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Peking-Alltag, ein wenig Kultur und Heimaturlaub

Endlich ist Frühling, es ist warm, beinah schon sommerlich, Peking wird bunt, weil alles blüht und wieder viel mehr draußen passiert. Leider lässt sich das wegen der miesen Luft nicht genießen, also freuen wir uns jetzt noch mehr auf das nur halb so warme Hamburg: Heimaturlaub! Wir, das heißt die Jungs und ich, Männe darf arbeiten. Dank Denguefieber hatte der letzte geplante Hamburg-Aufenthalt ja leider ausfallen müssen, und nach so langer Zeit ist es schon komisch, „nach Hause“ zu fliegen. Nein, es ist nicht mehr wirklich zuhause, das ist derzeit hier in Peking, aber es ist Heimat, da wo wir unsere Wurzeln haben. Was sich wohl verändert haben wird, was ist „wie immer“?

Auch wenn ich mich nach Kräften bemüht habe, unser „Programm“ nicht wie beim letzten Mal so zu überfrachten – es hilft nichts, es ist doch wieder ganz schön voll geworden, auch wenn wir etwas mehr Lücken für spontane Verabredungen gelassen haben. Und für Ausflüge, es sind ja immerhin auch die Ferien der Jungs! Leider ist jetzt schon absehbar, dass wir längst nicht alle treffen können, die wir gerne sehen würden. Obendrein steht uns da halt auch eine emotionale Achterbahnfahrt bevor, bei der Wiedersehensfreude und umgehend drauf Abschiedskummer sich abwechseln werden.

Ansonsten geht hier alles seinen normalen Gang. Letzte Woche habe ich so viel wie noch nie im Stau gestanden, das war ziemlich nervig, jede notwendige kleine Besorgung kann sich ja eh zum Halbtagesausflug auswachsen. Anfang dieser Woche hingegen waren die Straßen frei wie noch nie – es war Qingming-Fest (Totenfeiertag). Leider war die Luft so mies, dass das Leben trotzdem überwiegend drinnen stattfand.

2. Platz beim Vorlesewettbewerb

Nummer 4 hat beim Vorlesewettbewerb an der Schule mitgemacht und ist Zweiter in seinem Jahrgang geworden. Die Jungs leiden ja unter einer schweren Hausaufgabenallergie, aber dafür hat er tatsächlich mit viel Spaß geübt – war sehr lustig auch für uns. Vorgelesen hat er aus Timur Vermes: Er ist wieder da.

Laoshe-Teehaus

Mit dem Chinesischkurs waren wir in einem Teehaus, erwartet hatten wir Pekingoper in auch für Westler leicht verdaulichen Häppchen, bekommen haben wir eine Art Varieté, dazu wurden ein paar Häppchen und Jasmintee gereicht, leider kein Reisschnaps… ;) Mit den Bildern von diesem vergnüglichen Abend verabschiede ich mich nun in den Heimaturlaub! 

 

Hochs und Tiefs

Letzte Woche. Unter den Bäumen am Fluss tauen die letzten Schneehäufchen vor sich hin, aber die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die Temperatur ist knapp zweistellig – so richtig wunderbares Gute-Laune-Wetter. Ich sitze im Taxi auf dem Weg zur Schule, Chris Martin singt „Up and Up“ und ich fühle mich unbeschwert, leicht, glücklich – und etwas unwirklich: Ich bin tatsächlich in China! Ja, auch nach ein-einhalb Jahren packt mich dieser Gedanke noch von Zeit zu Zeit. Die Luft ist so gut, dass die Berge zu sehen sind, alles scheint freundlich, jeder, wirklich jeder, wirkt gut gelaunt. Und so setzt sich das den ganzen Freitag und das ganze Wochenende hindurch fort. Peking ist großartig! 

Peking ist großartig. Peking ist furchtbar.

Was für ein Unterschied zum Dienstag. Da saß ich im Taxi auf dem Weg zur Klinik, bin in Grübeleien versunken, als auf einmal der Taxifahrer hektisch wurde und auf mich einredet, es braucht etwas, bis ich endlich verstehe, was los ist: es schneit. Okay, eigentlich sind es bloß Schneegriesel, die Sicht ist, obwohl es grau und dunkel ist, deutlich besser als an Smogtagen, die Straßen sind nass, aber nicht glatt, und trotzdem wird aus dem bis dahin zäh vor sich hin fließendem Verkehr der längste Parkplatz der Welt. Ich wünschte, ich wäre irgendwo anders, nur nicht hier. Immerhin verläuft der Termin bei den Chirurgen erfreulich, sie wollen mich derzeit nicht aufschnippeln, Glück gehabt, ich kann erleichtert nach Hause fahren. Inzwischen wurde aus dem Schneegriesel dann doch dichtes Schneetreiben und die Straßen sind glatt und es ist einfach zu dunkel. Trotz Erleichterung, dass das medizinische Problem erstmal keines mehr ist, will die Laune nicht besser werden. Und jeder, absolut jeder, wirkt mindestens so trübsinnig wie ich. Peking ist furchtbar!

Winter adé!

Jetzt, eine Woche später. Der Winter ist zum Glück vorbei, die dunklen Tage werden weniger, richtig fieser Smog wird seltener vorkommen, der eisige Wind macht bis zum nächsten Winter Pause. Die Kinder gehen wieder im Hellen aus dem Haus und kommen im Hellen zurück. Der Spielplatz vorm Clubhaus ist, sobald die Schulbusse nachmittags eintrudeln, wieder Treffpunkt, auch die älteren Kinder „müssen“ jetzt unbedingt von ihren Müttern „abgeholt“ werden… ;) Ist es im Sommerhalbjahr nicht überall freundlicher und heller? Hier aber ganz besonders, Peking ist schön!

Hazardous

Vorweg: ich lebe gerne hier in Peking, ich finde es eine tolle Erfahrung für mich, für uns. Wir lernen alle so viel Neues über uns, über Peking, China und die Welt, die Jungs lernen so viel mehr als ihnen jede Schule der Welt beibringen könnte, meine Bilanz ist unterm Strich nach wie vor positiv. Ich meine: wir haben es geschafft, in einem absolut fremden Land auf einem fremden Kontinent, in einem Land, dessen Sprache unendlich schwierig zu lernen ist, ein Zuhause für uns zu schaffen und uns als Familie und Individuen wohl zu fühlen. Kann man schon ein bisschen stolz darauf sein, oder?

Trotzdem, es gibt auch Schattenseiten

Nichtsdestotrotz gibt es auch Schattenseiten. Ich vermisse unsere erwachsenen Kinder, die Familie, liebe Freunde – auch wenn ich hier neue Freundschaften geschlossen habe, von denen einige bestimmt die gemeinsame Peking-Zeit überdauern werden. Ich vermisse Hamburg, trotz Schietwetter. Ich weiß so vieles in Deutschland jetzt viel besser zu schätzen und empfinde so manches nur noch als „First World Problems“ und „habt Ihr keine ernsthaften Sorgen?“.

Ich vermisse meine Biokiste, aber selbst mit einem konventionellen Einkauf würde ich mich in Hamburg inzwischen absolut auf der sicheren Seite fühlen, im Gegensatz zu hier, wo ich mir oft nur noch mit Verdrängung helfen kann.

Mich nervt es, wenn ich morgens Kaffee machen will und feststelle, dass der Kanister im Wasserspender schon wieder leer ist und ich erst mal eine 19-Liter-Pulle schleppen und einsetzen muss. Stopp, halt, erst noch den Wasserspender reinigen, sonst wird das auch eine unhygienische Angelegenheit. Trinkwasser aus der Leitung, was für ein genialer Luxus!

Smog…

Meine drei Männer, klein und groß, haben zum Glück im Gegensatz zu mir keine Probleme mit dem Smog. Wenn die Werte übel sind, dann muss ich die Zwerge schon sehr nachdrücklich dran erinnern, dass die blöden Masken bitte auch im Schulbus aufgesetzt bleiben. Ich hingegen habe selbst bei nicht besonders schlechten Werten morgens meist mit Nasenbluten (sorry) zu kämpfen, ab Werten um die 300 bekomme ich Kopfschmerzen, Halsschmerzen, werde heiser und wenn ich nicht drinnen bleibe, folgt anschließend eine nette Erkältung – also bleibe ich drinnen und sage dann Verabredungen, Veranstaltungen, Vorhaben ab. (Im ersten Jahr war ich trotz allem noch unterwegs und laufend krank – muss diesen Winter nicht wieder passieren.) Zum Glück sind die Luftwerte an den meisten Tagen besser als 300.

Airpocalypse

Heute ist allerdings wieder so ein Hazardous-Tag, der AQI liegt bei über 400, die Luft ist gelb und dick, die Sichtweite nicht besonders. Das geht nicht nur auf die Atemwege, das geht auch auf die Laune, auch wenn wir es uns drinnen sehr gemütlich machen können und Langeweile für uns eh ein Fremdwort ist. Trotzdem deprimiert das sehr, wenn man in dieser gelb-braun-grauen Glocke gefangen ist. (Bitte, führt verbindliche Fahrverbote in Deutschland ein, das muss doch nicht erst so schlimm wie hier werden!)

