Mein letzter ganzer Tag in Siem Reap, am nächsten Tag geht es gleich nach dem Frühstück zum Flughafen. 

Ich hab noch immer nicht genug von den Tempeln und entscheide mich dafür, die Roluos-Gruppe östlich von Siem Reap anzusehen. Dazu gehören drei Tempel: Preah Ko, Bakong und Lolei. Was ich noch nicht weiß: in Lolei werde ich einen Lehrer und seine Schule kennenlernen.

Aber der Reihe nach. Wir fahren erst durch Siem Reap und dann über eine alte Landstraße in Richtung Osten.

Preah Ko

Zuerst geht es nach Preah Ko. Es ist noch relativ früh, aber die Sonne steht schon hoch am wolkenlosen, leuchtend blauen Himmel. Und es ist richtig heiß. Sokphorn parkt im Schatten, und ich spaziere zum Tempel hinüber. Hier ist es alles andere als feucht oder moosüberwachsen, rings herum um den Tempel befinden sich Siedlungen, von denen Musik herüberklingt. 

Bakong

Wir fahren ein Stück weiter die Straße entlang und erreichen Bakong. Dieser Tempelberg mit 5 Ebenen ist wirklich beeindruckend. Besonders die Elefantenskulpturen gefallen mir. Die Treppen sind wieder steil, ausgetreten und ohne Geländer, keine Absperrungen an den Rändern, aber hier ist mehr los als am Tag zuvor am Baphuon, also mache ich  mir diesmal keine Gedanken. Nur die Elefanten fotografiere ich nur seitlich oder von hinten – von vorne ist es einfach zu dicht am Abgrund.

Lolei

Jetzt fahren wir die gleiche Straße wieder zurück, überqueren die Landstraße und fahren weiter nach Norden. Schließlich erreichen wir Lolei, das auf einem kleinen Hügel liegt, auf den ein schmaler Pfad und ein paar Treppen hinaufführen. Die Tempelanlage ist relativ klein, einer verbliebenen Prasats ist komplett eingerüstet, der andere wird abgestützt. Auf dem Tempelgelände befindet sich ein buddhistisches Kloster, die Haupthalle liegt neben den alten Tempelgebäuden, Wohn- und weitere Gebäude dahinter. Ich ziehe meine Sandalen aus und sehe mir die fröhlich-bunte Haupthalle näher an. Hinten in einer Ecke eine Vitrine mit menschlichen Schädeln und Knochen. 

Die Schule

Nachdem ich die Vitrine mit den Knochen gesehen habe, was mich ehrlich gesagt schon etwas gruselt, schlendere ich weiter über das Tempelgelände und lande schließlich bei den hinteren Gebäuden, die nach außen offen sind. Bücherregale und eine Reihe mit Computern. Ein junger Mann spricht mich an, ob er mich herumführen dürfte. Ich will erst abwinken, ich habe schon von den selbsternannten „Volunteers“ gehört, die zwei-drei auswendig gelernte Sätze zu Sehenswürdigkeiten erzählen und sich ihre Dienste als Tempel-Guide dann teuer bezahlen lassen. Dabei könnte man für den kompletten Angkor Archäologischen Park ausgebildete Guides, oft auch in gewünschter Sprache, für 40 USD/Tag buchen.

Aber ich tue ihm unrecht, denn er ist Lehrer hier an der Schule und so kommen wir dann doch ins Gespräch. Enthusiastisch schildert er, was sie hier alles tun. Er erklärt, dass hier knapp 30 Jungen leben, Waisenkinder oder sehr arme Kinder, die sonst keine Schule besuchen können. Zusätzlich bieten sie weiteren Unterricht für Externe in drei Schichten an, wo in Ergänzung zum offiziellen Schulunterricht Mathe, Englisch, Khmer und Computer unterrichtet wird. Die Kinder verbessern so ihre Chancen auf Arbeitsplätze im Tourismus und für manche ist dies der Weg zur Universität.

Außerdem unterstützen sie etwa 300 weitere Kinder mit den in Kambodscha obligatorischen Schuluniformen. Dabei führt er mich herum, zeigt mir die Bibliothek und die Computerarbeitsplätze. Er will mir auch die Klassenräume in der oberen Etage zeigen, aber ich möchte den Unterricht nicht stören. Ich bin ja nun nicht in offizieller Mission unterwegs, sondern  rein privat, bei aller Neugier: das hätte ich unschön gefunden.

Schließlich erklärt er mir dann, dass ab und zu immer noch Knochen auf Feldern gefunden werden, die werden dann im Tempel aufbewahrt, bis sie bestattet werden können. Dann kommt ein kleiner Junge angerannt, der  etwas von dem jungen Mann will. Dieser gibt mir noch einen Prospekt der Schule und schreibt seinen Namen und seine E-Mail-Adresse dazu, und dann kann ich mich gerade noch bedanken und schon ist er weg. Auf der Webseite der Schule gibt es auch die Möglichkeit, online zu spenden!

 

Eine Woche Kambodscha – mein Fazit

Es war eine Woche voller Highlights für mich. Obwohl ich tagsüber viel gesehen und erlebt habe, war ich durch die ruhigen Abende am Pool am Ende wirklich erholt. Aus China kenne ich inzwischen die krassen Gegensätze zwischen arm und reich, Tradition und Moderne. In Kambodscha gibt es diese Gegensätze auch, nur die Armut ist größer und vom Reichtum sieht man deutlich weniger. Das Internet (im Hotel) war deutlich zuverlässiger und besser (!) als hier in China… Ohne VPN. ;) Aber sonst doch deutlich weniger Moderne als andernorts. Mit Deutschland will ich da gar nicht erst vergleichen: komplett andere Welt.

