Beiträge

Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin am Shichahai spazieren gehen und den Tempel des Feuergottes noch einmal besuchen. Sie war da noch nicht, hätte aber die chinesischen Schilder  übersetzen, die Mitarbeiter und Mönche fragen und so mehr erklären können. Weil es morgens aber gewittert hat, haben wir umdisponiert und wollten stattdessen ins Nationalmuseum gehen. Dazu haben uns am Tian’anmen verabredet.

Blick vom Metro Ausgang Tiananmen Ost zum Tor des Himmlischen Friedens

Treffpunkt Metro Tian’anmen Ost

Wie sich herausstellt, hätten wir mindestens einen Tag vorher reservieren müssen. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man schon am Tian’anmen ist, gibt es mehr als genug zu tun und zu gucken. Zum Glück macht der Regen Pause.

Rund um den Tian’anmen

Rund um den Tian’anmen stehen fünf bedeutende Gebäude:

  • im Norden das Tor des Himmlischen Friedens (der Eingang zur Verbotenen Stadt),
  • im Osten das Nationalmuseum,
  • im Süden das Mao-Mausoleum und dahinter Zhengyangmen (das größte und prächtigste Stadttor) und
  • im Westen die Große Halle des Volkes

Auf dem Platz steht dann auch noch das Denkmal für die Helden des Volkes – und nicht zuletzt ist auch das Gewusel und Gewimmel hier unglaublich interessant.

Das Tor des Himmlischen Friedens

Es geht direkt los mit dem Tor des Himmlischen Friedens. Jedes Mal, wenn ich hier bin, überkommt mich ein ganz unwirkliches Gefühl – ich bin wirklich in Peking?!

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, davor Auto-Stau

Tor des Himmlischen Friedens

Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle. Hier werden die chinesischen ID-Cards automatisch gescannt, ausländische Pässe müssen von Hand gecheckt werden. Aber anstatt wie meistens meinen Pass nur vorzuzeigen und durchgewunken zu werden, werde ich gefragt, warum ich in Peking bin und wie lange schon. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Sicherheitsbeamte wissen wollte, ob ich Diplomatin sei. Seltsam, sonst wird eher nach Journalisten gefragt. Ob das was mit dem Fall des an Covid-19 erkrankten Diplomaten zu tun hat, der nicht weit von hier im Legendale abgestiegen war (das Hotel ist nun unter „closed management“)? Naja, ist ja auch egal, wir sind auf dem Platz.

Tian'anmen mit Mao-Mausoleum

Mao-Mausoleum, dahinter Zhengyangmen und Bogenschützenturm

Wir schlendern erst einmal über den Platz, der mich nicht nur wegen seiner Größe („größter befestigter Platz der Welt“) beeindruckt.

Tian'anmen, Blick zum Tor des Himmlischen Friedens

Auf dem Tian’anmen

Die Deko anlässlich der 100-Jahr-KP-Feierlichkeiten steht noch.

Tian'anmen, Blick auf die Große Halle des Volkes und das Denkmal für die Helden des Volkes

Große Halle des Volkes und Denkmal für die Helden des Volkes

Das Nationalmuseum

Der Eingang des Nationalmuseums war früher hier von der Platz-Seite aus. Jetzt ist er nach vorne zur Chang’an Avenue (zurück-?)verlegt worden. Das ist dichter an der U-Bahn und noch vor dem Sicherheitscheck am Tian’anmen, also etwas praktischer.

Pekings Nationalmuseum vom Tian'anmen aus gesehen

Nationalmuseum

Das Denkmal für die Helden des Volkes

Meine Freundin erzählt, dass sie als kleines Kind einem Missverständnis aufgesessen ist und geglaubt habe, dass unten in dem Denkmal die Soldaten wohnen würden. Damals hätte sie vergeblich nach Fenstern und Türen gesucht. Heute kommt man nicht mehr so dicht dran, aber das Missverständnis hat sich inzwischen ja auch aufgeklärt.

Denkmal für die Helden des Volkes auf dem Tian'anmen in Peking

Denkmal für die Helden des Volkes

Volksfeststimmung

Auf dem Platz ist richtig viel Trubel. Familien, Paare, kleine und große Reisegruppen sind hier unterwegs. Manche warten hier auf ihre Begleitung, denn in das Mao-Mausoleum darf man keine Taschen, Schirme, Kameras, Gepäck mitnehmen – nur Handy und ID-Card/Pass sind erlaubt.

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten, während ein kleines Reinigungsfahrzeug herumfährt. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Spaziergänger, Touristen, Familien schlendern über den Tian'anmen oder sitzen auf dem Boden und warten. Im Hintergrund das Tor des Himmlischen Friedens.

Trubel auf dem Tian’anmen

Die große Halle des Volkes

Auf die große Halle des Volkes werfen wir nur einen kurzen Blick.

Tian'anmen: Blick auf das Denkmal für die Helden des Volkes und die Große Halle des Volkes - mit vielen Menschen auf dem Platz

Denkmal und große Halle des Volkes

Mao-Mausoleum

Meine Freundin fragt mich, ob ich Mao schon mal gesehen habe. Nein, habe ich nicht. Sie zückt ihr Handy, scannt den QR-Code, der an der Absperrung zum Mausoleum hängt, hält mir das Handy hin, damit ich meinen Namen und meine Passnummer eingebe – und zack, haben wir einen Besucherslot von 10-11 Uhr gebucht. Das kam jetzt überraschend.

Aufwendige Sicherheitsmaßnahmen

Wir überqueren die Straße, gehen am Nationalmuseum vorbei zu einem weiteren großen Gebäude, wo man seine Habseligkeiten abgeben kann – wie gesagt, ins Mausoleum darf man nichts mit hineinnehmen. Die Schlange hier ist sehr lang, oben auf der Treppe steht ein Mann und brüllt seine Anweisungen in ein Megaphon: Keine Taschen! Keine Schirme! Alles hier abgeben! Es werden immer große Gruppen von Leuten hineingelassen, und es scheint ewig zu dauern. Das kriegen wir bis 11 Uhr nicht mehr hin. Wir beschließen, es so zu machen, wie viele der anderen Leute auch: wir gehen abwechselnd ins Mausoleum.

Meine Freundin sagt, ich soll zuerst gehen, sie wäre ja schon mal da gewesen, nimmt mir meine Tasche ab und drückt mir ihr Handy in die Hand (weil sie damit unseren Slot gebucht hat). Und schon passiere ich eine erste Einlasskontrolle, bei dem wohl nur geguckt wird, dass man wirklich nichts weiter dabei hat. Durch viele Absperrgitter schlängelt sich der Weg zum Mausoleum, es geht aber zügig voran.

Dann kommt eine Sicherheitskontrolle, wo QR-Code und Pass gecheckt werden, nach dem Scanner werde ich noch mal von Hand abgetastet und darf weitergehen.

Nelken für Mao

Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle steht eine kleine Verkaufsbude, wo man in Plastikfolie verpackte weiße Nelken für 3 Kuai/Stück kaufen kann. Das tun viele der chinesischen Besucher. Ich bin überhaupt die einzige Langnase weit und breit. Der Weg schlängelt sich weiter, an weiteren Nelkenbuden vorbei. Vor den Stufen zum Gebäude stockt es schließlich, hier wird der Einlass der Menschen genau getimed.

Und dann geht es so schnell, dass ich jetzt schon beschließe, dass ich den Besuch hier wiederholen muss.

Wächter machen das wohl überall auf der Welt verständliche „Psst!“-Zeichen und legen den Finger auf den Mund. Fotografieren ist strengstens verboten!

Nach der Eingangstreppe landet man in einem großen Vorraum, in der eine großen Mao-Statue steht. Die weißen Nelken werden Soldaten in die Hand gedrückt, die sie ordentlich auf und um ein Podest vor der Statue stapeln. Aber bitte nicht stehen bleiben, gleich weitergehen.

