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Ich bin sitzengeblieben! Nein, so ist das nicht ganz richtig. Ich habe den Fortgeschrittenenkurs an der Schule verlassen und bin nun im Anfängerkurs. Und das ist gut so, auch wenn es schade ist, einige lieb gewonnene Gesichter nun nicht mehr regelmäßig zu sehen. Als wir hier ankamen, hatte ich ja bereits in Hamburg die Anfängerkurse gemacht, also noch mal bei Adam und Eva anfangen wollte ich nicht. Und hier würde ich ja soviel Zeit haben, das nachzuholen und zu lernen, was mir im Fortgeschrittenenkurs noch fehlte… Denkste.

Nicht nur, dass das Lernen eh zeitaufwendiger ist als man hofft, es kamen durch krankheitsbedingte Fehlzeiten immer neue Lücken hinzu, die Tage hier sind viel zu kurz um alles zu tun, was man gern tun würde, sollte und müsste – und anstatt aufzuholen wurde der Abstand immer größer. Wenn Grammatik erklärt wurde: Prinzip verstanden, so schwer ist das nicht – aber keine Chance, das irgendwie anzuwenden, weil ich zuviele Vokabeln nicht gelernt hatte… Und obwohl ich weiterhin hoch motiviert bin und mein Chinesisch unbedingt besser werden soll und ich weiter lernen will, hat es einfach keinen Spaß mehr gemacht.

Also über den Schatten gesprungen und erst mir und dann der Laoshi gegenüber eingestanden: ich pack das nicht – und ganz unkompliziert den Kurs gewechselt. Und jetzt macht das Lernen auch wieder richtig Spaß. Die „Anfänger“ sind das Dreivierteljahr hier ja auch nicht untätig gewesen, passt jetzt genau für mich. Kleines Bonbon obendrauf: eine Freundin und Nachbarin ist in dem gleichen Kurs, wir können also nicht nur zusammen in die Stadt hineinfahren, sondern uns auch gut gegenseitig unterstützen.

Hanban - Roter Stempel!

Hanban – Roter Stempel!

Vor über einem Jahr war ich noch total erleichtert, ich hatte den ersten Chinesisch-Intensivkurs am Konfuzius-Institut in Hamburg hinter mir und hatte den Eindruck, dass man Chinesisch wirklich lernen kann. Ok, die ersten Kurse waren Ganztags-Intensivkurse, außer Chinesisch hab ich in der Zeit absolut nichts gemacht. Inzwischen bin ich etwas ernüchtert. Um wirklich gute Fortschritte zu machen, muss man doch sehr viel Zeit hineinstecken, mehr als mir der normale Alltag oft lässt. Und anders als früher brauche ich tatsächlich mehr Zeit, um mir eine neue Vokabel geschweige denn eine ganze Redewendung einzuprägen – den Kindern fällt das Chinesichlernen erheblich leichter! Andere Fremdsprachen zu lernen fiel und fällt mir viel leichter – aber da kennt man schon vieles aus „verwandten“ Sprachen, nur Schreibweise oder Aussprache unterscheidet sich etwas. Solche Beziehungen, die das Lernen vereinfachen, lassen sich mit Chinesisch für mich halt gar nicht herstellen.

