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Die Jungs waren in der letzten Woche auf Klassenreise, Männe musste arbeiten, also wie letztes Jahr wieder die Gelegenheit für mich, auf Reisen zu gehen. Diesmal ging es zusammen mit meiner finnischen Freundin in den Süden nach Yangshuo.

Es war echt unglaublich schön, es hat einfach alles gepasst, wir haben uns super verstanden, das Wetter hat mitgespielt und die Gegend ist atemberaubend, märchenhaft, wunderschön, exotisch, fremd, grün, … Die Menschen, die wir kennengelernt haben, waren fröhlich, freundlich, zugewandt, hilfsbereit. Es gibt so viele Möglichkeiten für Aktivitäten, es gibt so viel zu entdecken: kleine und größere Orte, die Landschaft, Höhlen, eigentlich waren 5 Tage zu kurz. Auch das Essen war interessant, auch wenn ich eine lokale Spezialität, beer fish, nicht mochte, der schmeckte echt so modderig wie der Fluss teils roch, und anderes wie kleine Fluss-Schnecken und Krebse gar nicht erst probiert hab. Zum ersten Mal in meiner Zeit in China habe ich auch gesehen, wie ein Hund zum Essen vorbereitet wurde.

Anreise am Montag

Das Problem, frühmorgens ein Taxi zu bekommen, hat eine liebe Freundin kurzerhand für uns gelöst, in dem sie uns selbst durch den strömenden Regen zum Flughafen gefahren hat. Die Sicherheitskontrolle war streng und pingelig, danach war noch Zeit für einen Kaffee im Terminal 1, anders als bei den anderen Terminals war das Angebot von Restaurants und Shops ganz untypisch für China sehr überschaubar. Beim Boarding sind wir doch noch nass geworden, es ging mit dem Bus raus aufs Flugfeld und die Gangway war nicht überdacht. Zum Glück haben hinter uns gehende Chinesen ihren Schirm mit uns geteilt. Der Flug selbst war entspannt, und etwa eine Stunde vor Ankunft riss die Wolkendecke auf und machte den Blick auf grüne Hügel und Berge frei. Beim Anflug auf den Flughafen ging es ziemlich dicht an den Bergen vorbei.

Erste Eindrücke

Guilin empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, Hitze und Schwüle, wir wurden wie geplant durch eine Fahrerin abgeholt und dann ging es über überraschend leere Straßen nach Yangshuo, erste Gelegenheit, die steilen Karstberge, die auf total plattem Grund stehen zu bestaunen, erste Eindrücke vom ländlichen Guangxi. Kurz vor Yangshuo wurde es staubig: Straßenbauarbeiten, teils ging es über sandige Pisten weiter. Über die Hauptstraße ging es kurz durch Yangshuo, dann wieder raus aus der Stadt in das nördlich von Yangshuo gelegene Shi Ban Qiao: angekommen im Yangshuo Village Retreat.

Fix ausgepackt, erst im Hotelgarten noch einen Kaffee und dann haben wir den Hotel-Shuttle (Kleinbus mit Platz für 8 Gäste) in die Stadt hinein genommen und haben uns dann kreuz und quer durch die Stadt treiben lassen. Hotels, Restaurants und Shops ohne Ende, viele Baustellen und von fast überall Karstkegel in Sicht.

Li Jiang - Li River

Am Li Jiang

Am Ende sind wir am Fluss hängengeblieben. Wir haben uns dort hingesetzt und die Füße ins Wasser baumeln lassen und die Aussicht genossen. Später sind wir zu Fuß am Fluss entlang zum Hotel zurückgegangen, hat auch nur 20 Minuten gedauert.

Li River bei Yangshuo

Spaziergang am Li River

Erster Eindruck: schon touristisch! Besonders die West Street und die angrenzenden Straßen, anstrengende pushy Verkäufer, aber es gibt auch ruhigere Ecken. Wie ein Örtchen an Mosel, Rhein oder Elbe, nur auf Chinesisch. Die Hauptattraktion ist und bleibt jedoch die Landschaft und das Panorama.

Anders als bei meinen Solo-Reisen mit viel Sightseeing gibt es diesmal nicht so viel zu erzählen und zu zeigen – das gibt unser wunderbares Nichtstun nicht her. Wobei – ein bisschen Erzählenswertes gibt es doch:

Kängurus gehen immer, oder? Die haben uns jeden Tag “Hallo” gesagt.

Hallo, sagte das Känguru
“Hallo!”, sagte das Känguru…

Auf dem Weg zum Einkaufen sind wir gelegentlich Umwege gefahren. Das sah dann so aus:

Irgendwo bei Dubbo
Irgendwo bei Dubbo

Oder so:

Achtung!
Achtung!

Seht Ihr das tiefe Loch rechts? Und die Äste links?
Nicht? Wir auch nicht bzw. erst zu spät. Zum Glück hat sich der Fahrer, dessen Name nicht verraten wird, für links ausweichen entschieden. Die kleine Delle an der Beifahrertür ist zwar nicht schön, aber wenn die Karre aufgesetzt wäre und nicht hätte weiterfahren können, hätten wir ein Problem gehabt: kein Handyempfang und nur leere Pfandflaschen im Kofferraum – kein Wasser dabei…

Weihnachten light – Weihnachten perfekt?

Ganz australisch war für uns der 24.12. ein ganz normaler Tag, am 1. Feiertag haben wir ausgeschlafen (okay, das haben wir eh die ganzen Ferien über). Vor zwei Jahren hatte uns Judy zum Weihnachtsessen eingeladen, diesmal waren wir dran. Keine Überraschung: wir haben gegrillt. Rein äußerlich mag es alles ganz unweihnachtlich gewesen sein, kein Baum, keine Geschenkorgie, kein Küchenterror – und genau deshalb war es richtig schön weihnachtlich.

