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Beng Melea

Am Donnerstag kann ich ausschlafen. 🙂 Um 9 Uhr treffe ich mich mit Sokphorn, heute geht es nicht in den ArchĂ€logischen Park von Angkor, sondern wir werden etwa 65 Kilometer in Richtung Nordosten fahren, damit ich mir Beng Melea ansehen kann. Eine gute Zusammenfassung zu Beng Melea findet sich auf Wikivoyage – nur der Aussage im Artikel, dass man sich aus GrĂŒnden der Sicherheit von Kindern fĂŒhren lassen sollte, kann ich nicht zustimmen (weil es nicht sinnvoll ist, die Kinderarbeit zu unterstĂŒtzen und damit deren Perspektivlosigkeit zu zementieren, besser ist es, z.B. fĂŒr Schulen zu spenden. Abgesehen davon waren bei meinem Besuch auch keine Kinder am Tempel, auf der Fahrt sind wir an zahlreichen Schulen und vielen Kindern in Schuluniformen vorbeigekommen).

Die lange Fahrt – es mĂŒssen fast zwei Stunden gewesen sein – vergeht wie im Flug, es gibt an der Straße so viel zu sehen. Erst fahren wir auf dem National Highway No. 6. Unmengen von MĂŒll liegen am Straßenrand, ab und zu brennt auch ein MĂŒllhaufen oder wir kommen an schwarzer, stinkender Asche vorbei. Alle paar Meter gibt es Straßenimbisse, wo Gegrilltes am Spieß und vor allem Zuckerrohrsaft angeboten wird. Es gibt zwar auch regulĂ€re Tankstellen, aber hĂ€ufiger sind StĂ€nde, wo Benzin in 1- oder 2-Liter-Flaschen verkauft wird.

Die Landschaft ist flach, beinah langweilig. Von Norddeutschland durch die anderen Pflanzen, BĂ€ume, Palmen aber doch deutlich zu unterscheiden. 😉 Magere KĂŒhe ĂŒberqueren auch mal die Straße. Schlichteste Bretterbuden (fast alle auf PfĂ€hlen) wechseln sich mit einigen wenigen hĂŒbschen HĂ€usern ab.

Markt

Markt

Wir biegen nach Norden ab auf die schmale Straße in Richtung Pnomh Kulen. Dabei kommen wir an einem quirligen, bunten Markt vorbei. Danach wird die Straße noch schmaler. Ab und zu ĂŒberholen wir eines dieser Fahrzeuge: Zweiradtraktoren. Damit wird einfach alles transportiert: gestapelte Tische, Baumaterialien, SĂ€cke oder auch Menschen oder von allem etwas. Auch ein Ochsengespann begegnet uns.

Auf einmal wird es laut: Musik und eine Ansprache. Und es

Hochzeit in Kambodscha

wird lauter und lauter, je nĂ€her wir kommen. „Eine Hochzeit!“, erklĂ€rt Sokphorn. Unter bunten Stoffpavillons stehen ebenfalls bunt geschmĂŒckte StĂŒhle, Megaphone sind aufgestellt, die Musik und Reden mit stĂ€rkster LautstĂ€rke in alle Welt hinausdröhnen lassen. Apocalyptica-Konzert direkt vor den Boxen an der BĂŒhne war flĂŒsterleise dagegen! 

Hochzeit in Kambodscha

Von allen Seiten kommen festlich gekleidete Menschen, die AtmosphÀre ist fröhlich. Viel zu schnell fahren wir dran vorbei.

Hier sind Touristen, auch westliche,  nicht so selten wie z.B, in Liuku. Trotzdem winken mir viele Kinder zu, rufen „Hello!“ und „How are you?“. Überhaupt ist mir die Freundlichkeit, ja, sogar Herzlichkeit der Menschen tief im GedĂ€chtnis geblieben.

Schließlich erreichen wir das TickethĂ€uschen von Beng Melea, was einige hundert Meter vor dem eigentlich Eingang liegt, 5 US-Dollar, und es geht weiter. Eintritt zahlen ĂŒbrigens ĂŒberall nur AuslĂ€nder, Kambodschaner haben freien Zutritt. Zwischen vielen andern Tuktuks, PKWs und einigen Bussen findet Sokphorn einen Platz im Schatten, hier sollen wir uns wieder treffen. Ich folge dem Strom der Menschen, der sich glĂŒcklicherweise schnell verteilt.

Kurz hinter der Einlasskontrolle dieses Schild.

Minenfeld - Schild

Es ist so bedrĂŒckend. NatĂŒrlich habe ich vor dem Antritt der Reise mein Wissen aufgefrischt und viel ĂŒber Kambodscha und seine bewegte Geschichte gelesen, aber Minenfelder – selbst wenn sie (teils) gerĂ€umt sind, mit eigenen Augen zu sehen – bzw. nichts zu sehen, einfach ein StĂŒck Land/Wald und zu wissen, dass hier VerstĂŒmmelung und mit Pech der Tod lauern bzw. gelauert haben… Traurig gehe ich weiter.

Dann nĂ€here ich mich dem Tempel, und muss wieder lĂ€cheln. Wie ich da die posierenden Chinesinnen sehe, denke ich „fast wie zuhause“. Tja, inzwischen denke ich sowohl an Deutschland als auch an China als „zuhause“.

Beng Melea ist atemberaubend. Teils eingestĂŒrzt, deutlich ĂŒberwucherter als die anderen Tempel, die ich besucht habe. Nachdem ich etwas Abstand zwischen mich und die chinesische Reisegruppe gebracht habe, weicht das aufgekratzte Stimmengewirr und das allgegenwĂ€rte „Yi – er – san!/1-2-3!“ beim Posen und Fotografieren der Stille. Nur ab und zu macht sich ein Tier bemerkbar.

Man klettert ĂŒber Felsen, zum Teil ist ein klappriger, morscher Holzsteg/-brĂŒcke der Weg. Dann geht es durch einen stockfinsteren Tunnel, dann muss man wieder ĂŒber ein paar Felsklötze klettern. Ich finde es unfassbar schön und beeindruckend.

Auf der RĂŒckseite laufe ich Sokphorn in die Arme. Er erzĂ€hlt, dass er noch nie hier auf dem TempelgelĂ€nde war und sich das jetzt doch einmal ansehen wollte. Als ich sage, dass dieser Tempel meinen Jungs vermutlich von allen am besten gefallen wĂŒrden, nickt er und sagt, dass er bald mit seinem kleinen Sohn herkommen wird. Wir halten Abstand zu der chinesischen Reisegruppe und spazieren langsam durch die friedliche Anlage zurĂŒck zum Parkplatz.

4 Kommentare
  1. Michael Moll sagte:

    Sehr interessant, danke. Dass mit den Minen kann ich nachvollziehen, hatte ich in Bosnien Ă€hnlich erlebt. Wenn man bedenkt, dass selbst im „bereinigten“ Deutschland noch Minen vermutet werden…

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  2. Frau Mahlzahn sagte:

    Ja, das war das, was mich in Kambodscha am meisten beeindruckt hat: Die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen, die sie sich trotz ihrer schlimmen Geschichte bewahrt haben…

    Hast Du in Siem Riep den Herrn gesehen, der aus einem kleinen Wagen heraus BĂŒcher verkauft hat? Er hat seine Beine durch eine Mine verloren.

    Cheers,
    Corinna

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    • Linni sagte:

      Nein, diesen speziellen BuchverkĂ€ufer habe ich nicht gesehen, aber insgesamt in der Stadt halt doch einige Amputierte. 🙁

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