Da liegt er

Die Schlange teilt sich hier und wird nun links bzw. rechts an der Statue vorbei in den nächsten Raum geschleust: Maos Grabkammer, wo er in seinem Kristallsarg liegt. Eigentlich wollte Mao selbst kremiert werden, aber nun liegt er seit 45 Jahren hier, sieht aus wie eine Wachsfigur (wenn es denn wirklich seine Leiche ist, Gerüchte stellen das infrage). Das wächserne Gesicht leuchtet orange, ich sehe allerdings keine Lampe, die ihn anstrahlt, was das ganze noch surrealer macht.

Alle werden langsamer, während sie schauen. Bei nicht wenigen fließen Tränen. Ich werde wohl zu langsam, ein Wächter winkt und ich beschleunige meinen Schritt. In einem kleineren Raum fließen beide Besucherströme wieder zusammen und dann geht es auch direkt hinaus und man steht auf dem Platz vor dem Zhengyangmen. Hier könnte man sich noch mit Souvernirs eindecken, ich passe.

Rückseite/Ausgang des Mao-MausoleumsRückseite/Ausgang des Mao-Mausoleums in Peking

Ich eile zurück zum Eingangsbereich, fliegender Wechsel. Wir machen nur noch schnell aus, dass wir uns am Ausgang wieder treffen.

Später erzählt meine Freundin mir, dass viele Chinesen aus der Provinz ihr Leben lang sparen, um nach Peking reisen und Mao sehen zu können. Ich hatte den Besuch hier bisher nicht auf der Liste, u.a. auch weil mich die langen Schlangen abgeschreckt haben. Doch obwohl es eine solche Menschenmenge ist, die hier Tag für Tag (außer montags, grins) durchgeschleust wird, geht es erstaunlich schnell. An keinem Punkt (außer an dem „Taschengebäude“) steht man sich die Beine in den Bauch, es geht immer voran. Tatsächlich war es völlig unabhängig davon, wie man zu Mao steht, eine interessante Erfahrung: das Prozedere, die Leute und deren Reaktion.

Zhengyangmen

Zhengyangmen (auch Qianmen) ist das Haupttor und das größte und prächtigste aller Pekinger Stadttore. Hier gibt es auch ein Stadttor-Museum, dass wir uns heute aber nicht mehr ansehen. Stattdessen gehen wir in einem Hutong abseits der Qianmen Street zum Mittagessen.

Pläne machen ist gut, Pläne umschmeißen wie man sieht aber auch. Ich bin direkt dankbar für das Gewitter am Morgen, das den Anstoß für die Planänderung gegeben hat.

Letztes Wochenende war ich mit meiner chinesischen Freundin im National Art Museum, wo anlässlich des 100. Geburtstags der KP zahlreiche Bilder ausgestellt sind. Ich weiß nicht, ob ich von selbst auf die Idee gekommen wäre (Propaganda?), aber in chinesischer Begleitung versprach das dann doch ganz interessant zu werden.

Als ich mich morgens auf den Scooter schwinge, ist der Himmel strahlend blau, die Luft total klar und sauber. Als ich so durch die Straßen fahre, denke ich zum allerersten Mal, dass Peking sogar gut riecht – da fahre ich gerade durch eine Allee, in der gerade die Blumenbeete gewässert werden. Das macht richtig gute Laune.

Am Museum bin ich schon oft vorbeigefahren, aber nun ist es das erste Mal, dass ich es besuche. Während ich auf meine Freundin warte, kann ich zusehen, wie viele Besucher als erstes Selfies von sich mit dem Museum im Rücken machen. Das große rote Banner fällt natürlich sofort ins Auge.

Journeys to greatness and pictures of time 1921-2021. An Exhibition celebrating the 100th anniversary of the founding of the communist party of China

Da Gebäudes des National Art Museum in Beijing - mit wehender roter Fahne und dem Ausstellungsbanner am Zaun

National Art Museum in Beijing

Am Ticketschalter müssen Reisepass bzw. chinesische ID-Card vorgezeigt werden, reserviert für den Besuch hatten wir ja zusammen eine Woche zuvor im Purple Bamboo Park. Nun folgt das übliche Sicherheitsprozedere, und dann sind wir drin. Im Museum ist Essen und Trinken streng verboten, und so sieht man einige Leute, die jetzt noch mal trinken, bevor sie hineingehen.

Die Ausstellung ist über drei Etagen verteilt und wir sehen uns jedes einzelne Bild genau an. Eine „kleine“ Auswahl folgt weiter unten in der Fotogalerie.

Ich bin zunächst erstmal total beeindruckt, wie viele Besucher an diesem wundervollen Sommertag hier im Museum sind.

100 Jahre KP - Ausstellung im National Art Museum, vier große Gemälde an rot gestrichener, geschwungener Wand, davor zahlreiche Besucher.

In den großen Ausstellungsräumen verteilen sich die Besucher zum Glück ganz gut

Father von Luo Zhongli

Dieses Bild habe ich sicher schon ein paar Mal gesehen, kein Wunder, es zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen chinesischen Werken. Allerdings kannte ich bisher die Geschichte dazu nicht. Es ist nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch wegen der damit verbundenen Symbolik berühmt.

Das Bild "Father" von Luo Zhongli im National Art Museum in Peking

Father von Lou Zhongli

Luo Zhongli hatte dies 1980 entstandene Bild ursprünglich „My Father“ genannt, aber da dies als zu persönlich galt, wurde es umbenannt und das „my“ gestrichen. Auch der Stift hinter dem Ohr wurde erst nachträglich eingefügt, um zu zeigen, dass der Bauer lesen und schreiben kann. Erst mit diesen Änderungen konnte Luo das Bild für die 2. China Youth Art Exhibition einreichen – und gewann den 1. Preis. Davon ab ist an diesem realistischen Bild (dunkle, raue Haut, trockene Lippen, beschädigte Schüssel) nichts idealisiertes, nicht das für die damalige Zeit typische Bild des rotwangigen, fröhlichen Bauern. Auch, dass das Bild so groß ist, symbolisiert einen Helden – so große Portraits waren bis dahin nur Berühmtheiten vorbehalten.

Welche Sehenswürdigkeit auch immer besucht wird, man sieht immer Leute, nicht nur Kinder/Schüler, die zeichnen und malen, sondern auch viele Erwachsene. So auch hier.

Der Mann erzählt uns, dass er am Vortag schon fast zehn Stunden an seinem Bild gezeichnet hat und heute auch schon über eine Stunde. Ich bin beeindruckt.

Lange Straße (路漫漫 – lù mànmàn) von Li Tianxiang

Oder: Die Geschichte vom kleinen Karottenkopf

Vor diesem Bild haben wir lange verweilt und meine Freundin hat mir die Geschichte des Jungen auf dem Bild erzählt.

Das Bild zeigt das Gemälde "lù mànmàn" (Lange Straße)

Li Tianxiang: lù mànmàn – Lange Straße

Der 1940 geborene Junge Song Zhenzhong kam mit nur acht Monaten mit seinen kommunistischen Eltern Xu Linxia und Song Qiyun ins Gefängnis und wurde dort mit 9 Jahren am 6. September 1949 von den Kuomintang ermordet. Nie hat der Junge die Außenwelt gesehen – diesen Aspekt findet meine Freundin besonders schlimm, aber auch bei meinen Versuchen, mehr über diese Geschichte herauszufinden, wird dies immer wieder betont. Durch die schlechte Ernährung blieb er winzig mit großem Kopf und wurde daher Xiaoluotou – Kleiner Karottenkopf – genannt. Er soll im Gefängnis fleissig gelernt haben (und natürlich den Lehrer sehr respektiert haben), Botengänge zwischen den Gefangenen gemacht haben – und gilt als jüngster revolutionärer Märtyrer. In seinem Geburtsort Pizhou in Jiangsu wurde eine Gedächtnishalle errichtet.