Am zweiten Feiertag – Boxing Day – sind wir in die Stadt gefahren und hatten Trubel erwartet, Geschenkeumtausch, Gutscheine und Geldgeschenke investierende Leute – aber nein, es war alles halb leer und entspannt, sehr angenehm.

In der Nähe von Wellington (nicht das in Neuseeland ;) ) haben wir zur Freude des Jüngsten die beiden Viecher gefunden:

Alpakas in der Nähe von Wellington
Alpakas in der Nähe von Wellington
Voll im Trend: Alpakas
Voll im Trend: Alpakas

Silvester – Sturm

Auch mit Faulenzen verging die Zeit viel zu schnell, und schon war Silvester. Tagsüber waren wir im Zoo – dazu wird es noch einen extra Blogartikel geben -, abends wollten wir Grillen und uns das Familienfeuerwerk von unserem Hügel aus ansehen. Irgendwann am frühen Abend gucke ich von meinem Buch hoch und sehe das:

Sandsturm im Anrollen!
Sandsturm im Anrollen!

Huch? Und das kam dichter….

Sandsturm in Dubbo
Sandsturm in Dubbo

Schnell haben wir noch alles, was wegzufliegen drohte, nach drinnen gebracht, und dann steckten wir mitten drin. Skandal, das waren ja Pekinger Feinstaubverhältnisse…

mitten im Sandsturm
Mitten im Sandsturm

Der Sandsturm hatte direkt noch ein kleines Gewitter im Schlepptau, keine eineinhalb Stunden vor dem Start wurde das Feuerwerk sicherheitshalber abgesagt. Nach etwa zwei Stunden war das Wetter-Spektakel vorbei, gegrillt wurde dann nur noch eine Kleinigkeit, Glotze angeworfen und die Silvesterparty der ARD von ABC “New Year’s Eve 2018 – The Night Is Yours” nebenher laufen lassen. Das war der einzige Abend, an dem ich nicht bis zum Schlafengehen draußen war – der Sturm hat zahlreiche Singzikaden aus dem Bäumen geschüttelt. Und als es mir eines dieser fingerlangen Krabbelviecher auf die Schulter geweht hat, habe ich mich geschüttelt und bin mit den Kindern nach drinnen geflüchtet… Die Kinder haben sich dann auch ins Neue Jahr geschlafen. Für uns gab es dann doch noch Feuerwerk: Sydney – im TV! ;)

Die Sommerferien gehen allmählich zu Ende und in ein paar Tagen starten die Jungs in ihr viertes Schuljahr in Peking – schon 7. und 8. Klasse. So mini sind meine “Minis” also gar nicht mehr.

Eigentlich wollten wir diesen Sommer ein bisschen durch China reisen, uneigentlich war Männe unabkömmlich, und so waren die Jungs und ich in Hamburg und bei den beiden Omas. Die eine zieht mit beinah 80 Jahren aus dem Norden nach Bayern um und erfüllt sich damit einen Traum. Kurzfristig war es dann wohl aber doch ein wenig zu nervenaufreibend, also haben wir ein bisschen mit angepackt und für Ablenkung von all der Aufregung und dem Kummer beim Abschiednehmen gesorgt. Die Jungs wissen inzwischen nur zu gut, wie das mit dem Abschiednehmen so ist und haben ihre jeweils eigenen Strategien dafür gefunden – und konnten der Oma damit gut zur Seite stehen.

Heimat Hamburg

Zum Glück hat es diesen Sommer auch für einen Besuch an den Hamburger Landungsbrücken gereicht.

Hamburg

Auch ein Besuch bei meinem Bruder im Alten Land war drin. Das war ein richtig toller Abend, aber auch die Rückfahrt hatte ihre Highlights: wunderschöne Stimmung am Estesperrwerk.

Este-Sperrwerk

Wie bei den bisherigen Heimaturlauben war auch die Gefühlsachterbahn wieder dabei: Wiedersehensfreude und Abschiedskummer, manchmal innerhalb von wenigen Stunden. Man sollte meinen, es würde mit der Zeit leichter werden – wird es nicht. Und wie immer hat es auch diesmal nicht ausreichend Zeit für alle Lieben, Freunde und Verwandten gegeben.

Zuhause in Peking

Deutschland fühlt sich inzwischen ganz merkwürdig an: einerseits ist alles vertraut, andererseits sind wir nur zu Besuch – zuhause ist jetzt wirklich Peking.

Zurück in Peking haben wir uns trotzdem so schwer wie noch nie getan, in die Zeit und den Alltag wieder hineinzufinden, was eine Phase von Nachtaktivität zur Folge hatte – und mir noch mehr bewusst gemacht hat, dass meine beiden “Lütten” jetzt keine kleinen Kinder, sondern (fast) Teenies sind. Da hier aber eher Weltuntergangswetter war und ein Wetterwarnung nach der anderen verbreitet wurde (Überschwemmungen, Erdrutschgefahr…), war das “Nachtleben” aber auch in Ordnung.

Inzwischen ist der Jetlag Geschichte, wir schlafen wieder nachts statt tagsüber und die Phase des endlosen Regens scheint – hoffentlich – überstanden. Wir haben Geburtstage und Jahrestage gefeiert und huch, jetzt sind wir schon über drei Jahre in China. Alte Hasen!

Klimakatastrophe?

Vor fast zwei Wochen war nach chinesischem Kalender schon Herbstbeginn, nach dem gleichen Kalender ist erst Ende dieser Woche “Ende der Hitze”. Laut Wetterbericht bleibt uns die Hitze aber noch eine Weile länger erhalten. Da müssen wir ja zugeben, dass es hier zwar deutlich länger als in Deutschland heiß ist, aber dank der allgegenwärtigen Klimaanlagen doch erträglich – zumindest drinnen. Trotzdem, dass es so extrem nass ist, ist genau wie die große Trockenheit in Deutschland nicht normal. Weltweit unnormales Wetter – das ist schon beunruhigend. Mal sehen, wie die kommenden Jahre werden.