Jedenfalls ist heute einer dieser Tage, wo man sich nach einen Hamburger Mistwetter-Tag geradezu sehnt (sorry, Hamburg, das Wetter gefällt mir hier insgesamt besser, auch wenn der Winter kürzer und der Sommer noch länger sein dürfte)…

Was soll’s, im TV kommt nun White House Down, und nein, das läuft nicht auf CNN. ;)

Happy New Year!

Ein glückliches Neues Jahr wünsch ich. Wir sind wieder zurück in Peking, auch wenn die Versuchung groß war, einfach in Australien zu bleiben… Ein paar weitere Urlaubsbilder und -geschichten folgen demnächst, jetzt müssen wir erstmal fix in den Alltag wieder reinfinden. Immerhin, es ist zwar kalt, aber die Luft ist heute gut. Objektiv gut, nicht nur Peking-gut. :)

Achja, wer hier heute (9.1.) über Fehlermeldungen gestolpert ist – die neueste php-Version mit Fast CGI und mein Blog vertragen sich leider (noch?) nicht, hab es jetzt wieder umgestellt, nun sollte es keine Fehlermeldungen mehr geben.

Leben in der Expatbubble

Bei vielen Gesprächen oder Diskussionen bekommt man mit, dass das Leben in der sogenannten Expatbubble ja doch komisch sei und von einigen wird die Bubble negativ gesehen. Ich versuche mal, hier anzureissen, wie ich unsere chinesische Expatbubble erlebe. Um es vorwegzunehmen: mein Fazit ist positiv.

Als bei uns vor über zwei Jahren die Entscheidung gefallen ist, dass wir nach Peking gehen, habe ich sofort mit dem Chinesisch lernen angefangen. Klar, Sprache ist der Schlüssel zur Integration, das bekommt man ja mit umgekehrten Vorzeichen in Deutschland eingehämmert. Und ja, Grundkenntnisse der Sprache machen mir den Alltag einfacher und bringen mich leichter in Kontakt mit Chinesen. Aber Integration? Fehlanzeige.

Auch wenn wir noch nicht wissen, wie lange wir wirklich hierbleiben, wir sind (hoffentlich) für länger, aber nicht für immer hier, das heißt, von unserer Seite aus besteht gar nicht die Notwendigkeit, uns komplett zu integrieren, aber das ist von chinesischer Seite auch gar nicht beabsichtigt. Endet der Arbeitseinsatz hier, endet unsere Aufenthaltserlaubnis. Das gilt umso mehr für die Expats, die von vorneherein wissen, dass sie in zwei, drei Jahren zurück in Deutschland sein werden.

Abgesehen davon sind wir hier auf den ersten Blick schon von weitem als exotische Langnasen zu erkennen. Selbst wenn ich das doppelte, drei- oder mehrfache an Zeit fürs Chinesischlernen aufwenden würde: Muttersprachlerniveau werde ich niemals mehr erreichen können – im Englischen beispielsweise hätte ich dazu eher die Chance.

Anders heißt nicht besser oder schlechter, sondern einfach nur anders.

Was ich aber kann: China mit Respekt begegnen. Wir feiern chinesische Feste mit (okay, wir nutzen sowieso jede Gelegenheit zum Feiern, und sei es, das Leben an sich zu feiern). Wir sind informiert über die wesentlichen Fettnäpfchen und wie man sie vermeidet. Wir begegnen China, den Chinesen, der Kultur mit Respekt. Wir nehmen das Andere hin und werten nicht. Anders heißt nicht besser oder schlechter, sondern einfach nur anders.

Nur weil ich in China lebe, heißt es nicht, dass ich es jetzt für mich übernehme, die Eltern in den Himmel zu heben und auch als Erwachsene zu tun, was die Eltern verlangen. Ich mag über die große Völkerwanderung zur Golden Week stöhnen, aber ich verstehe jetzt, warum das so ist. Genau, verstehen zu lernen, das ist für mich hier wichtiger als Integration, die als zeitlich begrenzt anwesender Laowai eh nicht gelingen kann.

Es ist sowieso gar nicht so einfach, hier als „Frau von XY“ (aus Chinesischer Sicht sind die Kinder und ich tatsächlich nur geduldete Anhängsel) sich mit Chinesen anzufreunden, da fehlen einfach die Berührungspunkte. Kurze Standardfloskeln beim Einkaufen, in Restaurants und Besuch von Sehenswürdigkeiten und Smalltalk beim Taxifahren – darauf beschränkt es sich im Wesentlichen. Das ständige Lernen – sei es bewusst am Schreibtisch oder nebenbei unterwegs – ist auch anstrengend. Und ich bin einer privilegierten, freiwilligen Situation hier.

Tatort

Tatort gucken im Zeit Berlin

Und es ist auch schön, sich mit anderen Deutschen zu treffen und in der Muttersprache zu unterhalten, wo ich nicht nach Worten suchen muss, wo ich auch Untertöne ohne Anstrengung verstehen kann. Selbst wenn ich auf Chinesisch immer öfter wenigstens mitbekomme, über was gesprochen wird, meine Unfähigkeit meine Gedanken in chinesische Worte zu fassen macht mich stumm, ich fühle mich eingeschränkt und hilflos. Da fühlt man sich dann in der Bubble dann doch ganz wohl und geborgen.

Oder Heimweh – auch wenn das nur sporadisch auftritt, manchmal ist es schön zusammen „Deutsche Traditionen“ zu pflegen oder etwas zusammen zu unternehmen. Da fährt man dann auch einmal im Monat abends mal eine Stunde hin und eine wieder zurück, um zusammen mit anderen Deutschen den Tatort der Vorwoche zu schauen. Andere gehen hier auf Bälle und Oktoberfeste – das war auch in Deutschland schon nicht mein Ding, aber so kann beinah jeder seinen Nischen und sein Stück Heimat hier finden.

Die Expatbubble für die Kinder

Und die Kinder? So, wie ich auch sonst eigentlich nicht unter meinem gewohnten westlichen Standard und Errungenschaften bleiben möchte und teils zwangsweise doch muss (fließendes Trinkwasser, saubere Luft, sichere Lebensmittel, Gurte im Auto…), möchte ich das auch, was den Alltag der Kinder angeht, nicht. Nein, ich möchte sie nicht in sechsmal die Woche je 12 Stunden auf eine chinesische Schule gehen lassen. Ich bin froh über die Deutsche Schule mit all ihren Stärken und Schwächen, auch wenn Britische und andere internationale Schulen für uns leichter zu erreichen wären und die Kinder dann vielleicht noch besser Englisch lernen würden. Die Expatbubble für die Kinder beschränkt sich im Wesentlichen auf Schule und Compound. Unserer ist wunderbar international, auf Spiel- und Bolzplatz spielen Kinder, die ihre Wurzeln auf sämtlichen Kontinenten in den verschiedensten Ländern haben, miteinander.

Wenn das Englisch – das ist unsere Umgangssprache hier, nicht Chinesisch – mal nicht reicht, reden sie mit Händen und Füßen oder erfundener „Baba-Sprache“ (inspiriert von der TV-Serie „Rabbids Invasion“) miteinander. Sprache ist Mittel zum Zweck, wichtig ist, dass man sich versteht, da kann die Wortwahl auch mal komisch und die Grammatik falsch sein. Was die Kinder hier ganz selbstverständlich aufsaugen: das Miteinander in einer per se multikulturellen Umgebung, ganz nebenbei und selbstverständlich nehmen meine hier südafrikanische, finnische, amerikanische, französische, nigerianische… – und natürlich deutsche und chinesische Traditionen, Lebensweisen, Einstellungen etc. mit. „3rd Culture Kids“ erleben wir als Bereicherung, nicht als Mangel von etwas. Die Kinder leben einfach mit anderen Menschen zusammen, die Herkunft/Nationalität ist nicht wichtig, Kinder sind nett oder nicht nett, egal mit welchem Pass sie herumlaufen.

In dieser Expatbubble zu leben heißt nicht, blind und ignorant gegenüber dem Gastland zu sein. Wer vorher schon „open minded“ war, wird es hier sicher leichter haben, zurechtzukommen, dabei kann die Bubble aber ein hilfreicher Rückzugsort in einer oft sehr fremden, aufregenden, exotischen Welt sein.

Schnipsel Nr. 5

Seit Montag hat uns der Alltag wieder, der liebe Besuch ist zurück in Deutschland und wir stellen uns hier jetzt auf den möglicherweise kältesten Winter seit Jahren und die mit dem Winter (Inversionswetterlage plus Heizen) verbundene miese Luft ein. Heute Vormittag war ich noch mit der Fotogruppe unterwegs, im Laufe des Nachmittags konnte man dann zusehen, wie die Luft schlechter und schlechter wurde, inzwischen liegt der AQI bei 343, also über meiner persönlichen Schmerzgrenze. 

