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Liebe Freunde aus Deutschland waren zu Besuch. Die Tage waren üppig gefüllt mit Ausflügen (siehe unten für ein paar Fotos) und vielen guten Gesprächen. Es war, als hätten wir uns letzte Woche zuletzt gesehen und nicht zuletzt vor einer gefühlten Ewigkeit so zu viert zusammengesessen. Am liebsten hätten wir Schlaf komplett weggelassen, denn es war soviel Zeit nachzuholen, und wer weiß, wie lange es bis zum Wiedersehen dauert.

Gestern Morgen mussten wir uns verabschieden. Wir haben noch Witze gemacht:
– Die lassen euch eh nicht raus, wollt Ihr nicht vielleicht ohne oder wenigstens mit leeren Koffern los?
– Zum Kaffeetrinken um 2 seid Ihr aber wieder da!

Dann waren sie weg und das Haus war viel zu groß und leer. Auf dem Weg zum Einkaufen musste ich ein Tränchen oder zwei wegblinzeln, weil ich wieder allein unterwegs war. Naja, so ist das hier halt, und wir müssen damit leben.

Überraschung!

Wenig später sitze ich am Schreibtisch, poste die „Komm zurück!“-Szene aus Titanic auf die Facebookseite meiner Freundin, fange an, die Fotos zu sichten. Dann klingelt es – viel zu früh für die Geburtstagsgäste. Einer der Jungs ist an der Tür, ich höre eine Frauenstimme und denke, das ist aber nicht meine südafrikanische Freundin, komisch. Neugierig gehe ich runter und bleibe auf halber Treppe stehen – da waren sie wieder, S. und H. Mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen, der Mund offen – gut, dass da keiner ein Bild geschossen hat, das muss herrlich dämlich ausgesehen haben. Männe hat genauso geguckt. Und dann haben wir uns alle einfach nur gefreut. Der Flug nach Kopenhagen ist gecancelt worden, was uns einen weiteren gemeinsamen Tag geschenkt hat! 

Heute Morgen mussten wir uns wieder verabschieden, was keiner von uns so richtig ernst genommen hat. Aber bis jetzt hat es noch nicht wieder geklingelt, und wir finden uns so langsam damit ab, dass sie jetzt leider wirklich weg sind.

Wir hatten über die Weihnachtszeit Besuch von lieben alten Freunden. Vorher waren die Befürchtungen groß, dass die Dezember-Luft in Peking wieder so übel wird wie in den Vorjahren. Doch der Himmel war überwiegend blau und die Luft bis auf wenige Ausnahmen gut. (Dass zahlreiche Chinesen aufgrund der Schließungen von Kohlekraftwerken und mangels bezahlbarer Alternativen frieren, ist die Kehrseite der Medaille.)

Natürlich waren wir viel zusammen unterwegs. Nur Sommerpalast, Verbotene Stadt, Silk Market und Ritan Park habe ich krankheitsbedingt auslassen müssen. :(

Heiligabend haben wir uns zuerst den Konfuziustempel und die Kaiserliche Akademie angesehen, dann den Lamatempel und sind dann noch durch die angrenzenden Hutongs gebummelt. Zweimal hingucken musste ich auf des zugefrorene Gewässer im Konfuziustempel: im Eis sind Goldfische eingefroren!

Immer wieder phantastisch: die Mauer

Den Besuchern haben die Tempel, vor allem der Lamatempel mit seiner besonderen Atmosphäre, am besten gefallen. Mein Highlight ist nach wie vor die Mauer. Es ging wieder nach Mutianyu, das ist von uns aus zügig zu erreichen. Mit der Seilbahn hinauf, ein Stück weit über die Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Leider war eine sehr ängstliche chinesische Dame vor uns, so dass es keine rasante Abfahrt, sondern eine gemütliche Omi-Abfahrt wurde. ;)

Der Schriftzug oben am Berg bedeutet wohl: „Loyal gegenüber dem Vorsitzenden Mao“ (忠于毛主席 – Zhōngyú máo zhǔxí).

