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Heute Nachmittag hatte ich Zeit und bin spontan in Richtung Shichahai getuckert. Aber schon auf dem Weg gibt es viel zu gucken.

Zum Rauchen nach draußen…

Der Hund muss mit!

Am Shichahai

Heute ist nicht so viel los wie vor kurzem, die Rikschafahrer haben nichts zu tun.

Der Bootsverleih ist wieder geöffnet. Ich überlege kurz, denke aber, dass ich dafür gerne ein anderes Objektiv an der Kamera hätte, heute hab ich das 24 mm drauf. Wie so oft denke ich, dass das ein Luxus ist, den ich als Touri hier nicht hätte: ich kann halt unkompliziert jederzeit wiederkommen.

Bootsanleger am Westufer des Shichahai

Als sie sieht, dass ich sie fotografiere, wirft sie sich in Pose, Schirm kommt weg.

Tempel des Feuergottes

Wo ich schon in der Ecke bin, schau ich auch noch kurz in den Feuergott-Tempel hinein.

Die bunten Wimpel, die neulich noch hingen, sind weg. Schade, das war noch bunter. Dafür ist die Musik heute lauter.

Yandai Byway

Die Yandai Gasse ist zwar keine 250 Meter lang, aber wirklich hübsch. Klar, sie ist touristisch so aufgehübscht worden wie die Nanluoguxiang, mir gefällt’s trotzdem. “China Famous Historical Cultural Street” seit 2010, da müssen wohl chinesische Standards gewahrt werden.

Türklopfer mal anders

Vor der historischen Post wird fotografiert.

Hier findet sich die typisch chinesische Mischung von Handwerks- und Souvenirläden, Imbissbuden und Restaurants mit (nicht nur) lokalen Spezialitäten. Mich versetzt das kurz in eine Stimmung wie auf Reisen, fühle mich an solche Tourigassen in Dali, Xi’an, Luoyang erinnert (so unterschiedlich diese Orte auch sind). Ich sollte wohl doch wieder häufiger auf Sightseeing-Tour gehen.

Egal wie alt du bist, du bist hier nie zu alt für Haarschmuck aller Art!

Dieses plastische Stadtmodell ist das erste, dass ich hier bewusst wahrnehme (Oder es ist das einzige? Keine Ahnung!).

Fuhrpark

Meerjungfrau oder Hofdame?

Sieht man auch vielerorts in China: Kuscheltiere als Deko am Haus.

Ich werfe noch einen Blick zurück in die Gasse, bevor ich zu meinem Scooter zurücklaufe.

Mondfest in Sicht

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Jingkelong, wo viel los ist. Der Bao’an, der mir immer helfen will und mich immer ermahnt, langsam zu fahren, kommt extra angerannt, um ein Fahrrad zur Seite zu schieben, damit ich meinen Scooter abstellen kann. Das ist mir echt peinlich, ich will keine Sonderbehandlung.

Im Supermarkt gibt es zahlreiche Sonderstände: nächste Woche ist das Mondfest. Natürlich Mondkuchen, stückweise einzeln verpackt oder in bunten, aufwendigen Geschenkverpackungen. Diese Geschenkpackungen gibt es aber auch für ganz alltägliche Dinge wie Eier, Öl, Würzsaucen, Süßigkeiten, Nüsse … .

Vorhin klingelt es an der Tür – der Vermieter, der mir zwei große Geschenktüten entgegenhält. Mondkuchen und eine Massagepistole. Cool. :)

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. 

6 Jahre in Peking

Wir hatten Jahrestag: am 16. August hat nun schon unser 7. Peking-Jahr begonnen. Hätte mir das früher jemand gesagt, dass wir so lange hier bleiben, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt. Und nun sind wir alle vier immer noch gerne hier, und so wie es aussieht, bleibt das auch noch ein paar Jahre so.

Ich finde Peking und China immer noch so spannend und aufregend wie am ersten Tag. Langweilig wird es hier nie. Nicht nur, weil sich hier immer und überall alles ständig ändert, sondern auch weil es immer noch so vieles zu entdecken gibt. Was natürlich inzwischen viel besser als am Anfang ist: das sich auskennen, Ängste und Unsicherheiten abgelegt zu haben.

Was immer noch und immer wieder mal nervt: die Sprachbarriere. Andererseits habe ich mich mit meinem dürren Chinesisch abgefunden, komme im Alltag gut zurecht damit. Um besser sprechen und vor allem mehr lesen zu können, müsste ich viel Zeit investieren. Dieser Aufwand steht in keinem gescheitem Verhältnis zum Ergebnis, und es bliebe keine Zeit mehr für andere Interessen und Aktivitäten. Auch so im Alltag lerne ich ja doch immer wieder ein bisschen dazu. Und sei es, dass ich anlassbezogen Wörter und Floskeln auswendig lerne. Mal sehen, wie schnell ich wieder vergesse, was “entspiegelte Brillengläser/Antireflexbeschichtung” heißt. ;) Wenn es wirklich mal klemmt, helfen eh Übersetzungs-Apps gut weiter.

Sommerferien gehen zu Ende

Die langen Sommerferien (immerhin fast zwei Monate) gehen mit Riesenschritten auf ihr Ende zu. Nächsten Montag geht die Schule wieder los. Zunächst zwar “nur” online, aber das läuft hier gut, und die Jungs kommen damit auch gut klar. Die beiden freuen sich eher über den sanften Übergang in den Schulalltag. Ab 1.9. geht’s dann ganz normal mit Präsenzunterricht los.

Die kleinen Jungs, mit denen ich hier angekommen bin, sind inzwischen große Teens, die mich überragen, keine Grundschüler mehr, sondern Oberstufenschüler.

Covid in Peking

Erfreulicherweise ist es bei dem jüngsten Ausbruch bei einer Handvoll Fälle geblieben. Heute wurden 8 Tage ohne lokale Neuinfektion vermeldet. Die spürbare Anspannung auf den Straßen ist wieder weg, das wird u.a. durch die wieder lässigere Handhabung der Masken sichtbar, dazu sind wieder mehr Leute unterwegs. Der Lamatempel ist allerdings noch geschlossen, und die meisten Museen und viele Parks haben noch reduzierte Kapazitäten. Für die Verbotene Stadt werden derzeit maximal 48.000 Tickets/Tag verkauft (60 Prozent von normal vor Corona, da lag die tägliche Kapazitätsgrenze bei 80.000 Tickets).

Wir hoffen nur, dass es bald mit dem Reisen wieder einfacher wird, unsere drei Großen, den Rest der Familie und Freunde so lange nicht sehen zu können, das macht schon etwas zu schaffen. Egal, ob wir nach Europa fliegen oder wir hier Besuch bekommen: das fehlt. Aber vor Sommer 2022 wird das wohl nichts mehr, böse Zungen unken schon von 2023 *Ohrenzuhalt*.

Besuch fehlt auch noch in einer anderen Hinsicht: Wenn ich mit Besuch unterwegs bin, habe ich viel mehr den Blick für das Andere, Besondere, Ungewöhnliche. Nach so langer Zeit ist Peking unser Zuhause, und solche in Deutschland eher ungewöhnlichen Fahrzeuge sind für uns normal. Jetzt muss ich bewusst hinsehen, um den Blick für den hier oft doch so anderen Alltag zu schärfen. Dabei hilft natürlich, dass ich nie ohne Kamera aus dem Haus geh.

Zwei Kinder stehen einem mit Wäschesäcken voll beladenem Tuktuk.

Mumins in Peking

In der Citic Buchhandlung gegenüber vom Capital Mansion sind gerade Mumin-Wochen. Außer Mumin-Büchern (chinesische Übersetzungen) kann man auch Drucke und allerlei Merch erwerben.

Das fand ich jetzt mal richtig knuffig.

 

Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin am Shichahai spazieren gehen und den Tempel des Feuergottes noch einmal besuchen. Sie war da noch nicht, hätte aber die chinesischen Schilder  übersetzen, die Mitarbeiter und Mönche fragen und so mehr erklären können. Weil es morgens aber gewittert hat, haben wir umdisponiert und wollten stattdessen ins Nationalmuseum gehen. Dazu haben uns am Tian’anmen verabredet.

Blick vom Metro Ausgang Tiananmen Ost zum Tor des Himmlischen Friedens

Treffpunkt Metro Tian’anmen Ost

Wie sich herausstellt, hätten wir mindestens einen Tag vorher reservieren müssen. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man schon am Tian’anmen ist, gibt es mehr als genug zu tun und zu gucken. Zum Glück macht der Regen Pause.

Rund um den Tian’anmen

Rund um den Tian’anmen stehen fünf bedeutende Gebäude:

  • im Norden das Tor des Himmlischen Friedens (der Eingang zur Verbotenen Stadt),
  • im Osten das Nationalmuseum,
  • im Süden das Mao-Mausoleum und dahinter Zhengyangmen (das größte und prächtigste Stadttor) und
  • im Westen die Große Halle des Volkes

Auf dem Platz steht dann auch noch das Denkmal für die Helden des Volkes – und nicht zuletzt ist auch das Gewusel und Gewimmel hier unglaublich interessant.

Das Tor des Himmlischen Friedens

Es geht direkt los mit dem Tor des Himmlischen Friedens. Jedes Mal, wenn ich hier bin, überkommt mich ein ganz unwirkliches Gefühl – ich bin wirklich in Peking?!

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, davor Auto-Stau

Tor des Himmlischen Friedens

Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle. Hier werden die chinesischen ID-Cards automatisch gescannt, ausländische Pässe müssen von Hand gecheckt werden. Aber anstatt wie meistens meinen Pass nur vorzuzeigen und durchgewunken zu werden, werde ich gefragt, warum ich in Peking bin und wie lange schon. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Sicherheitsbeamte wissen wollte, ob ich Diplomatin sei. Seltsam, sonst wird eher nach Journalisten gefragt. Ob das was mit dem Fall des an Covid-19 erkrankten Diplomaten zu tun hat, der nicht weit von hier im Legendale abgestiegen war (das Hotel ist nun unter “closed management”)? Naja, ist ja auch egal, wir sind auf dem Platz.

Tian'anmen mit Mao-Mausoleum

Mao-Mausoleum, dahinter Zhengyangmen und Bogenschützenturm

Wir schlendern erst einmal über den Platz, der mich nicht nur wegen seiner Größe (“größter befestigter Platz der Welt”) beeindruckt.

Tian'anmen, Blick zum Tor des Himmlischen Friedens

Auf dem Tian’anmen

Die Deko anlässlich der 100-Jahr-KP-Feierlichkeiten steht noch.

Tian'anmen, Blick auf die Große Halle des Volkes und das Denkmal für die Helden des Volkes

Große Halle des Volkes und Denkmal für die Helden des Volkes

Das Nationalmuseum

Der Eingang des Nationalmuseums war früher hier von der Platz-Seite aus. Jetzt ist er nach vorne zur Chang’an Avenue (zurück-?)verlegt worden. Das ist dichter an der U-Bahn und noch vor dem Sicherheitscheck am Tian’anmen, also etwas praktischer.

