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Die Liebe in den Zeiten der Corona-Seuche

Ich bin jetzt Schwiegermutter…

…und das nicht mehr „quasi“ oder umständlich umschrieben: Unser Mittlerer hat geheiratet.

Meine schlechte Laune und Niedergeschlagenheit wurde immer schlimmer, je näher die Hochzeit rückte.  Bis vor ein paar Wochen hatte ich noch auf irgendein Wunder gehofft, das aber nicht eingetreten ist. Vom Verstand her war die Entscheidung völlig klar und richtig: Die Hochzeit eines Kindes ist zwar ein Ereignis im Leben, dass man auf gar keinen Fall verpassen möchte. Aber wenn man Verantwortung für zwei minderjährige Kinder trägt, deren Abi gefährdet wäre, wenn China einen nach einer Covid-Infektion (die in Deutschland derzeit ja kaum zu vermeiden ist) nicht wieder einreisen lässt, dann geht das vor. Ich kann diese Entscheidung richtig finden und trotzdem traurig deswegen sein,  und bis zur Hochzeit habe ich heftig damit gehadert.

Letzte Woche war es nun soweit. Per Skype waren wir am Freitag mit dabei im Standesamt und am Samstag bei der großen Feier – wovon wir wegen der Zeitverschiebung einiges verpasst haben. Das Wichtigste wurde uns aber per Video nachgereicht. Auch an dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke an meine Schwester, die das übernommen hatte.

Die Trauung war wundervoll und romantisch, und wir haben uns trotz der großen Entfernung ganz nah gefühlt. Und wir haben es hier auch ordentlich krachen lassen und das Brautpaar gefeiert.

Am Sonntag nach der Hochzeit ging es mir besser. Das Hadern hatte endlich ein Ende. Rückblickend ist es nun mal nicht mehr zu ändern, das macht es für mich einfacher, jetzt wieder im Hier und Jetzt zu sein und nach vorne zu gucken.

Was dann aber nicht nötig gewesen wäre, um im Nachhinein zu bestätigen, dass die Entscheidung, nicht zu kommen, richtig war: am Dienstag nach der Hochzeit gab es eine Handvoll positiver Coronatests – obwohl alle Gäste vorab negativ getestet hatten. Zum Glück sind inzwischen alle auf dem Weg der Besserung. Das ist jetzt wirklich ein bisschen bekloppt, aber spätestens jetzt habe ich meinen Frieden damit gemacht, dass wir in Peking geblieben sind.

Meine Schwiegertochter und mein Sohn müssen aber damit rechnen, dass ich sie sehr, sehr lange drücken und knutschen und knuddeln werde, wenn wir uns endlich richtig wiedersehen. Die anderen Kinder samt Anhang aber auch.

Spaziergang in Xicheng

Mit einer Freundin habe ich mich am Shichahai zum Spazierengehen verabredet. Statt meiner üblichen Runde sind wir vom See weg weiter in Richtung Westen gelaufen – an etlichen historischen Punkten vorbei.

Und natürlich auch ganz normales Pekinger Hutongleben.

In diesem Fenster spiegelt sich der See. Ich finde das cool.

Es grünt und blüht

Der Lotus blüht. Notiz an mich: auf zum Alten Sommerpalast.

Wir umrunden die Residenz von Prinz Gong, die derzeit noch geschlossen ist. Ab Montag soll „alles“ wieder öffnen, aber Achtung: die meisten Museen und Sehenswürdigkeiten haben montags geschlossen.

Am Nordende der Residenz befindet sich die Chinesisch-katholische patriotische Vereinigung, hier können wir aber nur durchs Tor gucken: kein Zutritt.

Ab und zu muss ich schauen und knipsen, was hier so blüht – und das dann später nachschlagen (oder vielleicht sollte ich mir doch mal eine Bestimmungsapp aufs Handy laden?). Jedenfalls handelt es sich bei diesem hübsch blühenden Gewächs um die Chinesische Lagerströmie oder auch Kreppmyrte.

