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Die Jungs waren in der letzten Woche auf Klassenreise, Männe musste arbeiten, also wie letztes Jahr wieder die Gelegenheit für mich, auf Reisen zu gehen. Diesmal ging es zusammen mit meiner finnischen Freundin in den Süden nach Yangshuo.

Es war echt unglaublich schön, es hat einfach alles gepasst, wir haben uns super verstanden, das Wetter hat mitgespielt und die Gegend ist atemberaubend, märchenhaft, wunderschön, exotisch, fremd, grün, … Die Menschen, die wir kennengelernt haben, waren fröhlich, freundlich, zugewandt, hilfsbereit. Es gibt so viele Möglichkeiten für Aktivitäten, es gibt so viel zu entdecken: kleine und größere Orte, die Landschaft, Höhlen, eigentlich waren 5 Tage zu kurz. Auch das Essen war interessant, auch wenn ich eine lokale Spezialität, beer fish, nicht mochte, der schmeckte echt so modderig wie der Fluss teils roch, und anderes wie kleine Fluss-Schnecken und Krebse gar nicht erst probiert hab. Zum ersten Mal in meiner Zeit in China habe ich auch gesehen, wie ein Hund zum Essen vorbereitet wurde.

Anreise am Montag

Das Problem, frühmorgens ein Taxi zu bekommen, hat eine liebe Freundin kurzerhand für uns gelöst, in dem sie uns selbst durch den strömenden Regen zum Flughafen gefahren hat. Die Sicherheitskontrolle war streng und pingelig, danach war noch Zeit für einen Kaffee im Terminal 1, anders als bei den anderen Terminals war das Angebot von Restaurants und Shops ganz untypisch für China sehr überschaubar. Beim Boarding sind wir doch noch nass geworden, es ging mit dem Bus raus aufs Flugfeld und die Gangway war nicht überdacht. Zum Glück haben hinter uns gehende Chinesen ihren Schirm mit uns geteilt. Der Flug selbst war entspannt, und etwa eine Stunde vor Ankunft riss die Wolkendecke auf und machte den Blick auf grüne Hügel und Berge frei. Beim Anflug auf den Flughafen ging es ziemlich dicht an den Bergen vorbei.

Erste Eindrücke

Guilin empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, Hitze und Schwüle, wir wurden wie geplant durch eine Fahrerin abgeholt und dann ging es über überraschend leere Straßen nach Yangshuo, erste Gelegenheit, die steilen Karstberge, die auf total plattem Grund stehen zu bestaunen, erste Eindrücke vom ländlichen Guangxi. Kurz vor Yangshuo wurde es staubig: Straßenbauarbeiten, teils ging es über sandige Pisten weiter. Über die Hauptstraße ging es kurz durch Yangshuo, dann wieder raus aus der Stadt in das nördlich von Yangshuo gelegene Shi Ban Qiao: angekommen im Yangshuo Village Retreat.

Fix ausgepackt, erst im Hotelgarten noch einen Kaffee und dann haben wir den Hotel-Shuttle (Kleinbus mit Platz für 8 Gäste) in die Stadt hinein genommen und haben uns dann kreuz und quer durch die Stadt treiben lassen. Hotels, Restaurants und Shops ohne Ende, viele Baustellen und von fast überall Karstkegel in Sicht.

Li Jiang - Li River

Am Li Jiang

Am Ende sind wir am Fluss hängengeblieben. Wir haben uns dort hingesetzt und die Füße ins Wasser baumeln lassen und die Aussicht genossen. Später sind wir zu Fuß am Fluss entlang zum Hotel zurückgegangen, hat auch nur 20 Minuten gedauert.

Li River bei Yangshuo

Spaziergang am Li River

Erster Eindruck: schon touristisch! Besonders die West Street und die angrenzenden Straßen, anstrengende pushy Verkäufer, aber es gibt auch ruhigere Ecken. Wie ein Örtchen an Mosel, Rhein oder Elbe, nur auf Chinesisch. Die Hauptattraktion ist und bleibt jedoch die Landschaft und das Panorama.

Donnerstag, schon unser letzter ganzer Tag in Yangshuo. Temperatursturz, nur 26 Grad und bedeckt, also wie geplant Radtour zum Mondberg bei Yangshuo. Erst lange die Hotelfahrräder ausprobiert, ausgesucht und eingestellt und dann mit noch viel Respekt durch den Stadtverkehr in Yangshuo. Aber als wir da dann durch waren und auf dem Radweg an der Landstraße waren, fiel der Stress komplett von uns ab und es war einfach schön, draußen zu sein, schnell voranzukommen und so viel dabei zu sehen, hören, riechen.

Entspannte Radtour

Es ging an vielen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen vorbei: verschiedene Höhlen, Indianerpfad, Reitgelegenheiten. Wir haben aber erst am Big Banyan Tree gestoppt. Der ist wohl sowas wie ein Nationalheiligtum, war aber glücklicherweise nur mäßig besucht.

Big Banyan Tree

Big Banyan Tree

Nachdem wir den durchaus beeindruckenden Baum umrundet hatten – 1400 Jahre alt? – sind wir weiter Richtung Mondberg geradelt.

Eintrittskarten gelöst, Fahrräder angeschlossen, ups peinliches Frauenthema… Premiere: ich habe zum ersten Mal nach über einem China-Jahr kapituliert und erfolgreich und unfallfrei eine chinesische Lochtoilette benutzt, ich habe es tatsächlich über ein Jahr lang geschafft, diese zu vermeiden – und werde das auch weiterhin nach Möglichkeit so halten.

Der Mondberg bei Yangshuo

Und dann ging es endlich auf den Mondberg. Ein schmaler Pfad mit vielen Stufen windet sich den Berg hoch; ja, da hab ich wieder meine überflüssigen Pfunde und Unsportlichkeit gemerkt, war ganz schön stolz auf mich, nicht schlapp gemacht zu haben. Aber der Weg war schon so schön, dass Aufgeben eh keine Option war. Und verglichen mit Treppaufkraxeln in Shilinxia eh ein Sandkastenspaziergang. :) Und viel weniger los, von daher nochmal so schön.

Mondberg

Der Mondberg bei Yangshuo

Durch dichten Bambuswald windet sich ein alter Pfad immer höher, zwischendrin viele Stufen. Da der Wald so dicht ist, merkt man gar nicht, wie hoch man schon ist, erst kurz vor dem Ziel hat man auf einmal einen phantastischen Blick über das Tal, durch das sich die Straße windet, und die umliegenden Berge. Dass die Ecke eine überlaufene Touri-Gegend sein soll, haben wir auf dem Mondberg jedenfalls überhaupt nicht gemerkt!

Drei Damen und Chang’e

Oben auf dem Mondberg waren drei sehr alte Frauen, die Kühltaschen mit Getränken und Postkarten mit hochgeschleppt hatten und dort zum Verkauf anboten. Aber kein bisschen pushy so wie die Nerv-Nasen in Yangshuos West Street, sondern zurückhaltender. Eigentlich waren wir ja selbst versorgt, uneigentlich waren die so nett, und haben sich auch so aufrichtig interessiert wirkend mit uns unterhalten (hat sich echt gelohnt, chinesisch zu pauken. Sie waren jedenfalls schwer beeindruckt, dass wir europäischen Nordmenschen die Legenden von Chang’e kannten, auch das hat mich auch noch mal bestärkt, auf jeden Fall weiterzumachen mit der Chinesischbüffelei), dass wir ihnen dann doch was abgekauft haben, Preis war auch ok und kein Wucher.

Die Aussicht oben war jedenfalls großartig, dieses halbrunde Loch in dem Berg ist auf jeden Fall auch ohne Mond-Geschichten schon faszinierend. Absolute Empfehlung, sich das einmal anzusehen!

Wir sind dann langsam den Berg wieder runter, das war echt zu schön so im Wald. Ich hab es nicht lassen können, und Bambus angefasst, war die erste Gelegenheit so in freier Wildbahn. Viel zu schnell waren wir wieder unten. Wir sind dann gemütlich wieder zurückgeradelt, wieder vorbei an den vielen Touri-Attraktionen: mehreren Höhlen – haben uns nicht interessiert, draußen schon viel Lärm und laut Bildern alles quietschbunt erleuchtet. Kleine Pferdeweiden, wo man im Kreis reiten – und vor allem Fotos hätte machen können. Eine Höhle mit Schmetterlingsshow, eine Höhle, wo man im Schlamm hätte matschen können. Restaurants ohne Ende.

Jedenfalls war das echt schön, durch diese Landschaft zu radeln. Irgendwie ist es unten ganz flach, und dann hat da jemand einfach diese Bergkegel hingesetzt. Dass die so grün bewachsen sind, kannte ich von Bildern, aber mir war nicht bewusst, welche Pflanzen das sind. Zum Teil irgendwelche Sträucher, aber eben viel Bambus und auch Palmen. Naja, ist halt subtropisch.

Schöner Abschluss im Hotel

Abends im Hotel gab es dann das vorbestellte organic Huhn, das mitsamt Knochen (aber ohne Kopf, Füße, Innereien, uff) in mundgerechte Stücke gehackt und dann zubereitet worden war, vor allem mit Ingwer, aber auch Paprika und Pilzen und Chili, hui, das war echt mal scharf, die Soße dicker und aromatischer als die in Peking üblichen Soßen, ein absolut toller Genuss nach einem erneut wunderschönen Tag in dieser Traumlandschaft.

