt. Platz ist knapp in Shanghai, deshalb ist die Brückenauffahrt in Puxi in spiralförmig. Oben im offenen Doppeldeckerbus war das schon sehr abenteuerlich, fast wie Achterbahn fahren. Die Brücke hat uns jedenfalls alle – auch die Kinder – nachhaltig beeindruckt.

Auffahrt Nanpu-Brücke

Auffahrt Nanpu-Brücke

Mistwetter

Aus der extrem feuchten Luft wurde erst ein leichter Nieselregen, dann wurde der Regen heftiger. Die Wolken hingen ziemlich tief. Bedeutet: die Fahrt auf die Türme kann man sich schenken bei praktisch kaum vorhandener Sicht. Ich war ja schon bei meinem ersten Shanghai-Aufenthalt vor vier Jahren schon auf dem Flaschenöffner und dem Oriental Pearl Tower, für die Jungs haben wir das jetzt auf den nächsten Besuch in Shanghai verschoben. Jedenfalls beschlossen wir, im Bus sitzen zu bleiben und die Rücktour mitzumachen, die uns noch einmal über die großartige Nanpu-Brücke führte. 

Gringotts?

Am Bund auf Höhe des Fußgänger-Sightseeingtunnels steigen wir wieder aus dem Bus. Die Kinder sind platt, aber wenn man schon am  Bund ist, möchte man natürlich gerne auch in eines der historischen Gebäude gehen. Praktischerweise ist genau gegenüber eine Filiale der Bank of China. Wir steigen ein paar Stufen im Eingangsbereich hoch, passieren einen Wächter und stehen dann in einer riesigen Halle, die mich von der Atmosphäre her stark an die Zaubererbank Gringotts aus den Harry-Potter-Verfilmungen erinnert. Nur, dass keine Kobolde an den vielen Schaltern sitzen, sondern Menschen. Leider ist Fotografieren verboten. Der Größe der Bank zum Trotz gibt es nur zwei ATMs, von denen nur einer funktioniert. Jetzt reicht es den Kindern wirklich, und so tuckern wir nach Hause.

Besuch in Shanghai, nachts

Bund und Pudong wirken im Dunkeln, bunt beleuchtet noch mal ganz anders als tagsüber. Die eine Hälfte der Kinder kannte das schon, die andere wollte nicht, also tuckerten meine Freundin und ich an einem Abend alleine in die Stadt hinein. Starten wollten wir am Pearl Tower, aber leider waren wir knapp zu spät dran – ab 21 Uhr werden keine Tickets mehr verkauft. Ich kannte den Blick schon, meine Freundin wird als Neu-Shanghaierin noch viele Gelegenheiten haben, auf die Türme zu kommen, also hielt sich die Enttäuschung in Grenzen – zumal wir beide Pudong auch von unten absolut atemberaubend fanden.

Shanghai, Skyscraper

Shanghai, Skyscraper

Der Oriental Pearl Tower ist an diesem Abend ausschließlich rot angestrahlt, ich erinnere mich, dass beim letzten Besuch die Farben wechselten. Wir spazieren über die Fußgängerbrücke vom Pearl Tower in Richtung Flaschenöffner (Shanghai World Financial Center). Das gefällt uns beiden ausnehmend gut, eine Fußgängerzone oberhalb des Autoverkehrs, gerade hier, wo man den Blick nach oben und nicht zum Verkehr ausrichten will, ist das super.

Schließlich stehen wir genau zwischen den drei Türmen:

  1. dem höchsten Gebäude Chinas: dem Shanghai Tower
  2. dem Shanghai World Financial Center, auch als “Flaschenöffner” bekannt und
  3. dem Jinmao Tower.

Wie beim ersten Besuch in Shanghai vor vier Jahren bin ich total fasziniert und kann nicht genug kriegen (merkt man eventuell auch in der Fotogalerie…). Zusammen mit den vorbeiziehenden Wolken und den vielen Lichtern ist es ein großartiger Anblick. Auch bei diesen Türmen sind die Aussichtsplattformen inzwischen geschlossen, wir umrunden den Shanghai Tower und begegnen dabei fast niemandem mehr – und das mitten in Shanghai, zu gar nicht mal so später Stunde.

Besuch bei Freunden

Der Rest unseres Shanghai-Aufenthaltes war weniger touristisch. Wir haben die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort erkundet und waren uns einig, wie gut wir es mit dem alten Supermarkt am Pinnacle Plaza in Shunyi hatten. Rückblickend wissen wir beide den jetzt noch mehr zu schätzen. Die Kinder haben ungeachtet des Altersunterschiedes gespielt wie die Weltmeister, und wir Frauen hatten Zeit zum reden.