Sānlúnchē

Sānlúnchē

Ab einem AQI von ca. 300 geh ich keinen Schritt vor die Tür, wenn es nicht unbedingt sein muss. Bis zu diesem Wert bin ich relativ unempfindlich, aber ab dann gibt’s Hals- und Kopfschmerzen, die fast immer in einer dicken Erkältung enden – so die Erfahrung im ersten Winter hier, dieses Jahr bleib ich bei entsprechenden Werten halt zuhause auf meinem Luftfilter sitzen. Zum Glück sind die Kurzen robuster und die Luftfilteranlage der Schule taugt auch was.

Glückskeks

Ich denke ja oft, dass ich ein Glückskeks bin, dass ich dieses China-Abenteuer erleben darf. So konnte ich auch gar nicht ablehnen, als Jonna von den expatmamas.de gefragt hat, ob ich etwas für den November-Glückskeks beisteuern könnte. Dass sich mit Klebeband fast alles reparieren lässt, und dass es, wenn das Klebeband mal aus ist, auch mit einer Plastiktüte geht, erzähle ich hier: expatmamas.de. Oder kurz zusammengefasst: ich mag den chinesischen Pragmatismus. :) Es muss nicht immer gleich das teure Ersatzteil sein.

Glücklichmacher

Die Welt ist doch manchmal-oft echt zum Heulen. Ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, Aleppo, Nazis in Deutschland, Trump in den USA (I’m with her!), Türkei, IS,… Kriege und Krisen, wohin man auch guckt. Und dann veröffentlicht heute Matt Harding sein neues Video: „Where the heck is Matt?“ Wie, Ihr kennt Matt Harding nicht? Der reist um die Welt und tanzt mit Menschen. Von Düsseldorf bis Dubai, von Peking bis Pjöngjang, von Robben Island bis Vancouver, im Nasa-Shuttle und beim Tauchen. Mehr zu Matt gibt es auf seiner Website oder auf Wikipedia.

Diese Videos transportieren soviel Fröhlichkeit und bringen auch an dunklen Tagen den Optimismus zurück: Eine Welt für Alle. Das geht. Muss gehen. 

 

Wohnungssuche in Peking

Wo werden wir wohnen? Die Wohnungssuche war für mich und ist sicher auch für viele andere Familien, die vor der Situation „wir gehen nach Peking“ stehen, eine der wichtigsten Fragen. Das eine ist sicher die Entscheidung, ob man in der Stadt oder weiter draußen wohnen möchte, das andere ist das konkrete Haus/Wohnung. Kann halt passieren, dass zum passenden Zeitpunkt im Wunsch-Compound kein passendes Haus frei ist. Hatte ich erwähnt, dass es nichts nutzt, wenn das Traumhaus in einem doofen Compound steht? Oder umgekehrt der Compound toll ist, das Haus aber 1000 Macken hat?

Oh, und was sicher auch eine erste typisch chinesische Erfahrung werden kann: wenn man von einem Makler die ersten Wohnungen/Häuser gezeigt bekommt: nicht erschrecken, es ist üblich, dass sie einem zunächst die Ladenhüter zeigen, bevor es dann wirklich infrage kommendes gezeigt wird. Dabei wird unendlich viel Zeit verplempert… Aber am Ende stehen die Makler toll da, weil sie ja bei so schrecklichen Wohnungen dann doch plötzlich die tolle, richtige (die man gerne gleich als erstes gesehen hätte, verflixt!) aus dem Hut zaubern konnten.

Was ich selber noch wirklich wichtig finde bei der Entscheidung für oder gegen ein Haus/eine Wohnung:

  • Klimaanlage. Die sollte nicht zu alt sein, muss gut gewartet sein (müsste jährlich gereinigt werden, das machen die wenigstens Landlords von sich aus). Und je individueller regelbar, desto besser. Manche Häuser haben nur einen Schalter fürs ganze Haus, wir haben immerhin einen pro Etage, trotzdem ist es oft in einem Raum zu kalt, während es am anderen Ende zu warm ist… Nicht vergessen: so heiß wie es hier im Sommer ist, so eiskalt wird es im Winter…
  • Heizung. Bei uns und in sehr vielen Häusern hier wird über die Klimaanlage geheizt, Mitte Oktober wird durch die Handwerker ein Schalter umgelegt, und statt kühler wird dann warme Luft durch’s Haus gepustet. Im Winter kann man dann mit 2-4mal so hohen Nebenkosten rechnen wie im Sommer. Fußbodenheizung wäre toll, es ist nämlich wirklich bitter, bitterkalt im Winter!
  • Ich würde kein Haus mit „high ceiling living room“ nehmen und möglichst wenig ineinander übergehende Räume. Klar, das sieht schon toll aus, aber: schwer zu heizen bzw. zu kühlen – und auch schwer, die Luft sauber zu halten.
  • gut abgedichtete Fenster und Türen sind wichtig, wegen der Kälte im Winter gern Doppelverglasung (selten zu finden).
  • unter Luftverschmutzungs-Gesichtspunkten: kleinere Räume sind besser (da lässt sich die Luft schneller, effektiver sauberfiltern). Die Jungs haben deshalb die beiden kleinsten Schlafzimmer hier, aber zusätzlich ein großes Kinder-Wohnzimmer.
  • Kamin – viele Häuser haben hier offene Kamine. In Europa liebe ich das auch, hier hätte ich zum einen Bedenken, weil die Luft eh schon so schlecht ist, aber noch wichtiger: durch den Schornstein kommt ungefiltert die schlechte Luft von draußen rein. Unser Kamin ist nur zur Deco, der Landlord hat den Schornstein abgedichtet. Wir haben im Haus zum Glück auch wirklich immer saubere Luft (ok, mithilfe von 9 lärmenden Maschinen).
  • Herd: auf den ersten Blick fand ich unseren 5 Platten Gasherd toll. Allerdings ist der Ofen auch gasbetrieben, allmählich nach einem Jahr komm ich halbwegs damit klar, aber dicke Freunde werden wir nicht werden. Mir ist das jetzt nicht so wichtig, aber für jeden, der gerne backt, kann das ein Kriterium sein!
  • extrem hilfreich: englisch sprechendes Management
  • wie kindgerecht ist der Compound: Kinder-/Babypool? Kinderspielzimmer? Kinderspielplätze, auch für verschiedene Altersgruppen geeignet? Verkehr/Verkehrsregelung? Bolzplatz? Möglichkeiten zum Radfahren, Skaten…?
  • sind die Angebote des Compounds inklusive oder muss man für jede Kleinigkeit extra zahlen? Einzeln oder als Pauschale?
  • Nahversorgung: wenn man nur ein Auto (oder keins) zur Verfügung hat, sollte das Wichtigste fußläufig erreichbar sein.
  • wenn Hochhaus: wie viele Fahrstühle gibt es (in den 18. Stock zu Fuß rauf und runter ist sicher nicht so spassig), vielleicht kann man einen vorhandenen Mieter fragen, ob es damit Probleme gab?
  • Hellhörigkeit? Können Kinder normal spielen oder ist schleichen und flüstern die Devise?

Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee, wenn man die Gelegenheit hat, die Vormieter zu löchern. Oder die Nachbarn. Oder jemanden, der schon in dem Compound wohnt, der kann vielleicht nichts zum infragekommenden Haus sagen, aber zum Compound an sich.

Fragen, Ergänzungen, Tipps, andere Meinung? Mehr Informationen vielleicht zu Hochhaus-Appartments, da ich ja nur eines für kurze zwei Wochen kennengelernt habe! Gerne per Mail oder als Kommentar!

Der Alltag hat uns wieder!

Selten waren wir so froh, dass die Sommerferien zu ende gingen. Dass der Deutschlandurlaub meinem Denguefieber zum Opfer gefallen ist, hat mir und den Kindern (auch wenn die zweit echt super waren und das Beste draus gemacht haben) doch ziemlich nachgehangen, umso besser, dass jetzt alte und neue Freunde zurück in Peking sind, die Schule wieder gestartet ist und es wieder mit vielen Veranstaltungen, Ausflügen, Kursen etc. in die Vollen geht!

Letzten Montag sind die Jungs tatsächlich ohne Gemoser um 6 aus den Betten gefallen, Schule ist halt doch mehr als Unterricht und Hausaufgaben, sondern auch Freunde treffen und Spaß haben und sie sind fröhlich losgezogen. Montagmittag sind die zwei noch ziemlich erledigt aus dem Bus gepurzelt, aber nun sind wir wieder im Alltagsrhythmus angekommen und Freitag war schon mehr elterlicher Nachdruck beim frühen Aufstehen nötig… *grins*

Der September verspricht interessant zu werden, sehr nette Welcomeparty der Patengruppe war am Freitagabend schon, Dienstag besuche ich einen Kochkurs  im Hutong, Donnerstag sind Elternabende bei beiden Jungs, in der Woche drauf starten die AGs- und auch mein Chinesischkurs wieder. Und in der letzten Septemberwoche gehen die Jungs auf Klassenreise und Männe schickt mich währenddessen dies Jahr nicht nach Shanghai, sondern nach Yangshuo. Der Tropendoc hat’s erlaubt, von daher freu ich mich da jetzt auch wieder drauf (auch wenn ich alle drei Stunden im Insektenkiller baden muss).

