Vorher

Nachmittags, 20. Januar:
Seit ich nicht mehr in Hamburg lebe, war ich bei keinem einzigen Rockkonzert mehr. Heute ist es soweit, Slash, Myles Kennedy + The Conspirators treten bei ihrer „Living the Dream“-Tour auch in Peking auf. Anders als bei Metallica vor zwei Jahren hat es geklappt, ich habe eine Karte bekommen! Autsch, Konzerte sind in Deutschland schon lange nicht mehr billig, aber hier wird es richtig teuer. Aber für ein so seltenes Vergnügen darf das mal sein.

Myles Kennedy und seine Band Alter Bridge gehören schon ewig zu meinen Favoriten, und ich freu mich sehr, ihn zum ersten Mal live zu sehen, wenn auch ohne Alter Bridge. Slash finde ich cool, nehme ich da gerne mit! 

Eben habe ich nachgesehen, wo ich heute Abend hin muss: Beijing Exhibition Center Theatre, in Xicheng nahe beim Zoo gelegen. Ich hab mich auf der Website des Theaters umgesehen – oha, Rockkonzert in sehr gepflegtem Rahmen… Ich bin echt gespannt!

Nachher

Vormittags, 21. Januar:
Schade, schon vorbei! Schön war’s! Manches war anders, vieles vertraut.

Beijing Exhibtion Centre Theatre

Beijing Exhibtion Centre Theatre

Der Veranstaltungsort, das Beijing Exhibition Centre ist ein sino-sowjetischer Prachtbau aus den 50ern. Schon von weitem sieht man den Turm mit dem roten Stern. Der Theaterbau ist rund, 1000 Besucher finden hier Platz. Es bleiben auch nur vereinzelt Plätze frei. Um viertel nach Sieben kommt die erste obligatorische Durchsage: Professionelle Kameras müssen in den Taschen bleiben. Thank you for your cooperation (das hört man hier immer und überall). Ich bin gespannt, was das gibt, die meisten haben ihre Jacken noch an, man unterhält sich oder ist mit dem Handy beschäftigt. Kurz vor halb kommt noch mal ein größerer Schwung Menschen dazu. Um Punkt halb geht das Licht aus – und alle springen auf und jubeln und es geht los.

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Peking

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Peking

Den Applaus nach den Songs empfinde ich als recht verhalten und auch sonst geht die Crowd (bis auf wenige Ausnahmen Chinesen) erst nicht so mit, wie ich das gewohnt bin. Doch sobald Myles Kennedy auffordert: „Jump!“ oder „I wanna see your hands!“ – dann geht es los, und es ist wohl wie überall sonst auf der Welt. Besonders viel Beifall brandet auf, wenn Kennedy „Xièxiè!“ – Danke – sagt.

Irritierend ist allerdings, wenn mitten in der hüpfenden, singenden, klatschenden Menge Frauen sitzen und sich auf WeChat Katzenvideos angucken. Huch?

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Beijing

Slash, Myles Kennedy + The Conspirators in Beijing

Die Soli von Slash sind sensationell, Kennedys Stimme und seine Vocalrange (4 Oktaven!) beeindruckt live noch mehr als aus der Konserve.  Todd Kerns (Bass), Frank Sidoris (Rhythmusgitarre) und Brent Fitz (Drums) machen das ganze Paket rund.  Nach zwei Zugaben ist der Abend nach 1 Stunde und 45 Minuten vorbei – ich hab jede einzelne davon genossen. :)

Die Living-the-Dream-Tour geht jetzt weiter über Shanghai nach Neuseeland und Australien, aber auch Europa und Deutschland sind noch dran. Offenbach im Februar ist bereits ausverkauft, für Hamburg (Sporthalle) am 3. März und Berlin am 4. März gibt es noch ein paar Karten. Klare Empfehlung von mir! :) 

Die letzten beiden Tage vor dem Rückflug nach Peking verbringen wir in Sydney. Der Abschied von Bulwarra und besonders von Malcolm und Judy fällt uns schwer, und schließlich wischt Malcolm sich über die Augen und scheucht uns los, bevor wir alle noch richtig losheulen.