In diesem Viertel finden sich zahlreiche kleine und größere Residenzen, derzeit alle geschlossen, manche sind wohl auch grundsätzlich nicht zugänglich.  Und dazwischen immer wieder ganz normales, sommerliches Hutong-Leben.

Grundsätzlich finde ich es richtig, Corona nicht einfach durchrauschen zu lassen. Aber manches ist dann einfach auch nur absurd, wie hier das lustlose herumsprühen von Desinfektionsmittel. Draußen. Auf den Boden. Warum? Okay, jetzt sehe ich gerade, dass das ein Gullideckel ist. Das Gerücht, dass Covid auch über Abwässer übertragbar ist, hat hier tatsächlich die Runde gemacht.

Es ist Mittagszeit, die Sonne knallt, Zeit für eine kleine Pause in der Huguosi Street. In diesem Restaurant gibt es großartige „crispy eggplants“, das Kungpao Chicken wird mit Litschi gepimpt – auch lecker. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, es ist eiskalt, zum Glück hab ich daran gedacht, ein Tuch einzupacken, in das ich mich einwickeln kann.

Die Pause hat gut getan. Und so langsam müssen wir auch umdrehen, denn wir sind zum Zoomen mit Freundinnen verabredet, dazu wollten wir uns ins Café Zarah setzen.

In der Huguosi Street gibt es jede Menge Restaurants und Geschäfte – und das „Mei Langfang Memorial“, das allerdings gerade geschlossen ist. Mei Langfang (1894-1961) war einer der großen Stars der Peking-Oper, berühmt für seine Verkörperung von Frauenrollen. Ich kann mit Peking-Oper eigentlich nicht so viel anfangen, aber jetzt bin ich froh, dass meine Freundin mich darauf aufmerksam gemacht hat. Das Memorial werde ich mir doch ansehen, wenn es wieder geöffnet ist, denn der Wikipedia-Eintrag macht mich neugierig: „In July 1937, the Marco Polo Bridge Incident occurred, and the Imperial Japanese Army soon occupied Beijing. The commander of the Japanese Army ordered Mei to perform for them and appointed Mei to a high rank official position. But Mei refused to sing throughout the duration of the war and endured an impoverished lifestyle until the war ended in 1945.“

Es gibt aber auch sonst soviel zu entdecken und dazu natürlich das Hutong-Leben und der Hutong-Verkehr.

Ein Stückchen weiter, in der Dingfu Street, müssen wir uns mit der Health App registrieren. Kurz hinter dem Kontrollpunkt findet sich dieses Stilleben:

Auch hier gibt es zahlreiche historische Stätten, an denen man einfach so vorbeigeht, wie zum Beispiel die frühere Fu Jen Catholic University (die seit 1961 ihren Sitz in New Taipeh City hat).

Zu den Pekinger Hutongs gehören auf jeden Fall die Tauben samt Taubenschlägen.

Schließlich sind wir zurück am See – und hier hat es gekracht. Der LKW hat wohl den kompletten Vorbau und ein Teil des Dachs von der Bar direkt an der Yinding Brücke mitgenommen. Die Aufregung hier war echt groß.

Blick von der Brücke in Richtung Berge (im Norden).

Und Blick zurück auf die Unfallstelle. Zum Glück nur Sachschaden.

Auch wenn wir schon spät dran sind für unsere Zoom-Verabredung, durch die Tobacco Pouch Street müssen wir unbedingt gehen.

Dann trennen sich unsere Wege kurz, ich geh zurück zum Feuergott-Tempel (derzeit geschlossen wegen Renovierung), wo ich meinen Scooter geparkt habe, meine Freundin schwingt sich direkt auf ein Leihfahrrad.

Zoomen im Café

Im Café angekommen starte ich als erstes das Zoom-Meeting, dann kann ich mich der Kaffee-Karte widmen. Ich starte mit Iced Coconut Mint Coffee – erfrischend, danach wechsle ich auf Vietnamesischen Eiskaffee. Da könnte ich mich reinlegen… Wir schwätzen zwei Runden (kostenlos ist ja immer auf 40 Minuten begrenzt) mit Freundinnen in Deutschland, beide erst kürzlich dorthin zurückgekehrt. Und das ist wirklich schön, dass es uns gelingt, den Kontakt auch so zu halten.