Pekings Nationalmuseum vom Tian'anmen aus gesehen

Nationalmuseum

Das Denkmal für die Helden des Volkes

Meine Freundin erzählt, dass sie als kleines Kind einem Missverständnis aufgesessen ist und geglaubt habe, dass unten in dem Denkmal die Soldaten wohnen würden. Damals hätte sie vergeblich nach Fenstern und Türen gesucht. Heute kommt man nicht mehr so dicht dran, aber das Missverständnis hat sich inzwischen ja auch aufgeklärt.

Denkmal für die Helden des Volkes auf dem Tian'anmen in Peking

Denkmal für die Helden des Volkes

Volksfeststimmung

Auf dem Platz ist richtig viel Trubel. Familien, Paare, kleine und große Reisegruppen sind hier unterwegs. Manche warten hier auf ihre Begleitung, denn in das Mao-Mausoleum darf man keine Taschen, Schirme, Kameras, Gepäck mitnehmen – nur Handy und ID-Card/Pass sind erlaubt.

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten, während ein kleines Reinigungsfahrzeug herumfährt. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Die große Halle des Volkes

Auf die große Halle des Volkes werfen wir nur einen kurzen Blick.

Tian'anmen: Blick auf das Denkmal für die Helden des Volkes und die Große Halle des Volkes - mit vielen Menschen auf dem Platz

Denkmal und große Halle des Volkes

Mao-Mausoleum

Meine Freundin fragt mich, ob ich Mao schon mal gesehen habe. Nein, habe ich nicht. Sie zückt ihr Handy, scannt den QR-Code, der an der Absperrung zum Mausoleum hängt, hält mir das Handy hin, damit ich meinen Namen und meine Passnummer eingebe – und zack, haben wir einen Besucherslot von 10-11 Uhr gebucht. Das kam jetzt überraschend.

Aufwendige Sicherheitsmaßnahmen

Wir überqueren die Straße, gehen am Nationalmuseum vorbei zu einem weiteren großen Gebäude, wo man seine Habseligkeiten abgeben kann – wie gesagt, ins Mausoleum darf man nichts mit hineinnehmen. Die Schlange hier ist sehr lang, oben auf der Treppe steht ein Mann und brüllt seine Anweisungen in ein Megaphon: Keine Taschen! Keine Schirme! Alles hier abgeben! Es werden immer große Gruppen von Leuten hineingelassen, und es scheint ewig zu dauern. Das kriegen wir bis 11 Uhr nicht mehr hin. Wir beschließen, es so zu machen, wie viele der anderen Leute auch: wir gehen abwechselnd ins Mausoleum.

Meine Freundin sagt, ich soll zuerst gehen, sie wäre ja schon mal da gewesen, nimmt mir meine Tasche ab und drückt mir ihr Handy in die Hand (weil sie damit unseren Slot gebucht hat). Und schon passiere ich eine erste Einlasskontrolle, bei dem wohl nur geguckt wird, dass man wirklich nichts weiter dabei hat. Durch viele Absperrgitter schlängelt sich der Weg zum Mausoleum, es geht aber zügig voran.

Dann kommt eine Sicherheitskontrolle, wo QR-Code und Pass gecheckt werden, nach dem Scanner werde ich noch mal von Hand abgetastet und darf weitergehen.

Nelken für Mao

Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle steht eine kleine Verkaufsbude, wo man in Plastikfolie verpackte weiße Nelken für 3 Kuai/Stück kaufen kann. Das tun viele der chinesischen Besucher. Ich bin überhaupt die einzige Langnase weit und breit. Der Weg schlängelt sich weiter, an weiteren Nelkenbuden vorbei. Vor den Stufen zum Gebäude stockt es schließlich, hier wird der Einlass der Menschen genau getimed.

Und dann geht es so schnell, dass ich jetzt schon beschließe, dass ich den Besuch hier wiederholen muss.

Wächter machen das wohl überall auf der Welt verständliche “Psst!”-Zeichen und legen den Finger auf den Mund. Fotografieren ist strengstens verboten!

Nach der Eingangstreppe landet man in einem großen Vorraum, in der eine großen Mao-Statue steht. Die weißen Nelken werden Soldaten in die Hand gedrückt, die sie ordentlich auf und um ein Podest vor der Statue stapeln. Aber bitte nicht stehen bleiben, gleich weitergehen.

Da liegt er

Die Schlange teilt sich hier und wird nun links bzw. rechts an der Statue vorbei in den nächsten Raum geschleust: Maos Grabkammer, wo er in seinem Kristallsarg liegt. Eigentlich wollte Mao selbst kremiert werden, aber nun liegt er seit 45 Jahren hier, sieht aus wie eine Wachsfigur (wenn es denn wirklich seine Leiche ist, Gerüchte stellen das infrage). Das wächserne Gesicht leuchtet orange, ich sehe allerdings keine Lampe, die ihn anstrahlt, was das ganze noch surrealer macht.

Alle werden langsamer, während sie schauen. Bei nicht wenigen fließen Tränen. Ich werde wohl zu langsam, ein Wächter winkt und ich beschleunige meinen Schritt. In einem kleineren Raum fließen beide Besucherströme wieder zusammen und dann geht es auch direkt hinaus und man steht auf dem Platz vor dem Zhengyangmen. Hier könnte man sich noch mit Souvernirs eindecken, ich passe.

Rückseite/Ausgang des Mao-MausoleumsRückseite/Ausgang des Mao-Mausoleums in Peking

Ich eile zurück zum Eingangsbereich, fliegender Wechsel. Wir machen nur noch schnell aus, dass wir uns am Ausgang wieder treffen.

Später erzählt meine Freundin mir, dass viele Chinesen aus der Provinz ihr Leben lang sparen, um nach Peking reisen und Mao sehen zu können. Ich hatte den Besuch hier bisher nicht auf der Liste, u.a. auch weil mich die langen Schlangen abgeschreckt haben. Doch obwohl es eine solche Menschenmenge ist, die hier Tag für Tag (außer montags, grins) durchgeschleust wird, geht es erstaunlich schnell. An keinem Punkt (außer an dem “Taschengebäude”) steht man sich die Beine in den Bauch, es geht immer voran. Tatsächlich war es völlig unabhängig davon, wie man zu Mao steht, eine interessante Erfahrung: das Prozedere, die Leute und deren Reaktion.

Zhengyangmen

Zhengyangmen (auch Qianmen) ist das Haupttor und das größte und prächtigste aller Pekinger Stadttore. Hier gibt es auch ein Stadttor-Museum, dass wir uns heute aber nicht mehr ansehen. Stattdessen gehen wir in einem Hutong abseits der Qianmen Street zum Mittagessen.

Pläne machen ist gut, Pläne umschmeißen wie man sieht aber auch. Ich bin direkt dankbar für das Gewitter am Morgen, das den Anstoß für die Planänderung gegeben hat.

In diesem Sommer regnet es noch mehr als üblicherweise im Juli, gefühlt immer, wobei es zum Glück doch Regenpausen gibt. Gestern habe ich ein paar trockene Stunden genutzt und bin spontan drauflosgetuckert.

Diesen fahrenden Händler (mit dem Kopf hinter den Grillenkäfigen) sehe ich relativ oft in verschiedenen Ecken. Er hat immer Grillen und Vögel dabei – und immer einen Pulk von Leuten um sich herum.

Tempel des Feuergottes

Kurz danach bin ich am Shichahai gelandet, wo ich mir spontan den Tempel des Feuergottes angesehen habe. Der Eintritt ist frei, keine Voranmeldung nötig – geht also tatsächlich spontan. Nur den Healthcode scannen und man darf eintreten.

Die meisten Touristengruppen gehen achtlos vorbei und steuern direkt den See und/oder die Rikschas dort an. Ich selbst habe das Gebäude auch erst vor Kurzem als Tempel wahrgenommen, es war aber abends und schon geschlossen.

Der Geschichte des taoistischen Tempel des Feuergotts (Huode Zhenjun-Tempel) reicht zurück bin in die Tang-Dynastie (7. Jahrhundert). Er muss eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich haben, aber leider habe ich weder vor Ort noch im Internet oder meinen Reiseführern weitergehende Informationen gefunden.

Der Tempel ist überschaubar, lebendig, bunt, aktiv und gefällt mir auf Anhieb richtig gut.

In den Hallen sind die Altare vor den Buddhas bunt und üppig geschmückt (keine Bilder, Fotografieverbot). Besucher verbeugen sich, lassen sich auf Knien auf den Kissen davor nieder, berühren dreimal mit der Stirn den Boden. Diese Verbeugungen werden von Gongschlägen begleitet.

Dies Tor führt zu Straße, ist geschlossen und dient daher prima als Bike-Parkplatz. :)

Rikschas

Danach bin ich noch ein bisschen am See spazieren gegangen.

Ich selber bin erst einmal mit einer Rikscha gefahren, als ich an einem organisierten Ausflug teilgenommen hab, wo das mit dazugehörte. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis dazu, ich fühle mich nicht wohl, wenn andere für meine Fortbewegung körperlich arbeiten müssen, da steige ich lieber selbst aufs Fahrrad oder meinen Scooter (der hat auch seinen Fun-Faktor).

Die Bogenbrücke ist zu steil, bis auf ein schlafendes Kind müssen alle aussteigen und zu Fuß über die Brücke. Manche Fahrgäste packen mit an.

Kreuz und quer durch die Hutongs

Inzwischen wurde es wieder düsterer, Zeit zum umkehren, um nicht nassgeregnet zu werden. Auch die Hochzeitsfotografen an “der Ecke” der Verbotenen Stadt waren am zusammenpacken.

Hutongs können – nicht nur wegen des herannahenden Regens – ziemlich grau und trist wirken…

… aber auch bunt und idyllisch.

Eigentlich ist hier an der Kreuzung gerade eine große Verkehrskontrolle. Uneigentlich:

Tja, so hübsch kann “Straßenbegleitgrün” aussehen.

Dieser Weihnachtsbaum steht hier “schon immer”, ganzjährig, seit ich in Peking angekommen bin.

Ich sprinte noch schnell durch den Jingkelong, als ich wieder rauskomme, nieselt es schon. Einer der Bao’ans (Sicherheitskräfte in schwarzen Uniformen mit roter Armbinde) lässt es sich nie nehmen, mir zu helfen. Anfangs war mir das peinlich und auch etwas lästig, weil ich meinen Scooter alleine schneller bepacken kann. Aber er lässt nicht locker, freut sich offenkundig immer, wenn er mich sieht, und nun gehört das halt zu meinem Jingkelong-Einkauf mit dazu. Nicht zuletzt hat es auch was von hier Zuhause zu sein.

Ich komme gerade noch trocken zuhause an – dann schüttet es wie aus Eimern. Glück mit dem Timing gehabt!

Fotos

Ich bin gefragt worden, wie es rund um die Schule und bei uns so aussieht. Also habe ich mir heute, als ich zum Einkaufen gefahren bin, die Kamera um den Hals gehängt und zwischendrin geknipst. Das Wetter ist schön, nur die Luft ist nicht so toll (AQI 172).

