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Wie man an der Vielzahl der Fotos hier im Blog sicher sehen kann: ich fotografiere gerne und gehe nie ohne Kamera aus dem Haus. Ich habe Spaß daran, die Welt um mich herum festzuhalten. Ein bisschen mehr “Wow” für meine Fotos, das wäre aber auch nicht schlecht. Und vor allem: ich würde gerne mehr Menschen in meinen Bildern zeigen – hier in China geht das auch ohne Einverständniserklärungen etc.  Aber wenn es darum geht, dichter ran an die Menschen zu gehen, trau ich mich viel zu oft nicht.

Schon länger wollte ich einen Streetfoto-Workshop bei  Francois Nadeau machen, einem in Peking lebenden kanadischen Fotografen. Als es jetzt nach langer Pandemie-bedingter Abwesenheit und Pause wieder mit seinen Workshops losging, war ich direkt dabei.

Etwas Theorie zu Beginn

Die Gruppe ist erfreulich klein: wir sind zu viert plus Francois. Zunächst gehen wir in ein Café, wo er uns eine theoretische Einführung ins Thema gibt: Geschichte, bemerkenswerte Streetfotografen und ihre verschiedenen Stile, unterschiedliche Herangehensweisen, ein bisschen Technik und Theorie, Komposition, Licht und Schatten… Aber vor allem spricht er auch den Punkt an, der mir so wichtig ist: es gibt keinen Grund für die Angst beim Fotografieren von Fremden. Man tut ja niemanden etwas Böses – und in Wahrheit gibt es auch nichts Schlimmes, was dabei passieren kann. Gerade China/Peking ist ideal für Streetfotografie, sowohl was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht als auch die Bereitschaft, sich fotografieren zu lassen.

Francois macht uns Mut, beschreibt aber auch ein paar Möglichkeiten, wenn man die direkte Konfrontation vermeiden will – sei es aus Schüchternheit, sei es aus der Erwägung heraus, dass es die Situation verändert, wenn sich jemand als Fotosujet wahrnimmt. Einen wichtigen Grundsatz gibt er uns noch mit auf den Weg: Respekt. Und: lächeln! Super, das kann ich.

Und dann geht es auch direkt raus auf die Straße.

Rund um die Qianmen

Wir halten Ausschau nach Menschen und ihrem Alltag.

Gibt es Analogien oder Gegensätze?

Accessoires, besondere Kleidung?

Geometrien, Linien, Symmetrien – oder das Durchbrechen der Ordnung?

In den Hutongs

Während wir uns in Richtung Dashilar bewegen, reden wir über Licht und Schatten – und dass gerade das harte Mittagslicht in der Streetfotografie genutzt werden kann.

Tiere gehen natürlich auch immer!

Das Schild finde ich zu genial.

Hier ein Bild, das nicht so gut funktioniert, in schwarz-weiß erst recht nicht. Eigentlich hätte ich gerne den Mix von traditionellem Lampion einerseits und Peppa Pig und Co. andererseits herausgestellt. Aber das ist auch ein Lerneffekt: manchmal geht es halt nicht so, wie man sich das denkt. Hier ist der Hintergrund zu unruhig, es sind zu viele verschiedenen Elemente. (Ich hätte mich vielleicht an Details versuchen können.)

Das nächste Bild mag ich, obwohl oder weil es schräg ist – so langsam klappt es besser mit dem aus der Hüfte schießen.

War da was mit dem Lächeln? Das kommt ganz von selbst, so sehr genieße ich den Tag. Ich hab “Solar Power” von Lorde als Ohrwurm, die Sonne brennt, der Himmel ist quietschblau, und ich merke, dass ich mich zwar nicht über Nacht zu jemanden entwickeln werde, der Fremden überfallartig die Kamera direkt ins Gesicht hält (will ich auch gar nicht), aber dass ich meine Scheu wohl überwinden kann. Ich muss nur Dranbleiben.

Zurück auf der Qianmen

Sie hat mich angeguckt – und es ist gar nichts passiert. Jetzt sind wir zurück an der Qianmen, allerdings am anderen Ende.

Noch ein paar Eindrücke.

