Floating Village Kampong Phluk

Von Beng Melea aus fahren wir zurück in Richtung Siem Reap, biegen aber etliche Kilometer vor der Stadt in Richtung Kampong Phluk ab, ein Dorf am Ufer des Tonle Sap. Hier will ich mir ein Floating Village ansehen. Der Tonle Sap ist der größte Süßwassersee in Südostasien – in der Regenzeit. In der Trockenzeit ist er „nur“ 2500 qm groß.  Ein Blick in den Wikipedia-Artikel erklärt mehr: Tonle Sap.

Strasse zum Floating Village

Strasse zum Floating Village

Am Ticketcounter – wieder nicht direkt am „Eingang“ sondern einige hundert Meter vorher – kaufe ich mein Ticket für die Bootsfahrt. Außer dem Wechselgeld bekomme ich auch einen Mundschutz, was mich erst irritiert. Aber nach kurzer Zeit, merke ich wieso und lege ihn an: über der Straße liegt durch die vielen Fahrzeuge eine dicke Staubwolke.

Auf beiden Seiten der Strasse sind Kanäle, dahinter leuchtend grüne Reisfelder. Schließlich erreichen wir einen Bootsanleger und ich steige in eins der bunten Boote um. Langsam tuckern wir an Dutzenden weiterer Boote vorbei, dann biegen wir um eine Kurve und ich sehe Stelzenhäuser. Oh! Schlagartig wird mir klar, dass ich in der Trockenzeit hier bin, und dass die Häuser deshalb nicht „floaten“, sondern auf ihren Stelzen etliche Meter oberhalb der Wasserlinie sind. Vom Wasser bzw. Ufer aus muss man lange, steile Leitern hochklettern, um ins Haus zu kommen.

Eine andere Welt

Auch eine Gendarmerie gibt es. Manche Häuser sind klapprige Bretterbuden, die aussehen, als ob sie gleich zusammenfallen werden, andere sehen stabiler aus. Vor manchen Häusern hängen Blumenkübel, fast überall hängt Wäsche zum trocknen. Unten am Wasser wird gearbeitet, an Netzen oder Booten oder Reusen.  Das Floating Village hat wohl alles, was ein Dorf braucht, es könnte ein Straßendorf sein, nur dass die Straße hier ein Wasserweg ist. Aber dennoch wirkt es total fremdartig auf mich. Ich versuche mir vorzustellen, wie es in der Regenzeit sein muss, wenn der Wasserstand viele Meter höher ist und man direkt aus der Haustür ins Boot steigen könnte.

Wir fahren an ein paar badenden Kindern vorbei und dann an einem Mangrovenwald. Es gibt einen Anleger mit Restaurant und kleineren Booten, mit denen man durch den „Floating Forest“ fahren könnte. Nach zwei, drei weiteren Kurven fahren wir auf den See hinaus.  Obwohl er jetzt ja dank Trockenzeit „klein“ ist, ist er riesig, scheint fast unendlich. Wir fahren ein Stück auf den See hinaus, dann wird der Motor ausgemacht und wir treiben ziemlich zügig zurück in Richtung Ufer. Schließlich fahren wir wieder zurück zum Anleger, und ich weiß die ganze Zeit nicht, wohin ich zuerst schauen soll 

Parteiplakat

Parteiplakat

Ich treffe Sokphorn am Tuktuk-Parkplatz wieder und wir fahren die lange staubige Straße zurück. Wir kommen an einer Krokodilfarm vorbei, aber ich winke dankend ab. Nicht nur, weil ich für Krokodile (und Schlangen, die es dort auch gibt) nichts übrig habe, sondern vor allem, weil mein Kopf jetzt einfach schon übervoll mit Eindrücken ist. Unterwegs tankt Sokphorn noch an einem der Stände, wo Benzin in Flaschen verkauft wird. Auch hier stehen immer wieder Plakate von Parteien am Straßenrand. Schließlich erreichen wir die Hauptstraße und fahren dann weiter zum Hotel, wo ich den Rest des Tages und den Abend am und im Pool verbringe.