Aufreibender Aquariumbesuch

An einem Tag bin ich mit den Kindern noch einmal durch Pudong spaziert und wir waren im Aquarium (direkt neben dem Oriental Pearl Tower). Davon hatten wir uns mehr versprochen, es war nett, aber nicht umwerfend, und unglaublich voll und wahnsinnig laut. Und ich war froh, dass ich alle vier Kinder zusammenhalten konnte und wieder mit rausgebracht habe, da hätte ich gerne diese “Kinderleinen” im Einsatz gehabt, die man in China oft sieht (genau für solche Örtlichkeiten sind die sicher gemacht). Der Unterwassertunnel, durch den man auf einem schmalen Laufband getragen wird, hat uns aber gut gefallen. Dusseligerweise hatte ich meine Kamera vergessen, aber in dem Gewusel hätte ich sowieso nicht fotografieren können ohne die Kinder zu verlieren.

Die paar Tage gingen viel zu schnell vorbei, aber früher oder später heißt es bestimmt wieder “zu Besuch in Shanghai” (gerne aber auch “Besuch in Peking”!). Die Rückfahrt mit dem Zug war genauso angenehm wie die Hinfahrt. Beiden Jungs hat Shanghai gut gefallen, beeindruckt haben sie die “elevated roads”, die Türme, die Nanpu-Brücke und dass Shanghai viel grüner als Peking sei. Und Shanghai fühle sich weniger chinesisch als Peking an. Gibt auf jeden Fall noch mehr als gut genug dort anzugucken. :)

Fotos

In den ereignisreichen letzten Wochen habe ich noch gar keine Zeit gefunden, von der Beijing International Garden Expo 2019 – der Weltgartenausstellung – zu erzählen. Unter dem Motto “Live Green, Live Better” gibt es noch bis zum 7. Oktober 2019 Beiträge von 120 Ländern und 120 NGOs zu besichtigen.

Der Ausflug wurde von der Patengruppe organisiert. Wie immer alles gut geplant und für mich angenehm: ich muss mich nicht um Route und Transport kümmern – entspannter geht es nicht. So gerne ich sonst auch alleine unterwegs bin, manchmal weiß ich solche Annehmlichkeiten doch zu schätzen.

Lange Anfahrt

Bei herrlichem Wetter und guter Luft starteten wir morgens um 9 Uhr an der Schule und waren etwa zwei Stunden später in Yanqing bei der Expo. Ein gutes Stück des Weges sieht man von der Autobahn aus immer wieder die Mauer, dort ist der Badaling-Abschnitt – wo ich tatsächlich bisher noch nicht gewesen bin, weil so viele immer davon abraten (zu touristisch!). Das sah an dem Tag aber gar nicht so aus – noch in diesen Sommerferien möchte ich dahin. 

Am Expogelände war ich schon am Busparkplatz überwältigt von der der Größe und der Weitläufigkeit – und den Bus-, Auto- und Menschenmassen, die sich aber gut verteilt haben. Zeit und Treffpunkt für die Rückfahrt wurden ausgemacht, und dann zerstreute sich die Gruppe. Schwierige Entscheidung: Wohin zuerst?

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Die vielen verschiedenen Gärten Chinas

Ich habe mir zuerst Chinesische Gärten angesehen. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel, so dass dort relativ wenig los war. Jede Region Chinas hat ihren eigenen Stil, auch wenn sich manches ähnelt und es wiederkehrende Elemente gibt (Mondtore oder große Steine zum Beispiel). Der Garten aus einer Wüstenregion sieht natürlich anders aus als der der tropischen Insel Hainan. 

Hainan-Garten

 

Die internationalen Pavillons

Etwas später traf ich am Deutschen Pavillon eine chinesische Bekannte, mit der ich dann den Rest der Zeit zusammen unterwegs war. Den Deutschen Pavillon fand ich enttäuschend, weil er auf mich irgendwie am Thema vorbei wirkte. Direkt am Eingang erst mit einem überlebensgroßen Bild von Julia Klöckner, dann mit Kohlebergbau konfrontiert, anschließend ein paar Fotos von der Renaturierung des Todesstreifens an der Zonengrenze. In der Mitte eine angebliche Stadtoase – ein ziemlich scheußlicher (Stein-)Garten mit viel Kies. Und das, wo es in Deutschland wirklich wunderschöne Gärten gibt. Ganz witzig allerdings: eine Schrebergartenlaube. Auf der Webseite des Deutschen Pavillons liest sich das alles durchdacht und nett, vor Ort fand ich es eher enttäuschend, das wird aber dem ersten Eindruck geschuldet sein.