Letztes Jahr hat die Parade für gute Luft gesorgt, dieses Jahr ist es der Gipfel in Huangzhuo, wobei es heute leider einen Ausreißer gibt, allerdings wird’s später wohl eh gewittern. Trotzdem, der Sommer ist hier noch lange nicht vorbei und wir haben vor, ihn hier zu genießen!

 

 

Schnipsel Nr. 4

Eine Wunderheilung! :)

Unser Wasserspender hat mir am Wochenende Kummer gemacht: er ging nur kurz an und und direkt wieder aus, d.h. er kühlte nicht und er kochte nicht. Stecker gezogen, Plan: am Montag die Ayi bitten, den Service anzurufen. Solange hatten wir also nur lauwarmes Trinkwasser…
Am Montag erkläre ich das Problem wortreich der Ayi, die steckt den Stecker rein, die grüne Lampe leuchtet – und ging nicht wieder aus. Wasser kochen klappt auch wieder. Hmm, sehr seltsam, aber Hauptsache es funktioniert.

Kalendarisches: Herbstanfang und die Nacht der Siebenen

Klingt bei 33 Grad komisch, ist aber so: gestern war Herbstanfang 立秋, Lìqiū. Das bezieht sich eindeutig eher auf den Erntebeginn als auf das Wetter! In zwei Wochen haben wir dann das Ende der Hitze – hoffentlich. :) Wer mehr über den chinesischen Mondkalender und die 24 Zyklen wissen möchte: hier zum Beispiel: Chinesischer Mondkalender.
Heute ist Chinesischer Valentinstag: 七夕, Qīxī, die Nacht der Siebenen, um den sich zahlreiche Legenden (oder eine Legende mit zahlreichen Varianten) und Bräuche ranken, nachzulesen unter dem Link oder auch bei Wikipedia. Letztes Jahr fiel Qīxī auf Justus‘ Geburtstag, wir waren Essen und die hübsche Mama (das bin ich) hat vom Restaurant zum Valentinstag eine Flasche Wein geschenkt bekommen. Wein trinken kann ich auch besser als Früchte schnitzen oder nähen…

 

Schnipsel Nr. 3

Ich kann Chinesisch! (Wenigstens ein bisschen…)

Kurz vor den Sommerferien habe ich die zweite HSK-Prüfung abgelegt. Nachdem mein blödes Tropenfieber mich allmählich aus seinen Fängen entlässt, hab ich mal nach dem Admissionticket gesucht und dann nachgeschaut: yeah, ich habe tatsächlich bestanden, und das sogar mit annehmbaren Ergebnis! In der Vor-Sommerferien-Hektik hatte ich nicht besonders viel gelernt, von daher bin ich echt gut zufrieden! Für HSK3 muss ich das Vokabular nun verdoppeln, und außerdem werden dann auch Schriftzeichen abgefragt. Im Dezember, dem nächsten Prüfungstermin, wird das sicher noch nichts werden, aber spätestens im kommenden Juni will ich es versuchen.

Immerhin, meine Fähigkeiten reichen dazu, im Supermarkt anzurufen und nachzufragen, wo die seit beinah vier Stunden überfällige Wasserlieferung bleibt – und das mit Erfolg, keine halbe Stunde später kamen die Kanister an. :)

Apropos Wasser

Stiftung Warentest hat den Deutschen bescheinigt, dass ihr Leitungswasser prima ist und es von wenigen Ausnahmen abgesehen (Geschmack oder besonders viel Kalziumgehalt gewünscht z.B.) keinen Grund gibt, stilles Wasser zu kaufen. Seufz, wie ich das vermisse! Trinkwasser aus der Leitung! Mit unserem Sodasprudler der drölften Generation konnten wir in Hamburg wirklich prima Sprudelwasser machen, hier haben wir uns widerstrebend an das stille Wasser aus dem Wasserspender gewöhnt, immerhin ist es gekühlt… Zum Zähneputzen wird ebenfalls Trinkwasser aus dem Spender (auf den die Kanister aus dem Supermarkt geschraubt werden) verwendet – wenn wir daran denken, uns welches aus der Küche mit ins Badezimmer hoch zunehmen. Das ist ziemlich lästig, und wenn man’s vergisst eklig…

Und noch mehr Wasser: nach einem knappen Jahr hat die Klebeband-Dichtung des Spülmaschinenablaufs versagt. Nach Beseitung der Überschwemmung wurde es repariert. Ihr ahnt womit? Klebeband natürlich! :)

Wetterwetterwetter

„Boah toll, bei Euch ist es ja immer so schön warm.“ Nee. Das ist auf die Dauer nicht schön, wenn von Mai bis Oktober fast immer über 30 Grad sind (und es im August jetzt noch Richtung 40 gehen wird). Solche Temperaturen sind im faulen Strandurlaub toll, aber im Alltag ist das einfach anstrengend, schweißtreibend, den Kreislauf belastend. Das ist einfach was anderes, als wenn nur ab und zu mal so ein Ausreißer nach oben mit dabei ist. Und dann kommt hier quasi als weitere Wetterkomponente noch der Smog dazu – und wenn der AQI bei 200 liegt, macht es weder Spaß draußen zu sein noch ist es besonders gesund. Dafür sitzt man dann drinnen auf der Klimaanlage, die sich nicht wirklich gut einstellen lässt und sackt sich nen Schnupfen auf. Jammerjammerjammer. Naja, eigentlich mag ich den langen Sommer hier, kann’s eh nicht ändern und arrangiere mich halt damit, aber 24 Grad würden mir völlig reichen. :)
Heute kommt noch wieder Gewitter und Regen dazu, hoffentlich aber nicht wieder so in extremen Mengen wie vor ein paar Tagen. Inzwischen sind die Katastrophenbilder aus dem TV verschwunden, aber bis die Folgen außerhalb Pekings beseitigt sind, wird es sicher noch dauern.

Schnipsel Nr. 2

Rollstuhlübergabe im Waisenhaus „Blue Sky“

Ende April war ich im Waisenhaus „BlueSky“. Im Rahmen eines Sozialprojektes an der BSB (British School of Beijing) wurde für einen Jungen mit Arthrogryposis ein elektrischer Rollstuhl in Deutschland gefunden, für das Kind individuell angepasst, nach China geflogen und dann hier übergeben. Das war ein unglaublicher Gänsehautmoment, man kann sich nicht annähernd vorstellen, was das für den Jungen für ein Plus an Lebensqualität sein muss! Und ebenfalls Respekt vor dem 16jährigen Schüler, der sich da so reingehängt hat.

Lìxià – Anfang des Sommers

Statt Vatertag/Himmelfahrt war am 5. Mai hier 立夏(Lìxià), d.h. Anfang des Sommers. Gefällt mir irgendwie besser, auch wenn normaler Arbeits- und Schultag war. Über das Wetter hier kann ich mich echt nicht beklagen, wenn der AQI nun noch immer im grünen Bereich wäre, wäre es perfekt.

Geburtstagsfeierlichkeiten

Dann hatten wir hier einen 10. Geburtstag. Am Geburtstag selbst war quasi die „Familie“ – die Freunde aus dem Compound – zum Kaffeetrinken da und dann gab es den Kindergeburtstag mit den Schulfreunden. Alles anders hier (die Entfernungen…) und neu und dann auch wieder genau wie in Deutschland. Die Jungs waren schon bei einigen Kindergeburtstagen eingeladen, da gab es „Lasertag“, Schlittschuhbahn, „klassischer“ Kindergeburtstag zuhause und Übernachtungspartys. Eine Mischung aus letzterem hat sich Rasmus dann auch gewünscht und bekommen. War schon anstrengend, aber auch schön. :)

Projektwoche

Für die Jungs wird die kurze Schulwoche ab morgen hoffentlich super: Es ist Projektwoche. Beide haben zwar nicht Ihr Wunschprojekt bekommen, sie wollten beide „Cybernetica“ und einen Roboter bauen (*zu den großen Brüdern nach Deutschland wink*) aber mit der Zweitwahl sind sie glaube ich auch gut zufrieden: Rasmus ist im „Reiseführer-Peking“-Projekt, dafür geht es jetzt erstmal auf Recherchetouren: zur Mauer, zum Sommerpalast und in den Chaoyang-Park, und am Freitagvormittag wird der Reiseführer dann zusammengestellt. Justus macht „Chinesische Musik“ von traditionell bis modern, da bin ich auch schon auf die Präsentation am Freitag gespannt.

AutoChina – Das Chaos vor der Tür

AutoChina

AutoChina im International Exhibition Center

Vor gut zwei Wochen habe ich zum ersten Mal von der AutoChina gehört: „denk dran, vorher am besten noch einen Großeinkauf zu machen!“, „stell Dich mal auf 10 Tage nur im Compound und drumherum ein!“, „oh nee, am 29. können wir uns nicht in Sanlitun treffen, da ist doch AutoChina, wir kommen gar nicht weg…“ und so weiter! Der Göttergatte hielt das für das übliche Gerede gelangweilter Hausfrauen (… Lehrerkind Bastian Bielendorfer fügt an solchen Stellen immer „Handgemenge“ ein…), bis ein Kollege ihn fragte, ob er denn während der AutoChina in der Stadt übernachten würde. Ha!

