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Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Peking-Schnipsel”.

Mit der Fotogruppe im Taoranting-Park

Bei der Planung dieses Ausflugs hatte ich einen sonnigen, warmen Frühlingsmorgen im Kopf, tatsächlich sorgten Wetter und Smog für graue Novemberstimmung. Immerhin war es trocken. Und der Park war gut besucht, was bunte Farbtupfer ins Grau gebracht hat. Gleich hinterm Nordeingang waren Wasserkalligraphen am Werk. Besonders beeindruckt hat mich aber diese Frau, die nicht mit einem Pinsel Schriftzeichen geschrieben, sondern mit zwei Pinseln gleichzeitig gezeichnet hat.

Den kleinen Vergnügungspark für Kinder lassen wir links liegen und gehen direkt weiter in Richtung See. Am ganzen Ufer verteilt sind Menschen aktiv. Die beiden hier spielen tänzerisch eine Art Federball, das sah sehr elegant aus.

Auch an diesem grauen Tag irgendwie idyllisch.

Und es ist wirklich überall etwas los. Es wird gespielt, Sport gemacht, musiziert, getanzt – wie hier die beiden im Pavillon.

Seit letztem Montag hat die Boots-Saison in den meisten Parks wieder begonnen. Auf dem Kunming-See am Dienstag war nichts: zu windig, sobald die Wasseroberfläche hier nicht mehr (fast) spiegelglatt ist, wird immer alles eingestellt.

Hier war jetzt immerhin ein Boot unterwegs. Den meisten wird es wohl zu kalt und unfreundlich gewesen sein, aber so den ganzen See praktisch für sich zu haben, das hat auch was.

Kuaibanshu

Als wir weitergehen hören wir rhythmisches Klappern und eine erzählend-singende Männerstimme. Das müssen wir uns ansehen. Eine Gruppe von etwa 20 Leuten steht im Kreis und klappert den Rhythmus, im Zentrum steht ein Mann am Mikro und „erzählt“. Auch wenn wir den Text nicht verstehen, es ist richtig fesselnd, und so bleiben wir eine Weile und sehen und hören zu. Diese „chinesischen Kastagnetten“ heißen Kuaiban, die Kunstform „Kuaibanshu„, hier in Peking „Kuaibanr“. Das wissen wir vor Ort aber nicht, ich habe hinterher eine Freundin gefragt und gegoogelt. ;)

Eine Gruppe deutscher Frauen fällt natürlich auf, wir werden heran gewunken und man zeigt uns eine instrumentale Nummer…

… und dann tritt auch noch die Frau in der blauen Steppjacke ans Mikro und singt-erzählt. Ich glaube, es geht ums Essen und die Vorzüge bestimmter chinesischer Küchen und sie wiederholt immer „noch eine Schüssel Reis“ – aber so toll ist mein Chinesisch nicht.

Am Ende wird ein Gruppenfoto von uns allen zusammen gemacht (wir sind auch doof, wir haben keines gemacht).

Man ist uns den ganzen Vormittag schon aufgeschlossen und freundlich begegnet: bei den Wasserkalligraphen, den Federballern, die Leute im Boot haben fröhlich gewunken und wir zurück – aber das war noch mal etwas Besonderes. Schön.

Der Garten der Pavillons

Wir gehen weiter zum Garten der Pavillons. Diese Pavillons sind Nachbildungen berühmter historischer Pavillons aus ganz China. Hier ist es etwas ruhiger, nur oben auf einem der Hügel hört man den Lärm des südlichen 2. Rings, der gleich hinter dem Park verläuft.

Fotos: Weitere Eindrücke aus dem Park

Déjà vu: „Der Tunnel des Grauens“

Es ist mittags, im Park wird es ruhiger: Essenszeit! Wir begnügen uns mit einem Kaffee und verlassen den Park. Wir gehen noch weiter zum Yongdingmen – dem wieder aufgebauten südlichen Stadttor. Bis 1956 stand hier das originale Tor, dann fiel es der Verkehrsplanung zum Opfer. Als Peking sich Anfang der 2000er für die olympischen Sommerspiele herausgeputzt hat, wurde es wieder aufgebaut. Das Yongdingmen markiert das südliche Ende der zentralen Pekinger Nord-Süd-Achse, es schließt sich der schmale Yongdingmen-Park an. Hier stehen viele Magnolien – die wollen wir uns ansehen.

Wir gehen also am Kanal entlang (South Moat/Nanhucheng). Und dann erreichen wir diesen finsteren „Tunnel des Grauens„. Oh, hier war ich doch schon mal, das ist schon erstaunliche sechs Jahre her. Der Tunnel ist aber immer noch genauso unheimlich und ich bin froh, nicht alleine hier zu sein.

Hinterm den Tunnel noch eine Erinnerung: wir sind damals über eine Mauer geklettert, weil es keinen Durchgang gab. Das machen wir diesmal nicht, gehen ein Stück weiter, finden einen Weg, müssen noch eine Unterführung nehmen.

In einem Treppenaufgang schläft ein Obdachloser, hat es sich da sauber und ordentlich eingerichtet, mit Decken und Matratzen, akkurat abgestellten Schuhen. Wir wissen, dass es Obdachlosigkeit gibt, aber in der Stadt sieht man es nur noch selten.

Schließlich sind wir oben, aber auch hier trennt uns eine Mauer vom Park. Wir folgen einem Schild, aber das Tor ist verschlossen, also drehen wir wieder um, bis wir dann zum Eingang des Parks kommen, von dem aus man diesen Blick hat:

Hier blüht nichts, die Magnolienblüte ist kaputt, da ist mehr braun als weiß – der Kälteeinbruch war echt nicht gut. Uns reicht es dann für den Tag, wir ordern ein Didi und fahren nach Hause.

Pandemie

Peking hat heute den zweiten Tag ohne lokale Neuinfektion, der aktuelle Ausbruch scheint im Griff (Klopf auf Holz).

Anders sieht es in Shanghai aus, dort gehen jetzt nacheinander Ost- und Westteil der Stadt in den Lockdown, alle Einwohner werden durchgetestet. In Deutschland wird von der größten Infektionswelle in China seit zwei Jahren berichtet – was stimmt. Es fehlt allerdings zumeist die Einordnung: In ganz China (Einwohner: 1,4 Milliarden) wurden gestern 8978 (davon 1293 symptomatisch) Fälle registriert – gegenüber 237.352 Fällen in Deutschland (Einwohner: 83,2 Millionen). Führt man sich diese Zahlen vor Augen, wirkt der unterschiedliche Umgang mit der Seuche noch krasser: hier das Festhalten am Eindämmen, in Deutschland Lockerungen.

Neue Maßnahme in Peking ist jetzt, dass alle Schüler:innen wöchentlich einen negativen Covid-Test vorzeigen müssen. Ein Testcontainer steht gegenüber der Schule. In zehn Tagen beginnen an der Deutschen Botschaftsschule die Osterferien (zwei Wochen). Da man aber zwei Wochen ununterbrochen in Peking gewesen sein muss, um Schulen betreten zu dürfen (auch Haushaltsangehörige!), ist Reisen auch innerhalb Chinas nicht möglich. In den Osterferien nach Deutschland? Das scheint ewig her, seufz.

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

6 Jahre in Peking

Wir hatten Jahrestag: am 16. August hat nun schon unser 7. Peking-Jahr begonnen. Hätte mir das früher jemand gesagt, dass wir so lange hier bleiben, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt. Und nun sind wir alle vier immer noch gerne hier, und so wie es aussieht, bleibt das auch noch ein paar Jahre so.

Ich finde Peking und China immer noch so spannend und aufregend wie am ersten Tag. Langweilig wird es hier nie. Nicht nur, weil sich hier immer und überall alles ständig ändert, sondern auch weil es immer noch so vieles zu entdecken gibt. Was natürlich inzwischen viel besser als am Anfang ist: das sich auskennen, Ängste und Unsicherheiten abgelegt zu haben.

Was immer noch und immer wieder mal nervt: die Sprachbarriere. Andererseits habe ich mich mit meinem dürren Chinesisch abgefunden, komme im Alltag gut zurecht damit. Um besser sprechen und vor allem mehr lesen zu können, müsste ich viel Zeit investieren. Dieser Aufwand steht in keinem gescheitem Verhältnis zum Ergebnis, und es bliebe keine Zeit mehr für andere Interessen und Aktivitäten. Auch so im Alltag lerne ich ja doch immer wieder ein bisschen dazu. Und sei es, dass ich anlassbezogen Wörter und Floskeln auswendig lerne. Mal sehen, wie schnell ich wieder vergesse, was „entspiegelte Brillengläser/Antireflexbeschichtung“ heißt. ;) Wenn es wirklich mal klemmt, helfen eh Übersetzungs-Apps gut weiter.

Sommerferien gehen zu Ende

Die langen Sommerferien (immerhin fast zwei Monate) gehen mit Riesenschritten auf ihr Ende zu. Nächsten Montag geht die Schule wieder los. Zunächst zwar „nur“ online, aber das läuft hier gut, und die Jungs kommen damit auch gut klar. Die beiden freuen sich eher über den sanften Übergang in den Schulalltag. Ab 1.9. geht’s dann ganz normal mit Präsenzunterricht los.

Die kleinen Jungs, mit denen ich hier angekommen bin, sind inzwischen große Teens, die mich überragen, keine Grundschüler mehr, sondern Oberstufenschüler.

Covid in Peking

Erfreulicherweise ist es bei dem jüngsten Ausbruch bei einer Handvoll Fälle geblieben. Heute wurden 8 Tage ohne lokale Neuinfektion vermeldet. Die spürbare Anspannung auf den Straßen ist wieder weg, das wird u.a. durch die wieder lässigere Handhabung der Masken sichtbar, dazu sind wieder mehr Leute unterwegs. Der Lamatempel ist allerdings noch geschlossen, und die meisten Museen und viele Parks haben noch reduzierte Kapazitäten. Für die Verbotene Stadt werden derzeit maximal 48.000 Tickets/Tag verkauft (60 Prozent von normal vor Corona, da lag die tägliche Kapazitätsgrenze bei 80.000 Tickets).