Dann sind wir aber wirklich platt, in der Mittagshitze so lange spazieren zu gehen, hat Spuren hinterlassen. Wir verabschieden uns, ich schwinge mich auf den Scooter und tucker nach Hause.

Auch auf dem Rückweg gibt es echt viel zusehen, sei es das kleine gelbe Transformer eCar…

… oder „Papageno“, der hier am Straßenrand eine Pause macht – oder auf Kunden und/oder Bekannte wartet? Alle paar Tage fahre ich an ihm vorbei, inzwischen darf ich ihn auch mal fotografieren und wir wechseln ein paar Worte. Heute sieht er mich nicht, aber ich freu  mich trotzdem, ihn gesehen zu haben.

Zuhause angekommen bin ich dann aber nur noch erledigt. Ich schütte Wasser in mich hinein, versorge den schmalen Streifen auf meiner Schulter, der zu wenig Sonnencreme abbekommen hatte, dann döse ich eine Runde auf dem Sofa, chatte kurz mit dem frisch gebackenem Ehemann und geh anschließend ins Bett.

Winterspaziergang

Ich habe mich in der letzten Zeit ein bisschen schwer getan, mich aufzuraffen und durch die Stadt zu streifen. Hauptgrund ist: mir ist zu kalt, die Kälte kriecht mir in die Knochen, tut weh, ich hasse es. Lorde hat ja einen Song („Solar Power“) extra für mich geschrieben, besonders die ersten Zeilen treffen es gerade genau richtig:

I hate the winter, can’t stand the cold
I tend to cancel all the plans (So sorry, I can’t make it)

Der andere Grund ist etwas, das viele Menschen, die im Ausland leben, umtreibt: was, wenn es den Lieben daheim mal nicht gut geht und man eigentlich besser dort wäre? Ich weiß jetzt, wie sich das anfühlt, aber bis ich da mehr drüber schreiben kann, brauche ich noch Zeit.

Gestern war es aber endlich mal nicht ganz so kalt, dazu gute Luft und strahlender Sonnenschein, mein Knöchel ist wieder ganz in Ordnung, also habe ich mich auf den Scooter geschwungen und bin zum Shichahai gedüst.

Test-Schlangen und die Seuche

Unterwegs komme ich zweimal an langen Schlangen vorbei: hier wird getestet. Eine der Schlangen ist an der Kreuzung Beixinqiao, wo vor kurzen der neue U-Bahn-Eingang (samt neuer Airport-Express-Station) eröffnet wurde. Auf der einen Seite der Kreuzung die wirklich sehr lange Schlange auf der Bike Lane, auf der anderen Seite sitzen ältere Pekinger auf den neuen Bänken des traditionell gestalteten Bahnhofeingangs (erinnert etwas an die Laubengänge im Sommerpalast oder Himmelstempel). Leider ist zuviel Verkehr, als dass ich absteigen und stehen bleiben könnte zum fotografieren.

Für uns war ja vor ein paar Wochen ein Test für den kompletten Compound angekündigt, der Stunden später wieder abgesagt wurde. Vielleicht ganz gut so, subjektiver Eindruck ist, dass man entweder nie oder „ständig“ getestet wird (wobei „ständig“ zwei-drei Mal heißt). In Peking selbst war heute übrigens der zweite Tag ohne lokale Neuinfektion. Von wegen, Omikron würde die quasi ungeimpften Chinesen platt machen. Die vielen positiven Tests in der Olympia-Blase dürfen auch gerne innerhalb der Blase bleiben.

Dafür hat es in Deutschland die ersten Familienmitglieder erwischt. Ich hoffe, das geht gut aus und ist fix und folgenlos überstanden.

Am Shichahai

Derzeit ist die Stadt noch bunter als sowieso schon, Neujahrs- und Olympia-Deko überall, hier an der Kreuzung vor dem Trommelturm.

