Welche Schule?

Wenn man mit schulpflichtigen Kindern ins Ausland geht, ist die Frage „welche Schule“ eine der wichtigsten. Wir haben uns vor vier Jahren Gedanken dazu machen müssen. Nachdem ich gelesen hatte, dass es eine deutsche Schule in Peking gibt, habe ich mich damals gar nicht weiter um die anderen internationalen Schulen hier gekümmert. Der Schritt von Hamburg nach Peking ist groß genug, da muss man es Kindern mit zum damaligen Zeitpunkt nur mäßigen Englisch nicht unnötig schwer machen, dachte ich damals und denke ich heute noch. Ich hab es so nicht erwartet, aber in dem internationalen Umfeld hier verbessert sich das Englisch sowieso ganz von selbst.

Das Ankommen in der Schule ist meinen Söhnen leicht gefallen. Etwas, woran ich vor China gar nicht gedacht habe: hier sind alle neu oder waren es noch vor ganz kurzer Zeit. Die Kinder helfen sich gegenseitig und kümmern sich umeinander. Zumindest in den Klassen meiner Jungs war und ist das so.

Schulwechsel und Anerkennung von Abschlüssen

Auch ein anderer Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen: Da es sich hier um eine anerkannte deutsche Auslandsschule handelt, ist es für die Kinder einfacher, zurück in Deutschland wieder in der Schule anzukommen – und auch der Zugang zu deutschen Unis sollte problemlos klappen. Mit einem internationalen Schulabschluss kann es Probleme geben, wenn die Fächerkombi nicht stimmt oder bestimmte Stundenumfänge nicht erreicht werden. Man muss da jedenfalls sehr darauf achten.

Ganz so schwierig ist es bei einer deutschen Schule nicht. Wenn man allerdings weiß, wohin man in zwei, drei Jahren (zurück-)geht und vielleicht sogar weiß, welche Schule es dann werden soll, dann sollte man ein Auge auf Fächerkombinationen haben. Latein wird an der DSP derzeit nicht als weitere Fremdsprache angeboten, auch nicht als AG – betroffene Familien haben das jetzt privat organisieren müssen, damit ihre Kinder im kommenden Schuljahr in Deutschland an ihr Wunschgymnasium gehen können.

Alternativen?!

Wenn man so wie wir „draußen“ in Shunyi wohnt, werden viele der internationalen Schulen – BSB, ISB,WAB, Dulwich und wie sie alle heißen – interessant, weil sie dichter dran sind. Für die ganz Kleinen gibt es da zum Teil einen deutschen Zweig. Die Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis, die ich bisher aufgeschnappt haben, verleiten mich zu der Einschätzung: Für jüngere Kinder bis zum Ende der Grundschule super, weiterführende Schule eher durchwachsen, hängt extrem an der konkreten Lehrkraft. 

Es ist aber auch immer alles eine Frage des persönlichen Geschmacks und des eigenen Lebensstils. Was ich über den Compound-Chat z.B. mitbekomme über Parents Association und allerlei Events – es ist mir von allem zu viel und in mir wächst das dringenden Bedürfnis „Bad Moms“ fünfmal nacheinander zu sehen. ;)

Aber das bin ich, andere Eltern sind gut zufrieden. Und das ist doch auch schön, dass es eine gewisse Auswahlmöglichkeit von Schulen gibt, selbst Tausende Kilometer von Deutschland entfernt.

Die DSP – Deutsche Botschaftsschule Peking

Weg vom Hörensagen, hin zu dem, was ich kenne: Meine Jungs gehen gerne zur DSP. Das finde ich mit 12 und 14 Jahren wirklich positiv. Wäre die Schule schrecklich, wäre das mit Sicherheit anders. Als wir uns vor fast vier Jahren die Schule das erste Mal angesehen habe, waren wir direkt vom Gebäude, der Ausstattung und der Sauberkeit beeindruckt. Okay, es ist halt auch eine Privatschule und da wir hier in China sind, ist es eben möglich, dass Putzkräfte den ganzen Schultag über für Sauberkeit sorgen.