Wir hoffen nur, dass es bald mit dem Reisen wieder einfacher wird, unsere drei Großen, den Rest der Familie und Freunde so lange nicht sehen zu können, das macht schon etwas zu schaffen. Egal, ob wir nach Europa fliegen oder wir hier Besuch bekommen: das fehlt. Aber vor Sommer 2022 wird das wohl nichts mehr, böse Zungen unken schon von 2023 *Ohrenzuhalt*.

Besuch fehlt auch noch in einer anderen Hinsicht: Wenn ich mit Besuch unterwegs bin, habe ich viel mehr den Blick für das Andere, Besondere, Ungewöhnliche. Nach so langer Zeit ist Peking unser Zuhause, und solche in Deutschland eher ungewöhnlichen Fahrzeuge sind für uns normal. Jetzt muss ich bewusst hinsehen, um den Blick für den hier oft doch so anderen Alltag zu schärfen. Dabei hilft natürlich, dass ich nie ohne Kamera aus dem Haus geh.

Zwei Kinder stehen einem mit Wäschesäcken voll beladenem Tuktuk.

Mumins in Peking

In der Citic Buchhandlung gegenüber vom Capital Mansion sind gerade Mumin-Wochen. Außer Mumin-Büchern (chinesische Übersetzungen) kann man auch Drucke und allerlei Merch erwerben.

Das fand ich jetzt mal richtig knuffig.

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

Wir sommern so vor uns hin. Der Monsunregen macht gerade ein bisschen Pause. Allerdings ist uns die Lust auf Ausflüge vergangen.

Covid ist zurück in Peking

Reisende haben die Seuche zurück nach Peking gebracht. Die Zahl der aktuell Infizierten liegt unter 10, aber die Folgen sind erheblich. Nach einem halben Jahr ohne lokale Neuinfektion in Peking ist das ziemlich niederschmetternd.

Nun ist es mit dem lässigen Maske-unterm-Kinn erstmal vorbei. Damit das mit dem Abstandhalten klappt, haben unter anderem Parks und Metro wieder ihre Kapazitäten reduziert. Auf die Metro verzichte ich dann auch erstmal lieber ganz. Dazu treibt mich weniger die Angst vor der Krankheit, vielmehr die Unlust auf Quarantäne/Isolation womöglich in einer staatlichen Einrichtung und wer weiß, was im Fall der Fälle noch auf einen zukommen könnte.

Wer jetzt zurück nach Peking reisen will, muss auch innerchinesisch einige Hürden bewältigen, von außerhalb Chinas gibt es ja eh das komfortable Quarantänepaket…  Zahlreiche Flüge und Zugverbindungen sind vorerst gestrichen, das Zurückkommen könnte sich verzögern.

Déjà vu: Schule startet erstmal online

Die chinesischen Schulen starten erst am 1. September. Manche der internationalen Schulen haben ihren Schulstart bereits verschoben. An unserer Schule ist der 23. August der erste Schultag – nun allerdings zunächst für eine Woche nur online, Präsenzunterricht darf erst am 1. September losgehen.

Die Regelung aus dem letzten Jahr, dass vor dem Betreten der Schule drei Wochen Anwesenheit in Peking sein müssen sowie ein aktueller negativer Test vorhanden sein muss, wurde jetzt auch auf die Schülerinnen und Schüler ausgedehnt. Letztes Jahr betraf dies nur das Personal.

Das heißt, dass man für einen pünktlichen (Präsenz-)Schulbeginn schon am 2. August zurück in Peking hätte sein müssen. Wenn man jetzt noch nicht zurück ist, könnte die Rückkehr schwierig werden (siehe oben). Von daher wird es vermutlich eine Zeitlang parallel Online-Unterricht geben.

Mit Drohnen und Bananen: Elefanten (fast) zuhause

Nach 17 Monaten ist die wandernde Elefantenherde fast wieder zuhause in ihrem gewohnten Habitat im Süden Yunnans. Irgendwann in den letzten Wochen sind die Elefanten umgekehrt. Vielleicht, weil der Sommer zu Ende geht? Vielleicht aber auch, weil sie mit einer Mischung aus moderner Technik und simplen Essen – Drohnen und Bananen – in die richtige Richtung gelenkt worden sind? Am gestrigen Sonntagabend hat die Herde einen Fluss überquert, der bislang zu viel Wasser geführt hatte. Nun trennen sie „nur noch“ wenige hundert Meilen von ihrem Ursprungsort.

Nanxincang „Kultur- und Freizeitstraße“

Bisher bin ich immer dran vorbeigefahren, gestern habe ich mir die Zeit genommen, um mal einen Blick darauf zu werfen, was sich hinter diesem Anblick und den Schildern „Nanxincang Pedestrian Street“ verbirgt. Ein paar Altbauten ducken sich zwischen den modernen Hochhäusern, was mag das sein?

Blick auf die Nanxincang, kleine, alte Häuser ducken sich zwischen den Hochhäusern.

Blick auf die Nancingcang von der Fußgängerbrücke aus

Es handelt sich um die ehemaligen Kornspeicher aus der Ming-Dynastie, jetzt sind da schnieke Restaurants. Eigentlich, denn tatsächlich wird aktuell renoviert und der direkte Zugang ist versperrt. Hier mal Essen gehen: gerne, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Aber extra als Ausflugsziel? Nein.

Ich bin gefragt worden, wie es rund um die Schule und bei uns so aussieht. Also habe ich mir heute, als ich zum Einkaufen gefahren bin, die Kamera um den Hals gehängt und zwischendrin geknipst. Das Wetter ist schön, nur die Luft ist nicht so toll (AQI 172).

Das ist die Tianze Lu (Straße). Schulweg und Strecke in Richtung Lucky Street, Solana, Chaoyang Park …

Und hier der Lady Street Flower Market. Als wir vor eineinhalb Jahren umgezogen sind hieß es, er würde in ein paar Wochen wieder öffnen. Tja, Satz mit x. Immerhin, jetzt tut sich etwas. Vor ein paar Tagen wurde an den Rohrleitungen rundherum gearbeitet, und jetzt steht ein Gerüst. Ich bin gespannt.

Danach geht es an der US-Botschaft vorbei – und der isländisch/estländischen (die teilen sich ein Gebäude), der indischen und der israelischen.

An der Ecke Tianze Lu/Liangmaqiao Lu schau ich in Richtung Schule, wo auch die Schulbusse parken.

Ich fahre aber erstmal in die andere Richtung zur Lucky Street.

Das ist eine Ladenzeile mit einigen Läden und vielen Restaurants.

Hier ist auch einer der verschiedenen deutschen Bäcker in Peking: South German Bakery, mit dem kleinen Café Konstanz. Im Obergeschoss befindet sich ein deutsches Restaurant, die Bodenseestube.

Ich kaufe ein ganzes Toastbrot und ein „Schwäbisches Holzofenbrot“ und fahre weiter in Richtung Schindler. Dabei komme ich am Solana (Einkaufszentrum) vorbei, das ich heute aber links liegen lasse. Dort gibt es auch einen BHG-Markt (gehobener chinesisch-internationaler Supermarkt), in dem es laut meiner Nachbarin das beste Fleisch für Rouladen in ganz Peking gebe.

Ich biege in Richtung Schindler ab und denke mal wieder, dass Peking zu einem Großteil aus Restaurants besteht. ;)

Et voilá: Schindler aka German Food Center. Fleisch kann man auch anderswo gut kaufen, aber Wurst und Würstchen, Leberkäse und Aufschnitt sind hier wirklich gut. Verschiedene deutsche/europäische Importwaren gibt es ebenfalls. Schindler ist eine Pekinger Institution mit Restaurants und Läden. Hier und hier kann man mehr über Schindler’s Erfolgsgeschichte in Peking lesen.

Ich kaufe Fleischsalat, Kassler-Aufschnitt und Wiener Würstchen und tuckere weiter in die Maizidian Jie. Bei Jenny Lou (internationaler Supermarkt) brauche ich heute nichts, und auch aus der Jiaozibude (Hobbithöhle, Kellerchinese oder korrekt: Bao Yuan Jiaozi Wu) brauche ich heute nichts.

Nun bin ich zurück an der Liangmaqiao-Kreuzung. Hier sieht man die Französische Botschaft.

Was sich hier in rot hinter den Bäumen versteckt, ist das Schulgebäude.

Und dies ist der Eingangsbereich der Schule. Pförtner und Corona-Zelte, hier werden die Kinder morgens durchgeschleust: Hände desinfizieren, Temperatur messen, mit Schüler-Karte (mit der auch in der Mensa bezahlt werden kann) registrieren.

An der Schule vorbei geht es aufs Grand Summit zu. Dahinter ist die Metrostation Liangmaqiao. Auch das Baker & Spice ist eine Institution, für die Deutschen besonders wegen der Schulnähe. Hier gibt es anständigen Kaffee und Wein, Brot, Gebäck, Salate, Pho und Currys … 

Das „obentos“ im Untergeschoss hat Corona nicht überlebt und ist weg.

Wenige Meter weiter ist der hintere Teil des Grand Summits mit diversen Restaurants, u.a. dem bei vielen Teens ziemlich beliebten Fatburger – aktuell dürfen die Oberstufenschüler das Schulgelände nicht verlassen, muss ein ziemlicher Umsatzeinbruch für Fatburger sein… Im Untergeschoss ist der City Shop, der zwar teuer ist, aber manchmal Importe aus Deutschland hat, die man sonst nirgends bekommt.

So, das war also eine Tour rund um die Schule. Obst und Gemüse hatte ich online bestellt (ich probiere gerade verschiedene Gemüseboxen aus), also bin ich mit dem Einkauf für heute fertig. Ich setze die „Einkaufs-/Nachbarschaftstour“ demnächst fort, wenn ich zum Sanyuanli Markt, Jingkelong und Jenny Lou in Sanlitun fahre.

Das Schuljahr und damit unser fünftes Peking-Jahr gehen zu Ende. Corona-Ferien stehen vor der Tür.

Eigentlich hatte ich mir für dies Jahr soviel vorgenommen: jeden Tag ein (ordentliches) Foto auf Pekingfotos zeigen, ein- bis zweimal in der Woche bloggen (und ein paar Vorhaben mehr). Und dann kam Corona… Zwischenzeitlich lähmt es mich einfach nur, da funktioniere ich so vor mich hin. Für die Jungs da zu sein, das geht immer, da gibt es aber auch so viel zurück, so dass das meine leichteste Übung ist.

