Die Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann… Energie für das Änderbare aufsparen… Und nur den Humor nicht verlieren… Aktuell nicht ganz so einfach mit der Neujahrsseuche in Peking.

Stand der Dinge

Für zuverlässige Zahlen gibt es ja inzwischen zahlreiche seriöse Quellen, z.B. die vom The Beijinger. Aktuell in Peking: 135 Infizierte, 5 erholt, einer tot.
Auch die übrigen News der Seite rund ums Virus halte ich für vertrauenswürdig – wenn sie spekulieren oder unsicher sind, kennzeichnen sie das.

Für uns privat: unser Shop hat weiterhin keine Trinkwasserkübel, sollen in ca. 3 Tagen wieder vorrätig sein. Wir haben uns bis jetzt mit 4- und 5-Liter-Flaschen eingedeckt und sollten bis dahin über die Runden kommen – zur Not müssen wir woanders einkaufen und halt schleppen. Lebensmittelversorgung ist kein Problem – Masken und zum Teil Desinfektionsmittel sind ausverkauft, aber sollen auch zügig wiederkommen. Und inzwischen gibt es auch wieder frisches Obst und Gemüse (dass das zwischenzeitlich knapper wurde, lag aber vor allem an den Ferien).

In Peking unterwegs

Die „kleinen“ Jungs bleiben zuhause, sicher ist sicher. Ihnen kommt das entgegen, sind sie eh nicht so die Ausflugfans. Der Mann arbeitet. Gestern habe ich mich mit zuhause eingegraben, bloß Abstand zu allem und jeden – heute hätte mich der Budenkoller fast die Wände hochgehen lassen, also: raus! Mit dem Besuch aus Deutschland war ich also heute unterwegs: Von der Wangfujing zum Jingshan Park. Menschenmassen soll man ja vermeiden, lässt sich derzeit prima auch an den üblicherweise belebtesten Gegenden Pekings umsetzen.

menschenleer

Und der Blick in die andere Richtung: ebenfalls menschenleer

Im Foreign Language Bookstore in der Wangfujing musste ich das erste Mal Fieber messen lassen. Wenn man Didi fährt, müssen inzwischen auch die Fahrgäste Masken tragen, nicht nur wie vor zwei Tagen noch nur der Fahrer. Maske tragen ist übrigens extrem lästig, es wird viel zu warm drunter und gefühlt atmet man nur seinen eigenen Dunst ein, irgendwann schnappt man nach Luft…

Nicht mehr security als sonst…

– aber weil es so leer ist, fällt es mehr auf

Auf den menschenleeren Straßen zieh ich die Maske dann auch direkt runter, um sie hoch zu schieben, so bald sich andere Passanten nähern – man nimmt hier wirklich gegenseitig Rücksicht. Von der Wangfujing gehen wir weiter in Richtung Verbotene Stadt.

Nichts los!

Da, wo sich sonst die Fotografen stapeln (selbst im harten Mittagslicht): nix los!

The ! Corner – Nichts los!

Randbemerkung: Das Eis ist geschmolzen. Heute war es – passend zum Frühlingsfest – wirklich frühlingshaft! Vergleichsweise warm, sonnig, schön. Okay, die Luft hätte noch etwas besser sein können, aber wir können ja nicht alles haben.

Wir gehen weiter in Richtung Jingshan Park, vorbei am Nordausgang der Verbotenen Stadt.

Geschlossen!

Von dort erstmal einen Blick auf den Kohlehügel werfen!

Im Jingshan Park war ich erst neulich, als es so nett geschneit hatte. Heute das totale Kontrastprogramm, zum einen, weil ein Hauch von Frühling in der Luft lag, sonnig und vergleichsweise warm – und nicht überfüllt, sondern im Gegenteil:  um 15 Uhr waren laut Anzeigetafel den ganzen Tag über gerade mal knapp über 2000 Besucher im Park gewesen, als wir da waren zwischen 97 (als wir rein sind) und 105 (nach dem wir raus waren) Leuten. Die oberste Ebene am Wanchun Pavillon, wo sich sonst die Leute drängen, ist wohl genau eben deshalb gesperrt. Ansonsten verteilt es sich.

Blick vom Kohlehügel auf die Verbotene Stadt

 

Nordausgang Verbotene Stadt: Derzeit nur für Mitarbeiter geöffnet…

Der Spaziergang durch den fürs Frühlingsfest geschmückten Park tut gut. Die roten Laternen vor dem blauen Himmel machen gute Laune.

Und dann geht es über die weiterhin menschenleeren Straßen zurück nach Hause.

Nichts los!