Die Schulbüchereien (!) – eine für die Kleinen, eine für Sekundarstufe und Erwachsene – bieten viel und gut sortierten Lesestoff. Soweit ich das beurteilen kann, sind auch die Fachräume gut ausgestattet für naturwissenschaftliche Experimente, Kunst und Musik. Die Klassenräume sind mit Smartboards ausgestattet, mit denen auch die Kinder ganz selbstverständlich und souverän z.B. im Rahmen von Projektpräsentationen umgehen. 

Die Mensa bietet täglich drei verschiedene Essen („treudeutsch“/westlich, chinesisch, vegetarisch), Salatbuffet ab Klasse 7, fertig zusammengestellte Salate für die Jüngeren, Tagessuppe und Nachtisch. Ein Hauptgericht kostet derzeit 20 oder 25 RMB, d.h. ca. 2,50/3,20 Euro. Das Essen wird frisch in der Schule gekocht. Außer der Mensa gibt es auch Bistro, in dem Brezeln, Wraps, belegte Brötchen und auch Muffins, Joghurt und Obst verkauft werden.

Es gibt einen Schulshop, in dem man benötigte Schulmaterialien wie Stifte, Hefte und Mappen kaufen kann, aber auch jahreszeitliche Kleinigkeiten, Bastelmaterialien, Schlampermäppchen, Becher, Shirts u.a. mit dem Schullogo – und Bücher (nicht nur für Kinder).

Das Schulleben/Extras ist bunt und bietet ausser den AGs viel Abwechslung und Veranstaltungen. Eine Wanderarbeiterschule wird unterstützt, es gibt Adventskalender- und Nikolausaktionen, Vorlese- und Mathewettbewerb, Beteiligung an aus Deutschland bekannten Aktionen (Vorlesetag, Känguru-Wettbewerb).

Nicht zuletzt sieht sich die Schule auch als Anlaufpunkt für die Deutsche Community in Peking. Lesungen und Konzerte und Feste locken nicht nur Schüler und ihre Eltern. Viele Veranstaltungen der Patengruppe starten hier oder finden hier statt.

Die Schule bietet alle deutschen Schulabschlüsse bis zum Abitur an, auch ein Kindergarten und eine Vorschule gehören dazu.

Lange Schultage

Weil wir halt „draußen“ wohnen, ist der normale Schultag lang für die Jungs: Um 6:55 Uhr fährt der Schulbus am Compoundtor ab, gegen 16:30 Uhr trudeln die Jungs wieder ein. Haben sie AGs in der 9.+10. Stunde, wird es frühestens 18:15 Uhr, mit Pech – rush hour halt – später. Da kommt bei mir doch immer wieder die Überlegung auf, doch in Schulnähe umzuziehen. Noch lehnen die Kinder das aber vehement ab. Wir haben es mit unserer Nachbarschaft aber auch gut getroffen – so gut, dass sie lieber den langen Weg in Kauf nehmen als in die Stadt zu ziehen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Das schulische Lernen, die Inhalte und Methoden, am Ende die Abschlüsse – alles wie in Deutschland. Manche Lehrer werden lieber gemocht als andere, manche Fächer mag man dafür gar nicht, mit den Kumpeln Spaß zu haben und die Pausen sind am Wichtigsten – kennen wir alles aus Deutschland.

Freiwillige AGs kennen wir auch aus Deutschland, hier sind sie aber wichtiger, weil es nicht 50 verschiedene Vereine und Verbände, Musikschulen, Freizeitzentren gibt.

War es in Hamburg die Ausnahme, dass mal ein neues Kind in die Klasse kam, gilt hier, dass alle neu sind oder es vor kurzem noch waren. Das hilft beim Ankommen (siehe oben).

Smog

Gute Luft in Peking!

So gute Luft ist hier selten. Sehr selten.