Südlich der Chang’an

Eine der anderen Teilnehmerinnen möchte gerne in Richtung Tian’anmen, alle sind einverstanden, also gehen wir hinüber. Unglücklicherweise haben nicht alle ihren Pass dabei, bei der ersten Kontrolle reicht zwar das Handyfoto vom Pass, bei der zweiten aber nicht mehr. Da die Sonne noch immer ganz schön knallt, hat uns das rückblickend vermutlich vorm Sonnenstich bewahrt. Stattdessen gehen wir am Polizeimuseum vorbei und lassen uns ein wenig durch die schattigen, baumbestandenen Straßen im Viertel südlich der Chang’an treiben.

Immer wieder bleiben wir stehen und Francois macht uns z.B. auf besondere Lichtverhältnisse aufmerksam. Auch für jeden einzelnen von uns nimmt er sich immer wieder Zeit und geht auf unsere unterschiedlichen Wissensstände und Anliegen ein. Gut gefällt mir, dass er auch Einsteigerfragen beantwortet – aber sehr knapp, so dass das nicht von der Zeit fürs eigentliche Thema abgeht. Stattdessen weist er auf seinem Einsteigerworkshop hin. So passt das für uns alle gut. Grundsätzlich geht es an diesem Tag überhaupt mehr um das richtige Hingucken, auf Momente warten, Licht, Komposition, weniger um Kameratechnik.

Die kleine Prinzessin schläft.

Girl(s) on a bicycle (und Ralph McTell im Ohr).

Man könnte sich hier an jede belebte Kreuzung stellen und Spruch-T-Shirts knipsen. ;)

Nach sieben Stunden geht der Workshop zu Ende.

Es war ja nun eh ein wunderschöner Sommertag, da hätte das herumstreifen auch einfach so schon viel Spaß gemacht. Aber mit all dem Input, der Ermutigung, den vielen Tipps und Hinweisen, der netten Gesellschaft war es besonders schön. Mich hat dieser Tag einen großen Schritt weitergebracht, ich habe an Selbstvertrauen gewonnen. Jetzt muss ich halt dranbleiben.

Interesse geweckt? Hier geht es zu Francois’ Webseite: Just go out and take some pictures.

2020 steht vor der Tür, Zeit für gute Vorsätze. Gute Vorsätze? Das ist doch das, was spätestens Mitte Januar in der Versenkung verschwindet? Okay, also lieber konkrete Projekte und umsetzbare Pläne!

Ganz oben steht natürlich, ombidombi.de weiterhin zu pflegen und mit Inhalten zu füllen, wenn es klappt, gerne mindestens einmal in der Woche. Aber das läuft ja eigentlich schon recht gut, also muss noch ein weiteres Projekt her.

Ich fotografiere ja ganz gerne, möchte mich da aber auch unbedingt noch weiter entwickeln und besser werden. Also habe ich mir für 2020 ein 366 Tage Projekt vorgenommen: Jeden Tag ein Bild schießen und posten. Pausen höchstens im Krankheitsfall  (von denen es 2020 hoffentlich deutlich weniger gibt), dadurch entstehende Lücken zeitnah schließen.

366 Tage – 366 Fotos

Das kennen manche sicher als 365-Tage-Projekt, aber 2020 ist Schaltjahr, gibt also ein extra Bild. ;)

Ich möchte mehr fotografieren, denn nur durch ständiges Üben geht es voran. Dazu will ich nie mehr ohne Kamera aus dem Haus gehen. Ich hab sie aktuell zwar meistens dabei, aber halt nicht immer, weil mich das Gewicht schreckt. Aber da muss ich nun durch. Nachdem Peking inzwischen für mich so selbstverständlich geworden ist, will ich meinen Blick schärfen, auch im Alltag genauer hingucken. Ich will weg von den (Teil-)Automatikmodi und überwiegend manuell fotografieren.

Ein Thema für das ganze Jahr werde ich mir nicht setzen, davon würde ich mich zu eingeschränkt fühlen. Aber falls es sich ergibt, könnte ich vielleicht mal ein Wochenthema (z.B. Farben, Gesichter, Pflanzen, Gegensätze, Hände, Kunst, Street, Indoor, Outdoor, … ) einschieben.

Ich will meinen “Objektivfuhrpark” ausnutzen. Derzeit habe ich mein 18-250 mm Reisezoom “immerdrauf” und nur gelegentlich zusätzlich das Weitwinkel (10-18 mm) dabei. 24 mm, 50 mm und 100-400 mm Tele schlummern meistens vor sich hin. Das muss sich ändern!