Das ist die Tianze Lu (Straße). Schulweg und Strecke in Richtung Lucky Street, Solana, Chaoyang Park …

Und hier der Lady Street Flower Market. Als wir vor eineinhalb Jahren umgezogen sind hieß es, er würde in ein paar Wochen wieder öffnen. Tja, Satz mit x. Immerhin, jetzt tut sich etwas. Vor ein paar Tagen wurde an den Rohrleitungen rundherum gearbeitet, und jetzt steht ein Gerüst. Ich bin gespannt.

Danach geht es an der US-Botschaft vorbei – und der isländisch/estländischen (die teilen sich ein Gebäude), der indischen und der israelischen.

An der Ecke Tianze Lu/Liangmaqiao Lu schau ich in Richtung Schule, wo auch die Schulbusse parken.

Ich fahre aber erstmal in die andere Richtung zur Lucky Street.

Das ist eine Ladenzeile mit einigen Läden und vielen Restaurants.

Hier ist auch einer der verschiedenen deutschen Bäcker in Peking: South German Bakery, mit dem kleinen Café Konstanz. Im Obergeschoss befindet sich ein deutsches Restaurant, die Bodenseestube.

Ich kaufe ein ganzes Toastbrot und ein “Schwäbisches Holzofenbrot” und fahre weiter in Richtung Schindler. Dabei komme ich am Solana (Einkaufszentrum) vorbei, das ich heute aber links liegen lasse. Dort gibt es auch einen BHG-Markt (gehobener chinesisch-internationaler Supermarkt), in dem es laut meiner Nachbarin das beste Fleisch für Rouladen in ganz Peking gebe.

Ich biege in Richtung Schindler ab und denke mal wieder, dass Peking zu einem Großteil aus Restaurants besteht. ;)

Et voilá: Schindler aka German Food Center. Fleisch kann man auch anderswo gut kaufen, aber Wurst und Würstchen, Leberkäse und Aufschnitt sind hier wirklich gut. Verschiedene deutsche/europäische Importwaren gibt es ebenfalls. Schindler ist eine Pekinger Institution mit Restaurants und Läden. Hier und hier kann man mehr über Schindler’s Erfolgsgeschichte in Peking lesen.

Ich kaufe Fleischsalat, Kassler-Aufschnitt und Wiener Würstchen und tuckere weiter in die Maizidian Jie. Bei Jenny Lou (internationaler Supermarkt) brauche ich heute nichts, und auch aus der Jiaozibude (Hobbithöhle, Kellerchinese oder korrekt: Bao Yuan Jiaozi Wu) brauche ich heute nichts.

Nun bin ich zurück an der Liangmaqiao-Kreuzung. Hier sieht man die Französische Botschaft.

Was sich hier in rot hinter den Bäumen versteckt, ist das Schulgebäude.

Und dies ist der Eingangsbereich der Schule. Pförtner und Corona-Zelte, hier werden die Kinder morgens durchgeschleust: Hände desinfizieren, Temperatur messen, mit Schüler-Karte (mit der auch in der Mensa bezahlt werden kann) registrieren.

An der Schule vorbei geht es aufs Grand Summit zu. Dahinter ist die Metrostation Liangmaqiao. Auch das Baker & Spice ist eine Institution, für die Deutschen besonders wegen der Schulnähe. Hier gibt es anständigen Kaffee und Wein, Brot, Gebäck, Salate, Pho und Currys … 

Das “obentos” im Untergeschoss hat Corona nicht überlebt und ist weg.

Wenige Meter weiter ist der hintere Teil des Grand Summits mit diversen Restaurants, u.a. dem bei vielen Teens ziemlich beliebten Fatburger – aktuell dürfen die Oberstufenschüler das Schulgelände nicht verlassen, muss ein ziemlicher Umsatzeinbruch für Fatburger sein… Im Untergeschoss ist der City Shop, der zwar teuer ist, aber manchmal Importe aus Deutschland hat, die man sonst nirgends bekommt.

So, das war also eine Tour rund um die Schule. Obst und Gemüse hatte ich online bestellt (ich probiere gerade verschiedene Gemüseboxen aus), also bin ich mit dem Einkauf für heute fertig. Ich setze die “Einkaufs-/Nachbarschaftstour” demnächst fort, wenn ich zum Sanyuanli Markt, Jingkelong und Jenny Lou in Sanlitun fahre.

Wo werden wir wohnen? Die Wohnungssuche war für mich und ist sicher auch für viele andere Familien, die vor der Situation “wir gehen nach Peking” stehen, eine der wichtigsten Fragen. Das eine ist sicher die Entscheidung, ob man in der Stadt oder weiter draußen wohnen möchte, das andere ist das konkrete Haus/Wohnung. Kann halt passieren, dass zum passenden Zeitpunkt im Wunsch-Compound kein passendes Haus frei ist. Hatte ich erwähnt, dass es nichts nutzt, wenn das Traumhaus in einem doofen Compound steht? Oder umgekehrt der Compound toll ist, das Haus aber 1000 Macken hat?

Oh, und was sicher auch eine erste typisch chinesische Erfahrung werden kann: wenn man von einem Makler die ersten Wohnungen/Häuser gezeigt bekommt: nicht erschrecken, es ist üblich, dass sie einem zunächst die Ladenhüter zeigen, bevor es dann wirklich infrage kommendes gezeigt wird. Dabei wird unendlich viel Zeit verplempert… Aber am Ende stehen die Makler toll da, weil sie ja bei so schrecklichen Wohnungen dann doch plötzlich die tolle, richtige (die man gerne gleich als erstes gesehen hätte, verflixt!) aus dem Hut zaubern konnten.

Was ich selber noch wirklich wichtig finde bei der Entscheidung für oder gegen ein Haus/eine Wohnung:

  • Klimaanlage. Die sollte nicht zu alt sein, muss gut gewartet sein (müsste jährlich gereinigt werden, das machen die wenigstens Landlords von sich aus). Und je individueller regelbar, desto besser. Manche Häuser haben nur einen Schalter fürs ganze Haus, wir haben immerhin einen pro Etage, trotzdem ist es oft in einem Raum zu kalt, während es am anderen Ende zu warm ist… Nicht vergessen: so heiß wie es hier im Sommer ist, so eiskalt wird es im Winter…
  • Heizung. Bei uns und in sehr vielen Häusern hier wird über die Klimaanlage geheizt, Mitte Oktober wird durch die Handwerker ein Schalter umgelegt, und statt kühler wird dann warme Luft durch’s Haus gepustet. Im Winter kann man dann mit 2-4mal so hohen Nebenkosten rechnen wie im Sommer. Fußbodenheizung wäre toll, es ist nämlich wirklich bitter, bitterkalt im Winter!
  • Ich würde kein Haus mit “high ceiling living room” nehmen und möglichst wenig ineinander übergehende Räume. Klar, das sieht schon toll aus, aber: schwer zu heizen bzw. zu kühlen – und auch schwer, die Luft sauber zu halten.
  • gut abgedichtete Fenster und Türen sind wichtig, wegen der Kälte im Winter gern Doppelverglasung (selten zu finden).
  • unter Luftverschmutzungs-Gesichtspunkten: kleinere Räume sind besser (da lässt sich die Luft schneller, effektiver sauberfiltern). Die Jungs haben deshalb die beiden kleinsten Schlafzimmer hier, aber zusätzlich ein großes Kinder-Wohnzimmer.
  • Kamin – viele Häuser haben hier offene Kamine. In Europa liebe ich das auch, hier hätte ich zum einen Bedenken, weil die Luft eh schon so schlecht ist, aber noch wichtiger: durch den Schornstein kommt ungefiltert die schlechte Luft von draußen rein. Unser Kamin ist nur zur Deco, der Landlord hat den Schornstein abgedichtet. Wir haben im Haus zum Glück auch wirklich immer saubere Luft (ok, mithilfe von 9 lärmenden Maschinen).
  • Herd: auf den ersten Blick fand ich unseren 5 Platten Gasherd toll. Allerdings ist der Ofen auch gasbetrieben, allmählich nach einem Jahr komm ich halbwegs damit klar, aber dicke Freunde werden wir nicht werden. Mir ist das jetzt nicht so wichtig, aber für jeden, der gerne backt, kann das ein Kriterium sein!
  • extrem hilfreich: englisch sprechendes Management
  • wie kindgerecht ist der Compound: Kinder-/Babypool? Kinderspielzimmer? Kinderspielplätze, auch für verschiedene Altersgruppen geeignet? Verkehr/Verkehrsregelung? Bolzplatz? Möglichkeiten zum Radfahren, Skaten…?
  • sind die Angebote des Compounds inklusive oder muss man für jede Kleinigkeit extra zahlen? Einzeln oder als Pauschale?
  • Nahversorgung: wenn man nur ein Auto (oder keins) zur Verfügung hat, sollte das Wichtigste fußläufig erreichbar sein.
  • wenn Hochhaus: wie viele Fahrstühle gibt es (in den 18. Stock zu Fuß rauf und runter ist sicher nicht so spassig), vielleicht kann man einen vorhandenen Mieter fragen, ob es damit Probleme gab?
  • Hellhörigkeit? Können Kinder normal spielen oder ist schleichen und flüstern die Devise?

Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee, wenn man die Gelegenheit hat, die Vormieter zu löchern. Oder die Nachbarn. Oder jemanden, der schon in dem Compound wohnt, der kann vielleicht nichts zum infragekommenden Haus sagen, aber zum Compound an sich.

Fragen, Ergänzungen, Tipps, andere Meinung? Mehr Informationen vielleicht zu Hochhaus-Appartments, da ich ja nur eines für kurze zwei Wochen kennengelernt habe! Gerne per Mail oder als Kommentar!

Letzte Woche war Tanya Crossman hier im Compound und hat einen Vortrag über TCKs – Third Culture Kids, Drittkulturkinder – gehalten. Tanya ist die Autorin von „Misunderstood – The Impact of growing up overseas in the 21st century“. Sie ist selbst als TCK aufgewachsen, theoretisiert also nicht nur, sondern weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht und schreibt.

Ich dachte, ich hätte schon viel zu dem Thema gelesen, aber es war ein gutes Gefühl, das alles so sachlich und systematisch vorgetragen zu bekommen. Es gibt mir neue Sicherheit, weil mir bewusster geworden ist, dass wir instinktiv im Großen und Ganzen vieles richtig machen und gemacht haben. Nur an einem Punkt werde ich künftig versuchen, etwas anders damit umzugehen …

Was sind eigentlich TCKs?

Den Begriff Third Culture Kids gibt es seit den 1960ern, entwickelt von Dr. John Useem und Dr. Ruth Hill Useem:

Ein Third Culture Kid ist eine Person, die einen bedeutenden Teil ihrer Entwicklungsjahre außerhalb der Kultur ihrer Eltern verbracht hat. Ein TCK baut Beziehungen zu allen Kulturen auf, nimmt aber keine davon völlig für sich in Besitz. Zwar werden Elemente aus jeder Kultur in die Lebenserfahrung des TCKs eingegliedert, aber sein Zugehörigkeitsgefühl bezieht sich auf andere Menschen mit ähnlichem Hintergrund.