Weiter durch die chinesische Geschichte

Wir gehen weiter durch die Ausstellung. Viele Bilder zeigen Kämpfe, Bürgerkrieg und Krieg gegen die Japaner, Bilder vom Langen Marsch… Vor diesem Bild machen viele Gruppen längeren Halt, es zeigt einen Fackelzug in Yan’an 1945 nach der Kapitulation Japans – und ist ein Beispiel für „Variantenmalerei“.

Besuchergruppe vor Gemälde im NAMOC

Besuchergruppe vor Cai Liangs „Yan’an Torch“, 1972

Die erste Variante dieses Bildes (nicht im Museum gezeigt) entstand 1959 – ohne Mao-Porträt.

Es geht weiter mit dem Aufbau Chinas, der industriellen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Bild: Eine ältere chinesische Frau hält einen Wahlzettel in der Hand.

Yang Zhiguang: „Das erste Mal im Leben“ (die erste Wahlkarte)

Dong Xiwen: Thousand Years of Land Turn Over

Xu Wenhua "Morgen" - eine Frau wartet vor der Bibliothek

Xu Wenhua „Morgen“ – eine Frau wartet vor der Bibliothek

Shi Weiping, „Polar Scientific Expedition: The Snow Dragon Sailing into the Arctic Ocean“

Zum Schluss kommen wir in der jüngsten Vergangenheit an.

Bilder im NAMOC, die Covid-19-Themen zeigen: Maske, Krankenwagen, medizinisches Personal in Schutzkleidung

Auch Covid-19 fehlt nicht in der Ausstellung

Lohnt sich der Besuch?

Auch wenn die Ausstellung aus einer bestimmten Perspektive gestaltet wurde, gibt es doch viel zu entdecken und zu lernen – und etliche Bilder stehen für sich und sind definitiv sehenswert. Die Lücken lassen sich ja andernorts füllen. Um China wieder ein klitzekleines bisschen mehr zu verstehen, ist ein Besuch dieser Ausstellung (wenn man denn die Möglichkeit hat) die Zeit alle mal wert. Wir haben uns wirklich jedes einzelne Bild angesehen und waren 4 Stunden im Museum. Da nur die Einleitungstexte zu den unterschiedlichen Abschnitten auf Englisch übersetzt sind, empfiehlt sich chinesische Begleitung. Die Ausstellung endet am 25. Juli 2021.

Fotos

Der Samstag war kalt, feucht und grau, ideal um den SUB (Stapel ungelesener Bücher) zu schrumpfen. Gestern Kontrastprogramm: sonnig und warm, also nichts wie raus. Diesmal habe ich mich stadtauswärts aufgemacht: zum Civil Aviation Museum (Museum der zivilen Luftfahrt). Das liegt – naheliegend – in Richtung Flughafen an der Seitenstraße des Airport Expressways.

Auf dem Weg komme ich erst an dieser für Peking typischen Kreuzung vorbei.

Aber ein paar Minuten später ist es beinah ländlich – wenn man verdrängt, dass links daneben der Airport Expressway verläuft, Lärmkulisse inbegriffen.

Nach zehn Kilometern bin ich am Ziel:

Health Code Scannen, Pass vorzeigen (Eintritt ist frei, aber die Passnummer wird registriert) – und hier, das Ticket.

Noch fix durch den Sicherheitscheck – und nun viel Vergnügen. :)

Das Wetter ist so schön, dass ich mir erst die draußen ausgestellten Flugzeuge ansehe.

Cessna 650 Citation VI, frontal im Civil Aviation Museum, Beijing

Cessna 650 Citation VI

Die Ausstellungshalle, die wie ein kleiner Flughafenterminal aussieht, muss noch warten.

Als nächstes folgt eine Dreiergruppe: zwei Lissunow Li-2, in der Mitte eine Curtiss C-46. Gemeinsam haben sie, dass sie aus den 40er Jahren stammen und keine Druckkabine haben.

Flugzeuge aus den 40er Jahren

Lissunow Li-2 im Beijing Civil Aviation Museum

Lissunow Li-2

Bei der C-46 habe ich spontan gedacht, was für ein plumper Vogel. ;) Zu ihrer Zeit soll sie aber das größte zweimotorige Flugzeug der Welt gewesen sein.

C-46, dahinter Li-2 im Beijing Aviation Museum

C-46, dahinter Li-2

Unterm Flügel der C-46

Der Flughafen ist nur rund 7 Kilometer entfernt, das gibt dann auch ganz interessante Perspektiven.

An einem Bürogebäude vorbei geht es weiter zur nächsten Gruppe.

Vorne A310, dahinter Trident 2 und Bae-146

Der Airbus war 1983 das erste nach China importierte Großraumflugzeug. Nachdem diese Maschine außer Dienst gestellt wurde, hat Airbus die Maschine zurückgekauft und dann dem Museum übergeben. Die Trident war das „special plane“ für „central leaders of China“.

Das Museumsgebäude hat was!

Mal eine andere Perspektive…

Vögel sind an Flughäfen ein großes Problem, zahlreiche Maßnahmen gegen Vogelschlag müssen ergriffen werden. Hier im Museum natürlich nicht, mir scheint, in den Oldtimern wohnen einige Piepmätze.

Einstöpseln derzeit nicht empfohlen… ;)

Blick in einen Fahrwerk-Schacht.

Als nächstes komme ich zu einer Y-7 und eine Y-7-100, die auf Antonow-Modellen basieren.

Als ich weiter gehe, fällt mir diese zurückhaltende Beflaggung auf. ;)

Nochmal ein Blick zurück auf den A210, Trident und Bae-146-100.

Der nächste Flieger ist keine MiG, stammt aber davon ab: eine FT-5, Trainingsversion der Shenyang J-5A. Und weil es ein Lehr-Flugzeug ist, darf es auch im Museum der zivilen Luftfahrt stehen.

Daneben steht ein Doppeldecker: eine Nanchang Y-5, basierend auf der Antonow An-2.

In der DDR flogen bis zuletzt solche „Traktoren der Lüfte“.

Nun geht es in die Museumshalle hinein. Anders als draußen, wo alle Schilder zweisprachig sind, ist hier ausschließlich Chinesisch beschildert.

Es gibt einen Demo-Tower und Flugsimulatoren, aber alles außer Betrieb. Schade.

Aber auch so gibt es genug zu gucken, von der Decke hängen verschiedene Modelle.

Vor allem interessiert mich aber die Iljuschin-IL14 (hinten im Bild).

Aber den Rotor guck ich mir dennoch an.

Ich nähere mich der IL-14.

Dies ist das einzige Flugzeug, das man hier boarden kann: es handelt sich um die Maschine Mao Zedongs.

Wie hier sind es vor allem Familien mit kleinen Jungs, die das Museum besuchen…

Dann reicht es mir auch erst einmal und ich mache mich auf den Rückweg.

Informationen

Civil Aviation Museum, Adresse: 200 Capital Airport Side Road, Chaoyang.

Eintritt frei, Reisepass benötigt.

Hinkommen: Didi kennt die Adresse, es gibt einen Parkplatz direkt am Eingang, auch Bikes aller Art kann man abstellen. Die nächstgelegene Metrostation ist rund 5 km entfernt (Maquanying), von daher nicht empfehlenswert. Der Bus 359 hält hier (fährt ab Dongzhimen etwa eine halbe Stunde).

Lange sah es so aus, als kämen Prinz Gong und ich nie zusammen: beim ersten Versuch haben wir vergessen, dass Montag alles geschlossen ist, dann kamen Bauarbeiten, Verlängerung der Bauarbeiten, Corona… Jetzt hat es endlich geklappt. Ich habe so viel darüber gelesen, bin so oft außen dran vorbei gefahren – ich war echt gespannt.

Die Residenz des Prinzen Gong in der Nähe des Shichahai gilt als eine der schönsten und am besten erhaltenen kaiserlichen Residenzen der Qing-Dynastie.