Aber darüberhinaus ist es tatsächlich gerade oft schwierig. Für Kreativität fehlt jegliche Energie und innere Gelassenheit. Ich habe keine Schreibblockade, ich schreibe weiterhin täglich. Aber ich mag es nicht veröffentlichen – entweder es ist zu zornig, zu jammernd, zu intolerant. Hoffnung, Zuversicht, Humor – kommt viel zu kurz. Der Optimismus, der mich schon durch viele Krisen (wenn bisher auch noch durch keine Pandemie) getragen hat, hat Sprünge bekommen. 

Fünf Jahre Peking

Mit dem Ende des Schuljahres geht auch unser fünftes Jahr in Peking zu Ende. Die erste Hälfte war wieder voller toller Erlebnisse und Erfahrungen, Reisen und Ausflügen und Besuch aus Deutschland.

Die zweite Hälfte davon war durch Covid-19 geprägt.

2020 haben die Jungs keine fünf Wochen die Schule von innen gesehen: drei Wochen im Januar, acht Tage im Juni. Der Online-Unterricht war lehrerabhängig sehr unterschiedlich, wir hoffen sehr, dass das nach den Ferien besser ist.  Noch ist offen, wann die Schulen in Peking wieder öffnen dürfen. Obendrein ist damit zu rechnen, dass bei erneuten Ausbrüchen (und seien sie noch so klein) Schulen wieder geschlossen werden. Online-Unterricht wird also weiterhin ein Thema sein.

Corona-Ferien. Der Heimaturlaub fällt aus.

Jetzt fangen aber erstmal zwei Monate Ferien an. Ohne die gemischten Gefühle und das Schulhofgewimmel am letzten Schultag: letzte Goodbyes und Abschiede, aber auch Vorfreude auf viel freie Zeit und Reisen. Fällt alles aus. Jetzt ist da nur ein bisschen Erleichterung, dieses seltsame Schuljahr zu Ende gebracht zu haben. Und ja, bei den Jungs ist doch auch Freude auf zwei Monate ohne Schulaufgaben.

Urlaubsreif wie schon lange nicht mehr, fällt Reisen derzeit für uns aus – wir kämen nicht mehr nach Peking zurück. 

Pekinger Hitzesommer mit an die 40 Grad, Pools müssen weiterhin geschlossen bleiben, Provinzwechsel nicht angeraten (ich möchte nicht, weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort bin, in einem Quarantänehotel landen, mit genügend Lesestoff könnte ich das allein schon wuppen, aber mit den Jungs dabei? Alptraumvorstellung.). Viele Sehenswürdigkeiten geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich. Trotzdem, irgendwas wird uns schon einfallen.

Die Nachwuchsnerds halten endloses Zocken und vorm Computer hocken zwar für ein tolles Ferienprogramm, aber ich werde sie aus ihren Höhlen locken und der Sonne aussetzen, am Ende verwandeln sie sich sonst doch noch in Vampire…

Goodbye-Season in Corona-Zeiten

Ich fühle mit denen, die Peking jetzt verlassen, wobei da auch jeder seine eigene Geschichte und Wahrnehmung hat: die einen sind erleichtert, dass sie endlich wegkommen, andere sind wehmütig, weil wegen Corona alles so anders ist als das, an was man sich hier gewöhnt und darauf gefreut hatte. Mal abgesehen von der ganz normalen Wehmut, wenn man einen Lebensabschnitt beendet. Wieder andere wollen/müssen weg, und haben noch keinen Flug.

Keine Sommer-/Abschiedsfeste, keine Gruppenausflüge, keine China-Rundreisen zum Abschluss. Und es ist tatsächlich ein Riesenproblem, überhaupt einen Flug nach Deutschland zu bekommen, mal gar nicht zu reden von „bezahlbar“. Von Peking direkt geht das derzeit eh nicht, nur von Shanghai aus. Mit Glück kommt man über Kopenhagen, Zürich oder Wien z.B. nach Europa. Die Flugpreise sind weiterhin jenseits von gut und böse: Google Flights hat mir gerade den Schnäppchenpreis von über 7000 Euro für einen Flug nach Hamburg gemeldet. Pro Person. Eco.

Für uns, die wir zurückbleiben, fehlen die Sommer- und Abschiedsfeste auch. Hier war immer die Gelegenheit, sich von Menschen zu verabschieden, mit denen man vielleicht nicht enger befreundet war, aber mit denen man doch ein Stück gemeinsamen Weges hinter sich hat. Das fehlt. Sehr.

Und konnte man sich in den letzten Jahren immerhin darauf freuen, dass es nach den Sommerferien wieder viele Veranstaltungen und Gruppenausflüge geben würde, also auch viele Gelegenheiten Neuankömmlinge kennenzulernen, fehlt diese Perspektive.

Nicht nur, weil noch völlig offen ist, was im Rahmen von Anti-Corona-Maßnahmen möglich sein wird. Sondern auch, weil es kaum Neuankömmlinge geben wird: bis Oktober gilt noch das Einreiseverbot für Ausländer (das kann durch die Charterflüge für „Essentials“ plus Angehörige auch nicht wirklich aufgefangen werden). Es kommen überhaupt weniger Expats nach China, die Schule vermeldet nur eine Handvoll Neuanmeldungen. Die deutsche (und internationale) Community schrumpft.

Gewitterstimmung

Tatsächlich passen Stimmung und Wetter gerade gut zusammen. Aufgeheizt, drückend,  angespannt.

Hier ist es heiß, schon geraume Zeit über 30 Grad, oft näher an den 40 als an den 30. Und schwül dabei, also auch gelegentliche Gewitter. Gestern war es noch zu hell, heute hat es erst nachmittags, aber dann auch abends noch mal gewittert, und ich habe immerhin ein halbwegs brauchbares Bild schießen können.

Gewitter über Peking

Den ganzen Tag lastet die schwüle Hitze auf einem, bremst einen aus. Aber nach dem Gewitter, abgekühlte frische Luft, die selbst mitten in Peking gut riecht, da ist der Kopf dann wieder freier.

Was fehlt ist das Corona-Gewitter. Impfung, kuratives Medikament, Mutation hin zum harmlosen Erkältungsvirus, was auch immer. Das liegt leider noch nicht in der Luft. Aber es ist so, wie es ist. Immerhin sind wir und unsere Familie und Freunde gesund. Hoffentlich bleibt das so, angesichts der Entwicklungen in Deutschland machen wir uns da schon große Sorgen. Nur weil wir keinen Bock mehr haben, wird das Virus nicht verschwinden. Hilft alles nichts, wir müssen uns arrangieren und sehen, wie wir das Beste aus der Situation machen. Wird schon. Irgendwo wird sich doch noch ein Zipfel Optimismus finden lassen.

Im Januar waren die Jungs drei Wochen in der Schule. Dann kam Corona, und seit dem nicht mehr. Mit viel Vorfreude, aber auch gemischten Gefühlen haben wir die Wiedereröffnung der Schule erwartet. Ist es wirklich sicher? Lohnt sich der Aufwand für die knapp vier Wochen bis zu den Ferien? Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Kumpeln hatte die Oberhand. So trafen sich meine Jungs am Dienstagmorgen mit einem Schulfreund und sind zum ersten Mal seit Januar zur DSP – Deutschen Botschaftsschule gegangen.

Homeoffice im Schulgebäude?

Kein Splitten der Klassen nötig, keine Gruppenbildung, kein Schichtbetrieb. Da wäre doch fast normaler Unterricht möglich? Leider nicht, inhaltlich hatte sich schon vor dem Start etwas Ernüchterung eingestellt, als per Mail das Prozedere erläutert wurde. „Unterricht“ findet zwar während der normalen Unterrichtszeiten statt – aber nicht nach Stundenplan, sondern mit Wochenplänen. Nur Sport, Kunst und Musik werden tatsächlich unterrichtet, ansonsten werden die Klassen vom Klassenlehrer und 3 weiteren Lehrern im Wechsel beaufsichtigt. Im Prinzip findet der Online-Unterricht nun in den Schulräumen statt – nur unter schlechteren Bedingungen:

  • Technisch (die Jungs haben Desktoprechner, für die kurze Zeit schaffen wir sicher keine zusätzlichen Laptops an, wenn es dann bald wieder heißt: „in Schönschrift ins Heft“)
  • Hitze – die Klimaanlage darf erst ab 32 Grad im Raum angestellt werden
  • Unterstützung – es stehen zwar viele Fachlehrer zur Verfügung, die aufsichtsführenden Lehrer haben Listen, wer wo zu finden ist. Die Hemmschwelle, das zu nutzen, scheint bei den Kindern aber recht groß – zuhause reicht ein „Mamaaaaa?“
  • Was weiterhin fehlt: Erklärungen und Einordnungen der Lehrer über die Buchtexte hinaus, jetzt nicht mal mehr per WebEx.

Tatsächlich haben es nach 15 Wochen Online-Schule einige Lehrer noch immer nicht geschafft, mehr anzubieten als „Lest Seite 56 und bearbeitet die Aufgaben 1-5“. Achja, eLearning? Guckt bei Anton (oder einer anderen Lernplattform nach) – könnte man auch mit „googelt das halt“ übersetzen. Sagen wir mal so, sich Lernstoff eigenständig zu erarbeiten, haben meine Jungs jetzt wirklich gut drauf. 

Warum ist das so?

Etwa ein Drittel der Schüler ist nicht in Peking und muss natürlich auch unterrichtet werden. Das lief unter dem Stichwort „Doppelbeschulung“. Das sieht nun aber nicht nach doppelt, sondern nach sehr einfach aus, und ich könnte mir andere, deutlich bessere Lösungen vorstellen. Aber für die paar Tage bis zu den Ferien kann man das notfalls halt so machen.

Ein paar Tage bis zu den Ferien? Möglicherweise wird ein Teil der Schüler erst im November wieder zurückkehren können (Einreiseverbot für Ausländer, es werden wohl nicht alle auf die Handelskammer-Charterflüge kommen können). Tja, und deshalb soll das nach den Ferien so fortgesetzt werden. Entschuldigung, das geht gar nicht.