Okay, die AutoChina ist also eine der größten Automessen der Welt mit gut einer Million erwarteter Besucher und findet auf dem Gelände des International Exhibition Centers statt. Das wiederum liegt genau gegenüber der Einmündung unserer kleinen Straße in die Hauptstraße, also wirklich nur ein paar Gehminuten von uns weg. Vom Compound gab es ein Rundschreiben: die Zufahrtsstraße werde für den Durchgangsverkehr gesperrt, wer Autopässe brauche, könne sich diese an der Rezeption abholen, allerdings „nur“ zwei pro Haus…

Hier ist sonst nichts los

Hier ist sonst nichts los

Heute ist nun also der erste Tag, und der Schulbus der Kurzen ist heute Morgen prompt auch erst mit viertelstündiger Verspätung gestartet. Später am Vormittag hab ich Neugiernase mich dann mal auf die Socken gemacht um ein bisschen zu gaffen, Wetter hat an sich auch zum draußen sein eingeladen, nur der doofe Smog mal wieder…

Ok, am Compound-Tor mehr Personal als sonst, mehr Absperrungen und viel mehr Verkehr, und an der Straße entlang sind lauter Parkverbotsschilder mit Abschleppandrohung aufgestellt.

Yuyang Road

Beim Pinnacle Plaza

Auch vorm Supermarkt ist viel mehr los als sonst, vormittags ist hier normalerweise tote Hose. Die spielenden Männer dort sitzen sonst auf der gegenüberliegenden Seite, wo jetzt geparkt wird; dafür gibt es heute deutlich mehr Zuschauer. Zum Pinnacle Plaza hin sind alle Zufahrten abgesperrt, und natürlich überall viele Wächter.

Europlaza

Europlaza-Tiefgarage ist dicht

Noch ein paar Meter weiter, bei der Zufahrt zur Tiefgarage vom Europlaza ging dann gar nichts mehr. Natürlich wurde ordentlich gehupt, was erstaunlicherweise ;) auch nichts half. Wer aus der Ecke hier wegfahren will, braucht also ziemlich viel Geduld.

Direkt an der Kreuzung dann tatsächlich ein „boah“-Moment. Absperrungen, Polizei und Trubel.

gesperrt

Keine Einfahrt heute!

Absperrungen

Absperrungen

Autos

Noch mehr Autos…

 

 

 

 

 

 

Wer jetzt auf schicke Autobildchen hofft, den muss ich enttäuschen, von außen nichts zu sehen. Ich könnte Euch aber mein Fahrrad zeigen. :)

Nach der ganzen Aufregung und den Erzählungen im Vorfeld hätte ich mir den Auftrieb hier schlimmer vorgestellt, allerdings habe ich mich von Metrostation und Haupteingang auch ferngehalten. Und ich glaube, ich wäre vor einem Dreivierteljahr doch noch beeindruckter gewesen als ich jetzt bin. Mal schauen, wie das im Laufe der nächsten Tage sein wird, wenn ich in die Stadt und wieder zurück muss, und wer weiß, ob das Chaos eventuell doch noch wilder wird. Die Schulbusse auf der Rücktour waren heute jedenfalls nur leicht verspätet, von daher hoff ich auf einigermaßen unbeeinträchtigtes Dasein bis zum Ende der Messe.

Hassgeräusche in Peking

Der zweite Teil der Blogparade von Mutterchaos ist gestartet: diesmal geht es nicht um Lieblings-, sondern um Hassgeräusche. Wobei – hassen? Ich nehme das mal nicht ganz wörtlich, es sind Geräusche, die mich stören, mal mehr mal weniger, ist ja auch tagesformabhängig.

Äußerst unangenehme Geräusche, die ich einfach nicht hören mag wie Rückkopplungen, Zahnarztbohrer, das Scratchen von Fingernägeln auf glatten Oberflächen muss man wohl nicht weiter erläutern.

Auch ein weiteres Hassgeräusch bedarf wohl keiner näheren Erläuterung: wenn sich jemand übergibt. Als wir herkamen, hatte ich Bammel, dies Geräusch öfter hören zu müssen, wegen der anderen, für uns ungewohnten Lebensmittel/Küchenhygiene/Gewürze… Erstaunlicher- und glücklicherweise hielt sich das in sehr engen Grenzen.  Wir haben aus lauter Neugier inzwischen auch in „Spelunken“ sehr lecker gegessen, um die wir in Europa einen großen Bogen gemacht hätten und – toitoitoi – bislang keine nennenswerten Probleme gehabt. Ach doch, ganz am Anfang hatten die Jungs öfter mal Bauchweh und Übelkeit, wobei ich nicht sicher bin, ob das nicht auch durch die Aufregung mitverursacht war, sich in einer so fremden Stadt in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen. Inzwischen jedenfalls haben sich auch ihre Mägen hier gut angepasst. :)

Ich habe das vorher gar nicht gewusst, aber Peking ist unglaublich laut. Meistens finde ich das gar nicht schlimm, denn laut heißt eben auch lebendig. Lärm machen nicht nur die normalen Verkehrsgeräusche, dazu dudelt in jedem Geschäft laut Musik, selbst am ATM (Geldautomaten) begrüßt einen lautstark eine Tonbandansage. Klar, dass die Menschen dann auch lauter miteinander sprechen oder in ihre Smartphones brüllen. ;)

Was ist das Wichtigste an einem chinesischen Auto? Nein, nicht Gas- oder Bremspedal, es ist die Hupe und das ständige, allgegenwärtige Hupen ist für mich ein Hassgeräusch, weil ich mich noch nicht komplett daran gewöhnt habe, dass es hier halt so üblich ist, und ich mich oft furchtbar erschrecke. Dabei heißt es, das Hupen diene nur der Sicherheit: Achtung, jetzt komm ich! Spurwechsel werden mit Hupen angekündigt und mit Hupen gekontert („nee, ich fahr hier jetzt einfach weiter, vor mir kannst Du Dich nicht einordnen“). Ok, im Taxi bin ich ja dann noch durch eine dünne Blechschicht geschützt. Gruseliger ist es dann schon, wenn man an einer gefühlt 30spurigen Kreuzung steht, und die Fußgängerverkehrsregel beachtet: „Egal, was die Ampel zeigt, wir warten bis wir viele sind (und das geht fix hier) und dann gehen wir.“ Auch wenn ich darauf achte, mich inmitten des Pulks zu befinden, es ist schon ein bisschen angsteinflößend, wenn der Fußgängerpulk dann von einem ganzen Hupkonzert zur Eile angetrieben wird. Wobei ich doch zugeben muss, dass ich vor einem Jahr das Hupen schrecklicher fand als heute. Dient ja meiner Sicherheit. ;)

Was ich noch nie schön fand, was ich hier und jetzt besonders nervenzerrend finde: wenn mein Laptop unerwartete Geräusche von sich gibt, wenn der Lüfter auf einmal auf Hochtouren läuft oder *grusel* die Festplatte ein Schleifgeräusch von sich gibt (ganz fix alle Daten auf externer Festplatte doppelt gesichert). Der Laptop ist mein Fenster und meine Verbindung zur Welt, nicht nur die Kommunikation mit Freunden, Verwandten, lieben Menschen in aller Welt läuft darüber, sondern auch Zeitungen, Nachrichten, Magazine etc. lesen. Ohne die Kiste käme ich mir her doch extrem abgeschnitten vor, deshalb ist jedes ungewöhnliche Laptopgeräusch erstmal ein großer Schrecken.

Für viele Westler hier in Peking ist das Rotzen, Schmatzen und Schlürfen ein Hassgeräusch. Oft finde ich das auch unangenehm, schön ist anders, aber so ist das hier halt üblich, irgendwie kann ich damit eher umgehen als mit der Huperei. Ok, ist schon eklig wenn der Taxifahrer das unterste zu oberst kehrt und dann mehr oder weniger genussvoll die Beute aus dem Fenster schleudert. Aber da sag ich mir, der findet mein ständiges ins Taschentuchgeschniefe sicher auch eklig. Und die Tischmanieren – wenn ich in einer reinen Westlerrunde esse, dann finde ich es schon unpassend, wenn jetzt einer lautstark futtert. Aber wenn die Chinesen am Nebentisch genussvoll ihre Suppe schlürfen, ist das für mich ok. Hmm, vielleicht bin ich als Mutter von vier Jungs in dieser Hinsicht auch einfach abgehärtet (wobei ich die Jungs in Schutz nehmen muss: die können sich benehmen. Auch nach westlichen Maßstäben).

Air Purifier

Luftfilter

Und ein letztes Hassgeräusch, was ich vor Peking gar nicht kannte: das leise Summen der Luftfilter. Es ist halt ein ständiges Hintergrundrauschen im Haus und je schlimmer der Smog wird, desto lauter wird der Luftstaubsaugersound. So bleibt einem immer gegenwärtig, was Luftreinhaltung für ein Riesenthema ist. Und da muss man nicht drumherum reden: der Smog ist und bleibt bedrückend.