Das Bild des Tages werde ich ab 1.1.2020 dann täglich auf pekingfotos.de zeigen. Hier auf ombidombi.de soll es ein monatliches “best of” geben. Und sicher gibt es zu dem einen oder anderen Bild auch eine Geschichte zu erzählen.

Was hast Du für Vorsätze Pläne für 2020? Hast Du schon mal so ein Fotoprojekt gemacht? Was waren Deine Erfahrungen damit?

 

Ich wurde zu einer Landpartie gezwungen und bin dabei gestern zum ersten Mal in China selbst Auto gefahren. Der Gatte musste zu einem Geschäftstermin in den Norden Miyuns, nur leider konnte oder wollte keiner der übrigen am Termin Beteiligten fahren. Tja, wozu habe ich vor zwei Jahren den Führerschein gemacht

Trotz Erkältung quäle ich mich also morgens früh aus dem Bett und sitze um 7:30 Uhr zum ersten Mal in meiner China-Zeit hier selbst am Steuer. Noch ist es früh, wir fahren außerdem stadtauswärts: alles kein Problem! Dann kommt die erste Herausforderung: Mautstelle auf dem Highway.  Naja, in Wahrheit auch nicht anders als in Norwegen, also auch kein Problem. Die Autobahn ist frei, ich geb Gas. Nein, halt, hier ist maximal 120, und das auch nur auf der linken Spur (auf den beiden rechten gilt 100).

Bilderbuch-Herbst

Ich muss mich zum Glück nicht um die Navigation kümmern (Leute, die mich näher kennen: sagt jetzt bitte nichts!) und werde zuverlässig immer weiter Richtung Norden dirigiert. Irgendwann lassen wir Nanshan rechts liegen, bald darauf geht es erst durch einen kleinen Ort (ca. 700.000 Einwohner ;) ), dann auf die Landstraße, die schon bald schmaler wird. Die Berge rücken näher, es geht bergauf und da ist es auch schon: das erste blaue Schild: “Bitte Hupe benutzen.” Davon mache ich doch gerne Gebrauch! Inzwischen hat sich der morgendliche Dunst verzogen, ab und zu kommt die Sonne raus und bringt die Landschaft zum leuchten. Am liebsten würde ich nach jeder Kurve anhalten und erstmal Bilder schießen, aber wir sind ja nicht zum Vergnügen unterwegs und müssen zu dem Termin. Trotzdem, das rot- und gelbleuchtende Laub an den Berghängen ist atemberaubend! Es geht vorbei an Flüssen und Seen, und spätestens nach dem dritten Serpentinenabschnitt denke ich: Hier möchte ich Motorrad fahren! (Der Gedanke hat sich jetzt im Hinterkopf festgesetzt.)

Lost Places

Die Straße wird schmaler, ich werde auf eine noch schmalere Straße gelotst, es geht noch ein paar Mal bergauf/bergab – und dann sind wir in dem kleinen Dorf.

Dorfstraße

Ein Huhn wackelt vor mir über die Straße. Wir sind so gut durchgekommen (ich schwöre, ich bin nicht gerast!), dass noch etwas Zeit ist und gehen an einem künstlich angelegten kleinen See spazieren. Der sieht auf den ersten Blick total romantisch aus.

See in Miyuns Bergen

See in Miyuns Bergen

Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Idylle trügt. Tote Fische am Seeufer.

tote Fische und Müll am Seeufer

Müll und tote Fische am Seeufer

Dazu die vielen leerstehenden Anwesen: vom Touristenressort bis zum kleinen Bauernhof: trostlos – aber großartig für Lost Place-Fotografie.

Verlassener Hof

Verlassener Hof

Leider habe ich gar nicht die Zeit, um zu entscheiden, ob ich über einen Zaun klettern möchte, denn ich muss die Männer jetzt doch zu ihrem Termin fahren. Auf dem Rückweg zum Auto begegnen uns ein paar Schafe (oder Ziegen? Mir wird klar, warum im Chinesischen 羊 yáng für beides steht), die uns ebenso neugierig angucken wie wir sie.

Viecher auf der Straße

羊 yáng

Geschäftemachen auf Chinesisch

Bisher habe ich von chinesischen Geschäftsterminen nur gehört oder gelesen. Nun war ich live dabei. Um keine Geheimnisse auszuplaudern nur so viel: die Realität ist schlimmer! In den Städten mag es inzwischen anders zugehen, aber im ländlichen China treffen die Schilderungen zu was Esskultur, Baijiu-Konsum und Anzüglichkeiten angeht (und das mir als einziger Frau unter zehn Männern…).

