Hochs und Tiefs

Letzte Woche. Unter den Bäumen am Fluss tauen die letzten Schneehäufchen vor sich hin, aber die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die Temperatur ist knapp zweistellig – so richtig wunderbares Gute-Laune-Wetter. Ich sitze im Taxi auf dem Weg zur Schule, Chris Martin singt „Up and Up“ und ich fühle mich unbeschwert, leicht, glücklich – und etwas unwirklich: Ich bin tatsächlich in China! Ja, auch nach ein-einhalb Jahren packt mich dieser Gedanke noch von Zeit zu Zeit. Die Luft ist so gut, dass die Berge zu sehen sind, alles scheint freundlich, jeder, wirklich jeder, wirkt gut gelaunt. Und so setzt sich das den ganzen Freitag und das ganze Wochenende hindurch fort. Peking ist großartig! 

Was für ein Unterschied zum Dienstag. Da saß ich im Taxi auf dem Weg zur Klinik, bin in Grübeleien versunken, als auf einmal der Taxifahrer hektisch wurde und auf mich einredet, es braucht etwas, bis ich endlich verstehe, was los ist: es schneit. Okay, eigentlich sind es bloß Schneegriesel, die Sicht ist, obwohl es grau und dunkel ist, deutlich besser als an Smogtagen, die Straßen sind nass, aber nicht glatt, und trotzdem wird aus dem bis dahin zäh vor sich hin fließendem Verkehr der längste Parkplatz der Welt. Ich wünschte, ich wäre irgendwo anders, nur nicht hier. Immerhin verläuft der Termin bei den Chirurgen erfreulich, sie wollen mich derzeit nicht aufschnippeln, Glück gehabt, ich kann erleichtert nach Hause fahren. Inzwischen wurde aus dem Schneegriesel dann doch dichtes Schneetreiben und die Straßen sind glatt und es ist einfach zu dunkel. Trotz Erleichterung, dass das medizinische Problem erstmal keines mehr ist, will die Laune nicht besser werden. Und jeder, absolut jeder, wirkt mindestens so trübsinnig wie ich. Peking ist furchtbar!

Jetzt, eine Woche später. Der Winter ist zum Glück vorbei, die dunklen Tage werden weniger, richtig fieser Smog wird seltener vorkommen, der eisige Wind macht bis zum nächsten Winter Pause. Die Kinder gehen wieder im Hellen aus dem Haus und kommen im Hellen zurück. Der Spielplatz vorm Clubhaus ist, sobald die Schulbusse nachmittags eintrudeln, wieder Treffpunkt, auch die älteren Kinder „müssen“ jetzt unbedingt von ihren Müttern „abgeholt“ werden… 😉 Ist es im Sommerhalbjahr nicht überall freundlicher und heller? Hier aber ganz besonders, Peking ist schön!

Ein Kommentar:

  1. Frühling in Peking ist immer ein ganz besonderes Erlebnis! Und ich sehe gerade, dass Ihr schon über 20 Grad habt! Toll! Da kann man in diesem verregneten Hamburg ganz neidisch werden.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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