Ich stelle den Scooter ab, biege um die Ecke und laufe auf den See zu – und muss mir erstmal die Augen reiben: huch? Das Eis ist schon weg?

Auch wenn ich mein „Projekt Eisprinzessin“ (die Pekinger Eislaufflächen testen) nun auf die nächste Saison verschieben muss: böse bin ich nicht drüber, denn das ist ein erstes Zeichen dafür, dass meine viertliebste Jahreszeit so langsam zu Ende geht. Zum Wochenende ist noch mal ein Kälteeinbruch angekündigt, aber dann reicht’s auch mit dem Winter. :)

Ich biege in den Yandai-Hutong ab, und lasse mich von dem farbenprächtigen Gewusel dort gefangen nehmen. Es gibt so viel zu sehen!

Zum Beispiel der Schatten der Laternen auf einer historischen Türe…

Die unterschiedlichsten Menschen…

Es scheint immer mehr Hunde zu geben (oder sie fallen mir mehr auf), ob frei herumstromernd in einer Gasse…

… oder vom Frauchen aufgebrezelt an der Leine.

Über diese scheußlichen Palmen muss ich immer schmunzeln, aber jetzt im Winter ganz besonders.

Nachmittags keine Schwimmer, sondern ein Angler…

Ganz dünnes Eis…

Der Mini-Park am Wanghai-Turm ist geschlossen, das heißt ich könnte nicht am Ufer weitergehen, sondern müsste die an dieser Stelle eher uninteressante Straße benutzen. Da drehe ich lieber um, ich kann ja auch noch über die Brücke auf die westliche Seeseite gehen und dort herumstromern.

Ich mag die Spiegelungen im See…

… und das Gewusel hier. Heute ist viel los, denn es ist der letzte Tag der Neujahrsferien (also der letzte offizielle freie Arbeitstag, unsere Jungs haben seit Montag schon wieder Online-Schule).

Okay, das Eis ist nicht weggetaut, die Enten haben es aufgefressen… ;)

Pekinger Gegensätze: modernes und traditionelles Peking auf einen Blick, in einem Bild: vorne der Feuergott-Tempel, hinten der Citic Tower (Zhongguo Zun).

Ich gehe noch ein Stück weiter…

… aber allmählich steht die Sonne schon tief und nun wird es doch merklich kälter. Also drehe ich um und kann diesen Blick genießen: vorne in rot der Trommelturm, weiter hinten von den Bäumen fast verdeckt der Glockenturm.

Jeder mag Tanghulu (kandierte, aufgespießte Früchte).

Raucherpause.

Nach drei Stunden ist mir dann aber doch echt kalt, Zeit für den Rückweg.

Ich schwinge mich auf den Scooter und nehme einen anderen Weg zurück nach Hause. Trommelturm habe ich ja heute schon gesehen, ich werfe nun also noch einen Blick auf den Kohlehügel – wenn auch nur von der Bike Lane aus.

Ein Stück weiter muss ich an einer Ampel warten. Aber es gibt ja immer was zu gucken.

Der lange Spaziergang hat mir wirklich gut getan, man kann so schön Gedanken dabei sortieren, Licht und Sonne heben die Laune. Und so schrecklich kalt war es glücklicherweise auch nicht. Abgesehen davon gibt es hier ja auch immer mehr als genug zu Gucken. Auch wenn ich inzwischen schon immer wieder mal denke, dass ich gerne etwas Neues entdecken würde, hat es auch seinen Reiz, solche Lieblingsorte (wie es der Shichahai für mich ist) immer wieder aufzusuchen.

Happy New Year – Willkommen 2022!

