Vor einem Jahr führte der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die ein paar Tage darauf nach Finnland zurückkehren musste, uns zum Eunuchen-Museum. Leider war das Museum da noch wegen Bauarbeiten geschlossen und es hieß „nächstes Jahr!“. Jetzt ist sie gerade zu Besuch bei uns und wir sind zu dritt zusammen mit einer gemeinsamen Freundin wieder dorthin gefahren.

Der Taxifahrer mochte nicht durch das enge Tor in den Hutong hineinfahren, also gingen wir zu Fuß weiter. Ich habe schon gefürchtet, wir wären im falschen Hutong, weil mir der Weg viel länger vorkam als im Vorjahr. Aber da war schon der Eingang. Schreck lass nach, das ist ja immer noch Baustelle! Und wir hatten vorher extra anrufen lassen, um herauszufinden, ob es auch wirklich geöffnet ist! Aber wir hatten Glück.


Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintritt: 8 RMB


Der „Friedhofsbereich“ mit der Grabstätte von Tianyi, einem der bekanntesten und einflussreichsten Eunuchen überhaupt, ist so gut wie fertiggestellt. Daneben gibt es ein paar Ausstellungsräume. Gewerkelt wird noch an einem Bereich mit weiteren Gebäuden, einem Torbogen – sieht auch als Baustelle interessant genug aus, um es nächstes Jahr wieder zu versuchen.

Zunächst sehen wir uns die Ausstellung an. Die Texte sind überwiegend Chinesisch, aber Bildunterschriften und Zusammenfassungen gibt es auch auf Englisch. Im ersten Raum gibt es Infotafeln zu den Eunuchen seit deren Anfängen im 8. Jahrhundert (oder doch früher?) bis hin zum letzten Eunuchen Sun Yaoting, der erst 1996 verstarb. 

Die Kastration wurde besonders in der Mingzeit „vollständig“ durchgeführt, also auch mit Penektomie. Ohne Betäubung. Die „drei Kostbarkeiten“ führten die Eunuchen dann bis zu ihrem Tod mit sich, um körperlich vollständig als ganzer Mann ins Jenseits übergehen zu können. Allerdings überlebte viele Jungen und Männer die Prozedur nicht, sie starben an Infektionen oder am Blutverlust. 1911 endete das Eunuchen-(Un-)Wesen mit dem Ende des Kaiserreichs.

Kastration und Penektomie

Gruselig

Die plastische Darstellung der Entmannung ist nicht das einzig Gruselige hier, denn es wird auch eine mumifizierte Leiche eines unbekannten Eunuchen ausgestellt. Und ein sichelförmiges Messer mit verrosteter Klinge ist zu sehen…

Nach der Ausstellung sehen wir uns die Grabstätte an. Hier sind die Bauarbeiten so gut wie abgeschlossen. Es gibt drei Pavillions, in denen auf beschrifteten Stelen von wichtigen Stationen im Leben Tianyis erzählt wird.

Weiter hinten befinden sich zwei Grabkammern, die von Tianyi im Schatten eines großen Kaki-Baumes. Wir stiegen hinunter, es ist kalt und feucht und obwohl alles frisch renoviert ist, ist es unheimlich. Als wir wieder draußen sind, erschlägt uns die Hitze fast.

Weg aus der Gruft

Am Ausgang treffen wir genau den Mann, der meine Freundin und mich vor einem Jahr herumgeführt hat und meine Freundin wechselt ein paar Worte mit ihm.

Hinterher spazieren wir noch ein Stück durch den Hutong, der teils kaum wieder zu erkennen ist, so wurde er herausgeputzt. Für einen Besuch des Fahai-Tempels, der nur zehn Minuten entfernt liegt, reicht diesmal die Zeit nicht mehr. 

 

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