Vorfreude

Jedenfalls kann das neue Schuljahr jetzt starten, mal sehen, was und wen es mit sich bringt, wen wir neu kennen lernen, wen wir wiedersehen werden. Peking hat jedenfalls noch eine ganze Menge für uns zu bieten – wir sind gespannt.

Im Sommer 2000 wurde mir ein Kindertraum erfüllt. Oder wer hat nie von Disneyland geträumt? Oder als Baywatch-Fan (ups, geoutet…) mal selber dorthin… Wir sind minutenlang über Los Angeles geflogen, bis wir endlich landeten – die Ausmaße dieser Stadt sind wirklich riesig. Als ich dann nach Santa Monica kam, das war schon ein irres Gefühl. Völlig fremd und doch vertraut – dank Glotze…

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Santa Monica Beach, Venice Beach, Life Guard Headquarter….

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Und dann Queen Mary, Aquarium of the Pacific (toll!!!) und natürlich Disneyland!

Endlich mal Weiße Weihnachten – in Schweden, Smaland, Yttre Hätteboda!

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Einige Male hat es uns schon nach Viggja an den Trondheimfjord geführt – jedesmal perfekte Sommerferien!

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bears… ;)

Leider ja!

Gestern war noch mal ein Traumtag, da passte einfach alles: Sonne, Besuch bei lieben Freunden, eine wunderbare Fahrt von Lofsdalen nach Ljungdalen über die Flatruet und zurück, reichlich Rentiere an und auf der Strasse, Stippvisite am Meteoritenkrater, vorbei bei den Kalendergubbarna (die aber alle vollständig bekleidet waren ;) ).

Heute ist schon unser letzter ganzer Tag hier, nur Franzi und Lucas fahren bereits heute Nachmittag mit der Inlandsbahn Richtung Süden.
Morgen geht es ganz früh los in Richtung Linköping, wo wir Jonas absetzen werden. Dann tuckern die Minis und ich noch mindestens bis Jönköping weiter. Dort werden wir irgendwo übernachten. Am Sonntag geht es dann gemütlich weiter nach Hamburg, wo wir dann den Papa am Flughafen einsammeln wollen.

Und dann ist wirklich Endspurt: letzte Visaangelegenheiten für die Minis und mich, bestimmt noch zwanzigmal die Koffer umpacken, auswiegen, umpacken… Vor Nervosität platzen, ob mit den Formalitäten alles rechtzeitig klappt. Bestimmt noch einige Besuche bei Freunden, Abschiedskummer inkluse – und dann ist Abflug! Schon oder endlich, je nach Stimmungslage, wobei inzwischen das endlich doch klar überwiegt.

Das war er also, unser erster Heimaturlaub. Schön war es, aber auch anstrengend. Was ich nun gelernt habe: selbst wenn ich vorher gut plane (mit Hilfe einer Exceltabelle habe ich uns ein Programm gestrickt als ob wir auf Delegationsreise gingen…, um ganz viel in der knappen Zeit unterzubringen) – das ist so nicht gut für uns. Auch wenn ich mich über jeden einzelnen Besuch, jedes einzelne Treffen und Wiedersehen gefreut habe und auch traurig bin, dass wir nicht alle treffen konnten, die wir gern gesehen hätten: beim nächsten Mal müssen wir das anders machen. So viele Monate lassen sich einfach nicht in ein paar Urlaubstagen nachholen. So war das zu stressig und vor allem für die Jungs war es deutlich zu wenig an Ferienaktivitäten. Da sind sie schon Tausende von Kilometern geflogen, dann müssen sie nicht auch noch Hunderte von Kilometern in Deutschland abreißen… Wir brauchen also mehr unverplante Zeit, wo wir kind- und wetterabhängig spontan entscheiden können.

Hamburg war nur anfangs etwas fremd, aber bei allen sichtbaren Veränderungen doch unfassbar vertraut, liegt uns eben irgendwie im Blut. Heimat halt. Dennoch ein Eindruck aus dem Alltag (mein subjektiver, oberflächlicher): „die Pekinger“ wirken gelassener, ja sogar glücklicher, zufriedener als „die Hamburger“. Und in Hamburg dabei so ein Luxus: unser Garten, der im Regen nach Wald riecht. Trinkwasser aus allen Hähnen (sogar in den Klos…). Immer gute (!) Luft. Die Lebensmittelqualität. Alles so sicher, beinahe überreglementiert. Soviel Platz, alles so überschaubar, und *kicher* diese kleinen Stockungen nennt man Stau oder gar Verkehrschaos? Gab es nicht mal Aufregung um die Tanzenden Türme an der Reeperbahn? Ach was, das soll Hamburgs einziges „weird building“ sein? ;) Ich muss gestehen, dass mir hier in Peking zwischen all den Einheitskästen die verrückten Gebäude echt ans Herz gewachsen sind!

Naja, und Weltstadt Hamburg, Tor zur Welt: bitte überleg mal, wie das ist, wenn man am Flughafen ankommt und Euromünzen (!) für die Gepäcktrolleys braucht. Das hat mich so aufgeregt, dass ich ans Kundenbüro des Flughafens gemailt habe. Die Mail wurde unglaublich schnell beantwortet, damit konnten Punkte gutgemacht werden. Aber zwischen den üblichen netten Kundenservice-Floskeln dann die eigentliche Antwort:

Zum Thema Gepäckwagen können wir Ihnen mitteilen, dass ein Flughafen drei Möglichkeiten hat, seinen Kunden Gepäckwagen zur Verfügung zu stellen. Gegen Gebühr, kostenlos mit Pfand oder kostenlos ohne Pfand. Der Hamburg Airport hat sich für die Variante “kostenlos mit Pfand” entschieden. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Ein Grund ist das Sicherheitsrisiko durch wild abgestellte Gepäckwagen, die eine Gefahr für Passagiere und Fahrzeuge am Flughafen darstellen. Wollte man alle Gepäckwagen sofort wieder einsammeln, entstünde ein nicht zu vertretender finanzieller Personalaufwand.