Weihnachten

Heiligabend war bei uns ruhig und entspannt, eigentlich wie immer. Wir sind Team Kartoffelsalat (norddeutsch mit Mayo!) und Würstchen… ;)

Am ersten Feiertag gab es eine Premiere: das erste Mal, seit ich Kinder habe, bin ich ohne diese auf eine Weihnachtsparty gegangen. Die Jungs wollten eh online gamen, und ob ich da nun direkt daneben oder eine Viertelstunde entfernt bin, ist bei Teenagern ja nun wirklich keine Frage mehr. Mit der Zusage habe ich trotzdem lange gerungen und hab mich auch komisch gefühlt, als wir losgefahren sind – und dann war es total genial. Die Jungs haben den Abend in unserer Abwesenheit genauso genossen wie wir. Sie werden ja so schnell groß… ;)

Am zweiten Feiertag (für uns ja Doppelfeiertag, weil der Große Geburtstag hat) gab es die traditionelle Weihnachtsgans mit Knödeln und Rotkohl, ansonsten wieder gemütlicher Familientag. Über die Festtage verteilt haben wir viel mit der Familie und Freunden geskyped und gechattet – man kann sich doch über 7 Stunden und 7000 km hinweg nah sein (auch wenn es wirklich allmählich Zeit wird für einen Heimaturlaub mit realer Nähe).

Die Tage zwischen den Jahren haben wir wie immer genossen, dieses Gefühl aus der Zeit gefallen zu sein, völlig egal, welcher Tag und welche Uhrzeit es ist, keine Termine, Verabredungen oder Verpflichtungen.

Endzeitstricken und Scooter schieben

An Silvester gab es dann doch eine Verabredung zum Kaffee trinken und Stricken – oder wie der Mann es nannte: Endzeitstricken. ;) Auf dem Weg dorthin komme ich am Wangjing-Panda vorbei, der modernisiert worden ist, wie der Beijinger berichtet hat, die Kamera hatte ich extra griffbereit. Aber dem Cyberpanda ist wohl kalt, denn er ist verhüllt.

Verhüllter Cyberpanda

Ein Stück weiter fiel mir dann die neue Beschilderung auf. Da kommt was auf uns zu.

Olympia kommt.

Auf dem Rückweg ist mir dann nach drei Jahren Scooterfahren zum zweiten Mal passiert, dass der Akku des Scooters nicht ausgereicht hat. Die Kälte verringert die Reichweite doch um einiges, die Anzeige ist von 14 Prozent Ladung (die ausgereicht hätten) auf Null gesprungen. Zum Glück waren es nur gut zwei Kilometer, es war sonnig und trocken, gibt Schlimmeres. Nur, dass man zum Spaziergang nicht unbedingt an so einer langweiligen Straße entlanggehen würde…

Silvesterabend

Statt Fondue oder Raclette stand wieder der Shabushabu-Grill auf dem Tisch, wie letztes Jahr fanden alle, dass wir das öfter machen sollten (mal sehen, ob wir das anders als im letzten Jahr tatsächlich tun). Traditionell haben wir dann Siedler gespielt, immerhin hat diesmal niemand geschummelt, lach. In der Glotze lief einmal der 90. Geburtstag und ansonsten Ekel Alfreds Silvesterpunsch in Dauerschleife, kurz nach 23 Uhr dann einmal durchs TV gezappt und bei Beijing TV hängengeblieben. Tja, die große Sause ist halt erst in einem Monat zum chinesischen Neujahrsfest. Nach dem Ausschlafen war dann auch Deutschland im Neuen Jahr angekommen und auf CNN haben sich traditionell die Moderatoren ins Neue Jahr gepichelt.

Ich mag es, wenn das Jahr noch so neu, unbenutzt und unverdorben vor mir liegt. Wie letztes Jahr habe ich die Hoffnung, dass die Pandemie dieses Jahr ein Ende hat, auch wenn diese Hoffnung nach dem letzten Jahr nicht gerade in den Himmel fliegt. Es sind weltweit so viele Menschen erkrankt und gestorben, das muss endlich aufhören. Und selbst nicht mehr durch Maßnahmen eingeschränkt zu sein, vor allem wieder unbesorgt reisen zu können, das hätte auch was.

Neujahrsspaziergang am Shichahai

Zum Neujahrsspaziergang haben sich meine Männer nicht aufraffen können, aber ich bin ja zum Glück gern solo unterwegs. Gelandet bin ich am Shichahai, wo es wie erwartet voll war. Da musste ich doch kurz daran denken, wie das früher war, als die Jungs noch klein waren und mitkommen mussten, und wie besorgt ich war, sie im Gewusel zu verlieren… Jetzt kann ich mich ganz entspannt treiben lassen.