An unserem dritten Tag in Yangshuo mussten wir früh aufstehen, denn es stand wieder eine Flußfahrt an, diesmal länger (5 Stunden) von Guilin nach Yangshuo. Auf dieser Flußfahrt passiert man an einer Stelle die berühmte Ansicht von der Rückseite des 20-RMB-Scheines, die ganze Gegend gilt ja als eine der schönsten Landschaften Chinas, wenn nicht der ganzen Welt. Entsprechend habe ich mich auf diese Tour gefreut – und auch im Nachhinein kann ich das nur empfehlen, wunderschön!

Die Hotelküche war so nett, uns trotz der frühen Stunde mit Kaffee und einem schlichten Frühstück zu versorgen und dann ging es los. Sobald Yangshuo hinter uns lag, waren die Straßen leer, ein ganz neues China-Fahr-Gefühl, die knapp 1,5 Stunden bis Guilin vergingen wie im Flug. In Guilin wurden wir am „Kreuzfahrthafen“ abgesetzt, wo wir dann von einer Reiseführerin eingesammelt wurden. Dies Schiff war größer als das vom Vortag, aber verglichen mit Hamburger Hafenfähren doch recht überschaubar. ;)

Li River Cruise

Auf dem Li River von Guilin nach Yangshuo

Der Lijiang windet sich zwischen den typischen Karstkegeln Richtung Süden, hinter jeder Kurve sieht es ähnlich und doch wieder ganz anders aus. Der Fluß ist auch hier erstaunlich flach, der Bambusdschungel reicht teils bis ans Wasser. Es ist drückend heiß, eine Weile fahren wir noch durch den Dunst, dann klart es auf und die Sonne kommt heraus. Da verdrücken sich dann auch fast alle Chinesen wieder nach unten, bloß keine Farbe oder gar Sonnenbrand kriegen (eigentlich clever, ich war abends schön pink…)

Und dann kam das 20-RMB-Panorama in Sicht! Allerdings haben die Chinesen da gar nicht das Oberdeck gestürmt, sondern waren noch mit Essen oder Mittagsschlaf beschäftigt. Apropos Essen, ich hab bisher immer nur über das schlechte Benehmen von Chinesen am Buffet gelesen, aber leider hat das gestimmt: Teller mit Berg vollgeschaufelt, Gier ist echt untertrieben, rücksichtslos drängelnd, kein Auge auf die Älteren, und am Ende war es dann echt zuwenig, dass es zu lauten Schreiereien kam, aber glücklicherweise fand sich noch zufriedenstellender Nachschub.

Außer uns war noch einige wenige weitere Langnasen mit an Bord: ein junger Franko-Kanadier, der mit seiner chinesischen Frau und den beiden zugehörigen Müttern gereist ist, ein junges Schweizer Pärchen und ein alleinreisender junger Spanier. Der war echt witzig, hat gefilmt wie ein Irrer, öfter auch sich selbst und das ganze laufend lustig kommentiert. Am Freitag am Flughafen haben wir ihn noch einmal wiedergetroffen, das war echt nett. Hier findet sich sein erstes China-Video, die lustigen Episoden von der Flußfahrt sind gar nicht dabei, mal sehen, ob er da noch nachlegt.

Westler waren also wieder in der absoluten Unterzahl – und auch wieder Fotomotiv… Soifz. Aber allmählich hab ich mich dran gewöhnt, wir haben dann auch mit einer Gruppe von Lehrerinnen posiert, die extra noch weitere bunte Tücher ausgepackt haben (die Bilder müssen ja ordentlich in Szene gesetzt werden). Ich glaube, am Ende haben wohl alle Chinesen ein Bild von uns gemacht… War jedenfalls echt schade, dass die 5 Stunden so schnell um waren, wobei ich am Ende wie gesagt auch etwas sonnenverbrannt war… Ups. Hatte ich schon erwähnt, dass es echt heiß war die ganze Zeit?

Ich würde jederzeit wieder nach Yangshuo fahren, und auch diese Flußfahrt immer wieder machen. Trotz chinesischen Touritrubels gibt es genügend ruhige Momente und Zeit genug, um Landschaft und Aussicht zu genießen, das war wirklich absolut wundervoll. Wenn es an Land nichts zu sehen gibt, dann auf dem Fluß, andere Ausflugsschiffe, kleine Bambusflösse, einmal hat ein Mann mit einem Bambusfluß, das über und über mit Obst beladen war, an unserem Schiff angedockt und echt viel Obst verkauft, man sieht Wasserbüffel, Kleintiere, Vögel, der Schiffsdiesel tuckert leise vor sich hin, man hört das Wasser rauschen, die Vögel zwitschern, es riecht feucht und „grün“ (achja, das geht einem nach ein paar Tagen im Pekinger Stinkesmog gerade wirklich ab…).

Ich hätte noch ewig weiterfahren können, aber leider endete die Fahrt unweit des Platzes, wo wir am Montag am Wasser gesessen haben. Wir sind dann voll mit Eindrücken langsam am Fluß entlang (und nur das letzte Stück vom Fluss weg, ein Stück den Berg hoch) zum Hotel zurückspaziert.

Abends sind wir zum Essen in die Stadt, haben uns vertüddelt und sind durch die übervolle West Street (DIE Touristraße mit 10000 Tourifallen und extrem nervigen, lästigen, aufdringlichen Verkäufern) gekommen. Zwei Ecken weiter war es wieder ruhiger und viel netter. Abendessen war ok, aber im Hotel war es soviel besser, dass wir beschlossen haben, für den nächsten Abend das ganze Bio-Huhn von der Hotelkarte zu bestellen.

Die letzten beiden Tage vor dem Rückflug nach Peking verbringen wir in Sydney. Der Abschied von Bulwarra und besonders von Malcolm und Judy fällt uns schwer, und schließlich wischt Malcolm sich über die Augen und scheucht uns los, bevor wir alle noch richtig losheulen.

Es hat frühmorgens tatsächlich etwas geregnet, zu kurz und nicht genug, aber das Grau passt zu unserer Abschiedsstimmung.

Immer etwas zu sehen

Wir fahren über schmale Landstraßen zunächst noch eine Weile durch unser „australisches Auenland“. Weniger grün als das neuseeländische Vorbild, deutlich heißer, aber so sanft und friedlich und dabei doch abwechslungsreich. Dann wird die Landschaft einerseits flacher, andererseits ragen große Felsformationen vor uns auf – da geht es zum Wollemi-Nationalpark.

Einen kurzen Stopp machen wir dann beim „Pearsons Lookout“ und werfen einen Blick auf das atemberaubende Capertee Valley – eine Schlucht, die länger und breiter als der Grand Canyon ist.

Capertee-Schlucht

Von Lithgow aus geht es dann über die B59 durch die Blue Mountains in Richtung Sydney. In den ersten Vororten packt mich prickelnde Vorfreude. Wir müssen erst ein Stück in die Stadt hinein fahren, um dann wieder Richtung Norden in Richtung Mosman/Manly nach North Head zu fahren. Das Navi hat die neuesten Baustellen und Änderungen nicht mitbekommen, was uns eine erste Extratour mitten in das Herz von Sydney mit Blick auf Oper und Harbour Bridge beschert, bis wir schließlich doch auf der richtigen Straße landen.

Q-Station in Manly

Ich hab mir die Finger wund gegoogelt auf der Suche nach einer schönen, besonderen, aber trotzdem bezahlbaren Unterkunft und bin auf die Q-Station gestoßen. Dabei handelt es sich um die ehemalige Quarantäne-Station auf der Landzunge North Head. North Head gehört zum Stadtteil Manly und ist die nördliche der beiden Landzungen, die die Einfahrt zu Sydneys natürlichem Hafen, Port Jackson, markieren. North Head zählt heute zum Sydney Harbour National Park.

Manly gefällt uns schon beim Durchfahren, es geht gefühlt in jeder Richtung zu einem Strand, oft sieht man auch Wasser, ein überschaubares Zentrum, vorbei am Kai, wo die Fähren anlegen und dann geht es steil bergauf. Moderne Villen wechseln sich mit Altbauten ab, es geht vorbei an einem stillgelegten Hospital und dann folgt die Ausschilderung in Richtung North Head und Q-Station. Ein steinernes Tor überspannt die Zufahrt, und vor uns hat ein Wohnmobil gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass es dafür zu hoch ist, die Leute steigen aus und sind irritiert. Wir setzen zurück, das Wohnmobil setzt zurück und fährt dann auf der rechten Spur am Tor vorbei. Später sehen wir ein winziges Schild am Tor, das genau das anweist.

Ein schöner Flecken

Der Weg verzweigt sich noch einmal, wir folgen der Beschilderung zur Q-Station und fahren auf den großen Parkplatz. Auf dem Gelände selbst fahren ausschließlich kleine Shuttle-Busse. Das ist nicht nur angenehm, dass es auf dem ganzen Gelände damit praktisch keinen Autoverkehr gibt, sondern es erklärt sich auch durch die schmalen, steilen Straßen. Wir checken ein, nehmen unseren Übernachtungskoffer und werden mit dem Shuttlebus zu unserem Gebäude gebracht. Unsere Suite befindet sich im Bereich der ehemaligen Erste-Klasse-Quartiere und hat von der Veranda einen wunderschönen Blick auf Wasser und Stadt.