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Statt im überfüllten Deutschen Restaurant haben wir dann lieber leckere Shaanxi-Nudeln gegessen, bevor wir uns dann weiter von Pavillon zu Pavillon treiben ließen. Besonders angezogen – und dann auch gefallen – hat uns der Pavillon Qatars.

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Das Gebäude von einem künstlichen Baum gestützt und getragen, insgesamt eine stimmige Mischung aus Hightech und Tradition (im Inneren waren Marktstände nachgebildet) und auf dem Dach schließlich noch ein großartiger Rundumblick. Doha/Qatar ist übrigens Gastgeber der nächsten Garden Expo 2021.

Mut zur Lücke

Den chinesischen und den internationalen Pavillon habe ich weggelassen – bei beidem war mir die Schlange zu lang, damit wäre die Hälfte des Aufenthalts mit Wartezeit vertan gewesen. Das Gebäude mit den riesigen Sonnenschirm-Blumen war aber auch so ein Hingucker.

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Im Gedächtnis geblieben ist mir auch der Japanische Pavillon. Draußen Kois und ein Katzenwels Fisch mit Katzenkopf, drinnen alles sehr zurückgenommen. Auch wenn man wie ich sonst gerne üppige Blühendes und Grünendes mag, dieses reduzierte hat doch eine ganz eigene Ästhetik.

Dann war auch schon die Zeit für den Rückweg gekommen. Zum Glück gab es am Treffpunkt Restaurants, so dass wir uns Eiskaffee gönnen konnten – das war bei der Hitze tatsächlich ein unerwarteter Genuss. 

Fotos

Weitere Informationen

Weitere Informationen finden sich auf der offiziellen Webseite der Weltgartenausstellung. Hier finden sich auch Informationen, wie man zur Ausstellung hinkommt. Werktags zahlt man regulär 120 RMB Eintritt.

Viele Fakten liefert dieser informative Artikel von China Heute.

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Wir haben gerade wieder Besuch, und so stand natürlich auch wieder ein Ausflug zur Chinesischen Mauer auf dem Programm. Da wir tatsächlich gerade mal eine Autostunde vom Mutianyu entfernt wohnen, hat es uns wieder zu diesem Mauer-Abschnitt geführt.

Mutianyu

Blick zurück

Wir hatten Glück mit dem Wetter und der Luft, trotzdem war es keineswegs zu voll. 

Der Ticketkauf könnte für Erstbesucher leicht verwirrend sein angesichts der unterschiedlichen Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die bequeme Version: mit dem Shuttle-Bus ein Stück den Berg hoch, zu den Talstationen von Sessellift und Gondelbahn. Nach unserem eher abenteuerlichen ersten Kontakt vor vier Jahren mit genau diesem Sessellift, der damals erst mal eine Weile angehalten wurde, weil sich ein Fremdkörper im Umschwenker verfangen hatte – und für den die Jungs damals einfach zu klein waren und wir echt Bammel hatten, dass sie uns rausrutschen, nehmen wir die Gondelbahn.

Die Jungs wollen bergab mit der Sommerrodelbahn fahren. So halten wir am Ende jeder drei bzw. vier Tickets in der Hand: Eintritt in die Scenic Area, Shuttle Bus, Gondelbahn, Sommerrodelbahn. (Nur das Ticket für die Scenic Area braucht man unbedingt, man kann natürlich auch alles zu Fuß machen.)

Als wir oben angekommen sind, fällt mir direkt dieser Klotz ins Auge:

Mutianyu

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Obwohl wir Getränke dabei haben, setzen wir uns erstmal auf die Terrasse direkt am Fuß der Mauer und genießen ein völlig überteuertes Mauerbier – aber das ist es uns wert. Wer hätte das vor 20 Jahren, als wir uns kennengelernt haben, gedacht, dass wir einmal zusammen hier sitzen werden? Ziemlich großartig jedenfalls! :)

Dann geht es endlich richtig auf die Mauer. Und das wird nie selbstverständlich für mich werden, das ist und bleibt immer wieder ein Wow-Erlebnis.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

 

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Wie man sieht, hatten wir wirklich Glück mit dem Wetter und auch der Luft.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Green Wall of China…

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Und es ist zwar gut besucht, aber keineswegs zu voll.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Später treffen wir uns unten im Tal wieder. Die Rückfahrt ist genauso entspannt wie die Hinfahrt. Gemütlich tuckern wir über die Landstraße zurück nach Hause, die Straßen sind leer, aber unsere Köpfe sind voller Eindrücke.