Dazu die bedrückende jüngere Geschichte des Landes, deren Spuren doch überall noch zu finden sind. Und dann trifft man auf junge, fröhliche Menschen, die voller Optimismus in die Zukunft schauen.

Die ersten Tage zuhause war ich noch nervös, bei jedem Zwacken habe ich gefürchtet, mich trotz des überreichlichen Gebrauchs von Mückenspray wieder mit Dengue infiziert zu haben. Nie wieder Südostasien, nie wieder Dengegebiet. Aber jetzt, mit etwas Abstand: ich würde gerne wieder dahinfahren, noch mehr vom Land sehen, Phnom Penh, gerne auch Sihanoukville, aber unbedingt wieder nach Siem Reap, nicht nur, weil ich noch längst nicht alle Tempel sehen konnte, weil ich ein Floating Village auch mal in der Regenzeit sehen möchte. Auch der Schule in Lolei (und anderen) würde ich wieder einen Besuch abstatten. Naja, wer weiß, vielleicht gibt es ja doch irgendwann eine Impfung. 

 

Mein Nachmittag ist voller Gegensätze. Es soll zum „Ladies Temple“, Banteay Srei gehen. Auf dem Weg liegen Schmetterlingsfarm und Landminenmuseum. Unbeschwerte Leichtigkeit wird sich mit einem der bittersten Kapitel menschlicher Geschichte und alter Zivilisation und Kultur abwechseln. Harter Stoff.

Schmetterlingsfarm

Zuerst geht es zur Schmetterlingsfarm. Ich habe die große Anlage mit Tropenhaus in Friedrichsruh bei Hamburg vor Augen, wobei mir natürlich klar ist, dass hier in Kambodscha kein Tropenhaus notwendig ist. Die Schmetterlingsfarm hier ist ein hübscher kleiner Garten, komplett unter einem Netz. Mir wird erklärt, dass es dies Jahr leider nur wenige Schmetterlinge gäbe und dass die wenigen jetzt am Vormittag auch noch schliefen. Ich bin die einzige Besucherin und bekomme eine Privatführung und sehe Eier, Larven, Raupen in den unterschiedlichsten Stadien – und einige weniger Schlafmützen, äh, Schmetterlinge. Hier gefällt mir gut, dass neben dem Parkplatz Hängematten für die Tuktuk- und Busfahrer unter einem Schatten spendenden Dach gespannt sind.

 

Landminenmuseum

Nur wenige Fahrminuten weiter werde ich dann mit den dunklen Seiten der kambodschanischen Vergangenheit konfrontiert. Wir halten am Landminenmuseum. Es ist klein und überschaubar, geht auf die Initiative von Aki Ra (geboren als Eoun Yeak) zurück, der auf eine bewegte, erschütternde Biographie zurückblickt: Zu Beginn der Siebziger geboren, wann genau ist unbekannt, wird er seinen Eltern weggenommen und Kindersoldat bei den Roten Khmer. Seine Eltern wurden ermordet. 1983 – maximal 13 Jahre alt, vielleicht auch erst 10 – wird er von Vietnamesen gefangen genommen und kämpft dann auf deren Seite. Wie zuvor für die Roten Khmer legt er auch für die Vietnamesen Landminen. Als die Vietnamesen Kambodscha verließen, trat er der Kambodschanischen Armee bei.

Erst Minenleger, dann Minenräumer

Zu Beginn der Neunziger räumte er auf eigene Faust Minen: mit Stöcken und Messern, ohne jede Schutzkleidung – das hätte auch früh tödlich enden können. Erst später bekam er eine professionelle Minenräumerausbildung. Schließlich widmet er sein Leben dem Räumen von Minen, der Aufklärung über deren Gefahren, ruft das Landminenmuseum ins Leben, kümmert sich um Minenopfer und gründet Schulen für Waisen und Minenopfer. Über diese bewegte Lebensgeschichte informieren Fotos und Infotafeln. Da rücken die Informationen zu den verwendeten Antipersonenminen und Panzerminen, obwohl die Objekte danebenstehen, in den Hintergrund. Dazu werden überall – entschärfte – Minen ausgestellt, wenn man vom Parkplatz zum Eingang geht, ist der Weg beidseits von Bomben gesäumt. Das hat eine perverse Ästhetik und macht sehr beklommen. 

Ich habe vor der Reise viel über die jüngere Geschichte Kambodschas gelesen, allein das kann schon traurig stimmen. Aber diese Geschichte am Beispiel eines einzelnen, konkreten Menschen gezeigt zu bekommen, der Opfer und Täter zugleich ist und sein Leben seit vielen Jahren der Wiedergutmachung gewidmet hat, das beschäftigt mich.

 

Banteay Srei

Still steige ich wieder in Sokphorns Tuktuk. Unfassbar, was Menschen sich gegenseitig antun können, angetan haben und auch heute noch antun.

Kurze Zeit später kommen wir am „Ladies Temple“ – Banteay Srei an. Der Parkplatz ist bald größer als das Tempelgelände, eine Reihe von Bussen besetzen die wenigen Schattenplätze. Sokphorn zieht sich wieder zu einem Nickerchen zurück, und ich stelle mich hinter eine chinesische Reisegruppe, überwiegend Frauen, an der Eingangskontrolle an.

Dieser Tempel gilt als einer der Kunstvollsten, die Ornamente seien unvergleichlich. Ich bin keine Fachfrau, aber auch ich finde sie ungewöhnlich schön! Wie an vielen der anderen Tempel gibt es auch hier eine Musikgruppe, die traditionelle Musik spielt. Das, die friedliche Atmosphäre, das fröhliche Plappern der Chinesinnen, die warme Sonne auf der Haut, das alles vertreibt die düstere-traurige Stimmung.