Es hat frühmorgens tatsächlich etwas geregnet, zu kurz und nicht genug, aber das Grau passt zu unserer Abschiedsstimmung.

Immer etwas zu sehen

Wir fahren über schmale Landstraßen zunächst noch eine Weile durch unser „australisches Auenland“. Weniger grün als das neuseeländische Vorbild, deutlich heißer, aber so sanft und friedlich und dabei doch abwechslungsreich. Dann wird die Landschaft einerseits flacher, andererseits ragen große Felsformationen vor uns auf – da geht es zum Wollemi-Nationalpark.

Einen kurzen Stopp machen wir dann beim „Pearsons Lookout“ und werfen einen Blick auf das atemberaubende Capertee Valley – eine Schlucht, die länger und breiter als der Grand Canyon ist.

Capertee-Schlucht

Von Lithgow aus geht es dann über die B59 durch die Blue Mountains in Richtung Sydney. In den ersten Vororten packt mich prickelnde Vorfreude. Wir müssen erst ein Stück in die Stadt hinein fahren, um dann wieder Richtung Norden in Richtung Mosman/Manly nach North Head zu fahren. Das Navi hat die neuesten Baustellen und Änderungen nicht mitbekommen, was uns eine erste Extratour mitten in das Herz von Sydney mit Blick auf Oper und Harbour Bridge beschert, bis wir schließlich doch auf der richtigen Straße landen.

Q-Station in Manly

Ich hab mir die Finger wund gegoogelt auf der Suche nach einer schönen, besonderen, aber trotzdem bezahlbaren Unterkunft und bin auf die Q-Station gestoßen. Dabei handelt es sich um die ehemalige Quarantäne-Station auf der Landzunge North Head. North Head gehört zum Stadtteil Manly und ist die nördliche der beiden Landzungen, die die Einfahrt zu Sydneys natürlichem Hafen, Port Jackson, markieren. North Head zählt heute zum Sydney Harbour National Park.

Manly gefällt uns schon beim Durchfahren, es geht gefühlt in jeder Richtung zu einem Strand, oft sieht man auch Wasser, ein überschaubares Zentrum, vorbei am Kai, wo die Fähren anlegen und dann geht es steil bergauf. Moderne Villen wechseln sich mit Altbauten ab, es geht vorbei an einem stillgelegten Hospital und dann folgt die Ausschilderung in Richtung North Head und Q-Station. Ein steinernes Tor überspannt die Zufahrt, und vor uns hat ein Wohnmobil gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass es dafür zu hoch ist, die Leute steigen aus und sind irritiert. Wir setzen zurück, das Wohnmobil setzt zurück und fährt dann auf der rechten Spur am Tor vorbei. Später sehen wir ein winziges Schild am Tor, das genau das anweist.

Ein schöner Flecken

Der Weg verzweigt sich noch einmal, wir folgen der Beschilderung zur Q-Station und fahren auf den großen Parkplatz. Auf dem Gelände selbst fahren ausschließlich kleine Shuttle-Busse. Das ist nicht nur angenehm, dass es auf dem ganzen Gelände damit praktisch keinen Autoverkehr gibt, sondern es erklärt sich auch durch die schmalen, steilen Straßen. Wir checken ein, nehmen unseren Übernachtungskoffer und werden mit dem Shuttlebus zu unserem Gebäude gebracht. Unsere Suite befindet sich im Bereich der ehemaligen Erste-Klasse-Quartiere und hat von der Veranda einen wunderschönen Blick auf Wasser und Stadt.

Wir erkunden das Gelände, auf dem es von Tieren nur so wimmelt, viele Papageien und Seevögel, noch mehr Kaninchen und mit Anbruch der Dämmerung Bandicoots – Nasenbeutler. Eine steile Treppe führt hinunter zum Strand. Später fahren wir nach Manly, erst mit dem Shuttlebus zum Parkplatz, dann mit dem eigenen Auto  und finden ein wirklich tolles italienisches Restaurant mit Blick auf Wharf und Wasser, wo wir dann auch am Tag drauf wieder Essen gehen. Auf dem Rückweg besorgen wir noch Getränke und verbringen den Rest des Abends mit einem guten Glas Weißwein auf der Veranda und genießen die Aussicht.