Die Anlage ist in zwei Teile gegliedert: vorne die prunkvolle Residenz mit über 30 Gebäuden; hinten ein bemerkenswerter Garten, eher ein kleiner Park, der mit dem Roman „Der Traum der Roten Kammer“ in Verbindung gebracht wird.

 

Auf dem Weg fällt mir auf, wie voll die Stadt ist und wie viele Touristengruppen unterwegs sind. Auch die Rikschafahrer sind wieder überall in der inneren Stadt zu sehen.

Ich muss zugeben, ich bin doch erleichtert, dass wirklich geöffnet ist und dass ich auch problemlos hineinkomme: als Ausländerin nur den Health Code Scannen und durch das erste Tor gehen, links halten und am Ticketschalter den Reisepass vorzeigen, bezahlen, fertig.

Dann geht es durch das nächste Tor mit Sicherheits- und Taschenkontrolle. Ich bin fast ein bisschen überrascht, dass es so voll ist – und gleichzeitig froh drüber, weil es so normal ist.

Das Ausleihen eines Audioguides ist etwas komplizierter, Scannen eines QR-Codes, Menü ausschließlich Chinesisch,  aber die Kassiererin ist geduldig und schließlich klappt alles und ich kriege zu jedem Gebäude die wichtigsten Informationen ins Ohr geflüstert.

Auch wenn ich mich gerade noch gefreut habe, dass es so schön normal-voll ist – in den Gebäuden vorne ist es mir zu gedrängt, so dass ich da relativ achtlos dran vorbeigehe.

Einen Blick auf das Modell werfe ich aber noch.

Sightseeing ist anstrengend.

Wie in so vielen Sehenswürdigkeiten sind auch hier viele junge Leute in Kostümen unterwegs.

In lasse den vorderen Teil mit den Hallen hinter mir und komme zum Garten. Hier das Western Style Gate:

Der Garten ist wirklich nett angelegt: künstliche Hügel, gewundene Pfade. Oh, und eine kleine Mauer, die an die Große Mauer erinnern soll.

Anders als bei der Großen Mauer darf man hier aber nicht entlanggehen.

Wenn man ein bisschen wartet, kann man zwischen den Touristengruppen diesen Pavillon auch (fast) ohne Leute aufs Bild bannen.

Aber nur kurz zur Seite gedreht, sieht es so aus: voll.

Ich gehe den Hügel hinunter, ein paar Schritte an diesem Wasserlauf entlang…

… um zum fledermausförmigen Teich weiterzugehen. Die Fledermausform kann man von untern allerdings kaum erkennen.

Ich komme am Gemüsegarten vorbei.

Es blüht natürlich auch überall.

Hier kann man ein wenig die verwinkelte, hügelige Anlage erkennen.

Ich schlage einen Bogen und komme noch mal zum Western Style Gate, wo es sich gerade ein bisschen staut.

Gucke ich mir halt die Blumen genauer an, bis sich der Stau aufgelöst hat.

Für mich sind die Feuerlöscher etc. ja auch immer ein Hingucker.

Ich sehe mich weiter um. Auch im Gartenbereich gibt es Pavillons und Gebäude, die vielleicht kleiner sind als die Hallen im vorderen Bereich, aber grüner. Hier zum Beispiel mit Bambus, hier war ein Frauen-Gemach.

Fand ich sehr idyllisch, hab aber auch einen günstigen Moment zwischen zwei großen Gruppen erwischt.

Auch der nächste Hof wieder hübsch grün, hier mit Blauregen und Pfingstrosen – noch nicht erblüht, das würde ich tatsächlich gerne sehen.

Hier stehe ich unter dem Blauregen und gucke in die andere Richtung.

Ich komme zu einem größeren Gebäude.

Dabei handelt es sich um ein Peking-Opernhaus, was wohl besonders groß und komplett indoor ist (anders als z.B. im Sommerpalast) und auch für seine besonders gute Akustik gelobt wird. Hier wird aber gerade gebaut.

Der Audioguide erzählt etwas vom Bananengarten und drei großen Bananenbäumen. Naja, vielleicht mussten die neu gepflanzt werden, weil der Pekinger Winter eigentlich zu kalt für Bananen ist.

Die Mondtore finde ich immer noch besonders schön.

Eines der hintersten Gebäude – die Fledermaushalle – fällt durch ein anderes Dekor auf – dieser Stil soll aus Hainan kommen. In dieser Halle befindet sich heute ein Teehaus, aber mir ist es zu voll und die Schlange zu lang. Das werde ich ein anderes Mal versuchen.

Was zum Schmunzeln gibt es auch noch: auch hier kommt wieder das allgegenwärtige, universell einsetzbare Klebeband!

Auf diesem Hügel (der auch dazu gedacht war, den Mond zu bewundern) gibt es einen klitzekleinen Tempel mit dem Fu-Zeichen (Glück), dass der berühmten Kalligraphie von Kaiser Kangxi nachempfunden ist. Wenn man hier betet und mit dem Glückszeichen im Rücken die Rampe hinuntergeht, begleitet einen das Glück.

Hier an dem Teich steht auch ein größeres Gebäude, wo man sich mit Fu-Zeichen in allen Variationen und sonstigen Mitbringseln eindecken kann.

So langsam bewege ich mich in Richtung Ausgang. Lohnt sich immer, auch mal nach oben zu gucken, Dachreiter und Deko haben schon was!

Auf dem Vorplatz ist immer noch viel los, und es warten immer noch Gruppen auf Einlass.

Ja, das war also mein erster Eindruck von Prince Gong’s Mansion. Demnächst werde ich mit der Fotogruppe wieder hier hin gehen, mal sehen, was mir dann ins Auge fallen wird.

Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Webseite. Oben rechts auf der Seite kann man Englisch auswählen, die Seite nervt allerdings mit unsinnigen Animationen, lieber den Browser die chinesische Seite übersetzen lassen.

Es waren einmal drei Schwestern, von denen man sagte: „Eine liebt das Geld, eine liebt das Land, eine liebt die Macht“. Gemeint waren die Song-Schwestern: Ailing, verheiratet mit dem Bankier H.H. Kung (Geld), Qingling, verheiratet mit Sun Yat-sen (Land), und Meiling, verheiratet mit Chiang Kai-shek (Macht). Sie gelten als die einflussreichsten Frauen des Chinas ab den 1930er Jahren. Das mag einerseits der Rolle als „Frau von XY“ (wobei XY in diesem Fall zu den mächtigsten Männern des damaligen Chinas gehört) geschuldet sein, andererseits – insbesondere bei Qingling – geht es aber auch auf eigene Leistungen zurück.

Song Qingling (chinesisch 宋慶齡 / 宋庆龄, Pinyin Sòng Qìnglíng, W.-G. Sung Ch’ing-ling, * 27. Januar 1893 in Kunshan, Provinz Jiangsu, Kaiserreich China; † 29. Mai 1981 in Peking, China[1]) war eine der drei Song-Schwestern, deren Männer zu den bedeutendsten Politikern Chinas im 20. Jahrhundert gehörten. Als Madame Sun Yat-sen wird sie als diejenige beschrieben, „die China liebte“. Ihr Taufname war Rosamond. Ihr Mann Sun Yat-sen war 1912 der erste Präsident der Republik China. Im Nachkriegschina war sie von 1949 bis zu ihrem Tod in verschiedenen Ämtern stellvertretende Vorsitzende und nach Liu Shaoqis Parteiausschluss von 1968 bis 1972 zusammen mit Dong Biwu geschäftsführend Vorsitzende der Volksrepublik China. Nach dem Tod Zhu Des war sie von 1976 bis 1978 als Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses noch einmal Staatsoberhaupt. 1981 wurde sie als bisher einzige Person zur Ehrenpräsidentin erklärt.

Song Qinglings Residenz

Bei meinem Spaziergang am Houhai Anfang der Woche stand ich auf einmal vor einer Sehenswürdigkeit, von der ich bisher nichts gehört hatte. Durch ein offenes Tor sah ich ungefähr das hier (ungefähr – ich hab am Tor kein Bild gemacht, dies ist schon auf dem Gelände entstanden).

