Am Montag habe ich meinen Besuch zum Südbahnhof gebracht und dort in den Zug nach Shanghai gesetzt. Wo ich schon in der Ecke war, wollte ich mir dort auch etwas ansehen, damit sich die weite Fahrt auch richtig lohnt. So habe ich mich dann für die Marco-Polo-Brücke (Wanping, Fengtai-Distrikt) entschieden. 

Auf dem Weg zum Bahnhof war noch dicke Luft: Sandsturm, so unangenehm, dass selbst im Taxi die Augen brannten und man ständig vom Staub husten musste. Aber die Vorhersage war positiv, also bin ich dann wie geplant weiter zur „Lugou Qiao“, wie die Marco-Polo-Brücke hier in China heißt. Den Beinamen bekam die Brücke, weil Marco Polo sie in einem seiner Reiseberichte voller Begeisterung erwähnt hat. Die Luft wurde tatsächlich besser und am Fluss Yongding He angekommen ließ es sich trotz der Hitze gut aushalten.

Die steinerne Bogenbrücke wurde 1192 fertiggestellt. Besonders bemerkenswert sind die unzähligen Löwen, die oben auf den Brückenbögen sitzen – und alle unterscheiden sich voneinander.

Die Brücke ist aber nicht nur so für sich interessant, sondern auch historischer Schauplatz: Am 7. Juli 1937 trug sich hier der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke zu, der als Auslöser des zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs gilt.

Ich fand die Brücke wirklich nett anzusehen, dank inzwischen wieder guter Luft mit Blick auf die Berge – und auf die neuen Brücken: Autobrücken über den Fluss und die Eisenbahntrasse auf hohen Stelzen, auf der alle paar Minuten ein Schnellzug fuhr. Das war wieder typisch Peking, Altes und Neues so dicht beieinander.  Viel Wasser führt der Fluss nicht mehr. Der „Cruise Terminal“ ist abgeschlossen, auch die Geschäfte waren zu, wirken aber nicht so, als ob sie komplett aufgegeben wären.

Wanping-Festung

Von der Brücke aus sieht man das Westtor der Wanping-Festung. Das war mein nächstes Ziel. Vom Westtor aus führt eine breite Allee zum Osttor, links und rechts kleine Gassen mit bewohnten Courtyards.  Für den Durchgangsverkehr ist die Festung gesperrt – wirkt auf mich wie ein ummauertes Pekinger Hutonviertel, nur die Allee in der Mitte ist halt ungewöhnlich breit. So ist es hier recht ruhig. Vor einem kleinen Geschäft spielt eine Gruppe von Männern chinesisches Schach.

Auf der linken Seite findet sich das Museum des Widerstandskrieges des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression – ein riesiger Klotz, den ich hier so nicht erwartet hätte. Gegenüber ist ein großer Platz.  Es ist Montag, erwartungsgemäß hat das Museum geschlossen. Schade, denn jetzt, wo ich davorstehe, interessiert es mich doch. Dann geht es weiter über die Allee zum Osttor. Auf die Mauer kommt man nicht. Ich gehe durchs Tor und bin wieder mitten im modernen Peking: mehrspurige Straßen, hohe Häuser. 

Ich werde sicher noch einmal dahin fahren – aber nicht an einem Montag. :)

2 Kommentare
  1. Elke Heinze
    Elke Heinze sagte:

    Da muss ich erst ins Camp Nano einziehen, um deine tolle Seite zu entdecken. Die werde ich mir aber nun ganz schnell abspeichern. Wobei – ombidombi lässt sich merken.
    Ich lass mal liebe Grüße da
    Elke aka Desieris

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