Q-Station

Auf und am Wasser

Als ich am nächsten Morgen auf die Veranda trete: Schrecksekunde. Wo ist Sydney? Alles versinkt im dicken Nebel. Zum Glück löst der sich schnell auf.

Ist es mein Hamburger Blut, das mich Hafenstädte so lieben lässt?
Ist es einfach der Sonnenschein, sind es die freundlichen Menschen?
Ist es der Geschmack von Salz auf den Lippen?
Ich fand Sydney vor zwei Jahren schon wunderbar, und ja, es ist ein wirklicher Sehnsuchtsort für mich.

Meine Sightseeingmuffelmänner wollen den kommenden Tag in der Q-Station verbringen, also ziehe ich ohne die drei los. Ich hatte vorher schon den Fahrplan der Fähren studiert und bin pünktlich unten am Anleger. Ein paar Mal am Tag hält die Schnellfähre zwischen Circular Quay und Manly auch am Anleger der Q-Station (und an vielen weiteren Anlegern, das ist dann schon keine kleine Hafenrundfahrt mehr), da will ich mit. Die Fähre fährt erst noch nach Manly und stoppt dann auf dem Rückweg noch einmal an der Q-Station, aber ich darf direkt mitfahren und bekomme so einen Platz in der ersten Reihe auf dem Oberdeck – ein Traum.

Manchmal wird einem erst klar, dass man etwas ganz schrecklich vermisst, wenn man es wieder hat.

Ja, ich vermisse die Fahrten mit den Hamburger Hafenfähren – und bei Wärme und Sonnenschein, richtigem Wohlfühlwetter, leichte Brise auf einer Fähre in Sydney zu sitzen, das war phantastisch. Was soll ich sagen, ich bin fast den ganzen Tag mit der Fähre unterwegs gewesen… Es gibt so unfassbar viel zu sehen: Schiffe und Boote, Segler, Surfer und Paddler, immer wieder Strände, die einen ruhig und beschaulich, die anderen trubelig. 

Auf der Fähre

Das irre Gefühl, die Oper und die Harbour-Bridge wieder zu sehen – es ist fast ein bisschen unwirklich, aber ich schmecke es am Salz auf den Lippen, dem warmen Gefühl der Sonne auf der Haut: ich bin wirklich hier.

Es ist so schön

Die Fähre fährt am Taronga Zoo (dem Schwester-Zoo des Taronga Western Plains Zoo) vorbei. Am Circular Quay kann man ein Kombiticket kaufen und setzt dann mit der Fähre zum Zoo über, wo es dann mit einer Seilbahn hinaufgeht. Hier steigen viele Leute ein und aus, aber es gibt so viel zu sehen. Ein kleiner Strand, davor einige Yachten, kreischende Kinder, die ins Wasser springen, Damen, die ihre eleganten Sonnenhüte festhalten und trotz der frühen Stunde am Cocktailglas nippen, Männer, die ihren Bauch einziehen und laut lachen – es ist ja auch ein perfekter Sommersonnentag.

Am Circular Quay steige ich dann doch aus. Wieder sind überall Straßenkünstler, die Musik unterstreicht die sommerliche Atmosphäre. Ein Duft nach Fish und Chips hängt in der Luft. Ich spaziere am Kai entlang, entdecke den „Writers Walk“, kaufe mir frisches kaltes Wasser und schlendere zur Oper hinüber und wieder zurück. Immer wieder neue Aussichten auf das Wasser und die Stadt, viel Trubel an Land und auf dem Wasser.  

Nochmal, nochmal, nochmal

Schließlich nehme ich die Fähre zurück zur Q-Station und bin fast enttäuscht, als ich dort wieder ankomme. Aber ich hab ja Familie, da muss ich doch auch mal nach gucken. Der Familie geht es allerdings hervorragend. Zusammen fahren wir das kurze Stück nach Manly hinein und – ungeahnter Aktivitätsdrang bei den Herren – wir fahren noch einmal gemeinsam mit der Fähre zum Richtung Circular Quai, jetzt aber mit der Direktverbindung. Zusammen bummeln wir in Richtung Oper, verweilen bei ein paar Straßenkünstlern, die im Schatten unter der Metro akrobatisch angehaucht tanzen, schlendern weiter, es gibt noch ein Eis für die Kinder und irgendwann geht es doch zurück nach Manly.

