Am 15. August 2015 haben wir uns von Hamburg verabschiedet und uns auf den Weg nach Peking gemacht. Am Tag drauf sind wir in Peking angekommen. Heute beginnt demnach unser 6. Peking-Jahr.

Rückblick:

Die erste Hälfte vom 5. Peking-Jahr war wie die vorhergehenden Jahre auch abwechslungsreich mit vielen Highlights, für mich unter anderem meine Reise nach Luoyang, die vielen Ausflüge, ob allein, zu zweit oder in Gruppen. Vor Weihnachten war der Große zu Besuch, zu Chinesisch Neujahr der Mittlere mit Freundin.

Tja, und ab Chinesisch Neujahr war dann nichts mehr normal. Nicht mal unsere schräge, anstrengende, aber niemals öde Peking-Normalität. Anfänglich wusste man und wussten wir noch viel zuwenig über dies Virus, so dass es allein durch das Unbekannte beängstigend war. Die Maßnahmen hier kamen fix und konsequent: Social distancing, Maskenpflicht, Zugangsbeschränkungen zu den Wohngebieten, Temperaturchecks, Schließung von allen Locations, wo zuviele Menschen zu dicht aufeinander kommen…

Fühle ich mich als Ausländerin in China sowieso schon sehr auf die Familie zurückgeworfen (weil man hier halt nicht das über Jahrzehnte gewachsene Familien- und Freundes-Netzwerk hat), hat sich das durch Corona potenziert.

Als es hier dann keine Neuinfektionen mehr gab und die Schule immerhin vorübergehend ihre Pforten wieder öffnen durfte, Compounds auch wieder von Nicht-Bewohnern betreten werden durften, wurde das Leben für mich wieder gefühlt einfacher. Zwar weiterhin mit Maske und „Beijing Health App“ etablierte sich doch eine neue Normalität, in der man sich z.B. wieder verabreden kann, aber auf Bussi-Begrüssung etc. verzichtet. Okay, für mich Nordlicht ist letzteres sogar ganz angenehm. ;)

Was noch fehlt: das Reisen. Dass während einer Pandemie „stay where you are“ das Schlauste ist, hab ich als Katastrophenfilm-Junkie verinnerlicht. Trotzdem fehlt es mir, Besuch zu bekommen – und der Heimaturlaub erst Recht. Ich war jetzt über ein Jahr nicht in Deutschland, ebenso lange habe ich viele enge Freunde und Teile der Familie nicht gesehen. Reisen, um den Horizont zu erweitern und Abstand zu bekommen, fehlt mir zwar auch, aber darauf lässt es sich leichter verzichten.

Zum Schuljahresende hieß es auch wieder Abschied nehmen – anders als gewohnt nur im kleinsten Kreis, keine Klassen-, Schul- oder Sommerfeste, wo das auch immer seinen Platz hatte. Aber dadurch, dass manche nach den verlängerten Neujahrsferien in Deutschland oder anderswo fest sassen, gab es oft auch gar keinen richtigen Abschied.

Ausblick

Jetzt neigen sich die Schulferien dem Ende zu. Am 24. August geht es erstmal wieder mit Online-Schule los, jahrgangsweise gestaffelt ab dem 31. August dann auch wieder Offline. Diesmal klappt es mit der Umsetzung der diversen Regeln hoffentlich besser, war ja auch jetzt mehr als genug Zeit, das vorzubereiten. Nähere Infos folgen sicher im Lauf der Woche per Mail.

Aktuell hat Peking seit 9 Tagen keine Neuinfektionen, noch 3 Infizierte sind im Krankenhaus. Es wird vermutlich immer wieder mal Ausbrüche geben, so wie kurz vor den Ferien den am Xinfadi-Markt. Aber jetzt wissen wir, dass mit (teilweisen) Schulschließungen, Isolation von Wohngebieten, Quarantäne von allen, die auch nur in der Nähe waren, das relativ zügig wieder eingedämmt werden kann. Damit lässt es sich leben.

Es zeichnet sich ab, dass China die Grenzen für Ausländer so langsam wieder öffnet, wenn auch erstmal für die, die hier arbeiten und leben. Sicher irgendwann auch wieder für Besucher und Touristen, aber das sicher nicht ohne Kombi aus Tests und Quarantäne, so richtig attraktiv wird eine China-Reise also erstmal nicht. Viele haben Peking – ob planmäßig oder vorzeitig – verlassen, viele kommen nicht zurück, das hat große Lücken hinterlassen. Schön, wenn es dann wenigstens ein paar Neuankömmlinge gibt.

Wenn denn tatsächlich der Unterricht auch wieder in der Schule stattfindet, wird sich unser Leben deutlich normalisieren. Was uns nicht fehlt: frühes Aufstehen, von uns aus könnte Schule auch von 10-18 Uhr statt von 8-16 Uhr sein… 

Mit Maske, Abstand, Temperaturchecks und Health App läuft der Alltag ab Schulstart dann vermutlich-hoffentlich annähernd normal. Nur auf ein paar Highlights im Jahresablauf werden wir verzichten müssen: keine Welcome-Party, keine Projektwoche in der Schule, keine (größeren) Gruppenausflüge, keine Klassenreisen (und keine China-Reise für mich), keine Weihnachtspartys, kein Weihnachtsbasar. All die vielen Gruppenaktivitäten und Veranstaltungen waren für mich ein attraktiver Bestandteil des Peking-Lebens. Muss jetzt halt erstmal ohne gehen. Das Schwerste ist tatsächlich, keinen Besuch aus Deutschland bekommen oder selbst dorthin fliegen zu können.

Und so gerne ich „mein Hamburg“ wiedersehen würde (und noch lieber manche Menschen dort), bin ich doch froh, dass ich mich nicht direkt mit Maskenmuffeln auseinandersetzen muss oder überlegen muss, wie ich die Jungs zuhause behalten kann, weil ich den Schulbesuch in Hamburg derzeit nicht für sicher halte (trotz infizierter Schülerin in einer Schule wird nicht mal der Jahrgang unter Quarantäne gestellt – undenkbar aus hiesiger Perspektive). Da fühle ich mich derzeit tatsächlich sicherer hier.

Trotz Corona will ich das Beste aus der Situation und meinem 6. Peking-Jahr machen. Gibt immer noch mehr als genug zu entdecken und zu erleben – selbst unter Corona-Bedingungen. Der Weg liegt vor mir, ich muss ihn nur gehen.

Rückblicke der letzten Jahre: 201920182017

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1 Kommentar
  1. Timoleon
    Timoleon sagte:

    Ja, der 15.8. ist auch für mich ein besonderes Datum: Vor 23 Jahren bin ich an dem Tag für ein Jahr nach Griechenland geflogen. Es war bisher das beste Jahr meines Lebens. :-)

    LG,
    Timoleon.

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