Ein traumhafter Sommertag, die Jungs sind mit Online-Unterricht und Hausaufgaben beschäftigt, nichts wie raus. Da sich das Leben und die Corona-Regeln hier ziemlich normalisiert haben, will ich Fotowalks für die Fotogruppe planen. Einen Ort, den die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren noch nicht besucht hat und zu dem es mich selbst schon lange hinzieht: Die Residenz von Prinz Gong. Die soll so besonders schön sein, ein bisschen an die Verbotene Stadt erinnern und gleichzeitig mit schönem Garten, Teichen und Flüssen aufwarten. 

Bisher habe ich nur kein Glück gehabt! Entweder es war Montag (und montags sind fast alle Sehenswürdigkeiten geschlossen) oder es wurde gebaut. Prinz Gong und ich – das wird nix.

Es wurde auch länger gebaut als vorgesehen, und ich hab es dann aus den Augen verloren, dann kam Corona, aber heute! Heute versuch ich es. Es ist auch nicht Montag!

Tja.

Alles dicht. Zu. Geschlossen.

Ich spreche ein paar Männer an, die vor dem verschlossenen Tor stehen. Nein, diesen Monat nicht mehr. Nächsten Monat. So ist das halt, zum Glück bin ich ja für länger hier und kann es dann im September wieder versuchen (wenn ich das nicht wieder vergesse…). Der Tag ist auch viel zu schön, um sich darüber zu ärgern, ich fahre dann halt ein Stück um die Residenz herum. 

Rechts hinter der Mauer befindet sich Prinz Gongs Residenz. Aber die Straße ist auch schon ziemlich idyllisch, oder?

Es ist Waschtag. Ach so, deshalb darf man nicht zum Prinzen.

Wäsche vor dem Nebeneingang von Prince Gong’s Mansion.

Ich fahr noch mal am Haupteingang vorbei, aber kein Schild, nichts. Auch die Männer von vorhin sind verschwunden. 

Prince Gong’s Mansion. Geschlossen, wie immer, wenn ich da hinein möchte.

Ich beschließe, dass der Fotogruppenausflug zum Dongyue-Tempel gehen soll. Auch das eine Location, wo die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren nicht war. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, will ich vorbeifahren und schauen, dass da nicht auch plötzlich Waschtag ist oder Bauarbeiten…

Am Shichahai

Vorher komme ich am Shichahai vorbei. Da muss ich auch unbedingt stoppen. Zuerst sehe ich zwei Arbeitern dabei zu, wie sie Müll rausfischen, der sich im Durchflussgitter Richtung Beihai verfangen hat. Als sie fertig sind, brausen sie los. Hach ja, aufs Wasser wäre jetzt eine feine Sache, aber der Bootsverleih hat geschlossen.

Shichahai

Ich bin an der Ecke vom See, wo sich der Lotosmarkt befindet. Der heißt so, weil…

Lotos. Blütezeit geht zu Ende.

Ist es ein Alien? Ist es verblühter Lotos?

Alt und neu – da kommt noch eine Blüte nach!

Auch verblüht immer noch schick.

Und dann kommt eine dieser Aussichten, wo man total vergisst, dass das hier mitten in der Großstadt ist.

Ist das nicht einfach unheimlich schön hier?

Die Sonne knallt ganz schön vom Himmel, mein Wasser ist alle, hier steht kein Verkaufswagen, die Shops sind geschlossen – ich mach mich auf den Weg zum Dongyue-Tempel.

Der Dongyue-Tempel

Okay, ich bin schon über fünf Jahre in Peking, aber die Stadt ist so riesig und mein Orientierungsvermögen so schlecht – und trotzdem finde ich den Weg ohne einmal aufs Handy zu gucken. Auch ein gutes Gefühl.

Das Ticketbüro ist nach draußen umgezogen. Ja, der Tempel ist geöffnet, keine Bauarbeiten oder Schließzeiten geplant. (Da wo mein Chinesisch nicht ausreicht, hilft die Übersetzungsapp!). Super, dem Fotogruppenausflug hierher steht also nichts im Weg. Wo ich schon mal da bin, will ich aber trotzdem rein.

Einen ersten Code mit WeChat-Pay scannen, um den Eintritt zu bezahlen. Einen zweiten Code mit der Beijing Health App scannen: damit bin ich zum einen registriert (und zwar nicht als Pippi Langstrumpf aus Bullerbü, wie manche weniger nette Menschen das in Deutschland wohl machen) und zum anderen wird mein grüner Code (nicht in Risikogebieten gewesen und wer weiß, was das Ding noch weiß) gesichtet: ich darf hinein.

Oh. Hier findet heute ein Event statt. Ich vermute, es hat mit dem chinesischen Valentinstag, Qixi zu tun. Das wurde hier aber nicht von darbenden Blumenhändlern erfunden, sondern geht auf eine alte Legende (Vom Kuhhirten und der Weberin) zurück.

Vorne am Eingang ist es relativ voll, also gehe ich erst einmal weiter.

Hauptachse

In Wahrheit zieht es mich auch zu den Nischen an den Außenseiten, wo 76 Departements aus dem daoistischen Jenseits dargestellt werden. Damit ich beim Fotogruppenausflug noch was zu tun und hinterher was zu erzählen habe, werde ich mir bis dahin mehr über diese Departements anlesen.

Dies scheint mir ein freundlicher Dämon…

Departement of Mord und Totschlag?

Hmm. Dies ist nicht das Department für unzüchtigen Lebenswandel. Aber welches dann?

Zwischen den vielen Gruselgestalten auch mal was Liebes!

Junger Mann, was haben Sie genommen?

Einerseits typischer Tempel: Ähnlicher Grundriss, rote Hallen mit Säulen und blau-grünen Verzierungen. Aber mehr Schrift – und halt die Department-Nischen (von denen viele übrigens Opferboxen vorne am Zäunchen haben).

Außer den Departments gibt es diese Stelen. Dazu muss ich mir auch noch mehr anlesen, ich glaube, diese hier haben mit den Tierkreiszeichen zu tun – und sie sollen aus der Geschichte der Umgebung erzählen.

Schildkröte! <3 Langlebig, weise… – Und zwei Dachreiter am Boden.

Innenhof. Mit Feuerlöschstation. Und so groß sehen die Dachreiter oben auf dem Dach jetzt gar nicht mehr aus, oder? Sind aber genauso groß wie die beiden goldenen am Boden.

Peking. Tradition und Moderne, Altes und Neues.

Kleine Säulen, große Säulen.

Fast vergessen: Dieser Tempel beherbergt zwar ein Museum (das Folkloremuseum, heute habe ich nur einen Blick auf ein paar sehr alte TCM-Fläschchen geworfen), aber es ein „aktiver“ Tempel. Die Mönche passen auch gut auf, dass man bestimmte Buddhas nicht fotografiert.

Auch im Tempel geht ohne Handy nix.

Noch ein Department. Schlachten? Tier-Opfer? Ich muss mich da echt noch mehr einlesen.

Nun bin ich einmal rundherum durchgegangen. Die Sonne knallt immer noch, ich hab immer noch nichts zu trinken, aber vorne am Tor muss ich mir doch noch diese drei hübschen Tänzerinnen ansehen.

Tänzerinnen beim Event im Tempel.

Ja, das war mein Pekinger Sommertag. Anders als geplant, aber trotzdem schön und voller bleibender Eindrücke. Also schon irgendwie typisch. 

Die Regenzeit scheint hinter uns zu liegen (hoffentlich), die Temperaturen sind etwas angenehmer, die Luft dazu ganz okay – nichts wie raus, Zeit für einen Spaziergang am Shichahai.

Zuerst stoppe ich aber  noch an Trommel- und Glockenturm.

Glockenturm

Auf dem Platz zwischen den beiden Türmen tobt das Leben. Chinesische Popsongs untermalen das Ganze, getanzt wurde (noch?) nicht.

Trommelturm

Ein junger Mann bringt Kindern Inlineskaten bei. Sicherheitshalber haben manche Kinder nicht nur die auch in Deutschland übliche Schutzausrüstung, sondern obendrein ein Kissen unter den Po geschnallt.