Expatmamas – Neu in… Peking

image159 Vor kurzem bin ich über die Webseite der Expatmamas gestolpert. Hier finden sich viele Informationen und Erfahrungsberichte zum Thema „mit Kindern im Ausland“ leben. Für die Reihe „Neu in…“ habe ich ein paar Fragen beantworten dürfen, nachzulesen hier!

Was mir im Nachhinein und ergänzend dazu noch eingefallen ist: Ein wichtiger Gesichtspunkt vorher: wann sagen wir es den Kindern? Das mag vom jeweiligen Alter abhängen und davon, wie abenteuerlustig die Kinder sind. Bei dem einjährigen Vorlauf bei uns wollte ich es ihnen nicht direkt sagen – warum so lange Kummer und Aufregung haben? Allerdings habe ich in der Zeit das Vermissen des Papas beinah überbetont… Aber je mehr Zeit verging, umso mehr es Thema im Alltag wurde, umso wichtiger fand ich es, es ihnen zu sagen, nicht dass sie das nebenbei und unabsichtlich irgendwie aufschnappen. Das war bei uns dann ein gutes halbes Jahr vor dem Umzug, ganz kurz vor der ersten Pekingreise zum Kennenlernen.

Ganz wichtig fand ich für uns, dass wir vor allem den Kindern gegenüber immer hundertprozentig zu der Entscheidung gestanden haben, aber dass wir dabei Ängste und Sorgen nicht weggewischt haben. Ja, es ist traurig, dass man von so vielen Menschen Abschied nehmen muss, da kann man die Kinder nicht anlügen. Ich hab mich dann mit den Minis zusammen aufs Sofa gekuschelt, und dabei sind auch mal Tränen geflossen. Aber anschließend habe ich mit ihnen zusammen überlegt: Warum gehen wir nach Peking? Worauf freuen wir uns? Ich glaube, im großen und ganzen würde ich das genau so wieder machen.

Bei der Beantwortung der expatmama-Fragen hab ich mich relativ kurz gehalten und auf die Frage nach Tipps geschrieben „Lernen, über den eigenen Schatten zu springen, neues auszuprobieren – wann, wenn nicht in einer neuen Stadt in einem neuen Land?“ Um das zu konkretisieren: nicht berufstätig (keine Arbeitserlaubnis), Kinder ganztags in der Schule – da bleibt viel Zeit, die sinnvoll gefüllt werden möchte. Mir selbst ist Langeweile fremd, aber wenn ich schon in Peking bin, dann will ich hier auch Dinge tun, die ich in Hamburg oder woanders auf der Welt so nicht tun kann. (Trotzdem genieße ich es, soviel Zeit fürs Lesen zu haben!)

Ich nutze deshalb viele Angebote der Patengruppe oder des Compounds (Ausflüge, gemeinsames Tatort-gucken, Stricktreff…), dabei bin ich vor Peking lieber ohne Gruppe auf eigene Faust losgezogen. Aber hier wollen neue soziale Kontakte gefunden und gepflegt werden, von daher gibt es für mich nun doch viele Gruppenaktivitäten. Für jemanden, der bisher eher in Gruppen losgezogen ist und selten allein: einfach mal ausprobieren! Allein in der Stadt unterwegs zu sein ist ein ganz anderes Gefühl als in Gruppe oder mit Familie, es ist schön, dem eigenen Tempo zu folgen und sich genau dahin treiben zu lassen, wo man gerade von angezogen wird. Und was soll passieren – Visitenkarte und ein paar Taxitaler in der Tasche, nach Hause kommt man immer!

Anderes Beispiel: ein neues Hobby anfangen. Bei mir ist es derzeit das Fotografieren. Eine dolle Fotokünstlerin werde ich sicher nie, ist auch gar nicht mein Anspruch, aber ich mag viele meiner Bilder jetzt schon lieber als das verwackelte Ritschratschklick von früher. Und es gibt so viele weitere Möglichkeiten: Sport, Nähen lernen, ehrenamtliches Engagement, Musikunterricht/Instrument lernen.

Ok, das ist sicher alles ganz subjektiv, und was für mich gut ist und womit ich mich wohlfühle, muss für andere noch lange nicht das richtige sein. Aber vielleicht hilft es ja doch der einen oder anderen: einfach mal trauen und machen!

 

Ein halbes Jahr schon!

Jetzt sind wir ein schon halbes Jahr hier, „Zwischenbilanz“ ist zu hochgestochen, aber ich schreibe hier mal zusammen, was mir dazu durch den Kopf geht:

Ja, wir sind jetzt richtig angekommen, kennen uns aus, der Alltag läuft rund. Die Jungs fühlen sich wohl in der Schule, haben Freunde gefunden und dass wir wieder Komplettfamilie und nicht mehr zu Dritt mit gelegentlichem Papa-Besuch sind, tut ihnen sichtlich gut (in den 12 Monaten vor dem Umzug war Thomas, hmm, 12 Wochen? in Hamburg).

Die Alltagsorganisation hier ist aufwendiger als in Hamburg. Die Wege sind weiter, und trotz des mörderischen Verkehrs fehlt mir fehlt gelegentlich doch das eigene Auto, insbesondere, wenn Wetter und Sicht gut sind und ich gerne die so nahe liegenden Berge und die kleinen Orte dort erkunden würde. Trotzdem, mit Taxi und Metro kommt man ansonsten fast überall hin, schlimmstenfalls muss man halt mal etwas warten, bis man ein Taxi gefunden hat…

Einkaufen ist ein Thema für sich, Stichwort Lebensmittelsicherheit. Da ist die „ununterbrochene Kühlkette“ nur einer von vielen Aspekten. Am besten ist es, vieles zu verdrängen: woher kommt das Fleisch, die Eier… Aber nein, auf vegan umzusteigen ist auch keine Alternative: Womit wurde das Gemüse und Obst gedüngt, gespritzt, reicht abwaschen oder doch lieber schälen…. Es gibt zwar „Ökosiegel“, aber es kann sich wohl jeder ein Logo pinseln und „organic“ draufschreiben – wer kann das überprüfen?

Überhaupt Gesundheit: Wann müssen wir den Trinkwasserfilter erneuern? Zum Zähneputzen doch lieber ein Glas Trinkwasser von unten aus der Küche holen? Wann müssen die Filter der Luftfilter erneuert werden? Dass Wasser- und Luftqualität auf einmal ein Thema sind! Damit sind wir wieder beim Thema verdrängen: Verdrängt wird auch der Gedanke daran, welche (langfristigen?) Folgen die miese Luft hier haben kann. Im Haus sind wir dank zahlreicher Luftfilter ja „sicher“ – aber oft juckt es mich die Dinger auszustellen. Stellt Euch einfach vor, neben Euch wäre immer ein auf niedriger Stufe laufender Staubsauger! An die Masken als zusätzliches Accessoire haben wir uns gewöhnt, jetzt im Winter ist das auch nicht so lästig (außer für Brillenträger: Brillen beschlagen dann gern), wenn es nicht mehr so kalt ist, schwitzt man drunter, nicht schön. Glücklicherweise sind die meisten Tage dann doch keine Maskentage. Zusätzlich zu den Atemwegsproblemen und möglichen Spätfolgen geht einem die gelbgraue Glocke auch mächtig auf den Zeiger; wenn das länger als einen Tag anhält, werden selbst Frohnaturen trübsinnig. Da sehn ich mich dann doch nach meiner Hamburger Stadtrandidylle…

Man kann auch nur hoffen, dass keiner von uns in einen Unfall verwickelt wird oder ernster krank wird – Krankenwagen stehen genauso im Stau wie Privatwagen, abgesehen davon möchte man doch lieber in eine Klinik mit westlichem Standard (teure Auslandsversicherung sei Dank) gebracht werden.

Ohja, wenn man will, findet man hier an jeder Ecke neue Ängste und Sorgen, die sicher auch ihre Berechtigung haben. Aber: auch auf unser Hamburger Haus sind schon mehrmals Bäume gestürzt (glücklicherweise immer nur Sachschäden), passieren kann einem überall etwas, und wenn ich mal Krebs kriegen sollte, wird man kaum feststellen können, ob das von der Belastung hier in China oder doch auf die Kindheit in der Nähe der Hamburger Giftmülldeponie zurückzuführen ist.

Ich kann nur für mich sagen: ich möchte mein Leben leben und nicht im tiefen Tal der Sorgen verbringen und die Zeit einfach an mir vorbeirauschen lassen, daher übe mich in Verdrängung, was meistens auch gut klappt. Gelegentlich erwischt mich dann doch mal ein Tief, was ich dann an Thomas auslassen kann (sorry dafür), aber meist ist es am Tag drauf wieder besser.