Song Qinglings Residenz

Song Qinglings Residenz

Neugier war geweckt, also habe ich mich näher umgesehen. Song Qinglings Residenz, soso. Die Frau von Sun Yat-sen, der Gründer des modernen China, von dem habe ich schon öfter mal gehört und gelesen. ;)

Ich muss gestehen, dass ich über Song Qingling bis dahin praktisch nichts wusste. Selbst wenn unser Geschichtsunterricht früher nicht so oft ausgefallen wäre, China und seine Geschichte stand eh nicht auf dem Lehrplan. Soviel zu meiner – schwachen – Entschuldigung. Vom Tor aus waren ein Pavillon und ein Laubengang zu sehen, interessant, lass ich mich doch mal überraschen. Ticket gab es für 20 RMB (hurra, ein spontaner Besuch ist möglich, keine Vorausbuchung erforderlich). Health Code mit der App scannen, Temperatur am Handgelenk messen lassen, normale Sicherheitskontrolle und dann konnte es losgehen.

Die Anlage ist gut beschildert, alles auch mit englischer Übersetzung. So wusste ich dann doch bald, was ich mir hier nun ansehe: hier hat die „Mutter des modernen China“ von 1963 bis zu ihrem Tod 1981 gewohnt. Die Anlage hat natürlich eine viel längere Geschichte und geht zurück bis auf die Qing Dynastie. 1888 übergab Kaiserinwitwe Cixi die Anlage an Prinz Chun I (Yixuan), später ging die Anlage auf Prinz Chun II (Zaifeng) über – dieser war der Vater des letzten Kaisers Puyi. 1949 machte der erste Premierminister der Volksrepublik China Zhou Enlai den Vorschlag, dass Song Qingling hier einziehen könne – was sie dann 1963 tat.

Pavillons

Gleich hinter dem Eingang erhebt sich ein kleiner Hügel, auf dem oben der „Fächerförmige Pavillon“ steht. Ja, mit ein bisschen Phantasie ist das wohl so. Wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, kann ich knapp über die Hecke auf den See hinüberspähen. Aber interessanter finde ich das ältere Paar, das klassische chinesische Musik hört und sichtlich im Augenblick schwelgt. Das jüngere Paar hat sich dann mit dazugesetzt.

„Fan-shaped Pavilion“

Ein Stück weiter steht ein weiterer Pavillon: „Room for Listening to Rain“. Dieser Pavillon ist „geschlossen“, nicht offen, vor den verglasten Fenstern hängen Gardinen, innen steht ein einsamer Eimer Farbe auf blankem Boden. Also zwei Pavillons, einer für sonniges, einer für Regenwetter. Gefällt mir gut. Also die Idee, einen Pavillon zu haben, um dem Regen zu lauschen, nicht die Renovierung und dass ich nicht hinein kann.

Garten, Steine, Teich

Ich gehe weiter, der Rundgang führt mich am Teich vorbei. Wobei der Teich eher ein Kanal ist, das Wasser wird vom Houhai abgezweigt und einmal rund durch das Anwesen geleitet.

Teich in Song Qinglings Residenz, Bäume mit erstem Frühlingsgrün spiegeln sich darin.

Teich in Song Qinglings Residenz

Zu einem ordentlichen chinesischen Anwesen gehören auch immer hübsche Steine und besonders gehegte Bäume und Pflanzen.

„must haves“ in chinesischen Gärten!

Die Ausstellung

Nächste Station des Rundgangs ist die Ausstellungshalle. Davor steht aber dieses Gefährt.

Fahrzeug vor der Ausstellungshalle

Überhaupt ist viel Militär auf dem Gelände. Auf einem kleinen Platz stehen etwa 40 Soldaten in kleinen Gruppen, die jeweils verschiedene Texte laut und durcheinander rezitieren. Haltung und Stimmung scheinen eher locker-gelöst. Ich hab keine Ahnung, um was es geht, bin neugierig, aber niemand da, der es mir erklären könnte.

Ich betrete das Ausstellungsgebäude. Gleich hinter dem Eingangsbereich befindet sich eine große Halle, die offensichtlich auch für Veranstaltungen genutzt wird.

Statue von Song Qingling in der Halles des Ausstellungsgebäudes ihrer Residenz

Halle im Ausstellungsgebäude

In der Ausstellung – chronologisch wird man durch Song Qinglings Leben und Wirken geführt – werden viele Bilder (Fotos und Gemälde), Briefe, etliche Kleidungsstücke gezeigt.

Gemälde, das Song Qingling inmitten einer Kinderschar zeigt.

Die beliebteste Großmutter aller chinesischen Kinder!

Mich freut wirklich, dass die Ausstellung durchgängig auch Englisch beschriftet ist. Das sind viele kleinere Schilder an den Wänden, aber auch so schnieke „Bücher“.

Buch als Beschilderung in der Ausstellung

So edel kann man eine Ausstellung beschildern

Besonders beeindruckt mich jedoch ein Geschenk, dass Stalin Song Qingling gemacht hat: ein ZIS-110 Sedan.

Ein ZIS-110-Sedan, Geschenk von Stalin an Song Qingling

Geschenk von Stalin

Rund 20 Jahre lang soll sie ausschließlich diesen Wagen benutzt haben.

Dann bin ich durch mit der Ausstellung, trete vor die Tür und da steht dann dieser Wagen. Nicht so schnieke, aber auch praktisch (manchmal vermisse ich mein Tuktuk).

In die Jahre gekommenes Tuktuk vor dem Ausstellungsgebäude

Das ist keine Limousine.

Taubenschlag des Friedens

Der Rundgang führt mich nun zum „Taubenschlag des Friedens“.

Taubenschlag

Taubenschlag

Taubenschläge sieht man hier in Peking ja viele, zum Beispiel auf vielen Dächern in den Hutongs. Diesen hier gab es zu Lebzeiten von Song Qingling noch nicht, sondern er wurde 2001 von Unternehmern, die mit Taubenzucht zu tun haben, gestiftet. Lest euch den Text des Schildes durch! Ist das nicht wieder herrlich? Ich glaube ja, dass man China auch durch aufmerksames Lesen und Betrachten seiner Schilder gut kennenlernen kann. :)

Das Hauptgebäude

Die nächste Station ist das eigentliche Wohnhaus, das Hauptgebäude. Die Einrichtung ist original, auf etlichen Schildern wird darauf hingewiesen, dass Song Qingling sparsam war und an der veralteten Ausstattung festgehalten hat.

Arbeits- und Schlafzimmer

Empfangs- und Wohnzimmer

Outdated oder nicht, auch wenn es kein protziger Palast ist, geräumig genug ist es jedenfalls, vor allem im Vergleich dazu, wie beengt viele Chinesen heute noch leben. Andererseits aber sicher ein angemessener Wohnsitz für die bisher einzige chinesische Ehrenpräsidentin.

Durch den Garten geht es zurück zum Eingang. Dabei geht es an diesem  500 Jahre alten Gelehrtenbaum (auch „japanischer Pagodenbaum“) vorbei, der von Song Qingling als „Phönixbaum“ bezeichnet worden sein soll, weil der Baum mit den im Westen nach oben gerichteten Ästen und den im Osten zum Boden geneigten Ästen wie ein Phönix beim Abheben aussehen solle. Aha. :)

Gelehrtenbaum – „Phönixbaum“

Mehr über Song Qingling

Mein Interesse, mehr über Song Qingling zu erfahren, wurde durch diesen netten Rundgang jedenfalls geweckt. Und mir ist wieder klargeworden, dass ich jetzt unbedingt endlich mal ein anständiges chinesisches Geschichtsbuch lesen muss.

Einen informativen Artikel findet man zum Beispiel hier bei der BBC: Soong Qingling: ‘The mother of modern China’.