Ok, alles eine Frage der Prioritäten, und an dieser Stelle hat der Flughafen meiner Meinung nach die falschen Prioritäten gesetzt. So bleibt der erste Eindruck von Nicht-Euroland-Reisenden: nicht existenter Service. Freundliches Willkommen sieht anders aus! Wenn Abreisen netter als Ankommen ist: nicht gut!

Der Abschied fiel uns diesmal schwerer. Vermutlich war angesichts der großen Aufregung im August „wie wird unser Leben in Peking, werden wir uns dort wohlfühlen oder machen wir gerade einen Riesenfehler?“ fast kein Raum mehr für andere Gefühle, diesmal waren wir alle drei deutlich trauriger. Und wir wissen halt inzwischen, was uns hier im Vergleich mit Deutschland stört oder fehlt.

Glücklicherweise hat sich der Kummer angesichts der Verspätung des Flugs nach Amsterdam und dem damit verbundenen Risiko, es nicht rechtzeitig zum Anschlussflug nach Peking zu schaffen, schnell verzogen. Zeit hat zum Glück doch noch gereicht, diesmal keine lange Warteschlange bei der Passkontrolle und, zack, saßen wir schon im Jumbo nach Peking, das uns heute Morgen mit viel Sonne, Wärme und guter Luft empfangen hat. Alles schön grün, alles blüht. Schön, wieder zuhause zu sein.

Ulrike vom Bambooblog ruft zu einer Blogparade „Authentizität auf Reisen“ auf. In ihrem eigenen Artikel dazu finde ich mich an so vielen Punkten wieder, dass ich sagen könnte „Haken dran, fertig“. Aber das Thema geht mir immer weiter durch den Kopf, und so versuch ich doch mal, meine Gedanken dazu aufzuschreiben.

Alles gar nicht authentisch hier?

Als unser mittlerer Sohn zu Weihnachten hier zu Besuch war, schien er enttäuscht, weil „Peking nicht authentisch chinesisch“ sei. Sein Bild von China hat er sich allerdings im Freiwilligen Sozialen Auslandsjahr in einer Kleinstadt in Yunnan gemacht – klar, dass sich seine Erfahrungen von unseren in Peking sehr unterscheiden. Und dennoch ist beides China.

Wie könnte man sagen, dass die Hauptstadt Peking nicht authentisch chinesisch ist? Ist Berlin dann auch nicht authentisch deutsch? Deutschland ist doch auch mehr als Bayern und Neuschwanstein! Zu Peking gehören eben auch die Touristenmassen (sowohl die chinesischen als auch die internationalen), die zweisprachigen Ansagen der Metro, alle Küchen der Welt, Hutongs und Hochhäuser, Märkte und Mega-Malls etc… Und ist die Schickimicki-Chinesin in der Glitzerfunkel-Mall nicht genauso authentisch chinesisch wie der Jianbing-Verkäufer an der Straßenecke? Reichtum, Armut und ganz viel dazwischen, alles ganz echt hier. Nur Peking ist nicht Yunnan.
Und ja, wir leben hier in einem Ausländerwohnviertel, wo nur eine Handvoll Chinesen lebt – das ist wirklich nicht besonders chinesisch, aber doch authentisch für eine große Gruppe westlicher Ausländer in China.

Der Begriff authentisch scheint tatsächlich auch zu meinen: ist etwas so, wie ich es erwartet habe oder wie ich es gerne hätte?

Unser Sohn war von Yunnan sehr beeindruckt, es war für ihn eine großartige Zeit. Ich vermute, er hat gehofft, etwas davon hier wiederzufinden. Aber – siehe oben – Peking hat mit Yunnan genauso wenig zu tun wie Hamburg mit den Alpen. Ich glaube, was ihn hier gestört hat war, dass Peking verglichen mit Yunnan schon richtig international ist, dass es für Nichtchinesen inzwischen relativ leicht geworden ist, sich hier zurechtzufinden (Speisekarten mit Bildern (!) für uns Analphabeten, Wegweiser und Schilder zweisprachig).

Schild im Side Park

Schild im Side Park

Statt „das ist ja gar nicht authentisch chinesisch hier“ – was meiner Meinung nach nicht stimmt -, wäre „das ist so ganz anders als Yunnan“ vermutlich die richtigere Erwartung und Einschätzung gewesen. Aber wenn man sich nach Bergen am Ende der Welt und spektakulärer Natur sehnt und damit rechnet, als Langnase unglaublich exotisch zu sein und damit interessant, was die Möglichkeit zu vielen interessanten, wirklich authentischen Begegnungen eröffnet, dann muss man halt auch nach Yunnan fahren und nicht nach Peking. Jedenfalls hoffe ich, dass mir Sohnemann sein Yunnan noch zeigen wird!

Ist Authentizität wirklich ein sinnvolles Kriterium für die Reiseplanung?

Ob mir auf Reisen etwas gefällt, hängt nicht unbedingt davon ab, ob es authentisch ist. Ok, einem Spaßbad in Schweden kann ich echt nichts abgewinnen, wenn ich die Auswahl zwischen Hunderten von Seen habe, und die dann auch ganz für mich allein, da empfinde ich eine Tropenlandschaft als geradezu absurd. (Ich kann aber nachvollziehen, dass es Familien gibt, die nicht nur am 3. Regentag froh darüber sind.)
Sind Katthult oder Bullerbü (Gibberyd/Rumskulla und Sevedstorp/Pelarne) authentisch oder nicht? Ist mir egal, ich habe die Lindgren-Bücher und -Verfilmungen schon immer geliebt und dort zu sein, ein bisschen in die eigene Kindheit zurück und in die Geschichten einzutauchen, das waren tolle Erlebnisse. Der Ristafall (Glupa-Wasserfall von Ronja Räubertochter) ist auch ohne den Film-Bezug einen Ausflug wert und ein beeindruckender Flecken Erde (und nicht weit davon der Tännforsen erst recht.