Wir gehen ein Stück am Manly Beach entlang – da ist der offene Pazifik mit schöner Brandung. Abendessen gibt es noch einmal bei dem großartigen Italiener, dann geht es zurück zum Hotel. Bis ich vor Müdigkeit fast vom Stuhl falle, bleibe ich draußen sitzen und sauge die Wärme in mich auf. Meinem Mann wird es bei 24 Grad (!) irgendwann zu kalt… 

Dankbar

Am nächsten Morgen genießen wir noch mal das Frühstück und fahren dann zum Flughafen. Autoabgabe klappt trotz Beule reibungslos, hat sich wirklich gelohnt, die Versicherung „mit alles“ zu nehmen. Beim Check-In gibt es mal wieder Probleme: Namen mit Umlauten sind einfach blöde, Nullen und Os in den Passnummern ebenso. Aber schließlich bekommt der freundliche Mitarbeiter das mithilfe seines Supervisors doch noch hin, schade, wir dürfen nicht da bleiben… Der Flieger hat Verspätung, schlecht für unser Portemonnaie, gut für die Kuscheltiersammlung… Wie vor zwei Jahren ist auch diesmal ein Lehrer von Nummer 4 mit an Bord, kleine Welt! Die Landung in Peking war die ruppigste, die ich je erlebt habt, und ähnlich holprig war mein Wiederankommen in China. Aber inzwischen geht es, sind ja mittlerweile auch schon auch fast zwei Wochen wieder hier. 

Seit Teeniezeiten habe ich von Australien geträumt, und jetzt ist dieser Traum sogar schon zweimal in Erfüllung gegangen. Überhaupt habe ich, seit wir in Peking leben, mehr von der Welt gesehen, als ich je für realistisch gehalten hätte.

Das Großartige ist, dass wir mit Malcolm und Judy jetzt auch Freunde in Australien haben, fühlt sich gut an. Nach Sydney und auch nach Bulwarra/Dubbo würde ich jederzeit gerne zurückkehren, genauso gern aber noch mehr von Australien – und der Welt – entdecken. Man weiß ja nie, was kommt, aber wünschen kann man es sich ja. :)

Auf halber Strecke zwischen unserer Farm und Dubbo liegt der Taronga Western Plains Zoo, und Silvester und Neujahr waren wird dort. Kurz.  ;) 

Rückblick: Wir haben viele Jahre in der Nähe von Hagenbecks Tierpark gewohnt, hatten Jahreskarten. Ausdauernde, lange Zoobesuche. Dauernd.

Gegenwart: Der, dessen Name nicht genannt wird, findet in Australien knapp 40 Grad zu heiß für mehr als 3 Stunden Zoobesuch. Und das, obwohl man sich in diesem Zoo im eigenen Auto bewegen kann. Im klimatisierten PKW. Mit Getränken. Vor den Gehegen befinden sich Parkplätze, wenn man nicht will, läuft man zu keinem Zeitpunkt weiter als 100 Meter, und nur im Ausnahmefall steht man in der prallen Sonne.

Speed-Dating mit Viechern

Bongo

Bongo

Nur der Dackelblick des Jüngsten und dessen inniger Wunsch, doch noch die Bongos zu sehen, ermöglicht einen zweiten Besuch am Neujahrstag (Ticket gilt dort immer für zwei aufeinanderfolgende Tage) – ganze großzügige 20 Minuten wurden gewährt, und auch nur für die Bongos. Die fand nicht nur der Junior sehenswert: irgendwie seltsam proportionierte Antilopenart mit schön gemustertem Fell.