Die Vorbereitungen für das „Eisvergnügen“ laufen schon. Wenn’s nach mir ginge, wäre zwar das ganze Jahr über Sommer, aber auf das Herumgeschlittere auf dem Eis freu ich mich schon.

Die Absperrung steht, die Dicke des Eises wird getestet. Im Hintergrund der Tempel des Feuergottes.

An immer mehr Orten in der Stadt gibt es jetzt diese kleinen Läden mit Olympia-Souvenirs.

Olympia wird immer sichtbarer in der Stadt

Es wird so langsam dunkel, also mache ich mich auf den Rückweg, denn mit Einbruch der Dunkelheit wird es schnell eisig. Durchgefroren, aber zufrieden komme ich zuhause an. Das war ein gelungener Start ins neue Jahr – ich hoffe, es wird für uns alle ein gutes 2022!

Shichahai – Fotogalerie

Ein September-Nachmittag in Peking

Heute Nachmittag hatte ich Zeit und bin spontan in Richtung Shichahai getuckert. Aber schon auf dem Weg gibt es viel zu gucken.

Zum Rauchen nach draußen…

Der Hund muss mit!

Am Shichahai

Heute ist nicht so viel los wie vor kurzem, die Rikschafahrer haben nichts zu tun.

Der Bootsverleih ist wieder geöffnet. Ich überlege kurz, denke aber, dass ich dafür gerne ein anderes Objektiv an der Kamera hätte, heute hab ich das 24 mm drauf. Wie so oft denke ich, dass das ein Luxus ist, den ich als Touri hier nicht hätte: ich kann halt unkompliziert jederzeit wiederkommen.

Bootsanleger am Westufer des Shichahai

Als sie sieht, dass ich sie fotografiere, wirft sie sich in Pose, Schirm kommt weg.

Tempel des Feuergottes

Wo ich schon in der Ecke bin, schau ich auch noch kurz in den Feuergott-Tempel hinein.

Die bunten Wimpel, die neulich noch hingen, sind weg. Schade, das war noch bunter. Dafür ist die Musik heute lauter.

Yandai Byway

Die Yandai Gasse ist zwar keine 250 Meter lang, aber wirklich hübsch. Klar, sie ist touristisch so aufgehübscht worden wie die Nanluoguxiang, mir gefällt’s trotzdem. „China Famous Historical Cultural Street“ seit 2010, da müssen wohl chinesische Standards gewahrt werden.

Türklopfer mal anders

Vor der historischen Post wird fotografiert.

Hier findet sich die typisch chinesische Mischung von Handwerks- und Souvenirläden, Imbissbuden und Restaurants mit (nicht nur) lokalen Spezialitäten. Mich versetzt das kurz in eine Stimmung wie auf Reisen, fühle mich an solche Tourigassen in Dali, Xi’an, Luoyang erinnert (so unterschiedlich diese Orte auch sind). Ich sollte wohl doch wieder häufiger auf Sightseeing-Tour gehen.

Egal wie alt du bist, du bist hier nie zu alt für Haarschmuck aller Art!

Dieses plastische Stadtmodell ist das erste, dass ich hier bewusst wahrnehme (Oder es ist das einzige? Keine Ahnung!).

Fuhrpark

Meerjungfrau oder Hofdame?

Sieht man auch vielerorts in China: Kuscheltiere als Deko am Haus.

Ich werfe noch einen Blick zurück in die Gasse, bevor ich zu meinem Scooter zurücklaufe.

Mondfest in Sicht

Auf dem Rückweg stoppe ich noch am Jingkelong, wo viel los ist. Der Bao’an, der mir immer helfen will und mich immer ermahnt, langsam zu fahren, kommt extra angerannt, um ein Fahrrad zur Seite zu schieben, damit ich meinen Scooter abstellen kann. Das ist mir echt peinlich, ich will keine Sonderbehandlung.