Die Menschen hier machen es einem auch leicht, sei es die Expatgemeinde oder die Chinesen. Es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. Wer sich hier langweilt, der langweilt sich überall! Für mich ist es eine tolle Erfahrung, Peking und China kennenlernen zu dürfen. Es ist einfach ein Riesenunterschied, etwas zu lesen oder als Film zu sehen oder es selbst zu erleben. Es rückt auch die Perspektive gerade: wie winzig ist Deutschland! Wie klein ist Europa! Wie unfassbar groß ist China! Es ist nicht alles „schön“, aber interessant beinah alles. Wenn man die Umweltproblematiken hier sieht oder die extremen Gegensätze zwischen arm und reich, Tradition und Moderne, „hinterm Mond“ und futuristisch – das hat auch Einfluss darauf, wie man Deutschland sieht. Oft kann man einfach nur dankbar dafür sein, dass man zufällig in Hamburg/Deutschland und nicht anderswo geboren ist! Aber manchmal durchzuckt einen ein „stellt Euch nicht so an“, manchmal denkt man „nun setzt doch einfach Fahrverbote und Umweltzonen durch, muss ja nicht erst so schlimm werden wie hier“ oder was für eine Bodenverschwendung, wenn man in der Stadt nicht wenigstens etwas mehr in die Höhe baut – zum Beispiel…

Manche stören sich hier an dem Gerotze, ich nehme es als kulturelle Eigenart hin, auch wenn es manchmal doch echt eklig ist, wenn beispielsweise ein Taxifahrer das Fenster runterkurbelt und lautstark den Rotz von ganz unten hochzieht und rausspuckt (sorry, aber das ist hier so). Manche stören sich an den Tischmanieren. Naja, eigentlich ist es doch sehr klug, von Tieren nicht nur das Filet, sondern beinah alles zu essen, und die wirklich ungenießbaren Teile müssen dann halt doch irgendwohin – und bevor die nächsten Gäste kommen, werden Tische auch saubergewischt bzw. bekomme neue Tischdecken. Gibt echt schlimmeres, was das eigene Wohlbefinden mehr beeinträchtigen kann als für uns ungewohnte Tischsitten und -gebräuche.

Fast jeden Tag entdecke ich etwas mehr von dieser riesigen Stadt, viele Orte möchte ich gern noch häufiger besuchen (verschiedene Parks und Stadtviertel z.B.), bei manchen Sehenswürdigkeiten warte ich nur noch wieder auf den nächsten Besuch – und wenn der zu lange auf sich warten lässt, werde ich wohl doch allein hinmüssen (Sommerpalast, Himmelsaltar, Lamatempel…). Manche Ecken warten noch darauf, von mir entdeckt zu werden. Gleichzeitig ist hier aber auch oft ganz normaler Alltag: um Kinder und Hütte kümmern und schon ist der Tag rum – nicht anders als in Hamburg auch.

Die Sprache ist ein Problem und wird wohl auch eins bleiben. Mein Chinesisch reicht für den Alltag aus, ich komme von A nach B und zurück, ich habe bislang alles einkaufen können, was ich einkaufen wollte etc, beim Radiohören (und erst recht beim Fernsehen) versteht man doch immer öfter wenigstens, um was es geht. Ich bezweifel aber, dass ich jemals einen tiefsinnigeren Gedanken als „was kostet ein Pfund Äpfel?“ formulieren kann… Bei allen anderen Sprachen konnte man auf bisher gelernte Fremdsprachen und das Deutsche zurückgreifen, so vieles ähnelt sich – das gibt es im Chinesischen gar nicht, man kann nichts herleiten. Und dann lernt man nicht nur einfach Vokabel plus Übersetzung, sondern Vokabel, Übersetzung, Pinyin, Schriftzeichen und Aussprache. Ohje, die Töne… Ist bei mir nach wie vor oft dem Zufall überlassen, ob ich den richtigen treffe. Lesen und Hörverstehen geht glücklicherweise besser als selber sprechen. Trotzdem, so sprach-los fühl ich mich regelrecht behindert. Und doch: es geht auch gut ohne perfekte Chinesisch-Kenntnisse. Hilfsmittel gibt es genug (Apps und Internet).

Manchmal vermiss ich meine Familie, die großen Kinder, meine Freundinnen und Freunde, spontanes Telefonieren (bei 7 Stunden Zeitverschiebung guck ich immer zweimal auf die Uhr, ob das jetzt ein geeigneter Zeitpunkt ist, und oft ist es das leider nicht). Und wenn es mal mit dem Skypen klappen könnte, dann spielt das Internet nicht mit… Kommt auch vor und nervt dann schon.
Aber einsam bin ich dank der vielen neuen Kontakte hier glücklicherweise nicht. Bei einigen wenigen Freunden und Bekannten scheint es leider wirklich auch ein „aus den Augen, aus dem Sinn“ zu geben (nein, das ist kein Vorwurf, dazu gehören ja auch immer zwei. Das ist halt auch das Leben, dass man mal eine Zeit lang zusammen verbringt und sich dann irgendwann voneinander weg entwickelt), dafür gibt es aber auch andere, wo man jetzt erst recht weiß: auf Dich kann ich mich immer und überall verlassen!

Soweit also meine leicht kuddelmuddelige persönliche Bilanz, die unterm Strich positiv ausfällt. Ich bin gespannt, was die nächsten Monate (und Jahre) bringen.

Hundert!

Jetzt sind wir schon 100 Tage hier in Peking, höchste Zeit für ein Update – ich gelobe Besserung…

Der lange, schöne Sommer mit überwiegend guten Luftwerten hat uns das Ankommen leicht gemacht – mal gar nicht zu reden von den Menschen, sowohl Chinesen als auch der internationalen/deutschen Community. Man braucht nur anzudeuten, dass man eine Frage hat und schon gibt es Tipps und Hinweise und Hilfe zuhauf. Es gibt unzählige Möglichkeiten, nette Menschen kennenzulernen, da ist es manchmal schwer November-1zu entscheiden, wo man nun hingeht. :)

Ein neuer Lieblingsplatz zum Hingehen ist auf jeden Fall das „Maan Coffee“, direkt neben dem Worker’s Stadium. Da gibt es nicht nur die besten Waffeln der Welt, sondern auch noch einen Leihteddy – bis die Bestellung komplett da ist. Ich mag die Einrichtung, viel Holz, lauter unterschiedliche Sessel und Stühle, das Licht, die Atmosphäre – lebendig ohne zu nerven, viele Studenten, die Musik (internationaler Rock/Pop).

Wir vermissen unsere Freunde, aber es ist eben auch spannend, neue Leute kennenzulernen. Viele neue Bekanntschaften bleiben wohl Freundschaften auf Zeit: viele wissen schon, dass sie Peking bald verlassen werden. Das fühlt sich für mich komisch an, muss ich einfach auf mich zukommen lassen.

Mit den sinkenden Temperaturen und schlechter werdender Luft haben die Minis und ich uns hartnäckige on/off-Erkältungen eingefangen, nichts Wildes, nur immer wieder mal ein Tag, wo dann doch eher Bett als Schule angesagt ist. Und meine Stimme ist mal einen Tag weg, einen Tag da (aber klingt dann wie nach einem durchgegröhlten, äh, -gesungenem Abend in der Großen Freiheit…) Wir buchen die ganze Kränkelei mal unter Anlaufschwierigkeiten ab und hoffen, dass das nun auch bald überstanden ist.

November-2-2Und es ist wirklich ziemlich kalt geworden, nachts haben wir zweistellige Minusgrade. Dafür sind Taxen und Innenräume meist total überheizt… Und da ist es auch lästig, dass wir die Temperaturen nur stockwerksweise regeln können – Rasmus‘ Zimmer ist dann das wärmste, Justus‘ das kälteste, also renn ich ständig hinter den Kurzen her: „Du ziehst jetzt was über, du ziehst jetzt die Fleecejacke aus…“ – und trotzdem hustet und schnieft hier alles… Bis auf Thomas, der ist nie krank, der hat höchstens mal einen Tag (beinah) tödlichen Männerschnupfen und ist direkt wieder unanständig fit. Wenn die JNovember-2-3ungs so nicht immer wieder in der Schule fehlen würden, wäre das alles gar nicht der Rede wert.

Und dann geh ich am Liangma River entlang und muss mir die Augen reiben: da schwimmt tatsächlich jemand. Nix Neopren, nur Badehose. Aus der anfänglichen Faszination wird Betroffenheit, als ich sehe, wie der Mann zu einer Bank geht, auf der er offensichtlich seinen kompletten Besitz lagert.

Apropos Schule: Es gab die ersten „Zwischenmitteilungen“ (Rückmeldungen über den Leistungsstand). Sagen wir mal so: Nummer 4 und 5 meinen das offenbar ernst, wenn sie von sich sagen, sie seien Jonas 2.0 und Jonas 3.0…. (Familienmitglieder wissen, was ich meine! *grins*). Aber wenn man bedenkt, was das für eine Riesenleistung der Minimänner ist, sich hier in einem ganz anderen, neuen Leben einen Platz zu suchen und zu finden, dann finden wir es etwas ärgerlich, aber nicht so tragisch, wenn die Leistungen hinter den Möglichkeiten zurückbleiben. Das wird schon noch kommen, und das sag ich aus Erfahrung und nicht aus Zweckoptimismus. Und wenn Nr. 4 sich weigert, einen Fisch zu sezieren und dafür eine schlechte Note bekommt – damit kann ich nicht nur leben, da hat er meine volle Unterstützung. Hauptsache ist: die Jungs sind neugierig, aufgeschlossen, interessiert an vielen Themen, und vor allem: sie gehen gerne zur Schule.