Bei Drittkulturkindern geht es also nicht darum, die Länder zu zählen, in denen sie bereits gelebt haben. 

Wo ist denn das Problem?

Man sollte ja meinen, den Kindern ginge es prima: wir leben in einem netten Haus in einer netten Wohngegend, lernen ein Land besser kennen, wo andere höchstens mal auf einer zweiwöchigen Rundreise einen oberflächlichen Eindruck bekommen können, wenn überhaupt. Wir selbst haben tolle Reisemöglichkeiten, die wir von Deutschland aus sicher nicht in die engere Wahl gezogen hätten. Wir erleben viel und machen spannende Erfahrungen, lernen Menschen aus aller Welt kennen. Und dank dem tollen Internet und den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten ist es ja auch gar nicht mehr so tragisch, wenn man so weit weg ist. Letzteres ist leider nicht so easy, wie man meint (allein die Zeitverschiebung) und auch ansonsten: Das ist nur die eine Seite der Medaille.

Nur mal überlegen: Was hat man zuhause in Deutschland gemacht, wenn man traurig, glücklich, wütend, frustriert war oder einfach nur einen blöden Tag hatte? Und nun sitzt man fast 8000 km von zuhause in einer fremden Stadt in einem fremden Land und muss sich erstmal zurechtfinden – und für seine Gefühlslagen Möglichkeiten damit umzugehen finden und entwickeln.

Das braucht zusätzlich zu all dem, was eh schon zum Ankommen und Einleben gehört, viel Zeit und Kraft. Und bei dem ständigen Kommen und Gehen hier, ist das ein dauernder Prozess, der nicht nach dem ersten Jahr überstanden ist.
Sicher wird nach dem ersten Jahr vieles einfacher, weil man Dinge nun schon zum zweiten Mal tun kann. Aber dazu gehören halt auch wieder Abschiede. Es ist also nicht nur der konkrete Wechsel, ein einmaliges Ereignis, sondern ständige Veränderungen als dauerhafter Prozess.

Tanyas Tipps:

Nr. 1: Es ist schwer.

Man schafft weniger, als man „daheim“ geschafft hätte, der Kopf ist nicht so frei wie gewohnt. Das gilt für die ganze Familie, jeder kämpft und jeder ist nicht gerade in Bestform. Das kann bei jedem Familienmitglied anders sein. Es kann helfen, sich das gelegentlich bewusst zu machen, dass eben (noch) nicht alles normal ist.

Nr. 2: Sei geduldig!

– mit dir selbst
– mit jedem Familienmitglied
– mit Neuankömmlingen

Die Familie als ganzes und jedes Familienmitglied muss für sich seinen Weg finden. Das kann bei vielen ähnlich und doch sehr unterschiedlich ablaufen. Wenn einer ein Hoch hat, können die anderen gerade in einem Tief stecken.

Nr. 3: Durchhalten!

Es nutzt ja nix, Augen zu und durch. Durchbeißen und Dinge tun, von denen man glaubt, dass einem eigentlich gerade die Kraft dazu fehlt. Das ist eine Investition in die Zukunft.

Nr. 4: Sei traurig.

Jeder Wechsel ist mit Verlust verbunden und Verlust ist traurig. Das heißt nicht, dass der Wechsel an sich schlecht ist, aber die Traurigkeit ist teil davon. Kummer ist ermüdend, aber wenn man das nicht zulässt, könnte es zu langfristigen Problemen führen. Für Mütter ist das ganz schwierig, wenn die Kurzen weinen, weil sie ihre Freunde vermissen. Und da sagt Tanya: „Do not fix but listen!“ – nicht reparieren, sondern zuhören.

Wir können es nicht heilen. Die Freunde sind Tausende Kilometer und x Zeitstunden entfernt, das ist eine Tatsache. Es helfe nicht, wenn man so reagiert: „Du findest bald neue Freunde.“ Besser sei: „Es ist okay, jetzt traurig zu sein.“ Denn es ist traurig – das geht uns Erwachsenen ja auch nicht anders.
Und das ist der Punkt, wo ich künftig wohl anders mit umgehen sollte. Wenn die Kinder traurig sind, natürlich will ich sie dann ablenken, trösten, den Blick auf das Positive lenken. Künftig werde ich dem Kummer mehr Raum geben. Mit dem “grieving well” (gut trauern), dem Umgang mit Verlust und Veränderung werde ich mich doch noch etwas mehr befassen müssen. 

Nr. 5: Alte Freunde behalten!

Beziehungen verändern sich mit der Entfernung, sogar wenn wir in Verbindung bleiben. Unsere bestehenden Freundschaften können ein Gerüst für uns sein, während wir neue – zusätzliche – Freundschaften aufbauen. So bilden wir mit der Zeit ein vielfältiges Netzwerk für uns.

Auch unseren Kindern können wir dabei helfen. Sie brauchen Freunde vor Ort und gleichzeitig ihre bisherigen Freunde. Wir können sie nach ihren Freunden fragen, ihre Freundschaften bejahen und Besuche ermöglichen.

Nr 6: Hilfe finden!

Diesen Punkt habe ich als relativ amerikanisch empfunden (auch wenn Tanya gebürtige Australierin ist).  Trotzdem, wenn man alleine und/oder im Rahmen seiner bestehenden Beziehungen nicht weiterkommt, dann ist es richtig, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Tanya führt allerdings aus, dass es besser ist, nicht erst zu warten, bis der Notfall eingetreten ist, sondern sich bereits vorher Unterstützung für den Fall der Fälle zu suchen. Diese hat auch den Vorteil, dass sie objektiv ist, geschult darin zu helfen – und es ist jemand, zu dem ich sprechen darf.

Wir haben hier vielleicht auch insofern Glück gehabt, dass wir hier gleich zu Beginn neue Freunde kennengelernt haben, wo einfach alles gepasst hat und dass wir sowohl im Compound als auch innerhalb der deutschen Community ein gutes Netzwerk mit viel gegenseitiger Unterstützung haben.

Der Input kam gerade recht

Der Input hat gut getan und kam auch gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn jetzt geht es gerade wieder mit den allsommerlichen Abschiedspartys los. Es war hilfreich zu erfahren, dass wir uns jetzt einfach bequem zurücklehnen können, weil wir ja schon drei Jahre in China sind und “nun ist es auch mal gut”. Nein, es bleibt ein andauernder Prozess, übrigens nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Erwachsene.

Zum Weiterlesen:

Am kommenden Freitag wird der Tianyi-Markt für immer geschlossen. Das ist ein “Smallthings-Wholesale-Market”, quasi ein chinesisches Kaufhaus, nur halt mit einem kleinen Stand am anderen. Mehrere Gebäude, viele Etagen, schätzungsweise 3000 Händler. Da gibt es “alles”, was sich wegtragen lässt: Schnickschnack und Stehrümchen, Geschenkartikel, Haushaltsgegenstände, Kleiderhaken und Regenschirme, Schmuck, Sonnenbrillen, Kostüme, Badekleidung… Endverbraucher und auch Straßenhändler haben dort zu kleinen Preisen einkaufen können. Jetzt, so kurz vor der Schließung, wird beinah alles noch billiger. Man hätte ahnen können, dass es schlimmer zugehen wird als früher im Hamburger Sommerschlußverkauf…

Ich hab daran jedenfalls nicht gedacht, als jetzt eine Freundin fragte, ob wir da nicht vor der Schließung noch hinwollen und hab sofort ja gesagt, um das auch noch mal gesehen zu haben.

Man hätte es ja ahnen können…

Schon etliche hundert Meter vor dem Markt staute sich auf der rechten Spur der Verkehr. An der Markteinfahrt standen Uniformierte und ließen (fast) keinen mehr rein. Wir hatten aber Glück und haben nicht weit davon einen Parkplatz gefunden und spazierten dann durch die knallende Sonne Richtung Markt. Je näher wir kamen, umso wuseliger wurde es.

Der Komplex ist schon ein Hingucker: Elefanten und Giraffen auf dem Dach, da ein paar chinesische Figuren, dort der Weihnachtsmann, ein bisschen wie Disneyland. Hab ich erwähnt, dass es voll war?

Es war dermaßen voll, dass ich gekniffen hab und aus dem Gedränge nach draußen geflüchtet bin. Drinnen hatten Mitarbeiter schon Ketten an den Rolltreppen gebildet, um die Massen zu lenken. Draußen am Eingang konnte ich später beobachten, wie Uniformierte dafür sorgten, dass der frei bleibt und niemand direkt vorm Ausgang stehen blieb. Ich kann mir vorstellen, dass das Gedrängel im Lauf der Woche noch schlimmer werden wird.

 

 

Ich frag mich, was aus den Händlern werden wird – und wo die Kunden künftig einkaufen werden? In den vielen schicken, teuren Malls vermutlich eher nicht… Solche Märkte soll es künftig nur noch außerhalb des 4. Rings geben, das sind dann schon ziemlich weite Wege. Also noch mehr Onlineshopping?

Zum Weiterlesen:

Artikel in That’s Beijing

Achja: Auch der Ladies’ Street Market wird Ende September geschlossen werden: Artikel im Beijinger

Warum diese Märkte geschlossen werden? Die Stadt ist total im Umbruch: kaum mehr Streetfood, keine kleinen Läden mehr in vielen Hutongs, keine Märkte mehr…  Das gehört wohl alles schon zu Jing-Jin-Ji (JJJ), dem Umbau von Peking, Tianjin und Hebei zur Mega-Metropole… (Spiegel-Artikel).

Eine Wunderheilung! :)

Unser Wasserspender hat mir am Wochenende Kummer gemacht: er ging nur kurz an und und direkt wieder aus, d.h. er kühlte nicht und er kochte nicht. Stecker gezogen, Plan: am Montag die Ayi bitten, den Service anzurufen. Solange hatten wir also nur lauwarmes Trinkwasser…
Am Montag erkläre ich das Problem wortreich der Ayi, die steckt den Stecker rein, die grüne Lampe leuchtet – und ging nicht wieder aus. Wasser kochen klappt auch wieder. Hmm, sehr seltsam, aber Hauptsache es funktioniert.

Kalendarisches: Herbstanfang und die Nacht der Siebenen

Klingt bei 33 Grad komisch, ist aber so: gestern war Herbstanfang 立秋, Lìqiū. Das bezieht sich eindeutig eher auf den Erntebeginn als auf das Wetter! In zwei Wochen haben wir dann das Ende der Hitze – hoffentlich. :) Wer mehr über den chinesischen Mondkalender und die 24 Zyklen wissen möchte: hier zum Beispiel: Chinesischer Mondkalender.
Heute ist Chinesischer Valentinstag: 七夕, Qīxī, die Nacht der Siebenen, um den sich zahlreiche Legenden (oder eine Legende mit zahlreichen Varianten) und Bräuche ranken, nachzulesen unter dem Link oder auch bei Wikipedia. Letztes Jahr fiel Qīxī auf Justus’ Geburtstag, wir waren Essen und die hübsche Mama (das bin ich) hat vom Restaurant zum Valentinstag eine Flasche Wein geschenkt bekommen. Wein trinken kann ich auch besser als Früchte schnitzen oder nähen…

 

image159 Vor kurzem bin ich über die Webseite der Expatmamas gestolpert. Hier finden sich viele Informationen und Erfahrungsberichte zum Thema “mit Kindern im Ausland” leben. Für die Reihe “Neu in…” habe ich ein paar Fragen beantworten dürfen, nachzulesen hier!