Und weil die Mauer als imposantes Bauwerk mit ihrer langen Geschichte, mit Seilbahn, Sessellift und Sommerrodelbahn noch nicht beeindruckend genug ist, wird jetzt auch auf den Drehort eines chinesischen Films von 2010 hingewiesen: „If you are the one 2“ – eine romantische Komödie, war wohl ein Kassenschlager. ;)

 

Einen Abend haben wir in Sanlitun verbracht, erst gab es lecker Pekingente im Duck de Chine (jetzt Teil des 1949-Komplexes), dann noch einen Absacker im Q-Mex. 

Tianan’men

An einem anderen Abend sind wir beinah erfroren. Es war wirklich bitter-, bitterkalt. Trotzdem sind der Platz und die Gebäude so beleuchtet sehr beeindruckend.

 

Antikmarkt, Himmelstempel, Shopping, Show

Trödel und Co.

Panjiayuan Antikmarkt

Auch an einem anderen Tag hatten wir ein besonders volles Programm.

Zunächst sind wir kurz über den Panjiayuan Antikmarkt gebummelt. Der war deutlich voller als bei meinen bisherigen Besuchen, es war Samstag. Dafür waren vergleichsweise wenig Langnasen zu sehen.

Damit unser Besuch auch das Erlebnis von Pekinger Metro hat, sind wir von vom Panjiayuan mit der Metro zum Himmelstempel gefahren. Metro-Fazit des Besuchs: sauber, sicher, auch als Ortsfremder ohne Chinesischkenntnisse gut verständlich.

Himmelstempel

Als wir die langen Treppen an der Himmelstempelstation nach oben gekraxelt waren, war Wind aufgekommen, und hat das Grau des Morgens hinweg geweht. Trotz des eisigen Windes war der Park aber gut besucht und es gab tatsächlich wieder Pekinger, die samt Haustieren im Laubengang saßen und spielten. Durch den Laubengang haben wir uns erst die Halle der Ernte und die umliegenden Hallen angesehen. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf den CBD mit dem fast fertigen China Zun Tower in der Mitte. Wir haben uns dann noch Echomauer und die Halle des Himmelsgewölbes angesehen und sind die paar Stufen zum Himmelsaltar hinaufgestiegen. Von uns hat es aber keiner ausprobiert, ob die eigene Stimme wirklich viel volltönender klingt, wenn man auf dem Stein in der Mitte steht.

Ich finde ja die Geschichte von der „70jährigen-Tür“ klasse: Kaiser Qianlong war schon alt und etwas klapperig, so dass seine Offiziellen diese Tür für ihn in die Mauer einbauen ließen, um den weiten Weg bei den Zeremonien für ihn abzukürzen. Damit diese Abkürzung nicht ohne Not missbraucht würde, erließ Qianlong ein Dekret, dass nur seine Nachkommen, die 70 Jahre und älter wären, diese Tür benutzen dürfte. Qianlong blieb allerdings der einzige, der die Tür, die jetzt den Namen „70 year old door“ trägt, benutzt hat – keiner seiner Nachfolger wurde so alt.

 

Brown Door und Pearl Market

Blick von der Dachterasse des Pearlmarkets

Blick von der Dachterrasse des Pearlmarkets

Inzwischen waren wir durchgefroren, es war schon später Mittag. So habe ich unsere Besucher dann ins „Brown Door“ geführt, ein kleines chinesisches Restaurant gegenüber vom Nebeneingang des Perlenmarkts. Das ist schon lange kein Geheimtipp mehr, und auch wenn hier überwiegend Expats und Langnasen verkehren, so ist das Essen „ganz normal chinesisch“ und sehr lecker. Aufgewärmt und gestärkt ging es dann hinüber zum Pearlmarket, einmal Atmosphäre schnuppern, einmal das Erlebnis „knock-knock-Markt“… Wohl auch kein Geheimtipp mehr: Im 4. Stock an den Rolltreppen befindet sich eine kleine Kaffeebar, wo es guten Kaffee zum annehmbaren Preis gibt.  Wo wir schon bei Ex-Geheimtipps sind: Es ging dann noch auf die Dachterrasse, einmal den Blick über den Himmelstempelpark, rüber zum Tiananmen und in der anderen Richtung zum CBD genießen.