Es gibt ein paar Orte in Peking, die mein Herz noch immer höher schlagen lassen. Der Himmelstempel gehört auf jeden Fall dazu – und zu den Peking-Highlights, die man nicht versäumen sollte. Das runde, geradezu ikonische Gebäude (die Halle der Ernte) steht nicht nur für Peking, sondern auch für das Kaiserliche China wie nur wenige andere Sehenswürdigkeiten.

Himmelstempel – Himmelsaltar

Bei den Namen geht es schon ein bisschen durcheinander. Wenn ich vom Himmelstempel spreche, meine ich eigentlich den Himmelstempelpark, in dem sich die alten Tempelgebäude befinden. Auf Chinesisch heißt es  auf den Wegweisern nur 天坛 – Tiāntán, was meist mit “Himmelstempel/Temple of Heaven” übersetzt wird. Die Silbe “tán” bedeutet “Altar”, es heißt also eigentlich “Himmelsaltar”. Das besagte runde Gebäude ist bekannt als “Halle der Ernte”, “Halle der Ernteopfer”, auf Englisch “Hall of Prayer for the Good Harvest”. 

Genug der Wortklaubereien, wir betreten den Himmelstempel am Osttor. Von hier aus geht es immer geradeaus direkt auf die Halle der Ernte zu. Rechts von dem breiten Weg befindet sich die “Göttliche Küche”, wo für die Opferzeremonie die Opfergaben vorbereitet wurden. Wir können nur einen kurzen Blick durchs Tor hinein werfen, denn ich habe meinen Pass nicht dabei. 

The Long Corridor

Der Lange Korridor

Der Lange Korridor

Wir gehen also weiter durch den Langen Korridor. Hier sitzen wie immer viele Pekinger und spielen, lachen, reden. Heute spielen fast alle Karten. Ob das chinesische Schach aus der Mode gekommen ist?

Heute sind viele Schulklassen unterwegs, überall sitzen Kinder auf dem Boden und füllen Fragebögen aus und zeichnen.

Die Halle der Ernte

Halle der Ernte

Halle der Ernte

Wir gehen ein paar Stufen hinauf, durch ein Tor, wo die Eintrittskarten kontrolliert werden. Und dann: Wow!  Auch jetzt, beim 6. oder 7. Besuch bin ich wieder total beeindruckt: Der erste unverstellte Blick auf die Halle der Ernte. Erbaut 1420 von Kaiser Yongle, abgebrannt 1889 nach einem Blitzeinschlag und im Jahr darauf wieder errichtet. Kaiser Yongle – geboren als Zhu Di – hat Chinas Hauptstadt nach Peking verlegt und dort die Verbotene Stadt errichtet.

Die Halle ist 38 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 30 Metern. Jedes einzelne Detail an dem Bau hat seine symbolische Bedeutung, angefangen von den drei Marmorebenen, das dreifache Dach. Hineingehen kann man nicht, sondern nur einen Blick hineinwerfen: Vier große Säulen für die Jahreszeiten, 12 Säulen, die die Monate repräsentieren, weitere 12 Säulen, die für die Doppelstunden des Tages stehen. Die blauen Dachziegel symbolisieren den Himmel.

In der einen Halle an der Seite befindet sich eine Ausstellung über den Bau der Anlage mit vielen Zeichnungen, Fotos und Modellen. Ebenfalls wird hier von den Zerstörungen durch den Brand nach dem Blitzeinschlag 1889 und während des Opiumkrieges und des Boxeraufstands und vor allem dem Verfall nach 1911 – dem Untergang des Kaiserreiches – und den anschließenden Wiederaufbauarbeiten berichtet. 1998 wurde die Anlage zum Weltkulturerbe erklärt.

In der gegenüberliegenden Halle wird das Ritual des Ernteopfers Schritt für Schritt mit vielen Bildern erklärt. Manko beider Ausstellungen: Die Erklärungen sind überwiegend nur in Chinesisch, nur die Überschriften und ein paar kurze Texte sind auf Englisch. Es reicht aber trotzdem, um einen guten Überblick zu gewinnen. (Im Bild oben sind die beiden Hallen links von der Halle der Ernteopfer, zu sehen ist nur die Halle mit der Ausstellung über das Opferritual.)

