Alte Hasen – Pekingjahr Nr. 3

Hab ich schon darüber gejammert, dass mir das Wiederankommen in Peking diesmal so schwergefallen ist wie noch nie? Und das, obwohl wir hier jetzt doch schon zu den alten Hasen gehören und unser 3. Pekingjahr begonnen hat! Inzwischen habe ich mehrere Gründe dafür ausgemacht. Da es aber nun mal so ist, wie es ist, und es mir nicht liegt, lange jaulend in der Ecke zu hocken, muss ich gezielt aktiv werden, um aus dem Jammertal wieder herauszukommen.

Startschwierigkeiten

Ein Grund für die Startschwierigkeiten war bestimmt, dass wir bisher noch nie so lange am Stück weg aus Peking waren. Das Umschalten von europäischen auf chinesische Standards fiel mir da nun besonders schwer. Hier habe ich mir bewusst gemacht, was mir an China und Peking gut gefällt.

Bei so toller Luft ist der Sommer hier nochmal so schön!

Beispiele: Ich mag den langen Sommer hier und es ist gut zu wissen, dass wir noch ein paar sommerliche Wochen vor uns haben. Auch wenn einem hier Käse und Grillwurst fehlen kann, gibt es doch hervorragendes chinesisches Essen. Ich mag den Pragmatismus, mit dem Probleme schnell gelöst werden (können…). Einkaufen im chinesischen Supermarkt ist viel entspannter, weil ich nicht im Akkord das Tempo der Supermarkt-Kassiererin halten muss, ich fand das Bezahlen in deutschen Supermärkten wirklich anstrengend. Ich mag die aktive Nachbarschaft hier, den Zusammenhalt unter den Deutschen. Das mögen nur Kleinigkeiten sein, aber mein Alltag setzt sich nun mal aus 1000 Kleinigkeiten zusammen.

Keine Kleinigkeit: Auch wenn der Abschiedskummer beim Abflug aus Hamburg fürchterlich war, meine Jungs sind wieder richtig angekommen, sogar schneller als ich. Und wenn es den Kindern gut geht, dann ist die Welt für mich im Wesentlichen in Ordnung. Okay, auch ihnen fehlen die Finnen…

Ja, die Finnen. Meine finnische Freundin fehlt an allen Ecken und Enden. Sie ist nicht die erste, die gegangen ist, und die vermisst wird, und wird auch nicht die letzte sein. Aber sie war eine der ersten, die ich hier kennengelernt habe und mit der ich besonders viel unternommen habe. Zum Glück ist meine südafrikanische Freundin noch hier! Jetzt sind wir halt nicht mehr drei, die sich gegenseitig stützen und treiben und ins Abenteuer stürzen, aber zu zweit wird das auch gehen. Und im nächsten Sommer reisen wir nach Finnland – und mit Glück klappt es vorher mit einem finnischen Besuch hier.

„Früher war alles besser“-Peking Edition. 😉

Es ist nicht mehr alles neu und aufregend. Klar, mit unserem finnisch-südafrikanisch-deutschen Trio ließ sich die chinesische Welt wirklich besonders gut erobern. War ja alles auch noch ganz frisch, neu und aufregend. Aber als Duo und/oder in neuen Kombinationen wird das auch gehen!

War das schön, als Miriam noch die Fotogruppe geleitet hat! An ihre fotografischen Fähigkeiten werde ich nie herankommen, aber es macht Spaß, zu überlegen, wohin die Fotogruppenausflüge gehen können und eine gute Mischung von Zielen herauszusuchen und vorher auszuprobieren.

Das Pekingleben mag mir ja jetzt im dritten Jahr schon total vertraut sein,

Immer wieder aufregend!

aber ist es in Wahrheit nicht doch wahnsinnig aufregend und ein Privileg, das erleben zu dürfen? Hier in unserer Nachbarschaft, in der deutschen Community ist „Leben in Peking“ total normal. Aber eigentlich ist es doch etwas Besonderes, was nicht jeder erleben kann. Und wenn ich daran denke, dann bin ich trotz aller gelegentlichen Nickeligkeiten außerordentlich dankbar für diese Erfahrungen hier.

Auch das Weltbild ändert sich

Einmal abgesehen vom Alltag, das Leben in Peking ändert auch das eigene Weltbild. Meines war vorher doch sehr eurozentrisch. Erst jetzt habe ich eine wirkliche Vorstellung davon, wie klein Deutschland und Europa im Vergleich zu China und Asien sind. Ich habe immer gedacht, ich lebe in einer Großstadt, doch wenn ich jetzt „zu Besuch/nach Hause“ nach Hamburg komme, kommt es mir klein und überschaubar vor, vieles sogar ein bisschen provinziell. Trotz der Nörgelei: Hamburg bleibt für mich die schönste Stadt Deutschlands! Den Slogan „global denken, lokal handeln“ fand ich immer super – aber in Wahrheit kann ich erst, seit ich in Peking lebe „global denken“. Vielleicht auch nicht, vielleicht müsste ich auch erst noch in Südamerika etc. mal gelebt haben, bis das wirklich geht… Es ist eben doch ein großer Unterschied zwischen angelesenem, theoretischem Wissen und dem wirklichen Leben.

Und was das „ich kenne Peking“ angeht: Es gibt noch so viele sehenswerte Orte in Peking und Umgebung, die ich noch erkunden will und werde! Gut, die Reiseführer TOP 10, TOP 20+ habe ich sicher alle schon (mehrmals) gesehen. Aber auf insidebeijing.de finden sich fast 170 Sehenswürdigkeiten, also langweilig wird es nicht werden.

Vorhaben für mein drittes Pekingjahr: 

  • Regelmäßiges Sightseeing, mind. 2 mal im Monat, besser wöchentlich. Hängt ein bisschen von Luftwerten und Pflichten ab.
  • Auch ohne Chinesischkurs weiter pauken. HSK3 ist das nächste Ziel.
  • Meine wenigen Kontakte zu Chinesinnen weiter hegen und pflegen!
  • Meine Weiterbildung erfolgreich und in weniger als der vorgesehen Zeit abschließen und mein Buchprojekt vorantreiben: schreiben, schreiben, schreiben. Das wird aber noch über das dritte Pekingjahr hinaus Zeit benötigen. Pssst, das ist eigentlich geheim. 😉
  • Nach Xi’an und Yunnan reisen. 
  • Mehr Zeit mit den Nachbarinnen verbringen bzw. mit ihnen etwas unternehmen. Hier gibt es so viele sympathische, interessante Frauen mit den unterschiedlichsten Biographien! 
  • Möglichst viele Besucher aus Deutschland hier empfangen! Wir haben Platz, und ich liebe es, Peking durch Besucher-Augen zu sehen und Guide zu spielen!
  • Offen sein für Unvorhergesehenes, Gelegenheiten beim Schopf ergreifen!

Hmm, wenn ich das jetzt so sehe, dann wird auch mein drittes Pekingjahr aufregend, interessant und schön werden. Jammerei endet hier. 🙂

4 Kommentare:

  1. Wenn ich dieses Jahr noch nach Peking kommen würde! Alles Gute weiterhin! Ich finde es sehr sehr gut, dass Du es als Privileg ansiehst, in Peking sein zu können. 3 Jahre Peking! Da könnte ich glatt neidisch werden
    LG
    Ulrike

  2. Beim nächsten Hamburg-Besuch mit Merle treffen 😉

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