Ich bin ja immer wieder entzückt und begeistert von der Vielzahl der verschiedenen Fahrzeuge, die hier in Peking fahren. Mit diesen Tuktuks/Elektro-Dreirädern (die es in 1000 verschiedenen Varianten gibt) kann fast jeder bis ins hohe Alter mobil bleiben.

Tuktuk – Warum gibt es die eigentlich nicht in Deutschland?

Von den Türmen aus gehe ich weiter zum Shichahai. Sieht das nicht ruhig und friedlich aus?

Shichahai

Das täuscht allerdings. Es ist hier ganz und gar nicht so ruhig, wie das Bild vom Steg vermuten lässt, denn rings um den See steppt der Bär.

Viel los am Shichahai

Obwohl es noch relativ früh ist, sind die Bars offen, überall spielen Live-Bands.

Live-Musik am Shichahai

Auf beiden Seiten des Sees ist richtig Trubel, aber auch  in den Hutongs links und rechts.

Blick vom See Richtung Glockenturm

Die Maskenpflicht ist outdoor aufgehoben! Peking meldet heute zwei Wochen ohne Corona-Neuinfektionen. Trotzdem trägt deutlich mehr als die Hälfte der Menschen, die mir heute begegnet sind, weiterhin eine. Ich auch.

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Liangma Fluss. Die Bauarbeiten zwischen Maizidian und Xindong Road sind praktisch abgeschlossen. Der Fluss war ein? zwei? Jahre trockengelegt worden, um ein Upgrade verpasst zu kriegen. Holzbohlenwege säumen das Ufer, schnieke Beleuchtung wurde installiert – und auch hier ist richtig was los.

Am Liangma Fluss

Ja, das lässt sich alles gerade gut aushalten. So sehr ich mich immer über den Frühling und das Ende des Winters freue, so schön ist Peking von Mitte August bis Mitte/Ende Oktober. Danach wird’s kalt… Im Hochsommer bremsen mich halt oft übermässige Hitze oder der Regen aus. Von daher kommt jetzt die Zeit zum Genießen, wenn es weiterhin keine Corona-Neuinfektionen gibt, ist das Leben hier dann wirklich beinah normal. :)

Mitte Juni 2015 wurde die Verbotene Stadt (der Kaiserpalast, „Gùgōng„) etwas verbotener und eine Obergrenze von 80.000 Besuchern am Tag festgelegt.  Das sind immer noch ziemlich viele Leute. Dann kam Covid-19 und die Verbotene Stadt und alle anderen Sehenswürdigkeiten wurden ab dem 25. Januar geschlossen. Nach über einem Vierteljahr wurden die Pforten am 1. Mai wieder aufgemacht, wenn auch mit strengen Sicherheitsauflagen: Statt 80.000 Tickets werden nur 5.000 Tickets pro Tag verkauft. Die Tickets muss man hier im Voraus online kaufen, chinesische ID-Card oder Reisepass nötig. Die Passnummer ist dann quasi die Eintrittskarte. Über die Maifeiertage waren die Tickets sofort ausverkauft, ich habe eins für heute ergattert.

Heute Morgen rappelt mein Handy, gleich zwei SMS, in denen ich darauf hingewiesen werde, die ganze Zeit eine Maske zu tragen, mich nicht zu „versammeln“ und einen Meter Abstand zu anderen zu halten und jederzeit mit dem Sicherheitspersonal zusammenarbeiten. Das wird in der zweiten SMS noch einmal wiederholt. Und außerdem soll ich von Donghuamen aus am Osttor die Verbotene Stadt betreten (also nicht, wie ich das sonst mache, durch das Tor des Himmlischen Friedens am Tien’anmen, unterm Mao durch). Das passt mir aber gut, denn hier kann ich meinen Scooter sicher abstellen.

Osttor

Es geht aber nicht hier durch das Tor hinein, sondern am Fluss Dongtonzi entlang um die Ecke.

Ein Umtausch in Papiertickets ist nicht nötig, aber man muss mit seinem Pass zum Ticketschalter gehen (als Ausländer zum üblichen Ausländerticketschalter) und dort mit der App „Beijing Health Kit“ nachweisen, dass man „clean“ ist. Es gibt ja einige solcher Health-Apps, hier wird aber nur die genannte akzeptiert. Danach geht es wie gewohnt weiter zur Sicherheitskontrolle. Wie gewohnt? Nicht ganz. Auf dem Boden sind Abstandsmarkierungen, die ich aber ignorieren kann, da außer mir nur Wächter und Kontrolleure da sind. Verbotene Stadt ohne anstehen – das ist neu.

Privataudienz bei Kaisers

Heute bin ich tatsächlich das erste Mal ganz allein ohne Familie oder Besuch in der Verbotenen Stadt. Ich gönne mir einen Audioguide, der GPS-gesteuert die jeweils passenden Texte abspielt – so steht dem erstrebten Herumstromern nichts mehr im Wege. Es ist still, nur kurz unterbrochen von dem kleinen Mann in meinem Ohr. Wo sonst Tausende in kleinen und großen Gruppen für eine unglaubliche Lärmkulisse sorgen, lassen die leeren Flächen den Kaiserpalast viel größer auf mich wirken.

Nur Mitarbeiter…

Ist das nicht unglaublich?

Natürlich wird überall posiert. In tollen roten Kleidern.

Oder in traditionellen Trachten.

Überall stehen Wächter mit Schildern: Nicht knubbeln! Nicht rotzen!

Jetzt bin ich schon mitten in der Verbotenen Stadt, aber es bleibt leer.

Heute entscheide ich mich für die westliche Seite. Hier waren die Paläste der Konkubinen und der Kaiserin.

Bei dem Brunnen erinnere ich mich an die Geschichte der Konkubine Zhen, die ich auf Ulrikes bambooblog gelesehen haben. Aber hier ist kein Schild und auch der kleine Mann im Ohr hüllt sich in Schweigen. Ob das der Brunnen ist, in dem die Konkubine ertränkt wurde (bzw. eine renovierte neue Version davon)? 

Schließlich mache ich mich noch auf in den Kaiserlichen Garten, mein Lieblingsort innerhalb der verbotenen Stadt. Hier scheinen mehr Menschen als auf den großen Plätzen und Gängen zu sein, aber kein Vergleich zum normalen Gedrängel und Geschiebe hier.

Dann wird es Zeit für mich zu gehen. Ich gebe den Audioguide ab und verlasse die Verbotene Stadt durch das Nordtor. Nun muss ich außen herum wieder zurück zum Osttor gehen. Natürlich darf ein Bild von „der Ecke“ nicht fehlen.

 Ich bin jetzt sicher schon 6? 7? Mal in der Verbotenen Stadt gewesen, aber es gibt immer noch so viel zu entdecken – und jetzt ohne die Menschenmassen ist das natürlich noch mal ein ganz besonderes Erlebnis. Der Besuch lohnt sich, obwohl die Museen/Ausstellungen geschlossen sind, man teilweise auch nicht an die Fenster darf, um hineinzugucken (vor allem an den Haupthallen an der Mittelachse, östlich und westlich geht das).

Ein unglaublich schöner Ausflug, den ich bestimmt bald wiederholen werde.

 

Ein Highlight in China ist sicherlich die chinesische Küche, wobei es in Wahrheit nicht „die“ chinesische Küche gibt, sondern eine unglaubliche Vielfalt aus den verschiedenen Regionen. Wer mehr darüber lernen und erfahren möchte, dem möchte ich zum einen ein Buch: Culinaria China, zum anderen die Kochworkshops im „The Hutong“ ans Herz legen. Eine leckere Möglichkeit, sich dem Reich der Mitte über die Esskultur anzunähern!

Culinaria China – wer es bekommt, sollte die alte Hardcoverausgabe bevorzugen, inhaltlich nur minimal abgespeckt die neue broschierte Ausgabe. Mit diesem Buch kann man sich auf eine Reise durch China machen und lernt etwas über die jeweiligen Regionen und deren Küche. Umfangreiches Sach- und Rezeptregister machen das Wiederfinden von Rezepten leicht. Von meinen chinesischen Bekannten werden die Rezepte als authentisch eingestuft und natürlich kann man sich, wie bei jedem anderen Kochbuch auch, inspirieren lassen, variieren und dem eigenen Geschmack folgen.