Sacken lassen

Dorf bei Siem Reap

Dorf bei Siem Reap

Es ist zwar noch relativ früh am Nachmittag, aber der Tag hat ja auch schon um halb fünf für mich angefangen und ich bin nicht mehr aufnahmefähig. Also beschließe ich, den Rest des Tages wieder im Hotel am Pool zu verbringen.

Auf dem Rückweg kommen wir noch durch Dörfer, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Und immer wieder sind auf den Feldern neben der Straße Wasserbüffel oder magere Kühe, meist nur einzelne, aber einmal auch eine kleine Herde.

 

Wasserbüffel-Herde

Wasserbüffel-Herde

Was für ein unglaublicher Tag! Sonnenaufgang in Angkor Wat. Den Baphuon-Tempel fast für mich alleine im wunderschönen Morgenlicht. Unbeschwerte Leichtigkeit im Schmetterlingsgarten.

Das Landminenmusum.

Der Banteay Srei Tempel. Die unzähligen Eindrücke auf der Fahrt. Und dann ein entspannter Spätnachmittag und Abend am Pool, wo ich Zeit genug habe, meine Eindrücke und Gedanken wenigsten schon etwas zu sortieren.

 

Es ist immer noch früh am Morgen, als ich am Parkplatz vor Angkor Wat Sokphorn wiedertreffe. Für heute haben wir volles Programm: zuerst möchte ich mir den Baphuon-Tempel angucken, das ist der, für den ich am ersten Tag nicht mehr aufnahmefähig war, weil ich zu besorgt war, verloren zu gehen. Danach soll es wieder ein gutes Stück raus aus Siem Reap gehen: erst zur Schmetterlingsfarm, dann zum Landminenmuseum und schließlich zum „Ladies Temple“. Aber jetzt erst einmal der Baphuon!

Baphuon Tempel

Über einen langen steinernen Steg gelange ich von der Straße zum Baphuon: mehr dazu bei Wikipedia. Es ist gerade halb acht durch und es sind nur ganz wenige Menschen unterwegs – und das hier, mitten in Angkor Thom. Unmittelbar vor dem Tempel wird noch einmal das Ticket kontrolliert – und dann geht es ans Treppensteigen. Obwohl es noch so früh ist, ist es schon ziemlich warm, wenn auch noch nicht so drückend wie mittags. Der Baphuon ist ein Tempelberg, also gibt es einige Treppen, und ich habe mir in den Kopf gesetzt, nach ganz oben zu gehen, um den „Blick über den Dschungel“ – so steht es im Reiseführer – zu genießen. Ach, überhaupt macht es doch Spaß, sich die Welt auch mal von oben anzusehen!

Die Treppen zur ersten Ebene gehen noch, aber dann werden sie steiler, eher Leitern als Treppe. Kein Mensch außer mir zu sehen, jetzt bloß nicht runterfallen! Ich hab ja Zeit, umrunde die nächste Ebene und klettere langsam und vorsichtig ganz nach oben. Wow, das hat sich gelohnt. Es ist ruhig, ich bin immer noch alleine und ich genieße die Aussicht, Licht und Luft. Irgendwann kommen dann doch weitere Besucher. Ich unterhalte mich mit einem Inder und zwei jungen Russen, dann geht es an den Abstieg.

Und wieder runter…

Ach Du Schande, jetzt sieht das noch viel steiler aus als vorher. Ich komme mir wie eine uralte Omi vor, als ich mich gut am Geländer festhalte und vorsichtig seitlich, teils sogar rückwärts wieder runterklettere. Aber nachdem ich auf der mittleren Ebene angekommen bin, atme ich auf, kambodschanische Kliniken werden auch weiterhin auf mich verzichten müssen. ;) So langsam kommen immer mehr Besucher an, das war wirklich richtig gutes Timing. Vielleicht mag dies nicht der tollste, bedeutendste, schönste der vielen Tempel im Archäologischen Park von Angkor sein. Aber für mich war es doch ganz besonders, so allein im Morgenlicht da zu sein.

Nach dem Gewitterregen am Mittwoch versuche ich am Freitag noch mal mein Glück mit dem Sonnenaufgang in Angkor Wat. Wieder um 4:30 Uhr aufstehen, wieder im Stockfinsteren durch leere Straßen in Richtung Angkor Wat fahren. Erst bei der Ticketkontrolle nimmt der Verkehr zu, Tuktuks und Reisebusse ohne Ende. 

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Tja, auch ohne Regen kommt bei der Menschenmenge keine mystische Stimmung auf, trotzdem ist der Anblick wundervoll. Auch anfangs, als es noch finster ist, sich die Silhouette der Tempeltürme aber schon schwarz gegen den noch dunklen Himmel abhebt.

Anstatt mich auf der linken Seite ins Gedrängel zu werfen und möglichst weit nach vorne zu quetschen, suchen ich mir vor dem rechten Seerosenbecken ein Plätzchen, wo man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt. So gibt es für mich keinen Moment, wo die Sonne zwischen den Tempeltürmen durchblitzt – aber zwischen Palmen, und das finde ich auch echt schön.  

Die ersten gehen früh

Die Sonne steht noch nicht besonders hoch, da gehen die meisten schon weg. Also kann ich nun doch noch auf die andere Seite wechseln.