Ristafallet

Ristafallet

Jetzt habe ich unseren Yunnan-Reisenden gerade gefragt, ob er damit einverstanden ist, dass ich so von ihm erzähle (ist er, sonst könntet Ihr das nun nicht lesen), da sagt er: „Lofsdalen! Hörbuch!“ Ich brauche fast eine Minute, bis der Groschen fällt:
Wir hören beim Autofahren fast immer Hörbücher. Im letzten Sommer lief bei uns zuerst Jules Verne (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde und In 80 Tagen um die Welt, von Rufus Beck super gelesen, hat allen gefallen). Kalle Blomquist haben wir nach kurzer Zeit ausgemacht – das war leider gar nicht nett gelesen, sondern zu meiner großen Enttäuschung altbacken und staubig. Müssen die Jungs nun doch die Bücher in die Hand nehmen und selber lesen.

Aber, um wieder auf das Thema zurückzukommen: Gregs Tagebuch, 9. Teil: „Böse Falle“, lief dann in Endlosschleife. In diesem Band verreist Greg mit seiner Familie. Ein Roadtrip durch Amerika, denn seine Mutter hat in ihrer Elternzeitung „Familienspaß“ gelesen, dass es total wichtig ist, als Familie im Urlaub gemeinsam authentische Erlebnisse zu haben. #rolleyes (Auch wenn ich das anders ausdrücken würde und der Tonfall im Hörbuch einem die Fußnägel hochrollt: Recht hat sie).Vater und Kinder der Familie sind nicht begeistert, und die Familie fährt dann auch von einer Katastrophe in die nächste. Wir hatten alle Bauchweh vor Lachen! – Und ich durfte mir vor jedem Ausflug anhören, ob wir denn da auch authentische Erlebnisse haben würden!

Tja, authentische Erlebnisse…

Für mich steht Authentizität also nicht wirklich ganz weit oben bei der Reiseplanung. Ich suche Natur, Landschaft, gerne mal einen spektakulären Ausblick oder auch einen beruhigend, ganz unaufgeregt-friedlichen. Kann man das vielleicht auch authentische Naturerlebnisse nennen? Aber selbst, wenn das nicht mehr 100% authentisch ist, weil die ehemals unberührte Natur gut erschlossen ist mit Wanderparkplätzen, befestigten Wegen, und weil da ein Windrad steht und dort eine Skipiste zu sehen ist und drüben der Weg für die Schneescooter– das ist der Lauf der Zeit. Genau, Zeit. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir „authentisch“ sagen und in Wahrheit „historisch“ meinen.

Trondheimfjord

Trondheimfjord

Wir haben aber inzwischen doch etliche, von uns als authentisch empfundene, im Gedächtnis bleibende Reiseerlebnisse gehabt. Einige wenige Beispiele:

  • Mit Thomas bin ich kurz nach der Wende die Ostseeküste bis nach Swinemünde und wieder zurück gefahren. An einem Abend in einem Landgasthof zwischen Wismar und der Insel Poel haben wir die Frau eines relativ bekannten Dissidenten kennengelernt. Thomas hat sich die halbe Nacht mit ihr unterhalten – aber ich habe diese Chance zum Teil verpennt, bin einfach irgendwann am Tisch eingeschlafen, obwohl das Gespräch wirklich tiefging, theoretisches, angelesenes Wissen mit persönlichen Erfahrungen lebendig werden ließ. Klar, dass ich das heute noch unter die Nase gerieben kriege und mich entsprechend ärgere! (Authentisch geht auch bei Reisen „um die Ecke“, dafür muss man nicht ans Ende der Welt!)
  • Am Trondheimfjord dem Lachsfischer auf dem Hof beim Ausnehmen der Lachse zu helfen und ein noch schlagendes Lachsherz in der Hand zu halten. Ein Schneehuhn von eben diesem Fischer geschenkt bekommen und es dann selber zu rupfen!
  • In Los Angeles mit dem Bus fahren, sich während der Fahrt auf Spanisch zu unterhalten und am 3. Tag als „welcome, crazy german tourist“ begrüßt zu werden. Touristin im Bus, wo gibt es denn sowas! ;)
  • Eine liebe Freundin in Ljungdalen besuchen und mit ihr beim Dorffest im Hemslöjd den stärksten Kaffee ever zu trinken und noch warme selbstgebackene Zimtschnecken zu essen und dann am Webstuhl noch einige Reihen an einem Gemeinschaftsprojekt mitwirken zu dürfen.
  • Für den Yunnanreisenden: 3 Tage wandern in der Tigersprungschlucht.
  • Und vielleicht ist es eine persönliche Marotte, vielleicht hat es doch etwas mit „authentischem Erleben“ zu tun: in Supermärkten in fremden Städten und Ländern den Einheimischen in die Einkaufswagen zu gucken: was kaufen sie?