Das Buch „Die drei Schwestern“ von Jung Chang wandert auf meine Wunschliste.

Und ich werde mal gucken, ob ich den Film „The Soong Sisters“ auftreiben oder streamen kann.

 

Fotos

Die Kinder waren platt, also haben wir am letzten Tag des Besuchs einen Ausflug zu zweit gemacht: erst in den Lamatempel, dann in den Konfuziustempel. Der Lamatempel ist beeindruckend, auch wenn Touristen gegenüber den Mönchen klar in der Überzahl sind. Aber der Geruch nach Räucherstäbchen, betende und sich in alle Himmelsrichtungen verbeugendende Menschen – das ist schon eine besondere Atmosphäre.

Vom Lamatempel sind es nur ein paar Schritte zum Konfuziustempel. Dieser hat eher musealen Charakter, ist nicht so prächtig, aber nicht weniger interessant. Ruhiger und weniger voll, auch wenn chinesische Reisegruppen lautstark von ihren Reiseführern im Rudel durchgescheucht werden, das hab ich im Lamatempel so nicht gesehen (dort gibt es aber auch Audioguides zum Leihen).

Ich glaube, bei strahlendendem Sonnenschein, tiefblauem Himmel und guten Luftwerten war das für Michaela noch mal ein schöner Abschluss. :)

 

Gestern war ich mit der Patengruppen-Fotogruppe im Red Brick Art Museum. Die Ausstellung, die eigentlich Anlass für den Besuch dort war, war nur leider schon beendet – 10 Tage vor dem offiziellen, überall plakatierten und veröffentlichtem Termin. That’s China. ;)

Da das Internet hier gerade mal wieder nicht so will wie ich das gern hätte, nur einige wenige Bildchen.

 

Die Minis auf Klassenreise, Thomas schwer im Stress – gute Gelegenheit für mich, mit dem Schnellzug (350 km/h Spitze) nach Shanghai zu reisen. Der Weg zum Südbahnhof (Beijing Nan) hat halb so lang gedauert, wie die Fahrt nach Shanghaihongqiao, schlimmer Unfall auf der Jingmi, nichts ging mehr, selbst die Kinder waren 3 Stunden zur Schule unterwegs, so sind alle Klassenfahrten dann mit deutlicher Verspätung gestartet.

In Shanghai angekommen war es genauso heiß wie in Peking, nur schwül noch dazu. Der Taxifahrer war entzückend, liebt offensichtlich seine Stadt und platzte vor Stolz, als wir auf dem „elevated highway“ (wenn der ganze Verkehr nicht mehr auf eine Straße passt, baut man halt ein oder zwei Straßen oben drauf…) um eine Kurve bogen und das beeindruckende Panorama von Pudong vor uns lag. Fix im Hotel in Hauptbahnhofsnähe eingecheckt und dann auf Erkundungstour: zum Bund natürlich!

Der hat gut gefallen: ein bisschen Landungsbrücken, ein bisschen Disney, ein bisschen Science Fiction. Auf der einen Seite die alten Protzgebäude, auf der anderen Seite die neuen: bunt illuminierte Türme. Den Bund von Nord nach Süd und wieder zurück entlangspaziert, mit unzähligen Chinesen posiert und fotografiert worden (nein, ich seh nicht plötzlich wie ein Model aus, ich bin halt als Langnase wahnsinnig exotisch hier) und dann auf einen Taxifahrerbetrüger reingefallen und bevor es hässlich wurde zu viel bezahlt – selbst schuld, seit wann kommen in China reguläre Taxifahrer auf einen zu, ich hätte es wissen müssen…

Am nächsten Tag: warmer Regen. Im Jade Buddha Tempel aber nicht schlimm, da hätte ich ewig bleiben und gucken können. Durch den Regen mit neuerworbenem Schirmchen zur Metro geschwommen und zum Jewish Refugee Museum gefahren, dabei kurz in die Seitengassen gespäht, aber zu nass für nähere Erkundungen. Hab mich dann nochmal in Richtung Flussufer begeben, ziemlich leer und verlassen wirkende bunte hypermoderne Hochhäuser bestaunt, durch einen netten Park gebummelt, dort beinah versehentlich in eine Hochzeit geplatzt… Abends nett im „Lynn’s“ gegessen, gehobene Shanghaier Küche – sehr lecker. Noch einen Blick auf die schicke Fußgänger-Einkaufsmeile geworfen (Nanjing Road), dann aber durch eine ziemlich heruntergekommene, leicht unheimliche Gasse zur Metro und zurück ins Hotel.

Am Mittwoch war es wieder trocken, bin dann mit der Metro zum Renmin Square – Volksplatz. Allein die Metrostation sehenswert, eine Stadt unter der Stadt, und „voll“ und „wuselig“ in einer neuen Dimension.  Oben am Platz einen Blick von außen auf Shanghai Museum und Urban Planning Exhibition Centre geworfen, beides auf später vertagt und für 50 RMB eine 48-Stunden-Karte für „Hop on hop off“-Sightseeing-Busse und Fähre erworben und dann am Mittwoch und Donnerstag oben im Roten Doppeldecker alle Linien mit zahlreichen Unterbrechungen abgefahren, auf jeden Fall auch eine gute Idee, um von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu kommen. Zunächst hat es mich dann nach Pudong getrieben und dort hinauf in den „Flaschenöffner“ – World Financial Centre. Auch hier geht es nicht schlicht, sondern bevor es in den Lift geht, muss man noch ein Infofilmchen über den Bau ansehen, am Ende natürlich (?) mit einem durch die Öffnung fliegenden Drachen. Auch im Lift Glitzer-Funkel-Licht- und Sound-Effekte. Und dann endlich oben: Sch****, ist das hoch! Als ob das nicht reichen würde, ging es noch mal einige Etagen höher, wo ich dann feststellen musste: Glasfenster im Boden in über 420 m Höhe sind nix für mich, also bin ich lieber etwas weiter runter, was in Wahrheit auch immer noch über 400 m hoch war. Und dann Lachflash: Hightech-Klo mit Ausblick („pullern nur für Schwindelfreie“ ;). Endlich wieder unten (puh), und dann entspannt mit der Fähre wieder rüber auf die andere Flussseite. Ein bisschen Landungsbrückengefühl und doch ganz anders!

Am Yuyuan Basar länger gebummelt und geguckt, für den Yu Garden war es schon zu spät. Der Basar ist eine laute, quirlige, lustige Mischung aus Edel- und Ramschboutiquen, schönen Souvenirläden und Plastikkrempel, Futterbuden in allen Geschmacksrichtungen, mit allerlei gebrutzelten aufgespießten (Meeres-)Tierchen, diverse „steamed bun“ Buden. Da hab ich mich einfach mal an die mit der allerlängsten Schlange angestellt und richtig geraten: ausgesprochen lecker. Inzwischen war es dunkel, wieder mit dem Bus zum Bund und da zum Sightseeing-Tunnel. Wie muss eine Attraktion in China sein? Lichteffekte, Glitzer, Funkel… In verglasten Waggons fährt man durch den Tunnel nach Pudong rüber und wird dabei mit beknackten (Un-)Sinnsprüchen und Jean Michel Jarre für Arme beschallt und mit netten Lichteffekten unterhalten. Lustig, und da es da sonst auch keine Brücke in der Nähe gibt, ne gute Möglichkeit, um nach Pudong zu kommen, wo man in der Nähe des Pearl-Towers wieder rauskommt. Da „musste“ ich dann natürlich auch drauf – und der Blick im Dunkeln auf die hellerleuchtete Stadt hatte was. Natürlich gab es auch wieder verglasten Boden… *grusel*

Am Donnerstag wieder mit dem Bus zum Yu Garden. Eine sehr gepflegte, gut englisch sprechende Chinesin verwickelte mich in ein Gespräch, als sie dann aber meinte, der Yu Garten wäre ja viel zu überlaufen jetzt und wir könnten doch gemeinsam zur einer Teezeremonie gehen, hab ich mich fix vom Acker gemacht. Einmal auf Touristenbescheißer (der Taxifahrer am Montagabend) reinfallen reicht! Der Garten hat gefallen, erfreulich ruhig da und wenig Glitzer, eine hübsche Galerie mit schönen und unkitschigen Bildern und Kalligraphien, das war echt nett.

