Traumhaftes Wetter, sonnig und warm (lauschige 25 Grad!), Luft nicht gut, aber noch annehmbar: Zeit für eine kleine Frühlingstour. Der Mann wegen des Feiertags zu Hause – ich nutze die Chance rauszukommen. Ich brauche Bewegung und will in einem Park spazieren gehen, und ein bisschen „altes China“ würde mir auch gut tun. Bevor es losgeht, bau ich erst noch schnell die Winterwindschutzkuscheldecke vom Scooter ab – damit wäre es wirklich viel zu warm – und ich bin derzeit ja auch nie abends unterwegs, wenn es noch kühler ist.

Ich fahre an der Schule vorbei – steht noch. Deutsche Botschaft steht auch noch. Als ich weiter die Dongzhimen Outer und Inner Street entlangfahre, denke ich an den chinesischen Neujahrsabend vor zweieinhalb Monaten zurück, als ich in Richtung Verbotene Stadt hier entlang gefahren bin. Da waren es sicher 30 Grad weniger, auf der Straße war wegen des Feiertags kaum Verkehr, nur wenige Menschen unterwegs, die aber bepackt mit Geschenktaschen, vor manchen Restaurants kleine Trauben von wartenden Leuten, Straßen und Restaurants geschmückt. Ich bin auch zwischendrin schon hier entlanggefahren, da war fast gar nichts los und der Feiertagsglanz fehlte, stattdessen apokalyptisches Feeling in der verlassen wirkenden Stadt mit den wenigen, allesamt Masken tragenden Passanten. Viel Verkehr ist jetzt auch nicht, aber doch deutlich mehr und vor allem sind viel mehr Menschen unterwegs.

An der Kreuzung Dongsi/Yonghegong muss ich mich entscheiden: links herum in Richtung Jingshan Park oder rechtsherum zum Ditan-Park. Die Ampelschaltung entscheidet für mich, also fahre ich kurz darauf am Lama Tempel vorbei, überquere noch die große Kreuzung unter dem 3. Ring und parke den Scooter zwischen Dutzenden anderen vor dem Parkeingang.

Ditan-Park

Kurzer Augenblick der Spannung: bekomme ich ein Ticket? Und ist der Park noch nicht zu voll? Beides kein Problem. Am Tor muss ich noch kurz die Temperatur messen lassen, gehe noch ein paar Schritte in den Park hinein und das viele Grün tut augenblicklich gut. Ein paar Meter weiter kann ich den süßen Duft der Blüten einsaugen, der es sogar durch die Maske schafft. Überall wird fotografiert, dieses Jahr gibt es Frühlingsblüten-Selfies-mit-Maske.

Ich lasse mich weiter durch den Park treiben. Es ist schön zu sehen, dass es auch jetzt noch das normale Pekinger Parkleben gibt, wenn auch weniger und mehr auf Distanz als zu normalen Zeiten. Eine einsame Sängerin zwischen den Bäumen. Junge Leute in traditioneller Kleidung beim Fotografieren. Musikanten. Fußfederball, Tai Chi, Tänzerinnen… Nur der Sportplatz mit den Fitnessgeräten ist abgesperrt (so wie der Erdaltar auch).

Eigentlich will ich gerade versuchen, ein ferngesteuertes Auto fotografisch nett einzufangen, als ein Ball vor meine Füße rollt. Ich kicke ihn zurück, Ball kommt wieder, weitere Leute gesellen sich dazu. Das war ein unglaublich schöner Moment, fast normal, wären die Masken nicht.

Dieser Parkspaziergang hat echt gut getan. Ich schwinge mich auf den Scooter und mache mich auf den Rückweg.
Erst am Lama-Tempel vorbei…

Lama-Tempel

Durch die Yonghegong Straße in Richtung Beixinqiao…

Yonghegong Street

Blick in die Guozijian Street, in der sich der Konfuziustempel befindet…

Tor zur Guozijian Street…

Und schließlich noch an der Kreuzung Yonghegong Street/Dongsi North Street/Dongzhimen Inner Street: Allmählich mehr Verkehr, aber immer noch weit entfernt vom normalen Wahnsinn.

Warten an einer Ampel

Ich komme ziemlich zufrieden wieder zuhause an und beschließe, dass wir darüber reden müssen, ob und in wieweit wir unsere selbst festgelegten Sicherheitsmaßnahmen (Jungs gehen nicht raus, ein Elternteil immer bei ihnen…) lockern können. 

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