Schnipsel Nr. 12

Abgerissener Hutong

Alltagsbeobachtungen, Anekdoten, Gedanken, die in wenigen Zeilen erzählt sind oder mit einem Bild ausgedrückt werden können – das sind meine “Schnipsel”.

Vollständig geimpft

Welchen Impfstoff soll ich mir nur spritzen lassen? Das ist hier (noch) nicht die Frage, sondern nur wann. Aber da ich glaube, dass selbst die chinesischen Impfstoffe besser sind als gar keine Impfung, habe ich mich impfen lassen, sobald es ging. Weil ich mal wieder die üblichen Klimaanlagen-Erkältungen mitgenommen hab, hat sich das noch mal etwas verzögert, aber vor zehn Tagen habe ich meine zweite Dosis bekommen.

Als ich diesmal meinen gelben Papier-Impfpass hingelegt hab, wurde ein bisschen geknüttert, weil sich der Aufkleber von der Phiole mit den Gummihandschuhen nur so mühsam abknibbeln lässt. Freundlich habe ich trotzdem drum gebeten, damit der erste Aufkleber nicht so ganz alleine im Impfpass bleibt, dann war das auch erledigt. Ich saß noch keine zehn Minuten im Beobachtungssaal, da war meine Health App schon aktualisiert: „Immunization Series Completed“. Kein Wunder, dass der Papier-Impfpass hinterfragt wurde.

Nebenwirkungen hatte ich beim ersten Pieks keine, beim zweiten war ich einen Tag lang schlapp samt leichtem Kopfweh, dann war’s überstanden.

Formale Vorteile bringt die Impfung nicht, alle Regelungen (Masken, Temperaturchecks – aber auch Tests- und Quarantäne bei Wiedereinreise nach China) gelten weiter. Wenn ich jetzt lese, dass die chinesischen Impfstoffe zwar vor schweren Verläufen schützen, aber nicht vor Übertragung des Virus, ist das auch nachvollziehbar. Aufgefrischt werden muss die Impfung früher oder später sowieso, mal sehen, ob sich die Frage „womit“ dann stellt.

Das Stadtbild ändert sich

Letztes Wochenende auf dem Rückweg vom Zoo habe ich einen Schlenker am 5-Pagoden-Tempel vorbei gemacht. Ist schon fast zwei Jahre her, dass ich zuletzt dort war. Da war ich noch nicht mit dem Scooter unterwegs, sondern mit dem Taxi. Beim ersten Mal hab ich sogar gedacht, der Taxifahrer hätte sich verfranzt, als wir kreuz und quer durch einen alten, engen Hutong fuhren. Tja, der ist nun Geschichte.

Abgerissener Hutong

Schutt nach dem Abriss eines Hutongs

Auch ein Stück weiter wird abgerissen, es trifft auch Hochhäuser.

100 Jahre KPCh

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: im Juli feiert die Kommunistische Partei Chinas ihren 1oo. Geburtstag. Alle ein, zwei Tage gibt es Ergänzungen, wann und wo es Sperrungen im Zusammenhang mit den 100-Jahr-Feierlichkeiten gibt. Es ist aber lange nicht so viel wie vor zwei Jahren, als 70 Jahre Volksrepublik China gefeiert wurden. Keine Militärparade, weniger Straßensperrungen. Dafür wird es wohl eine Show mit Hubschraubern und Flugzeugen geben, mal sehen, ob wir das nur in der Glotze oder auch „in echt“ sehen können. Die Stadt putzt sich wieder raus, überall gibt es neue Blumenarrangements und auch wieder an vielen Ecken die roten Sonnenschirme mit Freiwilligen (was auch immer da die tun, außer für mehr rot und mehr Armbinden im Stadtbild zu sorgen).

Schuljahresende – Goodbye-Season

Alle Jahre wieder beginnt hier im Juni das große Kofferpacken, für viele geht mit dem Schuljahresende der Peking-Aufenthalt zu Ende. Das ist vielleicht nicht ganz so chaotisch und ohne Abschiedsmöglichkeiten wie im letzten Jahr, aber mit ständigen Änderungen der Flugpläne für die Betroffenen auch noch mehr als nervenaufreibend.

Ob nun wirklich mehr Leute aus meinem engeren Umfeld gegangen sind oder weil es im letzten Jahr wegen der Corona-Maßnahmen untergegangen ist – gefühlt waren es noch nie so viele Abschiede wie dieses Jahr. Darunter auch die letzten aus meinem engeren Umfeld, die auch 2015 hier angekommen sind – und einige mehr, die ich habe kommen und nun gehen sehen. Aber immerhin, es gab dieses Jahr wenigstens richtig Gelegenheit zum Verabschieden. Das hat schon verflixt oft feuchte Augen gegeben. Die Lieblingsfreunde der Jungs bleiben zum Glück, das ist eine große Erleichterung.

Die Schule schrumpft, zumindest die Klassen der Jungs. In Js Klasse bleiben wohl nur 7 Schüler*innen übrig, er hofft, dass es in der Parallelklasse etwas mehr sind.  Außer denen, die Peking jetzt verlassen, sind ja nun auch die Realschüler*innen fertig. Es dürfte jedenfalls die kleinste Oberstufenklasse seit langem hier werden, denn mit vielen Neuankömmlingen ist nicht zu rechnen.

Montag war die letzte Zeugniskonferenz, Dienstag wurde aufgeräumt, Mittwoch war Sport-Tag, heute Ausflugstag, morgen müssen die Jungs noch mal kurz zur Schule: Schultreff und Klassenlehrerstunde, dann sind Ferien. Auch wenn wir wieder nicht nach Deutschland fliegen werden, wir werden sie genießen.

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