 

Du kommscht hier net raus

Möchte man aktuell bei KLM ein One-Way-Ticket aus Peking nach Europa buchen für dies Wochenende (ab Montag fliegen sie erstmal nicht mehr von/nach China), gehen die Flugpreise durch die Decke. Bretterklasse, nicht Business. Äh, nein. Wollen wir eh nicht, denn wir glauben, dass wir hier gut und sicher aufgehoben sind, um die Krise auszusitzen. Aber der Mittlere und seine Freundin müssen ja irgendwann zurück nach Deutschland. Gestern haben wir erfolgreich umgebucht: statt Montag nach Changsha und 2 Wochen später von dort zurück nach Deutschland sollte es nun am 8.2. von Peking nach Frankfurt gehen. Heute Morgen dann die News, dass KLM am Montag auch nicht mehr von/nach China fliegt, vorerst bis zum 9.2. Heute Nachmittag konnten die zwei erneut umbuchen, nun soll es am 10.2. zurückgehen. Schaun wir mal… 

Die Nachrichten überschlagen sich, aufgrund anderer Ereignisse (siehe unten) komme ich gerade kaum hinterher die News zu verfolgen… Es könnte jedenfalls durchaus passieren, dass im Februar kein Flug gehen wird. Dann sitzen die Zwei hier fest und dann wird es mit dem Visum spannend, dass nur noch bis zum 27.2. gilt… Wir werden sehen!

Uns geht es ja hier soweit gut. Aber wenn ich an die Leute in Wuhan denke, so von wegen nicht rauskommen… Japan hat inzwischen den dritten Flieger gechartert und Leute rausgeholt, Deutschland diskutiert immer noch. Da muss man sich doch ziemlich hängengelassen fühlen. 

Ein ähnliches Gefühl hat mich gepackt, als ich auf bild(punkt)de ein Interview mit dem Gesundheitsminister gesehen hab. Was pack ich die Blöd überhaupt an, selbst schuld. Hinterher dringenderes Bedürfnis die Hände zu desinfizieren als nach dem Gang ums Haus. Aber dieses „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ – sorry, in so einer Krise erwarte ich als Auslandsdeutsche vernünftige Argumente und Ratschläge und nicht „das muss jeder selber wissen“ – das ist hier als verdammt armselig angekommen. Selbst wenn es nicht DIE optimale Lösung für alle gibt, eine gescheite Auflistung von Pro und Contra für verschiedene Optionen (Bleiben oder Gehen?) wäre hilfreich gewesen. Und die erwarte ich vom Gesundheitsminister – wir sind hier (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nämlich medizinische Laien und können vielfach nur raten, was wohl das Schlauste ist. 

Langweilig wird es nicht

Ich kann ja ganz gut vor mich hinblubbern, vorhin in der Küche zum Beispiel…

„Wer hat denn hier schon wieder gepladdert und das nicht weggewischt?“

Mecker, mecker…
Saubergemacht, umgedreht, wieder umgedreht.
Hä? Wieso ist das schon wieder nass?
Schrank aufgemacht und eine Dusche abbekommen.

Handy geschnappt, Vermieter informiert, der war 3 Minuten später da, hat kurz geguckt und ist eine Etage hoch gerannt…

Tja, wenn die Mieter der Wohnung über uns irgendwann nach Peking zurückkommen, wartet eine böse Überraschung auf sie – in ihrer Wohnung hätte man heute surfen können, das Wasser stand knöchel- bis knietief… Vom Vermieter werden wir regelmäßig mit Videos versorgt, wie man die Wellen dort nach und nach in den Griff kriegt… (Nein, werde ich nicht zeigen, um die Privatsphäre der Mieter zu wahren, aber glaubt mir: es ist schlimm!)

Außer unserer Küche ist auch die Vorratskammer feucht geworden, wir haben nun beides soweit leergeräumt. Regelmäßig wird mit Blick an die Decke patrouilliert, ob es weitere Leckagen gibt, wir sollen alles direkt knipsen und an den Vermieter morsen.

Morgen werden wir dann mal hinter Bautrockner etc. hinterher sein. 

Zwischendrin hab ich kurz gedacht, ich möchte jetzt gerne ein bisschen schreien und/oder weinen. Aber das hilft ja auch nicht, also klammer ich mich an das letzte verbliebene Fitzelchen Humor und habe erstmal den Mann geprankt, warum er seit Tagen auf dem Balkon raucht und nicht sieht, dass da Wasser runtertropft. Tut es nicht, aber er hat erstmal schön sparsam geguckt. *grins*

Die Küche wollen wir morgen erstmal in Dettol/Desinfektonsmittel baden, gekocht wurde heute Abend da lieber nicht mehr. Dass auch der Mittlere etwas aufgeregt ist, haben wir daran gemerkt, dass er versucht hat, ohne Akku mit meinem Scooter loszufahren, um ein paar Jiaozi zu besorgen…

Wir bleiben hier

Auch wenn es gerade eher nicht so gemütlich ist (mit den Bergen nasser Handtücher und dem im Flur und auf dem Balkon gestapelten Vorräten) – wir bleiben hier. Wir sind gesund, gehören keiner Risikogruppe an und wollen im Fall der Fälle auch nicht unwissentlich das Virus verbreiten. Dieser Artikel aus dem Beijinger spricht uns da aus der Seele. Long story short: Stay where you are!

Wir sind hier sicher, gut versorgt und besser aufgehoben, als wenn wir jetzt nach Deutschland flüchten würden und womöglich in Quarantäne gesteckt würden…  Uns womöglich im Sardinenbüchsenflieger anstecken… Wir hoffen jedenfalls sehr, dass sich die Infektion nicht mehr weiter ausbreitet, dass alle Erkrankten wieder gesunden und keiner mehr stirbt -und der Spuk rasch überstanden ist.

 

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