Danach ging es dann ins Shanghai Museum, wo ich ziemlich banausenartig relativ zügig durch bin, nur die Ausstellung von Minderheitentrachten, Qing- und Ming-Möbeln (ohne dass ich jetzt sowas wie Sachverstand vortäuschen könnte, aber ich glaube, ich mag Ming mit den klareren Linien und weniger Schnörkeln lieber) und einige Statuen hab ich genauer angeguckt. Danach in der Mittagshitze über den Platz, halb verdurstet einen großen Tee mit Eis runtergespült – was offenbar nicht klug war, ansonsten achte ich drauf, immer alles ohne Eis zu bestellen, jedenfalls wurde mir danach ziemlich flau, was blöd war, weil ich so das Shanghai Urban Planning Exhibition Centre nicht wirklich würdigen konnte. Trotzdem, das gigantische Stadtmodel ist wirklich sehenswert! Das Flau-Sein war lästig, also lieber ins Hotel zurück, war glücklicherweise nicht weit weg.

Am Freitag ging es dann schon wieder zurück. Der Bahnhof – bei der Ankunft nicht viel von gesehen – ist gigantisch, es war ziemlich voll, aber doch geordnet. Bemerkenswert die Anzeigetafel: nicht ein einziges „delayed“. Eine chinesische Großfamilie hat mich bestaunt und alle weiblichen Familienmitglieder haben ihre Arme neben meine gehalten, und ich war nur unwesentlich heller (naja, ist halt heiß und sonnig in Peking), was für große Heiterkeit gesorgt hat.

Ebenfalls bemerkenswert: nach den paar Wochen China in Peking schon das Gefühl des Nachhausekommens.

Shanghai hat mir jedenfalls gut gefallen, vom Nervenkitzel und der Aussicht oben in den Türmen, am Bund am Fluss entlang, die kleinen Gassen, hinter jeder Ecke wieder alles anders… Doch, da würd ich irgendwann gern mal wieder hin!

 

Vor einem Jahr führte der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die ein paar Tage darauf nach Finnland zurückkehren musste, uns zum Eunuchen-Museum. Leider war das Museum da noch wegen Bauarbeiten geschlossen und es hieß „nächstes Jahr!“. Jetzt ist sie gerade zu Besuch bei uns und wir sind zu dritt zusammen mit einer gemeinsamen Freundin wieder dorthin gefahren.

Der Taxifahrer mochte nicht durch das enge Tor in den Hutong hineinfahren, also gingen wir zu Fuß weiter. Ich habe schon gefürchtet, wir wären im falschen Hutong, weil mir der Weg viel länger vorkam als im Vorjahr. Aber da war schon der Eingang. Schreck lass nach, das ist ja immer noch Baustelle! Und wir hatten vorher extra anrufen lassen, um herauszufinden, ob es auch wirklich geöffnet ist! Aber wir hatten Glück.


Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintritt: 8 RMB


Der „Friedhofsbereich“ mit der Grabstätte von Tianyi, einem der bekanntesten und einflussreichsten Eunuchen überhaupt, ist so gut wie fertiggestellt. Daneben gibt es ein paar Ausstellungsräume. Gewerkelt wird noch an einem Bereich mit weiteren Gebäuden, einem Torbogen – sieht auch als Baustelle interessant genug aus, um es nächstes Jahr wieder zu versuchen.

Zunächst sehen wir uns die Ausstellung an. Die Texte sind überwiegend Chinesisch, aber Bildunterschriften und Zusammenfassungen gibt es auch auf Englisch. Im ersten Raum gibt es Infotafeln zu den Eunuchen seit deren Anfängen im 8. Jahrhundert (oder doch früher?) bis hin zum letzten Eunuchen Sun Yaoting, der erst 1996 verstarb. 

Die Kastration wurde besonders in der Mingzeit „vollständig“ durchgeführt, also auch mit Penektomie. Ohne Betäubung. Die „drei Kostbarkeiten“ führten die Eunuchen dann bis zu ihrem Tod mit sich, um körperlich vollständig als ganzer Mann ins Jenseits übergehen zu können. Allerdings überlebte viele Jungen und Männer die Prozedur nicht, sie starben an Infektionen oder am Blutverlust. 1911 endete das Eunuchen-(Un-)Wesen mit dem Ende des Kaiserreichs.

Kastration und Penektomie

Gruselig

Die plastische Darstellung der Entmannung ist nicht das einzig Gruselige hier, denn es wird auch eine mumifizierte Leiche eines unbekannten Eunuchen ausgestellt. Und ein sichelförmiges Messer mit verrosteter Klinge ist zu sehen…

Nach der Ausstellung sehen wir uns die Grabstätte an. Hier sind die Bauarbeiten so gut wie abgeschlossen. Es gibt drei Pavillions, in denen auf beschrifteten Stelen von wichtigen Stationen im Leben Tianyis erzählt wird.

Weiter hinten befinden sich zwei Grabkammern, die von Tianyi im Schatten eines großen Kaki-Baumes. Wir stiegen hinunter, es ist kalt und feucht und obwohl alles frisch renoviert ist, ist es unheimlich. Als wir wieder draußen sind, erschlägt uns die Hitze fast.

Weg aus der Gruft

Am Ausgang treffen wir genau den Mann, der meine Freundin und mich vor einem Jahr herumgeführt hat und meine Freundin wechselt ein paar Worte mit ihm.

Hinterher spazieren wir noch ein Stück durch den Hutong, der teils kaum wieder zu erkennen ist, so wurde er herausgeputzt. Für einen Besuch des Fahai-Tempels, der nur zehn Minuten entfernt liegt, reicht diesmal die Zeit nicht mehr. 

 

 

Endlich habe ich mir mal wieder die Zeit genommen, allein in Peking unterwegs zu sein. Ich sollte das unbedingt wieder öfter machen! Zuerst war ich heute aber beim Kennenlern- und Wiedersehensfrühstück der Patengruppe. Das war sehr nett, aber schon um elf vorbei, also Zeit genug, noch auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Ich wollte schon seit einer Ewigkeit ins Nationalmuseum, also hab ich noch fix meine Metrokarte aufgeladen und bin bis zum Tiananmen Ost gefahren. 

Dort angekommen war erst mal langes Warten angesagt: Sicherheitskontrolle, aber mit deutlich längerer Schlange als sonst. Two Sessions, der Nationale Volkskongress tagt, ups, ich Döspaddel, da hätte ich ja auch eher dran denken können. Aber die Warterei war ganz lustig, ich fand mich in einer Männerreisegruppe wieder, die sich immer wieder vergewisserten, dass ich wirklich 3 Jahre und nicht 3 Tage Peking meinte.  Bei sowas freu ich mich dann doch über meine paar Chinesischbröckchen – und finde es gleichzeitig schade, dass ich nicht alles verstehe und/oder beantworten kann. Aber immerhin.

R2D2 im Einsatz

Dann fuhr zwischen den Warteschlangen auch noch ein Polizeiroboter hin und her und machte irgendwelche – für mich komplett unverständlichen – Ansagen und filmte offenbar auch. Da in den Sicherheitskontrollen Foto-Verbot ist habe ich mich nicht getraut das Teil zu knipsen, sieht aus wie R2D2, nur etwas höher, dafür schlanker und das Fahrgestell erinnert stark an ein Bobbycar. Ein junger Chinese grinste mich an und meinte „China secure!“
Nach einer halben Stunde war ich dann endlich auf dem Tiananmen, der mich immer wieder allein wegen seiner Größe beeindruckt. Das heißt, ich war auf dem Fußweg am Rand des Platzes. Autos? Nein, wie gesagt: Volkskongress. Als ich genau gegenüber der Großen Halle des Volkes stand, wurde ich allerdings weitergescheucht: heute keine Bilder hier! 