Tolle Kochworkshops!

Für die Kochworkshops im The Hutong muss man nicht in Peking leben, man kann sie man auch bei einem kurzen Pekingaufenthalt gut einbauen, vielleicht anstatt Mittagessen zu gehen: das Essen selbst zubereiten und dann genießen. Man könnte zum Beispiel gleich morgens um 9 Uhr den ganz in der Nähe gelegenen Lama-Tempel besichtigen (auch wenn man dann nur eine Stunde Zeit dafür hat, mehr Zeit hat man bei organisierten Pekingreisen aber auch nicht), dann die Yonghegong Street Richtung Süden zur Dongsi North Street entlang spazieren, die große Kreuzung überqueren und ganz kurz danach vor der Post links in den Shique Hutong einbiegen. Oder gleich mit der U-Bahn bis zur Station Beixinqiao fahren.

Dann wird es etwas kniffelig, aber wenn man sich für einen Workshop angemeldet hat, bekommt man mit der Bestätigungsmail eine idiotensichere Wegbeschreibung (ich weiß das, mein Orientierungsvermögen ist armselig). Um 10:30 Uhr beginnen die Vormittags-Workshops, weitere gibt es nachmittags und abends, aktuell kostet ein Workshop ohne Ermässigung 300 RMB.

Ich habe inzwischen 5 Kurse dort besucht, zufällig alle bei Sophia. Sie stammt aus der Inneren Mongolei, und ist quirlig, engagiert, dynamisch, mitreißend! Sie spricht hervorragend Englisch – und sagt immer, sie sei nicht wegen ihrer Kochfähigkeiten, sondern wegen ihres Sprachvermögens dort beschäftigt. Ersteres ist definitiv tiefgestapelt! Sophia beginnt die Kurse stets mit einer kurzen (!) Vorstellungsrunde – mag nur ein Nebenaspekt sein, aber oft befindet man sich dort in internationaler Runde mit Menschen von allen Kontinenten, was absolut positiv für die Atmosphäre ist. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen 5 und 16-20 (?) Personen, wobei größere Gruppen dann einen zweiten Chief bekommen und auf zwei Küchen verteilt werden – die Gruppe bleibt also klein genug für individuelles Lernen. Bei der Vorstellungsrunde wird klar, ob Teilnehmer zum ersten Mal dabei sind, dann gibt es eine ausführliche Einführung in die regionalen Chinesischen Küchen und deren Besonderheiten; sind nur Wiederholungstäter da, wird das etwas abgekürzt.

Im Norden sind Nudeln und Nudelgerichte zuhause, die im Süden nicht gegessen werden, dort wird Reis bevorzugt. Im Norden ist die Küche generell etwas milder als im Süden, wo die schweißtreibende scharfe Küche bevorzugt wird, das Schwitzen sorgt für Abkühlung…

Input!

Gewürze

Dann werden die wichtigsten Gewürze vorgestellt, wer mag kann auch probieren: neben Salz und weißem Pfeffer sind dies helle und dunkle Sojasoße, Reiswein, Reisessig, Sesamöl, Chili, Ingwer, Knoblauch und Zucker, sowie – Sichuanküche! – Sichuanpfeffer. Je nach Rezept kommen weitere Gewürze hinzu, nicht alles wird immer verwendet, dafür kommen andere würzende Zutaten wie eingelegte Gemüse, Bohnenpaste, Chiliöl oder oder oder hinzu. Anschließend stellt Sophia die Rezepte des Tages vor, in der Regel sind es drei Gerichte, die gekocht werden. Sie erläutert die Herkunft, die Besonderheiten, spezielle Zutaten und den Umgang damit. Die eher langweilig-mühseligen Vorbereitungsarbeiten (rohes Fleisch vom Knochen lösen, Gemüse waschen…) werden vorab von Ayis erledigt, eine ist auch während des Workshops dabei und achtet darauf, dass reichlich Tee und Wasser fließt, kocht Reis, räumt Abfälle direkt weg. Das ist nicht nur ein bisschen Luxus, man kann sich dann auch besser auf das Wesentliche konzentrieren.

The Hutong - Küche

The Hutong-Küche

Das war dann auch genug Theorie, dann wird geschnippelt. Halt – doch noch etwas Theorie: knife skills! Gearbeitet wird mit einem großen chinesischen Messer, mörderisch scharf, und bevor man sich damit die Finger absäbelt, bringt Sophia (oder andere chiefs) einem zunächst den richtigen Umgang damit bei: wie fasst man es an, wie schneidet man dieses oder jenes Gemüse am besten? Meine Knoblauchpresse liegt seit dem ersten Kurs übrigens in der Ecke, mir gefällt die chinesische Methode: Ende abschneiden, Knoblauchzehe mit herzhaftem Bums aufs Messer plattklopfen, Haut einfach abziehen, fix kleinhacken, fertig. Geht viel schneller als die Hautabpfriemelei…

Push! Turnover! Quick!

Dann werden alle Zutaten vorbereitet, jeder muss ran, jeder bekommt ein bisschen Ingwer, Knofi, Gemüse und muss das Gelernte umsetzen und erst wenn alles fertig vorbereitet, gegebenenfalls mariniert ist, geht es an den Gasherd. Jeweils zwei Leute müssen ran und unter Sophias strenger Aufsicht pfannenrühren, weitere reichen andere Zutaten an, fügen Gewürze hinzu etc. Jeder kommt dran, drücken geht nicht – aber so lernt man alles. Push! Turnover! Quick! Quicker! Stehen eher scharfe Rezepte auf dem Speiseplan, wird abgefragt, wer scharf und wer lieber weniger scharf ist, dann werden gegebenenfalls zwei Varianten zubereitet. Spätestens jetzt ist Zeit für das erste Tsingtao! :)

Dank Ayi ist der große Tisch inzwischen freigeräumt und gedeckt und dann können die selbstgebrutzelten Köstlichkeiten genossen werden, Zeit für Fragen und Antworten, für Smalltalk – was unterscheidet eigentlich südamerikanische Schärfe von chinesischer? Ulkig, Fleischklößchen gibt es offensichtlich überall auf der Welt. Oh, und Teigtaschen wohl auch! Man entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten…

The Hutong

So ein Workshop ist definitiv ein Erlebnis und selbst am Ergebnis beteiligt zu sein: dann schmeckt es nochmal so gut. Den jeweils aktuellen Plan findet man hier auf der Webseite unter Calendar, der Anmeldeprozess ist ganz einfach. Ich habe bisher die Kurse Tastes of China B, Streetfood A, Sichuan B, Saisonales Gemüse/Februar und Neujahrsspezialitäten besucht – und habe mir fest vorgenommen, weiterhin etwa einmal im Monat einen Workshop zu besuchen. Gerne würde ich auch die anderen Angebote (Marktbesuche, Vorträge, Stadtteilspaziergänge, Ausflüge oder sogar Reisen) einmal wahrnehmen, das ist sich bislang terminlich nicht ausgegangen.

Meine Männer sind ja leider eher von der deutschen Schnitzelmafia. Nichtsdestotrotz mögen zumindest die beiden Kurzen inzwischen zum Beispiel Gong Bao Ji Ding: Hühnchen mit Erdnüssen und Sichuanpfeffer – wenn es ein chinesisches Nationalgericht gibt, dann ist es vielleicht dieses traditionelle aus der Sichuanküche stammende Gericht. Es gibt unzählige Varianten, auch vegetarisch – nur ohne Erdnüsse und Sichuanpfeffer ist es kein Gong Bao mehr!

Überhaupt essen wir inzwischen auch von mir gekochtes wesentlich schärfer als noch vor zwei Jahren, treudeutsche Küche kommt uns jetzt oft einfach zu fad vor! Allerdings – während ich dies geschrieben habe, steht Männe in der Küche und kocht Omas Tomatensuppe…

Meine Tochter und ich sind in der Unterzahl, in unserer Familie steht es 2:5. Hier in Peking steht es sogar nur 1:3. Verflixte Männerübermacht, die – Achtung, ein Klischee – eine Vorliebe für Schnitzel hat. Ich weniger. Also hat Männe lange Jahre probiert und experimentiert und es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Mit seinen Suppen muss er noch üben, aber bei den Schnitzeln gibt es nichts mehr zu meckern. Für unsere mäkeligen Kurzen ist das sogar das Lieblingsessen.