In Deutschland wird inzwischen zwar auch über Feinstaubbelastung gesprochen, aber wir leben jetzt in Mega-Smog-City.  Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Schule. Die verfügt über eine gute Luftfilteranlage, die auch an richtig schlimmen Smog-Tagen für atembare Luft sorgt. Das Problem sind Pausen, Sportunterricht und AGs – alles, was nicht drinnen stattfindet. Bisher gab es die Regelung, dass ab einem AQI von 250 keiner mehr raus darf. In den Pausen wird die Sporthalle geöffnet, damit die Kinder sich dort austoben können. So riesig ist die Sporthalle leider nicht und dadurch an Smog-Tagen ziemlich überfüllt. AQI 250 ist der höchste Grenzwert im Vergleich der internationalen Schulen, bei allen anderen liegt es drunter.

Die Luft in Peking ist zwar immer noch oft übel – aber es wird doch von Jahr zu Jahr besser. Aktuell wird der Vorschlag in den Gremien diskutiert, diesen „Grenzwert“ auf 200 abzusenken – den Wert, den die meisten anderen  internationalen Schulen auch haben – und der verglichen mit deutschen/europäischen Grenzwerten immer noch absurd hoch ist.

Zu meinem großen Erstaunen gibt es tatsächlich Gegenstimmen: Kinder müssten sich doch auch bewegen, die werden sonst so unkonzentriert. Ja, richtig. Aber ich kann doch nicht ernsthaft momentanes Unwohlsein mit einer langfristigen Gesundheitsgefährdung vergleichen (bzw. ein Risiko deswegen nicht zu verringern)? Äpfel und Birnen! Vor allem: die Absenkung auf 200 betrifft – hochgerechnet – ca. 20 Schultage, mit Glück weniger. Vor ein paar Jahren noch wäre es das halbe Schuljahr gewesen! 

Risiken minimieren, wo es möglich ist

Jeder, der nach Peking kommt, hat mit Sicherheit vom Smog gewusst, für viele ist das die Hauptsorge. Und jetzt gibt es die Möglichkeit, den Grenzwert abzusenken, und da kommt dann jemand damit um die Ecke, dass sein Kind dann so anstrengend wird, wenn es sich nicht im grauen Stinknebel bewegen darf? Dafür habe ich nicht nur kein Verständnis, das macht mich richtig wütend, weil ich mir wegen sowas Gedanken um die Gesundheit meiner Kinder machen muss. Ich bin gespannt, wie die Entscheidung des Schulvorstandes ausfallen wird. 

Wie gesagt, wir haben alle vorher gewusst, dass die Luft hier oft übel ist. Aber wir wissen halt auch, wie wir die Risiken verringern können. Und wenn eine solche Möglichkeit nicht genutzt wird, ist das ungesund und ärgerlich.

Fazit

Wenn Schulen sich präsentieren, zeigen sie gerne nur die Sonnenseite. Wenn man an einem Punkt nicht ganz überzeugt ist: nachhaken. Noch besser ist es natürlich, wenn man Bekannte hat, die man fragen kann. Bei den großen Arbeitgebern sollte das möglich sein. Dabei nicht vergessen: Meinungen und Geschmäcker sind verschieden, so findet sich hier im Blog natürlich mein Geschmack und meine Meinung.

Und welche Schule soll man denn nun wählen, wenn alles mit den Fremdsprachen machbar ist, die Fahrzeit in Ordnung geht und Übergänge problemlos laufen sollten? Wenn man alle Sachargumente gegeneinander abgewogen hat und auch dann noch zu keiner Entscheidung kommt? Wenn der Kostenfaktor nicht ausschlaggebend ist? Dann könnte man doch auch ein bisschen auf sein Gefühl hören.