Was mir im Nachhinein und ergänzend dazu noch eingefallen ist: Ein wichtiger Gesichtspunkt vorher: wann sagen wir es den Kindern? Das mag vom jeweiligen Alter abhängen und davon, wie abenteuerlustig die Kinder sind. Bei dem einjährigen Vorlauf bei uns wollte ich es ihnen nicht direkt sagen – warum so lange Kummer und Aufregung haben? Allerdings habe ich in der Zeit das Vermissen des Papas beinah überbetont… Aber je mehr Zeit verging, umso mehr es Thema im Alltag wurde, umso wichtiger fand ich es, es ihnen zu sagen, nicht dass sie das nebenbei und unabsichtlich irgendwie aufschnappen. Das war bei uns dann ein gutes halbes Jahr vor dem Umzug, ganz kurz vor der ersten Pekingreise zum Kennenlernen.

Ganz wichtig fand ich für uns, dass wir vor allem den Kindern gegenüber immer hundertprozentig zu der Entscheidung gestanden haben, aber dass wir dabei Ängste und Sorgen nicht weggewischt haben. Ja, es ist traurig, dass man von so vielen Menschen Abschied nehmen muss, da kann man die Kinder nicht anlügen. Ich hab mich dann mit den Minis zusammen aufs Sofa gekuschelt, und dabei sind auch mal Tränen geflossen. Aber anschließend habe ich mit ihnen zusammen überlegt: Warum gehen wir nach Peking? Worauf freuen wir uns? Ich glaube, im großen und ganzen würde ich das genau so wieder machen.

Bei der Beantwortung der expatmama-Fragen hab ich mich relativ kurz gehalten und auf die Frage nach Tipps geschrieben “Lernen, über den eigenen Schatten zu springen, neues auszuprobieren – wann, wenn nicht in einer neuen Stadt in einem neuen Land?” Um das zu konkretisieren: nicht berufstätig (keine Arbeitserlaubnis), Kinder ganztags in der Schule – da bleibt viel Zeit, die sinnvoll gefüllt werden möchte. Mir selbst ist Langeweile fremd, aber wenn ich schon in Peking bin, dann will ich hier auch Dinge tun, die ich in Hamburg oder woanders auf der Welt so nicht tun kann. (Trotzdem genieße ich es, soviel Zeit fürs Lesen zu haben!)

Ich nutze deshalb viele Angebote der Patengruppe oder des Compounds (Ausflüge, gemeinsames Tatort-gucken, Stricktreff…), dabei bin ich vor Peking lieber ohne Gruppe auf eigene Faust losgezogen. Aber hier wollen neue soziale Kontakte gefunden und gepflegt werden, von daher gibt es für mich nun doch viele Gruppenaktivitäten. Für jemanden, der bisher eher in Gruppen losgezogen ist und selten allein: einfach mal ausprobieren! Allein in der Stadt unterwegs zu sein ist ein ganz anderes Gefühl als in Gruppe oder mit Familie, es ist schön, dem eigenen Tempo zu folgen und sich genau dahin treiben zu lassen, wo man gerade von angezogen wird. Und was soll passieren – Visitenkarte und ein paar Taxitaler in der Tasche, nach Hause kommt man immer!

Anderes Beispiel: ein neues Hobby anfangen. Bei mir ist es derzeit das Fotografieren. Eine dolle Fotokünstlerin werde ich sicher nie, ist auch gar nicht mein Anspruch, aber ich mag viele meiner Bilder jetzt schon lieber als das verwackelte Ritschratschklick von früher. Und es gibt so viele weitere Möglichkeiten: Sport, Nähen lernen, ehrenamtliches Engagement, Musikunterricht/Instrument lernen.

Ok, das ist sicher alles ganz subjektiv, und was für mich gut ist und womit ich mich wohlfühle, muss für andere noch lange nicht das richtige sein. Aber vielleicht hilft es ja doch der einen oder anderen: einfach mal trauen und machen!

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. Heute ein paar Fotos aus den letzten Tagen.

Der Frühling ist endgültig in Peking angekommen, es grünt und blüht überall, der erste “flying cotton fluff” schneit durch die Gegend und die Temperaturen übersteigen tagsüber jämtländische Hochsommertemperaturen. Nachts leider nicht, Heizung ist aber schon lange abgestellt und so jammere ich jeden Abend darüber, dass mir kalt ist. Aber wird nicht lange dauern, und dann werde ich mich über die Hitze beklagen, irgendwas ist ja immer. Aber ich bin doch unglaublich froh, dass der lange kalte Winter endlich vorbei ist und stromere wieder mehr durch die Gegend.

Pekings Lange Unterhose, das CCTV Headquarter, von der nicht so oft fotografierten Seite aus gesehen.

Lange Unterhose mal von der anderen Seite aus gesehen

Das Leben geht hier seinen halbwegs normalen Gang.

Arbeiter, Passant und Tuktuk in Peking

Alltag in Peking

Und ab und zu kommen mir dann auch solche Highlights vor die Linse.

Roter PKW und älterer Mann auf Dreirad-Tuktuk, der Mann trägt ein schwarzes Sweatshirt mit dem Chanel-Schriftzug auf dem Rücken.

Marken und Mobilität ;)

Die Auswahl von Fahrzeugen für Senior*innen ist hier wirklich beachtlich. Das schenkt Mobilität, auch wenn die Beine nicht mehr so wollen. Ich denke oft, dass Peking nichts für Fußkranke ist: Treppen (vor allem, wenn es in Richtung Berge geht, in jede kleine Steigung werden direkt Stufen geschlagen), Über- und Unterführungen, die Fußwege (wenn es welche gibt) sind oft nur schmale Stolperfallen und/oder zugeparkt. Aber – es gibt auch überall Rampen, wenigstens einen behindertengerechten Zugang an den Metrostationen.

Aktuell treibt es mich oft an die Seen, hier die Jinding-Brücke auf der Ostseite des Qianhai.

Jinding-Brücke, drei-Loch-Bogenbrücke in Peking, mit Spiegelung im Wasser

Jinding-Brücke

Feierabendverkehr im Hutong.

Arbeiter auf Fahrrädern im Pekinger Hutong

Feierabendverkehr

Hier ist der Sitz der Chinesischen katholisch-patriotischen Vereinigung. Kein Zutritt!

Rotes Tor, Eingang chinesische katholisch-patriotische Vereinigung

Kein Zutritt!

Und noch ein Hutong-Bild! Wäsche kann wieder draußen hängen, der Sandsturm ist vorbei. Der letzte Sandsturm war echt gruselig, hat nämlich ein Gewitter mitgebracht – ist ja nicht so, dass wir derzeit nicht sowieso schon eine weltweite Katastrophe erleben, da kam dann so richtig apokalyptisches Feeling auf…

Typischer Pekinger Hutong

Hutong in Peking

Vom Westufer hat man einen netten Blick über den Houhai und den Wanghai Tower. Da fällt mir ein, als ich neulich direkt beim Turm war, hatten wir auch gerade erst einen Sandsturm hinter uns, das sind dies Jahr doch mehr als sonst.

Am Pekinger Houhai - dem hinteren See

Peking hat wirklich schöne Ecken!

Und dann stehen vor der Ladentür nicht nur Räder und Autos…

Hab ich schon mal erwähnt, dass es hier nie langweilig wird? Und ich habe noch immer eine sehr lange Liste von Dingen, die ich unternehmen möchte – stay tuned!

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”.

1 von 12 geschafft

Ich muss zugeben, dass ich nicht so irre optimistisch bin, was das baldige Besiegen der Pandemie angeht und die damit verbundene Normalisierung des Lebens. Ich will mich nicht beklagen, im Vergleich zu vielen anderen Orten auf der Welt geht es uns hier weiterhin wirklich gut. Der Alltag ist hier – zwar derzeit noch mit Online-Schule etc. – relativ normal. Zu schaffen macht mir, dass der deutsche Teil der Familie nun gefühlt viel weiter weg ist. Derzeit ist es undenkbar, wie vor zweieinhalb Jahren praktisch von jetzt auf gleich nach Deutschland und wieder zurück fliegen zu können. Blöder Gedanke, meine großen Kinder vermutlich auch im vor uns liegenden Sommer nicht umarmen zu können.

Was das Impfen angeht, fallen wir hier (noch?) durch alle Raster – weder China noch Deutschland sind für uns zuständig. Immerhin, heute ist der achte Tag ohne lokale Neuinfektion in Peking.

Mit dem Januar liegt der kälteste Wintermonat hinter uns, und die zwei Tage mit zweistelligen (Plus!) Temperaturen diese Woche haben echt gut getan, das Ende des Winters ist endlich in Sicht.

Neujahrsfest und Two Sessions

Das chinesisches Neujahrsfest steht vor der Tür. Mittwoch ist der letzte (Online-)Schultag, dann sind zehn Tage Ferien. Gefühlt gibt es fast jeden Tag neue Regeln, die in Peking  oft auch noch strenger sind als im Rest Chinas – Hauptstadt halt. Während der offiziellen chinesischen Neujahrferien sind nun Zusammenkünfte von mehr als 10 Personen verboten, und dann bitte auch nicht länger als zwei Stunden. Vom Reisen wird abgeraten, sofern es nicht unbedingt sein muss – normalerweise findet zum Neujahrsfest eine Völkerwanderung statt…

Wenn man von außerhalb nach Peking einreisen will, sind inzwischen zwei Wochen Hotelquarantäne, eine Woche Heimquarantäne und eine Woche “Gesundheitsmonitoring” (mehrmals täglich Temperatur melden) obligatorisch.

Anfang März finden auch noch die Two Sessions statt, von daher rechne ich eher mit weiteren Vorsichtsmaßnahmen statt mit Lockerungen.

Die – zugegebenermaßen wenigen – chinesischen Familien in meinem Umfeld bleiben alle in Peking. Die Erinnerung, dass man letztes Jahr wochenlang nicht zurück nach Peking konnte und die Probleme, die das mit sich brachte, sind noch frisch, das will keiner erneut riskieren.

Abends am 3. Ring

Diese Woche habe ich einen abendlichen Fotospaziergang ein Stück am östlichen 3. Ring entlang gemacht und bei der Gelegenheit das Malen mit Licht (Handytaschenlampe) ausprobiert.