Legends of Kungfu

 Bei der Überlegung: Laoshe Teahouse oder Kungfu-Show fiel die Entscheidung rasch zugunsten von „Legends of Kungfu“. Ulrike vom bambooblog hatte davon erzählt. Besten Dank für die Empfehlung, wir waren begeistert! Beim nächsten Mal nehme ich meine Jungs mit, das würde ihnen sicher gefallen. Die Geschichte ist relativ schlicht: Ein Junge kommt ins Kloster, lernt fleißig, ist erfolgreich, lässt sich auf Abwege führen, findet aber auf den rechten Weg zurück und beerbt am Ende den alten Abt. Die Inszenierung ist temporeich, aufwendig und bunt, die Musik gefällt auch Westler-Ohren. Erzählt wird auf Englisch, es laufen chinesische Unter-, ähm, Obertitel, bei ein-zwei chinesischen Liedern umgekehrt. Immerhin kommen zwei Frauen vor: die Mutter und die böse Versuchungsfee… 

 

Feiertage ganz entspannt

Weihnachten und Silvester haben wir gemütlich zuhause gefeiert. Falls sich jemand über ausbleibende Mails und/oder Anrufe gewundert hat: Heiligabend fielen am frühen Abend erst Telefon und Internet aus (wurde am Morgen des 1. Feiertages repariert), dann hab ich schlapp gemacht: fiese Erkältung. Mit Besuch war für Erkältung aber gar keine Zeit, die wird jetzt auskuriert.

Xīnnián kuàilè! - Frohes neues Jahr!

Chinesische Silvestershow

Silvester war ebenfalls ganz gemütlich. Natürlich haben auch dieses Jahr Dinner for One und Ekel Alfreds Silvesterpunsch nicht gefehlt. Feuerwerk ist nicht nur innerhalb des 5. Pekinger Rings verboten, sondern auch bei uns im Compound. Trotzdem waren wir kurz auf der Straße und haben ein paar wenige Raketen in der Ferne gesehen. Nicht schlimm, es war eh viel zu eisig, um länger draußen zu sein. Drinnen ließen wir dann eine chinesische Neujahrshow laufen, wo es vor allem Bilder vom Feuerwerk der bereits ins Neue Jahr gerutschten Städte gab.

Alltag

Inzwischen sind alle Besucher wieder heil in Deutschland angekommen. Der Mann ackert, die Jungs genießen die letzten faulen Ferientage, ich kuriere meine Erkältung aus – ich muss fix wieder fit werden, schließlich habe ich nächste Woche was vor… ;)

Der Compound füllt sich allmählich wieder mit den Urlaubs-Rückkehrern, die Tage werden allmählich wieder länger und wir schauen gespannt darauf, was 2018 so alles mit uns vorhat. 

Xīnnián kuàilè! – Frohes neues Jahr!

 

Wir haben Besuch, und natürlich steht dann ein Mauer-Ausflug an. Nicht nur, weil es von uns aus der nächstgelegene Mauerabschnitt ist, sondern auch weil weniger überlaufen als Badaling, ging es heute wieder nach Mutianyu. Und es war super, kaum Verkehr (!), schönes Wetter, nicht zu heiß, nicht zu kalt und gute Luft (!).

Peking von der Mauer aus

Peking von der Mauer bei Mutianyu aus gesehen!

Mit der guten Luft gab es gute Sicht, und das war dann auch wirklich eine Überraschung für mich, von der Mauer aus, die Lange Unterhose (CCTV Headquarter) und Co. sehen zu können!

Wachturm-Fenster

Mauer bei Mutianyu im Herbst

Mein Lieblingsablauf: mit der Gondelbahn hochfahren, überwiegend bergab auf der Mauer spazieren und dann mit der Sommerrodelbahn wieder runter. Und noch einmal Glück heute: auch da war wenig los, so dass es auch mal anders als im Schneckentempo runter ging…

Bei dem einen oder anderen Tempel denk ich ja inzwischen „schon wieder?“ –  aber zur Mauer könnte ich immer wieder! 

 

 

 

Rollstuhlübergabe im Waisenhaus „Blue Sky“

Ende April war ich im Waisenhaus „BlueSky“. Im Rahmen eines Sozialprojektes an der BSB (British School of Beijing) wurde für einen Jungen mit Arthrogryposis ein elektrischer Rollstuhl in Deutschland gefunden, für das Kind individuell angepasst, nach China geflogen und dann hier übergeben. Das war ein unglaublicher Gänsehautmoment, man kann sich nicht annähernd vorstellen, was das für den Jungen für ein Plus an Lebensqualität sein muss! Und ebenfalls Respekt vor dem 16jährigen Schüler, der sich da so reingehängt hat.