Wir haben bei unserem Peking-Kennenlern-Trip die Schule besichtigt. Mir haben die Räumlichkeiten und die Atmosphäre auf Anhieb gefallen und noch wichtiger: auch die Kinder haben sich wohl gefühlt. Das gute Gefühl hat uns bislang nicht getrogen, die Kinder sind gut aufgehoben an der Schule und werden gefördert und gefordert. Natürlich gibt es auch mal doofe Schultage, ungerechte Lehrer und organisatorische Schwierigkeiten. Aber wo gibt es das nicht? Solange es die Ausnahme bleibt: alles ok. Wir würden uns jedenfalls auch aus heutiger Sicht wieder für die DSP entscheiden.

Weitere Informationen über die Deutsche Botschaftsschule auf der Schulwebseite!

Hier gibt es eine durchsuchbare Übersicht über alle (?) internationalen Schulen in Peking.

Und auch bei Beijing Kids findet sich ein „School Choice Guide„. Leider fehlt hier die Deutsche Schule, liegt wohl daran, dass es keinen englischsprachigen Zweig gibt (auch wenn einzelne Fächer auf Englisch unterrichtet werden, bei meinen Jungs Erdkunde ab Klasse 7).

Heute Morgen sitze ich am Schreibtisch, als mein Handy rappelt: „Ich will was für die Fotogruppe nachgucken, kommst Du mit?“
Na klar.

99 Luftballons

Meine Freundin fährt. Auf Höhe des Supermarktes ist es wie immer vollgeparkt, Autos rangieren vorsichtig aneinander vorbei. Der Wagen, der uns entgegenkommt, fährt allerdings außergewöhnlich langsam. Ich meine, so wirklich langsam. Millimeter für Millimeter. So eng ist es dann doch nicht. Als wir dichter dran sind, sehen wir warum: Die Fahrerin sieht fast gar nichts, der Wagen ist proppevoll mit lila Luftballons. Proppevoll! Zwischen den an der Scheibe klebenden Luftballons klebt ihre Nase!

Luo Hong Art Museum

Luo Hong Art Museum

Parkplatz-Puzzle

Wir erreichen das Museum, die Schranke am Parkplatz geht hoch, meine Freundin parkt ein, wir steigen aus.
Ein Wächter kommt angerannt: „Bitte rückwärts einparken.“
Okay, wird erledigt.
Ein anderer Wächter kommt angerannt: „Bitte hier nicht, dort drüben.“
Keine Ahnung, warum, denn es ist nichts los, nur einige wenige Autos verteilen sich – immerhin alle rückwärts eingeparkt – über den Parkplatz.
Nach dem dritten Mal einparken ist alles gut.
Wir erkundigen uns nach dem Eintrittspreis (oh, günstiger als vor einem Jahr, jetzt „nur“ noch 100 RMB (für chinesische Museen ist das immer noch viel), Gruppentarifen (gibt es nicht) und Eintrittszeiten – passt. Wir bekommen beide noch ein hübsches Heftchen mit und sind im Handumdrehen wieder am Parkplatz. Das Parken hat länger gedauert als unser eigentliches Anliegen.

Scheibenwaschanlage, manuelle Version

Wir fahren weiter zur Markthalle. Wir schließen zu einem in die Jahre gekommenen LKW auf. Der Fahrer hält eine Flasche aus dem Fenster. Wir kommen näher, er fuchtelt damit herum. Huch?

Als wir ihn überholen, sehen wir, was das soll: Die Scheibenwischer sind an, und er spritzt das Wasser aus seiner Flasche auf die Frontscheibe. Ach so. Wir prusten beide los.

Markthalle

Markthalle

Heute kein Fleisch

Die Markthalle war ein paar Wochen geschlossen und zum Glück ist sie jetzt wieder geöffnet. Nicht plattgemacht, sondern nett renoviert, wirkt heller, aufgeräumter und sauberer als vorher. Schön. Auch das Fleisch in den Auslagen sieht appetitlich aus.
„Hast Du hier schon mal Fleisch gekauft?“
„Nein. Obwohl, jetzt im Winter… Und die Kühlkette in unserem Westler-Supermarkt ist ja auch ziemlich löchrig…“
„Lieber nicht drüber nachdenken!“
Voll bepackt mit Obst und Gemüse kehren wir zum Auto zurück und machen uns auf den Rückweg. Lieber kein Fleisch.
(Wobei das vermutlich blöd ist, wir kaufen ja auch Fleisch auf dem Sanyuanli-Markt, da ist das im Zweifel auch nicht anders als in der Markthalle hier.)