Wir erkunden das Gelände, auf dem es von Tieren nur so wimmelt, viele Papageien und Seevögel, noch mehr Kaninchen und mit Anbruch der Dämmerung Bandicoots – Nasenbeutler. Eine steile Treppe führt hinunter zum Strand. Später fahren wir nach Manly, erst mit dem Shuttlebus zum Parkplatz, dann mit dem eigenen Auto  und finden ein wirklich tolles italienisches Restaurant mit Blick auf Wharf und Wasser, wo wir dann auch am Tag drauf wieder Essen gehen. Auf dem Rückweg besorgen wir noch Getränke und verbringen den Rest des Abends mit einem guten Glas Weißwein auf der Veranda und genießen die Aussicht.

Q-Station

Auf und am Wasser

Als ich am nächsten Morgen auf die Veranda trete: Schrecksekunde. Wo ist Sydney? Alles versinkt im dicken Nebel. Zum Glück löst der sich schnell auf.

Ist es mein Hamburger Blut, das mich Hafenstädte so lieben lässt?
Ist es einfach der Sonnenschein, sind es die freundlichen Menschen?
Ist es der Geschmack von Salz auf den Lippen?
Ich fand Sydney vor zwei Jahren schon wunderbar, und ja, es ist ein wirklicher Sehnsuchtsort für mich.

Meine Sightseeingmuffelmänner wollen den kommenden Tag in der Q-Station verbringen, also ziehe ich ohne die drei los. Ich hatte vorher schon den Fahrplan der Fähren studiert und bin pünktlich unten am Anleger. Ein paar Mal am Tag hält die Schnellfähre zwischen Circular Quay und Manly auch am Anleger der Q-Station (und an vielen weiteren Anlegern, das ist dann schon keine kleine Hafenrundfahrt mehr), da will ich mit. Die Fähre fährt erst noch nach Manly und stoppt dann auf dem Rückweg noch einmal an der Q-Station, aber ich darf direkt mitfahren und bekomme so einen Platz in der ersten Reihe auf dem Oberdeck – ein Traum.

Manchmal wird einem erst klar, dass man etwas ganz schrecklich vermisst, wenn man es wieder hat.

Ja, ich vermisse die Fahrten mit den Hamburger Hafenfähren – und bei Wärme und Sonnenschein, richtigem Wohlfühlwetter, leichte Brise auf einer Fähre in Sydney zu sitzen, das war phantastisch. Was soll ich sagen, ich bin fast den ganzen Tag mit der Fähre unterwegs gewesen… Es gibt so unfassbar viel zu sehen: Schiffe und Boote, Segler, Surfer und Paddler, immer wieder Strände, die einen ruhig und beschaulich, die anderen trubelig. 

Auf der Fähre

Das irre Gefühl, die Oper und die Harbour-Bridge wieder zu sehen – es ist fast ein bisschen unwirklich, aber ich schmecke es am Salz auf den Lippen, dem warmen Gefühl der Sonne auf der Haut: ich bin wirklich hier.

Es ist so schön

Die Fähre fährt am Taronga Zoo (dem Schwester-Zoo des Taronga Western Plains Zoo) vorbei. Am Circular Quay kann man ein Kombiticket kaufen und setzt dann mit der Fähre zum Zoo über, wo es dann mit einer Seilbahn hinaufgeht. Hier steigen viele Leute ein und aus, aber es gibt so viel zu sehen. Ein kleiner Strand, davor einige Yachten, kreischende Kinder, die ins Wasser springen, Damen, die ihre eleganten Sonnenhüte festhalten und trotz der frühen Stunde am Cocktailglas nippen, Männer, die ihren Bauch einziehen und laut lachen – es ist ja auch ein perfekter Sommersonnentag.

Am Circular Quay steige ich dann doch aus. Wieder sind überall Straßenkünstler, die Musik unterstreicht die sommerliche Atmosphäre. Ein Duft nach Fish und Chips hängt in der Luft. Ich spaziere am Kai entlang, entdecke den „Writers Walk“, kaufe mir frisches kaltes Wasser und schlendere zur Oper hinüber und wieder zurück. Immer wieder neue Aussichten auf das Wasser und die Stadt, viel Trubel an Land und auf dem Wasser.  

Nochmal, nochmal, nochmal

Schließlich nehme ich die Fähre zurück zur Q-Station und bin fast enttäuscht, als ich dort wieder ankomme. Aber ich hab ja Familie, da muss ich doch auch mal nach gucken. Der Familie geht es allerdings hervorragend. Zusammen fahren wir das kurze Stück nach Manly hinein und – ungeahnter Aktivitätsdrang bei den Herren – wir fahren noch einmal gemeinsam mit der Fähre zum Richtung Circular Quai, jetzt aber mit der Direktverbindung. Zusammen bummeln wir in Richtung Oper, verweilen bei ein paar Straßenkünstlern, die im Schatten unter der Metro akrobatisch angehaucht tanzen, schlendern weiter, es gibt noch ein Eis für die Kinder und irgendwann geht es doch zurück nach Manly.

Wir gehen ein Stück am Manly Beach entlang – da ist der offene Pazifik mit schöner Brandung. Abendessen gibt es noch einmal bei dem großartigen Italiener, dann geht es zurück zum Hotel. Bis ich vor Müdigkeit fast vom Stuhl falle, bleibe ich draußen sitzen und sauge die Wärme in mich auf. Meinem Mann wird es bei 24 Grad (!) irgendwann zu kalt… 

Dankbar

Am nächsten Morgen genießen wir noch mal das Frühstück und fahren dann zum Flughafen. Autoabgabe klappt trotz Beule reibungslos, hat sich wirklich gelohnt, die Versicherung „mit alles“ zu nehmen. Beim Check-In gibt es mal wieder Probleme: Namen mit Umlauten sind einfach blöde, Nullen und Os in den Passnummern ebenso. Aber schließlich bekommt der freundliche Mitarbeiter das mithilfe seines Supervisors doch noch hin, schade, wir dürfen nicht da bleiben… Der Flieger hat Verspätung, schlecht für unser Portemonnaie, gut für die Kuscheltiersammlung… Wie vor zwei Jahren ist auch diesmal ein Lehrer von Nummer 4 mit an Bord, kleine Welt! Die Landung in Peking war die ruppigste, die ich je erlebt habt, und ähnlich holprig war mein Wiederankommen in China. Aber inzwischen geht es, sind ja mittlerweile auch schon auch fast zwei Wochen wieder hier. 

Seit Teeniezeiten habe ich von Australien geträumt, und jetzt ist dieser Traum sogar schon zweimal in Erfüllung gegangen. Überhaupt habe ich, seit wir in Peking leben, mehr von der Welt gesehen, als ich je für realistisch gehalten hätte.

Das Großartige ist, dass wir mit Malcolm und Judy jetzt auch Freunde in Australien haben, fühlt sich gut an. Nach Sydney und auch nach Bulwarra/Dubbo würde ich jederzeit gerne zurückkehren, genauso gern aber noch mehr von Australien – und der Welt – entdecken. Man weiß ja nie, was kommt, aber wünschen kann man es sich ja. :)

Auf halber Strecke zwischen unserer Farm und Dubbo liegt der Taronga Western Plains Zoo, und Silvester und Neujahr waren wird dort. Kurz.  ;) 

Rückblick: Wir haben viele Jahre in der Nähe von Hagenbecks Tierpark gewohnt, hatten Jahreskarten. Ausdauernde, lange Zoobesuche. Dauernd.

Gegenwart: Der, dessen Name nicht genannt wird, findet in Australien knapp 40 Grad zu heiß für mehr als 3 Stunden Zoobesuch. Und das, obwohl man sich in diesem Zoo im eigenen Auto bewegen kann. Im klimatisierten PKW. Mit Getränken. Vor den Gehegen befinden sich Parkplätze, wenn man nicht will, läuft man zu keinem Zeitpunkt weiter als 100 Meter, und nur im Ausnahmefall steht man in der prallen Sonne.

Speed-Dating mit Viechern

Bongo

Bongo

Nur der Dackelblick des Jüngsten und dessen inniger Wunsch, doch noch die Bongos zu sehen, ermöglicht einen zweiten Besuch am Neujahrstag (Ticket gilt dort immer für zwei aufeinanderfolgende Tage) – ganze großzügige 20 Minuten wurden gewährt, und auch nur für die Bongos. Die fand nicht nur der Junior sehenswert: irgendwie seltsam proportionierte Antilopenart mit schön gemustertem Fell.

Wenn man den, dessen Name nicht genannt wird, kennt, weiß man übrigens, dass 20 Minuten für alles reichen – Sommerpalast, Mauer, Verbotene Stadt… Ein Grund dafür, dass ich gerne allein auf Reisen gehe…

Ok, zu Voldepapas Entschuldigung sei angeführt, dass man ja nicht unbedingt nach Australien fährt, um sich (überwiegend) afrikanische Zootiere anzusehen. Die Redneck-Wallabys im Zoo waren zwar sehr niedlich, aber wir hatten unsere täglichen Swamp Wallabys und andere Kängurus frei Haus. ;) Dazu Papageien, Kakadus, große und kleine Eidechsen, mal abgesehen von einer Fantastillion verschiedener Insekten. Die meisten Tiere im Zoo haben irgendwo im Schatten gelegen und  geschnarcht.