Als dann kürzlich Nummer 4 in der Schule gefragt wurde, ob und was die Kinder an Essbarem zum Schulflohmarkt für den guten Zweck beitragen – es wird mit dem Projekt Candlelight eine Wanderarbeiterschule unterstützt, mehr Informationen auf der Schulwebseite – war es für den Junior klar: wieder Schnitzel. Das haben er und Männe schon beim letzten Flohmarkt angeboten und es lief super. Junior hatte dann auch schon alles klargezogen, und uns danach erst informiert – da hat er Glück gehabt, dass Männe tatsächlich Zeit hat.

Normalerweise kaufen wir Fleisch hier draußen bei uns im auf Westler ausgerichteten Supermarkt. Aber für so eine Aktion braucht man ja ein paar Grämmchen mehr, also habe ich eine Freundin gefragt, ob sie nicht zufällig was vom Sanyuanli-Markt braucht – Glück gehabt, sie brauchte. Zu zweit ist es ja doch netter, den weiten Weg in die Stadt hineinzufahren, wobei wir Glück gehabt haben, und es zwar Stockungen aber keinen Stillstand gab. Einen Parkplatz gab es auch genau gegenüber vom Markt, alles perfekt.

Der Sanyuanli-Markt

Der Sanyuanli-Markt ist eine Pekinger Institution. Hier kaufen Restaurantschefs und Hobbyköche, aber auch Otto Normalchinese. Es gibt einfach alles, was man in der Küche brauchen könnte. Ich bin eine Weile nicht dort gewesen, konnte es anfangs nicht so richtig greifen, aber etwas war anders. Der Bäcker gleich vorne an ist neu, da war vorher ein Obststand, aber das war es nicht. Dann sah ich eine Frau mit Besen und der Groschen fiel: Es wirkte alles deutlich aufgeräumter und sauberer, der Gang war frei – der Markt befindet sich in einem langgezogenem Gebäude, ein Gang in der Mitte und links und rechts die kleinen Verkaufsstände. Auch alles schön sortiert: Vorne an finden sich jetzt Backwaren, dann haltbare Importware wie Kaffee, Kakao, Konserven, dann Obst, später folgen Geflügel, Schwein, Rind und Schaf, dann gibt es Gemüse, dann Fisch und Meeresfrüchte…

Und es riecht natürlich immer entsprechend! Als wir an den Fischständen vorbeigegangen sind, musste ich an den Markt in Liuku denken, wo es noch intensiver gerochen hat, wo die Gänge kreuz und quer gingen, es noch bunter und viel chaotischer war, wo mir dann ein Fisch vor die Füße gesprungen ist und es doch einen Moment gruselig war. Aber heute blieben alle Fische brav (und tot) auf den Tischen liegen, auch aus den Bottichen und Tüten (ja, Fische in wassergefüllten Tüten) ist nichts herausgesprungen – puh.

Fertig?

Wir haben unsere Einkäufe erledigt: Reichlich Schnitzelfleisch für den Schulflohmarkt, dann Geflügel zum Einfrieren für uns privat, dazu etwas Gemüse – am Ende waren wir schon ordentlich bepackt und sind umgedreht, den langen Gang zurück zum Ausgang.

Wir waren gerade wieder beim Fleisch angekommen, da höre ich das Klicken einer Kamera und sehe hoch und in ein großes Objektiv hinein. Ja klar, der Markt ist wirklich ein beliebtes Ziel für Fotografen. Es war allerdings nicht nur ein Fotograf, sondern es war eine Gruppe Japaner, alle mit Kameras bewaffnet – und alle konnten sich nicht über die beiden Langnasen einkriegen, die einen Großeinkauf auf einem chinesischen Markt getätigt haben. Man hat sich gegenseitig zugerufen und die Gruppe (samt Hocker für die bessere Perspektive von oben) zusammen getrommelt, nein, wie unfassbar exotisch, kicher, gacker, kreisch. Ich guck meine Freundin an – sie grinst, ich grinse, die Verkäuferinnen und Verkäufer an den Seiten grinsen und irgendjemand lacht los und irgendwann lachen wir alle, der ganze Markt. Der Wahnsinn.

Irgendwann können wir uns lösen, kommen noch an ein paar japanischen Nachzüglern dabei, müssen immer wieder kurz stehen bleiben und uns ablichten lassen. Gerne hätte ich zurückfotografiert, aber ich war zu schwer bepackt, keine Chance. Endlich kommen wir zum Auto und können fahren.

Für mich war das jedenfalls der lustigste Marktbesuch überhaupt – und auf dem Flohmarkt gibt es dann morgen sicher die fröhlichsten Schnitzel der Welt.

Da wir daran festhalten, dass immer ein Elternteil bei den Jungs bleibt, hatte ich erst gestern wieder Gelegenheit, länger durch die Stadt zu streifen. Luft ganz okay, Wetter traumhaft: 15 Grad und sonnig, es wird Frühling. Zuerst habe ich mein Glück am Shichahai versuchen wollen, aber: kein Zutritt.

Hier geht es eigentlich zum See…

Ich fahre weiter zum Jingshan-Park. Es ist tatsächlich deutlich mehr los als letzte Woche noch.

Kohlehügel in Sicht

Im Rückspiegel den Trommelturm.

Trommelturm

Wie gesagt, es ist deutlich mehr los, aber es ist immer noch weit entfernt von normalen Zeiten.

Tatsächlich Leute…

Der Jingshan-Park ist geöffnet. Der Zähler läuft (im Bild: weiße Schrift rechts oberhalb Ticketfensters), zu viele Leute gleichzeitig werden nicht in den Park gelassen. Aber es ist eh nicht viel los. Aufkleber auf dem Boden erinnern daran, Abstand zu halten.

Abstand halten

Mit behandschuhten Fingern nimmt eine Wächterin mein Ticket entgegen und hält es vor den Scanner, dann trete ich durchs Tor und habe gleich danach diesen Anblick – und ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gut mir das gerade tut.

Im Jingshan-Park

Ich lasse mich kreuz und quer durch den Park treiben.

Großstadt-Spatzen

Pavillon

Natürlich geht es auch nach ganz oben. Nur die oberste Ebene des Wanchun-Pavillons ist weiterhin gesperrt. Wächter mit Megaphonen drehen ihre Runden. Trotzdem knuddelt es sich hier ein bisschen, so dass ich nur fix knipse und weitergehe.

Hallo, Schönheit!

Die Verbotene Stadt ist weiterhin geschlossen.

Nord-Tor der Verbotenen Stadt

Wanchun-Pavillon

Blick nach Norden

Entdeckt ihr das Megaphon? Hier leiert unaufhörlich eine Durchsage.

Peking 2020 – Handy und Maske

Noch mal Richtung Norden gucken: Trommelturm und dahinter die Olympia-Türme

Blick nach Osten: der Central Business District (CBD)

Frühling!

Auch von etwas weiter unten ist der Blick nach Norden schön.

Ich such mir eine abgelegene Ecke und nehme kurz die Maske ab, unter der es unangenehm warm ist und die mir so am Mund klebt, dass ich das Gefühl hab, keine Luft mehr zu kriegen. Mistdinger, aber muss hier leider sein.

Die Katz‘ wohnt im Park, jedenfalls treffe ich sie jedes Mal.

Das hier will ich mir nächste Woche wieder angucken:

Frühlingsboten…

Bambi?

Blick zurück nach oben

Letzter Blick

Das hat echt gut getan. Nach meinem Spaziergang fahre ich weiter an der Verbotenen Stadt vorbei und stehe dann kurz vor dem Tian’anmen, habe aber nicht die Nerven, einfach an der Wächterin vorbei zu fahren. Ich dreh wieder um und fahre zur Wangfujing, um in der apm-Mall Schulmaterialien für die Jungs zu besorgen. Der Foreign-Language-Bookstore ist geschlossen, wenn ich das Schild richtig entziffert habe, aber nur diesen einen Tag. Auch hier ist mehr los als neulich, aber weiterhin weit entfernt von normalen Zeiten.