The Seventy Year Old Door

70-Jahre-Tür

70-Year-Old-Door

Einer meiner Lieblingsplätze im Himmelstempel ist die 70-Year-Old-Door. Diese Tür hat Kaiser Qianlong 1781 einbauen lassen , als er älter wurde und seine Kräfte für den langen, rituellen Weg (barfuss!) und im vollen Ornat nicht mehr reichten. Er verfügte, dass nur über Siebzigjährige Kaiser durch diese Tür gehen dürften – er blieb der einzige Kaiser, der die Abkürzung nehmen konnte, keiner seiner Nachfolger erreichte das Alter.

Wir umrunden die Halle der Ernte und stellen dabei fest, dass die Sicht auf den CBD immer schlechter wird, die Türme sind nur noch als Schatten im Smog zu erkennen. Bei guten Luftwerten ist die Aussicht ziemlich cool, nicht nur auf den CBD, sondern auch auf das Riesenrad im Happy Valley.

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes

Echomauer und Imperial Vault of Heaven

Echomauer und Halle des Himmelsgewölbes

Wir gehen auf der langen Nord-Süd-Achse (auch die Wege im Park haben ihre Symbolik) in Richtung Echomauer, hinter der die Halle des Himmelsgewölbes steht. Die Echomauer, absolut glatt und exakt kreisförmig – ein Flüstergewölbe – können wir nicht austesten, dazu ist der Lärmpegel insgesamt viel zu hoch.

Wir werfen nur einen kurzen Blick in die Halle des Himmelsgewölbes. Auch wieder ein rundes Gebäude, wenn auch etwas kleiner als die Halle der Ernte.

Circular Mound Altar

Circular Mound Altar

Circular Mound Altar

Früher hab ich gedacht, das wäre der “Mondaltar” – ups! Denn der ist im Westen der Verbotenen Stadt im Yuetan-Park. (Das ist die perfekte Symbolik und Symmetrie hier in Peking: Himmelsaltar im Süden, Erdaltar im Norden, Mondaltar im Westen und Sonnenaltar im Osten der Verbotenen Stadt.

Immerhin, rund ist dieser Altar auch. Und hier ist die Anlage ebenfalls wieder von Symbolen durchdrungen: Der Durchmesser der Ebenen und die Zahl der verlegten Bodenplatten: alles Vielfache von Neun – die Neun symbolisiert den Kaiser.

Wenn man auf dem runden Stein in der Mitte steht, soll die eigene Stimme besonders voll klingen und gut zu hören sein. Das probiert allerdings keiner aus, auch wenn sich fast jeder kurz in die Mitte stellt: fürs Foto posieren ist wichtiger. ;)

Von hier oben kann man übrigens gut sehen, dass die einzelnen Tempelabschnitte sowohl von runden als auch von eckigen Mauern umgeben sind. Das Runde steht für den Himmel, das Eckige für die Erde.

Wir haben heute leider keine Zeit mehr, um noch durch den riesigen Park zu schlendern und spielenden, tanzenden oder musizierenden Gruppe zuzuschauen. Allerdings ist die Luft inzwischen auch wieder so mies, dass es uns mit dem draußen sein für heute sowieso reicht. Wir verlassen den Park dann durch den Südausgang. 

Tipps

Wenn man einen Tagesausflug machen möchte, würde ich Himmelstempel und Pearlmarkt kombinieren und abends dann noch ins Red Theatre zur Kungfu-Show gehen. Dazu am Südeingang des Himmelstempels starten, sich Zeit für den Himmelstempel (samt Park) nehmen. Am Ende den Ostausgang nehmen, dort über die Straßenbrücke gehen und den Pearlmarket besuchen. Essen kann man entweder im Foodcourt im Untergeschoss des Pearlmarkts oder gegenüber von der Nordseite des Pearlmarktes im “Brown Door”. (Siehe hier beim 4. Ausflugsvorschlag)

Einen großartigen Überblick über den Himmelstempelpark, bei gutem Wetter bis hin zur Verbotenen Stadt, hat man von der Dachterasse des Pearlmarktes (an den Toiletten im 5. Stock vorbei gehen, die Tür verbirgt sich manchmal hinter einem Kälte- oder Insektenschutz, ist aber offen.

