Rasmus testet die medizinische Versorgung hier

Wir hatten das erste Mal Besuch aus Deutschland. Ich hatte Michaela und die Kinder gerade vom Flughafen abgeholt, als mein Handy klingelte, Verbindung kam nicht zustande, aber die Nummer kam mir bekannt vor. Verflixt, die Schule! Zum Festnetzapparat (so ein grauer schnurgebundener Apparatschik (immerhin mit Tasten) gestürmt, als das Teil auch schon klingelte, Verwaltungsleiter der Schule dran: „Rasmus ist auf dem Schulhof gestürzt und hat eine Platzwunde, muss wohl genäht werden, Sie müssen ihn abholen.“ Sowas treibt einem in Hamburg ja schon den Angstschweiß auf die Stirn…

Um es kurz zu machen: Thomas war in Rekordzeit vom Büro in der Schule und war dann mit ihm beim Nähen, schien soweit alles ok, aber frühmorgens fing das Kerlchen an zu spucken und hörte nicht wieder auf, also mit Spucktüten und Tüchern bewaffnet ins Krankenhaus gerast – und diesmal war mir die Raserei sehr recht. In der Klinik ging alles sehr schnell, Tropf mit Flüssigkeit und Medizin gegen die Spuckerei, CT – und große Erleichterung: Hirn ist ok, keine Schwellung, keine Blutung. Aber er muss zur Überwachung da bleiben. Um es richtig spannend zu machen, bekam der Lütte dann auch noch Fieber. Es wurde zwar Blut abgenommen, um genauer zu gucken, aber sicherheitshalber nicht lang gefackelt und direkt ein Antibiotikum mit an den Tropf gehängt. Den Tag und die Nacht hat er überwiegend verschlafen, zusätzlich zur Verkabelung wurde anfangs halbstündlich, später stündlich kontrolliert, er durfte nicht allein bleiben, als ich mir einen Kaffee besorgen wollte, war solange eine Schwester bei ihm. Das Fieber wurde medikamentös und mit Eispacks gesenkt. Abends durfte er etwas trinken, was dann auch drin blieb. Am Morgen sah er schon nicht mehr so durchsichtig aus, hat etwas zu essen bekommen und vertragen, und am späten Mittag wurde er nochmal gründlich untersucht: alles ok, jetzt kann er auch zuhause rumliegen.

Zuhause hat er sich sehr fix erholt, am Montag, 6 Tage nach dem Unfall, wurden die Fäden gezogen und ein Neurologe hat ihn noch einmal untersucht: das Kind ist so gut wie neu. Der Unfallarzt, der ihn genäht hat, ist ein Künstler, es bleibt wohl nur eine feine Linie zurück, die man kaum sehen wird. – Nach der Aufregung und der Angst, dass die Rübe unserer Rübe nicht mehr intakt sei könnte, war uns die Optik aber auch herzlich egal. Jedenfalls: die Wege sind hier länger als zuhause in Hamburg, aber wenn man erstmal in der Klinik ist, ist die medizinische Versorgung top – mit westlicher Krankenversicherung und ausreichend gedeckter Kreditkarte…

Unser Besuch hatte so jedenfalls Gelegenheit, erstmal den Jetlag zu verarbeiten und war dann glücklicherweise abenteuerlustig genug, sich allein auf den Weg in die Verbotene Stadt usw. zu machen.

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