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

 

 

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Jetzt ist es zwar schon fast richtig hell, aber die Menge hat sich verlaufen, nur noch wenige sind am Ufer der Becken. Es wird richtig ruhig, am Ufer hüpfen ein paar Frösche herum, deren Quaken sich mit dem Vogelgezwischer und dem Kreischen der Tempelaffen vereint. Ja, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt! – Auch wenn ich wohl Mückenspray auf Objektiv und Filter verteilt hab… ;) 

Von Beng Melea aus fahren wir zurück in Richtung Siem Reap, biegen aber etliche Kilometer vor der Stadt in Richtung Kampong Phluk ab, ein Dorf am Ufer des Tonle Sap. Hier will ich mir ein Floating Village ansehen. Der Tonle Sap ist der größte Süßwassersee in Südostasien – in der Regenzeit. In der Trockenzeit ist er „nur“ 2500 qm groß.  Ein Blick in den Wikipedia-Artikel erklärt mehr: Tonle Sap.

Strasse zum Floating Village

Strasse zum Floating Village

Am Ticketcounter – wieder nicht direkt am „Eingang“ sondern einige hundert Meter vorher – kaufe ich mein Ticket für die Bootsfahrt. Außer dem Wechselgeld bekomme ich auch einen Mundschutz, was mich erst irritiert. Aber nach kurzer Zeit, merke ich wieso und lege ihn an: über der Straße liegt durch die vielen Fahrzeuge eine dicke Staubwolke.

Auf beiden Seiten der Strasse sind Kanäle, dahinter leuchtend grüne Reisfelder. Schließlich erreichen wir einen Bootsanleger und ich steige in eins der bunten Boote um. Langsam tuckern wir an Dutzenden weiterer Boote vorbei, dann biegen wir um eine Kurve und ich sehe Stelzenhäuser. Oh! Schlagartig wird mir klar, dass ich in der Trockenzeit hier bin, und dass die Häuser deshalb nicht „floaten“, sondern auf ihren Stelzen etliche Meter oberhalb der Wasserlinie sind. Vom Wasser bzw. Ufer aus muss man lange, steile Leitern hochklettern, um ins Haus zu kommen.

Eine andere Welt

Auch eine Gendarmerie gibt es. Manche Häuser sind klapprige Bretterbuden, die aussehen, als ob sie gleich zusammenfallen werden, andere sehen stabiler aus. Vor manchen Häusern hängen Blumenkübel, fast überall hängt Wäsche zum trocknen. Unten am Wasser wird gearbeitet, an Netzen oder Booten oder Reusen.  Das Floating Village hat wohl alles, was ein Dorf braucht, es könnte ein Straßendorf sein, nur dass die Straße hier ein Wasserweg ist. Aber dennoch wirkt es total fremdartig auf mich. Ich versuche mir vorzustellen, wie es in der Regenzeit sein muss, wenn der Wasserstand viele Meter höher ist und man direkt aus der Haustür ins Boot steigen könnte.

Wir fahren an ein paar badenden Kindern vorbei und dann an einem Mangrovenwald. Es gibt einen Anleger mit Restaurant und kleineren Booten, mit denen man durch den „Floating Forest“ fahren könnte. Nach zwei, drei weiteren Kurven fahren wir auf den See hinaus.  Obwohl er jetzt ja dank Trockenzeit „klein“ ist, ist er riesig, scheint fast unendlich. Wir fahren ein Stück auf den See hinaus, dann wird der Motor ausgemacht und wir treiben ziemlich zügig zurück in Richtung Ufer. Schließlich fahren wir wieder zurück zum Anleger, und ich weiß die ganze Zeit nicht, wohin ich zuerst schauen soll 

Parteiplakat

Parteiplakat

Ich treffe Sokphorn am Tuktuk-Parkplatz wieder und wir fahren die lange staubige Straße zurück. Wir kommen an einer Krokodilfarm vorbei, aber ich winke dankend ab. Nicht nur, weil ich für Krokodile (und Schlangen, die es dort auch gibt) nichts übrig habe, sondern vor allem, weil mein Kopf jetzt einfach schon übervoll mit Eindrücken ist. Unterwegs tankt Sokphorn noch an einem der Stände, wo Benzin in Flaschen verkauft wird. Auch hier stehen immer wieder Plakate von Parteien am Straßenrand. Schließlich erreichen wir die Hauptstraße und fahren dann weiter zum Hotel, wo ich den Rest des Tages und den Abend am und im Pool verbringe.

 

 

 

 

 

Am Donnerstag kann ich ausschlafen. :) Um 9 Uhr treffe ich mich mit Sokphorn, heute geht es nicht in den Archälogischen Park von Angkor, sondern wir werden etwa 65 Kilometer in Richtung Nordosten fahren, damit ich mir Beng Melea ansehen kann. Eine gute Zusammenfassung zu Beng Melea findet sich auf Wikivoyage – nur der Aussage im Artikel, dass man sich aus Gründen der Sicherheit von Kindern führen lassen sollte, kann ich nicht zustimmen (weil es nicht sinnvoll ist, die Kinderarbeit zu unterstützen und damit deren Perspektivlosigkeit zu zementieren, besser ist es, z.B. für Schulen zu spenden. Abgesehen davon waren bei meinem Besuch auch keine Kinder am Tempel, auf der Fahrt sind wir an zahlreichen Schulen und vielen Kindern in Schuluniformen vorbeigekommen).

Die lange Fahrt – es müssen fast zwei Stunden gewesen sein – vergeht wie im Flug, es gibt an der Straße so viel zu sehen. Erst fahren wir auf dem National Highway No. 6. Unmengen von Müll liegen am Straßenrand, ab und zu brennt auch ein Müllhaufen oder wir kommen an schwarzer, stinkender Asche vorbei. Alle paar Meter gibt es Straßenimbisse, wo Gegrilltes am Spieß und vor allem Zuckerrohrsaft angeboten wird. Es gibt zwar auch reguläre Tankstellen, aber häufiger sind Stände, wo Benzin in 1- oder 2-Liter-Flaschen verkauft wird.