Irgendwann ist es überstanden, alle sind sich einig, dass das ein erfolgreicher Termin war. Ich bin jedenfalls froh, als ich endlich die Baijiu-geschädigten Kerle ins Auto zurück verfrachtet habe. Damit sie auch richtig was von haben, nehme ich die Serpentinen schön schwungvoll… ;)

Je näher wir Peking kommen, umso dichter wird der Verkehr bis wir richtig im Stau feststecken. Auch mein Schleichweg ist verstopft, inzwischen ist es dunkel, jetzt strengt das Fahren schon etwas an. Als ich endlich alle abgeliefert habe und selbst zuhause bin, bin ich ziemlich platt, aber eins weiß ich: ab sofort werde ich mir öfter ein Auto mieten – das soll nicht die letzte Landpartie gewesen sein!

Normalerweise enden Schneeball-Spiele, Challenges, Kettenbriefe auf Facebook und anderswo bei mir. In den letzten Tagen habe ich eine Ausnahme gemacht, denn die “seven days – B&W-Challenge” hat mich mit der Beschreibung “7 days, seven black and white photos of your life, no explanation, no people” doch angesprochen: mit ein paar Bildern könnte ich zeigen, was hier an China oder in meinem Leben so anders ist. Auf Facebook durfte ich nichts zu den Bildern erzählen, ein Regelverstoß (doch Menschen mit auf einem Foto) wurde direkt bemängelt. Aber es sind ja nicht alle bei Facebook und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht doch etwas zu den Bildern zu erzählen hätte. Was ich mit den Bildern ausdrücken wollte, und wofür sie für mich stehen, ist mir selber natürlich klar. Aber ich weiß nicht, was sich jemand in Deutschland dazu denkt, jemand, der noch nicht oder nur kurze Zeit in Peking war. Erstaunlicherweise haben sich bislang alle von mir Nominierten beteiligt und zeigen nun ihrerseits richtig schöne Schwarzweißbilder!

Tag 1 – Zwei Uhren

Als ich mich dazu durchgerungen habe, an der Challenge teilzunehmen, war für mich sofort klar, was ich als erstes fotografieren und posten würde. Diese beiden schlichten IKEA-Uhren hängen bei uns im Esszimmer. Bei uns war es schon nach 21 Uhr, in Deutschland gerade mal drei Uhr nachmittags durch,  In Deutschland wird noch gearbeitet, bei uns ist für die Jungs Schlafenszeit. Wir gönnen uns vielleicht ein Glas Wein, in Hamburg gibt es Kaffee.  Bevor ich mit Deutschland skype, gucke ich auf diese Uhren (oder auf die Uhren auf dem Laptop): ist Deutschland schon wach oder ist es noch zu früh? Das Zeitfenster, wo Skypen/Telefonieren/Chatten für Deutschland und China passt und angenehm ist, ist erschreckend klein. Oft denke ich, dass es nicht die vielen tausend Kilometer und die vielen Flugstunden sind, die uns von Deutschland trennen, sondern diese 6 Stunden Zeitunterschied. Am kommenden Wochenende, nach dem Ende der Sommerzeit in Deutschland, sind es dann 7 Stunden, dann wird es noch schlimmer, das ist fast ein ganzer Arbeitstag…

Zwei Zeitzonen, zwei Uhren

6 Stunden Zeitunterschied

Tag 2 – Chinesischer Supermarkt

Das zweite Bild zeigt einen chinesischen Supermarkt, wo ich gelegentlich mit Freundinnen hinfahre. Hier in unserer Wohngegend gibt es einen großen auf Westler ausgerichten Supermarkt, wo man zum Glück das meiste bekommt, was die westliche Küche so braucht.  Da zahlt man dann allerdings auch einen ordentlichen Aufschlag. Obst und Gemüse im chinesischen Supermarkt (oder auf dem Wetmarket) sind deutlich günstiger, dafür gibt es keine Kaffeebohnen oder Filterkaffee, nur gesüßten Instantkaffee in Portionspäckchen, das Zeug ist hier inzwischen recht beliebt. Was sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass nicht nur wie auf dem Bild zu sehen, Reis, Hülsenfrüchte, Getreide lose verkauft werden und so offen rumstehen, nein, beim Fleisch ist das auch so. Da ist nichts abgedeckt, jeder bedient sich selbst… Naja, wird ja alles gekocht und nicht roh gegessen… Trotzdem gewöhnungsbedürftig! Das Jagen und Sammeln, d.h. Einkaufen, ist hier schon deutlich zeitaufwendiger als in Deutschland. Die Wege sind meist weiter und man bekommt nie, nie, nie alles, und schon gar nicht in einem einzigen Laden.