Zu meiner Entschuldigung, dass ich nicht selbst mit den Kurzen noch mal für länger hin bin: ich hab leider Probleme mit dem Linksverkehr, an jeder Kreuzung hab ich so einen Knoten im Kopf, dass ich mich lieber auf den Beifahrersitz beschränkt habe, um den Fahrer anzupflaumen, wenn der mal wieder die Spur nicht halten kann und zu weit links fährt…

Und vielleicht hat uns auch das Schild: „Achtung, hier gibt es Schlangen auch außerhalb der Gehege“ ein bisschen Respekt eingeflösst…

Der Zoo ist jedenfalls sehr schön angelegt. Die Gehege wirken groß und gut gepflegt, und soweit wir als Laien das beurteilen können, geht es den Tieren gut. Bei der Hitze ist es wirklich nicht empfehlenswert, zu Fuß da durch zu spazieren. Es gibt ein paar Imbissbuden, die auf uns nicht besonders einladend gewirkt haben, also unbedingt an ausreichend Getränke denken. Man könnte Fahrräder leihen – nicht viel besser als zu Fuß – oder Golfwagen im schicken Zebralook. Für uns als Tuktuk-Besitzer jetzt nicht so der Wow-Faktor, vor allem nicht für 70 australische Doller für drei Stunden. Hätten wir zwar trotzdem gerne gemacht, waren aber leider schon wenige Minuten nach Öffnung des Zoos alle verliehen. Den Eintrittspreis (20% Rabatt bei Online-Kauf, Familienticket 2 Erwachsene/2 Kinder 122 AUD für zwei aufeinanderfolgende Tage) fand ich fair. 

Fotos

Anders als bei meinen Solo-Reisen mit viel Sightseeing gibt es diesmal nicht so viel zu erzählen und zu zeigen – das gibt unser wunderbares Nichtstun nicht her. Wobei – ein bisschen Erzählenswertes gibt es doch:

Kängurus gehen immer, oder? Die haben uns jeden Tag „Hallo“ gesagt.

Hallo, sagte das Känguru
„Hallo!“, sagte das Känguru…

Auf dem Weg zum Einkaufen sind wir gelegentlich Umwege gefahren. Das sah dann so aus:

Irgendwo bei Dubbo
Irgendwo bei Dubbo

Oder so:

Achtung!
Achtung!

Seht Ihr das tiefe Loch rechts? Und die Äste links?
Nicht? Wir auch nicht bzw. erst zu spät. Zum Glück hat sich der Fahrer, dessen Name nicht verraten wird, für links ausweichen entschieden. Die kleine Delle an der Beifahrertür ist zwar nicht schön, aber wenn die Karre aufgesetzt wäre und nicht hätte weiterfahren können, hätten wir ein Problem gehabt: kein Handyempfang und nur leere Pfandflaschen im Kofferraum – kein Wasser dabei…

Weihnachten light – Weihnachten perfekt?

Ganz australisch war für uns der 24.12. ein ganz normaler Tag, am 1. Feiertag haben wir ausgeschlafen (okay, das haben wir eh die ganzen Ferien über). Vor zwei Jahren hatte uns Judy zum Weihnachtsessen eingeladen, diesmal waren wir dran. Keine Überraschung: wir haben gegrillt. Rein äußerlich mag es alles ganz unweihnachtlich gewesen sein, kein Baum, keine Geschenkorgie, kein Küchenterror – und genau deshalb war es richtig schön weihnachtlich.

Am zweiten Feiertag – Boxing Day – sind wir in die Stadt gefahren und hatten Trubel erwartet, Geschenkeumtausch, Gutscheine und Geldgeschenke investierende Leute – aber nein, es war alles halb leer und entspannt, sehr angenehm.

In der Nähe von Wellington (nicht das in Neuseeland ;) ) haben wir zur Freude des Jüngsten die beiden Viecher gefunden:

Alpakas in der Nähe von Wellington
Alpakas in der Nähe von Wellington
Voll im Trend: Alpakas
Voll im Trend: Alpakas

Silvester – Sturm

Auch mit Faulenzen verging die Zeit viel zu schnell, und schon war Silvester. Tagsüber waren wir im Zoo – dazu wird es noch einen extra Blogartikel geben -, abends wollten wir Grillen und uns das Familienfeuerwerk von unserem Hügel aus ansehen. Irgendwann am frühen Abend gucke ich von meinem Buch hoch und sehe das:

Sandsturm im Anrollen!
Sandsturm im Anrollen!

Huch? Und das kam dichter….

Sandsturm in Dubbo
Sandsturm in Dubbo

Schnell haben wir noch alles, was wegzufliegen drohte, nach drinnen gebracht, und dann steckten wir mitten drin. Skandal, das waren ja Pekinger Feinstaubverhältnisse…

mitten im Sandsturm
Mitten im Sandsturm

Der Sandsturm hatte direkt noch ein kleines Gewitter im Schlepptau, keine eineinhalb Stunden vor dem Start wurde das Feuerwerk sicherheitshalber abgesagt. Nach etwa zwei Stunden war das Wetter-Spektakel vorbei, gegrillt wurde dann nur noch eine Kleinigkeit, Glotze angeworfen und die Silvesterparty der ARD von ABC „New Year’s Eve 2018 – The Night Is Yours“ nebenher laufen lassen. Das war der einzige Abend, an dem ich nicht bis zum Schlafengehen draußen war – der Sturm hat zahlreiche Singzikaden aus dem Bäumen geschüttelt. Und als es mir eines dieser fingerlangen Krabbelviecher auf die Schulter geweht hat, habe ich mich geschüttelt und bin mit den Kindern nach drinnen geflüchtet… Die Kinder haben sich dann auch ins Neue Jahr geschlafen. Für uns gab es dann doch noch Feuerwerk: Sydney – im TV! ;)

Ich wünsche schöne Feiertage gehabt zu haben und ein glückliches Neues Jahr!

Wir sind seit Sonntag zurück in Peking. Noch ist es schwer, hier wieder richtig anzukommen, dabei hat die Schule gestern schon wieder angefangen. Es ist nur so schrecklich kalt… Ich friere! Heute fange ich mal an, von unserem Australien-Urlaub zu erzählen.

Peking-Kontrastprogramm

Wir haben die Weihnachtsferien in Australien im zentralen New South Wales in der Nähe von Dubbo verbracht, dort, wo wir vor zwei Jahren schon einmal eine tolle Zeit hatten: Bulwarra. Für australische Verhältnisse sicher noch eine bevölkerte Gegend, aber für uns das perfekte Peking-Kontrastprogramm und geradezu einsam! Australien hat insgesamt weniger Einwohner als Peking! Wir haben Winter gegen Sommer getauscht und hatten statt Minusgraden fast 40 Grad Plus, dazu gute Luft und Sonne satt. Oben von unserem Hügel Aussicht in alle Himmelsrichtungen, kein Hochhaus verstellt den Blick. Kein Straßenlärm, dafür Grillenkonzert und Vogelgezwitscher. Eine Sprache, die wir alle gut verstehen und selber sprechen können, Schilder, die wir lesen können. Und alles ganz dicht an der Natur. Ein Traum, wir wären gerne dort geblieben.

Auch hier bleibt die Zeit nicht stehen

Wiedersehensfreude bei der Ankunft, unsere Gastgeberin Judy und ihr Partner Malcolm haben sich gar nicht verändert! Aber die Hunde: Blaze ist erwachsen geworden, hört jetzt aufs Wort. Der kleine, dicke Shelby ist der neue Boss, denn leider sind zwei der Hunde verstorben, Ex-Chefin Milly an Altersschwäche, und Riley wurde eine Woche vor unserer Ankunft vermutlich von einer Schlange gebissen und lag tot im Garten. Ausgerechnet Riley, der doch eigentlich der Schlangenverscheucher war. Aufgrund der langen Trockenheit gibt es deutlich mehr Schlangen, die auf der Suche nach Futter immer dichter an Häuser herankommen. Judy hat ein Ultraschall-Abwehrsystem installiert, aber trotzdem hat sich einmal während unseres Aufenthalts eine braune Schlange in den Garten getraut – und wurde zum Glück von Shelby weggescheucht. Stryker, der Brahmanbulle, ist Geschichte – Huf gebrochen, da konnte er sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen.

Aufgrund von Behördenauflagen musste Judy den Pool abbauen – oder sie hätte einen Bademeister einstellen müssen, absolut überdimensioniert und illusorisch für so einen kleinen Betrieb. Dafür haben wir reichlich Gebrauch von den vielen Gartenschläuchen gemacht. Die Jungs haben quasi auf dem Trampolin geduscht… Damit der Rasen gleichmäßig gewässert wird, haben sie alle zwei Tage das Trampolin um ein paar Meter verschoben.

In Dubbo selbst gibt es inzwischen ein paar Leerstände, sowohl bei Geschäften als auch bei Wohnhäusern, andererseits sind das zentrale Einkaufszentrum am Dubbo Square und die neuere Orana Mall gut besucht.

Kängurus und Schießen

Dieses Mal haben wir deutlich weniger tote Kängurus am Straßenrand und viel mehr lebendige rings um Bulwarra gesehen – zu Klasse. Dösend unter Bäumen oder auch mal über die Straße hüpfend.