Trondheimfjord

Denkmalgeschützter Hof am Trondheimfjord

Wenn ich mir das so ansehe, denke ich: Man kann authentisches Reisen nicht wirklich planen, egal, was Werbeprospekte und Co. versprechen mögen (was dort angepriesen wird: ist es inszeniert oder tatsächlich authentisch oder irgendwo dazwischen?). Die Momente, die im Gedächtnis bleiben, sind meist spontan, aus der Situation heraus entstanden. Einen Plan zu haben ist sicher gut, aber noch besser ist es, wenn man jederzeit bereit ist, vom Plan abzuweichen und Gelegenheiten zu nutzen. Solche Momente und Erlebnisse entwickeln sich wie gesagt oft aus einer Situation heraus. Und ja, wenn man individuell reist, ist die Chance auf solche Erlebnisse vermutlich größer, als wenn man Strandurlaub in einem Resort macht. Es war ein Riesenglück, dass wir Ingolf, den norwegischen Fischer, kennengelernt haben und uns auf Anhieb sympathisch waren, so dass er uns an seinem Leben teilhaben ließ. Sowas kann man nicht erzwingen oder planen, aber wenn es solche Gelegenheiten gibt, sollte man sie ergreifen und Plan Plan sein lassen. So werde ich meine/unsere Reisen weiterhin nicht mit dem Gedanken, möglichst viel Authentisches zu erleben zu planen, sondern mich weiterhin davon leiten lassen: was möchte ich sehen und erleben, was interessiert mich, was wollen die Kinder (ok, und Thomas auch) – und wenn sich dann Chancen auftun, will ich sie nutzen.

Liebe Ulrike, vielen Dank für den Anstoß durch Deine Blogparade über das Thema nachzudenken und in Erinnerungen zu schwelgen!

Konzert für die Grundschüler der DSP

Schade, dass unsere Jungs keine Grundschüler mehr sind, denn die Grundschüler der DSP (Deutsche Botschaftschule Peking) machen am kommenden Freitag in der Schulaula eine “Reise von Mozart bis Chopin” mit Justus Frantz. Nur die Grundschulkinder, keine Eltern, keine älteren Schüler – ein Kinderkonzert halt. Das gefällt mir schon richtig gut an der Schule, dass außer dem normalen Unterricht nach Stundenplan fast immer was los ist (Grundschultreff, KinderUni, Lesungen, Projektvorstellungen…). 

Wintereinbruch

Heute Nacht hat es begonnen zu schneien, es ist glatt und windig und bitterkalt. Durch den Compound fuhr den ganzen Vormittag ein Tuktuk, ganz langsam, hinten drauf ein Berg Streusalz und zwei Arbeiter, die mit behandschuhten Händen und sonst keinem weiteren Werkzeug die Straßen und Wege abstreuten… Gutes Timing, morgen ist laut chinesischem Kalender 小雪, xiaoxue. :) Man könnte fast darüber nachdenken, heute Abend Glühwein zu machen…

Vier Wochen noch

Nur noch knapp vier Wochen, dann beginnen die Weihnachtsferien. Dieses Jahr flüchten wir aus dem Smog in die Sonne. Vorher heißt es zum Ferienbeginn leider schon wieder Abschied nehmen, denn einige liebe Menschen gehen nach Deutschland zurück.

Jedenfalls sind diese vier Wochen wie alle Jahre wieder proppevoll mit Weihnachtsfeiern, Weihnachtsbasaren, Basteln, Weihnachtsbäckerei, Weihnachtsessen… Zur großen Freude der Jungs und zu Männes Entsetzen habe ich am Wochenende schon mal dem Chevy Chase/Clark Griswold in mir Raum gegeben, und nun funkelt und blinkt und leuchtet es in fast allen Räumen. Schrecklich schön! 

 

Die letzten Wochen waren einerseits wie Advent in Deutschland auch, viele Weihnachtsfeiern, -essen, -basare, dazu aber (leider) auch einige Abschiedstreffen, es gehen wieder einige lieb gewonnene Leute nach Deutschland zurück. Insofern jedenfalls gefühlt noch stressiger und emotional aufgeladener als Advent in Deutschland. Bei den Abschieden ist mir wieder aufgegangen, wie gern ich hier bin, und dass es hier noch so viel zu entdecken und zu erleben gibt. Das war ganz gut, weil ich tatsächlich in die Reichweite eines Tiefausläufers geraten bin, aber wo ich hier zu dusselig für eine Internet-Bestellung bin, kommt in Deutschland der DHL-Bote nicht. Irgendwas ist doch immer. ;) Also Krönchen gerade richten und auf das nächste, vermutlich wieder spannende Jahr freuen!

Zwischendrin waren die Jungs und ich auch noch mal krank, so dass rückblickend gar nicht viel Weihnachtszeit war und die letzten Wochen gefühlt vorbeigerast sind.

Gestern war das Weihnachtskonzert in der Schule, hat mir unterm Strich wieder gut gefallen, und die Jungs waren engagiert und mit viel Spaß dabei – obwohl es am Ende echt spät geworden ist. Dass ausgerechnet die Jüngsten erst am Schluss dran waren (während ein Großteil der Teenies bereits in der Pause gegangen ist), ist schon unglücklich, zum Glück war heute nur noch ein kurzer Schultag, wo eigentlich auch nur noch gefeiert wurde.

Aber nach so einem Konzert mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, dass auch schulischer Musikunterricht wirklich Freude am Musik machen und Singen vermitteln kann, und dass die Jungs gerne noch mehr Musikunterricht hätten, das macht doch schon sehr zufrieden – die Musiklehrer können sich da jetzt gern gelobt fühlen! 

Jetzt rückt eine dicke Smogwolke näher, seit heute Abend gilt die höchste Alarmstufe – Red Alert – und das für voraussichtlich fünf lange Tage. Da sind wir echt ziemlich froh, dass es morgen in den Urlaub nach Australien geht. Hoffentlich wird der Smog nicht so dick, dass Flüge gecancelt werden müssen… Überhaupt, es lebt sich einfach besser ohne dicke Luft, wir hatten allerdings auch gerade ein paar schöne Tage mit auch aus deutscher Sicht normalen Werten. Und dann ist Peking noch mal so schön, wenn man in der Ferne die Berge sehen kann.