Spülmaschinen-Spinnereien

Zuhause räume ich in der Küche rum und mache ganz in Gedanken versunken die Spülmaschine an. Erst als sie läuft, fällt mir wieder ein: Die sollte doch sicherheitshalber ausbleiben. Es ist sehr mysteriös, manchmal springt die Sicherung raus, wenn man die Spülmaschine anschaltet, manchmal nicht. Heute hab ich Glück gehabt, die Sicherung bleibt drinnen, Spülmaschine läuft und das Haus ist auch nicht abgebrannt. Ich weiß nicht, wie oft inzwischen die Arbeiter deswegen hier waren. Natürlich gab es einmal auch den Vorführeffekt: Alles funktionierte. Am Tag danach nicht mehr. Irgendwas ist kaputt, keiner kann es reparieren, letzte Ansage war: Wir kontaktieren den Vermieter, da muss eine neue her. (Spülmaschine gehört zum mitgemieteten Inventar.) Das war letzte Woche. Ich sag ja, man lernt hier zwangsläufig, Geduld zu haben. Oder von Hand zu spülen. ;)

Wasser. Ich brauche Wasser.

Ich räume etwas in die Garage und sehe dabei, dass wir nur noch einen vollen Wasserkanister haben. Kein Problem, ich muss eh noch Milch und Brot kaufen, dann bestelle ich gleich drei neue Kanister.
Doch Problem: „Out of stock. Perhaps tomorrow.“
Nicht genügend Trinkwasser im Haus zu haben, ist hier eines der Dinge, die mich am meisten beunruhigen. Ich nehme sicherheitshalber eine Fünfliterflasche mit. Und zwei Paletten Softdrinks. Und eine Kiste Mineralwasser mit viel Sprudel. Import aus Deutschland, unglaublich teuer. (Nicht genügend bedeutet heute: ein noch fast voller 19-Liter-Kanister im Wasserspender und ein voller in der Garage. Aber man weiß doch nie… ;) )

Zum Schluss noch ein wenig Smog-Gejammer

Jetzt wird es dunkel, wobei es heute nicht hell geworden ist. Dass der AQI bei etwa 200 liegt, das riecht man nicht nur, fühlt man nicht nur, sondern sieht man auch.
Ibuprofen sei dank keine Kopfschmerzen mehr, aber ich könnte gleich mal versuchen, Joe Cocker zu covern – ohne dass man einen Unterschied hört. Allerdings müsste ich dabei gegen das Brummen der Luftfilter ankrächzen, ach nee, dann macht das ja auch keinen Spaß und ich sing lieber nicht.

Das war also mein ziemlich ereignisloser Tag. Alles ganz normal in Peking!

Es ist grau. Mal ist es der Smog, mal das Wetter, mal beides. Nach längerer Zeit haben die Luftwerte mal wieder die 250 überstiegen, was sich direkt mit Kopfweh und Heiserkeit bemerkbar gemacht hat. Das sind Tage, wo man dann wirklich nicht so gerne hier ist und ins Grübeln kommen kann.

In der Facebookgruppe der Expatmamas wurde diese Woche gefragt, was man seinem Vor-Expat-Ich aus heutiger Sicht sagen würde. Meine Antwort war ganz spontan:

Hab weniger Bammel und freu dich mehr! Das wird großartig! Es gibt absolut keinen Grund zur Panik!