I love Beijing mit Licht gemalt vor Pekings 3. Ring

I <3 Beijing

Arbeiten am Blog: Im Schnelldurchlauf durch die letzten Jahre

In den letzten Wochen habe ich hinter den Kulissen viel am Blog geschraubt. So habe ich nicht mehr notwendige und veraltete Plugins deinstalliert. Unter anderem brauche ich mein altes Galerie-Plugin nicht mehr. Leider musste ich sämtliche alten Galerien händisch übertragen, weil es kein zuverlässiges Script oder Plugin dafür gibt.

Das war eine Menge Arbeit (alle alten Galerien per FTP herunterladen und hunderte Bilder wieder hochladen und in die jeweiligen Blogartikel einfügen…), die allerdings auch einen netten Nebeneffekt hatte: Ich bin quasi im Schnelldurchlauf durch die letzten Jahre gereist. Wie aufgeregt, beinah ängstlich und ahnungslos ich war, bevor es nach Peking ging! Was ich all den Jahren dazugelernt und kennengelernt habe! Wie dankbar ich für die tollen Reisen bin, die ich machen konnte.

Also, selbst wenn ich irgendwann keine Leser*innen außer mir selbst mehr haben sollte: So ein Blog ist eine tolle Erinnerung.

 

Update 2021

Ich habe das Forum wieder eingestampft.

 

ombidombi goes Forum: Ich habe ein Peking-Forum eingerichtet!

Seit fünf Jahren blogge ich auf ombidombi.de über unsere Entscheidung nach Peking zu ziehen und über unser Leben hier. Seit Langem erreichen mich regelmäßig Mails, oft mit genau den gleichen Fragen, die ich mir damals auch gestellt hab. Fragen, die sich wohl so oder ähnlich fast jeder stellen wird, der vor der Entscheidung “Peking oder nicht” steht. Ob die Übersiedlung kurz bevor steht oder man ist neu in Peking: da sind ganz viele Fragen – und oft hat man noch keine Kontakte, kennt die neuen Nachbarn noch nicht.

Sicher gibt es inzwischen einige Angebote, Blogs, Gruppen in sozialen Netzwerken etc. – aber die muss man erstmal finden und zusammentragen. Und die Gruppen auf Facebook z.B. haben einen klaren Nachteil, denn sie sind unübersichtlich, der Facebook-Algorithmus – und damit was man zu Gesicht kriegt und was nicht – ist und bleibt ein Mysterium (und dann mal davon abgesehen, dass FB von China aus eh ein funktionierendes VPN voraussetzt).

Ich hätte damals gerne ein Forum gehabt – und auch heute noch. In Peking ändert sich alles so schnell (das einzige Konstante hier ist der ständige Wechsel, um mich mal selbst zu zitieren). Da es bis jetzt kein passendes Forum gibt, habe ich nun selbst ein ein Forum eingerichtet.

Informationen und gegenseitige Unterstützung für Deutsche in Peking 

Meine Idee ist deshalb, mit diesem Forum eine Anlaufstelle im Netz zu schaffen, die offen für alle Interessierten ist, altersunabhängig, nicht auf bestimmte Arbeitgeber beschränkt. Es soll übersichtlich und gut durchsuchbar sein. Sowohl als Peking-Neuling als auch als “Alteingesessene” soll man Informationen und Austausch finden können.

Ich merke ja schon nach dem Umzug von einem Stadtteil in den anderen, wie unterschiedlich die Infrastruktur und die Nahversorgung ist. Hier tun sich also immer neue Fragen auf.

Beim Bloggen sind es nur meine persönlichen Erfahrungen – in einem Forum lassen sich die Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven von vielen zusammentragen, mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.

Auch für China- und Peking-Reisende interessant 

Die Unterforen für Sightseeing in Peking und China sind mit Sicherheit auch für Reisende, nicht nur für in Peking Lebende, interessant. Hier werden sich mit der Zeit bestimmt viele Tipps rund um Peking und China finden, die es so nicht in den gängigen Reiseführern gibt – und wie man Peking und China auch abseits der Touristenpfade erkunden kann.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie dieses Peking-Forum angenommen werden wird!

Noch steht das Forum ganz am Anfang, gerade ein paar Stunden alt. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit mit Leben füllen: mit Mitgliedern und Beiträgen. Es ist ein Experiment, denn ein Forum lebt vom Mitmachen. Da es viel einfacher ist, ein paar Zeilen in einem Forum zu schreiben als ein eigenes Blog zu betreiben, hoffe ich, dass sich der eine oder die andere angesprochen fühlt!

Das Peking-Forum braucht vermutlich ein bisschen Anlaufzeit. In einem Jahr will ich ein vorläufiges Fazit ziehen.

Vor ein paar Tagen habe ich mich wie immer morgens mit meinem Kaffee an den Schreibtisch gesetzt. Irgendwann schaue ich hoch und sehe ein paar Männer gegenüber auf dem Hoteldach: die Fensterputzer sind da! Nur vom Zugucken hat sich mein Puls beschleunigt. Ans Fotografieren habe ich auch nicht gedacht, zu gefesselt war ich von dem Anblick. Erst später habe ich dann zur Kamera gegriffen.

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Der zweite Mann von rechts hat sich etwas schwerer getan als die anderen, wer weiß, vielleicht ein Berufsanfänger?

Unerwarteter Thrill am Morgen

Ich finde diese Seile und diese Art Schaukel, auf der die Arbeiter sitzen und sich dann langsam abseilen, ja nicht wirklich vertrauenerweckend. Dunkel habe ich Fernsehbeiträge im Hinterkopf: “Menschen mit besonderen Arbeitsplätzen”. Fensterputzer in Peking gehört definitiv dazu. Das Herz klopft mir weiterhin bis zum Hals, weil der zweite Mann von rechts eine gefühlte Ewigkeit braucht, bis er so sicher auf  “der Schaukel” zu sitzen scheint wie seine Kollegen. In Wahrheit waren das sicher nur ein paar Sekunden. 

Das Ganze ist wirklich hoch, das Hotel ist höher als unser Haus – und das hat 30 Stockwerke… Oh, und bei uns müssten eigentlich auch bald mal die Fensterputzer kommen… ;)

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Ein bisschen bin ich dann doch erleichtert, als auch der letzte Arbeiter richtig auf seiner “Schaukel” sitzt. Mein Kaffee ist inzwischen kalt geworden. Manchmal vermisse ich ja meinen bisherigen Pekinger “Schreibtisch-Fensterblick” mit der inzwischen leider gefällten Weide. Hier ist jetzt definitiv mehr los und zu sehen, auch wenn nicht gerade der Nervenkitzel mit Fensterputzern da ist.

Fensterputzer in Peking

Fensterputzer in Peking

Alle heil unten angekommen

Immer wieder gucke ich im Lauf des Tages aus dem Fenster. Irgendwann kann ich die Fensterputzer nicht mehr sehen, nur ihre Seile, denn der niedrigere, vordere Teil des Hotels verdeckt den Blick. Aber am Nachmittag sehe ich sie auf dem Vordach: alle heil unten angekommen. Puh. 

Es gibt in Peking so viele Hochhäuser und bisher habe ich nur an ganz, ganz wenigen diese Fensterputzerkörbe gesehen, die mir zumindest noch eine relative Sicherheit vermitteln, auch wenn es trotzdem kein Job für mich wäre. Aber an diesen dünnen Seilen hängend – da helfen im Zweifelsfall dann auch die Helme nicht mehr viel… Absolut kein Job für Leute mit auch nur einem Hauch von Höhenangst! Ich habe richtig viel Respekt vor den Menschen, die diesen Job machen!

 

 

Auf ins neue Coronajahr

Frohes Neues Jahr!
Die Hoffnung ist groß, dass dieses Jahr besser wird – die Befürchtung, dass das (erstmal?) nicht der Fall sein wird, allerdings auch.

Gestartet sind wir gut ins Jahr, ein schöner Silvesterabend mit Dinner for One und Ekel Alfreds Silvesterpunsch, Spielen und chinesischer Silvestershow. Statt Raclette oder Fondue stand der Shabu-Grill auf dem Tisch (Kombi von Tischgrill und HotPot). Da hat tatsächlich jeder was gefunden, was er mochte. Sogar Mäkler Nr. 1 möchte das jetzt mindestens einmal im Monat machen. Immerhin, wir können in gut einem Monat noch mal “Silvester” feiern, wenn das Chinesische Neujahrsfest ansteht.

Ansonsten sind halt Winterferien mit viel Schlafen und Spielen, die leider morgen zu Ende gehen.

Rekordkälte

Screenshot Wetter-App

Minus 18 Grad in Peking

Vor ein paar Tagen sank die Temperatur noch tiefer in den Keller als eh schon, mit -18 Grad wurde ein Rekordwert erreicht. Leider ist da auch unsere Heizung kurzfristig in die Knie gegangen, Eckzimmer auf der windigen Seite sind nicht wärmer als 12 Grad geworden, bei mehr als zwei zusätzlich angeschalteten e-Heizungen, knallte die Sicherung raus.

Jetzt ist es wenigstens tagsüber mit Temperaturen über Null ganz okay. Ja, es ist Winter, klar, dass es kalt ist.

Grundsätzlich ist die trockene Kälte in Peking mit vielen sonnigen Tagen (und tatsächlich auch ganz guter Luft – anders als früher) gut auszuhalten. Aber warm und Sommer mag ich dann doch deutlich lieber – statt Stuga in Jämtland vielleicht später doch lieber eine Strandhütte in Thailand?

Baustellen

Vor einem Jahr war vor meinem Fenster eine Baugrube, jetzt steht da ein Rohbau, der wohl noch um ein paar weitere Stockwerke wachsen wird. Spannend die Frage, was das wohl für Beton ist, der bei zweistelligen Minusgraden vernünftig aushärtet … ;) Zu gucken gibt es hier jedenfalls immer etwas, auch wenn die Aussicht in Richtung Westen nun versperrt ist.

Arbeiter auf Baustelle in Peking

Arbeiter auf der Baustelle

Der Lady Street Flower Market hat seine Pforten ja schon vor über zwei Jahren geschlossen. Neulich wurde er eingerüstet und ich hab noch gedacht, endlich machen sie voran mit der Renovierung. Denkste. Keine Renovierung, es wird abgerissen, vorgestern stand nur noch die nette alte Front mit dem Lotus auf dem Dach und den Elefanten davor.

Abriss Lady Street Flower Market, Peking

Lady Street Flower Market wird abgerissen

Corona

Auch deutsche Zeitungen berichten vom erneuten „großen“ Corona-Ausbruch in China. Allerdings verschwindet eine nicht ganz unwichtige Einordnung im Kleingedruckten, wenn es überhaupt erwähnt wird: bis jetzt handelt es sich um insgesamt ca. 230 Fälle – also deutlich weniger als sich derzeit täglich in mancher deutschen Stadt infizieren.

Im umgekehrten Verhältnis stehen dazu die Maßnahmen: Massentests, Quarantäne (überwachte und nicht „bittebitte, bleibt am besten zuhause“), abgeriegelte Straßen. War Time Mode klingt ja in der Tat dramatisch – wobei ich persönlich um die 1000 Tote am Tag als deutlich dramatischer empfinde.

