Foyer - Deutsche Botschaftsschule Peking

Im Januar waren die Jungs drei Wochen in der Schule. Dann kam Corona, und seit dem nicht mehr. Mit viel Vorfreude, aber auch gemischten Gefühlen haben wir die Wiedereröffnung der Schule erwartet. Ist es wirklich sicher? Lohnt sich der Aufwand für die knapp vier Wochen bis zu den Ferien? Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Kumpeln hatte die Oberhand. So trafen sich meine Jungs am Dienstagmorgen mit einem Schulfreund und sind zum ersten Mal seit Januar zur DSP – Deutschen Botschaftsschule gegangen.

Homeoffice im Schulgebäude?

Kein Splitten der Klassen nötig, keine Gruppenbildung, kein Schichtbetrieb. Da wäre doch fast normaler Unterricht möglich? Leider nicht, inhaltlich hatte sich schon vor dem Start etwas Ernüchterung eingestellt, als per Mail das Prozedere erläutert wurde. “Unterricht” findet zwar während der normalen Unterrichtszeiten statt – aber nicht nach Stundenplan, sondern mit Wochenplänen. Nur Sport, Kunst und Musik werden tatsächlich unterrichtet, ansonsten werden die Klassen vom Klassenlehrer und 3 weiteren Lehrern im Wechsel beaufsichtigt. Im Prinzip findet der Online-Unterricht nun in den Schulräumen statt – nur unter schlechteren Bedingungen:

  • Technisch (die Jungs haben Desktoprechner, für die kurze Zeit schaffen wir sicher keine zusätzlichen Laptops an, wenn es dann bald wieder heißt: “in Schönschrift ins Heft”)
  • Hitze – die Klimaanlage darf erst ab 32 Grad im Raum angestellt werden
  • Unterstützung – es stehen zwar viele Fachlehrer zur Verfügung, die aufsichtsführenden Lehrer haben Listen, wer wo zu finden ist. Die Hemmschwelle, das zu nutzen, scheint bei den Kindern aber recht groß – zuhause reicht ein “Mamaaaaa?”
  • Was weiterhin fehlt: Erklärungen und Einordnungen der Lehrer über die Buchtexte hinaus, jetzt nicht mal mehr per WebEx.

Tatsächlich haben es nach 15 Wochen Online-Schule einige Lehrer noch immer nicht geschafft, mehr anzubieten als “Lest Seite 56 und bearbeitet die Aufgaben 1-5”. Achja, eLearning? Guckt bei Anton (oder einer anderen Lernplattform nach) – könnte man auch mit “googelt das halt” übersetzen. Sagen wir mal so, sich Lernstoff eigenständig zu erarbeiten, haben meine Jungs jetzt wirklich gut drauf. 

Warum ist das so?

Etwa ein Drittel der Schüler ist nicht in Peking und muss natürlich auch unterrichtet werden. Das lief unter dem Stichwort “Doppelbeschulung”. Das sieht nun aber nicht nach doppelt, sondern nach sehr einfach aus, und ich könnte mir andere, deutlich bessere Lösungen vorstellen. Aber für die paar Tage bis zu den Ferien kann man das notfalls halt so machen.

Ein paar Tage bis zu den Ferien? Möglicherweise wird ein Teil der Schüler erst im November wieder zurückkehren können (Einreiseverbot für Ausländer, es werden wohl nicht alle auf die Handelskammer-Charterflüge kommen können). Tja, und deshalb soll das nach den Ferien so fortgesetzt werden. Entschuldigung, das geht gar nicht.

Luft nach oben ist ja immer, und mir ist klar, dass das verglichen mit Schulen in Deutschland jammern auf hohem Niveau ist. Allerdings zahlt man in Deutschland auch keine Schulgebühren. Aber selbst ohne diesen Aspekt: es gibt so viele Möglichkeiten, und es ist ein Jammer, das diese nicht genutzt werden.

Trotzdem sind die Jungs schon sehr froh, endlich wieder zur Schule gehen zu können. Wie für viele andere Kinder ist auch für sie der soziale Aspekt das Wichtigste an Schule. An die besonderen Umstände – Temperaturchecks, Maskenpflicht, markierte Laufwege etc. – kann man sich gewöhnen. Und in drei Wochen sind schon wieder Ferien – die sich zu Corona-Zeiten voraussichtlich viel länger anfühlen werden als normalerweise. Von daher ist es echt gut, dass die Schule wieder gestartet ist. Auf Normalität müssen wir aber weiter warten.

 

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