 

 

 

 

Ein glückliches Neues Jahr wünsch ich. Wir sind wieder zurück in Peking, auch wenn die Versuchung groß war, einfach in Australien zu bleiben… Ein paar weitere Urlaubsbilder und -geschichten folgen demnächst, jetzt müssen wir erstmal fix in den Alltag wieder reinfinden. Immerhin, es ist zwar kalt, aber die Luft ist heute gut. Objektiv gut, nicht nur Peking-gut. :)

Achja, wer hier heute (9.1.) über Fehlermeldungen gestolpert ist – die neueste php-Version mit Fast CGI und mein Blog vertragen sich leider (noch?) nicht, hab es jetzt wieder umgestellt, nun sollte es keine Fehlermeldungen mehr geben.

Abflug in Hamburg

Tschüss, Hamburg

Wir sind wieder in Peking. Der Rückflug war doppelt strapaziös: erstens haben wir den Anschlussflug nach Peking verpasst (wegen Verspätung des ersten Fluges) und zweitens emotional.

Der Abschied in und von Hamburg war furchtbar traurig. Ich habe mich so schlecht gefühlt, dass wir den Kindern (den Kleinen wie den Großen) das antun. Da war der verpasste Flug nach Peking direkt ein Glück, denn in Amsterdam habe ich die Geschichte als Abenteuer inszenieren können, das hat dann erfolgreich vom Kummer abgelenkt. Da wir glücklicherweise direkt auf den nächsten Flug umgebucht wurden, war es dann auch nur ein Mini-Abenteuer und der Transfer war sogar viel entspannter als die Hetzerei, die uns normalerweise gedroht hätte, wenn alles pünktlich gewesen wäre… Die Weiterreise war dann ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Von Haus zu Haus waren wir gut 20 Stunden unterwegs und entsprechend erledigt.

Die Zeit in Deutschland war schön, wir haben jede Minute genutzt und genossen. Es war nicht ganz so stramm durchgetaktet wie beim letzten Heimaturlaub – ich habe für uns entschieden, dass die Docs in Peking auch was können bzw. wir ihnen ausreichend Vertrauen entgegenbringen können, also werden wir hier nun die anstehenden Kontrolluntersuchungen machen lassen – das hat viel Zeit eingespart und den Anteil lästiger Pflichttermine auf Null gesenkt, dafür war viel mehr Zeit für „Kinderprogramm“. Trotzdem war es insgesamt viel zu wenig Zeit, wieder haben wir nicht alle treffen können, die wir gerne gesehen hätten, und sämtliche Verabredungen waren viel zu schnell vorbei. Auch das Mistwetter hat da nicht groß bei gestört, nur die dicken Schneeflocken beim Omabesuch haben irritiert. 

Achterbahnfahrt

Es gab leider tatsächlich die befürchtete emotionale Achterbahnfahrt: Vorfreude, viel zu kurzes Wiedersehen, Winkewinke. Das schlaucht, aber es gehört derzeit leider zu unserem Leben. Aber der extreme Kinderkummer bei der Abreise, das tat wirklich weh und hat mich tatsächlich kurz darüber nachdenken lassen, ob Peking immer noch das Richtige für uns ist. Aber nach nur einem Tag hier: ja, ist es. Die Wiedersehensfreude mit dem Papa war riesig, nachmittags hat’s an der Tür gebimmelt und die Minis wurden direkt zum Spielen abgeholt. Das frühe Aufstehen am Montag war noch eine Herausforderung, heute ging es dann schon deutlich besser – der Alltag hat uns wieder.

Heimaturlaub

Heimat. Urlaub?

Die Jungs und ich sind gerade zurück von der emotionalen Achterbahn namens Heimaturlaub. Das heißt, eigentlich sind wir noch auf den letzten Metern beim Ausrollen, bevor wir richtig aussteigen können und der Alltag uns wirklich wieder hat. Bis wir nicht nur physisch in Peking zurück sind. Noch hat uns der Jetlag im Griff und die vielen Abschiedstränen sind noch nicht ganz getrocknet.

Warum heißt es eigentlich Heimaturlaub, wenn es mit unseren Vorstellungen von Urlaub nur wenig zu tun hat? Urlaub ist bei uns möglichst wenig verplant, stattdessen gibt es viel Raum für Nichtstun, Lesen, Chillen und Spontanes nach Lust und Laune. Aber nicht im Heimaturlaub.

Wenn man also endlich wieder ein paar wenige, kostbare Tage in der Heimat ist, man so viel unternehmen und so viele Leute treffen möchte, wie fängt man das an? Alle Wünsche lassen sich nie erfüllen. Bei der Wahl zwischen Ausflügen zu alten Lieblingsorten oder Treffen mit Familie und Freunden gewinnen bei uns die Menschen, vor allem unsere drei Großen, und verlieren die Orte. Wieder nichts mit Ausflug ans Meer. Mit Glück lässt sich im Einzelfall beides miteinander verbinden, Verabredungen an den Landungsbrücken zum Beispiel.

Kein Geheimrezept

Ein Geheimrezept habe ich auch nach mittlerweile einigen Heimaturlauben nicht. Für uns funktioniert es nicht, jede freie Minute zu verplanen und möglichst viele Verabredungen und Unternehmungen effektiv unterzubringen. Das haben wir beim ersten Heimaturlaub so gemacht, da war der Kalender komplett gefüllt und es war der bisher Stressigste. Wir haben danach eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, wieder richtig in Peking Fuß zu fassen, und es hat lange gedauert, bis bei den Jungs „ich vermisse…“ nicht mehr die häufigsten Worte waren. Wobei Letzteres auch bei weniger voll verplanten Besuchen in Deutschland passiert. Aber nach dem „Urlaub“ erst so richtig urlaubsreif zu sein, das möchten wir so nicht noch mal erleben.

Nichts vorab zu planen und uns ausschließlich auf Spontaneität zu verlassen, klappt aber auch nicht. Schließlich haben die Daheimgebliebenen ihr eigenes Leben und ihre eigenen Verpflichtungen, wo wir in unserem Ferien-Zeitraum vielleicht gerade nicht reinpassen. Da kann es dann passieren, dass es zu keiner Verabredung kommt, wenn man sich erst zu kurzfristig meldet.