Die Landschaft ist flach, beinah langweilig. Von Norddeutschland durch die anderen Pflanzen, Bäume, Palmen aber doch deutlich zu unterscheiden. ;) Magere Kühe überqueren auch mal die Straße. Schlichteste Bretterbuden (fast alle auf Pfählen) wechseln sich mit einigen wenigen hübschen Häusern ab.

Markt

Markt

Wir biegen nach Norden ab auf die schmale Straße in Richtung Pnomh Kulen. Dabei kommen wir an einem quirligen, bunten Markt vorbei. Danach wird die Straße noch schmaler. Ab und zu überholen wir eines dieser Fahrzeuge: Zweiradtraktoren. Damit wird einfach alles transportiert: gestapelte Tische, Baumaterialien, Säcke oder auch Menschen oder von allem etwas. Auch ein Ochsengespann begegnet uns.

Auf einmal wird es laut: Musik und eine Ansprache. Und es

Hochzeit in Kambodscha

wird lauter und lauter, je näher wir kommen. „Eine Hochzeit!“, erklärt Sokphorn. Unter bunten Stoffpavillons stehen ebenfalls bunt geschmückte Stühle, Megaphone sind aufgestellt, die Musik und Reden mit stärkster Lautstärke in alle Welt hinausdröhnen lassen. Apocalyptica-Konzert direkt vor den Boxen an der Bühne war flüsterleise dagegen! 

Hochzeit in Kambodscha

Von allen Seiten kommen festlich gekleidete Menschen, die Atmosphäre ist fröhlich. Viel zu schnell fahren wir dran vorbei.

Hier sind Touristen, auch westliche,  nicht so selten wie z.B, in Liuku. Trotzdem winken mir viele Kinder zu, rufen „Hello!“ und „How are you?“. Überhaupt ist mir die Freundlichkeit, ja, sogar Herzlichkeit der Menschen tief im Gedächtnis geblieben.

Schließlich erreichen wir das Tickethäuschen von Beng Melea, was einige hundert Meter vor dem eigentlich Eingang liegt, 5 US-Dollar, und es geht weiter. Eintritt zahlen übrigens überall nur Ausländer, Kambodschaner haben freien Zutritt. Zwischen vielen andern Tuktuks, PKWs und einigen Bussen findet Sokphorn einen Platz im Schatten, hier sollen wir uns wieder treffen. Ich folge dem Strom der Menschen, der sich glücklicherweise schnell verteilt.

Kurz hinter der Einlasskontrolle dieses Schild.

Minenfeld - Schild

Es ist so bedrückend. Natürlich habe ich vor dem Antritt der Reise mein Wissen aufgefrischt und viel über Kambodscha und seine bewegte Geschichte gelesen, aber Minenfelder – selbst wenn sie (teils) geräumt sind, mit eigenen Augen zu sehen – bzw. nichts zu sehen, einfach ein Stück Land/Wald und zu wissen, dass hier Verstümmelung und mit Pech der Tod lauern bzw. gelauert haben… Traurig gehe ich weiter.

Dann nähere ich mich dem Tempel, und muss wieder lächeln. Wie ich da die posierenden Chinesinnen sehe, denke ich „fast wie zuhause“. Tja, inzwischen denke ich sowohl an Deutschland als auch an China als „zuhause“.

Beng Melea ist atemberaubend. Teils eingestürzt, deutlich überwucherter als die anderen Tempel, die ich besucht habe. Nachdem ich etwas Abstand zwischen mich und die chinesische Reisegruppe gebracht habe, weicht das aufgekratzte Stimmengewirr und das allgegenwärte „Yi – er – san!/1-2-3!“ beim Posen und Fotografieren der Stille. Nur ab und zu macht sich ein Tier bemerkbar.

Man klettert über Felsen, zum Teil ist ein klappriger, morscher Holzsteg/-brücke der Weg. Dann geht es durch einen stockfinsteren Tunnel, dann muss man wieder über ein paar Felsklötze klettern. Ich finde es unfassbar schön und beeindruckend.

Auf der Rückseite laufe ich Sokphorn in die Arme. Er erzählt, dass er noch nie hier auf dem Tempelgelände war und sich das jetzt doch einmal ansehen wollte. Als ich sage, dass dieser Tempel meinen Jungs vermutlich von allen am besten gefallen würden, nickt er und sagt, dass er bald mit seinem kleinen Sohn herkommen wird. Wir halten Abstand zu der chinesischen Reisegruppe und spazieren langsam durch die friedliche Anlage zurück zum Parkplatz.

Wir setzen die Angkor-Rundfahrt fort. Der nächste Stopp ist Ta Keo. Wie ich jetzt gelernt habe, ist das ein Tempelberg im Gegensatz zu den Flachtempeln wie Ta Prohm. Über 1000 Jahre alt! Hier soll noch während der Bauarbeiten der Blitz eingeschlagen haben, und so wurde der Tempel aufgegeben, bevor er vollendet wurde. Deshalb finden sich hier nur ganz wenige Verzierungen. Auch hier wird restauriert, hier mit chinesischer Hilfe.