Wangfujing: Immer noch ziemlich wenig los

Für den Rückweg wähle ich eine andere Route und tuckere schließlich am 3. Ring entlang durch den CBD nach Hause.

CBD – rechts ein Bein der Langen Unterhose (CCTV-Headquarter)

Und sonst? Stand der Dinge

In Peking kommen aktuell wieder neue Kranke hinzu, die meisten sind nun „importierte“ Fälle. Da aber mehr Menschen wieder gesund werden, sinkt die Zahl der aktuell noch Kranken: von 428 Gesamtfällen sind es „nur“ noch 112 Kranke. 8 Menschen sind gestorben. Trotzdem bleiben die strikten Regelungen bestehen.

Nach Peking würde ich derzeit nicht reisen: Quarantäne droht,  und das nicht unbedingt in den eigenen vier Wänden (sofern vorhanden) oder im Hotelzimmer, sondern mit Pech in einer Einrichtung in Flughafennähe. Das „genießt“ gerade ein ehemaliger Nachbar aus unserem alten Compound, der in einem der Flieger aus Moskau sass, in dem zwei kranke Mitreisende saßen.

Die Schule teilt mit, dass es am 16. März noch nicht wieder mit „richtiger“ Schule losgehen wird. Wenn es bis Mitte März keine Mitteilung der Pekinger Behörden gibt, dass der Schulbetrieb wieder gestartet werden darf, wird es nicht vor den Osterferien wieder losgehen. Oder andersherum: Möglicherweise beginnt Schule erst am 20. April wieder. Weitere Informationen werden in der vor uns liegenden Woche folgen – ich bin gespannt.

Wird es tatsächlich erst der 20. April, dann haben wir jetzt gerade erst Halbzeit des Ausnahmezustands… Und dann gucke ich nach Deutschland und lese, dass selbst Schulen mit Corona-kranken Lehrkräften (Stade, Düsseldorf) nicht geschlossen werden. War also doch nicht falsch, in Peking zu bleiben. Unter den gegebenen Umständen geht es uns ja gut, auch wenn die Aussicht auf weitere sechs Wochen Ausnahmezustand gerade verflixt niederschmetternd sind.

 

Peking im Schnee, das ist selten. Die Winter hier sind zwar knackig kalt, aber extrem trocken. Doch Anfang dieser Woche hat es schon zum dritten Mal in diesem Winter geschneit. Ich habe nicht lange überlegen müssen und bin zum Jingshan Park gefahren. Vor Ort wurde dann klar: die Idee hatte nicht nur ich. Lange Schlangen vor den Kassen! So voll habe ich den Park noch nie gesehen!

Gleich hinter dem Osteingang gab es dann unter anderem diesen Blick.

Pavillon im Jingshan Park

Diese Damen haben sich von der allgemeinen Schnee-Begeisterung nicht anstecken lassen und haben sich zum Tanzen umgezogen. Diese Garderobenständer findet man übrigens in allen Parks!

Tänzerinnen

Ich wollte eigentlich direkt auf den Hügel, aber die Wege nach oben waren abgesperrt. Viele Chinesen haben das ignoriert, aber ich habe mich nicht getraut. Also habe ich den Hügel umrundet, und tatsächlich war die Treppe am Westeingang geräumt und gestreut.

Überall standen schon kleine und größere Schneemänner, überall wurde posiert. Die Begeisterung war richtig ansteckend.

Chinesischer Schneemann :)

Immer wieder nette Ansichten.

Pavillon

Und dann ein erster Blick auf die Verbotene Stadt – die geschlossen war: Montag!

Verbotene Stadt im Schnee

Noch ein Pavillon…

Noch ein Pavillon…

Und dann die Verbotene Stadt – es war übrigens nicht nur wegen des Wetters so trübe, die Luft war nicht besonders. Erst gegen Mittag wurde es heller.

Verbotene Stadt vom Kohlehügel aus

Habe ich erwähnt, dass es echt voll war? Hier am obersten Pavillon sind ja (fast) immer viele Menschen, aber so ein Gewusel habe ich dort noch nicht erlebt!

Pavillon. Und viele Menschen.

Der Blick auf die Verbotenen Stadt ist natürlich etwas ganz Besonderes, aber auch der Blick nach Norden in Richtung Trommelturm ist toll. Neulich, bei besserem Wetter und ohne Smog, konnte man auch die Olympia-Gebäude sehen…

Blick nach Norden vom Kohlehügel aus

Überall wird posiert und fotografiert.

Im Jingshan Park am Haupteingang

Auch an der Straße und vor der geschlossenen Verbotenen Stadt war viel los.

Nordausgang der Verbotenen Stadt

Ich bin dann noch an der Verbotenen Stadt entlang spaziert, um hier auch mal endlich ein Bild von der Ecke zu schießen.

Nord-Ost-Ecke der Verbotenen Stadt

Der Schnee ist im Lauf des Nachmittags dann fix weggetaut. Tagsüber steigen die Temperaturen derzeit doch in den positiven Bereich. Ich bin jedenfalls froh, dass ich diese seltene Gelegenheit ausgenutzt habe – und auch wenn es voll war, ich würde wieder in den Jingshan Park gehen. Nicht nur, weil man außer dem Park auch den tollen Blick auf die Verbotene Stadt hat, sondern auch weil es Spaß macht, die vielen Leute beim Schneemann bauen, posieren, spielen… zu beobachten.

Immer wieder bin ich in der letzten Zeit an einem Tempel mitten in der Stadt vorbeigekommen. Neulich im Didi habe ich beim Vorbeifahren fix auf der Map nachgesehen: aha, das ist der Dongyue Tempel. Und heute habe ich das schöne (wenn auch kalte!) Wetter und die annehmbare Luft genutzt und mich mit meinen Scooter auf den Weg dahin gemacht.

Vorher habe ich ein bisschen gegoogelt: Dongyue Tempel – Tempel des Ostbergs. 1319 erbaut, einer der größten daoistischen Tempel in Nordchina. Ursprünglich erbaut für die Götter der „Gesetzeserzwingung“, entsprechend stolpert man gleich am Eingang über grimmige Generäle, die dafür wohl prädestiniert sind.

General am Eingangstor

In den Höfen westlich und östlich der wie üblich in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptachse – Happiness Road genannt – stehen zahlreiche Stelen. Am Ende des hintersten Hofes befinden sich zweistöckige Gebäude, die das Peking Folklore Museum beheimaten – heute allerdings geschlossen.

In der Haupthalle wurde getrommelt, musiziert und gebetet, Fotografieren nicht erlaubt. Aber zugucken durfte ich.

Ich glaube, dass außer mir maximal zehn weitere Besucher da waren. Mitten in der Stadt und dann so still, immer wieder findet man hier solche Oasen.

Dann habe ich mich gerade dieser Wand  (siehe Foto) genähert, als ich mich ein Wächter ansprach: Woher ich komme? Deutschland. Ah, Déguó hěn hao (Deutschland ist gut.). Ob ich aus dem Westen oder Osten käme? Oha, so differenziert wird fast nie nachgefragt. Und dann sagte er noch was mit nàcuì (Nazis) und shìjiè dàzhàn (Weltkrieg).  Ich hoffe, er hat mich verstanden, dass ich von altem und neuen Nazipack und Kriegen nichts halte. Ich muss mir auf jeden Fall noch mehr passendes Vokabular aneignen, ich fand meine Sprachlosigkeit und Unfähigkeit, mich auf Chinesisch richtig ausdrücken zu können, selten so furchtbar wie in diesem Moment. Aber ich glaube, unterm Strich ist das Richtige rübergekommen, lächelnd hat er mir die Mühlsteine gezeigt und auch noch eine der von mir so geliebten Schildkrötenfiguren.

Mühlsteine?

 

Eine Gottheit für jeden Zweck!

An den übrigen äußeren Gebäuden befinden sich unzählige Nischen mit Göttern für fast jeden Zweck. Die Darstellungen sind bemerkenswert, ich konnte mich kaum satt sehen. Auch wenn es Replicas sind – die Originale wurden während der Kulturrevolution zerstört/entwendet – bin ich fasziniert davon, wie sehr die alten Darstellungen modernen Comicfiguren gleichen.