Auch in Pekings Bezirk Shunyi, wo wir bis vor knapp zwei Jahren gewohnt haben, gibt es neue Infektionen, heute wieder eine. Die betroffenen Wohngebiete werden abgeriegelt (voraussichtlich für drei Tage) und die Bewohner durchgetestet. Einer der Erkrankten ist Taxifahrer und ziemlich viel rumgekommen – unter anderem nun Anlass für weitere Aufrufe zur Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen und zur Einführung neuer: auch beim Taxifahren muss man sich ab sofort per Health App registrieren.

Taxis dürfen gerade nicht von/nach Shunyi fahren (mit Ausnahme des Flughafens), von Einschränkungen des Bus- und Bahnverkehrs ist jetzt gerade noch nichts bekannt.

Mal sehen, ob und welche Auswirkungen das auf die DSP-Schüler*innen haben wird, die in Shunyi wohnen.

Kopfkirmes

Unser Risiko, hier in Peking an Covid-19 zu erkranken, dürfte weiterhin ziemlich gering sein. Dass Risiko von einschneidenden* Eindämmungsmaßnahmen betroffen zu sein, ist allerdings ungleich größer. Also das Gegenteil von Deutschland?

*einschneidend: Nicht nur Maskenpflicht, Temperaturkontrolle, HealthApp – daran haben wir uns gewöhnt, sondern isolierte Wohngebiete oder kontrollierte Quarantäne.

Dass das Virus nicht weg ist, dass es im Winter mehr Ansteckungen geben könnte, war ja eigentlich absehbar, davor ist gewarnt worden, überrascht sollte man jetzt nicht sein. War trotzdem beruhigender, als wir die lange Phase ohne Neuerkrankungen in Peking hatten.

Es wird dieses Jahr zum zweiten Mal keine Temple Fairs zum Neujahrsfest geben. Alles, wo sich viele Menschen zusammenknubbeln könnten, wird mit Besucherobergrenzen versehen (und besonders neuralgische Punkte wie beispielsweise der oberste Pavillon im Jingshan-Park gesperrt).

Dieses unterschiedliche Herangehen macht mir nach wie vor ziemlich Kopfzerbrechen. Nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret aus Sorge um meine großen Kinder, den Rest der Familie, Freunde in Deutschland. Aktuell sehe ich noch nicht, dass die Infektionszahlen in Deutschland sinken (zu viele Lücken in unzureichenden Maßnahmen?). Wie lange wir wohl noch Glück haben, dass keiner unserer Lieben erkrankt?

Ich bin gespannt, was dieses zweite Corona-Jahr uns bringen wird und hoffe sehr, dass es mit dem Frühling besser wird.

Endlich ist Frühling, es ist warm, beinah schon sommerlich, Peking wird bunt, weil alles blüht und wieder viel mehr draußen passiert. Leider lässt sich das wegen der miesen Luft nicht genießen, also freuen wir uns jetzt noch mehr auf das nur halb so warme Hamburg: Heimaturlaub! Wir, das heißt die Jungs und ich, Männe darf arbeiten. Dank Denguefieber hatte der letzte geplante Hamburg-Aufenthalt ja leider ausfallen müssen, und nach so langer Zeit ist es schon komisch, „nach Hause“ zu fliegen. Nein, es ist nicht mehr wirklich zuhause, das ist derzeit hier in Peking, aber es ist Heimat, da wo wir unsere Wurzeln haben. Was sich wohl verändert haben wird, was ist „wie immer“?

Auch wenn ich mich nach Kräften bemüht habe, unser „Programm“ nicht wie beim letzten Mal so zu überfrachten – es hilft nichts, es ist doch wieder ganz schön voll geworden, auch wenn wir etwas mehr Lücken für spontane Verabredungen gelassen haben. Und für Ausflüge, es sind ja immerhin auch die Ferien der Jungs! Leider ist jetzt schon absehbar, dass wir längst nicht alle treffen können, die wir gerne sehen würden. Obendrein steht uns da halt auch eine emotionale Achterbahnfahrt bevor, bei der Wiedersehensfreude und umgehend drauf Abschiedskummer sich abwechseln werden.

Ansonsten geht hier alles seinen normalen Gang. Letzte Woche habe ich so viel wie noch nie im Stau gestanden, das war ziemlich nervig, jede notwendige kleine Besorgung kann sich ja eh zum Halbtagesausflug auswachsen. Anfang dieser Woche hingegen waren die Straßen frei wie noch nie – es war Qingming-Fest (Totenfeiertag). Leider war die Luft so mies, dass das Leben trotzdem überwiegend drinnen stattfand.

2. Platz beim Vorlesewettbewerb

Nummer 4 hat beim Vorlesewettbewerb an der Schule mitgemacht und ist Zweiter in seinem Jahrgang geworden. Die Jungs leiden ja unter einer schweren Hausaufgabenallergie, aber dafür hat er tatsächlich mit viel Spaß geübt – war sehr lustig auch für uns. Vorgelesen hat er aus Timur Vermes: Er ist wieder da.

Laoshe-Teehaus

Mit dem Chinesischkurs waren wir in einem Teehaus, erwartet hatten wir Pekingoper in auch für Westler leicht verdaulichen Häppchen, bekommen haben wir eine Art Varieté, dazu wurden ein paar Häppchen und Jasmintee gereicht, leider kein Reisschnaps… ;) Mit den Bildern von diesem vergnüglichen Abend verabschiede ich mich nun in den Heimaturlaub! 

 

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. Dieses Mal: Schönwetterflash, Ferien in Sicht, Corona…

Schönwetterflash

Im September ist es in Peking ja immer besonders schön. Es ist noch sommerlich-warm, aber die brütende Hitze mit an die 40 Grad ist überstanden, die Regenzeit ist vorbei. Da macht es noch viel mehr Spaß, draußen unterwegs zu sein. Und dann kam in den letzten Tagen auch noch supergute Luft dazu. Ich war die Woche nur so viel verabredet, so dass ich es nicht in Richtung Berge oder an einen der Seen geschafft habe. War trotzdem schön und hat gut getan. 

Mittwoch ging es zu den Weihnachtsengeln – da fahre ich immer hier (Kreuzung von Airport Expressway und 4. Ring) entlang und finde diesen über mehrere Etagen gestapelten Verkehr höchst faszinierend.

Hier treffen der 4. Ring und der Airport Expressway aufeinander.

Am Donnerstag konnte ich die Sonne, die einem jetzt nicht mehr das Hirn wegbrennt, beim Brunch auf der Dachterrasse des MaiFresh mitten in den Hutongs zwischen Glockenturm und Konfuziustempel genießen. Tolle Location, leckeres Essen (auch “instagrammable”), nette Gesellschaft und gute Gespräche – sehr, sehr schön, da lohnt sich auch das Warten (der Service ist nicht so schnell, aber sehr reizend).

Abends leider auch weder irgendwo herumgetuckert, noch nett draußen gesessen, sondern in der Schule am Elternabend teilgenommen. Der war zum Glück kurz und schmerzlos.

Am Freitag bin ich mit der Strickgruppe zum Wollmarkt gefahren. Diesmal hatte ich nicht so hochfliegende Erwartungen und keine deutschen Geschäfte mit handgefärbten Strängen in allen denkbaren Qualitäten vor Augen – und tatsächlich lohnt sich ein Besuch dort doch. Ich selbst habe zwar nur ein paar Knöpfe erworben, aber alle anderen haben gut zugeschlagen – unser kleiner Beitrag zur Standortsicherung. ;) 

Auf der Rückfahrt haben wir dann noch diesen Mann gesehen:

Stylisher Cruiser auf der G110 in Peking

Der war so lässig! Kommt auf dem Foto leider nicht raus – schicke Federn am Hut. Der wusste jedenfalls, wie man so einen schönen Sonnentag genießen kann.

Gestern habe ich geschwächelt, heute hatten wir Besuch – schön war’s. 

Ferien, Mondfest und Golden Week in Sicht

Die kommende Woche ist auch noch mal so vollgepackt. Ich bin wieder jeden Tag verabredet, die Jungs schreiben Klausuren, aber am Freitag ist der letzte Schultag und dann sind Ferien: Golden Week. Dabei sind die Sommerferien doch gerade erst rum! Jedenfalls ist dann auch wieder Zeit für spontanes Rumstromern. Ich weiß, der “Freizeitstress” ist selbstgemacht, aber nach der langen Zeit ohne soziale Kontakte außerhalb der Familie gab es auch ein gewisses Nachholbedürfnis, und das war jetzt eher zufällig, dass es sich so geballt hat.

Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr in Peking sein wird. Sonst sind zur Golden Week die Straßen leer, dafür ballt es sich bei den Sehenswürdigkeiten. Das schau ich mir auf jeden Fall an.

Herbstlich ist es ja schon – in der Vegetation: es ist Erntezeit, vieles ist verblüht, die ersten Blätter fallen… Nur die Temperaturen sind noch sommerlich. Aber 28 Grad gelten hier nicht mehr als sommerlich genug, morgen wird die Klimaanlage abgeschaltet.

Der Vermieter hat uns gestern Mondkuchen geschenkt. Dieses Jahr ist das Mondfest relativ spät und fällt mit dem Nationalfeiertag am 1.10. auf den selben Tag.

Corona

Gestern ist es passiert: es wurde eine Corona-Infektion in Peking gemeldet, und das nach 43 Tagen ohne. Zwar “nur” importiert, d.h. das Risiko für uns Pekinger dürfte nicht größer geworden sein, da direkt am Flughafen abgefangen und isoliert, Mitpassagiere in Quarantäne… Trotzdem mahnt es einen, nicht leichtsinnig zu werden, das Virus ist nicht weg. 

Ansonsten bin ich weiterhin froh, hier zu sein. Unser Leben ist derzeit halbwegs normal, zwar mit Maske und App – aber das kann man dafür dann schon in Kauf nehmen. Beatmung wäre schlimmer. Wieder niemanden treffen zu können, wäre schlimmer. Wieder Schulschließung wäre schlimmer – wobei die Jungs ja sehr gut mit dem Online-Unterricht zurechtgekommen sind, und zumindest teilweise konzentrierter und effektiver lernen konnten. Aber ich habe kein Ambitionen, wieder als Mathelehrerin einzuspringen. ;) Und ihre Kumpel und die Pausen haben die Kerle ja auch vermisst.

Da keiner weiß, wie sich die Corona-Lage während des Winters entwickeln wird, aber durchaus befürchtet wird, dass es dann (auch hier in Peking/China) wieder mehr Krankheitsfälle geben könnte, will ich noch möglichst viel unternehmen, solange es geht.

Nächste Woche steht noch einmal einiges an Gruppenaktivitäten an, unter anderem ein Ausflug mit der Fotogruppe, in der Golden Week dann mehr solo und spontan.