Fotos

Informationen

Himmelstempel-Pin

Pin mich!

Hinkommen:
Mit dem Taxi zum Ost-, Nord- oder Südeingang. Oder mit der Metro: Mit der Linie 5 bis Tiantandongmen (Osteingang)

Eintritt:
Es empfiehlt sich das „Through-Ticket“ zu nehmen, Nebensaison 28 RMB, Hauptsaison 34 RMB, darin sind die Eintritte für die Halle der Ernte, den Circular Mound Altar und die Echomauer samt Himmelsgewölbe enthalten. Um die “Divine Kitchen” besichtigen zu können, muss man seinen Pass vorzeigen, Extra-Eintritt wird nicht verlangt.

Öffnungszeiten:
Der Park ist von 6-21 Uhr geöffnet, Einlass in die Gebäude von 9-16:30 Uhr.

Zum Weiterlesen: 
Geschichte und Details zum Himmelstempel, Himmelstempel, travelchinaguide.com (Englisch)

Am Montag bin ich mit einer Freundin  zum Himmelstempel gefahren.  Wow, Weltkulturerbe! Von unserem Compound aus ist das schon eine halbe Weltreise, fast 1,5 Stunden. Wenn man mit der Metro anreisen möchte, die Linie 5 hält direkt am Osteingang (Tiantandongmen). Eintritt inklusive aller Gebäude (z.B. Halle des Erntegebets, Echomauer, Himmelsgewölbe) kostet 34 RMB. Im Park finden sich Kiosks und Imbissbuden, die Getränke, Souvenirs und Snacks anbieten, letztere sehen nicht wirklich appetitlich aus und die Preise sind 2-3mal höher als anderswo – Touristen-Hotspot halt. :)

Gleich am Eingang (wir sind am Nordeingang, der der Halle des Erntegebets am nächsten ist, angekommen) wurde getanzt – typisches Pekinger Parkleben. Ein breiter Weg führt direkt auf die Anlage mit der großen runden Halle zu, die von einer Mauer begrenzt wird. Und an dieser Mauer befindet sich ein riesiger LED-Bildschirm wie an Einkaufszentren auch und zeigt Werbefilmchen… Chinesische Kombination aus Weltkulturerbe und Gegenwart. :)

Gegensätze

Gegensätze

Ein paar Schritte weiter steht dann inmitten dieser riesigen Parkanlage also eine der bekanntesten Pekinger Sehenswürdigkeiten, die Halle des Erntegebets:

Himmelstempel: Halle des Erntegebets

Halle des Erntegebets

Wie nicht nur im Botanischen Garten zu sehen war: in China liebt man Blumen und insbesondere Rosen, kürzlich hat auch ein Rosen-Museum eröffnet. Blumen sind überall, nicht nur in Parks, sondern auch als “Straßenbegleitgrün”, was hier nicht möglichst preisgünstig und pflegeleicht angelegt wird, sondern üppig und repräsentativ. Und so sind nun auch rund um die Halle des Erntegebets und die Hallen drumherum reichlich Rosen arrangiert.

Rosen vor westlicher Halle

Rosen vor westlicher Halle

Natürlich sind auch die Mülleimer im Park der historisch-altehrwürdigen Umgebung angepasst:

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Überall wachen Drachen, nicht nur auf Hausdächern, sondern auch auf Mauern:

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Angesichts des nicht ganz so schönen Wetters (“nur” 24 Grad und angekündigter Regen) war der Park nicht überfüllt, aber doch voller Menschen. Neben einigen wenigen Langnasen-Touristen ganz viele chinesische Touristen, deren wartende Busse die umliegenden Straßen verstopfen, und dann natürlich viele Pekinger, die im Park nicht nur spazieren gehen, sondern tanzen, Karten und Fuß-Federball spielen oder wie dieser Mann musizieren (wobei er hier gerade eine Pause macht. ;) )

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Wir sind dann weiter zum ebenfalls runden “Himmelsgewölbe” spaziert. Dort ist nicht so viel Platz, also werden die Menschen im Gänsemarsch an der Tür vorbeigeschleust. Ein paar Jungen haben sich einen Spaß daraus gemacht, und sind schon auf dem Hof als Rucksackpolonaise losgewackelt. :)

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Und bevor man dann weitergedrängelt wird, sieht man diese Utensilien:

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In den rechteckigen Hallen rundherum finden sich Ausstellungen mit Informationen zum Bau der Anlage, Schautafeln und in einer Halle auch 2 große Modelle. Leider sind größtenteils nur die Überschriften auf Englisch, aber es reicht doch, um einen Eindruck zu gewinnen.