Luft nach oben ist ja immer, und mir ist klar, dass das verglichen mit Schulen in Deutschland jammern auf hohem Niveau ist. Allerdings zahlt man in Deutschland auch keine Schulgebühren. Aber selbst ohne diesen Aspekt: es gibt so viele Möglichkeiten, und es ist ein Jammer, das diese nicht genutzt werden.

Trotzdem sind die Jungs schon sehr froh, endlich wieder zur Schule gehen zu können. Wie für viele andere Kinder ist auch für sie der soziale Aspekt das Wichtigste an Schule. An die besonderen Umstände – Temperaturchecks, Maskenpflicht, markierte Laufwege etc. – kann man sich gewöhnen. Und in drei Wochen sind schon wieder Ferien – die sich zu Corona-Zeiten voraussichtlich viel länger anfühlen werden als normalerweise. Von daher ist es echt gut, dass die Schule wieder gestartet ist. Auf Normalität müssen wir aber weiter warten.

 

Es gibt etwas Tolles, Neues zum Thema Schule in Peking: eine Website, die von einer 9. Klasse der Deutschen Botschaftsschule erstellt wurde: dieschuelerpekings.com

Hier gibt es es einen guten Einblick in die Schule aus SchülerInnensicht, ein paar Erfahrungsberichte und viele Tipps und Infos zum Leben in Peking.
Lieblingsplätze, Freizeit- und Restauranttipps sind auch für Reisende interessant.

Ich finde das eine großartige Idee, super umgesetzt – und wünschte, dass hätte es schon vor ein paar Jahren gegeben!

Die Seite soll laufend aktualisiert und ausgebaut werden.

Mehr zur DSP:

Offizielle Schulwebseite

Schule(n) in Peking

Welche Schule?

Wenn man mit schulpflichtigen Kindern ins Ausland geht, ist die Frage „welche Schule“ eine der wichtigsten. Wir haben uns vor vier Jahren Gedanken dazu machen müssen. Nachdem ich gelesen hatte, dass es eine deutsche Schule in Peking gibt, habe ich mich damals gar nicht weiter um die anderen internationalen Schulen hier gekümmert. Der Schritt von Hamburg nach Peking ist groß genug, da muss man es Kindern mit zum damaligen Zeitpunkt nur mäßigen Englisch nicht unnötig schwer machen, dachte ich damals und denke ich heute noch. Ich hab es so nicht erwartet, aber in dem internationalen Umfeld hier verbessert sich das Englisch sowieso ganz von selbst.

Das Ankommen in der Schule ist meinen Söhnen leicht gefallen. Etwas, woran ich vor China gar nicht gedacht habe: hier sind alle neu oder waren es noch vor ganz kurzer Zeit. Die Kinder helfen sich gegenseitig und kümmern sich umeinander. Zumindest in den Klassen meiner Jungs war und ist das so.

Schulwechsel und Anerkennung von Abschlüssen

Auch ein anderer Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen: Da es sich hier um eine anerkannte deutsche Auslandsschule handelt, ist es für die Kinder einfacher, zurück in Deutschland wieder in der Schule anzukommen – und auch der Zugang zu deutschen Unis sollte problemlos klappen. Mit einem internationalen Schulabschluss kann es Probleme geben, wenn die Fächerkombi nicht stimmt oder bestimmte Stundenumfänge nicht erreicht werden. Man muss da jedenfalls sehr darauf achten.

Ganz so schwierig ist es bei einer deutschen Schule nicht. Wenn man allerdings weiß, wohin man in zwei, drei Jahren (zurück-)geht und vielleicht sogar weiß, welche Schule es dann werden soll, dann sollte man ein Auge auf Fächerkombinationen haben. Latein wird an der DSP derzeit nicht als weitere Fremdsprache angeboten, auch nicht als AG – betroffene Familien haben das jetzt privat organisieren müssen, damit ihre Kinder im kommenden Schuljahr in Deutschland an ihr Wunschgymnasium gehen können.

Alternativen?!

Wenn man so wie wir „draußen“ in Shunyi wohnt, werden viele der internationalen Schulen – BSB, ISB, WAB, Dulwich und wie sie alle heißen – interessant, weil sie dichter dran sind. Für die ganz Kleinen gibt es da zum Teil einen deutschen Zweig. Die Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis, die ich bisher aufgeschnappt haben, verleiten mich zu der Einschätzung: Für jüngere Kinder bis zum Ende der Grundschule super, weiterführende Schule eher durchwachsen, hängt extrem an der konkreten Lehrkraft. 

Es ist aber auch immer alles eine Frage des persönlichen Geschmacks und des eigenen Lebensstils. Was ich über den Compound-Chat z.B. mitbekomme über Parents Association und allerlei Events – es ist mir von allem zu viel und in mir wächst das dringenden Bedürfnis „Bad Moms“ fünfmal nacheinander zu sehen. ;)

Aber das bin ich, andere Eltern sind gut zufrieden. Und das ist doch auch schön, dass es eine gewisse Auswahlmöglichkeit von Schulen gibt, selbst Tausende Kilometer von Deutschland entfernt.

Die DSP – Deutsche Botschaftsschule Peking

Deutsche Botschaftsschule Peking

DSP – Deutsche Botschaftsschule Peking

Weg vom Hörensagen, hin zu dem, was ich kenne: Meine Jungs gehen gerne zur DSP. Das finde ich mit 12 und 14 Jahren wirklich positiv. Wäre die Schule schrecklich, wäre das mit Sicherheit anders. Als wir uns vor fast vier Jahren die Schule das erste Mal angesehen habe, waren wir direkt vom Gebäude, der Ausstattung und der Sauberkeit beeindruckt. Okay, es ist halt auch eine Privatschule und da wir hier in China sind, ist es eben möglich, dass Putzkräfte den ganzen Schultag über für Sauberkeit sorgen.

Die Schulbüchereien (!) – eine für die Kleinen, eine für Sekundarstufe und Erwachsene – bieten viel und gut sortierten Lesestoff. Soweit ich das beurteilen kann, sind auch die Fachräume gut ausgestattet für naturwissenschaftliche Experimente, Kunst und Musik. Die Klassenräume sind mit Smartboards ausgestattet, mit denen auch die Kinder ganz selbstverständlich und souverän z.B. im Rahmen von Projektpräsentationen umgehen. 

Die Mensa bietet täglich drei verschiedene Essen („treudeutsch“/westlich, chinesisch, vegetarisch), Salatbuffet ab Klasse 7, fertig zusammengestellte Salate für die Jüngeren, Tagessuppe und Nachtisch. Ein Hauptgericht kostet derzeit 20 oder 25 RMB, d.h. ca. 2,50/3,20 Euro. Das Essen wird frisch in der Schule gekocht. Außer der Mensa gibt es auch ein Bistro, in dem Brezeln, Wraps, belegte Brötchen und auch Muffins, Joghurt und Obst verkauft werden.

Es gibt einen Schulshop, in dem man benötigte Schulmaterialien wie Stifte, Hefte und Mappen kaufen kann, aber auch jahreszeitliche Kleinigkeiten (Osterdeko, Adventskalender…), Bastelmaterialien, Schlampermäppchen, Becher, Shirts u.a. mit dem Schullogo – und Bücher (nicht nur für Kinder).

Foyer - Deutsche Botschaftsschule Peking

Deutsche Botschaftsschule Peking – Foyer

Das Schulleben/Extras ist bunt und bietet außer den AGs viel Abwechslung und Veranstaltungen. Eine Wanderarbeiterschule wird unterstützt, es gibt Adventskalender- und Nikolausaktionen, Vorlese- und Mathewettbewerb, Beteiligung an aus Deutschland bekannten Aktionen (Vorlesetag, Känguru-Wettbewerb).

Nicht zuletzt sieht sich die Schule auch als Anlaufpunkt für die Deutsche Community in Peking. Lesungen und Konzerte und Feste locken nicht nur Schüler und ihre Eltern. Viele Veranstaltungen der Patengruppe starten hier oder finden hier statt.

Die Schule bietet alle deutschen Schulabschlüsse bis zum Abitur an, auch ein Kindergarten und eine Vorschule gehören dazu.

Lange Schultage

Weil wir halt „draußen“ wohnen, ist der normale Schultag lang für die Jungs: Um 6:55 Uhr fährt der Schulbus am Compoundtor ab, gegen 16:30 Uhr trudeln die Jungs wieder ein. Haben sie AGs in der 9.+10. Stunde, wird es frühestens 18:15 Uhr, mit Pech – rush hour halt – später. Da kommt bei mir doch immer wieder die Überlegung auf, doch in Schulnähe umzuziehen. Noch lehnen die Kinder das aber vehement ab. Wir haben es mit unserer Nachbarschaft aber auch gut getroffen – so gut, dass sie lieber den langen Weg in Kauf nehmen als in die Stadt zu ziehen.

Update im Juni 2020: Wir sind jetzt „Städter“

Vor einem Jahr sind wir umgezogen und wohnen so nah an der Schule, dass die Jungs zu Fuß gehen können.

Das war für uns die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.

Es ist nicht nur der Zeitgewinn, das Länger-schlafen-können und das Nicht-mehr-im-Stau-stecken, sondern die Jungs – inzwischen Teenager – sind hier unabhängiger, können sich leichter mit Freunden treffen und sind nicht mehr aufs Mama-Taxi angewiesen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Das schulische Lernen, die Inhalte und Methoden, am Ende die Abschlüsse – alles wie in Deutschland. Manche Lehrer werden lieber gemocht als andere, manche Fächer mag man dafür gar nicht, mit den Kumpeln Spaß zu haben und die Pausen sind am Wichtigsten – kennen wir alles aus Deutschland.

Freiwillige AGs kennen wir auch aus Deutschland, hier sind sie aber wichtiger, weil es nicht 50 verschiedene Vereine und Verbände, Musikschulen, Freizeitzentren gibt.

War es in Hamburg die Ausnahme, dass mal ein neues Kind in die Klasse kam, gilt hier, dass alle neu sind oder es vor kurzem noch waren. Das hilft beim Ankommen (siehe oben).

Smog

Gute Luft in Peking!

So gute Luft ist hier selten. Sehr selten.