Also wird es bei uns ein Zwischending, wobei sich die für Spontanes vorgesehen Lücken im Kalender doch immer rasend schnell füllen.

Wie man es auch anfängt, es ist immer falsch

Kann man die Zeit „gerecht“ auf die Daheimgebliebenen verteilen? Nein. Keine Chance. Irgendjemanden wird man immer enttäuschen, und wenn man sich noch so sehr anstrengt. Das fängt bei dem Punkt an, mit wem man sich zuerst verabredet und hört bei der Frage, wie viel Zeit man miteinander verbringen kann, nicht auf.

Dieses Mal war die Zeit noch kürzer als sonst: 10 Tage. Minus zwei Tage für Hin- und Rückflug. Von den verbleibenden acht Tagen waren wir die Hälfte bei meiner Mutter, die mir kürzlich einen Schrecken eingejagt hat, als sie krank war – zum Glück dann doch nicht so schlimm. Aber deshalb wollte ich diesmal unbedingt etwas länger als sonst bei ihr bleiben. Das war dann doch noch das Entspannteste und das, was „Urlaub“ noch am nächsten kam.

Verzicht auf Heimaturlaub ist auch keine Lösung

Der Gedanke schleicht sich ein, lieber nur in China und Asien zu reisen, die Reisemöglichkeiten hier vor Ort auszunutzen und „richtigen“ Urlaub zu machen. Aber ist es nicht gerade für die Kinder wichtig, ihr Heimatland zu besuchen, damit sie wissen und behalten, woher sie kommen? Ist es nicht notwendig, die alten Beziehungen auch mit persönlichen Treffen zu pflegen? Auf der anderen Seite tun die häufigen Abschiede weh. Reißen Wunden auf, die vielleicht gerade verheilt sind. Weil man sich gerade damit arrangiert hat, mit den Lieben nur zu gewissen Zeiten chatten, sie aber nicht umarmen zu können. Aber letzteres muss doch wenigstens von Zeit zu Zeit sein, deshalb kommt der Verzicht auf Heimaturlaub nicht infrage. Wir werden aber auch nicht sämtliche Schulferien in Deutschland verbringen.

Die Heimat wird allmählich fremd

Hamburg fühlt sich für mich nach wie vor vertraut an. Hier brauche ich kein Navi, auch wenn ich kreuz und quer durch die Stadt fahre. Und gleichzeitig fange ich an zu fremdeln. Es ändert sich immer mehr. Unglaublich, wie viele Bäume in unserer Straße gefällt wurden und wie ein Neubau nach dem anderen die alten bekannten Häuser ersetzt. Aber nicht nur unsere Straße ändert sich, auch das weitere Umfeld, überall Baustellen: Einkaufszentrum und Autobahn (A7-Deckel…). Wenn das alles erstmal fertig ist, wird es womöglich noch fremder sein als jetzt schon. Wenn man das tagtäglich sieht, fällt es einem vielleicht nicht so ins Auge. Aber wie viel sich in dem halben Jahr seit dem letzten Hamburgbesuch getan hat, das ist schon krass.

Und es ist doch auch schön

Natürlich ist Heimaturlaub auch schön. Es ist ja nicht nur Abschiedskummer, sondern auch Wiedersehensfreude. Es ist so schön, sich mit alten Freunden zu treffen. Besonders, wenn es so ist, als hätte man sich gerade letzte Woche zuletzt gesehen und nicht vor etlichen Monaten.

Grünkohl

Grünkohl, Kassler, Kohlwurst…

Es macht Spaß, die Dinge zu genießen, die wir hier in Peking nicht haben. In Buchhandlungen zu gehen und deutsche Bücher in die Hand zu nehmen (und nicht nur eBooks zu lesen). Von sauberer Luft und trinkbarem Leitungswasser gar nicht erst zu reden (ich weiß, ich wiederhol mich). Ach ja, Lebensmittel überhaupt, (fast) kein Nachdenken über deren Qualität, Herkunft, Schadstoffbelastung. Natürlich haben wir auch reichlich eingekauft: Früchtetees, die es hier überhaupt nicht gibt. Kaffee (gibt es zwar, aber zu Mondpreisen). Medikamente, Cremes, Küchenkrimskrams…

Ich fand es auch angenehm, mal unauffällig durch die Stadt zu stromern und nicht schon von weitem als Ausländer erkennbar zu sein. Alles lesen und verstehen können und nicht sich nicht als halber Analphabet zu fühlen.

In die Zeit sind wir diesmal so überhaupt nicht reingekommen, was aber nicht so schlimm ist, jetzt ist es hier in Peking einfacher. Und nachts wach zu sein hatte den Vorteil, in die deutsche Glotze starren zu können. Okay, da verpassen wir nicht viel. Nur das Filme streamen haben wir wirklich sehr genossen. Dieses Geo-Blocking in der ach so globalisierten Welt ist und bleibt einfach Bockmist!

Zuhause in Peking

Back in Beijing - Blue sky

Blauer Himmel in Peking

Immerhin macht uns Peking das Wiederankommen leicht. Die Luft könnte zwar besser sein, aber die Sonne scheint und wärmt, es liegt ein Hauch von Frühling in der Luft. Es ist schön, die Nachbarn und Freunde hier wieder zu treffen (und sich nicht sofort verabschieden zu müssen).

Und so richtig ging mir eben das Herz auf, als die Jungs aus der Schule kamen, beide fröhlich und bester Dinge. Aber einer der zwei besonders happy – er hat von einem Freund ein Urlaubsmitbringsel bekommen: eine Dose Ravioli aus Deutschland. Das finde ich so süß, dass ich nicht wie sonst über Juniors seltsame Dosenfraß-Vorliebe schimpfe!