Wenn man den, dessen Name nicht genannt wird, kennt, weiß man übrigens, dass 20 Minuten für alles reichen – Sommerpalast, Mauer, Verbotene Stadt… Ein Grund dafür, dass ich gerne allein auf Reisen gehe…

Ok, zu Voldepapas Entschuldigung sei angeführt, dass man ja nicht unbedingt nach Australien fährt, um sich (überwiegend) afrikanische Zootiere anzusehen. Die Redneck-Wallabys im Zoo waren zwar sehr niedlich, aber wir hatten unsere täglichen Swamp Wallabys und andere Kängurus frei Haus. ;) Dazu Papageien, Kakadus, große und kleine Eidechsen, mal abgesehen von einer Fantastillion verschiedener Insekten. Die meisten Tiere im Zoo haben irgendwo im Schatten gelegen und  geschnarcht.

Zu meiner Entschuldigung, dass ich nicht selbst mit den Kurzen noch mal für länger hin bin: ich hab leider Probleme mit dem Linksverkehr, an jeder Kreuzung hab ich so einen Knoten im Kopf, dass ich mich lieber auf den Beifahrersitz beschränkt habe, um den Fahrer anzupflaumen, wenn der mal wieder die Spur nicht halten kann und zu weit links fährt…

Und vielleicht hat uns auch das Schild: „Achtung, hier gibt es Schlangen auch außerhalb der Gehege“ ein bisschen Respekt eingeflösst…

Der Zoo ist jedenfalls sehr schön angelegt. Die Gehege wirken groß und gut gepflegt, und soweit wir als Laien das beurteilen können, geht es den Tieren gut. Bei der Hitze ist es wirklich nicht empfehlenswert, zu Fuß da durch zu spazieren. Es gibt ein paar Imbissbuden, die auf uns nicht besonders einladend gewirkt haben, also unbedingt an ausreichend Getränke denken. Man könnte Fahrräder leihen – nicht viel besser als zu Fuß – oder Golfwagen im schicken Zebralook. Für uns als Tuktuk-Besitzer jetzt nicht so der Wow-Faktor, vor allem nicht für 70 australische Doller für drei Stunden. Hätten wir zwar trotzdem gerne gemacht, waren aber leider schon wenige Minuten nach Öffnung des Zoos alle verliehen. Den Eintrittspreis (20% Rabatt bei Online-Kauf, Familienticket 2 Erwachsene/2 Kinder 122 AUD für zwei aufeinanderfolgende Tage) fand ich fair. 

Fotos

Anders als bei meinen Solo-Reisen mit viel Sightseeing gibt es diesmal nicht so viel zu erzählen und zu zeigen – das gibt unser wunderbares Nichtstun nicht her. Wobei – ein bisschen Erzählenswertes gibt es doch:

Kängurus gehen immer, oder? Die haben uns jeden Tag „Hallo“ gesagt.

Hallo, sagte das Känguru
„Hallo!“, sagte das Känguru…

Auf dem Weg zum Einkaufen sind wir gelegentlich Umwege gefahren. Das sah dann so aus:

Irgendwo bei Dubbo
Irgendwo bei Dubbo

Oder so:

Achtung!
Achtung!

Seht Ihr das tiefe Loch rechts? Und die Äste links?
Nicht? Wir auch nicht bzw. erst zu spät. Zum Glück hat sich der Fahrer, dessen Name nicht verraten wird, für links ausweichen entschieden. Die kleine Delle an der Beifahrertür ist zwar nicht schön, aber wenn die Karre aufgesetzt wäre und nicht hätte weiterfahren können, hätten wir ein Problem gehabt: kein Handyempfang und nur leere Pfandflaschen im Kofferraum – kein Wasser dabei…

Weihnachten light – Weihnachten perfekt?

Ganz australisch war für uns der 24.12. ein ganz normaler Tag, am 1. Feiertag haben wir ausgeschlafen (okay, das haben wir eh die ganzen Ferien über). Vor zwei Jahren hatte uns Judy zum Weihnachtsessen eingeladen, diesmal waren wir dran. Keine Überraschung: wir haben gegrillt. Rein äußerlich mag es alles ganz unweihnachtlich gewesen sein, kein Baum, keine Geschenkorgie, kein Küchenterror – und genau deshalb war es richtig schön weihnachtlich.

Am zweiten Feiertag – Boxing Day – sind wir in die Stadt gefahren und hatten Trubel erwartet, Geschenkeumtausch, Gutscheine und Geldgeschenke investierende Leute – aber nein, es war alles halb leer und entspannt, sehr angenehm.