Frustrierend und motivationshemmend ist auch der Gedanke, der sich breitgemacht hat: „Einen tiefsinnigeren Gedanken als „Was kostet ein Pfund Äpfel?“ (Duōshǎo qián yī jīn píngguǒ?) werde ich niemals auf Chinesisch formulieren können.“ Und dann gibt es doch kleine Erfolgserlebnisse: man hat eine Ahnung, um was es in einem Radio-/TV-Beitrag geht! Dem Taxifahrer eine Adresse sagen zu können, ohne Visitenkarte oder App zu Hilfe zu nehmen! Eine telefonische (!) Tischreservierung! Und auch die Reaktionen der Chinesen: Ok, manche verstehen einen wohl nicht, allein weil sie es sich nicht vorstellen können, dass eine Langnase sich mit Chinesisch versucht. Aber ich habe doch den Eindruck, dass die meisten es zu schätzen wissen, dass man sich die Mühe macht. Ich werde also dranbleiben. Auch ein kleiner Motivationsschub: ich habe die absolute Anfänger HSK 1- Prüfung (offizielle Chinesischprüfung: siehe Wikipedia) bestanden. Ich kann aber auch diejenigen verstehen, die sagen: nee, für die drei Jahre, die wir hier sind, lohnt sich der Aufwand nicht, wenn ich wieder in Deutschland bin, brauche ich das nie wieder. Denn man kommt ja auch ohne Chinesisch klar: wenn nicht mit Englisch, dann mit Händen und Füssen, Apps und Visitenkarten, Lageplänen…

Jetzt sind wir ein schon halbes Jahr hier, „Zwischenbilanz“ ist zu hochgestochen, aber ich schreibe hier mal zusammen, was mir dazu durch den Kopf geht:

Ja, wir sind jetzt richtig angekommen, kennen uns aus, der Alltag läuft rund. Die Jungs fühlen sich wohl in der Schule, haben Freunde gefunden und dass wir wieder Komplettfamilie und nicht mehr zu Dritt mit gelegentlichem Papa-Besuch sind, tut ihnen sichtlich gut (in den 12 Monaten vor dem Umzug war Thomas, hmm, 12 Wochen? in Hamburg).

Die Alltagsorganisation hier ist aufwendiger als in Hamburg. Die Wege sind weiter, und trotz des mörderischen Verkehrs fehlt mir fehlt gelegentlich doch das eigene Auto, insbesondere, wenn Wetter und Sicht gut sind und ich gerne die so nahe liegenden Berge und die kleinen Orte dort erkunden würde. Trotzdem, mit Taxi und Metro kommt man ansonsten fast überall hin, schlimmstenfalls muss man halt mal etwas warten, bis man ein Taxi gefunden hat…

Einkaufen ist ein Thema für sich, Stichwort Lebensmittelsicherheit. Da ist die „ununterbrochene Kühlkette“ nur einer von vielen Aspekten. Am besten ist es, vieles zu verdrängen: woher kommt das Fleisch, die Eier… Aber nein, auf vegan umzusteigen ist auch keine Alternative: Womit wurde das Gemüse und Obst gedüngt, gespritzt, reicht abwaschen oder doch lieber schälen…. Es gibt zwar „Ökosiegel“, aber es kann sich wohl jeder ein Logo pinseln und „organic“ draufschreiben – wer kann das überprüfen?

Überhaupt Gesundheit: Wann müssen wir den Trinkwasserfilter erneuern? Zum Zähneputzen doch lieber ein Glas Trinkwasser von unten aus der Küche holen? Wann müssen die Filter der Luftfilter erneuert werden? Dass Wasser- und Luftqualität auf einmal ein Thema sind! Damit sind wir wieder beim Thema verdrängen: Verdrängt wird auch der Gedanke daran, welche (langfristigen?) Folgen die miese Luft hier haben kann. Im Haus sind wir dank zahlreicher Luftfilter ja „sicher“ – aber oft juckt es mich die Dinger auszustellen. Stellt Euch einfach vor, neben Euch wäre immer ein auf niedriger Stufe laufender Staubsauger! An die Masken als zusätzliches Accessoire haben wir uns gewöhnt, jetzt im Winter ist das auch nicht so lästig (außer für Brillenträger: Brillen beschlagen dann gern), wenn es nicht mehr so kalt ist, schwitzt man drunter, nicht schön. Glücklicherweise sind die meisten Tage dann doch keine Maskentage. Zusätzlich zu den Atemwegsproblemen und möglichen Spätfolgen geht einem die gelbgraue Glocke auch mächtig auf den Zeiger; wenn das länger als einen Tag anhält, werden selbst Frohnaturen trübsinnig. Da sehn ich mich dann doch nach meiner Hamburger Stadtrandidylle…

Man kann auch nur hoffen, dass keiner von uns in einen Unfall verwickelt wird oder ernster krank wird – Krankenwagen stehen genauso im Stau wie Privatwagen, abgesehen davon möchte man doch lieber in eine Klinik mit westlichem Standard (teure Auslandsversicherung sei Dank) gebracht werden.