Kleinkaliber-Gewehr CZ 455
Kleinkaliber-Gewehr CZ 455

Wie versprochen hat uns Malcolm das Schießen beigebracht – auch ein Teil des australischen Landlebens. In unserem städtischen Alltag, egal ob in Deutschland oder China, brauchen wir das natürlich nicht. Wir haben den Umgang mit einer Repetierbüchse (CZ 455) gelernt, wie man die Patronen ins Magazin steckt, das Magazin in die Waffe schiebt, die Patrone lädt und die alte Hülle auswirft – vor allem aber auch die Vorsichtsmaßnahmen. Geschossen haben wir auf Plastikflaschen – und getroffen. Malcolm hat die Umgebung gut im Auge behalten, tatsächlich haben wir mit unserem Geballer eine Kängurufamilie aufgeschreckt, die dann an uns vorbei den Hügel hinunter gehüpft ist. Ich denke, wir haben alle vor allem Respekt vor Waffen mitgenommen. Zusätzlichen Respekt haben uns die Erzählungen einer Frau eingeflösst, die auf der Durchreise in Bulwarra übernachtet hat: sie hat in ihrem Leben vier Schusswaffenunfälle miterlebt, dreimal ist sie mit dem Schrecken davongekommen, als Waffen unbeabsichtigt losgegangen sind. Aber einmal hat sie sich selbst ins Bein geschossen – die Narbe sah fies aus. Von daher: sehr interessant, das einmal unter fachkundiger Anleitung ausprobiert zu haben, aber auch direkt mitzubekommen, wie gefährlich Waffen sind.

Entspannung und Erholung

Außer zum Schlafen waren wir praktisch ununterbrochen draußen. Spielen, lesen, nur Gucken und einfach gar nichts tun. Ein bisschen die Gegend erkunden. Der Sternenhimmel war wieder unglaublich – aber ich bin ein Schisser und habe mich nachts wegen der Schlangen nicht zum Fotografieren auf den Rasen getraut. Dafür sind die Frösche aus Judys kleinem Teich im Dunkel bis auf die Veranda gehüpft. Ab und zu kam auch mal eine Echse vorbei. Achja, lesen: Malcolm hat mir ein wunderschönes Buch über Sidney Kidman ausgeliehen: Kidman : the extraordinary life of Sir Sidney Kidman. Leider ist es derzeit nicht mehr erhältlich.

Hier folgen ein paar erste Fotos, demnächst erzähle ich mehr über den Taronga Western Plains Zoo, Sandstürme und anderes.

Fotos

Die Sommerferien gehen allmählich zu Ende und in ein paar Tagen starten die Jungs in ihr viertes Schuljahr in Peking – schon 7. und 8. Klasse. So mini sind meine „Minis“ also gar nicht mehr.

Eigentlich wollten wir diesen Sommer ein bisschen durch China reisen, uneigentlich war Männe unabkömmlich, und so waren die Jungs und ich in Hamburg und bei den beiden Omas. Die eine zieht mit beinah 80 Jahren aus dem Norden nach Bayern um und erfüllt sich damit einen Traum. Kurzfristig war es dann wohl aber doch ein wenig zu nervenaufreibend, also haben wir ein bisschen mit angepackt und für Ablenkung von all der Aufregung und dem Kummer beim Abschiednehmen gesorgt. Die Jungs wissen inzwischen nur zu gut, wie das mit dem Abschiednehmen so ist und haben ihre jeweils eigenen Strategien dafür gefunden – und konnten der Oma damit gut zur Seite stehen.

Heimat Hamburg

Zum Glück hat es diesen Sommer auch für einen Besuch an den Hamburger Landungsbrücken gereicht.

Hamburg

Auch ein Besuch bei meinem Bruder im Alten Land war drin. Das war ein richtig toller Abend, aber auch die Rückfahrt hatte ihre Highlights: wunderschöne Stimmung am Estesperrwerk.

Este-Sperrwerk

Wie bei den bisherigen Heimaturlauben war auch die Gefühlsachterbahn wieder dabei: Wiedersehensfreude und Abschiedskummer, manchmal innerhalb von wenigen Stunden. Man sollte meinen, es würde mit der Zeit leichter werden – wird es nicht. Und wie immer hat es auch diesmal nicht ausreichend Zeit für alle Lieben, Freunde und Verwandten gegeben.

Zuhause in Peking

Deutschland fühlt sich inzwischen ganz merkwürdig an: einerseits ist alles vertraut, andererseits sind wir nur zu Besuch – zuhause ist jetzt wirklich Peking.

Zurück in Peking haben wir uns trotzdem so schwer wie noch nie getan, in die Zeit und den Alltag wieder hineinzufinden, was eine Phase von Nachtaktivität zur Folge hatte – und mir noch mehr bewusst gemacht hat, dass meine beiden „Lütten“ jetzt keine kleinen Kinder, sondern (fast) Teenies sind. Da hier aber eher Weltuntergangswetter war und ein Wetterwarnung nach der anderen verbreitet wurde (Überschwemmungen, Erdrutschgefahr…), war das „Nachtleben“ aber auch in Ordnung.

Inzwischen ist der Jetlag Geschichte, wir schlafen wieder nachts statt tagsüber und die Phase des endlosen Regens scheint – hoffentlich – überstanden. Wir haben Geburtstage und Jahrestage gefeiert und huch, jetzt sind wir schon über drei Jahre in China. Alte Hasen!

Klimakatastrophe?

Vor fast zwei Wochen war nach chinesischem Kalender schon Herbstbeginn, nach dem gleichen Kalender ist erst Ende dieser Woche „Ende der Hitze“. Laut Wetterbericht bleibt uns die Hitze aber noch eine Weile länger erhalten. Da müssen wir ja zugeben, dass es hier zwar deutlich länger als in Deutschland heiß ist, aber dank der allgegenwärtigen Klimaanlagen doch erträglich – zumindest drinnen. Trotzdem, dass es so extrem nass ist, ist genau wie die große Trockenheit in Deutschland nicht normal. Weltweit unnormales Wetter – das ist schon beunruhigend. Mal sehen, wie die kommenden Jahre werden.

Vorfreude

Jedenfalls kann das neue Schuljahr jetzt starten, mal sehen, was und wen es mit sich bringt, wen wir neu kennen lernen, wen wir wiedersehen werden. Peking hat jedenfalls noch eine ganze Menge für uns zu bieten – wir sind gespannt.

Im Sommer 2000 wurde mir ein Kindertraum erfüllt. Oder wer hat nie von Disneyland geträumt? Oder als Baywatch-Fan (ups, geoutet…) mal selber dorthin… Wir sind minutenlang über Los Angeles geflogen, bis wir endlich landeten – die Ausmaße dieser Stadt sind wirklich riesig. Als ich dann nach Santa Monica kam, das war schon ein irres Gefühl. Völlig fremd und doch vertraut – dank Glotze…

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Santa Monica Beach, Venice Beach, Life Guard Headquarter….

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Und dann Queen Mary, Aquarium of the Pacific (toll!!!) und natürlich Disneyland!

Endlich mal Weiße Weihnachten – in Schweden, Smaland, Yttre Hätteboda!

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Einige Male hat es uns schon nach Viggja an den Trondheimfjord geführt – jedesmal perfekte Sommerferien!

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Auch im Sommer 2013 waren wir wieder in Jämtland, auch wieder in der Nähe von Åre: in Ottsjö am Ottsjön. Eine Stuga zum Wohlfühlen, mit phantastischem Blick auf See und Fjäll – perfekt. Viele Wasserfälle in der Nähe.

Ein ganzer See nur für uns

Baden ein Stückchen weiter, hinter Valadalen im Nulltjärn, ein See mit flach abfallendem Sandstrand, Kiefernwäldchen am Ufer und Fjällblick. Baumstämme lassen sich von den Jungs als Kanu umfunktionieren – und wie so oft hier im Norden: alles nur für uns. :)

Kurz mal raus und Zeit ganz für mich allein, Schiff, Meer und Norden – eine Minikreuzfahrt nach Oslo! Nichtstun, lesen (tolino quillt beinah über!), gucken, bummeln, Sightseeing in Oslo, chillen, kinderfrei – was hab ich mich dadrauf gefreut, vor allem auf die Einfahrt in den Oslofjord am Morgen! Ich war zwar mmer noch leicht erkältet und wenig bei Stimme (nicht so tragisch), die Wettervorhersage durchwachsen – alles nicht so wild, ich würde trotzdem alles geniessen!

Und dann war es so schön! Abschalten, Seele baumeln lassen, Lesen mit Blick auf’s Meer, Dänische Inseln, Oslofjord… In Oslo ein bisschen was sehen (vor allem: Vigeland-Skulpturenpark, Holmenkollen und Bygdøy, dort auch noch kurz im Fram-Museum).  Auf der Rückfahrt noch mal chillen und schon wieder zuhause…

Jederzeit wieder!