November-2Wie bereits erwähnt, dauert hier „alles“ länger. Die Alltagsorganisation frisst viel mehr Zeit als ich das aus Hamburg gewohnt bin, nicht nur, aber vor allem weil die Wege weiter sind, aber auch weil es mehr Wege sind, Peking ist halt nicht Klein-Hamburg. Gefühlt braucht hier alles länger – gezwungenermaßen lerne ich doch noch Geduld… Naja, weil das alles so ist wie es ist, stecke ich (Mrs. Auf den letzten Drücker) schon eine Weile mitten in Advents-/Weihnachtsvorbereitungen, habe herausgefunden, wo ich einen echten (!) Weihnachtsbaum bekommen kann, wo ich Baumschmuck herbekomme, wo es Backutensilien gibt usw. Adventskalender sind bereits hier, müssen nur noch fertig gefüllt und aufgehängt werden. Vom Fröbelsterne basteln krieg ich Knoten in meinen beiden linken Händen, mal schauen, ob sich noch was Nettes beim Weihnachtsbasar der Deutschen Botschaft auftreiben lässt. Ansonsten ist weniger mehr, und Kerzen gibt es bei uns eh ganzjährig reichlich. Bisschen nett muss es für die zwei Kurzen ja doch sein – und für die vier Großen, die in gut drei Wochen hier ankommen auch!

Schnell mal Geld umtauschen…

Gestern war ich das erste Mal in der Bank of China, um einige wenige Euroscheine in einen großen Stapel RMB zu tauschen. Am Security-Mann mit schusssicherer Weste und Helm vorbei zu einem Nummernautomaten – der aber drei Knöpfe hatte. Aber für alle Fälle stand auch eine Mitarbeiterin daneben, die mein „huànqián“ verstand, denn ich fand mich in einem Warteraum vor drei Schaltern wieder, wovon einer mit einen Aufkleber „Exchange“ gekennzeichnet war. Laut meinem Nummernzettel waren auch nur 5 Kunden vor mir – und eine gute Stunde später war ich dann auch dran.

Ich konnte mich sogar wieder verständlich machen, ok, im dritten Anlauf hab ich die Töne wohl so getroffen, dass klar wurde, was ich meinte (oder war es mein hektisches Winken mit den Euroscheinchen?). Pass vorzeigen, gleichzeitig bekam ich ein Formular, wo ich unter anderem die Passnummer eintragen sollte… Ich glaube, ich muss die wirklich mal auswendig lernen… 45 Minuten und etliche Formulare, zahlreiche Unterschriften und natürlich einige Stempel später, bekam ich dann einen dicken Stapel RMB. Ich brauche wirklich dringend ein chinesisches Portemonnaie, in meins passen die gar nicht rein….

Und wenn es jetzt bald mal daran geht, ein eigenes chinesisches Konto zu eröffnen, nehme ich erstens einen Picknickkorb (wobei der chinesische Picknickkorb in Wahrheit eine dünne Plastiktüte ist, aber das ist eine andere Geschichte) und zweitens jemanden, der wirklich chinesisch spricht, mit.

Dishwasher-Drama ;)

Die Spülmaschine hier und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Statt Arbeit abzunehmen und Zeit zu sparen, ist sie ein ewiger Quell (in doppelten Wortsinn) von Mehrarbeit und Ursache für’s Warten auf Worker…IMG_3513

Bei der ersten Inbetriebnahme wurde das Wasser nicht abgepumpt. Worker kam, wuselte, werkelte: alles ok! Ging wieder. Spülmaschine an, irgendwann hörte ich es plätschern… Ups: dünner Schlauch in dickeres Rohr reingesteckt, da befinden sich zwar noch Silikonreste vom vorigen Ablaufschlauch, aber auch ordentlich Lücken, durch die das Wasser sich dann seinen Weg suchte.

Worker angefordert, kam nicht. Eines Abends ein Anruf, den Männe entgegennahm: „Yeah, everything ok.“ Not! Immerhin, unter Aufsicht konnte man das Maschinchen laufen lassen – dachte ich. Gestern Abend dann auch so versucht und was hör ich: plätscher, plätscher, tröpfel… Maschinchen gestoppt, Küche trockengelegt, mal nachgeguckt und dann hatte ich die Ursache gefunden: der Ablaufschlauch endet mit – Klebeband.IMG_3512

Heute früh wieder einen Worker angefordert, der guckt sich das an: no problem! Und fügte die beiden Schläuche wieder zusammen.

Mit Klebeband.

Solange ich noch nicht herausgefunden hab, was Schlauchklemme auf Chinesisch heisst und wo ich die hier bekomme, besorge ich mir erstmal Balsam-Spüli und Handcreme… ;)

Ein Schritt nach dem anderen!

Warten auf den Schulbus am Compound-Eingang

Warten auf den Schulbus am Compound-Eingang

Jetzt sind wir etwas über eine Woche hier, und so allmählich kommen wir auch wirklich an.  So langsam ist auch der Jetlag überstanden, der mir und den Jungs doch ziemlich zu schaffen gemacht hat, naja, wir tun uns ja schon bei der doofen Sommerzeitumstellung immer schwer, also kein Wunder. Für den normalen Alltag gibt es noch viel zu erkunden und zu organisieren, für Sightseeing und Ausflüge war deshalb noch keine Zeit, aber wir sind ja noch ein bisschen länger hier! ;)

Eine der wichtigsten Fragen: Wie kommen wir an Trinkwasser? Wasserspender und Kanister liefern lassen oder doch Filter einbauen? Letzteres ist die nachhaltigere und vermutlich auch gesündere Lösung (die Wasserspender sind als Bakterienschleudern verschrien), wird also diese Woche – hoffentlich – noch eingebaut. Bis dahin wird geschleppt!

Die für mich fast ebenso wichtige Versorgung mit Kaffee startet hoffentlich heute noch. Liebe künftige Besucher: als Mitbringsel freuen wir uns über Kaffeekapseln! ;) (Ich weiß, Pads wären umweltfreundlicher, aber gibt’s hier nicht!)

Haushaltsgeräte wollten besorgt werden, eine Empfehlung war, bei jd.com zu bestellen. Vormittags erledigt, erste Teillieferung schon nachmittags da.

(Lebensmittel-)Einkaufsmöglichkeiten gilt es weiter zu erkunden, es gibt einen kleinen Jenny-Markt im Compound, einen großen am Pinnacle Plaza (quasi unser Dorfplatz, da kann man auch ganz nett sitzen und gucken) und einen etwas teureren BHG-Supermarkt, der viel, viel Auswahl an chinesischen und internationalen Produkten hat. Ich brauche noch einen fahrbaren Untersatz (Fahrrad? Roller? Tuktuk? Trike?), dann wird der Radius noch etwas größer.

Einen „Organic Food“ Lieferanten habe ich wie bereits erwähnt ausprobiert. Ok, alles war frisch und lecker, allerdings muss das „organic“ doch hinterfragt werden (es gibt hier keine objektiven, unabhängigen Zertifikate/Siegel) – und allein die Verpackungen, da würde jeder deutsche Bio-Höker vor Schreck zusammenbrechen. Jeder einzelne Apfel im dicken Plastiknetz, noch mal in Plastiktüten und dann in viel zu großen mit Alu ausgekleideten Pappkartons (die im Anschluss auf dem Müll landen), das muss künftig dann doch nicht mehr sein, zumal es hier an Obst und Gemüse wirklich eine Irrsinnsauswahl in den Supermärkten, auch „organic“, wenn man will.

Zwischendrin hatte ich tatsächlich mal ein paar Minuten, wo ich mich ein wenig verloren gefühlt habe, aber spätestens seit den Schwätzchen am Schulbus und dem heutigen Kennenlern-Treffen der Peking-Patengruppe in der Schule ist es viel besser. Damit mir nicht langweilig wird, hab ich mich direkt für Fotogruppe und Buchclub sowie einen Ausflug angemeldet, das reicht für den Anfang, ein Chinesischkurs kommt ja auch noch dazu. War heute Vormittag jedenfalls ein schönes „Wow, wie toll ist es, hier zu sein!“-Gefühl, mal ganz ohne Sorgen, Befürchtungen usw.

Am Samstag muss Rasmus zur Schule: Die Viertklässler führen etwas bei der Einschulung der Erstklässler auf. Bin gespannt, von 13 Kindern in der Klasse sind 4 neu – wie das wohl wird? Im Anschluss geht es zur Ausländerbehörde, die Aufenthaltserlaubnis beantragen, da müssen die Jungs auch persönlich erscheinen.

Ansonsten ist es heiß, die Zikaden lärmen, die Luft ist gut und der Himmel blau – vielleicht lassen sich die Leichtathletik-WM und die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Kriegsendes noch verlängern? Jedenfalls ist das so ein sehr angenehmer Start hier!