Im Supermarkt gibt es zahlreiche Sonderstände: nächste Woche ist das Mondfest. Natürlich Mondkuchen, stückweise einzeln verpackt oder in bunten, aufwendigen Geschenkverpackungen. Diese Geschenkpackungen gibt es aber auch für ganz alltägliche Dinge wie Eier, Öl, Würzsaucen, Süßigkeiten, Nüsse … .

Vorhin klingelt es an der Tür – der Vermieter, der mir zwei große Geschenktüten entgegenhält. Mondkuchen und eine Massagepistole. Cool. :)

Sommertag in Peking

Ein traumhafter Sommertag, die Jungs sind mit Online-Unterricht und Hausaufgaben beschäftigt, nichts wie raus. Da sich das Leben und die Corona-Regeln hier ziemlich normalisiert haben, will ich Fotowalks für die Fotogruppe planen. Einen Ort, den die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren noch nicht besucht hat und zu dem es mich selbst schon lange hinzieht: Die Residenz von Prinz Gong. Die soll so besonders schön sein, ein bisschen an die Verbotene Stadt erinnern und gleichzeitig mit schönem Garten, Teichen und Flüssen aufwarten. 

Bisher habe ich nur kein Glück gehabt! Entweder es war Montag (und montags sind fast alle Sehenswürdigkeiten geschlossen) oder es wurde gebaut. Prinz Gong und ich – das wird nix.

Es wurde auch länger gebaut als vorgesehen, und ich hab es dann aus den Augen verloren, dann kam Corona, aber heute! Heute versuch ich es. Es ist auch nicht Montag!

Tja.

Alles dicht. Zu. Geschlossen.

Ich spreche ein paar Männer an, die vor dem verschlossenen Tor stehen. Nein, diesen Monat nicht mehr. Nächsten Monat. So ist das halt, zum Glück bin ich ja für länger hier und kann es dann im September wieder versuchen (wenn ich das nicht wieder vergesse…). Der Tag ist auch viel zu schön, um sich darüber zu ärgern, ich fahre dann halt ein Stück um die Residenz herum. 

Rechts hinter der Mauer befindet sich Prinz Gongs Residenz. Aber die Straße ist auch schon ziemlich idyllisch, oder?

Es ist Waschtag. Ach so, deshalb darf man nicht zum Prinzen.

Wäsche vor dem Nebeneingang von Prince Gong’s Mansion.

Ich fahr noch mal am Haupteingang vorbei, aber kein Schild, nichts. Auch die Männer von vorhin sind verschwunden. 

Prince Gong’s Mansion. Geschlossen, wie immer, wenn ich da hinein möchte.

Ich beschließe, dass der Fotogruppenausflug zum Dongyue-Tempel gehen soll. Auch das eine Location, wo die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren nicht war. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, will ich vorbeifahren und schauen, dass da nicht auch plötzlich Waschtag ist oder Bauarbeiten…

Am Shichahai

Vorher komme ich am Shichahai vorbei. Da muss ich auch unbedingt stoppen. Zuerst sehe ich zwei Arbeitern dabei zu, wie sie Müll rausfischen, der sich im Durchflussgitter Richtung Beihai verfangen hat. Als sie fertig sind, brausen sie los. Hach ja, aufs Wasser wäre jetzt eine feine Sache, aber der Bootsverleih hat geschlossen.

Shichahai

Ich bin an der Ecke vom See, wo sich der Lotosmarkt befindet. Der heißt so, weil…

Lotos. Blütezeit geht zu Ende.

Ist es ein Alien? Ist es verblühter Lotos?

Alt und neu – da kommt noch eine Blüte nach!

Auch verblüht immer noch schick.

Und dann kommt eine dieser Aussichten, wo man total vergisst, dass das hier mitten in der Großstadt ist.

Ist das nicht einfach unheimlich schön hier?

Die Sonne knallt ganz schön vom Himmel, mein Wasser ist alle, hier steht kein Verkaufswagen, die Shops sind geschlossen – ich mach mich auf den Weg zum Dongyue-Tempel.