Die Minis und ich sind ein paar Tage nach Helgoland gefahren. Mit dem Katamaran nur 5 Stunden von Tür zu Tür. :)

Bis auf den Abreisetag hatten wir Superwetter, trocken, warm und überwiegend sonnig! Spaziergänge im Ober- und Unterland (viel schöner, wenn man vor oder nach den Tagestouristen unterwegs ist), Chillen und Spielen und Schwimmen am Strand. Lesen mit Rundum-Meerblick. Aquarium mit u.a. Katzenhaien, Petermännchen, Hummern, Plattfischen in allen Größen… Jeden Tag ein kurzer Bummel durch den Ort, lecker Eis futtern… Ein ganzer Tag auf der Düne: Südstrand, Baden mit Seehunden, Nordstrand mit Karibikfeeling. Eine perfekte kleine Auszeit.

Sturm

Ein kleines Abenteuer dann die Heimreise – nachts zog Ex-Hurrikan Bertha auf, stürmischer Wind und hoher Wellengang. SMS von der Reederei zum Frühstück: Katamaran bleibt in Hamburg. Nun mussten wir mit der Atlantis nach Cuxhaven und von dort mit der Bahn nach Hamburg. Der Kahn war ein stinkender Seelenverkäufer, 3 m Wellen sind nicht so ganz ohne, da waren viele Kotztüten im Gebrauch, kleine Schrecksekunde, als eine ältere Dame umgeworfen wurde und nicht wieder aufstand, nach kurzer Behandlung war sie aber wieder auf dem Damm. Jedenfalls waren wir schon ganz froh, als es ne Dreiviertelstunde vor Cuxhaven dann allmählich ruhiger wurde. Noch mehr in die Länge zog es sich dann, weil der Zug dann in Stade erstmal stehen blieb – Stellwerkfehler, nix geht mehr. Wir waren dann mal doppelt so lang unterwegs wie auf der Hinfahrt. Aber immerhin, bei den Kurzen ist es jetzt schon als Abenteuer abgespeichert.

Im Kopf bleiben jedenfalls auch ein paar wunderschöne Sommertage auf einer Insel, auf der es so klein wie sie ist, immer etwas zu tun gibt.

Wer mehr lesen mag: Abendblatt-Artikel

Wieder ein Schuljahr erfolgreich beendet, für Justus auch das Ende der Grundschulzeit – nun endlich Sommerferien. Die Minis und ich haben uns in den Norden verdünnisiert, bevor es dann Mitte August wirklich nach Peking geht… Aber solange geniessen wir noch das Fjäll, Licht und Luft und immer wieder Rentiere.
Nur die Mücken, die werden wir hier gerne zurücklassen!

 

bears… ;)

Leider ja!

Gestern war noch mal ein Traumtag, da passte einfach alles: Sonne, Besuch bei lieben Freunden, eine wunderbare Fahrt von Lofsdalen nach Ljungdalen über die Flatruet und zurück, reichlich Rentiere an und auf der Strasse, Stippvisite am Meteoritenkrater, vorbei bei den Kalendergubbarna (die aber alle vollständig bekleidet waren ;) ).

Heute ist schon unser letzter ganzer Tag hier, nur Franzi und Lucas fahren bereits heute Nachmittag mit der Inlandsbahn Richtung Süden.
Morgen geht es ganz früh los in Richtung Linköping, wo wir Jonas absetzen werden. Dann tuckern die Minis und ich noch mindestens bis Jönköping weiter. Dort werden wir irgendwo übernachten. Am Sonntag geht es dann gemütlich weiter nach Hamburg, wo wir dann den Papa am Flughafen einsammeln wollen.

Und dann ist wirklich Endspurt: letzte Visaangelegenheiten für die Minis und mich, bestimmt noch zwanzigmal die Koffer umpacken, auswiegen, umpacken… Vor Nervosität platzen, ob mit den Formalitäten alles rechtzeitig klappt. Bestimmt noch einige Besuche bei Freunden, Abschiedskummer inkluse – und dann ist Abflug! Schon oder endlich, je nach Stimmungslage, wobei inzwischen das endlich doch klar überwiegt.

Die Minis auf Klassenreise, Thomas schwer im Stress – gute Gelegenheit für mich, mit dem Schnellzug (350 km/h Spitze) nach Shanghai zu reisen. Der Weg zum Südbahnhof (Beijing Nan) hat halb so lang gedauert, wie die Fahrt nach Shanghaihongqiao, schlimmer Unfall auf der Jingmi, nichts ging mehr, selbst die Kinder waren 3 Stunden zur Schule unterwegs, so sind alle Klassenfahrten dann mit deutlicher Verspätung gestartet.

In Shanghai angekommen war es genauso heiß wie in Peking, nur schwül noch dazu. Der Taxifahrer war entzückend, liebt offensichtlich seine Stadt und platzte vor Stolz, als wir auf dem „elevated highway“ (wenn der ganze Verkehr nicht mehr auf eine Straße passt, baut man halt ein oder zwei Straßen oben drauf…) um eine Kurve bogen und das beeindruckende Panorama von Pudong vor uns lag. Fix im Hotel in Hauptbahnhofsnähe eingecheckt und dann auf Erkundungstour: zum Bund natürlich!

Der hat gut gefallen: ein bisschen Landungsbrücken, ein bisschen Disney, ein bisschen Science Fiction. Auf der einen Seite die alten Protzgebäude, auf der anderen Seite die neuen: bunt illuminierte Türme. Den Bund von Nord nach Süd und wieder zurück entlangspaziert, mit unzähligen Chinesen posiert und fotografiert worden (nein, ich seh nicht plötzlich wie ein Model aus, ich bin halt als Langnase wahnsinnig exotisch hier) und dann auf einen Taxifahrerbetrüger reingefallen und bevor es hässlich wurde zu viel bezahlt – selbst schuld, seit wann kommen in China reguläre Taxifahrer auf einen zu, ich hätte es wissen müssen…

Am nächsten Tag: warmer Regen. Im Jade Buddha Tempel aber nicht schlimm, da hätte ich ewig bleiben und gucken können. Durch den Regen mit neuerworbenem Schirmchen zur Metro geschwommen und zum Jewish Refugee Museum gefahren, dabei kurz in die Seitengassen gespäht, aber zu nass für nähere Erkundungen. Hab mich dann nochmal in Richtung Flussufer begeben, ziemlich leer und verlassen wirkende bunte hypermoderne Hochhäuser bestaunt, durch einen netten Park gebummelt, dort beinah versehentlich in eine Hochzeit geplatzt… Abends nett im „Lynn’s“ gegessen, gehobene Shanghaier Küche – sehr lecker. Noch einen Blick auf die schicke Fußgänger-Einkaufsmeile geworfen (Nanjing Road), dann aber durch eine ziemlich heruntergekommene, leicht unheimliche Gasse zur Metro und zurück ins Hotel.

Am Mittwoch war es wieder trocken, bin dann mit der Metro zum Renmin Square – Volksplatz. Allein die Metrostation sehenswert, eine Stadt unter der Stadt, und „voll“ und „wuselig“ in einer neuen Dimension.  Oben am Platz einen Blick von außen auf Shanghai Museum und Urban Planning Exhibition Centre geworfen, beides auf später vertagt und für 50 RMB eine 48-Stunden-Karte für „Hop on hop off“-Sightseeing-Busse und Fähre erworben und dann am Mittwoch und Donnerstag oben im Roten Doppeldecker alle Linien mit zahlreichen Unterbrechungen abgefahren, auf jeden Fall auch eine gute Idee, um von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu kommen. Zunächst hat es mich dann nach Pudong getrieben und dort hinauf in den „Flaschenöffner“ – World Financial Centre. Auch hier geht es nicht schlicht, sondern bevor es in den Lift geht, muss man noch ein Infofilmchen über den Bau ansehen, am Ende natürlich (?) mit einem durch die Öffnung fliegenden Drachen. Auch im Lift Glitzer-Funkel-Licht- und Sound-Effekte. Und dann endlich oben: Sch****, ist das hoch! Als ob das nicht reichen würde, ging es noch mal einige Etagen höher, wo ich dann feststellen musste: Glasfenster im Boden in über 420 m Höhe sind nix für mich, also bin ich lieber etwas weiter runter, was in Wahrheit auch immer noch über 400 m hoch war. Und dann Lachflash: Hightech-Klo mit Ausblick („pullern nur für Schwindelfreie“ ;). Endlich wieder unten (puh), und dann entspannt mit der Fähre wieder rüber auf die andere Flussseite. Ein bisschen Landungsbrückengefühl und doch ganz anders!

Am Yuyuan Basar länger gebummelt und geguckt, für den Yu Garden war es schon zu spät. Der Basar ist eine laute, quirlige, lustige Mischung aus Edel- und Ramschboutiquen, schönen Souvenirläden und Plastikkrempel, Futterbuden in allen Geschmacksrichtungen, mit allerlei gebrutzelten aufgespießten (Meeres-)Tierchen, diverse „steamed bun“ Buden. Da hab ich mich einfach mal an die mit der allerlängsten Schlange angestellt und richtig geraten: ausgesprochen lecker. Inzwischen war es dunkel, wieder mit dem Bus zum Bund und da zum Sightseeing-Tunnel. Wie muss eine Attraktion in China sein? Lichteffekte, Glitzer, Funkel… In verglasten Waggons fährt man durch den Tunnel nach Pudong rüber und wird dabei mit beknackten (Un-)Sinnsprüchen und Jean Michel Jarre für Arme beschallt und mit netten Lichteffekten unterhalten. Lustig, und da es da sonst auch keine Brücke in der Nähe gibt, ne gute Möglichkeit, um nach Pudong zu kommen, wo man in der Nähe des Pearl-Towers wieder rauskommt. Da „musste“ ich dann natürlich auch drauf – und der Blick im Dunkeln auf die hellerleuchtete Stadt hatte was. Natürlich gab es auch wieder verglasten Boden… *grusel*

Am Donnerstag wieder mit dem Bus zum Yu Garden. Eine sehr gepflegte, gut englisch sprechende Chinesin verwickelte mich in ein Gespräch, als sie dann aber meinte, der Yu Garten wäre ja viel zu überlaufen jetzt und wir könnten doch gemeinsam zur einer Teezeremonie gehen, hab ich mich fix vom Acker gemacht. Einmal auf Touristenbescheißer (der Taxifahrer am Montagabend) reinfallen reicht! Der Garten hat gefallen, erfreulich ruhig da und wenig Glitzer, eine hübsche Galerie mit schönen und unkitschigen Bildern und Kalligraphien, das war echt nett.