In Deutschland wird inzwischen zwar auch über Feinstaubbelastung gesprochen, aber wir leben jetzt in Mega-Smog-City.  Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Schule. Die verfügt über eine gute Luftfilteranlage, die auch an richtig schlimmen Smog-Tagen für atembare Luft sorgt. Das Problem sind Pausen, Sportunterricht und AGs – alles, was nicht drinnen stattfindet. Bisher gab es die Regelung, dass ab einem AQI von 250 keiner mehr raus darf. In den Pausen wird die Sporthalle geöffnet, damit die Kinder sich dort austoben können. So riesig ist die Sporthalle leider nicht und dadurch an Smog-Tagen ziemlich überfüllt. AQI 250 ist der höchste Grenzwert im Vergleich der internationalen Schulen, bei allen anderen liegt es drunter.

Die Luft in Peking ist zwar immer noch oft übel – aber es wird doch von Jahr zu Jahr besser. Aktuell wird der Vorschlag in den Gremien diskutiert, diesen „Grenzwert“ auf 200 abzusenken – den Wert, den die meisten anderen  internationalen Schulen auch haben – und der verglichen mit deutschen/europäischen Grenzwerten immer noch absurd hoch ist.

Update

Inzwischen wurde der Grenzwert auf 200 abgesenkt!

Fazit

Wenn Schulen sich präsentieren, zeigen sie gerne nur die Sonnenseite. Wenn man an einem Punkt nicht ganz überzeugt ist: nachhaken. Noch besser ist es natürlich, wenn man Bekannte hat, die man fragen kann. Bei den großen Arbeitgebern sollte das möglich sein. Dabei nicht vergessen: Meinungen und Geschmäcker sind verschieden, so findet sich hier im Blog natürlich mein Geschmack und meine Meinung.

Und welche Schule soll man denn nun wählen, wenn alles mit den Fremdsprachen machbar ist, die Fahrzeit in Ordnung geht und Übergänge problemlos laufen sollten? Wenn man alle Sachargumente gegeneinander abgewogen hat und auch dann noch zu keiner Entscheidung kommt? Wenn der Kostenfaktor nicht ausschlaggebend ist? Dann könnte man doch auch ein bisschen auf sein Gefühl hören.

Wir haben bei unserem Peking-Kennenlern-Trip die Schule besichtigt. Mir haben die Räumlichkeiten und die Atmosphäre auf Anhieb gefallen und noch wichtiger: auch die Kinder haben sich wohl gefühlt. Das gute Gefühl hat uns bislang nicht getrogen, die Kinder sind gut aufgehoben an der Schule und werden gefördert und gefordert. Natürlich gibt es auch mal doofe Schultage, ungerechte Lehrer und organisatorische Schwierigkeiten. Aber wo gibt es das nicht? Solange es die Ausnahme bleibt: alles ok. Wir würden uns jedenfalls auch aus heutiger Sicht wieder für die DSP entscheiden.

Weitere Informationen über die Deutsche Botschaftsschule auf der Schulwebseite!

Webseite von Schülerinnen für Schüler: dieschuelerpekings.com

Hier gibt es eine durchsuchbare Übersicht über alle (?) internationalen Schulen in Peking.

Und auch bei Beijing Kids findet sich ein „School Choice Guide„. Leider fehlt hier die Deutsche Schule, liegt wohl daran, dass es keinen englischsprachigen Zweig gibt (auch wenn einzelne Fächer auf Englisch unterrichtet werden, bei meinen Jungs Erdkunde ab Klasse 7).

Hinweis

Beitrag aktualisiert im Juni 2020!

 

Meine Tochter und ich sind in der Unterzahl, in unserer Familie steht es 2:5. Hier in Peking steht es sogar nur 1:3. Verflixte Männerübermacht, die – Achtung, ein Klischee – eine Vorliebe für Schnitzel hat. Ich weniger. Also hat Männe lange Jahre probiert und experimentiert und es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Mit seinen Suppen muss er noch üben, aber bei den Schnitzeln gibt es nichts mehr zu meckern. Für unsere mäkeligen Kurzen ist das sogar das Lieblingsessen.

Als dann kürzlich Nummer 4 in der Schule gefragt wurde, ob und was die Kinder an Essbarem zum Schulflohmarkt für den guten Zweck beitragen – es wird mit dem Projekt Candlelight eine Wanderarbeiterschule unterstützt, mehr Informationen auf der Schulwebseite – war es für den Junior klar: wieder Schnitzel. Das haben er und Männe schon beim letzten Flohmarkt angeboten und es lief super. Junior hatte dann auch schon alles klargezogen, und uns danach erst informiert – da hat er Glück gehabt, dass Männe tatsächlich Zeit hat.

Normalerweise kaufen wir Fleisch hier draußen bei uns im auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Aber für so eine Aktion braucht man ja ein paar Grämmchen mehr, also habe ich eine Freundin gefragt, ob sie nicht zufällig was vom Sanyuanli-Markt braucht – Glück gehabt, sie brauchte. Zu zweit ist es ja doch netter, den weiten Weg in die Stadt hineinzufahren, wobei wir Glück gehabt haben, und es zwar Stockungen aber keinen Stillstand gab. Einen Parkplatz gab es auch genau gegenüber vom Markt, alles perfekt.

Der Sanyuanli-Markt

Der Sanyuanli-Markt ist eine Pekinger Institution. Hier kaufen Restaurantschefs und Hobbyköche, aber auch Otto Normalchinese. Es gibt einfach alles, was man in der Küche brauchen könnte. Ich bin eine Weile nicht dort gewesen, konnte es anfangs nicht so richtig greifen, aber etwas war anders. Der Bäcker gleich vorne an ist neu, da war vorher ein Obststand, aber das war es nicht. Dann sah ich eine Frau mit Besen und der Groschen fiel: Es wirkte alles deutlich aufgeräumter und sauberer, der Gang war frei – der Markt befindet sich in einem langgezogenem Gebäude, ein Gang in der Mitte und links und rechts die kleinen Verkaufsstände. Auch alles schön sortiert: Vorne an finden sich jetzt Backwaren, dann haltbare Importware wie Kaffee, Kakao, Konserven, dann Obst, später folgen Geflügel, Schwein, Rind und Schaf, dann gibt es Gemüse, dann Fisch und Meeresfrüchte…

Und es riecht natürlich immer entsprechend! Als wir an den Fischständen vorbeigegangen sind, musste ich an den Markt in Liuku denken, wo es noch intensiver gerochen hat, wo die Gänge kreuz und quer gingen, es noch bunter und viel chaotischer war, wo mir dann ein Fisch vor die Füße gesprungen ist und es doch einen Moment gruselig war. Aber heute blieben alle Fische brav (und tot) auf den Tischen liegen, auch aus den Bottichen und Tüten (ja, Fische in wassergefüllten Tüten) ist nichts herausgesprungen – puh.

Fertig?

Wir haben unsere Einkäufe erledigt: Reichlich Schnitzelfleisch für den Schulflohmarkt, dann Geflügel zum Einfrieren für uns privat, dazu etwas Gemüse – am Ende waren wir schon ordentlich bepackt und sind umgedreht, den langen Gang zurück zum Ausgang.

Wir waren gerade wieder beim Fleisch angekommen, da höre ich das Klicken einer Kamera und sehe hoch und in ein großes Objektiv hinein. Ja klar, der Markt ist wirklich ein beliebtes Ziel für Fotografen. Es war allerdings nicht nur ein Fotograf, sondern es war eine Gruppe Japaner, alle mit Kameras bewaffnet – und alle konnten sich nicht über die beiden Langnasen einkriegen, die einen Großeinkauf auf einem chinesischen Markt getätigt haben. Man hat sich gegenseitig zugerufen und die Gruppe (samt Hocker für die bessere Perspektive von oben) zusammen getrommelt, nein, wie unfassbar exotisch, kicher, gacker, kreisch. Ich guck meine Freundin an – sie grinst, ich grinse, die Verkäuferinnen und Verkäufer an den Seiten grinsen und irgendjemand lacht los und irgendwann lachen wir alle, der ganze Markt. Der Wahnsinn.

Irgendwann können wir uns lösen, kommen noch an ein paar japanischen Nachzüglern dabei, müssen immer wieder kurz stehen bleiben und uns ablichten lassen. Gerne hätte ich zurückfotografiert, aber ich war zu schwer bepackt, keine Chance. Endlich kommen wir zum Auto und können fahren.

Für mich war das jedenfalls der lustigste Marktbesuch überhaupt – und auf dem Flohmarkt gibt es dann morgen sicher die fröhlichsten Schnitzel der Welt.

Die letzten Wochen waren einerseits wie Advent in Deutschland auch, viele Weihnachtsfeiern, -essen, -basare, dazu aber (leider) auch einige Abschiedstreffen, es gehen wieder einige lieb gewonnene Leute nach Deutschland zurück. Insofern jedenfalls gefühlt noch stressiger und emotional aufgeladener als Advent in Deutschland. Bei den Abschieden ist mir wieder aufgegangen, wie gern ich hier bin, und dass es hier noch so viel zu entdecken und zu erleben gibt. Das war ganz gut, weil ich tatsächlich in die Reichweite eines Tiefausläufers geraten bin, aber wo ich hier zu dusselig für eine Internet-Bestellung bin, kommt in Deutschland der DHL-Bote nicht. Irgendwas ist doch immer. ;) Also Krönchen gerade richten und auf das nächste, vermutlich wieder spannende Jahr freuen!

Zwischendrin waren die Jungs und ich auch noch mal krank, so dass rückblickend gar nicht viel Weihnachtszeit war und die letzten Wochen gefühlt vorbeigerast sind.

Gestern war das Weihnachtskonzert in der Schule, hat mir unterm Strich wieder gut gefallen, und die Jungs waren engagiert und mit viel Spaß dabei – obwohl es am Ende echt spät geworden ist. Dass ausgerechnet die Jüngsten erst am Schluss dran waren (während ein Großteil der Teenies bereits in der Pause gegangen ist), ist schon unglücklich, zum Glück war heute nur noch ein kurzer Schultag, wo eigentlich auch nur noch gefeiert wurde.