Ohja, wenn man will, findet man hier an jeder Ecke neue Ängste und Sorgen, die sicher auch ihre Berechtigung haben. Aber: auch auf unser Hamburger Haus sind schon mehrmals Bäume gestürzt (glücklicherweise immer nur Sachschäden), passieren kann einem überall etwas, und wenn ich mal Krebs kriegen sollte, wird man kaum feststellen können, ob das von der Belastung hier in China oder doch auf die Kindheit in der Nähe der Hamburger Giftmülldeponie zurückzuführen ist.

Ich kann nur für mich sagen: ich möchte mein Leben leben und nicht im tiefen Tal der Sorgen verbringen und die Zeit einfach an mir vorbeirauschen lassen, daher übe mich in Verdrängung, was meistens auch gut klappt. Gelegentlich erwischt mich dann doch mal ein Tief, was ich dann an Thomas auslassen kann (sorry dafür), aber meist ist es am Tag drauf wieder besser.

Die Menschen hier machen es einem auch leicht, sei es die Expatgemeinde oder die Chinesen. Es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. Wer sich hier langweilt, der langweilt sich überall! Für mich ist es eine tolle Erfahrung, Peking und China kennenlernen zu dürfen. Es ist einfach ein Riesenunterschied, etwas zu lesen oder als Film zu sehen oder es selbst zu erleben. Es rückt auch die Perspektive gerade: wie winzig ist Deutschland! Wie klein ist Europa! Wie unfassbar groß ist China! Es ist nicht alles „schön“, aber interessant beinah alles. Wenn man die Umweltproblematiken hier sieht oder die extremen Gegensätze zwischen arm und reich, Tradition und Moderne, „hinterm Mond“ und futuristisch – das hat auch Einfluss darauf, wie man Deutschland sieht. Oft kann man einfach nur dankbar dafür sein, dass man zufällig in Hamburg/Deutschland und nicht anderswo geboren ist! Aber manchmal durchzuckt einen ein „stellt Euch nicht so an“, manchmal denkt man „nun setzt doch einfach Fahrverbote und Umweltzonen durch, muss ja nicht erst so schlimm werden wie hier“ oder was für eine Bodenverschwendung, wenn man in der Stadt nicht wenigstens etwas mehr in die Höhe baut – zum Beispiel…

Manche stören sich hier an dem Gerotze, ich nehme es als kulturelle Eigenart hin, auch wenn es manchmal doch echt eklig ist, wenn beispielsweise ein Taxifahrer das Fenster runterkurbelt und lautstark den Rotz von ganz unten hochzieht und rausspuckt (sorry, aber das ist hier so). Manche stören sich an den Tischmanieren. Naja, eigentlich ist es doch sehr klug, von Tieren nicht nur das Filet, sondern beinah alles zu essen, und die wirklich ungenießbaren Teile müssen dann halt doch irgendwohin – und bevor die nächsten Gäste kommen, werden Tische auch saubergewischt bzw. bekomme neue Tischdecken. Gibt echt schlimmeres, was das eigene Wohlbefinden mehr beeinträchtigen kann als für uns ungewohnte Tischsitten und -gebräuche.

Fast jeden Tag entdecke ich etwas mehr von dieser riesigen Stadt, viele Orte möchte ich gern noch häufiger besuchen (verschiedene Parks und Stadtviertel z.B.), bei manchen Sehenswürdigkeiten warte ich nur noch wieder auf den nächsten Besuch – und wenn der zu lange auf sich warten lässt, werde ich wohl doch allein hinmüssen (Sommerpalast, Himmelsaltar, Lamatempel…). Manche Ecken warten noch darauf, von mir entdeckt zu werden. Gleichzeitig ist hier aber auch oft ganz normaler Alltag: um Kinder und Hütte kümmern und schon ist der Tag rum – nicht anders als in Hamburg auch.