Lìxià – Anfang des Sommers

Statt Vatertag/Himmelfahrt war am 5. Mai hier 立夏(Lìxià), d.h. Anfang des Sommers. Gefällt mir irgendwie besser, auch wenn normaler Arbeits- und Schultag war. Über das Wetter hier kann ich mich echt nicht beklagen, wenn der AQI nun noch immer im grünen Bereich wäre, wäre es perfekt.

Geburtstagsfeierlichkeiten

Dann hatten wir hier einen 10. Geburtstag. Am Geburtstag selbst war quasi die „Familie“ – die Freunde aus dem Compound – zum Kaffeetrinken da und dann gab es den Kindergeburtstag mit den Schulfreunden. Alles anders hier (die Entfernungen…) und neu und dann auch wieder genau wie in Deutschland. Die Jungs waren schon bei einigen Kindergeburtstagen eingeladen, da gab es „Lasertag“, Schlittschuhbahn, „klassischer“ Kindergeburtstag zuhause und Übernachtungspartys. Eine Mischung aus letzterem hat sich Rasmus dann auch gewünscht und bekommen. War schon anstrengend, aber auch schön. :)

Projektwoche

Für die Jungs wird die kurze Schulwoche ab morgen hoffentlich super: Es ist Projektwoche. Beide haben zwar nicht Ihr Wunschprojekt bekommen, sie wollten beide „Cybernetica“ und einen Roboter bauen (*zu den großen Brüdern nach Deutschland wink*) aber mit der Zweitwahl sind sie glaube ich auch gut zufrieden: Rasmus ist im „Reiseführer-Peking“-Projekt, dafür geht es jetzt erstmal auf Recherchetouren: zur Mauer, zum Sommerpalast und in den Chaoyang-Park, und am Freitagvormittag wird der Reiseführer dann zusammengestellt. Justus macht „Chinesische Musik“ von traditionell bis modern, da bin ich auch schon auf die Präsentation am Freitag gespannt.

Besuch aus Hamburg war da, da ist ein Mauerausflug natürlich „Pflichtprogramm“. Rasmus musste noch liegen, Justus blieb als Gesellschaft da, Thomas passte auf die beiden auf, so sind wir dann zu viert losgetuckert. Für die Hinfahrt wurde ein Taxi bestellt, zurück „stehen da ausreichend Taxis herum“. Traumhaftes Wetter mit quietschblauem Himmel, passable Luftwerte mit annehmbarer Sicht, Hinfahrt ausgesprochen entspannt, von uns aus ist es auch nur eine Dreiviertelstunde.

Great Wall

Für den Kartenkauf musste man sich zweimal anstellen, an einem Schalter gab es nur Eintritt, Bustickets und Kabinenbahn, für die Abfahrt mit der Sommerrodelbahn ging es an den zweiten Schalter. Mit dem Bus ging es dann ein gutes Stück bergauf, eine kurze Schlange an der Kabinenbahn und dann das erste „wow“ – die Aussicht ist schon toll. Oben angekommen dann wieder dieses unwirkliche Gefühl „wow, wir sind tatsächlich hier!“ Das größte Bauwerk der Welt. Uralt. Historisch und so. ;) Die Mauer ist einfach beeindruckend, selbst als Banause kann man sich dem nicht entziehen! Dazu die schöne Landschaft, es ist wirklich ein netter Spaziergang Richtung Osten zur Sommerrodelbahn (da, wo auch der klapprige Sessellift fährt), überwiegend bergab. Es war voller als im März, aber von Gedrängel und Geschiebe konnte keine Rede sein, nur an Engpässen bei den Wachtürmen, wo immer nur einer treppauf oder treppab kann, staute es sich manchmal und mit ein bischen Geduld hatten wir immer wieder auch mal einen Abschnitt ganz für uns. An der Sommerrodelbahn mussten wir ein bischen warten, aber man hat soviel zu gucken und die Mitarbeiter dort hatten echt Spass, haben herumgeblödelt, so dass wir auch Spass hatten. Leiderleiderleider waren vor mir zwei chinesische Mütter mit kleinen Kinder, die im Schneckentempo runtergerutscht sind, also nix mit kleinem Geschwindigkeitsrausch über’m Abgrund, dafür ausreichend Zeit, die (relative) Stille und die Aussicht zu geniessen. War sicher nicht das letzte Mal!