Danach ging es dann ins Shanghai Museum, wo ich ziemlich banausenartig relativ zügig durch bin, nur die Ausstellung von Minderheitentrachten, Qing- und Ming-Möbeln (ohne dass ich jetzt sowas wie Sachverstand vortäuschen könnte, aber ich glaube, ich mag Ming mit den klareren Linien und weniger Schnörkeln lieber) und einige Statuen hab ich genauer angeguckt. Danach in der Mittagshitze über den Platz, halb verdurstet einen großen Tee mit Eis runtergespült – was offenbar nicht klug war, ansonsten achte ich drauf, immer alles ohne Eis zu bestellen, jedenfalls wurde mir danach ziemlich flau, was blöd war, weil ich so das Shanghai Urban Planning Exhibition Centre nicht wirklich würdigen konnte. Trotzdem, das gigantische Stadtmodel ist wirklich sehenswert! Das Flau-Sein war lästig, also lieber ins Hotel zurück, war glücklicherweise nicht weit weg.

Am Freitag ging es dann schon wieder zurück. Der Bahnhof – bei der Ankunft nicht viel von gesehen – ist gigantisch, es war ziemlich voll, aber doch geordnet. Bemerkenswert die Anzeigetafel: nicht ein einziges „delayed“. Eine chinesische Großfamilie hat mich bestaunt und alle weiblichen Familienmitglieder haben ihre Arme neben meine gehalten, und ich war nur unwesentlich heller (naja, ist halt heiß und sonnig in Peking), was für große Heiterkeit gesorgt hat.

Ebenfalls bemerkenswert: nach den paar Wochen China in Peking schon das Gefühl des Nachhausekommens.

Shanghai hat mir jedenfalls gut gefallen, vom Nervenkitzel und der Aussicht oben in den Türmen, am Bund am Fluss entlang, die kleinen Gassen, hinter jeder Ecke wieder alles anders… Doch, da würd ich irgendwann gern mal wieder hin!

Das war er also, unser erster Heimaturlaub. Schön war es, aber auch anstrengend. Was ich nun gelernt habe: selbst wenn ich vorher gut plane (mit Hilfe einer Exceltabelle habe ich uns ein Programm gestrickt als ob wir auf Delegationsreise gingen…, um ganz viel in der knappen Zeit unterzubringen) – das ist so nicht gut für uns. Auch wenn ich mich über jeden einzelnen Besuch, jedes einzelne Treffen und Wiedersehen gefreut habe und auch traurig bin, dass wir nicht alle treffen konnten, die wir gern gesehen hätten: beim nächsten Mal müssen wir das anders machen. So viele Monate lassen sich einfach nicht in ein paar Urlaubstagen nachholen. So war das zu stressig und vor allem für die Jungs war es deutlich zu wenig an Ferienaktivitäten. Da sind sie schon Tausende von Kilometern geflogen, dann müssen sie nicht auch noch Hunderte von Kilometern in Deutschland abreißen… Wir brauchen also mehr unverplante Zeit, wo wir kind- und wetterabhängig spontan entscheiden können.

Hamburg war nur anfangs etwas fremd, aber bei allen sichtbaren Veränderungen doch unfassbar vertraut, liegt uns eben irgendwie im Blut. Heimat halt. Dennoch ein Eindruck aus dem Alltag (mein subjektiver, oberflächlicher): „die Pekinger“ wirken gelassener, ja sogar glücklicher, zufriedener als „die Hamburger“. Und in Hamburg dabei so ein Luxus: unser Garten, der im Regen nach Wald riecht. Trinkwasser aus allen Hähnen (sogar in den Klos…). Immer gute (!) Luft. Die Lebensmittelqualität. Alles so sicher, beinahe überreglementiert. Soviel Platz, alles so überschaubar, und *kicher* diese kleinen Stockungen nennt man Stau oder gar Verkehrschaos? Gab es nicht mal Aufregung um die Tanzenden Türme an der Reeperbahn? Ach was, das soll Hamburgs einziges „weird building“ sein? ;) Ich muss gestehen, dass mir hier in Peking zwischen all den Einheitskästen die verrückten Gebäude echt ans Herz gewachsen sind!

Naja, und Weltstadt Hamburg, Tor zur Welt: bitte überleg mal, wie das ist, wenn man am Flughafen ankommt und Euromünzen (!) für die Gepäcktrolleys braucht. Das hat mich so aufgeregt, dass ich ans Kundenbüro des Flughafens gemailt habe. Die Mail wurde unglaublich schnell beantwortet, damit konnten Punkte gutgemacht werden. Aber zwischen den üblichen netten Kundenservice-Floskeln dann die eigentliche Antwort:

Zum Thema Gepäckwagen können wir Ihnen mitteilen, dass ein Flughafen drei Möglichkeiten hat, seinen Kunden Gepäckwagen zur Verfügung zu stellen. Gegen Gebühr, kostenlos mit Pfand oder kostenlos ohne Pfand. Der Hamburg Airport hat sich für die Variante „kostenlos mit Pfand“ entschieden. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Ein Grund ist das Sicherheitsrisiko durch wild abgestellte Gepäckwagen, die eine Gefahr für Passagiere und Fahrzeuge am Flughafen darstellen. Wollte man alle Gepäckwagen sofort wieder einsammeln, entstünde ein nicht zu vertretender finanzieller Personalaufwand.

Ok, alles eine Frage der Prioritäten, und an dieser Stelle hat der Flughafen meiner Meinung nach die falschen Prioritäten gesetzt. So bleibt der erste Eindruck von Nicht-Euroland-Reisenden: nicht existenter Service. Freundliches Willkommen sieht anders aus! Wenn Abreisen netter als Ankommen ist: nicht gut!

Der Abschied fiel uns diesmal schwerer. Vermutlich war angesichts der großen Aufregung im August „wie wird unser Leben in Peking, werden wir uns dort wohlfühlen oder machen wir gerade einen Riesenfehler?“ fast kein Raum mehr für andere Gefühle, diesmal waren wir alle drei deutlich trauriger. Und wir wissen halt inzwischen, was uns hier im Vergleich mit Deutschland stört oder fehlt.

Glücklicherweise hat sich der Kummer angesichts der Verspätung des Flugs nach Amsterdam und dem damit verbundenen Risiko, es nicht rechtzeitig zum Anschlussflug nach Peking zu schaffen, schnell verzogen. Zeit hat zum Glück doch noch gereicht, diesmal keine lange Warteschlange bei der Passkontrolle und, zack, saßen wir schon im Jumbo nach Peking, das uns heute Morgen mit viel Sonne, Wärme und guter Luft empfangen hat. Alles schön grün, alles blüht. Schön, wieder zuhause zu sein.

Ulrike vom Bambooblog ruft zu einer Blogparade „Authentizität auf Reisen“ auf. In ihrem eigenen Artikel dazu finde ich mich an so vielen Punkten wieder, dass ich sagen könnte „Haken dran, fertig“. Aber das Thema geht mir immer weiter durch den Kopf, und so versuch ich doch mal, meine Gedanken dazu aufzuschreiben.

Alles gar nicht authentisch hier?

Als unser mittlerer Sohn zu Weihnachten hier zu Besuch war, schien er enttäuscht, weil „Peking nicht authentisch chinesisch“ sei. Sein Bild von China hat er sich allerdings im Freiwilligen Sozialen Auslandsjahr in einer Kleinstadt in Yunnan gemacht – klar, dass sich seine Erfahrungen von unseren in Peking sehr unterscheiden. Und dennoch ist beides China.

Wie könnte man sagen, dass die Hauptstadt Peking nicht authentisch chinesisch ist? Ist Berlin dann auch nicht authentisch deutsch? Deutschland ist doch auch mehr als Bayern und Neuschwanstein! Zu Peking gehören eben auch die Touristenmassen (sowohl die chinesischen als auch die internationalen), die zweisprachigen Ansagen der Metro, alle Küchen der Welt, Hutongs und Hochhäuser, Märkte und Mega-Malls etc… Und ist die Schickimicki-Chinesin in der Glitzerfunkel-Mall nicht genauso authentisch chinesisch wie der Jianbing-Verkäufer an der Straßenecke? Reichtum, Armut und ganz viel dazwischen, alles ganz echt hier. Nur Peking ist nicht Yunnan.
Und ja, wir leben hier in einem Ausländerwohnviertel, wo nur eine Handvoll Chinesen lebt – das ist wirklich nicht besonders chinesisch, aber doch authentisch für eine große Gruppe westlicher Ausländer in China.