Chineischer Supermarkt

Chinesischer Bravo-Supermarkt in Houshayuzhen

Tag 3 – Tuktuk

Wir haben kein Auto. Man stelle sich das vor, wir sind von Autoleuten umzingelt (ich verkneife es mir, all die großen bekannten Marken zu nennen), die alle mindestens ein Auto haben. Da ist das Leben ohne eigenes Auto, besonders wenn man wie wir hier draußen in Shunyi und nicht im Zentrum wohnt, schon ziemlich exotisch. Großeinkauf mit Fahrrad ist nicht wirklich praktisch, Delivery ist zwar möglich, aber dann ist man manchmal stundenlang angebunden und wartet so vor sich hin. Mein Tuktuk (Sanlunche – Drei-Rad) macht mich in der Hinsicht unabhängig, braucht keinen Diesel (naja, ich bezweifel, dass aus unserer Steckdose Ökostrom kommt) und bei schönem Wetter macht es auch einfach Spaß mit knapp 30 Stundenkilometern die Straße entlang zu brettern (ich hab es gebraucht von Autoleuten übernommen, es ist getunt, so schnell sind die normalerweise nicht). Mit dem Tuktuk kann man nachmittags auch wunderbar schwer bepackte, müde Kinder vom Schulbus abholen. Es macht uns den Alltag hier schon ein bisschen einfacher.

Mobil auch ohne Auto

Mein Tuktuk – wo de sanlunche!

Tag 4 – Yunnan Hotpot

Unbestreitbar ist das chinesische Essen eines der Highlights hier in China! So riesig und vielfältig das Land ist, so abwechslungsreich und unterschiedlich sind die vielen chinesischen Küchen! Bei diesem speziellen Yunnan Hotpot bekommt jeder Gast seinen eigenen Topf mit Brühe nach Wahl: Hühnchen oder Lamm, vegetarisch mit Pilzen oder “mit alles” (beim mongolischen Hotpot steht sonst ein großer Topf für alle in der Mitte).
Und dann wird aufgetischt: Gemüse, Pilze, Fleisch, Fisch, Innereien, Entenblut, Klößchen, Muscheln. Und dann geht es wieder von vorne los. Dazu werden zahlreiche Dips gereicht. Es erinnert ein bisschen an Fondue, ist nur weniger fettig und viel abwechslungsreicher. Zum Glück gibt es in Hamburg mehrere Restaurants, wo man authentisch chinesische Küche bekommen kann, nicht nur Nr. 33 und 45. ;) Trotzdem, wenn es irgendwann einmal zurück nach Hamburg geht, diese Vielfalt hier werde ich vermissen.

Chinesische Küche - unglaublich abwechslungsreich

Yunan-Hotpot

Tag 5 – Königs-Protea/Zuckerbusch

Jeden Samstag kommt der “Flower Guy” in den Compound, jeden Samstag erinnert am frühen Nachmittag die Managerin des Compounds in der Compound-WeChat-Gruppe daran, dass er da ist. Diese Erinnerung wäre bei uns nicht nötig, denn Männe ist vermutlich eh einer der besten Kunden dort, denn jeden Samstag kauft er drei Sträuße. Grüner Daumen? Mein brauner Daumen ist legendär! Da sind die unglaublich exotischen Schnittblumen, preisgünstig noch dazu, eine tolle Alternative. Klar gibt es hier die internationalen Klassiker, Tulpen und Narzissen im Frühling, alle nur erdenklichen Rosen das ganze Jahr über. Und immer wieder gibt es exotische Pflanzen, wo ich Suchmaschinen bemühen muss, um herauszufinden, was mein Mann mir denn da mitgebracht hat. Diesen Sonnabend gab es diese beeindruckenden, riesigen, farbenprächtigen (von zartrosa bis kräftig lila changierenden) Blüten. Diesmal brauchte ich keine Suchmaschine, meine südafrikanische Freundin wusste sofort Bescheid: Das sind Protea! Diese sind im südlichen Afrika heimisch und die Wappenblume Südafrikas.
Blumen sind hier unendlich wichtig. Überall in der Stadt findet man Flower Markets. An den Straßenlaternen bei uns im Compound hängen jeweils zwei Blumentöpfe. Aus dem Stadtbild sind Blumen nicht wegzudenken. Oft werden sie nicht eingepflanzt, sondern Blumentöpfe werden dicht an dicht kunstvoll arrangiert. Sind sie verblüht, wird das nächste Kunstwerk aus Blumen geschaffen. Selbst an den dicht befahrendsten Hauptstraßen in der Stadt sind die Mittelstreifen mit Rosen bepflanzt, das ist im Sommer schon ein toller Anblick. Verkehrsinseln, die bald größer und schöner bepflanzt sind als deutsche Kleinstadtparks. Für mich haben die vielen Blumen hier besonders an grauen Smogtagen etwas tröstliches!

