Der Juni-Ausflug der Fotogruppe führte uns in das Wasserdorf Gubeikou. An einem Stausee mit Wasserläufen hat man aus ein paar älteren Dörfern ein neues gebaut, dass dem Wasserdorf Wuzhen nahe Shanghai nachempfunden ist. Es ist also ein wenig ein „Disney-Dorf“, dazu passt, dass auch 150 RMB Eintritt gezahlt werden müssen. Unbezahlbar ist aber der Blick aus dem Dorf in Richtung Mauer. Hoch oben auf dem Grat der Berge windet sich der wildromantische Mauerabschnitt von Simatai.

Wir erreichen Gubeikou Watertown nach knapp zwei Stunden Busfahrt (gecharterter Bus, Start an der Deutschen Botschaftsschule). Die Sonne knallt vom beinah wolkenlosen Himmel und zu unserem Glück ist auch die Luft in Ordnung und der Himmel damit wunderschön blau. Ein paar Wagemutige entscheiden sich, der Sonne zu trotzen und mit der Seilbahn zur Mauer hinauf zu fahren. Die meisten anderen und ich kneifen und bleiben unten im Dorf, wo es sicher genug zu sehen und zu fotografieren gibt und hoffentlich auch ausreichend Schatten!

Mehr als ein Disney-Dorf

Vom Parkplatz aus geht es zunächst in ein großes (großes! Natürlich, wir sind in China!) Eingangsgebäude, wo es außer den Ticketschaltern ein paar (Selbstbedienungs-)Restaurants gibt, unter anderem auch das unvermeidliche Starbucks. Am anderen Ende des Gebäudes geht es noch durch eine Sicherheitsschleuse und dann betritt man das Dorf. Die Dorfanlage ist in der Tag ein bisschen Disney. Hier wohnt niemand, höchstens ein paar Touristen in den neu errichteten Hotels am Ortsrand oder in den Gästehäusern im Ort. Dafür gibt es zahlreiche Shops: die typischen Souvernirs, Drachen, Laternen, Schneekugeln und vieles mehr (die Preise scheinen günstiger zu sein als in Peking). Zum Glück hat einer der ersten Shops die von einigen dringend benötigte Accessoires: Sonnenhüte!

Gleich vorne direkt am Eingang könnte man sich mit dem Boot durch das Dorf fahren lassen, aber wir teilen uns in mehrere kleine Gruppen auf und schlendern so durchs Dorf. Es ist sauber, es ist idyllisch, es ist ruhig (überwiegend…). Immer wieder neue Details und neue tolle Ansichten der Mauer.

Mittagspause mit Hindernissen

Wir wollen in einem muslimischen Restaurant lunchen, doch obwohl das Restaurant fast komplett leer ist und auch keine Busladungen weiterer Touristen vor der Tür stehen, wir uns ein Vierertisch zugewiesen. Wir sind aber zu fünft. Nein, den Achtertisch dürfen wir nicht nehmen, also ziehen wir es vor, wieder zu gehen, denn es ist einfach zu heiß zum kuscheln. Schade, das Restaurant hat sonst einen tollen Eindruck gemacht. So muss ich aber an „draußen nur Kännchen“ denken.

Wir gehen also weiter und landen in einem netten, gut klimatisierten chinesischem Restaurant – das allerdings nur mit einer chinesischen Karte aufwarten kann. Ohne Bilder. Wir werfen all unsere Chinesischkenntnisse zusammen und bekommen köstlichen Bratreis und einen frischen, leckeren Salat und kühles Tsingtao. Geht doch!

Bootsfahrt und Fazit

Wir schlendern weiter durch den Ort, machen eine kurze Pause an einem Brunnen – aus der geplanten Abkühlung wird nichts, das Wasser ist genauso heiß wie die Luft. Dann entscheiden wir uns, mit dem Boot zurück zum Ausgang zu fahren. Das war richtig schön. Ruhig, noch mal ganz andere idyllische Ansichten. Nur unter den Schwimmwesten, die wir anziehen mussten, war es echt warm! Für mich hätte die Fahrt gerne noch länger gehen können, aber wir kommen genau pünktlich wieder am Treffpunkt für die Rückfahrt an. Auch die Busfahrt zurück zur Schule verläuft ohne Zwischenfälle. 