 

Ich frage Sokphorn, wie es weitergeht. Er hat inzwischen mitbekommen, dass mir die abgelegenen, wenig besuchten und verfallenen Tempel besonders gefallen, also schlägt er Ta Nei vor. Die Straße wird immer schmaler, schließlich ist es eigentlich nur noch ein Feldweg, der immer unwegsamer wird, immer größere Schlaglöcher, nach dem Gewitterregen vom Morgen teils tiefe Pfützen, und ich mach mir Gedanken um das Tuktuk (eine Honda mit Anhänger, kein E-Dreirad wie mein chinesisches Tuktuk hier in Peking). Aber Sokphorn winkt ab, alles kein Problem. Aber schließlich hält er doch an. Diesmal kommt er mit. Hier sind keine Busse (die hätten nicht auf den Feldweg gepasst), keine Autos und auch kein weiteres Tuktuk. Der Tempel ist wirklich sehr verfallen, teils moosüberwachsen. Bis auf die Geräusche des Dschungels ist es total still. Friedlich. Es kommt mir so unwirklich vor, der Ort und auch dass ich hier bin. Erst als wir den Tempel ganz umrundet haben, begegnet uns auf dem Rückweg zum Tuktuk ein junges deutsches Pärchen. Die beiden sind mit Fahrrädern unterwegs und wollen jetzt picknicken – ein fantastischer Ort dafür. Sie wollen danach weiter zur Zipline. Aber das traue ich mich alleine dann doch nicht, auch wenn es reizvoll klingt; ich finde mich eh schon mutig genug, so ganz allein (ok, mit Sokphorn) unterwegs zu sein. Langsam schlendern Sokphorn und ich zum Tuktuk zurück. Wow, das war echt schön. Der Zauber verfliegt etwas, als wir 10 Minuten später an einem Toilettenhäuschen vorbeikommen, wo gerade 2 Busse vorgefahren sind… Lärm und Gewusel.

 

Angkor Thom

Die Tour geht weiter durch Angkor Thom – das Herz des alten Angkor-Reiches. Zuerst Mittagessen, hier reiht sich Shop an Shop und Restaurant an Restaurant. Diesmal lässt Sokphorn sich von mir einladen, es gibt vegetarisches „Amok“, das wirklich lecker ist – und viel zu viel, ich hab ein schlechtes Gewissen, aber ich lass mehr als die Hälfte übrig. Wir gehen zum Tuktuk zurück und fahren nur ein ganz kurzes Stück. Sokphorn wirft mich an der Terrasse der Elefanten raus und erklärt mir, in welche Richtung ich gehen soll und wo er auf mich warten wird. 

Jetzt rächt sich das frühe Aufstehen, ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Und so traue ich mich kaum, mich von der großen „Promenade“ zu entfernen. Da steht ein Tempel, wie sich rausstellt, handelt es sich um Baphuon, den man über einen Steinpfad, der durch ein Wasserbecken führt, erreicht. Aber so doof wie das ist, an dem touristisch wohl am besten erschlossenen Punkt Kambodschas, werde ich ängstlich und denke, ohje, wenn ich Sokphorn jetzt nicht wiederfinde, wie komme ich denn dann bloß zum Hotel zurück? Lassen wir mal den Schlafmangel als Entschuldigung gelten! Ein paar Schritte weiter sehe ich dann „mein“ Tuktuk. Puh! Wir fahren wieder nur wenige Meter. Diesmal wird Sokphorn wieder an der gleichen Stelle auf mich warten, also kann ich ganz beruhigt den Tempel erkunden: Bayon.

Nachdem ich wirklich jede Treppe von Bayon erklommen und in jeden Winkel hineingeschaut habe, bin ich total erledigt. Den Rest des Tages verbringe ich wieder am Hotelpool und gehe früh schlafen.

Nachdem ich mich umgezogen und aufgewärmt habe, brechen wir vom Hotel wieder in Richtung Angkor auf und setzen die Angkor Small Circuit Tour fort. An Angkor Wat fahren wir nur vorbei, inzwischen stehen noch mehr Busse davor und mich in Menschenmassen da durchzudrängeln, das reizt mich gar nicht.

Banteay Kdei

Banteay Kdei hingegen ist ganz nach meinem Geschmack. Von der Anlage her ähnlich wie Ta Prohm (das nächste Ziel), aber kleiner und mit weniger Verzierungen, dazu in recht schlechtem Zustand – und nur wenige Besucher. Letzteres stimmt, immer wieder bin ich ganz allein, aus der Ferne dringt leise traditionelle Khmer-Musik an mein Ohr, Vögel zwitschern und kreischen, noch hängt die Feuchtigkeit des Gewittergusses in der Luft – magisch, ich bin hin und weg! Dafür, dass der Tempel nicht so gut erhalten sein soll, gibt es noch (oder wieder?) jede Menge tolle Details.

Ich treffe mich wieder mit Sokphorn und wir fahren ein kurzes Stück weiter nach Ta Prohm.

Ta Prohm

Ich weiß, für viele sind Kambodscha und Angkor und die Tempelanlagen weit weg. Aber es gibt einen Tempel, da dürften viele dann doch ein Aha-Erlebnis haben: Ta Prohm. Unter anderem hier wurde Lara Croft: Tomb Raider gedreht. Zu Beginn des Filmausschnitts landet Lara in Pnomh Bakeng, mit dem Jeep fährt sie dann nach Ta Prohm.

Okay, so alleine war ich vorher in Banteay Kdei. In Ta Prohm ist deutlich mehr los, vor allem chinesische Reisegruppen posieren überall: alleine, zu zweit, in Gruppen. Nichtsdestotrotz, die Anlage ist wahnsinnig beeindruckend. Jasminblüten finde ich keine, aber so bleibt mir dann ja auch der Absturz in die Katakomben erspart… ;)

In einem Bereich wird derzeit renoviert, überall sind schon Holzstege und -wege und Absperrungen angelegt. Einige der großen Bäume werden jetzt auch abgestützt. 

Auch auf dem Rückweg begegnet mir noch einmal das „Tempelhuhn“, über das ich auf dem Hinweg schon gestolpert bin. Diesmal muss ich etwas länger nach Sokphorn Ausschau halten, hier ist einfach wahnsinnig viel los. Aber dann finde ich ihn und wir setzen die Rundtour fort.