Im südlichen Afrika heimisch: Protea

Protea – Zuckerbusch

Tag 6 – Luftfilter

Ich glaube, dazu muss ich nicht mehr viel sagen. Der Winter steht vor der Tür, die Luftwerte erreichen heute zum Teil einen AQI von 300, und obwohl das Wetter schön ist, bleibt es draußen eigentümlich grau-gelb und wird nicht richtig hell. “Kinder, reinkommen! Ab in die frische Luft!” Notiz an mich: es wird mal wieder Zeit für einen Filterwechsel! Einen? 10, denn soviele der possierlichen, wenn auch etwas lauten Luftstaubsauger halten die Luft in unserem Zuhause auf annehmbaren Niveau.

 

Tag 7 – Regelverstoß: Tuktuk in der Stadt

Ich wollte ein Bild zum Straßenverkehr zeigen, hatte aber keins greifbar mit fiesen Staus, also habe ich mich für dieses Tuktuk entschieden, dass mitten in der Stadt im CBD (Central Business District) unterwegs ist. Da das Tuktuk aber kein autonomes Selbstfahrteil ist, sind diese beiden freundlichen Herren regelwidrig auf dem Bild zu sehen. Verkehr ist hier einfach immer ein Thema. Wenn ich in der Stadt verabredet bin, rechne ich zur reinen Fahrzeit immer noch einen Puffer von mindestens einer halben Stunde oben drauf, bei wichtigen Terminen auch mehr. Staatsgäste auf dem Weg zum Flughafen? Wir sperren mal fix den Airport Expressway. Dummerweise ist das unsere Hauptverbindung in die Stadt rein. Dazu Unfälle, zuviel Verkehr, diese sonderbaren Abbiegeregelungen. Die müssen jetzt endlich mal in meinen Kopf rein, denn ich wurde von einer Freundin dazu genötigt, Mitte November die chinesische Führerscheinprüfung abzulegen. Naja, vermutlich falle ich morgen durch den Sehtest, dann hat sich das erledigt. Aber auch ohne eigenes Auto, wer weiß wozu so eine Fahrerlaubnis hier mal gut ist… Könnte mir bei einer der nächsten Reisen den Nachtbus ersparen. ;)

Tag 7, zweiter Versuch – Finale: Die Mauer

Die Mauer ist und bleibt für mich ein unvergleichliches Reise- und Ausflugsziel. Nicht nur Sinnbild einer jahrtausendealten Kultur, ein Bauwerk der Superlative, sondern auch noch beeindruckend schön gelegen. Wenn ich Besuch habe und beim 43. Besuch des Lamatempels auch schon mal gekniffen hab: zur Mauer möchte ich nach Möglichkeit immer mit – und ich bin jedesmal wieder tief beeindruckt und fasziniert. 

Die Mauer in den Köpfen ist manchmal größer als die Chinesische Mauer

Die chinesische Mauer heute hat nichts Trennendes mehr. Hier treffen sich Reisende aus aller Welt und aus China, staunen gemeinsam, posieren gemeinsam. Damit hat sie heute eher etwas Verbindendes.
Nach über 2 Jahren in China bin ich froh, nicht meinen Vorurteilen und Ängsten Raum gegeben zu haben, sondern mit Anlauf über die Mauer in meinem Kopf gesprungen zu sein, auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Immerhin, langweilig ist es hier nie. Das einzige, das beständig scheint, ist der Wandel. :)

Was seht Ihr in den Bildern? Macht Euch das ein bisschen neugierig auf das China jenseits der Schlagzeilen?