Aus der Entfernung noch ein kurzer Blick aufs Mao-Mausoleum (irgendwann geh ich da auch noch hin) und dann ab ins Nationalmuseum! Hier gab es dann die dritte Sicherheitskontrolle für heute (die erste an der Metro, die zweite am Zugang zum Tienanmen). Eintritt muss man nicht bezahlen, aber den Pass vorzeigen (ohne Pass kommt man aber auch schon vorher gar nicht auf den Platz).

Schüsseln gucken!

Und dann habe ich mir „ein paar Schüsseln“ angeguckt, wie meine Kurzen sagen würden. Ich war nur 2 Stunden da, aber jetzt habe ich immerhin einen ersten Eindruck gewonnen. Am Interessantesten fand ich heute die Ausstellung von Gastgeschenken von anderen Staaten/Staatsoberhäuptern. Das war eine sehr skurrile Sammlung von Kunst und Kitsch und Plunder und wirklich Wertvollem. US-Präsident Ford hat ein Ensemble mit lebensgroßen Schwänen basteln lassen, das fand ich einfach nur unfassbar geschmacklos. Dann gab es Vasen und die genannten Schüsseln, ein paar Möbel, Gemälde/Zeichnungen, ein paar Buddhastatuen und dann musste ich auch schon wieder los. War sicher nicht das letzte Mal. 

Am meisten beeindruckt hat mich allerdings das Gebäude, das einfach riesig ist… Es ist auch das größte Museumsgebäude der Welt. Jedenfalls bin ich jetzt gerade so zufrieden mit dem Tag (mehr als nur das), dass ich mich frage, warum ich das so lange nicht gemacht habe, hier in Peking alleine loszuziehen. Das bau ich jetzt auf jeden Fall wieder viel öfter in den Alltag ein! 

 

Heute Morgen sitze ich am Schreibtisch, als mein Handy rappelt: „Ich will was für die Fotogruppe nachgucken, kommst Du mit?“
Na klar.

99 Luftballons

Meine Freundin fährt. Auf Höhe des Supermarktes ist es wie immer vollgeparkt, Autos rangieren vorsichtig aneinander vorbei. Der Wagen, der uns entgegenkommt, fährt allerdings außergewöhnlich langsam. Ich meine, so wirklich langsam. Millimeter für Millimeter. So eng ist es dann doch nicht. Als wir dichter dran sind, sehen wir warum: Die Fahrerin sieht fast gar nichts, der Wagen ist proppevoll mit lila Luftballons. Proppevoll! Zwischen den an der Scheibe klebenden Luftballons klebt ihre Nase!

Luo Hong Art Museum

Luo Hong Art Museum

Parkplatz-Puzzle

Wir erreichen das Museum, die Schranke am Parkplatz geht hoch, meine Freundin parkt ein, wir steigen aus.
Ein Wächter kommt angerannt: „Bitte rückwärts einparken.“
Okay, wird erledigt.
Ein anderer Wächter kommt angerannt: „Bitte hier nicht, dort drüben.“
Keine Ahnung, warum, denn es ist nichts los, nur einige wenige Autos verteilen sich – immerhin alle rückwärts eingeparkt – über den Parkplatz.
Nach dem dritten Mal einparken ist alles gut.
Wir erkundigen uns nach dem Eintrittspreis (oh, günstiger als vor einem Jahr, jetzt „nur“ noch 100 RMB (für chinesische Museen ist das immer noch viel), Gruppentarifen (gibt es nicht) und Eintrittszeiten – passt. Wir bekommen beide noch ein hübsches Heftchen mit und sind im Handumdrehen wieder am Parkplatz. Das Parken hat länger gedauert als unser eigentliches Anliegen.

Scheibenwaschanlage, manuelle Version

Wir fahren weiter zur Markthalle. Wir schließen zu einem in die Jahre gekommenen LKW auf. Der Fahrer hält eine Flasche aus dem Fenster. Wir kommen näher, er fuchtelt damit herum. Huch?

Als wir ihn überholen, sehen wir, was das soll: Die Scheibenwischer sind an, und er spritzt das Wasser aus seiner Flasche auf die Frontscheibe. Ach so. Wir prusten beide los.

Markthalle

Markthalle

Heute kein Fleisch

Die Markthalle war ein paar Wochen geschlossen und zum Glück ist sie jetzt wieder geöffnet. Nicht plattgemacht, sondern nett renoviert, wirkt heller, aufgeräumter und sauberer als vorher. Schön. Auch das Fleisch in den Auslagen sieht appetitlich aus.
„Hast Du hier schon mal Fleisch gekauft?“
„Nein. Obwohl, jetzt im Winter… Und die Kühlkette in unserem Westler-Supermarkt ist ja auch ziemlich löchrig…“
„Lieber nicht drüber nachdenken!“
Voll bepackt mit Obst und Gemüse kehren wir zum Auto zurück und machen uns auf den Rückweg. Lieber kein Fleisch.
(Wobei das vermutlich blöd ist, wir kaufen ja auch Fleisch auf dem Sanyuanli-Markt, da ist das im Zweifel auch nicht anders als in der Markthalle hier.)

Spülmaschinen-Spinnereien

Zuhause räume ich in der Küche rum und mache ganz in Gedanken versunken die Spülmaschine an. Erst als sie läuft, fällt mir wieder ein: Die sollte doch sicherheitshalber ausbleiben. Es ist sehr mysteriös, manchmal springt die Sicherung raus, wenn man die Spülmaschine anschaltet, manchmal nicht. Heute hab ich Glück gehabt, die Sicherung bleibt drinnen, Spülmaschine läuft und das Haus ist auch nicht abgebrannt. Ich weiß nicht, wie oft inzwischen die Arbeiter deswegen hier waren. Natürlich gab es einmal auch den Vorführeffekt: Alles funktionierte. Am Tag danach nicht mehr. Irgendwas ist kaputt, keiner kann es reparieren, letzte Ansage war: Wir kontaktieren den Vermieter, da muss eine neue her. (Spülmaschine gehört zum mitgemieteten Inventar.) Das war letzte Woche. Ich sag ja, man lernt hier zwangsläufig, Geduld zu haben. Oder von Hand zu spülen. ;)

Wasser. Ich brauche Wasser.

Ich räume etwas in die Garage und sehe dabei, dass wir nur noch einen vollen Wasserkanister haben. Kein Problem, ich muss eh noch Milch und Brot kaufen, dann bestelle ich gleich drei neue Kanister.
Doch Problem: „Out of stock. Perhaps tomorrow.“
Nicht genügend Trinkwasser im Haus zu haben, ist hier eines der Dinge, die mich am meisten beunruhigen. Ich nehme sicherheitshalber eine Fünfliterflasche mit. Und zwei Paletten Softdrinks. Und eine Kiste Mineralwasser mit viel Sprudel. Import aus Deutschland, unglaublich teuer. (Nicht genügend bedeutet heute: ein noch fast voller 19-Liter-Kanister im Wasserspender und ein voller in der Garage. Aber man weiß doch nie… ;) )

Zum Schluss noch ein wenig Smog-Gejammer

Jetzt wird es dunkel, wobei es heute nicht hell geworden ist. Dass der AQI bei etwa 200 liegt, das riecht man nicht nur, fühlt man nicht nur, sondern sieht man auch.
Ibuprofen sei dank keine Kopfschmerzen mehr, aber ich könnte gleich mal versuchen, Joe Cocker zu covern – ohne dass man einen Unterschied hört. Allerdings müsste ich dabei gegen das Brummen der Luftfilter ankrächzen, ach nee, dann macht das ja auch keinen Spaß und ich sing lieber nicht.

Das war also mein ziemlich ereignisloser Tag. Alles ganz normal in Peking!