Heute war es zwar wieder viel zu heiß, auch abends noch. Aber die Luft war gut, das Licht war toll – also habe ich mir die Kamera umgehängt und bin einfach mit dem Scooter drauflos getuckert. War mal wieder höchste Zeit für eine abendliche Kontrollrunde. ;)

Und doch wieder Drama-Himmel

Erstmal in Richtung CBD losgefahren. Auch wenn derzeit nichts normal ist, der Verkehr ist es inzwischen wieder, zumindest abends.

Feierabendverkehr

Die Lange Unterhose und der Zhongguo Zun fesseln mich immer wieder. Sind halt schon sehr coole Gebäude.

CBD-Ostseite: Zhongguo Zun und Lange Unterhose (CCTV-Hauptquartier)

Dann biege ich aber Richtung Westen ab und komme an der “kleinen” Kreuzung Dongdaqiao/Chaoyang North Road vorbei. Auf dem großen Monitor läuft einiges querbeet: marschierendes Militär, Restaurantwerbung, Corona-Verhaltenshinweise…

Dongdaqiao

Ein kurzes Stück weiter befindet sich der Dongyue Tempel, der natürlich schon geschlossen ist, außerdem ist eh Montag (= fast alles dicht). Trotzdem ein schöner Anblick. Und ich sollte mal wieder während der Öffnungszeiten hingehen.

Dongyue Tempel

Dann lasse ich mich einfach weitertreiben, Richtung Dongsi.

Zwischendrin immer wieder mal Musik und tanzende Ayis an kleinen Plätzen. Nur die Masken erinnern daran, dass nicht alles normal ist.

Dancing Ayis

Die Dongsi North Street ist links und rechts “eingekerkert”, hier wird irgendwas gebaut. Das ist mir bisher gar nicht so aufgefallen, aber es zieht sich komplett bis zur Kreuzung Beixinqiao so durch.

Dongsi North Street

Von Beixinqiao geht es weiter in Richtung Lama-Tempel. Oh mein Gott! Auf der Yonghegong-Straße tobt das Leben. Hier wird getanzt, gespielt, der würzige Geruch von Chuan’r (gegrillte Fleischspieße) liegt in der Luft. Hach, mein Peking… (Keine Bilder, ich musste das einfach so direkt genießen. Ich muss da die Tage mal gezielt zum Fotografieren hinspazieren.)

So langsam werde ich von Mücken aufgefressen und will nach Hause fahren, verhedder mich aber wie immer an der Nord-Ost-Ecke vom 2. Ring unter den diversen Brücken… Von dort führen echt viele Wege nach Sanyuanqiao – der direkte Weg ist Autos vorbehalten.

Aber als ich die Lotusleuchten auf dem Grand Metropark Hotel sehen, weiß ich auch ohne Navi-App wieder wo ich bin. Als Bonus gab es den Vollmond dazu. :)

Vollmond über Sanyuanqiao

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”. Dieses Mal: Müll und Minibrand, Wollmarkt, Wetter.

Müll und Minibrand

An dem Tag, an dem unsere Klimaanlage geschrottet worden ist, hat ein besonders schlauer Raucher seine Kippe in eine Mülltonne geworfen und damit einen kleinen Brand im Nachbarturm ausgelöst. Zum Glück war dieser Dank dort schon fertig erneuerter Feuerlöschanlage schnell gelöscht. Wir haben auch erst Tage später davon etwas mitbekommen – durch die nun eingeführten Änderungen: Mülltonnen raus aus den Treppenhäusern! Seh ich ein, Sicherheit geht vor.

Zeitgleich wurde nun die inzwischen auch in Peking angekommene Mülltrennung direkt in den Haushalten eingeführt: kitchen/food, residual , recycable, hazardous. Die Standortfrage der Tonnen ist noch nicht richtig gelöst, alle paar Tage sucht man nun mit dem Müll in der Hand nach den Tonnen. Es ist halt eine Umstellung, fix vor die Apartmenttür stellen oder 20 Minuten Müllspaziergang. Das Richtige zu tun ist halt nicht immer das Bequemste.

Braucht jemand ‘nen Schlauch?

Aber auch in unserem Turm ist die Anlage nun komplett erneuert, und das ist durchaus beruhigend.

Wollmarkt

Vor ein paar Tagen war ich das erste Mal auf dem Wollmarkt. Für die, die das noch von früher kennen: das Schild “Wool City” gibt es nicht mehr. Dafür ist an der Ecke jetzt ein McDoof.

Wollmarkt – Eingang

Leider bin ich ein bisschen enttäuscht. Das liegt nicht daran, dass mehr als die Hälfte der Geschäfte dort geschlossen sind, sondern auch die Qualität (fast alles mit Kunstfaseranteil) und die Auswahl sind recht begrenzt, die Preise sind allerdings günstig bis okay. Außerdem hier erhältlich: Stoffe, Kleidung und ganz wenig Accessoires (Knöpfe, Borten, Reißverschlüsse etc.). Wenn man auf das in die Hand nehmen verzichten kann, bieten jindong oder taobao sicher mehr Auswahl.

Das einzige, was sich richtig ins Gedächtnis eingebrannt hat: diese beeindruckende Auswahl verschiedener Mopps.

Moppsauswahl

Pandemiebesonderheiten: Temperatur- und Health App-Check am Eingang, maximal 3 Personen pro Geschäft. Viele Geschäfte geschlossen.

Wollmarkt

Adresse:

Anningzhuang Donglu (west of Qinghe Xiaoying Qiao), Haidian District, Beijing
地址: 北京市清河毛纺城, 海淀区清河镇安宁庄东路(近清河小营桥) –  Wolle im 3. und 4. Stock – Täglich geöffnet, 09:30-17:00

Wetter…

Gefühlt regnet es in diesem Sommer bisher häufiger und heftiger als in den Vorjahren. Statistiken dazu kenne ich (noch?) keine. Jedenfalls war es gestern wieder so weit. Den ganzen Tag schon grau und dunstig, nachmittags wird es dann plötzlich noch dunkler und es fängt an zu schütten, und das richtig heftig. Ordentlich Wind dabei, so dass der Regen von allen Seiten kam. Normalerweise bleibt man dann besser drinnen, denn heftiger Regen in Peking kann durchaus gefährlich werden. 2012 sind 77 Menschen im Stadtgebiet ertrunken, nachzulesen hier im Beijinger. Jenseits des Zentrums in den Bergen besteht die Gefahr von Erdrutschen.

Gestern war zuhause bleiben aber keine Alternative, denn ich war ein letztes Mal mit einer Freundin zum Kaffeetrinken verabredet, die Peking heute verlassen wird. Unten in der Lobby war aber klar, dass rausgehen jetzt nicht so gut ist. Trotz Sandsäcken und fleißigen Ayis im Einsatz wurde die Pfütze immer größer.

Ayis und Sandsäcke kommen nicht gegen die Fluten an

Meistens sind die Regenschauer hier ja schnell vorüber, so haben wir unsere Verabredung nur eine halbe Stunde geschoben. In der Tat ließ der Regen nach und ich bin los gelaufen. Wasserfeste Trekkingsandalen haben doch ihre Existenzberechtigung in der Millionenmetropole, denn das Wasser stand weiterhin in den Straßen. Ich war gerade drei Minuten unterwegs, da gingen die Schleusen wieder auf und wegen des blöden Windes bin ich trotz Schirm ordentlich nass geworden. Bei 31 Grad wird einem dann aber nicht kalt. ;)

Neu angelegter Tümpel an der US-Botschaft… ;)

Ich musste dann noch an der US-Botschaft vorbei schwimmen, dann war ich im Café, wo die Klimaanlage zum Glück nicht auf Maximum gestellt war und ich schnell wieder trocken war. 

Da gestern niemand zu Schaden gekommen ist, kann ich es ja zugeben: war einer der coolsten Nachmittage seit langem.

Käsekuchen ohne Boden

KOB in China

Dieses usselige Stück Kuchen ist vielleicht nicht schön, aber lecker, heiß erseht und eine Premiere: Käsekuchen ohne Boden – vielen auch bekannt als KOB ;) – hergestellt mit chinesischen Bordmitteln. Wie ich sicher schon mal beklagt habe, ist Quark hier Mangelware und im Supermarkt vor Ort nur ganz selten zu haben. Bei einer Stunde Fahrzeit und über 30°C ist mitbringen aus der Stadt (wenn dort überhaupt im April Gourmet erhältlich) auch keine Alternative. Und über den kläglich gescheiterten Versuch, selber Quark herzustellen, möchte ich nicht schreiben…

Heute habe ich dann den Tipp einer Freundin, Joghurt und Philadelphia zu mixen, ausprobiert und: tadaaa, es gibt eine Lösung für unser KOB-Problem! Sie macht allerdings KMB – also nur 750 g “Quark”masse – mit Boden, d.h. ich musste mit den Mengen tüfteln.)

Hier nun das Rezept zum Nachmachen für alle anderen in China gestrandeten KOB-Süchtigen:

200 g ungesalzene Butter
250 g weißen Zucker
5 mittelgroße Eier (mit Quark in Deutschland nimmt man 6, aber der Teig wird sonst zu flüssig)
500 g möglichst festen Joghurt (meiner kam aus der Flasche und war etwas dickflüssiger als Buttermilch)
500 g Philadelphia (den steinharten amerikanischen Import aus den 250g Alupäckchen mit Kartonumverpackung, gibt es immer bei Jenny Wang)
1-2 TL abgeriebene Zitronenschale (oder wenn man den gewachsten, gespritzten, gepimpten Zitronen hier nicht traut: 1 TL Zitronenessenz, gibt’s bei Jenny)
1 Päckchen Vanillezucker (aus Deutschland mitgebracht, sonst 1 guter EL selbstgemachten Vanillezucker: pro 100 g Zucker eine Vanillestange aufschlitzen und 14 Tage im verschlossenen Glas stehen lassen, gelegentlich schütteln).
2 Päckchen Vanillepuddingpulver (aus Deutschland mitgebracht – sonst 80 g Stärke plus 2 EL Vanillezucker)

Butter schaumig rühren, Vanillezucker, Zitrone und Zucker zufügen, danach die Eier. Joghurt und Philadelphia zugeben, dann Puddingpulver. In gefettete Springform 26 cm Ø füllen, ab in den Ofen.

In Deutschland würde so gebacken: 165° C Umluft mind. 50 min. backen, bis oben goldgelb, Kuchen im Ofen auskühlen lassen. Mit chinesischem Gasofen: 210°, leeres Backblech auf die unterste Schiene, Kuchenform auf den Rost/mittlere Schiene stellen, eineinhalb Stunden backen, nach 50 Minuten alle 10 Minuten nachsehen und neu einschätzen…

Beim nächsten Mal werde ich die Eier trennen und den Eischnee zum Schluss unterheben, außerdem den Philadelphia zuerst weich rühren und dann mit dem Joghurt mischen und dann zur Butter-Eigelb-Masse hinzufügen. Fürs Backen hab ich noch keine bessere Lösung.

Aber: es ist ein KOB und er schmeckt! :) Wir sind gerüstet für die kommenden Geburtstagsfeiern! :)