Ein Jahr später: Abschiede

Jetzt sind wir bald ein Jahr hier in China, sind wirklich angekommen und fühlen uns wohl. In zwei Wochen endet das Schuljahr, vor zwei Wochen war schon das erste Sommerfest. Sommerfeste vor den Ferien sind hier immer gleichzeitig auch Abschiedsfeste, und zusätzlich zu den Sommerfesten gibt es die eine oder andere Farewell-Party. Aus Justus‘ 5. Klasse verlassen 7 Kinder Peking, obendrein alles Jungs. Damit schrumpft die Klasse auf 16 Kinder, wenn nicht doch noch Neuankömmlinge dazukommen. Bei Rasmus geht nur ein Mädchen, aber aus einer der Parallelklassen gehen viele Kinder, so dass aus drei 4. Klassen künftig zwei 5. Klassen werden. Bei beiden Kindern ist jeweils mindestens ein „guter Freund“ unter denen, die weggehen. Und auch aus meinem engeren Umfeld gehen einige Frauen zurück nach Deutschland. Auch wenn ich jetzt nicht innerhalb eines Jahres gleich ganz dicke Freundschaften aus dem Boden stampfen kann, das braucht bei mir mehr Zeit – wer weiß, ob das nicht echte Freundschaften hätten werden können? So oder so, hier werden Lücken entstehen, und es ist gut, dass wir in den Sommerferien direkt verreisen und erstmal anderes in den Vordergrund rückt.

Hello – good bye

Ja, es ist anders mit Beziehungen hier, fast alle sind auf Zeit hier und man weiß schon beim Kennenlernen, dass in überschaubarer Zeit Goodbye gesagt werden muss. Den Zusammenhalt im Compound und in der deutschen Community empfinde ich als sehr groß. Wie ich sicher schon erzählt habe, macht es einem unter anderem die Patengruppe leicht, in Peking anzukommen, etwas zu unternehmen, Kontakte zu knüpfen. Auf Fragen zum Alltag („wo gibt es eigentlich…?“) bekommt man immer eine Antwort, nein, nicht nur eine Antwort, sondern direkt das Angebot mit hingenommen zu werden.

Zàijiàn! - Auf Wiedersehen!

Zàijiàn! – Auf Wiedersehen!

Auch die Jungs sind schnell in ihren Klassen angekommen und haben rasch Freundschaften geschlossen. Aber hier kennen alle Kinder das neu sein, sie sind vor gar nicht allzu langer Zeit selbst noch der Neue gewesen. Das ist doch anders als in Hamburg, wo sich manche Kindergruppen schon seit der Kindergartenzeit kennen und es eigentlich nur bei der Einschulung und beim Übergang auf die weiterführende Schule die Situation „alle neu“ gibt und nur ganz selten wirklich mal ein Kind ganz neu dazukommt. Die Kinder hier wissen alle, wie das mit Heimweh und dem Vermissen der alten Freunde ist und – soweit ich das als Mutter beurteilen kann und aus den knappen Erzählungen der Jungs heraushöre – unterstützen sich gegenseitig.

Ich erlebe diese neuen Beziehungen hier als intensiver, die Phase des Beschnupperns geht viel schneller, dadurch, dass  hier die mitreisendenden Partnerinnen zumeist keine eigene Arbeitserlaubnis und demzufolge viel Zeit haben, sieht man sich viel öfter und lernt sich relativ schnell kennen. Es heißt, wenn einen der deutsche Alltag erstmal wieder hat, bleibt nicht mehr viel Zeit, an Peking und die deutschen Pekinger zu denken. Aber ich hoffe doch sehr, dass es nicht nur Abschiede für immer gibt, sondern dass es auch Wiedersehen gibt – wann und wo auch immer.

3 Kommentare:

  1. Ein wundervoller Beitrag!

    Als Kind zog ich ganz schön oft um und war immer die Neue, als ich in die schöne Pfalz zog war ich „die Saarländerin“. Diese Zeit fand ich – um ganz ehrlich zu sein – richtig furchtbar. Fühlte mich nirgends richtig aufgehoben…

    Ich kann mir den Unterschied, zu dem, was du und deine Kinder in Peking erleben richtig gut vorstellen.

    In diesem Sinne drücke ich dir die Daumen, dass es keine Abschiede für immer, sondern auch einige „Wiedersehen“ waren 🙂

    Liebe Grüße, Janina

  2. Ja, darüber habe ich auch gerade geschrieben… Trotz all‘ des tollen und aufregenden Neuen, das wir hier erleben und trotz der Freundschaften, tun die Abschiede doch unendlich weh. Die Beziehungen und Freundschaften sind hier eben wirklich anders. Dieses Jahr trifft es mich so hart, dass ich seit ungefähr einer Woche Dauertränen in den Augen habe.

    Ich wünsche Euch einen schönen Sommer!

    So long,
    Corinna

  3. Janina, das tut mir leid, dass Dir die vielen Umzüge so zu schaffen gemacht hat. Dass es für unsere Jungs hier schwierig werden könnte und dass sie sich womöglich nicht wohl fühlen und keinen Anschluß finden, das war meine größte Sorge bevor wir angekommen sind – zum Glück hat sich das nicht bestätigt, im Gegenteil. Danke für die guten Wiedersehens-Wünsche! 🙂

    Ach Corinna, ich wünsche Dir, dass der Kummer nicht überhand nimmt und dass es auch bei Dir keine Abschiede für immer sind. Dir auch einen schönen, spannenden Sommer!

    Gestern war wieder eines dieser letzten Male, ein fröhlicher kichernder Hühnerhaufen auf Achse, ein wirklich schöner Abend mit Menschen, die mein Leben hier reicher machen – gemacht haben. Es gibt Wiedersehenspläne, wäre schön, wenn das klappt.

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