In der Nähe von Wellington (nicht das in Neuseeland ;) ) haben wir zur Freude des Jüngsten die beiden Viecher gefunden:

Alpakas in der Nähe von Wellington
Alpakas in der Nähe von Wellington
Voll im Trend: Alpakas
Voll im Trend: Alpakas

Silvester – Sturm

Auch mit Faulenzen verging die Zeit viel zu schnell, und schon war Silvester. Tagsüber waren wir im Zoo – dazu wird es noch einen extra Blogartikel geben -, abends wollten wir Grillen und uns das Familienfeuerwerk von unserem Hügel aus ansehen. Irgendwann am frühen Abend gucke ich von meinem Buch hoch und sehe das:

Sandsturm im Anrollen!
Sandsturm im Anrollen!

Huch? Und das kam dichter….

Sandsturm in Dubbo
Sandsturm in Dubbo

Schnell haben wir noch alles, was wegzufliegen drohte, nach drinnen gebracht, und dann steckten wir mitten drin. Skandal, das waren ja Pekinger Feinstaubverhältnisse…

mitten im Sandsturm
Mitten im Sandsturm

Der Sandsturm hatte direkt noch ein kleines Gewitter im Schlepptau, keine eineinhalb Stunden vor dem Start wurde das Feuerwerk sicherheitshalber abgesagt. Nach etwa zwei Stunden war das Wetter-Spektakel vorbei, gegrillt wurde dann nur noch eine Kleinigkeit, Glotze angeworfen und die Silvesterparty der ARD von ABC „New Year’s Eve 2018 – The Night Is Yours“ nebenher laufen lassen. Das war der einzige Abend, an dem ich nicht bis zum Schlafengehen draußen war – der Sturm hat zahlreiche Singzikaden aus dem Bäumen geschüttelt. Und als es mir eines dieser fingerlangen Krabbelviecher auf die Schulter geweht hat, habe ich mich geschüttelt und bin mit den Kindern nach drinnen geflüchtet… Die Kinder haben sich dann auch ins Neue Jahr geschlafen. Für uns gab es dann doch noch Feuerwerk: Sydney – im TV! ;)

Ich wünsche schöne Feiertage gehabt zu haben und ein glückliches Neues Jahr!

Wir sind seit Sonntag zurück in Peking. Noch ist es schwer, hier wieder richtig anzukommen, dabei hat die Schule gestern schon wieder angefangen. Es ist nur so schrecklich kalt… Ich friere! Heute fange ich mal an, von unserem Australien-Urlaub zu erzählen.

Peking-Kontrastprogramm

Wir haben die Weihnachtsferien in Australien im zentralen New South Wales in der Nähe von Dubbo verbracht, dort, wo wir vor zwei Jahren schon einmal eine tolle Zeit hatten: Bulwarra. Für australische Verhältnisse sicher noch eine bevölkerte Gegend, aber für uns das perfekte Peking-Kontrastprogramm und geradezu einsam! Australien hat insgesamt weniger Einwohner als Peking! Wir haben Winter gegen Sommer getauscht und hatten statt Minusgraden fast 40 Grad Plus, dazu gute Luft und Sonne satt. Oben von unserem Hügel Aussicht in alle Himmelsrichtungen, kein Hochhaus verstellt den Blick. Kein Straßenlärm, dafür Grillenkonzert und Vogelgezwitscher. Eine Sprache, die wir alle gut verstehen und selber sprechen können, Schilder, die wir lesen können. Und alles ganz dicht an der Natur. Ein Traum, wir wären gerne dort geblieben.