Aber nach so einem Konzert mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, dass auch schulischer Musikunterricht wirklich Freude am Musik machen und Singen vermitteln kann, und dass die Jungs gerne noch mehr Musikunterricht hätten, das macht doch schon sehr zufrieden – die Musiklehrer können sich da jetzt gern gelobt fühlen! 

Jetzt rückt eine dicke Smogwolke näher, seit heute Abend gilt die höchste Alarmstufe – Red Alert – und das für voraussichtlich fünf lange Tage. Da sind wir echt ziemlich froh, dass es morgen in den Urlaub nach Australien geht. Hoffentlich wird der Smog nicht so dick, dass Flüge gecancelt werden müssen… Überhaupt, es lebt sich einfach besser ohne dicke Luft, wir hatten allerdings auch gerade ein paar schöne Tage mit auch aus deutscher Sicht normalen Werten. Und dann ist Peking noch mal so schön, wenn man in der Ferne die Berge sehen kann.

 

 

 

 

Konzert für die Grundschüler der DSP

Schade, dass unsere Jungs keine Grundschüler mehr sind, denn die Grundschüler der DSP (Deutsche Botschaftschule Peking) machen am kommenden Freitag in der Schulaula eine „Reise von Mozart bis Chopin“ mit Justus Frantz. Nur die Grundschulkinder, keine Eltern, keine älteren Schüler – ein Kinderkonzert halt. Das gefällt mir schon richtig gut an der Schule, dass außer dem normalen Unterricht nach Stundenplan fast immer was los ist (Grundschultreff, KinderUni, Lesungen, Projektvorstellungen…). 

Wintereinbruch

Heute Nacht hat es begonnen zu schneien, es ist glatt und windig und bitterkalt. Durch den Compound fuhr den ganzen Vormittag ein Tuktuk, ganz langsam, hinten drauf ein Berg Streusalz und zwei Arbeiter, die mit behandschuhten Händen und sonst keinem weiteren Werkzeug die Straßen und Wege abstreuten… Gutes Timing, morgen ist laut chinesischem Kalender 小雪, xiaoxue. :) Man könnte fast darüber nachdenken, heute Abend Glühwein zu machen…

Vier Wochen noch

Nur noch knapp vier Wochen, dann beginnen die Weihnachtsferien. Dieses Jahr flüchten wir aus dem Smog in die Sonne. Vorher heißt es zum Ferienbeginn leider schon wieder Abschied nehmen, denn einige liebe Menschen gehen nach Deutschland zurück.

Jedenfalls sind diese vier Wochen wie alle Jahre wieder proppevoll mit Weihnachtsfeiern, Weihnachtsbasaren, Basteln, Weihnachtsbäckerei, Weihnachtsessen… Zur großen Freude der Jungs und zu Männes Entsetzen habe ich am Wochenende schon mal dem Chevy Chase/Clark Griswold in mir Raum gegeben, und nun funkelt und blinkt und leuchtet es in fast allen Räumen. Schrecklich schön! 

 

Die Deutsche Botschaftsschule Peking hat in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Martin Walser eingeladen. Das finde ich großartig, ohne Wenn und Aber, Schriftsteller und Schulen sollten viel öfter zusammenfinden, nicht nur hier in Peking, wobei das hier gefühlt häufiger passiert als an den Hamburger Schulen, die ich kenne.

Ich bin kein Fan von Martin Walser. Die meisten seiner Bücher sprechen mich inhaltlich nicht an, und nach dem „Tod eines Kritikers“ hatte ich eh die Lust verloren, mehr von ihm zu lesen. Dennoch schätze ich seine Sprachkraft, und ohne Zweifel ist er ein interessanter Autor, wobei das ja nicht heißt, ihn mögen zu müssen. Grund genug jedoch, die Chance zu nutzen, den 89jährigen noch einmal live zu erleben und zu seiner Lesung in der DSP zu gehen.

Da die Fahrt zur Schule nur halb so lang wie normalerweise gedauert hatte, waren wir so früh da, dass wir die Mikroprobe mitbekommen haben – und dabei einen ersten Eindruck von Walser gewinnen konnten. Ein großer Mann, zu dem der Stock nicht so recht zu passen scheint. Auch wenn er daran langsam geht, wirkt er so vital, dass ich nur denken konnte: so fit möchte man mit beinah 90 wirklich gerne sein! Nächster Eindruck, freundlich formuliert: perfektionistisch, anders: pingelig. („Mehr Tiefen!“ – ok, er hat wohl bessere Ohren als ich, die ich keinen Unterschied mehr wahrnehmen konnte. Und: es ist eine Schulaula, kein Konzertsaal…). Dann entschwindet er erstmal wieder und die Aula füllt sich allmählich.

Routiniert-nette Begrüßung durch die Schulleiterin, und dann liest Walser aus „Ein liebender Mann“. Naja, mein Deutsch-Leistungskurs ist lang, lang her, immerhin war der Unterricht so gut, dass ausreichend viel hängengeblieben ist, um beim Thema Goethe einigermaßen informiert wirkend mitreden zu können. ;) Goethe und die junge Ulrike, das war jedenfalls für meinen damaligen Deutschlehrer, der Goethe verehrt hat und uns Spätpubertierende damit erstaunlicherweise gut infizieren konnte, kein Thema. Überhaupt, das Thema „alter Sack und junges Huhn“ – fand ich bei der schulischen Pflichtlektüre von Frischs Homo Faber schon absolut uninteressant, diese Art Männerphantasie interessiert mich einfach nicht, egal wer die handelnden Personen und das komplette Setting sind, und schon gar nicht aus der immer gleichen Männerperspektive. Aber immerhin, Walsers Geschichte ist unterhaltsam formuliert – was mich in Nachgang darüber über die Macht der Sprache nachdenken ließ (und den Vorteil einer gut beherrschten Muttersprache, mal so aus der chinesischen Beinah-Analphabeten-Perspektive).

Walser beendet das Vorlesen, der Perfektionismus scheint noch einmal durch, als er sich für kurzes Stocken damit entschuldigt, dass das Licht am Lesepult sehr schlecht sei. Und dann beginnt die „Diskussion“, eigentlich nur Fragen und Antwort, ohne Rückfragen. Darüber gehen meine Einschätzung und der Bericht auf der Schulwebsite etwas auseinander… Schade, das hätte spannender und kritischer sein können; die Moderation war etwas unglücklich, allerdings hätte ich da auch nicht vorne stehen mögen. Schade auch, dass Walser meist unterbrochen wurde, wenn er etwas ausholte und ins fabulieren kam – und es für meinen Geschmack gerade richtig interessant wurde, z.B. als er von seinem Prozess des Schreibens erzählte, er und sein Schreibtisch, der beim Schreiben quasi vibrierendes Feedback liefere und es war deutlich zu spüren, da kommt noch mehr… – achja, an diesem Punkt habe ich das unterbrechende „wir haben ja leider keine Zeit“ am meisten bedauert. Konzepte und Pläne in der Tasche zu haben, ist immer gut – aber manchmal ist es besser, davon spontan abzuweichen. ;) Aber vielleicht hat auch der Gast vorab entsprechende Wünsche geäußert?

Nun gut, warum auch immer keine kritischeren Fragen vorgelesen wurden (die waren wohl sämtlich vorformuliert und ausgewählt worden) – sei es wegen der knappen Zeit oder aus Respekt vor dem alten Mann, der die Anstrengung einer Chinareise auf sich genommen hat, es war dennoch ein interessanter Nachmittag. Walser mögen? Auch jetzt nicht wirklich, aber doch, eine gedankliche Auseinandersetzung und einen Blick in die Literaturgeschichte zurück allemal wert, war schön, dass ich hier in Peking die Gelegenheit dazu hatte.

Wo werden wir wohnen? Die Wohnungssuche war für mich und ist sicher auch für viele andere Familien, die vor der Situation „wir gehen nach Peking“ stehen, eine der wichtigsten Fragen. Das eine ist sicher die Entscheidung, ob man in der Stadt oder weiter draußen wohnen möchte, das andere ist das konkrete Haus/Wohnung. Kann halt passieren, dass zum passenden Zeitpunkt im Wunsch-Compound kein passendes Haus frei ist. Hatte ich erwähnt, dass es nichts nutzt, wenn das Traumhaus in einem doofen Compound steht? Oder umgekehrt der Compound toll ist, das Haus aber 1000 Macken hat?

Oh, und was sicher auch eine erste typisch chinesische Erfahrung werden kann: wenn man von einem Makler die ersten Wohnungen/Häuser gezeigt bekommt: nicht erschrecken, es ist üblich, dass sie einem zunächst die Ladenhüter zeigen, bevor es dann wirklich infrage kommendes gezeigt wird. Dabei wird unendlich viel Zeit verplempert… Aber am Ende stehen die Makler toll da, weil sie ja bei so schrecklichen Wohnungen dann doch plötzlich die tolle, richtige (die man gerne gleich als erstes gesehen hätte, verflixt!) aus dem Hut zaubern konnten.