Pünktlich um 5 Uhr treffe ich Sokphorn und wir fahren los nach Angkor Wat. Der Parkplatz ist schon in Sichtweite, da fängt es an zu nieseln. Ohje, wie doof! Ich kaufe ein Festivalregencape, verstaue meine Kamera in der Neoprentasche im Rucksack und hoffe darauf, dass der Regen schnell wieder nachlässt.

Am Eingang bei der Ticketkontrolle stockt es, eine junge Chinesin hat weder Schultern noch Knie bedeckt und darf so nicht hinein. Andere Frauen aus ihrer Reisegruppe helfen ihr mit Tüchern aus, sie hat Glück, so geht es. Über eine Pontonbrücke geht es aufs eigentliche Tempelgelände. Es ist stockfinster, andere waren klüger als ich und haben Taschenlampen dabei oder leuchten mit ihren Handys. Vor den Wasserbecken vorm Tempel verteilen sich die Menschen nach links und rechts, zwei Guides diskutieren darüber, welche Seite besser ist und können sich nicht einigen.

Ich suche mir ein Plätzchen auf der linken Seite, da blitzt und donnert es auf einmal beinah gleichzeitig, ein Aufschrei geht durch die Menge und aus dem leichten Nieseln wird ein Platzregen. Jemand rennt an mir vorbei, mein Regencape zerreisst und ich bin innerhalb von Sekunden nass bis auf die Haut. Jetzt renne und schlittere auch ich über den matschigen Boden in Richtung eines Restaurants, wo die Leute sich schon dicht an dicht untergestellt haben und finde zum Glück auch noch ein Plätzchen. Es blitzt und donnert, der Regen prasselt auf das Plastikvordach. Hier unten auf dem Bild ist das Schlimmste schon vorbei.

Massen trotz Regen

Massen trotz Regen

Niemand meckert oder schimpft, zumindest in dem Bereich, wo ich stehe. Wetter ist halt Wetter, und alle scheinen es als Abenteuer zu empfinden. Ist es ja auch! Sonnenaufgang kann ja jeder, Gewitter in Angkor Wat ist – zumindest im Januar – wohl noch nicht vorgekommen.

Irgendwann lässt der Regen nach, erst nieselt es noch, dann hört es ganz auf. Ich wringe meine Klamotten aus so gut ich kann und drehe dann eine kurze Runde durch den Tempel.

Nach dem Regen

Nach dem Gewitterguss

Angkor Wat

Angkor Wat

Mir ist kalt, ich gehe relativ zügig durch, lieber in Bewegung bleiben.

Gang in Angkor Wat

Gang in Angkor Wat

Besondere „Tempelstimmung“ kommt nicht auf, dafür sind zuviele aufgekratzte Menschen unterwegs; überall stehen kleine Grüppchen, die sich unterhalten.

Angkor Wat

Angkor Wat

Trotzdem, auch so nass vor grauem Himmel hat Angkor Wat etwas besonderes.

Angkor Wat

Angkor Wat

Ein paar Meter weiter war ein Schild: Wartezeit von hier aus 45 Minuten. Nass und durchgefroren habe ich darauf verzichtet und bin lieber in Bewegung geblieben.

Angkor Wat

Warteschlange in Angkor Wat

Dann verziehen sich die letzten Regenwolken und es wird heller und klart auf.

Angkor Wat

Angkor Wat nach dem Gewitter

So langsam kommt die Sonne durch, aber mir ist kalt.

Angkor Wat

Angkor Wat nach dem Gewitter

Ich gehe in Richtung Ausgang. Es war nicht das, was ich erwartet habe, aber es war definitiv ein Erlebnis.

Angkor Wat

Angkor Wat

Zügig gehe ich in Richtung Parkplatz, aber ich muss mich immer wieder umdrehen, der Anblick ist einfach zu cool.

Angkor Wat

Angkor Wat

Ich finde Sokphorn, der zum Glück trocken geblieben ist und ein Nickerchen im Tuktuk gemacht hat. Bevor wir die für heute geplante Tour – den Small Circuit – angehen, fährt er mich erst nochmal ins Hotel, wo ich heiß dusche, trockene Kleidung anziehe, noch einen heißen Kaffee bekomme. Endlich ist mir wieder warm und wir brechen wieder auf.

Aber Gewitter in Angkor Wat statt Sonnenaufgang – absolut ein Erlebnis, wenn auch ein anderes als erwartet!

Letzte Woche durfte ich mir eine Auszeit vom Pekinger Winter nehmen. Ich habe mich für Siem Reap, Kambodscha entschieden: Vor allem Angkor wollte ich mir ansehen. Gewohnt habe ich in einem kleinen familiengeführten Hotel im Süden der Stadt, da wo Siem Reap schon eher dörflich ist. 

Bei der Ankunft ein kurzer Schreckmoment, anders als ich es zuvor gelesen hatte, kann man das Visum on Arrival nicht per Kreditkarte bezahlen, ausschließlich Cash – und US Dollar oder Riel hatte ich noch keine und der nächste ATM ist erst draußen vor dem Gebäude… Ups! Zum Glück wurden auch meine chinesischen Yuan akzeptiert. Abgesehen davon erfolgt die Erteilung des Visums doch recht fix. Nur meine in den Pass eingelegte chinesische Meldebestätigung ging dabei verloren und war auch nicht mehr auffindbar. 

Mit dem frischen Aufkleber im Pass ging es dann durch die Einreisekontrolle, zum Gepäckband und dann raus ins Warme, wo ich von Sokphorn in Empfang genommen wurde. Erst noch schnell den besagten ATM erleichtern, und dann ging es durch die Abenddämmerung zum Hotel. Dort angekommen verabredete ich mich für den nächsten Morgen mit Sokphorn, der mich mit seinem Tuktuk auch den Rest der Woche überallhin hingefahren hat.