Die Sprache ist ein Problem und wird wohl auch eins bleiben. Mein Chinesisch reicht für den Alltag aus, ich komme von A nach B und zurück, ich habe bislang alles einkaufen können, was ich einkaufen wollte etc, beim Radiohören (und erst recht beim Fernsehen) versteht man doch immer öfter wenigstens, um was es geht. Ich bezweifel aber, dass ich jemals einen tiefsinnigeren Gedanken als „was kostet ein Pfund Äpfel?“ formulieren kann… Bei allen anderen Sprachen konnte man auf bisher gelernte Fremdsprachen und das Deutsche zurückgreifen, so vieles ähnelt sich – das gibt es im Chinesischen gar nicht, man kann nichts herleiten. Und dann lernt man nicht nur einfach Vokabel plus Übersetzung, sondern Vokabel, Übersetzung, Pinyin, Schriftzeichen und Aussprache. Ohje, die Töne… Ist bei mir nach wie vor oft dem Zufall überlassen, ob ich den richtigen treffe. Lesen und Hörverstehen geht glücklicherweise besser als selber sprechen. Trotzdem, so sprach-los fühl ich mich regelrecht behindert. Und doch: es geht auch gut ohne perfekte Chinesisch-Kenntnisse. Hilfsmittel gibt es genug (Apps und Internet).

Manchmal vermiss ich meine Familie, die großen Kinder, meine Freundinnen und Freunde, spontanes Telefonieren (bei 7 Stunden Zeitverschiebung guck ich immer zweimal auf die Uhr, ob das jetzt ein geeigneter Zeitpunkt ist, und oft ist es das leider nicht). Und wenn es mal mit dem Skypen klappen könnte, dann spielt das Internet nicht mit… Kommt auch vor und nervt dann schon.
Aber einsam bin ich dank der vielen neuen Kontakte hier glücklicherweise nicht. Bei einigen wenigen Freunden und Bekannten scheint es leider wirklich auch ein „aus den Augen, aus dem Sinn“ zu geben (nein, das ist kein Vorwurf, dazu gehören ja auch immer zwei. Das ist halt auch das Leben, dass man mal eine Zeit lang zusammen verbringt und sich dann irgendwann voneinander weg entwickelt), dafür gibt es aber auch andere, wo man jetzt erst recht weiß: auf Dich kann ich mich immer und überall verlassen!

Soweit also meine leicht kuddelmuddelige persönliche Bilanz, die unterm Strich positiv ausfällt. Ich bin gespannt, was die nächsten Monate (und Jahre) bringen.

Bevor es im Sommer nach China geht, steht noch einmal ein Schweden-Urlaub mit dem gesamten Anhang an. Darauf freuen wir uns schon wie Bolle. Lofsdalen, Jämtland. Ganz viel Licht, fast rund um die Uhr. Natur und frische Luft satt. Fjäll und Seen. Wieder richtig zur Ruhe kommen, wie immer in Schweden, nochmal richtig auftanken und durchatmen, bevor dann das Abenteuer China startet.

Geplant ist derzeit, dass Thomas von Stockholm aus mit den Jungs nach Peking fliegt. Ich bringe das Auto zurück nach Hamburg – und setze mich dann in den Zug. Richtig, mit dem Zug: Hamburg-Berlin-Moskau-Ulan Bator-Peking, also ab Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn mit dem Linienzug Nr. 4, die mongolische Strecke. Von Lofsdalen bis Peking werde ich dann 10 Tage unterwegs sein. Klingt lange? Ja, ist es auch, aber das möchte ich auch so. Ist immerhin ein Riesenschritt, der da vor mir liegt, da einfach so über Nacht mit dem Flieger ins neue Leben hineinzuhüpfen, das entspricht mir nicht. Stundenlang durch Birkenwälder tuckern? Mag dem einen oder anderen öde erscheinen, ich freu mich drauf. Abgesehen davon gibt es so viel mehr zu sehen, soviel näher und dichter als wenn man mit dem Flieger obendrüber wegrast, hoffentlich viele Gelegenheiten mit Mitreisenden ins Gespräch zu kommen, aber vor allem auch einfach die Gedanken treiben lassen, genug Zeit, um mich unterwegs dann ganz auf Peking einstellen zu können. Und für Thomas und die Jungs ist es auch mal schön, ein paar Tage nur zu dritt zusammenzusein. Jedenfalls hoff ich sehr, dass es so klappt, Transsib kann man erst 45 Tage vor Abfahrt buchen.