Was ich selber noch wirklich wichtig finde bei der Entscheidung für oder gegen ein Haus/eine Wohnung:

  • Klimaanlage. Die sollte nicht zu alt sein, muss gut gewartet sein (müsste jährlich gereinigt werden, das machen die wenigstens Landlords von sich aus). Und je individueller regelbar, desto besser. Manche Häuser haben nur einen Schalter fürs ganze Haus, wir haben immerhin einen pro Etage, trotzdem ist es oft in einem Raum zu kalt, während es am anderen Ende zu warm ist… Nicht vergessen: so heiß wie es hier im Sommer ist, so eiskalt wird es im Winter…
  • Heizung. Bei uns und in sehr vielen Häusern hier wird über die Klimaanlage geheizt, Mitte Oktober wird durch die Handwerker ein Schalter umgelegt, und statt kühler wird dann warme Luft durch’s Haus gepustet. Im Winter kann man dann mit 2-4mal so hohen Nebenkosten rechnen wie im Sommer. Fußbodenheizung wäre toll, es ist nämlich wirklich bitter, bitterkalt im Winter!
  • Ich würde kein Haus mit „high ceiling living room“ nehmen und möglichst wenig ineinander übergehende Räume. Klar, das sieht schon toll aus, aber: schwer zu heizen bzw. zu kühlen – und auch schwer, die Luft sauber zu halten.
  • gut abgedichtete Fenster und Türen sind wichtig, wegen der Kälte im Winter gern Doppelverglasung (selten zu finden).
  • unter Luftverschmutzungs-Gesichtspunkten: kleinere Räume sind besser (da lässt sich die Luft schneller, effektiver sauberfiltern). Die Jungs haben deshalb die beiden kleinsten Schlafzimmer hier, aber zusätzlich ein großes Kinder-Wohnzimmer.
  • Kamin – viele Häuser haben hier offene Kamine. In Europa liebe ich das auch, hier hätte ich zum einen Bedenken, weil die Luft eh schon so schlecht ist, aber noch wichtiger: durch den Schornstein kommt ungefiltert die schlechte Luft von draußen rein. Unser Kamin ist nur zur Deco, der Landlord hat den Schornstein abgedichtet. Wir haben im Haus zum Glück auch wirklich immer saubere Luft (ok, mithilfe von 9 lärmenden Maschinen).
  • Herd: auf den ersten Blick fand ich unseren 5 Platten Gasherd toll. Allerdings ist der Ofen auch gasbetrieben, allmählich nach einem Jahr komm ich halbwegs damit klar, aber dicke Freunde werden wir nicht werden. Mir ist das jetzt nicht so wichtig, aber für jeden, der gerne backt, kann das ein Kriterium sein!
  • extrem hilfreich: englisch sprechendes Management
  • wie kindgerecht ist der Compound: Kinder-/Babypool? Kinderspielzimmer? Kinderspielplätze, auch für verschiedene Altersgruppen geeignet? Verkehr/Verkehrsregelung? Bolzplatz? Möglichkeiten zum Radfahren, Skaten…?
  • sind die Angebote des Compounds inklusive oder muss man für jede Kleinigkeit extra zahlen? Einzeln oder als Pauschale?
  • Nahversorgung: wenn man nur ein Auto (oder keins) zur Verfügung hat, sollte das Wichtigste fußläufig erreichbar sein.
  • wenn Hochhaus: wie viele Fahrstühle gibt es (in den 18. Stock zu Fuß rauf und runter ist sicher nicht so spassig), vielleicht kann man einen vorhandenen Mieter fragen, ob es damit Probleme gab?
  • Hellhörigkeit? Können Kinder normal spielen oder ist schleichen und flüstern die Devise?

Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee, wenn man die Gelegenheit hat, die Vormieter zu löchern. Oder die Nachbarn. Oder jemanden, der schon in dem Compound wohnt, der kann vielleicht nichts zum infragekommenden Haus sagen, aber zum Compound an sich.

Fragen, Ergänzungen, Tipps, andere Meinung? Mehr Informationen vielleicht zu Hochhaus-Appartments, da ich ja nur eines für kurze zwei Wochen kennengelernt habe! Gerne per Mail oder als Kommentar!

Selten waren wir so froh, dass die Sommerferien zu ende gingen. Dass der Deutschlandurlaub meinem Denguefieber zum Opfer gefallen ist, hat mir und den Kindern (auch wenn die zweit echt super waren und das Beste draus gemacht haben) doch ziemlich nachgehangen, umso besser, dass jetzt alte und neue Freunde zurück in Peking sind, die Schule wieder gestartet ist und es wieder mit vielen Veranstaltungen, Ausflügen, Kursen etc. in die Vollen geht!

Letzten Montag sind die Jungs tatsächlich ohne Gemoser um 6 aus den Betten gefallen, Schule ist halt doch mehr als Unterricht und Hausaufgaben, sondern auch Freunde treffen und Spaß haben und sie sind fröhlich losgezogen. Montagmittag sind die zwei noch ziemlich erledigt aus dem Bus gepurzelt, aber nun sind wir wieder im Alltagsrhythmus angekommen und Freitag war schon mehr elterlicher Nachdruck beim frühen Aufstehen nötig… *grins*

Der September verspricht interessant zu werden, sehr nette Welcomeparty der Patengruppe war am Freitagabend schon, Dienstag besuche ich einen Kochkurs  im Hutong, Donnerstag sind Elternabende bei beiden Jungs, in der Woche drauf starten die AGs- und auch mein Chinesischkurs wieder. Und in der letzten Septemberwoche gehen die Jungs auf Klassenreise und Männe schickt mich währenddessen dies Jahr nicht nach Shanghai, sondern nach Yangshuo. Der Tropendoc hat’s erlaubt, von daher freu ich mich da jetzt auch wieder drauf (auch wenn ich alle drei Stunden im Insektenkiller baden muss).

Letztes Jahr hat die Parade für gute Luft gesorgt, dieses Jahr ist es der Gipfel in Huangzhuo, wobei es heute leider einen Ausreißer gibt, allerdings wird’s später wohl eh gewittern. Trotzdem, der Sommer ist hier noch lange nicht vorbei und wir haben vor, ihn hier zu genießen!

 

 

Jetzt ist tatsächlich das erste Pekinger Schuljahr der Jungs vorbei. Die Zeugnisse sind in Ordnung, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie diesen Riesenschritt von Europa nach Asien bewältigen mussten und obendrein immerzu „vergessen“, dass sie Hausaufgaben haben. Im neuen Schuljahr werden sie aber schon „alte Hasen“ sein – die Schonfrist ist vorbei. ;) Auch wenn bei beiden noch Luft nach oben ist, ich bin froh, dass es alles so gut gelaufen ist, und vor allem dass sie hier glücklich angekommen sind. Klar gibt es gelegentlich mal Heimweh oder es werden alte Freunde vermisst, aber unterm Strich ist unsere Bilanz des ersten Jahres hier durchweg positiv und wir sind froh, dass wir uns auf das Abenteuer eingelassen haben.

Der Große hat seine zweite Gymnasialempfehlung (in Hamburg gab es die schon am Ende der Vierten) und der Kleine hat die Grundschulzeit nun auch beendet. Trotz aller Freude über den Beginn der Sommerferien, über die Wunschklasse für Rasmus (er kommt sowohl zum gewünschten Klassenlehrer als auch mit allen gewünschten Freunden zusammen), über 9 neue Kinder für Justus‘ Klasse – trotz allem sind die zwei erstmal recht bedröppelt aus dem Schulbus gepurzelt – es waren wieder so viele Abschiede…

Inzwischen wird hier aber wieder gekichert und gelacht, denn heute Abend geht es direkt in den Urlaub. Tatsächlich mal nicht nach Schweden, sondern nach Thailand – also  mal komplett anders als unsere bisherigen Urlaube, wir freuen uns und sind gespannt; ich werde berichten. :)

Es ist heiß. Seit Wochen haben wir hier über 30°, Tendenz steigend. Ab und zu gewittert es, aber zum Glück ist es meistens trocken und unerträglich schwüle, drückende Tage sind die Ausnahme. Blöderweise ist die Luft gleichbleibend mies – nicht so katastrophal wie im Winter, aber von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen liegt der AQI zwischen 150 und 200, dazu die bösesten Moskitos der Welt – da verzieht man sich dann doch auch oft nach drinnen. Und trotzdem: so ein langer Sommer (das geht schon seit Mai so) macht gute Laune. Die Stadt ist bunt, es gibt ganz viel Leben auf den Straßen und auch der „Beijing Bikini“ ist wieder viel zu sehen.

Hier ein paar Eindrücke der letzten Zeit:

Ich hab meine Gewohnheit wieder aufgenommen, einfach irgendwo aus der U-Bahn auszusteigen und dann ein bisschen herumzulaufen, bis ich keine Lust oder Zeit mehr habe. Neulich bin ich dann in der Nähe von dem gigantischen Klotz von China Petrol gelandet und konnte mir den Verkehr mal von einer Brücke aus ansehen. Da es früher Nachmittag war, hielt sich das Chaos in Grenzen, aber auf dem einen Bild könnt Ihr sehen, dass man beim Abbiegen sich einfach noch eine Spur dazu denkt und noch eine und noch eine…

 

Grundschultreff

Dann gab es den letzten Grundschultreff – in diesem Schuljahr und für uns auch überhaupt. :) Der Grundschultreff findet vierteljährlich statt und alle Grund- und Vorschüler können mit dem, was sie im (Musik-)Unterricht erarbeitet haben, zum Programm beitragen. Diesmal gab es auch die Verkündung der Antolin-Klassenergebnisse: mit großem Jubel wurden die lesefreudigsten Klassen gefeiert. Viele tolle Fotos der Bundesjugendspiele wurden gezeigt und schließlich wurden die Kinder sowie Lehrerinnen verabschiedet, die die Schule jetzt verlassen werden. Ohje, das war einerseits zwar schön, das jedes einzelne Kind wichtig war und aufgerufen wurde, andererseits standen dann in der langen, lange Reihe, die einmal quer durch die ganze Aula ging, ziemlich viele bedröppelte Kinder, von denen nicht alle die Tränen unterdrücken konnten oder wollten. Ich hoffe, wir gewöhnen uns noch besser an dieses Kommen und Gehen.

Auszeit

Nach dem Grundschultreff hatte ich unverhofft mehr Zeit als gedacht bis zur nächsten Verabredung und wollte zunächst mal Richtung Pearlmarket tuckern, habe mich aber in der U-Bahn spontan umentschieden und bin zum Beihai-Park gefahren mit der Absicht, mich am See in den Schatten zu setzen und zu lesen. Aber als ich am See ankam, „musste“ ich mir einfach ein Boot mieten (nein, kein albernes Entenboot, sondern ein kleines mit Sonnendach) und auf den See hinausfahren – und das war so schön. Nicht nur, weil die Hitze auf dem See irgendwie angenehmer war, sondern endlich mal wieder auf dem Wasser zu sein, ich musste doch kurz an die Alster denken (auch wenn ich bei DER Frage immer Elbe und nicht Alster antworte!). Eine chinesische Familie hatte jedenfalls Spaß daran, mich zu rammen, ich bin dann zweimal um sie rumgetuckert, hab mich knipsen lassen und dann war gut. :) Ich bin schon echt ein Glückspilz, dass ich sowas einfach so mal machen kann, ich glaube am Wochenende, wenn es so überfüllt ist, macht es sicherlich nicht soviel Spaß.