Angkor – Grand Circuit Tour

Am Dienstag geht es also los mit dem „Grand Circuit“ durch den Archäologischen Park von Angkor. Ich bin noch angeschlagen von Erkältung, Anreise und 35 Grad Temperaturunterschied und will es am ersten Tag langsam angehen lassen. Bei dieser Rundtour legt man zwar einige Kilometer mehr zurück, läuft aber etwas weniger. Ich kleistere mich mit Sonnenmilch zu und sprühe dann überreichlich  Mückenspray obendrauf – mein Antibiotikum löst leicht fototoxische Reaktionen aus und mein Hausarzt hat doch leicht den Kopf geschüttelt ob meines „Leichtsinns“, in ein Denguegebiet zu reisen. Ich halte mich in dem Fall doch lieber an meinen Tropenmediziner, der keine Reiseverbote ausgesprochen hat, aber es hilft nicht, jede blöde Mücke erschreckt mich, das war hart an der Grenze zu Hysterie und Paranoia… 

Erst geht es zum Ticket Center, wo ich für 62 Dollar ein 3-Tages-Ticket erwerbe, dann geht es Richtung Norden an Angkor Wat vorbei und durch Angkor Thom hindurch zum Preah Khan. Sokphorn erklärt mir, dass wir am Westtor sind und ich ihn am Osttor wieder treffen soll. Okay, das klingt selbst für mich Orientierungs-Legasthenikerin schaffbar.

Preah Khan

Ich bin beeindruckt. Ich mag alte Gemäuer, bewundere Baukunst, kann mir kaum vorstellen, wie schwierig und anstrengend es vor Hunderten von Jahren gewesen sein muss, diese Anlagen zu bauen. Dazu die vielen detailreichen Steinmetzarbeiten. Nachdem wir vorher an dem riesigen Parkplatz vor Angkor Wat vorbeigekommen sind und die vielen Menschen in Angkor Thom gesehen haben, gefällt mir die relative Ruhe. Ich bin zwar nicht allein, aber die Besucher verteilen sich rasch auf dem Gelände. Ich sehe die ersten Kinder, dir mir Reiseführer oder Postkarten verkaufen wollen: „Only one dollar!“ Es fällt mir schwer, sie zu ignorieren, aber wenn man den Kindern etwas gibt, verbessert sich nichts an ihrer Situation, sie müssen ihre Einnahmen direkt weitergeben, gehen trotzdem nicht zur Schule und man zementiert die aktuellen Umstände. Es ist besser, von Erwachsenen zu kaufen und/oder an Schulen oder Waisenhäuser spenden.

Und dann sehe ich die ersten riesigen Bäume, die in und über die alten Mauern wachsen. Wow! Breit grinsend schlendere ich in die Richtung, wo ich das Osttor vermute, halte mich möglichst im Schatten, denn die Sonne knallt ganz ordentlich. Zweimal gehe ich an den vielen wartenden Tuktuks vorbei, werde schon leicht nervös, aber dann winkt Sokphorn mir zu und ich atme auf. Ich genieße die kurze Fahrt – Fahrtwind! – weiter nach Neak Pean.

Neak Pean und Ta Som

Sokphorn parkt im Schatten am Straßenrand, diesmal wird er mich an der gleichen Stelle wieder in Empfang nehmen. Neak Pean ist eine künstliche Insel mit einem Tempelturm, zu erreichen über einen Holzpfad durch einen künstlichen See – ein Baray

Ich bin ein Banause, mehr als die kunstvoll ausgerichtete Anlage hat mich das  Gewässer mit den toten Bäumen interessiert…

Diesmal finde ich Sokphorn und sein Tuktuk auf Anhieb wieder. Wir fahren weiter Richtung Ta Som

Ta Som beeindruckt mich. Außer mir sind kaum Besucher da, die Anlage ist verfallen und überwuchert. Einerseits die von Menschen geschaffenen Gebäude, die andererseits von der Natur vereinnahmt werden, das lässt mich staunen!

Regenpause und Pre Rup

Nun geht es weiter zum East Mebon. Es fängt aber heftig an zu regnen, also lassen wir die Tempelanlage links bzw. rechts liegen und kehren in einem Restaurant am Srah Srang ein. Nun, wegen der Kulinarik fährt man eher nicht nach Kambodscha… Ich bestelle eines der Nationalgerichte, „Amok“. Es erinnert an ein Thai-Curry mit Kokos, ist aber mild und im Vergleich zum Thai-Curry fehlt die Hälfte der Gewürze. ;) Aber es ist frisch und appetitlich serviert. Der Regen hört so plötzlich auf, wie er begonnen hat, die Sonne kommt wieder raus, und wir fahren wieder ein Stück zurück zum Pre Rup.

Diese Anlage ist kleiner, aber es ist kein Flachtempel, sondern ein Tempelberg und vorsichtig klettere ich soweit hinauf, wie es erlaubt ist. Abgesperrt ist nichts, das Schild „Be Careful!“ muss ausreichen. Auch die Farben sind anders, waren die anderen Tempel dunkler und überwuchert, ist dieser heller, die Steine schimmern rötlich in der Sonne. Eine Zeitlang bin ich ganz alleine auf der obersten Ebene und kann den Blick in Ruhe genießen.

Danach fährt Sokphorn mich zurück ins Hotel und wir verabreden uns für 5 Uhr am nächsten Morgen: Angkor Sunrise! Pub Street? Ausgehen? Nachtleben? Interessiert mich nicht wirklich, den Abend verbringe ich lesend am Pool und gehe früh schlafen, schliesslich wird um 4:30 Uhr der Wecker klingeln…