So weit, so gut…

Piepmatz geht Gassi

Piepmatz geht Gassi

Wären wir als Touristen unterwegs gewesen, hätten wir nun vermutlich direkt die nächste Sehenswürdigkeit angesteuert. Aber mit dem Luxus von viel Zeit, den wir hier genießen, konnten wir auch ein bisschen die weitere Umgebung erkunden. Hier ist es üblich, dass nicht nur Hunde, sondern auch Vögel mit nach draußen genommen werden – und wenn es die große Kreuzung um die Ecke ist. Wir sind dann nicht an der Straße neben den vielen Reisebussen, sondern am Fluss (genauer: dem South Moat) entlang spaziert. Auch hier alles hübsch angelegt, die Hänge an beiden Ufern sorgfältig bepflanzt. Zwischendrin immer wieder Gruppen von Säulen inmitten von Blumenbeeten.

Säulen am Süd-Graben

Säulen am Süd-Graben

Außer uns beiden Langnasen waren dort nur einige wenige Angler unterwegs und noch weniger Spaziergänger, zumeist mit kleinen Hunden, die aber für reichlich Hinterlassenschaften gesorgt haben… Und oben rauschte der Autoverkehr… Wir sind dann auf das Yongding-Tor (Yongdingmen) zugegangen, unten am Graben (eher ein Kanal) ging es in einer langen Unterführung unter den Straßen durch. Stockdunkel. Stinkend. Unheimlich. Glücklicherweise waren wir zu zweit und haben uns auch keine Horrorgeschichten von Pekinger Kampfratten erzählt, aber ich musste doch an Larry Underwood im Lincoln Tunnel* denken… ;) Über das Licht am Ende des Tunnels waren wir dann doch hocherfreut.

Yongding-Tor

Yongdingmen

Der Tunnel des Grauens

Von der Uferpromenade – hinter dem Tunnel des Grauens wieder hübsch repräsentativ – führten einige Stufen den Uferhang hinauf, wir wollten uns ja das Tor ansehen. Bedauerlicherweise führte der Weg ins Nichts, hörte einfach vor einer hübsch verzierten Begrenzungsmauer auf. Aber zurück durch den potentiellen Drehort für Zombieapokalypse IV wollten wir auch nicht mehr, also sind wir lieber über die Mauer geklettert und fanden uns auf einer viel befahrenen Kreuzung wieder. Von unserer Seite aus keine Chance, heil die Fahrbahnen bis zum Tor zu überqueren, Fußweg überhaupt Fehlanzeige, also vorsichtig auf der Radspur über die Brücke hinüber und in die nächste Straße hinein, wo wir nicht nur von Rasensprengern, sondern auch stärker werdendem Regen gegossen wurden. Riesenglück gehabt, gleich das erste Taxi hatte Erbarmen mit uns und hat uns nach Sanlitun zu Mr. Shi und seinen Dumplings gebracht, die hatten wir uns nach dem Abenteuer auch verdient.

War jedenfalls ein toller Tag mit einigem, was das Leben hier so spannend macht: olle Geschichte und Massentourismus, ein bisschen abseits der ausgetretenen Pfade und lecker Essen.

 

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An unserem dritten Tag in Yangshuo mussten wir früh aufstehen, denn es stand wieder eine Flußfahrt an, diesmal länger (5 Stunden) von Guilin nach Yangshuo. Auf dieser Flußfahrt passiert man an einer Stelle die berühmte Ansicht von der Rückseite des 20-RMB-Scheines, die ganze Gegend gilt ja als eine der schönsten Landschaften Chinas, wenn nicht der ganzen Welt. Entsprechend habe ich mich auf diese Tour gefreut – und auch im Nachhinein kann ich das nur empfehlen, wunderschön!