Die Haussuche geht auch voran, Thomas hat sich nun mit der Maklerin einige Compounds angesehen. Sehr schön, meine Favoriten sind nun auch die seinen, somit liegen auf der gemeinsamen Liste nun „Dragon Bay“ und „Beijing Riviera“ vorn, wenn es an die konkrete Suche im Juni geht. Das ist auch gewöhnungsbedürftig, dass das in Peking viel kurzfristiger passiert, als wir es hier in Hamburg kennen. Aber welches Haus es dann auch immer tatsächlich werden wird, das wird schon ein gemütliches Nest für uns werden.

Ich büffel weiter chinesisch. Da hat mich der Aufenthalt in den Frühjahrsferien doch sehr beruhigt. Nur noch den April zuende, dann ist auch der aktuelle Kurs beendet – erst in Peking werde ich mir dann den nächsten Kurs suchen. Auch wenn man sich mit Englisch, Händen und Füßen und einem 20 Worte umfassenden Chinesischvokabular zurechtfinden könnte, das ist nichts für mich. Chinesisch zu lernen fällt mir zwar schwerer als jede andere Sprache zuvor, dennoch finde ich es für mich wichtig, die Sprache des Landes, in dem ich leben werde, einigermassen zu verstehen. Und dann hatte ich in den Frühjahrsferien auch den Eindruck, dass es mir Türen aufmacht, wenn ich schüchtern Möchtegern-Chinesisch vor mich hinstammele (hören, lesen, verstehen geht deutlich einfacher als selber zu formulieren und zu sprechen). Naja, das wird mit der Zeit vor Ort in China selbst hoffentlich besser werden.

Ansonsten – da wir uns einig sind, dass wir „mit kleinem Gepäck reisen“ gibt es gar nicht soviel weiteres zu tun. Wenn überhaupt, brauchen wir nur einen kleinen Container. Hier im Haus gibt es noch ein bischen was tun, was aber eh anstünde (streichen, Bad renovieren lassen…), das wird jetzt auch allmählich erledigt, bis es dann in einem Vierteljahr „tschüss, Hamburg“ heisst. Oh Mann, es ist tatsächlich nur noch ein Vierteljahr…

Ist aber auch gut, dass es „nur noch“ ein Vierteljahr ist. Ich hänge zwischen den Welten, bin mit einem Bein schon weg hier, aber noch nicht dort… Und bis man dann erstmal angekommen sein wird… So ein ganzes Jahr Vorlauf ist doch verflixt lange. Die Jungs hängen noch mehr an mir als eh schon, das kostet aber auch Kraft, da bin ich froh, wenn ich künftig auch wieder mehr freie Zeit für mich reklamieren kann und vor allem, dass die Verantwortung wieder geteilt werden kann. Alles in allem ist es seit den Frühjahrsferien so, dass ich es kaum noch abwarten kann, dass es endlich losgeht, da wartet eine wirklich spannende Erfahrung auf mich. Abschiedskummer und Heimweh und das eine oder andere Tief wird es sicher geben, aber unterm Strich erwarte ich mehr Positives als Negatives. Muss ja auch, sonst wäre man ja schön blöde, diesen Schritt zu tun.