Taxi?

Als wir dann wieder unten im Tal waren, waren nicht viele Taxis zu sehen. Genaugenommen: keins. Wir sind weiter Richtung Straße gegangen, als mich ein Chinese ansprach. Puh, ein Taxifahrer. Wohoo, mein Chinesisch hat ausgereicht, dass er uns nicht nur nach Huairou zum Bus bringt, sondern nach Hause in Peking und auch den Preis konnte ich halbieren. Es war sonst aber weit uns breit kein anderes Taxi zu sehen, also blieb uns eh nichts anderes übrig. Das Auto war eine Klapperkiste mit zahlreichen Blechschäden, und der Fahrer schien durchaus suizidale Tendenzen zu haben. Immerhin, er fuhr die gleiche Abkürzung an Huairou vorbei, die wir auch im März genommen hatten, bis auf einer schmalen Landstraße nichts mehr ging: Stau.

Rauchen im Nirgendwo

Er bog dann in eine Gasse ein, wo zwischen Auto und Hauswänden gerade noch ein Zentimeter war. Oh nein, in der chinesischen Pampa entführt und ausgesetzt und im Nirgendwo stehengelassen? Nein, er bog noch zweimal um die Kurve, da war die Landstraße wieder und wir hatten sicher 500 m im Stau gutgemacht. Dann zündete er sich erstmal eine Zigarette an und bot uns auch welche an. Eigentlich zähle ich mich ja zur militanten Nichtraucherfraktion, uneigentlich habe ich gelernt, dass es grob unhöflich ist, eine angebotene Zigarette nicht anzunehmen. Um nicht wirklich mitten im Nirgendwo  zu landen, habe ich mich also höflich bedankt und nicht inhaliert… ;) Inzwischen waren wir an einer Kreuzung (kleine Landstraße und Feldweg…) angekommen, dort wendete gerade ein Reisebus und bog dann in den Feldweg ein. Zahlreiche Chinesen standen dort herum, ich meine verstanden zu haben, dass es weiter vorne einen schlimmen Unfall gegeben habe und die Straßen gesperrt seien. Unser Fahrer fuhr dann ein Stück in den Feldweg und hielt an. Oh nein, er würde uns jetzt nicht doch am Ende der Welt rauslassen? Nein, er wollte nur mehr Geld, weil das nun ein großer Umweg sei. Zähneknirschend stimmte ich zu, aber immerhin, er liess sich wieder runterhandeln.

Die weitere Fahrt verlief dann ohne weitere besondere Vorkommnisse, ausser, dass der Fahrer gerne überholte und überhaupt wohl lieber links fuhr, auch in Kurven, ausser dass ich immer wieder mal seine Hand von meinem Knie schubsen musste, dass ich noch zwei weitere Zigaretten paffen musste, dass er mir seine Telefonnummer aufgedrängt hat, falls wir in Mutianyu oder Huairou wieder mal einen Fahrer bräuchten… Die Kinder haben das Abenteuer glücklicherweise größtenteils verschlafen, und Michaela war sicher froh, dass nicht sie vorne sass… Jedenfalls sind wir erschöpft, aber heil und ganz wieder zuhause angekommen. :)

So, jetzt noch einmal mit mehr Bildern. Der Ausflug war großartig, die Jungs wollen das so bald wie möglich und immer wieder wiederholen. Kann ich verstehen!

Erst mit dem Auto bis Huairou/Mutianyu, ca. 70 km nordöstlich von Peking. Wieder einmal konnten wir nur staunen, wie riesig Peking ist, doch irgendwann wurden es weniger Hochhaussiedlungen, da waren dann Felder/Obstplantagen, Fabriken, doch immer wieder ein paar Hochhäuser. Alles leider durch den braunen Schleier, miese Sicht leider. Wir fuhren durch Huairou durch und folgten dann den Schildern nach Mutianyu. Es wurde tatsächlich immer hügeliger. Ländlicher. Wir kamen an „eingefrorenen“ Wasserfällen vorbei. Bekleidungsfabriken. Obstplantagen. Und allmählich häuften sich Restaurants und Hotels entlang der Strasse. Und dann waren wir am Parkplatz, ein paar Gebäude (die hätten so auch in einem Freizeitpark in Deutschland stehen können) mit Ticketschaltern, Museum – und Restaurants. Und dann auch endlich der erste Blick auf die Mauer. Wow.