 

 

 

 

5 Kommentare:

  1. Benzin in Flaschen? Spannende Fotos mit tollen Farben! …da hätte ich Kopfweh von den tollen Impressionen!

  2. Kopfweh habe ich nicht bekommen, aber ich bin morgens immer relativ früh los und spätestens gegen fünf Uhr nachmittags war meine Rübe übervoll und ich nicht mehr aufnahmefähig. Bei mir brauchen solche Eindrücke dann auch Zeit zum sacken lassen, sortieren…

  3. Oh ja, das Dorf hatte mir auch gut gefallen — die Fahrt durch den Mongrovenwald allerdings weniger. Es war so eine Einerseits- Andererseits Sache… Einerseits hatten die Frauen, die die Boote durch den Wald gelenkt haben, so ein Einkommen, andererseits… hatten sie eben ihre Kinder dabei, die den ganzen Tag in den Booten hocken, anstatt zu spielen…. (vom Alter her schienen sie zumindest noch nicht schulpflichtig zu sein…). Und dann die Versuche uns zum Kauf von Schulheften und Getränken für die Kinder zu nötigen… die sie dann am Ende ja doch nicht bekommen…

    Aber die Bootsfahrt durch das Dorf und auf den See hinaus hat uns auch sehr, sehr gut gefallen. Allerdings, so romantisch man sich das dann denken mag, das Leben dort ist sicher sehr, sehr hart! Und trotzdem so sehr eindrucksvoll.

    Cheers,
    Corinna

    • Hej Corinna,

      genau das war der Hauptgrund, dass ich da gekniffen haben (von meinem, äh, Respekt vor dem Getier in solchen Wäldern mal abgesehen). Aber ich hätte mich damit nicht einfach nicht wohlgefühlt. Ich werde noch von einem Schulbesuch erzählen, ich habe statt von Kindern zu kaufen etc. lieber dorthin etwas überwiesen.

      Ich würde die Floating Villages (noch das Mittelalter usw.) keineswegs romantisieren. Es ist interessant, eindrucksvoll, exotisch – aber es ist einfach auch ein verflixt hartes Leben. Da wird man schon dankbar, dass der Zufall einen in Deutschland auf die Welt hat kommen lassen.

      Liebe Grüße ins verschneite Shanghai!
      Linni

      • Jetzt leider nimmer verschneit, leider keine Aussicht mehr auf Schnee-Schulfrei! Aber in WuXi, nur ca. eine Stunde (Schnell)Zugfahrt von hier liegt der Schnee wohl noch 5 Zentimeter hoch. Und in Nanjing, auch nur anderthalb Stunden Zugfahrt von hier, habe ich kürzlich beim Blättern in meinen Geschichtsbüchern gesehen lag im Dezember 1937 (als die Japaner einmarschierten) auch dicker Schnee… (Entschuldige, ich schweife ab, ich bin zur Zeit total versunken in meinen Geschichtsbüchern, haha — ich überlege, mich auf Geschichtsführungen durch Shanghai zu spezialisieren… Solltest Du also mal nach Shanghai kommen, und Dich für etwas bestimmtes interessieren, sag Bescheid, :-).

        Ja, das mit dem Romantisieren…. Das, was mir bei unseren Reisen immer sehr eindrucksvoll ist, ist die Vorstellung davon, wie anders und trotzdem gut Leben sein kann.Vor allem in Kambodscha hat mich ja die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen trotz ihrer Geschichte so fasziniert. Doch in Kampong Phluk habe ich mir dann doch in Erinnerung rufen müssen, dass es eben doch ein hartes Leben ist. Von daher war der Kommentar im Grunde eher an mich gerichtet, :-).

        Cheers,
        Corinna

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