Zweimal zwei Wochen Chinesisch-Intensivkurs liegen hinter mir. Vorher war das Chinesische ein Buch mit Sieben Siegeln für mich, jetzt sind einige Siegel entfernt und ich glaube, ich werde mich doch verständigen können – auf Chinesisch, auch wenn ich bis jetzt nur einen Bruchteil der unglaublich vielen Zeichen verstehe…

Das Hörverstehen ist bei mir noch nicht so wahnsinnig ausgeprägt, einer meiner wichtigsten Notfallsätze wird wohl „Bitte sagen Sie das noch einmal ganz langsam.“ sein. Aussprache? Hilfe, es sind ja nicht nur die verschiedenen Töne, sondern man muss auch Laute bilden, von denen man bisher kaum ahnte, dass es sie gibt… ;) Da setze ich aber ganz darauf, dass das im künftigen Alltag in Peking schon werden wird.

Lesen und Erschliessen von Texten hingegen funktioniert schon ganz gut, immer mehr Zeichen erkenne ich wieder und – auch Teil des Kurses gewesen – wenn ich etwas nicht verstehe, habe ich nun das Handwerkszeug bekommen, um es herauszufinden.

Neben dem eigentlichen Lernen der Sprache, waren diese beiden Kurse für mich außerdem auch eine sehr schöne Annäherung an China (das mir ja bekanntermassen bislang extrem fremd war). Die Erzählungen der Lehrkräfte, teils mit Bildern und Videos illustriert, haben der Neugier auf das Riesenreich weiteres Futter geliefert. „Lebenswichtige“ Hinweise auf Fettnäpfchen, Einblicke in Alltag und Gebräuche – das so erzählt zu bekommen ist doch etwas anderes, als es sich anzulesen.

Auch wenn jetzt gerade kein Kurs läuft, ich lern täglich weiter, damit die bisherigen Vokabeln ohne langes Nachdenken in Wort und Schrift sitzen. Ich hoffe, dass ich dann noch zu mindestens einem weiteren Anschlusskurs komme, dann allerdings nicht mehr ganztags, das ist kaum zu organisieren – abends nach 9 geht dann doch nicht mehr so viel in den Schädel wie es eigentlich müsste, da hätte ich gern mehr Zeit für Hausaufgaben, Wiederholen, Lernen gehabt.

Letztendlich haben mir diese beiden Kurse auch einen Großteil meiner Ängste genommen: Chinesisch kann man doch lernen.

Noch ist es ganz unwirklich. Weit weg – im doppelten Wortsinn…Und doch rückt es langsam aber sicher näher: Thomas ist gestern abgeflogen und seit heute in Peking. Wird ein bischen dauern, bis er wieder in Hamburg ist.

Vom Konfuzius-Institut gab es Mail: Erforderliche Bücher (sind nun bestellt), Login für die zugehörige eLearning-Plattform, weitere organisatorische Hinweise. Nun bin ich echt gespannt und freu mich drauf – Montag geht’s los.

Um von Peking nicht nur als Mega-Smog-City zu denken, hab ich mir ein paar Reiseführer und das Geo-Heft zu Shanghai-Peking-Hongkong gegönnt. Sehr hübsch zur Einstimmung: Culinaria China. Das ist ein bischen Kochbuch, etwas Bildband, etwas Landeskunde. Das war eine Empfehlung von Jonas, der nach einem Jahr Yunnan dieses Buch unbedingt haben wollte. Jedenfalls: da hab ich mich selbst gut ausgetrickst, das wird toll, China und Peking entdecken zu dürfen.

… und zwar zum Konfuzius-Institut: Chinesisch lernen. Am 15.9. geht es los. Oje, ich bin so gespannt, wie ich damit zurechtkommen werde… Für mich ist das so wichtig, dass ich mich im Alltag auch ohne Übersetzer zurechtfinde, ich will ja nicht immer von jemandem abhängig sein.

Wie geht das eigentlich mit den Schriftzeichen? Und wenn es so extrem auf die richtige Betonung ankommt, weil man sonst nur Blödsinn redet – bekomm ich das hin?