Tierische Gottheiten?

Hab ich erwähnt, dass die Figuren wirklich krass sind?

Teufel auch!

Um die Ecke des Tempels liegt das Chaoyang Hospital. Hier wurden kürzlich die beiden Pestkranken aus der Mongolei behandelt. Wie praktisch, dass man hier im Tempel einer passenden Gottheit opfern konnte!

Nische mit Anti-Pest-Gottheit

Habe ich erwähnt, dass die Figuren wirklich, wirklich krass sind? Hier die Nische mit den Gottheiten der Bestrafung!

Punishment!

Nach fast zwei Stunden ist mir doch zu kalt geworden – und ich musste mich noch auf den Scooter schwingen und eine knappe halbe Stunde nach Hause düsen. Trotz Scooter-Decke bin ich fast erfroren. Da hat tatsächlich die Kälte den Spaß am Scooterfahren etwas gedämpft. Künftig also noch wärmer einpacken. Und ich verstehe jetzt, warum soviel Werbung für Scooter-Griff-Heizungen gemacht wird – hätte ich vorhin gerne gehabt.

Auf jeden Fall gibt es im Dongyue Tempel noch viel mehr zu gucken, nicht nur das Folklore-Museum. Ende Januar, zu Chinesisch Neujahr, wird hier eine Temple Fair stattfinden – gute Gelegenheit, um noch einmal hinzugehen. Und dann wieder im späten Frühling. Hauptsache, nicht mehr so kalt.

Fotos

Ich wurde zu einer Landpartie gezwungen und bin dabei gestern zum ersten Mal in China selbst Auto gefahren. Der Gatte musste zu einem Geschäftstermin in den Norden Miyuns, nur leider konnte oder wollte keiner der übrigen am Termin Beteiligten fahren. Tja, wozu habe ich vor zwei Jahren den Führerschein gemacht

Trotz Erkältung quäle ich mich also morgens früh aus dem Bett und sitze um 7:30 Uhr zum ersten Mal in meiner China-Zeit hier selbst am Steuer. Noch ist es früh, wir fahren außerdem stadtauswärts: alles kein Problem! Dann kommt die erste Herausforderung: Mautstelle auf dem Highway.  Naja, in Wahrheit auch nicht anders als in Norwegen, also auch kein Problem. Die Autobahn ist frei, ich geb Gas. Nein, halt, hier ist maximal 120, und das auch nur auf der linken Spur (auf den beiden rechten gilt 100).

Bilderbuch-Herbst

Ich muss mich zum Glück nicht um die Navigation kümmern (Leute, die mich näher kennen: sagt jetzt bitte nichts!) und werde zuverlässig immer weiter Richtung Norden dirigiert. Irgendwann lassen wir Nanshan rechts liegen, bald darauf geht es erst durch einen kleinen Ort (ca. 700.000 Einwohner ;) ), dann auf die Landstraße, die schon bald schmaler wird. Die Berge rücken näher, es geht bergauf und da ist es auch schon: das erste blaue Schild: „Bitte Hupe benutzen.“ Davon mache ich doch gerne Gebrauch! Inzwischen hat sich der morgendliche Dunst verzogen, ab und zu kommt die Sonne raus und bringt die Landschaft zum leuchten. Am liebsten würde ich nach jeder Kurve anhalten und erstmal Bilder schießen, aber wir sind ja nicht zum Vergnügen unterwegs und müssen zu dem Termin. Trotzdem, das rot- und gelbleuchtende Laub an den Berghängen ist atemberaubend! Es geht vorbei an Flüssen und Seen, und spätestens nach dem dritten Serpentinenabschnitt denke ich: Hier möchte ich Motorrad fahren! (Der Gedanke hat sich jetzt im Hinterkopf festgesetzt.)

Lost Places

Die Straße wird schmaler, ich werde auf eine noch schmalere Straße gelotst, es geht noch ein paar Mal bergauf/bergab – und dann sind wir in dem kleinen Dorf.

Dorfstraße

Ein Huhn wackelt vor mir über die Straße. Wir sind so gut durchgekommen (ich schwöre, ich bin nicht gerast!), dass noch etwas Zeit ist und gehen an einem künstlich angelegten kleinen See spazieren. Der sieht auf den ersten Blick total romantisch aus.

See in Miyuns Bergen

See in Miyuns Bergen

Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Idylle trügt. Tote Fische am Seeufer.

tote Fische und Müll am Seeufer

Müll und tote Fische am Seeufer

Dazu die vielen leerstehenden Anwesen: vom Touristenressort bis zum kleinen Bauernhof: trostlos – aber großartig für Lost Place-Fotografie.

Verlassener Hof

Verlassener Hof

Leider habe ich gar nicht die Zeit, um zu entscheiden, ob ich über einen Zaun klettern möchte, denn ich muss die Männer jetzt doch zu ihrem Termin fahren. Auf dem Rückweg zum Auto begegnen uns ein paar Schafe (oder Ziegen? Mir wird klar, warum im Chinesischen 羊 yáng für beides steht), die uns ebenso neugierig angucken wie wir sie.

Viecher auf der Straße

羊 yáng

Geschäftemachen auf Chinesisch

Bisher habe ich von chinesischen Geschäftsterminen nur gehört oder gelesen. Nun war ich live dabei. Um keine Geheimnisse auszuplaudern nur so viel: die Realität ist schlimmer! In den Städten mag es inzwischen anders zugehen, aber im ländlichen China treffen die Schilderungen zu was Esskultur, Baijiu-Konsum und Anzüglichkeiten angeht (und das mir als einziger Frau unter zehn Männern…).

Irgendwann ist es überstanden, alle sind sich einig, dass das ein erfolgreicher Termin war. Ich bin jedenfalls froh, als ich endlich die Baijiu-geschädigten Kerle ins Auto zurück verfrachtet habe. Damit sie auch richtig was von haben, nehme ich die Serpentinen schön schwungvoll… ;)

Je näher wir Peking kommen, umso dichter wird der Verkehr bis wir richtig im Stau feststecken. Auch mein Schleichweg ist verstopft, inzwischen ist es dunkel, jetzt strengt das Fahren schon etwas an. Als ich endlich alle abgeliefert habe und selbst zuhause bin, bin ich ziemlich platt, aber eins weiß ich: ab sofort werde ich mir öfter ein Auto mieten – das soll nicht die letzte Landpartie gewesen sein!

Nach längerer Zeit war ich wieder im Olympia-Park und zum ersten Mal im und auf dem Bird’s Nest. Was für ein Versäumnis, das erst jetzt für mich entdeckt zu haben. Das ist nun definitiv einer meiner Pekinger Lieblingsorte. Beeindruckende Architektur, tolle Atmosphäre. Und was ich ja auch gerne mag: hoch hinaus und von oben runtergucken. :)  Getoppt wurde der Besuch davon, dass dort gerade ein von einem Uhrenhersteller gesponsortes Reitsportevent stattfindet. Aus der für den Besuch geplanten Stunde sind mehrere geworden – solange, dass der Watercube schon geschlossen war. Das werde ich nun bald nachholen. Vermutlich werde ich dann aber wieder auf das Dach des Bird’s Nest klettern.

Auf dem Dach vom Vogelnest

Bird’s Nest – Sky Walk

China ist ja nicht wirklich ein Land für Leute, die nicht gut zu Fuß sind. Schmale, unebene Fußwege, wenn es überhaupt welche gibt, uneben und zugeparkt. Überall Treppen, Treppen und noch mehr Treppen. Allein deshalb haben mich diese drei Damen beeindruckt. Gemeinsam hatten wir das breite begeisterte Grinsen übers ganze Gesicht, die drei waren genau wie ich total geflasht von Gebäude und Aussicht.

nothings gonna stop us...

nothings gonna stop us…

Blick von ganz oben auf das Springreiten.