Dann ging es mit dem Shuttlebus ein Stück den Berg hoch. Abenteuerlich. Von der Busstation führte ein Weg nach links oben: Kabinenbahn. Und einer nach rechts: Sessellift. Oha, der sah ziemlich alt und klapprig aus, wirkte abenteuerlich, zumal sie kurz bevor wir dran waren gestoppt wurde – und ein Lappen, Stofffetzen oder sowas aus dem „Drehdings“ gefummelt wurde….Okeeee… Waren es 5 oder 10 Minuten bis oben? Keine Ahnung, die Aussicht jedenfalls – trotz immer noch trüber Sicht – war großartig. Trotzdem, leises Auftatmen, als wir oben waren.

Das war dann wirklich ein irres Gefühl: wir sind tatsächlich auf der Großen Mauer! Wir sind dann eine ganze Weile über die Mauer spaziert, mehr oder weniger steil bergauf und bergab, oft mit Treppen mit unterschiedlich hohen Stufen, teils auch abbröckelnd. Immer wieder neue Aussichten, immer wieder Wachtürme.In einem dieser Wachtürme stand ein Besen. Klar, dass Jussi sich den schnappen und fegen musste. Nur kam da eine chinesische Reisegruppe dazu – und die konnten sich nicht wieder einkriegen und haben sich gegenseitig mit Jussi und dem Besen fotografiert, das war bestimmt eine Viertelstunde schallendes Gelächter und fröhliches Gekreische und Geschnatter.

Nachdem die Jungs fanden, sie wären genug „herumgelatscht“ sind wir wieder zurück zum Ausgangspunkt, aber dort nicht mit der Seilbahn, sondern mit einer Sommerrodelbahn heruntergefahren. Allerdings durften wir nicht sofort lostuckern, sondern einer der Mitarbeiter holte erstmal Creme und hat Rasmus‘ von Erkältung und trockener Luft rote und rissige Lippen verarztet – und der liess sich das gefallen, aber wehe, wenn ich mal mit der Creme komme…

Dann ging es los, und was war das für ein Spass! In mehr oder weniger engen Serpentinen den Berg hinunter, über wacklige Holzbrücken, alle paar Kurven saßen Mitarbeiter. Unten angekommen erstmal eine Schrecksekunde – nach mir kam nicht Jussi, sondern erstmal zwei Männer und dann lange nix. Aber dann sah ich ihn, alles wieder gut. Da das Kerlchen wohl zu langsam war, haben ihn Mitarbeiter kurzerhand aus der Bahn gehoben, die schnelleren Männer vorbeigelassen und ihn dann wieder samt Rodeldings reingesetzt.

Da fahren wir auf jeden Fall wieder hin! Nicht nur wegen der Sommerrodelbahn, sondern auch, weil es wohl deutlich weniger überlaufen ist als Badaling.

 

 

 

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Heute haben wir einen Ausflug zur Großen Mauer gemacht, und zwar zu dem Abschnitt bei Mutianyu, eine gute Autostunde nordwestlich von Peking. http://www.mutianyugreatwall.net/

Vom Parkplatz mit dem Busshuttle ein Stück den Berg hinauf und das letzte Stück dann mit dem Sessellift (puh, klapprig-alte Kiste…). Und dann einfach nur wow, ein total irres Gefühl wirklich da zu sein und immer noch irgendwie unwirklich. Jedenfalls waren wir von Mauer und Aussicht wahnsinnig beeindruckt. Ein großer Spass war dann die Tour den Berg wieder runter: mit einer Sommerrodelbahn!

Jetzt werden wir noch mal ne Runde durch Sanlitun bummeln und die Kurzen abfüttern und morgen geht’s dann zurück nach Hamburg. Mehr Bilder von der Mauer dann von dort aus, Internet ist heute irgendwie unwillig.