Wenn man nach Gubeikou fährt, dann sollte man wissen, dass es kein authentisches chinesisches Dorf ist, sondern eine extra angelegte, neu gebaute Touristenattraktion. Aber auch das hat seinen Reiz. Vor allem die Mauer-Ansichten haben es mir angetan. Ich kann mir gut vorstellen, im Herbst noch einmal dorthin zu fahren und dann dort zur Mauer hoch zu fahren. Ebenfalls reizvoll wäre es sicher, einmal dort zu übernachten und bei Dämmerung und nachts zu fotografieren – denn nicht nur das Dorf, sondern auch die Mauer sollen dann nett illuminiert sein.

Vor einem Jahr führte der vorerst letzte gemeinsame Ausflug mit meiner finnischen Freundin, die ein paar Tage darauf nach Finnland zurückkehren musste, uns zum Eunuchen-Museum. Leider war das Museum da noch wegen Bauarbeiten geschlossen und es hieß „nächstes Jahr!“. Jetzt ist sie gerade zu Besuch bei uns und wir sind zu dritt zusammen mit einer gemeinsamen Freundin wieder dorthin gefahren.

Der Taxifahrer mochte nicht durch das enge Tor in den Hutong hineinfahren, also gingen wir zu Fuß weiter. Ich habe schon gefürchtet, wir wären im falschen Hutong, weil mir der Weg viel länger vorkam als im Vorjahr. Aber da war schon der Eingang. Schreck lass nach, das ist ja immer noch Baustelle! Und wir hatten vorher extra anrufen lassen, um herauszufinden, ob es auch wirklich geöffnet ist! Aber wir hatten Glück.


Adresse: Shijingshanqu, Moshikou Dajie 80 (石景山区, 模式口大街 80). Eintritt: 8 RMB


Der „Friedhofsbereich“ mit der Grabstätte von Tianyi, einem der bekanntesten und einflussreichsten Eunuchen überhaupt, ist so gut wie fertiggestellt. Daneben gibt es ein paar Ausstellungsräume. Gewerkelt wird noch an einem Bereich mit weiteren Gebäuden, einem Torbogen – sieht auch als Baustelle interessant genug aus, um es nächstes Jahr wieder zu versuchen.

Zunächst sehen wir uns die Ausstellung an. Die Texte sind überwiegend Chinesisch, aber Bildunterschriften und Zusammenfassungen gibt es auch auf Englisch. Im ersten Raum gibt es Infotafeln zu den Eunuchen seit deren Anfängen im 8. Jahrhundert (oder doch früher?) bis hin zum letzten Eunuchen Sun Yaoting, der erst 1996 verstarb. 

Die Kastration wurde besonders in der Mingzeit „vollständig“ durchgeführt, also auch mit Penektomie. Ohne Betäubung. Die „drei Kostbarkeiten“ führten die Eunuchen dann bis zu ihrem Tod mit sich, um körperlich vollständig als ganzer Mann ins Jenseits übergehen zu können. Allerdings überlebte viele Jungen und Männer die Prozedur nicht, sie starben an Infektionen oder am Blutverlust. 1911 endete das Eunuchen-(Un-)Wesen mit dem Ende des Kaiserreichs.

Kastration und Penektomie

Gruselig

Die plastische Darstellung der Entmannung ist nicht das einzig Gruselige hier, denn es wird auch eine mumifizierte Leiche eines unbekannten Eunuchen ausgestellt. Und ein sichelförmiges Messer mit verrosteter Klinge ist zu sehen…

Nach der Ausstellung sehen wir uns die Grabstätte an. Hier sind die Bauarbeiten so gut wie abgeschlossen. Es gibt drei Pavillions, in denen auf beschrifteten Stelen von wichtigen Stationen im Leben Tianyis erzählt wird.

Weiter hinten befinden sich zwei Grabkammern, die von Tianyi im Schatten eines großen Kaki-Baumes. Wir stiegen hinunter, es ist kalt und feucht und obwohl alles frisch renoviert ist, ist es unheimlich. Als wir wieder draußen sind, erschlägt uns die Hitze fast.

Weg aus der Gruft

Am Ausgang treffen wir genau den Mann, der meine Freundin und mich vor einem Jahr herumgeführt hat und meine Freundin wechselt ein paar Worte mit ihm.

Hinterher spazieren wir noch ein Stück durch den Hutong, der teils kaum wieder zu erkennen ist, so wurde er herausgeputzt. Für einen Besuch des Fahai-Tempels, der nur zehn Minuten entfernt liegt, reicht diesmal die Zeit nicht mehr. 