Der Begriff authentisch scheint tatsächlich auch zu meinen: ist etwas so, wie ich es erwartet habe oder wie ich es gerne hätte?

Unser Sohn war von Yunnan sehr beeindruckt, es war für ihn eine großartige Zeit. Ich vermute, er hat gehofft, etwas davon hier wiederzufinden. Aber – siehe oben – Peking hat mit Yunnan genauso wenig zu tun wie Hamburg mit den Alpen. Ich glaube, was ihn hier gestört hat war, dass Peking verglichen mit Yunnan schon richtig international ist, dass es für Nichtchinesen inzwischen relativ leicht geworden ist, sich hier zurechtzufinden (Speisekarten mit Bildern (!) für uns Analphabeten, Wegweiser und Schilder zweisprachig).

Schild im Side Park

Schild im Side Park

Statt „das ist ja gar nicht authentisch chinesisch hier“ – was meiner Meinung nach nicht stimmt -, wäre „das ist so ganz anders als Yunnan“ vermutlich die richtigere Erwartung und Einschätzung gewesen. Aber wenn man sich nach Bergen am Ende der Welt und spektakulärer Natur sehnt und damit rechnet, als Langnase unglaublich exotisch zu sein und damit interessant, was die Möglichkeit zu vielen interessanten, wirklich authentischen Begegnungen eröffnet, dann muss man halt auch nach Yunnan fahren und nicht nach Peking. Jedenfalls hoffe ich, dass mir Sohnemann sein Yunnan noch zeigen wird!

Ist Authentizität wirklich ein sinnvolles Kriterium für die Reiseplanung?

Ob mir auf Reisen etwas gefällt, hängt nicht unbedingt davon ab, ob es authentisch ist. Ok, einem Spaßbad in Schweden kann ich echt nichts abgewinnen, wenn ich die Auswahl zwischen Hunderten von Seen habe, und die dann auch ganz für mich allein, da empfinde ich eine Tropenlandschaft als geradezu absurd. (Ich kann aber nachvollziehen, dass es Familien gibt, die nicht nur am 3. Regentag froh darüber sind.)
Sind Katthult oder Bullerbü (Gibberyd/Rumskulla und Sevedstorp/Pelarne) authentisch oder nicht? Ist mir egal, ich habe die Lindgren-Bücher und -Verfilmungen schon immer geliebt und dort zu sein, ein bisschen in die eigene Kindheit zurück und in die Geschichten einzutauchen, das waren tolle Erlebnisse. Der Ristafall (Glupa-Wasserfall von Ronja Räubertochter) ist auch ohne den Film-Bezug einen Ausflug wert und ein beeindruckender Flecken Erde (und nicht weit davon der Tännforsen erst recht.

Ristafallet

Ristafallet

Jetzt habe ich unseren Yunnan-Reisenden gerade gefragt, ob er damit einverstanden ist, dass ich so von ihm erzähle (ist er, sonst könntet Ihr das nun nicht lesen), da sagt er: „Lofsdalen! Hörbuch!“ Ich brauche fast eine Minute, bis der Groschen fällt:
Wir hören beim Autofahren fast immer Hörbücher. Im letzten Sommer lief bei uns zuerst Jules Verne (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde und In 80 Tagen um die Welt, von Rufus Beck super gelesen, hat allen gefallen). Kalle Blomquist haben wir nach kurzer Zeit ausgemacht – das war leider gar nicht nett gelesen, sondern zu meiner großen Enttäuschung altbacken und staubig. Müssen die Jungs nun doch die Bücher in die Hand nehmen und selber lesen.

Aber, um wieder auf das Thema zurückzukommen: Gregs Tagebuch, 9. Teil: „Böse Falle“, lief dann in Endlosschleife. In diesem Band verreist Greg mit seiner Familie. Ein Roadtrip durch Amerika, denn seine Mutter hat in ihrer Elternzeitung „Familienspaß“ gelesen, dass es total wichtig ist, als Familie im Urlaub gemeinsam authentische Erlebnisse zu haben. #rolleyes (Auch wenn ich das anders ausdrücken würde und der Tonfall im Hörbuch einem die Fußnägel hochrollt: Recht hat sie).Vater und Kinder der Familie sind nicht begeistert, und die Familie fährt dann auch von einer Katastrophe in die nächste. Wir hatten alle Bauchweh vor Lachen! – Und ich durfte mir vor jedem Ausflug anhören, ob wir denn da auch authentische Erlebnisse haben würden!

Tja, authentische Erlebnisse…

Für mich steht Authentizität also nicht wirklich ganz weit oben bei der Reiseplanung. Ich suche Natur, Landschaft, gerne mal einen spektakulären Ausblick oder auch einen beruhigend, ganz unaufgeregt-friedlichen. Kann man das vielleicht auch authentische Naturerlebnisse nennen? Aber selbst, wenn das nicht mehr 100% authentisch ist, weil die ehemals unberührte Natur gut erschlossen ist mit Wanderparkplätzen, befestigten Wegen, und weil da ein Windrad steht und dort eine Skipiste zu sehen ist und drüben der Weg für die Schneescooter– das ist der Lauf der Zeit. Genau, Zeit. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir „authentisch“ sagen und in Wahrheit „historisch“ meinen.

Trondheimfjord

Trondheimfjord

Wir haben aber inzwischen doch etliche, von uns als authentisch empfundene, im Gedächtnis bleibende Reiseerlebnisse gehabt. Einige wenige Beispiele:

  • Mit Thomas bin ich kurz nach der Wende die Ostseeküste bis nach Swinemünde und wieder zurück gefahren. An einem Abend in einem Landgasthof zwischen Wismar und der Insel Poel haben wir die Frau eines relativ bekannten Dissidenten kennengelernt. Thomas hat sich die halbe Nacht mit ihr unterhalten – aber ich habe diese Chance zum Teil verpennt, bin einfach irgendwann am Tisch eingeschlafen, obwohl das Gespräch wirklich tiefging, theoretisches, angelesenes Wissen mit persönlichen Erfahrungen lebendig werden ließ. Klar, dass ich das heute noch unter die Nase gerieben kriege und mich entsprechend ärgere! (Authentisch geht auch bei Reisen „um die Ecke“, dafür muss man nicht ans Ende der Welt!)
  • Am Trondheimfjord dem Lachsfischer auf dem Hof beim Ausnehmen der Lachse zu helfen und ein noch schlagendes Lachsherz in der Hand zu halten. Ein Schneehuhn von eben diesem Fischer geschenkt bekommen und es dann selber zu rupfen!
  • In Los Angeles mit dem Bus fahren, sich während der Fahrt auf Spanisch zu unterhalten und am 3. Tag als „welcome, crazy german tourist“ begrüßt zu werden. Touristin im Bus, wo gibt es denn sowas! ;)
  • Eine liebe Freundin in Ljungdalen besuchen und mit ihr beim Dorffest im Hemslöjd den stärksten Kaffee ever zu trinken und noch warme selbstgebackene Zimtschnecken zu essen und dann am Webstuhl noch einige Reihen an einem Gemeinschaftsprojekt mitwirken zu dürfen.
  • Für den Yunnanreisenden: 3 Tage wandern in der Tigersprungschlucht.
  • Und vielleicht ist es eine persönliche Marotte, vielleicht hat es doch etwas mit „authentischem Erleben“ zu tun: in Supermärkten in fremden Städten und Ländern den Einheimischen in die Einkaufswagen zu gucken: was kaufen sie?

Trondheimfjord

Denkmalgeschützter Hof am Trondheimfjord

Wenn ich mir das so ansehe, denke ich: Man kann authentisches Reisen nicht wirklich planen, egal, was Werbeprospekte und Co. versprechen mögen (was dort angepriesen wird: ist es inszeniert oder tatsächlich authentisch oder irgendwo dazwischen?). Die Momente, die im Gedächtnis bleiben, sind meist spontan, aus der Situation heraus entstanden. Einen Plan zu haben ist sicher gut, aber noch besser ist es, wenn man jederzeit bereit ist, vom Plan abzuweichen und Gelegenheiten zu nutzen. Solche Momente und Erlebnisse entwickeln sich wie gesagt oft aus einer Situation heraus. Und ja, wenn man individuell reist, ist die Chance auf solche Erlebnisse vermutlich größer, als wenn man Strandurlaub in einem Resort macht. Es war ein Riesenglück, dass wir Ingolf, den norwegischen Fischer, kennengelernt haben und uns auf Anhieb sympathisch waren, so dass er uns an seinem Leben teilhaben ließ. Sowas kann man nicht erzwingen oder planen, aber wenn es solche Gelegenheiten gibt, sollte man sie ergreifen und Plan Plan sein lassen. So werde ich meine/unsere Reisen weiterhin nicht mit dem Gedanken, möglichst viel Authentisches zu erleben zu planen, sondern mich weiterhin davon leiten lassen: was möchte ich sehen und erleben, was interessiert mich, was wollen die Kinder (ok, und Thomas auch) – und wenn sich dann Chancen auftun, will ich sie nutzen.

Liebe Ulrike, vielen Dank für den Anstoß durch Deine Blogparade über das Thema nachzudenken und in Erinnerungen zu schwelgen!