Ja, rückblickend kann ich zugeben, dass vom Augenblick der Entscheidung im Spätsommer 2014 bis zur tatsächlichen Übersiedlung im August 2015 mein vorherrschendes Gefühl Angst war. Klar war da auch Vorfreude, Aufregung und vor allem schrecklich viel zu tun und zu organisieren. Aber dominiert hat die Angst vor dem Neuen, dem so ganz Anderen. Ein Aufbruch ins Unbekannte. Im Vordergrund stand die Sorge um die beiden „Kleinen“, wie die das verkraften würde, aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen zu werden. Mir war nicht wohl dabei, soweit weg von den drei Großen zu sein und sie nur noch selten zu sehen, ebenso wie den Rest der Familie, die Freunde. Ich hab mir Gedanken gemacht, ob wir Anschluss finden würden oder ganz auf uns gestellt sein würden. Positiv war natürlich, dass die langen Trennungen vom Papa/Ehemann wegfallen würden. 

Positives Fazit?

Der zweite Teil meiner spontanen Feststellung hingegen klingt ja positiv. Freuen! Großartig! Und ja, das ist es auch. Ich bin wirklich dankbar dafür, dass ich diese Erfahrungen machen kann. Ich lerne ein Land immer besser kennen, dass ich früher nicht mal als Reiseland in Erwägung gezogen haben, und in dem ich jetzt von Herzen gerne reise und lebe. Mein Chinabild, durch deutsche Medien vermittelt, war früher eher negativ, inzwischen kann ich vieles differenzierter sehen. Und umgekehrt: Deutschland und Europa sind nicht der Nabel der Welt. Es wäre schlau, würde man häufiger über den Tellerrand schauen und nicht große Teile der Welt bestenfalls ignorieren oder schlimmer ablehnen.

Der Herr Gemahl ackert nach wie vor viel und glänzt durch häufige Abwesenheit, ist aber happy, uns hier zu haben. Die beiden Jungs und mich hat es noch enger zusammen geschweißt. Die Jungs besuchen eine wirklich gute Schule und gehen nach wie vor gerne hin, auch wenn für sie wohl mehr der Spaß in den Pausen und mit ihren Kumpeln im Vordergrund steht als, hust, Hausaufgaben. In den ersten Monaten wurde von ihnen von Zeit zu Zeit schon der Wunsch geäußert, zurück nach Hamburg zu gehen. Das ist nicht mehr so. Zum Glück. Eigentlich ist es hier doch gar nicht so anders, findet der Lütte. Könnte man sich manchmal was von Abgucken, mehr auf die Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede zu sehen.

Grundsätzlich zu der Entscheidung zu stehen und sie nach wie vor gut zu finden, heißt allerdings nicht, dass es nicht auch Probleme gäbe. Dass es manchmal schwierig ist. Dass das Leben hier einen vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Heimweh nach Deutschland, häufiger Sehnsucht nach bestimmten Menschen. Frust, wenn das Novembergrau einem die Luft zum Atmen nimmt. 

Bleibt alles anders

So wie der Grönemeyer-Song fühlt sich das Leben hier oft an. Oder mit anderen Worten: das einzig Beständige ist der Wandel. Als ich vorhin den Jungs die Frage gestellt habe, was sie ihrem Vor-China-Ich raten würden, war eine Antwort:

Befreunde dich mit niemanden. Alle gehen.

Beinahe hat es mir die Tränen in die Augen getrieben, zum Glück wurde dann gelacht. Leider hat es einen wahren Kern. Abschiede. Immer Abschiede. Damit hatten wir vorher wirklich nicht gerechnet, dass es nicht nur die Abschiede von und in Deutschland geben würde, sondern dass auch hier ein ständiges Kommen und Gehen ist. Letzten Sommer hatten wir Glück, aber zum Ende dieses Schuljahrs wird es wieder schlimm werden, weil wir uns von vielen lieb gewonnenen Menschen verabschieden müssen. In Kontakt und befreundet zu bleiben ist halt doch anders, als wenn man den Alltag miteinander teilt. Wenn jemand dafür einen Ratschlag hat, wie wir das besser auf- und einfangen können: Nur her damit!