Die Hotelküche war so nett, uns trotz der frühen Stunde mit Kaffee und einem schlichten Frühstück zu versorgen und dann ging es los. Sobald Yangshuo hinter uns lag, waren die Straßen leer, ein ganz neues China-Fahr-Gefühl, die knapp 1,5 Stunden bis Guilin vergingen wie im Flug. In Guilin wurden wir am “Kreuzfahrthafen” abgesetzt, wo wir dann von einer Reiseführerin eingesammelt wurden. Dies Schiff war größer als das vom Vortag, aber verglichen mit Hamburger Hafenfähren doch recht überschaubar. ;)

Li River Cruise

Auf dem Li River von Guilin nach Yangshuo

Der Lijiang windet sich zwischen den typischen Karstkegeln Richtung Süden, hinter jeder Kurve sieht es ähnlich und doch wieder ganz anders aus. Der Fluß ist auch hier erstaunlich flach, der Bambusdschungel reicht teils bis ans Wasser. Es ist drückend heiß, eine Weile fahren wir noch durch den Dunst, dann klart es auf und die Sonne kommt heraus. Da verdrücken sich dann auch fast alle Chinesen wieder nach unten, bloß keine Farbe oder gar Sonnenbrand kriegen (eigentlich clever, ich war abends schön pink…)

Und dann kam das 20-RMB-Panorama in Sicht! Allerdings haben die Chinesen da gar nicht das Oberdeck gestürmt, sondern waren noch mit Essen oder Mittagsschlaf beschäftigt. Apropos Essen, ich hab bisher immer nur über das schlechte Benehmen von Chinesen am Buffet gelesen, aber leider hat das gestimmt: Teller mit Berg vollgeschaufelt, Gier ist echt untertrieben, rücksichtslos drängelnd, kein Auge auf die Älteren, und am Ende war es dann echt zuwenig, dass es zu lauten Schreiereien kam, aber glücklicherweise fand sich noch zufriedenstellender Nachschub.

Außer uns war noch einige wenige weitere Langnasen mit an Bord: ein junger Franko-Kanadier, der mit seiner chinesischen Frau und den beiden zugehörigen Müttern gereist ist, ein junges Schweizer Pärchen und ein alleinreisender junger Spanier. Der war echt witzig, hat gefilmt wie ein Irrer, öfter auch sich selbst und das ganze laufend lustig kommentiert. Am Freitag am Flughafen haben wir ihn noch einmal wiedergetroffen, das war echt nett. Hier findet sich sein erstes China-Video, die lustigen Episoden von der Flußfahrt sind gar nicht dabei, mal sehen, ob er da noch nachlegt.

Westler waren also wieder in der absoluten Unterzahl – und auch wieder Fotomotiv… Soifz. Aber allmählich hab ich mich dran gewöhnt, wir haben dann auch mit einer Gruppe von Lehrerinnen posiert, die extra noch weitere bunte Tücher ausgepackt haben (die Bilder müssen ja ordentlich in Szene gesetzt werden). Ich glaube, am Ende haben wohl alle Chinesen ein Bild von uns gemacht… War jedenfalls echt schade, dass die 5 Stunden so schnell um waren, wobei ich am Ende wie gesagt auch etwas sonnenverbrannt war… Ups. Hatte ich schon erwähnt, dass es echt heiß war die ganze Zeit?

Ich würde jederzeit wieder nach Yangshuo fahren, und auch diese Flußfahrt immer wieder machen. Trotz chinesischen Touritrubels gibt es genügend ruhige Momente und Zeit genug, um Landschaft und Aussicht zu genießen, das war wirklich absolut wundervoll. Wenn es an Land nichts zu sehen gibt, dann auf dem Fluß, andere Ausflugsschiffe, kleine Bambusflösse, einmal hat ein Mann mit einem Bambusfluß, das über und über mit Obst beladen war, an unserem Schiff angedockt und echt viel Obst verkauft, man sieht Wasserbüffel, Kleintiere, Vögel, der Schiffsdiesel tuckert leise vor sich hin, man hört das Wasser rauschen, die Vögel zwitschern, es riecht feucht und “grün” (achja, das geht einem nach ein paar Tagen im Pekinger Stinkesmog gerade wirklich ab…).

Ich hätte noch ewig weiterfahren können, aber leider endete die Fahrt unweit des Platzes, wo wir am Montag am Wasser gesessen haben. Wir sind dann voll mit Eindrücken langsam am Fluß entlang (und nur das letzte Stück vom Fluss weg, ein Stück den Berg hoch) zum Hotel zurückspaziert.

Abends sind wir zum Essen in die Stadt, haben uns vertüddelt und sind durch die übervolle West Street (DIE Touristraße mit 10000 Tourifallen und extrem nervigen, lästigen, aufdringlichen Verkäufern) gekommen. Zwei Ecken weiter war es wieder ruhiger und viel netter. Abendessen war ok, aber im Hotel war es soviel besser, dass wir beschlossen haben, für den nächsten Abend das ganze Bio-Huhn von der Hotelkarte zu bestellen.