Springreiten

Longines Equestrian Beijing Masters LEBM

Dass die Beijing Masters gerade im Bird’s Nest stattfinden, war eine schöne Überraschung. Auch von oben von den Tribünen hatte man eine tolle Sicht und zugleich den großen Überblick. Was ich nicht wusste und erst hinterher nachgelesen habe: die nicht-chinesischen Reiter haben auf Leih-Pferden teilgenommen, da die chinesischen Quarantänebestimmungen es praktisch unmöglich machen, mit Pferden einzureisen. Mehr zu dem Reitsportevent im Beijinger und auf der Veranstaltungsseite.

LEBM- 1.Tag

Vom Dach des Bird’s Nest hat man – selbst an einem so grauen, dunstigen und versmogten Tag wie gestern – eine tolle Aussicht. Vor allem, wenn es dunkel wird und überall die Lichter angehen.

Und wenn es dann richtig dunkel ist, dann hat es einen einfach nur noch um!

Vogelnest Air Walk

Bird’s Nest, Skywalk

Alle paar Schritte neue, großartige An- und Aussichten.

Wirklich großartig, dass man mit dem VIP-Ticket wirklich überall hin kann. Die Ticketauswahl ist etwas unübersichtlich, beim Ticketkauf unbedingt drauf achten, dass die „Top Wonders“ mit dabei sind! Die 20 RMB Mehrkosten sind mehr als gut angelegt.

 

 

Verbotene StadtAusflugstipps für Peking und Umgebung? Wenn man als Tourist nach Peking kommt und nur begrenzt Zeit hat, dann ist man mit den Top-10-Listen aus Reiseführern und/oder dem Angebot der Reiseveranstalter sicher auf der richtigen Seite und wird vermutlich feststellen, dass ein paar Tage für Peking einfach nicht reichen.

Aber wenn man mehr Zeit in Peking hat, gibt es so viel mehr zu entdecken, mehr als selbst der dickste Reiseführer zu bieten hat. Doch wie kommt man an Ausflugsideen, woher weiß man, wohin man sich mal aufmachen könnte? Sicher gibt es bei den internationalen Peking-Magazinen wie beijing kids  usw. auch immer wieder mal Tipps.

Leider inzwischen offline: Inside Beijing

Aber meine Lieblingsquelle für Ausflugstipps war Inside Beijing. Hier fanden sich 169 (!) Ziele, sortiert nach Stadtbezirken, alphabetisch oder thematisch:

  • Berge und andere Natursehenswürdigkeiten
  • Historische Sehenswürdigkeiten (Kaiserliches Peking)
  • Kirchen, Kathedralen und Moscheen
  • Klöster und Tempel
  • Kunstmuseen und -galerien
  • Museen zu Geschichte und Kultur
  • Naturwissenschaftliche und Technische Museen
  • Straßen, Plätze und Märkte
  • Zoos, Gärten und Parks

Neben einer Beschreibung finden sich jeweils die konkrete Adresse (deutsch und chinesisch), weiterführende Links (sofern vorhanden), Empfehlungen zu Zielen in der Nähe, Informationen zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten sowie Anreisetipps mit Bus und Bahn, bei denen allerdings darauf hingewiesen wird, dass sie zuletzt 2013 vollständig überprüft wurden. Das sollte allerdings nur für Busverbindungen problematisch sein, mit dem Taxi eh kein Problem. 

Andere Inspirationsquellen:

Viele Tipps finden sich auf „Travelchinaguide„. Hier finden sich auch praktische, aktuelle Informationen zur Anreise und Eintrittspreisen.

Ich lasse mich gerne von Reiseberichten auf vielen Blogs inspirieren. Ein bisschen kritisch kann man das immer sehen, wenn Reisende, die gerade mal 3 Tage in Peking waren, plötzlich wissen, was „das Beste in Peking“ ist und mit Geheimtipps um sich werfen, oder schlimmer noch: wenn die Informationen nicht stimmen oder veraltet sind. Trotzdem kann man sich mit den vielen verschiedenen Eindrücken und Fotos inspirieren lassen. 

Deshalb hier noch mal mein persönlicher Disclaimer für meine Tipps: Ich berichte von meinen Eindrücken, schildere meine Wahrnehmung – was mir gefällt, muss anderen nicht gefallen und umgekehrt.  Was ich aber ganz sicher weiß: ich werde mich in Peking sicher nicht langweilen, und es gibt immer noch wahnsinnig viel zu entdecken.

 

Wir haben gerade wieder Besuch, und so stand natürlich auch wieder ein Ausflug zur Chinesischen Mauer auf dem Programm. Da wir tatsächlich gerade mal eine Autostunde vom Mutianyu entfernt wohnen, hat es uns wieder zu diesem Mauer-Abschnitt geführt.

Mutianyu

Blick zurück

Wir hatten Glück mit dem Wetter und der Luft, trotzdem war es keineswegs zu voll. 

Der Ticketkauf könnte für Erstbesucher leicht verwirrend sein angesichts der unterschiedlichen Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die bequeme Version: mit dem Shuttle-Bus ein Stück den Berg hoch, zu den Talstationen von Sessellift und Gondelbahn. Nach unserem eher abenteuerlichen ersten Kontakt vor vier Jahren mit genau diesem Sessellift, der damals erst mal eine Weile angehalten wurde, weil sich ein Fremdkörper im Umschwenker verfangen hatte – und für den die Jungs damals einfach zu klein waren und wir echt Bammel hatten, dass sie uns rausrutschen, nehmen wir die Gondelbahn.

Die Jungs wollen bergab mit der Sommerrodelbahn fahren. So halten wir am Ende jeder drei bzw. vier Tickets in der Hand: Eintritt in die Scenic Area, Shuttle Bus, Gondelbahn, Sommerrodelbahn. (Nur das Ticket für die Scenic Area braucht man unbedingt, man kann natürlich auch alles zu Fuß machen.)

Als wir oben angekommen sind, fällt mir direkt dieser Klotz ins Auge:

Mutianyu

sponsored by…

Obwohl wir Getränke dabei haben, setzen wir uns erstmal auf die Terrasse direkt am Fuß der Mauer und genießen ein völlig überteuertes Mauerbier – aber das ist es uns wert. Wer hätte das vor 20 Jahren, als wir uns kennengelernt haben, gedacht, dass wir einmal zusammen hier sitzen werden? Ziemlich großartig jedenfalls! :)

Dann geht es endlich richtig auf die Mauer. Und das wird nie selbstverständlich für mich werden, das ist und bleibt immer wieder ein Wow-Erlebnis.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

 

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Wie man sieht, hatten wir wirklich Glück mit dem Wetter und auch der Luft.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Green Wall of China…

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Und es ist zwar gut besucht, aber keineswegs zu voll.

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Chinesische Mauer bei Mutianyu

Später treffen wir uns unten im Tal wieder. Die Rückfahrt ist genauso entspannt wie die Hinfahrt. Gemütlich tuckern wir über die Landstraße zurück nach Hause, die Straßen sind leer, aber unsere Köpfe sind voller Eindrücke.

Am Montag bin ich mit einer Freundin  zum Himmelstempel gefahren.  Wow, Weltkulturerbe! Von unserem Compound aus ist das schon eine halbe Weltreise, fast 1,5 Stunden. Wenn man mit der Metro anreisen möchte, die Linie 5 hält direkt am Osteingang (Tiantandongmen). Eintritt inklusive aller Gebäude (z.B. Halle des Erntegebets, Echomauer, Himmelsgewölbe) kostet 34 RMB. Im Park finden sich Kiosks und Imbissbuden, die Getränke, Souvenirs und Snacks anbieten, letztere sehen nicht wirklich appetitlich aus und die Preise sind 2-3mal höher als anderswo – Touristen-Hotspot halt. :)

Gleich am Eingang (wir sind am Nordeingang, der der Halle des Erntegebets am nächsten ist, angekommen) wurde getanzt – typisches Pekinger Parkleben. Ein breiter Weg führt direkt auf die Anlage mit der großen runden Halle zu, die von einer Mauer begrenzt wird. Und an dieser Mauer befindet sich ein riesiger LED-Bildschirm wie an Einkaufszentren auch und zeigt Werbefilmchen… Chinesische Kombination aus Weltkulturerbe und Gegenwart. :)

Gegensätze

Gegensätze

Ein paar Schritte weiter steht dann inmitten dieser riesigen Parkanlage also eine der bekanntesten Pekinger Sehenswürdigkeiten, die Halle des Erntegebets:

Himmelstempel: Halle des Erntegebets

Halle des Erntegebets

Wie nicht nur im Botanischen Garten zu sehen war: in China liebt man Blumen und insbesondere Rosen, kürzlich hat auch ein Rosen-Museum eröffnet. Blumen sind überall, nicht nur in Parks, sondern auch als „Straßenbegleitgrün“, was hier nicht möglichst preisgünstig und pflegeleicht angelegt wird, sondern üppig und repräsentativ. Und so sind nun auch rund um die Halle des Erntegebets und die Hallen drumherum reichlich Rosen arrangiert.