Auch hier bleibt die Zeit nicht stehen

Wiedersehensfreude bei der Ankunft, unsere Gastgeberin Judy und ihr Partner Malcolm haben sich gar nicht verändert! Aber die Hunde: Blaze ist erwachsen geworden, hört jetzt aufs Wort. Der kleine, dicke Shelby ist der neue Boss, denn leider sind zwei der Hunde verstorben, Ex-Chefin Milly an Altersschwäche, und Riley wurde eine Woche vor unserer Ankunft vermutlich von einer Schlange gebissen und lag tot im Garten. Ausgerechnet Riley, der doch eigentlich der Schlangenverscheucher war. Aufgrund der langen Trockenheit gibt es deutlich mehr Schlangen, die auf der Suche nach Futter immer dichter an Häuser herankommen. Judy hat ein Ultraschall-Abwehrsystem installiert, aber trotzdem hat sich einmal während unseres Aufenthalts eine braune Schlange in den Garten getraut – und wurde zum Glück von Shelby weggescheucht. Stryker, der Brahmanbulle, ist Geschichte – Huf gebrochen, da konnte er sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen.

Aufgrund von Behördenauflagen musste Judy den Pool abbauen – oder sie hätte einen Bademeister einstellen müssen, absolut überdimensioniert und illusorisch für so einen kleinen Betrieb. Dafür haben wir reichlich Gebrauch von den vielen Gartenschläuchen gemacht. Die Jungs haben quasi auf dem Trampolin geduscht… Damit der Rasen gleichmäßig gewässert wird, haben sie alle zwei Tage das Trampolin um ein paar Meter verschoben.

In Dubbo selbst gibt es inzwischen ein paar Leerstände, sowohl bei Geschäften als auch bei Wohnhäusern, andererseits sind das zentrale Einkaufszentrum am Dubbo Square und die neuere Orana Mall gut besucht.

Kängurus und Schießen

Dieses Mal haben wir deutlich weniger tote Kängurus am Straßenrand und viel mehr lebendige rings um Bulwarra gesehen – zu Klasse. Dösend unter Bäumen oder auch mal über die Straße hüpfend.

Kleinkaliber-Gewehr CZ 455
Kleinkaliber-Gewehr CZ 455

Wie versprochen hat uns Malcolm das Schießen beigebracht – auch ein Teil des australischen Landlebens. In unserem städtischen Alltag, egal ob in Deutschland oder China, brauchen wir das natürlich nicht. Wir haben den Umgang mit einer Repetierbüchse (CZ 455) gelernt, wie man die Patronen ins Magazin steckt, das Magazin in die Waffe schiebt, die Patrone lädt und die alte Hülle auswirft – vor allem aber auch die Vorsichtsmaßnahmen. Geschossen haben wir auf Plastikflaschen – und getroffen. Malcolm hat die Umgebung gut im Auge behalten, tatsächlich haben wir mit unserem Geballer eine Kängurufamilie aufgeschreckt, die dann an uns vorbei den Hügel hinunter gehüpft ist. Ich denke, wir haben alle vor allem Respekt vor Waffen mitgenommen. Zusätzlichen Respekt haben uns die Erzählungen einer Frau eingeflösst, die auf der Durchreise in Bulwarra übernachtet hat: sie hat in ihrem Leben vier Schusswaffenunfälle miterlebt, dreimal ist sie mit dem Schrecken davongekommen, als Waffen unbeabsichtigt losgegangen sind. Aber einmal hat sie sich selbst ins Bein geschossen – die Narbe sah fies aus. Von daher: sehr interessant, das einmal unter fachkundiger Anleitung ausprobiert zu haben, aber auch direkt mitzubekommen, wie gefährlich Waffen sind.

Entspannung und Erholung

Außer zum Schlafen waren wir praktisch ununterbrochen draußen. Spielen, lesen, nur Gucken und einfach gar nichts tun. Ein bisschen die Gegend erkunden. Der Sternenhimmel war wieder unglaublich – aber ich bin ein Schisser und habe mich nachts wegen der Schlangen nicht zum Fotografieren auf den Rasen getraut. Dafür sind die Frösche aus Judys kleinem Teich im Dunkel bis auf die Veranda gehüpft. Ab und zu kam auch mal eine Echse vorbei. Achja, lesen: Malcolm hat mir ein wunderschönes Buch über Sidney Kidman ausgeliehen: Kidman : the extraordinary life of Sir Sidney Kidman. Leider ist es derzeit nicht mehr erhältlich.

Hier folgen ein paar erste Fotos, demnächst erzähle ich mehr über den Taronga Western Plains Zoo, Sandstürme und anderes.

Fotos