 

Und viele letzte Treffen vor den Sommerferien führten wieder in die „Hobbithöhle“, das Baoyuan Jiaozi Wu in der Maizidian Jie. Zuletzt heute mit dem Chinesischkurs – ich hab jetzt Ferien! :) Noch drei Tage, dann auch die Jungs! :)

Hobbithöhle

Baoyuan Jiaozi Wu

Jetzt sind wir bald ein Jahr hier in China, sind wirklich angekommen und fühlen uns wohl. In zwei Wochen endet das Schuljahr, vor zwei Wochen war schon das erste Sommerfest. Sommerfeste vor den Ferien sind hier immer gleichzeitig auch Abschiedsfeste, und zusätzlich zu den Sommerfesten gibt es die eine oder andere Farewell-Party. Aus Justus‘ 5. Klasse verlassen 7 Kinder Peking, obendrein alles Jungs. Damit schrumpft die Klasse auf 16 Kinder, wenn nicht doch noch Neuankömmlinge dazukommen. Bei Rasmus geht nur ein Mädchen, aber aus einer der Parallelklassen gehen viele Kinder, so dass aus drei 4. Klassen künftig zwei 5. Klassen werden. Bei beiden Kindern ist jeweils mindestens ein „guter Freund“ unter denen, die weggehen. Und auch aus meinem engeren Umfeld gehen einige Frauen zurück nach Deutschland. Auch wenn ich jetzt nicht innerhalb eines Jahres gleich ganz dicke Freundschaften aus dem Boden stampfen kann, das braucht bei mir mehr Zeit – wer weiß, ob das nicht echte Freundschaften hätten werden können? So oder so, hier werden Lücken entstehen, und es ist gut, dass wir in den Sommerferien direkt verreisen und erstmal anderes in den Vordergrund rückt.

Hello – good bye

Ja, es ist anders mit Beziehungen hier, fast alle sind auf Zeit hier und man weiß schon beim Kennenlernen, dass in überschaubarer Zeit Goodbye gesagt werden muss. Den Zusammenhalt im Compound und in der deutschen Community empfinde ich als sehr groß. Wie ich sicher schon erzählt habe, macht es einem unter anderem die Patengruppe leicht, in Peking anzukommen, etwas zu unternehmen, Kontakte zu knüpfen. Auf Fragen zum Alltag („wo gibt es eigentlich…?“) bekommt man immer eine Antwort, nein, nicht nur eine Antwort, sondern direkt das Angebot mit hingenommen zu werden.

Zàijiàn! - Auf Wiedersehen!

Zàijiàn! – Auf Wiedersehen!

Auch die Jungs sind schnell in ihren Klassen angekommen und haben rasch Freundschaften geschlossen. Aber hier kennen alle Kinder das neu sein, sie sind vor gar nicht allzu langer Zeit selbst noch der Neue gewesen. Das ist doch anders als in Hamburg, wo sich manche Kindergruppen schon seit der Kindergartenzeit kennen und es eigentlich nur bei der Einschulung und beim Übergang auf die weiterführende Schule die Situation „alle neu“ gibt und nur ganz selten wirklich mal ein Kind ganz neu dazukommt. Die Kinder hier wissen alle, wie das mit Heimweh und dem Vermissen der alten Freunde ist und – soweit ich das als Mutter beurteilen kann und aus den knappen Erzählungen der Jungs heraushöre – unterstützen sich gegenseitig.

Ich erlebe diese neuen Beziehungen hier als intensiver, die Phase des Beschnupperns geht viel schneller, dadurch, dass  hier die mitreisendenden Partnerinnen zumeist keine eigene Arbeitserlaubnis und demzufolge viel Zeit haben, sieht man sich viel öfter und lernt sich relativ schnell kennen. Es heißt, wenn einen der deutsche Alltag erstmal wieder hat, bleibt nicht mehr viel Zeit, an Peking und die deutschen Pekinger zu denken. Aber ich hoffe doch sehr, dass es nicht nur Abschiede für immer gibt, sondern dass es auch Wiedersehen gibt – wann und wo auch immer.

Rollstuhlübergabe im Waisenhaus „Blue Sky“

Ende April war ich im Waisenhaus „BlueSky“. Im Rahmen eines Sozialprojektes an der BSB (British School of Beijing) wurde für einen Jungen mit Arthrogryposis ein elektrischer Rollstuhl in Deutschland gefunden, für das Kind individuell angepasst, nach China geflogen und dann hier übergeben. Das war ein unglaublicher Gänsehautmoment, man kann sich nicht annähernd vorstellen, was das für den Jungen für ein Plus an Lebensqualität sein muss! Und ebenfalls Respekt vor dem 16jährigen Schüler, der sich da so reingehängt hat.

Lìxià – Anfang des Sommers

Statt Vatertag/Himmelfahrt war am 5. Mai hier 立夏(Lìxià), d.h. Anfang des Sommers. Gefällt mir irgendwie besser, auch wenn normaler Arbeits- und Schultag war. Über das Wetter hier kann ich mich echt nicht beklagen, wenn der AQI nun noch immer im grünen Bereich wäre, wäre es perfekt.

Geburtstagsfeierlichkeiten

Dann hatten wir hier einen 10. Geburtstag. Am Geburtstag selbst war quasi die „Familie“ – die Freunde aus dem Compound – zum Kaffeetrinken da und dann gab es den Kindergeburtstag mit den Schulfreunden. Alles anders hier (die Entfernungen…) und neu und dann auch wieder genau wie in Deutschland. Die Jungs waren schon bei einigen Kindergeburtstagen eingeladen, da gab es „Lasertag“, Schlittschuhbahn, „klassischer“ Kindergeburtstag zuhause und Übernachtungspartys. Eine Mischung aus letzterem hat sich Rasmus dann auch gewünscht und bekommen. War schon anstrengend, aber auch schön. :)

Projektwoche

Für die Jungs wird die kurze Schulwoche ab morgen hoffentlich super: Es ist Projektwoche. Beide haben zwar nicht Ihr Wunschprojekt bekommen, sie wollten beide „Cybernetica“ und einen Roboter bauen (*zu den großen Brüdern nach Deutschland wink*) aber mit der Zweitwahl sind sie glaube ich auch gut zufrieden: Rasmus ist im „Reiseführer-Peking“-Projekt, dafür geht es jetzt erstmal auf Recherchetouren: zur Mauer, zum Sommerpalast und in den Chaoyang-Park, und am Freitagvormittag wird der Reiseführer dann zusammengestellt. Justus macht „Chinesische Musik“ von traditionell bis modern, da bin ich auch schon auf die Präsentation am Freitag gespannt.

Unter den „Schnipseln“ finden sich künftig Kleinigkeiten, für die es (noch) keinen eigenen Blogeintrag gibt, quasi Kurzmeldungen.

AutoChina

Das ganz große Verkehrschaos ist ausgeblieben, zwar mehr Stau als sonst, aber längst nicht so wild wie befürchtet. Einkaufen hier im Umfeld war ganz normal, keine Schlangen bis auf die Straße, wie es prophezeit wurde. Das einzig Problematische: Taxifahren. Erst kommt man nicht oder nur mit viel Verspätung weg (selbst mit eingeplanter längerer Warte- und Fahrzeit) und zurück wollen nicht alle Taxifahrer fahren, weil sie wohl noch das Chaos von vor zwei Jahren, wo es noch viel schlimmer gewesen sein soll, vor Augen haben.

Schule

Egal ob Schule in Deutschland oder China: auf der Prioritätenliste der Jungs leider nicht ganz oben…

Maifeiertag

Fast ganz China hat frei, vom 30.4.-2.5. Nur die Kinder der Deutschen Schule dürfen lernen gehen. Dafür haben sie dann am Pfingstmontag frei, wenn alle anderen arbeiten/lernen. Das ist insofern unpraktisch, als arbeitende Eltern eher an chinesischen als an deutschen Feiertagen frei haben, das heißt: kein langes Familienwochenende. Auch in Familien, deren Kinder verschiedene Schulen besuchen, wird es heute früh sicher lustige Szenen gegeben haben, da die Deutschen Schüler die einzigen sind, die heute los mussten.

Beijing Bikini

Mit den sommerlichen Temperaturen ist er wieder da, der Beijing Bikini: Unterhemden/Shirts und nackte Männerbäuche. Wow.

Ich bin sitzengeblieben! Nein, so ist das nicht ganz richtig. Ich habe den Fortgeschrittenenkurs an der Schule verlassen und bin nun im Anfängerkurs. Und das ist gut so, auch wenn es schade ist, einige lieb gewonnene Gesichter nun nicht mehr regelmäßig zu sehen. Als wir hier ankamen, hatte ich ja bereits in Hamburg die Anfängerkurse gemacht, also noch mal bei Adam und Eva anfangen wollte ich nicht. Und hier würde ich ja soviel Zeit haben, das nachzuholen und zu lernen, was mir im Fortgeschrittenenkurs noch fehlte… Denkste.

Nicht nur, dass das Lernen eh zeitaufwendiger ist als man hofft, es kamen durch krankheitsbedingte Fehlzeiten immer neue Lücken hinzu, die Tage hier sind viel zu kurz um alles zu tun, was man gern tun würde, sollte und müsste – und anstatt aufzuholen wurde der Abstand immer größer. Wenn Grammatik erklärt wurde: Prinzip verstanden, so schwer ist das nicht – aber keine Chance, das irgendwie anzuwenden, weil ich zuviele Vokabeln nicht gelernt hatte… Und obwohl ich weiterhin hoch motiviert bin und mein Chinesisch unbedingt besser werden soll und ich weiter lernen will, hat es einfach keinen Spaß mehr gemacht.

Also über den Schatten gesprungen und erst mir und dann der Laoshi gegenüber eingestanden: ich pack das nicht – und ganz unkompliziert den Kurs gewechselt. Und jetzt macht das Lernen auch wieder richtig Spaß. Die „Anfänger“ sind das Dreivierteljahr hier ja auch nicht untätig gewesen, passt jetzt genau für mich. Kleines Bonbon obendrauf: eine Freundin und Nachbarin ist in dem gleichen Kurs, wir können also nicht nur zusammen in die Stadt hineinfahren, sondern uns auch gut gegenseitig unterstützen.