Der Dongyue-Tempel

Okay, ich bin schon über fünf Jahre in Peking, aber die Stadt ist so riesig und mein Orientierungsvermögen so schlecht – und trotzdem finde ich den Weg ohne einmal aufs Handy zu gucken. Auch ein gutes Gefühl.

Das Ticketbüro ist nach draußen umgezogen. Ja, der Tempel ist geöffnet, keine Bauarbeiten oder Schließzeiten geplant. (Da wo mein Chinesisch nicht ausreicht, hilft die Übersetzungsapp!). Super, dem Fotogruppenausflug hierher steht also nichts im Weg. Wo ich schon mal da bin, will ich aber trotzdem rein.

Einen ersten Code mit WeChat-Pay scannen, um den Eintritt zu bezahlen. Einen zweiten Code mit der Beijing Health App scannen: damit bin ich zum einen registriert (und zwar nicht als Pippi Langstrumpf aus Bullerbü, wie manche weniger nette Menschen das in Deutschland wohl machen) und zum anderen wird mein grüner Code (nicht in Risikogebieten gewesen und wer weiß, was das Ding noch weiß) gesichtet: ich darf hinein.

Oh. Hier findet heute ein Event statt. Ich vermute, es hat mit dem chinesischen Valentinstag, Qixi zu tun. Das wurde hier aber nicht von darbenden Blumenhändlern erfunden, sondern geht auf eine alte Legende (Vom Kuhhirten und der Weberin) zurück.

Vorne am Eingang ist es relativ voll, also gehe ich erst einmal weiter.

Hauptachse

In Wahrheit zieht es mich auch zu den Nischen an den Außenseiten, wo 76 Departements aus dem daoistischen Jenseits dargestellt werden. Damit ich beim Fotogruppenausflug noch was zu tun und hinterher was zu erzählen habe, werde ich mir bis dahin mehr über diese Departements anlesen.

Dies scheint mir ein freundlicher Dämon…

Departement of Mord und Totschlag?

Hmm. Dies ist nicht das Department für unzüchtigen Lebenswandel. Aber welches dann?

Zwischen den vielen Gruselgestalten auch mal was Liebes!

Junger Mann, was haben Sie genommen?

Einerseits typischer Tempel: Ähnlicher Grundriss, rote Hallen mit Säulen und blau-grünen Verzierungen. Aber mehr Schrift – und halt die Department-Nischen (von denen viele übrigens Opferboxen vorne am Zäunchen haben).

Außer den Departments gibt es diese Stelen. Dazu muss ich mir auch noch mehr anlesen, ich glaube, diese hier haben mit den Tierkreiszeichen zu tun – und sie sollen aus der Geschichte der Umgebung erzählen.

Schildkröte! <3 Langlebig, weise… – Und zwei Dachreiter am Boden.

Innenhof. Mit Feuerlöschstation. Und so groß sehen die Dachreiter oben auf dem Dach jetzt gar nicht mehr aus, oder? Sind aber genauso groß wie die beiden goldenen am Boden.

Peking. Tradition und Moderne, Altes und Neues.

Kleine Säulen, große Säulen.

Fast vergessen: Dieser Tempel beherbergt zwar ein Museum (das Folkloremuseum, heute habe ich nur einen Blick auf ein paar sehr alte TCM-Fläschchen geworfen), aber es ein „aktiver“ Tempel. Die Mönche passen auch gut auf, dass man bestimmte Buddhas nicht fotografiert.

Auch im Tempel geht ohne Handy nix.

Noch ein Department. Schlachten? Tier-Opfer? Ich muss mich da echt noch mehr einlesen.

Nun bin ich einmal rundherum durchgegangen. Die Sonne knallt immer noch, ich hab immer noch nichts zu trinken, aber vorne am Tor muss ich mir doch noch diese drei hübschen Tänzerinnen ansehen.

Tänzerinnen beim Event im Tempel.

Ja, das war mein Pekinger Sommertag. Anders als geplant, aber trotzdem schön und voller bleibender Eindrücke. Also schon irgendwie typisch.