Rosen vor westlicher Halle

Rosen vor westlicher Halle

Natürlich sind auch die Mülleimer im Park der historisch-altehrwürdigen Umgebung angepasst:

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Überall wachen Drachen, nicht nur auf Hausdächern, sondern auch auf Mauern:

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Angesichts des nicht ganz so schönen Wetters („nur“ 24 Grad und angekündigter Regen) war der Park nicht überfüllt, aber doch voller Menschen. Neben einigen wenigen Langnasen-Touristen ganz viele chinesische Touristen, deren wartende Busse die umliegenden Straßen verstopfen, und dann natürlich viele Pekinger, die im Park nicht nur spazieren gehen, sondern tanzen, Karten und Fuß-Federball spielen oder wie dieser Mann musizieren (wobei er hier gerade eine Pause macht. ;) )

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Wir sind dann weiter zum ebenfalls runden „Himmelsgewölbe“ spaziert. Dort ist nicht so viel Platz, also werden die Menschen im Gänsemarsch an der Tür vorbeigeschleust. Ein paar Jungen haben sich einen Spaß daraus gemacht, und sind schon auf dem Hof als Rucksackpolonaise losgewackelt. :)

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Und bevor man dann weitergedrängelt wird, sieht man diese Utensilien:

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In den rechteckigen Hallen rundherum finden sich Ausstellungen mit Informationen zum Bau der Anlage, Schautafeln und in einer Halle auch 2 große Modelle. Leider sind größtenteils nur die Überschriften auf Englisch, aber es reicht doch, um einen Eindruck zu gewinnen.

So weit, so gut…

Piepmatz geht Gassi

Piepmatz geht Gassi

Wären wir als Touristen unterwegs gewesen, hätten wir nun vermutlich direkt die nächste Sehenswürdigkeit angesteuert. Aber mit dem Luxus von viel Zeit, den wir hier genießen, konnten wir auch ein bisschen die weitere Umgebung erkunden. Hier ist es üblich, dass nicht nur Hunde, sondern auch Vögel mit nach draußen genommen werden – und wenn es die große Kreuzung um die Ecke ist. Wir sind dann nicht an der Straße neben den vielen Reisebussen, sondern am Fluss (genauer: dem South Moat) entlang spaziert. Auch hier alles hübsch angelegt, die Hänge an beiden Ufern sorgfältig bepflanzt. Zwischendrin immer wieder Gruppen von Säulen inmitten von Blumenbeeten.

Säulen am Süd-Graben

Säulen am Süd-Graben

Außer uns beiden Langnasen waren dort nur einige wenige Angler unterwegs und noch weniger Spaziergänger, zumeist mit kleinen Hunden, die aber für reichlich Hinterlassenschaften gesorgt haben… Und oben rauschte der Autoverkehr… Wir sind dann auf das Yongding-Tor (Yongdingmen) zugegangen, unten am Graben (eher ein Kanal) ging es in einer langen Unterführung unter den Straßen durch. Stockdunkel. Stinkend. Unheimlich. Glücklicherweise waren wir zu zweit und haben uns auch keine Horrorgeschichten von Pekinger Kampfratten erzählt, aber ich musste doch an Larry Underwood im Lincoln Tunnel* denken… ;) Über das Licht am Ende des Tunnels waren wir dann doch hocherfreut.

Yongding-Tor

Yongdingmen

Der Tunnel des Grauens

Von der Uferpromenade – hinter dem Tunnel des Grauens wieder hübsch repräsentativ – führten einige Stufen den Uferhang hinauf, wir wollten uns ja das Tor ansehen. Bedauerlicherweise führte der Weg ins Nichts, hörte einfach vor einer hübsch verzierten Begrenzungsmauer auf. Aber zurück durch den potentiellen Drehort für Zombieapokalypse IV wollten wir auch nicht mehr, also sind wir lieber über die Mauer geklettert und fanden uns auf einer viel befahrenen Kreuzung wieder. Von unserer Seite aus keine Chance, heil die Fahrbahnen bis zum Tor zu überqueren, Fußweg überhaupt Fehlanzeige, also vorsichtig auf der Radspur über die Brücke hinüber und in die nächste Straße hinein, wo wir nicht nur von Rasensprengern, sondern auch stärker werdendem Regen gegossen wurden. Riesenglück gehabt, gleich das erste Taxi hatte Erbarmen mit uns und hat uns nach Sanlitun zu Mr. Shi und seinen Dumplings gebracht, die hatten wir uns nach dem Abenteuer auch verdient.

War jedenfalls ein toller Tag mit einigem, was das Leben hier so spannend macht: olle Geschichte und Massentourismus, ein bisschen abseits der ausgetretenen Pfade und lecker Essen.

 

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panda2Heute wurde den Jungs endlich ein Wunsch erfüllt: Pandas gucken! Ging mit Hindernissen los, die halbe unterirdische Weltreise durch Peking war nix für Jussi, dem prompt in der U-Bahn schlecht geworden ist. Armes Kerlchen! Nach kurzer Zwangspause ging es dann aber wieder und so kamen wir dann doch noch am Zoo an. Wir behalten unser Händchen für blödes Timing: das Pandagehege wird derzeit renoviert, man konnte die Pandas nur in einem kleineren Gehege durch Glas bestaunen. Nachdem die Jungs ausgiebig gestaunt hatten und sich nicht mit Bambus begnügen wollten, bekamen sie erstmal Pommes und Chicken Nuggets (irgendwie chinesisch gewürzt, aber lecker) – auch der zuvor noch Magenkranke, der wieder richtig fit war – puh! Wir sind dann noch ein bischen durch den Zoo geschlendert, naja, über artgerechte Tierhaltung und Zookritik schweigen wir uns mal aus, wobei sehr viel renoviert wird. Am Nordende des Zoos dann ein Riesengebäude: das Aquarium. Wow, und das können wir uneingeschränkt empfehlen. Besonders angetan haben es uns gar nicht die großen Meeressäuger oder die Haie, die durchaus beeindruckt haben, sondern direkt am Eingang ein „Regenwald“ mit Fischen in allen Größen und Regenbogenfarben – ein Fest für’s Auge. Aber auch Korallenriff und Quallen fanden wir top in Szene gesetzt. Irgendwann meldete Jussi, er würde sich doch wieder schlapp fühlen, also spazierten wir langsam durch den Zoo zurück zum Ausgang und fuhren dann mit dem Taxi nach Hause. Oberirdisch doch noch mal ein anderer Eindruck, wie unglaublich groß diese Stadt ist. Das Aquarium haben wir auf jeden Fall nicht zum letzten Mal besucht.

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Heute haben wir einen Ausflug zur Großen Mauer gemacht, und zwar zu dem Abschnitt bei Mutianyu, eine gute Autostunde nordwestlich von Peking. http://www.mutianyugreatwall.net/

Vom Parkplatz mit dem Busshuttle ein Stück den Berg hinauf und das letzte Stück dann mit dem Sessellift (puh, klapprig-alte Kiste…). Und dann einfach nur wow, ein total irres Gefühl wirklich da zu sein und immer noch irgendwie unwirklich. Jedenfalls waren wir von Mauer und Aussicht wahnsinnig beeindruckt. Ein großer Spass war dann die Tour den Berg wieder runter: mit einer Sommerrodelbahn!

Jetzt werden wir noch mal ne Runde durch Sanlitun bummeln und die Kurzen abfüttern und morgen geht’s dann zurück nach Hamburg. Mehr Bilder von der Mauer dann von dort aus, Internet ist heute irgendwie unwillig.