 

Südwestlich der Verbotenen Stadt liegt der Tempel der weißen Wolken – Baiyun Guan. Es handelt sich um einen daoistischen Tempel, in dem auch die Daoistische Vereinigung Chinas ihren Sitz hat. Es ist eine der größten Tempelanlagen Pekings.

Wir schauen uns hier an einem schwül-heißen Sommertag um.

Glücks-Glocken unter der Brücke

Gleich zu Anfang befindet sich eine Brücke, unter deren Bögen Glocken befestigt sind. An einer Bude kann man Tickets erwerben, an einer zweiten Bude tauscht man die Tickets gegen Münzen. Und nun gilt es, mit den Münzen die Glocken zu treffen und zum Klingen zu bringen: das bringt Glück! Wir schauen eine Weile einem Vater und seinem vielleicht achtjährigen Sohn zu, die so lange werfen, bis sie tatsächlich die Glocke zum Klingen bringen. Der Vater wird nun ganz bestimmt zehnmal soviel Glück haben wie sein Sohn. ;)

Bauarbeiten und Ruhe

Obwohl überall renoviert wird, ist es ruhig. Wir sind die einzigen Ausländer, außer uns sind viele Gläubige da und es riecht intensiv nach deren Räucherstäbchen. Und überall stehen oder sitzen Mönche in ihren Trachten. Wenn nicht ab und zu der Blick auf Pekings Hochhäuser oder die Verkabelungen fallen würde oder – man käme sich ganz aus der Zeit gefallen vor.

In den Hallen darf nicht fotografiert werden, also kann ich hier jetzt leider nicht zeigen, dass es eine Halle gab, die so ganz anders gestaltet war als die, die ich bisher kannte – von wegen, kennst Du einen Tempel, kennst Du alle… Hier waren die Wände nicht bemalt, sondern plastisch gestaltet – auf einer Seite der Ozean und der Himmel, auf der anderen Seite ein Berg – beides bevölkert von vielen Figuren. Ein bisschen bunt, ein bisschen kitschig, aber fröhlich, lebendig, schön.

In einer der Hallen zeichnet ein Mönch, in einer anderen pinselt einer Schriftzeichen. Eine Halle finde ich bemerkenswert: hier gibt es unzählige Figuren, die deutlich mit Jahreszahlen gekennzeichnet sind, beginnend mit 1911 (wenn ich mich recht erinnere). Es handelt sich wohl um Schutzgeister. Der für meinen Jahrgang sah kompetent und freundlich-fröhlich aus, andere wirken düsterer.

Tai Chi

Angesichts der vielen Gläubigen fühlen wir uns ein bisschen als Störenfriede, erst Recht, als wir durch einen Torbogen in den hintersten Hof gehen, wo gerade eine große Gruppe  von Menschen im Tai Chi angeleitet wird. Es ist mucksmäuschenstill, nur ab und zu gibt die Lehrerin Anweisungen.

Doch dann winkt uns eine chinesische Dame zu, die mit ihrem erwachsenen Sohn da ist, und bedeutet uns mitzukommen. In einer Hand hält sie noch ein paar Räucherstäbchen, in der anderen eine Kamera. Wir folgen ihr eine Treppe hoch und sehen noch mehr Buddhas und haben von oben einen netten Blick auf einen Teil der verwinkelten Anlage. Die Dame macht unauffällig ein paar Fotos, aber ich lasse meine Kamera lieber stecken. Ihr Sohn grinst mich an. Beide verbeugen sich dann vor den Buddhastatuen und gehen weiter.  Wir begegnen ihnen noch zwei-, dreimal auf dem Rückweg zum Ausgang, jedes Mal mit freundlichem Lächeln.

In einem kleinen Seitengebäude befindet sich eine TCM-Praxis, wir werfen aber nur einen kurzen Blick in den Hof, da dort auch Patienten sind. In einem anderen kleinen Hof werden ein paar Kinder im Tai Chi unterrichtet, hier geht es etwas lauter zu.

Trotz der Bauarbeiten erleben wir den Tempel der weißen Wolken als einen Ort friedlicher Stille. Es gibt hier viel weniger Touristen als in anderen Tempelanlagen der Stadt, dafür mehr praktizierende Gläubige. Hier werde ich sicher wieder hingehen.

Mehr zur Geschichte des Tempels und zum Daoismus findet sich zum Beispiel hier in Ulrikes bambooblog.